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Ausgewählte

klassische
Lerntheorien
Antje Thomi
Susanne Wagner

Gliederung
n Einführung in die Lerntheorien
n Behaviorismus
n Kognitivismus
n Konstruktivismus
n Zusammenfassung

1
Der Begriff „Lernen“

Lernen ist ein Prozess, der zu relativ stabilen


Veränderungen im Verhalten oder im
Verhaltenspotential führt und auf Erfahrungen
aufbaut. Lernen ist nicht direkt zu beobachten.
Es muss auf Veränderungen des beobachtbaren
Verhaltens erschlossen werden.
(vgl. Zimbardo 1996, S. 263)

Der Begriff „Lernen“

Quelle: Hobmair 1993, S. 79

2
Der Begriff „Lerntheorien“

„Die von der Psychologie entwickelten Theorien


zur systematischen Erklärung von nicht
beobachtbaren Lernprozessen werden
Lerntheorien genannt.“
(vgl. Hobmair 1993, S. 151)

Der Begriff „Lerntheorien“


Festzuhalten ist, dass sich die verschiedenen
Ansätze unterscheiden durch:

n die Vorstellung des Lernens an sich


n die Rolle von Lernen, Lehrer und den Einsatz von
Medien
n den Grad an Selbstständigkeit und der
Eigenverantwortung im Bezug auf das Lernen

3
Klassische Lerntheorien
In der einschlägigen didaktischen Literatur werden
im Allgemeinen drei Theorien unterschieden:

Quelle: Marder/Stöckl 1999, S. 12

Behaviorismus
Alle Ausprägungen dieser Theorie beruhen allein auf
messbarem und beobachtbarem Verhalten. Prozesse
innerhalb des Individuums werden für nicht beobachtbar
gehalten.

Quelle: Baumgartner/Payr 1994, S. 102

4
Behaviorismus
Klassisches Konditionieren (Pawlow)

Quelle: Edelmann 1996, S.59

Behaviorismus
Klassisches Konditionieren (Pawlow)

führt zu
Unbedingter
Futter Reiz Speicherabsonderung
Unbedingte Reaktion

führt zu Keiner gesicherten


Neutraler
Glockenton
Reiz
Reaktion

Unbedingter + Neutraler führt zu


Futter Glockenton Speichelabsonderung
Unbedingte Reaktion
Reiz Reiz

Bedingter führt zu
Glockenton Speichelabsonderung
Bedingte Reaktion
Reiz

5
Behaviorismus
Klassisches Konditionieren (Pawlow)

„Klassisches Konditionieren oder Signallernen ist


der Prozess, der wiederholten Koppelung eines
neutralen Reizes mit einem unbedingten Reiz,
wobei der ursprünglich neutrale Reiz eine
Signalfunktion übernimmt und eine bedingte
Reaktion auslöst.“ (Hobmair 1993, S. 153)

Behaviorismus
Klassisches Konditionieren (Pawlow)

Quelle: Hobmair 1993, S.157

6
Behaviorismus
Versuch und Irrtum (Thorndike)

Versuchsaufbau:
In diesem Käfig ist eine
hungrige Katze eingesperrt.
Um herauszukommen muss
sie eine Sperre lösen, einen
Hebel drücken oder eine
Schlaufe ziehen.

Quelle: Hobmair 1993, S.159

Behaviorismus
Versuch und Irrtum (Thorndike)
Stationen des Lernens durch Versuch und Irrtum sind:
n Wahlloses Ausprobieren verschiedener Möglichkeiten
n Ergebnislosigkeit der meisten Reaktionen
n Zufällig richtige Reaktionen führen zum Erfolg è Katze
befreit sich aus dem Käfig und kommt ans Futter
n Bei weiteren Durchführungen verschwinden Reaktionen
die nicht zum Erfolg führen nach und nach. Reaktionen
die zum Erfolg führen werden schneller gezeigt.
n Die Katze hat gelernt die Tür zu öffnen und sich zu
befreien.

7
Behaviorismus
Versuch und Irrtum (Thorndike)

Quelle: Hobmair 1993, S.160

Behaviorismus
Lernen durch Verstärkung (Skinner)

Versuchsaufbau:
Bei der 1. Versuchsanordnung
wird eine hungrige Ratte in den
Käfig gesperrt, in dem sich am
Ende ein Hebel befindet. Nach
spontanen Verhaltensweisen
drückt sie den Hebel herunter und
bekommt Futter. Geschieht dies
wiederholt wird sie vermehrt den
Hebel drücken.

Quelle: Hobmair 1993, S.161

8
Behaviorismus
Lernen durch Verstärkung (Skinner)

Versuchsaufbau:
Bei der 2. Versuchsanordnung
wird das Gitter in der Box unter
Storm gesetzt. Durch Drücken
des Hebels kann die Ratte den
Stromfluss für einige Sekunden
unterbrechen. Auch hier wird die
Ratte vermehrt den Hebel
drücken.

Quelle: Hobmair 1993, S.161

Behaviorismus
Lernen durch Verstärkung (Skinner)

„Lernen durch Verstärkung ist der Prozess, bei dem


ein Verhalten, das angenehme Konsequenzen
herbeiführt oder unangenehme Situationen beseitigt,
vermehrt auftritt.“ (vgl.: Hobmair 1993, S. 162)

9
Behaviorismus
Kritik
n Geisteszustände des Individuums müssen sich nicht
unbedingt in (einem bestimmten) Verhalten zeigen
n Keine Erklärung für komplexere Lernprozesse, die auf
Gesamtzusammenhang abzielen
n Vernachlässigung individueller Faktoren

Behaviorismus
Behavioristisch geprägte Didaktik

Vier Prinzipien:
n Unterricht wird auf die zu erzielenden
Verhaltensweisen ausgerichtet
n Komplexere Lerninhalte werden in kleine/kleinste
Schritte unterteilt
n Lernschritte werden vom Lehrenden so gewählt, dass
der Lernende Erfolge erzielt. Lob folgt unmittelbar è
gewünschte Verhaltensweise festigt sich
n Lernende steht unter ständiger Beobachtung des
Lehrenden è sofortiger Eingriff und Korrektur möglich

10
Behaviorismus
Behavioristisch geprägte Didaktik
Kritische Punkte:
n Lehrer weiß, was der Lerner in Zukunft wissen soll/muss
n Prozess wird durch den Lehrer gesteuert
n Lehrer gibt Reihenfolge der Informationen als kleine
„Portionen“ vor
n Lerner nimmt Portionen auf und muss sie bei Bedarf
reproduzieren

èTräges, unvernetztes Wissen; nicht transferfähig


Nur sinnvoll für Lerninhalte die das reine Memorieren von Informationen
erfordern (Vokabeltraining, etc.)

Behaviorismus
Der Programmierte Unterricht

n 1958 entwickelt von Skinner


n Beruht auf vier Prinzipien der behavioristisch geprägten
Didaktik
n Lerngegenstand wird in Abfolge von Fragen und
Antworten präsentiert
n Wurde später auf Software übertragen

11
Behaviorismus
Behavioristisch geprägte Software

n „Paukmaschine“ è daher nur eingeschränkter


Wirkungsgrad
n Berechtigung da, wo es um das reine Memorieren von
Informationen geht
n Zwar höherer Anreiz durch Computer, aber Einpauken
von Lernstoff è isoliertes, unvernetztes Wissen
n Tiefgreifendes Verständnis wird nicht ermöglicht
n Keine Einbindung individueller Voraussetzungen

Kognitivismus
Definition

„Kognition ist die Gesamtheit aller Prozesse, die mit


dem Wahrnehmen und Erkennen zusammenhängen.“
(vgl.: Duden Bd. 5 Fremdwörter)

12
Kognitivismus
Allgemeines
n 60er Jahre: Entwicklung neuer Lerntheorien
n Lerntheorien legten Wert auf Eigenaktivität und
Motivation der Lernenden
n Kognitivismus ist Gegenposition des Behaviorismus
n Kognitivismus betont Bedeutung der im Gehirn
ablaufenden Prozesse der Informationsverarbeitung
è Informationsverarbeitungsprozess
n Mensch verarbeitet äußere Reize aktiv und selbstständig
n Entwicklung von Methoden und Verfahren zur
Lösungsgewinnung è „Problemlösendes Lernen“
n Lehrende werden Tutoren
n 70er Jahre: Umsetzung der Erkenntnisse im Unterricht

Kognitivismus
Modell

Quelle: Baumgartner/Payr 1994, S.105

13
Kognitivismus
Kritik
n Die geringe Rolle des Körpers
n Die Sichtweise des menschlichen Geistes

Kognitivismus
Kognitivistisch geprägte Didaktik
n Ziel des Unterrichts: Lernende sollen die reale Welt
verstehen
n Lernen durch aktives Handeln und Denken fördern
n Günstige Lernatmosphäre regt Denkprozesse an
n Lernende sollen individuelle Lernstrategien entwickeln

14
Kognitivismus
Kognitivistisch geprägte Software
n Theorie der Bedeutungsstrukturen
n Theorie der Doppelkodierung
n Theorie der mentalen Modelle

Konsequenzen:
n Aktiv handelnde Auseinandersetzung mit dem Problem
darf nicht ersetzt werden
n Computerunterstützte Medien ergänzen die direkten
Erfahrungen der Kinder mit einem Gegenstand
n Verschiedene Zugänge zu den Ergebnissen müssen
ermöglicht werden.

Kognitivismus
Umsetzung in Lernsoftware
n Geeignetsten Lernprogramme sind ATS (Adaptive
Tutorielle Systeme) und ITS (intelligente Tutorielle
Systeme)
n Sie lassen sich den Bedürfnissen des Benutzers
anpassen

Beispiele:
n Goethe in Weimar
n Virtueller Bauernhof (www.bauernhof.net)
n Ausbildung von Mitarbeitern der Deutschen Bahn AG
n Adobe PhotoShop

15
Kognitivismus
Beispiel „Virtueller Bauernhof“

Quelle: http://www.bauernhof.net, 2003-11-20

Kognitivismus
Beispiel „Adobe PhotoShop“

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Konstruktivismus
n Wissen wird durch das Individuum
konstruiert
n Wissen = interne, subjektive
Interpretation und Konstruktion
von Sinneswahrnehmungen
n Lernen ist eine aktive
Wissenskonstruktion im Gehirn
n Lernen heißt: im Gehirn gebildete
Wissenskonstruktionen aktivieren,
anpassen, überarbeiten, erweitern
Quelle: Baumgartner/Payr 1994, S.108
n Vorwissen spielt entscheidende
Rolle, da „neues“ Wissen im
Bezug darauf konstruiert wird.

Konstruktivismus
Konstruktivistisch geprägte Didaktik
n Ist näher am Lerner als am Lehrer
n Instruktion wird kritisch betrachtet
n Prozess des Lernens beginnt mit Anregung der richtigen
Fragen
n Lehrer ist Trainer / Coach und kann den Lernprozess nur
anstoßen und unterstützen
n Lehrer hilft durch Anregungen, Hinweise, Fragen und
Feedback
n Lehrer kann Lernumgebung schaffen, die anregt,
Probleme mit anderen zu bearbeiten

17
Konstruktivismus
Situiertes Lernen
n Kombiniert kognitivistischen und konstruktivistischen
Ansatz
n Konkrete Situation spielt eine wichtige Rolle
(Realitätsbezug)
n Ausgangspunkt ist Wechselbeziehung zwischen internen
und externen Faktoren
n Soziale Prozesse stehen im Vordergrund

Konstruktivismus
Situiertes Lernen
Anforderungen an die Lernumgebung:
n Realitätsbezug
n Einbindung des sozialen Kontextes
n Komplexe Ausgangsprobleme und Perspektiven
¨ Große Anzahl an Einflussfaktoren
¨ Starke Vernetztheit
¨ Geringe Transparenz der Situation
¨ Notwendig des vernetzten Denkens zur Problemlösung

18
Konstruktivismus
Kritik
n „Beliebigkeit der Wissensbildung“
n Hohe Komplexität (Überforderung?)
n Eigenverantwortung des Lerners für Auswahl,
Reihenfolge und Tiefe
n Kompetenz und Motivation des Lerners erforderlich
n Tradiertes Wissen
n Fundament für komplexe Konstruktionen sind gewisse
kognitive Strukturen, die durch Instruktion des Lehrers
aufgebaut werden können
n Zeitaufwand
è aber: ermöglicht Aufbau vernetzter Denkstrukturen

Konstruktivismus
Konstruktivistisch geprägte Software
n Programme haben keine führende und anleitende
Funktion mehr
n Bieten Anlässe, Anregungen und Hilfen
n „nur“ noch Begleiter, Berater bei individueller
Wissenskonstruktion
n Stellt komplexe Umgebung è ganzheitliches Lernen
möglich
n Inszeniert authentische Erfahrungen und Begegnungen
n Hohes Maß an Freiheit und Eigenverantwortung
è Hohe Anforderungen an den Lerner

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Zusammenfassung
Kategorie Behaviorismus Kognitivismus Konstruktivismus

Informationsver- Informationell
Hirn ist ein Passiver Behälter
arbeitendes„Gerät “ geschlossenes System

Wissen wird abgelagert verarbeitet konstruiert

eine korrekte Input - ein adäquater interner mit einer Situation


Wissen ist Output Relation Verarbeitungsprozess operieren können
richtige Methoden zur komplexe Situationen
Lernziele richtige Antworten Antwortfindung bewältigen

Paradigma Stimulus Response Problemlösung Konstruktion

Strategie lehren beobachten und helfen kooperieren

Lehrer ist Autorität Tutor Coach (Spieler) Trainer

Feedback extern vorgegeben extern modelliert intern modelliert

Zusammenfassung
Kategorie Behaviorismus Kognitivismus Konstruktivismus
Dynamisch in selbstreferentiell,
Interaktion starr vorgegeben Abhängigkeit des zirkulär, struktur-
externen Lernmodells determiniert (autonom)

Dynamisch gesteuerter Dynamisch komplex


Programm- Starrer Ablauf, Ablauf, vorgegebene vernetzte Systeme,
quantitative Zeit- und Problemstellung, keine vorgegebene
merkmale Antwortstatistik Antwortanalyse Problemstellung

Software- Sozio-technische
Lernmaschine Künstliche Intelligenz
Paradigma Umgebung

„idealer Tutorielle Systeme, Simulationen,


Software- Drill&Practice Adaptive Systeme, ITS Mikrowellen,
Hypermedia
typus“

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Schlussbemerkung
n Keine Existenz einer allumfassenden, universellen
Theorie des Lernens in allen denkbaren Lernsituationen
n Jede Theorie hat in bestimmten Situationen ihre
Berechtigung (Prüfung im Einzelfall)

n Außerdem: ein schlecht geplanter / durchgeführter


Unterricht wird nicht durch den bloßen Einsatz des
Computers aufgewertet oder besser (Prüfung im
Einzelfall)

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