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Friedrich Schiller

1. Schillers Leben biographisch


11.10.59 Johann Christoph Friedrich von Schiller wird in Marbach am Neckar
geboren.
1764 Seine Familie zieht nach Lorch. Dort lebt er bis 1766.
1767 Schiller besucht die Lateinschule in Ludwigsburg.
1773 Er tritt gegen seinen Willen und den der Eltern in die von Herzog Karl
Eugen gegründete militärische Karlsschule ein, studiert zunächst Jura,
dann Medizin. Der militärische Zwang, die strenge Erziehung und die
Abgeschlossenheit weckten im vierzehnjährigen Schiller den ersten
Widerstand. Bald liest er die Werke Shakespeares und Rousseaus,
obwohl dies in der Akademie verboten ist.
1777 Schiller beginnt die Arbeit an „Die Räuber“
1780 Nach der Entlassung aus der Militärschule wird er Militärarzt, zugleich
beginnt er jedoch die nächsten zwei Jahre ebenfalls in Stuttgart zu
dichten.
1781 Schiller veröffentlicht „Die Räuber“ im Selbstverlag.
13.01.82 Trotz des Verbots des Herzogs war er bei der erfolggekrönten
Uraufführung am Mannheimer Hof- und Nationaltheater anwesend.
01.07.82 Schiller wird zu 14 Jahren Haft verurteilt, da er abermals den Verboten
des Herzogs getrotzt hatte und nach Mannheim gereist ist.
Sept. 1782 Schiller flieht gemeinsam mit seinem Freund Andreas Streicher und
wechselt seinen Wohnort in den nächsten zwei Jahren häufig.
1784 Er erkrankt schwer. Die Uraufführungen von „Fiesco“ und „Kabale und
Liebe“ werden als große Erfolge gefeiert.
1788 Schiller siedelt vorerst zu seinen Bekannten, der Familie Lengefeld,
nach Rudolstadt um. In diesem Jahr trifft er zum ersten Mal auf
Wolfgang von Goethe, der ihm eine Professur für Geschichte an der
Universität Jena vermittelt.
1789 Er und Wilhelm von Humboldt schließen Freundschaft.
22.02.90 Schiller heiratet Charlotte von Lengefeld. In diesem Jahr entsteht
Schillers wichtigste historische Arbeit: „Die Geschichte des
Dreißigjährigen Kriegs“.
1791 Er erkrankt an Lungen- und Rippenfellentzündung, deren Heilung zu
damaligen Zeiten noch nicht vollständig möglich war.
1792 Die Nationalversammlung Frankreichs verleiht im das französische
Bürgerrecht.
1793 Schiller verfasst „Anmut und Würde“, „Über das Erhabene“, sowie „Über
die ästhetische Erziehung des Menschen“. Sein erster Sohn Karl wird
geboren.
Sept. 1794 Schiller reist nach Weimar und besucht dort Goethe.
1797 Er dichtet seine schönsten Balladen wie „Der Taucher“ und „Der
Handschuh“
1799 Die Familie zieht nach Weimar. Schiller schreibt bis 1800 an „Maria
Stuart“
1800 Innerhalb der nächsten Jahre arbeitet er an der „Braut von Messina“,
„Jungfrau von Orleans“ und an „Wilhelm Tell“.
16.01.02 Er erhält den Adelstitel und darf sich nun „von“ Schiller nennen.
01.05.05 Schiller hat seinen letzten öffentlichen Auftritt im Theater, wo er einen
Fieberanfall erleidet.
09.05.05 Er stirbt an den Folgeerkrankungen seiner Lungenentzündung.
12.05.05 Friedrich von Schiller wird im Kassengewölbe beigesetzt.

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2. Sturm und Drang
Der Begriff Sturm und Drang ist von Klingers gleichnamigen Drama ‚‚Sturm und
Drang’’ (1776) hergeleitet. Der Beginn der Epoche wurde mit dem Erscheinen der
Herderschen Fragmente (1767) markiert, ihr Ende mit Goethes Übersiedlung nach
Weimar – umso verwunderlicher, dass der junge Schiller noch ganz in seinem
Geiste schreibt.
Die bevorzugte literarische Form der Stürmer und Dränger war das Drama. Ihm
wurde eine erzieherische und bildende Rolle zugeschrieben. Die Behandlung
aktueller Gesellschaftsprobleme waren im Drama des Sturm und Drang neu im
Gegensatz zu anderen Epochen. Eines haben die Dramen dieser Epoche
gemeinsam: am Ende scheitert der Held an den gesellschaftlichen
Verhältnissen und kann seine Identität nur durch Mord, Freitod oder
Selbstverstümmelung bewahren.
Wichtige Themen des Sturm und Drang waren Freiheitskampf gegen die
Gesellschaft und gesellschaftliche Geschlechtsauffassung.

3. Weimarer Klassik
„Klassik“ kommt von dem lateinische Wort „classicus“ und bezeichnet im
ursprünglichen Sinn ein Mitglied der obersten Steuerklasse, bedeutet also
erstrangig. Heute verwendet man den Begriff „Klassik“ für etwas Zeitloses,
Mustergültiges, Überragendes. „Klassisch“ bedeutet die Orientierung an antiken
Stil- und Formmustern.
Die „Weimarer Klassik“ bezeichnet eine Epoche, in der das sogenannte
„Viergestirn“, Wieland, Herder, Goethe und Schiller, am Weimarer Musenhof wirkte.
Oft wird mit der Weimarer Klassik auch nur das Zusammenwirken der befreundeten
Dichter Goethe und Schiller bezeichnet. Diese Schaffensperiode beginnt ungefähr
mit der Rückkehr Goethes aus Italien (1788) und endet nach Schillers Tod (1805).
Themen dieser Epoche sind die Stellung des Menschen zwischen Geist (Freiheit,
Moral, „Gottheit“, Ideal) und Materie (Natur, Trieb, „Tierheit“, wirkliches Leben), die
Bildung des Menschen zur Humanität durch Kunst und Dichtung (ästhetische
Erziehung) und Harmonie zwischen Pflicht und Neigung als Merkmal der
Humanität.
Goethe und Schiller bevorzugen in dieser Schaffensperiode dramatische und
lyrische Werke. Im Unterschied zu Goethe hat Schiller eher wenig epische Texte
verfasst.

3.1 Die wichtigsten Werke der Weimarer Klassik


Dramatik:
- Iphigenie auf Tauris (Goethe 1787)
- Don Karlos (Schiller 1787)
- Egmont (Goethe 1787)
- Torquato Tasso (Goethe 1787)
- Wallenstein (Schiller 1799)
- Maria Stuart (Schiller 1800)
- Wilhelm Tell (Schiller 1804)
- Faust I (Goethe 1808), Faust II (Goethe 1832)

Epik:
- Der Geisterseher; Roman (Schiller 1788)
- Reineke Fuchs; Versepos (Goethe 1793)

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- Hermann und Dorothea; Versepos (Goethe 1796/97)
- Wilhelm Meister Lehrjahre; Roman (Goethe 1796/96)
- Wilhelm Meisters Wanderjahre; Roman (Goethe 1807)
- Die Wahlverwandtschaften; Roman (Goethe 1809)

Lyrik:
- Römische Elegien (Goethe 1790)
- Nähe des Geliebten (Goethe 1795)
- Das verschleierte Bild zu Sais (Schiller 1795)
- Die Teilung der Erde (Schiller 1795)
- Der Handschuh (Schiller 1797)

3.2 Friedrich Schiller: Die Teilung der Erde (1795)


„Nehmt hin die Welt!“, rief Zeus von seinen Höhen
Den Menschen zu. „Nehmt, sie soll euer sein.
Euch schenk ich sie zum Erb und ewgen Lehen,
Doch teilt euch brüderlich darein.“

Da eilt was Hände hat, sich einzurichten,


Es regte sich geschäftig jung und alt.
Der Ackermann griff nach des Feldes Früchten,
Der Junker birschte durch den Wald.

Der Kaufmann nimmt, was seine Speicher fassen,


Der Abt wählt sich den edeln Firnewein,
Der König sperrt die Brücken und die Straßen,
Und sprach: „Der Zehente ist mein.“

Ganz spät, nachdem die Teilung Iängst geschehen,


Naht der Poet, er kam aus weiter Fern.
Ach! da war überall nichts mehr zu sehen,
Und alles hatte seinen Herrn!

„Weh mir! So soll ich denn allein von allen


Vergessen sein, ich, dein getreuster Sohn?“
So ließ er laut der Klage Ruf erschallen
Und warf sich hin vor Jovis Thron.

„Wenn du im Land der Träume dich verweilet“,


Versetzt der Gott, „so hadre nicht mit mir.
Wo warst du denn, als man die Welt geteilet?“ -
„Ich war“, sprach der Poet, „bei dir.

Mein Auge hing an deinem Angesichte,


An deines Himmels Harmonie mein Ohr.
Verzeih dem Geiste, der, von deinem Lichte
Berauscht, das Irdische verlor!“

„Was tun?“, spricht Zeus. „Die Welt ist weggegeben,


Der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr mein.
Willst du in meinem Himmel mit mir leben,
Sooft du kommst, er soll dir offen sein.“

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Um was geht es in dem Gedicht (Thema)?
- Gott schenkt Menschheit die Erde; Menschen sollen sie sich gerecht aufteilen
- Erde ist aufgeteilt
- Poet kam zu spät, er war im Land der Träume
- Er ist völlig aufgelöst, geht zu Gott
- Gott gibt ihm das Himmelsreich
Welche Rolle weist Schiller dem Dichter in der Welt zu?
- Dichter hat keinen Anteil an materiellen Dingen  arm
- sein Reich befindet sich „über der irdischen Welt“ Reich der Fantasie, der
Träume, des Geistes, des Ewigen, des Göttlichen
- lebt in unmittelbarer Schau der Gottheit (Zeus),geistige Welt „gehört“ ihm
- Der Poet erscheint hier von der Welt abgewandt, in seiner Liebe zum Göttlichen
wird alles Materielle für ihn bedeutungslos
- Rolle lässt sich nicht in gesellschaftliche Hierarchie einfügen (2.und 3. Strophe)
Woran kann man erkennen, dass das Gedicht „Die Teilung der Erde“ zur Weimarer
Klassik zählt?
- Dichter steht außerhalb der Hierarchie
- Er soll durch Dichtung die harmonische Schöpfung Gottes verkünden (Streben
nach Harmonie).
- Er ist nicht abhängig, nicht befehlshaberisch, nicht großspurig, nicht
unterwürfig, nicht herrschaftlich, sondern göttlich frei; er ist aufgeklärt.
- Fazit: Dichter: Hüter der Menschlichkeit, der Humanität, und Toleranz (im
Auftrag Gottes)

4. Die Freundschaft zu Goethe


Nach der ersten Begegnung der beiden großen Dichter dauerte es fast 5 Jahre, bis
aus der anfänglichen Abneigung das Arbeitsbündnis und ihre tiefe Freundschaft
entstand.
Die erste Begegnung der Beiden fand 1779 statt. Zu dieser Zeit war Schiller noch
Student. Goethe jedoch war schon sehr bekannt. Sein Briefroman ‚‚Die Leiden des
jungen Werther’’ feierte große Erfolge und auch als Politiker und Beamter war er
bekannt. Zwar hätten sie sich schon bei Goethes Besuch in der Militärakademie
1779 kennen lernen können. Zehn Jahre später trafen sie sich wieder, nun war
Schiller auch kein Unbekannter mehr. Er hatte sein viertes Theaterstück ‚‚ Don
Karlos’’ (1788) mit großem Erfolg in Darmstadt uraufgeführt.
Trotzdem verliefen die ersten persönlichen Begegnungen weniger aussichtsreich.
Schiller war der festen Überzeugung, sein berühmter Kollege sei egoistisch. Und
Goethe sah in Schiller einen jungen Wilden und den unreifen Sturm- und Drang
Poeten.
Als Schiller 35 Jahre alt war, schrieb er Goethe einen Brief zum Geburtstag und bat
ihn um die Mitarbeit an der neuen Literaturzeitschrift ‚‚Die Horen’’. Zu diesem
Zeitpunkt hat sich die französische Revolution in ihr Gegenteil verkehrt und
Robespierre seine Schreckensherrschaft errichtet. So gut wie alle deutschen
Intellektuellen distanzierten sie sich von der Emanzipation in Frankreich. Auch
Schiller empfand Abscheu gegenüber der gesetzlosen Barbarei und wurde so zum
Gegner der Revolution.
Möglicherweise ist diese erwachsene Haltung und der spürbare Respekt gegenüber
des älteren Kollegen, die, welche die anfängliche Abneigung Goethes für Schiller
beseitigt und Goethe zu einer Zusammenarbeit mit Schiller bewegte.

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5. Literaturgeschichtliche Bedeutung
Friedrich Schiller prägte den Übergang vom Absolutismus zum Bürgertum sowohl
als Autor als auch als Idealist von Werten wie Vernunft, Menschlichkeit und Freiheit.
In Zeiten der absolutistischen Herrschsucht drückte Schiller durch seine Sensibilität
und Leidenschaft in seinen frühen Dramen die Entfaltung des Menschen und die
Humanität aus. In den letzten zehn Jahren vor seinem Tod beschäftigte sich Schiller
mit der ästhetischen Erziehung des Menschen. Diese Lehre sah er als Grundlage
für die gewaltfreie Grundlage eines vernünftigen Staats, er war ein Befürworter der
Gedanken der Französischen Revolution, aber ein Ablehner der gewaltsamen
Verwirklichung.
Schiller war nach Anfängen als Epigone des Sturm und Drangs einer der
wichtigsten Vertreter der Weimarer Klassik.

6. Schillers Gebeine
Schiller wurde nach seinem Tod 1805 im so genannten Kassengewölbe auf dem
Jacobsfriedhof in Weimar beigesetzt. 1826 wurde sein Schädel wieder geborgen.
Da man ihn nicht mehr identifizieren konnte, brachte man ihn in die Herzogen Anna
Amalia Bibliothek. Im Herbst desselben Jahres „entlieh“ Goethe Schillers Schädel
und schrieb das Gedicht „Bei Betrachtung von Schillers Schädel“. Am 16.
Dezember 1827 wurden die sterblichen Überreste Schillers in der Fürstengruft auf
dem neuen Weimarer Friedhof überführt. 1911 wurde ein weiterer Schädel
gefunden, der zum echten Schädel Schillers erklärt wurde. Nach gründlicher DNA-
Analyse in den letzten Jahren wurde festgestellt, dass keiner der beiden Schädel
Schillers ist. Zu vermuten ist, dass der echte Schädel gestohlen und durch einen
zum Verwechseln ähnlichen ausgetauscht wurde.

6.1 Johann Wolfgang von Goethe: Bei Betrachtung von Schillers Schädel
(1826)

Im ernsten Beinhaus wars, wo ich beschaute,


Wie Schädel Schädeln angeordnet paßten;
Die alte Zeit gedacht ich, die ergraute.
Sie stehn in Reih geklemmt, die sonst sich haßten,
Und derbe Knochen, die sich tödlich schlugen,
Sie liegen kreuzweis, zahm allhier zu rasten.
Entrenkte Schulterblätter! was sie trugen,
Fragt niemand mehr, und zierlich tätge Glieder,
Die Hand, der Fuß, zerstreut aus Lebensfugen.
Ihr Müden also lagt vergebens nieder,
Nicht Ruh im Grabe ließ man euch, vertrieben
Seid ihr herauf zum lichten Tage wieder,
Und niemand kann die dürre Schale lieben,
Welch herrlich edlen Kern sie auch bewahrte,
Doch mir Adepten war die Schrift geschrieben,
Die heilgen Sinn nicht jedem offenbarte,
Als ich inmitten solcher starren Menge
Unschätzbar herrlich ein Gebild gewahrte,
Daß in des Raumes Moderkält und Enge
Ich frei und wärmefühlend mich erquickte,
Als ob ein Lebensquell dem Tod entspränge,
Wie mich geheimnisvoll die Form entzückte!

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Die gottgedachte Spur, die sich erhalten!
Ein Blick, der mich an jenes Meer entrückte,
Das flutend strömt gesteigerte Gestalten.
Geheim Gefäß! Orakelsprüche spendend,
Wie bin ich wert, dich in der Hand zu halten?
Dich höchsten Schatz aus Moder fromm entwendend
Und in die freie Luft, zu freiem Sinnen,
Zum Sonnenlicht andächtig hin mich wendend.
Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen,
Als daß sich Gott-Natur ihm offenbare?
Wie sie das Feste läßt zu Geist verrinnen,
Wie sie das Geisterzeugte fest bewahre.

7. Quellen
http://de.wikipedia.org/wiki/Schiller
(15. Oktober 2010)
http://de.wikipedia.org/wiki/Goethe
(15. Oktober 2010)
http://www.schiller.ard.de/entdecken/episode.php?id=43&s=2
(15. Oktober 2010)
http://www.literaturwelt.com/werke/schiller/teilungerde.html
(15. Oktober 2010)
http://odl.vwv.at/deutsch/odlres/res9/Literatur/Lit_Klassik_Lyrik.htm
(15. Oktober 2010)
http://www.odysseetheater.com/schiller/bilder/schiller1.jpg
(23. Oktober 2010)
http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/Images/db/wiss/bildende_kunst/goetheden
kmaeler/DenkGoethe_Weimar_Leipziger__500x767_.jpg
(23.Oktober 2010)
http://www.g-r-i-m-m.de/eb_schil.jpg
23. Oktober 2010)
Jonas Maatsch (Hg.) / Christoph Schmälzle (Hg.): Schillers Schädel. Wallstein
Verlag, 2009
Eberhard Hermes: Deutsche Literatur. Klett Verlag, 112004
Bernt von Heiseler: Schiller. Bertelsmann Verlag, 1959
H. Biermann (Hg.) / B. Schurf (Hg.): Texte, Themen und Strukturen.Cornelsen, 2000