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Monika Marx
Schule Schikane und Skandale
Kapitel 1

Natürlich lernte ich wie üblich für die bevorstehende Mathear-


beit. Es war die Vorletzte vor den Sommerferien. Und genauso
wie die Letzte, sehr ausschlaggebend. Ausschlaggebend des-
halb, weil es um die Wurst, beziehungsweise Versetzung ging.

Eigens dafür wurde ein Herr Löhle angestellt, der mir auf die
mathematischen Sprünge helfen sollte. Herr Löhle war rüh-
rend und bemühte sich ernsthaft, wöchentlich um meinen ma-
thematischen Fortschritt.

Er maß keine einsachtzig, also darunter; war von schlanker,


sportlicher Figur und hatte unglaubliches, weißblondes Haar.
Seine Haut war allerdings immer gerötet, typisch für solche
Hyperblondies, die nur eine Dreiminutenmittagsonne vertru-
gen und ansonsten bei jeder weiteren Minute hoffnungslos ver-
kohlten.
Sein Alter schätzte ich auf siebenundzwanzig. Er war am Ende
seines Mathematikstudiums und schrieb seine Diplomarbeit.
Um sein Studentenleben etwas luxuriöser zu gestalten, bot er
gegen Bezahlung seine mathematischen Ergüsse jedem mathe-
schwachen Schüler an.

Da ich eine wandelnde, mathematische Katastrophe war, wa-


ren meine Eltern Gott unglaublich dankbar, einen solchen, na-
hezu selbstlosen Nachhilfelehrer für meinen besonderen Fall
gefunden zu haben.
Einmal fragte ich ihn nach seiner Freundin und war sprachlos,
als er bejahend nickte.
Konnte das sein? War das möglich? Bislang konnte ich mir
keinen Mathestudenten mit Freundin vorstellen. Die sind
doch sich selbst genug, dachte ich immer. Und welche Frau
würde sich in einen Mathematiker verlieben? Ganz ehrlich!
Ich gewiss nicht, da ich schon seit Jahren mit diesem Fach auf
dem Kriegsfuß stand, würde ich mir einen solchen freiwillig
nicht einhandeln.

Meine heutige Nachhilfe war nicht sehr von Erfolg ge-krönt.


Zwar schenkte ich artig den höheren mathematischen Weihen
Gehör, aber erreicht hatte ich sie nicht. Wo nichts ist, kann
auch nichts hängen bleiben, meinte oft mein Vater.
Wie recht er hatte!
Kapitel 2

Die kommende Nacht verbrachte ich sehr unruhig. Dauernd


verfolgten mich algebraische und geometrische Formeln und
Freund Löhle mutierte zu einem mengenlehrenden, relativie-
renden „Gaußeinstein“.
Der mit einem überdimensional großen Geodreieck auf mich
einstach. Auch das Frühstück wollte mir nicht so richtig schme-
cken und so machte ich mich auf den Schulweg.
Um zur Straßenbahnhaltestelle zu kommen, musste ich an
einer schaurig-schönen Ruine abwärts über einhundertdrei
Treppen zu Tale schreiten. Dort traf man wie üblich auf diesel-
ben Gesichter: Schüler und Arbeitsfähige jeden Alters. Unter
anderem stand immer eine blonde, große, gepflegte Endzwan-
zigerin dort. Sie hatte den gleichen Weg, verließ uns aber drei
Haltestellen früher. Mir fiel sie auf, weil sie stets gut gekleidet
war und eine gute Figur hatte.
In der Straßenbahn erwartete mich meine beste Freundin und
Klassenkameradin Beatrice. Da sie wie ich täglich zwei Stun-
den Fahr und Gehzeit benötigte, um vom elterlichen Hospiz
durch die Stadt zum Ort des Wissens und zurückzugelangen,
konnte man viel erleben.

Der größte Teil der Mitschüler reiste von außerhalb an und


trotz mancher Unbill hatten wir viel Spaß. So hatte es uns nie
groß gestört, solch einen langen Schulweg zu haben.
Meinen um ein Jahr älteren Bruder hatte es schlechter getrof-
fen. Er hatte nur einen zwanzigminütigen Fußweg und nie die
Chance gehabt, diverse, vergessene Hausaufgaben nachzutra-
gen.
Besonders die weniger geschätzten Lateinübersetzungen wur-
den straßenbahntechnisch erledigt. Aber allzu oft verließ man
sich auf andere und war somit häufig verlassen.
„Haste auf Mathe gelernt?“ frug mich Beatrice gleich.
„Na, klar. Mit dem Löhle, du weißt schon.“
Und Bea wusste.
„Ich hatte auch Nachhilfe.“
Sie rollte mit den Augen, was so viel hieß, dass ihre Kenntnisse
recht dürftig waren.
Am Hauptbahnhof mussten wir umsteigen. Ebenfalls unser
hübsches Fräulein „Veilchen“. Bea benannte sie so, da sie
oft blumige Kleider trug, meist mit Veilchen. Wir kannten sie
schon mindestens zwei Jahre, und wenn wir sie sahen, wuss-
ten wir, dass wir pünktlich dran waren. Beim Umsteigen in die
andere Straßenbahn gesellte sich oft unser Werkstattlehrer für
Schreinerei in den Waggon, den wir nur mit einem Kopfnicken
bedachten. Dieser übersah uns gelegentlich und so unterließen
wir auch das Kopfnicken.
Wir schätzten ihn circa auf fünfundvierzig. Er war sehr groß
und hatte schwarz gewelltes Haar mit grauen Schläfen.
Für Frauen ab dreißig mochte er bestimmt Hitverdächtig sein,
aber für uns war er zwar noch kein „Verwesi“, aber ein „Grufti“.
Die Straßenbahn füllte sich Zusehens und unser „Veilchen“
hatte noch einen Einzelsitzplatz am Fenster ergattern kön-
nen. Wie sie das immer schaffte, war beneidenswert. Wir wa-
ren wohl immer zu langsam. Unser ehrenwerter Herr Meister
wurde an den „Veilchenfensterplatz“ geschoben und an deren
Sitz gedrückt. Dank der nun folgenden Kurven musste er sich
an der Fensterscheibe abstützen. Trotz des Gedränges konnten
wir doch immerhin beobachten, dass sie sehr nervös versuch-
te, ihren Rock über ihre Knie zu ziehen, aber seine Beine waren
die Übeltäter.
Das Zurechtstreichen ihres Rockes führte zu einer hormonel-
len Überreaktion des Meisters Hypophyse, sodass er fortan sei-
ne Blicke nicht mehr zu zügeln wusste. Schmunzelnd kniffen
wir uns gegenseitig in die Rippen. Das konnte ja lustig werden
...

Die annähernd Neunziggradkurven, die der Bahn vorgegeben


waren, beglückte des Meisters Antlitz und der
Kniereibekontakt hatte Folgen: Er sprach sie an. Sie errötete
sichtlich und griff noch nervöser nach ihrer dunkelblauen Ta-
sche.

Den Rock hatte sie denn wohl nicht mehr im Griff und so ent-
wickelte er ein Eigenleben, das sie nicht mehr kontrollieren
konnte. Leider konnten wir ihrer Unterhaltung nicht gewahr
werden. Aber eines war uns gewiss, dass sich da etwas verboten
Amouröses anbahnte. Schließlich wussten wir Schüler doch zu
genau um den Bestand der Ehestände unserer Lehrer. Denn
das verrieten diese uns immer auf den diversen Schulfesten,
bei denen die Lehrer geladen waren.

Inzwischen wurde der Platz ihr gegenüber frei und Meister


Schwarz konnte Selbigen siegesgewiss einnehmen. Auch seine
sonst etwas blasse Gesichtsfarbe schien sich in Richtung Rosa
zu färben, seine Augen in unersättliche Begierde, die uns ver-
anlasste zu denken, dass es nicht nur bei einem kleinen Tete-a-
Tete blieb.
Als alte, erfahrene Sechzehnjährige wussten wir genauestens
Bescheid, wie die Hasen so laufen.
Und Straßenbahnerotik live wurde einem nicht gerade oft
geboten. Solche Gelegenheit sollte man nicht sich nicht entge-
hen lassen, zwecks späterer Verwertung.
Jetzt erhob sie sich, ein wiederholtes glatt streichen des Rockes
folgte, dann ein Murmeln und Herr Schwarz ergriff
ihre Hand. Eilig zog sie sie zurück, stand ex abrupto auf
und entfleuchte. Ein traurig nachblickender Meister blieb
zurück. Aber das war ja schließlich noch nicht das Finale.
Man darf weiterhin gespannt sein.
Jäh wurden wir wieder ins Schülerleben zurückgeworfen. Das
Schulgebäude tauchte vor uns auf und damit auch die
Mathematikarbeit in drei Minuten.
Am Fuße der Schultreppe hatte sich schon wieder der Rektor
in Position gestellt, um die notorischen Zuspätkommer – wir
zählten oft dazu zu notieren. Er wollte dem endlich ein Ende
setzen und drohte uns mit Verwarnungen. Nach drei Verwar-
nungen bekam man einen Verweis und nach dem Zweiten flog
man von der Schule.
Ich wurde schon mehr als dreimal verwarnt, wurde aber nie
des Weiteren damit belästigt. Ich glaube, er verlor oder verlegte
immer seine Notizen. Kein Wunder bei dem Verhau, den er auf
seinem Schreibtisch liegen hatte.
Atemlos stürzten wir an ihm vorbei wir waren ja pünktlich
rauschten wir in unser Klassenzimmer. Dem Glück sei Dank,
das ich hinter Mathe Markus zu sitzen kam. Bei Klassenar-
beiten wurde in A und B Gruppen eingeteilt, (es scheint wohl
weltweit ein Schulgesetz zu sein), und so war
es immer von Vorteil, ein Genie als Vorsitzer zu haben. Wir
Mathenullen stritten uns häufig um Mathe Markus, der
sich natürlich königlich amüsierte.
Mir brach schon wieder der kalte Schweiß aus, als ich unseren
schönen, schnauzbärtigen, fünfunddreißigjährigen
Klassenlehrer sah, mit den Unheil bringenden Arbeitszetteln
unterm Arm.
Schnell waren diese verteilt, denn schließlich zählte da jede
Minute. Grausame Fragen wurden da gestellt:
In welchem Quadranten nimmt die Kosinus beziehungsweise
Sinusfunktion positive bzw. negative Werte an? Darauf folgten
noch jede Menge Wurzel , X- und Geometrieaufgaben.
Ich hypnotisierte Markus‘ hellblaugestrickter Patentmusterpul-
loverrücken, damit er diesen etwas zur Seite bewegen möge. Es
glückte leider nicht, mein Medium war nicht willig, so musste
ich zu einem drastischeren Mittel greifen und räusperte. Aber
mein Räuspern fiel viel zu kreischend aus, sodass alle meine
lieben, dreiundvierzig Mitschüler es fast von den Sitzen warf.
Auch Klassenlehrer Knorke, an schweißtriefende Stille ge-
wöhnt, fuhr um hundertachtzig Grad herum, dass seine Sohlen
nur so quietschten. Ich tat so, als ob nichts wäre, und warf mei-
ne Stirn in tiefste Falten. Markus Rücken hatte sich inzwischen
soweit zur Seite gedreht, sodass ich eine herrliche Ansicht hat-
te. Die Botschaft konnte man als erfolgreich bezeichnen.
Doch ab und zu musste ich auf meine raren Kenntnisse zu-
rückgreifen, weil es die Situation so verlangte. Es war entmuti-
gend. Nach neunzig bangen Minuten legte ich erschöpft meine
mathematischen Ergüsse in die Hände des Herrn Knorke.

„Na,Moni,hast du gelernt?“ fragte er mich.


Bei solch einer Frage ist es von Vorteil, diese immer standhaft
mit JA zu beantworten. Freundin Bea schien aus einer Sauna
zu kommen. Sie hatte ihren gummierten Regenmantel umhän-
gen, an dem sie einen Spickzettel mit Formeln angeheftet hatte.
War bei Kontrolle sehr praktisch, aber bei warmem Wetter un-
günstig. Kam für mich nicht infrage, denn bei Mathearbeiten
begannen ganz besonders meine Schweißdrüsen zu arbeiten.
Kurze Pause.
Biologie bei Prof. Karachovil. Selbiger war ein gutmütiger äl-
terer Herr in den Sechzigern. Ausgestattet mit einem sehr
starken tschechischen Akzent, den er trotz zwanzig Jahre im
deutschen Schuldienst nicht ablegen konnte. Er war Anhänger
der Freikörperkultur und bevorzugte den Unterricht bei jedem
Wetter im nahegelegenem Wald abzuhalten.
„Machen wir jetz Exkursion in Walde. Binnen zwei Stunden
wir wieder Zurrrück sind. Also gehen wir jetz un sofforrt!“
Das versprach uns wieder eine herrliche Zigarettenpause. Der
Nachteil war, dass fast die halbe Klasse Anhänger des
blauen Dunstes waren.
So bildete sich ein gehöriger Abstand von mindestens zwan-
zig Metern zu den Nichtrauchern. Dem Professor fiel das nicht
weiter auf. Er wurde zu sehr von Mensch und Natur in Be-
schlag genommen.

An der Lichtung angekommen, wir hatten inzwischen aufge-


schlossen, wurden wir namentlich nach dem ABC die
sieben Kuhmägen abgefragt. Glücklich waren die XYZs ...
„Monika, du passen mir aber heute gar nix auf!“ Ich hatte
auf seine Kuhmagenfrage nicht sofort reagiert, aber das Ergeb-
nis konnte man als gut bezeichnen.
Die kommende Gemeinschaftskunde bei Dr. Holger Schärtz,
des Rektors jüngerem Bruder, war nie sehr erbaulich. Man
musste ständig auf der Hut sein, immer aufpassen, und tiefsin-
nige Gespräche mit dem Nachbarn vermeiden. Wenn letzterer
Fall doch eintraf, wurde eine zehnminütige Zettelarbeit über
den Stoff der letzten Stunde
geschrieben. So war es von Vorteil, stets ein Protokoll zu
haben. So hielt er uns bei der Stange.
Und es kam, wie es kommen mußte:
Es wurde die Dr. Schärtz‘sche Kollektivstrafe erteilt.
Thema: John Locke und die Englische Aufklärung.
Ich hatte doch tatsächlich irgendwo in meiner Mappe solch
ein Konzept gefunden, man durfte es gnädigerweise benützen,
und so konnte auch meine Nebensitzerin partizipieren.
Endlich war es denn dreizehnuhrfünfzehn und wir konnten
wieder einen Tag Schule streichen. In circa sechs Wochen hat-
ten wir unsere heiß ersehnten Sommerferien, aber bis dahin
wurden wir noch mit vielen Klassenarbeiten belästigt, die na-
türlich für die Versetzung in die Oberstufe sehr ausschlagge-
bend waren. Da meine Leistungen sehr zu wünschen übrig
ließen, musste ich um jedes Zehntel der Benotung kämpfen.
Da wird der Lehrer mit schönen Augen bestochen, gefeilscht,
gerechnet, berechnet, mit angenommenen Zahlen experimen-
tiert, jongliert und kalkuliert. Und das war immer sehr ner-
venaufreibend. Aber da knapp die Hälfte der Klasse gefährdet
war, so war geteiltes Leid ein halbes Leid. Beatrice gehörte auch
zur Sparte der Leidenden und das war für mich natürlich sehr
tröstlich.
Lesen sie jetzt wie es weiter geht

Monika Marx
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