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UNSTERBLICH

Veronika Mauel

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Taandel erhältlich
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Veronika Mauel
Unsterblich
Kapitel 1
Langeweile- nichts als Langeweile. Lara saß im Wohnzimmer
auf der Couch und blickte durch die frisch geputzten Fenster-
scheiben.

Es war Ende August und die Sonne schien heiß und unbarm-
herzig auf die schon ausgetrocknete Erde.
Noch vor ein paar Wochen war alles anders gewesen. Der Re-
gen hatte wochenlang ein Meer von Schlamm und Matsch um
die Häuser herum verteilt. Doch auch in dieser Zeit hatte Lara
nichts anderes getan als sich gelangweilt.

Da freute man sich das ganze Jahr auf die Sommerferien –


und dann, passierte doch nichts. Gedankenverloren strich sie
sich eine Strähne ihrer hellblonden Haare aus der Stirn und
kniff die veilchenblauen Augen zusammen.
„Weißt du was“, sagte sie zu ihrer Katze, „du hast es gut. Du
kannst den ganzen Tag nur fressen und schlafen, und vermisst
mit Sicherheit auch kein bisschen die Abwechslung. Wuschel,
der dicke Kater, lag ausgestreckt neben ihr auf einer grün-
weiß karierten, ausgefransten Decke. Er war ein gemächliches
Tier und hatte seine besten Jahre wohl schon hinter sich. Das
braun-grau-weiß getigerte Fell war stumpf geworden, es hatte
seinen früheren Glanz im Laufe der letzten Monate verloren.
Eine sogenannte Glückskatze sei er. Das waren die Worte der
Bäuerin gewesen, als sie Wuschel vor zwölf Jahren von einem
alten Einsiedlerhof Nähe Trestach abgeholt hatten. „Wieso
Glückskatze?“, fragte die damals fünfjährige Lara. „Ganz ein-
fach“, erklärte die alte Bäuerin damals, “Glückskatzen werden
alle Katzen genannt, die ein dreifarbiges Fell haben.“ Lara war
sehr verblüfft, aber wahnsinnig stolz auf den kleinen Wuschel.
Alle Kinder in ihrer Kindergartengruppe wurden sofort am
nächsten Tag darüber informiert, dass bei Lara zuhause eine
Glückskatze Einzug gehalten hatte. Und nun? Nun war er ein
alter, fetter Kater, der den lieben langen Tag nichts anderes tat
als zu schlafen. Nicht einmal die appetitlichste Maus konnte
ihn aus seiner Sofaecke locken. Trotzdem war er immer noch
Laras ganzer Stolz.

Nach einem weiteren Blick auf das herrliche Sommerwet-


ter, schnappte sich Lara ihre Hausschlüssel und das Handy,
steckte es in ihren kleinen grauen Rucksack und verließ die
Wohnung. Sie lief den steinigen Weg um das Haus herum und
öffnete das blaue Garagentor, welches dringend einen neuen
Anstrich gebrauchen könnte. Doch Lara kannte ihren Vater.
Er war ständig in der Firma, in der er Leiter der Informatik-
abteilung war. Und was sein handwerkliches Geschick anging
… Lara musste grinsen. Also ließ ihr Dad alles, wie es war,
und holte nur im äußersten Notfall bezahlbare Handwerker
ins Haus. Ihr Mountainbike lehnte an der staubigen Mauer.
Sie hatte es heuer zu Ostern bekommen und in diesen Ferien
noch kein einziges Mal benutzt. Der silberne Rahmen fun-
kelte und bildete einen krassen Kontrast zu dem schwarzen
Lenker und den Felgen.
„Naja, besser als zuhause Trübsal zu blasen und für meine
Figur tue ich auch gleich, noch was!“, meinte, Lara zu sich
selbst und bestieg ihren Drahtesel. Ohne ein bestimmtes Ziel
zu verfolgen, fuhr sie drauflos.

Das Gesicht in den Himmel haltend trat sie kräftig in die Pe-
dale und schlug wie von selbst den Weg zu einem nahe gele-
genen Badeweiher ein. Die ersten Kilometer fuhr sie entlang
der Hauptstraße auf einem Radweg, welcher links und rechts
von einem schmalen Rasenstreifen gesäumt war, auf dem
dicke, saftige Butterblumen in sattem sonnengelb blühten. Ein
betörender süßlicher Duft lag in der Luft. Bienen schwirrten
von Blüte zu Blüte, um sich an dem Sirup artigen Nektar zu
laben. Die Autos dröhnten vorbei und das glänzende Chrom
der Fahrzeuge blendete Laras Augen. Endlich endete der
Fahrradweg und mündete in einen kleinen Schotterweg, der
direkt in den Wald hinein führte. Die Steine knirschten unter
den harten Gummireifen des Bikes. Hier im Wald war es an-
genehm schattig und kühl. Ein leichter Wind wehte durch die
Äste der Bäume und ließ, die sich langsam färbenden, Blätter
rascheln.

Lara bremste, stieg von ihrem Gefährt ab und hielt die Nase
in die Luft. Sie schloss die Augen, die langen Wimpern lagen
auf ihren hohen Wangenknochen auf.
Genüsslich sog sie die spätsommerliche Waldluft in ihre
Lungen. Die letzten Meter zum Badesee wollte Lara schieben.
Mit all ihren Sinnen nahm sie den Wald und seine Gerüche
in sich auf. Sie roch das Harz der alten Fichten, die Tannen-
nadeln, welche überall auf dem Boden verstreut waren und
dafür sorgten, dass ihr Gang leicht und federnd war. Die dicke
Baumrinde fühlte sich unter Laras Fingern schrumpelig, hart
aber doch vertraut und irgendwie freundlich an. Am Badesee
angekommen, versteckt sie ihr Fahrrad in den Büschen und
verhängte es mit einem großen, roten Schloss. Es war blei-
schwer, aber ihre Eltern hatten es Lara aufgedrängt. „Wenn
du schon so ein teures Fahrrad bekommst, muss auch dafür
gesorgt sein, dass es dir nicht an der nächsten Ecke geklaut
wird.“ So waren die Worte ihres Dads gewesen. Seufzend
hatte sich Lara in ihr Schicksal gefügt. Es war zwar lästig, das
riesige Schloss ständig am Fahrrad zu haben, vor allem da es
beim Treten oftmals an ihre Oberschenkel schlug, aber es bot
eine gewisse Sicherheit. Das musste Lara zugeben.

„Verflixt noch mal!“, fluchte sie als eine dicke haarige Brenn-
nessel ihre nackten, braun gebrannten Beine streifte. „Das
musst du kühlen! Am besten du lässt das Bein ein bisschen ins
Wasser hängen.“, sagte plötzlich eine Stimme hinter ihr.
Lara fuhr herum und blickte in zwei grüne Augen, die von
einem ebenmäßigen Gesicht umrandet waren. Der scheinbar
perfekt gebaute Körper steckte in dunkelblauen Badeshorts.
Das Licht der Sonne ließ die goldenen Härchen auf der Brust
des Jungen flimmern. „Kümmere dich um deinen eigenen
Mist!“, herrschte sie den Schönling an, drehte um und bahnte
sich ihren Weg durch das hohe Gras hinunter zum See. Un-
willkürlich spürte sie an dem sichelförmigen Mal auf ihrer
Brust ein leichtes Kitzeln. Verblüfft schaute ihr der Junge hin-
terher, drehte sich um und ging zu seinem Badeplatz zurück.

Unten am See setzte sich Lara auf einen kleinen braunen


Holzsteg, der ein paar Meter ins Wasser hinein führte. Das
morsche, von der Sonne ausgebleichte Holz, fühlte sich ange-
nehm warm auf ihrer Haut an. Nachdem sie ihre Turnschu-
he abgestreift hatte, ließ sie langsam die Beine ins Wasser
baumeln. Es war herrlich erfrischend und die Stelle, die die
Brennnessel erwischt hatte, hörte langsam auf wehzutun.
Aufseufzend plumpste sie auf den Rücken, um sich wohlig
auf dem Steg aus zu strecken. Azurblauer Himmel über ihr,
und blaugrünes Wasser unter ihr, verbreiteten eine entspan-
nende Atmosphäre. Die Sonne brannte Lara mit aller Macht
ins Gesicht. Es dauerte nicht lange, bis sie fühlen konnte, wie
ihre Wangen rot wurden. Ruckartig setzte sie sich auf. Ein
Sonnenbrand war das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konn-
te. Mit einem Mal fiel ihr der Junge von vorhin ein. „Warum
war ich nur so gemein zu ihm“, dachte sie, „er wollte mir doch
nur helfen. Kein Wunder, dass ich oft für eine Zicke gehalten
werde.“ Lara überlegte: „Ein richtiger Traumprinz, dieser Typ.
Als hätte Zeus ihn selbst erschaffen.“ Lara tippte sich an die
Stirn. „Zeus? So ein Quatsch kann auch nur mir in den Sinn
kommen!“

Sie setzte sich auf, stützte das Kinn auf die Knie und beschloss
ihren „Helfer“ zu suchen, um sich bei ihm zu entschuldigen.
Die Entschuldigung war unter anderem ein guter Vorwand
um ihn wieder zu sehen. Sie nahm ihre dunkelgrünen Turn-
schuhe in die Hand und stieg die Böschung wieder nach
oben. „Hm, wo soll ich nur suchen, der See ist groß und ich
habe keine Ahnung, wo der Typ liegen könnte, vielleicht war
er auch gerade auf dem Heimweg!“, meinte sie. Aber dann
fiel ihr ein, dass der Junge ja nur eine Badehose anhatte und
so konnte er sich schlecht auf den Weg nach Hause gemacht
haben.
Lara schritt, fest entschlossen ihn zu finden, los. Zuerst kam
sie an der kleinen versteckten Bucht vorbei, in der im Som-
mer meist die jungen Liebespaare zu finden waren. Die Bucht
lag wunderschön inmitten einer bunten Blumenwiese. Junge
Birken schirmten sie nach außen hin ab. Lara linste durch die
Bäume, konnte aber nirgends einen Jungen mit blondem Haar
und blauer Badehose ausfindig machen. Also setzte sie ihren
Weg auf dem ausgetretenen Trampelpfad fort. Die nächste
Station war der künstlich aufgeschüttete Sandstrand, an dem
die jungen Mütter mit ihren Kindern anzutreffen waren.
„Hier ist er bestimmt nicht.“ dachte Lara und schlurfte weiter.
Am nördlichen Seeufer, an dem die Senioren einen auf FKK
machten, schlich sie sich schnell vorbei. Auf Peinlichkeiten
und Exhibitionisten hatte sie heute echt null Bock.

Als sie bereits schon fast den halben See umrundet hatte, hör-
te sie auf einmal in der Nähe ein Radio dudeln. „Wo kommt
nur die Musik her? Lara blickte sich suchend nach allen Rich-
tungen um. Plötzlich fiel ihr Blick auf eine hohe Felsenwand.
Sie wusste, von früheren Ausflügen her, dass diese Wand ein
kleines Stück des großen Badesees einschloss und dahinter
einen kleinen Minisee bildete.

Um dorthin zu gelangen, gab es nur einen einzigen ausgetre-


tenen kleinen Schleichweg, und der lag so offen, dass die Leu-
te die am Rand des Minisees in der Sonne lagen einen schon
von Weitem kommen sahen.
Lara hatte keine Lust sich wie auf dem Präsentierteller zu
fühlen, außerdem wäre es ihr peinlich gewesen dorthin zu
gehen, nur um zu sehen wer dort lag und dann wieder, um zu
drehen.

Sie kam auf die Idee, an einer relativ ungefährlichen Stelle die
Felsmauer hoch zu klettern. Nach einem vergewissernden
Blick, dass sich auch niemand in der Nähe befand, zog sie sich
den ersten Felsen hinauf. Das war vielleicht anstrengend, ihre
Oberarme spannten und die glühende Sonne gab den Rest
dazu. Schweiß perlte von Laras Stirn. Die spitzen Felsen ritz-
ten in die Haut und hinterließen feine blutige Kratzer. Stück
für Stück, zog sie sich vorsichtig nach oben, immer in der Ge-
wissheit, dass sie jeden Moment fallen und sich aufs Schwers-
te verletzten könnte.

Endlich oben angekommen streckte sie langsam ihren Kopf


über den Felsenrand und blickte gespannt nach unten.
Eine Gruppe Jugendlicher lag dort am Badestrand. Überall
hatten sie bunte Handtücher verteilt, das Radio, das sie ge-
hört hatte, spielte lustige Sommerlieder und es herrschte eine
Bombenstimmung in der Clique.

Plötzlich entdeckte Lara hinter zusammengezwickten Augen


am Rande des Badestrandes den Jungen, der ihr vorhin helfen
wollte und für den sie nur eine abfällige Antwort übrig gehabt
hatte.
„Er ist wirklich super süß!“, dachte Lara. Das von der Sonne
ausgebleichte Haar fiel im wild in die Stirn und von seiner
feinen Haut perlten Wassertropfen. „Geh ich zu ihm, oder
geh ich nicht?“, überlegte Lara noch, als plötzlich ein Mäd-
chen mit langen, glatten, kastanienbraunen Haaren auf den
Jungen zulief und ihm um den Hals fiel. Lara schaute genauer
hin und konnte erkennen, dass das Mädchen niemand ande-
res war, als ihre Klassenkameradin Isabella. „Ausgerechnet
diese Zicke musste sich den schnuckeligsten Typen am See
schnappen.“ Wütend warf Lara den Kopf in den Nacken und
begann den Abstieg. Vor lauter Wut unvorsichtig geworden
rutschte sie an einem der letzten Felsen ab, schrammte sich
das Knie auf und landete unsanft auf dem Po. Jetzt war Lara
richtig sauer. Sie klopfte sich energisch den Staub vom Hosen-
boden und humpelte schimpfend in Richtung Fahrrad.
“Diese eingebildete Kuh! Es ist wirklich nicht zum Aushalten,
sogar in den Ferien bleibt man nicht von ihr verschont.“
Laras Augen blitzten zornig, sie konnte Isabella nicht ausste-
hen. Früher, ja früher da waren sie einmal gute Freundinnen
gewesen, aber das war immerhin schon zwei Jahre her. Alle
Geheimnisse und Ängste hatten sie miteinander geteilt. Aber
irgendwann hatte Lara gemerkt, dass Isabella sie immer öfter
vertröstete und als Ausrede benutzte. Kaum hatte Isabella die
Chance auf ein Date oder sogar einen Freund, war Lara abge-
meldet. Wochenlang meldete sie sich nicht bei ihr, doch kaum
war sie wieder solo, rief sie Lara an um sich bei ihr auszuwei-
nen. Doch ein Ereignis brachte das Fass zum Überlaufen: Lara
hatte sich damals unsterblich im Tim verliebt und sie waren
auch ein Paar, aber Isabella spann üble Lügen und Intrigen,
solange bis Tim sich von ihr trennte.

Und seit diesem Zeitpunkt waren sie zu Feindinnen gewor-


den. Wo immer es ging, stellte Isabella Lara vor anderen bloß.

Während Lara also wieder auf ihrem Fahrrad saß und Rich-
tung nach Hause radelte, rannen ihr kleine, trotzige Tränen
aus den Augenwinkeln, die sie ungeduldig mit dem Hand-
rücken wegwischte. Das verletzte Knie brannte. Zuhause
musste es dringend desinfiziert werden. Lara dachte daran,
wie es früher mit Isa war. Ihr wurde nicht zum ersten Mal
bewusst, wie alle immer nur Isabella vorzogen, egal ob es die
anderen Klassenkameradinnen oder die Jungs waren. Isabel-
la, mit ihrer perfekten Figur und dem exotischen Aussehen,
war einfach immer und überall der Star. Und sie selbst? Was
hatte sie schon vorzuweisen? Störrische blonde Locken, die
nie so lagen, wie sie es wollte. Zu kurze Beine, zu lange Arme
ein Minipopo und der Bauch …Naja perfekt konnte der wohl
auch nicht genannt werden.

Als Lara zuhause ankam, öffnete sie mit einem wütenden Tritt
das quietschende Hoftor. Sie stellte unsanft ihr Fahrrad in die
Garage und stieg missmutig die weiß gefliesten Treppen zum
Haus hinauf. Lara wollte gerade die Tür aufsperren, als ihre
Eltern von der Terrasse aus ihren Namen riefen: „Lara, komm
hierher! Es gibt Abendessen. Na komm schon!“ „Ja, ich kom-
me ja schon!“, gab Lara entnervt zurück. Das nicht auch noch,
auf ein gemütliches Abendessen mit Eltern und Bruder hatte
sie jetzt gerade überhaupt keine Lust. Es würde sowieso nur
wieder im Streit enden. Lara wusste genau, dass sie die nervi-
gen „Wo bist, du gewesen? Was hast du heute gemacht?“ Fra-
gen zur Weißglut treiben würden. Aber um einem richtigen
Streit aus dem Wege zu gehen, gab Lara ihren inneren Wider-
stand auf. Sie atmete einmal tief durch, setzte ein ironisches
Lächeln auf und ging durch den schattigen Garten Richtung
Terrasse.

Als sie so durch den Garten lief, gingen ihr viele Kindheitser-
innerungen durch den Kopf. Der Garten war immer ihr Lieb-
lingsplatz gewesen, schon als sie ganz klein war. Sie liebte die
alten, knorrigen Obstbäume, die Trauerweide, unter der ihr
kleiner weißer, mit Efeu überwucherter Bungalow stand. Aber
auch der Teich, mit dem winzigen Brückchen übte eine gewis-
se Faszination auf sie aus. Es gab so viele Ecken und Stellen im
Garten und jede beinhaltete einen kleinen Zauber. Ja, als Kind
da hatte ich noch keine Probleme, überlegte Lara. Und jetzt ...,
ach verflixt war das Leben kompliziert.

Ihr Vater saß mit nacktem Oberkörper und in löchrigen


grauen Jogginghosen auf der Terrasse und schaufelte gerade
Thunfischsalat in sich hinein. Lara hasste es, ihren Vater so
zu sehen. Warum konnte er sich denn zum Essen nicht an-
ziehen. Lara fühlte schon jetzt eine unerklärliche Wut in sich
aufsteigen. Mit einem Blick erfasste sie die bis jetzt an halten-
de Familienidylle. Der antike, massive Eisentisch stand in der
Mitte der hölzernen Terrasse, darauf angerichtet eine riesige,
orangefarbene Schüssel, die bis an den Rand mit Tomaten-
Thunfischsalat gefüllt war. Ihre Mutter hatte ihn hübsch mit
Petersilie und Schnittlauchspitzen dekoriert. Daneben dra-
piert, der kleine, geflochtene Korb, in dem runde, frische,
knusprige Brötchen lagen. Welche nur darauf zu warten schie-
nen endlich verspeist zu werden. In einem großen durchsich-
tigen Krug schäumte selbst gemachte Zitronenlimonade vor
sich hin. Ihre Eltern saßen mit einem zufriedenen Gesicht auf
ihren Stühlen und Kai bohrte sich mit der Gabel in der Nase.
„Hallo Schätzchen!“ rief ihre Mutter. „Na was hast du heute
gemacht?“ Und da war sie schon, eine der nervigsten Fragen
der Welt. „Warum versteht sie nur nicht, dass ich so was nicht
hören will.“ dachte Lara. „Ich war am See!“, brummte sie zu-
rück. „Ah, die Madam hat heute nicht nur wieder passiv he-
rumgesessen!“, meinte ihr Vater. Lara hätte schreien können,
was bildete der sich eigentlich ein. Sie mischte sich schließlich
auch nicht in sein Leben ein, was ging es ihn an, was sie tat
oder ließ. Lustlos kaut sie auf ihrem Salat herum, während ihr
Bruder Comics las. „Wenigstens der lässt mich heute in Ruhe
und nervt nicht rum!“, dachte sie mürrisch.
„Ich bin fertig mit Essen.“, meinte Lara. „Ich gehe und schau
meine Vorabend Soap an.“
„Kannst du denn keine fünf Minuten sitzen bleiben, damit
man sich mit dir unterhalten kann?“, gab ihre Mutter zurück.
Lara drehte sich um und ging ins Haus. Sie kannte solche Ge-
spräche zu genüge und hatte es satt sich ständig rechtfertigen
zu müssen.

Gerade als sie sich in den Sessel kuscheln wollte, klingelte das
Telefon. „Ich geh schon!“, rief sie ihren Eltern nach draußen
zu. Als sie den Hörer abhob, meldete sich ihre Freundin Bea.
Bea und sie hatten schon seit Monaten nichts mehr zusam-
men unternommen, da Beas neuer Freund Michi sie die meis-
te Zeit für sich allein beanspruchte. Umso mehr wunderte
sich Lara, dass Bea in den Ferien bei ihr anrief.
„Sag mal, hast du heute Abend schon was vor?“, fragte Bea.
„Eigentlich nichts, und meine Eltern nerven auch schon wie-
der rum.“, antwortete Lara.
„Super“, fuhr Bea fort, „weißt du, Michis Cousin Tom ist da
und wir wollten heute Abend auf das Dorffest gehen. Hast du
nicht Lust mit zu kommen. Dann kommt sich Tom nicht so
als drittes Rad am Wagen vor.“

Eigentlich hatte Lara ja keine Lust das Unterhaltungspro-


gramm für Michis Cousin zu spielen, aber da sie heute so-
wieso nichts Besseres zu tun hatte, sagte sie zu. Sie warf den
Hörer auf die Gabel, dabei fiel ihr Blick in den Garderoben-
spiegel. Wütend schnitt sie ihrem Spiegelbild eine Fratze und
ging hinauf in ihr Zimmer.

Oben angekommen warf sie sich auf ihr Bett und schloss die
Augen. Sie stellte sich vor, Isabella zu sein. Isabella, mit ihrem
tollen Aussehen, den funkelnden Augen und den beneidens-
wert glatten Haaren. Isabella, die von allen geliebt wurde und
um die sich die Jungs nur so rissen. „Vergiss es“, dachte Lara
bei sich „und mach dir heute einen schönen Abend mit Bea.“
Sie zog ihr T-Shirt über den Kopf, warf es in eine Zimme-
recke, der BH, Socken und die kurze Hose flogen gleich hinter
her. Auf nackten Füßen trippelte sie ins Bad. Sie stellte sich
vor den riesigen Badezimmerspiegel und begutachtete ihr
Aussehen. Es blickten ihr, zwei große, blaue, fragende Augen
entgegen. Der sonst so schöne ebenmäßige Mund war heute
nur ein verkniffener Strich. Die blonden, langen Locken fielen
ihr widerspenstig in die braun gebrannte Stirn, auf der sich
Dutzende kleine Sommersprossen tummelten. „Süß siehst
du damit aus.“, meinte ihre Mum stets, wenn sich Lara darü-
ber beschwerte. „Süß?“ Lara schüttelte sich angewidert. Kein
Mensch auf der ganzen Welt fand Sommersprossen süß. Sonst
böten Hautärzte auf der ganzen Welt schließlich kein Bleich-
mittel dafür an. Die kleine Stupsnase bildete den krönenden
Abschluss. Lara sah an sich hinunter. Die Füße zu klein, der
Busen zu klein, die Nase zu klein alles falsch, dachte sie und
dann auch noch dieses hässliche Mal auf ihrer Brust, das Lara
mit penibler Sorgfalt immer zu verdecken versuchte. Schließ-
lich gab sie es auf sich über ihren Körper zu ärgern, schließ-
lich wollte sie ja pünktlich am Dorffest erscheinen. Prustend
hielt sie ihr Gesicht unter das Wasser, cremte es anschließend
ein, tupfte etwas Lipgloss auf die Lippen und tuschte ihre
Wimpern. „So, fertig!“, beschloss Lara.

Zurück in ihrem Zimmer schlüpfte sie in frische hellblaue


Söckchen. Nach einem kurzen Blick in die Kommodenschub-
lade entschied sie sich für einen einfachen gelben Slip mit
passendem Oberteil. Die Oberbekleidung beschwor dagegen
schon mehr Probleme herauf. Es sollte sportlich sein, nicht
zu aufgedonnert, jedoch auch ein bisschen sexy. Nach langem
Hin und Her zog sie ihre dunkelblauen Lieblingsjeans an und
ein gelbgrünes Top. Die langen Locken noch zum frechen
Pferdeschwanz gebunden und die blaue Jeansjacke um die
Hüften, schon konnte es losgehen.
Lesen sie jetzt wie es weiter geht

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