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Feststoff-Veredelung
durch Preßgranulation mit
Flachmatrizenpressen

In den stoffumwandelnden Industrien spielt Herstellung eines Granulats, also einer INHALT
die Verarbeitung von Feststoffen eine wich- Schüttung einheitlicher Partikelgröße mit
tige Rolle. Probleme bei der Verfahrensaus- einem Minimum an Feinanteil, einzusetzen.
legung treten immer dann auf, wenn die
Einsatzmöglichkeiten
Die Verfahrenstechnik bietet hierfür im des Pelletierens
Feststoffzusammensetzung hinsichtlich
wesentlichen drei Methoden an: Die Auf-
Materialart, Dichte und Partikelgröße sehr
baugranulation, die Stück-Preßgranulation
heterogen oder zeitlich stark schwankend ist, Die Anwendungsbereiche,
(Brikettieren) und die Strang-Preßgranulation
wenn mittlere Korngröße und Dichte des in denen pelletiert wird
(Pelletieren). Diese Verfahren werden auch
Produkts sehr niedrig liegen oder das Pro-
als Agglomerationsverfahren bezeichnet, da
dukt zu Verklebungen und Verklumpungen
sie Einzelpartikel zusammenfügen. Strangpreßgranulation
neigt. Aufgrund dieser nachteiligen Produkt-
charakteristika werden nachfolgende Prozeß- Im Gegensatz zur Aufbaugranulation, die von
mit Flachmatrize
schritte wie Dosieren, Fördern, Mischen feinen Pulvern unter Zusatz von Flüssigkeiten
und Lagern erschwert, in vielen Fällen als Bindemittel ausgeht und die ohne äußere Vorteile der Flachmatrizen-
unmöglich gemacht. Druckgradienten arbeitet, handelt es sich presse
bei der Preßgranulation um eine Technologie,
Um die genannten Produkt- bei der die zu behandelnden Feststoffe auch ■ Materialzuführung
nachteile zu kompen- ohne Bindemittelzusatz aufgrund der sehr ■ Kollerkopf
sieren, ist es zweck- hohen äußeren Druckgradienten extrem
mäßig, ein Ver- bruch- und abriebsstabil agglomeriert und ■ Matrizen
fahren zur formschlüssig verdichtet werden können.
■ Scherwirkung
Während das Brikettieren in der Regel auf die
Verarbeitung von pulverförmigem Material ■ Wechsel der
beschränkt ist, handelt es sich beim Pelle- Preßwerkzeuge
tieren um ein Verfahren, bei dem der granu-
lometrische Zustand der Eingangsprodukte, ■ Pelletkühlung, Trocknung
also Form und Größenverteilung, in weiten
Bereichen variieren kann. Besonders vorteil- Produktversuche können
haft arbeiten in diesem Zusammenhang
im hauseigenen Technikum
Maschinen der Bauart Flachmatrizenpresse,
da aufgrund der dort auftretenden Scher-
durchgeführt werden
kräfte eine zusätzliche Materialzerkleinerung
im Inneren der Maschine erreicht wird.

Beim Pelletieren läßt sich – in Kombination


mit vorgeschalteten Konditionierverfahren –
neben den erwähnten Produktveränderun-
gen, die vornehmlich die mechanische
Stabilität der Feststoffe erhöhen, eine Reihe
weiterer Veredelungseffekte gezielt einstellen.
So ist es möglich, durch Veränderung der
Verfahrensparameter (Druck, Temperatur,
Verweilzeit) und der Maschinenkonstruktion,
sowie durch Zugabe funktioneller Hilfsstoffe
in den zu behandelnden Produkten spezi-
fische Stoffwerte (Dichte, Brennwert) einzu-
stellen, strukturelle Veränderungen herbeizu-
führen (z.B. Modifizierung von Eiweiß und
Stärke) und die Keimbelastung zu reduzie-
ren. Aus Sicht des Marketings von Bedeu-
tung ist in vielen Fällen das äußere Erschei-
nungsbild der Endprodukte. Beim Pelletieren
ist es unter gewissen Voraussetzungen
(Produkt, Prozeßbedingungen) möglich, eine
glatte, glänzende Oberfläche zu schaffen.
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Feststoff-Veredelung durch Preßgranulation


mit Flachmatrizenpressen

Einsatzmöglichkeiten des Pelletierens


Pelletierverfahren werden mit verschiedenen
Zielrichtungen eingesetzt: Speisung
■ Rohstoffaufbereitung
■ Formgebung
Aufgabe
■ Verschneiden mit Füllstoffen
■ Aufbereiten von Abfallstoffen zum
Einstellmutter
Recycling
für Kollerspalt,
■ Herstellung und Veredelung von Fertig-
produkten hydraulisch

Elastischer Ring
Die Anwendungsbereiche, in denen
pelletiert wird Koller
■ Brauereien
■ Chemische Werke Kollerkopf
■ Eisenhütten
■ Futtermittelwerke Räumer
■ Kraftwerke
■ Kunststoffindustrie Matrize
■ Landwirtschaft
■ Mineralindustrie Abschneide-
■ Nahrungsmittelwerke vorrichtung
■ Ölmühlen
■ Pharma-Industrie Königswelle
■ Trocknungsanlagen
■ Zellstoffwerke
■ Zuckerfabriken u.v.m.

Strangpreßgranulation mit Flach-


matrize
Die Strangpreßgranulation mit Flachmatrizen-
pressen hat sich als ein universell einsetz-
bares, wirtschaftliches Kompaktierverfahren
für alle stückigen, langfaserigen, pulverför-
migen, pastösen Produkte ohne Vorzerklei-
nerung erwiesen. Das Endprodukt wird je
nach Branche Pellet, Granulat, Cob, Preßling
oder Brikett genannt. Die für den Preßvor-
gang wichtigen Werkzeuge sind Koller und
gelochte Matrize. Die Verdichtung erfolgt in
offenen Preßkanälen, die sich in der Matrize
befinden (vgl. Abb.1 und 2). Abb. 1: Die wichtigsten Konstruktionsmerkmale der Flachmatrizenpresse:
Die grob vorzerkleinerten Produkte werden
senkrecht von oben in den Pressenraum
dosiert und bilden auf der Matrize einen
Materialteppich. Die Koller überrollen diese
Schicht und verdichten sie (vgl. Abb. 3). Die
Druckkraft steigt beim Rollen in Richtung
Preßkanal stetig an, bis sie so groß gewor-
den ist, daß der im Kanal befindliche Materi-
alzylinder (Pfropfen) ein Stück weitergescho-
ben wird. Damit das möglich ist, darf die
Reibkraft des Pellets im Kanal nicht größer
als die wirksame Preßkraft des Kollers sein.
Es wird in den Preßkanal also eine kleine
Scheibe eingewalzt und mit dem in diesem
befindlichen Preßling verbunden. Dabei wird
der Pfropfen gleichzeitig ein Stück vorge-
schoben und tritt nach unten aus der Matrize Abb. 2: Pelletiervorgang bei der Flachmatrizen- Abb. 3: Flachmatrizenpresse
aus. presse
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Zwischen Matrize und Kollern bleibt bewußt


eine Restschicht, damit eine bessere Vorver-
B
dichtung und Materialbindung erreicht wird
und nicht Metall auf Metall läuft, was eine Bigbag-Entleerstation R
unnötige Abnutzung der Preßorgane zur
Folge hätte. D
Jeder Preßkanal wird mehrmals je Sekunde
überrollt. Es handelt sich bei diesem Preßver- W
fahren also um einen diskontinuierlichen Vor-
Rührwerksbehälter M
gang im Gegensatz zum Extruder. Die ein-
zelnen in den Preßkanal eingewalzten Schei-
D
ben verbinden sich jedoch zu einem endlo-
sen Preßstrang, der auf der Matrizenunter- P
seite austritt und mit verstellbaren Messern T
Dosierschnecke
in gewünschte Zylinderlängen zerteilt wird. Dampf-/Wasserdosiersystem
Ziel ist es, homogene Pellets zu erhalten, R
denen man die scheibchenweise Herstellung Durchlaufmischer v
nicht ansieht und deren Konsistenz auch bei
F
mechanischer Beanspruchung weitgehend Mischkonditionierer Radial-
erhalten bleibt. ventilator
B
Es gibt eine Reihe von Einflußmöglichkeiten, k
um dieses Ziel bei den verschiedenen Filter
Materialarten zu erreichen: Z
1. Zerkleinerungsgrad des Preßmaterials k
2. Komponentenanteile bei Produkt-
mischungen S
3. Feuchtigkeitsgehalt des Preßmaterials m
4. Bindemittelzusatz, Dampfzusatz,
Pelletpresse G
Konditionierung des Preßmaterials
Type 33-390 Bandkühler/
5. Kolleranzahl, Kollerabmessungen
-trockner S
6. Matrizendurchmesser, Anzahl der
s
Preßkanäle
7. Länge, Durchmesser und geometrische
Form der Preßkanäle
8. Abstand zwischen Kollern und Matrize Zerkleinerer
9. Trocknung der Pellets
10. Kühlung der Pellets
Sieb-
Entsprechend der Materialart des Aufgabe- maschine
gutes können Matrizendurchmesser, freie
Lochfläche, Kollerbahnbreite, Kollerdurch-
messer, Kollerbreite und Kollerzahl variiert Schaltschrank Pellets/Granulat
werden. Eine Kollerkopfhydraulik ermöglicht
die Veränderung des Abstandes zwischen
Kollern und Matrize während des Betriebes. Abb. 4: Anlagenbeispiel für den Pelletierungsprozess
Damit kann die Stärke der Materialschicht
beeinflußt und den Erfordernissen des Pro-
duktes angepaßt werden. Bei Abnutzung Für die Materialzuführung und die Material- fläche werden optimal zum jeweiligen Pro-
der Preßorgane wird der Kollerkopf ohne annahme durch die Preßorgane steht ein dukt ausgewählt. Bei Material mit geringer
Betriebsunterbrechung nachgestellt. großer, freier Presseninnenraum zur Verfü- Schüttdichte arbeitet man mit geringer
gung, der wirksame Matrizendurchmesser Kollerzahl und schafft dadurch zusätzlich
beträgt z.Zt. max. 1250 mm. Ein großer An- freien Pufferraum.
Vorteile der Flachmatrizenpresse nahmeraum ist speziell bei Produkten mit
Die Kollerumfangsgeschwindigkeit ist mit
geringer Schüttdichte erforderlich. Verdich-
2,5 m/sec. relativ gering. Dadurch ergeben
Materialzuführung tungsverhältnis bei Altpapier und Stroh z.B.
sich ein besseres Einzugsverhalten, eine
15:1, d.h. pro t Pellets sind ca. 15 m3 Ein-
Die Materialzuführung erfolgt senkrecht von leichtere Materialentlüftung, eine geringere
gangsmaterial zu verarbeiten.
oben im freien Fall ohne Umlenkung, ohne Schlupfgefahr der Koller und ein geräusch-
Leitbleche und ohne mechanische Hilfsmittel armer Pressenbetrieb mit geringerem Ge-
Kollerkopf
(Zwangsspeisung). Dadurch ist eine Blockier- räuschpegel als dem des Antriebsmotors.
gefahr bzw. eine Brückenbildung durch eine Der Kollerkopf bildet mit Kollerachsen und
Die hydraulische Kollerkopfverstellung (vgl.
ungewollte Verdichtung speziell bei geringer rotierenden Kollern eine Einheit. Kolleranzahl,
Abb. 5) ermöglicht die Optimierung des
Schüttdichte fast vollständig ausgeschlos- Kollerdurchmesser, Kollerbreite, Kollerform
Abstandes zwischen Kollern und Matrize
sen. (zylindrisch oder konisch) und Kollerober-
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Feststoff-Veredelung durch Preßgranulation


mit Flachmatrizenpressen

während des Betriebes. Damit wird die Stär- Die spezifische Kollerbahnfläche liegt je nach Brenneigenschaften verringert werden muß,
ke der Materialschicht beeinflußt und so die Einsatzzweck und gewünschter Materialver- können die Pellets mit billiger Abwärme im
wirtschaftlichste Pressenleistung erreicht. dichtung zwischen 25 und 30 cm2 je kW KAHL-Bandtrockner nachgetrocknet wer-
installierter Leistung. Nur bei einer spezifisch den.
Matrizen großen Preßkanalfläche kann die installierte
Energie voll in Durchsatzleistung umgesetzt
Matrizendicke, Lochanzahl, Lochform und
werden. Produktversuche können im haus-
Lochdurchmesser sowie Kollerbahnbreite
eigenen Technikum durchgeführt
der Matrizen können, dem zu verarbeitenden
Scherwirkung werden
Material entsprechend, variiert werden. Für
eine spezifisch hohe Pressenleistung bei Die Scherwirkung der Koller auf dem Materi- Im KAHL-Technikum (vgl. Abb. 6) wurden
geringem Energieverbrauch je Mengeneinheit alteppich zwischen Kollern und Matrize ergibt im Laufe der vergangenenen Jahre über
ist u.a. die Verweildauer des Materials im eine bessere Vorverdichtung, eine geringe 5000 Produkte erfolgreich pelletiert.
Preßkanal maßgebend. Zerkleinerung des Materials, ein gutes Ein-
Nachfolgend einige Beispiele:
zugsverhalten, geringere Preßkanallänge
Die Pellethärte wird mit abnehmender Ver- ■ Katalysatoren
sowie glattere, härtere und zähere Pellets bei
weildauer geringer, d.h. die Pelletqualität ■ Vulkanisationsbeschleuniger
gleichem Energieaufwand. Bei Materialien,
nimmt mit steigender Durchsatzleistung ab. ■ Tablettiermassen
die keine zusätzlichen Scherkräfte vertragen
Zur Kompensation kann man die Kanallänge ■ Vitamin C - Instantprodukte
oder bei denen die Matrizenabnutzung
solange vergrößern, bis die zur Verfügung ■ Pharma-Grundstoffe
überproportional ansteigt, können konische
stehende Motorleistung verbraucht ist. Bei ■ Graphit
Koller eingesetzt werden. Aufgrund der
längeren Preßkanälen besteht jedoch eine ■ Pigmente
direkten Materialeinspeisung, des großen
große Blockiergefahr der Koller. Deshalb ist ■ Stearate
Presseninnenraumes und der Scherwirkung
es viel sinnvoller, die Zahl der Preßkanäle so ■ Kunststoffpulver, -abfälle
der Koller kann sehr grobes Material verar-
weit wie möglich zu vergrößern, also eine ■ Düngemittel
beitet werden. Man spart bei einigen Pro-
große Kollerbahnfläche pro Antriebs- und ■ Waschmittelzusätze
dukten, z. B. bei Müll, eine Zerkleinerungs-
Presseneinheit zu schaffen. ■ Aktivkohle
stufe ein bzw. kann die vorhandene Mahl-
■ Schlämme
Besonders wichtig ist eine große Kollerbahn- anlage mit größerer Sieblochung fahren.
■ Talkum
fläche bei der Verpressung von Material mit Ergebnis: Energie- und Investitionseinspa-
■ BRAM
geringer Schüttdichte und Teilchengrößen rung sowie Vereinfachung des Betriebsab-
und vieles mehr.
von max. 100 x 100 mm, z. B. Papier und laufes.
Plastikfolie.
Wechsel der Preßwerkzeuge
Die Matrizen liegen in vollem Umfange auf
dem Pressengehäuse auf und werden nur
durch Keile gehalten, dadurch ist die Bruch-
gefahr sehr gering.
Der Kollerkopf sitzt lose auf der Königswelle
und wird über Paßfedern mit dieser verbun-
den. Nach oben wird der Kollerkopf durch
die verstellbare Hydraulikmutter gehalten.
Dadurch ergibt sich ein sehr einfacher und
schneller Matrizenwechsel, weil außer der
Hydraulikmutter keine Schrauben oder Klem-
men zu lösen sind. Kollerkopf und Matrize
können mit einem Elektrohebezug problem-
los ohne Reinigung des Innenraumes abge-
hoben und ausgetauscht werden.

Pelletkühlung, Trocknung
Abb. 5: Wirkung der hydraulischen Koller-
kopfverstellung, links in entspanntem Zustand, Falls die Materialfeuchte zur Verbesserung Abb. 6: Alle Produkte können im KAHL-
rechts in Arbeitsstellung. der Lagerstabilität, des Heizwertes oder der Technikum getestet werden

AMANDUS KAHL GmbH & Co. KG


Dieselstrasse 5-9
D-21465 Reinbek / Hamburg
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Telefon: (040) - 727 71 - 0 info@amandus-kahl-group.de


Fax: (040) - 727 71 - 100 www.akahl.de