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Einführung in die allgemeine Betriebswirtschaftslehre

Lechner – Egger – Schauer

Inhaltsverzeichnis
A. Das Unternehmen als ein auf die Umwelt ausgerichtetes sozio-ökonomisches System........5
I. Die Unternehmensführung...................................................................................................5
1. Die Produktionsfaktoren.................................................................................................5
2. Das Management als Träger von Entscheidungen..........................................................5
3. Die Zielsetzung...............................................................................................................5
4. Die Planung.....................................................................................................................9
5. Die Organisation...........................................................................................................13
6. Die Überwachung.........................................................................................................16
II. Die menschliche Arbeitsleistung im Betrieb....................................................................17
1. Das qualitative Niveau der ausführenden menschlichen Arbeitsleistung ....................17
2. Die Grundprinzipien des Personalwesens.....................................................................17
3. Teilgebiete des Personalwesens....................................................................................18
4. Zukunftsperspektiven des Personalwesens...................................................................20
III. Das Vermögen (Die Nutzung des Vermögens)...............................................................20
1. Das sachliche Anlagevermögen und sein Einsatz ........................................................20
2. Das immaterielle Anlagevermögen und sein Einsatz ...................................................22
3. Das finanzielle Anlagevermögen und sein Einsatz ......................................................23
4. Das Umlaufvermögen und sein Einsatz .......................................................................23
B. Die konstitutiven Rahmenentscheidungen des Unternehmens.............................................25
I. Die Wahl der Rechtsform des Unternehmens...................................................................25
1. Mögliche Rechtsformen................................................................................................25
2. Allgemeines zur Frage der Bestimmungsgründe für die Wahl der Rechtsform...........28
3. Wichtige Bestimmungsgründe......................................................................................28
II. Der Standort der Betriebe.................................................................................................34
III. Die Unternehmensverfassung.........................................................................................34
1. Der Begriff der Unternehmensverfassung....................................................................34
2. Die Marktverfassung.....................................................................................................35
3. Die Finanzverfassung....................................................................................................35
4. Die Organisationsverfassung........................................................................................36
5. Die Theorie der Verfügungsrechte................................................................................36
6. Die Potentiale für Unternehmensgründung...................................................................37
C. Die Finanzwirtschaft............................................................................................................38
I. Grundlegende Darstellung.................................................................................................38
1. Der betriebliche Wertekreislauf....................................................................................38
2. Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen...........................................................38
3. Das finanzielle Gleichgewicht als Zielsetzung.............................................................39
4. Arten der Finanzbewegungen.......................................................................................39
5. Arten von Investitionen.................................................................................................39
II. Die Kapitalbeschaffung....................................................................................................39
1. Die Finanzierungsformen..............................................................................................39
2. Die Innenfinanzierung...................................................................................................40
3. Die Außenfinanzierung.................................................................................................42
III. Die Finanzplanung..........................................................................................................46
1. Die Grundlagen der Finanzplanung..............................................................................46
2. Die Erstellung des Finanzplanes ..................................................................................47
3. Die Ermittlung des Kapitalbedarfs................................................................................48
4. Die Zielsetzungen für die Liquiditätspolitik.................................................................50
IV. Finanzierungsregeln........................................................................................................50
1. Die optimale Finanzierung als Auswahlproblem..........................................................50
2. Grundsätzliche Merkmale von Eigenkapital (EK) und Fremdkapital (FK)..................50
3. Die Bedeutung des Eigenkapitals als Risikokapital......................................................50
4. Der Leverage-Effekt.....................................................................................................51
5. Das Modigliani-Miller-Theorem...................................................................................51
6. Die Bedeutung der Eigenkapitalquote..........................................................................51
7. Finanzierungsempfehlungen.........................................................................................51
8. Die Bemessung des Verschuldungsgrades....................................................................52
9. Die Reihenfolge in der Fremdfinanzierung..................................................................53
V. Die Investition..................................................................................................................53
1. Die Gliederung der Investitionen..................................................................................53
2. Die Investitionsrechnung..............................................................................................53
VI. Der Einfluss steuerlicher Vorschriften auf Investition und Finanzierung......................56
1. Grundfragen der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre..................................................56
2. Steuerliche Einflüsse auf die Außenfinanzierung.........................................................57
3. Steuerliche Einflüsse auf die Innenfinanzierung..........................................................58
4. Auswahlkriterien für die Inanspruchnahme steuerlicher Begünstigungen...................59
5. Berücksichtigung der Steuerbegünstigungen in den Investitionsrechnungen...............59
VII. Die Organisation der betrieblichen Finanzwirtschaft....................................................59
1. Das Finanzmanagement................................................................................................59
2. Die Einordnung der Finanzwirtschaft in die Unternehmensorganisation.....................60
D. Die Produktion.....................................................................................................................61
I. Der Begriff Produktion......................................................................................................61
II. Die Gestaltung des Produktionsprozesses........................................................................61
1. Die Produktionsplanung................................................................................................61
2. Die Fertigungsverfahren...............................................................................................62
3. Die Bestimmung der optimalen Losgröße....................................................................63
4. Die Rationalisierung des Produktionsprozesses...........................................................63
5. Integrierte Fertigungssysteme.......................................................................................63
6. Charakteristische Merkmale bei der Erstellung von Dienstleistungen........................63
7. Maßnahmen zur Qualitätssicherung (Qualitätsmanagement).......................................64
III. Die Grundlagen der Kostentheorie.................................................................................65
1. Der Standort der Kostentheorie.....................................................................................65
2. Fixe und variable Kosten..............................................................................................65
3. Die Kostenremanenz.....................................................................................................66
IV. Gesamt – und Stückkostenverläufe.................................................................................66
1. Der Gesamtkostenverlauf nach dem Ertragsgesetz.......................................................66
2. Der lineare Kostenverlauf.............................................................................................67
3. Der linear-progressive Gesamtkostenverlauf................................................................69
4. Bemerkung zu den Kostenverlaufsanalysen.................................................................70
E. Der Absatz............................................................................................................................71
I. Die Grundlagen..................................................................................................................71
1. Absatz und Marketing...................................................................................................71
2. Der Marketingprozess...................................................................................................72
II. Die Absatzplanung...........................................................................................................74
1. Aufgaben der Absatzplanung........................................................................................74
2. Bedingungen für die Absatzplanung.............................................................................74
3. Zeitfaktor in der Absatzplanung...................................................................................74
4. Ablauf der Absatzplanung............................................................................................74
5. Arten der Absatzpläne...................................................................................................75
III. Die Marktforschung........................................................................................................75
1. Die Aufgaben der Marktforschung...............................................................................75
2. Die Markforschungsbereiche........................................................................................75
3. Die Methoden der Markforschung................................................................................76
IV. Instrumente der Marketinggestaltung.............................................................................76
1. Absatzpolitisches Instrumentarium...............................................................................76
2. Preispolitik....................................................................................................................77
3. Produkt- und Sortimentspolitik.....................................................................................84
4. Kommunikationspolitische Maßnahmen......................................................................86
5. Distributionssystem.......................................................................................................89
V. Die Absatzorganisation ..................................................................................................91
1. Eindimensionale Absatzorganisation............................................................................91
2. Mehrdimensionale Absatzorganisation.........................................................................92
F. Das betriebliche Rechnungswesen........................................................................................94
I. Die Einteilung des betrieblichen Rechnungswesens.........................................................94
II. Buchführung (Geschäftsführung, Finanzbuchhaltung) und Bilanz..................................95
1. Die Buchführung öffentlicher Verwaltung...................................................................95
2. Die Buchführung des Unternehmens............................................................................96
III. Die Theorie des Jahresabschlusses.................................................................................99
1. Die Aufgabe des Jahresabschlusses..............................................................................99
2. Der Jahresabschluss und die Bilanzlehren (Bilanztheorien).......................................100
IV. Der Jahresabschluss nach dem Unternehmensgesetzbuch in Österreich......................101
1. Die Grundlagen der unternehmensrechtlichen Rechnungslegungsbestimmungen.....101
2. Die Funktionen des Jahresabschluss nach dem UGB.................................................101
3. Der Aufbau der Rechnungslegungsvorschriften.........................................................101
4. Verpflichtung zur Führung von Büchern....................................................................102
5. Die Bilanzierungsgrundsätze (Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung)..............102
6. Geschäftsjahr...............................................................................................................104
7. Die Überleitung von den Zahlen der Finanzbuchhaltung in die Bilanz......................104
8. Bilanzierungsge- und verbote sowie Bilanzierungswahlrechte..................................104
9. Bewertungsvorschriften..............................................................................................105
10. Einkommenssteuerliche Bewertungsvorschriften.....................................................106
11. Die ergänzenden Vorschriften für Kapitalgesellschaften, betreffend die Erstellung
des Jahresabschlusses, dessen Prüfung und Veröffentlichung........................................108
12. Gliederungsvorschriften im Jahresabschluss............................................................108
V. Kostenrechnung..............................................................................................................121
1. Begriff und Aufgaben der Kostenrechnung................................................................121
2. Aufwand und Kosten..................................................................................................121
3. Die Bewertung in der Kore.........................................................................................122
4. Kostenabhängigkeiten.................................................................................................123
5. Die Kostenartenrechnung............................................................................................123
6. Die Kostenstellenrechnung.........................................................................................123
7. Die Kostenträgerrechnung..........................................................................................125
8. Die Kalkulationsverfahren..........................................................................................126
9. Die Korrektur des BAB für die Beständebewertung in der Bilanz.............................127
10. Vollkostenrechnung VKR und Teilkostenrechnung TKR auf Ist-Kosten-Basis......128
11. Voll- und Teilkostenrechnung auf Soll-Kostenbasis (Plankostenrechnung)............129
12. Die Prozesskostenrechnung......................................................................................130
13. Die Betriebsergebnisrechnung..................................................................................131
14. Die Zielkostenrechnung (Target Costing).................................................................131
VI. Betriebliche Kennzahlen...............................................................................................132
1. Allgemeines...............................................................................................................132
2. Kennzahlen als Informationsinstrument.....................................................................132
3. Externe und interne Betriebs- und Unternehmensanalyse..........................................132
4. Die Kennzahlenrechnung als Planungs-(Führungs-)Instrument.................................132
5. Die Darstellungsmöglichkeiten von Kennzahlen........................................................133
6. Jahresabschlussanalyse (Bilanzanalyse) und Kennzahlenermittlung..........................133
7. Die Kennzahlen um Einzelnen....................................................................................134
VII. Die Verfahrensforschung (Operations Research; OR)................................................141
1. Die Grundlagen unternehmerischer Entscheidungen..................................................141
2. Modellansätze in der Betriebswirtschaftslehre...........................................................141
3. Entscheidungsorientierte Planungsverfahren..............................................................141
4. Operations Research...................................................................................................141
5. Die kybernetische Verfahrensanalyse.........................................................................144
Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

A. Das Unternehmen als ein auf die Umwelt


ausgerichtetes sozio-ökonomisches System
I. Die Unternehmensführung
1. Die Produktionsfaktoren
Gutenberg hat die betriebliche Leistungserstellung wie folgend dargestellt:

Dispositive Faktoren:
• Originärer Faktor: Geschäfts- und Betriebsleitung (Top Management)
• Derivativer Faktor: Betriebsorganisation, Planung (Middle, Lower Management)

Elementarfaktoren:
• Werkstoffe
• Betriebsmittel
• Menschliche Arbeitsleistung: Ausführende menschliche Arbeitsleistung oder
Dispositive menschliche Arbeitsleistung (Unternehmensführung, Planung und
Kontrolle, Betriebsorganisation)

2. Das Management als Träger von Entscheidungen


Grundsätzlich führt jeder im Unternehmen tätige Mensch sowohl dispositive als auch
ausübende Tätigkeiten aus.
- Führungsebene: Top Management (Eigentümer, Geschäftsführer, Vorstand)
- Leitungsebene: Middle Management (Leiter Einkauf, Produktion, Verwaltung, Finanzen)
Lower Management (Abteilungsleiter, Meister, Vorarbeiter)
- Ausführungsebene

Die Unternehmensführung trifft Führungsentscheidungen. Diese haben grundlegende


Bedeutung für das Unternehmen (Ganzheitsentscheidungen), betreffen das ganze
Unternehmen und sind nicht delegierbar.(Unternehmensziele, Unternehmenspolitik,
Koordination, Personalpolitik, geschäftliche außerordentlich bedeutende Maßnahmen,
Umweltschutz)

Die wichtigste Aufgabe des Managements ist Zielsetzung, die im sich immer wiederholenden
Vorgang des Managementkreises durchgeführt wird.
Zielsetzung → Planung → Organisation → Überwachung →Zielsetzung

3. Die Zielsetzung

a) Zielbildung im erwerbswirtschaftlichen Unternehmen


Zentralverwaltungswirtschaft: Organprinzip (= Prinzip der plandeterminierten
Leistungserstellung) – Leistungspläne von den Zentralstellen vorgegeben

Marktwirtschaft: Autonomieprinzip (= erwerbswirtschaftliches Prinzip) –


Unternehmensführung entscheidet selbst über Leistungspläne

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

Nach langer Diskussion wurde schließlich von den meisten Autoren das Streben nach
maximalem Gewinn als einziges Ziel eines Unternehmens deklariert. Gegner meinen, dass
„Gewinnmaximierung“ nicht konkretisierbar sei.

Die Zielbildung ist kein unipersonaler, sondern ein multipersonaler Vorgang. Eine Mehrzahl
von Personen (Eigentümer, Management, Arbeitnehmen, öffentliche Auftraggeber) wirkt mit.

b) Zielsysteme
Das Ergebnis des Zielbildungsprozesses ist das jeweilige Zielsystem des Unternehmens.
Dieser Prozess ist nie abgeschlossen, sondern wird durch den Zielerreichungsgrad
vorhergehender Ziele beeinflusst → neue Zielvorstellungen, neue Zielsysteme

Formalziele (unabhängig von den unternehmensspezifischen materiellen Zielvorstellungen)


bilden grundsätzlich Zielsysteme.

Grundziele um den Bestand des Unternehmens zu sichern:


• Streben nach ausreichend Gewinn (Unabhängigkeit, Risikopolster,…)
• Streben nach Aufrechterhaltung des finanziellen Gleichgewichts
(Schuldenabgleichung,..)

Zieldimension
Die Dimension eines Zieles wird definiert durch:
• Inhalt: quantifizierbare Ziele (Gewinn, Liquidität,…), nicht quantifizierbare Ziele
(Unabhängigkeit, Macht, Vereinigung, Prestige,…), sonstige Ziele (Beziehungen zu
Behörden, Umwelt,…)
• Ausmaß: unbegrenzt formulierte Ziele (Auswahl aus sämtlichen Alternativen),
begrenzt formulierte Ziele (Auswahl sofort wenn zureichende Handlungsmöglichkeit,
abhängig vom Anspruchsniveau auf das Ziel)
• Zeitlicher Bezug: kurzfristig (Wochen-, Monats-, Jahresziele), mittelfristig (über 1
Jahr), langfristig (über 1 Jahr)

Erwerbswirtschaftliches Prinzip: Gewinnstreben unter Berücksichtigung der vom Markt


gebotenen Chancen und unter Beachtung der dabei auftretenden Risken

Rentabilität:
Kapitalrentabilität (ROI): Verhältnis des Gewinns zum eingesetzten Kapital bzw Vermögen
• Gesamtkapitalrentabilität: (Gewinn + Zinsen) x 100 / Gesamtkapital (Vermögen)
• Eigenkapitalrentabilität: Gewinn x 100 / Eigenkapital
(Restgröße nach Abzug des Fremdkapitalanteils →Leverage Effekt)

Umsatzrentabilität: Verhältnis des Gewinns zum leistungsbedingten Erlös


(Gewinn + Zinsen) x 100 / Umsatz oder Gewinn x 100 / Umsatz

Umschlagshäufigkeit des Kapitals: Umsatz / Gesamtkapital

Umsatzrentabilität x Umschlagshäufigkeit = Kapitalrentabilität

Produktivität: Verhältnis der hervorgebrachten Leistung zu den eingesetzten Faktormengen


• Arbeitsproduktivität: Anzahl der erzeugten Einheiten / Anzahl der Arbeiter
• Materialeinsatzproduktivität: Anzahl der erzeugten Einheiten / verarbeitetes Material

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

Meistens ist eine Ermittlung der Gesamtproduktivität sehr schwierig, deswegen ermittelt man
bei differenzierten Leistungsprogrammen die Teilproduktivitäten.

Wirtschaftlichkeit: Mit einem gegebenen Mittelbestand einen möglichst großen


Bedarfsdeckungseffekt zu erzielen bzw. einen gegebenen Bedarfsdeckungseffekt mit
möglichst geringem Mitteleinsatz zu realisieren.

Das Wirtschaftlichkeitsprinzip zählt zu den Grundprinzipen in der Betriebswirtschaft.


Wirtschaftlichkeit hilft die Rentabilität zu erhöhen, aber nur eine ausreichende Rentabilität ist
existenzentscheidend.

Wirtschaftlichkeit (Gutenberg): Ist-Kosten (Aufwand) / Soll-Kosten (Aufwand)

Soll Kosten werden durch Ausnutzung von Substitutionsmöglichkeiten – alternativ


(Gesamtfaktor wird ersetzt)oder peripher (Teile des Faktors werden ersetzt) – erreicht.
Das allein genügt jedoch nicht. Um die idealen Soll-Kosten-Situation zu erreichen muss das
qualitative Niveau von Material und Betriebsmitteln voll ausgenützt sein.

Liquidität: Fähigkeit den einzelnen Zahlungsverpflichtungen fristgerecht zu entsprechen.


Es soll genug Liquidität herrschen um Zahlungsstockungen auszuschließen, jedoch darf die
Rentabilität durch Barreserven nicht gehemmt werden.

Liquidität: flüssige Mittel im Betrachtungszeitraum / Zahlungsverpflichtungen im BZR


Liquidität bei Wert 1 und darüber
Illiquidität bei Wert unter 1 (bedeutet nicht gleich Konkurs oder Ausgleich)

1. Liquiditätsgrad: sofort verfügbare Zahlungsmittel


sofort fällige Ausgaben
2. Liquiditätsgrad: sofort bis kurzfristig verfügbare Zahlungsmittel
sofort bis kurzfristig fällige Ausgaben
3. Liquiditätsgrad: sofort bis mittelfristig verfügbare Zahlungsmittel
sofort bis mittelfristig fällige Ausgaben

Stellung von Zielen:


Gewinn- bzw. Rentabilitätsstreben = zentrale Stellung in allen Zielsystemen (Heinen)
Die übrigen Unternehmensziele:
• Das relative Zielgewicht
- Begrenzte Formulierung der übrigen Ziele: Gewinnmaximierung unter
Nebenbedingungen
- Unbegrenzte Formulierung jeweils eines der übrigen Ziele: begrenzte Gewinnerzielung,
Maximierung/Minimierung eines Ziels

• Die Mittel- und Zweckbeziehung zwischen Zielen


- Deduktiv orientiertes Mittel-Zweck-Schema: Unterscheidung von Ober-, Zwischen- und
Unterzielen (Teilziele, Bereichsziele, Abteilungsziele) → Zielpyramide
Das Oberziel erhält durch die Teilziele auf jeder Leistungsebene seinen operationalen
Inhalt.

Beispiel:

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

Oberziel: Unternehmensführung
Gewinnerzielung
Produktionsbereich Finanzbereich Absatzbereich
Zwischenziele: Senkung der Verbesserung der Steigerung des Umsatzes
Produktionskosten Kapitalstruktur
Unterziele: Senkung der Lohnkosten Beschaffung langfristiger Verbesserung des
Kredite Vertriebssystems

Du Pont’sches Zielsystem Vorräte

Umsatz- Umlauf-
erlöse vermögen Forderungen
Umschlags-
häufigkeit : +
Gesamt- Anlage- Liquide
vermögen vermögen Mittel
Return on x
Investment

Gewinn Umsatz- Herstell-


erlöse kosten
Umsatz-
rentabilität : -
Vertriebs-
Umsatz- Kosten des kosten
erlöse Umsatzes

Fracht und
Auslieferung

Verwaltungs
kosten

- Induktiv orientiertes Mittel-Zweck-Schema (Heinen): Eigenkapitalrentabilität ist das


betriebswirtschaftlich relevante Oberziel
Absatzsteigerung, Produktivitätssteigerung → Umsatz, Wirtschaftlichkeit →
Gewinnstreben → Liquiditätssicherung, Eigenkapitalrentabilität, Kapitalerhaltung,
Wachstum →Unabhängigkeit, Soziale Prinzipien, Prestige, Macht → Einkommen

c) Verträglichkeit von Zielen


Komplementär: Erfüllungsgrad (EG) Ziel 1 (Umsatz) steigt, EG Ziel 2 (Marktanteil) steigt
Indifferent: Ziel 1 (Wirtschaftlichkeit) beeinflusst Ziel 2 (Unabhängigkeit) nicht
Konkurrierend: EG Ziel 1 (Rentabilität) steigt, EG Ziel 2 fällt (Liquidität)
Unverträglich: Ziel 1 (Vereinigung) widerspricht Ziel 2 (Unabhängigkeit)

d) Zielkonflikte, Zielkompromisse
Zielkonflikte entstehen als Konflikte zwischen
• Zwischen lang- und kurzfristigen Zielen (unterschiedliche Planungszeiträume)
• Als horizontale Konflikte (zwischen Ranggleichen, z.B. zwischen Finanzleiter und
Produktionsleiter – bereichsbezogen oder personenbezogen)
• Als vertikale Konflikte (Ziele der Teilbereiche stimmen nicht mit den Zielen des
Gesamtunternehmens überein, z.B. durch unzureichende Kommunikation)

Konflikte können in einer Abstimmung oder durch einen Kompromiss gelöst werden.
Die Unternehmensführung muss die Konflikte bereinigen, der Führungsstil ist dabei wichtig.
Autoritäre Führung: Vermeidung von Konflikten durch Regelungen (Befehlen &
Gehorchen), Bereinigung durch dirigistische Betriebsführung (Zwang, Druck)

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Kooperative Führung: Interessenskonflikte werden im Planungsstadium ausgetragen, die


Mitarbeiter werden miteinbezogen

e) Das Anspruchsgruppen-Konzept (Shareholder-Value)


Hinter dem Shareholder-Value-Konzept steht die Erwartung, dass unter marktwirt-
schaftlichen Wettbewerbsbedingungen Unternehmen eine nachhaltige Rentabilität des
Eigenkapitals erarbeiten, die deutlich über dem Zinssatz für langfristiges Fremdkapital liegt.
Messung durch:
Return on Equity (ROE): angemessen wenn > Zinssatz von Obligationen + Risikozuschlag
Diskontierter Free Cashflow: Cashflow nach Steuern - Investitionen in AV und UV
Added Value: operatives BE (vor Abzug von Zinsen nach AfA und Steuern) – Zinsbetrag
(betriebsnotwendiges Vermögen * langfristiger Zinssatz für Industrieobligationen)

Es soll mehr als nur steigender Marktanteil und Gewinn erreicht werden, sondern soll jedes
Konzerngeschäftsfeld einen positiven freien Cashflow bzw. einen genügend hohen Added
Value erreichen.

Das Stakeholder-Konzept (Synonym für soziale Verantwortung eines Unternehmens)


besagt, dass das Management bzw. das Unternehmen zur Erreichung von Zielen und zur
Durchsetzung von Strategien auf die Beiträge oder Ressourcen der verschiedenen
Stakeholder-Gruppen angewiesen ist.

Stakeholder: alle Personen, Gruppen, Institutionen, die Einfluss auf die Erreichung der
Unternehmensziele nehmen. Es gibt interne (Management, Mitarbeiter) und externe
(Lieferanten, Kunden, Aktionäre, Kammern,…) Stakeholder.

4. Die Planung
Unternehmensplanung: Gewinnung, Aufbereitung, Verarbeitung von Informationen zur
bestmöglichen Realisierung der Ziele; finden von Alternativen; gedankliche Vorwegnahme
von zukünftige Handlungen
Unterscheide Planung von Improvisation und Prognose (Planungshilfsmittel)!

a) Bedeutung der Planung für die Unternehmensführung


• Zwang zur klaren Zielformulierung
• Denken in Systemzusammenhängen (integrierte Gesamtplanung)
• Erhöhung der betrieblichen Flexibilität (schnelle Anpassungsmaßnahmen)
• Wahrscheinlichkeitsüberlegungen (Chancen und Risiken der Zukunft)

b) Grundsätze der Planung


• Vollständigkeit (Planungsbreite wichtiger als Planungstiefe)
• Eindeutigkeit (Verständlichkeit)
• Kontinuität (Planung als ständige Einrichtung)
• Elastizität (je nach Planungshorizont Planungsreserven in Form von Eventualplänen
und zeitlich überlappenden Plänen einbauen)
• Wirtschaftlichkeit (siehe 3.b))

c) Gliederung der betrieblichen Planung


• Planungszeitraum:

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

langfristige Planung > 1 Jahr (Planungshorizonte sind Lebensdauer und


Anpassungsfähigkeit des Leistungsprogramms)
Kurzfrist- und Mittelfristplanung wird betriebsunabhängig auf 1 Jahr festgelegt.
• Ausmaß der Operationalität:
strategische Planung (weiter Planungshorizont, grobe Zahlenwerte), operative Planung
(detaillierte Zahlenwerte), taktische Planung (Aufspaltung der Sollwerte auf die einzelnen
Bereiche)
• Geltungsbereich:
funktionale Organisation: Bereichspläne eingeteilt in Leistungserstellung (Produktion,
Beschaffung,…), Leistungsverwertung (Absatzgebiete, Kunden,…) und Finanzierung
(Zahlungsmittelbedarf)
divisionale Organisation: Bereichspläne eingeteilt in Pläne der Zentralabteilung und Pläne
der Divisionen (Sparten)
Die Bereichspläne werden weiter untergliedert, zentrale Merkmale sind Verantwortung
und Kompetenz.

d) Planungskoordination
Obwohl sich die Aufstellung der Bereichspläne nach den Zielvorstellungen des gesamten
Unternehmens richten muss, wird sie doch stark durch bestimmte Vorstellungen der
Verantwortlichen in den Teilbereichen beeinflusst. Deswegen gibt es Planungskoordination.
• Zeitliche Koordination: Engpässe beeinflussen die Koordination und bestimmen
kurzfristig die Gesamtplanung → „Ausgleichsgesetz der Planung“, „Dominanz des
Minimumsektors“ (Gutenberg)
• Vertikale Koordination: Verknüpfung der Bereichspläne nach oben und
untereinander → Gesamtplan (Minimumsektor unter Berücksichtigung von
Anpassungsmaßn. beachten)
• Horizontale Koordination: Koordination von Erfolgsplanung und Liquiditätsplanung
• Koordination von Planungsrechnung und Istrechnung: laufende Überwachung der
Realisationsphase um rasche Reaktionen zu ermöglichen

e) Planungsprozess
Die Grenze zwischen Planungsphasen ist oft fließend, auch sind die Planungsschritte nicht nur
in einer Richtung miteinander verbunden, sondern es besteht die Möglichkeit der
Rückkopplung.

• Zielplanung:
- Analyse des Istzustandes: extern (Absatzmarkt, Beschaffungsmarkt,
Investitionsgütermarkt Finanzmarkt, gesetzliche Bestimmungen) und intern
(Unternehmensführung, Einkauf, Produktion, Verkauf, F&E, finanzielle Situation)
- Analyse der realisierbaren Möglichkeiten: Erarbeitung von alternativen
realisierbaren Zielbündeln und deren Auswirkungen
- Entscheidung: Abwägen der Vor- und Nachteile, Berücksichtigen der
Realisierbarkeit der Ziele

• Maßnahmenplanung
ist die systematische Erarbeitung aller konkreten Aktionen, Programme, Projekte und
Tätigkeiten, die insbesondere in der unmittelbaren Zukunft in den einzelnen
Funktionsbereichen wie auch von der Führung selbst für die Sicherung des gesamten
Zielspektrums zu vollziehen sind. Sie schließt die Lücke zwischen Ziel und Prognose.
- Analyse des Istzustandes: Feststellung der Lücken

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- Analyse der realisierbaren Möglichkeiten: Erarbeitung von alternativen


realisierbaren Maßnahmen unter Rücksichtnahme auf mögliche Risiken
- Entscheidung: Auswahl einer bestimmten Maßnahme oder eines
Maßnahmenpaketes
Maßnahme: Beitrag zur Zielerreichung

f) Entscheidung unter Unsicherheit


Unsicherheitsgrad bzw. Wahrscheinlichkeitsgrad:
• Sichere Erwartungen: einwertig
• Risikoerwartungen: einwertig, Unsicherheit ist messbar
• Unsichere Erwartungen: mehrwertig
- subjektiv (subjektive Wahrscheinlichkeit, Glaubwürdigkeit)
1. (Fisher, Keynes) Alternativen werden subjektiv vom Entscheidenden
auf die Wahrscheinlichste reduziert
2. (Hart) Gesamterwartungswert (WK * Ergebnis)

- objektiv (kein Anhaltspunkt)


1. Minimax-Regel (Neumann, Morgenstern, Wald): „vorsichtiger Pessimist“,
Alternative mit dem höchsten minimalen Ergebnis
2. Minimax-Risiko-Regel (Savage, Niehans): „ängstlicher Geschäftsführer“,
Alternative mit der geringsten möglichen Enttäuschung
3. Pessimismus-Optimismus-Kriterium (Hurwicz): Minimal- und Maximalgewinn *
Pessimismus-Optimismus-Index (sich auf 1 ergänzende Konstante, z.B. Minimum
⅔, Maximum ⅓)
4. Kriterium des unzureichenden Grundes (Laplace): alle Alternativen gleiche WK →
Summe/Anzahl Alternativen
5. Koch’sche Regel (Koch): Alternative mit größtem Gewinn nach
Gewinnminderung durch Sekundärkomponenten, d.h. Sicherheitsmaßnahmen

g) Operative und strategische Unternehmensführung


• Operative UF: Sicherung von zeitlich dimensionierten Sach- und
Formalzielen; Liquidität und Erfolg sind Führungs- und Steuergrößen

• Strategische UF: Schaffung und Erhaltung von Erfolgspotentialen


(Gefüge von erfolgsrelevanten produkt- und marktspezifischen Voraussetzungen);
Ausgangspunkt ist ein unternehmerisches Konzept (business idea)
4 Grundelemente:
- Analyse der strategischen Ausgangsposition (SWOT)
- Bestimmung der zukünftigen Stellung der strategischen Geschäftseinheiten (SGE)
- Schaffung relativer Wettbewerbsvorteile
- Festlegung von Kriterien und Standards (Messung des Erfolgs)

Die strategische Führung formuliert die „Vision“ (Grundsätze der Unternehmenspolitik); die
Strategien auf jeder Ebene führen zu Direktiven für einzelne Funktionsbereiche; die
Unternehmensorganisation muss an die Strategie angepasst werden (structure follows
strategy); die Unternehmenskultur muss berücksichtigt werden, Aktionspläne werden
festgelegt
Trotz allem muss die Möglichkeiten des Rückzugs und geplanten Endes bedacht werden.

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Erfahrungskurve: mit jeder Verdopplung der kumulierten Mengen eines Produkts entsteht
ein Kostensenkungspotential von rund 20-30% (tritt nicht automatisch ein!)
Substitutionszeitkurve: Komponente für die Beurteilung von Marktwachstum und die
Verlängerung von Produktlebenszyklen; jede Innovation löst eine Substitution aus

h) Planung und Planungsrechnung


Die Planungsrechnung ist ein Instrument der Planung, sie hat 2 Funktionen:
• Zahlenmäßige Auswirkung der geplanten Maßnahmen aufzeigen
• Geplante Maßnahmen und die erwartenden Auswirkungen speichern

i) Planung und Steuerung des Unternehmensgeschehens (Controlling)


Aufgaben eines Controllers:
• Planning function: Aufstellung, Koordination, Realisation des
Unternehmengesamtplans
• Controlling function: ständige Überwachung der Unternehmensziele und –pläne
• Reporting function: Aufbau eines entsprechenden Berichtswesens
• Accounting and tax function: Ausbau des REW zu einem entscheidungs- und
funktionsorientiertem Instrument

Unterschied zum amerikanischen Konzept wird in internes und externes REW getrennt, wobei
der Controller nicht für das externe REW verantwortlich ist. Er steht als Vermittler zwischen
Geschäftsführung und den Fachbereichen (Informationsversorgung, -verwendung), er ist die
zentrale Planungsinstanz, überprüft Pläne und greift auch inhaltlich ein, wenn einzelne Pläne
im Widerspruch stehen.

Die Führung muss zielorientiert, planungsorientiert, adaptiv und flexibel sein um ein
erfolgreiches Controlling möglich zu machen. Anforderungen an eine zeitgemäße UF sind
Wertorientierung, Kunden-/Wettbewerbsorientierung, Prozesseffizienzorientierung.
Das Controlling ergänzt die Führung durch Führungsdienstleistungen(feed-back und feed-
forward information) und Führungsleistungen (Hilfestellung in der strategischen und
operativen Ebene)

j) Performance Measurement (Balance Scorecard)


Die Balance Scorecard wurde von Kaplan und Norton entwickelt und soll die gesamten
Planungs-, Steuerungs-, und Kontrollprozesse eines Unternehmens gestaltet werden.
Mit Hilfe des Performance-Managements kommen strategische Ziele in operative,
prozessorientierte Messgrößen transferiert und das Unternehmen im Hinblick auf kritische
Erfolgsfaktoren und Leistungsindikatoren ausgerichtet werden.

Der strategische Handlungsrahmen der BSC:


• Vision formulieren, Strategie entscheiden
• Ziele kommunizieren, Leistungsanreize vorgeben
• Planungsvorgaben bestimmen
• Strategisches Feedback und Lernen

Finanz-
perspektive

Kunden- Strategie Interne


perspektive Perspektive

Innovations-,
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Jede dieser Perspektivfelder wird in die Dimensionen Ziele, Kennzahlen, Vorgaben und
Maßnahmen unterteilt. Die BSC ist ein Bindeglied zwischen strategischem Controlling und
der operativen Umsetzung (Leistungserstellung).
Man soll sich auf die wichtigsten Kennzahlen konzentrieren, welche in einem Management-
Cockpit gut darzustellen sind.
Arthur Anderson hat die BSC zum sog. „wertorientierten Performance-Management“
weiterentwickelt, welche sich auf 3 Ebenen erstreckt: (1) Konzernebene (Portfoliosteuerung),
(2) Werttreiber-Management (Geschäftsfeldsteuerung), (3) Wertgenerierung
(Prozessgestaltung – unterstützt durch Benchmarking „vom Besten lernen“ oder Activity
Based Management „Kostenmanagement“)

k) Krisenmanagement
Krise: ungewollte, ungeplante funktionale und/oder strukturgefährdende Störung einer
Organisationseinheit

4 Arten von Krisen in prozessualer Hinsicht:


• Potentielle Krise: keine Bedrohung, potentielle Störfaktoren erkennbar
• Latente Krise: System gerät aus dem Gleichgewicht, leicht zu beheben
• Akute Krise: Krise bricht offen aus, beherrschbar oder nicht beherrschbar
• Nachkritische Phase: Krise ist bewältigt, neuer Gleichgewichtszustand
→ operatives Krisenmanagement (präventiv, aktiv oder reaktiv), Sanierungsmanagement

Krisen kündigen sich durch bestimme Symptome an, z.B. sinkender Umsatz, abnehmender
Marktanteil, hohe Personalfluktuation, zunehmende Lagerdauer,…

Krisen- und Insolvenzursachenforschung: Untersuchen von Krisenursachen, Handlungen


zur Krisenvermeidung bzw. Krisenbekämpfung, z.B.: Diversifikation, Desinvestition,
Marktaustritt (antizipative Krisenbewältigung); Pufferstrategien (Kernbereiche abschotten);
Verknüpfungsstrategien (Vernetzung peripherer Subsysteme)

Wird die akute Krise auf Grund der Einschätzung von externen Ressourcengebern als nicht
mehr beherrschbar eingeschätzt → freiwillige oder zwangsweise Liquidation (Konkurs)
Wird die akute Krise als beherrschbar eingeschätzt → Sanierung
Grundlage dafür sind die Sanierungsbedürftigkeitsprüfung (Unternehmen kann Krise nicht
bewältigen), die Sanierungsfähigkeitsprüfung (das Unternehmen hat genügend
Erfolgspotentiale zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit) und die
Sanierungswürdigkeitsprüfung (Beteiligten unterstützen die Sanierung)
Finanzwirtschaftliche Sanierung: Kapitalerhöhung, Gesellschafterdarlehen, Stundung von
Verbindlichkeiten, Aufnahme neuer Kredite,…
Leistungswirtschaftliche Sanierung: Strukturverbesserung, Neuinvestition, Verbesserung in
der Aufbau- und Ablauforganisation,…

5. Die Organisation
Organisation: Verwirklichung der zeitlich vorgelagerten Planung
Betriebsorganisation: Struktur des Betriebsaufbaus und der Arbeitsabläufe im Betrieb
Bestandteil des Produktionsfaktors Vermögen; dispositive Tätigkeit

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

Substitutionsprinzip der Organisation (Gutenberg): Zunahme der Gleichartigkeit,


Regelmäßigkeit und Wiederholbarkeit betrieblicher Prozesse → Zunahme an Regelungen

a) Aufbauorganisation
Klare Verteilung und Abgrenzung der betrieblichen Aufgaben; befasst sich mit Institutionen

• Vertikale Aufbauorganisation
Die organisatorische Struktur des Betriebs wird gebildet → Stellenplan
Aufgaben und Kompetenzen werden festgelegt → Stellenbeschreibung
Die jeweiligen Instanzen werden hierarchisch angeordnet
Instanzentiefe: Anzahl der Rangstufen
Leitungsspanne: Anzahl der Stellen, die einer Instanz unterstellt werden; wird beeinflusst
durch Stellung der Instanz, Qualifikation der unterstellten Mitarbeiter, Aufgaben der
Instanz und deren Schwierigkeitsgrad

Leitungssystem: der Instanzenzug (Befehlswege) wird festgelegt; dieser besteht aus der
Leitungsstelle (Führungsstelle), den Zwischenstellen und den Ausführungsstellen
Typische Leitungssysteme sind:

- Das Liniensystem: durchgehender Befehlsweg von oben nach unten


Vorteile: präzise Kompetenzregelung; Übersichtlichkeit
Nachteile: lange Befehlswege, Leitungsstellen sind fachlich überfordert

- Das Funktionsystem (Taylor): den Funktionsmeistern sind bestimmte Fachgebiete


zugeteilt, es gibt keinen Universalmeister
Vorteile: Spezialisierung, kurze Befehlswege
Nachteile: Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen den Bereichen

- Das Stablinien-System: durchgehender Befehlsweg, den Leitungsstellen und


Zwischenstellen werden Stabstellen zur Unterstützung beigegeben
Stabstellen können für eine, mehrere Instanzen oder auf verschiedenen Ebenen sein.
Vorteile: Entlastung der Entscheidungsinstanz, bessere Qualität der Entscheidungen,
Spezialisierung der Stabstellen

- Das kombinierte Linien- und Funktionssystem: Linien- und Funktionssystem


existieren nebeneinander
Vorteile: vielfältige Gestaltungsmöglichkeit der Befehlswege, Anpassungsfähigkeit

• Horizontale Aufbauorganisation
Gliederung der unmittelbar der Unternehmensführung unterstellten Bereiche
- Funktionaler Aufbau: Gliederung nach den wichtigsten Funktionen
Aufgrund fortschreitender Diversifikation und räumlicher Verzweigung,
Übergang auf →
- Divisionalorganisation: jeder Sparte werden gewisse Funktionen zugeordnet,
während bestimme Funktionen zentral geführt werden
und
- Matrixorganisation: funktionsorientierte Sparten und spartenorientierte
Strukturen werden überlagert
Vorteile: dezentrale Führung, in sich abgeschlossene Verantwortungsbereiche mit
eigener Erfolgsrechnung (Profit Center)

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

• Zentrale – Dezentrale Organisation


- Zentrale Organisation: geeignet für Bereiche, die ähnlich sind
Vorteile: Konzentration auf das Unternehmen, einheitliche Entscheidungen,
Kostenersparnisse
Nachteile: kaum Kontakt mit den einzelnen Bereichen wenn großes Unternehmen,
verstärkte Bürokratie, Beeinträchtigung der Verantwortungsfreudigkeit

- Dezentrale Organisation: Aufgaben, Entscheidungen, Verantwortungen


werden delegiert
Vorteile: Elastizität, Entlastung der oberen Stellen
Nachteile: uneinheitliche Willensbildung, Kompetenzkonflikte, Abteilungsegoismus

• Führungsstil
Dirigistisch/Autoritär: bei zentraler Organisation; 1 Entscheidungsträger (Person/Instanz);
extrem dirigistische Verhaltensweise bringt die Mitarbeiter oft in Opposition
Kooperativ: bei dezentraler Organisation; mehrere Entscheidungsträger; hierarchische
Ordnung ist aber unumgänglich
Ein Unternehmen hat nur Erfolg, wenn eine starke Unternehmensspitze mit allen
Verrichtungsträgern zusammenwirkt und im Einvernehmen handelt.

• Managementformen
Ziele der Managementprinzipien:
- Steigerung der Effizienz des Managements: Top-Management weniger
Routinearbeiten, mehr unternehmerische Aufgaben
- Steigerung der Effizienz der Mitarbeiter: mehr Selbstständigkeit
- Bessere Anpassungsfähigkeit des Unternehmens an Veränderungen des
Marktes

Managementformen:
- Management by delegation: Entscheidungen werden delegiert; mehr
Verantwortung an Mitarbeiter mit Fachwissen; Voraussetzung ist eine klare
Kompetenzabgrenzung

- Management by objectives: Subziele werden von oder mit den Mitarbeitern


erarbeitet; optimale Durchführung der Aufgaben; Anforderungen sind klare
Unternehmensziele, ständige Zielüberprüfung, Kontroll- und Berichtssystem, klare
Kompetenzabgrenzung, Verantwortungsübernahme seitens der Mitarbeiter

- Management by exception: bestimmte Aufgaben werden delegiert; Entlastung


der Unternehmensspitze, verstärkte Motivation des mittleren und unteren
Managements; Anforderungen sind klare Definition der Kompetenzen, Richtlinien,
Definition von „außergewöhnliche Abweichung“, wirksame Überwachung
Problem: nur negative Abweichungen werden der Unternehmensführung gemeldet

- Management by system: Festlegung von Grundsätzen bzw. Verwendung von


EDV
- Management by alternatives: verschiedene Lösungswege für ein Problem
- Management by innovation: stete Anpassung an die Erfordernisse des Marktes
- Management by motivation: uneingeschränkte Entfaltung der Mitarbeiter
- Management by participation: Fachkenntnisse optimal nutzen
- Management by results: Mindesthöhe von Gewinnen

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

- Management by teaching: Schulung und Weiterbildung der Mitarbeiter


- Management by direction and control: “Anweisen, Durchführen und
Kontrollieren”

Projektmanagement: unabhängig von der bestehenden Organisation ein Team aus mehreren
Ressorts zusammenstellen um die Lösung von Problemen zu erreichen

b) Ablauforganisation
Ordnung der Arbeitsabläufe in zeitlicher und räumlicher Hinsicht; befasst sich mit
Arbeitsabläufen (Organisation des Materialflusses, Steuerung von Fertigungsprozessen,
Organisation der Auslieferung von Produkten bis zu deren Fakturierung)
Die Ablauforganisation regelt folgende Probleme:
• Aneinanderreihen geeigneter Arbeitsschritte, bis eine Aufgabe gelöst ist
• Bestmögliche Unterstützung des Arbeitsablaufes mit Geräten und Hilfsmitteln
• Zuordnung bestimmter Aufgaben zu bestimmten Stellen (Personen)
• Herausfinden des günstigsten Verfahrens für bestimmte Aufgaben

Darstellungsmittel:
Ablaufpläne: Ablauf wird in einzelne Arbeitsschritte zerlegt
Datenflusspläne: zeichnen Herkunft und Verarbeitungsreihenfolge der Datenbestände auf
Programmablaufpläne (Blockdiagramme): stellen Ablauf eines EDV-Programms dar
Balkendiagramme: Liste über alle durchzuführenden Tätigkeiten eines Projekts
Netzpläne: zur Planung, Kontrolle und Steuerung einzelner Projekte

Zwischen Aufbau- und Ablauforganisation herrschen enge Interdependenzbeziehungen.


Ablauf- und Aufbauorganisation bestimmen auch die formalen Kommunikationssysteme.
Informale Kommunikationssysteme entstehen häufig auch und dienen der Entstehung und
Verbesserung der formalen Kommunikation. Sie sind oft unzuverlässig (Gerüchte, Konflikte).

6. Die Überwachung
Überwachung: Feststellung, ob die Ergebnisse der Realisationsphase mit der Planung
übereinstimmen (Soll-Ist-Vergleich)

• Kontrolle: laufender Soll-Ist-Vergleich → Abweichungsanalyse →


Korrekturmaßnahmen
Technische Kontrolle, Kaufmännische Kontrolle (Material, Qualität, Rechnung, …) oder
als Teil der Managementfunktionen (Überwachung der Ziele, Planung, Durchführung,…);
Kontrolle der Unternehmensplanung konzentriert sich auf die Beeinflussung der Zukunft;
Kontrolle bedarf unbedingt der Planung (Vorgaben)

Aufgaben der Kontrolle:


- Sicherungsfunktion: bei autoritärem Stil mehr Kontrolle notwendig als bei
kooperativem Stil
- Korrekturfunktion: Rechtzeitiges Erkennen von Soll-Ist-Abweichungen
- Planungsbeurteilungsfunktion: Abweichungen können auch in der Planung
vorkommen (unrealistische Planzahlen)

Einzelschritte der Kontrolle:


- Erhebung von Istdaten: auf Vergleichbarkeit mit Solldaten der Planung achten

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

- Vergleich zwischen Soll und Ist: Richtung und Ausmaß der


Gesamtabweichung
- Analyse der Abweichungen: Zerlegung nach Abweichungsursachen
→ Anpassungsentscheidungen

• Prüfung (Revision): Prüfung ist die Tätigkeit, Revision die Institution


- Interne Revision: Revisionsabteilung (Stabstelle) im Unternehmen
Financial Auditing: Buch- und Bilanzprüfung auf Ordnungsmäßigkeit und Gebarung
Operational Auditing: systematische Beurteilung aller betrieblichen Tätigkeiten zur
Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und Zielerreichung
Management Auditing: zukunftsorientierte, systematische Beurteilung der Tätigkeit
aller Führungsstufen

- Externe Revision: unternehmensfremde Institution (Wirtschaftsprüfer)

II. Die menschliche Arbeitsleistung im Betrieb


1. Das qualitative Niveau der ausführenden menschlichen Arbeitsleistung
Grundlage für das qualitative Niveau der Leistungsabgabe sind die Leistungsfähigkeit und
der Leistungswille, der durch die Schaffung entsprechender Arbeitsbedingungen gesteigert
werden kann. Außerdem gilt es, jene Bedürfnisse (Motive) der Mitarbeiter zu befriedigen,
deren Zusammentreffen die grundlegende Motivation für ihre Leistungsabgabe bilden.

Maslows Bedürfnispyramide und Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung:


Bedürfnisse (Beispiele) Möglichkeiten der Befriedigung
1. Grundbedürfnisse (Hunger, Wohnung) Entgelt, freiwillige Sozialleistungen
2. Sicherheitsbedürfnisse (Schutz vor Willkür) Sicherheit am Arbeitsplatz, Altersvorsorge
3. Sozialbedürfnisse Kommunikation, Information
4. Bedürfnis nach Anerkennung Übertragung von Kompetenzen, Status
5. Bedürfnis nach Selbstverwirklichung Mitbestimmung, Aufstiegsmöglichkeiten

Herzberg begründete 1959 seine Dualitätstheorie, nach der für die Arbeitszufriedenheit im
Unternehmen zwei Ereigniskategorien entscheidend sind:
• Motivatoren: Ereignisse, die hauptsächlich zur Zufriedenheit beitragen
(z.B.: Anerkennung, Aufgabe, Verantwortung, Beförderung)
• Hygienefaktoren: Ereignisse, die hauptsächlich zur Unzufriedenheit beitragen
(z.B.: Führungsstil, Arbeitsbedingungen, Privatleben, Sicherung des
Arbeitsplatzes)

2. Die Grundprinzipien des Personalwesens


Personalwirtschaft= Optimierung d. Relation zw. Personalaufwand + Leistungsbeitrag
Erwartungen der Mitarbeiter und Forderungen der menschlichen Gesellschaft an den
Arbeitseinsatz sind zu berücksichtigen, dies kann zu einer Spannung zw. Individuellen und
sozialen Erwartungen und ökonomischen Anforderungen führen  Entgegenwirken durch
Personalwesen = Personalmanagement, HR Management, Personalarbeit

Entwicklung des Personalwesens:


1950er: Scientific Management
1960er: Human-Relations-Konzeption; kooperativ-partnerschaftliche Personalarbeit
1980er: Human-Resource-Konzeption
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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

Ansätze:
1. Individualistische Ansätze: arbeitspsychologisch, lernorientiert
2. Mikrosoziale Ansätze: kommunikationsorientiert, führungsorientiert
3. Makrosoziale Ansätze: planungsorientiert, funktionalistisch

3. Teilgebiete des Personalwesens

a) Personalpolitik
die unternehmenspolitischen Entscheidungen sollen zu einem sinnvollen Einsatz der
menschlichen Arbeit führen und verfügbare Potentiale ausschöpfen;
Leitbild formulieren und daraus Richtlinien und Grundsätze für die einzelnen Teilbereiche
ableiten
Träger: oberste Leitungsgremien, Führungskräfte, Betriebsrat
Einfluss durch: Gewerkschaften, Unternehmensverbände, Kunden, Lieferanten, FKgeber,
Kapitaleigner, Mitarbeiter

b) Personalplanung
Mittelpunkt der Entscheidungsfindung: Personalbedarf, Personalbestand,
Personalbeschaffungsplanung, Aus- und Weiterbildungskonzept,
Personalzuweisungsplanung, Personalfreisetzungsplanung

c) Personalbeschaffung
kann intern oder extern, vom Unternehmen selbst oder durch Dritte erfolgen;
1. Bewerbersuche, 2. Bewerberauswahl, 3. Personaleinstellung, 4. Einarbeitung und
Einführung
Leistungsmerkmale von Führungskräften: Fachwissen (-kenntnisse), Arbeitseinteilung,
geistige Fähigkeiten, Belastbarkeit, Planungs- und Dispositionsfähigkeit,
Kooperationsbereitschaft, Führungsverhalten

d) Personaleinsatz
kurzfristig: optimale Zuordnung der verfügbaren Mitarbeiter
langfristig: für Leistungserstellungsprozess qualifizieren, betrieblichen
Arbeitsbedingungen an den Mitarbeiter ausrichten  Arbeitswissenschaft

e) Personalführung
Anleitung zur Erreichung der Unternehmensziele;
Führungsorganisation schafft Rahmenbedingungen Aufbauorganisation
Führungsverhalten der Vorgesetzten ist entscheidend für die Qualität der Personalführung
Führungsstil: situationsabhängig kooperativ oder autoritär

f) Die Formen der Personalentlohnung (Lohnformen) Abb. 26, S. 141


• Der Zeitlohn
Bemessungsgrundlage: aufgewendete Zeit des Arbeitnehmers; kein Leistungsanreiz;
bei qualitativen Arbeiten, Arbeiten, die nicht oder nur schwer zeitlich messbar sind, bei
gefährlichen Arbeiten und in Dienstleistungsbetrieben

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

• Der Leistungslohn
- Akkordlohn
unmittelbarer Zusammenhang zwischen Leistung und Entlohnung; Voraussetzung:
Möglichkeit der Leistungsmessung und Leistungsvorgabe; Einzel- oder Gruppenakkord

Zeitakkordlohn: in Zeit pro Leistungseinheit; in der industriellen Fertigung angewendet


Verdienst = Leistungsmenge x Vorgabezeit/Leistungseinheit x Geldfaktor
Geldakkordlohn:
Verdienst = verarbeitete Menge x Geldsatz/Mengeneinheit (Stücklohn)
Degressivakkord: Stücklohn für zusätzlich erzeugte Einheiten nimmt ab einer
bestimmten Mengenleistung relativ ab (Vermeidung übermäßigen
körperlichen Einsatzes, Schädigung der Gesundheit)
Progressivakkord: für jede zusätzliche Mengeneinheit wird höherer Stücklohn bezahlt
als für die vorhergehende (Gefahr übermäßiger Anstrengung)
Der Geldfaktor wird meist in Kollektivverträgen festgelegt, die Zeitvorgaben ergeben sich
aus Arbeits- und Zeitstudien.

Zeitlohnverfahren: gute Leistungsgrade für den Betrieb wirken sich kostenmäßig


vorteilhafter aus, schlechte Leistungsgrade führen zu einer größeren Kostenbelastung
(siehe Abb. 27/28, S. 145/146)

- Prämienlohn: Grundlohn, der dem Tariflohn entspricht, aber auch über diesem liegen
kann + Prämie, für feststellbare und über der Norm liegende Leistungen der
Arbeitnehmer

- Umsatzbeteiligung: festen Bezügen + Prämie (bestimmter Prozentsatz des erreichten


Umsatzes), Höhe der Umsatzbeteiligung richtet sich vielfach nach dem erzielten
Deckungsbeitrag

• Die Ergebnisbeteiligung (Abb. 29, S. 148)


Umsatz-, Wertschöpfungs- oder Gewinnbeteiligungen
Höhe der Gewinnbeteiligung meist in fester Relation zu den Nominallöhnen, oft auch von der
Dauer der Betriebszugehörigkeit und anderen Bestimmungsgründen abhängig
Sinnvoll ist Gewinnbeteiligung nur für Personen im Top-Management, die unmittelbar auf die
Höhe des Gewinns Einfluss nehmen können, oder bei relativ kleinen, für jedes Mitglied
überschaubaren Betrieben

• Die unternehmenswertorientierte Entlohnung


Mitarbeiterbeteiligungsmodell, die eine Motivationssteigerung und stärkere Bindung an das
Unternehmen bewirkten soll
Belegschaftsaktien: begünstigter bzw. unentgeltlicher Aktienerwerb
Virtuelle Aktien (Phantom Stocks): zeitlich befristete Kapitaleinlage der Arbeitnehmer
Aktienoptionen (Stock Options): unentgeltliches Recht zu einem späteren Zeitpunkt Aktien zu
einem festgelegten günstigen Preis (Ausübungspreis) zu erwerben

• Freiwillige Sozialleistungen
Leistungen in barem Geld oder fringe benefits (Kantine, Sportanlagen, Zuschuss zu
Fahrtspesen zum/vom Arbeitsplatz...)

• Die Messung der menschlichen Arbeitsleistung

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

summarische Methode: Messung und Bewertung der Arbeitsverrichtungen ohne


Aufgliederung in ihre Einzelelemente
analytische Methode: gesamte Arbeitsverrichtung wird in ihre Teilverrichtungen gegliedert
Nicht immer individuelle Leistungsbewertung, in vielen Fällen nur Kollektivverträge

g) Die Personalentwicklung
betriebliche Maßnahmen zur beruflichen und persönlichen Förderung der Mitarbeiter
antizipierende, synchrone oder nachholende Qualifizierung
Handlungsgröße: informatorische (Personalbeurteilung, Organisationspläne,
Arbeitsmarktinformationen, …), bildungsbezogene (Aus-, Fort-, Weiterbildung, Umschulung)
und stellenbezogene (Verwendungsplanung, Aufstiegsplanung, …) Elemente

h) Personalverwaltung
Personalstandsführung, Lohn- und Gehaltsabrechnung, Gehaltszahlungen, …

i) Personal-Controlling
laufende Überprüfung der Effektivität und Effizienz personalwirtschaftlichen Handelns, im
Falle von Abweichungen steuernde (korrigierende) Eingriffe
1. Bestimmung von quantitativen u. qualitativen Zielbeiträgen
2. Zurechnung von Mitteleinsätzen (Kosten, Aufwendungen) auf Zielbeiträge
3. korrigierende Eingriffe bei Zielabweichungen
4. Koordination des unternehmerischen Handelns
5. Koordination personalwirtschaftlicher Aktivitäten mit den übrigen Aufgabenbereichen

Methoden:
Outputorientierte: Wirkungsanalyse
Inputorientierte: Überprüfung Kosten/Zahlungsbudget, Humanvermögensrechnung
Input/Outputorientierte: Prüfung Wirtschaftlichkeit, Kennzahlen, Mitarbeitergespräche

4. Zukunftsperspektiven des Personalwesens


Weitere Entwicklung des Personalwesens:
1. Unternehmerische Ausrichtung des Personalwesens (strat. Personalmng, Rotation)
2. Bedeutung personalwirtschaftlicher Dimensionen
3. Internationalisierung/Globalisierung Personalarbeit, Entwicklung Weltmärkte
4. Dezentralisierung, Übertragung der Führung an Linienvorgesetzte
5. Ausgliederung von Teilfunktionen
6. Professionalisierung der Aufgabenträger
Weitere relevante Disziplinen: Arbeitswissenschaften, Arbeitsmedizin, Ergonomie, Arbeits-
und Sozialrecht, Arbeits- und Organisationspsychologie, Betriebssoziologie, Arbeits- und
Betriebspädagogik, Wirtschafts- und Unternehmensethik

III. Das Vermögen (Die Nutzung des Vermögens)


1. Das sachliche Anlagevermögen und sein Einsatz

a) Der Einsatz des sachlichen Anlagevermögens


Sachanlagevermögen: Grundstücke, Gebäude, Maschinen, maschinelle Anlagen,
Werkzeuge, sonstige Erzeugungshilfsmittel, Betriebs- und Geschäftsausstattung Kennzeichen:

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

nicht in einem Produktionsvorgang verbraucht, steht für mehrere Produktionsvorgänge zur


Verfügung
Gesamtheit der Sachanlagen ergibt technische Leistungskraft

• Nutzung und Wertminderung


abnutzbares Anlagevermögen: ordentliche und außerordentliche Wertminderung
nicht abnutzbares Anlagevermögen: nur außerordentliche Wertminderung

ordentliche Wertminderung:
- verbrauchsbedingte (technische) Abnutzung (Beanspruchungsdauer,
Beanspruchungsintensität, Art der Bedienung, Anlagenpflege)
- natürlicher Verschleiß (durch äußere Einflüsse; z.B.: Klima, Standort, Anfälligkeit)
- Substanzverringerung (nur bei Gewinnungsbetrieben)
- wirtschaftlich bedingte (wenn bei Inbetriebnahme der Anlage zeitlich vorgesehen)
- zeitlich bedingte (Ablauf vertraglich oder gesetzlich festgelegter Nutzungszeit -
Ablauf des Pachtverhältnisses oder Konzession)

außerordentliche Wertminderung:
- wirtschaftlich bedingte Wertminderung (infolge des technischen Fortschritts)
- Nachfrageverschiebungen (durch geändertes Informationsprogramm alte Anlagen
nicht mehr voll genutzt)
- Fehlinvestitionen (und daher Überkapazitäten)
- Sinken der Wiederbeschaffungskosten

• Berücksichtigung der Wertminderung im Rechnungswesen


in Form der planmäßigen oder außerplanmäßigen Abschreibung
buchmäßige Abschreibung führt zur Gewinnminderung/Verlusterhöhung
Kalkulation: Abschreibungen gelten als Werteinsatz zur Leistungserstellung; erhöhen den
Wert der erstellten Leistungen;
zeitliche – Lebensdauer (nach technischen Merkmalen) und Nutzungsdauer (wirtschaftliche
Überlegungen) – oder leistungsbezogene (Inanspruchnahme des Gutes) Merkmale
Die Nutzungsdauer kann die Lebensdauer oft beträchtlich unterschreiten und wird bei
Bilanzierung und Kostenrechnung angewandt. Sie wird für artähnliche Güter in pauschaler
Form festgelegt (z.B.: fünf Jahre für Büromaschinen).

• Formen der Abschreibung (Abb. 30, S. 161)


Die folgenden Abschreibungsformen werden unterschieden:
- lineare (konstante) Abschreibung (Annahme: Konstante Wertminderung bei
konstanter Beschäftigung)
- degressive Abschreibung (Abschreibungen sinken mit zunehmender Nutzungsdauer,
da die Leistungsfähigkeit vieler Wirtschaftsgüter in den ersten Jahren am höchsten ist;
Berücksichtigung der Gefahr der technischen oder wirtschaftlichen Überholung)
steuerrechtlich nicht mehr zugelassen; nur mehr für innerbetriebliche Überlegungen
und für die Ermittlung der Abschreibung nach handelsrechtlichen Vorschriften
- arithmetisch degressive Abschreibung (gleichmäßig fallende Abschreibungssätze auf
den Anschaffungswert)
- digitale Abschreibung (Abschreibungsquote des Vorjahres entspricht der Abnahme
der jährlichen Abschreibungsquoten)
- geometrisch degressive Abschreibung (gleichbleibende Abschreibungssatz wird auf
den jeweiligen Restbuchwert angewendet)
- progressive Abschreibung (keine praktische Bedeutung)

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

- Abschreibung nach der Beanspruchung/Leistung (mögliche Leistungsabgabe wird


geschätzt; Abschreibungsbetrag je Leistungseinheit ermittelt; kalkulatorisch werden
die Abschreibungen dadurch zu proportionalen Kosten)

• Funktionen der Abschreibungen


- Bewertungsfunktion (statische Interpretation): Die Abschreibung bringt die
Wertminderung zum Ausdruck, die ein Wirtschaftsgut im Betrieb erleidet.
- Aufwandsverteilungsfunktion (dynamische Interpretation): Die Abschreibung dient
der periodengerechten Erfolgsermittlung.
Finanzierungsfunktion: Die Abschreibungsquoten werden kalkulatorisch in die Kosten
und damit in die Preise der Betriebsleistung eingerechnet, sind also in den
Verkaufserlösen und damit in den Erträgen enthalten. Den in den Erlösen enthaltenen
Abschreibungsquoten steht der Aufwandsposten Abschreibung gegenüber. Die
Abschreibungswerte erscheinen daher nicht als Gewinn und werden so weder
besteuert noch ausgeschüttet. Es kommt somit zu einer allmählichen Umschichtung
von Anlagevermögen zu Umlaufvermögen (Kapitalfreisetzungseffekt der
Abschreibungen).

b) Die Nutzung des sachlichen Anlagevermögens


Kosten der hervorgebrachten Leistungen hängen weitgehend vom Grad der Nutzung des
sachlichen Anlagevermögens ab; je mehr Leistungen hervorgebracht werden, desto niedriger
ist die Fixkostenbelastung der einzelnen Leistung

c) Die Kapazität und das wirtschaftliche Optimum


Kapazität wird allgemein ein Leistungsvermögen verstanden. Das wirtschaftliche Optimum
bewegt sich in den durch die Kapazität gezogenen Grenzen und ist in gewisser Weise durch
das Wirtschaftlichkeitsprinzip bestimmt. Es liegt in vielen Fällen unter der technischen
Kapazität.

2. Das immaterielle Anlagevermögen und sein Einsatz

a) Umfang
Konzessionen, Patente, Lizenzen, Marken und sonstige Rechte (Gebrauchsmuster,
Urheberrechte, Mietrechte, Strombezugsrechte...) sowie der Geschäfts- oder Firmenwert.

b) Einsatz
Der Nutzen von Patenten und Lizenzen ist zeitlich befristet und nicht verlängerbar. Beide
werden daher aktiviert und über ihren Geltungszeitraum abgeschrieben. Werden
Lizenzgebühren laufend entrichtet, treten diese Zahlungen an die Stelle der Abschreibungen.
Bei allen anderen immateriellen Wirtschaftsgütern entfällt eine Abschreibung.

c) Firmenwert und Organisationsstruktur


Firmenwert = Gesamtwert Unternehmen (Ertragswert) – Substanzwert (Nettosubstanzwert),
spiegelt die Stellung des Unternehmens in dessen Umfeld wider; gehört zum Vermögen, da
durch ihn der Bestand des Unternehmens besser abgesichert ist als der eines gleichartigen
Unternehmens; Organisationsstruktur ersetzt den ständigen Einsatz des Menschen mit seinen
dispositiven Fähigkeiten. Infolge der dadurch ersparten Kosten trägt die Organisation zur
Steigerung des Ertrags und damit zum Bestand des Unternehmens bei.

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

3. Das finanzielle Anlagevermögen und sein Einsatz

a) Umfang
Beteiligungen und Wertpapiere, soweit sie nicht in Beteiligungsabsicht erworben wurden,
aber dennoch über längere Zeit im Unternehmen verbleiben sollen.

b) Einsatz
Nicht-abnutzbares Anlagevermögen  keine Abschreibung; sinkt der Wert (z.B. durch
Kursverluste)  außerordentliche Abschreibung vorzunehmen.

4. Das Umlaufvermögen und sein Einsatz


Voraussetzung für die Ingangsetzung des Betriebes im Sinne der von ihm zu erbringenden
Betriebs- und Marktleistungen.
Sachumlaufvermögen: Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, halbfertige Erzeugnisse,
Fertigerzeugnisse, Waren und noch nicht abgerechnete Leistungen
Finanzumlaufvermögen: Umlaufwertpapiere, Forderungen, Wechsel, Schecks,
Kassenbestände, Bankguthaben und ähnliche Positionen
Der vorhandene Bestand des Umlaufvermögens ändert laufend seine Zusammensetzung und
beeinflusst wesentlich Liquidität und Rentabilität.
Eiserner Bestand: Sicherung des reibungslosen Betriebsablaufes

a) Die Messung des Einsatzes des Sachumlaufvermögens


Betriebsstoff: Treib- und Brennstoffe, Elektrizität, Kohle, Holz, Wasser, …
Rohstoff: Material, das den wesentlichen Bestandteil der erzeugten Produkte bildet
Hilfsstoff: Material zur Verbindung und Sicherung der Produkte; in Fertigungsbetrieben sind
Werkstoffe ein bedeutsamer Faktor, zunächst als Kostenelement interessiert, letztlich jedoch
den umfassenden Bereich der Materialwirtschaft betrifft

Indirekter Verbrauchsermittlung Direkte Verbrauchsermittlung (vorzuziehen)


Anfangsbestand Anfangsbestand
+ Zukäufe + Zukäufe
- Endbestand - direkt erfaßter Verbrauch
= Verbrauch = Sollendbestand
(inkl. Schwund + andere Verluste) - Istendbestand laut Inventur
= Fehlmengen oder Überschuß

Für die Ermittlung des wertmäßigen Einsatzes gibt es die folgenden Verfahren:
- Identitätspreisverfahren: Bewertung zu den tatsächlichen Anschaffungskosten (wenn
feststellbar)
- gewogenes Durchschnittspreisverfahren: Bildung eines Durchschnittspreises für den
Gesamtzugang am Ende einer Periode und Bewertung der Entnahmen zu diesem
Durchschnittspreis
- gleitendes Durchschnittspreisverfahren: Bei jedem Einkauf wird ein neuer
Durchschnittspreis für den gesamten Lagerbestand ermittelt. Die Abgänge bis zum
nächsten Einkauf werden mit diesem Durchschnittspreis bewertet.
- FIFO-Verfahren (first in - first out): Der Materialverbrauch wird so ermittelt, als ob
die zuerst erworbenen Werkstoffe auch zuerst verbraucht würden.
- LIFO-Verfahren (last in - first out): Der Materialverbrauch wird so ermittelt, als ob die
zuletzt erworbenen Werkstoffe zuerst verbraucht würden.

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

- HIFO-Verfahren (highest in - first out): Der Materialverbrauch wird so ermittelt, als


ob die mit den höchsten Anschaffungskosten erworbenen Werkstoffe zuerst
verbraucht würden.

b) Lagerwirtschaft (Materialwirtschaft)
Fragen der Bestellmenge und des optimalen Bestellzeitpunktes.

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

B. Die konstitutiven Rahmenentscheidungen des


Unternehmens
I. Die Wahl der Rechtsform des Unternehmens
1. Mögliche Rechtsformen

a) Das Handelsrechts-Änderungsgesetz 2005


Hauptziel der Reform des Handelsgesetzbuches: einheitlicher Unternehmensbegriff

Mit Wirkung vom 1.Jänner 2007 wird das „Handelsgesetzbuch (HGB)“ in


„Unternehmens-gesetzbuch (UGB) umbenannt.
 an Unternehmer (= Personen und –vereinigungen, die ein Unternehmen betreiben)
 Definition des „Unternehmens“ gem. § 1UGB:
Jede auf Dauer angelegte Organisation selbständiger wirtschaftlicher Tätigkeit, mag sie
auch nicht auf Gewinn ausgerichtet sein.
 Unternehmer gem. § 2 UGB sind:
– kraft Rechtsform: AG, GMBH, Genossenschaften, Versicherungsvereine auf
Gegenseitigkeit (VAG), Sparkassen, Europ. wirtschaftl. Interessenverseinigungen
(EWIV) sowie Europäische Gesellschaften (SE) und Genossenschaften (SCE).
– ausgenommen sind generell die freien Berufe sowie Land- und Forstwirte;
(außer sie unterstellen sich freiwillig der Eintragung ins Firmenbuch)

Mit dem UGB entfällt nun die Unterscheidung zwischen Minder-, Voll- und Sollkaufleuten.
Es gibt nur noch eingetragene und nicht eingetragene Unternehmen.

Eintragungspflichtig sind:
1. natürliche Personen und Personengesellschaften (OG, KG)
- wenn Pflicht zur Rechnungslegung gem. § 189 UGB ( 2 x Umsatz > € 400.000,--)
- eine freiwillige Eintragung auch unterhalb des Schwellenwertes möglich
2. Unternehmer kraft Rechtsform
- sind immer eintragungspflichtig (unabhängig vom Umsatz!)

b) Rechtsformen (nach der Reform des Unternehmensrechtes – AB 1.1.2007)

RECHTSFORMEN (ab 1. 1. 2007)

Kapitalgesellschaften Sonstige Körperschaften


Einzelunternehmen
des Privatrechts
- GmbH - Genossenschaften
- AG und SE - SCE
- Vereine, (Privat-) Stiftungen
- VAG, Sparkassen

Personengesellschaften Rechtsformen nach


öffentlichem Recht

- OG und KG - Körperschaften
- GesbR (Bund, Länder, Gemeinden)
- Stille Gesellschaft - Anstalten (zB. ORF) Seite 25 von 144
- EWIV - öffentlich-rechtliche Stiftungen und Fonds
Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

• Einzelunternehmen
Eigentümer Alleineigentum einer natürlichen Person
EK kein Mindestkapital, Kapitalaufbringung nur durch Eigentümer
Haftung unbeschränkt mit Privat-/ Gesamtvermögen
Führung generell alleine (Möglichkeit: Prokuristen bestellen)
Gewinn alleiniger Gewinnanspruch
Gewerberecht Gewerbeberechtigung
Steuer Einkommmensteuer
Form Firmenbucheintragung nur bei Vollkaufmann
Vorteile Handlungsfreiheit und Unabhängigkeit
Nachteile EK von Einzelunternehmer abhängig,
unbeschränkte Haftung und nur beschränkte Fremdfinanzierung
Bestandsgefährdung bei Krankheit oder Tod

• Personengesellschaften
Offene Gesellschaft OG Kommanditgesellschaft KG
Definition Ist eine unter einem gemeinsamen Namen Ist eine unter einer gemeinsamen Firma
(Firma) geführte Gesellschaft, deren geführte Gesellschaft, bei der die Haftung
Gesellschafter gegenüber den Gläubigern gegenüber den Gesellschaftsgläubigern bei
der Gesellschaft mit ihrem gesamten einem Teil der Gesellschafter
Vermögen haften. Sie kann jeden - auf einen bestimmten Betrag (Haftsumme)
erlaubten Zweck einschließlich beschränkt ist (Kommanditisten),
freiberuflicher und land- und - beim anderen Teil dagegen unbeschränkt
forstwirtschaftlicher Tätigkeit haben. ist (Komplementäre).
Eigentümer mindestens 2 Gesellschafter mind. ein Kommanditist
+ ein Komplementär
unter gemeinsamer Firma
Haftung unbeschränkt Kommanditist: beschränkt
solidarisch Komplementär: unbeschränkt
Mitarbeit alle Gesellschafter verpflichtet / NUR Komplementär
berechtigt (eingeschränkte Kontrollrechte)
Vorteile Kontrollmöglichkeit Komplementär: Verbreiterung der EK-Basis
Arbeitsteilung ohne die Führung mit anderen teilen zu
mehr Finanzierungsmöglichkeiten müssen;
Kommanditisten: keine Pflicht zur
Mitarbeit, und Haftungsbeschränkung
Nachteile enge Bindung Komplementär: enge Bindung a.d.
Konkurrenzverbot Gesellschaft (unbeschränkte Haftung)
Haftung Kommanditist: beschränkte
Kontrollmöglichkeit

Gesellschaft bürgerlichen Rechts


Eigentümer Vereinigung von mind. 2 Personen, gemeinsamer Zweck
Haftung unbeschränkt, solidarisch
Sonstiges Als Basis existiert ein Gesellschaftsvertrag nach ABGB

Stille Gesellschaft
Definition Ist eine Gesellschaft, bei der sich eine Person an einem Unternehmen, das ein anderer
betreibt, mit einer Vermögenseinlage beteiligt, ohne nach außen hin in Erscheinung zu
treten.
Charakter Beteiligung an Gewinn und ggf. stillen Reserven + Firmenwert

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

Verlustbeteiligung ist vertraglich ausschließbar;


Ansprüche Abschrift der Bilanz, Bucheinsicht, Jahresabschlusskontrolle

Europäische Wirtschaftliche Interessensvereinigung (EWIV)


Soll die wirtschaftliche Tätigkeit der Mitglieder aus verschiedenen Mitgliedsstaaten der EU erleichtern oder
entwickeln; Die Tätigkeit der Vereinigung muss im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Tätigkeit der
Mitglieder stehen.

• Kapitalgesellschaften
AG GmbH
Definition Die Aktiengesellschaft ist eine Eine oder mehrere Personen können zu
Gesellschaft mit eigener jedem zulässigen Zweck eine GmbH
Rechtspersönlichkeit, deren Gesellschafter errichten.
mit Einlage auf dem in Aktien zerlegte Die GmbH ist eine Gesellschaft mit eigener
Grundkapital beteiligt sind, ohne Rechtspersönlichkeit, deren Gesellschafter
persönlich für die Verbindlichkeiten zu mit Stammeinlagen am Stammkapital
haften. beteiligt sind, ohne persönlich für die
Verbindlichkeiten der Gesellschaft zu
haften.
Charakter eigene Rechtspersönlichkeit (juristische eigene Rechtspersönlichkeit (juristische
Person) Person)
Mitarbeit Kein Recht i. d. Praxis häufig enge Bindung der
Gesellschafter an GmbH
Beteiligung Gesellschafter mit Einlage (Aktien) am Stammkapital durch Stammeinlagen
Grundkapital aufgebracht, evt. Nachschusspflicht (50%-
100% der Stammeinlage)
Haftung keine persönliche Haftung keine persönliche Haftung
Haftung mit Grundkapital Haftung mit Stammkapital
Kapital Mindestkapital € 70.000,--, Mindestkapital € 35.000,--,
Hälfte in Bar Hälfte in Bar
Steuer KÖSt: 25% KÖSt: 25%
KESt: 25% der Dividende KESt: 25% Gewinnausschüttung
Vorteile Aufbringung hoher EK-Summen durch Beschränkung der Haftung
viele kleine Beträge Kleine GmbH nicht prüfungspflichtig (nur
Haftung auf Einlage begrenzt Bilanz ins FB)
Aktie jederzeit übertragbar (Ausnahme:
Namensaktien)

Sonderform: Europäische Gesellschaft (SE: Societas Europaea)


existiert seit 2004 und ermöglicht grenzüberschreitenden Fusionen und die Gründung von Holdings und
Tochtergesellschaften;

• Sonstige Körperschaften des Privatrechts


Genossenschaften
- Verein mit offener, wechselnder Anzahl von Mitgliedern
- Ziel: Förderung des Erwerbes oder der Wirtschaft ihrer Mitglieder, die dazu einen gemeinsamen
Geschäftsbetrieb bedienen;

Sonderform: Europäische Genossenschaft (SCE Societas Cooperativa Europaea)


ermöglicht länderübergreifende Wahrnehmung von gemeinsamen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und
kulturellen Interessen mittels im Gemeineigentum stehenden Unternehmen innerhalb des europäischen
Binnenmarktes;

Verein
Ein freiwilliger, auf Dauer angelegter Zusammenschluss mindestens zweier Personen zur Verfolgung eines
bestimmten ideelen Zwecks → Er darf daher nicht auf Gewinn ausgerichtet sein

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

(Privat-) Stiftung
Verfolgung eines bestimmten Zwecks mithilfe eines rechtlich verselbständigten, eigentümerlosen Vermögens;
Die Verwendung des Vermögens richtet sich dabei nach einem einmal erklärten Willen des Stifters, der damit
auch gleichzeitig den Zugriff auf das Vermögen verliert.

• Rechtsform nach öffentlichem Recht


Körperschaften
Zu ihnen zählen die Gebietskörperschaften, wie Bund, Länder und Gemeinden, aber auch Körperschaften ohne
Gebietshoheit (Kammern, gesetzl. Interessensvertretungen).
Sie betätigen sich unternehmerisch, ohne eigene Rechtspersönlichkeit als so genannte Regiebetriebe. Ist ein
solcher Regiebetrieb als gewerbliches Unternehmen eingerichtet und überschreitet er einen Umsatz von €
400.000, ist die Eintragung ins Firmenbuch erforderlich.

Alle wirtschaftlich selbstständigen Einrichtungen von öffentlichen Körperschaften, die einer nachhaltigen
privatwirtschaftlichen Tätigkeit dienen, sind steuerrechtlich als Betriebe gewerblicher Art von
Körperschaften öffentlichen Rechts anzusehen.

Anstalten
sind zur juristischen Person erhobene Einrichtungen, mit einem Bestand an sachlichen und persönlichen
Mitteln, die dauernd einem bestimmten öffentlichen Zweck gewidmet sind.
zB: Sozialversicherungsanstalt, ORF, Universitäten (seit 2004)

Öffentlich-rechtliche Stiftungen und Fonds


Stiftungen sind durch Gesetz eingerichtete Vermögen mit Zweckbindung,
die durch die Pflicht zur Vermögenserhaltung und –vermehrung gekennzeichnet sind.
Fonds unterscheiden sich von Stiftungen, dass das Vermögen für Zwecke des Verbrauchs gewidmet ist.

2. Allgemeines zur Frage der Bestimmungsgründe für die Wahl der


Rechtsform
Neben subjektiven persönlichen Präferenzen gelten als entscheidende Bestimmungsgründe:
– rational erklärbare persönliche Interessen,
– einschlägige Rechtsvorschriften und
– betriebswirtschaftliche Erfordernisse.

Ausnahmen: Hypothekenbanken immer: AG


Versicherungen immer: VAG oder AG
Bausparkassen immer: AG oder GmbH, etc.

3. Wichtige Bestimmungsgründe

a) Unternehmensrechtl. Geschäftsführungs- und Vertretungsrechte


Vertretungsrecht: das Recht, das Unternehmen nach außen zu vertreten
Geschäftsführungsrecht: die Anweisungsbefugnis nach innen
Echter Stiller Gesellschafter: nur am Gewinn beteiligt
Unechter Stiller Gesellschafter: auch am Vermögen, stillen Reserven, Verlust beteiligt

b) Haftungsverhältnisse
Durch die Wahl der geeigneten Rechtsform kann die Haftung dementsprechend
eingeschränkt werden.
Sind Gesellschafter beispielsweise gleichzeitig Geschäftsführer, sehen sie weniger Risiko
in ihrer Haftung, da sie die internen und äußeren Geschäftsverhältnisse überblicken,…

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

c) Gewinnansprüche
Gewinnverteilungen in den meisten Fällen nicht nach den gesetzlichen Bestimmungen,
sondern nach vertraglichen Regelungen → kaum von Bedeutung für die Wahl

d) Publizitätsvorschriften (Veröffentlichung der Rechnungsabschlüsse)


Meist wird in der Bilanzveröffentlichung kein Werbeinstrument, sondern eine Gefährdung
der Wettbewerbsfähigkeit gesehen, weshalb viele Unternehmensgründer Rechtsformen
vermeiden wollen, welche sie zu einer Veröffentlichung der Jahresabschlüsse zwingt.
Eine solche Verpflichtung besteht allerdings für AGs und für große GmbHs.

e) Finanzierungserfordernisse und Finanzierungsmöglichkeiten


Je nach Kapitalerfordernis und vorhandenen Mitteln, aber auch für spätere
Kapitalaufbringung kann die Rechtsform wichtig sein:

Tendenzen zur entsprechenden Unternehmensform:


– nur geringe Eigenmittel vorhanden
– ausreichend Eigenmittel vorhanden
– aber hohes Kapitalerfordernis
– Unabhängigkeit der Gesch.führung gewünscht
– das diesem Ausmaß nur über den
– nicht risikoscheu
Kapitalmarkt erlangbar ist
 Einzelunternehmen
 Kapitalgesellschaft
 Personengesellschaft

Es wird bevorzugt auch die Bonität, die Ertragskraft, Liquidität und Persönlichkeit des
Unternehmens/Unternehmers von Kapitalgebern betrachtet.

f) Rechtsformabhängige Belastungen
einmalige Belastungen laufende Belastungen
- bestimmte Eintragungsgebühren, - Pflichtprüfungen bei Aktiengesellschaften
- Vertragsgebühren - Publikationsverpflichtungen
- Leistungen an Aufsichtsräte (Sitzungsgelder)

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

BESTIMMUNGSGRÜNDE Einzelunternehmen OG KG
Unternehmensrechtl. Geschäfts- Geschäftsführer; jeder Gesellschafter;
nur Komplementäre;
führungs- und Vertretungsrechte (kann aber Prokuristen/ außer er ist von der Vertretung vertraglich
Kommanditisten davon ausgeschlossen
Zur Vertretung berechtigt sind: Handelsbevollm.bestellen) ausgeschlossen

Kommanditist
direkt und solidarisch direkt und solidarisch nur mit seiner Haftsumme
Haftungsverhältnisse
mit Gesamtvermögen mit Gesamtvermögen Komplementäre
direkt und solidarisch mit Gesamtvermögen

1. Anspruch auf "angemessenen"


1. Zurechnung eines der Haftung
(der Leistung entsprechenden)
angemessenen Betrages;
keine rechtl. Bestimmungen Betrag des Gewinnes;
Gewinnansprüche 2. Rest: Aufteilung im Verhältnis der
Gewinn = frei verfügbar 2. Rest: Aufteilung im Verhältnis
Gesellschafterbeteiligungen
der Gesellschafterbeteiligungen
(außer es gibt vertragl. Vereinbarungen)
(außer es gibt vertragl.Vereinbarungen)

(Publizitätsvorschriften)

Fremdfinanzierung ebenfalls nur begrenzt da nur Haftung bis zur vertraglich fest-
Fremdfinanzierung aufgrund
Finanzierungserfordernisse und gelegten Einlageverpflichtung
fraglicher Kreditwürdigkeit
Finanzierungsmöglichkeiten möglich, durch die fragl. Kreditwürdigkeit, => Kapitalaufbringung durch (zusätzliche)
oft nur begrenzt möglich.
obwohl mehrere Gesellschafter; Kommanditisten leichter möglich;
Steuerbelastung des Unternehmens siehe Text
Rechtsformabhängige Belastungen siehe Text

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Zusammenfassung Lechner-Egger-Schauer 2007

BESTIMMUNGSGRÜNDE GesbR GmbH AG


Unternehmensrechtl. Geschäfts- Vorstand, der aus einer/mehreren Person/en
- Geschäftsführer bzw. Vorstand
führungs- und Vertretungsrechte für höchstens 5 Jahre
Quotenhaftung (eher
selten):
generell von einer persönlichen Haftung ausgenommen;
haftet anteilig mit seinem
Haftungsverhältnisse eine Verlustabgrenzung ergibt sich aus der
Vermögen; ODER:
ertragsmäßigen Höhe des jeweiligen Anteils;
solidarische, unbeschränkte
Haftung gem. § 178 UGB
Gewinnanspruch entsprechend der Aktien-
Verteilung des Reingewinnes nach dem
Nennbeträge;
Verhältnis der eingezahlten
(bei gleichmäßiger Aufteilung der Aktien: 4 %;
Gewinnansprüche Stammeinlagen;
ist der Gewinn dafür zu gering:
(außer ein existierender Gesellschafts-
entspr. niedrigerer Satz;)
vertrag enthält entspr. Vereinbarungen
auch Einlagen sind entspr. zu berücksichtigen
Verpflichtung den Jahresabschluss
Verpflichtung zur Offenlegung und
unverzüglich zum Firmenbuch einzureichen;
Publizitätsvorschriften Hinterlegung des Jahresabschlusses
(inkl. Bestätigungsvermerk d.
beim Firmenbuch
Wirtschaftsprüfers)
einerseits stark auf die Gesellschafter, und
größte Möglichkeiten zur Kapitalaubringung;
Finanzierungserfordernisse und somit auf ihre Persönlichkeit abgestellt;
für Großunternehmen bietet sich daher
Finanzierungsmöglichkeiten andererseits bzgl. Kapitalbeschaffung:
auch oft nur diese Rechtsform an;
ähnlich der KG - Kommanditisten;
Steuerbelastung d. Unternehmens siehe Text
Rechtsformabhängige Belastungen siehe Text

BESTIMMUNGSGRÜNDE Stille Gesellschaft Stiftung EWIV


Unternehmensrechtl. Geschäfts- keine Mitarbeit; hat selbst keinen GF; Geschäftsführer ist zwingend
führungs- und Vertretungsrechte keine Haftung; braucht allerdings zwingend: zu ernennen;
Zur Vertretung berechtigt sind: keine Rechtspersönlichkeit Vorstand, Prüfer, evt. Aufsichtsrat; weitere Organe möglich;
wie Kommanditist:
nur bis zur Haftsumme;
Haftungsverhältnisse kleiner Vorteil: bei Konkurs
erhält er Gläubigerstellung
hinsichtl. seiner Einlage
Gewinnansprüche Gewinn-/ Verlustbeteiligung

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

g) Steuerbelastungen
Eine Rechtsform, die in einer gewissen Zeit wegen steuerlicher Vorteile attraktiv
erscheint, kann später einmal – aufgrund rechtlicher Änderungen – steuerliche Nachteile
mit sich bringen.
Maßgeblichkeitsprinzip: Unternehmensrechtliche Bestimmungen/Ansätze finden auch
im jeden Fall in der Steuerbilanz seinen Niederschlag, außer das Steuerrecht sieht so
genannte Muss-Vorschriften vor.
Div. Besteuerungen unterliegen: Unternehmenserfolg, Produktionsfaktoren,
Kapitalbereit-stellung, Absatz,…

• Körperschaftsteuer KöSt
Der steuerpflichtige Gewinn wird mit einem Körperschaftsteuersatz von 25 % besteuert.
Mindestkörperschaftsteuervorauszahlung: 5 % der gesetzlichen Mindesthöhe des Grund-
oder Stammkapitals ( € 3.500 oder € 1.750) im 1. Jahr der Steuerpflicht: Ermäßigung auf
€ 1.092

• Kapitalertragsteuer KESt
Endbesteuerung auf Kapitalerträge wie zB:
– Zinserträge von Bank-Guthaben/ Forderungswertpapieren
– Dividenden
– Beteiligungserträge (halber Durchschnittssteuersatz)
– verdeckte Gewinnausschüttungen (halber Durchschnittssteuersatz)
– Beteiligung als Stiller Gesellschafter
 25 % KESt werden bei der auszahlenden Stelle einbehalten und abgeführt.

• Einkommensteuer ESt
zielt ab auf: – Gewinn des Einzelunternehmers und
– Gewinnanteile der Gesellschafter der Personengesellschaften;

Besteuerung ab Bemessungsgrundlage von € 10.000,--


Steuersatz von der Einkommenshöhe abhängig: 33, 5% bis maximal 50 %

Zur Förderung der Eigenkapitalbildung und um Einzelunternehmen sowie


Personengesellschaften gegenüber Kapitalgesellschaften nicht zu benachteiligen:
 Besteuerung von entnommenen Gewinnen (seit 2004) mit dem halben Steuersatz!

Seit 2007 können auch natürliche Personen einen Freibetrag für investierte Gewinne
(bis zu 10 % - höchstens allerdings € 100.000,--) gewinnmindernd geltend machen.

KMUs die den Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG (Einnahmen-Ausgaben-Rechn.) ermitteln,


haben ab der Veranlagung 2007 die Möglichkeit, Verluste der letzten 3 vergangenen Jahre
mit dem steuerpflichtigen Einkommen verrechnen, d.h. einen Verlustvortrag (75 %)
durchführen.

• Doppelbesteuerung
Bei Beteiligungen zwischen juristischen Personen wird eine Doppelbelastung durch das
Schachtelprivileg und Gruppenbesteuerung vermieden (früher auch durch Organschaft)

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Schachtelprivileg
Bei Schachtelbeziehungen (Beteiligungen an inländischen Kapitalgesellschaften und
Genossenschaften) sind die Beteiligungserträge von der Körperschaftsteuer befreit.
Bei Internationalen Schachtelbeteiligungen muss es sich um eine unmittelbare oder
mittelbare Beteiligung in Form von Gesellschaftsanteilen handeln, um von der Steuer
befreit zu werden. (unmittelbare Beteiligung: min. Behaltefrist 2 Jahre zu mind. 25 %)

Organschaft (bis zur Veranlagung 2004)


Juristische Person in Abhängigkeit von einem anderen Rechtsträger. Das Steuerrecht
verlangt Abhängigkeit der OrganGESELLSCHAFT (Tochtergesellschaft) vom
OrganTRÄGER (Muttergesellschaft), in
– finanzieller,
– wirtschaftlicher (Tochter „dient“ der Mutter; ist wie eine Filiale eingliedert) und
– organisatorischer (Geschäftsführung der Tochter durch Mutter) Hinsicht.

Zusätzl. Bedingung zur körperschaftsteuerrechtlichen Anerkennung der Organschaft:


Ergebnisabführungsvertrag, in dem sich die Organgesellschaft verpflichtet, ihren
gesamten Gewinn an den Organträger abzuführen.

Gruppenbesteuerung Seit 2005 gilt das Gruppenbesteuerungsrecht:


Durch die mittelbaren oder unmittelbaren Beteiligungen von mindestens 50 % des
GruppenTRÄGERS am GruppenMITGLIED, können nun die Ergebnisse der Gruppen-
MITGLIEDER im Zuge der Konsolidierung mit dem Ergebnis des GruppenTRÄGERS
„gegenverrechnet“ werden. Der miterworbene Firmenwert ist auf 15 Jahre abschreibbar.
Abzugsfähige Abschreibungen oder Verluste aus Veräußerung auf 7 Jahre verteilen.

Gruppenträger = inländ. unbeschränkt steuerpflichtige Körperschaft


Gruppenmitglieder = inländ. UND ausländ. unbeschränkt steuerpflichtige
Kapitalgesellschaften, sowie Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften

• Besondere Rechtsformkombinationen iZm der Unternehmensbesteuerung


Kapitalgesellschaft & Co (v.a. GmbH & Co KG, weil im Konzerverbund üblich)
GmbH: (vollhaftende) Komplementär; Natürliche Person: Kommanditist
Die GmbH erhält eine angemessene Verzinsung ihrer Einlage und eine
Arbeitsvergütung, der restliche Gewinn wird auf die Kommanditisten aufgeteilt.

Doppelgesellschaft
Grundsätzlich handelt es sich dabei um einen einheitlichen Betrieb, der sich zur
Durchsetzung der Ziele aber auf zwei rechtlich selbstständige Gesellschaften abstützt
und so auch Ergebnisverlagerungen zwischen den Unternehmen ermöglicht. Es gibt:
- Besitz-Gesellschaften: bleibt Eigentümer des Anlagevermögens
- Betriebs-Gesellschaft (und Vertriebs-Gesellschaft): tritt als Pächter auf

„Betriebsaufspaltung“: Besitzges. = Personenges.; Betriebsges. = Kapitalges.


Vorteile:
- überwiegend steuerrechtliche Begünstigungen
- Haftungs- und Risikobeschränkung
- erhöhter Rationalisierungsdruck (d.h. Bildung von Profit-Centern)
- arbeits- und sozialrechtliche Gründe

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Nachteil:
Generell keine einfach zu handhabende Konstruktion der Rechtsformgestaltung!

II. Der Standort der Betriebe


Je nach Wirtschaftszweig, erforderlicher Betriebsgröße sowie die für jeden Standort typischen
Vor- und Nachteile wird die Standortwahl schlussendlich getroffen.

Laut Weber sind besonders Lohn- bzw. Transportkosten grundlegend entscheidend.


Ist der Unternehmensgründer eher auf niedrige Lohnkosten fixiert, als auf niedrige
Transportkosten, so liegt Arbeitskostenorientierung vor. Transportkostenorientierung
liegt Konzentration auf niedrigen Transportkosten statt niedrigen Lohnkosten.
Außer Acht gelassen wird hier allerdings die Absatzseite, sowie auch weitere andere
Entscheidungsfaktoren (Rentabilität, Wirtschaftlichkeit).
Für die moderne Theorie ist die Wahl wein Kosten- UND Erlösproblem-

Standortbeeinflussende Größen in:


– rechtlicher Sicht Regelungen in Bezug auf Abgabenbelastungen
Arbeitsrechtliche Bestimmungen, Normen
Baurecht
Öffnungs-/ Schließungszeiten von Handelsunternehmen
Politische Konstellationen

– geographischer Sicht Bodenflächen und –qualitäten


Flusssysteme
Klimatische Gegebenheiten

– ökonomischer Sicht Absatzmöglichkeiten und Konkurrenzbedingungen


Arbeitskräftepotenzial (quantitativ & qualitativ)
iZm Lohnniveau
Verkehrssysteme und Verkehrsträger
Bodenschätze (Rohstoffvorkommen)

All diese Merkmale können sowohl zeitlich unbegrenzt, aber auch zeitlich beschränkt von
Bedeutung sein.
In der Praxis erfolgt die Standortwahl tatsächlich allerdings oft durch höchstpersönliche, und
dadurch rational oft nicht erklärbare, Gründe.

III. Die Unternehmensverfassung


1. Der Begriff der Unternehmensverfassung
Unternehmensverfassung: alle grundlegenden, das Wesen eines Unternehmens
bestimmenden und langfristig gültigen Strukturregeln:
– Grundrechte und -pflichten der Unternehmensmitglieder;
– Zwecksetzung, Struktur und Kompetenzen der Unternehmensorgane als
Entscheidungsträger (Vorstand, Aufsichtsrat, Hauptversammlung), und die
– Festlegung der Unternehmensziele.

Die Unternehmensverfassung ergibt sich aus den Abhängigkeiten und Wechselwirkungen


zwischen Markt-, Finanz- und Organisationsverfassung.
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Die Regelungen zur Unternehmensverfassung ergeben sich zum Teil aus Gesetzen oder
vertraglichen Vereinbarungen (zB. Kollektivverträge; Gesellschaftsvertrag)

Eine große Rolle, vor allem am internationalen Kapitalmarkt, spielt auch die „Corporate
Governance“, die den Informations- und Interessenaustausch zwischen Unternehmen und
Umwelt beschreibt. → Entwicklung eines Corporate-Governance-Regelwerkes (Grundsätze
einer guten Unternehmensführung - „best practice“); Orientierungshilfe für Investoren und
erhöht das Vertrauen und die Transparenz.

In Österreich wurde dazu 2002 auch erstmals ein Kodex („Austrian Code of Corporate
Governance“) vorgelegt. Er stellt für österreichische börsennotierte Aktiengesellschaften
einen Ordnungsrahmen zur Leitung und Überwachung des Unternehmens dar.

2. Die Marktverfassung
– Im Mittelpunkt der Regelungen zur Marktverfassung steht das Prinzip des
Leistungswettbewerbs. Im Absatzmarkt gibt es Beschränkungen und auch Verbote in
Zusammenhang mit Monopolen und Kartellen.
– Konkurrenzfähigkeit: gilt nicht nur für den Absatz- und Arbeitsmarkt, sondern auch für
den Eigen- und Fremdkapitalmarkt.
–staatliche Regulierungen: Einschränkungen bestehen absatzpolitisch teilweise (Preisgesetz,
Lebensmittelkodex); arbeitsrechtliche Regulierungen sind aus sozialstaatlichen Gründen
eher der Regelfall (Urlaubsregelung, Mutterschutz).

Weitere bekannte staatliche Regulierungen:


.) Gewährleistung: gesetzliche Pflicht des Verkäufers/Händlers eine Ware ohne Mangel zu
verkaufen, bzw. den Mangel zu reparieren, die Ware auszutauschen oder den Preis zu
mindern.
.) Garantie: freiwillige, vertragliche Zusage des Herstellers, für Mängel einzustehen; die
innerhalb einer von ihm festgelegten Frist auftreten.

3. Die Finanzverfassung
staatliche Rahmenregelungen:
– Geldordnung: die das Geld als Währungseinheit, Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel
definiert
– staatliche Ordnung des (Privat-)Eigentums an Produktionsmitteln

Generell wird das Unternehmen als Besteuerungsobjekt angesehen und erhält im Idealfall
keine staatlichen Subventionen.
Wenn Subventionseinnahmen die Markteinnahmen ersetzen, ändert sich die Finanzverfassung
des Unternehmens. Generell wird dann dem Prinzip der Konkurrenzfähigkeit weniger
Beachtung geschenkt und der Leistungswettbewerb im Absatzmarkt wird durch einen
Subventionswettbewerb verzerrt.

Im Allgemeinen ist ein Unternehmen finanziell vom Absatzmarkt abhängig und trägt ein
Markteinnahmenrisiko (Absatzrisiko und Zahlungsausfallsrisiko).
Risikoträger: Unternehmensmitglieder und Außenstehende (wenn EK verbraucht) →
Empfänger von Residualeinkommen (Anteilseigner, Manager,..), Staat (Gewinnsteuern)

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Ausnahmen: Externe Lieferanten, Arbeitnehmer und Fremdkapitalgeber (fixierte


Kontrakteinkommen)
staatlichen Regelungen zu Insolvenzen (Ausgleich und Konkurs): Seit 2002 ist eine
Verordnung der EU zu Insolvenzverfahren in Kraft getreten, die eine Einkommensverteilung
unter den Risikoträgern bestimmt.
Einhaltung von Gleichgewichtsbedingungen im Rahmen des betrieblichen
Leistungsprozesses → finanziellen Überschuss erzielen, Erhaltung der betrieblichen
Liquidität, ausreichende Ausstattung des Unternehmens mit Eigenkapital

Zur Finanzverfassung gehört des Weiteren auch die gesetzlich auferlegte Pflicht der
Veröffentlichung (Publizität) der Jahresabschlüsse.

4. Die Organisationsverfassung
Sie beinhaltet die Grundsatzfragen der Organisation und regelt
– das Zusammenwirken von Menschen im Rahmen der Entscheidungsprozesse im einzelnen
Unternehmen, sowie
– die strukturelle Einbindung des Unternehmens in das staatliche Umfeld.

Drei Betrachtungsweisen sind dabei möglich:


1. Mitglieder (Personengruppen) eines Unternehmens und deren Interessen.
2. Informations- und Entscheidungsgremien Gesetze und Satzungen klären die für die Organe
wichtigen Fragen (z.B.: Wahl, Vorsitz, Kompetenzen...).
3. Organisationsebenen: Bildung von Teilsystemen wie Geschäftsbereichen, Konzernbildung
oder Kooperationen

Die Organisationsverfassung kann aus verschiedenen Gründen fehlerhaft, und damit auch
unzweckmäßig sein. (unzweckmäßige Entscheidungsstruktur, zu viel Basisdemokratie,
Konflikt mit der Marktverfassung, Konflikte in der Finanzverfassung,…)

In der Unternehmensverfassung ist daher jedenfalls auf einen Ausgleich der Anliegen im
Spannungsfeld zwischen Markt-, Finanz- und Organisationsverfassung zu achten.

5. Die Theorie der Verfügungsrechte


Die vor allem im amerikanischen Raum bekannte „Theorie der Verfügungsrechte“ beruht auf
der Frage, welchen Einfluss verschiedene institutionelle Regelungen auf das Handeln von
Wirtschaftssubjekten haben.
Nicht das Eigentum oder der Besitz eines Gutes ist von ökonomischem Interesse, sondern
vielmehr die mit den Gütern verbundenen Rechte:
- das Recht, ein Gut zu nutzen;
- das Recht, die Erträge aus der Nutzung eines Gutes einzubehalten;
- das Recht, ein Gut formal und materiell zu verändern;
- das Recht, zur vollständigen oder teilweisen Veräußerung eines Gutes.

Durch den Tausch, die Nutzung oder Bildung von Verfügungsrechten entstehen ebenso
„Transaktionskosten“ wie beispielsweise durch die Produktion von Gütern. Solche wäre zB.
Kosten für: Vertragsabschlüsse, Prüfung von Vermögenswerten, Übertragung von rechtlichen
Eigentumstiteln usw.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

6. Die Potentiale für Unternehmensgründung


Unternehmensgründungen stellen aus folgender Sicht ein Problem dar:
• einzelwirtschaftlich: Entscheidung für die Gründung und Einschätzung der Chancen
für das Überleben im Marktwettbewerb;
• gesamtwirtschaftlich: Lösung von Problemen am Arbeitsmarkt; Ausmaß staatlicher
Förderungen; eventuelle Veränderungen von Rahmenbedingungen

Für Unternehmensgründungen ist zunächst ein Potential an kreativen Menschen notwendig.


Erfolgsfaktoren für Innovationen = relevante Erfolgsfaktoren für Unternehmensgründungen:
– Wissen
– Kompetenz „Humankapital“
– Integration
– Drang nach Freiräumen, Unabhängigkeit und Selbständigkeit „ Unternehmertum“
– Hingabe an die Sachaufgabe

Gründungsvorbereitung:
1. Entwicklung der Gründungsidee: Mit welchem innovativen Leistungsprogramm sollen
Marktlücken geschlossen werden? Welche neuen Bedürfnisse sollen geweckt und damit
befriedigt werden? Bereits bestehende Geschäftsidee „besser“ machen?

2. Sammlung von Informationen über den Gründungsprozess: umfassende Information und


Beratung; Begleitung mit Förderprogrammen und Trainings in der Gründungs-/Aufbauphase;
Erstellung eines Businessplans als Schlüsseldokument

3. Integration in ein Gründungsteam


durch zB. mehrere Gründungswillige, deren Kenntnisse sich ergänzen

Die Potentiale zur Unternehmensführung:


– die „Bereitschaft zum Unternehmertum“
– Bildungseinrichtungen, die Personen für die Selbständigkeit „vorbereiten“ (zB.: UF ;-))
– verfügbares Kapital, durch Venture Capital (in Unternehmensgründungen
investitionsbereite Kapitalanleger) Gesellschaften zur Verfügung stellen („Business Angels“)

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

C. Die Finanzwirtschaft
I. Grundlegende Darstellung
1. Der betriebliche Wertekreislauf
Für betriebliche Prozesse der Leistungserstellung und –Verwertung müssen Zahlungsmittel
zur Verfügung stehen, Geldmittel zur Bezahlung auf Beschaffungs- und Arbeitsmärkten →
UN erhalten durch Absatz ihrer Produkte wieder Geld zurück = leistungsbezogener
Wertekreislauf in UN

Ein Unternehmen kann - mit dem zur Produktion und zum Absatz notwendigen Vermögen -
ausgestattet werden, indem
1. Anteilseigner (Eigentümer)
• Bareinlagen leisten;
• Vermögensgegenstände direkt einbringen (Sacheinlagen);
• auf die Ausschüttung erwirtschafteter Gewinne verzichten
2. die benötigten Mittel von (externen) Kreditgebern beschafft bzw.
Vermögensgegenstände von Vermietern gemietet werden.

Kapital = Geldwerte des Gesamtvermögens eines UN sowie die gesamten Sach- &
Finanzmittel, die dem UN zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung stehen.
Vermögen = in welcher Form das Kapital im UN verwendet wird.

Gegenleistungen für die Bereitstellung von Kapital:


• Anteilseigner erwarten Gewinnausschüttungen, sowie Kapitalrückzahlungen bzw.
Liquidationserlös bei Auflösung des UN
• Kreditgeber erwarten Zinszahlungen, Kredittilgungen bzw. Mietzahlungen

Unterschied Finanzierung vs. Finanzwirtschaft:


Finanzierung heißt, dem Unternehmen Kapital zuzuführen, das einerseits zur Begründung von
Vermögen dient, andererseits aber auch Kapitalumschichtungen bzw. Steuerzahlungen
gewidmet sein kann.
Der Begriff Finanzwirtschaft bezieht sich auf alle Maßnahmen, die mit der Gestion von
Kapital zusammenhängen, zB:
• die Aufbringung des Kapitals;
• die Verwendung von Kapital;
• die Rückerstattung des Kapitals

Investition = Einsatz von Mitteln für Anlagegüter; Umfang und Struktur des Vermögens
verändern oder umkehren (= Desinvestition = Vermögen kann durch Verkauf in Kapital
zurückverwandelt werden).
Beschaffung = Einsatz von Mitteln für Umlaufgüter (Vorräte)
Definanzierung: Durch die Rückzahlung von Schulden, durch Gewinnausschüttungen oder
Rückzahlung von EK wird dem Unternehmen Kapital entzogen.

2. Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen


Finanzierungsentscheidungen sind Entscheidungen über die Beziehung zwischen dem
Unternehmen und seinen Kapitalgebern. Sie betreffen Höhe, Termin und Sicherung der
Zahlungen.
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Investitionsentscheidungen betreffen den Umfang und/oder die Struktur des Vermögens


eines Unternehmens, sowie Anlage- und Umlaufvermögen.

3. Das finanzielle Gleichgewicht als Zielsetzung


Investitionen müssen finanziert werden, wodurch Liquiditätsprobleme entstehen können.

3 Aspekte für das finanzielle Gleichgewicht:


• der kurzfristige Liquiditätsaspekt
Fähigkeit, die zu einem bestimmten Zeitpunkt zwingend fälligen Zahlungsverpflichtungen
uneingeschränkt erfüllen zu können.
• der langfristige Liquiditätsaspekt
strukturelle Zusammenhänge zwischen Kapitalausstattung und -verwendung. Die
finanzielle Struktur soll gewissen Grundregeln (Finanzierungsregeln) entsprechen.
Dadurch wird die Bonität der UN für Kreditvergaben gesteigert.
• der Rentabilitätsaspekt
Der Ertrag aus dem eingesetzten Kapital soll einerseits für eine angemessene Ge-
winnausschüttung und andererseits für Rücklagenbildungen (Thesaurierung) bzw. zur
Substanzerhaltung ausreichen.

4. Arten der Finanzbewegungen


Es gibt 4 Arten von Finanzbewegungen:
• Kapitalbindende Ausgaben
Ausgaben für Produktionsfaktoren, Darlehen/Beteiligungen an anderen UN, Bildung
von Kassenreserven
• Kapitalfreisetzende Einnahmen
Entgeltliche Leistungsverwertung zu Selbstkostenpreisen, Verkauf von sonstigem Sach-
und Finanzvermögen, Kapitalrückzahlungen, Auflösung von Kassenreserven
• Kapitalzuführende Einnahmen
Finanzielle Überschüsse aus der Leistungsverwertung auf den Absatzmärkten und der
Vermögensveräußerung bzw. Kapitalrückzahlung, Zins- und Dividendeneinnahmen,
Einnahmen aus Subventionen, Einnahmen aus der Aufnahme von Beteiligungen und FK
• Kapitalentziehende Ausgaben
Abdeckung von Verlusten aus der Leistungsverwertung auf den Absatzmärkten und der
Vermögensveräußerung bzw. Kapitalrückzahlung, Dividenden- und Zinszahlungen,
Ausgaben für Steuern, Subventionen, Kapitalrückzahlungen

5. Arten von Investitionen


• Realinvestitionen
...haben eine güterwirtschaftliche Komponente (z.B.: Anschaffung eines Gebäudes)
• Finanzinvestitionen
...sind nur mit finanzwirtschaftlichen Kategorien zu fassen (z.B.: Erwerb von Beteiligungen).

II. Die Kapitalbeschaffung


1. Die Finanzierungsformen
In der traditionellen betriebswirtschaftlichen Gliederung wird unterschieden zwischen

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Eigenfinanzierung (im weiteren Sinn)


- Beteiligungsfinanzierung
- Selbstfinanzierung (oder Überschussfinanzierung)
• Fremdfinanzierung (durch Kreditkapital)
Eine Sonderform ist die Finanzierung aus Abschreibungen. Sie beruht lediglich auf einer
Umschichtung eines insgesamt dem EK und FK gegenüberstehenden Vermögens.

Folgende Gliederung nach der modernen betriebswirtschaftlichen Theorie:


• Außenfinanzierung
- Eigenfinanzierung (Beteiligungsfinanzierung)
- Fremdfinanzierung (Kreditfinanzierung)
- Subventionsfinanzierung
• Innenfinanzierung
aus dem Umsatzprozess heraus (Überschussfinanzierung)
- Finanzierung aus Gewinnen (Selbstfinanzierung)
- Finanzierung aus Rückstellungen (Aufwandsfinanzierung)
- Finanzierung aus Abschreibungen (Aufwandsfinanzierung)
aus Vermögensumschichtungen außerhalb des normalen Umsatzprozesses
- Kapitalfreisetzung im Anlagevermögen
- Kapitalfreisetzung im Umlaufvermögen
Das Maß der Innenfinanzierung ist durch den Cash Flow bestimmt.

Die Überschussfinanzierung ist im Falle von Gewinnen mit einem Vermögenszuwachs


(Bilanzverlängerung) verbunden, kann aber auch zu Umschichtungen auf der Kapitalseite
führen (Umschichtung von FK in EK).
Die Finanzierung aus freigesetzten Abschreibungen bewirkt Vermögensumschichtungen.
Das Ausmaß de Innenfinanzierung ist evtl. um die Veränderungen im Vorratsvermögen an
Halb- & Fertigerzeugnissen (Bestandsveränderungen) zu korrigieren.

Bei der Finanzierung aus Vermögensumschichtungen außerhalb des normalen Umsatz-


prozesses wird eine Zufuhr zusätzlicher Finanzmittel nur erreicht, wenn die Verkaufserlöse
die Buchwerte übersteigen und damit eine Gewinnrealisierung ermöglichen
(Innenfinanzierungsvorgang).
Zur unbefristeten Finanzierung gehört die Eigen-/Beteiligungsfinanzierung, die
Fremdfinanzierung ist befristet, kurzfristige sind zB Factoring, Wechselkredite, Anzahlungen,
Kontokorrentkredite; langfristige sind zB Darlehen, Anleihen, Optionsschuldverschreibungen.

Eine Geldfinanzierung liegt vor, wenn die Kapitalgeber Geld bereitstellen.


Eine Sachfinanzierung liegt vor, wenn sie direkt Sachen oder Rechte zur Verfügung stellen.

2. Die Innenfinanzierung

a) Die Selbstfinanzierung
...ist eine Überschussfinanzierung und besteht im Rückbehalt (Nicht-Ausschüttung) des
gesamten Gewinnes oder von Teilen des Gewinnes.
• offene Selbstfinanzierung
die gebundene Rücklage bestehen aus der gebundenen Kapital-RL und der gesetzlichen
RL; AGs und große GmbHs müssen 5% des jährlichen Reingewinns in die gesetzliche
Rücklage einstellen, bis 10% des Grundkapitals oder ein in der Satzung höherer %-satz
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Auch das Agio bei Aktienemissionen muss der gesetzlichen Rücklage zugeführt werden.
Verwendet darf die gesetzliche Rücklage nur zum Ausgleich von Wertminderungen und
zur Deckung von sonstigen Verlusten werden.

• stille Selbstfinanzierung
...ist eine Folge der Unterbewertung von Vermögensteilen und der Überbewertung von
Verbindlichkeiten. Es entstehen stille Rücklagen (Reserven). Nach dem RLG sind stille
Reserven jedoch nur beschränkt möglich.
Dem Nachteil der Bilanzverzerrung stehen der Vorteil der Ausschüttungsbeschränkung
gegenüber und der Umstand, dass die stillen Reserven erst bei der Auflösung der vollen
Ertragsbesteuerung unterliegen.

Allgemeine Vor-/Nachteile der Selbstfinanzierung


Als Vorteile der Selbstfinanzierung gelten:
• Erleichterung der Liquiditätspolitik (Tilgungen, feste Zinszahlungen unterbleiben)
• größere Beweglichkeit in der Preispolitik (wegen Verzichts auf Zinszahlungen)
• die Notwendigkeit von Sicherheitsleistungen unterbleibt
• Kontrollen durch fremde Kapitalgeber entfallen
• das Unternehmen wird von den Bedingungen des Kreditsektors unabhängig.

Als Nachteile der Selbstfinanzierung sind zu bedenken:


• mit den vorhandenen Mitteln wird nicht immer wirtschaftlich umgegangen
• zu hohe Bar-Reserven wirken sich negativ auf die Rentabilität aus

b) Die Finanzierung aus Abschreibungen


Mit Abschreibungen finanzieren heißt, die über den Preis in den Betrieb zurückgeflossenen
Abschreibungsteile zur Deckung von Finanzierungserfordernissen heranzuziehen.

Durch die Freisetzung der Abschreibungen und deren Verwendung im Anlagenbereich tritt
ein Erweiterungseffekt auf ("Lohmann-Ruchti-Effekt"). Eine echte Substanzerweiterung liegt
jedoch nur dann vor, wenn der Abschreibungsverlauf dem Nutzungsverlauf vorangeht, d.h.
eine Vorwegnahme der Abschreibungen vorliegt.
Der Kapazitätserweiterungseffekt lässt sich nach folgender Formel errechnen:
m = 2 / (1+1/n) m...Kapazitätsmultiplikator; n...einheitliche Nutzungsdauer der Anlagen

Für die Kapazitätserweiterung durch freigesetzte Abschreibungen bestehen in der Praxis


jedoch deutliche Grenzen. (Leerkosten,…)

c) Die Finanzierung aus Rückstellungen


die in die Absatzpreise einkalkulierten und auch verdienten Rückstellungsbeträge stehen bis
zur Inanspruchnahme der Rückstellungen im Unternehmen für Dispositionen zur Verfügung.
Der Finanzierungseffekt ist umso größer, je länger die Zeitspanne zwischen Bildung und
Auflösung, vor allem Pensions- und Abfertigungsrückstellungen
Den Kern machen AbfertigungsRST, JubiläumsRST und PensionsRST aus (Sozialkapital).

d) Die Bedeutung des Cash-Flows


Cash Flow = Maßstab zur Innenfinanzierung →zeigt Bargeldüberschuss an → bei
Finanzierungsüberlegungen eine überragende Stellung

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Gewinn/Verlust (Jahresüberschuss/-fehlbetrag)
+ Nicht-Ausgaben in den Aufwendungen
- Nicht-Einnahmen in den Erträgen
= Cash Flow

In der Praxis ist es eher: Jahresüberschuss/-fehlbetrag


+ Abschreibungen
= Cash Flow findet sich heute im EBITDA wieder, ist aber ungeeignet

Die Zahlungskraft eines UN wird nicht nur durch den Cash Flow allein bestimmt, da dieser
Vorgänge im Geldbereich in der GuV-Rechnung gar nicht erfasst (zB Zahlungen an
Lieferanten, Zahlungen von Kunden, Aufnahme/Rückzahlung von Darlehen,..)
Somit ist er kein verlässlicher Maßstab für die Ertragskraft eines UN.
Bei anlagenintensiven UN ist der Cash Flow wesentlich größer (durch Abschreibungen) als bei
personalintensiven UN (hoher Personalaufwand ist unmittelbar zahlungswirksam).

e) Die Kapitalflussrechnung (Geldflussrechnung) nach IAS 7


Mit der Geldflussrechnung sollen die Fähigkeit zur Erwirtschaftung von
Zahlungsmittelüberschüssen, zur Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen und zur Zahlung von
Dividenden, die Auswirkung von Investitions- & Finanzierungsvorgängen auf die Finanzlage
festegestellt werden und die Gründe für die Divergenz zw. Jahresergebnis und Veränderung
der liquiden Mittel offen gelegt werden.

Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit


+/- Cashflow aus der Investitionstätigkeit
+/- Cashflow aus der Finanzierungtätigkeit
Zu- und Abnahme der liquiden Mittel
+ liquide Mittel zu Jahresbeginn
= Liquide Mittel am Jahresende

Die Zahlungsströme müssen direkt oder indirekt aus dem Jahresabschluss abgeleitet werden.
Die direkte Methode liefert bessere Informationen über die Art des Mittelzu- und -abflusses,
die indirekte Methode liefert Informationen über die Divergenz von Jahresergebnis und
Zahlungsmittelveränderungen.

3. Die Außenfinanzierung

a) Die Eigenfinanzierung
...ist die Finanzierung durch den Eigentümer bzw. die Gesellschafter (Anteilseigner) von
außen in Form von Einlagen. Rechtsform hat einen wesentlichen Einfluss.

Wesentliche Merkmale der Beteiligungsfinanzierung:


• Anspruch auf Gewinnbeteiligung
• Anspruch auf Beteiligung am Liquidationserlös
• Einfluss auf die Geschäftsführung (je nach Rechtsform verschieden)
• Haftung für die Schulden der Unternehmung

• Einzelunternehmung & Personengesellschaften

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

- Einzelunternehmen: Die Kapitalkraft und der Betriebszweck des sind


entscheidend.
- OHG: Grenze ist auch hier die Kapitalkraft der Gesellschafter.
- Kommanditgesellschaft: Da die Kommanditisten nur eine beschränkte Haftung
übernehmen, wird die Eigenkapitalbildung in der KG gegenüber der OHG wesentlich
erleichtert. Der Kommanditist hat Anspruch auf Auszahlung des ihm zustehenden
Gewinnes.
- Stille Gesellschaft: Der stille Gesellschafter haftet nur mit seiner Einlage & ist
von der Geschäftsführung ausgeschlossen.

• Gesellschaft mit beschränkter Haftung


Für die Eigenkapitalaufbringung gibt es nach unten hin Grenzen. Das GmbH-Gesetz verlangt
ein Stammkapital von mindestens € 35.000,--, mindestens die Hälfte bei der Gründung in bar

• Aktiengesellschaft
Die Eigenkapitalaufbringung erfolgt durch die Ausgabe von Nennbetragsaktien oder
Stückaktien. (Jede Stückaktie ist am Grundkapital in gleichem Umfang beteiligt).
Stückaktien haben keinen Nennbetrag. Erfolgt die Ausgabe über dem Nominalwert (über
pari), so ist das sich ergebende Aufgeld (Agio) der gebundenen Kapitalrücklage zuzuführen.

Kriterien Aktiengattung
Art und Übertragbarkeit Inhaberaktien, Namensaktien, Vinkulierte A.
Eingeräumte Rechte Stammaktien, Vorzugsaktien
Art der Kapitalaufteilung Nennbetragsaktien, Stückaktien

Inhaberaktien sind in Österreich die Regel, Namensaktien und vinkulierte Namensaktien


unüblich. Sowohl Stamm- als auch Vorzugsaktien notieren an der Wiener Börse, weiters
Genuss- und Partizipationsscheine. (Genussscheine sind aktienähnliche Wertpapiere, die bei
einer Sanierung oder gefristeten Eigenmittelzufuhren verwendet werden.
Partizipationsscheine sind ebenfalls aktienähnliche Wertpapiere, nehmen am Gewinn od.
Verlust teil, erlauben aber nicht die Ausübung eines Stimmrechts.)
Stammaktien genießen das Stimmrecht, das Dividendenrecht, das Bezugsrecht und das
Teilhaberecht am Liquidationserlös. Vorzugsaktien haben auf eines oder mehrere dieser
Rechte Vorrecht, haben aber auch verschiedene Nachteile (zB Stimmrechtsverzicht).

Formen der Kapitalerhöhung:


Nach Gründung einer AG können im späteren Verlauf der Unternehmenstätigkeit
Kapitalerhöhungen durchgeführt werden (3/4-Mehrheit in der Hauptversammlung). Das
genehmigte Kapital und die Ausgabe junger Aktien sind die häufigsten Varianten einer
ordentlichen Kapitalerhöhung.
Die Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln hingegen stellt lediglich einen Passivtausch
und damit keine materielle Kapitalzufuhr dar. Durch die Umwandlung von Rücklagen in
Grundkapital wird das EK lediglich in seiner Struktur, aber nicht in seiner Summe
verändert. Den Altaktionären stehen dann Berichtigungsaktien ("Gratisaktien") zu.

Formen der Kapitalherabsetzung: zur Rückzahlung von Einlagen oder Sanierung des UN

• Genossenschaften
Die Eigenfinanzierung ist davon beeinflusst, ob es sich um Genossenschaften mit
unbeschränkter Haftung (=G haftet mit seinem ganzen Vermögen), G. mit beschränkter

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Haftung (= G haftet mit festgesetztem Betrag) oder G. mit Anteilshaftung (= G haftet mit
seinem Geschäftsanteil) handelt.

• Sonderformen der Eigenfinanzierung


- Mergers & Aquisitions (Fusion) & (Übernahme)
Management-Buy-Out (MBO): Unternehmenskauf oder die Übernahme eines Betriebes,
wobei das Management, das dieses UN bisher geführt hat, einen wesentlichen Anteil an
diesem UN erwirbt → Chance zur unternehmerischen Selbständigkeit, eigenständige
Entwicklungsmöglichkeiten sind gegeben.
Leveraged-Buy-Out (LBO): es wird den Aktionären oder Inhabern ein über dem aktuellen
Marktwert liegendes Angebot zum Kauf ihrer Aktien/Anteile gemacht.
Management-Buy-In (MBI): Außenstehende Manager kaufen sich in ein UN ein.
Acquistion: der UN-Kauf durch ein oder mehrere Drittunternehmen. Es kann als Kauf der
Aktien eines UN (Gesamtrechtsnachfolge) oder als Kauf der Wirtschaftsgüter eines UN
abgewickelt werden (Einzelrechtsnachfolge). Für die Ermittlung des Kaufpreises werden
Analysen angestellt, sog. Due-Diligence-Prüfungen. In diesen kommt es zu Budget-
Bilanzanalysen, Markt-, Wettbewerbsanalysen, potentielle Kostenbelastungen, Arbeits- &
-sozialrechtliche Analyse, Beurteilung bestehender Steuerrisiken und sie werden von
Audits durchgeführt.
Der „Due-Diligence-Review“ bildet den Rahmen für die Ermittlung und Interpretation der
nachhaltigen Ertragskraft des UN, über dessen Kauf entschieden werden soll.

- Going Public…die Umgestaltung eines bislang privaten UN in eine


Publikumsgesellschaft., indem der Kapitalmarkt zur Beteiligungsfinanzierung an diesem
UN beansprucht wird. zB zur Ausnützung von Marktchancen, die die
Selbstfinanzierungsmöglichkeiten übersteigen würde.
Voraussetzungen: klare Vorstellungen zur UN-Politik, Qualität & Kontinuität in der
Geschäftsführung, eine gesunde Finanzlage, eine gute Ertragskraft; formal muss eine
bestimmte Mindestkapitalausstattung gegeben sein, um für den Börsenhandel zugelassen
zu werden (Initial Public Offering).

• Die Börse
… ist als ein organisierter Markt anzusehen, der hinsichtlich des Ortes, der Zeit, der
Marktteilnehmer und des Ablaufes einer genauen Regelung unterliegt. Wesentliche Merkmale
sind die Vertretbarkeit (=Fungibilität) der Handelsobjekte und die örtliche Konzentration von
Angebot und Nachfrage. Die Wiener Börse besteht sei 1771.

Das Börsegesetz sieht 3 Arten des Handels mit Wertpapieren vor:


- Den amtlichen Handel (Grundkapital von € 2,9 Mio. wovon mind. € 725.000
im Streubesitz sein müssen; es werden nur die umsatzstärksten Aktien, Optionsscheine
und die meisten Rentenwerte gehandelt)
- Den geregelten Freiverkehr (=Zweitmarkt der Börse; Grundkapital bei Aktien
mind. € 725.000, davon zumindest 1/5 im Streubesitz; es können Aktien von neu
gegründeten Gesellschaften mit zumindest 1 Jahr Bestandsdauer gehandelt werden)
- Den dritten Markt (für Wertpapiere, die die Zulassungsanforderungen nicht
erfüllen; in- & ausländische Aktien, Gewinnscheine sowie Rentenwerte)
Equity Market (Aktien): Prime market, standard market continous, standard market
auction
Bond market (Anleihen): Government bonds, corporate bonds, banking bonds,
performance linked bonds
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Otob Market (Terminmarkt): Austrian derivatives – cece derivatives


Structured products: Certificates – warrants (= Optionsscheine)
Other listings

b) Die Fremdfinanzierung
Finanzierung durch Kreditkapital.
Kredite werde nicht ohne ausreichende Kreditabsicherung gewährt. Kreditsicherung
(Bürgschaft, Hypothek) oder Kreditversicherung (Exportgarantien)

Gründe für das Ansteigen von Fremdfinanzierung:


• Mangelndes Privatvermögen
• Mangelnde Attraktivität der Beteiligungserträge
• Steuerliche Diskriminierung des Eigenkapitals
• Leverage-Effekt
• Scheingewinnbesteuerung

Qualitative Kreditmerkmale: Kreditgeber, Kreditnehmer, Kreditzweck, Kreditabsicherung


Quantitative Kreditmerkmale: Kredithöhe, Zinssatz, Kreditlaufzeit, Tilgungsbedingungen

Basel II Richtlinie: Eigenkapitalvorschriften, Bonitäts-Ratings → Transparenz

Formen der Fremdfinanzierung:


• Kurz- und mittelfristige Fremdfinanzierung: kurzfristig (-3 Monate), mittelfristig
(3-12 Monate), langfristig (über 12 Monate)
- Lieferantenkredit: kann teuer werden
- Kundenanzahlungen (Angeld)
- Kontokorrentkredit: Saldo wird geschuldet, Bankkontokorrent bedeutend
- Wechselkredit: abstrakte Forderungen
- Finanzwechsel: keine echten Geschäfte
- Lombardkredit: Verpfändung von leicht realisierbaren Gütern
- Kundenkredit: Finanzierungsinstitut übernimmt Forderung
- Akzeptkredit: Abdeckung von Verbindlichkeiten
- Avalkredit: Eventualkredit, Bürge übernimmt Haftung
- Euromarktkredite: Kredit in Fremdwährung

• Langfristige Fremdfinanzierung
- Darlehen: meistens in Geld, Hypothekendarlehen, Bankdarlehen
- Anleihe (Obligation, Schuldverschreibung): langfristiges Darlehen in verbriefter Form
- Wandelschuldverschreibungen: Gläubiger hat Umtauschrecht oder Recht auf Aktien
- Gewinnschuldverschreibungen: neben fester Verzinsung auch Gewinnbeteiligung
- Schulscheindarlehen

• Kreditsubstitute
- Factoring: Ankauf von Lieferforderungen
- Leasing: Vermietung von unbeweglichen und beweglichen Anlagegegenständen

• Sonderformen der Fremdfinanzierung


Steuerkredite: Rückstellungen, Steuerstundung

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Fremdfinanzierung im Exportgeschäft
- Dokumenteninkasso: Exporteur beauftragt eine Bank, die Dokumente zu verwalten
- Dokumentenakkreditiv: Importeur beauftragt Hausbank
- Rembourskredit: internationale Großbank macht alles
- Negotioationskredit: Vereinbarung
- Forfaitierung: regressloser Ankauf von Exportforderungen
- Kurssicherungsmöglichkeiten: Eurofakturierung, Devisentermingeschäft
- Tauschgeschäfte: mit verschuldeten Ländern

• Formen der Außenhandelsförderung


Staatliches Exportförderungssystem:
1. Markerschließungsmaßnahmen (Beratung, Schulung,..)
2. Export- und Beteiligungsfinanzierung
3. Risikoabsicherung

c) Subventionsfinanzierung
• Funktionale Bestimmung
Wirtschaftliche Interessen,…
Entweder als Betriebszuschüsse (Abdeckung des Produktionsaufwandes) oder als
Kapitalzuschüsse (Stärkung des Eigenkapitals)

• Subventionsformen
- Verlustausgleich im Nachhinein
- Geplante und der Höhe nach begrenzte Verlustabdeckung
- Leistungsabhängige Verlustabdeckung
- Übernahme bestimmter Ausgaben bzw. Aufwendungen
- Subvention in Abhängigkeit von bestimmten Einflussgrößen
- Im voraus fixierte Beträge je Leistungseinheit

III. Die Finanzplanung


1. Die Grundlagen der Finanzplanung
Die Hauptaufgabe der Finanzplanung besteht in der Festlegung der Finanzbewegungen, die
dem Unternehmen eine geordnete Kapitalzufuhr und geregelte Kapitalabgänge gewährleisten
und damit die Erhaltung des finanziellen Gleichgewichts erhalten helfen sollen.
Der ermittelte Finanzbedarf muss durch entsprechende Kapitalzuführende Maßnahmen im
Interesse eines finanziellen Gleichgewichts Deckung finden.
Sowohl Finanz- als auch Geldbedarf leiten sich aus dem Kapitalbedarf ab. Bei der Gründung
des Unternehmens sind alle drei Größen gleich, im Zuge der Betriebstätigkeit ergeben sich
jedoch unterschiedliche Einnahmen- und Ausgabenströme, so dass Kapital-, Finanz- und
Geldbedarf auseinander fallen.

Die Finanzplanung umfasst die folgenden Zahlungsströme:


• Ausgaben für Anlagenbeschaffungen / Einnahmen aus Anlagenverkäufen;
• Zahlungsströme im Rahmen des Leistungsprozesses;
• zum Ausgleich der Zahlungsströme aus dem Leistungsbereich notwendige Mittel aus
dem EK- und FK-Bereich;
• Zahlung von Fremdkapitalzinsen sowie Tilgungsbeträge für die Kreditdeckung;

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Gewinnausschüttungen.

Für die Finanzplanung im Unternehmen ergeben sich daher die folgenden Fragen:
1. Auf welche Zeiträume ist die Finanzplanung abzustellen?
Es ist sinnvoll, die Planungsüberlegungen auf lange Sicht abzustellen und darin mittel-
und kurzfristige Planvorhaben festzulegen. Je länger der Planungszeitraum wird, desto
elastischer müssen die Planvorgaben sein und desto gröber werden die einzusetzenden
Größen (Globalplanung).
2. Wie lauten die betrieblichen Ziele, welches ist der daraus resultierende Finanzbedarf?
Die Gestaltung der betrieblichen Leistungsprozesse und die Finanzierung beeinflussen
einander gegenseitig. Die einzelnen betrieblichen Teilpläne - also auch der Finanzplan -
haben sich dem Gesamtplan unterzuordnen.
3. Welche Finanzierungsmaßnahmen sind zu ergreifen, um beim ermittelten Finanzbedarf
das finanzielle Gleichgewicht zu sichern?
Eine ständige Prüfung des Deckungsgrades des Finanzbedarfes durch Finanzmittel wird
erforderlich. Die hohen Unsicherheiten werden durch Wahrscheinlichkeitsüberlegungen
ausgeglichen. Vielfach behilft man sich auch mit aus der Erfahrung abgeleiteten
Liquiditätsreserven.
4. Wie kann während der einzelnen Planungsperioden geprüft werden, ob das finanzielle
Gleichgewicht gesichert erscheint?
Durch die Aufstellung roulierender Finanzpläne wird Vorsorge für permanente
Planrevisionen getroffen und die Möglichkeit zu konkreten Planansätzen geschaffen.

Die betriebliche Finanzplanung lässt sich wie in Abb. 13 gezeigt einteilen.


In der Kapitalbedarfsplanung und in der Kapitalfondsplanung spiegeln sich die strukturellen
und damit auf längere Sicht gesetzten Maßnahmen zur Sicherung von Liquidität und
Rentabilität wider.

2. Die Erstellung des Finanzplanes


Die Kapitalbedarfsplanung findet eine Verbindung mit der Kapitalfondsplanung in Form
eines Finanzplanes (Finanzbudgets) für ein Planjahr (oder einen anderen Planungszeitraum).

a) Die Teilphasen der Finanzplanung


Es gibt drei Teilphasen, jede davon Voraussetzung für die nächste:
• Bedarfsplan
Eine Kapitalbedarfsrechnung ist aufzustellen, in der die zukünftigen finanziellen
Bedürfnisse prognostiziert werden.
• Beschaffungsplan (Finanzmitteldeckungsplan)
Verschiedene Deckungsmöglichkeiten sind zu analysieren, über die wirtschaftliche
Zusammensetzung des Kapitalfonds ist zu entscheiden.
• Durchführungsplan
Planung der Abwicklung der Finanzbewegungen im Detail.

b) Der Kapitalbindungsplan
...zeigt die Zusammenhänge zwischen geplanten Investitionen und Desinvestitionen.
Investitionen und Kapitalrückzahlungen werden Finanzierungen und Desinvestitionen
gegenübergestellt.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

c) Das Finanzbudget (der Finanzplan)


Aus den betrieblichen Teilplänen (Absatz, Produktion, Lager, Beschaffung, Investition)
werden die Finanzbewegungen in den Finanzplan übernommen. Der Finanzplan zeigt
frühzeitig Finanzengpässe auf und ermöglicht es, rechtzeitig Maßnahmen zu deren
Beseitigung zu suchen.
Von einem roulierenden Finanzplan spricht man, wenn der Planungshorizont immer gleich
lang bemessen ist (z.B. 12 Monate) und daher mit Ablauf einer Planperiode (z.B.: ein Quartal)
eine neue Teilperiode an das Ende des Planungshorizontes wieder angehängt wird. Dadurch
kommt es zu oftmaligen Planrevisionen und einer exakteren Planung.
Ein detaillierter Finanzplan wird in Abb. 14 gezeigt.

Die Verbindung der Kapitalbedarfsplanung mit der Kapitalfondsplanung läßt sich aus der
folgenden Übersicht erkennen:
Finanzgrundplan:
Einnahmen aus laufender Tätigkeit
- Ausgaben aus laufender Tätigkeit
- Investitionsausgaben
+ Einnahmen aus Anlagenverkäufen
= Saldo I (Überdeckung, Ausgleich oder Unterdeckung)

Finanzmitteldeckungsplan:
Einzahlungen EK
+ Einzahlung FK
- Tilgung von Krediten
- Zahlung für Fremdkapitalzinsen
- geplanter Überschuß für Ausschüttungen, Barreserven usw.
= Saldo II (Überdeckung, Ausgleich oder Unterdeckung)

Saldo II muss mit umgekehrten Vorzeichen mit Saldo I übereinstimmen, wenn ein finanzieller
Ausgleich gegeben sein soll. Andernfalls müssen ausgleichende Maßnahmen angestrebt
werden.

d) Der Finanzstatus
Der tägliche Finanzstatus dient zur Bestimmung des täglichen Geldbedarfs und seiner
Deckung. Dadurch werden jene Unternehmensbereiche besser überwacht, die Einnahmen und
Ausgaben tätigen, Zahlungsströme besser gelenkt und überschüssige Mittel optimal veranlagt.

e) Die Analyse des Finanzplanes


Ergeben sich aus dem Finanzplan Überschüsse, ist an eine Veranlagung der über die
Liquiditätsreserve gehenden Bestände zu denken, auch eine Rückzahlung von FK ist zu
erwägen.
Bei Unterliquidität muss eine finanzielle Überbrückung gefunden werden. Leidet das
Unternehmen an struktureller Erfolglosigkeit, so würde der Finanzplan entsprechend
frühzeitig die dauernde finanzielle Unterdeckung (Illiquidität) aufzeigen.

3. Die Ermittlung des Kapitalbedarfs


Der Kapitalbedarf kann auf der Basis von Einnahmen und Ausgaben oder von Einzahlungen
und Auszahlungen ermittelt werden, kurzfristige Finanzplanungen sollten sich aber immer an
Einnahmen und Ausgaben orientieren.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Aufgrund der wechselseitigen Beeinflussung nahezu aller Größen der Teilpläne sind
wiederholte (sukzessive) Planabstimmungen unumgänglich.

a) Die Bestimmungsfaktoren des Kapitalbedarfs


Der Kapitalbedarf ist von mehreren Faktoren abhängig:
• Unternehmensgegenstand (Leistungsprogramm, -breite, -tiefe);
• Verfahren der Leistungserstellung (Verfahrensgestaltung, Prozessgestaltung);
• Betriebsgröße (Ausmaß an Leistungsbereitschaft);
• Beschäftigungsniveau (geplanter, erreichter Auslastungsgrad).

Die betrieblichen Entscheidungen über diese Faktoren bestimmen das Ausmaß des
Kapitalbedarfs in quantitativer und zeitlicher Hinsicht.
Der Kapitalbedarf ist sowohl für das Anlage- als auch für das Umlaufvermögen zu ermitteln.

b) Der Kapitalbedarf für das Anlagevermögen


Die Ermittlung des Kapitalbedarfs für das Anlagevermögen ist ein Ergebnis der
Investitionsplanung. Die Anschaffungsausgaben können gemäß ihren Zahlungsfälligkeiten in
die Kapitalbedarfsrechnung übernommen werden. Es ist dabei zu bedenken, dass durch
freigesetzte Abschreibungen liquide Mittel zur Verfügung gelangen, um den weiteren
Anlagenausbau mitfinanzieren zu können. Dadurch lässt sich der von außen zu deckende
Kapitalbedarf verringern.

c) Der Kapitalbedarf für das Umlaufvermögen


Man kann sich zunächst überlegen, wie hoch der Kapitalbedarf für eine Tagesproduktion
wäre. Zusätzlich müssen dann noch Produktions- und Lagerdauer sowie die Zahlungsziele -
somit die Kapitalbindungsdauer - mitberücksichtigt werden. Je größer die Zeitspanne der
Kapitalbindung, desto größer ist der Kapitalbedarf zu veranschlagen.
Der Kapitalbedarf für das Umlaufvermögen errechnet sich dann aus:

täglicher Aufwand an Repetierfaktoren (Produktionsaufwand) * Kapitalbindungsdauer

Da die verschiedenen Positionen des Umlaufvermögens nicht die gleiche


Kapitalbindungsdauer besitzen, wird man an Stelle der Durchschnittswerte die für die
einzelnen Aufwandsarten (Material, Personal...) relevanten Kapitalbindungsfristen ansetzen.
Diese Näherungsrechnungen führen jedoch nur bei konstanter Beschäftigung und
gleichmäßigem Geldeingang zu akzeptablen Ergebnissen.

Es ist daher - vor allem in der Gründungsphase - aufschlussreicher, einen konkreten


Finanzplan für die Errechnung des Umlaufkapitalbedarfs (Kapitalbedarf für das
Umlaufvermögen) zu erarbeiten.
Dabei gilt die folgende Grundregel:
Kapitalbindende Ausgaben (z.B.: Aufwandsausgaben, Investitionsausgaben)
- kapitalfreisetzende Einnahmen (z.B.: Verkaufserlöse)
- kapitalentziehende Ausgaben (z.B.: Kredittilgung, Steuern)
= Kapitalbedarf,

Der Kapitalbedarf ist abzudecken durch kapitalzuführende Einnahmen (z.B.:


Eigenmittelzufuhr, Kreditaufnahme).

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

4. Die Zielsetzungen für die Liquiditätspolitik


Durch die Liquiditätspolitik sollen zeitlich begrenzte Liquiditätsengpässe behoben werden.
Dies kann beispielsweise durch die folgenden Maßnahmen erfolgen:
• Maßnahmen im reinen Finanzierungsbereich
- Eigen-/Fremdkapitalaufnahme;
- Verschiebung oder Stornierung von Finanzausgaben;
- Intensivierung des Mahnwesens;
- Verkauf nicht betriebsnotwendiger Vermögensteile
• Maßnahmen im Leistungsbereich
- Rationalisierung des Lagerwesens, der Produktion und des Vertriebs;
- Ausfall oder Verschiebung von Investitionen;
- Verkauf betriebsnotwendiger Investitionen und daher Kapazitätsabbau.

Die Liquiditätspolitik erstreckt sich demnach auf die Anwendung Einnahmenerhöhender bzw.
-vorziehender und/oder Ausgabensenkender bzw. -hinausschiebender Maßnahmen.

IV. Finanzierungsregeln
1. Die optimale Finanzierung als Auswahlproblem
Eine für alle Unternehmen allgemeingültige optimale Finanzstruktur (Kapitalstruktur) kann es
nicht geben. Die unternehmerischen Zielsetzungen und Strategien sind zu verschieden,
außerdem ist zu berücksichtigen, dass die einzelnen Produkte/Leistungsbereiche
unterschiedlich den verschiedenen Lebenszyklusphasen zuzuordnen sind. Auch der
gesamtwirtschaftliche Konjunkturzyklus hat entscheidende Bedeutung für den Kapitalbedarf
eines Unternehmens.

Für das Unternehmen stellt sich zunächst die Frage, welcher Anteil am Finanzierungsvolumen
der Innenfinanzierung zugewiesen werden kann/soll. Das hängt wesentlich von den
Möglichkeiten ab, den Cash Flow zu dimensionieren und zu gestalten.
In der Außenfinanzierung stellt sich die Frage, inwieweit die Finanzierung mit EK oder mit
FK zweckmäßiger erscheint.

2. Grundsätzliche Merkmale von Eigenkapital (EK) und Fremdkapital (FK)


EK-Geber haben in der Regel im Unterschied zu FK-Gebern einen Einfluss auf die
Unternehmensführung und einen Anspruch auf Offenlegung der Geschäftsgebarung. Sie
haben Eigentümerstellung, während der FK-Geber lediglich Gläubiger ist. Im Falle der
Liquidation wird der FK-Geber jedoch zuerst befriedigt (je nach Quote), der EK-Geber hat
nur einen Anspruch auf den verbleibenden Liquidationserlös. Und schließlich nimmt der EK-
Geber am Gewinn und Verlust teil, während der FK-Geber einen festen Zinsanspruch hat.

3. Die Bedeutung des Eigenkapitals als Risikokapital


Das EK ist als Risikokapital einzustufen. Je risikoreicher Investitionen sind, desto höher
müsste auch der EK-Anteil sein, da die Wahrscheinlichkeit eines Misserfolgs und des damit
verbundenen Auftretens von Zahlungsschwierigkeiten steigt.
EK dient jedoch auch der Krisenvorsorge. Es ist liquiditätsschonend, da in Zeiten schlechter
Konjunktur Tilgungsquoten und Zinsbelastungen nicht anfallen. Umfangreiche FK-
Aufnahmen machen das Unternehmen daher konjunkturanfälliger.
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Und schließlich dient das EK auch der Sicherung der unternehmerischen Unabhängigkeit, da
die Einflussmöglichkeiten der Kreditgeber klein gehalten werden können.

Betriebliche Aktivitäten sind unterschiedlich starken Risiken ausgesetzt. Das höchste Risiko
tragen Forschung & Entwicklung, das geringste Risiko trägt die Finanzierung von
Forderungen, weil ihnen schon eine Ertragsrealisierung zugrunde liegt.
Demgegenüber können auch verschiedene Klassen von Risikokapital gebildet werden, deren
Fähigkeit, Risiko abzudecken, unterschiedlich ist: Stille Reserven können das größte Risiko
tragen, auch die offenen Rücklagen sind noch sehr gut verwendbar, am schlechtesten eignet
sich zur Risikotragung vertraglich eingeschränktes Risikokapital, z.B. Genussscheine (auch
für Verlustjahre ist eine Zinszahlung vereinbart).
Aus diesen Überlegungen lässt sich als Faustregel ableiten, dass hohe Unternehmensrisiken
auch nur mit Kapital, das hohe Risken tragen kann, finanziert werden sollte.

4. Der Leverage-Effekt
Trotz dieser aus dem Gesichtspunkt des Risikos heraus unbestreitbaren Vorteile des EKs gibt
es auch gute Gründe, den Einsatz von Fremdkapital zu bevorzugen.
Ist die Rentabilität des im Unternehmen eingesetzten Gesamtkapitals höher als die Kosten des
FKs, führt der Einsatz von FK zu einer Erhöhung der Rentabilität des EKs. Es ist eine
Hebelwirkung zu beobachten, der sog. "Leverage-Effekt".
Der Austausch des eigenen Kapitals durch fremdes Kapital macht jedoch nur dann Sinn, wenn
die eigenen Mittel auf dem Kapitalmarkt zinsengünstiger angelegt werden können, als die
Zinsenbelastung für die fremden Mittel im eigenen Betrieb beträgt.

5. Das Modigliani-Miller-Theorem
Die beiden Herren Modigliani und Miller meinen, dass die Kapitalkosten auch bei einer
Änderung der Kapitalstruktur konstant sind, d.h. von dieser unabhängig sind. Diese Konstanz
gelte daher auch für den Marktwert des Unternehmens. Nur dann, wenn das Unternehmen die
Risikoklasse wechsle, änderten sich die Kapitalkosten.

6. Die Bedeutung der Eigenkapitalquote


In der expandierenden Wirtschaft der letzten Jahre nahm die EK-Ausstattung der
Unternehmen laufend ab. Solange die FK-Zunahme in der Ertragskraft begründbar ist,
entsteht kein großes Problem. Der Handlungsspielraum des Unternehmens wird jedoch
zunehmend eingeengt, die Pufferrolle des EKs geringer. Dem Grundsatz der kaufmännischen
Vorsicht kommt so zunehmende Bedeutung zu.
Als Faustregel gilt in der Praxis, dass mindestens 30% EK erreicht werden sollten.

7. Finanzierungsempfehlungen
Die klassischen (statischen) Finanzierungsregeln empfehlen aus der Erfahrung heraus ein
bestimmtes Kapitalstrukturbild, gegebenenfalls in Verbindung mit einer Vermögensstruktur.
Den Bedingungen der Unternehmensrealität würden dynamische Finanzierungsregeln besser
entsprechen.

a) Statische Finanzierungsregeln
...knüpfen an die Bilanzstruktur an und sind damit zeitpunktbezogen:
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• vertikale Finanzierungsregeln
- EK : FK = 1 : 1
- EK : FK = 2 : 1 ("gesunde" Norm zwischen EK und FK, "Banker's Rule")
• horizontale Finanzierungsregeln (Beziehungen zwischen Vermögen und
Kapital)
Goldene Bilanzregel; drei Ausprägungen:
- Anlagevermögen (AV) = EK
- AV = EK + langfristiges FK
- AV + dauernd im Unternehmen gebundenes UV = EK + langfr. FK
= Grundsatz der fristenkongruenten Finanzierung
• Current ratio: Kurzfristiges FK soll höchstens die Hälfte des UVs ausmachen.
• Acid-Test Regel: Kurzfristiges FK soll das monetäre UV nicht übersteigen.
• (Net) Working Capital (WC): Differenz zwischen UV und kurzfristigen
Verbindlichkeiten. Ein positives WC zeigt eine langfristige Finanzierung auch im UV an
und soll die finanzielle Flexibilität des Unternehmens ausdrücken.
• Maximalbelastungregeln
Verluste, die bei einer vorzeitigen Verwertung des Unternehmensvermögens auftreten,
dürfen nicht größer sein als das EK.
• Verschuldungsfaktor
Die Nettoverbindlichkeiten (Schulden - verfügbare liquide Mittel) dürfen nicht mehr als
ein bestimmtes Vielfaches (meist das Dreifache) des Cash Flows ausmachen.

b) Dynamische Finanzierungsregeln
Eine genauere Analyse kann nur an den Finanzplänen des Unternehmens anknüpfen und muß
die Zahlungsströme im Zeitablauf erfassen. Im Spannungsfeld zwischen Rentabilität und
Liquidität sollen die folgenden Faktoren besonders beachtet werden:
• Variabilität
Maximale Anpassungsfähigkeit an einen schwankenden Kapitalbedarf und wechselnde
Verhältnisse auf dem Kapital- und Kreditmarkt.
• Wirtschaftlichkeit der Finanzierung;
• qualifizierte EK-Präferenz
Bei guten Ertragsaussichten soll der Anteil des FKs zur Ausnutzung des Leverage-
Effekts erhöht werden.

8. Die Bemessung des Verschuldungsgrades


Der Verschuldungsgrad (V) errechnet sich mit folgender Formel:

V (in %) = FK/Gesamtkapital * 100

Der optimale V ist dann gegeben, wenn ein Kompromiss aus den Vor- und Nachteilen aller
Rechenhaften und nicht Rechenhaften Einflussgrößen in einer Gesamtbewertung gefunden
werden konnte und muss daher nicht dort liegen, wo die Kapitalkosten ihr Minimum
erreichen.
Die Vorteile eines steigenden Vs (z.B.: bessere EK-Rentabilität, Expansionseffekt) stehen der
Nachteil des faktisch zunehmenden Einflusses der Kreditgeber gegenüber.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

9. Die Reihenfolge in der Fremdfinanzierung


Soweit langfristiges FK nicht aus Gründen der fristenkongruenten Finanzierung mit
entsprechender Fälligkeit aufzunehmen ist, richtet sich die Reihenfolge der FK-Aufnahme
nach den Zinskosten.
Die billigste und risikoärmste Form ist der Steuerkredit (Steuerstundung; §§ 8-12 EStG).
Unverzinsliche Kredite sind Pensions- und Abfertigungsrückstellungen und
Kundenanzahlungen. Erst nach Ausschöpfen dieser Kreditformen sollten zinsbegünstigte
Kredite und schließlich alle anderen Kredite aufgenommen werden. Das Factoring ist die
teuerste Kreditform.

V. Die Investition
1. Die Gliederung der Investitionen
...erfolgt in der Regel nach der folgenden Gliederung:
• Gründungsinvestitionen;
• Investitionen im Verlauf der Betriebstätigkeit
- Ersatzinvestitionen;
- Rationalisierungsinvestitionen;
- Erweiterungsinvestitionen;
- Umstellungsinvestitionen.

2. Die Investitionsrechnung

a) Die Methoden (Verfahren) der Investitionsrechnung1


Investitionsrechnungen können nur einen Teilaspekt des Entscheidungsproblems abdecken.
Investitionsrechnungen sind jedoch unverzichtbar, da sie zu Verfahrensvergleichen und zur
Ermittlung des Kapitalbedarfs herangezogen werden können.

Als Beurteilungskriterien für Investitionsvorhaben kommen in Frage:


- Erfolgswirkung (Kosteneinsparung, Ertragssteigerung);
- Zahlungswirkung (Abzinsung der Einnahmen und Ausgaben);
- Rentabilität;
- Amortisationsdauer;
- soziale Kosten-Nutzen-Komponenten (externe Effekte werden miteinbezogen).

b) Investitionsrechnungen als Partialmodelle


Die klassischen Partialmodelle sind Ermittlungsmodelle mit einfachem Algorithmus. Die
Vorteilhaftigkeit von Investitionen ergibt sich aus einzelnen finanz- und
erfolgswirtschaftlichen Kriterien.
Optimierung durch schrittweise Abstimmung der verschiedenen Teilpläne.

• Statische Investitionsrechnungsverfahren
...berücksichtigen die zeitlichen Unterschiede im Auftreten von Einnahmen und Ausgaben
nicht oder nur unvollkommen. Daher sind sie nur für überschlägige, wenig exakte
Berechnungen sinnvoll. (Prognoseunsicherheit)

1
Grundkenntnisse aus dem Proseminar Investition und Finanzierung I werden vorausgesetzt.
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Die wichtigsten statischen Investitionsrechnungsverfahren sind:


- Wirtschaftlichkeitsvergleich (Kostenvergleich)
variablen und fixen Kosten sind bekannt → "kritischen Punkt" feststellen
(alle zusätzlichen investitionsentscheidenden Faktoren bleiben unberücksichtigt)
brauchbar, wenn Ertragserwägungen im Hintergrund; wenn Verteilung der Ausgaben im
Verhältnis der Kostenentstehung

- Gewinnvergleich
Gegenüberstellung von Periodenkosten und Periodenerlösen = Periodengewinn
Beurteilungsmaßstab: durchschnittlicher Gewinn

- Rentabilitätsvergleich
durchschnittliche Kostenersparnis oder Gewinn(zuwachs) einer Investitionsalternative je
Periode wird dem Kapitaleinsatz zum Investitionszeitpunkt gegenübergestellt, der
notwendig ist, um einen der genannten Effekte zu erzielen.
Auch kumulierte Rentabilitätsrechnung möglich (arithmetisches Mittel)

- Amortisationsrechnung (Einnahmen-Ausgaben-Vergleich)
Man entscheidet sich für die Alternative mit der kürzesten Amortisationsdauer. Eine
kurze Amortisationsdauer bei kurzer Nutzungsdauer kann einzelwirtschaftlich jedoch
wesentlich ungünstiger sein als eine verhältnismäßig lange Amortisationsdauer, wenn
gleichzeitig die Nutzungsdauer verhältnismäßig lange ist.
→ Rückflusshäufigkeit (= Gesamteinnahmen - Gesamtausgaben / AK)
Da die Amortisationsrechnung das Interesse auf billige, kurzlebige, sich rasch amorti-
sierende Objekte lenkt, sollte sie nur zusätzlich zu anderen Verfahren angewandt werden.

• Dynamische Investitionsrechnungsverfahren
...sind Mehrperiodenmodelle, die den Zeitfaktor durch Verwendung der Zinseszinsrechnung
mitberücksichtigen.

Die wichtigsten dynamischen Investitionsrechnungsverfahren sind:


- Kapitalwertmethode
Abgezinste Bruttogewinne - Anschaffungsausgaben = Kapitalwert = Barwert. Ein
Restwert der Investition wird mit den Gewinnen des letzten Jahres abgezinst und erhöht
den Barwert. Das Projekt mit dem höchsten Barwert wird realisiert.
anzuwendender Zinssatz: mit EK finanziert → Zinssatz der bestmöglichen
Alternativanlage oder EK-Rentabilität; mit FK finanziert → FK-Zinssatz
Bei unterschiedlichen Anschaffungsausgaben und unterschiedlichen Nutzungsdauern
können sich jedoch Trugschlüsse ergeben → Investitionsrechnung auf vergleichbare, d.h.
gleich lange Zeitabschnitte aufbauen!

- Annuitätenmethode
Die variierenden Jahresgewinne während der Nutzungszeit werden unter Verwendung der
Zinseszinsrechnung in Annuitäten umgerechnet. Der Barwert der Gewinne wird dazu mit
dem Wiedergewinnungsfaktor multipliziert.

- Methode des Internen Zinsfußes


Es wird festgestellt, mit welchem Prozentsatz sich die Ausgabe für eine in Aussicht ge-
nommene bzw. getätigte Investition "verzinst". Der Kapitalwert der einzelnen Jahre
abzüglich der Anschaffungskosten wird dazu gleich Null gesetzt, woraus sich der ge-
suchte Zinssatz ergibt. Je höher er ist, desto vorteilhafter ist das Investitionsobjekt.
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

- MAPI-Methode
Die Vorteilhaftigkeit der Investitionen wird auf der Basis ermittelter "relativer Rentabili-
täten" festgestellt. → Abweichungen des Betriebsgewinnes nach Durchführung bzw. nach
Aufschiebung der Anlagenbeschaffung

Obwohl die dynamischen Rechenverfahren zahlreiche Schwächen der statischen Verfahren


abbauen, sind dennoch die folgenden Grundannahmen zu beachten:
- Es wird ein vollkommener und unbeschränkter Kapitalmarkt unterstellt, indem man
mit einem einheitlichen Kalkulationszinsfuß arbeitet.
- Mittelrückflüsse aus Desinvestitionen werden unmittelbar reinvestiert.
- Es wird kein Unterschied zwischen Eigen- und Fremdfinanzierung gemacht.
- Je höher der Zinssatz, desto stärker werden zukünftige Rückflüsse abgezinst.
- Investitionsalternativen, die sich in Lebensdauer, Kapitaleinsatz und Rückflussdauer
unterscheiden, können nur unter Berücksichtigung von Komplementärinvestitionen
(Differenzinvestitionen) miteinander verglichen werden.

→ Entwicklung von neuen dynamischen Investitionsrechenverfahren = Endwertverfahren


(Aufzinsung der Zahlungsströme auf das Ende des Planungshorizontes)
unterschiedliche Zinssätze für EK und FK

Zu diesen Endwertverfahren zählen:


- Vermögensendwertmethode
Eine Investition ist vorteilhaft, wenn bei der realistischen Annahme, dass der Sollzinssatz
über dem Habenzinssatz liegt, ein positiver Vermögenswert errechnet werden kann. Die
Investitionsrendite liegt dann über dem Zinssatz für die Kapitalaufnahme.
- Sollzinssatzmethode
Ein kritischer Sollzinssatz wird ermittelt, bei dem der Vermögensendwert gerade Null
wird. Bei einem vorgegebenen Habenzinssatz ist dieser Sollzinssatz dann als kritischer
Beschaffungszinssatz für das zu investierende Kapital zu interpretieren.

• Bedeutung von optimaler Nutzungsdauer und optimalem Ersatzzeitpunkt


Bei einer einmaligen Investition liegt die optimale Nutzungsdauer bei jenem Zeitraum, bei
dem der Kapitalwert sein Maximum erreicht. Bei wiederholter Investitionstätigkeit liegt sie
dort, wo die Annuität ihr Maximum erreicht.
Ein vorhandenes Anlagegut ist zu ersetzen, wenn der zu erwartende Grenzerfolg in der
nächsten Periode niedriger (oder die Grenzkosten höher) zu veranschlagen ist als die
durchschnittlich zu erwartenden Periodenerfolge (Periodenkosten) einer neuen Anlage.

c) Investitionsprogrammentscheidungen (Simultanmodelle)
Reicht das finanzielle Potential nicht aus müssen Rangordnungsentscheidungen gefällt
werden.

Im sog. Dean-Modell sind die Investitionsvorhaben zunächst nach fallenden internen


Zinssätzen zu ordnen. Ihnen sind die Finanzierungsmöglichkeiten in der Reihenfolge
steigender Kapitalkosten gegenüberzustellen. Der optimale Umfang des
Investitionsprogramms ist im Schnittpunkt der Kapitalangebotskurve mit der
Kapitalnachfragekurve der Investitionsprojekte.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Simultanmodelle im Rahmen der linearen Programmierung berücksichtigen


Interdependenzen.
Produktionstheoretische Ansätze fassen das Investitions- und Produktionsprogramm als
Variable auf und berücksichtigen Finanzierungsrestriktionen.
Kapitaltheoretische Ansätze sehen das Investitions- und Finanzierungsprogramm als
Variable an und gehen von einem optimalen Produktionsprogramm aus.
In beiden Modellen werden Absatzobergrenzen berücksichtigt.

d) Die Berücksichtigung der Prognoseunsicherheit


Unsicherheitsspielräume sind sowohl im Investitions- als auch im Finanzierungsbereich
einzuplanen. Risikopräferenzen müssen in die Modelle eingebracht werden.
Folgende Analysen/Verfahren bieten sich an:
• Korrekturverfahren
Bei den Variablen Kalkulationszinssatz, Nutzungsdauer, Mittelrückflüsse und erwartete
Kostenersparnis sind Risikozu- und -abschläge zu berücksichtigen.

• Sensitivitätsanalyse
besonders bedeutsame Entscheidungsvariablen → sorgfältig prognostiziert und überwacht
Durch systematisches Variieren sind die einzelnen Modellgrößen auf ihre Sensibilität
gegenüber Veränderungen zu testen. Damit lassen sich kritische Werte für diese Variablen
ermitteln, deren Über- bzw. Unterschreiten das Ergebnis des Investitionskalküls
wesentlich verändern würde.

• Risikoanalyse
Die Abschätzung von Wahrscheinlichkeiten führt zur Prognose-Simulation und damit zur
Entwicklung von Risiko-Chancen-Profilen einzelner Investitionsalternativen.

• Entscheidungsbaumanalyse
Der Entscheidungsbaum zeigt graphisch die Lösungswege auf, die mit verschiedenen
Wahrscheinlichkeitsgraden zu unterschiedlichen Ergebnissen auf gesetzte Maßnahmen
führen. Dabei soll jener Wert gefunden werden, der zu einem möglichst hohen
Erwartungswert der Zielgröße (z.B. des Kapitalwertes) führt

Jedenfalls sollen aber Investitionskalküle nicht so sehr alle Einflüsse erfassen, sondern
vielmehr die wesentlichen Zusammenhänge eines Investitionsproblems erkennbar machen.

VI. Der Einfluss steuerlicher Vorschriften auf Investition und


Finanzierung
1. Grundfragen der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre
Einerseits belasten Steuern den Kapitalbeschaffungsvorgang, indem der beschaffte Betrag
dem Unternehmen nicht in voller Höhe zur Verfügung steht. Andererseits begünstigen
Steuern die Kapitalbeschaffung, indem sie Möglichkeiten zur Innenfinanzierung schaffen.

Langfristige Überlegungen der Steuerlehre betreffen die Wahl


• der Rechtsform,
• der Finanzierungsstruktur und
• des Standortes.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Kurz- und mittelfristige Überlegungen beziehen sich auf


• die Auswirkung bilanzpolitischer Maßnahmen auf die laufenden Steuern,
• die Auswahl der verschiedenen Investitions- und Finanzierungsbegünstigungen
• die Wirkung der Finanzierung aus Rückstellungen im Bereich des Sozialkapitals.

Der Schwerpunkt der steuerlichen Begünstigung für Unternehmen liegt in kurz- und
mittelfristigen Steuerkrediten (Steuerstundungen). Nur bei Investitionen von unmittelbarem
Interesse für die Allgemeinheit (z.B.: Umweltschutzanlagen) werden Steuerkredite auch
langfristig gewährt.

steuerrechtliche Klassifikation der einzelwirtschaftlichen Aktivitäten als betriebliche


Tätigkeiten - Merkmale:
• Selbständigkeit
• Leistungserstellung
• Leistungsfaktoren
• Nachhaltigkeit

2. Steuerliche Einflüsse auf die Außenfinanzierung

a) Die Besteuerung von Gründungs- und Kapitalerhöhungsvorgängen


...nimmt die Form von zahlreichen Gebühren und Verkehrssteuern an. Andererseits fördert
das Steuerrecht aber auch durch Sondervorschriften die Aufbringung von Risikokapital.

b) Die Besteuerung des Kapitaleinsatzes im laufenden Umsatzprozeß


Die folgenden Steuerarten sind dabei zu beachten:
• Einkommens- und Körperschaftssteuer
Unternehmensgewinne bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften: ESt;
bei Kapitalgesellschaften: KSt (30%)
Ausgeschüttete Gewinne bei den Gesellschaftern: ESt; natürliche Personen nur halbe
Durchschnittseinkommenssteuer; Werden Gewinne nicht ausgeschüttet, so sind sie bei den
Kapitalgesellschaften wesentlich geringer belastet als bei Personengesellschaften.

• Kommunalsteuer
Die frühere Lohnsummensteuer würde mit 01.01.1994 durch die Kommunalsteuer ersetzt.
Steuerpflichtig sind alle Unternehmen im Sinne des Umsatzsteuergesetzes.

c) Steuerbelastungsvergleich
Stellt man die Steuerbelastung in einem Einzelunternehmen jener in einer Kapitalgesellschaft,
deren ausgeschütteter Gewinn der höchsten Progressionsstufe unterliegt, gegenüber, so zeigen
sich die folgenden Ergebnisse:
- das Nettoeinkommen der KapGes ist bei voller Gewinnausschüttung etwa gleich groß
- wird der Gewinn nicht ausgeschüttet, ergibt sich ein erheblicher Vorteil für die
KapGes.

In allen Fällen der Selbstfinanzierung ergibt sich eine Besserstellung der Kapitalgesellschaft
gegenüber der Personengesellschaft und dem Einzelunternehmen.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

3. Steuerliche Einflüsse auf die Innenfinanzierung

a) Offene und Stille Selbstfinanzierung


offene Selbstfinanzierung: Gewinne nicht ausgeschüttet, sondern den Kapital- und
Rücklagekonten zugeführt.
stille Selbstfinanzierung: Bildung stiller Reserven bei Aktiv- und Passivpositionen im
Rahmen der Bilanzbewertung. Der Gewinn scheint daher vorerst nicht auf und wird erst bei
Auflösung der stillen Reserven besteuert. Investitionen können so billiger finanziert werden.

b) Gesetzliche und freie Rücklagen


Die gesetzliche Rücklage ist zweckgebunden für die Deckung von Verlusten, während die
freie Rücklage beliebig verwendet werden kann. Beide Rücklagen können jedoch erst nach
Versteuerung des Gewinns gebildet werden.

c) Investitionsfreibetrag (nicht mehr) → Investitionszuwachsprämie (für 02-04)

d) Übertragung stiller Reserven und Übertragungsrücklage (§ 12 EStG)


stillen Reserven bei Veräußerung: Unterschiedsbetrag zwischen den Veräußerungserlösen und
den Buchwerten → von den Anschaffungs- oder Herstellkosten der im gleichen
Wirtschaftsjahr angeschafften oder hergestellten Wirtschaftsgüter des AV abgesetzbar
Die Übertragung nur auf gleichartige Wirtschaftsgüter und nur zulässig, wenn sich die
Wirtschaftsgüter mindestens sieben (bei beweglichen) oder 15 (bei unbeweglichen) Jahre im
Betriebsvermögen befunden haben.

e) Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter (§ 13 EStG)


Anschaffungs- oder Herstellungskosten für abnutzbare Wirtschaftsgüter von bis zu 400 Euro
können im Jahr der Anschaffung als Betriebsausgaben abgesetzt werden.

f) Überblick bestehende steuerliche Anreize


• Investitionen in Sachanlagen (Übertragung stiller Reserven)
• Investitionen in Forschung und Entwicklung (Forschungsfreibetrag)
• Investitionen in Humankapital (Bildungsfreibetrag)

g) Sozialkapital
• Vorsorge für Abfertigungen (Abfertigungsrückstellung)
• Vorsorge für Pensionen (Pensionsrückstellung)
• Vorsorge für Jubiläumsgelder (Jubiläumsrückstellung)

h) Anlagensubventionen
Zuwendungen aus öffentlichen Mitteln mindern die Anschaffungs- und Herstellungskosten
von Anlagen und in der Folge den Abschreibungsaufwand. Sie stellen eine Investitions-
förderungsmaßnahme dar und führen bei der Anschaffung zu Stillen Reserven.

i) Rückstellungen
• Abfertigungs- und Pensionsrückstellungen sowie Rückstellungen für Jubiläumsgelder
• Einzelrückstellungen, wenn konkrete Umstände nachgewiesen werden können oder
dem Entstehen einer Verbindlichkeit oder eines Verlustes ernsthaft zu rechnen ist. zB

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Rechts- und Beratungsaufwand, Prozesskosten, drohende Verluste aus schwebenden


Geschäften
• Pauschalrückstellungen aller Art werden steuerlich nicht anerkannt.

4. Auswahlkriterien für die Inanspruchnahme steuerlicher Begünstigungen


Ihre Anwendung erfordert daher eine Auswahl und Gewichtung. Für die Auswahl sind zwei
Fragestellungen entscheidend:
• Welche unmittelbare Steuerersparnis ergibt sich im Jahr der Inanspruchnahme
(Liquiditätswirkung)?
• Welche Steuerersparnis/Zinsersparnis läßt sich insgesamt (also auch in den Folgepe-
rioden) aus der Begünstigung ableiten (Rentabilitätswirkung)?

Grundsätzlich sollten die Rentabilitätseffekte im Vordergrund stehen. Ist die Zukunft des
Unternehmens jedoch sehr unsicher und/oder hat es Liquiditätsprobleme
→Liquiditätsüberlegungen in den Vordergrund
Inanspruchnahme von steuerlichen Begünstigungen →Verbesserung der Kapitalstruktur

5. Berücksichtigung der Steuerbegünstigungen in den


Investitionsrechnungen
Berücksichtigt man in der Investitionsrechnungen bei den Rückflüssen der einzelnen Perioden
die Abschreibungen (-) und die Gewinnsteuern (-), können sich die Ergebnisse wesentlich
verändern. Die Rückflüsse werden dadurch zwar kleiner, allerdings muss auch der
Kalkulationszinssatz um den Ertragssteuersatz i herabgesetzt werden:
is = (1-s)i
is...Kalkulationszinssatz nach Steuern, i...Kalkulationszinssatz vor Steuern, s...Steuersatz.

Dadurch erhöht sich der Kapitalwert meist wesentlich.

Die Berücksichtigung von Steuern bei der Ermittlung des Kapitalwertes führt gleichzeitig zu
zwei Teileffekten:
• Der Kapitalwert wird durch den geringeren Kapitalisierungszinssatz erhöht
(Zinseffekt);
• Der Kapitalwert wird wegen der Verminderung der Einzahlungsüberschüsse um die
Steuern vermindert (Volumenseffekt).

Je nach den Gegebenheiten des Einzelfalls kann der Steuereffekt unter dem Strich positiv
oder negativ beurteilt werden. Ein bisher vorteilhaftes Projekt kann durch die Einbeziehung
von Steuern unvorteilhaft werden, ein Unvorteilhaftes jedoch auch vorteilhaft
(Steuerparadoxon) → hängt von der zeitlichen Verteilung der Steuerzahlungen ab.

VII. Die Organisation der betrieblichen Finanzwirtschaft

1. Das Finanzmanagement
Das Finanzmanagement eines Unternehmens erstreckt sich auf die folgenden Teilaufgaben:
• Finanzierung;
• strukturelle Liquiditätssicherung (Abstimmung Investition - Finanzierung);
• situative Liquiditätssicherung (tägliche Finanzmitteldisposition);
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Haltung einer Liquiditätsreserve;


• Liquiditätspolitik im Krisenfall.
Jede dieser Aufgaben ist in den Teilphasen Planung, Realisation und Kontrolle zu erfüllen.

In großen Unternehmen ist der Finanzvorstand oberster Träger der finanziellen Führung. Ihm
sind die Instanzen des Treasurers und des Controllers untergeordnet.

Der Finanzvorstand erfüllt die folgenden Aufgaben:


• generelle Führungsverantwortung für die großteils delegierten Teile der finanziellen
Aufgaben (Zielvereinbarung, Personalauswahl, Kontrolle der finanziellen Führung);
• Repräsentation bei Verhandlungen über Arten, Volumina, Fristen, Konditionen be-
stimmter Finanzierungen;
• Konfliktregelung bei Konflikten mit anderen Vorstandsbereichen;

Die Realisationsverantwortung des Treasurers (Finanzleiters) umfasst:


• Führung von Finanzierungsverhandlungen;
• Lenkung der Zahlungsströme in der täglichen Finanzdisposition;
• Anlage freigesetzter Mittel, Wechseldisposition, Liquiditätsreserven;
• Inkasso- und Mahnwesen.

Die Rechnungsverantwortung des Controllers umfasst:


• Veranlassung und Koordination der für die integrierte Unternehmensplanung
erforderlichen Primärinformationen aus den verschiedenen Teilplänen;
• Finanzplanung (Finanzstatus, kurzfristige Finanzplanung, langfristiger
Kapitalbindungsplan);
• Feststellung der Kontrollergebnisse und Analyse der Planabweichungen.

In mittleren Unternehmen ist die Arbeitsteilung oft nicht so ausgeprägt. Die Funktionen des
Treasurers verbleiben beim Finanzvorstand, der Controller bekommt noch Aufgaben der
Innenrevision übertragen.

2. Die Einordnung der Finanzwirtschaft in die Unternehmensorganisation


Die Finanzwirtschaft kann entweder zentral oder dezentral wahrgenommen werden.
funktionale Unternehmensstruktur: Finanzwirtschaft meist direkt der
Unternehmensführung untergeordnet (2. Ebene), oft ist auch ein Vorstandsmitglied für die
Finanzwirtschaft verantwortlich.
objektorientierten Unternehmensstruktur: Finanzwirtschaftsfunktion zum Teil
dezentralisiert in den einzelnen Spartenbereichen und zum Teil zentralisiert.
Die Koordination kann auch von einem Finanzausschuss wahrgenommen werden, wenn die
funktionale Gliederung sehr ausgeprägt ist.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

D. Die Produktion
I. Der Begriff Produktion
Als Produktion wird im Allgemeinen jener Bericht im Rahmen des prozessualen
Betriebsgeschehens angesehen, der unmittelbar auf die Hervorbringung der Betriebsleistung
ausgerichtet ist.

Leistungserstellung:
- die Gewinnung von Rohstoffen in Gewinnungsbetrieben
- die Herstellung von Erzeugnissen in Fertigungsbetrieben
- die Bearbeitung von Rohstoffen und Erzeugnissen in Bearbeitungsbetrieben
- die Erbringung von Dienstleistungen durch Dienstleistungsbetriebe

Der Bereich der betrieblichen Leistungserstellung steht den Bereichen der betrieblichen
Leistungsverwertung (Absatz) und der Finanzierung (Verwendung von Kapital) gegenüber.

Produktion: ist jede Kombination von Produktionsfaktoren


Betriebliche Leistungserstellung hat drei Grundfunktionen: Beschaffung, Lagerhaltung und
Fertigung.

Lagerung: sowohl im Bereich Produktion als auch Absatz zugeordnet


Transportfunktion: Gütertransport vom Beschaffungsmarkt zum Lager wie auch
innerbetrieblicher Transport.
Logistik: alle sachgüterorientierten Prozesse der Distanzüberwindung und Zeitüberbrückung

II. Die Gestaltung des Produktionsprozesses


1. Die Produktionsplanung

a) Die Planungskriterien
Bestimmung des Produktionsprogramms ist von der Zielsetzung des Unternehmens
abhängig und richtet sich nach:
- Art der zu erstellenden Leistung
- Häufigkeit der Wiederholung der Fertigungsvorgänge
- Kriterien für optimalen Produktionsumfang
Weiters werden diese Überlegungen beeinflusst von:
- Betriebsausstattung
- Kapazität
- Absatzmöglichkeiten
- Finanzierungsmöglichkeiten
- Kostenverhältnissen
Soweit möglich, wird eine Übereinstimmung zwischen Betriebsleistung und Marktleistung
angestrebt.

b) Die Abstimmung im Rahmen der betrieblichen Teilpläne


Die Produktionsplanung muss auf alle anderen betrieblichen Teilpläne abgestimmt werden,
sodass sie letztlich ein Teil des betrieblichen Gesamtplanes ist.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Besondere Beachtung benötigt die Abstimmung des Produktionsplanes mit dem Absatzplan
durch den engen Zusammenhang der beiden Bereiche. Weiters ist der Produktionsplan mit
dem Finanz- und Beschaffungsplan zu koordinieren.
Der Produktionsplan braucht elastische Vorgaben und laufende Kontrolle, um die
Entsprechung zwischen Produktion und Absatz zu verfolgen.

c) Der Ausgleich saisonaler Schwankungen


Dies kann geschehen:
- Produktionsmengen werden variabel mit unterschiedlich hohen Absatzzahlen geplant
- Produktion ist konstant, Mengenausgleich erfolgt über Lagerhaltung
- Saisonale Spitzen werden durch Vergabe an Fremdbetriebe abzubauen.
- Komplementäre Produkte werden ins Produktionsprogramm aufgenommen, deren
Saisonzyklen zu den ursprünglichen Produkten konträr sind.

Der Ausgleich ist für Dienstleistungsbetriebe nicht machbar, da ihre Leistungen nicht
speicherbar sind.

2. Die Fertigungsverfahren
Die Fertigungsabläufe sollen so gestaltet sein, dass eine kostengünstige Leistungserstellung
möglich ist.
Gliederungsaspekte der Fertigungsverfahren:
- nach Aufbau des Fertigungsprogrammes (Einzel- und Mehrfachfertigung)
- organisatorisch-technische Gestaltung des Fertigungsprogrames

a) Fertigungsprogrammorientierte Gliederung
Einzelfertigung: Jede Betriebsleistung bildet eine gesonderte Auftragseinheit, bewirkt daher
relativ hohe Kosten der Leistungseinheit.
Mehrfachfertigung: Es wird gleichzeitig oder in unmittelbarer zeitlicher Aufeinanderfolge
eine größere Zahl von Leistungen erstellt.
• Massenfertigung: Herstellung einer unbegrenzten Menge gleicher
Leistungen in großem Umfang (einfache, mehrfache oder parallele Massenfertigung)
• Serienfertigung: begrenzte Zahl gleichartiger Leistungen erbracht, die
gleichzeitig oder in unmittelbarer zeitlicher Aufeinanderfolge hergestellt werden. Nach
Abschluss des Leistungsumfanges wird eine neue Serien aufgelegt.
• Sortenfertigung: gleichzeitige Herstellung verschiedener Güter mit
Rohstoff- und Produktionsverwandschaft.

b) Die fertigungsablauforientierte Gliederung


• Werkstattfertigung: Verrichtungen der gleichen Art durch
Zusammenfassung der für sie notwendigen Maschinen an einem abgegrenzten Ort
• Gruppenfertigung: die für mehrere Teilproduktionsvorgänge
erforderlichen Produktionsmittel (innerhalb derer regelmäßig Fließfertigung angewendet
wird) werden zusammengefasst
• Fließfertigung: Maschinen und Handarbeitsplätze gleicher Art sind in
einer Werkstätte vereinigt; die Fließfertigung ist durch die Anordnung der
Arbeitsvorgänge in der Aufeinanderfolge gekennzeichnet, die der Produktionsvorgang
erfordert.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

3. Die Bestimmung der optimalen Losgröße


Um das Stückkostenminimum zu erreichen und zu einem Höchstmaß an Wirtschaftlichkeit zu
gelangen, muss ein Betrieb versuchen, die Fixkostendegression voll wirksam werden zu
lassen. Der Einfluss der fixen Kosten ist ein bestimmender Faktor für die Festlegung der
optimalen Losgröße.
Auflagenfixe Kosten sollen mit der zunehmenden Größe des Auftrages sinken; die optimale
Losgröße liegt dort, wo die Stückkostenbelastung aus der Summe der fixen Auftragskosten
und Zinsen-, Lager- und Wagniskosten am günstigsten ist. Diese Losgröße lässt sich mit
dieser Formel errechnen: (Siehe Seite 403)
X = √(Einrichtekosten pro Los * 200) / (benötigte Stückzahl zum Verkauf in einem Monat *
Monatszinsfuss * Stückkosten) * benötigte Stückzahl zum Verkauf in einem Monat

Für die Ermittlung der optimalen Losgröße ist auch die Produktions- und
Absatzgeschwindigkeit zu berücksichtigen.

4. Die Rationalisierung des Produktionsprozesses


• technische Rationalisierung: Verwendung zweckmäßigerer Maschinen und Anlagen
sowie besserer Herstellungsverfahren
• soziale Rationalisierung: Schulung der Arbeiter usw.
• organisatorische Rationalisierung: das Kostenniveau des Betriebes soll durch
Normung (Vereinheitlichung von Einzelteilen), Typisierung (einheitliche Festlegung von
Fertigungsprodukten) und Spezialisierung (Beschränkung des Produktionsprogramms auf
einen bzw. wenige Artikel) gesenkt werden. Die Spezialisierung kann horizontal und
vertikal durchgeführt werden.

5. Integrierte Fertigungssysteme
Neue Produktionstechnologien sind durch den vermehrten Einsatz von EDV entstanden,
Merkmale dieser Technologien sind Automation, Flexibilität und Integration.
• Computer Integrated Manufacturing (CIM): gezielter Einsatz von kompatiblen
Computertechnologien zur Automation des Produktionssystems auf Ebene des
Informations- und Materialflusses. Nutzung bedeutender Rationalisierugspotentiale.
• CAD/CAM-Systeme: Verbindung zwischen der computerunterstützten Konstruktion
(CAD) und der computerunterstützten Fertigung (CAM); bauen auf Koppelung von
Hard-, Software- und Datenbankelementen auf.
• Flexible Fertigungssysteme (FFS): setzen sich aus mehreren Bearbeitungssystemen
zusammen
• Produktionsplanung und –steuerung (PPS): Vier Aufgabenbereiche: Planung des
Produktionsprogrammes, Terminplanung, Steuerung der Produktionsdurchführung,
Datenverwaltung

Produktionstechnologien sind ein bedeutendes Wettbewerbsinstrument, da sie Kosten- und


Leistungsstrukturen des Unternehmens beeinflussen.

6. Charakteristische Merkmale bei der Erstellung von Dienstleistungen


Dienstleistungen sind entweder unterstützend für die Sachleistung (induziert tertiäre
Leistungen) oder unmittelbar verbrauchsorientiert (stark vom Konsumentenverhalten
abhängig).
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a) Der immaterielle Leistungscharakter


Dienstleistungen sind körperlich nicht greifbare Leistungen:
• persönliche Dienstleistungen am Menschen
• Dienstleistungen zur Vollendung des Produktionsprozesses
• Erhaltungs- und Reparaturdienste

b) Die mangelnde Speicherfähigkeit


Speicherung und damit Ausgleich der zeitlichen und mengenmäßigen Kongruenzen über
Beschaffung, Produktion, Absatz und Lagerung ist nur in beschränktem Umfang gegeben;
erfordert daher die Synchronisierung von Produktion und Verbrauch

c) Die Dominanz der Leistungsbereitschaft


Die Leistungserstellung im Dienstleistungsbereich ist von der Bereitschaft zur Erbringung der
Leistung geprägt. Die Betriebe müssen ein bestimmtes Leistungspotential aufrechterhalten
und sind auch gezwungen, die Betriebskapazität nach dem Spitzenbedarf auszurichten.
Außerhalb dieser Spitzenzeiten kommt es daher zu Leerzeiten und zum Absinken der
Leistungsbereitschaft. Hier ist das Dienstleistungsmarketing gefragt, in dem vor allem der
Preis- aber auch der Kommunikationspolitik große Bedeutung zukommt.

7. Maßnahmen zur Qualitätssicherung (Qualitätsmanagement)


Maßnahmen, um die Qualität beim Ergebnis der Leistungserstellung beizubehalten, werden
unter den Begriffen Qualitätssicherungssystem oder Qualitätsmanagement zusammengefasst.
Qualität ist die Beschaffenheit einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und
vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen.
Kritische Qualitätsfaktoren können sein: kardinal messbare Größen, Kundenzufriedenheit,
Einhaltung von Rahmenbedingungen, wertbezogene Kriterien.
Qualitätsmanagement: alle Aktivitäten zur Qualitätssicherung; beinhaltet die
Qualitätsplanung, Qualitätsorganisation, Qualitätssteuerung und die Mitarbeiterführung zur
Qualitätspolitik.

• ISO (International Standards Organisation) Normenreihe 9000 : Regeln eines


branchen- und produktunabhängigen Systems für Waren und Dienstleistungen. Die
Normen zielen auf die Gestaltung der Strukturen und Abläufe in der betrieblichen
Leistungserstellung ab.
ISO 9000:2000: Grundsätzen zum Qualitätsmanagement.
ISO 9001:2000: Qualitätsmanagementsystem, Grundlage für Zertifizierung.
ISO 9004:2000: Verbesserung der Gesamtleistung und Effizienz eines Unternehmens.
Um eine Zertifizierung nach ISO zu erhalten, muss man ein internes
Qualitätsmanagementsystem nachweisen. Der Prozess der Einführung eines
Qualitätsmanagements gliedert sich in acht Hauptaktivitäten.

• European Quality Arward (EQA): Europäisches Modell für umfassendes


Qualitätsmanagement, Alternative zu ISO. Berücksichtigt die Qualitätsbeurteilung von
Potentialfaktoren (Führung, Mitarbeiter usw.) und Ergebniskategorien (Kunden – und
Mitarbeiterzufriedenheit usw.)

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Gemeinsames Europäisches Qualitätsbewertungssystem – Common Assessment


Framework (CAF): sieht den einfachen Rahmen für eine Selbstbewertung in
standardisierter Form vor.

• Total Quality Management (TQM): langfristiges, integriertes


Unternehmenskonzept. Für die Qualität der Leistungserstellung ist nicht eine einzelne
Abteilung zuständig, sondern das ganze Unternehmen.
Wesentliches Merkmal: Arbeit in Qualitätszirkeln.

• Generic Management System (GMS): verbindet Qualitätswesen, Umweltschutzund


technische Aspekte der Arbeitssicherheit zu einem einheitlichen Ansatz für die
Unternehmensentwicklung.

• Six Sigma: Impulse für die Neugestaltung von Leistungsprozessen kommen von den
Mitarbeitern. Six Sigma leitet den Unternehmenserfolg von drei wesentlichen
Erfolgsfaktoren ab (Kunden, Prozesse und Mitarbeiter). Es fördert das Denken in
Leistungsprozessen (best practices).

III. Die Grundlagen der Kostentheorie


1. Der Standort der Kostentheorie
Kosten sind Werteinsatz zur Leistungserstellung.
Was Kosten nach Umfang und Wertansatz sind, ist zweckabhängig, dh davon bestimmt,
wofür die Kostenrechnung bestimmt ist.

2. Fixe und variable Kosten


Kostengruppe mit fixem Charakter: zeitabhängige Kosten, beschäftigungsunabhängige
Kosten, Zeitkosten
Kostengruppe mit variablem Charakter: beschäftigungsabhängige Kosten, Mengenkosten

a) Die fixen Kosten


Sind vom jeweiligen Beschäftigungsgrad des Unternehmens unabhängig. Dazu zählen zB
Kapazitätskosten, Personalkosten ua. Fixe Kosten sind langfristig auch abbaubar, dh die
„Fixheit“ der Kosten bezieht sich nur auf eine bestimmte Zeitperiode.

b) Die sprungfixen Kosten


Werden durch zusätzliche Einstellung zB von Maschinen oder die zusätzliche Aufnahme von
Arbeitskräften ausgelöst. Ursache der sprungfixen Kosten ist die mangelnde Teilbarkeit der
Produktionsfaktoren. Bedeutend für die Gesamtkostenkurve ist, ob sprungfixe Kosten in
regelmäßigen Intervallen auftreten oder in unregelmäßigen Abständen.

c) Nutzkosten und Leerkosten


Die Kosten – verursacht durch die Notwendigkeit einer bestimmten Betriebsbereitschaft –
werden in Nutzkosten und Leerkosten unterschieden. Die anteiligen Fixkosten für den nicht
genutzten Teil eines Produktionsfaktors sind Leerkosten, der andere Teil stellt Nutzkosten
dar. Ein nicht genutzter Produktionsfaktor bewirkt nur Leerkosten, ein voll ausgenützter
ausschließlich Nutzkosten.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

d) Die variablen Kosten


Proportionale Kosten: haben eine der Beschäftigungszunahme gleichlaufende Veränderung
Progressive Kosten: steigen verhältnismäßig stärker als die Beschäftigung zunimmt.
Degressive Kosten: wachsen langsamer, als der Beschäftigungsgrad zunimmt
Regressive Kosten: nehmen bei steigendem Beschäftigungsgrad absolut ab.

In der Praxis sind die fixen von den variablen Kostenelementen nicht immer klar trennbar.
Langfristig sind auch fixe Kosten abbaubar, andererseits gibt es teils fixe und variable
Kostenelemente.

3. Die Kostenremanenz
Die Annahme, dass der Kostenverlauf bei zunehmendem Beschäftigungsgrad stets dem
Kostenverlauf bei abnehmendem Beschäftigungsgrad entsprechen müsste, trifft nicht zu.
Einzelne Kostenelemente bzw. Kostengruppen sinken bei rückläufiger Beschäftigung nicht im
gleichen Umfang wie sie ursprünglich ei steigender Beschäftigung zugenommen haben.
Ursache für die Kostenremanenz sind arbeitsrechtliche Bestimmungen, mangelnde Teilbarkeit
von Produktionsfaktoren, wie auch soziale und psychologische Gründe.

IV. Gesamt – und Stückkostenverläufe


Es sind zwei unterschiedliche Auffassungen zu unterscheiden:
S-förmiger Gesamtkostenverlauf, der dem Ertragsgesetz entspricht und linearer
Gesamtkostenverlauf.

1. Der Gesamtkostenverlauf nach dem Ertragsgesetz

a) Die Darstellung im Sinne der Analyse von Mellerowicz


Mellerowicz baut seine Kostenanalyse auf der Klärung des Begriffes des Reagibilitätsgrades
auf. Dieser bringt die größenmäßige Kostenreaktion auf Änderungen des
Beschäftigungsgrades zum Ausdruck. Er ergibt sich aus der Gegenüberstellung der
prozentuellen Änderung der jeweiligen Kostenart (k) zur prozentuellen Änderung des
Beschäftigungsgrades (b): r = k/b

Es gibt drei Reagibilitätsgrade zu unterscheiden:


• Wert von 1: Kostenänderung folgt der Beschäftigungsänderung gleichlaufend. Es
handelt sich um proportionale Kosten, wozu vor allem Einzelkosten gehören.
• Wert von 0: Beschäftigungsgradänderung lösen keine Kostenänderungen aus.
Kostenarten, die von Beschäftigungsänderungen unbeeinflusst bleiben, sind fix. Praktisch
wird zwischen völlig starren und vermeidbaren fixen Kosten unterschieden. Völlig starre
Kosten sind Vermögenskosten (zB Zinsen), vermeidbare fixe Kosten sind Gehälter und
Löhne.
• Wert von 0-1: dieser Wert ist kennzeichnend für die meisten Kostenarten. Sie folgen
Beschäftigungsänderungen, wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und in
unterschiedlichem Umfang. Sie besitzen unterproportionalen Charakter.

Die Charakteränderung proportionaler und unterproportionaler Kosten durch Überschreitung


der Elasitzitätsgrenzen liegen im Mehrverbrauch, erhöhten Kosten u dgl.
Allgemein gilt, dass fixe, proportionale und unterproportionale Kosten so lange ihren
Grundcharakter beibehalten, als sie Elastizitätsgrenzen nicht überschritten werden.
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Daher unterscheidet man in zwei Gruppen:


• Fixe Kosten: absolut und relativ fixe Kosten
• Veränderliche Kosten: proportionale und unterproportionale Kosten

Es ergibt sich ein typischer Gesamtkostenverlauf → typischer Stückkostenverlauf.


Daher wird auch in drei verschiedene Zonen unterschieden:
• Degressionszone: zu den absolut fixen Kosten treten die relativ fixen Kosten und
nebeneinander proportionale und unterproportionale Kosten. Die Gesamtkosten steigen
absolut, aber nicht so stark, wie die Beschäftigung. Die Stückkosten werden absolut
kleiner, man spricht vom „Gesetz des abnehmenden Kosten- und zunehmenden
Ertragszuwachses“.
• Proportionalitätszone: Der Beschäftigungsgrad steigt weiter und es werden in
unterschiedlich schneller Weise die Elastizitätsgrenzen erreicht. Die Gesamtkosten steigen
in gleichem Maße wie die Beschäftigung, die Stückkosten sind konstant und haben ihr
Minimum erreicht. Der Betrieb unterliegt dem „Gesetz des gleich bleibenden Kosten- und
des konstanten Ertragszuwachses“.
• Progressionszone: Die Beschäftigung erfährt eine übermäßige Ausnutzung. Die
Gesamtkosten steigen verhältnismäßig stärker als sie Beschäftigung, die Stückkosten
werden absolut höher, man spricht vom „Gesetz des zunehmenden Kosten- und
abnehmenden Ertragszuwachses“.

b) „Kritische Punkte“ im betrieblichen Geschehen


Grenzkosten: jene Kosten, die bei einer Ausdehnung der Produktion durch die zusätzliche
Produktionseinheit auflaufen.
Der Gesamt- und Stückkostenverlauf nach dem Ertragsgesetz führt zu so genannten
„kritischen“ Punkten des betrieblichen Geschehens:

Nutzschwelle: ist erreicht, wenn die Gesamterlöse gleich sind den Gesamtkosten bzw. wenn
der Stückpreis den Stückkosten entspricht.

Nutzgrenze: Gesamtkosten und Gesamterlöse (Stückkosten und Stückpreise) werden durch


die Kostenprogression wieder gleich hoch.

Betriebsoptimum: Schnittpunkt von Grenzkostenkurve und Stückkostenkurve. Hier ist der


Stückgewinn am höchsten.

Betriebsmaximum: Der Betriebsgewinn ist am höchsten, die Grenzkosten sind so hoch wie
die Stückkosten. Vom Betriebsoptimum bis zum Betriebsmaximum nimmt der
Betriebsgewinn bei schon sinkenden Stückgewinnen zu, da die Grenzkosten noch niedriger
sind, als der Stückpreis.
Nach Erreichen des Betriebsmaximums sinkt bei weiterer steigender Produktion der
Betriebsgewinn, da die Grenzkosten die Stückpreise übersteigen dh jede zusätzliche
Produktionseinheit verursacht höhere Kosten, als Erlöse erzielt werden können.

2. Der lineare Kostenverlauf


Die Möglichkeit des S-förmigen Kostenverlaufes wird hier grundsätzlich nicht in Zweifel
gestellt werden, aber es soll je nach der Form der betrieblichen Anpassung an die
Beschäftigungsänderung die speziellen Kostenkurven erfasst werden, um ein umfassendes
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

und den realen Gegebenheiten entsprechendes System von Kostenkurven zu entwickeln. Eine
große Zahl von Kosteneinflussgrößen, die außerhalb des Bereiches der
Beschäftigungsänderung liegen und Wirkung auf Gesamt- und Stückkostenniveau ausüben,
sollen ebenfalls in Betracht gezogen werden.

a) Die kostentheoretischen Perspektiven im Sinne der Analyse von Gutenberg


Das Produktionskostenniveau wird von Einflüssen verschiedenster Art bestimmt. Es sind die
Faktorpreise, multipliziert mit der Faktormenge, die das Kostenniveau bestimmen. Als
Kosteneinflussgrößen gelten die Faktorqualitäten, die Faktorproportionen und die
Faktorpreise.

• Kosteneinflussgrößen
Faktorqualitäten: Die technisch-organisatorischen Produktionsbedingungen
(Faktorqualitäten) sind bestimmt von der Qualität des Betriebsmittelbestandes, von den
verwendeten Werkstoffen, von den Arbeitskräften und von der Betriebsleitung und ihren
Fähigkeiten.
Das Produktionskostenniveau ist von der Qualität dieser Faktoren bestimmt und wird
umso niedriger sein, je besser die einzelnen Produktionsfaktoren auf die Betriebsaufgaben
eingestellt sind.
Beschäftigung: ist die zweite Haupt- Kosteneinflussgröße. Bei Änderung der
Beschäftigung kommt es zu Änderungen in den Faktorproportionen; sie ist somit eine
unabhängige Variable, die Änderungen in den Faktorproportionen nach sich zieht.
Faktorpreise: Kann unter zwei Aspekten gesehen werden; je nachdem, ob eine Änderung
der Preise das Mengengerüst der Kosten beeinflusst oder nicht.
Betriebsgröße: Löst eine Änderung der Betriebsgröße eine Änderung im Verhältnis der
Faktorproportionen aus, dann hat sie Einfluss auf das Kostenniveau des Betriebes.
Fertigungsprogramm: es gilt das gleiche wie für die Betriebsgröße

• Anpassungsprozesse als Folge von Beschäftigungsänderung


Die Abhängigkeit der Kosten vom Beschäftigungsgrad kann nicht durch eine einzige
Kostenkurve zum Ausdruck gebracht werden. Daher muss ein System von Kostenkurven
erfasst werden. Grundformen betrieblicher Reaktionen auf Änderungen der Beschäftigung
sind die intensitätsmäßige Anpassung, die zeitliche Anpassung, die quantitative
Anpassung und die selektive Anpassung.

Intensitätsmäßige Anpassung: veränderter Auslastungsgrad des Betriebes bzw. einzelner


Abteilungen bei unverändert beibehaltener Kapazität und unverändert beibehaltener
Nutzungszeit.
Zeitliche Anpassung: Nutzungszeit der im Betrieb befindlichen technischen Einheiten
variiert, die Intensität der Nutzung bleibt aber unverändert. Die zeitliche Anpassung
bewirkt einen linearen Kostenverlauf.
Quantitative Anpassung: bei Beschäftigungsrückgang werden Teile des betrieblichen
Fertigungsapparates stillgelegt und Arbeitskräfte entlassen; bei Beschäftigungszunahme
ist die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Teile des Fertigungsprogramms, die
Anschaffung zusätzlicher Aggregate und die Einstellung Arbeitskräften gemeint. Bei der
Kombination quantitativer und zeitlicher Anpassung bleibt die Kostenkurve tendenziell
linear.
Selektive Anpassung: Betriebsapparatur und Belegschaftsstand weisen ein
unterschiedliches qualitatives Niveau auf, und die Auswahl wird derartig getroffen, dass

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

die weniger brauchbaren Arbeiter zuerst entlassen, unmoderne und kostenintensivere


Maschinen zuerst stillgelegt werden.

Nach diesen Perspektiven lässt sich jetzt sagen, dass ein S-förmiger Gesamtkostenverlauf und
ein U-förmiger Stückkostenverlauf, wie vom Ertragsgesetz formuliert, nicht prinzipiell
Geltung haben können, es gibt verschiedene Anpassungsformen, von denen einige für den
linearen Gesamtkostenverlauf sprechen.

b) „Kritische Punkte“ bei linearem Gesamtkostenverlauf


Diese Punkte befinden sich beim linearen Gesamtkostenverlauf bei:
• Nutzschwelle: Stückkosten und Stückerlöse bzw. Gesamtkosten und Gesamterlöse
sind gleich hoch. Vor Erreichen dieses Punktes arbeitet der Betrieb mit Verlust.
• Betriebsoptimum: vereint maximalen Stückgewinn und maximalen Gesamtgewinn;
es liegt an der Kapazitätsgrenze.

3. Der linear-progressive Gesamtkostenverlauf

a) Die Hauptkosteneinflussgrößen im Sinne der Analyse von Heinen


Oberbegriff für verschiedene Gruppen von Einflussgrößen; als Haupteinflussgrößen werden
der Kostenwert, das Fertigungsprogramm und das produktionswirtschaftliche
Instrumentarium gesehen.
• Kostenwert: zielabhängige Wertkomponente zur Mengenkomponente
• Fertigungsprogramm: potentielles Fertigungsprogramm ist der Inbegriff aller
möglichen Fertigungsprogramme, das aktuelle Fertigungsprogramm umfast die in einem
Zeitraum tatsächlich zu erstellenden Leistungen.
• Produktionswirtschaftliches Instrumentarium: hat zwei Einflussgrößen, die
Ausstattung des Betriebes und den Prozess.

Zur Erklärung des Verlaufs der Gesamtkosten stellt Heinen zuerst die Anpassungsformen und
deren Auswirkungen auf die Kostenhöhe in analytisch monovariabler Weise isoliert dar, um
dann auf Grund von Hypothesen synthetische variable und Gesamtkostenverläufe zu erklären.
Isoliert zeitliche Anpassung: gilt für primäre wie sekundäre Elementarkombinationstypen.
Intensitätsmäßige Anpassung: Variation der Elementarkombinationszeit pro einmaligen
Vollzug
Quantitative Anpassung: es müssten unstete Kostenverläufe auftreten.
Laut Heinen ist ein insgesamt linear-progressiven Verlauf der gesamten variablen Kosten.

b) „Kritische Punkte“ bei linear-progressivem Gesamtkostenverlauf


• Nutzschwelle: Gesamterlöse den Gesamtkosten bzw. Stückerlöse den Stückkosten
zum ersten Mal betragsmäßig entsprechen.
• Nutzgrenze: Hier verlässt der Betrieb die Gewinnzone. Durch die Progression der
variablen Kosten haben die Stückkosten bei der Nutzgrenze den Stückpreis wieder
eingeholt.
• Betriebsoptimum und Betriebsmaximum: sind erreicht, sobald die variablen Kosten
aus der Linearität in die Progression übergehen.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

4. Bemerkung zu den Kostenverlaufsanalysen


Man kann nicht von vornherein sagen, dass es nur einen einzigen Weg für die Erklärung
kostenmäßiger Zusammenhänge gibt. Alle Kostentheorien gelten in sich als richtig, wenn sie
im Rahmen der für sie getroffenen Annahmen konsequent und widerspruchsfrei konzipiert
sind. Bei praktischen Überlegungen hingegen werden sie fragwürdig, wenn die Annahmen in
der Theorie zu den Verhältnissen in den ökonomischen Einheiten (den Betrieben) in
Widerspruch stehen.

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E. Der Absatz
I. Die Grundlagen
1. Absatz und Marketing
Absatz = Ziel und Ergebnis der Leistungsprozesse eines Unternehmens

• Absatz & Leistungsverwertung:


Die Begriffe Absatz und Leistungsverwertung sind synonym, wenn der Absatzbegriff
nicht alleine die Veräußerung von Sachgütern, sondern auch die Verwertung von
Dienstleistungen einschließt.
Die Leistungsverwertung sichert den Rückfluss der eingesetzten Werte (Geldmittel) und
bildet die Basis für die Weiterführung der Produktionstätigkeit.
Der Absatz dient im passiven Sinn der Befriedigung einer bestehenden Nachfrage sowie
im aktiven Sinn im Erzeugen einer neuen Nachfrage (Erwecken neuer Bedürfnisse).
Im Sprachgebrauch: „Absatz“ = verkaufte LeistungsMENGEN, „Umsatz“ = Wert dieser
Leistungsmengen. → Umsatz im Sinne von Umsatzerlös als Geldwert der abgesetzten
Leistungen interpretiert

• Umsatzprozess = Umwandlungsvorgang von Geld in Ware (Beschaffung),


Kombinationsprozess von Sachgütern, Arbeits- und Dienstleistungen (Produktion) und
Umwandlungsprozess von Ware (Leistung) in Geld (Leistungsverwertung)
→ Beschaffung, Produktion und Absatz (Wertkreislauf)

• Verkauf = allgemein, Teilbereich des Absatzprozesses


Alle Tätigkeiten, die den wirtschaftlichen und rechtlichen Übergang einer betrieblichen
Leistung vom Verkäufer an den Käufer beinhalten. (zB Vertragsabschluss,
Auftragsbearbeitung, Verpackung, Versand, …)

• Vertrieb = technischen Aspekte der Leistungsverwertung im Vordergrund, um den


Absatz zu bewirken

• Absatzwirtschaft = alle wirtschaftlichen Aktivitäten, die der Übertragung von Gütern


und Dienstleistungen der Produktionswirtschaft an andere Produktionsbetriebe oder
Endverbraucher dienen → Beschaffungs- und Absatzaktivitäten

• Marketing = Konzeption der Unternehmensführung, bei der im Interesse der


Erreichung der Unternehmensziele alle betrieblichen Aktivitäten konsequent auf die
gegenwärtigen und künftigen Erfordernisse der Märkte ausgerichtet werden; steht am
Anfang des unternehmerischen Leistungsprozesses; Herbeiführung und Gestaltung von
Austauschbeziehungen

• „Social Marketing“ = bei Unternehmen mit nicht-erwerbswirtschaftlichen


Charakter.
zB: Kultureinrichtungen, Sozialeinrichtungen oder Teile der öffentlichen Verwaltung
− Verhaltensorientiertes Sozialmarketing: orientiert sich an Problemen, die im
sozialen Verhalten von gesellschaftlichen Gruppen od. Einzelpersonen begründet
liegen (zB: Drogenkonsum, Jugendarbeitslosigkeit,…)

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

− Versorgungsorientiertes Sozialmarketing: wenn die Unterversorgung von


Gesellschaftsmitgliedern mit bestimmten Gütern und Leistungen ausgeglichen werden
soll (zB: Altersversorgung, Hilfsgüter für Kranke, Obdachlose,…)

• Management-Modell für Nonprofit-Organisationen (NPO)


Nicht den Marktregeln (Tausch Güter gegen Geld) unterworfene Austauschprozesse erfordern
zusätzliche Anreiz-Beitragssysteme.
− Systemmanagement: Festlegung des Leitbildes, Gestaltung der Strukturen und
Prozesse der Willensbildung, Controlling, , Prinzipien des Qualitätsmanagements,…
− Marketing-Management: Leistungen und die damit verbundene
Kommunikation auf die Zweckerfüllung bzw. die Nutzenstiftung für Mitglieder bzw.
Klienten und die Beeinflussung Dritter auszurichten
− Ressourcen-Management: Disposition der für die Leistungserbringung
erforderlichen Mittel (HR, Finanzen, Sachmittel,…)
Die Beziehungen zwischen diesen 3 Management-Bereichen können in 2 Richtungen
entwickelt werden.
− „Market-based“-Strategien: suchen in den Märkten (Kunden-,
Mietgleiderbedürfnisse, Konkurrenzangebote) die Erfolg versprechenden Positionen
und Aktionsfelder
− „Ressource-based“-Strategien: betrachten die menschlichen und technischen
Ressourcen als ein „Kernpotential“

• Entwicklungsphasen des Marketings


1. Produktionsorientierung (50er) “Verkäufermärkte“ durch Massenproduktion
2. Verkaufsorientierung (60er) zunehmende Konkurrenz auf nationaler Ebene
3. Kundenorientierung (70er) Überangebot an Waren
4. Wettbewerberorientierung (80er) Entwicklung von Marktpräferenzen
5. Umfeldorientierung (90er) gesteigerte Reaktionsfähigkeit und erhöhte Flexibilität
6. Netzwerkorientierung (ab 2000) Netzwerken; „internen Marketings“ (Mitarbeiter,
interne Kunden,…)
Steuerung zwischenmenschlicher und gesellschaftlicher Prozesse gekommen immer mehr
Stellenwert im „Marketing“.
„Märkte“ im herkömmlichen Sinne müssen abstrahiert und interdisziplinär erforscht werden,
da neben betriebswirtschaftlichen Aspekten auch volkswirtschaftliche, soziologische,
psychologische, rechtliche und verhaltenswissenschaftliche Aspekte Beachtung finden
müssen.

2. Der Marketingprozess
= Bündel von Aktivitäten, das ein marktgerechtes Unternehmensverhalten sichern soll.
• Informationssystem: Information über Kundenwünsche, Nachfrageverhalten,
Maßnahmen der Konkurrenz und Wirkung eigener marktbezogener Maßnahmen.
Nur auf Basis umfassender Informationen aus dem innerbetrieblichen und außerbetrieblichen
Bereich kann sich die Unternehmensleitung zielgerichtet und marketingpolitisch verhalten.

• Ziele: Marketingpolitische Ziele (Marketing-Ziele) sind nach Inhalt, Umfang und


Fristigkeit festzulegen.

Politik der Anpassung: Stärke der Kleinbetriebe: rasch und flexible, jedoch keine
nachhaltige Beeinflussung des Marktverhaltens

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Politik der Veränderung: Mittel- und Großbetriebe: weniger flexibel, aber zufolge ihres
Marktpotentials und Kapitalausstattung leichter Märkte zu gestalten und neu zu schaffen
Die Konkretisierung der Marketing-Ziele ist die Voraussetzung für die Auswahl der
Marketing-Strategien, dh Mittel und Wege zur Erreichung der Marketingziele

• Marketing-Mix: Preispolitik, Werbepolitik, Produktpolitik und Verteilungspolitik

• Kontrollverfahren: = Lieferung laufender Informationen über die Verwirklichung


der Marketingziele

• Charakterisierung des Marketingprozesses lt. Bidlingmaier:


− Leistungsfähiges Informationssystem
− Situationsgerechte Entscheidungen über Marketingziele und –strategien
− Koordination aller Marketingaktivitäten
− Kontrollsystem

• Problemslösungsprozesse
− Individuell problemlösend (für den Unternehmer od. Einzelkunden)
− Organisatorisch problemlösend (für beteiligte Organisationen bzw. Institutionen)
− Gesellschaftlich problemlösend (nach Zweckmäßigkeiten des Umsystems)

• Entscheidungstatbestände: Zielentscheidungen, Organisationsentscheidungen,


Informationsentscheidungen, Segmententscheidungen, Instrumentalentscheidungen

Diesen Entscheidungstatbeständen stehen die Kauf- bzw. Beschaffungsentscheidungen beim


Nachfrager zur Konkretisierung seiner Wünsche nach Austauschbeziehungen gegenüber.

• Heuristische Problemlösungsprinzipien:
− Abbildung von Problemsituationen
o Analogie (Auffinden gleichartiger Problem und daraus abgeleiteter
Problemlösungen)
o Abstraktion (verallgemeinerte Darstellung u. Interpretation einer
Ausgangssituation)
o Anspruchniveausetzung (nähere Konkretisierung von Zielen)
− Ablauf von Problemlösungsprozessen
o Einführung zusätzlicher Beschränkungen od. Einengung des zulässigen
Lösungsbereiches
o Prioritätensetzung
o Zerlegung in Subprobleme, Formulierung von Subzielen
o Stufung (Verfeinerung von Kriterien)
o Vorwärts- / Rückwärtsschreiten (Angabe von effizienten Schrittfolgen nach
dem Trial-and-Error-Konzept)
o Mittel-Zweck-Analyse
o Sukzessive Approximation (mehrmalige Abwicklung des
Problemlösungsprozesses mit verbesserten, veränderten Daten)
o Formulierung von Abbruchkriterien
o Muddling-through (Setzen vorläufiger Maßnahmen und Abwarten von
Rückkoppelungs- bzw. Wirkungsinformationen zur Verbesserung der
Problemlösung)
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o Inkrementale Lösung (Vorgehen „in kleinen Schritten“ zur


Risikominimierung)

II. Die Absatzplanung


1. Aufgaben der Absatzplanung
Die Absatzplanung ist Bestandteil der Unternehmensplanung.
Aufgabe der Absatzplanung:
• Ziele für Absatzaktivitäten festlegen
• notwendige Mittel und Maßnahmen bestimmen
• zukünftige Absatzvolumen in seiner Struktur qualitativ, mengen- und wertmäßig für
bestimmte Zeiträume vorausschätzen (Erwartungsgrößen und Plangrößen)

Absatzplan: Entwurf, welches Leistungsprogramm, nach Menge und Wert detailliert, in


bestimmten Zeiträumen und in bestimmten Absatzteilbereichen realisiert wird.
Absatz-, Produktions-, Lagerhaltungs- und Beschaffungsplan umklammern den Finanzplan,
der die Mittelaufbringung und Mittelverwendung aller Bereichsaktivitäten zu koordinieren
hat.

Plankoordination: Koordination der Teilsbereichsplanung, zur Erreichung eines


gesamtbetrieblichen Optimums.

2. Bedingungen für die Absatzplanung


Sorgfältige Planung und Ausgestaltung eines marktbezogenen Informationssystems
Grenzen der Absatzplanung: Ungewissheiten des zukünftigen Geschehens, Kosten
Die Notwendigkeit der raschen Anpassung an sich ändernde Marktverhältnisse, aber auch die
Absicht zur marktbeeinflussenden, innovierenden Aktionen erfordern:
• Flexible Absatzplanung
• (Re-)Aktionsmuster
• (Re-)Aktionsbereitschaft
• Adaptionsplanung

3. Zeitfaktor in der Absatzplanung


langfristig (strategisch; mind. 5 Jahre) oder kurzfristig (taktisch, manchmal auch operativ;
wenige Monate bis 1 Jahr
Langfristplanung: Umrissplanung, eine Grobplanung, die laufend eine Relevanzprüfung und
Beurteilung von Alternativen unterzogen werden muss.
kurzfristige Planung (für die operative Ausführung der Marketingaktivitäten):
• Marketingobjekte (Güter oder Leistungen)
• Marketinginstrumente (Art, Umfang u. Einsatzpunkte)
• Marketingsubjekte (Zielgruppen)
• Marketinggebiete

4. Ablauf der Absatzplanung


Planungsschema:
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1. Marktdiagnose (erfassen der gegenwärtigen Marktsituation)


2. Marktprognose (abschätzen der voraussichtlichen Markt- und Absatzentwicklung)
3. Zielplanung (festlegen der Absatzziele)
4. Maßnahmenplanung (Marketingstrategie)
5. Budgetplanung (geldwerter Niederschlag)

Da es notwendig wird, verschiedene Absatzbereiche nicht sukzessive abfolgend, sondern


simultan zu planen, müssen die verschiedenen Planungsstufen oft mehrfach durchlaufen
werden, damit die Teilpläne aufeinander abgestimmt werden können.

5. Arten der Absatzpläne


Die geplanten Aktivitäten können nach Art und Umfang zunächst zeitbezogen in Form von
Periodenplänen dargestellt werden.
Periodenbezogene Absatzpläne werden häufig von Projektplänen überlagert, wenn für
bestimmte Maßnahmen einerseits mehr als eine Periode benötigt und andererseits mehrere
Unternehmensteile zusammengefasst werden müssen.
Die Periodenplanung kann durch partielle Aktionspläne ergänzt werden, die einzelne
Maßnahmen für einen begrenzten Zeitraum im Detail festlegen.

Neben diesen organisatorischen und zeitlichen Aspekten der Differenzierung besteht die
Möglichkeit, die zu planenden Aktivitäten nach Absatzfunktionen zu gliedern:
• Marktforschungsplan
• Produktgestaltungsplan
• Werbungsplan
• Verkaufsförderungsplan
• Verkaufsplan
• Kundendienstsplan
• Distributionsplan
Jedes dieser Gebiete kann weiter in Zielplanung, Maßnahmenplanung und Budgetplanung
differenziert werden. Eine weitere Differenzierung nach Kundengruppen, Absatzgebieten und
Leistungsarten ist ebenfalls möglich.

III. Die Marktforschung


1. Die Aufgaben der Marktforschung
• Gewinnung originärer Information (Primärforschung)
• Auswertung vorhandener Information (Sekundärforschung)
• Erhoben werden: Tatsachen, Meinungen, Motive
• Marktanalyse (einmalig) oder Marktbeobachtung (fortlaufend)
• Betriebliche Umweltforschung (natürliche, technologische, gesellschaftliche,
ökonomische Entwicklungen erforschen)

2. Die Markforschungsbereiche
Traditionelle Gliederung:
• Bedarfsforschung (Nachfrage)
• Konkurrenzforschung (Angebot)
• Absatzwegforschung (Vertriebsapparat)
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

a) Die Nachfrageanalyse
Frage nach
• dem Bedarf, der auf Basis von Kaufkraft wirksam wird
• Periodizität der Kaufentscheidungen (wiederkehrend?)
• Aufnahmefähigkeit des Marktes (Marktsättigung?)
• Indikatoren: analytisch gewonnene Größen, große Korrelation mit der
Absatzgestaltung
• Differenzierung zwischen ursprünglicher (originärer) und abgeleiteter (derivater)
Nachfrage

Nachfrageelastizität ist ein bestimmender Faktor, ist die relative Veränderung der
nachgefragten Menge als Reaktion auf eine relative Änderung des Preises, des Preises eines
anderen Gutes, des Einkommens, der Werbeaufwendungen

b) Die Konkurrenzanalyse
Analyse
• des Konkurrenten (Anzahl, Verhalten, Marktanteil,…)
• der Substitutionsprodukte (Eigenschaften,…)

3. Die Methoden der Markforschung

a) Die Sekundärforschung
Quellen sind: betriebsinterne (Kostenrechnung, Absatzstatistik, Karteien) und betriebsexterne
Unterlagen (Veröffentlichungen, Firmenhandbücher, Berichte in Zeitungen)

b) Die Primärforschung
Befragung vs. Beobachtung
Totalerhebung vs. Teilerhebung
• Repräsentative Auswahlverfahren: Stichprobenbildung (Größe ist entscheidend)
- Randomverfahren: zufallgesteuert
- Quotenverfahren: statistisch gelenkte Teilauslese (bestimmte Merkmale)
- Konzentrationsverfahren: Mehrheit

• Befragung
- Interview: persönlicher Kontakt, Fragenerläuterung möglich, zeitaufwendig
- Fragebogen: einmalig oder mehrmalig, zeitpunktbezogen oder zeitraumbezogen
(Panel-Verfahren), offene oder geschlossene Fragen; große Anzahl von Befragten

Beobachtungen: kein direkter Kontakt, nur gegenwartsbezogen, persönliche (teilnehmende


oder nicht teilnehmende Beobachtung) oder unpersönliche (Laboratoriumsbeobachtung)

IV. Instrumente der Marketinggestaltung


1. Absatzpolitisches Instrumentarium
= Möglichkeiten, die ein Unternehmen besitzt um auf die Vorgänge in seinen Absatzmärkten
einzuwirken.
Es gibt 4 Instrumentalbereiche:
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• Produkt- und Sortimentsgestaltung (=Produktpolitik),


• Preis- und Konditionenpolitik (=Preispolitik),
• Werbung (=Kommunikationspolitik),
• Absatz-/Vertriebsmethode (=Distributionspolitik).

2. Preispolitik
Preispolitische Maßnahmen basieren auf das:
• Nachfrageverhalten: Informationen und Erwartungen über die Reaktionen der
potentiellen Käufer
• Konkurrenzverhalten: Informationen und Erwartungen über die Reaktion der
Konkurrenten

Grundsatzentscheidungen der Preispolitik


• Preislage: Niedrig- oder Hochpreispolitik?
• Preisfixierung für neue Güter im Sortiment?
• Preisveränderungen (definitive, befristete)?

Achtung: Es ist nicht immer der niedrige Preis, der Nachfrage weckt.

Formen der Preispolitik


Oft hat das Unternehmen aufgrund seiner geringen Größe nicht die Möglichkeit auf den Preis
marktbeeinflussend einzuwirken.
Der Marktpreis gilt als unveränderliche Größe und somit muss durch die Variation der
Angebotsmenge der gewünschte Gesamterfolg erreicht werden. Ziel ist, eine optimale
Differenz zwischen Erlösen und Kosten zu erzielen.

Aus diesem Grund differenziert man zwischen (nach Wöhe):


• aktiver Preispolitik: Setzung eines Preises unter Berücksichtigung des Verhaltens der
Nachfrager und der Konkurrenten
• Mengenpolitik: Anpassung der Produktionsmenge an den Preis, der sich insgesamt
durch Angebot und Nachfrage auf dem Markt bildet

a) Freie und Gebundene Preise


• Gebundene Preise (Preis werden vom Staat festgesetzt)
− Festpreise (Ordnungspreise, z.B. Tarife des Verkehrswesens),
− Richtpreise (Höchst- und Mindestpreise),
− Einheits- und Gruppenpreise (gewähren dem kostenmäßig günstig arbeitenden Betreib
Differenzgewinne),
− Kartellpreise (Einfluss auf die Preisbildung durch Preiskontrolle oder
Genehmigungsverfahren).

• Freie Preisbildung
Es besteht hinsichtlich der Preisfestlegung kein Zwang seitens des Staates,…
Es müssen jedoch einige Tatbestände berücksichtigt werden:
− Kostensituation des Betriebes: Beurteilung durch die Kostenrechnung,
− Absatzsituation: Reaktion der Nachfragenden auf preispolitische Maßnahmen,

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Differenzierung zwischen Güter des notwendigen Bedarfs, Konsumgüter, Leistungsgüter


und Modewaren.
− Konkurrenzverhältnisse

• Sinnvolle Preispolitik erfordert Wissen über:


− die Marktstruktur: Struktur der bearbeiteten Märkte
− die Käuferreaktionen: Reaktionen der Käufer auf Preisveränderungen abschätzen
− die Konkurrenzsituation: wie Konkurrenten auf preispolitische Maßnahmen reagieren
− Substitutionsgüter: Güter, die das eigene Gut substituieren könnte und deren
Preisentwicklung

b) Kosten und der Preis


Gewinnstreben: Forderung nach Deckung der vollen Kosten
Fragestellung: Wie hoch müssen die Gesamterlöse sein, um die vollen Kosten zu decken?

Mindestumsatz/Break-Even-Point/toter Punkt/Gewinnschwelle/Nutzschwelle:
= jene Mindestabsatzmenge, bei welcher gerade die Gesamtkosten des Unternehmens gedeckt
sind. Es wird kostendeckend gewirtschaftet.
Überschreitung: betrieblicher Gewinn.
Unterschreitung: betrieblichen Verlust.

Kostenfunktion und Erlösfunktion werden gleichgesetzt → BEP = Fixkosten/Stück-DB

Liquiditätspunkt: = wo die Erlöse die Ausgabekosten überschreiten


Da nicht alle Kosten Ausgaben darstellen, wird der Liquiditätspunkt früher erreicht als der
Break-Even-Point. Der Abstand zwischen den beiden Punkten ist umso größer, je weniger
Ausgabekosten der Betrieb hat.

Anmerkung:

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Es gibt Situationen, in welchen eine Deckung nur von Teilen der Leistungserstellungskosten
vertretbar erscheint, z.B. in Zeiten der Unterbeschäftigung, bei allgemeiner Marktdepression,
bei sinkenden Preisen etc., aber verursacht auch Verlust
Exakte Kostenrechnungen können mithelfen: Deckt der Preis gerade die variablen Kosten,
dann entspricht die Höhe des Verlustes den fixen Kosten. Bei Nichtbeschäftigung wäre der
Verlust ebenfalls so hoch wie die gegebenen Fixkosten.

Stilllegung: Sie ist erst dann ins Auge zu fassen, wenn die Preise die variablen Kosten nicht
mehr decken. Dann wäre nämlich der Verlust größer als bei Stillstand des Betriebes.

Überlegungen bzgl. der Preisuntergrenze


Bei der Festsetzung der Preisuntergrenze kann sich der Betrieb nach 2 Aspekten richten:
− variablen Kosten,
− Liquiditätserfordernissen (meist höher)
Entscheidungen über Preise hängen stark davon ab, ob das reine Kosten-Ertragsdenken oder
das Liquiditätsdenken überwiegt.

Wird vorübergehend eine bloße Erhaltung der Liquidität des Unternehmens angestrebt, so
muss versucht werden, im Preis zumindest die Kosten abzudecken, die Geldausgaben
darstellen.

Preisuntergrenze und Opportunitätskosten


Wenn ein bestimmtes Produkt ein anderes Gut aus dem Produktionsprogramm verdrängen
soll, dann wird bei Festlegung der Preisuntergrenze mit den Opportunitätskosten gerechnet.
Preisuntergrenze = ∑variable Kosten (Zusatzauftrag) + DB d. verdrängten Prod.
(=Opportunitätskosten)

Sax`sche Preisgesetz
Preise bestimmen die Kosten. (nicht die Kosten die Preise)
Die Höhe der Preise bestimmt die Höhe des Absatzes.
Die Absatzhöhe wirkt zurück auf das Gesamtkostenniveau und auch auf die Einheitskosten.
Die Einheitskosten sind ein Element der Preisbildung.

c) Nachfrageelastizität und der Preis


• Preiselastizität der Nachfrage (Absatzelastizität)
= Verhältnis von Preisänderungen und den daraus folgenden Änderungen der Absatzmenge

%-Mengenänderung / %-Preisänderung = Elastizitätskoeffizient

Elastizitätskoeffizient größer als 1 = elastische Nachfrage (Mengenänderung > Preisänderung)


Elastizitätskoeffizient kleiner als 1 = unelastische Nachfrage

• Grenzfälle der Preiselastizität


− Elastizität von unendlich: die Höhe des Preise schließt jeden Umsatz aus
− Elastizität von 0: ein Mehrangebot wird auch umsonst nicht abgenommen
− Elastizität von 1: prozentuelle Preis- und Mengenänderung sind gleich

• 4 typische Grundsituationen (aufgrund der Beziehung zw. Preis und


Nachfragemenge)
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

− elastische Nachfrage + Preissenkung: Umsatz in Geld steigt


− unelastische Nachfrage + Preissenkung: Umsatz in Geld wird geringer
− elastische Nachfrage + Preiserhöhung: Umsatz in Geld wird geringer
− unelastische Nachfrage + Preiserhöhung: Umsatz in Geld steigt

• Preiserhöhungen und Absatzmengen


Die Regel, dass ein höherer Preis eine geringere Absatzmenge bewirkt stimmt nur bedingt:

− Protzer-Effekt: Konsument möchte durch einen aufwendigen Konsum (hoher Preis)


auffallen; es wird mehr gekauft, nur weil der Preis höher ist.
− Snob-Effekt: jemand möchte sich aus der Gemeinschaft herausheben, und Güter
besitzen, die andere nicht besitzen; es wird mehr gekauft, weil andere weniger kaufen.
− Mitläufer-Effekt: Käufer nehmen sich Meinungsbilder (opinion leader) zum Vorbild;
es wird mehr gekauft, weil andere auch mehr kaufen.
− Qualitäts-Effekt: es wird von einem höheren Preis auf eine höhere Qualität
geschlossen; es wird mehr gekauft, weil der Preis höher ist

• Preisänderungen bei Substitutionsgüter und Komplementärgüter


Generell können Preisänderungen bei einer Ware nicht nur Mengenänderungen bei dieser
Ware selbst, sonder auch bei anderen Gütern hervorrufen. Dies gilt besonders für:
− Substitutionsgüter = Güter, die einander ersetzen können; z.B.: die Erhöhung des
Butterpreises → Rückgang des Butterabsatzes → Zunahme des Pflanzenölabsatzes
− Komplementärgüter = Güter, die auf Grund der Verwendung eines anderen Gutes
zwangsläufig erforderlich sind; z.B.: Erhöhung der Fahrradpreise → Rückgang des
Fahrradabsatzes → Absatz von Sicherheitsschlössern beeinflussen.

• Kreuzpreiselastizität
= die Wirkung von Preisänderungen bei einer Ware auf die abgesetzten Mengen bei anderen
Waren
− positive Kreuzpreiselastizität-> hauptsächlich bei Substitutionsgütern;
Bsp.: Preis Ware A = 100 -> Erhöhung auf 300 (Erhöhung um 200%) →
Mengensteigerung der Ware B von 200 Stk. auf 1200 Stück (Erhöhung um 500%) ->
Kreuzpreiselastizität = 500/200 = 2,5 = positiv
Fazit: Preissteigerung bei A verursacht eine Mengensteigerung bei B.

− negative Kreuzpreiselastizität-> hauptsächlich bei Komplementärgütern;


Bsp.: Preis Ware C = 100 -> Verminderung auf 50 (Verminderung um 50%) →
Mengensteigerung der Ware D von 200 Stk. auf 1200 Stk. (Erhöhung um 500%) ->
Kreuzpreiselastizität = 500/-50 = -10 = negativ
Fazit: Preissenkung bei C verursacht Mengensteigerung bei D.

• Kalkulatorischer Ausgleich
= die Preisfestsetzung für die unterschiedlichen Leistungen eines Betriebes nach:
− Erfordernissen wettbewerbsmäßiger Art,
− beschäftigungspolitischen Zielen,
− bestmögliche Kapazitätsausnützung.
(keine Preisfestsetzung nach den entstandenen Kosten!!)

Er betrifft die Aufrechnung positiver und negativer Ergebnisse ungleichartiger Güter/DL.


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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Formen des kalk. Ausgleichs


− Ausgleich nach Betriebszweigen und Betriebsabteilungen
− Ausgleich nach Erzeugnissen und Qualitäten
-> Verlust wird beim Absatz einer Produktgruppe bewusst mit den Gewinnen des Absatzes
anderer Produkte aufgerechnet.

• Preisdifferenzierung
= Festsetzung von unterschiedlichen Preisen für gleichartige Produkte

Marginalbetrachtung: Übersteigen die zusätzlichen Erlöse (zusätzlicher Leistungen) die


zusätzlichen Kosten? → Preisstaffelung → zusätzlicher Gewinn

Preisdifferenzierung kann Gesamtaufkommen -> Gesamterlöse -> Gesamtgewinn erhöhen.


Durch die Preisdifferenzierung werden viele Nachfrageschichten angesprochen Es wird die
Nachfrage erhöht, welche auf unterschiedliche Präferenzen basiert. Dadurch kommt es zu
einer vergrößerten Auslastung, die wiederum eine verbesserte Auslastung nach sich zieht und
zur Senkung der Durchschnittskosten führt.

Voraussetzung: Es müssen abgegrenzte Teilmärkte gegeben sein

Segmentierung in Teilmärkte
− Personelle Preisdifferenzierung: Kaufkraft und Interesse der Nachfragenden; z.B.:
ermäßigte Tarife für öffentliche Verkehrsmittel für Schüler
− Zeitliche Preisdifferenzierung: verbesserte Kapazitätsausnützung; z.B.:
unterschiedliche Preise von Kinokarten für Wochentage, Sonn- und Feiertage etc.
− Mengenmäßige Preisdifferenzierung: unterschiedlichen Mengen liegen
unterschiedliche Preise zugrunde; z.B.: im Transportwesen sind die Tarife umso
niedriger, je höher die beförderte Menge ist.
− Räumliche Preisdifferenzierung: betrifft den Export

Ob und in welcher Höhe Preisdifferenzierung vorgenommen werden kann ist abhängig von:
− der Konkurrenzlage,
− der Elastizität der Nachfrage auf den Teilmärkten,
− der Art des Gutes (Komplementär-/Substitutionsgut).

Komplementärgüter: Preisempfindlichkeit sinkt, je höher die Bedeutung der Komplemente


Substitutionsgüter: Preisempfindlichkeit steigt, je mehr Substitutionsgüter vorhanden

d) Marktform und der Preis


Der Markt ist das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage. Viele Preise werden ohne
Dazutun des Unternehmens auf dem Markt gebildet.

• Vollkommener Markt (theoretische Konstruktion) – Merkmale:


− Homogenität der Güter,
− keine sachliche Präferenzen,
− keine räumlichen Präferenzen,
− Transparenz (vollkommene Überschaubarkeit),
− Fähigkeit der sofortigen Anpassung an Marktänderungen.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Unvollkommener Markt – Merkmale


− meistens unterschiedliche Preise,
− unterschiedliche Präferenzen,
− völlige Markttransparenz ist ausgeschlossen,
− keine Homogenität der Güter (es werden unterschiedliche Güter angeboten),
− unverzügliche Anpassung an Marktveränderungen ist ausgeschlossen.

• Marktformen
-> Verhältnis der Anbieter und Nachfragern auf einen best. Markt.
Es sind Rückschlüsse auf das preispolitische Verhalten der Marktteilnehmer möglich.

Marktformenschema

Nachfrager
VIELE KLEINE WENIGE MITTELGROSSE EIN GROSSER
Anbieter
vollständige
VIELE KLEINE Nachfrageoligopol Nachfragemonopol
Konkurrenz
WENIGE beschränktes
Angebotsoligopol zweiseitiges Oligopol
MITTELGROSSE Nachfragemonopol
beschränktes
EIN GROSSER Angebotsmonopol zweiseitiges Monopol
Angebotsmonopol

Ausprägungen des vollkommenen Marktes:


− vollständige Konkurrenz -> vollkommene Konkurrenz -> keine Beschränkungen
− Monopol -> Konkurrenz ausgeschlossen -> nur ein einziger Anbieter -> keine
Substitutionskonkurrenz
− unvollständige Konkurrenz -> Oligopolsituation

Ausprägungen des unvollkommenen Marktes:


− polypolistische Konkurrenz (= vollständige Konkurrenz auf dem unvollständigen
Markt) -> auch monopolistische Konkurrenz -> große Anzahl vieler kleiner
Marktteilnehmer
Jeder Marktteilnehmer besitzt aufgrund der Unvollkommenheit des Marktes eine
„monopolistische Stellung“.

• Preispolitik bei vollständiger Konkurrenz auf vollkommenen Märkten


Folge = einheitlicher Preis weil:
− gleichartige Güter,
− keine sachlichen oder räumlichen Präferenzen (Punktmarkt),
− viele Anbieter mit kleinen Marktanteilen.

Eine Preissenkung führt dazu, dass sich die gesamte Nachfrage auf diesen Anbieter
konzentriert. Eine Preiserhöhung führt zu einer Abwanderung der Nachfrage zur Konkurrenz.

• Preispolitik bei vollständiger Konkurrenz auf unvollkommenen Märkten


keine einheitlichen Marktpreise möglich -> Freiheit in der Preisfestsetzung innerhalb einer
bestimmten Bandbreite (= „monopolistische Bandbreite“) weil:
− angebotene Güter sind unterschiedlich (Heterogenität),

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

− unterschiedliche Präferenzen (verhindern einheitlichen Marktpreis!!).

„Monopolistische Bandbreite“ und Präferenzen der Nachfragenden


Der Preis kann nur in einem best. Rahmen „frei“ gesetzt werden.
Überschreitet das Unternehmen in der Preisbildung die obere Grenze des monopolistischen
Abschnitts → mehr Kunden verlieren

Unterschreitet das Unternehmen jedoch den Preis des monopolistischen Abschnitts und bleibt
die Konkurrenz bei ihren Preisen → Kunden wandern ab

Preis und Präferenzen stehen in einem sehr engen Verhältnis zueinander. Senkt ein
Unternehmen mit weniger ausgeprägten Präferenzen seine Preise, dann wird es zunächst
kaum an Kunden gewinn, da die Konkurrenz über bereits ausgeprägte Präferenzen verfügt.
Verfügt ein Unternehmen jedoch über sehr starke Präferenzen, dann wird es durch einen Preis
unter dem Grenzpreis, rasch die Kunden der Wettbewerbsteilnehmer ans ich reißen.

• Preispolitik bei oligopolistischer Konkurrenz


Jeder Anbieter hat damit zu rechnen, dass seine absatzpolitischen Handlugen zu Reaktionen
der anderen Anbieter führen. Das eigene Handeln und das der anderen bestimmt
Absatzvolumen und Erfolg.
Um die Intensität des Konkurrenzverhältnisses zu messen verwendet man den „Triffin’schen
Koeffizienten“ = Relative Absatzänderung UN A/Relative Preisänderung UN B

In der unvollkommenen Konkurrenz besteht für die Oligopolisten ein bestimmter Bereich,
innerhalb dessen preispolitische Bewegungen möglich sind.

• Preispolitik des Monopolisten


Angebotsmonopol = ein einziger Anbieter für best. Güter/DL
2 Möglichkeiten:
− Monopolist setzt Preis fest: Nachfrage ergibt sich aus der Einstellung der Kunden zu
dem Preis.
− Monopolist setzt Absatzmenge fest: Preis wird durch das Verhalten der
Nachfragenden bestimmt.
Gewinnmaximum: wo Grenzerlöse und Grenzkosten gleich sind („Cournot’sche Punkt“)

Frei, beschränkte und geschlossene Konkurrenz


− Freie Konkurrenz: keine Beschränkungen für Anbieter oder Nachfrager
− Beschränkte Konkurrenz: Marktzugang ist mit best. Bedingungen verbunden
− Geschlossene Konkurrenz: Marktzugang nicht möglich

e) Preispolitische Alternativen (Praxis)


• Kostenorientierte Preisbestimmung:
Preis = Selbstkosten (Stückkosten) + Gewinnzuschlag
Gewinnzuschlag ist abhängig vom Absatzrisiko, Warenumschlagshäufigkeit etc.
Voraussetzungen: ausreichende Kosteninformation, Informationen über Teil- und
Vollkosten

• Nachfrage- und Beschäftigungsorientierte Preisbestimmung:


Vorgang bei retrograder Kalkulation:
Bruttoerlöse
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

- Erlösschmälerungen
= Nettoerlöse
- variablen Prod.- und Vt.-Kosten
= DB

Vorgang bei progressiver Kalkulation:


variable Prod.- und Vt.-Kosten
+ Zuschlag für Fixkosten und Gewinn
= Nettoerlöse
+ Erlösschmälerung
= Bruttopreis

Für beide Verfahren sind wichtig:Höhe der fixen Kosten, Beschäftigungslage, angestrebter
Gewinn -> sind Größen der Break-Even-Analyse, die den Mindestumsatz berechnen lassen

• Konkurrenz- und Branchenorientierte Preisbestimmung


orientiert sich an einem Leitpreis, der von einem Branchenführer vorgegeben wird oder
den Durchschnittspreis einer Branche darstellt;
• Preispolitische Strategien
− Preispolitischer Ausgleich: Preisentscheidung hinsichtlich eines ganzen
Produktsortiments. Verluste die für bestimmte Produkte erwartet werden, werden
durch andere Produktbereiche ausgeglichen.
− Penetrationspolitik: mit relativ niedrigen Preisen neue Märkte erschlossen.
− Abschöpfungspreispolitik: In der Einführungsphase eines neuen Produktes ein relativ
hoher Preis angesetzt. Schrittweise wird im Zeitablauf der Preis gesenkt.
− Präferenzpolitik: Es werden Prämienpreise (= hohe Preise) angesetzt. Diese werden
vom Konsument mit hoher Produktqualität verbunden. Die Präferenzpolitik ist auf
Exklusivität ausgerichtet.

3. Produkt- und Sortimentspolitik


• Produktinnovation: Einführung neuer Produkte
− Produktdifferenzierung: bisheriges Angebot wird durch neue Produkte erweitert, ohne
dass sich die Anzahl der Produktgruppen ändert. Tiefe des Produktionsprogramms
ändert sich -> um den spezifischen Bedürfnissen der Nachfrager zu entsprechen.
− Produktdiversifikation: durch die Aufnahme andersartiger Produkte gibt es mehrere
Produktgruppen. Breite des Produktionsprogramms ändert sich -> Vorsorge falls sich
Nachfrage- oder Konkurrenzverhalten für eine bestimmte Produktgruppe ändert

• Produktvariation: Funktionen und Eigenschaften von Produkten werden


geändert.
-> Verlängerung des Produktlebenszyklus & Umsatzsteigerung durch Modifikationen

• Produktelimination: Ausscheidung von Produkten

a) Produktlebenszyklus
• 1. Produktentwicklungsphase: viele und gute Produktideen entwickeln,
Ideen selektieren (Einklang mit Unternehmenszielen),
Wirtschaftlichkeitsanalysen durchführen, Auswirkungen auf Umsatz, Kosten
und Gewinn untersuchen, Herstellung der Produkte für Testzwecke (Der

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Testmarkt muss repräsentativ sein, dient zur Prognose des Absatzvolumens,


testet die Wirksamkeit der eingesetzten Marketinginstrumente)

Produkttest: Erprobung durch qualifizierte Personen mit einer systematischen Erhebung


Markttest: Probeweiser Verkauf in einem begrenzten Markt unter Einsatz ausgewählter
Marketinginstrumente.

Merkmale: hohe Forschungs- und Entwicklungskosten, hohe Investitionen, hohe


Fixkostenbelastung, keine Umsätze, hohe Kapitalbindung.

• 2. Einführungsphase
Dauer abhängig von: Kompliziertheit des Produktes, Neuigkeitswert des Produktes,
Übereinstimmung mit den Bedürfnissen von Kunden, Existenz von Konkurrenzprodukten

Merkmale: hohe Kapitalbindung, geringe Umsätze.

• 3. Wachstumsphase
Merkmale: stärkere Nachfrage, erste Gewinne, Konkurrenten werden animiert, das neue
Produkt nachzuahmen, Sie differenzieren nach Technik, Qualität, Preis um Käuferschichten
zu gewinnen hohe Vertriebskosten, hohe Vertriebsanstrengung wichtig
• 4. Reifephase
Merkmale: Produkt ist weitgehend akzeptiert, Marktanteile konnten gegenüber der
Konkurrenz gefestigt werden, der Verkaufsförderung und der Verpackungspolitik kommt
große Bedeutung zu, Produktvariationen notwendig, Gewinne sind relativ konstant, es muss
mit der Entwicklung eines neuen Produktes begonnen werden (Phase 2/3)

• 5. Rückgangs- oder Sättigungsphase


Merkmale: stagnierende Nachfrage, Marktsättigung gegeben, Preissenkungen notwendig,
Gewinnsituation verschlechtert sich, erhöhte Konkurrenz, Markanteile werden geringer.

b) Entwicklung und Bewertung von Produktideen


Anmerkung: Laut Erfahrung eignen sich bis zu 95% der vorgeschlagenen Produktideen nicht
für ein Markteinführung.

Verfahren zur Ideenentwicklung


• Diskursive Verfahren
− Fragenkatalog: Es wird ein bestehendes Produkt hinsichtlich
Verwendungsmöglichkeiten, Konstruktion etc. beschrieben. Durch diese Analyse
versucht man Anhaltspunkte für neue Ideen zu finden.
− Funktionsanalyse: Es werden die Eigenschaften des Produktes schriftlich
festgehalten. Innerhalb der Ideenerzeugung werden die Eigenschaften verändert.

• Intuitive Verfahren
− Brainstorming,
− Brainwriting,
− Synektik-Methode: Darstellung des Problems -> Verlagerung in einen anderen
Wesens- und Anwendungsbereich -> Entwicklung von Problemlösungen)
− Scoring-Modell (Punktbewertungsmodel)

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

c) Analyse von Programmstrukturen


Es ist bekannt, dass mit einem relativ geringen Anteil an Produktionskapazität ein relativ
hoher Umsatz erzielt werden kann. -> mit ca. 20% des Sortiments werden rund 80% des
Umsatzes erzielt.

ABC-Analyse
Das Sortiment/Die Kunden wird/werden zumindest in 3 Gruppen untergliedert:
Gruppe A: 70% Umsatz, Gruppe B: 20% Umsatz, Gruppe C: Rest

4. Kommunikationspolitische Maßnahmen
− um die Einstellung von Abnehmern zu ändern,
− um sich besser zu positionieren,
− um die Aspekte, die einen Vorsprung der Konkurrenz darstellen, hervorzuheben

„Kommunikationsformel“: Wer, sagt Was, über welchen Kommunikationskanal, zu Wem,


mit welcher Wirkung?

a) Werbung
Ziel: das Verhalten von Menschen verändern und Präferenzen schaffen
− Beschaffungswerbung: es soll die Attraktivität beliefert zu werden, erhöht werden.
− Absatzwerbung: es soll die Attraktivität für Absatzkontakte gefördert werden.

Aufgaben der Werbung


Vermittlung allgemeiner Aussagen, Erhöhung der Markttransparenz, Bedarfsweckung für
neue Leistungen, neue Käuferschichten ansprechen, Intensivierung des Bedarfes und der
Kaufintensität, Repräsentation.

Arten der Werbung


− Einführungswerbung: erstmalige Werbung für ein Produkt
− Expansionswerbung: zur Steigerung des Umsatzes oder der Marktanteile
− Erhaltungs-/Erinnerungswerbung: Erhöhung des Bekanntheitsgrades
− Reduktionswerbung: Verlagerung des Absatz eines Produktes

Zahl der Werbenden


− Einzelwerbung: Anbieter betreibt für seine Leistungen alleine Werbung
− Kollektivwerbung:
o Gemeinschaftswerbung: für einen ganzen Wirtschaftzweig; Unternehmen
treten nicht namentlich hervor
o Sammelwerbung: Firmen scheinen auf

Zahl der Umworbenen


− Einzelumwerbung: Direktwerbung; auf persönliche Interessen bezogen,
individuell
− Mengenumwerbung: richtet sich an eine Vielzahl namentlich nicht
Bekannter.

Werbeobjekte
− Produktwerbung & Dienstleistungswerbung: einzelne Leistung in den Vordergrund

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

− Unternehmenswerbung: Werbung für die gesamte Leistungspalette des


Unternehmens; Erzeugung von Goodwill

Beabsichtigte Wirkung
− Informationswerbung: objektive Information (Eigenschaften, Preise, Garantie etc.)
− Suggestivwerbung: es sollen versteckte Gefühle freigesetzt werden.

Wirkung für den Absatz


− intensive (dominante) Werbung: der Absatz hängt wesentlich von der Werbung ab; je
höher die Zahl der Verkäufer ist, desto höher muss die Werbeintensität sein.
− extensive Werbung: Werbemaßnahmen wirken sich nicht wesentlich auf den Absatz
aus; für Unternehmen mit festen Käuferkreis geeignet. -> Schaufensterwerbung

Psychologische Ausgestaltung
− überschwellige Werbung: wird vom Umworbenen bewusst wahrgenommen
− unterschwellige Werbung: wird im Unterbewusstsein verarbeitet und veranlasst
unbewusst zu Handlungen

Umsatzentwicklung
− prozyklische Werbung: bei steigendem Umsatz mehr/bei fallendem weniger Werbung
− antizyklische Werbung: Werbeaufwand steht gegenläuftig zur Umsatzentwicklung

Werbemittel
− persönliche Werbemittel: z.B. Werbevortrag
− Schrift- und Bildwerbung: Plakate, Fernseh und Radiospots, Anzeigen
− gegenständliche Werbung: Proben, Werbegeschenke, Schaufenster, Modelle
− sonstige Werbemittel: Beschriftung von Lieferwagen, Briefpapier

Werbeträger
Zeitungen, Zeitschriften, Plakate, Fernsehanstalten, Radio, etc.

Prozess der Werbung


Werbeplanung → Werbedurchführung → Werbewirksamkeitskontrolle

Werbeplanung
Festlegung von Werbezielen, z.B. Bekanntmachung von Produkten (Bekannheitsgrad),
Information über Produkte (Funktione, Kosten-Nutzen-Verhältnis), …
Sie sind von der Werbeintensität abhängig.

Festlegung von Aktionsparametern = Werbekonzeptplanung


Werbeobjektplanung (Für welche Objekte wird geworben?), Werbemittelplanung,
Werbeträgerplanung, Werbestreuungsplanung, Werbebudgets

Werbwirkungskontrolle
Für die Messung des Werbeerfolges stehen folgende Kennzahlen zur Verfügung:
AD Adressatenzahl Anzahl der Umworbenen
PE Perzeptionszahl Anzahl der von der Werbung Berührten
AP Aperzeptionszahl Anzahl der Personen bei denen eine Aufmerksamkeitswirkung
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

erzielt wurde
AK Akquisitionszahl Anzahl der „Werbeerfüller“

Mögliche Berechnungen
− Berührungserfolg: PE/AD
− Beeindruckungserfolg: AP/AD
− Akquisitionserfolg: AK/AD
− Werberendite: Umsatzzuwachs (= Stk * Stückgewinn) – Werbekosten

mengenmäßiger Streuerfolg: z.B.: aus 20.000 Werbedrucksachen resultieren 2000


Bestellungen = 10% mengenmäßiger Streuerfolg
kritischer Streuerfolg: Wie viele Bestellungen müssen auf eine Werbekampagne eingehen?
Anzahl Bestellungen : Adressatenanzahl = Werbekosten je Werbeexemplar : Stückgewinn

b) Verkaufsförderung
-> es soll der Verkauf kurzfristig beeinflusst werden
Verkaufspromotions
Schulungen, Verkaufsunterstützungen (Videos, Muster, Proben), Verkaufswettbewerbe
für MA, Provisions- und Prämiensysteme

Händlerpromotions
Beratung bei der Ausgestaltung der Verkaufsräume, Aufstellen von Displays, Beratung
bei der Preisgestaltung

Verbraucherpromotions
-> richtet sich direkt an den Letztverbraucher;
rasch auf best. Produkte aufmerksam machen, Vorteile des Produktes hervorheben, zum
unmittelbarem Kauf führen z.B.: Preisausschreiben, Sonderpreisaktionen, Warenproben

c) Persönlicher Verkauf (Personal Selling)


Kundenkontakt, Besuchsplanung, Gesprächsvorbereitung, Verkaufsargumentation,
Gesprächstaktik/Verhandlungsführung, Gespräche nach dem Kaufabschluss, Behandlung von
Kundenreklamationen

d) Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations)


-> soll Verständnis und Vertrauen für das Anliegen des Unternehmens aufbauen;
-> Adressaten sind Personen/Institution, die als Meinungsbildner gelten (Presse,
Gewerkschaften, Partien, Clubs, Vereine etc.)
− Informationsfunktion: verständnisvolle Einstellung zum Unternehmen
− Imagefunktion: Beurteilung des Unternehmens in der Öffentlichkeit
− Führungsfunktion: beeinflusst die Positionierung des Unternehmens am Markt
− Kommunikationsf.: wünschenswerte Kontakte mit relevanten Zielgruppen
− Existenzerhaltungsf.: glaubwürdige Darstellung der Notwendigkeit des Unternehmens

Wichtigste Maßnahmen der PR-Arbeit:


Pressekonferenzen, Journalisteninformationen, PR-Anzeigen, Werk- und Kundenzeitschrift,
Sponsoring (Kultur, Wissenschaft, Sport und soziale Dienste)

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

e) Sponsoring
-> beruht auf dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung.
Der Sponsor stellt dem Gesponserten Geld/Sachmittel zur Verfügung und erwartet dafür eine
Gegenleistung, die zur Erreichung der Marketingziele beitragen soll.

Nutzungsmöglichkeiten
− Werbung Benennung von Veranstaltungen nach dem Sponsor
− Verkaufsförderung VIP-Lounges, Sondergastspiele, Autogrammstuden
− PR Pressekonferenzen, Veranstaltung mit gespon. Prominenten
− Personal Selling gesponserte Personen als Firmenrepräsentanten

f) Product Placement
Produkte/Unternehmen werden in den Handlungsablauf von Filmen und Fernsehsendungen
integriert. Die unmittelbare Werbeintension ist nicht erkennbar.
Ziel: Identifizierung mit den Akteuren und den Produkten, die Akteure kopieren

5. Distributionssystem
aquisitorische Distributionssysteme: -> Distriubtionswege, Distributionsorgane (Welche
Absatzmöglichkeiten gibt es?
physische Distributionssysteme: -> Verpackung, Versand, Transport, Lager, Lieferservice

a) Distributionswege
unmittelbarer Absatzweg = Direkte Distribution
mittelbarer Absatzweg: Einschaltung von Mittlern = Indirekte Distribution

Direkter Absatz
Nachfrage ist auf den Ort der Erzeugung konzentriert, Endpreis des Produktes kann
niedrig gehalten werden, optimales Betriebsergebnis kann eher realisiert werden,
transportempfindliche Güter,
Güter sind stark erklärungs- und überzeugungsbedürftig, hoher Preis

Indirekter Absatz
um Spannungen zwischen Erzeugern und Abnehmern auszugleichen
Problem: wenn Ziele der Hersteller und der Unternehmen nicht übereinstimmen
− Selektivvertrieb:ausgewählte Handelsunternehmen (spez. Vertriebsstrategie etc.)
− Universalvertrieb: keine Präferenzen in der Wahl der Absatzwege
− eingleisige Verteilung: nur ein bestimmter Distributiosweg
− mehrgleisige Verteilung: mehrere Distributionskanäle

Funktionen des Handels


-> Güteraustausch zwischen den einzelnen Wirtschaftseinheiten
− Zeitausgleichfunktion: Spannungen zwischen Produktion und Bedarf/Verkauf
− Raumausgleichsfunktion: Kontakte mit Kunden können über große Entfernungen
− Qualitätsausgleichsfunktion
− Quantitätsfunktion: es wird in großen Mengen gekauft und in kleineren abgegeben.
− Veredelungsfunktion: z.B.: Lagerung von Weinen, Möbelteile,…
− Informationsfunktion: bessere Marktübersicht und bessere Marktkenntnisse

− E-Business: Business to Business (B2B)


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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

typische Anwendung: Beschaffung & Absatz von Gütern & DL


Ziel: Produktivitätssteigerung (Kostensenkungen von bis zu 20%)

− E-Commerce: Business to Customers (B2C)


E-Commerce-Gesetz: regelt elektr. Geschäfts- und Rechtsverkehr (Onlinevertrieb,
Kommunikation, Informationspflichten)

− E-Government: Business to Government (B2G)


z.B.: elektr. Übermittlung von Lohn- und Gehaltsdaten ans FA

b) Distributionsorgange
Betriebseigene Organe
Mitglieder der Geschäftsleitung (z.B. bei Großaufträgen), Reisende (Angestellte des
Unternehmens, die weisungsgebunden sind), Absatzabteilungen, Verkaufsniederlassungen

Betriebsfremde Organe
− Großhandel -> Unternehmen, die Leistungen nur gegenüber andere Unternehmen
nach Absatzgebieten: Binnengroßhandel, Exportgroßhandel Importgroßhandel
nach geführtem Sortiment: Spezialgroßhandel (enges und tiefes Sortiment),
Fachgroßhandel (mittlere Sortimentbreite und –tiefe), Sortimentgroßhandel (breites und
flaches Sortimen)
nach Art der Güter: Konsumgütergroßhandel, Großhandel mit Produktions- und
Investitionsgütern

− Einzelhandel -> verkauft wird überwiegend an Privathaushalte


Betriebstypen: ambulanter Handel (umziehender Handel), sesshafter Handel, Ladenhandel
(Fremdbedienungsgeschäften, Selbstbedienungsgeschäften, Gemischtwarenhandel,
Fachgeschäft, Spezialgeschäft, Warenhäuser (alle Arten von Gütern), Supermarkt,…),
Versandhandel

c) Selbstständige Absatzmittler
• Handelsvertreter: = selbstständige Gewerbebetreibende
sind für mehrere Firmen tätig, Geschäfte anahnen und abschließen, verursachen nur
umsatzabhängige variable Kosten

• Kommissionäre = handeln im eigenen Namen und für fremde Rechnung


Risiko bleibt beim Auftraggeber, üblich bei weniger marktgängigen Waren und bei
Verkauf von Einzelstücken, erhalten eine umsatzabhängiges Entgelt

• Makler -> vermitteln für andere Kaufverträge

d) Kooperationsformen – „Kontraktmarketing“
-> alle vertragliche festgelegten Kooperationen
• Intensität der Kooperationsvereinbarungen
Allgemeine Rahmenvereinbarungen für den Vertrieb, Speziell strukturierte
Rahmenverträge, Gebundener Vertrieb, Exklusivvertrieb, Waren- oder
Produktfranchising, Absatzprogramm-Franchising

• Franchise-Verträge (internationaler Güteraustausch)

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Ein Franchisebebe räumt einem ausländischen Franchisenehmer gegen eine Franchisegebühr


das Recht ein, seinen Markennamen, sein Fertigungs-Know-How und sein Marketing-Know-
How zu verwenden.

e) Physische Distribution
-> es muss die richtige Ware, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, im richtigen Zustand sein
• Entscheidungsbereiche
− Gestaltung des Auslieferungsnetzes (Lager?, Kundengruppen?)
− Auswahl der Transportmittel und –wege
− Organisation von Auftragseingang, Bearbeitung, Ausführung
• Logistikkosten: Transportkosten, Lagerkosten, Verpackungskosten,
Auftragsabwicklung

f) Internationale Lieferbedingungen (Incoterms)


-> haben keinen zwingenden Charakter, sollten aber Grundlage der Vertragsvereinbarung sein
-> sie regeln den Kosten- und Risikoübergang

Kostenübergang: regelt die Verteilung der Transport- & Nebenkosten auf Verkäufer/Käufer
Risikoübergang: bestimmt den Ort & Zeitpunkt, ab dem der Käufer zur Zahlung verpflichtet
ist, auch wenn die Ware zufällig vernicht wurde oder eine Wertminderung eingetroffen ist.

E-Klausel: Der Verkäufer stellt die Güter dem Käufer im eigenen Bereich zur Verfügung.
Maximalverpflichtung durch den Käufer. z.B.: EXW (ab Werk)

F-Klauseln: Der Verkäufer hat die Güter einem benannten Frachtführer zu übergeben.
z.B.: FCA, FAS, FOB

C-Klauseln: Der Verkäufer hat die Güter nach einem genannten


Bestimmungshafen/Bestimmungsort zu versenden, ohne jedoch die Kosten & Risiken nach
der Verschiffung/Übergabe (an 1. Frachtführer) zu tragen. z.B.: CFR, CIF, CIP

D-Klauseln: Der Verkäufer hat alle Kosten & Risiken bis zum näher bezeichneten Hafen/Ort
im Empfangsland zu übernehmen. z.B.: DAF, DDU, DDP

V. Die Absatzorganisation
Ziele der Absatzorganisation
− Koordination aller Abteilungen, die sich mit Absatzaufgaben befassen,
− Steigerung der Flexibilität um sich rascher an ändernde Marktverhältnisse anzupassen,
− Förderung der Kreativität und Innovationsbereitschaft der MA

1. Eindimensionale Absatzorganisation

a) Liniensysteme
Funktionsorientierte Absatzorganisation
-> gleichartige Verrichtungen werden zusammengefasst.
weitgehende Spezialisierung möglich, mangelnde Flexibilität (da mehrstufige
Instanzenwege), mangelnde Koordination (für einzelne Produkte, Kunden, Verkaufsgebiete)

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Produktorientierte Absatzorganisation
-> es wird nach Produkten oder Produktgruppen
gegliedert (Spartenorganisation)
bei Unternehmen mit größeren
Produktionsprogrammen, größere Flexibilität bei
Marktänderungen, höhere Kreativität und
Zielidentifikation der MA, eigene Profit-Center (mit
Erfolgsverantwortung)

Kundenorientierte Absatzorganisation
wenn klar voneinander abgegrenzte Kundengruppen
bestehen, man kann sich auf die Spezialprobleme der
Abnehmer einstellen

Gebietsorientierte Absatzorganisation
Das gesamte Absatzgebiet wird in einzelne Absatzbereiche aufgeteilt und
Regionalabteilungen zugeteilt. Von dort werden alle Produkte und Kunden dieses Gebietes
betreut; bei heterogenen Märkten mit großer räumlicher Entfernung

b) Modifizierte Liniensysteme
• Marketing-Stäbe: Agenden der Marktforschung, Absatzplanung, Werbung und
PR werden Stabställen zugewiesen. Die Verkaufs-/Vertriebsabteilung ist jedoch nach
Liniensystemen organisiert.

• Produktmanagement
Der Produktmanager hat für seinen
Produktbereich für die Koordination
der Linieninstanzen zu sorgen. Er
kümmert sich um alle notwendigen
Aktivitäten im Absatzbereich,
koordiniert und überwacht sie.

2. Mehrdimensionale Absatzorganisation

a) Matrixorganisation
Horizontal wird nach Funktionsbereichen und vertikal nach Produktgruppen differenziert.
Die Qualität der getroffenen Entscheidung wird gesteigert, da sowohl Funktionsspezialisten
als auch Produktspezialisten eingebunden werden.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

b) Teamorganisation
Jedes Organisationsteam wird gleichzeitig mehren Teams zugeordnet und trägt zur
innerbetrieblichen Koordination bei.
Werden die Teams nur für eine best. Zeit gebildet, dann liegt eine Projektorganisation vor.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

F. Das betriebliche Rechnungswesen


I. Die Einteilung des betrieblichen Rechnungswesens
Dokumentations-, Dispositions- und Kontrollfunktion

Einteilung des Rechnungswesens:


1. Buchhaltung (Zeitrechnung)
2. Kalkulation (Stückrechnung)
3. Planung (Vorschaurechnung)
4. Betriebswirtschaftliche Statistik (Vergleichsrechnung)

Andere Ansätze:
Schönfeld: 1, Buchhaltung und Jahresabschluss
2, Kosten- und Leistungsrechnung
3, Betriebsstatistik und Kennzahlenrechnung
4, Vorschaurechnung
5, Revision

Illetschko: 1, Buchführung und Jahresabschluss (zur Gewinnermittlung)


2, verschiedene Gestalten der Kostenrechnung
3, Rentabilitätsrechnung (zur Planung von Investitionen)

Kosiol: 1, Nominalgüterumlauf (pagatorische Rechnung zB Finanzbuchhaltung,


Finanzplanung, Liquiditätsrechung)
2, Realgüterumlauf (kalkulatorische Rechnung zB Kostenrechnung)

Chmielewicz: 1, Finanzrechnung (F)


2, Bestandsrechnung (B)
3, Erfolgrechnung (E)

Egger/Winterheller:
1, abrechnungsorientierte (vergangenheitsorientierte) Verfahren („Was
ist geschehen?“  Finanzbuchführung, Bilanzierung/Jahresabschluss,
Finanzrechnung/Cash-Flow-Rechnung, Betriebsbuchführung/
Istkostenrechnung, kalkulatorische Ergebnisrechnung)
2, entscheidungsorientierte (zukunftsorientierte) Verfahren („Was hat
zu geschehen?“, Planungsrechnung findet ihre Zusammenfassung im
Budget: Planerfolgsrechnung, Planvermögensbilanz,
Finanzplanungsrechnung)
 Soll-Ist-Vergleich zwischen beiden Verfahren

Betriebsbuchfühung: parallel zur Finanzbuchhaltung, für Zwecke der Kostenrechnung

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

zB Lohnaufzeichnungen, Materialaufschreibungen, Anlagenverzeichnis;


nimmt Korrekturen einer abgelaufenen Periode vor (kalkulatorische statt pagatorische
Rechnung, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung)

II. Buchführung (Geschäftsführung, Finanzbuchhaltung) und


Bilanz
Aufzeichnung aller Geschäftsvorfälle in chronologischer und sachlicher Ordnung

1. Die Buchführung öffentlicher Verwaltung

a) Kameralistik
bei öffentlichen Verwaltungen (Bund, Länder, Gemeinden) und Selbstverwaltungskörpern
(Kammern, SV)

Haushaltsvoranschlag (Haushaltsplan, Budget, Etat)  Einnahmen und Ausgaben werden


vorgegeben  Haushaltsvollzug  Vergleich Zahlungsanordnung und Zahlungsausführung
 Überschuss bzw. Fehlbetrag (Defizit)

Betriebskameralistik: Trennung der erfolgswirksamen und vermögenswirksamen Vorgänge


 geschlossene Bestandsrechnung (Vermögensbilanz)

b) Die (Mehr-)Phasenbuchführung als Grundlage einer integrierten


Haushaltsverrechnung in der öffentlichen Verwaltung
Erweiterung der Verwaltungskameralistik  für Hoheitsverwaltung

Dispositionsstufen zwischen der Haushaltsplanung und Haushaltsführung


Phase 1: Genehmigung (durch Parlament)
Phase 2: Verfügung (die Stellen bekommen die Mittel zur Verfügung)
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Phase 3: Verpflichtung bzw. Berechtigung (Vergabe von Aufträgen  später Ausgaben


und Einnahmen)
Phase 4: Schuld bzw Forderung
Phase 5: Zahlung

Verbindung der einzelnen Phasen mit doppischer Buchungstechnik (Prinzip von Buchung und
Gegenbuchung)
Grundgleichung: Genehmigung des Voranschlages = Vollzug des Voranschlages
Haushaltsüberwachung: Beobachtung der Phasen-Salden, Kennzahlen

Intensive Nutzung von EDV-System  betriebswirtschaftliche Standard-Software


Seit 2001 „International Public Sector Accounting Standards (IPSAS)“

2. Die Buchführung des Unternehmens

a) Die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung
für alle nicht betrieblichen Einkünfte und Unternehmer, die keine gesetzliche Verpflichtung
zur Buchführung haben

Gewinn = Überschuss der betrieblichen Einnahmen über die betrieblichen Ausgaben


Rechnungsperiode = Kalenderjahr
Ausnahme: Abschreibung der Anlagen

b) Die doppelte Buchführung


• Verpflichtung zur doppelten Buchführung
- für jeden Unternehmer, der aufgrund der Größenkriterien (€ 400.000 Umsatz)
zur Buchführung verpflichtet ist § 189 UGB
- steuerliche Verpflichtung §§ 125 und 125 BAO

• Das System der doppelten Buchführung


lückenlose Verrechnung aller Geschäftsfälle
- Eigenkapital = Differenz zwischen aktivem und passivem Vermögen
- Verrechnungskreis der Bestandskonten und Verrechnungskreis des EK
beide gehen von der Eröffnungsbilanz aus und fließen in die Schlussbilanz
- Bilanz = wertmäßige konten-/staffelförmige Gegenüberstellung des Vermögen
gegenüber den Schulden und dem EK
- Soll = Mittelverwendung, Haben = Mittelherkunft
- EK = Saldo zwischen Vermögen und FK, dazu gehören auch nicht entnommene
Gewinne

Negative Veränderung der Bestände  im Soll verbuch


Positive Veränderung der Bestände  im Haben verbucht

Abschluss der beiden Verrechnungskreise  doppelte Ermittlung des Periodenerfolges und


Kontrolle der formalen Richtigkeit der Buchungen

- Indirekte Erfolgsermittlung (Verrechnungskreis 1)


= Vergleich des Saldos des EK (FK + Vermögen) zu Beginn und Ende der Periode
Dieser Saldo wird als Betriebsvermögen (Reinvermögen) bezeichnet.
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

 Betriebsvermögensvergleich

Zufuhr von Eigenmitteln  positive Veränderung des EK-Kontos und vice versa
 allerdings keine erfolgsmäßige Auswirkung
Wird daher im Rahmen der indirekten Erfolgsermittlung ausgeschieden (neutralisiert).

RECHNUNG
EK (Ende des WJ) – EK (Anfang des WJ) = EK-Vermehrung/Verminderung
– Einlagen + Entnahmen = Periodenerfolg (Reingewinn/-verlust)

- Direkte Erfolgsermittlung (Verrechnungskreis 2)


Es werden EK-mindernde Konten (Aufwandskonten) und EK-erhöhende Konten
(Ertragskonten) eröffnet. Diese Erfolgskonten werden am Ende der Periode auf ein
Sammelkonto (GuV) übertragen. Der Saldo dieses Kontos (Gewinn/Verlust) wird auf das
EK-Konto umgebucht.

• Die Verfahren der doppelten Buchführung


Bei der doppelten Buchführung wird der Buchungsstoff sowohl systematisch auf den Konten
(Hauptbuch) als auch chronologisch im Grundbuch erfasst.

- Übertragungsverfahren
Ist heute nicht mehr gebräuchlich.
Die Geschäftsfälle werden in Journalen festgehalten und diese werden dann auf die
Konten des Hauptbuches übertragen.
Italienische Buchführungsmethode: Grundbuchungen im Kassabuch und Memorial
chronologisch erfasst; monatliche Übertragung
Deutsche Buchführungsmethode: zusätzlich Wareneingangs- und Ausgangsbuch;
Sammeljournal zwischen Grundbüchern und Hauptbuch; Übertragung in gleichen
zeitlichen Abständen
Französische Buchführungsmethode: weitere Grundbücher zB Bankbuch, Wechselbuch;
Sammeljournal; monatliche Übertragung

- Amerikanisches Verfahren
Nicht mehr gebräuchlich, Journal- und Kontobuchungen werden zusammengezogen.
Gut für Kleinbetriebe mit wenigen Konten und überwiegend Kassavorgängen.

- Durchschreibeverfahren
Nicht mehr gebräuchlich, manuell und maschinell anwendbar.
Konto-Originalmethode oder Journal-Originalmethode

- Buchführung mit Hilfe von EDV-Systemen


Buchungsdaten kommen über Datenträger oder im Online-Verfahren ins EDV-System.
Vorteile: 1, maschinelle Rechenarbeit
2, Programm stellt sachliche und chronologische Ordnung her.
3, automatische Erstellung von GuV, Bilanz, Kennzahlen etc.
2 Arbeitsvorgänge: Eingabe des Buchungsstoffes und Ausgabe (Ausdruck)

Heutzutage: Mehrplatzsysteme + Vernetzung  möglicher Verlust der Transparenz,


besondere Anforderungen für den Datentransfer mit anderen Unternehmen (Sicherheit!)

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

- Buchführung mit fortlaufendem vollständigem Ausdruck


In lesbarer Form ausgedruckt  Zusammenhang mit den Belegen kann jederzeit
hergestellt werden Ordnungsmäßigkeit
Der konventionelle Prüfpfad (Geschäftsfall – Beleg – Journal – Hauptbuch – Abschluss)
ist ohne Hinzuziehung des Computers gangbar.

- Buchführung mit Hilfe von EDV-Systemen ohne fortlaufenden vollständigen


Ausdruck (Speicherbuchführung)
Wenn kein lesbarer Ausdruck zu Einzeldaten vorliegt. Ausdrucke nur in verdichteter
Form (Monatsbilanz, Jahresabschluss etc.) Der Buchungsstoff bleib auf optisch nicht
lesbaren Datenträgern  Speicherbuchführung

Be- und Verarbeitung der Daten kann nicht unmittelbar beobachtet werden. Richtigkeit
der Kontierung kann nicht mit dem Beleg gemeinsam geprüft werden.
 besondere Datensicherungsmaßnahmen
EDV-Datenträger übernehmen die Buchfunktion und Belegfunktion  eher in
Teilbereichen der Buchhaltung (zB Anlagenbuchführung, Vorratsbewertung, …)

EDV-System wird zum integrierten Bestandteil der Buchführungsorganisation


Ohne Zugang zum EDV-System  kein Zugang zum Zahlenwerk der Buchführung
Aufbewahrungspflicht der Buchführung über 7 Jahre zwingt dann auch zur
Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit des EDV-Systems.

Standardsoftware im RW (zB SAP, …)  Organisationstyp der Speicherbuchführung

Besondere Anforderungen an Aufbauorganisation (Datenverarbeitung zentral oder


dezentral) und and die Ablauforganisation (Kontroll-, Abstimm- und
Sicherungsmaßnahmen)

Dateneingabe erfolgt entweder direkt (Online-Verfahren) über Bildschirm und sonstige


Eingabegeräte oder indirekt (Offline-Verfahren) über Magnetbänder, Disketten etc.
Übernahme der Daten auf Datenträger gilt noch nicht als Buchung
Grundbuch und Hauptbuchfunktion sind erfüllt, wenn Daten auf Speicher, die sowohl
chronologischen als auch systematischen Zugriff ermöglichen, festgehalten sind (zB
Datenbanksystem)

Informationsaustausch zwischen Unternehmen  Informations- und


Kommunikationstechnologien  Lieferschein, Rechnung etc.  Datenfernübertragung
Synchronisation von Geschäftsprozessen beider Unternehmen ist zwingend erforderlich;
Elektronische Rechnung mit Signatur berechtigt zum Vorsteuerabzug

• Die Hilfsbücher der doppelten Buchführung


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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

zB Kassabuch, Anlagenverzeichnis, Saldokonto etc.

• Kontenrahmen und Kontenplan


für eine systematische Ordnung der Buchführung
Kontenrahmen: Gliederungsvorschriften für die Ordnung der Konten (es gibt für bestimmte
Wirtschaftszweige eigenen zB Gastgewerbe)
Kontenplan: abgeleitet aus Kontenrahmen, jeder Betrieb hat eigene Konten (je nach Bedarf)

Seit 1947  „Einheitskontenrahmen“ (ÖKW-Kontenrahmen)


Österreich. Kontenrahmen  Zweikreissystem (strikte Trennung von Finanzbuchhaltung und
Betriebsbuchführung)

Aufbau nach dem „Bilanzgliederungsprinzip“

0 Anlagevermögen und Aufwendungen für das Ingangsetzen und Erweitern eines


Betriebes
1 Vorräte
2 Sonstiges Umlaufvermögen und Rechnungsabgrenzungsposten
3 Rückstellungen, Verbindlichkeiten und passive Rechnungsabgrenzungsposten
4 Betriebliche Erträge
5 Materialaufwand und Aufwendungen für bezogene Leistungen
6 Personalaufwand
7 Abschreibung und sonstige betriebliche Aufwendungen
8 Finanzerträge und Finanzaufwendungen, Steuern vom Einkommen und Ertrag
9 Rücklagenbewegung, EK, unversteuerte Rücklagen, Einlagen stiller Gesellschafter,
Abschluss- und Evidenzkonten

In der Kl 7 werden die HK durch die Veränderung des Bestandes an fertigen und unfertigen
Erzeugnissen (GK: Bestandskonten) und die aktivierten Eigenleistungen (GK:
Anlagenkonten) korrigiert.

• Das Belegwesen
Belegprinzip = keine Buchung ohne Beleg (wichtig für die formale Richtigkeit der
Buchführung)
- Externe Belege: AR, Kassabeleg, ER, Bankbeleg  natürliche Belege
- Interne Belege: dienen dem Verkehr der einzelnen Stellen untereinander zB
Matrialentnahmeschein, Verbuchung von Fehlerkorrekturen, Abschlussbuchungen
 künstliche Belege

III. Die Theorie des Jahresabschlusses


1. Die Aufgabe des Jahresabschlusses

Sonderbilanzen: bei speziellem


Anlass zB Gründung oder
Auflösung des Unternehmens

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Jahresbilanzen: regelmäßig, nach den Bewertungsvorschriften (§ 201 UGB, § 6 EStG)


Bewertung des UR: zum Gläubigerschutzinteresse und für die Interessen der Anteilseigner
Bewertung des STR: zur Ermittlung von Steuertatbeständen

Jahresbilanz gibt Auskunft über


• Vermögens- und Kapitalstruktur
• Erfolgsstruktur (Erträge und Aufwendungen)
• Erzielten, ausschüttbaren und steuerbaren Gewinn
• Umsätze
• Liquiditätssituation
Weitere Informationen werden durch Kennzahlenbildung gewonnen.

2. Der Jahresabschluss und die Bilanzlehren (Bilanztheorien)

a) „Klassische“ Bilanzlehren
• Statische Bilanzlehre = totale Bilanzlehre (Walter le Coutre)
Der natürliche Rechnungswert ist der Anschaffungswert.
Die Bilanz ist eine Kapitalrechnung  Nachweis der Unternehmenskapitalverwendung,
Feststellung des Vermögens

• Organische Bilanzlehre (Fritz Schmidt)


Trennung der Vermögensrechnung von der Erfolgsrechnung  „dualistische Theorie“
Natürlicher Rechnungswert ist der Marktpreis (Tagesbeschaffungswert) 
gegenwartsorientiert

• Dynamische Bilanzlehre (Eugen Schmalenbach)


Erfolgsbilanz, Erfolg = Unterschiedsbetrag zwischen Einnahmen und Ausgaben
 Totalerfolg
Periodisierung der Einnahmen und Ausgaben  Rechnungsabgrenzungsposten
Prinzipielle werden die Anschaffungswerte als Rechnungswerte verwendet, es fehlt der
dynamischen Bilanzlehre jedoch eine einheitliche Bewertungslehre.

Zusammenfassende Darstellung der „klassischen“ Bilanzlehren


- statisch: richtiger Vermögens- und Kapitalausweis
- dynamisch: richtiger Erfolgsausweis
- organisch: versucht beide Ziele zu vereinen

statisch und organisch: strenge Bewertungslehre  Gestaltung des Bilanzbildes


dynamisch: kein einheitlicher Bewertungsmaßstab  Unternehmenspolitik kann betrieben
werden  besonders entwicklungsfähig  zukunftsbezogene Überlegungen

b) Neuere bilanztheoretische Ansätze


Seicht  kapitaltheoretische Bilanzauffassung  Zukunftsrechnung
Durch interne Zinsfussmethode wird heutiger Wert ermittelt (von Vermögensgütern,
Schulden, EK)
Vorteile:
• Einzelveräußerungswerte und Unternehmenswert erkennbar
• Gibt Aufschluss über zukünftigen Cash-Flow
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Optimale Entscheidungsgrundlage
• Ausschüttbare Periodenerfolg lässt sich ermitteln
Kosiol  pagatorische Bilanztheorie  beruht ausschließlich auf der Verbuchung von
Zahlungsvorgängen
Bewertung: Anschaffungswertrechnung mit pagatorischen Werten

Schneider  Überlegung zum ökonomischen Gewinn


Berechnung des maximal entziehbaren Betrages  möglichst hohe Entnahmen
(das Unternehmen darf an Ende des Planungshorizontes nicht besser oder schlechter da stehen
als am Beginn)

Moxter  finanzplanorientierte Rechnungslegung

IV. Der Jahresabschluss nach dem Unternehmensgesetzbuch in


Österreich
1. Die Grundlagen der unternehmensrechtlichen
Rechnungslegungsbestimmungen
Seit 1990  Konzernrechnungslegung gesetzlich geregelt (Vorschriften für die Prüfung und
Veröffentlichung des Jahresabschlusses)
Seit 1999  Konzernlagebericht nach international anerkannten
Rechnungslegungsgrundsätzen
Seit 2002  Pflicht für alle europäischen Unternehmen den Konzernabschluss nach
International Accounting Standards (IAS)/International Financial Reporting Standards (IFRS)
(US GAAP ist für europäische Konzerne nicht mehr zulässig)

2. Die Funktionen des Jahresabschluss nach dem UGB


Erhaltungsfunktion und Informationsfunktion  den internationalen Standards angepasst

Erhaltungsfunktion: Aufrechterhaltung des Unternehmensbestandes im Interesse der


Eigentümer, des Fiskus, der Gläubiger, der Arbeitnehmer und der Öffentlichkeit.
Selbstinformation: Entnahme- und Ausschüttungsmöglichkeiten, Kontrollinstrument für das
Budget
Externe Bilanzadressaten: Senkung des Risikos der Kapitalanleger

Erhaltungs- und Informationsfunktion im UGB:


• Materielle Bilanzkontinuität
• Straffung der Bewertungsvorschriften
• Gliederungsvorschriften für Bilanz und GuV
• Erläuterungen zum Jahresabschluss
• Zukunftsbezogene Ausgestaltung des Lageberichts

3. Der Aufbau der Rechnungslegungsvorschriften


Rechnungslegungsvorschriften im UGB
• Buchführungspflicht für alle Unternehmer in Sinne des § 189, Aufbewahrungsfrist,
Inventur- und Bilanzierungsvorschrift, Bewertungsvorschrift
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Ergänzungen für Kapitalgesellschaften: Inhalt des Jahresabschlusses,


Gliederungsvorschriften, Anhang – Lagebericht
• Konzernabschluss – Konzernlagebericht
• Prüfung des Jahres- und Konzernabschlusses
• Veröffentlichung des Jahres- und Konzernabschlusses

4. Verpflichtung zur Führung von Büchern


UGB ersetzt HGB

a) Bis 31.12.2006 geltende Rechtslage


Vorschriften für alle Vollkaufleute, Ergänzungen für Kapitalgesellschaften
Rechnungslegungsvorschriften nicht für Minderkaufleute
Vorschriften auch für diejenigen mit Verpflichtung zur Eintragung ins Firmenbuch
(Sollkaufleute)

b) Handelsrechts-Änderungsgesetz, geltend ab 1.1.2007


• Allgemeine Rechnungslegungspflicht
Vorschriften (Buchführung, Inventarrichtung, Jahresabschluss, Aufbewahrung) gelten für:
- KG und unternehmerisch tätige Personengesellschaften (keine natürliche
Person als unbeschränkt haftender Gesellschafter)  unabhängig von ihrer Größe
oder Umsatz
- Alle anderen Unternehmer mit Umsatz > € 400.000 (Unabhängig von der
Eintragung ins Firmenbuch)
- AUSGENOMMEN: Angehörige freier Berufe, Land- und Forstwirte,
Unternehmen, die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung machen

Wird der Schwellenwert von € 400.000 zweimal hintereinander überschritten


 Rechnungslegungspflicht ab dem zweitfolgenden Geschäftsjahr
Wenn Schwellenwert zweimal um die Hälfte überschritten wird (Umsatz über € 600.00)
 Rechnungslegungspflicht ab dem Folgejahr

• Steuerliche Rechnungslegungspflicht
BAO: wer laut UGB rechnungslegungspflichtig ist, ist es auch im Interesse der
Abgabenerhebung
EStG: da Maßgeblichkeitsprinzip  Rechnungslegung von der Verpflichtung lt. § 189 UGB
abhängig
§ 5 (1) EStG Gewinnerermittlung für jene, die rechnungslegungspflichtig gem. UGB sind und
Einkünfte aus Gewerbebetrieb beziehen  unternehmensrechtl. Grundsätze maßgeblich,
außer zwingende steuerliche Vorschriften mit abweichenden Regelungen.
§ 4 (1) EStG Gewinnermittlung für jene, die keine Einkünfte aus Gewerbebetrieb haben und
die freiwillig Bücher führen

5. Die Bilanzierungsgrundsätze (Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung)


Ordnungsmäßige Bilanzierung hängt von ordnungsmäßiger Buchhaltung ab, da die
Aufzeichnungen der Bücher Grundlage für die Bilanz sind.
Dazu kommen Ansatz-, Bewertungs- und Gliederungsvorschriften.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Grundsätze gehen zurück auf:


• Gesetzliche Bestimmung, Rechtssprechung in einzelnen Fällen
• Gewohnheitsrecht  Unternehmerbrauch
• Gutachten der Kammern der Wirtschaftstreuhänder

Führung der Bücher:


• In lebender Sprache
• Abkürzungen und Symbole müssen im Einzelfall erklärt werden
• Eintragungen müssen vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet sein
• Nicht so verändert, dass man den ursprünglichen Inhalt nicht mehr feststellen kann
• Jahresabschluss in Eurowährung und deutscher Sprache
• Datenträger müssen 7 Jahre aufbewahrt werden
 möglichst getreues Bild der Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens

KG müssen im Anhang erforderliche Angaben machen  für nach außen gerichtete


Informationswirkung  Finanzlage muss ersichtlich sein

a) Grundsatz der Bilanzverknüpfung


= Bilanzidentität + Bilanzkontinuität

Bilanzidentität: zeitpunktbezogen, Schlussbilanz eines Geschäftsjahres muss ident sein mit


der Eröffnungsbilanz des Folgejahres

Bilanzkontinuität: zeitraumbezogen,
Schlussbilanz eines Jahres muss in formeller
und materieller Art gleich sein wie die des
Folgejahres zB gleiche Gliederungsgrundsätze
und Kontenbezeichnungen, eine Abweichung ist
nur unter besonderen Umständen zulässig
Materielle Bilanzkontinuität: Beibehaltung von Bewertungsmethoden

b) Grundsatz der Bilanzvorsicht


Man darf nur am Abschlussstichtag verwirklichte Gewinne ausweisen und man muss
erkennbare Risiken und drohende Verluste, soweit ihre Ursache im alten Jahr liegt,
berücksichtigen, auch wenn diese erst zwischen Abschlussstichtag und Aufstellung des
Jahresabschluss bekannt werden  imparitätisches Realisationsprinzip
 Niederstwertprinzip im Soll, Höchstwertprinzip im Haben, Bildung von Rückstellungen
(jedoch keine willkürlichen stillen Reserven)

c) Grundsatz der Bilanzwahrheit


wenn alle gesetzlichen Vorschriften berücksichtigt wurden
man soll von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit (Going-concern-Prinzip) ausgehen
Bilanzfälschung schließt eine wahre Bilanz aus

d) Grundsatz der Bilanzklarheit


klar und übersichtlich, sachgerechte Bezeichnung und klare Abgrenzung der Einzelposten
Bilanzverschleierung: unklar und unübersichtlich  irreführend, aber kein unrichtiges
Bilanzergebnis

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

6. Geschäftsjahr
Geschäftsjahr (im STR: Wirtschaftsjahr): max. 12 Monate (meist Kalenderjahr)

In das Firmenbuch eingetragene Kaufleute und buchführende Land- und Forstwirte 


Wirtschaftsjahr kann vom Kalenderjahr abweichen
zB bei Saisonbetrieb oder bei Anpassung des Geschäftsjahr eines Tochterunternehmens an
jenes des Mutterunternehmens  leichtere Konzernabschluss

verkürztes Geschäftsjahr (Rumpfgeschäftsjahr) in Sonderfällen, zB Geschäftsauflösung 


nur mit vorheriger Zustimmung der Finanzbehörde

7. Die Überleitung von den Zahlen der Finanzbuchhaltung in die Bilanz


• Jahresabschluss ist in den ersten 9 Monaten für das vergangene Jahr aufzustellen

• Überprüfung der formalen und materiellen Richtigkeit der Daten aus der
Buchhaltung.

• Körperliche Bestandsaufnahme (Inventur) aller Vermögens- und Schuldgegenstände


Inventar: Verzeichnis, in dem diese art-, mengen- und wertmäßig einzeln angeführt sind
Erfolgt die Körperliche Bestandsaufnahme (Messung, Gewichtsfeststellung, Zählung) an
Bilanzstichtag  Stichtagsinventur (kann aber auch bis zu 3 Monate vor und 2 Monate
nachher gemacht werden, dann Fortschreibungs- oder Rückrechnungsverfahren
notwendig)
Statt Stichtagsinventur auch permanente Inventur möglich  Bestandskartei (Lagerkartei,
Anlagekartei), dafür ist keine Betriebsunterbrechung notwendig
Stichprobeninventur  mit Hilfe mathematisch-statistischer Methoden

• Inventurplan: mind. einmal pro Geschäftsjahr durch körperliche Bestandsaufnahme


kontrolliert.

• Differenzen zwischen Soll- und Istbeständen werden ausgebucht.

• Der Bestand von immateriellen Vermögensgegenständen wird kontinuierlichen


Aufzeichnung entnommen.

8. Bilanzierungsge- und verbote sowie Bilanzierungswahlrechte


Sonderregelungen um die Bilanzvollständigkeit zu gewährleisten:
• Aufwendungen für Ingangsetzen und Erweitern eines Betriebes dürfen aktiviert werden
(längstens 5 Jahre planmäßig abschreiben)
• Aufwendung für Unternehmensgründung dürfen nicht aktiviert werden
• Unentgeltlich erworbene immaterielles AV darf nicht als aktiviert werden zB selbst
entwickelte Patente
• Firmenwert (Unterschiedsbetrag zwischen Kaufpreis eines Unternehmens und Wird der
Vermögensgegenstände minus Schulden zum Zeitpunkt der Übernahme) darf aktiviert
werden  Abschreibung
• Aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten
• Disagio kann aktiviert werden  Tilgung durch jährliche Afa
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Geldbeschaffungskosten können unter den Rechnungsabgrenzungsposten ausgewiesen


werden

9. Bewertungsvorschriften

a) Anschaffungskosten
= tatsächliche Ausgaben für Beschaffung des Gegenstandes
• den Rechnungspreis mindernde Nachlässe (Rabatte) verringern die AK
• sämtliche Nebenkosten (Transport, Montage etc) erhöhen die AK
• Auch Lieferantenskonti und Subventionen vermindern die AK.
• Bei Grundstücken: auch Grunderwerbssteuern, Eintragungsgebühren und
Abbruchskosten eines bisherigen Gebäudes erhöhen die AK
• Finanzierungskosten sind NICHT Teil der AK
• Nachträgliche Erhöhung des Kaufpreises oder Neufestsetzung der Grunderwerbssteuer
erhöhen die AK

b) Herstellungskosten
• Herstellung, Erweiterung oder wesentliche Verbesserung eines
Vermögensgegenstandes
• Auch angemessene Teile der MGK und FGK dürfen eingerechnet werden
• Kosten für Verwaltung und Vertrieb dürfen nicht in die HK einbezogen werden
• Zinsen für FK dürfen angesetzt werden, soweit sie auf den Zeitraum der Herstellung
entfallen
• Außerordentliche Aufwendungen (zB außerplanmäßige Abschreibungen) dürfen
NICHT in die HK eingerechnet werden

c) Bewertung des Anlagevermögens


AV  dient dauernd dem Geschäftsbetrieb
• Ist zu AK bzw. HK vermindert um die Afa zu bewerten
• Außerplanmäßige Afa: auf den niedrigeren Wert, nur bei voraussichtlich dauerhafter
Wertminderung
Ausnahme: bei Finanzanlagen dürfen Wertminderung auch abgeschrieben werden, wenn
sie voraussichtlich nicht von Dauer sind.
• Zuschreibungen müssen durchgeführt werden, die die Gründe für die
außerplanmäßige Afa weggefallen sind
Man darf auf die Zuschreibung verzichten um steuerlich einen geringeren Wertansatz zu
haben, man muss dann aber auch im Jahresabschluss auf die Zuschreibung verzichten.

d) Bewertung des Umlaufvermögens


• zu AK oder HK zu bewerten, vermindert um die Abschreibung auf den niedrigeren
Tageswert
• bei Aufträgen, die länger als 12 Monate andauern, dürfen auch angemessene Teile von
Verwaltung und Vertrieb angesetzt werden.
• Abschreibung auf den niedrigen Börsenkurs oder Marktpreis am Abschlussstichtag
sind vorzunehmen (strenges Niederstwertprinzip)

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

e) Bewertungsvereinfachungsverfahren
Vermögensgegenstände und Schulden sind einzeln zu bewerten
• Festwertverfahren
Sachanlagevermögen (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe) können, wenn sie regelmäßig ersetzt
werden, mit einem gleich bleibenden Wert angesetzt werden, wenn nur geringere
Veränderungen in Größe, Wert und Zusammensetzung vorliegen.
 alle 5 Jahre Bestandsaufnahme
• Gewogenes Durchschnittsverfahren
Finanzanlagen, Vorratsvermögen und Wertpapiere können zu einer Gruppe zusammengefasst
und mit dem gewogenen Durchschnittspreis angesetzt werden.

• Fifo-Verfahren, Lifo-Verfahren
bei Vermögensgegenständen des Vorratsvermögens kann man annehmen, dass die zuerst oder
zuletzt angeschafften oder hergestellten Gegenstände zuerst verbraucht oder veräußert
wurden.

f) Bewertung der Passivposten


Verbindlichkeiten sind zu ihren Rückzahlungsbetrag, Rentenverpflichtungen zum Barwert der
zukünftigen Auszahlungen anzusetzen. Rückstellungen zu einem Betrag der aus vernünftiger
unternehmerischer Beurteilung notwendig ist.

g) Bewertung der Einlagen


Einlagen und Zuwendungen sind mit dem Wert anzusetzen, den sie im Zeitpunkt der Einlage
bzw. Zuwendung haben, soweit sich nicht aus der Nutzungsmöglichkeit im Unternehmen ein
geringerer Wert ergibt.

10. Einkommenssteuerliche Bewertungsvorschriften

a) Einzelvorschriften
• Abnutzbares AV ist mit den AK oder HK vermindert um die Absetzung für
Abnutzung anzusetzen. Bei Land- und Forstwirten und bei Gewerbetreibenden gilt der
Firmenwert als abnutzbares AV.
• (13) Investitionsfreibeträge für spätere WJ oder stille
Reserven/Übertragungsrücklagen
Zuschreibungen max. bis zu AK zulässig
• Nicht abnutzbares AV und UV mit AK oder HK anzusetzen
Ist der Teilwert niedriger  wird dieser angesetzt
Pauschale WB für Forderungen ist NICHT zulässig. Zu den HK gehören auch
angemessene Teile der MGK und FGK
• Im Jahre der Aufnahme von Verbindlichkeiten sind das Disagio (Unterschiedsbetrag
zwischen Rückzahlungsbetrag und aufgenommenem Betrag) und Geldbeschaffungskosten
zu aktivieren. Diese sind zwingend auf die gesamte Laufzeit der Verbindlichkeiten zu
verteilen.
• Entnahmen sind mit dem Teilwert im Zeitpunkt der Entnahme anzusetzen.
• Einlagen sind mit dem Teilwert zum Zeitpunkt der Zuführung anzusetzen, höchsten
mit den tatsächlichen AK, wenn der Gegenstand ein Grundstück ist (bei Anschaffung
innerhalb der letzten 10 Jahre) und bei sonstigen Wirtschaftsgütern (bei Anschaffung
innerhalb des letzten Jahres)
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Beteiligungen von mind. 1% innerhalb der letzten 5 Jahre.


• (8) Bei Eröffnung eines Betriebes sind die WG mit den AK oder HK anzusetzen. Bei
entgeltlichem Erwerb eines Betriebes sind die WG mit den AK anzusetzen.
• (10) Bei Anschaffung von WG unter Verwendung von steuerfreien Subventionen,
verringern sich die AK um diese Subvention.
• Weiters:
Für unkörperliche WG des AV darf nur ein Aktivposten angesetzt werden, wenn diese
entgeltlich erworben wurden.
Zinsen im Zusammenhang mit Fremdfinanzierung des Erwerbs von Kapitalanteilen sind
ab 2005 abzugsfähig.

b) Maßgeblichkeit der Unternehmensbilanz für die Steuerbilanz


Maßgeblichkeit = Abhängigkeit der Steuerbilanz von der Unternehmensbilanz
Für die Steuerbilanz werden die Wertansätze der Unternehmensbilanz genommen, außer es
gibt steuerrechtliche zwingend abweichende Vorschriften.

Um nicht zwei Bilanzen aufstellen zu müssen, begnügen sich viel Unternehmer mit der
Aufstellung einer Jahresbilanz, die sich nach steuerrechtlichen Vorschriften richtet.

c) Vergleich zwischen Einzelvorschriften des Unternehmens- und des


Steuerrechts
1. AK  sind gleich
2. HK  im STR gehören zwingend angemessene Teile der MGK und FGK dazu
3. Aktivierungsverbot für unentgeltlich erworbene unkörperliche WG  gleich
4. Aktivierung und Abschreibung für Ingangsetzen und Erweitern eines Betriebes 
Maßgeblichkeit des UR
5. Abschreibung  lt. STR nur linear, lt. UR auch degressive möglich
6. langfristige Aufträge  lt. STR keine Regelung, lt. UR Aktivierungsmöglichkeit für Teile
der Kosten von Verwaltung und Vertrieb
7. Abschreibung von UV unter den Teilwert  lt. STR nicht zulässig
8. Pauschal WB von Forderungen  lt. STR nicht möglich
9. Zuschreibung von abnutzbarem AV  wenn unternehmensrechtlich, dann auch
steuerrechtlich
10. Bildung von Rückstellungen  lt. STR nur für Abfertigungen, Pensionen, Jubiläums-
RST, ungewisse Verbindlichkeiten, drohende Verluste aus schwebenden Geschäften
kein Pauschale-WB erlaubt
bei langfristigen RST: nur 80% des Teilwerts lt. STR
11. GWG des AV  lt. STR ist eine Vollabschreibung nicht möglich
12. Pensions-RST  auch lt. STR nach versicherungsmathematischen Grundsätzen,
Anwendung eines 6%igen Rechnungszinsfußes
13. Firmenwert  bei Land- und Forstwirten und Gewerbebetrieben lt. STR auf 15 Jahre
verteilt abzusetzen.
14. miterworbener Firmenwert von einer Körperschaft  kann über 15 Jahre abschrieben
werden (darf 50% der AK nicht überschreiten), ein negativer FW ist über 15 Jahre
gewinnerhöhend aufzulösen lt. STR, lt. UR werden nur die AK aktiviert.
15. Disagio  lt. UR kann er aktivierte werden, lt. STR muss er aktiviert werden und auf die
gesamte Laufzeit der Verbindlichkeit verteilt werden

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16. Geldbeschaffungskosten für Verbindlichkeit  lt. STR zwingend zu aktivieren und


aufzuteilen, lt. HR ist auch eine Aktivierung innerhalb der Rechnungsabgrenzungsposten
möglich
17. Einlagen  sind grundsätzlich mit dem Wert anzusetzen, der ihnen im Zeitpunkt ihrer
Leistung beizulegen ist
18. betriebsgewöhnliche ND für PKW ist 8 Jahre
19. Verteilung des Veräußerungsverlustes einer Beteiligung auf 7 Jahre
20. Steuerfreie Auflösungsmöglichkeit der bisher ausgewiesnen Abfertigungs-RST

11. Die ergänzenden Vorschriften für Kapitalgesellschaften, betreffend die


Erstellung des Jahresabschlusses, dessen Prüfung und Veröffentlichung
Für Kapitalgesellschaften gibt es ergänzende Vorschriften für die Erstellung, Prüfung und
Veröffentlichung des Jahresabschlusses, deren Ausmaß von der Art und Größe der
Kapitalgesellschaft abhängt

Mittelgroße KGs müssen mind. 2 der 3 Größenmerkmale für kleine KGs überschreiten.
Große KGs müssen mind. 2 der 3 Größenmerkmale für mittlere KGs überschreiten.

Personengesellschaften, bei denen es keinen persönlich haftenden Gesellschafter, der eine


natürliche Person ist, werden wie KGs behandelt.

KGs müssen innerhalb von 5 Monaten nach dem Bilanzstichtag den Jahresabschluss mit
Anhang erstellen. Mit Ausnahme von kleinen GmbHs muss auch ein Lagebericht erstellt
werden und unterliegen der Verpflichtung zur Prüfung des Jahresabschlusses und es
Lageberichtes durch einen Wirtschaftsprüfer (bei AGs) oder einen Buchprüfer.

12. Gliederungsvorschriften im Jahresabschluss

a) Bilanz
• Gesetzliche Gliederungsvorschrift
Für Einzelkaufleute und Personengesellschaft gilt die Generalnorm (= namentlicher Ausweis
von: AV, UV, aktive Rechnungsabgrenzungsposten (ARA) auf der Aktivseite, sowie des EK,
der unversteuerten Rücklage, Rückstellungen, Verbindlichkeiten und passiven
Rechnungsabgrenzungsposten (PRA) auf der Passivseite).
Für Kapitalgesellschaften gelten die nachstehenden Mindestgliederungsvorschriften.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Gliederungsvorschriften für die Vermögensbilanz (§ 224)


Aktiva Passiva
A. Anlagevermögen A. Eigenkapital
I. Immaterielle Vermögensgegenstände I. Nennkapital (Grund-, Stammkapital)
Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und II. Kapitalrücklagen
ähnlich Rechte
Firmenwert Gebundene
Geleistete Anzahlungen Nicht gebundene
II. Sachanlagen III. Gewinnrücklagen
Grundstücke, gründstückgleiche Rechte und Gesetzliche Rücklagen
Bauten & Superädifikate
Technische Anlangen und Maschinen Satzungsmäßige Rücklagen
Andere Anlagen, BGA Andere Rücklagen (freie Rücklagen
Geleistete Anzahlungen +Anlagen in Bau IV. Bilanzgewinn (Bilanzverlust
III. Finanzanlagen Davon Gewinnvortrag/Verlustvortrag
Anteile an verbundenen UN B. Unversteuerte Rücklagen
Ausleihungen an verbundenen UN Bewertungsreserven auf Grund von
Sonderabschreibungen
Beteiligungen Sonstige unverst. Rücklagen
Ausleihungen an UN, wo C. Rückstellungen
Beteiligungsverhältnis besteht
Wertpapiere des AV Rückstellungen für Abfertigungen
Sonstige Ausleihungen Rückstellungen für Pensionen
B. Umlaufvermögen Steuerrückstellungen
I. Vorräte Sonst. Rückstellungen
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe D. Verbindlichkeiten
Unfertige Erzeugnisse Anleihen, davon konvertibel
Fertige Erzeugnisse und Waren Verbindlichkeit gegenüber Kreditinstitut
Noch nicht abrechenbare Leistungen Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen
Geleistete Anzahlungen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und
Leistungen
II. Forderungen und sonstige Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener
Vermögensgegenstände Wechsel und der Ausstellung eigener Wechsel
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Verbindlichkeiten geg. Verbundenen UN
Forderungen gegenüber verbundenen UN Verbindlichkeiten geg. UN, mit denen ein
Beteiligungsverhältnis besteht
Forderungen gegenüber verbundenen UN, mit Sonstige Verbindlichkeiten
denen ein Beteiligungsverhältnis besteht davon aus Steuern,
davon iR der sozialen Sicherheit
Sonstige Forderungen u. E. Rechnungsabgrenzungsposten
Vermögensgegenstände
III. Wertpapiere und Anteile
Anteile an verbundenen UN
Sonstige Wertpapiere und Anteile
IV. Kassenbestand, Schecks, Guthaben bei
Kreditinstituten
C. Rechnungsabgrenzungsposten

• Grundsätze der Gliederungsvorschriften


- Darstellung des funktionalen Aufbaues
Grundsätzlich Unterscheidung: Anlagevermögen & Umlaufvermögen (Art des Betriebes)
- Darstellung der Liquidität
- Darstellung des Eigenkapitals in einem Block
Nicht eingeforderte ausstehende Einlagen auf das Nennkapital sind offen vom
Nennkapital abzusetzen, eingeforderte ausstehende Einlagen auf das Nennkapital sind im
UV unter Forderungen gesondert auszuweisen.
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Bei Bilanzverlust ist ein Minusbetrag im EK auszuweisen → negatives EK.


- Darstellung in Anspruch genommener steuerlicher Begünstigungen (Ausmaß
und Art!)
- Darstellung der Konzernverflechtung
Verflechtungen mit „verbundenen“ UN und UN, mit denen ein Beteiligungsverhältnis
besteht sind in der Bilanz gesondert darzustellen.
- Darstellung der dinglichen Belastung des Vermögens (im Anhang)
- Nettoausweis der Vermögens und Schuldposten
Wertberichtigung sind unmittelbar vom entsprechenden Vermögens- bzw. Schuldposten
abzusetzen (kein Sonderausweis!); Pauschalwertberichtungen sind im Anhang anzugeben
• Erläuterung einzelner Bilanzpositionen nach Inhalt und Bewertung
- Anlagevermögen: = jene Gegenstände, die bestimmt sind, dauernd dem
Geschäftbetrieb der Gesellschaft zu dienen (vorzeitiges Ausscheiden ändert daran nichts);
Abnutzbares und nicht abnutzbares AV
Ordentliche Wertmind. → planm. Afa; außerordentliche Wertmind. → außerplanm. Afa
Steuerliche Abschreibung kann nicht höher sein als die Unternehmensrechtliche
(Unternehmerische Vorsicht)
Bei Eintritt bzw. Austritt einer Anlage gilt: Bis 30.6.  Ganzjahres AFA; Ab 1.7. 
Halbjahres AFA
Festsetzung der Abschreibungsquoten im Steuerrecht nur linear!

Buchmäßige Behandlung der Abschreibung:


Direkte Methode
o Abschreibungsbeträge werden direkt vom Wert der Anlagegüter der Bilanz abgebucht
o Aktives Bestandskonto weist dh immer den Restbuchwert der Anlage auf
Indirekte Methode
o Abschreibung erfolgt gegen ein Wertberichtungskonto
o Vorteile: Anlagenkonto zeigt Anschaffungs- bzw. Herstellkosten, Man sieht wie alt
die Anlage ist (sofern Anlagen nicht gruppiert wurden)
Indirekte Methode ist der direkten vorzuziehen!
Stand zu Beginn des Geschäftsjahres
+ Zugang des Geschäftsjahres
- Abgang Geschäftsjahres
+ Zuschreibung des Geschäftsjahres
- Kumulierte Abschreibungen der am Ende des Geschäftsjahres vorhandenen Anlagen
= Restwert – Stand Ende des Geschäftsjahres

3 Hauptgruppen des AV:


Immaterielle Vermögensgegenstände: dürfen soweit sie nicht (entgeltlich!) erworben werden
NICHT aktiviert werden
- Konzessionen: mit Anschaffungskosten aktivieren, über Laufzeit abzuschreiben
- Aktivierte Patente: über wirtschaftliche Laufzeit, max. jedoch über rechtliche Laufzeit
abzuschreiben.
- Lizenzen je nachdem ob Einmalzahlung oder lfd. Zahlung (nur bei Einmalzahlung
aktiviert und abgeschrieben; sonst in die Erfolgsrechnung genommen)
- Auch Marken können aktiviert werden, normalerweise nur außerplanmäßige AFA
- Geschäfts – (Firmen-) wert: = Unterschiedsbetrag zwischen Gesamtwert und dem
Substanzwert eines UN  darf aktiviert werden
Substanzwert: = Eigenkapital lt. Bilanz, bereinigt um die stillen Reserven und Überbewertungen
o Aktivierung grundsätzlich nur bei Erwerb (gesonderter Posten)
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o Ausweis eines Firmenwerts: nur bei Erwerb oder Anteil an Personengesellschaft oder
Einzelunternehmen, nicht bei Kapitalunternehmen
o Der Firmenwert muss planmäßig verteilt werden
o Firmenwert kann auch im Zuge einer Verschmelzung entstehen

Sachanlagen
- Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten, Gebäude auf fremden Boden
(idR Superädifikate)
- technische Anlagen und Maschinen,
- andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung
- geleistete Anzahlungen und Anlagen in Bau erst nach Fertigstellung
Finanzanlagen
- Beteiligungen, Anteile an verbundenen UN
Nach Ausmaß und Einflussmöglichkeit der Muttergesellschaft unterscheidet das UGB
folgende Beteiligungen:
o Verbundene UN (mehr als 50%)
o Gemeinschaftsunternehmen (alle MU haben den selben Einfluss)
o Assoziiertes UN (Beteiligung zw. 25 u. 50%) → Equity Methode
= Beteiligungsansatz richtet sich, ausgehend vom EK der Tochtergesellschaft bei Erwerb der Beteiligung,
idF nach den von der Tochtergesellschaft erzielten Gewinnen und Verlusten sowie getätigten
Gewinnausschüttungen, Gesellschafterzahlungen etc.
o Sonstige Beteiligungen

Alle Beteiligungen werden in der Bilanz gesondert ausgewiesen und mit AK aktiviert.
Anschaffungskosten = Betrag der Einlage + event. Agio + Nebenkosten

- Ausleihungen = über ein Jahr hinausreichende Darlehen + Forderungen mit einer


Laufzeit von mind. 5 Jahren

- Wertpapiere (Wertrechte) des Anlagevermögens = dauernd oder langfristig dem


Geschäftsbetrieb dienende Wertpapiere und sonst. Rechte; zB.: festverzinsliche Anleihen

• Umlaufvermögen ( Beschäftigungsvermögen)
Vorräte:
- Rohstoffe (Fertigungsmaterial):  bilden idR den Charakter des Produktes, können
dem Produkt unmittelbar zugerechnet werden
- Hilfsstoffe: in geringen Mengen im Produkt enthalten, werden dem Produkt
schlüsselmäßig als Gemeinkosten zugerechnet
- Betriebsstoffe: gehen nicht in das Produkt ein
- Bezogene Teile: halbfertig und fertig bezogene Teile
- Unfertige und fertige Erzeugnisse
- Waren: = jene Produkte, die vom UN erworben und ohne weitere Be- und
Verarbeitung verkauft werden sollen.
- Noch nicht abrechenbare Leistungen = Dienstleistungen, wie etwa die Bearbeitung
beigestellten Materials bzw. beigestellter Teile, noch nicht vollendete Werbe-,
Architektur- und Generalunternehmerleistungen.
- Geleistet Anzahlungen = jene Forderungen, die sich auf noch nicht erfüllte
Lieferungs- oder Leistungsverpflichtungen beziehen.

Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände

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- Forderungen aus Lieferungen und Leistungen = alle Ansprüche aus Verträgen durch
bereits erfüllte Lieferungen und sonst. Leistungen Bewertung erfolgt zum Nennwert
- Forderungen gegenüber verbundenen UN = sämtliche Forderungen gegenüber
verbundenen UN, ohne Rücksicht auf den Entstehungsgrund
- Sonstige Forderungen und Vermögensgegenstände

Wertpapiere und Anteile


- Eigene Anteile: AG’s dürfen eigene Aktien nur zu Abwendung eines schweren,
unmittelbar bevorstehenden Schadens erwerben: Gesamtnennbetrag dieser Aktien darf
10% des Grundkapitals nicht übersteigen; dürfen erworben werden wenn es zu
Entschädigung von Minderheitsaktionären oder wg. Herabsetzung des Grundkapitals
geschieht. Bzgl der Bilanz ist man verpflichtet eine Rücklage in Höhe der auf der
Aktivseite ausgewiesenen eigenen Aktien gesondert auszuweisen
- Anteile an herrschenden oder mit Mehrheit beteiligten UN: dasselbe wie für eigene
Anteile. Für GmbHs ist der Erwerb und die Pfandnahme eigener Geschäftsanteile durch
die Gesellschaft gänzlich verboten und wirkungslos.
- Anteile an verbundenen UN: idR Anteile an Mutter- oder Schwestergesellschaft
- Sonstige Wertpapiere und Anteile: Festverzinsliche Wertpapiere & sonstige Anteile an
Kapital- oder Personengesellschaften

• Aktive Rechnungsabgrenzungsposten
= grundsätzlich Aktiv- oder Passivposten (aktive und passiver Rechnungsabgrenzung), deren
Aufgabe es ist, die Periodenreinheit jener Aufwendungen und Erträge herzustellen, die nicht
in dem Bilanzjahr verbucht wurden, in das sie wirtschaftlich gehören
Transitorien – Abgrenzung eines schon verbuchten Aufwandes (vorausbezahlte Miete,
Versicherung…)
Antizipationen – Erfolgsbuchungen bei der Bilanzerstellung nachgetragen werden müssen
(z.b. im Voraus erhaltene Mieteinnahmen, Versicherung…)

• Eigenkapital
Es handelt sich dabei um eine variable Saldogröße, die sich in den einzelnen Perioden mit der
Höhe (u. Bewertung) des Vermögens und der Schulen ändert.

GmbH & AG haben:


festes EK-Konto mit Nennwertcharakter  Stammkapital, Grundkapital
variable EK-Konto  für Bewegungen wie Gewinn, Verlust, Einlagen (z.b. Rücklagen,
Bilanzgewinn/verlust)

- Das Eigenkapital des Einzelunternehmens


Das Eigenkapital wird durch Privateinlagen und Privatentnahmen sowie durch Gewinne und
Verluste verändert. Eigenkapital = Vermögen – Fremdkapital

- Eigenkapital der Personengesellschaft


Das Eigenkapital der Offenen Gesellschaft:
Gesellschafterkonten: Kapitaleinlage, Ausstehende Einlagen, Verrechnungskonto
Unversteuerte Rücklagen sind grundsätzlich nicht dem einzelnen Gesellschafter
zuzuordnen.

Das Eigenkapital der Kommanditgesellschaft

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Gesellschafterkonten: des Komplementärs: Kapitaleinlagen (fest), ausstehende


Komplementäreinlagen, Verrechnungskonto (beweglich)
des Kommandidisten: Kommanditeinlagekonto

Das Eigenkapital der Gesellschaft bürgerlichen Rechts


Bei freiwilliger Bilanzierung  gleiche Regeln wie für OG

Die Einlage des Stillen Gesellschafters


Einlage des Stillen Gesellschafters  Verbindlichkeit (wenn nur für bestimmte Zeit
abgeschlossen oder jederzeit kündbar)

Gesetzliche Grundlagen für die Führung der Eigenkapitalkonten von PersGes


Grundkapital: Nennwertcharakter
Rücklagen = Eigenkapital, das auf gesonderten Rücklagenkonten ausgewiesen wird (offene
Rücklage) oder das überhaupt nicht in der Bilanz in Erscheinung tritt (stille Rücklage),
oder das in überhöhten Schuldposten, z.B. Rückstellungen, steckt (versteckte Rücklagen)

Zweck der Rücklagenbildung:


- Vorsorge für zukünftige Verluste (Verlustrücklagen)
- Kapitalbereitstellungen für geplante Betrieberweiterungen
- Kapitalbereitstellung für Maßnahmen der Umfinanzierung
- Gewinnausgleich zwecks Dividendenpolitik (Dividendenausgleichsrücklagen)

Kapitalrücklagen Gewinnrücklagen
Entstehen durch Einzahlungen der Gesellschafter Werden aus dem JÜS gebildet

Nicht gebundene Gebundene Gesetzliche Freie


Der Betrag von sonstigen Agio bei der Ausgabe von 5% des um einen Auf
Zuzahlungen, die durch Aktien oder Anteilen. Verlustvortrag Beschluss
gesellschaftsrechtliche Agio beim Umtausch von verminderten JÜS des
Verbindungen veranlasst Wandelschuldverschreibungen nach Berücksichtigung Vorstandes
sind (freiwillige in Aktien der Veränderung
Gesellschafterzuschüsse etc. Zuzahlung der Gesellschafter unversteuerter
gegen Gewährung eines Rücklagen so lange,
Vorzuges für ihre Anteile etc.
als die gebunden
Rücklagen insgesamt
nicht 10% des
Nennkapitals erreicht
haben
Beträge, die im Geschäftsjahr oder
einem früheren Geschäftsjahr aus
dem Jahresüberschuss gebildet
worden sind
Gebundene Rücklagen

Bilanzgewinn (Bilanzverlust)
Jahresüberschuss
+ Auflösung versteuerter und unversteuerter Rücklagen
+ Gewinnvortrag des Vorjahres
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- Dotierung versteuerter und unversteuerter Rücklagen


- Verlustvortrag aus dem Vorjahr
= Bilanzgewinn (Bilanzverlust)

- Eigenkapital der Kapitalgesellschaft


Das Eigenkapital der Aktiengesellschaft
Einlagen der Gesellschafter = Verbindlichkeit
Eigenkapital der Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Einlagen der Gesellschafer
Gesetzliche Grundlagen für die Führung der Eigenkapitalkonten von KapGes
Stammkapital: Nennwertcharakter
Nachschusskapital: Stärkung des UN ohne wie Stammeinlage gebunden zu sein

- Negatives Eigenkapital bei Kapitalgesellschaften und Personengesellschaften.


Überschuldung des UN, liegt nur vor wenn es iSd Insolvenzrechts überschuldet ist, dh:
o Nur wenn unversteuerten Rücklagen und stille Reserven nicht die Höhe des negativen
EK erreichen
o UND es keinen Grund zu positiven Fortführungsprognosen gibt.

- Das Eigenkapital der Genossenschaft


Geschäftsanteilkapital und ausstehende Einzahlung auf die Geschäftsanteile
o Es gibt Geschäftsanteilkonto mit Nennwertcharakter
o Geschäftsanteile die nicht zur Gänze einbezahlt werden, werden am Konto
ausstehende Einzahlung auf die Geschäftsanteile erfasst
o Gewinn- / Verlustvortrag ist jener Teil des vorjährigen Bilanzgewinnes/Verlustes,
über den im Vorjahr nicht bei der Generalversammlung verfügt wurde.
o Reserverfonds: Gesetzlich gesehen müssen Genossenschaften keine Rücklagen bilden,
manchmal sieht es ihre Satzung vor

• Unversteuerte Rücklagen
Zu den unversteuerten Rücklagen gehören:
- Bewertungsreserven auf Grund von Sonderabschreibungen (müssen zwingend über
die Bewertungsreserve geführt werden!!) z.B.: Denkmalgeschütze Gebäude, GwG
- Sonstige unversteuerte Rücklagen

• Fremdkapital
- Rückstellungen: für ungewisse Verbindlichkeiten und für drohende Verluste aus
schwebenden Geschäften zu bilden, die am Abschlussstichtag wahrscheinlich oder sicher,
aber hinsichtlich ihrer Höhe oder des Zeitpunkts ihres Eintrittes unbestimmt sind

Betriebswirtschaftliche Grundlagen für die Bildung von Rückstellungen:


Richtige Darstellung bestehender Verpflichtungen, Herstellung der Periodenreinheit
(Verursachungszeitpunkt), Imparitätsprinzip, Passivierungspflicht für Rückstellungen,
Rückstellung als Finanzierungsfaktor

Rückstellungen sind ins besondere zu bilden für:


- Anwartschaften auf Abfertigungen,
- lfd. Pensionen und Anwartschaften auf Pensionen
- Kulanzen, nicht konsumierte Urlaube, Jubiläumsgelder, Heimfalllasten und
Produkthaftungrisiken
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- Steuern ( bei unterschiedlichen Wertansätzen in Unternehmens und Steuerbilanz


können Rückstellungen für latente Steuern zu bilden)
- Sonstige Rückstellungen: für Jahresabschlusskosten, Prozessrückstellungen,
Lehrlingsausbildung, Garantien, Gewährleistung, Kursrisiko

Rückstellungen im Steuerrecht: Pauschale Steuerrückstellungen und AufwandsRSt verboten

- Verbindlichkeiten: in der Bilanz mit Rückzahlungsbetrag anzusetzen


Anleihen, davon konvertibel
Anleihen = langfristig auf dem Kapitalmarkt aufgenommene Darlehen idR in Form
von Teilschuldverschreibungen.
Konvertible Anleihen: Wandelschulverschreibungen und
Optionsschuldverschreibungen (können nur von AG’s ausgegeben werden)
Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen: Verpflichtung zur Erbringung einer Sach- oder
Dienstleistung, nicht aber die Verpflichtung zu einer Geldleistung.
Verbindlichkeiten auf Grund von Lieferungen und Leistungen
Sonstige Verbindlichkeiten

b) Gewinn und Verlustrechung


Muss in Staffelform (Zwischensummen) entweder nach dem Gesamtkostenverfahren oder
dem Umsatzkostenverfahren aufgestellt werden.

• Gliederung der G&V


Gesamtkostenverfahren:
1. Umsatzerlöse
2. Veränderung des Bestandes an fertigen und unfertigen Erzeugnissen sowie an noch nicht anrechenbaren
Leistungen
3. Andere aktivierte Eigenleistungen
4. Sonstige betriebliche Erträge:
a. Erträge aus dem Abgang vom und der Zuschreibung zum Anlagevermögen mit Ausnahme der
Finanzanlagen
b. Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen
c. Übrige
5. Aufwendungen für Material und sonstige bezogene Herstellungsleistungen
a. Materialaufwand
b. Aufwendungen für bezogene Leistungen
6. Personalaufwand
a. Löhne
b. Gehälter
c. Aufwendungen für Abfertigungen und Leistungen an betriebliche Mitarbeitervorsorgekassen
d. Aufwendungen für Altersversorgung
e. Aufwendungen für gesetzlich vorgeschriebene Sozialabgaben sowie vom Entgelt abhängige
Abgaben und Pflichtbeiträge
f. Sonstige Sozialaufwendungen
7. Abschreibungen
a. Auf immaterielle Gegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen sowie auf aktivierte
Aufwendungen für das Ingang setzen und Erweitern eines Betriebes
b. Auf Gegenstände des UV, soweit diese die im UN üblichen Abschreibungen überschreiten
8. Sonstige betriebliche Aufwendungen
a. Steuern soweit nicht unter Z21 fallen
b. Übrige
9. Zwischensumme aus Z1 bis Z8
10. Erträge aus Beteiligungen, davon aus verbundenen UN
11. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens, davon aus
verbundenen UN
12. Sonstige Zinsen und ähnlich Erträge, davon aus verbundenen UN
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13. Erträge aus dem Abgang von und der Zuschreibung zu Finanzanlagen und Wertpapieren des UV
14. Aufwendungen aus Finanzanlagen und aus Wertpapieren des UV, davon sind gesondert auszuweisen:
a. Abschreibungen
b. Aufwendungen aus verbundenen UN
15. Zinsen und ähnliche Aufwendungen, davon betreffend verbundene UN
16. Zwischensumme Z10 bis 15
17. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
18. Außerordentliche Erträge
19. Außerordentliche Aufwendungen
20. Außerordentliches Ergebnis
21. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
22. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
23. Auflösung unversteuerter Rücklagen
24. Auflösung von Kapitalrücklagen
25. Auflösung von Gewinnrücklagen
26. Zuweisung zu unversteuerten Rücklagen
27. Zuweisung zu Gewinnrücklagen. Die Auflösung und Zuweisungen gemäß Z23 bis 27 sind entsprechend
den in der Bilanz ausgewiesenen Unterposten aufzugliedern
28. Gewinnvortrag/Verlustvortrag aus dem Vorjahr
29. Bilanzgewinn/Bilanzverlust

Umsatzkostenverfahren:
1. Umsatzerlöse
2. Herstellungskosten der zu Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen
3. Bruttoergebnis vom Umsatz
4. Sonstige Erträge
a. Erträge aus dem Abgang vom und der Zuschreibung zum Anlagevermögen mit Ausnahme der
Finanzanlagen
b. Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen
c. Übrige
5. Vertriebskosten
6. Verwaltungskosten
7. Sonstige betriebliche Aufwendungen
8. Zwischensumme Z1 bis 7
9.-28. Entspricht Gesamtkostenverfahren Z10 bis 29

• Grundsätze der G&V


Gesamtkostenverfahren:
Betriebsleistung
- Betriebliche Aufwendungen
= Betriebserfolg
+/ Finanzerfolg
-
= Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
+/ a.o. Ergebnis
-
= Jahresüberschuss (Jahresfehlbetrag) vor Steuern
- Steuern vom Einkommen und Ertrag
= Jahresüberschuss (Jahresfehlbetrag)
+/ Zuweisung und Auflösung versteuerter und unversteuerter Rücklagen
-
+/ Gewinnvortrag (Verlustvortrag) aus dem Vorjahr
-
= Bilanzgewinn

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Umsatzkostenverfahren: Bruttoergebnis vom Umsatz = Bruttogewinnspanne (bei


Handelsbetrieben Handelsspanne); Betriebsabrechnungsbogen (Aufwandsverteilungsbogen)
ist notwendiger Bestandteil des finanziellen Rechnungswesens.

Aufgabe des BAB


Gesamtkostenverfahren Umsatzkostenverfahren
Grundlage der Bewertung der Halb- und Grundlagen der Bewertung der Halb- und
Fertigfabrikate sowie der aktivierten Fertigfabrikate sowie der aktivierten
Eigenleistungen. Eigenleistungen
Übernahme der um Bestandsveränderungen
und aktivierten Eigenleistungen veränderten
Herstellungskosten sowie der Verwaltungs-
und Vertriebskosten in die G&V

• Erläuterung der einzelnen Posten der G&V Rechnung im Rahmen des


Gesamtkostenverfahrens

Umsatzerlöse
=für die gewöhnlich Geschäftstätigkeit des UN typische Erlöse aus dem Verkauf von Waren
sowie aus Dienstleistungen abzüglich der von Erlösschmälerungen und USt.
Dazu gehören:
- Erlöse, die die eigentlich Betriebsleistung der Gesellschaft betreffen
- Erlöse aus dem Verkauf von Schrott, Abfallprodukten, Zwischenerzeugnissen
- Erlöse aus der Vermietung und Verpachtung sowie Dienstleistungen

Erlösschmälerungen sind:
Skonti, Umsatzvergütungen, Mengenrabatte, Treuprämien, rückgewährte Entgelte für
Retourwaren, Mängel…

An 3. geleistete Vertriebssonderkosten, wie Provisionen und Lizenzen sind unter sonstige


betriebliche Aufwendungen auszuweisen.

Veränderung des Bestandes an fertigen und unfertigen Erzeugnissen sowie an noch nicht
anrechenbaren Leistungen

Die Bestandsveränderungen ergeben sich der Differenzen von Anfangs- und Endbeständen an
fertigen und unfertigen Erzeugnissen (Mengen sowie Wertmäßig)
Nicht unter Bestandsveränderungen dürfen Veränderungen des Bestandes an Handelswaren
ausgewiesen werden  Handelswarenverbrauch auf Konto Materialaufwand

Andere aktivierte Eigenleistungen


Selbst erstellte Anlagen sind mit ihren Herstellungskosten zu aktivieren und in der G&V als
Korrekturposten zu den entsprechenden Aufwendungen auszuweisen (z.b. Großreparaturen)

3 Gruppen von sonstige betriebliche Erträge


- Erträge aus dem Abgang und der Zuschreibung zum AV (Ausnahme: Finanzanlagen)
- Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen (z.B.: Rückstellung zu hoch,
Urlaubsrückstellung, Rückstellungsherabsetzungen)

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- Übrige:
Alle Umsätze und Erträge die sich nicht unmittelbar aus der betriebstypischen
Leistungstätigkeit ergeben z.b. Kantine, Schadenersatz, betriebsuntypische Verträge

Aufwendungen für Material und sonstige bezogene Herstellungsleistungen

Materialaufwand
z.B.: Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffverbrauch, Energieverbrauch im Fertigungsbetrieb,
Reparaturmaterial, Reinigungsmaterial, HW-Einsatz, Verpackungsmaterial

Aufwendungen für bezogene Leistungen


Dazu gehören Materialbearbeitung oder Materialveredelung durch Dritte oder Leihpersonal

Personalaufwand
Auszuweisende Aufwendungen für Abfertigungen und für betriebliche
Mitarbeitervorsorgekassen sowie Aufwendungen für Altersversorgung

Abschreibungen
Auf immaterielle Gegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen sowie auf aktivierte
Aufwendungen für das in Gang setzen und Erweitern eines Betriebes
- Planmäßige AFA (direkt, indirekt)
- Außerplanmäßige AFA  gesonderte Ausweisung
spätere Zuschreibung sind auf Konto sonstige betriebliche Erträge auszuweisen

Auf Gegenstände des UV, soweit diese die im UN üblichen Abschreibungen überschreiten
Maßstab für „Unüblichkeit bilden idR die durchschnittlichen Abschreibungen aus den
Vorjahren (3-5 Jahren) bzw. das prozentuelle Ausmaß der Abschreibung.

3 Formen der (außerplanmäßigen) Abschreibung


- Übliche Abschreibungen
- Abschreibungen, die über das übliche Ausmaß hinausgehen
- Außerordentliche Abschreibungen
 das sind solche die außerhalb der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit des UN anfallen

Sonstige betriebliche Aufwendungen


Steuern soweit sie nicht unter Ertragssteuern fallen
z.b. Grundsteuern, Gebühren, Verbrauchssteuern…

Übrige
= Verluste aus dem Abgang von Gegenständen des Anlagevermögens, Provisionen, Lizenzen,
geleistete Patentgebühren, Ausgangsfrachten, Instandhaltungen, fremde Dienstleistungen,
Rechts-, Prüfungs- und Beratungskosten, Telefongebühren, Versicherungen, Fahrt und
Reisespesen, Bankspesen, Werbeaufwand, Fremdreinigung USW.

Zwischensumme aus Z1 – Z8
Diese Summe stellt den Betriebserfolg des UN dar.

• Erläuterung einzelner Posten der G&V Rechnung im Rahmen des


Umsatzkostenverfahrens

Z1 Umsatzerlöse = gleiche Definition wie bei Gesamtkostenverfahren


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Z2 Herstellungskosten der zu Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen


1. Ermittlung der betrieblichen Aufwendungen lt. Z5 – 8 des Gesamtkostenverfahrens
2. Aufteilung dieser Aufwandsarten mit BAB
3. Summierung der Herstellungskosten inkl. der Einzelkosten
abzüglich aktivierte Eigenleistungen der Abrechnungsperiode
abzüglich Bestandserhöhung an Halb- und Fertigerzeugnissen
zuzüglich Bestandsverminderung an Halb und Fertigerzeugnissen
= Herstellungskosten der zu Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen

Z4 Sonst. Betriebliche Erträge ident mit Gesamtkostenverfahren


Z5,6 Vertriebs- und Verwaltungskosten ergeben sich aus dem Aufwandsverteilungsbogen
Z7 Sonstige betriebliche Aufwendungen (der ganze Rest)

Zwischensumme aus Z 1 – 7
Diese Zwischensumme stellt den Betriebserfolg des UN dar und ist üblicherweise ident mit
Z9 des Gesamtkostenverfahrens
Unterschied kann auftreten wenn Teile der Zinsaufwendungen aktiviert werden.

• Erläuterung der im Gesamtkosten und Umsatzkostenverfahren


gemeinsamen Aufwands- und Ertragsposten

Finanzerfolg setzt sich aus folgenden Aufwendungen und Erträgen zusammen:


Aufwendungen Erträge
1 Aufwendungen aus Finanzanlagen 1 Erträge aus Beteiligungen davon aus
4 und aus Wertpapieren des 0 verbundenen UN
Umlaufvermögens, davon sind
gesondert auszuweisen:
Abschreibungen
Aufwendungen aus verbunden UN
1 Zinsen und ähnliche Aufwendungen, 1 Erträge aus anderen Wertpapieren
5 davon betreffend verbundene UN 1 Ausleihengen des Finanzanlagevermögens,
davon aus verb. UN
1 Sonst. Zinsen und ähnliche Erträge, davon
2 aus verb. UN
1 Erträge aus dem Abgang von und der
3 Zuschreibung zu Finanzanlagen und
Wertpapieren des Umlaufvermögens

Durch die gesonderte Darstellung des Finanzerfolges wird das Ergebnis der sich aus dem
Zweck des UN ergebenden Betriebstätigkeit vom Finanzergebnis getrennt.

Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit


= Summe des Betriebs- und Finanzerfolges

Außerordentliches Ergebnisse

Unter Außerordentliche Erträge/Aufwendungen fallen nur solche Erträge/Aufwände die


außerhalb der gewöhnliche Geschäftstätigkeit anfallen (Kriterien: ungewöhnlich in Bezug auf
Geschäftstätigkeit & unregelmäßig in Bezug auf den Anfall)

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Steuern vom Einkommen und Ertrag


 Körperschaftssteuer und nicht anrechenbare Kapitalertragsteuern sowie ausländische
Ertragssteuern

Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
Betriebserfolg
Finanzerfolg
a.o. Ergebnis
Unternehmenserfolg vor Steuern
Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag

Auflösung und Zuweisung zu unversteuerten und versteuerten Rücklagen


 Ist Gewinnverwendung nicht Gewinnentstehung dh. In der Ergebnisbildung nicht
enthalten.

Herstellkosten niedriger G es werden nur die Einzelkosten angesetzt


hoher G es werden die Herstellkosten (EK + GK) angesetzt
STR es müssen die HK angesetzt werden, setzt man nur die
EK an  MWR
Aktivierungs- für immaterielle Vermögensgegenstände, die wir selber
verbot herstellen
Sachanlagen niedriger G Zuschreibungen werden nicht durchgeführt, kurzfristige
(abnutzbar und Wertminderungen DÜRFEN NICHT abgeschrieben
nicht abnutzbar) werden
& immaterielle hoher G Zuschreibungen werden bis zum AW durchgeführt,
Güter dauerhafte Wertminderungen MÜSSEN durchgeführt
werden
Finanzanlagen niedriger G dauerhafte und kurzfristige Wertminderungen werden
abgeschrieben
hoher G Zuschreibungen werden bis zum AW durchgeführt,
dauerhafte Wertminderungen MÜSSEN durchgeführt
werden
Beteiligungen an niedriger G dauerhafte und kurzfristige Wertminderungen werden
Kapital- abgeschrieben, Zuschreibungen MÜSSEN durchgeführt
gesellschaften werden
hoher G Zuschreibungen MÜSSEN durchgeführt werden,
dauerhafte Wertminderungen MÜSSEN durchgeführt
werden
Vorräte, niedriger G strenges Niederstwertprinzip: MÜSSEN bei
Forderungen Wertminderung abgewertet werden
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hoher G strenges Niederstwertprinzip: MÜSSEN bei


Wertminderung abgewertet werden, werden bis zu den
AK aufgewertet
STR pauschale WB von Forderungen sind nicht erlaubt 
MWR
Verbindlichkeiten niedriger G strenges Höchstwertprinzip: MÜSSEN aufgewertet
werden, werden bei Wertminderung bis zu den AK
abgewertet
hoher G strenges Höchstwertprinzip: MÜSSEN aufgewertet
werden
Disagio niedriger G Disagio wird sofort als Zinsaufwand verbucht
hoher G Disagio wird auf die Laufzeit aufgeteilt
STR Disagio muss aufgeteilt werden, wird es sofort als
Zinsaufwand verbucht  MWR
Aufwands-RST niedriger G Aufwands-RST werden gebildet
(Instandhaltung, hoher G Aufwands-RST werden nicht gebildet
Entsorgung) STR Aufwandsrückstellungen (interne) nicht erlaubt 
MWR
Pauschal-RST STR dürfen nicht gebildete werden  MWR
KÖSt Wahlrecht ob die KÖSt-Vorauszahlungen unter dem Jahr
erfolgsneutral (Kl.2 KK KÖSt FA) oder erfolgswirksam
(Kl.8 KÖSt-Aufwand) gebucht wird
STR kein abzugsfähiger Aufwand  MWR
GRL, Wahlrecht freiwillige Bildung von freien GRL oder Ausschüttung
Ausschüttung des JÜ

V. Kostenrechnung
1. Begriff und Aufgaben der Kostenrechnung

a) Das Wesen der Kosten


Kosten sind der Werteinsatz zur Leistungserstellung, Umfang und Bewertung hängen vom
Zweck ab.

b) Die Aufgaben der Kore


Die Kore liefert Grundlagen für:
1. Preisbildung
2. kalkulatorische Ergebnisermittlung
3. Kontrolle der innerbetrieblichen Wirtschaftlichkeit
4. Optimierung des Leistungsprogrammes
5. Bewertung der Halb- und Fertigerzeugnisse
Die Punkte 1-4 liefern Entscheidungsgrundlagen, Punkt 5 dient zur Dokumentation.

2. Aufwand und Kosten

a) Die Überleitung
Grundlage für die Kore ist die Aufwandsrechnung der Fibu.
Aufwand: der zu Anschaffungspreisen bewertete Vermögenseinsatz

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Kosten: Werteinsatz zur Leistungserstellung mit Wertkomponente


Zwischen Aufwand und Kosten: Bewertungs- und Umfangsunterschiede.
Die Kore leitet Aufwände in Kosten über.

b) Der neutrale Aufwand


Ist nicht in die Kore zu übernehmen und setzt sich zusammen aus:
• außerordentl. Aufwendungen
betreffen Betriebszweck, sind aber von außergewöhnlichem Umfang oder ohne ordentlichem
Charakter (Schadensfälle)
• betriebsfremde Aufwendungen
sind Vermögensabgänge, die nicht die Unternehmensaufgabe betreffen. Z.B. Aufw. Für
betriebl. Nicht genutzte Gebäude, nicht betriebsnotwendige Beteiligungen, usw.
• sonstige neutrale Aufwendungen
Afa, Zinsen

c) Zusatzkosten
Werden an Stelle ausgeschiedener Aufwendungen aufgenommen, setzen sich zusammen aus:
• kalkulatorischen Wagnissen
Durchschnitt der Schadensfälle (nur wenn nicht durch Versicherungen gedeckt).
• kalkulatorische Afa
verbrauchsbedingte Wertminderung, abgestimmt auf voraussichtliche ND.
• kalkulatorische Zinsen
Verzinsung Fremdkapital + Verzinsung des Eigenkapitals = Opportunitätskosten:
Kalk. Zinsen = Eingesetztes EK x marktüblicher Zinssatz f. langfr. Kap.
Oder: Verzinsung des Betriebsnotwendigen Kapitals.

betriebsnotwendiges Kapital = betriebsnotwendiges Vermögen – Abzugskapital


(Lieferantenkredite, unverzinsl. Anzahlungen von Kunden und passive
Rechnungsabgrenzungsposten), Lieferforderungen die einen Skontoaufschlag enthalten,
Vermögenspositionen, die einen gesonderten Ertrag abwerfen.
• kalkulatorischer Unternehmerlohn (UL)
nur in Einzelfirmen und Personengesellschaften, da bei Kap. Ges. die Unternehmerlöhne
bereits in Form von Vorstandsbezügen im Aufwand ausgewiesen sind und von der G u V
direkt in die Kore übernommen werden.
Der kalk UL berücksichtigt die vertretbaren Unternehmerleistungen, die Höhe ist mit dem
durchschnittlichen Gehalt oder Lohn des im Betrieb höchstbezahlten Angestellten oder
Arbeiters + einem Zuschlag zu Bemessen.
• sonstige Zusatzkosten
Rechengrößen, die solche Aufwandselemente ersetzen, die dem Bewertungsprinzip der Kore
nicht entsprechen. – Was auch immer das heißen mag!

d) schematische Darstellung der Überleitung s. Buch s. 816

3. Die Bewertung in der Kore


Bilanz: Anschaffungswertrechnungen mit best. Abwertungspflichten und -rechten
(pagatorisch)
KoRe: mit kalkulatorischen Rechnungen gerechnet (d.h. die Wertansätze sind vom
Rechnungszweck bestimmt.) –Wiederbeschaffungspreisen

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

4. Kostenabhängigkeiten

a) Die Kosten in ihrer Abhängigkeit vom Beschäftigungsgrad


Es wird davon ausgegangen, das variable Kosten tendenziell linear sind. Das ermöglicht die
DB-Rechnung. Dieser lineare Ansatz gilt besonders bei Beschäftigungsschwankungen,
innerhalb welcher sich ein Betrieb üblicherweise bewegt. Jedoch geht der lineare Verlauf in
der Nähe der Vollauslastung in einen progressiven Verlauf über. (s. Abb. 20, Bs. 818.)
D.h. bei linearem Kostenverlauf sind die Stückkosten degressiv und die Grenzkosten linear
(s. Abb. 21, Bs. 818)

b) Die Kostenauflösung
Die FK lassen sich nicht immer klar von den var. K abgrenzen. (so sind z.B. einzelne K teilw
fix und teilw. var.) z.B. bei Beschäftigungskosten: Stammpersonal = fix, Löhne für
Beschäftigte, die bei Beschäftigungsrückgang sofort gekündigt werden = variabel.
Für die Kostenauflösung gibt es folgende Methoden:
• der proportionale Satz von Schmalenbach (Berechnung s. B s. 819)
• die High-Point-Low-Point-Methode (Berechnung s. B. s. 820)
grundlegend gleich wie Schmalenbach, nur werden nicht 2 aufeinanderfolgende Monate
verglichen, sondern die 2 extreme des Zeitraums (max. und min.)
• das Streupunktdiagramm
Beschäftigung und Kosten werden in ein Koordinatensystem eingetragen und durch die
Punktwolke wird eine Gerade gezogen. Die Höhe der FK ist gleich dem Schnittpunkt der
Geraden mit der Y-Achse.

5. Die Kostenartenrechnung
Kostenarten sind nach verrechnungstechnischen Erfordernissen aufgegliederte Werteinsätze
des Betriebes. Grundlage ist die Überleitung des Aufwands in Kosten, durch Ausscheidung
des neutralen Aufw., Überführung der kostengleichen Aufw. in die Kore und Hinzufügung
der Zusatzkosten.
Kostenarten können wie folgt gegliedert werden:
- nach der Entstehung
- nach ihrer Abhängigkeit vom Beschäftigungsgrad
- nach der Zurechenbarkeit
- durch Zusammenfassung typischer Gruppen
- Personalkosten
- Materialkosten
- Vermögens bzw. Kapitalkosten
- Steuerkosten
- Fremdleistungskosten

6. Die Kostenstellenrechnung

a) Die Gliederung der Kostenstellen


Kostenstellen sind Leistungsbereiche, die nach Funktionen oder Räumlichkeiten gebildet
werden.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Funktionale Gesichtspunkte
Ergibt sich auf Grund der Arteigenheiten des Betriebsprozesses, es sollen jeweils möglichst
einheitliche Verrichtungen aufgeführt werden.
Z.B.: Material: Übernahme, Verwaltung, Lagerung,.. + Fertigung: Hauptstellen, Hilfsstellen,
+ Entwicklung…..
• Räumliche Gesichtspunkte
Besonders für die Kontrolle der innerbetrieblichen Wirtschaftlichkeit räumlich abgegrenzter
Bereiche notwendig.
Jedoch: Funktionaler Aspekt dominiert in der Praxis, kann jedoch auch mit bb. vermischt
werden.
• Kostenstellen (KSt.) als Verantwortungsbereiche
Kostenkontrolle: durch Gegenüberstellung Sollkosten/Istkosten kann die Wirtschaftlichkeit
einzelner Verantwortungsbereiche festgestellt werden und bei Abweichungen Maßnahmen
ergriffen werden.
Voraussetzungen für die Gestaltung einzelner Kostenstellen als Verantwortungsbereiche:
1. Leiter der KSt muss für die wirtschaftliche Führung seiner KSt verantwortlich sein
2. Verantwortliche der KSt müssen bei der Erstellung der Sollwerte mitwirken können.
3. Nur Kosten die direkt der KSt zugerechnet werden können unterliegen der
Verantwortlichkeit des KSt-Leiters. Kostenstellengemeinkosten sind dem übergeordneten
Verantwortungsbereich zuzuordnen. Aus verrechnungstechnischen Gründen können diese
Gemeinkosten jedoch wieder schlüsselmäßig auf die KSt umgelegt werden.

b) Hauptkostenstellen und Hilfskostenstellen


HauptKst haben eine direkte Beziehung zu den Kostenträgern – die entstandenen Kosten
können der erstellten Leistung direkt zugerechnet werden.
HilfsKst haben mit den Kostenträgern nur einen indirekten Zusammenhang. Sie erbringen
Leistungen für die HauptKst oder für andere HilfsKst. Diese Kosten werden dann auf die
leistungsempfangenden Stellen umgelegt. Typische HilfsKst: Transport, Reparatur, Energie,..

c) Die innerbetriebliche Leistungsverrechnung (ILV)


innerbetrieblich: Leistungen die vom Betrieb für den Betrieb erbracht werden.
Aktivierbare iL: werden den empfangenden Stellen periodengerecht angelastet wie die
zeitabhängigen Kosten angeschaffter Anlagegegenstände (Afa und Zinsen)
Nichtaktivierbare iL: sind den betreffenden Kostenstellen zur Gänze anzulasten.
Verfahren für die ILV:
• Umlageverfahren
Die Umlegung der Kosten erfolgt mit Hilfe von Schlüsseln. (z.B Gebäude: m², Energie:
kWh, Küche: Anz der Essen,…)
• Kalkulationsverfahren (Kostenträgerverfahren, Stellenausgleichsverfahren)
IL wird wie jeder andere Kostenträger kalkuliert: Auftragsmat + MatGK + Auftragsloh +
ant GK der leistenden Stelle = Wert der iL. Die empfangende Kst wird mit dem Wert der
innerbetrieblichen Leistung belastet und die leistende Stelle von den anteiligen (Gemein-)
Kosten entlastet.

d) Die Schlüsselung der Kosten


Werden Gemeinkosten den Kostenstellen direkt zugerechnet, handelt es sich um
Stelleneinzelkosten, erfolgt die Umlage der Kosten durch Schlüsselung, spricht man von
Stellengemeinkosten.
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Allgemeine Unterlagen für die Kostenschlüsselung


Das sind: Angaben über Flächenverhältnisse im Betrieb, Zusammenstellungen über die Zahl
der Beschäftigten, Angaben über die Kapitalverteilung,…
• Besondere Unterlagen für die Kostenschlüsselung
Das sind: Einzelbelege, Zusammenstellungen die Kostenaufgliederungen beinhalten, die
mehrere Kostenstellen betreffen.

7. Die Kostenträgerrechnung

a) Der Begriff „Kostenträger“


Kostenträger sind betriebliche Leistungen, die anteilig mit den angefallenen Einzelkosten und
Gemeinkosten belastet werden (durch die Kostenträgerrechnung).

b) Einzelkosten, Gemeinkosten, Sonderkosten


Einzelkosten: stehen mit der Leistungserstellung in direktem Zusammenhang – deswegen
auch „direkte Kosten“
Gemeinkosten: können den Kostenträgern nicht direkt zugeordnet werden: „indirekte
Kosten“ Es sind Posten:
- Bei denen sich kein Zusammenhang zwischen Leistung und Kosten herstellen lässt
(Mieten, Rep,…)
- Die sich auf das gesamte Unternehmen beziehen (Steuern, Gebäudekosten,..)
- Bei denen es nicht wirtschaftl wäre den Zusammenhang zw Leistung und Kosten
herzustellen (z.b. bestimmte Hilfsstoffe)
Sonderkosten: können Kostenträgern direkt zugerechnet werden, entstehen aber nur bei
bestimmten Erzeugnissen. Es gibt:
- Sonderkosten der Beschaffung (Zölle, Provisionen, Frachtaufw.,…)
- Sonderkosten der Fertigung (Produktionslizenzen, Sonderleistungen,…)
- Sonderkosten des Vertriebs: (Verkaufsprovisionen, Rabatte,…)

c) Die Bildung der Kostensätze in den (Haupt-)Kostenstellen als Grundlage


für die Zurechnung der (variablen) Gemeinkosten auf die Kostenträger
Die Größen, auf Basis deren die Zurechnung der GK auf die Kostenträger erfolgt, werden als
Bezugsgröße bezeichnet. Als „cost driver“ werden jene Bezugsgrößen bezeichnet, die den
Umfang der Kosten bestimmen. Es müssen immer jene Größen als Bezugsbasis
herangezogen werden, die mit dem Kostenträger in unmittelbarer Verbindung stehen. Für die
var. GK ist das relativ leicht, nicht jedoch für die FK, da sie von der Leistung unabhängig
sind. Dennoch behandelt man bei der Ermittlung der Bezugsgrößen die var. Kosten gleich
wie die Fixkosten. So werden in der Vollkostenrechnung sämtliche Gemeinkosten in den
Kostensatz miteinbezogen. Für die entscheidungsorientierten Aufgaben der Kore wird jedoch
die Teilkostenrechnung herangezogen, da eine Berechnung auf Basis der vollen GK zu
falschen Entscheidungsgrundlagen führt. Eine Liste der Bezugsgrößen (Kostensätze), die in
den einzelnen Kostenstellen in Betracht kommen, befindet sich auf s. 829 ff.

d) Ist-Gemeinkostensätze und Normal-Gemeinkostensätze


Ist-GKsätze gehen auf Zuschlagssätze der Betriebsabrechnung einer einzigen Periode zurück.
Normal (Durchschnitts-) GK basieren auf einer als Noramalperiode betrachteten
Abrechnungseinheit bzw. auf dem Durchschnitt mehrerer Ist-GKsätze. In der Kalkulation
werden Normal GKsätze verwendet
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

e) Vor-, Zwischen- und Nachkalkulation, Bestandsermittlung


• Vorkalkulation: Grundlage der Angebotserstellung
• Zwischenkalkulation: zur innerbetr. Kontrolle und zur Teilabrechnung von
Leistungen gegenüber Kunden
• Nachkalkulation: zur Kontrolle, Preisrechtfertigung und Preisbildung, zur
Ermittlung der Herstellkosten, ist auch Grundlage für das Bestandermittlungsblatt:
AB der unfertigen Erzeugnisse
+ HK der Abrechnungsperiode
– HK der fertig gestellten Produkte lt. Nachkalkulationszusammenstellung
= EB an unfertigen Erzeugnissen.

8. Die Kalkulationsverfahren
Die Art des Kalkulationsverfahrens hängt ab von der Gestaltung des Leistungsprogrammes.
(einheitl/uneinheitl. Leistungen, Leistungen mit/ohne Kostenverwandschaft,…)

a) Die einfache Divisionskalkulation


Voraussetzung: Herstellung einheitlicher gleichartiger Leistungen (Massenfertigung). Die
Einheitskosten (k) ergeben sich aus der Division der GK durch die Zahl der erzeugten
Einheiten (M):
k=K/M

b) Die einfache Divisionskalkulation unter Berücksichtigung von


Kostengruppen
Gleich wie a.) nur werden die GK in Kostengruppen geteilt, die mit den Kostenstellen nicht
identisch sind z.B. Personalkosten, Materialkosten, Vermögenskosten, Steuern,…
Die Formel:
k=K1/M+K2/M+….+Kn/M

c) Die stufenförmige Divisionskalkulation


Sie ist anzuwenden, wenn sich auf Grund des Leistungsprozesses Zwischenprodukte bzw.
Zwischenbestände ergeben. Die Kalkulation der Kostenträger setzt sich aus so viel
Divisionskalkulationen zusammen, wie Stufen vorliegen. Die Fertigungsstufen sind so
abzugrenzen, dass in ihnen einheitliche Leistungen erfasst werden. Hier wird noch
unterschieden zwischen dem Kostenwälzungsverfahren und dem Veredelungsverfahren.
Kostenwälzungsverfahren:
Stufe I: KI/MI=kI
Stufe II: kI.VMI+KII/MII=kII
Stufe n: kn-1.VMn-1+Kn/Mn=kn
VM sind die Vorproduktmengen der Vorstufen
Veredelungsverfahren:
Hier werden jeweils die Einheitskosten der Teilleistung einer Stufe ermittelt und zum Schluss
addiert.:
Einheitskosten Stufe I KI /MI=kI
Einheitskosten Stufe II KII/MII=kII
Einheitskosten Stufe n Kn/Mn=kn
Σ: k=kI+kII+…+kn

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

d) Die Äquivalenzzahlenrechnung
Ist eine spezielle Form der Divisionskalkulation und wird angewendet bei der Erstellung von
Leistungen, die kostenverwandt sind. Es müssen Kostenverhältniszahlen ermittelt werden.
Die Leistungsmengen werden dann mit den für sie festgestellten Äquivalenzzahlen
multipliziert. Die Division der GK durch die Summe der Einheitsleistungen ergibt die Kosten
je Einheitsleistung. Dann müssen die Kosten der Einheitsleistung mit der Äquivalenzzahl
multipliziert werden und man erhält die effektiven Kosten der einzelnen Leistungsart. Bsp s.
836

e) Die Zuschlagskalkulation
Beruht auf der Trennung von EK, Sonderkosten und GK. EK und SK werden den
Kostenträgern direkt zugerechnet, die GK werden in Kostenstellen erfasst und
schlüsselmäßig auf die Kostenträger umgelegt. Kalkulationsschema: s. Abb. 27 s. 837

f) Der Betriebsabrechnungsbogen
Nimmt auf die Abfolge 1. Kostenartenrechnung, 2. Kostenstellenrechnung, 3.
Kostenträgerrechnung rücksicht. Diese 3 Phasen werden im BAB miteinander verbunden.
Bsp für einen BAB + Berechnung: Abb. 28 und 29, s. 838f.

g) Die Kuppelproduktkalkulation
Kuppelerzeugnisse ergeben sich, wenn in einem einheitlichen Arbeitsgang zwei oder mehr
Produkte anfallen. Es sind zwar die gesamten Kosten der gesamten Erzeugnisse feststellbar,
nicht aber die Kosten der einzelnen Produktarten. D.h eine direkte Kostenzurechnung ist
nicht möglich.
Zur Preisbildung wird hier die Restrechnungsmethode herangezogen: von den GK der
Kuppelerzeugnisse werden die zum Marktpreis bewerteten Nebenerzeugnisse abgezogen. Die
Differenz sind die Kosten des Haupterzeugnisses. Eine weitere Möglichkeit ist die
Äquivalenzzahlenmethode (Aufteilung der GK durch Verhältniszahlen)

9. Die Korrektur des BAB für die Beständebewertung in der Bilanz


Aus dem BAB wird für die Beständebewertung ein Hilfs-BAB abgeleitet. So müssen die
Zusatzkosten aus dem BAB ausgeschieden werden und durch die entsprechenden
Aufwendungen im Hilfs-BAB ersetzt werden.

a) Herstellkosten und Herstellungskosten


Herstellkosten: Kore; Herstellungskosten: Bilanz
Die Kalkulation ist ident:
Fertigungsmaterial
MaterialEK
+ MaterialGK
+ FertigungsEK (Fertigungslöhne,…)
+ FertigungsGK
=Herstelkosten bzw. Herstellungskosten

Unterschied bei Umfang: Zusatzkosten ohne Aufwand.


Wertunterschied: Anschaffungs vs. Wiederbeschaffungskosten.
Herstell- und Herstellungskosten enthalten keine Verwaltungs- und Vertriebs-GK.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

b) Die Berücksichtigung einer offensichtlichen Unterbeschäftigung


Mit Abnehmen des Beschäftigungsgrades steigen die Stückkosten. Jedoch dürfen durch
Unterbeschäftigung nicht ausgelastete FK (Leerkosten) nicht aktiviert werden. Diese FK
werden durch die Aufrechterhaltung der Betriebsbereitschaft verursacht.
Sonst eher nebensächlich, besonders Neugierige können jedoch gerne auf Bs. 841 ff. einen
Blick riskieren

10. Vollkostenrechnung VKR und Teilkostenrechnung TKR auf Ist-Kosten-


Basis

a) Grundsätzliches
Die VKR lastet im Gegensatz zur TKR den einzelnen Kostenträgern sämtliche durch sie
verursachten Kosten an. TKR: nur variable Kosten.
Wichtigste TKR: Grenzkostenrechnung – grenzkosten = variable Kosten. Andere
Formulierungen für Grenzkostenrechnung: Kostendeckungsbeitragsrechnung, direct costing,
marginal costing. Spezielle Formen: ausgabenbezogene Kore, stufenweise
Fixkostendeckungsrechnung und die relative Einzelkostenrechnung.

b) die Kritik an der Vollkostenrechnung


• Es entstehen Fixkostenproportionalisierungen, die bei Änderungen des
Beschäftigungsgrades zu falschen Kostensätzen führen.
• Die Ermittlung von kurzfristigen Preisuntergrenzen ist nicht möglich, da die Höhe der
variablen Kosten nicht bekannt ist.
• Entscheidungen zum optimalen Produktionsprogramm können falsch sein, da kein DB
bekannt ist.
• Es lässt sich kein Break-Even-Point errechnen.
• Kostenabweichungen können dem Verursacher nicht zugeordnet werden
• Bei Unterbeschäftigung kommt es automatisch zur Aktivierung von Leerkosten, was
laut UGB nicht zulässig ist (für Bilanzbewertung)

c) Teilkostenrechnungen
• Grenzkostenrechnung (Direct Costing)
Es werden, wie bereits erwähnt nur die variablen Kosten erfasst, denen ein linearer Verlauf
unterstellt wird. (Bsp zur Gestaltung eines BAB zu TK Bs. 846). Die Wirtschaftlichkeit
einzelner Produkte und Produktgruppen kann hier durch die DBs festgestellt werden.
Hilfreich sind hier DB pro Stück oder DB pro Zeiteinheit.
Vorteile der Grenzkostenrechnung
− Bestimmbarkeit der kurzfristigen Preisuntergrenzen
− Beiträge einzelner Produkte und Produktgruppen zum Unternehmenserfolg sind
ersichtlich (DB)
− Möglichkeit der Ermittlung von Opportunitätskosten (DB der nicht durchgeführten
Aufträge)
− Bessere Kontrolle der Verantwortlichen in den Kostenstellen.
− Leichterer Soll-Ist Vergleich durch gesonderte Erfassung der FK
− Berechnung der optimalen Auftragsgröße
− Auswahl der Fertigungsverfahren mit den niedrigsten Grenzkosten

Die Grenzen der Grenzkostenrechnung


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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

− positive DB alleine reichen nicht, sie müssen auch die FK decken


− bei kurzfristiger Forcierung eines Programmes mit hohem DB könnten Kunden
verdrängt werden, die Produkte mit niedrigerem DB dafür aber langfristig gekauft
hätten.
− Eventuell wirkt sich die Einstellung eines Produktes mit niedrigem oder
negativem DB auch negativ auf andere Produkte aus. Bsp. Bs. 848f.

• Ausgabenbezogene Kore
Berechnung von kurzfristigen Preisuntergrenzen (Es muss mindestens der Betrag verdient
werden, der kostenwirksam vom Unternehmen ausgegeben wurde.)

• Stufenweise Fixkostendeckungsrechnung
Fixkosten lassen sich in unterschiedlicher Höhe einzelnen Produkten und Produktgruppen
zurechnen. Die verbleibenden FK sind Unternehmensfk.
Die einzelnen FK:
Erzeugnisfk: entstehen durch Entwicklung, Produktion und Vertrieb eines Erzeugnisses und
werden der Gesamtzahl der Erzeugnisse zugerechnet.
Erzeugnisgruppenfk: sind einer Erzeugnisgruppe direkt zurechenbar
Kostenstellenfk: sind bestimmten Kostenstellen direkt zurechenbar (Versicherungen,
Raumkosten,…)
Bereichsfixkosten: können nur einem Bereich zugeordnet werden (Personal, Administration)
Unternehmensfk: erstrecken sich über das ganze Unternehmen (Vorstandsbezüge,
Zentralverwaltung)
Bsp.: Bs 850 f.

• Relative Einzelkostenrechnung
Der DB ist die auf eine Entscheidung zurückgehende Differenz zwischen Erlösen und Kosten.
Es ist das Identitätsprinzip zu beachten: nur solche Erlöse und Kosten werden einander
gegenübergestellt, die auf die selbe Entscheidung zurückgehen. Alle Kosten werden, so weit
möglich, als Einzelkosten verrechnet. Die Abgrenzung der EK von GK erfolgt relativ in
Abhängigkeit zur Bezugsgröße.
Bsp.: Bs. 853

11. Voll- und Teilkostenrechnung auf Soll-Kostenbasis (Plankostenrechnung)


Verwendung der Ist-Kore für die Planung von Zukunftsentscheidungen. Geht nur wenn
Kostensituation voraussichtlich gleich bleibt. Sind Änderungen zu erwarten, müssen Soll-
Kostenrechnungen vorgenommen werden. Sollkostenrechnung = Kostenvorschau, beruht auf
Wissen aus der Vergangenheit und Schätzung der Zukunft.
Schematische Darstellung der verschiedenen Sollkostenrechnungen auf Bs. 854

a) Die Plankostenrechnung
Beruht auf der Kostenvorgabe an die Verantwortungsstellen. Es handelt sich um eine Soll-
Rechnung, die am Ende der Periode mit den Ist-Werten verglichen wird. – Mittel zur
Kontrolle.
• Starre Plankostenrechnung
Berechnung nur für ein starres Model, es wird der durchschnittliche Beschäftigungsgrad der
vergangenen Perioden zu Grunde gelegt.

• Flexible Plankostenrechnung
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Ist eine Vollkostenrechnung, die sich nach dem Beschäftigungsgrad richtet. Zur Angleichung
der Sollkosten an den Beschäftigungsgrad gibt es zwei Methoden: die Stufenplanmethode
(direkt) und die Variatormethode (indirekt).
Bsp. BS 855

• Grenzplankostenrechnung
Nach dem System der DB-Rechnung aufgebaut. D.h. strikte Trennung zwischen variablen
und fixen Kosten. Planung der FK unabhängig von der geplanten Beschäftigung.
Bsp BS 856

b) Die Kostenüberwachung (Soll-Ist-Vergleich)


• Allgemeines
Feststellung des Erfolges bzw der Wirtschaftlichkeit der erbrachten Leistung.

• Abweichungen und Abweichungsanalyse


Abweichungen können sich aus drei Ursachen ergeben:
- Preisabweichungen
Wenn Produktionsfaktoren teurer oder billiger als geplant beschafft werden.
Istmengen x Planpreis
-Istmengen x Istpreis
=Preisabweichung
- Verbrauchsabweichungen
Wenn mehr oder weniger Produktionsfaktoren als…
Planmenge x Planpreis
- Istmenge x Planpreis
= Verbrauchsabweichung
Die Verbrauchsabweichung kann in die Intensitätsabweichung, Verfahrensabweichung,
Losgrößenabweichung und Ausbeutegradabweichung unterteilt werden
Intensitätsabweichung: Wenn das Verhältnis Produktionszeit/Produktionsmenge nicht
eingehalten wird
Verfahrensabweichung: anderes Verfahren
Die gemischte Abweichung Preisabweichung x Mengenabweichung Bsp.: Bs 858 f.
- Beschäftigungsabweichungen
Leerkosten sollen ermittelt werden. (Fixkosten die nicht ausgelastet sind) Bsp.: Bs 859 ff.
Schöne Grafik auf Seite 861 

12. Die Prozesskostenrechnung

a) Grundlagen
Die PKR geht von einer prozentualen Zunahme der GK bei gleichzeitiger Abnahme der direkt
zurechenbaren EK aus. (D.h. GK Zuschläge werden immer größer und die für die einzelnen
Produkte festgestellten Kosten sind nicht mehr richtig. – Es folgen falsche Entscheidungen.)
Die PKR ist eine Vollkostenrechnung. Die Kosten werden für Prozesse und nicht für Produkte
abgerechnet.

b) Aufbau der Prozesskostenrechnung


1. Feststellung der Prozesse und Zerlegung in Teilprozesse, sowie Verdichtung zu
Hauptprozessen

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

2. Unterscheidung zw. Leistungsmengeninduzierten und leistungsmengenneutralen


Prozessen. Bei lmi: Ermittlung der Kosten per Leistungseinheit (dividieren durch
Bezugsgrößen) lmn: werden Zuschlagsmäßig verrechnet
3. Übertragung der Kosten der Teilprozesse auf die zugehörigen Hauptprozesse und
Ermittlung der Kosten pro Hauptprozessmengeneinheit
4. Kostenträgerkalkulation bestehend aus: Zurechnung der EK und Zurechnung der
Prozesskosten

c) Kritische Würdigung der Prozesskostenrechnung


Vorteile gegenüber der herkömmlichen Vollkostenrechnung:
- verursachungsgerechte Kostenzurechnung
- bessere strategieorientierte Gestaltung des Produktmixes
Unterschiede zur Deckungsbeitragsrechnung:
- Prozesskostenrechnung proportionalisiert die FK (da Vollkostenrechnung)
- PKR ist nicht für kurzfristige Entscheidungen geeignet.
- Keine Möglichkeit der Ermittlung eines BEP
- Usw. Bs 865

13. Die Betriebsergebnisrechnung

a) Grundsätzliches
Ergebnisermittlung durch Gegenüberstellung von Erlösen und Kosten. (auch
Erfolgsrechnung)
Die BER ist:
- Ist-Rechnung wenn das in einer abgelaufenen Periode erzielte Ergebnis ermittelt wird
- Soll-Rechnung wenn … einer zukünftigen Periode…
- Prognose-Rechnung wenn s.o.

b) Die Verfahren der Betriebsergebnisrechnung


Grundlegende Formen sind das Gesamtkostenverfahren und das Umsatzkostenverfahren,
jeweils entweder auf Grenzkosten oder Vollkostenbasis.
• Gesamtkostenverfahren
Berechung S. 867
• Umsatzkostenverfahren
Berechnung S. 867 ff.

14. Die Zielkostenrechnung (Target Costing)


Ist eine retrograde Gesamtkostenrechnung. Dient der Entwicklung neuer Produkte
Bezugszeitraum ist der gesamte erwartete Produktlebenszyklus des neuen Produkts. Noch vor
Beginn der Produktion wird ein Plan-Cashflow errechnet. Mit Beginn der Produktion setzt ein
System von Soll-Ist Vergleichen ein – zur Realisierung der Gewinnziele.

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VI. Betriebliche Kennzahlen


1. Allgemeines
Betriebliche Kennzahlen: Zahlen oder Zahlenverhältnisse, insbesondere Aufwands-,
Ertrags- und Bestandsgrößen, die für ein betriebswirtschaftliches Erkenntnisziel
unmittelbaren Aussagewert besitzen.
In einem Kennzahlensystem sind Änderungen und Anreicherungen, zB aufgrund neuer
Gegebenheiten ersichtlich. Die einzelwirtschaftlichen Kennzahlen dienen dabei dem
zwischenbetrieblichen oder zwischenzeitlich, sowie den Soll-Ist-Vergleich.
Volle Aussagekraft besitzen Kennzahlen in der Gegenüberstellung üblicherweise nur dann,
wenn man den ökonomischen Hintergrund kennt, auf dem sie beruhen.

2. Kennzahlen als Informationsinstrument


Je nach interessierter Gruppe, sind unterschiedliche Informationen wünschenswert:
• Unternehmensleitung (Betriebsleitung) Leistungskennzahlen und
Kennzahlen der Unternehmenserhaltung
• Eigentümer (Anteilsbesitzer) Ausschüttungsmöglichkeiten
Gesamtwert des Untern. im Fall des Verkaufs
Erhaltung der Einkommensströme
• Gläubiger Erfüllung der Verbindlichkeiten
Aufschluss über finanzielles Gleichgewicht,
Liquidität, Verschuldung, Krisenanfälligkeit
• Arbeitnehmer Erhaltung des Unternehmens

3. Externe und interne Betriebs- und Unternehmensanalyse


Als externer Interessent gelangt man ausschließlich an veröffentlichte Daten die dann zB. in
Form eines Geschäftsberichts mit Anhang und Lagebericht zur Verfügung stehen.
Heinhold fasst die Mängel aus externen Analysen als ungenau, veraltet und unvollständig
zusammen.

Dem Insider stehen hingegen einige Zusatzinformationen aus den innerbetrieblichen


Aufzeichnungen zur Verfügung (interne Betriebsanalyse) → wirksames
Kontrollinstrument der Unternehmensführung und Planungs- und Führungsinstrument

Zwischenbetrieblicher Vergleich: Stellung des eigenen Betriebes im Verhältnis zu anderen


gleichartigen Betrieben derselben Branche
Voraussetzung: volle Einsicht in die Daten anderer Betriebe, völlige Gleichartigkeit.
Es ist somit klar, dass mangelnde Vergleichbarkeit, unterschiedliche Gewinnung und
Aufbereitung des Zahlenmaterials oft zu Problemen führen kann.

4. Die Kennzahlenrechnung als Planungs-(Führungs-)Instrument


innerbetriebliche Kennzahlenrechnung: rascher Überblick über die wichtigsten Plandaten
des Unternehmens, und etwaige Gefahrenherde und Schwachstellen aufzeigen

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Dabei werden die Vorgabewerte (Sollwerte) mit den Istwerten gleichgesetzt. Der Soll-Ist-
Vergleich bietet somit die Entscheidungsgrundlage für Mittel- und
Zielanpassungsmaßnahmen (Planungen).

Als Führungsinstrument kann allerdings erst ein Kennzahlensystem dienen, das alle
Kennzahlen in gegenseitiger Abhängigkeit und Ergänzung zusammenfasst. Jedes
Kennzahlensystem dient einem gewissen „Oberziel“ (zB. Du-Pont-System)

5. Die Darstellungsmöglichkeiten von Kennzahlen


Absolute Zahlen in Form von Verhältniszahlen
- Einzelzahlen (Umsatz, Gewinn) - Gliederungszahlen
- Summen (Bilanzsumme) - Beziehungszahlen
- Differenzen - Indexzahlen
- Mittelwerte (durchschn. Lager)
In der Mehrzahl der Fälle werden Verhältniszahlen dargestellt und genutzt.
- Gliederungszahlen: Verhältnis eines Teils zum Ganzen
zB.: Anteil des Eigenkapitals zum Gesamtkapital
- Beziehungszahlen: Beziehung zwischen verschiedenen Größen und Massen
zB.: Lohnquote je Beschäftigen;
- Indexzahlen: drückt die Veränderung zur Grundzahl (Index = 100) an

6. Jahresabschlussanalyse (Bilanzanalyse) und Kennzahlenermittlung

a) Von der Bilanzanalyse zur Jahresabschlussanalyse


Durch die Erweiterung durch den Anhang und die erhöhte Bedeutung des Lageberichts, wird
„Bilanzanalyse“ durch „Jahresabschlussanalyse“ ersetzt.
Darunter versteht man die statistische Aufbereitung der Zahlen der Vermögens- und
Erfolgsbilanz einer/mehrerer Perioden/Stichtage.

b) Der Aufbau der Jahresabschlussanalyse


Die Jahresabschlussanalyse erfolgt über die folgenden drei Stufen:

1. Vorbereitung
Die Zahlen der Bilanzen sind generell vorerst hinsichtlich Inhalt, Gliederung und Bewertung
auf ihre Brauchbarkeit zu überprüfen, sowie notwendigenfalls zu ändern:

Die vorbereitenden Arbeiten sind unter anderem:


– Auflösung Stiller Reserven
Bei der Auflösung der Stillen Reserven im AV sollte allerdings darauf geachtet werden,
dass diese evt. durch (überhöhte) Abschreibungen oder einen über den Buchwert
hinausgehenden Veräußerungswert gedeckt sind.

– Ausweisung der Leasingverpflichtungen (Finance-Leasing) mit Gegenwartswert

– Bilanzinhalte vereinheitlichen

– Bilanzgliederung festlegen

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Die funktionale Darstellung kommt üblicherweise bei veröffentlichten Jahresabschlüssen


zur Anwendung. Bei der liquidätsmäßigen Gliederung werden die Vermögens- und
Schuldposten nach ihrer Fälligkeit (demnach kurzfristig oder langfristig) gegliedert.

– Bereinigung der GuV


Beispielsweise sind außerordentliche von den ordentlichen Erträgen und Aufwendungen
zu trennen.

– Spezialfall: Saisonbetriebe
Diese können auch Bilanzen verschiedener Monate/Quartale für interne Analysen
heranziehen. (aufgrund von Stichtagsanalysen könnten falsche Schlüsse gezogen werden)

2. Aufbereitung
- Prozentbilanzen (einzelne Bilanzposten in Prozent der Bilanzsumme)

- Indexbilanzen (einzelne Posten einer Bilanz in Prozent einer Vergleichsbilanz)


Indexbilanzen werden hauptsächlich dann aufgestellt, wenn eine Analyse der
Veränderung einzelner Posten innerhalb bestimmter Zeiträume durchgeführt werden soll.

- Bewegungsbilanzen (Darstellung der Veränderungen in absoluten Zahlen);


sowie: Bildung von Mittelwerten, versch. statistischen Darstellungen etc.;
Vergleich der Vermögensbilanzen zweier Stichtage → Veränderung der Bestände. Sie
gibt ein gutes Bild über Aufbringung und Verwendung der Mittel..

Weitere Möglichkeiten sind auch


– Kapitalflussrechung (Geldflussrechnung)
Sie ist eine Fortführung der Bewegungsbilanz und versucht Mittelabfluss und –
verwendung einer Periode nach Herkunft und Verwendungsart zu erfassen.
Sie ist aber ebenso (wie die Bewegungsbilanz) nicht in der Lage über die unmittelbare
Liquiditätssituation des Unternehmens Auskunft zu geben.

– Liquiditätstabellen
Hauptfrage dabei ist, ob sich das Unternehmen in einer finanziell erträglichen Situation
befindet.

3. Auswertung
Grundsätzlich wird der Aussagewert von den aus der Bilanz gewonnen Kennzahlen durch
Vergleichszahlen erhöht oder sogar erst geschaffen.

Finanzwirtschaftliche Auswertung Erfolgswirtschaftliche Auswertung


.) Investitionsanalyse .) Ergebnisanalyse
.) Finanzierungsanalyse .) Rentabilitätsanalyse
.) Liquiditätsanalyse .) Break-even-Analyse
.) Wertschöpfungsanalyse

7. Die Kennzahlen um Einzelnen

a) Finanzwirtschaftliche Kennzahlen

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Investitionsanalyse
- Vermögensstruktur (Anlage- und Umlaufvermögen)
Ist das Anlagevermögen im Verhältnis zum Umlaufvermögen relativ klein, so kann das:
eine hohe Auslastung, hohe Zulieferungsleistungen, die Verwendung von vermieteten
Anlagen sowie die Verwendung veralteter Anlagen bedeuten.
Steigt das Anlagevermögen im Verhältnis zum Umlaufvermögen, kann das
auf größere Investitionen, eine längerfristige Senkung der Beschäftigung, aber auch auf
eine Lager-Rationalisierung zurückzuführen sein.
Zu geringes AV erhöht die Flexibilität des Unternehmens, während zu hohes AV die
Gefahr mit sich bringt, dass die gesamte Kapazität des Betriebes nicht ausgelastet ist und
somit auch die Risikobelastung steigt.

- Umschlagshäufigkeit - Umschlagsdauer
Die Umschlagshäufigkeit gibt an, wie oft sich ein Vermögens- bzw. Kapitalposten bzw.
das gesamte Vermögen, in einer bestimmten Periode, erneuert.

Je höher die Umschlagshäufigkeit, desto kürzer die Umschlagsdauer und damit geringere
Vermögensbestände bei kürzerer Kapitalbindung.

Umschlagshäufigkeit Berechnung
des eingesetzten Umsatz
=
Vermögens Ø Vermögenseinsatz
des Warenlagers beim Handelsbetrieb:
Wareneinsatz (Umsatz zu Einstandspreis)
=
Ø Lager
beim Erzeugungsbetrieb:
Umsatz zu Herstellungskosten
=
Ø Rohstoff-, Halbfabrikat- und Fertigfabrikatlager
Umsatz oder Debitoreneingang
der Debitoren =
Ø Debitorenstand
Gesamteinkauf oder Zahlungen an Kreditoren
der Kreditoren =
Ø Kreditorenstand

- Investitionsdeckung
Diese Analyse zeigt, ob das Unternehmen seine Kapazitäten erweitert, gleich hält oder
verkleinert, wie etwa durch das Verhältnis von Neuinvestitionen zu den Abschreibungen.
Zu beachten ist allerdings dass zB. Verfahrens- und Programmänderungen zu nicht
aussagefähigen Verzerrungen führen können.

• Finanzierungsanalyse
Kapitalstruktur und Kreditstruktur → Kreditpotential sowie in Verbindung mit den
Zinskosten die kostengünstigste Finanzierung des Unternehmens

- – Kapitalstruktur (Verschuldungsgrad)
Die Kennzahlen der Kapitalstruktur sollen über die Quellen, die Zusammensetzung, Art
und Fristigkeit des Kapitals Auskunft geben.
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Vorgang der Verschuldungsgrad-/ Kapitalstruktur-Ermittlung


1. Feststellung des Eigenkapitals
Grundkapital
+ versteuerte Rücklagen inkl. Gewinnvortrag
– Verlustvortrag
+ unversteuerte Rücklagen
+ Stille Reserven
a) im Anlagevermögen
b) in den Rückstellungen
= berichtigtes Eigenkapital

2. Feststellung des Fremdkapitals


Buchmäßiges Fremdkapital inkl. Rückstellungen
– Stille Reserven (soweit in Fremdkapitalposten enthalten & bei der EK-Ermittlung dem EK zugezählt)
– Flüssige Mittel (Kassa, PSK, Bankguthaben)
= berichtigtes Fremdkapital

Die Zurechnung von im Leasing genutzten Anlagen kann nur individuell, aufgrund des
jeweiligen Vertrages, festgestellt werden.

3. Gesamtkapital
berichtigtes Eigenkapital
+ berichtigtes Fremdkapital
= Gesamtkapital

Generell gibt es zur Bestimmung des „optimalen“ Verschuldungsgrades zwei


Gesichtpunkte zu beachten:
.) den Gesichtspunkt der Rentabilität:
Rentabilität des eingesetzten Gesamtkapitals > Kosten des Fremdkapitals
 so führt der Einsatz von Fremdkapital zu einer Erhöhung der Rentabilität des EK;
 „Leverage Effekt“

Sinkt jedoch die gesamte Kapitalrentabilität UNTER die Fremdkapitalkosten, kommt es


zur Umkehr des Leverage-Effektes; dieses Risiko nimmt mit steigendem
Verschuldungsgrad zu;

.) den Gesichtspunkt des Risikos:


Mit zunehmender Verschuldung vermindern sich auch jene Funktionen des
Eigenkapitals, die dem Schutz des Unternehmens und der Gläubiger dienen. Dazu
gehören folgende Aufgaben:

Krisenvorsorge
Durch Fremdmittelaufnahme erhöht sich, durch Tilgungen und
Zinsbelastung, die Gefahr von Rückzahlungsschwierigkeiten und
Liquiditätsengpässen.
Beim Eigenkapital entfallen diese allerdings und
es ist somit auch liquiditätsschonend.
Risikoträger
Je risikoreicher Investitionen sind, desto höher müsste – im Idealfall – der
Eigenkapitalanteil sein, da die Wahrscheinlichkeit eines Misserfolgs und
der eventuellen damit verbundenen Zahlungsschwierigkeiten steigt;
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Instrument zur Sicherung der Unabhängigkeit


Hohe Fremdfinanzierung bedeutet evt. unerwünschte Einflussnahme der
Kreditgeber;
Wettbewerbsvorteil
Aufgrund weniger Kosten (Zinsen, Tilgungen) kann in Krisenzeiten das
EK in der Preisgestaltung einen Vorteil bedeuten;

Die Grenze des Verschuldungsgrades ist generell schwer festzulegen.


Hat ein Unternehmen allerdings einen Verschuldungsgrad erreicht, der seitens der
Kreditgeber als unternehmensgefährdend angesehen wird, werden zusätzliche Kredite
entweder gar nicht oder äußerst schwer gewährt.

- Kreditstruktur (Verhältnis der einzelnen Kreditformen zueinander)


Für die Auswahl der aufzunehmenden Fremdmittel sind die Kosten und die Fristigkeit
(Fälligkeit) von besonderer Bedeutung.
Das Kreditpotential langfristiger Kredite ist niedriger als für kurzfristige, da die
langfristigen Kredite in der Regel noch besichert werden müssen. Dazu eignen sich vor
allem das Sachanlagevermögen, oder auch Wertpapiere, Patente oder Forderungen.

• Liquiditätsanalyse
Durch die Liquiditätsanalyse soll somit festgestellt werden, ob neben Erfüllung des
Rentabilitätszieles, die dauernde Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit erfüllt ist.

Es können folgende Ermittlungsmöglichkeiten herangezogen werden:


- Bestandsgrößen als Grundlage der Liquiditätsanalyse
Die „goldene Bilanzregel“ fordert, dass zumindest das Anlagevermögen mit eigenen
Mitteln finanziert sein müsse. Darüber hinaus sollten auch die „eisernen“ Bestände des
Umlaufvermögens durch Eigenmittel gedeckt sein.
Es gilt daher dementsprechend:
Anlagevermögen ≤ Eigenkapital (+ evt. langfristiges Fremdkapital)
Umlaufvermögen ≥ kurzfristiges Fremdkapital (zB. Kredite)
 Vermögen = Kapital

In den USA wird vor allem das Working Capital als Liquiditätskennzahl herangezogen:
kurzfristiges (innerhalb eines Jahres liquidierbares) Umlaufvermögen
– kurzfristige (innerhalb eines Jahres fällige) Verbindlichkeiten
= Working Capital

Die aus den Beständen der Bilanz ermittelte Liquidität stellt grundsätzlich eine
Vergangenheitsrechnung dar
 keine Entscheidungsgrundlage für die Unternehmensführung
 nur Aussage darüber ob sich Liquiditätssituation verbessert oder verschlechtert

- Stromgrößen als Grundlage der Liquiditätsanalyse


Eine entscheidungsorienterte Liquiditätsrechnung muss von Stromgrößen (Einnahmen,
Ausgaben) ausgehen und zukunftsorientiert sein!

Cash Flow
…zeigt aus einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung den Bargeldüberschuss an.

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Zu beachten ist dabei allerdings, dass hier erfolgsNEUTRALE Vermögens- und


Kapitalumschichtungen natürlich nicht berücksichtigt werden.
Bei der Verwendung des Cashflows als Kennzahl, ist dieser noch zusätzlich um alle
außerordentlichen (zahlungswirksamen) Aufwendung und Erträge zu bereinigen.

Kapitalflussrechnung (Geldflussrechnung)
Sie ist keine Liquiditätsrechnung im engeren Sinn, allerdings ein wesentliches
Hilfsmittel, die Entwicklung der grundsätzlichen Zahlungsbereitschaft festzustellen.

Die Kapitalflussrechnung umfasst alle Zahlungsvorgänge einer Periode, und zeigt auf
welcher Finanzmittelfonds aufgrund von zahlungswirksamen Vorgängen (durch
Produktions- und Absatzprozess), sowie aufgrund der Investitions- und
Finanzierungstätigkeiten in einer Periode, zur Verfügung stehen.
Der Finanzmittelfonds umfasst
- Fonds der flüssigen Mittel: Kassa, Bank, PSK, Schecks
- Fonds der flüssigen Mittel-Netto: flüssige Mittel – kurzfr. Verbindl. (Kreditinstitute)
- Fonds des Netto-Geldvermögens: flüssige Mittel + (kurzfr. Ford. – kurzfr. Verbindl.)
- Fonds des Netto-Umlaufvermögens: Netto-Geldvermögen + Vorräte – kurzfr. Verbindl.

In der Vergangenheit wurde die Geldflussrechnung fast ausschließlich nach den Kriterien
der Mittelherkunft und Mittelverwendung gegliedert.
Heute ist allerdings vor allem die Gliederung nach Aktivitätsbereichen gebräuchlich:
- operating activities (Geschäftstätigkeit): Finanzmittel zur Aufrechterhaltung der
Geschäftstätigkeit (für Kredittilgung, Dividendenzahlung und Investitionen)

- investing activities (Investitionstätigkeit): Ausmaß jener Investitionen aufzeigen, die


künftige Erträge und Einzahlungen bewirken sollen!
+ Einzahlungen aus Anlagenabgang (ohne Finanzanlagen)
+ Einzahlungen aus Finanzanlagenabgang und sonstigen Finanzinvestitionen
- Auszahlungen für Anlagenzugänge (ohne Finanzanlagen)
- Auszahlungen für Finanzanlagenzugängen und sonstige Finanzinvestitionen
= Netto-Geldfluss aus Investitionstätigkeiten

- financing activities (Finanzierungstätigkeit): Bewegung im Eigen- und Fremdkapital:


+/- Ein-/ und Rückzahlungen von Eigenkapital
- Auszahlungen aus der Bedienung des Eigenkapitals
+ Einzahlungen von Anleihen und aus der Aufnahme von sonstigen (Finanz-)Krediten
- Auszahlungen für die Tilgung von Anleihen und sonstigen (Finanz-)Krediten
= Netto-Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit

• Finanzplanung: durch Plan-GuV und Planbilanz wird die zukunftsorientierte


Kapitalflussrechnung zu einem tauglichen Mittel der finanzwirtschaftlichen Disposition

• Indikatoren nahender finanzieller Schwierigkeiten


Aus verschiedenen Indikatoren kann die voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens
bezüglich seiner Finanz- und Ertragslage festgestellt werden. Allerdings muss dabei auf das
Zusammenwirken mehrerer Indikatoren (gleichzeitig) über einen längeren Zeitraum
betrachtet werden. Folgende wichtigste Faktoren deuten auf nahende finanzielle
Schwierigkeiten hin:
- Fallende Gewinne bei gleich bleibender Ausgabenentwicklung
- Abgehen von einer fristenkongruenten Finanzierung

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

Ein deutliches Signal dafür ist der Ersatz langfristiger durch kurzfristige Schulden!
- Umschichtung von Umlauf- in Anlagevermögen bei gleich bleibender
Kapitalstruktur
kurzfristige finanziertes Umlaufvermögen in das Anlagevermögen umgeschichtet
- Betriebsvergrößerung bei nicht fristenentsprechender Finanzierung
- Verschlechterung des Cashflows im Verhältnis zum Fremdkapital und
Veränderung des Working Capitals im Verhältnis zum Gesamtvermögen

• Feststellung negativer Unternehmensentwicklung mithilfe linearer multivariater


Diskriminanzanalysen
In den letzten 30 Jahren wurde versucht die Insolvenzwahrscheinlichkeit eines
Unternehmens aus den veröffentlichten Jahresabschlüssen (mathematisch) abzuleiten.

b) Erfolgswirtschaftliche Kennzahlen
Mithilfe dieser Kennzahlen soll die Ertragskraft des Unternehmens beurteilt werden.
Einerseits soll der tatsächlich Erfolg festgestellt werden (Ermittlungsfunktion),
andererseits Analyse des Zustandekommens des Erfolges (Erklärungsfunktion).
• Ergebnisanalyse
Aus externer Sicht ist bei der externen Analyse vor allem zu beachten, dass der ausgewiesene
Jahreserfolg durch bilanzpolitische Maßnahmen zB.: Bildung/ Auflösung Stiller Reserven;
beeinflusst sein kann.
Gliederung des Ergebnisses nach den einzelnen Ergebnis“quellen“:

Betriebsergebnis
± Finanzergebnis
= Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGGT)
± Außer-Ordentliches Ergebnis
= Unternehmensergebnis VOR Steuern
– Ertragsteuern
= Jahresergebnis NACH Steuern
± Rücklagenbewegungen
= Bilanzergebnis

Kennzahlen der Aufwands- und Ertragsstruktur


Die Feststellung der Aufwands- und Ertragsstruktur ergänzt die Ergebnis(quellen)analyse.

Durch das Verhältnis von Aufschluss über


- Personalaufwand zu Gesamtaufwand, - Lohn- bzw. Materialintensität
- Materialaufwand zu Gesamtaufwand  - Höhe des Materialanteils OK?
- Materialverbrauch zu Personalaufwand - Höhe des Personalkostenanteils OK?

- Anlagekosten zu Personalkosten - Fortschritt der Mechanisierung:


- Energiekosten zu Personalkosten  (wenn steigender. Kostenanteil 
mehr Fortschritt!)

• Rentabilitätsanalyse
Die Rentabilität des Eigen- und Gesamtkapitals gehört zu den bedeutendsten Kennzahlen
einer erfolgreichen Analyse.
Rentabilität des
Eigenkapitals = Gewinn x 100
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Eigenkapital
(Gewinn + Kosten des Fremdkapitals) x 100
Gesamtkapitals =
Gesamtkapitals
(Gewinn + Kosten des Fremdkapitals) x 100
Umsatzes =
Umsatz

• Break-even-Analyse
Sie bestimmt bei welchem Umsatzvolumen gerade Vollkostendeckung eintritt.
Voraussetzung ist allerdings die Gliederung der Kosten in fixe und variable Kosten und die
Ermittlung des Deckungsbeitrages für die einzelnen Artikelgruppen.

Die Kennzahl dient somit zu einem gewissen Grad als Warnsignal. Nähert sich der
Mindestumsatz dem „kritischen“ Punkt, müssen von der Unternehmensführung Maßnahmen
gesetzt, wie zB. verstärkte Verkaufsanstrengungen, Änderungen der Verkaufs- und
Produktpolitik oder auch Senkung der fixen/variablen Kosten;

• Wertschöpfungsanalyse
- Entstehungsrechnung: Ermittlung des Beitrages (des Untern.) zum Sozialprodukt
- Verteilungsrechnung: Aufteilung dieses Beitrages an Kapitaleigner, Arbeitnehmer,
Fremdkapitalgeber, öffentliche Hand;

Wertschöpfung = Gesamtleistung – Vorleistungen

• Neue(re) Ansätze von Ertragskennzahlen in internationalen Abschlüssen


In den letzten Jahren wurden häufig traditionelle Kennzahlen abgeändert, da sie
„angeblich“ aufgrund unterschiedlicher Bewertungspolitik eine „bessere“
Aussagefähigkeit ermöglichen.

Beispiele dafür sind: (für weitere Kennzahlen: Info auf Seiten 908 und 909)

Earnings before Interest, Tax, Amortization and Depreciation


EBITDA (depreciation beinhaltet die Abschreibung der materiellen
Vermögenswerte/ des Sachanlagevermögens)
Earnings before Interest, Tax and Amortization
EBITA (amortization: Abschreibung des immateriellen Vermögens,
zB. Firmenwert)
EBIT Earnings before Interest and Tax
Free Cash Cashflow aus der laufenden/gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
Flow + Cashflow aus der Investitionstätigkeit
= economic value added
EVA = Gesamtergebnis VOR Zinsen – Zinsen des eingesetzten
Kapitals

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VII. Die Verfahrensforschung (Operations Research; OR)

1. Die Grundlagen unternehmerischer Entscheidungen


Entscheidungen der Unternehmensführung beruhen auf Intuition und auf rationalen
Überlegungen.
Echtes Unternehmertum: auch durch Erfahrung, Überblick und Intuition Handlungen setzen.
→ schließt automatisch neben der Chance das Risiko ein.

2. Modellansätze in der Betriebswirtschaftslehre


Mit dem Eingang der Methoden des OR (Operations Research) in die BWL ist automatisch
die Verwendung von Modellen verbunden, da diese die Basis für die verwendeten OR-
Techniken sind.
Das Modell gibt einen bestimmten konkreten Sachverhalt wieder, nimmt gegebenenfalls
Vereinfachungen vor und zeigt auf, wodurch der beschriebene Sachverhalt ausgelöst und
beeinflusst wird. Insbesondere werden die Abhängigkeiten gezeigt, die zwischen diesen
auslösenden und einander beeinflussenden Faktoren bestehen.
• Beschreibungsmodelle: halten fest welche Folgerungen sich durch das Vorliegen
bestimmter Gegebenheiten einstellen können
• Entscheidungsmodelle: gehen von einer Zielfunktion aus (Gewinnmaximierung) und
zeigen die günstigste Entscheidung bei gegebener Situation auf.

3. Entscheidungsorientierte Planungsverfahren
Maßnahmen auf ihren Einfluss auf das gesamte Unternehmen überprüfen!
Die Planungsrechnung umfasst alle Überlegungen rechnerischer Art, die mithelfen,
betrieblich optimale und auf das Rationalprinzip abgestellte Entscheidungen zu finden.
Planungsverfahren werden durch die Methoden des OR wesentlich exakter.

4. Operations Research

a) Das Wesen des Operations Research


OR: wissenschaftlichen, vornehmlich mathematischen Methoden, mit deren Hilfe alle für
Entscheidungen relevanten rechenhaften Daten simultan verarbeitet werden, um
Entscheidungsgrundlagen zu gewinnen.
Die Festlegung der Entscheidungsprämissen und Entscheidungsziele ist wichtig.
Die mathematische Sprache begünstigt die exakte Problemformulierung und bietet in
Verbindung mit EDV den Vorteil, dass auch komplexere Problemstellungen in vertretbarer
Zeit und mit wirtschaftlichem Aufwand gelöst werden können.
Das Optimum ist ein Maximum (höchster Gewinn, höchste Produktivität, höchste
Wirtschaftlichkeit) oder ein Minimum: (geringste Kosten, geringster Verschnitt, geringster
Ausschuss)

b) Die Methoden des Operations Research


Bei der Gliederung der Teilgebiete des OR kann man von Problemklassen (von der Struktur
der einzelnen Probleme) ausgehen:
1. Programmierungsprobleme
Zuteilungs- und Mischungsprobleme;
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Transport- und Verteilungsprobleme (Wegeprobleme);


Zuordnungsprobleme;
Ausstattungs- oder Investitionsprobleme (Knapsackprobleme);
2. Engpassprobleme;
3. Konkurrenzprobleme;
4. Lagerhaltungsprobleme.

Andererseits kann man auch die Problemlösungs-Methoden zur Gliederung heranziehen.


• Lineare Programmierung
…dient der Lösung von Planungsproblemen, die sich durch eine Reihe von linearen
Gleichungen bzw. Ungleichungen darstellen lassen, und die unter Beachtung eines Planziels
optimiert werden sollen.
Die rechnerische Auflösung des Gleichungssystems erfolgt durch die Simplex Methode in
Matrizenform. Dabei handelt es sich um ein iteratives (schrittweises) Lösungsverfahren.
Es ist universell anwendbar und kann mit Hilfe von EDV leicht organisiert werden.
Mit Hilfe der linearen Programmierung wird aufgezeigt, welche Größen die betrieblichen
Entscheidungen im Detail beeinflussen.
Die Grenzen der linearen Programmierung liegen darin, dass die zu maximierenden oder zu
minimierenden Funktionen linear sein müssen.

Auf die Lineare Programmierung wird man nicht zurückgreifen, wenn


die Sachverhalte klar gekennzeichnet sind,
festgelegte Mengen abgesetzt werden müssen oder
keine Engpässe bestehen bzw. Engpässe bekannt sind und beseitigt werden können.

Beispielhaft können die folgenden praktischen Anwendungen angeführt werden:


1 Ermittlung kostenminimaler Mischungen von Produktionsmitteln;
2 Bestimmung zieladäquater, optimaler Produktionspläne;
3 Ermittlung optimaler Investitionspläne, Werbepläne, Finanzpläne etc.;
4 Transportprobleme;
5 Bestimmung bewertungsabhängiger, optimaler Zuordunungen von Ressourcen zu
Bedarfsträgern. (z.B. Stundenplanerstellung)

näheres zur Simplexmethode ab Seite 917

• Dynamische Programmierung
Auf diese Verfahren wird übergegangen, wenn Planungsüberlegungen auf mehrstufige
Prozesse und in diesem Rahmen auf Veränderungen der Rechengrößen Bedacht nehmen
müssen, was bei Zeitraumentscheidungen der Fall ist.
Man verwendet die Verfahren der Dynamischen Programmierung vor allem zur langfristigen
simultanen Planung von Produktions-, Absatz-, Lager- und Auslastungsproblemen.
Im Gegensatz zur linearen Programmierung ist die Zahl der Variablen und
Nebenbedingungen bei der dyn. Programmierung größer.

• Simulationsverfahren (Monte-Carlo-Methoden)
Unter der Bezeichnung Monte Carlo Methoden werden verschiedene Techniken
zusammengefasst. Sie bestehen darin komplizierte Abläufe, bei welchen es schwierig ist,
exakte Informationen zu erhalten, werden durch brauchbare analoge Vorgänge statistisch
simuliert, wodurch optimale Vorgangsweisen gefunden werden können.
Insbesondere für Warteschlangenprobleme, Standortprobleme und Instandhaltungsprobleme
werden diese Methoden mit Erfolg angewendet.
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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Heuristische Verfahren
...sind jene Lösungsmethoden, die aus Gründen der Wirtschaftlichkeit (Zeitaufwand,
Rechenaufwand) in der Problemlösung lediglich möglichst gute Lösungsergebnisse anstreben,
eine mathematisch nachweisbare Optimallösung jedoch nicht erbringen.

• Anwendung der Warteschlangen-Theorie


Die Anwendungen der Warteschlangen-Theorie beziehen sich auf Engpassmodelle (z.B.:
Kunden vor der Supermarktkassa).
Für das aus dem Engpass resultierende Dimensionierungsproblem muss ein Kompromiss
zwischen den Kosten der Bereithaltung der Abfertigungsstellen und den Wartekosten der
abzufertigenden Objekte. Als Lösungsverfahren kommen Wahrscheinlichkeitsrechnungen
und - in komplizierteren Fällen - Simulationsmodelle in Frage.

• Anwendungen der Spieltheorie


Die Spieltheorie findet in Konkurrenzmodellen Anwendung und untersucht die rationalen
Verhaltensweisen zweier oder mehrerer Partner, die sich mit ihren Zielvorstellungen
zueinander in Konflikt befinden. Sie haben mehrere Handlungsmöglichkeiten, deren Erfolg
aber wesentlich von den ergriffenen Handlungsmöglichkeiten des / der Partner abhängt.
Die Zielsetzung in der Anwendung der Spieltheorie liegt in der Bestimmung eines optimalen
eigenen Verhaltens.

• Netzplantechnik
Die Netzplantechnik ist ein graphentheoretisches Verfahren, mit dem einerseits komplexe
Abläufe und Strukturen anschaulich dargestellt und andererseits in diesem
Beziehungsgeflecht optimale (längste, kürzeste, billigste ertragsreichste) Wege ermittelt
werden können.
Sie dient der Planung, Steuerung und Kontrolle von komplexen Projekten mit einer Vielzahl,
zum Teil gleichzeitig ablaufender Arbeitsschritte.
Grundelemente sind die einzelnen Arbeitsvorgänge (Aktivitäten, Tätigkeiten) und die
Zeitpunkte, zu welchen diese Aktivitäten beginnen bzw. enden (Ereignisse, Knoten).
Im Vordergrund steht die Berechnung des "kritischen Weges (Pfades)", jener Abfolge von
Einzelaktivitäten, die die Gesamtdauer des Projekts bestimmt.
EDV unterstützte Anwendungen: z.B. Microsoft Project
Die Netzplantechnik ist ein taugliches Instrument zur Planung, Kontrolle und Steuerung
einzelner Projekte, d.h. von Vorhaben, die
• in sich abgeschlossen und abgrenzbar sind;
• sich über einen längeren Zeitraum erstrecken;
• aus einer Vielzahl einzelner Vorgänge mit gegenseitigen Abhängigkeiten
bestehen.

Der grundlegende Verfahrensablauf vollzieht sich in den folgenden Schritten:


1. Vorplanung
ob das geplante Vorhaben überhaupt für den Einsatz der Netzplantechnik geeignet ist
2. Strukturanalyse
Das Projekt wird zunächst in seinen Einzelaktivitäten dargestellt = Strukturplan
Die zentralen Fragestellungen sind:
• Welche Aktivitäten fallen an?

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Zusammenfassung Lechner/Egger/Schauer 2007

• Welche Aktivitäten müssen unmittelbar vor einer bestimmten Aktivität beendet


sein (kritischer Pfad), bzw. welche Aktivitäten können unmittelbar nach dieser
Aktivität begonnen werden?
3. Zeitanalyse
Für jede Aktivität wird die geplante Ausführungszeit festgelegt. Diese Zeitangabe kann
auf Schätzungen, Richtwerten, Erfahrungswerten oder genauen Zeitberechnungen
beruhen.
4. Aufbau des Netzplanes
Elemente des Netzplanes sind Vorgänge (Teile des Projektes, die Zeit verbrauchen) und
Ereignisse (Zwischenstadien (Milestones) in der Projektdurchführung)
In der graphischen Darstellung werden Knoten für Aktivitäten oder Ereignisse und Pfeile
zur Verbindung dieser Knoten verwendet.
Die Zeitberechnung im Netzplan erfolgt in zwei Stufen:
a) Berechnung der frühestmöglichen Anfangs- und Endzeitpunkte der einzelnen
Aktivitäten durch eine vorwärtsschreitende Rechnung.
b) Berechnung der spätesterlaubten Anfangs- und Endzeitpunkte der einzelnen Aktivitäten
durch eine rückwärtsschreitende Berechnung des Netzplanes.

Die Netzplantechnik wird zu einem vorteilhaften Instrument der Wirtschaftlichkeitsanalyse


wenn mit ihrer Hilfe ein zeit- und/oder kostenoptimaler Einsatz von Arbeitskräften,
Maschinen usw. erreicht werden kann.
Durch Ausnutzen der Pufferzeiten kann eine optimale Kapazitätsauslastung erreicht werden
und durch die Aufnahme von Kostengrößen in den Netzplan können Projektalternativen auch
kostenmäßig verglichen werden.
Neben der Planungsphase ist die Phase der Überwachung des Projekts in der Netzplantechnik
von besonderer Wichtigkeit

5. Die kybernetische Verfahrensanalyse


Die Erforschung und Gestaltung des Betriebes als dynamisches System erfuhr durch die
Kybernetik (Wissenschaft von der Struktur und dem Verhalten dynamischer Systeme) einen
entscheidenden Anstoß.
Die kybernetische Argumentation beruht heute auf drei grundlegenden Komponenten:
a) dem System als strukturellem Gebilde und Prozessträger;
b) der Steuerung und Regelung als spezifischen Formen des Systemverhaltens zur Erzielung
eines Gleichgewichtszustandes;
c) der Information als der funktionellen Grundlage von Steuerung und Regelung.

Steuern: ursachenbezogenes Eingreifen in ein dynamisches System, wobei es allerdings nicht


zu Rückwirkungen auf das steuernde System kommt ( offene Wirkungskette).
Regeln: zusätzliche Überwachung des gesteuerten Prozesses mit Rückwirkungen auf das
Verhalten des steuernden Elements.

Betrieb: vom kybernetischen Standpunkt als System angesehen, dessen Elemente Menschen
als Ausführorgane und Entscheidungsträger und andererseits Sachapparaturen sind.
"Steuern" bedeutet, auf den Betrieb übertragen, Entscheidungen zu treffen und Maßnahmen
zu setzen, um erstere zu verwirklichen → Vergleich zwischen Geplantem und
Verwirklichtem, Gegenüberstellung von Soll und Ist.

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