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Das Magazin der Studierenden der Universität St.

Gallen
November 2010 Nummer 330

Drogen
LOCATION: ZURICH

one you
one Credit Suisse
ALEXANDER WOLLTE MEHR VERANTWORTUNG. WIR VERTRAUTEN IHM UNSERE
WICHTIGSTEN KUNDEN AN. Als Alexander mit der Betreuung seiner neuen Private Banking Kunden
startete, war nicht abzusehen, wohin ihn sein Engagement führen würde. Heute berät er 50 unserer grössten
Kunden in Nahost. Seine Empfehlungen sind für die Kunden sehr wertvoll – die Erfahrung für ihn unbezahlbar.
Lesen Sie Alexanders Geschichte unter credit-suisse.com/careers
Präsidentin
Charlotte Claesson

Editorial
Ressorts
Tristan Swysen
Ressortleiter Aktuell

Katrin Stutz
Ressortleiterin Campus Zeit für eine
Marisa Steiner
Entziehungskur!
Ressortleiterin Thema

W ir sind Junkies. Nicht nur die hartgesottenen BWLer, die


sich vor dem wichtigen Meeting noch schnell eine Line
reinziehen. Süchtig sind wir alle: Nach dem heiteren Lärm rau-
Gabriel Schmid schender Partys, nach diversen Aufputschmitteln als Lernhilfe,
Ressortleiter 360° nach virtueller Anerkennung in Online-Netzwerken. Wer hat sich
noch nie beim Einloggen im Fünf-Minuten-Takt auf Facebook
ertappt? Um 3 Uhr morgens gefragt, wieso er eben eine ganze
Staffel «How I Met Your Mother» geschaut hat? Oder trotz guten
Annegret Funke
Ressortleiterin Menschen Vorsätzen die Chips-Packung leer gegessen? Diese zwanghaften
Verhaltensweisen sind denen eines Drogensüchtigen zum Ver-
wechseln ähnlich.

Warum flüchten wir uns in den (Drogen-)Rausch? Die vorlie-


gende prisma-Ausgabe nimmt sich dieser Frage an. Ob das Hero-
inspritzen im Stadtpark, der Einwurf einer Ritalintablette vor der
Layout Prüfung oder der suchtartige Musikkonsum, die Hintergründe
ähneln sich. Die Sucht ist eine Flucht vor der Wirklichkeit in eine
Michael Pum
surreale Welt. Man versucht die trostlose Leere der Existenz zu
Layoutchef
füllen, dem Erfolgsdruck der Leistungsgesellschaft zu entrinnen
oder die Stille des Alltags zu verdrängen.

Pascal Fischer Das mag eine Zeit lang funktionieren. Auf die Dauer ist es
Layouter zum Scheitern verdammt. Wie staatliche Konjunkturprogramme
machen Drogen nur kurzfristig glücklich. Probleme werden nicht
gelöst, sondern aufgeschoben. «Opium heilt alles, nur nicht sich
selbst,» hiess es schon im alten Rom. Wir sollten einen Drogen-
Raphael Güller
entzug wagen. Stellen wir uns unbenebelt und nüchtern den He-
Layouter
rausforderungen des Lebens, statt vor ihnen zu flüchten.

Viel Spass bei der Lektüre!


Lisa Jaeggli
Layouterin

Martin Schulz
Layouter

Luc-Etienne Fauquex
Chefredaktor

Titelblatt: Von Lisa Jaeggli im Trischli


am 13.10.2010 an der NEON-Party
des Luzernervereins aufgenommen.

November 2010 – prisma 3


Inhaltsverzeichnis

Lernst du noch oder dopst du schon? If you want it, it is no dream

Seite 30 Jeder kennt einen, der einen kennt,


der Ritalin nimmt – und zwar nicht
wegen ADHS, sondern zwecks Leistungssteigerung. Statistiken
Seite 48 Das Leben in Israel läuft kaum
anders ab als in einem westeur-
opäischen Land. Die Menschen kümmern sich primär um
bestätigen den Trend: Die Pille wird an Schweizer Unis gerne ihre Alltagssorgen. Der Konflikt mit den Palästinensern ist für
eingeworfen. Grund genug, einen Selbstversucht zu wagen. die meisten Israeli weit weg. Auf der anderen Seite der Grenze
versuchen auch viele Palästinenser, den Konflikt auszublen-
den und einfach ihren Lebensweg zu gehen. Der Bericht eines
israelischen Studenten.

Meinung Studentenschaft
3 Editorial 14 Das Studium konsumieren
61 Cartoon International Days
Heftvorschau 15 StuPa-Wahlen 2010
65 Leserbriefe 16 New Yorker Legenden auf dem Campus
66 Das Gerücht 17 Make IW, not War
Bilderrätsel
67 Zuckerbrot & Peitsche

Aktuell Campus
8 Agenda
10 Kurzmeldungen 20 Volle Power für das ISC
21 Studienfinanzierung an der HSG
22 Multikulti an der HSG
23 25 Jahre HSG Big Band
24 Game on für die St. Gallen Gekkos!
25 Geburt und erste Gehversuche: Die
Gründung des Industrial Clubs
26 Die Weinelite
27 Die HSG in 384 Wörtern

4 prisma – November 2010


Impressum
Ausgabe 330, November 2010
Studentenschaft Universität St. Gallen
Redaktion prisma
Oberer Graben 3, 9000 St. Gallen,
prisma@myunisg.ch, 076 579 92 21

Präsidentin: Charlotte Claesson


Chefredaktor: Luc-Etienne Fauquex
Finanzen: Tristan Swysen
Layoutleitung: Michael Pum

Cartoon: Moritz Runge

Anzeigenregie: Metrocomm AG,


St. Gallen, 071 272 80 50
Druck: dfmedia, Flawil, 058 344 96 96
Lektorat: Monika Künzi

Freifahrt für die Künste Wiedergabe von Artikeln und Bildern,


auch auszugsweise, nur mit Genehmigung

Seite 56 Das kulturelle Angebot von St. Gal-


len hat Zuwachs bekommen. Nach
langer Renovierungsphase hat die Lokremise wiedereröffnet
der Redaktion.

Die Redaktoren sind unabhängig. Die


und hat nun ein Flair, das wie aus Berlin importiert wirkt. in den Texten vertretenen Meinungen
repräsentieren folglich nicht unbedingt
die Meinung des Herausgebers oder der
gesamten prisma-Redaktion.

Thema Menschen
30 Lernst du noch oder dopst du schon? 54 Umfrage: Was ist deine Rausch-Geschichte?
32 Drogen: Facts & Figures 56 Freifahrt für die Künste
33 Die versuchte Neugier 58 Ein Social Start-up für existenzielle Lernhilfe
34 Mittelbild: Ein Zug & du bist weg... 60 Herausgepickt: Markus Anker, Unipfarrer
36 Drogenfilme – eine Auswahl 62 Partypics: Semester Break Party
38 Absinth und Spritzen im Stadtpark 64 Profs privat: Christine Legner
40 Der Drogenkrieg in Mexiko
41 Rausch auf Umwegen

360°
44
46
prisma empfiehlt
Der Anfang vom Ende des Sozialismus in
prisma-hsg.ch @
Venezuela? • Sieh dir das aktuelle Heft – und alle vor-
48 If you want it, it is no dream hergehenden Ausgaben – auch online an!
50 Schwing dein Ding • Auf unserem Blog informieren wir dich über
51 Die Liste der Alltagsdrogen das Welt- und Webgeschehen.
• Ob Buch, Verein oder Dozenten – bei uns
findest du zu allem was …

November 2010 – prisma 5


BLOG CAMPUS ONLINE
14.10.10 / Und alles
löste sich im Alkohol
Von Vladimir Mijatovic
Bücherbörse
Die Grüne Bibel oder andere
Bücher gebraucht und zu
einem Bruchteil des Neuprei-
ses kaufen.

Captain Hook – Reloa- Einführung in die Management-


ded lehre in 5 Bänden, 2010, ab
50.- CHF
Ursachen und Hintergründe
der aufstrebenden modernen
Piraterie in Somalia. Kaufe/Verkauf deine Bücher auf
prisma-hsg.ch/campus/buecher

Neuster Vereinszugang
VIAS ist eine studenti-
Mit acht Jahren leerte er seine erste Flasche, mit 15 waren
sche Initiative, welche
es schon sechs bis sieben Liter Bier am Tag und mit 43
die Kommunikation
musste er sich die Frage stellen, ob er weiterleben will.
zwischen den IA-Studie-
Prisma traf Ruedi und redete mit ihm über sein Leben, die
renden und den für das
Sucht und den täglichen Kampf gegen den Rückfall.
Programm verantwortlichen Professoren
Melancholie ist das optimieren will. Ziel ist es, die Attraktivität
Ein milder Herbsttag neigt sich dem Ende zu, als ich mich Vergnügen traurig zu des Studiums im Bezug auf Programm
vom St. Galler Bahnhof zum abgemachten Treffpunkt
begebe. Ein kurzer Blick auf die Uhr erinnert mich daran,
sein und Sozialleben zu steigern. Neben dem
Ein Stimmungsbild des Herbs- BIA/MIA-Starttag hat VIAS eine grosse
dass ich bereits sieben Minuten zu spät bin. Noch weiss
tes und Musik-Tips um der Umfrage organisiert,
ich nicht, wie der Mann aussieht, den ich gleich treffen
werde. Doch wie sieht jemand aus, der mehr als drei kalten Jahreszeit zu frönen.
Supporte deinen Verein auf
Jahrzehnte Alkoholsüchtig war? Wie stark hat sich die
prisma-hsg.ch/campus/vereine
psychische Sucht auf sein physisches Erscheinungsbild
ausgewirkt?

Als ich schliesslich am Treffpunkt ankomme erkenne ich


ihn sofort, aber nicht weil er aussieht wie ein Alkoholiker, Das prisma
vielmehr weil er aussieht wie bestellt und nicht abgeholt. Dozentenrating
Wer kann es ihm verübeln? Mittlerweile waren es schon
fast zehn Minuten.
An der Uni Zürich
Da ist er nun: Ein hagerer Mann, graues kurzes Haar, gibt`s das günstigste Top 5
Jacke mit Tarnfleckmuster, die seinen Oberkörper etwas Essen 1. Metelmann Jörg
sperrig wirken lässt, Röhrenjeans und unter dem Arm ein- Die Mensen der Schweizer 2. Fieseler Christian
geklemmt einen Motorradhelm.
Unis im Vergleich. Welche 3. Rudolph Thomas
«AC/DC Ruedi, trockener Alkoholiker seit sechs Jahren.»
bietet das billigste Essen? 4. Härter Andreas
sagt er während er (weiter...)
5. Roberto Vito

Kommentiert 5. Treyer Oscar A. G.


4. Meckel Miriam
Dieses ewige Geklöne über Mensapreise ist der totale Lustkiller. Und das von HSG-Studenten. Ein warmes Essen 3. Bütler Monika
kostet halt einfach mal einige Franken. Wollt ihr, dass euch die Steuerzahler auch noch das Essen bezahlen? Mit
2. Frauendorfer Karl
1. Spoun Sascha
der gleichen Attitude fordern die Sozis in Zürich staatlich verbilligte Wohnungen. Ist das der Heulsusi’s nächste
Station?
Kommentar von Charles Hügli zum Artikel «An der Uni Zürich gibt`s das günstigste Essen»
Bottom 5
Vote für deine Dozenten auf
prisma-hsg.ch/campus/dozentenrating
6 prisma – November 2010
A ktuell
8 Terminkalender
10 Kurzmeldungen

Foto: Andrin Buchli


Agenda

November
DO Unisport
Cycling Marathon
MO HSG 25
15
Gymnastikraum AZSG – 18.30
Beginn 2. Semesterhälfte
1-3 Teilnehmende halten ein Bike während 7
Der Endspurt beginnt. Alle, die während des Stunden in Bewegung. 18.30 Uhr bis ca. 02.00
Breaks noch nichts getan haben, sollten wohl Uhr. Anmeldeschluss: 22. November. Informa-
langsam damit beginnen. tion bei unisport@unisg.ch, 071 224 22 50 oder
direkt im Sportbüro

HSG
LWA: Abgabe Seminararbeit
Studynet – 16.00 DI Kybelia
Winterwonderland
Letzte Eisenbahn für unsere Assessis! Abgabe der
LWA Seminarabeit – nicht vergessen: Bis 16.00
30
ins Studynet im Word- oder PDF- Format. Wenn du an ein wenig Wintersport (je nach Wet-
ter) und anschliessend an einem köstlichen Fon-
due interessiert bist, schliesse dich uns an!
Für weitere Infos siehe www.kybelia.ch oder
MI Cercle des Francophones melde dich bei fuxmajor@kybelia.ch.
Extravaganza
17 Elephant – 22.00
Auch dieses Jahr gibt es wieder die Möglichkeit
Akademischer Klub
die extravagantesten Kleidungsstücke aus dem
Exkursion
Indoor-Klettern – 19.00
Schrank zu holen und sich für eine verrückte
Nacht vorzubereiten. Treffpunkt: Bahnhof St. Gallen. Anmeldung
Anlässlich der diesjährigen EXTRAVAGANZA- unter aktivitas@akademischerklub.ch
Party kostet das Bier den ganzen Abend nur 5
CHF. Kommt zahlreich!

DI Sicherheitspolitisches Forum
Apéro & Diskussion
23 B-Gebäude 09-011 – 18.45
Podiumsdiskussion zum Thema «Hat die
Schweizer Armee eine Zukunft?» unter anderem
mit Bruno Zuppiger (SVP, Oberst aD), Divisionär
Jean-Marc Halter (Chef Führungsstab der Ar-
mee) und Patrick Angele (GSoA).

Akademischer Klub
Exkursion
Kunstgiesserei St. Gallen – 20.15
Treffpunkt: Bahnhof St. Gallen. Anmeldung
unter aktivitas@akademischerklub.ch

Aktuell 8 prisma – November 2010


Dezember
MO prisma
Das neue prisma zum Thema
MI Unisport
Tennis Night 13
1 TC Wittenbach – 21.30
«Fernsehen» liegt auf

Doppel-Gruppenspiele, aufgeteilt in Unisport- Holt euch das druckfrische prisma-Magazin in


Spielniveaus 3+4 und 5+6. 21.30 Uhr bis ca. 03.00 der Haupthalle des A-Gebäudes oder beim Ein-
Uhr. Fr. 70.- pro Team, inkl. Spaghettiplausch. gang des B-Gebäudes.
Anmeldeschluss: 22. November. Information bei
unisport@unisg.ch, 071 224 22 50 oder direkt im
Sportbüro
MO HSG
20 Buchhaltungsprüfung
DI Unisport
Langlauf Einführung
7 Loipe Gonten – 12.30
Erlebe die Faszination des Langlaufsports. 12.30
Uhr bis ca. 17.00 Uhr. Anmeldeschluss: 3. De-
zember. Information bei unisport@unisg.ch, MI prisma
Semester Fade-out Party
071 224 22 50 oder direkt im Sportbüro
22 Elephant – 22.00
Feiert mit uns nochmals so richtig bevor die Prü-
Akademischer Klub fungen anstehen:
Samichlaushöck Wenige Tage vor dem heiligen Fest darf noch-
Oberstrasse 91, St. Gallen
mals gesündigt werden. An der letzten Party des
Anmeldung unter Semesters erwarten dich einmal dich einmal
aktivitas@akademischerklub.ch mehr heisse Beats und coole Drinks.

Uni Orchester
DO FR HSG
Konzert
9 Aula HSG – 20.00 24 Semesterende
Programm:
Grieg: Peer Gynt
Tchaikowsky: Nussknacker
Bach: Toccata und Fuge

prisma-hsg.ch @
Kurzfristige Änderungen und die neusten Termine
findest du auf dem prisma-Blog!

www.prisma-hsg.ch/blog

November 2010 – prisma 9 Aktuell


bringen und ihn mitgestalten willst. Bei sicht die Integration der französisch-
uns erlebst du Teamgeist und kannst sprachigen Studenten der Universität St
deine Ideen verwirklichen. Gallen, doch mittlerweile haben sich die
Interessiert? Dann besuche uns Veranstaltungen des CFs zur Tradition
auf www.akademischerklub.ch oder aller Studenten entwickelt.
melde dich unverbindlich zu einem So findet auch dieses Jahr unter ande-
Amnesty International an der unserer spannenden Anlässe an unter rem die legendäre EXTRAVAGANZA statt
HSG aktivitas@akademischerklub.ch. Wir (17. November). Anlässlich der Rückkehr
Weltweit wird tagtäglich gegen die freuen uns auf dich! ins Elephant gilt Bier für 5 CHF die ganze
Menschenrechte verstossen. Amnesty Nacht! Wir laden euch also alle herzlichst
International hat es sich zur Aufgabe ge- ein, mit uns im Elephant die Tanzfläche
macht, Missachtungen von Menschen- unsicher zu machen.
rechten zu verhindern und ans Licht
zu bringen. Menschenrechte gehen alle
etwas an. Die Zukunft hängt davon ab,
ob und wie die Entscheidungsträger von
morgen ihre gesellschaftliche Verant- Calanda Bündnerverein
wortung wahrnehmen. Allegra! Bist du eine Bündnerin bzw.
Die Amnesty International Students ein Bündner oder hast sonst einen Be-
St. Gallen organisieren fortlaufend Vor- zug zu dem sonnigen Südost-Kanton? Eintragen und als bezahlter Pro-
träge, Diskussionen, Filmabende sowie Dann gibt es für dich die Möglichkeit, jektmitarbeiter durchstarten
Briefaktionen und spontane Events, um die freundliche und frische Atmosphäre Esprit ist eine studentische Unter-
Studentinnen und Studenten in spezi- Graubündens auch im etwas nebligen nehmensberatung an der Universität St.
fischen Menschenrechtsbereichen zu St. Gallen erleben zu können! Gallen.
sensibilisieren. Wir sind ein ungezwungener Verein Als Projektmitarbeiter hast Du die
Setze auch Du Dich für die Men- von HeimwehbündnerInnen und Sympa- Möglichkeit, das theoretische Wissen
schenrechte ein. Besuche unsere Veran- thisanten, der sich gerne hin und wieder aus deinem Studium in zahlreichen Pro-
staltungen oder werde Mitglied und mel- zu einem Calanda, einem Jassabend oder jekten in die Praxis umzusetzen. Selbst-
de Dich unter amnesty@myunisg.ch! anderen unterhaltsamen Anlässen trifft. verständlich werden die Projekte finan-
Geplante Veranstaltungen im Bünd- ziell vergütet.
ner Vereinsleben sind unter anderem Trage dich jetzt ein und werde Pro-
eine Fragestunde für Assessmentstu- jektmitarbeiter bei Esprit: http://www.
denten, um diese optimal auf die Lern- espritsg.ch/pages/newsletters.htm
und Prüfungsphase vorzubereiten, das facebook: ESPRIT ST. GALLEN
Weihnachtsessen und ein Bündnerfest, Durch den Eintrag wirst Du regelmässig
Fun, Network & Personality welches dem Spassfaktor des Bündner- über neue Projekte informiert, sodass
Willst du einen spannenden und fests in Zürich Konkurrenz machen wird. Du dich gezielt für einzelne Mandate
vielseitigen Ausgleich zum Studium? Weitere Informationen erhältst bewerben kannst.
Suchst du den Zusammenhalt und das du unter www.calandaverein.ch, Weitere Informationen findest Du
Netzwerk einer Verbindung ohne dich www.facebook.com/calandaverein oder unter www.espritsg.ch
Regeln, Zwängen und Farben zu un- jederzeit per Mail.
terwerfen? Dann bist du bei uns genau Interessiert?! Dann sende uns deine
richtig! Personalien an buendner@myunisg.ch.
Club for Fun: Ein vielfältiges Se- Wir würden uns freuen, auch dich in un-
mesterprogramm sorgt jeden Dienstag- serem Kreis begrüssen zu dürfen!
abend für Abwechslung. Dieses Seme- VIVA LA GRISCHA!
ster erwarten dich u. a folgende Anlässe.
Badespass im Säntispark, Kunstgiesserei Eishockey an der Universität St.
St. Gallen oder Indoor-Klettern. Gallen - St. Gallen Gekkos

Club for Network: Nebst der Ak- An der Universität St. Gallen wird
tivitas besteht unser Klub aus ca. 300 seit vielen Jahren Eishockey gespielt. Seit
Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Gesell- diesem Semester gibt es nun einen Ver-
schaft und Politik. Ausserdem findest du ein für alle Eishockeyspieler, Begeisterte
bei uns Freunde aus allen Studienrich- Der CF legt mal wieder richtig und Freunde.

 Der Verein koordiniert
tungen und Semestern, die dir gerne los einerseits den Spiel- und Trainingsbe-
weiterhelfen und dich in deinem Studi- Der 1996 gegründete Cercle des trieb der 1. Mannschaft, sowie Plausch-
um unterstützen. francophones (CF) ist der zweitgrös- spiele und Trainings für Interessierte.
Club for Personality: Du entschei- ste studentische Verein der HSG. Das Andererseits werden in jedem Semester
dest, wie weit du dich in den Klub ein- Hauptziel des Vereins ist in erster Hin- Events und Anlässe organisiert, zu wel-

Aktuell 10 prisma – November 2010


chen alle Mitglieder eingeladen sind. nüchterne Bestandsaufnahmen der la-
Ziel des Vereins ist es, Eishockey an teinamerikanischen Gesellschaft. Den
der Universität St. Gallen zu fördern und oikos St.Gallen
Conference Höhepunkt des Festivals bildet der Kurz-
weiter zu bringen. Wir möchten den zu- students for sustainable filmwettbewerb, an welchem 16 Werke
economics and management
künftigen Generationen von Studieren- lateinamerikanischer Jungregisseure
den ermöglichen, ihre geliebte Sportart teilnehmen.
auch während des Studiums auf hohem oikos Conference 2010 - «Busi-
Niveau weiter spielen zu können. ness Model Innovation for a su-
Trainings:
 stainable future»
• Mo. 20:00-21:30, offen für alle, Anfangs Dezember schon an Prü-
Eishalle Lerchenfeld, St. Gallen fungen denken? Nein! Denn am 2. und
(Anmeldung über den UniSport)
 3. Dezember veranstaltet oikos an der
• Do. 12:00-14:00, 1. Mannschaft, Universität St. Gallen die 22. oikos Con-
Eishalle Lerchenfeld, St. Gallen

 ference. Nach dem letztjährigen Erfolg
Kontakt: eishockey@unisg.ch mit «Challenges in managing Corpo-
rate Social Responsibility», widmen sich
dieses Jahr 100 Teilnehmer dem Thema
«Business model innovation for a sustai-
nable future»!
Mit Reden von Prof. Forest Reinhart
von der Harvard University und Dr. Pa-
trick Stähler wird in das Thema einge-
Go Beyond – New Paths to führt. Danach ist Einsatz gefragt: mit
Success Workshops und Kreativitätsübungen
Dieses Jahr wurde von den Verei- wird die Theorie in die Praxis umgesetzt
nen AIESEC, oikos St. Gallen, Civic und und so den Teilnehmern gezeigt, wie sie
The Hub eine neue Initiative unter dem selbst ein rentables, nachhaltiges Busi- Die HSG gewinnt den ersten
Namen «Go Beyond – New paths to suc- ness Model kreieren können. Nebenbei Red Bull Corpus et Animus
cess» gegründet. Sie soll die Internatio- bietet das Programm immer wieder die Sechs Unis, sechs herausfordernde
nal Career Days, welche in den letzten Möglichkeit, mit Konzernen und Start- Disziplinen aus Sport und Kultur, ein
Jahren jeweils von AIESEC St. Gallen or- ups in Kontakt zu treten und sich aus- Business Case, 16 Stunden Zeit aber nur
ganisiert wurden, ablösen. Neu ist, dass zutauschen. ein Gewinner-Team, das gezeigt hat,
oikos St. Gallen die Idee der Career Days Also: Meldet euch an und nehmt an dass die HSG nichtt nur geistig, sondern
– den Studenten den öffentlichen Sektor der oikos Conference 2010 teil! Denn, auch körperlich die Nummer 1 in der
näher zu bringen – nun um die Kompo- mal ehrlich: Wer lernt denn Anfang De- Schweiz bleibt.
nente der Nachhaltigkeit und des Social zember? Zum ersten Mal organisierte Red
Entrepreneurship erweitert. Go Beyond Mehr Informationen und die An- Bull in Kooperation mit The Boston
ist somit auch das erste Projekt an der meldung zur Konferenz findet ihr unter Consulting Group (BCG) den Wettstreit
Universität St. Gallen, welches mehre- www.oikos-conference.org der Deutschschweizer Universitäten
re Vereine gemeinsam organisieren. Es Red Bull Corpus et Animus. Sechsköp-
wird dieses Jahr am 24. und 25. Novem- fige Teams der Unis Zürich, Fribourg,
ber stattfinden. Luzern, St. Gallen, Bern und der ETH
Der erste Tag wird von oikos mit Zürich liessen sich auf die geistige und
Unterstützung des Vereins Civic, sowie körperliche Herausforderung ein. Der
Spark und The Hub organisiert. Er bie- Startschuss fiel Punkt Mitternacht an
tet interessierten Studenten die Mög- der ETH Zürich Höngg.
lichkeit, an Workshops, die sich u.a. mit Die Teams wurden während ihrer
Themen wie Nachhaltigkeit, NGO-Ma- Arbeit insgesamt sechs Mal unterbro-
nagement oder Social Entrepreneurship Pantalla Latina chen und in sechs vielseitige Aktivitäten
befassen, teilzunehmen. Der zweite Tag Das Filmfestival «Pantalla Latina» aus der Welt von Red Bull gegeneinan-
befasst sich mit dem öffentlichen und bringt vom 18. bis 21. November 2010 der ins Rennen geschickt. Bei der Bewäl-
internationalen Sektor. Diverse Organi- zum zweiten Mal in Folge das latein- tigung der anspruchsvollen Disziplinen
sationen nutzen die Möglichkeit, sich amerikanische Kino nach St. Gallen. briefte jeweils ein Experte die Studenten,
in Workshops zu präsentieren. Zudem Während vier Tagen werden im Kino verriet Tipps und Tricks und zeigte vor,
findet eine Career Fair statt, welche in corso aktuelle Filme und Kurzfilme prä- wie es ein Profi macht:
Zusammenarbeit mit dem Master’s Pro- sentiert. Preisgekrönte Werke reihen Die St. Galler tragen den Titel der
gram of International Affairs and Gover- sich neben noch unbekannte Neuheiten ersten Red Bull Corpus et Animus Ge-
nance organisiert wird. Partner sind un- von Jungregisseuren, witzige Komödien winner in ihre Heimatstadt und fliegen
ter anderem die WTO, UNEP, der Kanton neben nachdenkliche Dokumentatio- Mitte November 2010 mit Red Bull ans
Zürich und die Stadt St. Gallen. nen, Liebe und Leidenschaft neben Finale der Formel 1 nach Abu Dhabi.

November 2010 – prisma 11 Aktuell


zukünftigen Arbeitgebern aber auch
gewichtige Erfahrungen im Bereich PR
und Kommunikation.
Wenn Radio dich begeistert, du ta-
lentiert und neugierig bist, dann bewirb
dich jetzt für das Ausbildungsprogramm
von toxic.fm. Der nächste Kurs begin-
«Hat die Schweizer Armee eine nt am 14. Februar 2011, Bewerbungs-
Zukunft?» schluss ist der 31. Dezember 2010.
Immer wieder gelingt es dem Sicher- Alle Infos zur Ausbildung und Be- Mit VIAS dein Studium verbes-
heitspolitischen Forum (SPF) bekannte werbung findet ihr unter www.toxic.fm. sern
Persönlichkeiten aus der Aussen- und Die Vertretung der IA-Studierenden
Sicherheitspolitik für hochgradig span- (VIAS) ist eine studentische Initiative,
nende Referate und Debatten zu gewin- welche die Kommunikation zwischen
nen. Dies wird in diesem Studienjahr den Studierenden im BIA/MIA und den
nicht anders sein. für das Programm verantwortlichen
Mit der Verabschiedung des Ar- Besuch Procter & Gamble Professoren optimieren wollen. Das
meeberichts wurde die Aktualität der Company und Weindegustati- Ziel von VIAS ist es, gemeinsam mit
Diskussion um die Schweizer Armee er- on der Programmleitung die Attraktivität
neut unterstrichen. Aus diesem Grund Wolltest du schon immer mal wis- des IA-Studiums im Bezug auf das Pro-
veranstaltet das SPF am Dienstag, 23. sen, was Corporate Responsibility mit gramm und das Sozialleben innerhalb
November eine Podiumsdiskussion zum Waschpulver zu tun hat? Oder wie man des Majors zu steigern. Neben dem BIA/
Thema: «Hat die Schweizer Armee eine Hunderte von Marken koordiniert? Oder MIA-Starttag hat VIAS auch eine grosse
Zukunft?» (siehe Agenda). Dabei werden wie es im Büro eines Product Managers Umfrage organisiert, um die Verbes-
u.a. NR Bruno Zuppiger (SVP, Oberst aussieht? serungsvorschläge der Studierenden
aD), Divisionär Jean-Marc Halter (Chef Vielleicht interessiert dich aber auch zum IA-Programm zu sammeln. Wenn
Führungsstab Armee) und Patrick An- einfach, welche Einstiegsmöglichkeiten du gerne bei VIAS mitwirken möchtest,
gele (GSoA) über die allgemeine Wehr- dir eines der grössten Unternehmen in melde dich einfach per E-Mail bei vias.
pflicht, die Grösse und Ausrichtung der der Konsumgüterbranche bieten kann? unisg@gmail.com oder kontaktiere uns
Armee und internationale Kooperatio- Um diese und viele weiteren Fragen über die Facebook-Gruppe «Vertretung
nsmöglichkeiten debattieren. zu beantworten lädt P&G Studentinnen der IA-Studierenden
Inserat Prisma HSG (VIAS)». 1 20.08.10 10:40 S
St. Gallen 19.8.2010_Layout
Wir freuen uns schon jetzt auf eine der HSG am 25. November
spannende Diskussion und ein zahl- ein. An diesem einmaligen
reiches Publikum. Anlass erwartet dich ein
spannendes Programm
mit Workshop, Lunch und
vielen Gesprächsmög- www.molino.ch
lichkeiten mit Mitarbeite-
rinnen von P&G.
Willst du mitkom-
Rein in die Medienwelt mit men? Dann schreibe
toxic.fm! ein Mail mit Kurz-CV an
Lass dich von toxic.fm während universa@myunisg.ch.
eines Jahres zum Redaktor oder Mode- Sozusagen als Warm-
rator ausbilden. Du wirst von erfahrenen Up besuchen wir von
Radiomachern begleitet und kannst dein Universa am 17. Novem-

Studentenrabatt
Können schon nach wenigen Wochen ber ausserdem den Mö-
on air unter Beweis stellen. Die Ausbil- venpick Weinkeller in St.
dung von toxic.fm bietet die ideale Basis Gallen, um viel über Wein
für deine Medienkarriere. zu lernen und natürlich SchülerInnen, StudentInnen und Lehrbeauftragte
Die einjährige Ausbildung «Me- genauso viel zu degu- essen gegen Vorweisung ihrer Legi

20% günstiger
dienpraxis und Medienmanagement» stieren. Auch hier ist die
verknüpft die Medien-Praxis mit der Platzzahl beschränkt, also
Theorie. Die etablierte praxisorientierte meldet euch schnell mit
Ausbildung vom Ausbildungsradio toxic. einer Mail an universa@
myunisg.ch an! Ristorante Pizzeria Molino
fm wird mit den akademischen Aspekten
Bohl 1, 9000 St. Gallen
der Universität St. Gallen ergänzt. Diese Weitere Informati-
Telefon 071/ 223 45 03
Kombination vermittelt fundierte theo- onen findet ihr auch auf
retische und praktische journalistische unserer Homepage www. 7 Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr offen
Fähigkeiten, signalisiert gegenüber universa-unisg.ch. Montag bis Samstag 08.00 bis 24.00 Uhr
Sonntag 09.00 bis 23.30 Uhr
Aktuell 12 prisma – November 2010 Durchgehend warme Küche
S tudentenschaft
14 Das Studium konsumieren
International Days
15 StuPa-Wahlen 2010
16 New Yorker Legenden auf dem Campus
17 Make IW, not War

Foto: Mario Marti


Kommentar des Präsidenten
Das Studium gestalten
W enn man derzeit so manch ein
Papier zur Weiterentwicklung
der Universität St.Gallen in die Hände
ganz toll und ist dafür «dankbar». HILTI
könnte es nicht besser machen.

bekommt und zum Kapitel «Bindung» Längst haben auch gewisse Teile des
oder «HSG Kultur» blättert, muss man - Lehrkörpers die Studierenden als Kun-
je nach eigener Gesinnung z.B. ernüch- den, oder schlimmer noch als Konsu-
tert - feststellen: Wir sind wirklich eine menten, entdeckt. Wird am Ende einer
SHSG Präsident Christian Funk
Wirtschaftsuniversität. Lehrveranstaltung nicht das gewünsch-
te Ergebnis erreicht, wird fieberhaft Kontextstudium beim Bidding voll wird
Während bei anderen Fachrich- danach geforscht, wo man den Studie- oder nicht, eben nicht Inhalt, Lehrform,
tungen beim Thema Kultur über «Mitge- renden noch mehr entgegen kommen Dozent oder vergleichbares, sondern
staltung», «Partizipation», «Freiräume» könnte, das Lernen noch leichter und schlicht die Prüfungsform/-aufwand
oder die zentrale Frage «Wie wollen wir angenehmer gestalten könnte. Es geht ist? Ist es nicht ein Armutszeugnis für
alle als Gemeinschaft zusammen le- nicht mehr um «Fairness» oder «Ange- uns Studierende, wenn ohne Incenti-
ben?» geredet werden würde, tauchen messenheit», sondern nur noch um Zu- vierung durch Credits kaum noch etwas
bei uns eher Begriffe auf wie «Qualität friedenheit. gemacht wird, wenn das Verhältnis Auf-
des Studiums», «herausragendes Studi- wand-Creditertrag strategisch optimiert
en- oder Campuserlebnis» oder die zen- Auch hier: Gelegentlich die Stu- wird, ohne dabei den Inhalt dieser Cre-
trale Frage «Wie schaffen wir über einen dierenden nach ihrer Zufriedenheit dits zu reflektieren?
Ausbau unserer Services eine höhere mit dem Kurs zu fragen ist wichtig und
Verbundenheit der Studierenden oder richtig, ihnen aber in allen Bereichen Ist es nicht bedenklich, wenn grös-
Absolventen zur HSG?». nachzurennen und übereifrig Eigen- sere Teile von uns sich kaum mehr für
verantwortung und Selbstbestimmung die Entwicklung unserer Alma Mater in-
Man soll mich nicht falsch verste- der Studierenden zu kürzen, nur weil teressieren, und, wenn sie es zumindest
hen. Ich bin sicher, dass all diese Sa- man dann besser «in einen Kurs hi- ansatzweise tun immer stets erwarten,
chen einen fundamentalen Einfluss auf nein sitzen» und alles - am besten noch dass alle Informationen und Hinter-
die Kultur und die Bindung zur HSG im Vorbeigehen - «mitnehmen» kann, gründe ihnen auf dem Silbertablett prä-
haben und - was wohl zentral ist - sie sollte auch nicht das Ziel sein. Aber wa- sentiert werden?
die einzigen wirklichen Hebel sind, die rum immer mit dem Finger auf Andere
der Universitätsleitung zur Verfügung zeigen, wenn man auch bei sich selbst Ich will hier nicht den moralischen
stehen, um die HSG-Kultur zu stärken. beginnen könnte. Ist nicht vielleicht die- Zeigefinger erheben. Viele der hier vor-
Dennoch fragt man sich manchmal: Was se Kundenorientierung der Universität gebrachten Sachen trafen oder treffen auf
für eine Art Kultur schaffen wir hier ei- auch darauf zurück zu führen, dass wir mich genauso zu. Doch sollten wir uns
gentlich? Services, Qualität der eigenen Studierenden uns eben als solche ver- ab und zu überlegen, ob dies wirklich die
Leistungen - allesamt Begriffe, die eine halten? Sollte es einen nicht nachdenk- Art ist, wie wir eine HSG-Kultur gestalten
klassische Kundenbindung fördern. Der lich stimmen, wenn derzeit einer der wollen: Als Wirtschaftsunternehmen, mit
Student kommt zur HSG, findet alles Hauptgründe, warum ein Kurs z.B. im den Studierenden als Kunden?

International Days
Z ehn Tage nach Brasilien? Oder lieber
nach China? Die Türkei vielleicht...
Und dabei 20 Studenten aus dem jewei-
Während dieser drei Tage wird die Uni
dann ganz auf Internationalität ausge-
richtet. Das soll zu sehen, aber auch mit
ligen Land kennenlernen, und mit ihnen anderen Sinnen zu erleben sein. So wird
zehn Tage durch die Schweiz reisen. Das die Mensa an diesen Tagen spezielle Me-
sind die Touren (Magellan, ACT und Eu- nüs aus den drei zu besuchenden Län-
rotour) der Studentenschaft. Wer lieber dern servieren, Filme und Musik brin-
in der Schweiz Studierende aus aller Welt gen uns die Kulturen noch näher. Und
kennen lernen möchte, für den ist die natürlich befindet sich zwischen den
Swiss International Week sicher etwas. Landesfahnen dieser Länder auch unser
Was auch immer du bevorzugst, vom Infostand, wo du dich genauer über die
30.11. bis 2.12. kannst du dich im Rah- internationalen Projekte der Studenten-
men der International Days an der Uni schaft informieren kannst.
über unsere Programme informieren. Malte Otremba

SHSG 14 prisma – November 2010


StuPa-Wahlen 2010
D ie Wahlen 2010 des Studentenpar-
laments haben stattgefunden: Die
Parlamentarier der Studentenschaft
men. Letztes Jahr wusste ich gar nicht,
dass es ein Studentenparlament gibt.
Deshalb möchte ich mich insbesonde-
auf Master- und Assessmentstufe sind re dafür einsetzen, dass die Studieren-
gewählt. Auch das Präsidium des Stu- den zukünftig sagen können: «Hey, es
dentenparlaments «StuPa» hat sich neu existiert ein Studentenparlament, wo
zusammengesetzt: Severin Bischof, An- unsere Ideen und Meinungen durchaus
dreas Bäuml und Christina Henke heis- willkommen sind!»
sen die motivierten StudentenInnen im Severin: Da ich schon letztes Jahr im
Geschäftsbüro des Parlaments, welche StuPa war, kenne ich sowohl Schwachstel-
die Organisation und Leitung dieses len als auch Chancen des Studentenpar-
Gremiums übernehmen und sich so für laments. Mit meinem Engagement möch-
die Studierenden der HSG einsetzen te ich diese Schwachstellen in Angriff
wollen. nehmen und ebenso von der Möglichkeit
profitieren, als Vertreter der Studierenden
Severin studiert im dritten Semes- etwas an der HSG bewegen zu können.
ter Internationale Beziehungen und
BWL. Als ehemaliger Aktuar ist er schon Wie sehen eure Ziele aus, die ihr in An-
vertraut mit den Strukturen und wird griff nehmen werdet?

Vanessa Heye
nun Präsident des Studentenparla- Andreas: Ganz wichtig ist vorerst,
ments. Andreas ist ebenfalls im dritten das StuPa richtig zu formieren. Wir wol-
Semester und studiert internationale len kein StuPa, wo die Parlamentarier
Beziehungen. Er ist neu im Studen- nur Abstimmungen durchführen, son-
Severin Bischof im Gespräch
tenparlament und übernimmt die Ver- dern wo auch eine gewisse Diskussions-
antwortung als dessen Vizepräsident. kultur vorangetrieben wird. Damit die
Christina ist Studentin auf Assessment- Interessen aller Studierenden vertreten Von wem kommen diese Ideen?
stufe und möchte später BWL studieren. werden können, ist eine stabile Grund- Severin: Die Ideen kommen aus
Sie wird als Aktuarin im Präsidium des struktur unumgänglich. dem Kollegium. Wir sitzen zusammen,
Studentenparlaments mitwirken. Severin: Die Übergabe vom alten auch nachts, und trinken Tee…
Präsidium an das neue muss automa- Andreas: …Wir trinken auch wirk-
Wir haben uns mit dem Präsidium tisiert werden, um Kontinuität in das lich nur Tee! Ansonsten würde man an
des StuPa für ein Interview zusammen- Studentenparlament zu bringen und so unserer Glaubwürdigkeit zweifeln (alle
gesetzt und sie nach ihren Visionen und unsere Institution langfristig zu einem lachen).
Zielen im neuen Amt befragt: Platz für aktive studentische Mitbestim-
mung zu machen. Auf jeden Fall haben In den vergangenen Jahren konnte das
Liebes Präsidium, warum habt ihr euch wir das Ziel, die Kooperation mit dem StuPa bekanntlich wenig Aufmerksam-
entschieden, das Amt im Studentenpar- Vorstand der Studentenschaft zu inten- keit und Vertrauen geniessen. Wo liegen
lament zu übernehmen und was sind sivieren. eurer Meinung nach die Gründe für die
eure Erwartungen? kritische Einstellung gegenüber dem Stu-
Christina: Ich habe mich als Ak- Die Zufriedenstellung der Studierenden Pa?
tuarin bereitgestellt, weil ich denke, gehört zu euren Hauptverpflichtungen. Severin: Letzes Jahr haben wir ein
dass dies eine gute Möglichkeit ist, sich Gibt es konkrete Bereiche im studen- StuPa erlebt, welches zu sehr mit sich
initiativ einzubringen. Die Protokollfüh- tischen Alltag, die ihr grundlegend ver- selbst beschäftigt war und an den inter-
rung bringt eine ziemlich grosse Verant- ändern wollt? nen Strukturen gearbeitet hat. Auch jetzt
wortung mit sich. Diese Verantwortung Andreas: Da haben wir beispiels- noch bestehen diverse Erforderlichkeiten
nehme ich gerne an und ich bin über- weise erste Ideen wie die Einführung für neue Ansätze. Wir sollen mit einen
zeugt, dass wir mit diesem sehr moti- von Pflichtenheften für eine bessere Or- Vorstand zusammenarbeiten, der sämt-
vierten Team einiges im Studentenpar- ganisation im Parlament. liche Projekte und Tätigkeiten durch-
lament bewegen können. Severin: Unter Umständen haben führt. Für uns ist dies teilweise etwas dif-
Andreas: Nach dem bestandenen wir auch vor, verschiedene E-Mail- fus, da wir aufgrund der Organtrennung
Assessmentjahr habe ich mir gedacht: Adressen des Studentenparlaments für nicht aktiv in diesen Projekten involviert
«Jetzt muss ich an der HSG auch einmal die einzelnen Stufen einzuführen, da- sind. Ausserdem waren die Anlaufstellen
mehr machen als nur studieren.» Da mir mit wir effizienter auf die Wünsche der des Parlaments bisher schlecht organi-
die Stimmung im StuPa sehr gut gefällt, Studierenden eingehen können als über siert. Wenn die Studierenden nicht wis-
habe ich mich spontan entschlossen, das eine zentrale Adresse. sen, dass es ein Parlament gibt, können
Amt des Vizepräsidenten zu überneh- sie durch dieses auch nicht kollektiv

November 2010 – prisma 15 SHSG


New
Yorker
Legenden
auf dem
Campus
D as Warten hat ein Ende: Jazz an

Vanessa Heye
der Uni präsentiert das «New York
Ska Jazz Ensemble» am 16. Dezember
2010 um 21 Uhr in der Aula der Uni St.
Gallen.

Das neue StuPa-Büro: Andreas Bäuml, Christina Henke & Severin Bischof
Energie im Sechserpack
Die Rede ist nicht von Energy Drink
vertreten werden, da nur Bruchteile dem Studium nicht doch zu viel für mich vom Discounter, sondern von sechs
der eigentlichen Interessen vom Parla- wäre. Aber Severin, der ja auch während Jungs, die Jazz so schwungvoll und ab-
ment wahrgenommen werden können. des Assessmentjahrs im StuPa war, hat wechslungsreich mit Ska-Beats mischen
mir zugesichert, dass es im Rahmen wie keine andere Band.
Habt ihr die nötigen Mittel, um eure Visio- des Möglichen bleiben wird. Wir haben
nen zu verwirklichen? auch ein super Team, wo wir uns zwar Ihr neues Album «Step Forward» be-
Severin: Die einzigen Ressourcen, nicht gegenseitig Aufgaben überlassen, weist, dass das NYSJE auch nach 16 Jah-
auf die es wirklich ankommt, sind Zeit uns jedoch gegenseitig unterstützen und ren Bandgeschichte nichts an Kreativität
und Schweiss. Es liegt nicht an monetären motivieren. Dann haben halt ein paar eingebüsst hat. Ihr Repertoire reicht von
Notwendigkeiten, sondern allein an un- Tage einige Stunden mehr (lacht). Ska-Interpretationen bekannter Jazz-
serer Hingabe, dass wir unsere Ziele errei- Standards über Reggea- und Rocksteady
chen. Im Moment ist es auch sehr gut, da Was erachtet ihr als persönliche Vorteile, Rhythmen bis hin zu einem gekonnten
wir eine sehr gute Kommunikationslage die ihr durch die Erfahrungen im StuPa Dancehall-Mix.
mit dem Vorstand der SHSG haben. für eure Zukunft mitnehmen könnt?
Andreas: Ich interessiere mich für Back To The Roots
Severin und Andreas, ihr seid nun im Politik und kann hier erste politische Er- Nach der langen Umbauphase zieht
dritten Semester internationale Bezie- fahrungen sammeln. Man nimmt auch Jazz an der Uni nun von der Mensa zu-
hungen, Christina, du hast dein Studium sehr viel «managarial Know How» mit, rück in die Aula, wo alles begann. Fern-
an der HSG kürzlich begonnen. Habt ihr was man nie genügend gelernt haben ab von Salatbesteck und einem Hauch
keine Bedenken, dass die Verantwor- kann. Fritieröl in der Luft, ist die Aula der
tung im neuen Amt eure universitären Severin: Im StuPa lernt man, Sa- ideale Ort, um Musik pur zu geniessen.
Leistungen unter Druck setzen könnte? chen nicht auf persönlicher Ebene zu Jetzt liegt es an euch, am 16. Dezember
Severin (lacht): Perfekte Frage! Es debattieren, sondern auf objektiver und die Aula zum Kochen zu bringen. Wer
ist das Schöne an der HSG, dass sich damit für höhere Produktivität und für danach im weihnachtlichen St. Gallen
jeder in irgendeiner Weise für etwas eine fairere Beschlussfassung zu sorgen. noch kalte Füsse hat, ist selbst Schuld!
engagiert. Die hohe Motivation der Stu- Christina: Die Vorteile kann ich nur Usha Trepp
dierenden an der HSG ist einfach spitze unterstreichen. Als Aktuarin lerne ich Chairwoman «Jazz an der Uni»
und es herrscht eine gute Kultur. Des- noch zusätzlich, wie man sehr schnell
halb nehmen wir uns gerne die Zeit. tippt (alle lachen)!
Christina: Da ich gerade erst an der
HSG angefangen habe, kann ich noch Was sind eure Empfehlungen an jene
nicht genau sagen, wie ich mich hier in KommilitonInnen, die ebenfalls darüber
der Lernphase durchschlagen werde. nachdenken, nächstes Jahr für das Parla-
Hoffst du, dass du während der Lernpha- ment zu kandidieren?
se deine Zuständigkeiten anderen über- Christina: Wenn ihr Interesse habt
lassen kannst? und euch engagieren wollt, macht‘s auf
Christina: Nein, auf keinen Fall! Ich jeden Fall! Von engagierten Studieren-
habe es mir natürlich genau überlegt, den lebt schliesslich das StuPa.
ob das Engagement beim StuPa neben Cinar Ceynur

SHSG 16 prisma – November 2010


Make IW, not War
Wer dem grauen Uni-Alltag entfliehen möchte, dem bieten
International Weeks auf der ganzen Welt die Möglichkeit
dazu – Ein Erlebnisbericht aus Israel.

I ch weiss nicht genau, was du letzte Wo-


che gemacht hast. Bestimmt hast du
Interessantes gelernt, Indifferenzkurven
verschoben, Bundesgerichtsentscheide
analysiert oder dir Gedanken über die
strategische Neuausrichtung einer In-
vestmentbank im Nahen Osten gemacht.
Vielleicht auch nicht. Wie dem auch sei,
ich möchte dir erzählen, was ich letzte
Woche gemacht habe.

Am Freitagmorgen bin ich in aller

Andreas Juchli
Herrgottsfrühe aufgestanden, hab mei-
ne Tasche gepackt und bin mit meinem
Mitbewohner durch die vernebelten
Strassen St. Gallens in Richtung Bahnhof
marschiert. Es hat ein bisschen gereg-
Höhepunkt der International Week in Israel: Wellness im Toten Meer
net. Die Stadt war grau, die Menschen
auch… ihr kennt das. Doch schon bald
entfliehen wir beide dieser Trostlosig- der Schweiz nennen wir es «Schpiess- sationen weltweit, die jährlich eine sol-
keit und setzen uns in das Viererabteil li», dürfen da auf keinen Fall fehlen. che International Week organisiert. Im
eines ICE. Die Woche kann beginnen. Nach und nach werden die Speisen ab- März 2011 wird die Studentenschaft der
getragen, die Bar wird dafür vermehrt Universität St. Gallen die Swiss Interna-
Shana Tova. Welcome to Israel, Ziv genutzt. Yael, die Hauptverantwortliche tional Week ausrichten und damit inter-
heisst uns am Ben Gurion-Flughafen in der International Week Tel Aviv, bringt nationales Flair und Stimmung auch in
Tel Aviv willkommen und fährt uns im einen Toast auf die Woche aus und wir die Schweiz holen.
weissen Peugeot 206 zu seinem Apart- stossen alle an. Lechaim! Das Programm und die Struktur die-
ment mitten im Zentrum der Wirtschafts- ser Wochen ist von Land zu Land unter-
metropole Israels. Als nächstes heisst es Das Programm der Woche war aus- schiedlich, jedoch versuchen alle Orga-
Badehose, Flip-Flops und Shades mon- gesprochen abwechslungsreich. Hier nisatoren mit Hilfe von Partnern aus der
tieren, denn es geht an den Sandstrand, ein kleiner Abriss davon: Kayaking im Industrie die IW für die Teilnehmenden
wo uns neben Eineinhalbmeter-Wellen Jordan, Besuch einer Winzerei in den kostenlos zu gestalten. Wir mussten den
und 26°C Meerwasser auch noch die Golanhöhen, Stadtführung durch Je- Organisatoren keinen einzigen Rappen
weiteren Teilnehmer der International rusalem, Unternehmensbesichtigung bezahlen.
Week Tel Aviv erwarten. Sie sind aus der einer Patentfirma, eines StartUp-Be- Andreas Juchli & Fabio Carlucci
ganzen Welt angereist, unter anderem treuungsdienstleisters, und Testfahrt Organisatoren der
aus Polen, Holland, Spanien, China, Un- elektrischer Autos bei «BetterPlace». Wir Swiss International Week 2011
garn, Schweden, Finnland und Japan. haben ebenfalls ein Kibbuz - eine sozia-
Wir lernen uns, Mojito schlürfend im listisch geführte ländliche Gemeinschaft
Schatten der Sonnenschirme kennen - besucht und dort übernachtet. Für die So kannst du teilnehmen
und tauschen unsere Erwartungen und meisten Teilnehmer dürfte das Highlight
Vorstellung zur kommenden Woche der Highlights jedoch der Kamelritt mit Fall du eine Internation Week miter-
aus. Gegen Abend verabschieden sich anschliessender Übernachtung in einem leben willst, dann check www.iw-co.
die Teilnehmer kurz, um sich in den Beduinenzelt und der darauffolgende org, um die Daten der kommenden
Wohnungen ihrer studentischen Gast- Wellnesstag im Toten Meer gewesen IW’s einzusehen und schreib eine E-
geber für die kommende Rooftop-Party sein. Fantastisch! Mail an internationalweek@myunisg.
frisch zu machen. Die offizielle Eröff- ch, damit wir dich in unsere Newslet-
nungsparty beginnt mit einem BBQ à Die Studentenschaft der Universität ter-Mailingliste aufnehmen können.
la Israel. Hummus und Shish Kebab, in Tel Aviv ist nur eine von über 25 Organi-

November 2010 – prisma 17 SHSG


People. Passion. Results.

BAINVESTOR
Bainies machen den Unterschied. Wir reden Klartext. Und sind konsequent ergebnisorientiert. Der Erfolg gibt uns Recht: Als eine der drei weltweit
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Bain & Company wurde 2010 zum achten Mal in Folge zur „Best firm to work for“ gewählt.
Our philosophy: True North – we tell it like it is.
C ampus
20 Volle Power für das ISC
21 Studienfinanzierung an der HSG
22 Multikulti an der HSG
23 25 Jahre HSG Big Band
24 Game on für die St. Gallen Gekkos!
25 Geburt und erste Gehversuche: Die Gründung des
Industrial Clubs
26 Die Weinelite
27 Die HSG in 384 Wörtern

Foto: Charlotte Claesson


Volle Power für das ISC
Telefone, die nicht mehr stillstehen, pausenlos ratternde
Drucker und ein Licht, das 24 Stunden am Tag brennt:
eindeutige Anzeichen dafür, dass ein neues ISC-Team die
Villa in der Dufourstrasse Nr. 83 bevölkert.

beit zu leisten sein. Trotzdem sind die


ISC-Mitglieder bereit, ihr Bestes zu ge-
ben – nicht nur wegen des Mottos, das
für die Konferenz vom 12.–13. Mai 2011
«Just Power» lautet. Was allerdings setzt
nun die Energie frei, welche die Kommi-
litonen vom ISC in ihre Arbeit hinein-
legen? «Die Chance, Verantwortung zu
übernehmen, an den herausfordernden
St. Gallen Symposium

Aufgaben persönlich zu wachsen und


schliesslich als eingeschweisstes Team
ein soziales Grossereignis zu stemmen.»
– So würden wohl die meisten ISCler
diese Frage beantworten.

Das Symposium-Team 2011 Dabei ist es dem Organisations-


team wichtig, dass das Symposium sei-

D ie drei Studenten im Asien-Zimmer


sind sich einig: Nachdem die letz-
ten Teammitglieder des International
noch fern scheint. «Momentan befin-
den wir uns in der Marktphase», erklärt
Flurina, verantwortlich für den Bereich
nen Charakter als eine von Studenten
getragene Veranstaltung bewahrt: «Das
aktive studentische Engagement, das
Students‘ Committee (ISC) spät nachts Kommunikation. «Einerseits treten wir mit dieser Veranstaltung verbunden ist,
ihre Schreibtischlampen ausknipsen, an herausragende Persönlichkeiten verleiht dem Ereignis neben dem ge-
sind sie als Marktverantwortliche für aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft nerationenübergreifenden Austausch
Asien die Ersten, die ihre Computer und Gesellschaft heran und versuchen, zwischen den Gästen und den teilneh-
wieder hochfahren. Schliesslich wollen diese für eine Teilnahme zu gewinnen. menden Studierenden, zusätzlich noch
illustre Persönlichkeiten und Studenten, Andererseits möchten wir sich inter- eine ganz besondere Atmosphäre.» Alle,
die es für das 41. St. Gallen Symposium national engagierende Studierende auf die gerne einen Blick hinter die Kulis-
zu begeistern gilt, zur «richtigen» Ta- das Symposium aufmerksam machen, sen des ISC werfen möchten, haben die
geszeit kontaktiert werden – auch wenn da sie mit ihrer Sicht auf die Dinge die Chance, selbst Teil der Veranstaltung
diese aus der Perspektive des St. Galler Veranstaltung bereichern.» Und das ist sein: Bis zum 12. Dezember besteht die
Studenten ungünstiger kaum liegen alles andere als einfach, wie Thaddäus, Möglichkeit, sich online unter www.
könnte: Wer um 3 Uhr morgens mit der zuständig für den Marktbereich Nord- stgallen-symposium.org als Mitglied des
Arbeit anzufangen hat, muss sein Stu- europa, in den ersten Wochen bereits etwa 300-köpfigen studentischen Hel-
dentenleben gehörig umstellen. feststellen musste: «Es ist ja nicht so, ferteams für die Woche des Symposiums
dass man mal schnell ein paar Suchbe- zu bewerben.
Veränderungen des Alltags griffe in Google eingibt und sofort die Maximilian Schaal
Umstellen müssen sich die insgesamt geeignetsten Köpfe für ein Symposium
29 ISC-Mitglieder aber ohnehin – egal, aufgelistet bekommt. Ohne gute Recher-
ob sie sich um hochkarätige Redner che und die stetige Pflege von Kontakten
und Sponsoren kümmern, Pressekon- kommt man nicht weit.»
takte pflegen oder als IT-Manager für die
technischen Systeme im ISC-Haus ver- Motivation zur Arbeit
antwortlich sind. Denn für das Studium, Ein stressiges Tagesgeschäft also,
an das sich viele Teammitglieder nach und bis die Länderverantwortlichen im Das Symposium im Internet
Abschluss der Assessment-Stufe gerade Januar persönlich bei möglichen Gästen
erst gewöhnt haben, bleibt beinahe kei- vorstellig werden, um deren Teilnahme Weitere Informationen findest du un-
ne Zeit mehr. Auch nicht zu Beginn des am Symposium perfekt zu machen, wird ter: www.stgallen-symposium.org
Herbstsemesters, wenn das Symposium auch noch einiges an Überzeugungsar-

Campus 20 prisma – November 2010


Studienfinanzierung an der HSG
Für ein erfolgreiches Studium ist die sichergestellte Finan-
zierung ein entscheidender Faktor. Verschiedene Stipen-
dien können als Unterstützung herangezogen werden. An
der HSG wurden ein eigener Fonds und eine Ansprech-
stelle eingerichtet.

D ass Wissen Macht sei, sagt der


Spruch. Doch während politische
Macht vom Volke ausgeht, hängt der
dung sicherlich jeden Rappen wert; und
dennoch herausfordernd für viele.
Kantonale Stipendien
Etwa neun Prozent der Studenten
werden über Stipendien ihres Heimat-
Erwerb universitären Wissens entschei- Darlehens- und Stipendien- kantons gefördert, der Anteil ist in den
dend von der finanziellen Potenz des fonds der HSG vergangenen Jahren allerdings zurück-
Studenten beziehungsweise seiner Fa- Jährlich werden durch den HSG-eige- gegangen. Die Ausgestaltung ist von
milie ab. Bei einem Grossteil der Studie- nen Stipendienfonds zwischen 20 und Kanton zu Kanton unterschiedlich.
renden werden mehr als die Hälfte der 30 Vollstipendien an herausragende Mehr zu kantonalen Stipendien gibt es
Kosten von den Eltern getragen. Manch nationale wie internationale Studieren- auf www.ausbildungsbeitraege.ch
einer wird durch die Kosten gar kom- de vergeben, die bereits mindestens ein
plett vom Erhalt höherer akademischer Semester an der HSG studiert haben. Darlehen
Weihen abgehalten. Die volkswirtschaft- Unter anderem muss ein Nachweis über Eine relativ klassische Form der
liche Auswirkung dieses Potenzialver- die finanzielle Bedürftigkeit erbracht Studienfinanzierung ist der Erhalt von
lustes wurde bisher kaum näher unter- werden. Bewerbungsfristen sind der 15. Unterstützung auf voller Rückzahlungs-
sucht. Laut Universität sollten jedem April und der 15. Oktober. basis. Da die Kosten für Zinsen mitunter
Studenten zwischen zwei- und dreitau- erheblich sein können, sollte vorab un-
send Schweizer Franken monatlich zur Stipendiendatenbank bedingt eine ausführliche Beratung in
Verfügung stehen. Davon sind CHF 2‘040 Unzählige Voll- und Teilstipendien Anspruch genommen werden. Seit neu-
jährlich direkt an die HSG zu entrichten richten sich an bestimmte Zielgruppen, estem bieten auch innovative Kreditfor-
– gemessen an der Qualität der Ausbil- sei es nach Wohnort, Sprache, Herkunft men – so genannte Bildungsfonds – bei
oder Studienziel. Die meisten werden denen eine Rückzahlung auf Basis des
von Stiftungen oder anderen privaten erzielten Einkommens bei Berufseintritt
Trägern vergeben. Zwar erscheint eine erfolgt, eine Alternative.
Auseinandersetzung mit der ganzen Sören Platten
Fülle an Programmen re-
lativ aufwendig, da es
sich um diverse einzel-
ne Stipendien handelt.
Aufgrund der hohen Ge-
samtzahl sind sie jedoch
eine interessante Option. Weitere Informationen und eine per-
Auf der Internetseite der sönliche Beratung gibt es bei der Ser-
HSG gibt es hierzu eine vicestelle für Studienfinanzierung:
eigens eingerichtete www.unisg.ch > Über Uns > Services
Datenbank mit Filter- > Beratungsstellen > Studienfinanzie-
funktion. rung

November 2010 – prisma 21 Campus


Multikulti an der HSG
Am Global Village trafen 15 verschiedene Nationen aufein-
ander und präsentierten ihre kulinarischen und kulturellen
Spezialitäten. Ziel des Anlasses war die Integration von
Minderheiten.
es Foster’s Beer, welches man zusam-
men mit einem australischen Trinklied
geniessen konnte. Der Stand überzeugte
jedoch vor allem aufgrund seiner Krea-
tivität. Ein australischer Austauschstu-
dent präsentierte sich in kompletter Sur-
fermontur und selbst ein Barbecue Grill
fehlte nicht. Auch am Nachmittag war
das Global Village gut besucht, weshalb
der kroatische Stand schon früher ab-
gebaut werden musste, da Spezialitäten
wie Feigen und kroatischer Wein be-
reits kurz nach Mittag vergriffen waren.
Im Verlauf des Nachmittags neigte sich
der Vorrat der übrigen Stände ebenfalls
dem Ende zu und um 16:00 Uhr wurde
schliesslich alles abgebaut.

Studentisches Engagement
Die Cheforganisatorin von AIESEC
Martin Schulz

St. Gallen, Jessica de Chambrier, war zu-


frieden mit der neu eingeführten Veran-
staltung. Positive Rückmeldungen habe
es vom Hausdienst, von Studenten der
Der philippinische Stand überzeugt nicht nur kulinarisch HSG wie auch von Austauschstudenten
gegeben. Ob es im kommenden Jahr

A IESEC, die in 107 Ländern vertre-


tene und somit weltweit grösste
Studentenorganisation, setzt sich für
Stand gab es Glückskekse und weise
Sprüche, Frankreich bot Crêpes und Ba-
guettes an, Südamerika Enchiladas und
an der HSG ein kulturelles Zusammen-
treffen dieser Art geben wird, ist jedoch
noch offen.
ein besseres Verständnis zwischen den Tortillas, und wenn man wollte, konnte
verschiedenen Kulturkreisen ein. Aus man am Liechtensteiner Stand sogar Durch das Global Village 2010 konn-
diesem Grund finden auf der ganzen fürstlichen Wein degustieren. Auch der te AIESEC St. Gallen viele Austauschstu-
Welt alljährlich so genannte Global Vil- Kanton St. Gallen war vertreten und hat- denten als Mitglieder gewinnen. Dies
lages statt, welche ein interkulturelles te die heissbegehrte Olma-Bratwurst ist ein grosser Erfolg, da die Integration
Zusammentreffen ermöglichen. Am und einen spektakulären Schokobrun- von ausländischen Studenten für eine
6. Oktober 2010 fand ein Global Village nen in seinem Angebot. internationale Universität wie die HSG
auf dem Campus der HSG statt. Rund 15 unabdingbar ist. Ausserdem ist ein En-
Nationen präsentierten an ihren Stän- Die auffälligsten Stände gehörten je- gagement in einem Verein oder einer
den kostenlos kulinarische und kultu- doch zu den Philippinen und Australien. Organisation ein guter Ausgleich neben
relle Spezialitäten. Die meisten Länder Die traditionell gekleideten Philippinen dem Studium. Neben Teamarbeit kann
waren durch Mitglieder von AIESEC St. machten sich vor allem mit ihrer kulina- man viele weitere Erfahrungen für das
Gallen oder Austauschstudenten vertre- rischen Spezialität Lumpiang Shanghai Leben sammeln, welche auch das Studi-
ten. (Frühlingsrollen mit Gemüse, Rind- und um an der HSG nicht ersetzen kann.
Schweinefleisch) beliebt. Zudem sorgten Melanie Frick
Delikatessen en masse ein schön geschmückter Stand und phi-
Bereits in der Vorlesungspause lippinische Volksmusik für gute Stim-
um 11.00 Uhr strömten die Studenten mung. Am australischen Stand hiess es:
zum B-Foyer und liessen sich von den «Aussie Aussie Aussie, Oi Oi Oi.» Diesen
verschiedenen Gerichten und Darbie- Jubelruf hört man sonst vor allem bei
tungen beeindrucken. Am chinesischen australischen Sportanlässen. Zudem gab

Campus 22 prisma – November 2010


25 Jahre HSG Big Band
Die HSG Big Band feiert dieses Semester ihr 25-Jahr-
Jubiläum. Neben eigenen Konzerten verleiht die Big Band
auch Univeranstaltungen den notwendigen Groove. Grund
genug einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Tonio Wohlwend
Die HSG Big Band im Einsatz.

I m Saal wird es dunkel, nur eine Ecke


ist in warmes Licht getaucht. Eine ge-
wisse Nervosität macht sich dort unter
des Tages. Einige der erfahrenen Band-
mitglieder wiegen bedächtig den Kopf:
«Nicht schlecht, für nur zwei Proben»,
hen, können Austauschstudenten, etwa
aus Singapur oder den USA, einsprin-
gen. Gespielt werden heute neben «klas-
den Anwesenden breit. Ein letzter Blick bemerkt einer. Damit ist alles gesagt. sischen» Swing-Tunes aus den 30er- und
zum Eingang. Es wird Luft geholt und Einzelne Instrumente werden diskret 40er-Jahren immer mehr modernere
mit kombinierten 500 Watt und aus 15 nachgestimmt. Kompositionen. So wird im Keller, im
Rohren erklingt «Gonna Fly Now». Zum Probe-/Schlittel-/Fondue-Wochenende
Soundtrack der Rocky-Filme betritt der Aus aller Welt und auf den Bühnen im In- und Ausland
Rektor das Audimax. Der Beginn eines Zweieinhalb Wochen vorher: Die nun auch dem Funk und Latin gehul-
Bachelor Graduation Day an der Univer- erste Probe des akademischen Jahres. digt.
sität St. Gallen. Potenzielle Mitglieder sind gespannt,
was sie erwartet. Ebenso die Instrumen- Die Diplome sind verteilt, die Fotos
Alles fängt klein an talisten, die letztes Jahr schon dabei geschossen. Die Band setzt zum letzten
Die Geschichte der Big Band, wel- waren. Niemand weiss, was auf einen Stück an. Solos und Improvisationen
che da zusammengepfercht in der Ecke zukommt, wenn man das erste Mal in werden freihändig verteilt. Wer Lust
steht, nahm vor 25 Jahren ihren Anfang. den Keller des Sprachenzentrums steigt. hat, darf seinen ganz individuellen Bei-
Der erste Bandleader Christof Reutlin- Die HSG Big Band kennt nur zwei Kon- trag leisten. Die erste Feier ist überstan-
ger hatte damals im Freizeit- und Kul- stanten: den Wandel und Christof Reu- den. An diesem Herbstnachmittag in St.
turangebot der HSG eine Lücke von tlinger. Die erste sorgt dafür, dass jedes Gallen werden aber noch drei weitere
der Grösse einer Big Band ausgemacht. Jahr mindestens 40 Prozent der Band Feiern folgen.
Am Anfang lag aber wegen Mangels an erneuert werden, denn Austauschseme- Michael Haller
Mitgliedern nur eine «Small Band», eine ster und erfolgreiche Studienabschlüsse
Jazzcombo im klassischen Sinne, drin. mischen die Karten jedes Semester neu. Fortführende Informationen
Die vorhandene Besetzung diktierte den Die zweite formt aus den Vorhandenen
Musikstil. In den ersten Jahren prägte eine Band, welche sich durch Kreativi- Die HSG Big Band probt während des
deshalb Dixieland-Sound das musika- tät und Spontaneität auszeichnet. Der Semesters jeweils dienstags von 20 bis
lische Erscheinungsbild der Band. Mitt- Bassist kommt aus Holland und spielt 22 Uhr im Keller des Sprachenzen-
lerweile spielt die Band in klassischer das erste Mal mit der Band. Etwas mehr trums (36-U108). Zurzeit fehlen noch
Big Band Besetzung von 5 Saxophonen, Erfahrung hat der Drummer aus Leip- ein paar Posaunen. Auch andere In-
4 Trompeten, 4 Posaunen, Rhythmus- zig neben dem Gitarristen aus Mün- strumentalisten sind willkommen.
gruppe und zusätzlich mit einer Quer- chen. Saxophonisten aus Frankreich, Exotische Instrumente bitte vorgängig
flöte und einem Vibraphon. Nach dem Saxophonistinnen aus Tschechien und mit dem Vorstand (vorstand@hsgbig-
Schlussakkord tritt im Audimax der Rek- Trompeter und Posaunisten aus Liech- band.ch) abklären.
tor ans Pult und begrüsst Absolventen tenstein haben ihre Plätze zwischen den
und Angehörige zur ersten Bachelorfeier Schweizern gefunden. Wo Lücken beste- Weitere Infos: www.hsgbigband.ch

November 2010 – prisma 23 Campus


«Game on» für die St. Gallen
Gekkos!
An der Universität St. Gallen wird Eishockey gespielt? Klingt
komisch, ist aber so. Und seit dieser Saison gibt es sogar
einen Verein dafür – die St. Gallen Gekkos.
G egründet wurde der Verein von ei-
ner Hand voll Studenten, welche
eine Vorliebe für den Sport auf dem Eis
Eismiete und Reisekosten an Turniere
ausserordentlich hohe Aufwände zu ver-
buchen haben. So war der Vorstand in
haben und fanden, dass es an der Zeit den vergangenen Monaten stark damit
sei, dass die HSG einen Eishockeyverein beschäftigt, Sponsoren an Bord zu ho-
bekommt. Auch wenn die Spieler nicht len, um eine solide finanzielle Basis zu
in weissen Haifischkragen-Hemden und schaffen. Dadurch soll dem Verein ein
Nadelstreifenanzug auf dem Spielfeld erfolgreicher Start gelingen.

Marcial Bollinger
stehen, soll der Name des Vereins doch
ein kleiner Augenzwinker zu Namens- Neben dem Eis
vetter Gordon Gekko, dem bekannten Mit dem Beginn des Semesters und
Banker aus dem Kultfilm «Wall Street», damit den ersten Trainings sowie einem
sein. Bei den St. Gallen Gekkos geht es Trainingsweekend haben sich die Akti-
allerdings eher um die Resultate der NHL vitäten der Gekkos auf das Eis verlagert.
als um Börsenkurse. Und wenn über So gilt es nun, die individuellen tech-
Übernahmen gesprochen wird, sind da- nischen Fähigkeiten und das Mann-
bei wohl eher die Drafts der Teams und schaftsspiel zu verbessern, um dann
ihre Neuverpflichtungen gemeint als ir- bei den Turnieren das Feld erhobenen
gendwelche S&P 500 Firmen. Hauptes verlassen zu können.

Training Ein weiteres Ziel des Vereins ist es,


Der Schwerpunkt liegt demnach eine Plattform für alle hockeyinteres-
auf dem Sportlichen, was die Ziele des sierten Studentinnen und Studenten der
Vereins entsprechend prägt. Eines die- HSG zu bieten – egal ob sie nun selbst
ser Ziele ist es, das spielerische Niveau Eishockey spielen oder nicht. Organi-
so zu verfeinern, dass an den Turnieren siert werden vor diesem Hintergrund
Podestplätze erreicht werden. Dies soll auch zahlreiche Events neben dem Eis,
durch zwei wöchentliche Trainings ge- wie beispielsweise ein Bowling-Abend,
schehen – montags und donnerstags in der Besuch eines Hockeymatchs in Bern,
der Eishalle Lerchenfeld. Das Montags- die Verlosung einer XBOX auf der Face-
Marcial Bollinger

Training steht allen Hockey-Interessier- book-Page der Gekkos oder auch wei-
ten offen (Anmeldung über UniSport), tere Outdoor-Aktivitäten. Dies mit dem
das Donnerstags-Training ist für das Ziel das Vereinsleben zu fördern, sowie
Team reserviert. Im Team sind jene die Präsenz und die Bekanntheit der
Spieler zusammengefasst, welche dem Gekkos bei den anderen Studenten zu
Verein St. Gallen Gekkos beigetreten erhöhen – damit bei einem möglichen
sind und den Verein – und somit auch Heimturnier auch ein paar Fans den
die HSG – an nationalen und internatio- Weg zu den Spielen finden. Dass es bis
nalen Turnieren vertreten. dahin allerdings noch ein weiter Weg ist,
ist den Mitgliedern bewusst, aber ohne
Vereinsführung Durchhaltewillen kann man seine Ziele
Einen Verein zu führen, gleicht nicht erreichen. Und deshalb gibt es für
einem KMU – da ist wirtschaftliches Wis- die Gekkos nur ein Motto: Game on!
sen hilfreich. Es versteht sich von selbst, Simon Wälchli
Marcial Bollinger

dass die St. Gallen Gekkos auf finan- Vorstand St. Gallen Gekkos
zielle Mittel angewiesen sind, um den
Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Dies,
weil die St. Gallen Gekkos im Vergleich
zu anderen Vereinen an der HSG durch

Campus 24 prisma – November 2010


Geburt und erste Gehversuche:
Die Gründung des Industrial Clubs
Vor fünf Monaten wurde der Industrial Club gegründet. Im
ersten Semester erwarten die 100 Mitglieder Veranstal-
tungen mit Bühler, Hilti und Sulzer. Der Vorstand
berichtet von den ersten Gehversuchen und schildert
seine Erfahrungen.

Industrial Club
W ie jede gute Gründungsgeschich-
te beginnt auch die des Industrial
Clubs in der Kneipe bei einem Bier. Als
wurden die Ämter im Vorstand verteilt.
Der Grundstein war gelegt.
Pharma-, Konsum- und Automobilun-
ternehmen auszuweiten.

die Zungen lockerer werden, erzählt uns Erste Schritte und kleine Erfolge Learning by doing
Enzo von seiner Idee, den Studierenden Voller Motivation machten wir uns Nach fünf Monaten, die seit der
der HSG neben den gängigen Optionen in den folgenden Wochen an die Arbeit. Gründung vergangen sind, können wir
wie Banking und Consulting eine ande- Jedes Vorstandsmitglied hatte seine auf eine einmalige Erfahrung zurück-
re spannende Alternative, die Industrie, ganz eigenen Ideen und Vorstellungen. blicken. Wir erlebten die Vereinsgrün-
näher zu bringen. Begeistert von seiner Gemeinsam wählten wir potenzielle dung so, wie wir uns eine kleine Unter-
Idee – jeder von uns hatte grosses Inte- Partnerunternehmen aus, gestalteten nehmensgründung vorstellen. Ständig
resse an der Industrie, den Unterneh- das Logo, Werbebroschüren und die warten neue Herausforderungen, die
men und deren Produkten – beginnen Website, diskutierten mögliche Veran- man mit Kreativität und Einsatz mei-
wir sofort eine Diskussion: Was könnte staltungsformen, einigten uns auf die stern muss. Man trägt grosse Verantwor-
man im Rahmen eines Vereins machen? Art des Vereinslebens und erstellten tung gegenüber allen Ansprechspart-
Welche Unternehmen könnte man an- die Budgetplanung. Grundlegende Ent- nern, namentlich den Mitgliedern, den
sprechen? Haben Studierende der HSG scheidungen wurden stets einstimmig Partnerunternehmen, der Universität
überhaupt Interesse an so einem Ver- getroffen, frei nach dem Schweizer Kon- sowie den Vorstandskollegen. Beson-
ein? Was sind die ersten Schritte und wie kordanzprinzip. Eine sehr arbeitsin- ders hilfreich waren zu dieser Zeit der
finanziert man diese? Es wurde spät und tensive Zeit begann und hält auch bis Zusammenhalt und die gegenseitige
wir verblieben beim Entschluss, den heute an. Motivation schöpften wir aus Unterstützung im Vorstandsteam, die
Verein beim nächsten Treffen offiziell zu den bekannten «Small Wins», denn das keine Aufgabe zu gross erscheinen lies-
gründen. Feedback und die Unterstützung von sen. Mit voller Überzeugung können wir
Professoren waren grossartig. Unsere sagen, dass gerade diese Erfahrungen,
Gründung des Vereins Wunschunternehmen Bühler, Hilti und welche die HSG durch die Unterstützung
Ausgerüstet mit dem ZGB, den Ak- Sulzer entschieden sich, unseren Ver- des Vereinslebens ermöglicht, einer der
kreditierungsrichtlinien und unseren ein zu unterstützen. Nach vier Tagen an Gründe sind, warum ein HSG-Studium
Statutenvorschlägen trafen wir uns we- der HSG zählte der Verein bereits über so spannend ist.
nige Tage später zur Gründerversamm- 100 Mitglieder. Ende Oktober veranstal- Laurent Mager
lung. Diese Thematik war Neuland für teten wir einen öffentlichen Event mit Vize-Präsident des Industrial Clubs

@
jeden von uns, und so dauerte es viele Martin Hellweg zum Thema «Musiker
Stunden, bis Vereinszweck, Mitglied- & Manager – Zwischen den Welten».
schaften und die Rechte und Pflichten Im nächsten Semester planen wir ne- Infos zu unserem Verein findest du
der Vereinsorgane einstimmig angenom- ben Veranstaltungen mit Unternehmen unter www.industrialclub.ch oder
men wurden. Als feierlicher Abschluss aus der Schwerindustrie, den Fokus auf auf unserer Facebook-Seite.

November 2010 – prisma 25 Campus


Die Weinelite
Im Jahr 2009 wurde er von zwölf engagierten Studenten
gegründet und noch im gleichen Jahr akkreditiert: Sapien-
tia per Vinum. Was aber steckt hinter dem Mythos dieses
Vereins, der zwar jedem spontan sympathisch erscheint,
dessen Vereinsanlässe den meisten aber fremd sind?

Impressionen von der ersten Weinreise für das Jahr 2010 nach Neuchâtel

E in Weinverein an der Universität St.


Gallen, das weckt Assoziationen ei-
ner kleinen, sich für elitär haltenden
tischen Test mit fehlerfreier Blindverko-
stung sowie – selbstverständlich - ausge-
zeichnete akademische Leistungen im
Mitglieder, keine überteuerten Weine.
Anregende Diskussionen über den kon-
sumierten Wein und zu späten Stunde
Gruppe ausgezeichneter Weinkenner, Studium. Die halbjährliche Weinreise auch über Gott und die Welt. Viel Witz
die sich zum gelegentlichen Konsum führt in die besten und teuersten Wein- und Humor. Keine Plattform für Invest-
extravaganter Tropfen in teurer Umge- regionen der Erde, wobei bei der Wahl menttipps – richtig studentisch hörte
bung trifft. Dort wird dann über mög- des Ziels Komfort eine bedeutende Rol- sich das an. Wenn all dem wirklich so ist,
liche Investments in die aufstrebenden le spielt. Geradezu desaströs muss wohl stellt sich die Frage: Wer braucht denn
Weinanbaugebiete der Welt diskutiert. eine Reise nach Kalifornien verlaufen so einen Verein an der Universität St.
Man bedient sich an teurer Knabberei, sein, als eine Fehlbuchung seitens der Gallen?
die dem Wein würdig ist, und echauf- Ritz-Carlton-Hotelkette zu einer un-
fiert sich über den zunehmenden Qua- angenehmen Nacht in einem blossen Jeder, der glaubt, dass es auch so ei-
litätsverfall diverser Weinbaugegenden Mittelklassehotel führte. Die Gründung nen Verein an der HSG dringend braucht
durch inflationäre Produktion und den des Vereines selbst ist ein Mythos. Über und jeder, der sich selbst ein Bild davon
Verkauf bei Discountern wie Denner viele Jahre hinweg soll sie geplant wor- machen möchte, wie der Verein, sei-
oder gar Aldi und Lidl. Einen solchen den sein, die Vorbereitungen gesponsert ne Mitglieder und die regelmässigen
Wein würde ein Mitglied von Sapientia von den teuersten Weingütern sowie an- Treffen so sind, der kann gerne seinen
per Vinum sicherlich niemals konsu- onymen Investmentfirmen. Lebenslauf an uns schicken. Er kann
mieren, geschweige denn denjenigen es aber auch bleiben lassen und ein-
ernst nehmen, der dies überhaupt in Neulich aber wurde ich desillu- fach vorbeikommen. Details gibt es auf
Erwägung zieht. Denn von Weingenuss sioniert. Es hiess, man könne zu den www.weinverein.univerein.ch,und
kann hier bestimmt nicht die Rede sein. 14-tägigen Treffen des Vereins einfach Informationen zu den Treffen lie-
Zweifellos ist der Weinverein eine wei- so vorbei kommen, müsse keinerlei fern wir jedem auf Anfrage an
testgehend geschlossene Gesellschaft. Vorkenntnisse und Erfahrung mit Wein weinverein@myunisg.ch. Zum Wohle.
Die Aufnahme erfordert freilich diverse haben, nur Freude daran und Wert- Tristan Swysen
Rituale, einen theoretischen und prak- schätzung dafür. Keine Vorselektion der Vize-Präsident Weinverein

Campus 26 prisma – November 2010


Die HSG in 384 Wörtern
Ob eine Vorlesung als suboptimal, die eigene Aufmerksam-
keit als optimierungsbedürftig bezeichnet wird oder gar
die Opportunitätskosten für die Stunden an der Uni mit
den sunk costs verrechnet werden: Die HSG beeinflusst
unsere Sprache merklich.
Fabian.Fechner@student.unisg.ch
Redaktor

W er behauptet, unsere Universität


würde keinen Einfluss auf uns
und unseren Charakter ausüben, muss
sich einen Lügner nennen lassen. Nach
drei Jahren an der HSG besteht daran
nicht der geringste Zweifel. Diese in
Beton gegossene Institution verändert
nicht nur massgeblich, was wir denken,
sondern auch, wie wir denken, schafft
per definitionem Orientierungswissen.
Unsere Alma Mater hat die inhärente
Tendenz, uns im Denken und Handeln
liberaler und primär rationaler zu ma-
chen. Und das nicht gerade in margina-
ler Art und Weise.

Die Mikroökonomie des HSG-


Studiums
Man lernt bei dem anfänglichen Druck
des Assessments schnell seinen Input

Annegret Funke
zu minimieren, während man den Out-
put maximiert, ohne dass der Through-
put dabei auf der Strecke bleibt. Das gilt
sowohl für die temporäre als auch die
pekuniäre Ressourcenausstattung des
Opportunitätskosten, Pareto-Optimum und perfekte Allokation – alles Unfug?
Studenten. Wobei beide Komponenten
ex hypothesi in einer reziproken Aus-
tauschbeziehung zueinander stehen: Die Suche nach der perfekten Das Studium an der HSG ist ex ante
Wer seine Zeit für inferiore Tätigkeiten Allokation nichts anderes als die Suche nach der
verschwendet, investiert mehr Geld für Es ist zu empfehlen, sich an den Erfah- perfekten Allokation. Minimum drei Jah-
K-Karten und Ähnliches. Notabene gibt rungswerten und Benchmarks seiner re lang wird uns top down und bottom
es noch andere Möglichkeiten, seine Vorgänger zu orientieren, um die eige- up aus allen Richtungen die Effizienz ins
persönliche Nutzenfunktion zu maxi- nen allokativen Fähigkeiten stets zu stei- Hirn geballert, bis wir als vervollstän-
mieren: Indem man zunächst die Kom- gern. Der optimale Mix aus intrinsischer digte homines oeconomici schliess-
plexität reduziert, die Transparenz er- und extrinsischer Motivation bildet in lich die heiligen Hallen verlassen. Und
höht, die Lernprozesse verschlankt und diesem Zuge die fundamentale Erfolgs- wenn wir irgendwann in ferner Zukunft
allfällige Ineffizienzen eliminiert, rückt basis. Weiter gilt es, multidimensional letztlich unseren Grenznutzen erreicht
man dem Pareto-Optimum stetig nä- und interdisziplinär zu agieren, aber haben, werden wir zurückblicken und
her. Vorausgesetzt die Präferenzen sind auch, die eigenen Kernkompetenzen in der Retrospektive wird es uns so klar
monoton und transitiv. Denn wer von nicht aus den Augen zu verlieren. Na- erscheinen wie nie zuvor: Ceteris pari-
der Indifferenz bestimmt wird und nicht türlich gibt es aber immer auch jene, die bus wäre jeder Einzelne von uns ohne
weiss, was er will, verfehlt nur allzu oft das alles nur peripher und in infinitesi- die HSG ein anderer Mensch. Nicht nur
das Ziel. Wobei man auch das wiederum maler Weise tangiert, doch diese bleiben marginal.
differenziert sehen muss. grosso modo auf der Strecke.

November 2010 – prisma 27 Campus


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T hema
30 Lernst du noch oder dopst du schon?
32 Drogen: Facts & Figures
33 Die versuchte Neugier
34 Mittelbild: Ein Zug & du bist weg...
36 Drogenfilme – eine Auswahl
38 Absinth und Spritzen im Stadtpark
40 Der Drogenkrieg in Mexiko
41 Rausch auf Umwegen

Foto: Lisa Jaeggli


Lernst du noch oder dopst du
schon?
Ritalin polarisiert. Die einen sehen es als Traubenzucker
2.0, für andere gehört es ebenso wenig in den Hörsaal
wie EPO zu einem fairen Radrennen. Es ist Zeit, dass sich
prisma mit Novartis Verkaufsschlager befassen.

D er in Ritalin enthaltene Wirkstoff


heisst Methylphenidat und ist aus
chemischer Sicht ein naher Verwand-
missbraucht wird. Personen ohne ADHS
kann das Medikament helfen, sich über
längere Zeit besser zu kon-
Fokussiert und ausdauernd
«Die Wirkung ist für mich nicht klar
definierbar, aber im Nachhinein stel-
ter von Ecstasy und Speed. 1944 von zentrieren, folg- le ich fest, dass ich viel effizienter ge-
Leandro Panizzon für Ciba-Geigy ent- lich er- arbeitet habe», stellt ein HSG-Student
wickelt, verdankt es seinen Handels- fest, welcher Ritalin verschrieben
nahmen Panizzon’s Ehefrau bekommt, seit er 16 ist. Damals, im
Marguerite, welche alle Gymnasium, hatte er aufgrund
«Rita» nannten. Sie war von Konzentrationsschwierig-
es auch, die bei einem keiten einen Arzt aufgesucht;
Selbstversuch feststell- eine schwache Form von
te, dass der Arzneistoff ADHS wurde diagnosti-
positive Auswirkungen ziert. Der Student sollte
auf ihr Tennisspiel hat- morgens und mittags je
te; Panizzon hingegen eine Tablette zu 10 Milli-
war von der Wirkung eher gramm nehmen. Mit der
enttäuscht. Als Ritalin Mitte Zeit fing er jedoch an, Ri-
der 50er-Jahre auf den Markt talin nicht mehr regelmäs-
kam, wurde es rezeptfrei als sig, dafür aber in höheren
Aufputschmittel verkauft. 1971 Dosen zu nehmen, hauptsächlich
wurde Ritalin dem Betäubungs- in der Lernphase, oder wenn Arbeiten
mittelgesetz unterstellt und das freut es zu schreiben sind. Es helfe ihm dabei,
Anwendungsfeld verschob sich weg sich vor allem fokussierter und ausdauernder zu sein
von Krankheiten wie Depression und bei Studenten grosser – bei grundsätzlichen Motivations- oder
Schlafstörungen hin zur Behandlung Beliebtheit. Dass es auch für HSG- Verständnisproblemen nütze es hinge-
der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperakti- Studenten verlockend sein mag, zu Rita- gen nicht wirklich.
vitäts-Störung ADHS. lin zu greifen, um somit tagelang büffeln
zu können, erscheint plausibel. Schliess- Es gibt aber noch einen anderen
In den 90er-Jahren nahm der Ver- lich planen die meisten ihr Studium Grund, warum unser Student seine Kon-
kauf von Ritalin explosionsartig zu. Am wohl kaum wie von Dr. Spoun empfoh- sumgewohnheiten geändert hat: aus
stärksten in den USA, aber auch in Eu- len, sondern sparen sich die Arbeit bis Angst vor der Abhängigkeit. «Der Arzt
ropa war dieser Trend spürbar. So hat kurz vor der Deadline auf. Einige sehen hat mich zwar auf die Gefahren hinge-
sich zum Beispiel die verkaufte Menge in Ritalin die logische Konsequenz der wiesen, aber ich nahm das damals nicht
in Deutschland in den letzten 20 Jah- Leistungsgesellschaft und beschwören, besonders ernst. Als mich jedoch Leute
ren mehr als verfünfzigfacht. Daneben dass es bei gestressten Hochschülern im in meinem Umfeld warnten und ich ei-
ist die Tendenz erkennbar, dass Ritalin Falle einer Legalisierung wohl bald so nige Dokus über «Ritalin-Kids» gesehen
zusammen mit anderen «Smart Drugs» beliebt sein werde wie die Klassiker Kaf- habe, wurde mir bewusst, dass es sich
immer häufiger zur Leistungssteigerung fee und Red Bull. um eine heikle Substanz handelt. Beim

Thema 30 prisma – November 2010


Andrea Courtin
genaueren Studieren der laut Packungs- sauer aufstösst, mundet mit Ritalin gar- ärztlichen Diagnose praktisch problemlos
beilage möglichen Nebenwirkungen niert nicht viel besser. Auch sonst tut er durch die Krankenkasse bezahltes Ritalin
wurde mir fast übel. Eingetroffen ist sich schwer, die meisten Abschnitte des beziehen können, wobei nicht kontrol-
glücklicherweise nichts davon, lediglich abstrakten Textes muss er mehrmals liert wird, ob es tatsächlich eingenommen
nervös fühle ich mich manchmal und be- lesen. Allerdings gelingt es ihm, über wird. Oder man bezieht es über dubiose
merke, dass ich unkontrolliert rede. Das mehrere Stunden zu lesen, ohne dabei Websites, welche die Medikamente aus
könnte jedoch daran liegen, dass ich zu den danebenstehenden Laptop auch einem nicht näher genannten ost-asia-
wenig schlafe, wenn ich Ritalin nehme.» nur anzufassen, ja sogar, ohne dauernd tischen Land in die ganze Welt versenden
Seinen Konsum einstellen würde er, auf die Uhr zu schauen. Und nach einem und, sogar eine kostenlose Ersatzliefe-
wenn es neue Erkenntnisse zur schäd- masslos übertriebenen Lunch im «Tie- rung leisten, sollte mal ein Paket vom Zoll
lichen Wirkung von Ritalin gäbe, oder break» schafft er es zügig wieder zurück beschlagnahmt werden. Jeder, der des
beim Erkennen von Abhängigkeitsan- zu seinem Lesestoff, den er, ohne die Googlens mächtig ist, findet problemlos
zeichen. «Das würde aber heissen, dass sonst gnadenlose Verdauungsmüdigkeit eine solche Seite. Ansonsten kann er sich
ich auf den Endspurt verzichten und frü- zu spüren, weiter bearbeitet. die E-Mails, welche in seinem Spamfilter
her zu lernen anfangen müsste.» landen, mal etwas genauer anschauen.
Die folgenden Tage laufen ähnlich Davor, dass auf diese Art erworbene Me-
Scheitern an Luhmann ab: Unser Proband besucht Vorlesungen dikamente jedoch grosse Risiken für die
Einen Kollegen packt schliesslich und verbringt viel Zeit in der Bib. Er Gesundheit des unachtsamen Konsu-
die Neugier und er entschliesst sich, ei- hat zwar nicht das Gefühl, viel aufnah- menten bergen, da nur wenig Schutz vor
nen Selbstversuch durchzuführen. Un- mefähiger als sonst zu sein, lässt sich Fälschungen oder schlechter Qualität be-
ser Versuchskaninchen gehört sonst aber weniger ablenken und bemerkt steht, wurde in den Medien in letzter Zeit
eher zu jenen Studenten, die Facebook ein gewisses Bedürfnis «etwas tun zu häufig gewarnt. Aber auch der Konsum
als Haupt- und Youtube als Nebenfach müssen». Gleichzeitig stellen sich bei von «richtigem» Ritalin ist keineswegs
gewählt haben. Nun will er, über eine ihm jedoch leichte Kopfschmerzen und harmlos, obwohl sich die Experten über
Woche verteilt, zwanzig Tabletten Ritalin Mundtrockenheit ein, zudem verspürt die Gefahren uneinig sind. Besonders bei
zu 10 Milligramm einnehmen. Mit einem er einen unangenehmen Drang, um falscher Verwendung können unter an-
etwas mulmigen Gefühl – schliesslich jeden Preis so effizient wie möglich zu derem Depressionen, Nervosität, Schlaf-
weist die Packungsbeilage auf mögliche arbeiten: Beim Schreiben eines Textes losigkeit, Herzrhythmusstörungen und
Nebenwirkungen wie Haarausfall, unre- fühlt er sich weniger kritisch und kreativ Abhängigkeit auftreten. Zudem sind die
gelmässigen Herzschlag oder Wahnvor- als sonst. Er beschliesst, in Zukunft auf Langzeitfolgen für Personen ohne ADHS
stellungen hin – schluckt er am Morgen Ritalin zu verzichten. weitgehend unerforscht. Es stellt sich die
die erste Tablette und macht sich auf Frage, ob man bereit ist, diesen Preis zu
den Weg in die Bib. Um das Potenzial als Fragen Sie Ihren Arzt oder Apo- bezahlen; ob man sich tatsächlich mittels
«Studi-Droge» zu testen, wählt er eine be- theker einer Droge der Leistungsgesellschaft un-
sonders garstige Lektüre aus: Luhmanns Dass für Studenten die Rezeptpflicht terwerfen will, oder ob doch der Weg das
Systemtheorie – auf Englisch. Schon von Ritalin kein grosses Hindernis dar- Ziel ist. Letztlich muss diese Frage jeder
bald wird er ein erstes Mal enttäuscht; stellt, ist bekannt. Man erhält es von Be- selbst beantworten.
Luhmann, der schon in kleinen Mengen kannten mit ADHS, welche nach einer Andrea Courtin

November 2010 – prisma 31 Thema


Drogen: Facts & Figures
Absinth, ein Schnaps, der in der Schweiz zeitweise verboten war, kann man einfach
selbst herstellen: die Absinthessenz im Internet bestellen, mit neutralem Alkohol
und destilliertem Wasser mischen, nach Belieben Zucker beifügen, fertig!

Interessant zu wissen: In einer Zigarette sind unter anderem Blausäure, Blei,


Zink und Teer enthalten. Eine Zigarette verkürzt das Leben um elf Minuten.
Ebenso lange muss man in der Schweiz durchschnittlich arbeiten, um sich
eine Zigarettenpackung leisten zu können.

Im Jahr 2009 starben in der Stadt St. Gallen sieben Menschen an einer Über-
dosis Kokain, Heroin oder einer Mischung der beiden Substanzen.

Ecstasy und Marihuana werden vor allem von


@
Weitere Facts & Figures zum
18- bis 24-Jährigen, Kokain und Heroin hinge- Thema Drogen findest du auf
gen grösstenteils von des Generation 30+ konsu- www.prisma-hsg.ch/heft
miert.
SAK_CH_210x148_Layout 1 15.10.10 11:36 Seite 1 Simone Steiner

Erfolg kommt nicht über Nacht.


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Premium-Aussteller auf dem Kongress:
Die versuchte Neugier
J. U. kam mit vierzehn Jahren zum
ersten Mal in Kontakt mit Drogen. Ihr
Weg führte sie von Cannabis bis hin
zu Drogen wie Kokain.

J. U, wann hast du mit den Drogen an-


gefangen?
Begonnen hat es wie so oft eigent-
lich harmlos. Ich war vierzehn und
rauchte ab und zu mit Freunden einen

K
Joint. Irgendeinmal machte ich eine et-
was schwierigere Zeit durch und fing an,
regelmässig zu kiffen.

Beim Kiffen ist es aber nicht geblieben … Kommentar


Nein, aber das bereue ich nicht. Als
ich siebzehn war, lernte ich meinen da-
maligen Freund kennen, der praktisch
jeden Tag einen Joint rauchte. Dadurch
die Regel. Wenn du Stoff hast, wartest du
nicht bis zum nächsten Tag. Drogen sind
da, um sie aufzubrauchen.
D er Mensch ist ein Entdecker, so
viel ist klar. Dass wir dazu auch
gerne mal in die Trickkiste greifen,
wurde auch für mich das Kiffen zum All- um unser «Bewusstsein zu erweitern»
tag – was aber meine eigene Entschei- Was für psychische und physische Fol- und in «höhere Sphären» aufzustei-
dung war. Irgendeinmal eröffnete er gen hatten die Drogen? gen, scheint in dem Zusammenhang
mir überraschenderweise, dass er auch Körperlich verspürte ich nichts. Ich nur logisch. Nur – dass die Luft in hö-
härtere Drogen zu sich nahm. Andere war ja nicht abhängig. Aber auf psy- heren Sphären aber immer dünner
Drogen waren für mich bis dahin kein chischer Ebene habe ich schon gelitten. wird, bemerken die meisten zu spät
Thema gewesen, aber ich bin ein extrem Die ständigen Aufs und Abs haben mich – oder gar nicht.
neugieriger Mensch. Und so nahm ich letztendlich fertig gemacht. Und meine
zum ersten Mal Koks zu mir. Konzentration liess nach. Klar, Menschen sind unterschied-
lich und nicht jede Droge macht so-
Was für Drogen hast du sonst konsu- Apropos Konzentration – zu dieser Zeit fort abhängig. Aber gerade das ist
miert? befandst du dich noch in der Ausbil- die Gefahr. Meist merken die Betrof-
Jegliche. LSD, Koks und halt das, dung. Hatten die Drogen Einfluss auf fenen gar nicht, wie Drogen ihr Le-
was man auf Goapartys so bekommt. deine schulischen Leistungen? ben schleichend unterwandern. Wie
Aber abhängig von irgendeiner Droge Komischerweise nicht, nein. Ich auch? Schliesslich fängt alles ganz
war ich nie. hatte mir aber ganz klar Prioritäten ge- gut an: Viele Probleme scheinen auf
setzt. Wenn ich eine Prüfung hatte, ging den ersten Blick wie verschwunden.
Wie hast du dich gefühlt, wenn du auf ich nach Hause, lernte und belohnte Gleichzeitig trifft man Menschen, die
einem Trip warst? mich anschliessend. Und die Belohnung eine ähnliche Vorliebe für Rausch-
Schwer zu sagen. Irgendwelche Hor- waren eben Drogen. mittel teilen.
rortrips wie andere hatte ich zum Bei-
spiel nie. Ich weiss nur, dass mich Gott sei Wie hast du mit den Drogen aufgehört? Erst mit der Zeit wird den Be-
Dank jede Droge enttäuscht hat. Ich hat- Nach vier Jahren Beziehung trennten troffenen klar, dass sie sich von ih-
te mir zu jedem Stoff, den ich einnahm, wir uns. Er war derjenige mit den Kon- ren alten Bekannten abgewandt und
meine eigenen Vorstellungen über die takten zu den Dealern. Durch die Tren- ihr Leben ganz nach dem Rhythmus
Wirkung gemacht, denen keine Droge nung verlor ich diese Kontakte und hatte ihres Konsums ausgerichtet haben.
entsprach. Heute kann ich behaupten, so auch keinen Zugang mehr zu harten Aus Neugier wurde Routine und aus
Alev Kurucay

dass ich damit Glück hatte. Aber trotz- Drogen. Später stellte ich auch meinen Routine wurde Sucht.
dem, wenn wir zum Beispiel Koks hatten, Cannabiskonsum ein. Vladimir Mijatovic
nahmen wir es, bis es weg war. Das war Alev Kurucay
Ein Zug und
du bist weg...

Foto: Andrin Buchli


Marisa-Steiner
@student.unisg.ch Drogenfilme –
eine Auswahl
Ressortleiterin Thema

Es gibt viele gute Drogenfilme. Nir-


gends sonst kann sich ein Regisseur so
austoben wie bei der Darstellung von
Menschen, die unter dem Einfluss psy-
chedelischer Substanzen stehen.

Trainspotting (Schottland, 1996)

In einem zynischen Monolog erzählt


der junge Mark Renton (Ewan McGre-
gor) die Geschichte seiner Edinburgher
dererseits sprühen sie vor Lebensfreu-
de und Energie. Der schwierige Spagat
zwischen Coolness und Ernsthaftigkeit
Heroin-Clique. Zu Beginn des Filmes gelingt. Obwohl der Film eine gute Por-
kommt Mark von den Drogen weg, fällt tion schwarzen Humor enthält, wird der
aber schnell in die Sucht zurück. Nach Drogenkonsum keineswegs glorifiziert
einem erneuten Entzug setzt er sich – im Gegenteil: Viele Szenen sind «hard-
nach London ab, um dort als Immobili- core». Das Comedy-Drama wurde mit
enmakler zu arbeiten – bis ihn sein altes einer Oscar-Nominierung für das beste
Leben einholt. Drehbuch beehrt und avancierte wegen
der ironischen und skurrilen Gespräche
In Guy-Ritchie-Manier zeigt der Re- verdientermassen zum Kultfilm.
gisseur Danny Boyle, wie die Freunde
zusammen lachen, leiden und sich ge- Mark: «At, or around this time, Spud,
genseitig am Cleanwerden hindern. Sick Boy and I made a healthy, informed,
Die Figuren sind höchst ambivalent ge- democratic decision to get back on heroi-
zeichnet. Einerseits sind sie Junkies, an- ne as soon as possible.»

Requiem for a Dream


(USA, 2000)

I n drei Kapiteln wird der soziale Nieder-


gang von vier Drogensüchtigen porträ-
tiert. Schonungslos zeigt der Film eine
sich kümmern muss. Die Drogenquellen
in Brooklyn sind versiegt, sein Kumpel
Tyrone (Marlon Wayans) braucht eine
Spirale aus Rausch und Verzweiflung, Kaution – kurzum: Das Geld geht aus.
welche die Protagonisten ins Nichts Marion beginnt notgedrungen, sich zu
reisst. prostituieren. Ausweglosigkeit zeichnet
sich ab.
Dabei hätte es gut kommen können.
Die verwitwete Sara Goldfarb (Ellen Die Geschichte ist düster, der Show-
Burstyn) wird zur Teilnahme in einer down tragisch und ekelerregend. Ein
TV-Show eingeladen und verspürt lang Happy End gibt es nur in der Fantasie, als
verlorene Lebensfreude. Ihr Sohn Har- die Figuren zum Schluss in Embryostel-
ry (Jared Leto) hängt zwar an der Nadel lung daliegen und davon träumen, was
und dealt – doch er hat Zukunftspläne hätte sein können. Durch den Einsatz
ohne Drogen. Mit seiner grossen Liebe visueller Schocktechniken und minima-
Marion (Jennifer Connelly) möchte er listischer Musik erlaubt der Regisseur
ein eigenes Geschäft eröffnen. Darren Aronofsky während 102 Minuten
kein Aufatmen.
Es kommt anders. Sara beginnt mit
der Einnahme illegaler Diätpillen und Sara: «You got a good job, what kind
wird süchtig. Harry bemerkt das zwar, of business?» – Harry: «Well, I‘m sort of a
hat aber eigene Probleme, um die er distributor for a big importer.»

Thema 36 prisma – November 2010


Snow White
(Schweiz & Österreich, 2005)

S chneeweiss: Das ist die Farbe von Ko-


kain, der Kult-Droge der Zürcher Jeu-
nesse Dorée. In diesen Kreisen verkehrt
Das porträtierte Zürcher Nachtle-
ben hat Wiedererkennungswert. Leider
beweist der Regisseur Samir aber auch
auch Nico (Julie Fournier), von Beruf rei- Liebe zum Klischee. So, als Nico ihrem
che Tochter. Bis sie in ihrem Stammclub Freund eine «richtige Zürcher Ban-
Casanova – der unverwechselbar ans lieue» zeigt – den Vorort Schwamen-
Kaufleuten erinnert – den idealistischen dingen, der völlig überzeichnet darge-
Rapper Paco (Carlos Leal) kennen lernt. stellt wird. Auch erkennt man durch den
In ihm findet sie die Tiefgründigkeit, die ganzen Film hindurch eine Tendenz zur
ihr in ihrem verko(r)ksten Milieu, be- Schwarz-Weiss-Malerei. Doch das sei
stehend aus zukünftigen «Bankern, Ju- mit ein bisschen Patriotismus verziehen.
risten, Gynäkologen und Consultants», Snow White – ein Drama Schrägstrich
fehlt. Die zwei verlieben sich. Liebesfilm – bietet eine spannende Sto-
ryline, gute Filmmusik und eine wun-
Doch das Glück währt nicht lange. derschöne Kulisse.
Nico beginnt wieder zu schnupfen. Als
ihr der Geldhahn zugedreht wird, kommt Nico: «Ei Rundi für alli!»
es zu heftigen Szenen, die an Zürichs Hot
Spots wie dem Hotel Dolder Grand oder @
einem namhaften Zunfthaus stattfinden.
Die Trailer zu den Filmen
Der Zuschauer sieht, wie unglamourös sowie eine Liste mit weiteren
der Konsum des «weissen Goldes» hinter Drogenfilmen findet ihr unter
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dem schönen Schein wirklich ist.

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Absinth und Spritzen im Stadtpark
Die Schweiz blickt auf eine lange und leidvolle Drogenge-
schichte zurück. Die Substanzen wechselten, die gesell-
schaftlichen Auswirkungen und Schicksale gleichen sich.
Gabriel.Schmid@student.unisg.ch
Ressortleiter 360°

D ie Geschichte der Rauschmittel


reicht weit zurück. Vieles, was heu-
te in Vergessenheit geraten oder aber
Vermutung einer gesundheitsschädi-
genden Wirkung dieses Stoffes nicht von
der Hand zu weisen ist. Historische Un-
hatte sich eine offene, völlig unkontrol-
lierte Drogenszene entwickelt. In Bern
war sie von 1985 bis Ende 1990 auf der
selbstverständlich ist, führte früher zu tersuchungen haben indes gezeigt, dass Bundesterrasse und der kleinen Schan-
Diskussionen. Zu den kontroversesten die fatalen Folgen des Absinthkonsums ze direkt beim Bundeshaus zu finden,
und schockierendsten Entwicklungen in vielmehr vom hohen Alkoholgehalt – 45 dann bis 1992 im Kocherpark. In Zürich
dieser Hinsicht zählen die Verbreitung bis teilweise 85 Volumenprozente – und war ihr Schauplatz von 1986 bis 1992
und das anschliessende Verbot des Ab- der zudem oft schlechten Qualität des der Platzspitz in unmittelbarer Nähe zu
sinths sowie die offenen Drogenszenen Alkohols herrührten. Hauptbahnhof und schweizerischem
in Bern und Zürich Ende der Neunziger- Landesmuseum. Als «Needle Park» er-
jahre. Die beschriebenen schwerwie- langte dieser Park weltweit traurige Be-
genden Folgen des Absinthkonsums kanntheit. Bei seiner Sanierung musste
Absinthverbot führten zu wachsendem Widerstand die oberste Erdschicht komplett abge-
Die Spirituose Absinth verdankt ih- gegen die Verbreitung des Absinths. tragen werden, da sie völlig mit Sprit-
ren Namen dem Wermut (Artemisia ab- Als 1905 in Lausanne ein betrunkener zen und Scherben durchsetzt war. Nach
sinthium), welcher zusammen mit Anis Weinbergarbeiter während eines Wut- seiner Schliessung am 4. Februar 1992
und Fenchel ihren hauptsächlichen anfalls seine schwangere Frau und seine verlagerte sich die Szene an den Bahn-
Inhaltsstoff bildet. Bereits in der Anti- zwei kleinen Töchter ermordete, wurde hof Letten, bis auch dieses Areal 1995
ke wusste man um die heilbringenden der Täter als «Absinthmörder» bekannt geschlossen wurde.
Eigenschaften des Wermuts. Während und die Tat europaweit in den Medien
der Besetzung Algeriens ab 1830 durch thematisiert. Dieses Verbrechen führte Die offenen Drogenszenen waren
Frankreich wurde Absinth als Heilmit- dazu, dass sich die Stimmung in vie- geprägt durch eine ausgesprochene
tel den Soldaten verabreicht, wodurch len Ländern endgültig gegen den Ab- Hoffnungslosigkeit, in welcher Men-
die Spirituose bekannt und auch als Ge- sinth richtete. Schliesslich wurde in der schen sich und ihre Würde völlig aufga-
nussmittel beliebt wurde. Bereits ab 1860 Schweiz 1908 eine Volksinitiative mit ben, weil sie alles in ihrem Leben dem
kannte man in Paris die «heure verte», dem Ziel eines Absinth-Verbots ange- Konsum ihrer Droge unterordneten.
welche auf die oft grünliche Färbung des nommen. Das Verbot trat 1910 in Kraft, Völlig offen wurden Drogen gehandelt
Absinths und seinen Übernamen «grüne auch andere europäische Länder folgten und konsumiert. Menschen prostituier-
Fee» anspielt. Durch dieses französische diesem Beispiel. ten sich oder bestahlen andere, teilweise
Pendant zur britischen «Tea Time» er- die eigene Familie, um ihren Konsum zu
langte der Absinth zunächst bei Künst- Im neuen Jahrtausend hat der Ab- finanzieren. Überlebenskämpfe spielten
lern grosse Beliebtheit, später wurde die sinth eine Rehabilitation erfahren. Seit sich ab in diesem hochentwickelten
grüne Fee zur Volksdroge in West- und 2005 ist er auch in der Schweiz wieder Land, zynischerweise vergleichbar mit
Zentraleuropa. erlaubt. Grund für diese Rehabilita- dem Überlebenskampf der Ärmsten
tion war nicht zuletzt die Erkenntnis, dieser Welt gegen den Hunger. Viele
Mit dem steigenden Konsum des Ab- dass nicht die Inhaltsstoffe, sondern Abhängige starben an Krankheiten wie
sinths wuchsen auch die Probleme. Für die schlechte Alkoholqualität und der AIDS, an Überdosen und Gewalt, auch
die oft gravierenden Folgen des Absinth- masslose Konsum für die verheerenden an seelischer.
konsums – Schwindel, Halluzinationen, Konsequenzen des Absinth-Genusses
Depressionen, Krämpfe und Blindheit verantwortlich gewesen waren. Die hygienischen Zustände waren
– wurde insbesondere das Neurotoxin ebenfalls gravierend. Spritzen wurden
Thujon verantwortlich gemacht, welches Offene Drogenszene und Zürich unter den Süchtigen ausgetauscht, teil-
ein Bestandteil des Wermuts ist. Zwar Ein besonders düsteres Kapitel des weise wurde Pfützenwasser zum Rei-
ist Thujon heute als Nervengift bekannt Drogenkonsums ereignete sich in den nigen der Spritzen und zum Konsum
und kann durchaus als drogenähnliche Achtziger- und Neunzigerjahren in Bern benutzt. Hinzu kam, dass die konsu-
Substanz bezeichnet werden, womit die und Zürich. Im Herzen beider Städte mierten Drogen oft von sehr schlechter

Thema 38 prisma – November 2010


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Der «Nadelpark» in Zürich, 1992.

Qualität waren, beispielsweise gestreckt so nicht weitergehen konnte. Zunächst langfristig auf eigenen Beinen zu stehen
mit Rattengift. setzte man auf Repression. Doch die und dem Konsum der Droge völlig zu
Behörden begriffen bald, dass der Ein- entsagen. Jedoch müssen sich die Ab-
Ein grosses Problem war, dass die satz der Polizei die Probleme nicht lösen hängigen ihre Drogen nicht mehr selber
Abhängigen so viel Zeit und Energie in konnte, sondern lediglich zu einer Ver- beschaffen und können sie überdies in
die Beschaffung von Geld für ihren Kon- lagerung des Problems führte (auch im einwandfreier Qualität und unter guten
sum investierten, dass sie kaum noch sprichwörtlichen, räumlichen Sinn). Da- hygienischen Bedingungen konsumie-
Ressourcen hatten, ihre Grundbedürf- her wurde vermehrt auf die so genannte ren. Dadurch werden sie nicht mehr in
nisse zu befriedigen. Der natürliche Schadensminderung gesetzt. Einerseits die Illegalität gedrängt und können oft
Lebenserhaltungstrieb der Menschen wurden bereits ab 1986 Fixerstuben ein- ein einigermassen geregeltes Leben mit
wurde durch die Abhängigkeit zu einem gerichtet, in welchen die Drogenabhän- einer eigenen Unterkunft führen, teil-
Beschaffungstrieb, bei welchem nur gigen in Ruhe ihre Drogen konsumieren weise sogar einer regelmässigen Arbeit
der nächste Schuss zählte. Dadurch er- konnten und kostenlos saubere Spritzen nachgehen.
nährten sich die Abhängigen unzurei- und weitere Utensilien erhielten. Ander-
chend, hatten oft keine feste Unterkunft erseits wurde ab 1995 ein kontrolliertes Was man auch von diesen Program-
mehr, und auch das soziale Netz litt un- Drogenabgabeprogramm (KODA) ins men halten mag: Fest steht, dass sie den
ter dem exzessiven Konsum. Leben gerufen. Mittlerweile versorgen Abhängigen wieder ein würdiges Leben
die Schweizer KODA-Stellen rund 1500 ermöglichen und überdies dafür gesorgt
Hilfe statt Repression Menschen mit Heroin und Methadon. haben, dass die offenen Drogenszenen
Die Behörden schauten dem Trei- Die Kosten werden von der Krankenkas- aus den Schweizer Städten verschwun-
ben ratlos zu, die Öffentlichkeit ange- se übernommen. Zwar schaffen es nur den sind.
ekelt. Schliesslich erkannte man, dass es etwa fünf Prozent der KODA-Patienten,

November 2010 – prisma 39 Thema


Der Drogenkrieg in Mexiko
Die Konflikte zwischen Polizei, Armee und kriminellen Orga-
nisationen in Mexiko fordern jedes Jahr mehrere tausend
Opfer – Tendenz steigend. Um die blutige Gewalt zu verste-
hen, muss man die Ursachen des Drogenkrieges kennen.

Wunsch seiner Bürger, in den


freien Markt einzutreten, gerecht zu
werden, dann finden sie eigene Wege.
2’340 Dol- Die Drogenkartelle offerieren eine sol-
lar. In einer che Chance, reich zu werden – oder zu-
nordmex ikanischen mindest, zu überleben in einem System,

M it knapp
30’000 Toten in den vergangenen fünf
Stadt verdient man damit
12’500 Dollar, auf der anderen Seite der
Grenze gar 26’500 Dollar. In kleinen
das durch ein Fehlen von Bildung und
Chancen gezeichnet ist.

Jahren ist der Drogenkrieg in Mexiko Portionen bringt dasselbe Kilo in den Kein «failed state»
zu einem der gewalttätigsten Konflikte US-Grossstädten einen Wert von bis zu Mit dem Regierungswechsel wurde
weltweit geworden. Kaum ein Tag ver- 180‘000 Dollar ein. ein neuer Ansatz gegen das organisierte
geht, an dem wir nicht von einer Ver- Verbrechen gewählt. Der aktuelle Präsi-
haftung, Schiesserei oder Enthauptung Gewalt durch Modernisierung dent Felipe CalderÓn, seit 2006 im Amt,
eines Kartells lesen. Man fragt sich: Wie und Ungleichheit erklärte den Drug Lords den offenen
gerät ein Staat in eine solche Lage? Es Während mehr als siebzig Jahren Krieg. Viele Kartelle fuhren dadurch
gibt zwei wichtige Gründe für die heu- wurde Mexiko von der hegemonialen hohe Verluste ein. Die meisten Drogen-
tige Situation. Einerseits liegt es an der Partido Revolucionario Institucional re- chefs wurden entweder festgenommen
geografischen Lage unseres Landes. giert – ermöglicht durch eine stillschwei- oder getötet. Das Resultat ist die heutige
Andererseits muss man die gesellschaft- gendes Übereinkommen zwischen den Gewalt: Die nun geschwächten Kartelle
liche Ungleichheit und die politische wichtigen Kräften des Landes. Die Re- müssen ihr Gebiet neu markieren, um
Machtverteilung der jüngsten Geschich- gierung, die Medien, die Landwirtschaft, den Schmuggelweg der Drogen weiter-
te Mexikos betrachten. der private und sogar der kriminelle hin zu kontrollieren.
Sektor konspirierten in einem korrup-
Wertvermehrung von 19‘000 ten Netzwerk, um die Macht der PRI zu Auch wenn es durch die Medien
Prozent verewigen. Erst im Jahr 2000 nahm die kommuniziert wird, ist Mexiko kein
Wir haben ein Sprichwort in Mexiko, Demokratie einen grossen Schritt nach «failed state». Trotz vieler Kritiker finde
das lautet: «Poor Mexico, so far away from vorne, als die Opposition die Präsident- ich die heutige, offensive Strategie rich-
God and so close to the US.» Natürlich schaftswahlen mit Vincente Fox gewann. tig. Eine frontale Attacke gegen diese
hat es viele Vorteile, wenn man Nachbar Mit dieser Transition zu einem demo- Organisationen ist nötig, um ein noch
des reichsten Staates der Erde ist – aber kratischeren und moderneren Staat grösseres Eindringen der organisierten
es hat auch Nachteile. Wegen der Lage begannen die alten Machtstrukturen Kriminalität in die Regierung zu verhin-
zwischen Süd- und Nordamerika führt zu bröckeln. Der Politikwissenschaftler dern.
der Weg der grössten Drogenprodu- und ehemalige Yale-Professor Samuel Paul Moch
zenten – Kolumbien, Bolivien, Venezue- Huntington sagt, dass Modernisierung lebt in Mexico City, wo er
la und Zentralamerika – zum grössten die Vernichtung des alten politischen Politikwissenschaften & Ökonomie studiert.
Drogenkonsumenten USA durch unser Systems impliziere, ohne unbedingt so- Übersetzt von Marisa Steiner
Land. Laut der Zeitschrift Nexos erhöht fort ein neues zu kreieren: «Viele, wenn
sich der Wert von Kokain entlang dieser nicht die meisten dieser Konflikte bre-
Supply Chain um bis zu 19‘000 Prozent: chen irgendwann in Gewalt aus.» Genau
Ein Kilo Kokapaste, das ursprünglich das passiert in Mexiko. Hinzu kommt
950 Dollar kostet, gewinnt nach der die gesellschaftliche Ungleichheit.
Verarbeitung zu Kokain einen Wert von Wenn ein Staat nicht in der Lage ist, dem

Thema 40 prisma – November 2010


Rausch auf Umwegen

Wir alle konsumieren Musik, ohne


uns Gedanken über deren Einfluss zu

Gabriele Pagani
machen. Ein Plädoyer für bewussten
Drogengenuss.

S chon einmal von iDosing gehört?


Wer bis jetzt davon gesprochen hat,
Musik mache ihn süchtig, der sollte
Zum Glück beeinflusst uns die we-
nigste Musik im negativen Sinne. Tagtäg-
lich lassen sich Millionen von Menschen
mitreissen, kommt man diesem Rausch-
zustand auch als Zuhörer verdammt
nahe. Dabei lässt sich aber nur erahnen,
sich diese Entwicklung mal ansehen von Musik beschallen – oft so konstant, was der Musiker selber fühlt.
– vielleicht aber vorerst nur auf YouTu- dass schon ein kurzer Moment der Stil-
be. Denn wohin iDosing seine Hörer le unangenehm auffällt. Ist Musik also Alles Hormone
bringt, sieht wirklich unangenehm aus. eine Alltagsdroge, welche die Mensch- Der Grund liegt in der Neurologie –
In einem Stereotrack werden links und heit über die stillen und einsamen Mo- wir sind einer körperlichen Abhängigkeit
rechts minimal versetzte Audiospuren mente des Lebens trägt? Dem würde wieder gefährlich nahe: Unser Gehirn be-
abgespielt, die dem Hörer eine Dynamik ich keinesfalls widersprechen. Tut euch lohnt den Körper mit Hormon-ausschüt-
und ein Eigenleben suggerieren. Das also einen Gefallen und stellt einmal tungen, sobald eine bekannte Klangfolge
versetzt iDoser in Trance- und Angstzu- eure Hörgewohnheiten auf die Probe. wahrgenommen wird. Es mag wohl einer-
stände – oder bringt sie zu emotionalen Versucht, einen Tag oder eine ganze seits daran liegen, dass Musiker sich öfter
Höhenflügen. Eine Datei, die kaum vor- Woche ohne iPod und Radio auszukom- bewusst mit Musik beschäftigen und so
hersagbare, extreme Auswirkungen auf men. Ihr werdet dem Musikhören umso einen «volleren Musikspeicher» haben,
Hörer hat. Doch genau diese intensiven mehr Wert beimessen, je bewusster ihr andererseits sind sie aber meist auch of-
Gefühlsausbrüche – welcher Art auch Musik wahrnehmt! So bleibt ihr nicht fener dafür, sich von Musik emotional
immer – lassen iDoser immer wieder unbewusst von Musik abhängig, deren und körperlich bewegen zu lassen. Mu-
einschalten: iDosing macht abhängig. einziger Zweck es ist, die Stille zu ver- sikern ist in diesem Zusammenhang der
drängen. Begriff des «musikalischen Orgasmus»
Wolf im Schafspelz? vertraut – wohl das höchste der musika-
Treten wir mal einen Schritt zurück: Warnung vor dem Musiker! lischen Gefühle, der Hauptgewinn in der
iDosing möchte Hörer tief in ihrem Inne- Musiker sind nochmal eine eigene Musiker-Lotterie. Es ist diese Emotion,
ren bewegen und spielt mit der mensch- Spezies unter den Süchtigen. Sie beschäf- nach der Musiker suchen und die sie im-
lichen Psyche. Das sollte mit «normaler» tigen sich oft stunden- und tagelang mit mer wieder ans Instrument zurückholt.
Musik doch eigentlich nicht möglich gleichen Songs oder Werken. Doch jeder
sein, oder? Weit gefehlt: Musik aktiviert einzelne Ton soll gleichermassen eine Verrückt aber wahr: Im Grunde
die gleichen Gehirnregionen wie ein Emotion transportieren, jeder Song ein funktioniert Musik wie eine klassische,
physischer Drogenrausch. Sie ändert Gefühl beim Zuhörer erzeugen. Musiker chemische Droge aber auf Umwegen.
zum Beispiel den Herz- und Atemrhyth- erleben das oft in einer Ausprägung, die Und genau das macht es viel zu schön,
mus aufgrund von chemischen Reaktio- einem Drogenrausch sehr nahe kommt. um aufzuhören. Statt auf iDosing sollte
nen im Gehirn. Und wurde Musik nicht man sich einfach mehr auf die Mu-
auch von Künstlern so geschrieben und «Fühlt» man sich einmal richtig in sik einlassen, die durch die Kopfhörer
produziert, dass wir emotionale Reaktio- ein Stück ein oder lässt sich von der kol- kommt. Rausch garantiert!
nen zeigen? lektiven Euphorie eines Live-Konzertes Julius Bachmann

November 2010 – prisma 41 Thema


3 60°
44 prisma empfiehlt
46 Der Anfang vom Ende des Sozialismus in Venezuela?
48 If you want it, it is no dream
50 Schwing dein Ding
51 Die Liste der Alltagsdrogen

Foto: Charlotte Claesson


prisma empfiehlt
Nick McDonell: Zwölf
Neues von der Upper East Side: Silvester naht und die New
Yorker High Society Kids planen die Party des Jahres. Für
ihren Drogendealer (und Millionärssohn) White Mike häu-
fen sich währenddessen die Probleme ...

W ährend Papi an der Wall Street


Millionenverträge abschliesst
und Mami ihre schwachen Nerven mit
schliesslich nicht bangen. Geld hat er
ohnehin, besonders zu dieser Jahres-
zeit. Die Geschichte von Jungautor Nick
Perrier Jouët-Champagner beruhigt, McDonell beginnt am 27. Dezember. So
stiftet der Nachwuchs Unruhe. Dabei kurz vor Neujahr zählen für seine Pro-
hilft der bunte Strauss von American tagonisten hauptsächlich zwei Fragen:
Express-Karten: Green, Gold, Centurion «Wo feiern wir?» und «Haben wir genug
und Platinum. Stoff für die Party?» White Mikes Ge-
schäft geniesst Hochkonjunktur.
White Mike ist eines der Upper-Kids
und dealt mit Drogen. Stets im feinen Doch plötzlich mehren sich für ihn
Mantel unterwegs, liefert er ehema- nicht nur die Banknoten, sondern auch
ligen Klassenkameraden Pülverchen die Probleme. Hunter gerät unter Mord-
frei Haus. Der smarte Teenager hält sich verdacht und White Mikes Cousin wird
aber aus dem Partyleben raus. «Du ge- von jenem Hintermann erschossen, der
niesst die Macht, die du im Beisein von ihm die Drogen besorgt.
Besoffenen hast, wenn du die ganze
Zeit nüchtern bist», urteilt sein bester Zu allem Übel gerät ein neues
Freund Hunter. Recht hat er. White Mike Rauschmittel, genannt «Twelve», in die
liebt es zu beobachten, wie die Clique High Society-Nachwuchskreise. «Das
um das heisseste Mädchen der Schule, macht schneller süchtig, als du amen
Sara Ludlow, sich erneut abschiesst und sagen kannst», informiert der Hinter-
dummes Zeug anstellt: «Sie haben etwas mann. White Mike wird Zeuge: Eine Zwölf
geraucht und in Chinatown abgezogene seiner Kundinnen verlangt immer unge-
Kaninchen gekauft, die in einem Schau- duldiger nach der Droge in Form kristall- Autor: Nick McDonell
fenster hingen.» klarer Flüssigkeit und will ihrer nicht nur 240 Seiten
per Geld, sondern auch per Sex habhaft Erschienen bei: Kiepenheuer & Witsch
White Mikes Mutter ist vor kurzem werden. August 2010
an Krebs verstorben. Der Dealer hat da-
raufhin die Schule geschmissen. Wozu «Happy New Year», denkt sich White
auch die Schulbank drücken? Nietz- Mike zynisch. Sein Alltag bringt ihn nicht
sche und Camus liest er freiwillig, ohne in gute Stimmung. Aber Molly tut es.
Schulzwang. Das Leben hat er auch Die graue Maus mit den blauen Augen
schon durchschaut: «Das Problem ist, ist eine erfrischende Abwechslung zum
dass Religion bloss ein Vorwand ist. Ge- arroganten Eliteclan. Dumm nur, dass
nau wie Gemeinschaft. Es ist bloss eine Molly an einen von White Mikes Kunden
Folge der Einsamkeit, etwas, woran man gerät und von ihm zur Silversterparty
sich klammern kann, weil man’s nicht eingeladen wird.
allein auf die Reihe kriegt. Es ist was
für schwache Menschen. Stärke durch Nick McDonell ist selbst auf der Up-
das Festhalten an Werten? Wer auf der per East Side aufgewachsen. Nach der
Kirchenbank niederkniet, tut eigentlich Lektüre seines Buchs zwingt sich die
nichts anderes, als Gott einen zu bla- Frage auf: Welche von den dümmlichen
sen.» bis verstörenden Erfahrungen, die er da
beschreibt, hat er selbst gemacht?
Schule ist wahrlich überholt für Anna Gielas
White Mike. Um einen Job muss er

360° 44 prisma – November 2010


Thee Attacks – Neuer Vintage Sound
Dass sich analog und nicht digital aufgenommener Rock’n’Roll besser anhört
beweisen die vier Jungs der Band «Thee Attacks» eindrucksvoll. Mit ihrem Debut
«That’s Mister Attack To You» beweisen sie, dass der Rock’n’Roll Zukunft hat –
und zwar in seiner Geschichte.

A lles Vintage, alles gut, ob Schuhe,


Schmuck, Taschen, Jacken oder
Fahrräder. Was heute dieses Prädikat ver-
die Anfänge der «Hives» denken lässt.
Freude bereitet auch die analoge Auf-
nahme der Musik, die zur Folge hat,
dient, gilt allgemein als cool. Dabei wird dass die Gitarren ein wenig dreckig, aber
meist vergessen, dass diese Gegenstän- charmant daherkommen. Live werden
de, sofern sie wirklich aus vergangenen die Songs ohne jeglichen Zweifel funk-
Zeiten stammen, qualitativ hochwertig tionieren und jeden Konzertbesucher
sind. So wie der in den 60ern und 70ern zum Schwitzen und Tanzen bringen.
entstandene Garage-Rock’n’Roll. Genau Einziger Wermutstropfen ist, dass die
dieser wird nun von vier Zwanzigjäh- Lieder geringen Wiedererkennungscha-
rigen aus Dänemark wiederbelebt, und rakter besitzen, da sie voneinander, auch
das dem Original so nah wie irgendwie nach dem vierten Hören, nicht unter-
möglich. scheidbar sind. Solange aber die Tracks
zu gefallen wissen, muss dies nicht un-
Die zwölf Stücke, welche sich auf der CD bedingt störend sein.
namens «That’s Mister Attack To You» nen ein solch authentischer Retro-Sound
befinden, sind aus einem Guss. Die den- Wie gesagt: Nicht alles, was als Vintage gelungen ist. New-Vintage also. Zusam-
gelnden Gitarrenklänge, die kratzigen gilt, kommt auch aus vergangenen Zeiten. menfassend ist dieser neue alte Sound
Riffs und prägnanten Beats erinnern an «Thee Attacks» haben einen Sound (wie- aufregend und gehört, für Rock-Hörer, in
alte Klassiker wie «The Kinks» und «The der) hervorgebracht, den es schon lange die Kategorie «sicher auf den MP3-Pla-
Who», ohne aber abgestanden zu wir- gibt, der aber oft schlecht kopiert wurde. yer», auch wenn sie nicht jeden restlos
ken. Die zumeist fetzigen Stücke sind Obwohl diese Jungs keinen Bruchteil die- überzeugen werden.
grundsolider Rock, der, um wieder zeit- ser vergangenen Jahrzehnte mitbekom- Guillaume Gabus
genössischere Vergleiche zu finden, an men haben, ist es faszinierend, dass ih-

Schundfilm der Schundfilme


Pulp Fiction ist wie ein guter Wein: Mit zunehmender Zeit wird er immer
besser.

D er Titel des Tarantino-Klassikers


«Pulp Fiction» entstammt der eng-
lischen Umgangssprache und bedeutet
Leinwand kommt. Seine Filme haben
einfach alles, was ich mir an einem Ki-
nofilm wünsche. Sie sind in dieser Hin-
zu sehenden Uhren auf 4:20 Uhr stehen.
Fazit: grotesk, lustig, brutal, tiefsinnig,
virtuos und absolut sehenswert.
Trivial- und Schundliteratur. Die Ironie sicht das Mass der Dinge. Manchmal Julius Linnert
des Starregisseurs findet sich nicht nur glaube ich, dass alle anderen Regisseure
in der Namensgebung eines der besten ihre Arbeit nur damit rechtfertigen kön-
Filme des letzten Jahrhunderts, sondern nen, dass sie uns die Einmaligkeit von
auch im Werk selbst. Tarantinos Kunstwerken vor Augen füh-
ren. So, wie man häufig erst merkt, wie
In letzter Zeit habe ich angefangen, gut man es gestern hatte, wenn es einem
an der Rechtfertigung des Mediums Ki- heute schlechter geht.
nofilm zu zweifeln. Selbst von der Kritik
gerühmte Exemplare wie «Inception» Ein Paradebeispiel für Tarantinos
konnten diesen in mir aufkeimenden Stil – und damit ein Muss für jeden, der
Zweifel nicht widerlegen. Stattdessen jemals einen Kinofilm gesehen hat – ist
wurde ich mir mit jeder weiteren Minu- meiner Meinung nach der 1994 in den
te, die ich Popcorn essend in einem be- USA erschienene Film «Pulp Fiction».
quemen Stoffsessel verbrachte, sicherer, Wenn also der graue Herbsthimmel und
dass sich dieses Ereignis nicht so bald die Tristesse des St. Galler Nachtlebens
wiederholen würde. euch eines Abends auf dem heimischen
Sofa gefangen halten, nutzt die Gelegen-
Seit «Inglorious Basterds» frage ich heit, um die stolzen 257-mal «Fuck», die
mich täglich, wann der nächste Genie- im Laufe des Filmes zu hören sind, zu
streich von Quentin Tarantino auf die zählen oder euch zu fragen, warum alle

November 2010 – prisma 45 360°


Der Anfang vom Ende des Sozialis-
mus in Venezuela?
Ein Überraschungserfolg für die Opposition: Nach einem
für venezolanische Verhältnisse ruhigen Wahlkampf
erhielt die Partei von Präsident Chávez nur knapp 48 %
der Stimmen. Der sonst kaum um ein Wort verlegene
Volkstribun trat in der Wahlnacht erst gar nicht vors Pub-
likum.

C arácas, 26. September 2010, 23 Uhr.


Spannung liegt im Pressebüro des
Oppositionsbündnisses in der Luft. Die
Wahlbehörde hat noch immer nicht die
Resultate der Parlamentswahlen be-
kannt gegeben, die um 20 Uhr erwartet
wurden. Ein gutes Zeichen für die Oppo-
sition. «Wir wissen, dass Sie es wissen.
Und Sie wissen, dass wir es wissen», sagt
der Präsident des Oppositionsbünd-
nisses zu Chávez in die Kameras der
anwesenden Journalisten. Drei Stunden
später legt sich die Spannung und der
ganze Saal jubelt «somos mayoría» (wir
sind die Mehrheit). Die Opposition er-
reichte einen wichtigen politischen Sieg.
Nach fünf Jahren Alleinherrschaft der
Chávez-Partei im Parlament gingen nun
52 % der Stimmen an die Opposition. Sie
gewann 65 von 165 Sitzen. Das sind nur
39 % der Sitze, weil Chávez die Wahl-
kreise letztes Jahr zu seinen Gunsten neu
einteilte. Wie dem auch sei, Chávez ver-
passte die Zweidrittelmehrheit im Par-
Wird Hugo Chávez bald Reden an der HSG schwingen und uns Studenten den
lament und wird ab kommendem Jahr
„Sozialismus“ näherbringen?
von der oppositionellen Sperrminorität
im Parlament ausgebremst. Er bleibt
zwar stark, verliert aber an politischem politische Tapet gebracht hat (die Ar- ungebremst wachsende Gewaltkrimina-
Terrain. Sein Kommentar zum Resultat: mutsrate in Venezuela liegt bei 60–70 lität (Carácas hat laut einer UNO-Studie
«ausreichend» für die Fortführung sei- %). Chávez’ Propaganda sowie seine Ge- weltweit die höchste Mordrate), aber
ner Politik. Seine Hegemonie aber ist an sundheits- und Bildungsprojekte garan- auch die Inflation (die jährlich 30 Pro-
einem Punkt des Zusammenbruchs. Mit tieren ihm eine treue Anhängerschaft zent beträgt und insbesondere die arme
dem Resultat der Wahlen verändert sich in ärmeren Bevölkerungsschichten. So Bevölkerung trifft), prominente Korrup-
die Politik in Venezuela grundlegend. war auch während des Wahlkampfes die tionsfälle und Versorgungsmängel bei
grassierende Arbeitslosigkeit ein wich- Strom und Wasser zu nennen. Chávez‘
Wie es dazu kam tiges Thema. Für die Wirkung des Wahl- Ideologisierung und massive Finanzie-
Trotz aller Kritik an Chávez muss kampfes auf das Wählerverhalten waren rung des Wahlkampfes mit öffentlichen
man ihm zugestehen, dass er als erster aber vielmehr andere praktische Themen Geldern half wenig, um davon abzulen-
Präsident die Armutsbekämpfung aufs von Bedeutung. An erster Stelle sind die ken. Die Regierung ist im höchsten Mas-

360° 46 prisma – November 2010


se ineffizient, was ihre Glaubwürdigkeit sich Chávez radikalisiert, sein diktato- antreten werde, denn die Revolution
auch unter den treuen Anhängern ne- risches Gesicht offenlegt und die De- sei «ewig». Falls sich die Opposition
gativ beeinflusst. Ein weiterer wichtiger mokratie weiter aushebelt. Zweitens ist aber weiterhin konsolidiert und es ihr
Grund für das gute Abschneiden der es möglich, dass sich mit einer opposi- gelingt, sich neben einem klaren Kon-
Opposition war ihre erstmalige Geein- tionellen Sperrminorität im Parlament zept zur Armutsbekämpfung auf einen
theit. Das in über ein Dutzend Parteien die von Chávez angestrebte Revolution Präsidentschaftskandidaten zu einigen,
geteilte Oppositionsbündnis lernte aus verlangsamt und er Kompromisse mit ist es nicht undenkbar, dass der Sozi-
der Vergangenheit, dass es Chávez wohl der Opposition eingehen muss. Damit alismus des 21. Jahrhunderts schon in
nie besiegen würde, wenn sich die Par- ist die Zeit von Chávez zwar noch nicht zwei Jahren sein Ende findet. Aber egal
teien nicht einigten. abgelaufen, aber eines ist mehr als klar: ob Chávez oder Opposition, eines bleibt
Der Wahlkampf wurde mit dem Wahl- stabil: Die venezolanische Attitüde zu-
Politische Zukunftsperspektiven tag nicht beendet, sondern die wahre gunsten einer starken, charismatischen
Das Wahlergebnis weist keinen kla- Entscheidungsschlacht, der Präsident- Führungspersönlichkeit.
ren Weg in die Zukunft. Zwei Folgen der schaftswahlkampf für das Jahr 2012, Philipp Mettler
Wahlschlappe des Volkstribuns sind hat gerade erst begonnen. Chávez hat
denkbar. Eine mögliche Folge ist, dass bereits angekündigt, dass er zur Wahl

K
Kommentar

O bwohl es bei den Wahlen ums Par-


lament ging, stand Chávez im Zen-
trum des gesamten Wahlkampfes. Er er-
(noch) zur Genüge.

Falls Chávez’ Generäle ihm nach der


zu beschimpfen und dafür Applaus zu
ernten?

klärte ihn gar zur Präsidialangelegenheit. verlorenen Wahl 2012 nicht zu Hilfe eilen Was die Ausgabeseite betrifft, könnte
Den Kandidaten seiner Partei liess er sollten, täte die HSG allen Widersprü- der Mann im roten Hemd neben seiner
kaum Raum für ihre eigene Profilierung. chen zum Trotz gut daran, Chávez eine Gastprofessur auch als Zuhörer noch ein
Deshalb kann der Wahlausgang als per- Gastprofessur anzubieten. Denn Chávez paar Vorlesungen an der HSG besuchen.
sönliche Niederlage Chávez’ betrachtet agiert selbst als höchst erfolgreicher Er könnte bestimmt dazulernen, wie
werden. Obwohl er von seinen Anhän- Kapitalist. Undurchsichtig kontrolliert man die vielen Petrodollars nutzbrin-
gern angebetet wird wie ein von Gottge- er die staatliche Erdölgesellschaft. Die gender und effizienter für die venezo-
sandter, scheint er dies gemäss meiner venezolanischen Produktionskosten für lanische Bevölkerung investiert. Zurzeit
sehr subjektiven Einschätzung definitiv ein Barrel Öl liegen bei USD 7. Verkauft werden damit u.a. die Behausungen
nicht zu sein: Kaum begann Chávez an wird es zurzeit für USD 80. Reingewinn: von Armenvierteln in den Farben der
der Wahlveranstaltung zu reden, die ich mehr als 1000 Prozent. Ein wahrer So- venezolanischen Flagge rot-gelb-blau
kurz vor dem Wahltag besuchte, begann zialist würde sein Öl zum Produktions- bestrichen. Das nennt sich dann «barrio
es sintflutartig zu regnen. Seine Anhän- preis an die armen Länder dieser Welt trícolor» (dreifarbige Wohngegend). Ein
ger harrten trotzdem tapfer aus und ju- verkaufschenken. Aber was die Einnah- Basiswissen an wirtschaftlichen Kennt-
belten ihm lauthals zu. Das Charisma meseite von Chávez’ Sozialismus des 21. nissen muss man Chávez aber auch hier
von Chávez scheint unwiderstehlich zu Jahrhunderts betrifft, kennt der Mann zugestehen: Das Streichen schafft ein
sein. Unter dem Druck des Wahlkampfes die Mechanismen des Kapitalismus paar Arbeitsplätze, die Farbmittelindu-
machte der «máximo líder» geradezu ei- und verkauft die Mehrheit des Öls an strie boomt wie noch nie und die bunten
nen liebenswürdigen Eindruck. Doch die USA. Im Bereich Marketing könnte Häuser haben positive externe Effekte.
der Schein trügt. Unzureichende Strom- er uns Studenten den Aspekt der Ver- Ich kann es kaum erwarten, bis der
und Wasserversorgungen in reicheren kaufsprovokation erläutern. Welchem Name Chávez in unserem Vorlesungs-
Wohnvierteln der Hauptstadt nimmt er Verkäufer ausser ihm gelingt es, den verzeichnis erscheint!
gerne in Kauf. Ein besonders beliebtes Präsidenten seines grössten Kunden an Peter Schildt
Hobby scheint ihm die Enteignung gros- einer UN-Generalversammlung vor der
ser Konzerne zu sein. Macht dazu hat er gesamten Weltöffentlichkeit als Teufel

November 2010 – prisma 47 360°


If you want it, it is no dream
An israeli student tells us about his experience concerning
the differences between his country and Switzerland.

I t‘s quite hard to try to imagine some-


thing you don‘t know anything about.
For instance, human perception of the
students from Tel Aviv University were
hosted in Switzerland by twenty Swiss
students from St. Gallen University for
an friends from the West Bank (surprise,
Israelis and Palestinians do not always
aim at killing each other) life there for
figure of «God», as shown in places of one week of social and cultural learning. most people is also very centered around
worship, be that of any religion, is most One question that kept repeating itself daily-life individual aspirations, rather
probably limited by the scope of plain from the Swiss participants was «How is it than on the collective strive for national
people‘s boundaries of imagination. Af- to live in a war zone?». An average Israeli independence. As much as the conflict
ter all, we only know what we have al- answer to that question would be: «What is present in the daily lifes of West Bank
ready seen and experienced. Same goes war zone?». Life for most people in Israel Palestinians, especially when travelling
for depiction of aliens in science fiction and the Palestinian Authority is different between cities, most ordinary Palestini-
books and cinema. Many times they from the reception of the conflict in the ans are usually concerned with building
seem just like human beings, except for media. Extreme Israeli settlers as well as their future careers, finding love, nurtu-
minor changes such as a green skin or a Palestinian terrorists are at the fringe of ring their families and enjoying life. This
double head. As much as we might think society, and the way of life they try impo- illustration of daily life in Israel and the
spectacularly about the outer appea- sing upon ordinary people does not sink Palestinian Authority is not in any way
rance of such creatures, it is obvious that in. In Tel Aviv, life is just as in any other aimed at diminishing the cruel reality of
our depiction of them is limited to cer- modern metropolitan city. People work, the conflict and its consequences in the
tain boundaries that emerge from what learn, love, celebrate and create their region, may it be the denial of the right
we already know. path of life without much interference for self determination for the Palestini-
In the same matter, a Swiss person by the political situation. In the suburbs ans, or the everlasting fear of terror at-
reading these lines might have a hard that surround the big metropolitan cen- tacks in Israel.
time imagining what a normal day in Is- ters, life is many times similar to the de-
rael is like. One can only imagine based piction of suburb life as represented in Very different visions for Israel
on what he or she has seen in the media, the concept of «Suburbia» seen in Ame- It is also hard to explain to a Swiss
which vaguely represents actual life as it rican society. People live in residential person what it is like to live in a coun-
is in Israel. I have recently returned to Is- oriented cities and focus mainly on their try which still hasn‘t finished defining its
rael from a student exchange program of individual day to day life. From all the national identity. Today‘s Israel is a cen-
the «Euro-Tour», in which twenty Israeli stories I have heard from my Palestini- ter of different cultures and ways of life.

Tel Aviv 100 years ago...

360° 48 prisma – November 2010


... and Tel Aviv today.

May it be the secular or lightly conser- expected to be composed of either ul- the rich and the poor out of all members
vative western-oriented majority, Ultra tra-orthodox Jews or Israeli-Arabs. Two of the OECD. That is just one example of
orthodox Haredi Jews, Intellectual elites groups who have very different ideas for how Israel is still struggling to define its
form the radical left, or the large Arab- the future of the state of Israel. priorities and national goals.
Israeli minority, which contains mainly
Palestinians with Israeli citizenships - War and Peace The birth of Zionsim
every sub group of the Israeli society has The fragility of the Israeli national A hundred and fifty years ago a man
a very different vision for Israel‘s future. identity can easily be seen when inspec- named Theodor Herzl was born. While
Will it continue to be a Jewish state and a ting the rapid changes in our political Christian and Muslim political entities
homeland for the Jewish people? Will it system. While Switzerland‘s national were common throughout Europe, at
preserve its democratic values? Or will it identity has had many hundreds of years those times no one could even imagine a
choose to exclude some of its characteri- to shape itself, the Israeli one had only homeland state for the Jewish people. A
stics and evolve into something new? the last 62 years to do so. For instance, few years later, Herzl stood on a balcony
Unlike Switzerland‘s decentralized national agenda has been dramatically overlooking the city of Basel and formed
government, where each canton can affected by the ongoing conflict between in his mind what would soon become
choose how to shape its local policies, Israel and its Arab nation neighbors. Zionism; that is, the idea of building a
Israel, only half in size of entire Switzer- The consequences of such a reality have state in which the Jewish people could
land, is build upon central government. made the Israeli political system heavily finally fulfill their collective endeavor in
While one can argue about the pros and concentrated on issues of security, or in creating a sovereign society.
cons of such a structure, it is clear that other words: war and peace. Very little As said before, it‘s quite hard to try
different agendas for national policy attention is given to social economic is- to imagine something you do not know
and identity have rare opportunities to sues, such as the welfare system, natio- anything about. I, as an Israeli, could not
manifest themselves locally, and must nalization versus privatization, and the have imagined until today how unique
therefore be decided upon on a national prevention of poverty. Israel, which star- the prospect of my nationality is. If the-
country level. This means that the rela- ted as an ideological Social-democracy, re is something we Israelis should be
tive mainstream of secular and lightly much like many European states in the thankful for, that is the formation of the
conservative western-oriented society 50‘s and 60‘s has since entirely changed renewed state of Israel after 2000 years of
has the chance to steer the wheels of na- its economic system and made way for exile, which has just begun. In living our
tional identity and collective goals; That an extreme neoliberal economy, heavily supposedly normal student life, mem-
is: the strive to form a Jewish Democra- inspired by American libertarianism and bers of the young generation of Israeli
tic state in the land of Israel. Unfortuna- British Thatcherism. These changes were citizens have every chance in the world
tely this majority is rapidly shrinking, never seriously debated in national poli- to shape, from day to day, the dawn of
making large minorities more and more tics just as all elections in Israel since the their future collective existence.
dominant in shaping the national agen- 80‘s were based upon issues of security Tal Sokol
da, and in turn, slowly shaping a very and foreign affairs rather than on social
different national identity. For instance, problems. The result of such behavior
a recent research published by the Taub could be seen in a recent OECD report
Institute at Tel Aviv University revealed declaring that a major obstacle facing
that by the year 2040, 74 percent of ele- Israel‘s accession to the OECD is the fact
mentary school students in Israel are that Israel has the deepest gaps between

November 2010 – prisma 49 360°


Start-Up
Schwing dein Ding
Während eines Sprachaufenthalts in Kalifornien
kam Stefan Köppel auf die Idee, die dort entdeck-
ten «Schwingfahrräder» umzukonstruieren und in der
Schweiz herzustellen. «Schwingding» war geboren.

N ach zweijähriger Planung, unzäh-


ligen Verbesserungen am Produkt,
dem Schritt in die Eigenproduktion
und der personellen Erweiterung durch
Marco Giannotta, Student an der Uni
St. Gallen, entstand das Unternehmen
Schwingding. Die beiden St. Galler ste-
hen nun bereits in der GmbH-Grün-
dung.
Zanet Zabarac

Eine Fahrrad-Revolution
«I used to go straight», lautet der
Slogan des Start-up-Unternehmens
Marco und Stefan – begeisterte Schwinger und Besitzer von «Schwingding»
Schwingding. Die zwei Jungunterneh-
mer und Geschäftspartner haben ein ben sich interessante Vorteile: So kön- doch das soll in Zukunft anders werden.
klares Ziel vor Augen: Sie wollen das nen Kurven enger geschnitten werden, Zurzeit wird ein Showroom in St. Gallen
Fahrradfahren revolutionieren. Daher das Slalomfahren wird erleichtert und geplant, wo die Bikes präsentiert und
auch der Werbeslogan, denn Fahrrad- das Wenden auf kleinem Raum wird er- zum Verkauf angeboten werden sollen.
fahren soll künftig nicht mehr bloss als möglicht. Das Fahren des Schwingdings Ausserdem stehen die beiden Jungun-
konventionelle Fortbewegungsart emp- wirkt sich zudem positiv auf die Fitness ternehmer in Verhandlungen mit di-
funden, sondern vielmehr mit Begriffen aus und unterstützt das Training des Be- versen Schweizer Grossverteilern. Bleibt
wie Lifestyle, Innovation und Spass in ckens. Zusammenfassend: Mehr Spass also abzuwarten und zu beobachten,
Verbindung gebracht werden. Das Pro- für den Fahrer. wer alles demnächst mit seinem Ding
dukt verkörpert die Möglichkeit für den auf der Strasse schwingt.
Fahrer, sich vom Mainstream abzuhe- Mit Schwung durch Europa Zanet Zabarac
ben und eben nicht «straight» mit dem Neben diesen speziellen Features
Strom zu fliessen. lässt sich das Schwingding aber auch wie Drei Fragen an die Gründer
ein normales Fahrrad problemlos gera-
Während sich andere Start-up-Un- deaus fahren und grenzt sich somit von Was denkt ihr ist die grösste Heraus-
ternehmen meist auf Theorien und Ana- allen bisherigen Fahrradkonstruktionen forderung für junge Start-up-Unter-
lysen fokussieren, entschloss sich das ab. Da die Konkurrenz in diesem Markt nehmen?
Team von Schwingding einen anderen nicht gerade klein ist, setzen die zwei Die grösste Herausforderung liegt
Weg einzuschlagen. Es wurde vor allem Entrepreneure vor allem auf die Ver- wohl darin, sich voll und ganz einem
auf gezielte Kommunikation mit mög- marktung ihres Produkts. So waren sie Projekt widmen zu können und trotz
lichen Partnern und auf die Bereitschaft beispielsweise am diesjährigen Open Air Rückschlägen stets vom eigenen Vor-
zur Spontanität gesetzt. Dadurch war es in Frauenfeld präsent und begaben sich haben überzeugt zu bleiben.
möglich, bereits vor der Veröffentlichung letzten Sommer auf eine Tournee durch
des Businessplans einen Grossteil der die europäischen Grossstädte. Dort pro- Schwingt ihr denn selber auch?
selbst produzierten Bikes in mehreren moteten sie ihre Bikes und nahmen mit Natürlich! Sowohl wir selbst wie auch
Filialen zu platzieren und zu verkaufen. verschiedenen Händlern Kontakt auf – viele unserer Freunde und Bekannten
mit Erfolg. So konnten Partnerschaften sind begeisterte Schwingding-Fahrer.
Doch was macht dieses Schwingding mit Geschäften in den Niederlanden,
eigentlich so besonders und unterschei- Österreich und Deutschland eingegan- Wo finde ich Informationen über
det es von anderen Bikes? Das speziell gen werden, welche seit September 2010 Schwingding?
für Schwingding konstruierte Kugellager das Schwingding zum Verkauf anbieten. Auf unserer Homepage
ermöglicht es dem Fahrer, das hintere In der Schweiz kann man das Bike der- www.schwingding.ch
Rad unabhängig vom vorderen Rahmen zeit nur über den Onlineshop auf der
«hinauszuschwingen». Dadurch erge- Homepage von Schwingding erwerben,

360° 50 prisma – November 2010


Die Liste der Alltagsdrogen
Wie es der Name schon sagt, begleiten uns Alltagsdrogen
an jedem Tag unseres Lebens. Für alle findet sich ein pas-
sendes Laster. Eine Übersicht:
Valentin.Diem@student.unisg.ch
Redaktor

Kopfschmerzmittel
Medikamente aller Art sind die wahren Schmiermittel un-
serer Gesellschaft. Schliesslich stellen sie den reibungslosen
Übergang von einer Alltagsdroge zur nächsten sicher. Das
Motto lautet: Lust gewinnen, Schmerz vermeiden.

Alkohol
...oder ich bin wieder
nüchtern, das muss gefeiert
werden! Die Finnen sagen:
Als betrunken gilt man erst,
wenn man auf dem Boden
liegt und sich an ihm fest-
halten muss. Schliesslich ist
halb besoffen rausgeschmis-
senes Geld. Und trotz dieser
Weisheiten durchzieht die
wundersame Lösung bei vie-
len auch den ganz normalen
Alltag.

Der gute Kaffee


Das neu eröffnete Kaffee-
haus an der Linsenbühlstras-
se scheint eine gute Adresse
zu sein. Aber bitte, lasst eure
Finger von der barbarischen Mein bester Freund: das
Mensa- und Starbucksbrühe; iPhone
denn der edle Koffeinschuss Die Smartphones initi-
schmeckt in Wirklichkeit gar Das Casino auf dem ieren den Untergang jeglicher
nicht nach im Wasser ausge- Nachhauseweg Gesprächskultur zu Tisch,
drückten Zigaretten. Wer hat nicht schon da- beim Spaziergang, sogar auf
Rauchen ist und bleibt rüber nachgedacht, seine dem Spielplatz. Des Weiteren
Fressen, das neue cool. ganzen Ersparnisse, oder geht mit der ubiquitären Ho-
Essen Rauchverbot? Dadurch besser noch seinen aktuellen sensackbibliothek jeglicher
Besonders Zucker und lassen sich die heute wieder Lohn, mal kurz auf Rot zu Spass am Wetten verloren,
Salz scheinen viele Men- rebellischen Raucher nicht setzen? Spielen liegt in der wie auch die hohe Kunst des
schen zu interessieren. Fast zurückdrängen, was sich Natur des Menschen und situativen Aufschneidens
Food boomt, trotz Präven- durch die steigende Anzahl kann gerade im Zeitalter der durch Erfundenes und Lü-
tionskampagnen gegen Fett- illegaler Restaurants und Par- Digitalisierung, also einer gen stark unter der Tatsache
sucht oder fanatisch anmu- tys in der Schweiz auch wun- weiteren Abstraktionsstufe leidet, dass man alles immer
tenden Gegenbewegungen derbar illustrieren lässt. Rau- des Einsatzes durch virtu- und überall nachprüfen kann.
wie Slow Food. Hauptsache cher sind nun einmal einfach elle Währungen, zum präfe- Dabei ist besserwisserisch zu
immer völlern, wohl die Lieb- die viel cooleren Menschen, rierten Zeitvertreib werden. sein oder eine Diskussion
lingssünde vieler, und immer ob es euch spiessigen, lang- Dies erklärt auch die etwas mit irgendwelchen diffusen
genug Snacks für zwischen- weiligen Nichtrauchern nun lächerliche Pokermanie der Behauptungen zu gewinnen
durch bereithalten. gefällt oder nicht. letzten paar Jahre. doch so toll!

November 2010 – prisma 51 360°


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54 Umfrage: Was ist deine Rausch-Geschichte?
56 Freifahrt für die Künste
58 Ein Social Start-up für existenzielle Lernhilfe
60 Herausgepickt: Markus Anker, Unipfarrer
62 Partypics: Semester Break Party
64 Profs privat: Christine Legner

Foto: Andrin Buchli


Umfrage
Was ist deine Rausch-Geschichte?
Grau ist alle Theorie, bunt und psychedelisch die Praxis der Studenten an der HSG: prisma hat
Studierenden nach ihren Erfahrungen gefragt und mutige Antworten zum Umgang mit Drogen
erhalten. Zu Risiken und Nebenwirkungen:

Die Fragen stellte Julius Linnert, Fotos von Lisa Jaeggli

Vera, IA V., VWL


«Eines Abends hatte irgendjemand meinem Kollegen auf einer «Ein Bekannter meines Cousins war mal auf einer Party und
Party etwas in den Drink gekippt und der hatte so einen Me- hatte Drogen genommen. Während er nach Hause gelaufen
gaflash, dass er Angst hatte zu sterben, weil er nicht wusste, was ist, hat er alle Pflanzen am Wegrand gegessen.»
es war. Auf dem Rückweg im Taxi hat er sich dann so an seiner
Freundin festgeklammert, dass deren Arm ganz blau wurde.»

Theo (rechts), VWL M., BWL


«Einer meiner Kollegen beim Zivildienst in Nicaragua war mal «Gemeinsam mit einem Kollegen habe ich mal Hanfmilch
so betrunken, dass er in einem Türrahmen eingeschlafen ist. getrunken. Danach sassen wir zu zweit auf meinem Sofa und
Wir haben ihn mit Stricken gefesselt, ihm Bananenschalen in meine Augen fühlten sich an, als würden sie jeden Moment he-
die Hose gesteckt, einen Kochtopf auf den Kopf gesetzt und rausfallen und ich müsste sie festhalten. Mein Kollege meinte
einen Eimer Wasser auf den Türrahmen gestellt. Am nächsten dann zu mir, ich solle schauen, wie seine Füsse immer kleiner
Morgen war er dann klitschnass, ziemlich sauer und hat mit würden, und ich sagte, dass ich leider nicht gucken könne, da
dem Gedanken gespielt, uns umzubringen.» ich meine Augen festhalten müsse.»

Menschen 54 prisma – November 2010


T., VWL G., IA
«Vor kurzem habe ich mit einem Kollegen einen Kuchen mit «Der Biounterricht am Gymnasium war immer ziemlich langwei-
dem ‹speziellen Etwas› gegessen. Später auf einer WG-Party lig, weswegen ich mir davor mal einen gedübelt habe. Mein Bio-
ist mir und meinem Kollegen dann auf einen Schlag die ganze lehrer hat das auch total gemerkt, aber sich nicht daran gestört.
Lächerlichkeit des sozialen Miteinanders klargeworden, wo- Allerdings ist die Zeit dann viel schneller vergangen, weshalb es
raufhin wir den ganzen Abend nur noch lachen mussten.» nicht das letzte Mal war, dass ich davor einen geraucht habe.»

Anand, VWL L., Jus


«In der Zeit, als meine Mitschüler begonnen haben, das erste «Mein amerikanischer Gastbruder und ich sind in Las Vegas
Mal zu kiffen, haben wir eine Campingtour gemacht. Der Kol- mal schreiend auf dem Las Vegas Boulevard herumgelaufen,
lege, mit dem ich in einem Zelt geschlafen habe, war so bekifft, weil wir Meskalin genommen und eine halbe Flasche Tequi-
dass er alles in Rot sah und nicht schlafen konnte, da er dach- la getrunken hatten. Irgendwann hat uns dann eine deutsche
te, er sei in einem Super-Mario-Spiel. Nachts hat er mich dann Touristengruppe mehr oder weniger freundlich auf unseren
noch häufiger geweckt, weil er wegen der lauten Spielmusik Lautstärkepegel hingewiesen. Wir haben auch keinen Schim-
nicht einschlafen konnte.» mer, was davor oder danach passiert ist.»

November 2010 – prisma 55 Menschen


Freifahrt für die Künste
Anlässlich der Wiedereröffnung der Lokremise sprach
prisma mit Katrin Meier, Leiterin des kantonalen Amts
für Kultur, über diesen neuen alten Bau, den Einfluss des
Staates auf Kultur und warum sich ihre Behörde auch für
Haselzweige interessiert.
Annegret.Funke@student.unisg.ch
Ressortleiterin Menschen

W er aus Richtung Winterthur in


den hiesigen Bahnhof einfährt,
kann schon seit einer Weile auf der lin-
ken Seite eine grosse gelbe Wand mit
dem «Lok»-Schriftzug sehen. Biegt man
als Fussgänger links hinter den Gleisen
auf das Gelände des grössten noch erhal-
tenen Ringdepots der Schweiz ein, sieht
man durch die braunen Aussenwände
die bonbonfarbenen Lichtinstallationen
von John Armleder hinter den hohen
Fenstern. Durch ein Tor aus rostigem
Stahl betritt man die umgebaute Lokre-
mise und fühlt sich sofort ein bisschen
nach Berlin versetzt: Dort, wo bis in die
80er-Jahre 21 Loks der SBB Platz hatten,
stehen heute bei Lounge-Musik Bänke
des Lokals auf den Gleisen, begrüsst ei-
nen das umgezogene Kinok als «Haus im
Haus» und öffnet sich auf der linken Sei-
te ein Kunstflügel. Durch die grossen ho-
hen Fenster sieht man die bunten Stühle
auf der kreisrunden Holzterrasse und
den Zugang zu den unverbauten Räu-
men für Theater und Tanz. Der gesamte
Komplex ist ein Mix aus alten kernigen
Wänden und modernem Interieur, den
man in London sicher als gelungenen
«Industrial Chic» bejubeln und verkau-
fen würde.

Aber so verkaufen will sich die Lo-


kremise nicht: Bewusst wollte man Altes
konservieren und nicht negieren, dass
hier Kultureinrichtungen aus dem 21.
Jahrhundert eingezogen sind, so Katrin
Meier. Die Leiterin des Amtes für Kultur
des Kantons St. Gallen hat den gesamten
Thomas Flassbeck

Umbau bis zur Fertigstellung begleitet


und moderiert. Wir treffen sie im neben-
stehenden Badhaus, wo sich die Bahner
früher von Kohle und Schmiere befrei-
ten und heute der ausstellende Künstler
Katrin Meier, Leiterin des kantonalen Amts für Kultur wohnen kann.

Menschen 56 prisma – November 2010


Thomas Flassbeck
Was macht diesen Ort hier so beson- prozesse. Darauf basierte Kultur schon schäftigt, war selbständig und hatte ein
ders und einzigartig für den gesamten immer, da hat sich nichts verändert. Si- Beratungsmandat beim Amt für Kultur.
Kanton? cher anders ist heute, dass man die Kul- Ich war ursprünglich in der Kommuni-
Es sind unterschiedliche Sparten turförderungen auch in der Bevölkerung kation, im Journalismus, tätig. Ich habe
– Kino, Theater, Kunst und Lokal – im abstützen und sie mit ihren Angeboten mich immer für zwischenmenschliche
selben Haus vereint, sie können neben- erreichen möchte. Früher war es eher Prozesse interessiert, dann eben noch
einander und miteinander arbeiten, so, dass häufig von privater Seite Kultur das Psychologie-Studium absolviert,
was die Lokremise zu einem einzigar- in einem Mäzenatentum gefördert wur- und dann war es nur eine natürliche
tigen Ort macht. Die Chrononauten, das de. Da brauchte es natürlich keine breite Fortsetzung, sich irgendwann mit Aus-
Eröffnungsstück, war gleich das erste demokratische Legitimation. handlungsprozessen zu beschäftigen.
spartenübergreifende Projekt, wo die
performative Kunst in allen Räumen Es gibt aber noch mehr Zuständig- Wie wichtig finden Sie die Studieren-
stattgefunden hat, selbst im Kino. Wir keitsbereiche für das Amt für Kultur ne- den als Faktor für die Kultur in St. Gallen?
vom Kanton versuchen seit einigen Jah- ben Kulturförderung oder Kantonsar- Ich habe den Eindruck, dass in anderen
ren, Highlights und Perlen im Kulturan- chäologie ... Studentenstädten das studentische Flair
gebot zu stärken: Das Kunstzeughaus … eben die Denkmalpflege, die sich viel ausgeprägter ist.
Rapperswil-Jona war das erste. Die wie- mit allen Hochbauten beschäftigt. Bei Es wäre natürlich schon schön, wenn
dereröffnete Lokremise ist sicher einma- der Lokremise gibt es da ein schönes Bei- die Studierenden die Angebote noch
lig wegen der Mischung des historischen spiel: Es gab an der Aussenmauer eine stärker nutzen würden. Da besteht noch
Gebäudes und der zeitgenössischen Dellenstruktur und man wusste lange Potenzial, wo die Studenten die Stadt
Sparten. Wir schaffen Kulturräume, wo- nicht, wie diese ursprünglich gemacht noch stärker durchdringen könnten. Ich
bei das Programm und die Ausgestal- wurde. Bis ein alter Gipser erzählte, dass kann mir auch vorstellen, dass rein die
tung natürlich bei Anderen liegt. früher Haselsträucher zusammengebun- geografische Distanz zwischen Berg und
den wurden und dann die Leute damit Tal eine faktische Rolle spielt. Für uns
Aber der Kanton behält die Hand auf den feuchten Beton gedrückt haben. und die Kultur ist es klar: Die Studieren-
über den Projekten? Das hat man hier jetzt auch wieder an den sind ein wichtiges Publikum.
Die Rolle des Kantons ist eine un- den Stellen gemacht, die restauriert wer-
terstützende, maximal eine lancierende. den mussten. Auch wieder mit Hasel-
Aber eigentlich kann er immer nur dort sträuchern.
etwas bewirken, wo es um die Rahmen-
bedingungen geht, nicht aber um den Sie haben ein Diplom in Arbeits- und Lokremise
Inhalt. Die Inhalte müssen von anderer Organisationspsychologie und nicht, wie In der Lokremise, welche man
Seite kommen. Sonst sind wir allzu nahe man mit dem Blick vom Rosenberg ver- in 5 Minuten vom Bahnhof locker
bei der Staatskultur. muten könnte, Kulturmanagement. Hal- erreicht, findet man Angebote des
ten Sie den Blick in die Psychologie der Kunstmuseums, Theaters, Kinok so-
Haben Sie den Eindruck, dass sich Menschen für nützlicher, um die verschie- wie des Lokals. Noch eine Woche lang
Kultur stärker legitimieren muss, wenn denen Partner zusammenzubringen? läuft das Stück der St. Galler Tanz-
es um die Bereitstellung von beispielswei- Ja, ich denke in meiner Funktion geht kompagnie «Scenes For Nothing».
se 23 Mio. Franken für den Umbau der es sehr häufig darum, unterschiedliche Kinoliebhabern empfehlen wir das
Lokremise geht? Interessen miteinander zu verbinden Montagskino, wo man Vorstellungen
Ich glaube nicht, dass es schwieriger und Lösungsansätze zu bündeln. Da ist des Kinok für 10 Fr. anschauen kann.
wird. Was von einer Gesellschaft als Kul- die Psychologie sicherlich hilfreich, aber Das Lokal hat täglich bis 11 oder 12
tur wahrgenommen wird und was eben keine zwingende Voraussetzung. Ich bin Uhr nachts geöffnet.
nicht, das sind immer Aushandlungs- schon lang mit Dialog-Prozessen be-

November 2010 – prisma 57 Menschen


Ein Social Start-up
für existenzielle Lernhilfe
Aiducation International vergibt Stipendien für Leistungs-
träger von morgen. CEO Dr. Florian Kapitza und HSG-
Alumna Rebekka Thommen sprechen im Interview über
ihre Arbeit und das geplante Engagement an der Uni.

D ie Geschäftsidee von Aiducation


gründet auf der Überzeugung, dass
Bildung der wichtigste Hebel für die Ent-
build the future skilled leadership the
poorest countries so critically need.»
Er leitet ein Team von 50 Schülern und
treibt verschiedene Projekte voran. Zum
Beispiel testen sie den Kuhdung aus ei-
wicklung eines Menschen ist und nur so Ein Stipendiat ist Obrein Telly, ein ner kleinen Farm auf dem Campus der
die politische, soziale und wirtschaft- 18-jähriger Schüler aus Gede in Kenia. Schule als Energiequelle zum Verbren-
liche Zukunft eines Landes nachhaltig Er stammt aus armen Verhältnissen, nen.
verändert werden kann. Dementspre- möchte Anwalt werden und später in
chend wählt Aiducation nach dem Mot- die Politik gehen, um in seinem Land Seit seiner Gründung 2007 wurden
to «Leistungsprinzip statt Giesskanne» etwas zu bewegen. An der Nakuru Boys bereits über 200 Stipendien an Schü-
leistungsstarke Schülerinnen und Schü- High School, einer der besten Schulen ler wie Obrein vergeben. Der Fokus der
ler aus und sucht für sie Stipendien. Ge- Kenias, startete er bereits verschiedene Aktivitäten liegt zurzeit auf Kenia; Ende
tragen wird das Start-up von Studenten, Initiativen mit seinen Mitschülern: Mit Jahr gründet Aiducation ein zweites, so
Doktoranden und jungen Berufstäti- 200 Schülern sammelte sie den stolzen genanntes «talent raising chapter» in
gen in der Schweiz, Deutschland und Betrag von 400 USD für die Opfer einer Asien. Wir sprachen mit Mitbegründer
Grossbritannien. Professor Paul Collier lokalen Hungersnot. Kurze Zeit spä- Dr. Florian Kapitza und der HSG-Alum-
von der Oxford University sagte erst ter wendete er sich im Rahmen einer na Rebekka Thommen über ihre Motiva-
kürzlich über die Arbeit von Aiducation: studentischen Arbeitsgruppe seinem tion, ihre Pläne und was wir an der HSG
«Scholarships through Aiducation will Lieblingsthema zu, dem Umweltschutz. bewegen können.

Menschen 58 prisma – November 2010


Gab es ein Schlüsselerlebnis, welches zur werden zum einen nach ihrer akade-
Gründung von Aiducation geführt hat? mischen Leistung ausgewählt, sie gehö-
Wieso fing alles in Kenia an? ren alle zu den zehn Prozent Leistungs-
Florian Kapitza: Mit der Frage «Was stärksten ihres Jahrgangs. Des Weiteren
muss passieren, damit sich die wirt- müssen sie soziales Engagement zeigen,
schaftliche, polititsche und soziale Si- eine überzeugende Vision für ihr Leben
Die Organisation plant die Gründung eines tuation in eurem Land verbessert?» rei- haben und selbstverständlich bedürftig
«Local Chapters» in St. Gallen und hat sten Kristin Kapitza und ich Ende 2006 sein.
dazu aktuell 2 Positionen ausgeschrieben nach Kenia. Die Menschen wünschten
(Kontakt: kristin.kapitza@aiducation.org). sich hauptsächlich zwei Dinge: Verbes- Wie sieht die Arbeit eurer Local Chapters
Ausserdem gibt es bei der Messe GoBe- serungen im Gesundheitssystem und aus? Wofür sucht ihr Mitarbeiter in St.
yond am 24. 11. um 14:00 Uhr in Raum höhere Bildung für ihre Kinder. Etwa die Gallen?
01-208 einen Workshop. Zudem gibt es Hälfte der kenianischen Jugendlichen Florian Kapitza: Für unsere weitere
am 25.11. einen Stand an der Career kann nach der kostenlosen Grundschu- Expansion suchen wir aktive Mitwir-
Fair, an dem ihr euch informieren könnt. le nicht ans Gymnasium gehen, weil sich kende, die unternehmerisch denken, die
ihre Familien die Schulgebühren, die Dinge anpacken und andere Menschen
etwa einem durchschnittlichen kenia- begeistern können. Mit der Gründung
nischen Jahresgehalt entsprechen, nicht von Local Chapters möchten wir die
leisten können. Unsere heutigen Partner Idee von Aiducation in andere Regionen
vor Ort haben erkannt, dass durch diese tragen und den Erfolg des Konzeptes
hohen Gebühren sehr viel menschliches multiplizieren. Ziel ist es, möglichst viele
Potenzial verloren geht, und eine Initi- High Potentials mit einem Stipendium
ative gegründet, um talentierten Schü- fördern zu können.
lern den Besuch des Gymnasiums zu er-
möglichen. Vom Projekt begeistert und Rebekka Thommen: Bei Aiducation
zurück in der Schweiz haben wir dann kann man viel bewegen, wertvolle busi-
gemeinsam mit Studienkollegen die Or- ness-relevante Erfahrungen sammeln,
ganisation Aiducation International ge- sein Netzwerk erweitern und ausserdem
gründet mit dem Ziel, High Potentials in noch Spass haben. Die Aufgaben sind
Entwicklungsländern zu fördern. vielfältig und reichen von der Präsentati-
on und der Gewinnung von Partnern bis
Welche Überzeugung steht hinter dem zur Eventorganisation und PR-Arbeit. Im
Leistungsprinzip? Wie entscheidet ihr, «richtigen Leben» arbeite ich im Bereich
wen ihr fördern wollt und wen nicht? Konsumgüter-Marketing und investiere
Rebekka Thommen: Wir sind da- pro Woche etwa 5-10 Stunden meiner
von überzeugt, dass Bildung einem Freizeit, damit Schüler wie Obrein ihr
Menschen ermöglicht, das Beste aus Potenzial entfalten können. Einen ähn-
sich zu machen und somit sich selbst lichen Einsatz sollten auch die Gründer
und seine Gesellschaft voranzubringen. des Local Chapters in St. Gallen zeigen.
Wir verteilen das Geld nicht nach dem Matthias Meier &
Giesskannenprinzip, sondern investie- Annegret Funke
ren gezielt in die potenziellen Leistungs-
träger von morgen. Unsere Stipendiaten

November 2010 – prisma 59 Menschen


Markus Anker, Unipfarrer

Herausgepickt
«Studenten werden immer weniger
Studenten»
Das «Haus Steinbock», in dem wir uns arbeite zwar sehr eng mit der Uni zusam-
hier befinden, wozu dient es? men, aber sie ist mir gegenüber nicht
Einerseits wohne ich hier mit mei- weisungsbefugt. Meistens höre ich aber
ner Familie und es befindet sich auch auch einfach nur zu. Die Leute kommen
noch eine studentische WG im Unterge- zu mir, reden und fällen am Ende eine
schoss, andererseits dient es als Ort für Entscheidung, die sie eigentlich schon
Kolloquien und Seminare. Unten befin- gefällt hatten, bevor sie zu mir kamen.
det sich ein grosser Versammlungsraum.
Meist kommen Gruppen von etwa zehn Was sind typische Probleme der Studie-
Personen. Von Professoren bis Assessis renden?
sind alle vertreten. Wer daran teilnehmen Meistens hat es irgendetwas mit
möchte, kann sich jederzeit bei mir mel- Druck zu tun, mit Erwartungshaltungen
den oder sich auf unserer Website infor- der Studierenden an sich selbst oder von
mieren. ihren Eltern. Ich denke, das ist ein grund-
sätzliches Problem von Akademikern:
Als Pfarrer begleitest du die Studenten durch Den verschiedenen Erwartungshaltungen
ihr universitäres Leben. Wie lange und wie gerecht zu werden oder sich eben auch
intensiv ist der Kontakt über die Zeit? völlig davon zu lösen. Oft macht auch die
Markus Anker In der Tat gibt es Begleitungen, die Konkurrenzsituation vielen zu schaffen.
von der Assessmentstufe bis ins Master-
Alter 39 studium reichen und auch sehr intensiv Sind Tendenzen in letzter Zeit feststell-
sind. Mit einigen pflege ich den Kontakt bar? Durch Bologna beispielsweise?
Studium Theologie in Zürich, auch über die Uni hinaus. Dass ich ehe- Man merkt es schon: Studenten wer-
Lausanne und Yale malige HSGler traue oder ihre Kinder den immer weniger Studenten. Sie wer-
taufe, ist keine Seltenheit. Das finde ich den immer fleissiger, pragmatischer, ziel-
An der HSG seit 2004 dann doch immer sehr bemerkenswert. gerichteter. Die allseits mangelnde Zeit
spielt eine grosse Rolle dabei. Alles ist von
Lieblingslektüre NZZ, Krimis von Wie würdest du deine Arbeit mit den Stu- aussen strukturiert und vorgegeben. Das
Wolf Haas und die denten charakterisieren? geht so weit, dass Leute zu mir kommen
Bibel Ich bin nicht nur Animator, sondern und beraten werden müssen, weil sie
eben auch Lebensbegleiter. Ich finde es nicht wissen, wie sie mit dem einmona-
Lieblingsfilm Eyes Wide Shut und wichtig, dass die Studierenden wissen, tigen «Loch» zwischen Studienabschluss
The Hangover dass ein Pfarrer für sie da ist; von Bera- und Berufseinstieg umgehen sollen. An-
tungsangeboten – wenn jemand eine dererseits sind die Studenten immer noch
Location in SG Tierpark Peter & umfassende Beratung braucht, Krisen- Studenten geblieben. Sie sind weiterhin
Paul interventionen, wenn es jemandem dre- unpünktlich und volatil (lacht).
ckig geht, bis zur dauerhaften Begleitung.
Lieblingslokal Restaurant Engel Mein Vorteil ist die externe Sicht auf die Möchtest du den Studierenden noch et-
und die IP Bar Dinge. Viele kommen auch zum Beten, was auf den Weg geben?
oder weil sie ein Segenswort brauchen. Wenn ich an dieser Stelle den Stu-
dierenden etwas auf den Weg geben darf,
Was ist der Unterschied zwischen deinen dann höchstens in Form eines Wunsches:
Beratungsgesprächen und den anderen Vertraut den Kräften, die euch gegeben
Angeboten der Uni? sind. Insbesondere auch mit Blick auf die
Die Beratungsangebote der Uni sind nächste Prüfungsphase. Wenn euch das
meist spezialisiert. Meine Beratung ist gelingt, ist schon viel erreicht.
ganzheitlich und ohne Grenzen. Ich bin Annegret Funke &
dabei vor allem völlig unabhängig. Ich Tristan Swysen

Menschen 60 prisma – November 2010


Cartoon

Heftvorschau «Fernsehen»
Was sind die legendärsten Serien aller Zeiten? Wie sieht die Zukunft des Fernsehens aus?
Überlebt man ein 24h-Trash-TV-Marathon-Experiment? Diesen und weiteren Fragen ge-
hen wir in unserer letzten Ausgabe des Semesters auf den Grund. Die ganze Welt des Fern-
sehens. In einem Heft.

Zudem freuen wir uns wie immer über eure Beiträge und
Meinungen zum Thema «Fernsehen». Schreibt einfach
an prisma@myunisg.ch oder kommt am besten gleich
zur wöchentlichen Redaktionssitzung jeden Dienstag um
20:15 Uhr im prisma-Büro (Oberer Graben 3).

Zuschriften an
prisma@myunisg.ch

Nächster Erscheinungstermin:
Montag, 13. Dezember 2010

November 2010 – prisma 61 Menschen


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62 prisma – November 2010


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Profs privat: Christine Legner, Professorin für
Business Networking

«Die Schweiz ist mal


was anderes»

D er Herbst ist in St. Gallen einge-


kehrt, die Zeit der dicken Nebel-
schwaden ist gekommen und drückt auf
tan: Dank der Gründung einer zweiten
Fakultät, der Law School, darf sich nun
auch das privat getragene Institut Uni-
die Gemüter. Gerade beginne ich mich versität nennen.
selbst zu fragen, was jemanden dazu
bewegt, sich in dieser Stadt niederzulas- Ticket nach St. Gallen
sen, als sich die Tür öffnet und Professo- Auf die Frage, wie sie zu ihrem Beruf
rin Christine Legner eintritt. Für einmal gekommen sei, gesteht Legner, dass sie
treffe ich mich mit unserem Interview- vor einem Computerkurs während ihres
partner nicht in dessen vier Wänden, vorletzten Schuljahrs in den 80er-Jahren
sondern im Hauptgebäude. Bei ihr in noch nicht einmal gewusst hatte, wie
der Wohnung sei zur Zeit die Verwandt- man einen Computer einstellt. Sofort
schaft aus Deutschland einquartiert und bemerkte sie jedoch, dass ihr die Welt Zur Person
geniesse die Ferien, meint sie mit einem der Computer sehr gut liegt. Gerade die
Schmunzeln. Also setzen wir uns ins mit Programmierung und die Möglichkeit, Christine Legner
dem Himmel Ton in Ton liegende Uni- ein konkretes Problem durch logisches
Gebäude. Denken zu lösen, stellten einen gros- Geboren am 27. Dezember 1969 in
sen Reiz für sie dar. «Ich habe mich aber Stuttgart.
Erst im vergangenen Monat hat die nicht ganz getraut, Ingenieurwissen-
jahrelange Mitarbeiterin des Instituts für schaften oder Informatik zu studieren», Hobbys: Skifahren, Wandern und
Wirtschaftsinformatik (IWI) ihre Habili- erklärt Legner. Schliesslich entschloss Reisen
tation mit der Antrittsrede zum Thema sie sich dazu, Wirtschaftsinformatik an
«Digitale Revolution im Unternehmen» der Universität Karlsruhe zu belegen, Lieblingsessen: Rösti mit Geschnet-
offiziell abgeschlossen. Zuvor war sie und zog dies dann auch bis zu ihrer Di- zeltem oder Wildgerichte mit einem
Projektleiterin des Kompetenzzentrums plomarbeit bei der Firma Daimler durch. guten Glas Rotwein
«Business Networking». Mit einer gewis- Sie habe dort erkannt, dass die praxis-
sen Selbstironie meint sie auch, dass es nahe Arbeit das ist, was ihr Spass macht. Lieblingslektüre: europäische Litera-
für ihre Kollegen nicht immer ganz ein- Eines Tages entdeckte sie dann ein Inse- tur und Romane
fach sei, mit ihr zusammenzuarbeiten: rat des IWI St. Gallen, das damals Dok-
«Ich neige wohl etwas zum Perfektio- torandenstellen anbot. Genau das, was Lieblingsmusik: Faithless
nismus und sehe immer etwas, das man Legner gesucht hatte: Eine Möglichkeit,
noch verbessern könnte. Das ist wahr- in der Praxis zu arbeiten und gleichzeitig Lieblingskünstler: Picasso – ein mo-
scheinlich für den einen oder anderen zu promovieren. dernes Genie, das alle klassischen
Doktoranden schwer zu ertragen.» Elemente vereint
Sicherlich war das Stellenangebot
Seit 2008 ist Christine Legner zu- der ausschlaggebende Punkt, um in die Lieblingsort in St. Gallen und welt-
dem Professorin für Wirtschaftsinfor- Gallusstadt zu ziehen, aber es gab auch weit: Klosterbezirk und Marrakesch
matik an der European Business School noch andere Anreize, welche die be-
(EBS) in Oestrich-Winkel und steht der geisterte Skifahrerin und Wandererin
HSG zusätzlich noch als Privatdozentin an die HSG verschlugen: «Die Schweiz
zur Verfügung. Mit der EBS hat sie erst ist attraktiv und mal was anderes. Aus-
vor kurzem einen grossen Schritt ge- serdem liegt es in der Nähe zu den Ber-

Menschen 64 prisma – November 2010


gen, so bietet die Stadt auch noch genug Doch auch für die kommenden, küh- werke jedoch mehr in einem beruflichen
Möglichkeiten für den Freizeitbereich.» leren Tage weiss sie, wie sie sich vom Kontext», ergänzt Christine Legner und
Alltag lösen kann: «Ich freue mich, wenn erwähnt die Vorteile, die sich bieten,
«Ein Teil meiner Freizeit ist Zug- ich einmal zuhause bin und mit meinem um Feedback aus der Praxis zu erhalten,
fahren» Lebenspartner gemütlich ein Glas Wein aber auch Experteninterviews durchzu-
Durch ihre Stelle an der EBS ver- im Wohnzimmer trinken kann.» führen. «Ich versuche jedoch, mein Pri-
bringt Christine Legner viel Zeit unter- vatleben weitgehend aus dem Internet
wegs. «Ein Teil meiner Freizeit ist Zugfah- Die Zukunft liegt im Netz rauszuhalten. Es muss ja nicht jeder wis-
ren», meint sie lachend. Dadurch biete Natürlich will ich von einer Expertin sen, was ich sonst noch alles in meiner
sich ihr die Möglichkeit, viel Zeitung zu in Sachen Computer auch wissen, wie Freizeit unternehme», erläutert sie mit
lesen. Den einen oder anderen mag das sie denn selbst mit dem Medium Inter- einem Lachen. So glaubt sie auch, dass
erstaunen – eine Wirtschaftsinformati- net tagtäglich umgeht. «Ich bin keine die Teilnehmer solcher Plattformen in
kerin mit Faible für Nachrichten auf Pa- Gegnerin, es ist eine neue Qualität, die Zukunft verstärkt eigene Regeln für sich
pier. Tatsächlich gibt die Professorin zu, Social Networks in Beziehungen ge- selbst finden müssen, um abzuschät-
nicht ganz auf ihren Computer verzich- bracht haben.» So bieten die Plattformen zen, was letzten Endes mit Kollegen und
ten zu können. Vor allem um Dinge zu ihr die Möglichkeit, Bande aufrechtzu- auch der Unternehmenswelt geteilt wer-
organisieren oder abzuklären, sei es das erhalten, die ansonsten wahrscheinlich den will.
Gerät, welches immer mit dabei ist. «Ich schon längst gerissen wären. Dank dem
merke aber manchmal auch, dass man Internet bestehen auch heute noch Kon- Auf die Frage nach ihrer beruflichen
durch das viele Lesen und Schreiben im takte zu Klassenkameraden und Studi- und privaten Zukunft erklärt sie: «Zum
Beruf am Abend nicht mehr in den Bild- enkollegen, die ohne diese einfachen 1. Januar werde ich an den Lehrstuhl der
schirm schauen möchte.» Möglichkeiten im Netz gar nicht mehr Universität Lausanne wechseln, um mal
existieren würden. So sieht die Profes- zu gucken, wie es am anderen Ende der
Um jedoch wirklich zu entspannen, sorin Facebook und Co. sogar als einen Schweiz aussieht.» Ihre Wohnung in St.
bietet ihrer Meinung nach der Boden- gewissen Teil von Lebensqualität, insbe- Gallen will sie aber vorerst behalten. Der
see das passende Ambiente: Nach der sondere wenn sich Freundschaften wie Nebel scheint doch etwas Anziehendes
Arbeit geniesst sie die Abendstunden in in ihrem Fall über den ganzen Kontinent zu haben.
einer «netten Beiz» und beobachtet die verteilt haben. Roman Schister
zahlreichen Segelboote auf dem Wasser. «Selbst nutze ich die sozialen Netz-

Leserbriefe

«Auch Beton kann @ online


kommentiert
solchen Brief die Meinung der Studenten
der HSG. Und ich denke kaum, dass alle
Ihre Kritik an Herrn Merz teilen. Im Ge-
Kunst sein!» genteil, es finden sich sicherlich Einige,
«Ein wenig rat- die diese Kritik für haltlos und unsinnig

los wünsch ich halten. Wie auch immer, jeder soll sich

L ieber Valentin Diem, danke für dei-


nen informativen und fundierten Ar-
tikel über die Kunst im neuen Gebäude.
Ihnen...»
selber eine Meinung bilden. Diese Mei-
nung darf man auch ruhig kommunizie-
ren. Aber dann bitte als Privatperson und
Du hast einen wichtigen Beitrag zur Auf- nicht als Repräsentant einer ganzen Stu-
klärung der zum Teil schon sehr kunst-
resistenten HSG-Studierenden geleistet.
Erfrischend, mal etwas Positives über
L ieber Chefredaktor, Ihrer Meinung
nach hat Bundesrat Merz anschei-
nend keinen guten Job gemacht. Nun,
dentenschaft. In diesem Sinne schliesse
ich mit Ihren Worten ab: «Ein wenig rat-
los wünsche ich Ihnen....»
„A“ zu lesen, nachdem alle immer nur dies mag Ihre Meinung sein. Es gibt je- Fridolin_Caduff
über „unbequeme Sitze“ und „unnöti- doch eine grosse Anzahl Bürger und
gen Denkmalschutz“ reklamieren. Auch Experten, die Herrn Merz als erfolg-
Beton kann Kunst sein! Obwohl selbst reichsten Bundesrat Europas bezeich-
kunstbegeistert und wohl auch besser nen. Und dem kann ich mich aus ver- Ob Kritik oder Lob - wir würden uns
im Bild über die Werke an der Uni als schiedenen Gründen nur anschliessen. über deinen Leserbrief freuen. Einfach
viele andere, habe ich einiges erfahren, Aber eben, dies ist meine persönliche an prisma@myunisg.ch schicken oder
die Artikel online kommentieren!
dass ich noch nicht wusste. Meinung. Sie als Chefredaktor des pris-
M.S. ma-Magazins repräsentieren mit einem

November 2010 – prisma 65 Menschen


Das Gerücht
Bla Lange konnte die Information ge- mit Flugabwehrgeschützen ausgestattet
Bla Bla
Bla Bla Bla
heim gehalten werden, jetzt kam die werden. Die unterirdischen Gänge wur-
BlaBlaBlaBlaBla Wahrheit ans Licht. Wie schon von vie- den verbreitert, so dass Einsatzfahrzeuge
BlaB laBlaBlaBlaBlaBla
BlaBlBlaBlaBlaBlaBlaBlaBla len Studenten bemerkt, wurde während problemlos zu manövrieren sind.
BlaBlaBlaBlaBlaBlaBlaBla der zweieinhalbjährigen Umbauzeit im
BlaBlaBlaBlaBlaBlaBla
BlaBlaBlaBlaBla A-Gebäude keine sichtbare Veränderung Weiter wurde recherchiert, dass der
BlaBlaBla erwirkt. Die tatsächliche Renovation Rektor einen persönlichen Aufzug be-
Bla
fand im Verborgenen statt: So dient das sitzt, der ihn zu einem Sicherheitsgang
Hauptgebäude von nun an nicht mehr 200 Meter unter der Universität bringt,

Festung nur der Ausbildung der akademischen


Jugend, sondern auch als militärische
durch den er, von Gestein geschützt, un-
beschadet das ISC-Haus am Rosenberg

am Berg
Abwehrbastion gegenüber Angriffen erreicht. Der Notfallplan sieht weiter vor,
auf das schweizerische Staatsgebiet aus dass der Rektor von dort aus mit einer
nördlicher und östlicher Richtung, ein Sicherheitskapsel direkt in den Boden-
Reduit der Neuzeit sozusagen. see geschossen werden kann, um dort
Für den Plan B in einer Tiefe von 250 Metern in einer
Investigativen prisma-Reportern Unterwasserstation 24 Monate auf eine
wurden im gelang es herauszufinden, dass die Be- Beruhigung der Lage zu warten.

A-Gebäude alle tonwände des Baus zu diesem Zweck


noch einmal verstärkt wurden und jetzt Wie ein Sprecher des schweize-

nötigen Schritte sowohl einem Erdbeben der Stärke 12


als auch einem atomaren Erstschlag
rischen Militärs gegenüber prisma be-
stätigte, bietet das renovierte A-Gebäu-
umgesetzt. standhalten können. Das Flachdach des
Gebäudes wurde zum Start- und Lan-
de im Ernstfall Schutz für 1500 Personen
und wurde bewusst schlicht gehalten, so
deplatz für Kampfhubschrauber umge- dass den Betroffenen der Ernst der Lage
baut, die Dachterrasse kann im Ernstfall jederzeit bewusst ist.
Fabian Fechner

Finde die 9 Unterschiede...

66 prisma – November 2010


Zuckerbrot & Peitsche

«Kein Netz» – welcher HSG-Stu- fach nur mühsam. Und unfair im Ver-
dent, der Orange- oder Sunrisenutzer gleich zu anderen Studenten, die ein

Zuckerbrot ist, kannte diese zwei nervtötenden


Wörter auf seinem Handydisplay nicht?
Ich würde sagen: Keiner, mich selbst
Swisscom-Abonnement besassen und
dadurch Empfang an der Uni genossen.
Orange und Sunrise dürften deswegen
Endlich sind die mit eingeschlossen. Wer ein Telefonat auch schon den einen oder anderen stu-
führen wollte oder ein wichtiges erwar- dentischen Kunden verloren haben.
steinzeitähnlichen tete, hatte Pech: Sobald man sich in die

Zustände vorbei: Räumlichkeiten der Universität begab,


stellte das Handy auf tot.
Obwohl uns Tag für Tag etwas über
marktorientiertes Wirtschaften und voll-

Handyempfang Böse Zungen behaupteten, es gäbe


ständige Konkurrenz gepredigt wird, wur-
de Swisscom de facto eine Monopolstel-
für alle auf dem einen Störsender am Campus, der es al-
len Nicht-Swisscomkunden unmöglich
lung auf dem Campus eingeräumt. Dieser
Widerspruch ist der HSG nun endlich klar
Campus machte, volles Signal zu empfangen. Ob
das wirklich der wahre Grund war, ist
geworden: Was war das für eine freudige
Überraschung, als ich im vergangenen
stark zu bezweifeln. Die dicken grauen Sommer plötzlich vollen Empfang hatte –
Betonwände der Universität sowie eine und das ganz ohne Swisscom! Danke im
langjährige Partnerschaft mit Swisscom Namen aller erlösten Studenten und ein
könnten eher eine Rolle gespielt haben. Hoch auf den freien Markt.
Wie auch immer – das Ganze war ein- Zanet Zabarac

Böse Zungen behaupten, der Ge- Tatort Nr. 2: Die Geschirrrückgabe.


brauch des Terms Sozialisierung sei an Vollautomatisiert gibt man nun seinen

Peitsche der HSG schon vom Stamm her falsch.


Fakt aber ist: Die Uni prägt uns und ist
wohl in vielen Dingen subtiles Vorbild.
Teller in den «Reinigungs-Center», das
spart wieder Jobs. Typisch für die HSG
wäre eigentlich nur noch, dass man ei-
Die Grosse Reine- Fakt ist auch: Die grau-heiligen Hallen nen Zeitarbeiter neben das Band ab-
werden entmenschlicht. Natürlich ha- stellt, der einem das System erklärt. Aber
mache ben wir uns längst damit abgefunden, als humankapitalistisches Highlight soll
dass man Banken und Co. nur noch au- es nun auch unseren Blaumännern und
tomatisiert zu Gesicht bekommt, aber -frauen an den Servicekragen gehen: Zu
auch an der Uni scheint eine neue Run- später Stunde haben wir rote runde Rei-
de der Mechanisierung eingeläutet wor- nigungsroboter gesichtet, die herrenlos
den zu sein. durch die Gänge des A-Gebäudes vaga-
bundieren, idiotisch von einer Beton-
In der Bibliothek zucken nun die wand zur anderen prallen und angeb-
Scanner, die den Ansturm auf die Aus- lich trotzdem den ganzen Fussboden
leihstelle «entlasten» sollen, de facto je- säubern können.
doch humanoide Arbeitskräfte ersetzen.
Vielleicht versucht man damit auch, den Versuche, nicht zu Mr. oder Mrs. X
architektonischen Fehlgriff zu vertu- zu mutieren, werden damit im Keim der
schen, denn die neuen Bücher-Theken universitären Kontextsteuerung erstickt.
sind einfach viel zu hoch, als dass eine Annegret Funke
Person dort von früh bis spät mit Scan-
ner in der Hand, Fingern auf der Tastatur
und Knochen im Rücken stehen könnte.

November 2010 – prisma 67


pwc.ch/careers

Was macht deine


Arbeit in jeder
Beziehung wertvoll?

Es sind unsere Kunden. Wir helfen ihnen, die Ziele zu erreichen, die für
Beziehungen aufbauen –
sie und ihre Unternehmen wichtig sind. Es sind die inspirierenden
Werte schaffen:
Kollegen in der Schweiz und in internationalen Projekten. Und es bist
Wirtschaftsprüfung
du. Du erreichst, was dir wichtig ist, dank den vielen Möglichkeiten und
Steuer- und Rechtsberatung der gezielten Förderung in der Wirtschaftsprüfung, Steuer-, Rechts- und
Wirtschaftsberatung Wirtschaftsberatung. Wir freuen uns darauf, dich kennenzulernen.

© 2010 PwC. All rights reserved. “PwC” refers to PricewaterhouseCoopers AG, which is a member firm of PricewaterhouseCoopers International Limited, each member firm of which is a separate legal entity.