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Willens- und Handlungsfreiheit

I. Definiere Handlungsfreiheit im Gegensatz zu Willensfreiheit.

Handlungsfreiheit ist die Möglichkeit eines Menschen seinem Willen gemäß zu handeln, also
aufgrund seiner eigenen, auch kritischen, Überlegungen diejenige Handlungsoption auszuwählen,
die ihm am meisten zusagt.
Natürlich ist diese Freiheit nicht unbegrenzt, so wird der Mensch durch eine Vielzahl an äußeren
Faktoren eingeschränkt und determiniert: anthropogenen, wie gesellschaftliche, rechtliche
Verordnungen, Abhängigkeiten und Normen einerseits und natürlichen, wie die Naturgesetze,
materielle und nicht zuletzt die eigene fleischliche, genetische Unüberwindbarkeit auf der anderen
Seite, wobei ebenso die Herkunft dazugezählt werden muss.
Abgegrenzt und demgegenüber steht der Begriff der Willensfreiheit, wobei es nicht mehr um äußere
Einflüsse geht, sondern um die Frage, inwieweit der Mensch im Inneren, das sich in Willen, aber
auch in Emotionen und Charakter manifestiert, unabhängig, unbestimmt, „frei“ ist.
Wie in der Handlungsfreiheit muss es möglich sein auszuwählen, hier daraus, welche Motive,
Überzeugungen und Wünsche sich durch die Wollensalternative ausdrücken sollen.
Auch die Willensfreiheit wird selbstverständlich eingeschnürt, durch Unterbewusstsein, genetische
Veranlagung, Triebe etc.
In Bezug auf Ethik stellt sich nun die Frage, ob ethische Urteilsfindung im Falle der Willensfreiheit
und moralisches Handeln im Falle der Handlungsfreiheit trotz dieser zahlreichen Limitationen denn
überhaupt verantwortlich möglich sind

II. Finde Argumente für eine Priorisierung der zwei Freiheitsbegriffe.

Die Handlungsfreiheit ließe sich der Willensfreiheit dadurch vorziehen, dass sie sich als Folge des
Willens äußert, erst jemand, der auch frei handelt, ist im Stande seine Überlegungen in die Praxis
umzusetzen. Einwenden lässt sich dagegen, dass es zu einer integeren Handlung ebenso eines
unbeeinträchtigten vorangegangenen Gedankengangs bedarf, ohne Plan wird überzeugtes,
verantwortliches Handeln unmöglich. Ein wichtiger Aspekt, den es ebenso zu betrachten gilt, stellt
sich in dem Maße der Beeinträchtigung der jeweiligen Freiheit der beiden heraus, welcher
selbstversändlich in sehr großem Umfang individuell verschieden und somit allgemeingültig nicht
zu erfassen ist, jedoch lässt sich meines Erachtens nach gerade im Falle der Ethik die
Willensfreiheit favorisieren, da sie weniger abhängig ist von physischen Gesichtspunkten, sicherlich
ist spätestens seit Neurowissenschaft bekannt, dass auch gedankliche Prozesse nicht
uneingeschränkt funktionieren, die äußeren Umstände allerdings sind beinahe nicht zu ändern.
Da es sich dabei um eine subjektive Gewichtung handelt, ist es ebenso möglich zu sagen, die
Willensfreiheit sei weit umfassender determiniert, stehen bleiben also die ersten beiden Argumente.
Schließt man ein, dass Selbstverwirklichung, kritische Selbstreflexion und Verantwortlichkeit sich
im Geiste wie in den Taten offenbaren, lässt sich wertungsbedingt nur eine persönliche, keine
universelle Priorisierung erstellen, für mich jedoch ist die Willensfreiheit schlicht die Basis für
Handlungsfreiheit, jedoch sollte es ebenfalls nicht beim bloßen perfekten Willen bleiben.

Tobias Hundhammer, K13 01.Oktober 2010 Grundkurs Evangelische Religion