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Gabriele Böcker
Oreo reisst aus
I. KAPITEL

Es fing mit einer Fahrt zu einem Tierasyl an. Derzeit wussten


wir natürlich nicht, dass wir dorthin fahren würden aber, da
dies ein wesentlicher Bestandteil meiner Story ist, so muss ich
hiermit anfangen. Jedenfalls, während der gesamten Fahrt
dorthin heulte unser Frauchen unentwegt. Wir zwei saßen auf
der Rückbank und, obwohl wir immer leidenschaftlich gerne
Auto fuhren, war mir klar, diese Fahrt bedeutete nichts Gutes.
Irgendetwas fühlte sich anders an und, wie bereits erwähnt,
Hunde können tatsächlich denken. Ich jedenfalls dachte mir,
dieser Braten riecht ranzig! Aber lassen Sie uns nun zum We-
sentlichen kommen.
II. KAPITEL

Nachdem wir etliche Zeit gefahren sind, fuhren wir plötzlich


eine Rampe herunter. Ich schaute meinen Bruder an mit mei-
nem “Habe ich es nicht gesagt?” Blick und er, obwohl extrem
liebenswürdig, normalerweise aber wirklich nicht der hellste
Stern am Firmament ist, nickte zustimmend. Uns war klar, es
war alles dabei, sich alles für uns zu ändern. Die Rampe allei-
ne war es nicht, es war wohl aber die lange Fahrt hierher und
Frauchens miese Stimmung. In dem Moment beschloss ich er-
neut, dass eine Entscheidung nicht ohne mich gefällt wird.

Wir fuhren auf einen Parkplatz. Frauchen stieg aus, und wir
zwei klebten unsere nassen Schnäuzchen ans Rückfenster. Da
sahen wir wie all unsere weltlichen Güter, unsere Bettchen,
Spielsachen und Mäntelchen durch eine uns unbekannte Tür
gebracht wurden. T.J. fing an zu schlottern. Natürlich nicht weil
ihm kalt war, sondern weil er ernsthaft Angst hatte. Was sollte
dies nur alles bedeuten? Ich schaute wie gebannt zu und meine
Gedanken überschlugen sich. Als der Kofferraum endlich leer
und die Klappe zugeschlagen war, kam Frauchen mit unseren
Halsbändern und Hundeleinen an.

Als sie mich aus dem Auto nahm, wand ich mich wie ein Aal
und versuchte ich mich loszumachen. Als hätte sie es jedoch
geahnt, hielt sie mich unglaublich fest. Ich gebe ja zu, dass ich
manchmal keine einfache Zeitgenossin bin, auch wenn ich ab-
solut goldig ausschau. Aber nun ja, wir lebten nun alle über
fünf Jahre unter einem Dach, da kann man uns nicht einfach
entledigen, weggeben wie ein altes Möbelstück. Na ja, mich
vielleicht schon, aber warum dann T.J.?
Wir kamen jedenfalls in einem Raum voller Katzen. Versteht
bitte, ich habe ja grundsätzlich nichts gegen Katzen. Sie liefen
teils frei herum und waren teils in Käfigen untergebracht. Es
waren bestimmt 70 Miezen im Raum. Eine Frau kam uns ent-
gegen, die bestimmt früher Reklame für Zahnpasta gemacht
hat. Sie schien nur aus Zähnen zu bestehen. Wenn man es
als lächeln bezeichnen wollte, so erreichte ihr Lächeln meiner
Meinung nach ganz sicherlich nicht die Augenwinkel, die Au-
gen blieben irgendwie streng und mir gefiel sie nicht. Aber un-
glaublicherweise übergab Frauchen ihr einfach unsere Leinen
und ließ uns dort stehen. Ich dachte, mich tritt ein Pferd! Steht
einfach mir nichts dir nichts auf und geht.

Wir wurden nach hinten gebracht, na ja, mich musste man


mehr oder weniger zerren. Dort wartete ein Ehepaar auf uns,
nun ja, ich nahm jedenfalls an, dass es sich um Eheleute han-
delt. T.J. und ich wechselten Blicke. Mir gefiel das alles nicht.
Die Leute sahen nett aus, wirklich. Sie knieten sich zu uns, ha-
ben uns gestreichelt und redeten sanft auf uns ein. Aber sie ro-
chen anders, der Geruch war ein völlig neuer. Neu und fremd.
Wir Hunde verlassen uns gerne auf unsere Sinne und so wusste
ich derzeit nicht, ob der fremde Geruch Heil oder Unheil bot.
Der Gedanke war jedoch ohnehin überflüssig, denn mir war
klar – ohne mich!

Unser Frauchen war auf der ganzen Fahrt irgendwie außer sich
gewesen, aber verglichen zu meinen jetzigen Gefühlen, war das
Pipifax. Ich konnte nicht für meinen Bruder reden, ich wusste
jedoch sofort, dass, wenn ich mich neu orientieren müsse, dann
wollte ich die entsprechende Auswahl meines neuen Heimes
treffen. T.J. hatte sich hingesetzt, um sein Zittern im Zaum zu
halten und mir kam der Gedanke, dass er vielleicht besser ohne
mich aufgehoben wäre. Da könnten sich diese neuen Leute voll
und ganz auf meinem Bruder konzentrieren.

Und ganz ehrlich, sie konnten die netteste Familie der Welt
sein, meine neue Familie sollten sie nicht werden! Das war
kein gutes Karma! Alles andere geschah ganz schnell. Der
Mann nahm T.J. auf dem Arm, und als die Frau mich aufhe-
ben wollte, gab‘s für mich nur “Wasser Marsch”. Ich pinkelte
sie voll. Kein schlechter Zug, was? Er hat funktioniert. Sie setz-
te mich prompt ab, um sich ein Handtuch zu greifen, und in
dem Moment machte ich mich von meinem Halsband frei und
rannte wie der Teufel. Das Halsband war glücklicherweise so-
wieso immer etwas lose gewesen und so machte ich auf Harry
Houdini (den berühmten Entfesselungskünstler) und schlupf-
te einfach rückwärts raus. Ich schaute mich nicht einmal um.
Meine Entscheidung war gefallen. Ich wusste, dass mein Bru-
der in Sicherheit war und sich sicherlich gut einfügen würde.
Aber jetzt hieß es “jeder für sich”!
Aber an Umkehr war nicht mehr zu denken. Panikstimmung
kam langsam auf und plötzlich war das Einzige, was zwischen
mir und meiner Freiheit stand, ein grüner, schleimig aussehen-
der Teich. Eine richtige Lagune. Ich hatte keine andere Wahl als
tief einzuatmen und entenmäßig Schwänzchen in die höh’ hi-
neinzuspringen. Habe ich bereits erwähnt, dass ich nur ungern
schwimme? Aber geschwommen bin ich, und wie!

Als ich den Teich auf dem anderen Ufer verließ, sah ich dem
Loch Ness Ungeheuer sicherlich verblüffend ähnlich. Nun be-
fand ich mich wieder auf einer Straße, Autos fuhren mir entge-
gen, ihre Scheinwerfer blendeten fürchterlich, sie hupten und
III. Kapitel

Ich rannte so schnell mich meine vier, kurzen, krummen


Beinchen mich tragen konnten. Und glaubt mir, so goldig ich
auch, bin, meine Beine gehörten nicht zu meinen größten
Vorzügen. Ich hatte allerdings keine Ahnung, wo ich mich
befand oder wo das Ende dieser dämlichen Straße war oder
gar, wo sie hinführte. Vielleicht war sie eine Sackgasse, ich
hoffte jedoch inständig, dies möge nicht der Fall sein. Nur
kurz guckte ich einmal zurück und sah, wie mich T.J. mit
riesigen Kulleraugen verständnislos ansah. Aber ich zögerte
nicht. So sehr ich T.J. auch liebe, dies war nicht in Ordnung.
Ich musste fort.

Alles Weitere passiere auch blitzschnell. Der Mann setzte mei-


nen Bruder auf den Rücksitz und schlug die Autotüre zu, da-
mit T.J. nicht auch entkommen konnte und dann rannten alle
auf einmal los, mir hinterher. Ich rannte und rannte, vorbei an
geparkten Autos, vorbei an Passanten, die mir zuriefen, doch
stehen zu bleiben, vorbei an hupenden Autos, die versuchten,
mir auszuweichen, was ihnen auch glücklicherweise gelungen
ist.

Plötzlich befand ich mich auf einer sechspurigen, sehr be-


fahrenen Straße. Es dämmerte bereits, die großen Straßenla-
ternen flackerten gerade im ersten Licht. Ich war in meinem
Leben noch nie auf einer solchen Straße gewesen. Tatsächlich
bin ich noch nie frei, ohne Leine gelaufen. Ich habe mir bisher
nie selbst Gedanken machen müssen, wo der Weg hinführen
würde. Was hatte ich nur angestellt?
zischten an mir vorbei. Über der Straße befand sich eine Brü-
cke, genaugenommen eine Autobahnbrücke mitsamt der Ab-
fahrt, die wir vorhin hinunterfuhren. Aus den Augenwinkeln
sah ich ein verendetes Gürteltier am Straßenrand liegen, si-
cherlich Opfer eines Autos. Also war für mich größte Vorsicht
geboten, um mir ein solches Schicksal zu ersparen. Da oben
auf der Autobahn rauschten die Autos noch lauter vorbei. Also
dachte ich mir, schnell von dieser Straße weg. Ich drehte also
scharf nach links und befand mich in einem Einkaufszentrum.
Wieder geparkte Autos, aber diesmal auch ein Bürgersteig. Von
meinen Spaziergängen mit T.J. und Frauchen wusste ich, dass
Bürgersteige Sicherheit bedeuteten. Dort liefen wir immer.
Hier gab es viele Läden und aus einigen offenen Türen wehten
verführerische Düfte zu mir herüber. Mir lief das Wasser im
Munde zusammen aber ich lief weiter, wenn auch etwas ver-
langsamt, um zumindest den Duft aufzunehmen und zu genie-
ßen. Ich blieb auf dem Bürgersteig und allmählich wurde mir
bewusst, dass ich erfolgreich entkommen bin. Eine Autobahn
trennte mich von meinem Bruder, Frauchen und die Leute, die
mich suchten. Freiheit!
Lesen sie jetzt wie es weiter geht

Gabriele Böcker
Oreo reisst aus
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