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Schab, Frau Perchta und Höllengestalten

Ob traditionelles Jedermannsspiel oder moderner Krampuslauf. Im ganzen Ennstal verbreiten bald wieder unheimliche Gestalten Angst und
Schrecken.

Foto © PrivatDie Schab leiten die traditionellen Krampusspiele ein


Frau Perchta sorgt für Sauberkeit, der Krampus für Schrecken und der Nikolo verteilt seine Packerln an die Kinder. So sagt es jedenfalls der
Volksglaube. Doch wohin steckt man die gruseligen Gesellen, die bei sogenannten Perchtenläufen im Lande für Furcht und Schrecken sorgen?
Die Antwort weiß der Ennstaler Historiker Josef Hasitschka. "Eigentlich gibt es bei uns nur die Frau Perchta, die keinesfalls mit den
Gruselgestalten bei Umzügen zu verwechseln ist", so Hasitschka. So werde der putzende Geist vornehmlich von Kindern dargestellt. Stumm
wohlweislich. Also nicht mit schauderhaftem Gebrüll? "Nein, Frau Perchta schweigt und putzt", verrät Hasitschka. Außerdem sucht das alte
Weiblein die Menschen immer erst am 5. Jänner heim und nicht schon am 5. Dezember.
Krampus und Nikolaus haben in unserem Breiten die längste Tradition. Der gehörnte Wilde ist als Begleiter des heiligen Nikolaus auserwählt
worden. Gnadenhalber. Nimmt man es mit der Tradition besonders genau, ist ein Besuch im Salzkammergut empfehlenswert. Hier organisiert
Franz Strick in Bad Mitterndorf seit 1958 das Krampusspiel. "Wir führen seit mehr als 70 Jahren in Krungl bei Bad Mitterndorf ein
Jedermannsspiel (Anm. auch Krampusspiel) auf. Es geht dabei um Gut und Böse. Bei uns wird Tradition groß geschrieben", erklärt Strick.
Sehenswert ist auch das Niklospiel in Tauplitz.

Behörnt
Pünktlich um 17 Uhr geht es am 5. Dezember vor dem Gasthaus Kanzler im Ort Krungl los. "95 Figuren sind mit dabei. Darunter auch die
Schab", sagt Strick. Wer an Insekten denkt, ist falsch gewickelt. "Die Schab, in Stroh gehüllte behörnte Männer, leiten mit rhythmischen
Schnalzern das Spiel ein", weiß Josef Hasitschka. Weit weg von alten Bräuchen sind die modernen Perchten- und Krampusläufe angesiedelt.
"Dieses Phänomen gibt es erst seit 15 Jahren", so Hasitschka.
Dazu gehört auch der größte Krampuslauf in der Steiermark, der jedes Jahr von der Bauer Pass in Schladming organisiert wird. "Angefangen
haben wir mit 15 Passen und 150 Mitwirkenden, heute sind es über 900 Teilnehmer. Heuer ist sogar eine kroatische Gruppe dabei", freut sich
Organisatorin Emma Bauer. Zum 17. Mal ziehen am 28. November schaurige Gesellen durch die Stadt. "Der Umzug dauert rund drei Stunden",
so Bauer, die vor einigen Jahren sogar Gäste aus der Mongolei begrüßen konnte.