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Rebekka Weber
Curries, Kokospalmen und
Orchideen
1. KAPITEL

KARIBIK ODER INDISCHER OZEAN?

Ich sitze am Fenster und blicke hinunter auf das Meer. Tief-
blaues Wasser bis zum Horizont! Hoffentlich sind wir bald da!
denke ich. Nun werde ich doch ungeduldig. Ich gähne, recke
und strecke mich. Die ganze Nacht über bin ich wach geblie-
ben. Zwar sind mir ab und zu die Augen zugefallen, ich habe
auch ein wenig gedöst, aber ich kann einfach nicht im Flug-
zeug schlafen. Neben mir auf dem Platz am Gang sitzt mein
Mann und schläft, tief und fest. Er hat den linken Ellbogen auf-
gestützt und sein Gesicht ruht ganz gelöst in der geöffneten
Hand. Leise Schnarchtöne wehen zu mir hinüber.
Gespannt schaue ich nun weiter nach draußen. Ah, da sind die
ersten Palmwipfel! Sie bewegen sich sachte im Wind. Es sieht
aus, als winkten sie mir zu. Ich freue mich. Der Flieger verrin-
gert immer mehr seine Flughöhe und nähert sich gemächlich
der Landebahn. Die Kokospalmen nicken freundlich. Ja, ge-
nauso sollte doch ein Urlaub in den Tropen beginnen! den-
ke ich und lehne mich, jetzt ganz entspannt, zurück. Ich bin
glücklich.
Meine Gedanken schweifen zurück zu der Zeit vor fünfzehn,
sechzehn Jahren, als mein Leben noch in ganz anderen Bahnen
verlief. Mit meinem Besuch im „strahlend schönen Land“ hatte
sich alles geändert. Hätte mir das damals jemand prophezeit,
hätte ich es nicht geglaubt. Aber nun war es so gekommen und
es sollte so sein. Genau so und nicht anders!
„Sri Lanka? Was soll’ ich denn in Sri Lanka?“ Mit diesem Na-
men konnte ich nur wenig anfangen. Hieß dieses Land früher
nicht einmal „Ceylon“? Und gab es nicht eine Teesorte mit die-
sem Namen? Dieses „ehemalige Ceylon“ lag doch irgendwo in
der Nähe von Indien im Meer? Ich kramte im Gedächtnis nach
meinen Geographiekenntnissen. Und auf dieser mir relativ un-
bekannten Insel sollte ich meinen Urlaub verbringen? Nun ...
zunächst reagierte ich nicht ganz so euphorisch, wie Jörg das
vielleicht erwartet hatte.
Es war Samstagabend und ich telefonierte mit meinem Bruder,
der damals in Frankfurt wohnte. Jörg, weit gereist und Süd-
Ost-Asien-Fan, versuchte gerade mit blumigen Worten mir
ein potentielles Reiseziel schmackhaft zu machen. Während
unseres Gespräches schaute ich immer wieder ungeduldig auf
die Uhr. In einer Stunde wollte ich meine Verabredung treffen.
Vorher musste ich aber noch unter die Dusche springen und
mich dann noch stylen. Aber wenn Jörg einmal in seinem Ele-
ment war, war er nur schwer zu stoppen.
„Doch Schwesterlein, glaube mir, die Insel ist wirklich wunder-
schön! Es wird dir dort bestimmt gefallen!“ Jörg suchte nach
schlagkräftigen Argumenten. „Die Sandstrände und Buchten
sind einfach traumhaft! Und, kannst du dir das vorstellen, das
Wasser ist türkisblau und herrlich warm! Das ist was ganz an-
ders als unsere graue Nordsee. Du wirst von Sri Lanka begeis-
tert sein. Davon bin ich hundertprozentig überzeugt!“
Aber der von Jörg gezündete Funke wollte noch nicht über-
springen. „Och“, meinte ich trocken, „zum Baden kann ich
auch nach Jamaika fliegen.“ Diese Karibik-Insel stand nämlich
schon seit Jahren ganz oben auf der Wunschliste meiner poten-
tiellen Reiseziele, denn einen Urlaub unter tropischer Sonne
und Palmen stellte ich mir einfach traumhaft vor. Außerdem
war ich ein eingefleischter Reggae-Fan und aus diesem Grund
musste ich ja unbedingt irgendwann einmal Bob Marleys Hei-
mat kennen lernen. Aber Jörg ließ sich nicht beirren und fuhr
fort: „Wenn du von Wasser und Strand genug hast, kannst du
auf Sri Lanka auch etwas für deine kulturelle Bildung tun. Du
solltest unbedingt Ausflüge zu den alten Hauptstädten mit den
Tempelanlagen machen. Und das Hinterland mit seinen
hohen Bergen ist wirklich atemberaubend! Wie du weißt,
war ich letztes Jahr auf der Insel und habe dort einen Super-
urlaub verbracht. Und ich fliege ganz bestimmt noch einmal
hin.“
“Na, ja, klingt ganz gut!“ Ich war immer noch nicht überzeugt.
„Mal seh’n! Ich werde nächste Woche erst mal ins Reisebüro
gehen und fragen, was über Weihnachten und Neujahr noch
frei ist. Vielleicht ist ja schon alles ausgebucht. Hör’ mal, Bru-
derherz, es tut mir ja leid, aber ich muss jetzt wirklich Schluss
machen. Tschüss, bis demnächst mal!“
Ich legte den Hörer auf.
Dieses Jahr wollte ich Weihnachten und Silvester – und das
hatte seine Gründe – unbedingt einmal ganz anders als bis-
her verbringen. Dazu hatte ich mich ganz plötzlich und viel-
leicht schon ein bisschen zu spät entschieden. Gegen Ende des
Jahres – wir hatten immerhin schon Mitte Oktober – waren
ja bekanntlich viele Ferienziele über den Jahreswechsel schon
ausgebucht. In den vergangenen Jahren hatte ich Heiligabend
meistens mit meiner Mutter verbracht. Es war zwar immer sehr
nett und harmonisch gewesen, aber diesmal hatte ich andere
Pläne. Ein Grund dafür war sicherlich der Bruch mit Achim,
meinem Ex-Freund, mit dem ich fast ein Jahr zusammen ge-
wesen war.
„Weihnachten unter Palmen und tropischer Sonne! Das wäre
doch mal eine Alternative zum konventionellen deutschen
Weihnachtsfest!“
Ich seufzte. „Ach, Jamaika wäre einfach himmlisch!“ Nun fing
ich an zu träumen und sah mich in Gedanken an einem exo-
tischen Strand wandelnd und genüsslich einen Fruchtcocktail
mit Rum schlürfend. Im Strand-Café spielte eine Steelband, ich
bewegte die Hüften im Takte der Musik ... und ... und ... Fast
hätte ich meine Verabredung vergessen! Ich riss mich von mei-
nen Träumen los und begab mich schnellstens ins Bad.
Am folgenden Montag, nach einem von Höhen und Tiefen ge-
prägten Wochenende, wollte ich frischen Mutes meine Pläne
in die Tat umsetzen und ein Reisebüro aufsuchen. Da PC und
private Internet-Nutzung damals noch nicht so verbreitet wa-
ren, buchte man nämlich eine Reise, noch ganz konventionell,
in einem Reisebüro. Zu jener Zeit arbeitete ich als Sekretärin
in einem kleinen Ingenieurbüro in der Innenstadt. Außer mei-
nem Chef und mir gab es keine Angestellten. Da mein Chef,
Herr Schwarzhaupt, ein distinguierter und etwas versnobter
älterer Herr, der schon stark auf die Siebzig zuging, oft verreist
war und ich dann alleine das Büro managen musste, genoss
ich alle Annehmlichkeiten, die dieses Arbeitsverhältnis mit
sich brachte. Dazu gehörte auch, dass ich meine Mittagspause
nach Belieben nehmen und bei Bedarf auch ausdehnen konn-
te. Nun, davon wollte ich an diesem Tage Gebrauch machen.
Es war Herbst und wie es sich für eine rheinische Großstadt
gehörte, hatte es schon den ganzen Vormittag über genieselt.
Mich fröstelte, als ich auf die Straße trat. Iih, so ein richtig
useliges Wetter! dachte ich. Angelika, du brauchst unbedingt
dieses Jahr noch Sonne und Meer! Entschlossen strebte ich
meinem Ziel zu, das sich am Ende der Königsallee befand. Die
Blätter der Kastanien und Platanen, die die ehemalige königli-
che Prachtstraße säumten, waren herbstlich gefärbt oder sogar
schon abgefallen. Mein Blick fiel auf das Wasser im Kö-
Graben. Es dümpelte dunkel und traurig vor sich hin. Dieser
Anblick bestärkte mich nur noch mehr darin, meine Reiseplä-
ne für den Jahreswechsel schnellstmöglich umzusetzen. In den
Tropen war schließlich immer Sommer!

Das nasskalte Wetter schien die meisten Düsseldorfer davon


abgehalten zu haben, außer Haus zu gehen, denn im Reisebüro
war es überraschend leer. Ich nahm vor einem freien Schreib-
tisch Platz und der Sachbearbeiter fragte freundlich nach mei-
nen Wünschen. Sogleich betätigte er seinen Computer. „Tja,
Frau Abels, es tut mir leid!“ er schüttelte den Kopf, „aber Ja-
maika ist über Weihnachten und Silvester schon ausgebucht.
Darf es vielleicht ein anderes Reiseziel sein?“

*(Uselig sagen wir im Rheinland zu nasskaltem Wetter)


„Nun ja“, ich zögerte und versuchte mir Jörgs Reiseempfehlun-
gen ins Gedächtnis zu rufen. „Könnten Sie mal nachsehen, ob
auf Sri Lanka noch etwas frei ist?“
Das Gesicht des Sachbearbeiters hellte sich auf: „Ja, wunderbar,
auf Sri Lanka ist tatsächlich noch etwas frei. Ich kann Ihnen
noch ein paar wirklich schöne Pauschalreisen anbieten. Soll
ich Ihnen einmal die Angebote ausdrucken?“
„Ja, gerne“. Ich bedankte mich, steckte die Unterlagen ein und
versprach, in den nächsten Tagen wiederzukommen. Um fest
buchen zu können, müsste ich noch einiges abklären,

Am Abend rief ich meine Freundin Carmen an und fragte sie,


ob sie Zeit und Lust hätte, mich nach Sri Lanka zu begleiten.
„Ach, das tut mir wirklich leid“, sagte Carmen, „ich würde ja
gerne mit dir fahren, aber über Weihnachten und Neujahr be-
komme ich leider keinen Urlaub. Da gehen erst mal die Kolle-
gen mit Kindern vor. Es sind ja Schulferien. Was ist denn mit
dir und Achim? Wolltet ihr nicht gemeinsam wegfahren?“
Ich berichtete ihr von der traurigen Entwicklung meiner letz-
ten Liebesbeziehung und Carmen drückte mir ihr Mitgefühl
aus. Meine Freundin war damals genau wie ich Mitte dreißig,
Single und kinderlos. Allerdings hatte sie, im Gegensatz zu mir,
noch keine gescheiterte Ehe hinter sich und ihre letzte feste Be-
ziehung mit einem Mann lag schon Jahre zurück. Ich dagegen
hatte ständig „etwas am Laufen“ und noch vor kurzem eine
heiße Affäre mit einem jungen Mann, jenem Achim, gehabt,
der sich jedoch schließlich dazu entschieden hatte, zu seiner
Exfreundin zurückzukehren. Der endgültige Bruch mit ihm
hatte mir sehr wehgetan, denn ich hatte ihn sehr gern gehabt.

Um meinen Liebeskummer zu vergessen, hatte ich mich in Ak-


tivitäten gestürzt. Ich traf mich mit Freuden zum Reden und
Kartenspielen und ging öfters ins Kino. Ich besuchte einen
Bauchtanzkursus und meldete mich in einer Selbstfindungs-
gruppe an. Obwohl ich dort nette Leute kennen lernte und fast
jeden Abend etwas vorhatte, fühlte ich mich irgendwie unaus-
gefüllt. Etwas schien in meinem Leben zu fehlen, etwas, das
mir Zufriedenheit und Halt gab. Ich wusste aber zu jenem Zeit-
punkt noch nicht, was mir eigentlich fehlte und wonach ich
unbewusst suchte. Wollte ich mich vielleicht beruflich weiter
verwirklichen? Oder fehlte mir ein fester Partner? Oder viel-
leicht doch ein Kind? Ich wusste es zu diesem Zeitpunkt ein-
fach noch nicht genau. Aber da ich langsam aber sicher auf
die Vierzig zusteuerte, hörte ich meine biologische Uhr im
Hintergrund schon leise ticken. Wenn du, Angelika, vielleicht
doch noch ein Kind oder mehrere Kinder haben möchtest,
dann solltest du wirklich bald einmal nach einem festen Part-
ner Ausschau halten, sagte ich zu mir. Meine diesbezüglichen
Bemühungen waren jedoch bisher immer kläglich gescheitert.
Es war aber auch zum Verzweifeln! Von meinem Ehemann
war ich noch nicht geschieden – wir lebten aber schon seit drei
Jahren getrennt – und dann lernte ich immer wieder Männer
kennen, die von einer festen Beziehung mit mir nichts wissen
wollten. Aber vielleicht würde ja der Urlaub, falls ich ihn rea-
lisieren konnte, meine trüben Gedanken verscheuchen... Und
vielleicht würde ich auch nette Leute kennen lernen... Und ein
kleiner Urlaubsflirt würde mir sicherlich auch gut tun...

Nach dem Telefonat mit Carmen rief ich meinen Bruder Jörg
an und berichtete ihm von meinem Besuch im Reisebüro.
„Das ist ja prima“, kommentierte er, „dass du dich jetzt doch
entschlossen hast, nach Sri Lanka zu fliegen. Ich hatte ja nur
den Flug gebucht und mir dann selbst eine preiswerte Pension
gesucht. Das hat ganz gut geklappt.“
„Nee, also, falls ich doch alleine fliegen muss, eine Begleitung
habe ich ja bis jetzt nicht gefunden, dann möchte ich doch ein
Pauschalangebot mit Flug und Hotel buchen. So ganz alleine so
weit reisen und alles alleine organisieren... das traue ich mich
nicht.“
„Dann lass dir bloß nicht Negombo oder Mount Lavinia an-
drehen. Da ist viel zuviel Rummel. Fahr lieber an die Südküste,
da ist es ruhiger und landschaftlich am schönsten.“
„Na ja“, meinte ich skeptisch, „hoffentlich ist da überhaupt was
los! Ich möchte ja auch etwas erleben und nicht nur ruhig am
Strand liegen.“
„Ach, du findest bestimmt schnell Anschluss. Du bist ja nicht
gerade schüchtern.“
Mit diesen zuversichtlichen Worten beendeten wir unser Ge-
spräch.
Und wie Jörg mir empfohlen hatte, buchte ich am nächsten Tag
im Reisebüro drei Wochen in einem Hotel an der Südküste, in
einem kleinen Ort namens Koggala. Das Hotel hieß Horizon
und lag direkt am Strand. Abflug war ein Tag vor Heiligabend.
Ein Zwischenstopp in München, Bustransfer zum Hotel, und
als Clou Rücktransfer zum Flughafen in Colombo mit dem
Hubschrauber waren ebenfalls inbegriffen. Leider war kein
Einzelzimmer mehr frei und so musste ich ein Doppelzimmer
mit Einzelzimmerzuschlag nehmen.
Es werde allerdings kein Problem sein, noch eine zweite Person
hinzuzubuchen, es könnte dann aber mit einem freien Sitzplatz
im Flieger eng werden, erläuterte mir der nette Herr vom Rei-
sebüro.

Was sollte ich nun machen? Meine Urlaube hatte ich bis jetzt
entweder mit Mutter, Ehemann oder Freundin in Europa oder
am Mittelmeer verbracht. Marokko war bis jetzt mein exo-
tischstes Reiseziel gewesen. Sri Lanka war dagegen dreimal so
weit weg! Meine Emanzipation hielt sich, speziell was Urlaube
im Alleingang betraf, doch sehr in Grenzen. Ich brauchte drin-
gend eine nette Mitreisende! Carmen hatte schon abgesagt,
meine Mutter konnte sich so schnell nicht für eine Fernreise
erwärmen, und zwei andere Freundinnen hatten auch schon
andere Pläne für die Feiertage. So beschloss ich eine Zeitungs-
annonce aufzugeben. Diese sollte dann am kommenden Mitt-
woch im Stadtanzeiger als Kleinanzeige in der Rubrik „Ver-
schiedenes“ erscheinen. Ich war mir sicher, dass sich jemand
melden würde, da der Stadtanzeiger nicht nur in Düsseldorf,
sondern auch in den Nachbarstädten gelesen wurde.
Der Text, den ich aufgab, lautete: „Wer fliegt mit ihr, 36 Jah-
re, NR, vom 23.12 bis 14.1. nach Sri Lanka? Zuschriften bitte
unter Chiffre Nr. sowieso“. Am nächsten Tag rief mich jedoch
der Sachbearbeiter vom Reisebüro an und teilte mir mit, dass
er den Flug für einen Mitreisenden nur noch bis kommenden
Freitag freihalten könnte und ob ich schon jemanden gefunden
hätte.
Ich erschrak, nun wurde die Zeit tatsächlich knapp! Ich bat das
Reisebüro, den Flug so lange wie möglich freizuhalten, und
versprach, mich baldmöglichst wieder zu melden. Umgehend
rief ich die Zeitung an und bat sie, statt der Chiffre Nr. meine
Telefonnummer in die Anzeige zu setzen. Am Mittwochnach-
mittag – der Anzeiger war bereits erschienen und im Einzugs-
gebiet verteilt worden – kam ich um fünf Uhr nachmittags von
der Arbeit nach Hause. Ich hatte den Mantel noch nicht ausge-
zogen, da klingelte schon das Telefon. Gespannt nahm ich den
Hörer ab.
Lesen sie jetzt wie es weiter geht

Rebekka Weber
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