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Ein Jahr in Berlin Saisonale Orte und Veranstaltungen Tagein, tagaus steppt der Berliner Bär, Winterschlaf

Ein Jahr in Berlin Saisonale Orte und Veranstaltungen

Tagein, tagaus steppt der Berliner Bär, Winterschlaf kennt er nicht. Dennoch beeinflussen die Jahreszeiten den Pulsschlag der Metropole:

„Im Sommer tust du gut, im Winter tut’s weh“, singt die Berliner Kultband Seeed in ihrer Hymne auf die Stadt und spielt auf die lauen Sommernächte und eisigkalten Wintertage an. In diesem Kapitel erfahren Sie von Orten und Veranstaltungen, die dem Jahresrhythmus folgen.

Frühling in Berlin. Sehnsüchtig wartet die Stadt auf die ersten heißen Sonnenstrahlen des Jah- res. Kaum sind sie eingetroffen, zieht es bleichgesichtige Groß- städter in Scharen aus ihren Wohnungen in Straßencafés, Biergärten und Parks. Das erste Eis des Jahres genießen sie bei Aldemir¹. Vor der auffällig deko- rierten Eisdiele stehen die Kreuz- berger geduldig Schlange, um in den Genuss solch außergewöhnli- cher Sorten wie Ingwer und Omas Apfelkuchen zu kommen.

Kontrastprogramm kommt am anderen Ende der Stadt, in Spandau, in die Eistüte. Die alt- eingesessene Eisdiele Florida² beliefert zahlreiche Verkaufsorte überall in Berlin, selbst die Su- permarktkette Kaisers kam auf den köstlichen Geschmack und hat Florida-Eis im Kühlregal. Der

Name stammt allerdings aus den 80er-Jahren, inspiriert von der Fernsehserie Miami Vice. Als der heutige Besitzer damals die Eisdiele übernahm, wollte er sein Produkt als begeisterter Fan ei- gentlich Miami-Eis nennen, doch das gab es bereits als Marke und so wurde daraus eben Florida- Eis. Produziert wird noch mit Hilfe einer alten handwerklichen Maschinentechnik, die sonst in Deutschland nicht mehr verwen- det wird. Sie stellt das Eis fest, kompakt, ohne viel Luft, dafür aber mit viel Geschmack her. Für die etwas extrava- gantere Exotik

¹ Falckenstein- str. 7, Kreuzberg ² Altstädter Ring 1, Spandau

Geschmack her. Für die etwas extrava- gantere Exotik ¹ Falckenstein- str. 7, Kreuzberg ² Altstädter Ring

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sei das Inka Café ¹ in Schöneberg empfohlen. In Eigenregie wird das Eis aus südamerikanischen

sei das Inka Café¹ in Schöneberg empfohlen. In Eigenregie wird das Eis aus südamerikanischen Früchten hergestellt und beschert ungewöhnliche Geschmackser- lebnisse. Experimentierfreudige wagen sich an Kreationen wie Jo- hannisbrotbaumschote, Lucuma, das nussig und leicht honigartig schmeckt, oder Chicha morada aus blauem Mais. Nicht nur Eis lockt die Menschen ins Freie. Sobald es warm wird, zieht auch der Geruch von Grill- fleisch durch den Tiergarten, ob- wohl der Bezirk ein Verbot immer wieder in Erwägung zieht. Vor allem türkischstämmige Familien und Studentencliquen bevölkern mit Campingausrüstung und Sitzdecken die Wiese vor dem Schloss Bellevue. Wer keinen Grill parat hat, kann sich alternativ im Café am Neuen See², dem idyl- lisch am Wasser gelegenen Bier- garten und beliebten Treffpunkt des alten Westberlins, an großen Pizzen oder herzhaftem Leber- käse laben. Mehr urbanes Flair verströmt der Prater³ im Prenzlauer Berg. Nach einer Shopping-Tour entlang der

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Das Schild weist den Weg von der Straße zum Prater Garten

2 Das Schild weist den Weg von der Straße zum Prater Garten Kastanienallee bieten schattige Bäume

Kastanienallee bieten schattige Bäume und das hauseigene, kühle Prater-Pils Erholung und Erfrischung. Gemütlich sitzen Studierende, Lifestylekreative und kinderwagenbewehrte Jungeltern auf obligatorischen Bierbänken bei Bratwurst und Brezeln. Erst der zweite Blick verrät den Prater als ältesten Biergarten der Stadt. Seit 1837 wird an der Kas- tanienallee ausgeschenkt. In ei- nem der Gebäude bespielt zudem das Ensemble der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz eine Bühne und setzt die Tradition der Wirtin von 1905 fort, die damals mit „Kabale und Liebe“ ihre Gäste vertrieb, die lieber Tingeltangel und Marschmusik gehört hätten. Die zünftige Gaststätte, die in den Wintermonaten vorzügliche Gän- semenüs oder legendäre Königs- berger Klopse serviert, ist ganz- jährig in Betrieb. So lohnt sich ein Aufenthalt im Prater zu jeder Jahreszeit, wenngleich der som- merliche Aufenthalt im Biergarten doch ganz besonders erfreut. Statt Bier sollte zuweilen auch

ein Wein probiert werden, wie am Rheingauer Weinbrunnenam Rüdesheimer Platz. Seit über 40 Jahren schenken drei Win- zerfamilien in einer schattigen Grünanlage mit alten Linden- bäumen ihre Rheingauer Weine aus, wie zum Beispiel trockenen und halbtrockenen Riesling. Das Essen können sich die Gäste selbst mitbringen, ein Angebot, das rege genutzt wird. So treffen sich hier an den Wochenenden Familien und Freundeskreise mit prall gefüllten Picknickkörben, aus denen sie opulente Tafeln anrichten. Die Stimmung ist hei- ter und beschwingt, dafür sorgt der Wein. Der Weingarten wird

und beschwingt, dafür sorgt der Wein. Der Weingarten wird Am Rheingauer Weinbrunnen vom wuchtigen Siegfriedbrunnen

Am Rheingauer Weinbrunnen

vom wuchtigen Siegfriedbrunnen flankiert, daneben erstreckt sich eine gepflegte Gartenanlage mit bunten Blumenbeeten. Anwohner sitzen auf Bänken, lesen ein Buch und genießen die adrette Gemüt- lichkeit, die der Platz ausstrahlt. Nur am letzten Augustwochen- ende wird lautstark auf die Pauke gehauen, denn dann wird das Rheingau-Wochenende gefeiert.

Dass auch die Kreuzberger fei- ern können, ist kein Geheimnis. Hier sind die Nächte bekanntlich besonders lang. Jedes Jahr im Juni jazzt die Bergmannstraße

¹ Belziger Str. 44, Schöneberg ² Lichtensteinallee 2, Tiergarten ³ Kastanienallee 7–9, Prenzl‘Berg ⁴ Rüdesheimer Platz 7, Wilmersdorf

² Lichtensteinallee 2, Tiergarten ³ Kastanienallee 7–9, Prenzl‘Berg ⁴ Rüdesheimer Platz 7, Wilmersdorf 29

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drei Tage lang unter dem Motto „Kreuzberg jazzt“. Doch bleibt es nicht bei der Musik

drei Tage lang unter dem Motto „Kreuzberg jazzt“. Doch bleibt es nicht bei der Musik allein. Seit 2004 findet parallel das Event Kreuzberg kocht!¹ auf dem nahe gelegenen Chamissoplatz statt. Dort steht das Zelt kulinarischer Glückseligkeit, wo Kreuzberger Spitzenköche ihre enge Verbun- denheit zu ihrem Kiez beweisen, indem sie köstliche Gerichte frisch zubereiten und zu Imbiss- preisen anbieten. So darf Jeder- mann und Jederfrau entdecken, wie spannend originelles Essen sein kann.

entdecken, wie spannend originelles Essen sein kann. 30 Ein Jahr in Berlin 2 Kreuzberg kocht: Andreas

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Kreuzberg kocht: Andreas Staack (Noi Quattro) u. Thomas Kurt (E.T.A. Hoffmann)

Staack (Noi Quattro) u. Thomas Kurt (E.T.A. Hoffmann) Spannend ist auch die Zukunft vieler Strandbars, die

Spannend ist auch die Zukunft vieler Strandbars, die im Sommer in steigender Anzahl entlang der Spree einladen. Sie verkörpern den modernen Biergarten: Cock- tail statt Bier, Sandstrand statt Garten, Liegestuhl statt Bank. Manche Örtlichkeiten warten mit Kunstpalmen auf, andere beein- drucken durch holzgezimmerte Bars und Terrassen. Ihre Haltbar- keit ist begrenzt, beispielsweise durch die umstrittenen Bau- projekte der Media-Spree, der fragwürdigen Bezirkspolitik zur Stadtverschönerung. Was gestern noch Legende bedeutete, ver- blasst womöglich in der nächsten Saison zur vagen Erinnerung à la Bar 25 oder Strandbar Mitte. Die naturbelassenste Strandbar ist das Kiki Blofeld², benannt nach der imaginären Tochter von

< Ob an oder auf der Spree, ob bei Tag oder bei Nacht: Kiki Blofeld hat viele Gesichter >

Ernst Stavro Blofeld, dem Böse- wicht aus James-Bond-Filmen. Nun möchte Kiki die Sünden ihres Vaters bereinigen, indem sie der Welt etwas Gutes tut und den Berlinern eine zuvorkommende Gastgeberin ist. Der Ort ist nicht ganz leicht zu finden. Ein schmaler Weg zweigt von der Köpenicker Straße ab, und führt vorbei an zwei Ge- brauchtwagenhändlern. Dahinter zieht sich ein verwildertes Brach- gelände hin, an dessen Ende eine zerfallene Backsteinfabrik mit bröckelndem Schornstein steht. Seitlich davon erwartet das ein Hektar große Gelände die Be- sucher. Durch ein zauberhaftes Wäldchen führt der Weg zu einem schussfesten Beton-Bunker, einst

ein Bootshaus der Nationalen Volksarmee der DDR. Das Dach des Bunkers dient als Terrasse, in seinem Bauch, der zur Spree hin offen ist, finden Clubkonzerte und Partys statt. Etwas abseits liegt beschaulich ein schmaler Sandstrand. Hier trifft sich eine bunte Mischung aus sonnenhungrigem Szenevolk und neugierigen Touristen, um die Aussicht über die Spree auf den Fernsehturm zu genießen. In den Abend- und Nachtstunden wärmt ein großes Lagerfeuer, dazu bie- ten die Blofelds kulinarische Basics wie Gegrilltes, Pizza, Bier und Cocktails an. Das Kiki Blofeld

¹ Chamissoplatz/Arndtstr., Kreuzberg ² Köpenicker Str. 48–49, Mitte

Pizza, Bier und Cocktails an. Das Kiki Blofeld ¹ Chamissoplatz/Arndtstr., Kreuzberg ² Köpenicker Str. 48–49, Mitte

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ist zweifellos ein Ort wie Berlin: provisorisch und einfallsreich, nicht perfekt und geleckt, dafür weitläufig

ist zweifellos ein Ort wie Berlin:

provisorisch und einfallsreich, nicht perfekt und geleckt, dafür weitläufig und skurril.

Mit diesen Worten lässt sich auch der so genannte Thai-Treff im Preußenpark¹ beschreiben, ein authentisches Kultur- und Koch- ereignis, das von Frühjahr bis Herbst zu erleben ist. Mitten im bürgerlichen Wilmersdorf präsen- tiert sich Berlin als fernöstlicher Markt und offenbart eine exo- tische Welt voller fremdartiger Klänge und Gerüche, wie sie an keinem anderen Ort erlebt werden können. An schönen Tagen, vor allem an Wochenenden, versam- meln sich auf einer großen Liege- wiese im Park bis zu 400 Mitglie-

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der der Berliner Thai-Community, um gemeinsam Karten zu spielen, zu kochen und zu essen. Das Spektakel beginnt gegen 14 Uhr und dauert bis zum Einbruch der Dunkelheit. Auf niedrigen Kisten werden unzählige Gerichte ange- boten: Frittierte Kochbananen mit Sesam, gegrillter Fisch und Fleischspieße. Zu diesem eher geduldeten als legalen Treiben gesellen sich Anwohner und Spa- ziergänger, angelockt von den Düften und dem Wissen um eine gute Mahlzeit. Geduldig knien die Hungrigen unter einem der vielen bunten Sonnenschirme und be- obachten aufmerksam, wie eine Thailänderin einen frischen Papa- ya-Salat stampft und würzt oder auf zwei dampfenden Aluminium-

Kochgefäßen mit Bambus gefüllte Nudeln zubereitet. Der Preis ist Verhandlungssache, liegt aber meist bei 5 € pro Portion. Einblicke in die fernöstliche Hoch- kultur geben die Gärten der Welt im Erholungspark Marzahn. Man- chem Westberliner mag der Stadtteil Marzahn bereits wie der Ferne Osten erscheinen, jedoch sind an dieser Stelle der japa- nische, koreanische, balinesische und chinesische Garten gemeint, die in die Parklandschaft integriert sind. Die nüchternen Plattenbau- ten Marzahns kreisen den Park ein und bilden ein kontrastreiches Szenario. In dieser tristen Mond- landschaft aus fantasielosen Hochhäusern und breiten Stra- ßen, wie der Allee der Kosmonau- ten, erscheinen die filigran- harmonischen Asien-Gärten wie deplatzierte Wesen von einem fremden Planeten. Der chinesi- sche „Garten des wieder- gewonnenen Mondes“ ist

< Thai-Treff im Preußenpark, mit Berliner Besuch. An schönen Sommerta- gen ab zirka 14 Uhr

> Das Berghaus zum Osmanthussaft in den Gärten der Welt in Marzahn

für sich genommen ein Schmuck- stück klassischer chinesischer Architektur und Gartenkunst. Sei- ne wertvollen Hölzer, Steine und Skulpturen wurden eigens aus China nach Berlin verschifft. Zur Anlage gehört auch ein Teehaus, an einem sanft ruhenden See gelegen, das Berghaus zum Osmanthussaft². Besucher soll- ten es nicht versäumen, einer traditionellen Teezeremonie beizu- wohnen. Hierfür können sie aus über 30 erlesenen Grünteesorten wählen, zum Beispiel dem kost- baren Felsentee, der aus einer Gebirgsregion Chinas stammt. Sitzt man an einem Sommertag auf der Terrasse des Teehauses,

¹ Preußenpark, Wilmersdorf ² Eisenacher Str. 99, Marzahn

man an einem Sommertag auf der Terrasse des Teehauses, ¹ Preußenpark, Wilmersdorf ² Eisenacher Str. 99,

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Bauernhof mit U-Bahn-Anschluss: In der Domäne Dahlem stellt sich auch in Marzahn ein Stückchen heile
Bauernhof mit U-Bahn-Anschluss: In der Domäne Dahlem stellt sich auch in Marzahn ein Stückchen heile

Bauernhof mit U-Bahn-Anschluss:

In der Domäne Dahlem

stellt sich auch in Marzahn ein Stückchen heile Welt und Harmo- nie ein. Langsam verliert die Sonne an Kraft, kalter Wind bläst das Herbstlaub von den Bäumen. Die Nächte werden länger und kühler. Berlin im Herbst, das heißt Ernte- zeit in der Domäne Dahlem¹. Zu dem 18 Hektar großen Landgut gehören Felder, Gemüsegärten, Tierstallungen, Gutshäuser und ein Dorfanger aus dem 16. Jahr- hundert, der als Marktplatz dient. Auf Deutschlands einzigem Bauernhof mit U-Bahn-Anschluss findet im Herbst das Kartoffelfest statt. Hier können die Berliner selbst Kartoffeln ernten, das Kilo zum Preis von einem Euro. Emsig sammelt das großstädtische Pub- likum die Felder leer. Zudem gibt es auf der Feldmark ein Lagerfeu- er, in dem die Erdäpfel geröstet werden können, was besonders den Kindern großen Spaß macht und obendrein gut schmeckt. Wer nicht die Ärmel hochkrempeln will, findet auf dem rege besuch- ten Marktplatz ein hochwertiges

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Angebot regionaler Produkte:

Deftige Pferdeknacker, saftige Bio-Kuchen, Edelmarzipan aus Sanddorn, Trüffelbrie und Roque- fort-Birnen-Paste. Auf einer Büh- ne spielt eine Dixie-Band, Korb- macher und Kunstschmiede zei- gen ihr traditionelles Handwerk. Von März bis Dezember finden in der Domäne Dahlem regelmäßig Markttage und Veranstaltungen statt, so auch die Berliner Brat- wurstmeisterschaften. Das ganze Jahr über ist der Hofladen geöff- net, der eigene Saisonprodukte und Bio-Kost von Bauernhöfen aus der Region vertreibt.

Von Ende Oktober bis tief in den Winter berieselt ein Kulinarischer Winterzauber die Stadt. Über 60 Restaurants offerieren winterliche Menüs zum Preis von 10, 20, 30 oder 40 Euro. Das Gastronomie- Event wird von der DEHOGA Ber- lin und der Berlin Tourismus Mar- keting GmbH initiiert. In deren Info-Stores liegen Broschüren mit den teilnehmenden Restaurants aus, die auch über das Internet ausfindig gemacht werden kön- nen. Am Ende der Veranstaltung werden die Sieger in den jeweili- gen Preisklassen ausgezeichnet, denn die Menüs werden von den Gästen bewertet. Eine harmonische Verbindung von Speisen und Bildung sei mit der Veranstaltungsreihe Esskultur² im Museumskomplex Dahlem emp- fohlen. Besonders im Winter kann man sich gemütlich ins Beduinen- zelt kuscheln, Märchen aus 1001

Nacht hören und orientalische Köstlichkeiten naschen, oder seinem Fernweh freien Lauf las- sen und in einem Lesezyklus in 80 Tagen um die Welt reisen, ein- schließlich gastronomisch pas- sender Begleitung.

Alle Sinne werden stimuliert, wenn im November der große Jugendstil-Spiegelpalast am Hauptbahnhof, das Palazzo³, die Türen bis ins Frühjahr hinein öff- net, um zu Kerzenschein eine Mischung aus Artistik, Show und kulinarischen Genüssen vorzufüh- ren. Das Ohr vernimmt drama- tische Klänge und zarte Musik, die Nase schnuppert filigrane Aromen, die vom Teller aufstei- gen. Das Auge will sich nicht ent- scheiden, ob es auf den kunstvoll

Die Macher des Palazzo: Sternekoch Christi- an Lohse und Hans-Peter Wodarz

Palazzo: Sternekoch Christi- an Lohse und Hans-Peter Wodarz angerichteten Teller oder auf die wendigen Körper mit

angerichteten Teller oder auf die wendigen Körper mit ihren ver- blüffenden Bewegungsabläufen blickt. Der Meister der Ereignis- gastronomie, Hans-Peter Wodarz, verknüpft bereits seit den 70er- Jahren Unterhaltungsprogramm und Speisen miteinander, immer mit einen Entengericht im Mittel- punkt. Stets bestrebt, beides auf höchstem Niveau zu präsentieren, gewann er als Mitstreiter Berlins bekanntesten Sternekoch und Garant für Köstlichkeiten, Christi- an Lohse, den Küchenmeister aus dem Restaurant Fischers Fritz, der das Vier-Gänge-Menü zu „Herzensbrecher & Gaumenkitz- ler“ entwarf. Im September 2010 mit dem Titel „Gastronomischer Innovator 2010“ bedacht, ruht Wodarz sich keineswegs auf sei-

¹ Königin-Luise-Str. 49, Dahlem ² www.esskultur-berlin.de ³ Katharina-Paulus-Str. 1, Mitte

sich keineswegs auf sei- ¹ Königin-Luise-Str. 49, Dahlem ² www.esskultur-berlin.de ³ Katharina-Paulus-Str. 1, Mitte 35

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nen Auszeichnungen aus, son- dern plant ein ganzjähriges Res- taurantkonzept Unter den Linden, bei dem,

nen Auszeichnungen aus, son- dern plant ein ganzjähriges Res- taurantkonzept Unter den Linden, bei dem, wie könnte es anders sein, die Ente im Mittelpunkt steht. Hoffentlich werden dort die Damen und Herren der benach- barten Medieneinrichtungen, wie ARD, ZDF, RTL oder n-tv nicht allzu eifersüchtig, waren es bis- lang doch sie selbst, die im Re- gierungsviertel für die Enten zu- ständig waren.

Winter, das ist natürlich auch die Zeit der Weihnachtsmärkte. Be- sonders stimmungsvoll erschei- nen jene in Spandau und am Zeh- lendorfer Mexikoplatz. Der Rix- dorfer Weihnachtsmarkt¹ findet am zweiten Adventswochenende

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Alljährliches Lichtermeer auf dem Rixdorfer Weihnachtsmarkt

Alljährliches Lichtermeer auf dem Rixdorfer Weihnachtsmarkt statt und ist beinahe zu gut be- sucht. Karitative

statt und ist beinahe zu gut be- sucht. Karitative Einrichtungen und ehrenamtliche Dienste be- stimmen das Geschehen auf dem Richardplatz in Neukölln, dem alten Dorfanger von Deutsch- Rixdorf, seit 1360 urkundlich er- wähnt. In unmittelbarer Nachbar- schaft liegt der ehemalige Dorf- kern von Böhmisch-Rixdorf, be- nannt nach den böhmischen Flüchtlingen, die hier im 18. Jahr- hundert siedelten. Bauernhäuser und Stallungen säumen die schmalen, verwinkelten Pflaster- steingassen. Die dörfliche Le- bensweise trifft ein paar Meter weiter auf städtisches Treiben. So entsteht eine einzigartige Atmo-

sphäre, zu der auch die Bewoh- ner, vor allem türkische und alt- eingesessene Familien, maßgeb- lich beitragen. Wie es sich für einen Weihnachtsmarkt gehört, riecht es nach Zimtgebäck, ge- brannten Mandeln und Glühwein. Wer sich zwischendurch aufwär- men will, kann in der Villa Rixdorf oder im benachbarten Restaurant Louis einkehren. Beides sind Orte der zweifelhaften Superlative. In der Villa Rixdorf gibt es Familien- pizzen mit einem Durchmesser von einem Meter, im Louis serviert man riesige Schnitzel. Für beide Gerichte gilt: Hinsehen genügt und man ist satt. Vielleicht dann doch lieber eine Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt. Neben zahlreichen Speisen gibt es frei- lich allerlei Spielzeug und Ge- schenke zu kaufen, schließlich steht Weihnachten vor der Tür.

Eine weitere Facette von Weih- nachtlichkeit beschert alljährlich das Jüdische Museum: Der Chanukka-Markt² verbindet Chanukka, das jüdische acht- tägige Lichterfest, und Weihnach- ten miteinander. Ein ganzer Monat feiert die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem vor über 2000 Jahren und gedenkt des Ölwunders. Obwohl nur Öl für einen Tag vorhanden war, reichte es doch acht Tage, bis neues Öl für den Tempelleuchter, der nie- mals erlöschen durfte, geweiht war. Gegessen werden daher vor

> Der Chanukka-Leuchter vor dem Jüdischen Museum Berlin

allem in Öl gebackene Speisen wie Krapfen oder Latkes, kleine frittierte Kartoffelpuffer. Im Glas- hof des Museums werden in 17 Hütten eben diese und andere interessante Leckerbissen aus jüdischer Tradition neben weih- nachtlichen Speisen angeboten. Glühwein darf natürlich nicht feh- len, wobei dieser selbstverständ- lich koscher ist. Weitere Stände bieten ungewöhnliche Geschenke zum Kauf an. An Heiligabend dann leert sich die Stadt, die Wahlberliner reisen für kurze Zeit gen alte Heimat. Berlin schlummert, ehe es sich zu Sil- vester wieder füllt und dem Jah- reswechsel entgegenfiebert.

¹ Richardplatz, Neukölln ² Lindenstr. 9–14, Kreuzberg

wieder füllt und dem Jah- reswechsel entgegenfiebert. ¹ Richardplatz, Neukölln ² Lindenstr. 9–14, Kreuzberg 37

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Ein beliebtes Silvestergericht ist bekanntlich Raclette. Freude be- reitet das Schmelzkäseritual im lauschigen gleichnamigen Res- taurant La Raclette¹. Der kleine Raum aus freigelegten Backstein- wänden, ein Kamin voller lodern- der Holzscheite und der Raclette- Ofen auf dem Tisch bieten Schutz gegen die Kälte. Der geschmolze- ne Käse, begleitet von Fleisch und Gemüse, dazu ausgesuchte französische Weine, helfen, sich auch von innen wohlig warm zu fühlen. Kehrt dann die wärmere Jahreszeit zurück, bestellt man sich für eine Gruppe ab 20 Perso- nen am Besten das mobile Som-

Peer Kusmagk bereitet den Tischofen für das Raclette vor

Peer Kusmagk bereitet den Tischofen für das Raclette vor mer-Restaurant La Provence ² , das La-Raclette-Inhaber

mer-Restaurant La Provence², das La-Raclette-Inhaber Peer Kusmagk ganz nach Wunsch auf die grüne Wiese oder in den nachbarschaftlichen Hinterhof platziert. Originalität und exquisi- ter Genuss sind dabei garantiert.

Als jahreszeitliches Chamäleon tarnt sich das Chocolat³ nahe dem Senefelder Platz. In winterli- cher Kälte dampfen feine Suppen in den Terrinen, während der sommerliche Ansturm dem köstli- chen Bio-Eis gilt, wobei insbeson- dere die namensgebenden Sorten Beachtung finden sollten. Eben Alles zu seiner Zeit!

¹ Lausitzer Str. 34, Kreuzberg ² www.la-raclette.de ³ Kollwitzstr. 37, Prenzl‘Berg

Zeit! ¹ Lausitzer Str. 34, Kreuzberg ² www.la-raclette.de ³ Kollwitzstr. 37, Prenzl‘Berg 38 Ein Jahr in

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Peter Eichhorn Martina Marx Feine Flüssigkeiten und traumhafte Tropfen in der Hauptstadt
Peter Eichhorn
Martina Marx
Feine Flüssigkeiten und traumhafte
Tropfen in der Hauptstadt

In Berlin werden täglich soviele Gläser, Becher, Tassen und Flaschen geleert, dass man ein ganzes Buch darüber lesen kann:

Berlin schenkt ein

man ein ganzes Buch darüber lesen kann : Berlin schenkt ein Überall im Buchhandel und auf

Überall im Buchhandel und auf www.grebennikoff.de

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