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Wen Chao Chen 5BHDVK 11.

November 2010

Interpretationsarbeit – Der propre Ganter

Die von James Thurber verfasste und 1940 erschienene Parabel „Der propre Ganter“ befasst sich mit
den Folgen von Missverständnissen, Gerüchten und Vorurteilen. Die Handlung des Textes dreht sich
um einen singenden Ganter, der aufgrund einer Bemerkung und den schlechten Ohren einer älteren
Henne verdächtigt wird, Propaganda zu betreiben und daraufhin aus dem Lande verjagt wird.

Die Parabel ist aus einer auktorialen Erzählperspektive geschrieben worden, wodurch der Fokus
großteils auf der Hauptfigur liegt. Dadurch, dass der Text eine Fabel mit märchenhaften Elementen
ist, spricht die Parabel mehrere Lesergruppen an und ermöglicht so auch den jüngeren LeserInnen
den zusammenhängenden Text zu verstehen.

Gleich zu Beginn stellt James Thurber den LeserInnen die Hauptfigur seiner Fabel vor, ohne weitere
Worte über die Umgebung zu verschwenden oder über die Hintergründe zu informieren. Seine
Haupfigur beschreibt er als „wunderschöner Ganter. [...] groß und stark, glatt und sauber [...] Frau
und die Kinder zu singen.“ (Z.2 f.), wobei der Autor hier Wert darauf legt, die tägliche Aktivität seines
Ganters zu erwähnen. Dass Lebenspartner sich nahezu alles anvertrauen, ist heutzutage üblich und
wird auch in dieser Fabel mit „hörte eine ältere Henne, und sie erzählte es abends auf der
Hühnerstange ihrem Gemahl“ (Z.6/7) verdeutlicht. Darauffolgend werden eine weitere Tatsache auf
den Tisch gelegt, und zwar die, dass wir Menschen es uns nicht nehmen können, Gehörtes für uns zu
behalten und die, dass unsere Neugierde durch Gerüchte geweckt wird. Darauf macht Thurber
folgendermaßen aufmerksam: „tags darauf ging er im Hof umher und sagte jedem, der es hören
wollte“ (Z.10/11). Auffällig sind auch die verschiedenen Aussagen der anderen Tiere, wobei jede
Aussage dubioser und ungläubigwürdiger ist als die vorherige (Z.14 f.).

Aufgrund der dargelegten Untersuchungsergebnisse gehe ich davon aus, dass es sich hierbei um die
Verurteilung einer Person anhand von Behauptungen und Schuldzuweisungen. Die Hauptfigur, in
diesem Fall der Ganter, spielt hier das Opfer, die unerwünschte und verachtete Person. Die Situation
zu eskalieren, als die ältere Henne die Bemerkung eines/einer anderen missversteht und ihr Gatte, in
der Annahme die männliche Gans wolle Böses, den anderen weismacht, welche Gefahr vom Ganter
ausgeht. Somit stellt das Hühnerpaar für mich die Quelle aller Gerüchte dar, während anderen mit
ihren Aussagen die Bekräftiger des Gerüchts sind. Zusammengefasst würde ich es so deuten, dass
eine Person im schlechten Licht da steht, sobald mehr als eine Person ein Gerücht über ihn
verbreitet, denn wir glauben dem Gehörten und denken uns notgedrungen etwas aus, um dem
Gehörten mehr Kraft und Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Die aus der Gesamtinterpretation folgenden Tatsachen und Aspekte bestätigen meine
Deutungshypothese, dass es um die Folgen von Gerüchten und Vorurteilen handelt. Ich bin der
Ansicht, dass diese Parabel ein gelungenes Abbild der Realität ist. Kein Wunder, ist die Parabel doch
Wen Chao Chen 5BHDVK 11. November 2010

eine Fabel, aber genau solche Situationen haben wohl auch Hitler bei der Entstehung
Nazideutschlands verholfen. Den Bürgern wurden Gerüchte und Vorurteile auf ihr Gesicht geklatscht
und anstatt eigene Meinungen zu bilden, weigerten sie sich die Wahrheit zu erkennen und wurden
letztlich Nationalsozialisten. James Thurber hat mit seinem Werk meinen Respekt verdient, denn mit
einem solch simplen Text den komplizierten Vorgang des Gerüchteverbreitens und dessen Folgen zu
beschreiben, ist bewundernswert.