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THURGAU THEMA

STICHWORT: 3
KULTUR
THEATER KONSTANZ:
KANTON
THURGAUER ZEITUNG

MEHR ALS SCHIESSEN: Jäger


MONTAG, 9. MÄRZ 2009 9

Zeilen Skurrile Figuren aus erklärten Naturschützern ihre


Text SEITE XX fernen Galaxien SEITE 11 vielfältigen Aufgaben SEITE 10

Junge Gesichter, alte Parolen NACH-


GEFRAGT
Am dritten Thurgauer «Tag Juso-Mitglied Fitze mit seiner Ableh- Pascal Gähler (18)
der Jugendpolitik» diskutier- nung nicht alleine. OK-Mitglied, Vertreter
Erstaunlich war, wie ähnlich die Jungfreisinnige Thurgau
ten 24 Junge über Armee, Voten der Jungpolitiker sind, wenn
Ausgang und die Medienflut. man sie mit den Politikern der Mutter- «Die Jugendlichen
parteien vergleicht. Eigentliche «Ju-
WEINFELDEN – Jugendliche sollen Ju- gendvorstellungen» kommen kaum müssen politisch
gendtreffs selber bauen. Die Schweiz
soll unabhängig bleiben. Eltern sollen
vor, sagte der erwachsene Zuhörer
Uwe Moor aus Oberhofen. Ihm ge-
informiert werden»
ihre Kinder vor neuen Medien schüt- fällt grundsätzlich, dass sich Jugendli- Pascal Gähler, weshalb sind Sie den
zen. Dies sind politische Forderungen che in der Politik einsetzen. Schade sei Jungfreisinnigen beigetreten?
von 24 Thurgauer Jugendlichen, die im nur, dass wenig eigene Ideen dahin- Pascal Gähler: Die Partei vertritt
Rahmen des dritten «Tags der Jugend- tersteckten. «Sie reden wie die Alten. meine Meinung am besten und hat
politik» formuliert wurden. Armee, Die Voten könnten auch von Ex-Kan- ein Auge auf die Themen, die mich
Ausgang und Medienflut waren die tonsräten kommen.» lJESSICA FRANCIS am meisten interessieren. So fühle
Themenschwerpunkte des Anlasses, ich mich sehr wohl bei den jungen
der am Samstagnachmittag im BBZ Freisinnigen.
Weinfelden stattgefunden hat und von
den Thurgauer Jungparteien orga-
Was Junge über Was reizt Sie an der Politik?
nisiert worden ist – mit dem Ziel, Ju- Ausgang denken Politiker können schon in der Ge-
gendlichen zu zeigen, dass auch sie in genwart die Zukunft planen.
der Politik Präsenz markieren müssen. Im Thurgau gibt es 865 Bars, vier
Die Idee der Veranstaltung ent- Kinos und zwei Discos. Eine ma- Welche Bedeutung hat diesbezüglich
wickelte sich aus der Preisverleihung gere Bilanz im Vergleich zum Kan- der «Tag der Jugendpolitik» für Sie?
2006 der Stiftung Think Tank Thur- ton St. Gallen mit 1779 Bars, 24 Das Diskutieren untereinander steht
gau. Marisa Tanasoontratrat gewann Kinos und mehreren Grossdiscos. für mich an diesem Tag im Vorder-
den Jugendwettbewerb mit einer Ar- Solche Zahlen wurden den Teil- grund. Man soll nicht auf jeman-
beit über die Jugendpolitik im Kanton nehmern des Workshops «Aus- dem herumhacken, wenn diese Per-
Thurgau. Im gleichen Jahr unterstützte gang im Thurgau» präsentiert, der son eine andere Meinung vertritt; es
der Think Tank Thurgau die Jungpar- als einer von dreien vor der Podi- braucht Respekt und Akzeptanz.
teien in der Durchführung des ersten umsdiskussion stattfand. Für den
«Tags der Jugendpolitik». Wuppenauer Michel Ottinger ist Wie machen Sie eigentlich den Ju-
Sechs der Teilnehmer bewiesen in das Thurgauer Ausgangsangebot gendlichen die Politik schmackhaft?
einer Podiumsdiskussion ihr redne- nicht schlecht. Das Problem liege Für mich ist das direkte Gespräch
risches Talent. Der Jungsozialist Ju- vielmehr bei den fehlenden Zug- wichtig. Ich spreche Junge bei der
lian Fitze aus Berg konnte lediglich und Busverbindungen: So gelange Arbeit oder sonst im Alltag an und
auf die Unterstützung der parteilosen man nach dem Feiern nicht mehr in versuche ihnen zu zeigen, dass auch
Noemi Aggeler aus St. Margarethen kleinere Dörfer. Die sechs Work- sie etwas bewirken können.
hoffen, um den Mitgliedern der Jungen shop-Teilnehmer stellten deshalb
SVP die Stirn zu bieten. Für diese argu- die Forderung, dass das öffent- Glauben Sie, dass Junge auch wirk-
mentierten Benjamin Rüegg aus Mär- liche Verkehrsnetz vor allem für lich politisch interessiert sind?
stetten, Robin Spiri aus Schönenberg, kleinere Gemeinden an den Wo- Ich denke, dass man erst durch ge-
Michel Vogt aus Ellighausen und der chenendnächten ausgebaut wird. nügend Wissen Interesse wecken
Wuppenauer Michel Ottinger. Erste Diskutiert wurde zudem ein kann. Wie soll man sich denn für et-
Streitpunkte gab es bei der Frage nach Ausgehverbot für Jugendliche, was interessieren, wovon man keine
dem Sinn der Schweizer Armee: Die wie es im Sommer 2008 die Zür- Ahnung hat? Unwissenheit ist kein
Juso steht der Armee grundsätzlich kri- cher Gemeinde Dänikon einge- Verbrechen. So ist es wichtig, dass
tisch gegenüber. Rüegg von der Jungen führt hat. Laut Noemi Aggeler aus Junge politisch informiert werden.
SVP hingegen forderte die Abschaf- St. Margarethen darf man nicht
fung der Auslandeinsätze. «Das Aus- alle Jugendliche in denselben Und wofür setzt sich der Jungpoliti-
land ist nicht unsere Verantwortung.» Topf werfen und annehmen, «dass ker Pascal Gähler konkret ein?
sie um die Häuser ziehen, um zu Da gibt es nicht nur einen Bereich.
«Sie reden wie die Alten» vandalieren». – «Das Festlegen Die Aktualität spricht mich an.
Während die Jungpolitiker bei der Ar- von Ausgangszeiten ist Sache der Schliesslich sind es die aktuellen
mee keinen Konsens finden konnten, Eltern. Warum muss immer der Fragen, die es zu lösen gilt und über
waren sie sich bei den Themen «Me- Staat unter die Arme greifen?», die man sich Gedanken machen
dienflut» und «Ausgang» oft einig. Im fragte Michel Ottinger. Schliess- muss. Mein Fokus liegt dabei aller-
Umgang mit Medien müssten die Ju- lich einigte man sich auf eine ge- dings auf wirtschaftlichen Themen.
gendlicher kritischer sein. Die Politik meinsame Position: Es wäre sinn-
müsse aktiv werden – zum Schutz der voll, wenn unter 16-Jährige nur Sie leiteten den Workshop «Ausgang
Jugendlichen. Angesprochen wurde bis 24 Uhr unterwegs sein dürf- im Thurgau». Braucht der Kanton
auch die Verantwortung der Eltern: ten. Doch sei dieses Anliegen nur mehr Angebote für Junge?
Regeln seien nötig – sowohl was den schwer realisierbar. Das Angebot ist sicher nicht ausrei-
Medienkonsum, wie auch das Aus- Diskutiert wurde auch ein chend, aber dank den guten Zugver-
gangsverhalten der Jugendlichen be- Rauchverbot in Restaurants. Die bindungen in andere Kantone kann
trifft. Jugendliche unter 16 Jahren Workshop-Teilnehmer würden ein man damit leben. Und wenn Junge
bräuchten Ausgangsmöglichkeiten, solches Verbot zu den Hauptes- etwas Neues auf die Beine stellen
wie Jugendtreffes. Laut Rüegg sol- senszeiten am Mittag und Abend wollen, werden sie unterstützt.
len die Jungen ihre Treffpunkte sel- In drei Workshops setzten sich die Jungen mit aktuellen Themen auseinander. Die Dis- begrüssen. lANDRINA BACHMANN lINTERVIEW: NORA SCHWEIZER
ber bauen. Bei diesem Vorschlag war kussion über Medien leitete CVP-Grossrat Thomas Merz-Abt (unten). Bilder: Susann Basler

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REAKTIONEN
«Eine eigene Meinung haben nur die wenigsten Jugendlichen»
I n den Schulen sollte Politik eine
grössere Rolle spielen», meint Mi-
chel Ottinger aus Wuppenau. Der 17-
P olitik müsse mit einfacheren Wor-
ten erklärt werden, sagt die 19-
jährige Laura Curau aus Weinfelden.
D er 21-jährige Dario Perera nahm
bereits am letztjährigen «Tag
der Jugendpolitik» teil. «Politik ist je-
S ie interessiere sich «ein bisschen»
für Politik, erklärt Jasmin Imhof
aus Dussnang. Einer Partei möchte
Jährige ist politisch bei «Fremdwörter sind den Tag aktuell», meint sie aber nicht beitre-
der Jungen SVP aktiv tabu, wenn man Junge der Kreuzlinger. «Scha- ten. Trotzdem war sie
und findet den Tag der begeistern will.» Denn de, dass Zeitungen wie am «Tag der Jugend-
Jugendpolitik eine gute laut der PMS-Schüle- ‹20 Minuten› oder der politik» dabei. «Je älter
Veranstaltung, um jun- rin überfordert die Po- ‹Blick› die Jungpolitik man wird, desto mehr
gen Schweizern die Po- litik die meisten 18-Jäh- nicht fördern», findet kommt das Interesse an
litik näher zu bringen. rigen. «Das Schulfach Perera, der als Betreu- der Politik», meint sie.
«Die Jungbürger müssen wissen, dass Staatskunde muss man mehr fördern, er in einem Wohnheim arbeitet. Das «Ich glaube nicht, dass man viel ma-
sie es sind, die entscheiden, wie es mit und die Eltern sollten mit den Kindern Problem der Jugendlichen sei, dass sie chen kann, um mehr Jugendliche für
uns und der Schweiz weitergeht», sagt mehr über Politik sprechen. Denn eine nicht verstünden, was die Politiker in Politik zu begeistern», sagt die 19-Jäh-
der Metzgerlehrling. eigene Meinung haben nur wenige.» Bern machten. rige abschliessend.lUMFRAGE: SANDRA RIBI