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Die Liste deutscher Redewendungen führt vor allem Wortlaut, Bedeutung und

Herkunft deutscher Redeweisen auf, deren Sinn sich dem Leser nicht sofort
erschließt oder die nicht mehr in der ursprünglichen Form angewandt werden.
Einige Redewendungen haben mehrere Deutungsversuche, von denen nicht alle
wiedergegeben werden können. Auf eindeutige oder banale Redewendungen wie
„von Kindesbeinen an“ oder „in der Versenkung verschwinden“ wird hier nicht
eingegangen, ebenso wenig auf Fäkal- und Gossenjargon sowie Injurien.

Geflügelte Worte, also zur Redewendung gewordene literarische Zitate, stehen in


der Liste der geflügelten Worte.

Der Wortlaut dieser Beiträge wird alphabetisch, wo vorhanden nach dem ersten
Substantiv sortiert, darunter die Bedeutung und die regionale Verbreitung
möglichst knapp erläutert.

08/15 (Gesprochen: Null-acht-fünfzehn) — Mittelmäßig, einfach, gewöhnlich,


standardisiert.

A [Bearbeiten]

Das A und O — Das Wesentliche, Wichtigste, bleibend Gültige. Das griechische


Alphabet beginnt mit Alpha (= A) und endet mit Omega (= O). Siehe auch: Alpha
und Omega. Sprichwörtlich geworden durch den Bibelvers „Ich bin das A und O,
der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr …“ (Offb 1,8 EU)

Jemandem eine Abfuhr erteilen — Ihn in der Rede / in einer


Auseinandersetzung schlagen, oder aber auch: ihm eine Bitte abschlagen. Aus
der Studentensprache, wo der in der Mensur unterlegene „Paukant“ aus dem
Saal geleitet/abgeführt wird.

Etwas abklappern — Alles absuchen. Bei der Treibjagd wurde das Wild mit
Holzklappern aus dem Unterholz gejagt.

Etwas abkupfern — Nachahmen, kopieren, plagiieren. Der Kupferstich war in


der früheren Neuzeit die führende Technik zum Vervielfältigen von Bildern.

Sicher wie in Abrahams Schoß — Sich fühlen wie im Paradies. Nach dem
Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus in der Bibel (Lk 16,19–31
EU).

Mit Ach und Krach — Gerade eben noch. Verkürzung von „mit Ächzen und
Krächzen“.

Sich vom Acker machen — Sich davonstehlen. Im Soldatenjargon wurde das


Übungsgelände auch Acker genannt. Wer sich vom Acker machte, der drückte
sich und war nicht selten fahnenflüchtig.
Jemanden zur Ader lassen — Ihn finanziell „erleichtern“, ausbeuten. Bader
beherrschten die Kunst des Aderlasses und des Schröpfens, die sie sich gut
honorieren ließen.

Aussehen wie ein Affe auf dem Schleifstein — ungewöhnliche oder


unbequeme Fortbewegungsart, vor allem in Verbindung mit Zweirädern;
seltsame Sitzposition

Den Affen für jemanden spielen — Du kannst nicht alles mit mir machen. Auf
Jahrmärkten traten früher häufig Gaukler mit Tieren wie Affen auf, die alle
möglichen Kunststücke vorführen mussten, für die sie teilweise schikanös
dressiert worden waren

Dem Affen Zucker geben — im Rausch ausgelassen lustig sein (Bei Theodor
Fontane kommt die Wendung mehrfach vor, Da habe ich demissioniert und dem
Affen meiner Eitelkeit das Zuckerbrot gegeben.)

Den Affen loslassen — lustig sein, sich einen vergnügten Tag machen

Ein Affentheater aufführen — ein übertriebenes Gebaren zeigen

Einen Affenzirkus veranstalten — viel Getue

Einen Affen sitzen haben — betrunken sein (angebliche Trunksucht des Affen
oder Affen = Tornister der Soldaten)

Sich einen Affen holen — sich betrinken

Ich denke, mich laust (kratzt) der Affe. — Ausdruck hochgradiger unangenehmer
Überraschung (Die Redewendung ging im 19. Jahrhundert von Berlin aus, wo die
Wendungen „Ik denke, der Affe laust mir“ gängig war.)

Sich zum Affen machen — sich lächerlich machen

Affenliebe — übertriebene Liebe

Affenschande — offenbare Schande

Drei Affen — „nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen“

Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche — darauf kannst Du Gift nehmen!
Mit Amen (frei übersetzt aus dem hebräischen: so soll es sein) enden liturgische
Gebete, also mit Sicherheit kommt dieses Wort in jedem Gottesdienst einige Male
vor

Der Amtsschimmel (wiehert) — Die Bürokratie zeichnet sich durch


Umständlichkeit und Prinzipienreiterei aus. Hat nichts mit dem Pferd zu tun,
sondern ist eine Verballhornung des Wortes „Simile“ (lat. similis = ähnlich) für ein
Musterformular in Österreich, nach dem die einzelnen Vorgänge bearbeitet
wurden. Dieses musste vielen Situationen gerecht werden und war daher
entsprechend umfangreich.
Anglerlatein — siehe Jägerlatein

Äpfel mit Birnen vergleichen: — Unvergleichbares miteinander vergleichen.

In den sauren Apfel beißen: — Etwas Unangenehmes notgedrungen tun.

Etwas für einen Apfel und ein Ei (ver)kaufen: — Etwas spottbillig erwerben. Äpfel
und Eier kosten relativ wenig.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm (Varianten: Der Apfel fällt nicht weit vom
Pferd. Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum): — Wie der Vater so der Sohn.

Apfel der Zwietracht, Zankapfel: — Zentraler Punkt einer Auseinandersetzung.

Sich ein Armutszeugnis ausstellen — Das Armenrecht ermöglichte nach Vorlage


einer Bescheinigung der Wohngemeinde, Armutszeugnis genannt, und bei
hinreichender Erfolgsaussicht das vorläufig kostenlose Führen eines
Zivilprozesses.

Sich etwas aus dem Ärmel schütteln — Etwas erfinden, sich etwas schnell
ausdenken, um sich aus einer schwierigen Situation zu befreien. Kommt aus dem
Kartenspiel, da man schummeln kann, indem man gute Karten in seinem Ärmel
versteckt, um sie, wenn man dann ein schlechtes Blatt hat, unbemerkt „aus dem
Ärmel zu schütteln“. — Eine noch ältere Deutung besagt, dass zu Zeiten, als die
Gewänder weite Ärmel hatten, darin nicht nur die Hände gewärmt, sondern auch
kleinere Gegenstände darin verstaut werden konnten. Letztere konnte man
wieder aus dem Ärmel schütteln …

Noch ein Ass im Ärmel haben - Etwas Großes/ein überzeugendes Argument


zurückhalten um es im richtigen Moment zur Überraschung (anderer)
einzubringen.

Man sollte ihn mit Argusaugen bewachen — Man sollte ihn dauernd gut
beobachten. Argos, in der griechischen Mythologie von Hera beauftragt, Io zu
überwachen, damit es nicht zu einem Schäferstündchen mit ihrem Gatten Zeus
kommt, hatte 100 Augen, von denen immer welche wach blieben, während die
anderen schliefen, wurde deshalb durch Hermes getötet.

Sich den Arsch aufreißen — Vulgär für „sich sehr anstrengen, sich sehr große
Mühe geben“

Am Arsch der Welt. Derb für: Abseits der Zivilisation, abgelegen. Umschrieben
auch: Wenn die Welt einen Einlauf bräuchte, dort würde er gemacht.

Jemand/etwas geht jemandem am Arsch vorbei — vulgäre, betonte Form des


Egalseins

Asche auf dein Haupt! — Schäme Dich! meist eher ironisch verwendet. Oft auch
in der Version, sich Asche aufs Haupt streuen. Abgeleitet von der Bibel (1 Makk
3,47 EU).
Ihr fielen fast die Augen aus dem Kopf — Sie wunderte sich stark, staunte sehr
über etwas. Von der Tatsache, dass man die Augen aufreißt, wenn man erstaunt
ist, da man es nicht glauben kann.

Das Auge des Gesetzes — Die Wendung das Auge des Gesetzes wacht findet sich
in Schillers Lied von der Glocke.

Ein Auge auf jemanden werfen — Gefallen an jemandem oder etwas finden. Diese
Wendung stammt aus der Geschichte von Susanna im Bade, einem apokryphen
Text der Bibel im Buch Daniel. Dort heißt es: „Und als die beiden Ältesten sie
täglich darin umhergehen sahen, entbrannten sie in Begierde nach ihr und
wurden darüber zu Narren und warfen die Augen so sehr auf sie, dass sie nicht
mehr zum Himmel aufsehen konnten und nicht mehr an gerechte Urteile
dachten.“ (Dan 1,8 f. EU)

Einen Augiasstall ausmisten — Großen Dreck oder Unordnung beseitigen.


Herakles brachte es nach der griechischen Sage fertig, in kürzester Zeit die Ställe
des Augias, in denen 3000 Rinder gehalten worden sein sollen, von allem Unflat
zu reinigen.

Etwas ausbaden müssen — Für etwas übermäßig oder ungerechtfertigt bestraft


werden. Bis in die Neuzeit war es nicht unüblich, dass mehrere Personen
nacheinander das gleiche Badewasser benutzen mussten. Die letzte Person in der
Reihenfolge bekam das kühlste und schmutzigste Badewasser und musste
zudem noch ausbaden, d. h. sie musste auch die Wanne reinigen und an ihren
Platz zurück bringen.

Ein Ausbund von/an Frechheit (Schlechtigkeit, Tugend, Güte, Gelehrsamkeit) sein


— Sich in der besagten Disziplin besonders hervor tun. Als Waren noch in
undurchsichtigen und häufig unbedruckten Behältnissen verkauft wurden, wurde
oft ein für das Auge besonders hübsches Warenmuster daran angebunden.

Ausnahmen bestätigen die Regel — Dies weist darauf hin, dass die beobachtete
Ausnahme keiner Gesetzmässigkeit unterliegt, bei der es definitionsgemäß keine
Ausnahmen geben kann (Es ist immer so…). Eine Regel bedeutet, dass sich in
den überwiegenden Fällen der Beobachtung der Regelfall feststellen lässt (Es ist
in der Regel so…). Wenn Ausnahmen von einer Regel beobachtet werden,
bestätigt dies nur, dass es nicht immer so ist, also keine Gesetzmässigkeit
vorliegt.

Jemanden ausstechen — Ihn übertreffen oder verdrängen. In den Ritterturnieren


wurde Sieger, wer seinen Gegner aus dem Sattel stach.

B [Bearbeiten]

Sich wie ein Backfisch benehmen — Albern oder noch unreif sein. Backfische sind
Fische, die wieder ins Wasser geworfen wurden, weil sie als Fang noch zu klein
waren. Diese Bezeichnung wurde auf unreife Mädchen übertragen. („Mit 14
Jahren und sieben Wochen ist der Backfisch ausgekrochen.“ — sprichwörtlich um
1900)
Nur Bahnhof verstehen — Nichts verstehen oder verstehen wollen. Aus der
Soldatensprache, wo die Soldaten nach Jahren des Krieges nur noch das Wort
„Bahnhof“ = Heimfahrt hören wollten.

Es wurde auf die lange Bank geschoben. - Die Bearbeitung/Erledigung wurde


stark verzögert. Vermutlich aus der Gerichtssprache, wo Prozesse häufig sehr
lange dauer(te)n. Bank ist hier wohl gleichzusetzen mit dem später für die
Verwahrung von Prozessakten üblichen Aktenschrank.

Ich bin doch nicht die Bank von England — Ich kann nicht alle Wünsche erfüllen.
Die Bank of England war lange Zeit der Inbegriff unermesslicher Reserven, als
Großbritannien noch Weltmacht war.

Jemandem einen Bären aufbinden — Ihn anlügen oder ihm etwas vormachen.
Vom altdeutschen Wort bar, was so viel wie Last oder Abgabe bedeutete.

Jemandem einen Bärendienst erweisen — Eine schlechte Hilfe erweisen, die


häufig das Gegenteil des Angestrebten bewirkt. Vermutlich nach einer Tierfabel,
wo ein gezähmter Bär seinen Herrn erschlug, weil er ihm die lästigen Fliegen
abwehren wollte.

Wissen, wo der Barthel den Most holt (auch Bartel oder Bartl) — Bescheid wissen.
— #Aus der Gaunersprache, wo Barzel=Eisen oder Stemmeisen bedeutet und
Most (Moos) =Geld. Also wissen, wo man mit dem Stemmeisen Geld holen kann.
— #Ironische Anspielung auf den biblischen Barthel (= den Jünger Bartholomäus)
als Zeugen des Weinwunders der Hochzeit zu Kana (Joh 2,1–12 EU): Es gibt keine
„neutralen“ Zeugen der Verwandlung, die Jünger allein wissen, wo der Wein
wirklich herstammt. — Schweizerdeutsch sagt man: Jemandem zeigen, wo der
„Bartli“ den Most holt (einem „Missetäter“ Mores lehren). Letztere Bedeutung ist
auch im Schwäbischen bekannt.

Ein Bauernopfer bringen — Sich von etwas/jemandem trennen, um seine eigene


Position zu retten. Vom Schachspiel entlehnt, in dem Bauern die schwächsten
Figuren sind, die man bei Gefahr gerne opfert, um eine wichtigere Figur zu
retten.

Es wurde in Bausch und Bogen verworfen — Es wurde uneingeschränkt


abgelehnt. Aus der Flurvermessung, wo die nach außen verlaufende Grenze als
„Bausch“ (d. h. Gewinn), die nach innen verlaufende als „Bogen“ (d. h. Verlust)
bezeichnet wird. Ein heute üblicher Ausdruck für „in Bausch und Bogen“ ist das
Wort „à forfait“. Seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts wird in der
Kaufmannssprache der Begriff „in Bausch und Bogen“ auch für den Warenhandel
belegt und bedeutet allgemein „vollständig“ oder „ganz und gar“. Aus dem
„Bausch“ entwickelte zu pauschal (lat. pauschalis). Der lateinische Begriff per
aversionem entspricht inhaltlich in „Bausch und Bogen“. Auch im
Handelsgesetzbuch wird der Begriff in § 616 verwendet.

Ich bin bedient — Ich fühle mich schlecht behandelt.


Über dem Berg sein — die schlimmste Phase von etwas (wie Krankheit)
überwunden haben. Vom Umstand abgeleitet, dass die Besteigung eines Hügels
bis zum Erreichen des Gipfels schwieriger ist, als der Abstieg.

Kämpfen wie ein Berserker — Sich ungestüm und eher unvernünftig verhalten.
Aus den nordischen Sagen abgeleitet, wo die „Bärenhäuter“ ohne Schild und
Vernunft drauf los schlugen.

Gut beschlagen in etwas sein — Kenntnisreich sein in einer Sache. Pferde


erhalten vom Hufschmied ihr Hufeisen angepasst, sie werden beschlagen

Da fress ich einen Besen (oft ergänzt: samt der Putzfrau) — es ist absurd, äußerst
unwahrscheinlich, dass es so ist oder eintreten wird

Der Bien (der) muss! — Eine Sache muss unter allen Umständen erledigt werden.
Die Herkunft dieser erstmals 1849 belegten Redewendung ist strittig.

Hinter die Binde kippen — Alkohol trinken (auch: auf die Lampe gießen, die
Gurgel ölen, einen schmettern, einen zur Brust nehmen)

In die Binsen gehen (auch durch die Binsen gehen) — Verloren gehen. Aus der
Jägersprache, wenn Wildgeflügel sich ins rettende Schilf flüchtete, wohin der
Jagdhund nicht folgen konnte.

Das ist eine Binsenweisheit (auch Binsenwahrheit) — Das versteht sogar der
Dümmste. Die römischen Komödiendichter Terenz und Plautus sprachen von
„Knoten in den Binsen suchen“, also nach Schwierigkeiten, die gar nicht
vorhanden sind.

Der Blanke Hans — Ein Synonym für die Nordsee, vor allem für ihre Gefahren
durch Sturmfluten.

Er nahm kein Blatt vor den Mund — Er wurde sehr deutlich in seinen Worten, las
jemandem die Leviten. Aus der Theatersprache, wo vor Zeiten ein Blatt das
Gesicht des Schauspielers verbarg, so dass dieser für seine Worte nicht zur
Rechenschaft gezogen werden konnte.

blaumachen — Schwänzen, ohne triftigen Grund nicht zur Arbeit/Schule


erscheinen. Wahrscheinlich abzuleiten aus Blauer Montag, der ursprünglich
liturgisch begründeten Bezeichnung für die arbeitsfreien Fastenmontage der
Handwerker.

blau sein — Betrunken sein.

Ein Blaustrumpf sein — Spottname für eine gelehrte (intellektuelle,


„emanzipierte“) Frau, die ihre (biologischen) „weiblichen Vorzüge“ in den
Hintergrund stellt. Die Blaustrümpfe waren eine Frauenbewegung des 19.
Jahrhunderts die den Grundstein der Suffragetten, einer Organisation in den USA
und Großbritannien die sich für das Frauenwahlrecht einsetzten, legten.
Ach du heilig’s Blechle! — Schwäbischer Ausruf von (meist freudiger)
Überraschung. Betteln war einst in Württemberg verboten, außer man konnte
zum Zeichen der amtlichen Erlaubnis eine entsprechende Blechmarke vorweisen.
Heute meint der Schwabe mit dem Heilig’s Blechle häufig sein Auto.

Er geht ran wie Blücher an der Katzbach — Offensiv, mutig, ungestüm. Nach dem
Beispiel von Gebhard Leberecht von Blücher, preußischer Generalfeldmarschall,
der durch seine Bereitschaft zur Offensive die Schlacht an der Katzbach zu
seinem Gunsten entschied.

Blümchenkaffee

Blümchenkaffee ist sehr dünn geratener Kaffee, bei dem man noch das am Grund
der Kaffeetasse aufgemalte Blümchen gut erkennen kann. Variante ist der
„Schwerterkaffee“, bei dem man sogar das Signum der Meißener Porzellanfabrik
auf der Unterseite der Tasse erkennen kann. Scherzhaft wird es genutzt als
„Doppelschwerterkaffee“, bei dem die Schwerter der Unterseite der Untertasse
durchscheinen.

Etwas durch die Blume sagen — Etwas nur andeutungsweise, indirekt oder
kryptisch kund tun. Im Barock war es unschicklich sich offen der Dame seines
Herzens zu nähern. Für diesen Zweck gab es eigene Sofas mit zwei Sitzflächen
Rücken an Rücken. Wollte man sich nun ungestört unterhalten, besprach man
dies tuschelnd hinter dem Fächer. So konnte keine Anstandsdame etwas
aussetzen. Auf der Rückenlehne standen oft Blumengestecke, daher sprachen die
Tuschler durch die Blume.

Blut und Wasser schwitzen — Ich hatte große Angst, ob alles gut ausgeht. In
Anspielung auf die Todesangst Jesu bei seiner Kreuzigung.

Einen Bock schießen — Einen Fehler begehen, eine Dummheit machen. Aus der
Schützensprache, wo ein Fehlschuss als „Bock“ bezeichnet wird.

Den Bock zum Gärtner machen — Den Ungeeignetsten für eine Position
auswählen. Ziegenböcke sind nicht gerade zimperlich, die schönsten Pflanzen zu
fressen.
Jemanden ins Bockshorn jagen — Jemanden in die Enge treiben, einschüchtern,
verunsichern oder auf eine falsche Fährte locken. — :Zur Ungewissheit der
Herkunft siehe: Bockshorn (Redensart)

Das sind böhmische Dörfer für mich — Das ist mir ganz und gar unbekannt oder
das verstehe ich nicht. Als Böhmen noch zur Donaumonarchie gehörte,
verstanden viele Landeskinder das dort gesprochene Tschechisch bzw. deren
(tschechischen) Ortsnamen nicht

Er erhielt Brandbriefe von allen Seiten — Er wurde von vielen Seiten um


dringende Hilfe gebeten. Brandbriefe wurden bis ins 19. Jahrhundert von
Behörden an Menschen ausgehändigt, die beispielsweise durch Brand ihre Habe
verloren hatten. Der Brandbrief war somit die amtliche Erlaubnis, Dritte um
Spenden bzw. Baumaterial anzugehen. In einigen Gegenden war er jedoch das
Synonym für Erpresserbriefe, in denen für den Fall der Nichtbeachtung materielle
Schäden angedroht wurden. Heute meist benutzt, um die Dringlichkeit einer Bitte
herauszustellen

Er hat den Braten gerochen — Er wurde rechtzeitig stutzig oder aufmerksam.


Geht zurück auf eine Fabel, in der ein Bauer ein Tier zum Essen einlädt, das aber
an der Schwelle kehrt macht, weil es aus der Küche den Duft eines gebratenen
Artgenossen in die Nase bekommt

Er hat ein Bratkartoffelverhältnis mit jemandem — er lebt mit jemandem in wilder


Ehe zusammen. Angeblich im Ersten Weltkrieg entstandener Ausdruck, der ein
kurzfristiges Liebesverhältnis anzeigen sollte, bei dem die damit einhergehende
Verköstigung keine unwesentliche Rolle spielte. Heutzutage noch gelegentlich
verwendet, um ein uneheliches Zusammenleben auf Zeit zum Ausdruck zu
bringen

In die Bresche springen — Helfend eingreifen, um jemanden zu schützen. Bei


Sturmangriffen auf eine belagerte Stadt galt es, Breschen — Lücken — in die
Stadtmauern zu schießen, um eindringen zu können. Nur mit größter Gefahr für
das eigene Leben konnten solche Breschen wieder geschlossen werden.

Dicke Bretter bohren (müssen) — Große Anstrengungen unternehmen, bis man


ein Ziel erreicht. Wer dagegen gern schnell aufgibt oder kurzatmig-oberflächlich
denkt, wird als Dünnbrettbohrer bezeichnet.

Ein Brett vor dem Kopf haben — Etwas offensichtliches nicht verstehen; auch:
begriffsstutzig sein. Kommt aus dem Mittelalter, wo die Menschen den als dumm
geltenden Ochsen Bretter vor die Köpfe gehängt haben, damit sie nicht
erschrecken oder abgelenkt werden.

Darauf gebe ich dir Brief und Siegel — Du kannst sicher sein, dass es stimmt.
Brief leitet sich ab vom lat. Wort „breve“ = kurz. Als amtliches Dokument taugte
ein Brief vor Gericht nicht, wenn er nicht auch ein Siegel trug.

Den Brief wird er sich nicht hinter den Spiegel stecken — Jemandem einen
unangenehmen Brief schreiben. Angenehme Briefe wurden früher gerne
halbverdeckt hinter dem schräg gestellten Spiegel aufbewahrt, damit auch
andere einen Blick darauf werfen konnten.

Er muss jetzt kleine(re) Brötchen backen — Er hat gegenüber bisher eine


erheblich schlechtere Position.

In die Brüche gehen — Zu Ende gehen, in Schwierigkeiten geraten. Heute meist


im Zusammenhang mit Ehe und Freundschaft benutzt. Bruch bedeutet hier
Sumpf oder Moor, in dem man leicht untergehen konnte. Flüchtete
angeschossenes Wild in die Brüche, war es für den Jäger meist verloren. Eine
weitere Deutung: Als bruech oder bruch (mhd.) bezeichnete man im Mittelalter
eine (Unter-)Hose. Wenn also etwas in die bruech geht, geht es in die Hose.
Eventuell ist dieser Ausspruch auch entstanden aus es geht um die bruech, also
der Kampf darum, wer die Hosen an hat (siehe Geschichte des Sire Hain und
seiner Frau Anieuse). Diese Deutung würde auch der heutigen Bedeutung sehr
nahe kommen.

Jemandem goldene Brücken bauen — Ihm die Möglichkeit bieten, unbeschadet


aus einer misslichen Situation zu entkommen.

Alle Brücken hinter sich abbrechen — Alle Verbindungen dauerhaft brechen,


indem man sich den Rückweg bewusst selbst verbaut.

Er redet wie ein Buch — Er redet ununterbrochen. Es ist, als ob er aus einem
Buche vorliest.

Wie es im Buche steht — Mustergültig, vorbildlich. Mit „Buch“ ist die Bibel
gemeint, in der viele Weisheiten versammelt sind.

Rutsch mir doch den Buckel runter! — Hör auf mich zu nerven! / Lass mich in
Ruhe! Das Götz von Berlichingen Zitat in eher dezenter Form zitiert

Bei jemandem auf den Busch klopfen — Etwas vorsichtig zu ergründen


versuchen. Aus der Jägersprache, wo die Treiber durch Schläge gegen die Büsche
das Wild aufscheuchen und vor die Flinte der Jäger zu treiben versuchen

Alles in Butter — alles in Ordnung. Wohl herrührend von der im Gegensatz zur
Butter als pejorativ bewerteten Margarine. Wertvolle Güter, wie zum Beispiel
Porzellan, wurden früher in Kisten mit flüssiger Butter eingegossen. Nach dem
Erstarren der Butter waren diese beim Transport vor dem Zerbrechen geschützt.

Er lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen — Er ist selbstbewusst, lässt sich
nicht beirren oder übervorteilen oder unterbuttern

Da muss noch mehr Butter bei die Fische — da gehört noch mehr (auch an
Information) dazu (beigetragen), oder auch: bitte keine halben Sachen!

Jemandem etwas aufs Butterbrot schmieren — Ihm (in der Öffentlichkeit) seine
Meinung sagen. Wohl gleichbedeutend die regionale rheinische Version: jemand
sagen, was die Butter giltet
C [Bearbeiten]

Einen Gang nach Canossa machen — unter demütigenden Bedingungen Abbitte


leisten. Im Jahre 1077 musste König Heinrich IV. ins italienische Canossa reisen,
um dort von Papst Gregor VII. die Aufhebung des Kirchenbannes zu erbitten

Die Chemie zwischen den Beiden stimmt nicht — die Zwei sind nicht gut
aufeinander zu sprechen. In der Chemie vertragen sich bekanntlich manche
Stoffe recht schwer miteinander

Cherchez la femme — Sucht die Frau! (Diese französische Wendung bedeutet


„Da steckt sicher eine Frau dahinter!“)

Er hat nicht alle auf dem Christbaum — er ist nicht richtig im Kopf

Die Chuzpe haben — die Frechheit haben (Das jiddische Wort Chuzpe bedeutet
neben anderem auch Frechheit.)

D [Bearbeiten]

Das kannst Du halten wie der auf dem Dach (auch: „…wie ein Dachdecker“) —
mach, was Du willst, es ist mir egal.

Jemandem aufs Dach steigen — jemanden schelten oder bestrafen. Wurde


jemand im Mittelalter aus der Gemeinschaft ausgestoßen oder sollte bloßgestellt
werden, deckte man sein Dach ab

Er hat einen Dachschaden — er ist geistig nicht ganz normal

Unter Dach und Fach bringen — Das Wesentliche fertigstellen. Dach und Fach
waren ursprünglich die wesentlichen Teile eines (Fachwerk)-Hauses.

Etwas aus Daffke tun — etwas aus Trotz oder Mutwillen tun. Bei dieser Berliner
Redensart wurde das deutsche Wort „Trotz“ durch das jiddische „davko“ = sicher
ersetzt.

Etwas erweist sich als ein Dauerbrenner — etwas erweist sich als ein Dauererfolg.
Der Begriff leitet sich von Öfen mit lang brennendem Heizmaterial wie Briketts
her

Jemandem die Daumenschrauben anziehen oder ansetzen — ihm kräftig


zusetzen. Bis in die Neuzeit war es üblich, im hochnotpeinlichen Verhör durch das
Quetschen von Fingern die Wahrheit zu erpressen. Erst die Aufklärung machte
diesen Verhörmethoden in zivilisierten Staaten ein Ende

Ei der Daus! — Ausdruck der Verblüffung, des Zorns oder der Verwunderung.
Der/das Daus ist im deutschen Kartenspiel das Ass, also die höchste Spielkarte.
Vermutlich hat der Ausdruck aber dennoch nichts damit zu tun, sondern vielleicht
eher mit dem niederdeutschen “Dus” für Tausend. Daus könnte auch vom
mittellateinischen Wort „dusius“ = Dämon abstammen und einem Ausruf wie Oh,
mein Gott nahe kommen.
Unter einer Decke stecken — Im Geheimen mit jemandem zusammenarbeiten.
Aus dem germanischen Eherecht, wonach die Ehe als geschlossen galt, wenn sich
die Neuvermählten in Gegenwart von Zeugen unter eine gemeinsame Decke
begaben

Einen Denkzettel verpassen — Jemanden eine Lektion erteilen

Mit jemandem durch dick und dünn gehen — In guten und schlechten Zeiten zu
ihm halten. Die Redewendung verträgt sich aber nicht mit:

Wenn es dick kommt — Wenn es schlimm wird

Auf Draht sein — Aufmerksam, wachsam sein. Rasch einen Vorteil erkennen. Aus
der Telefon-/Telegrafensprache abgeleitet

Einen Drahtseilakt vollführen — Große, nach außen kaum sichtbare


Anstrengungen unternehmen, um ein hoffnungsloses Unternehmen zum guten
Ende zu führen. Aus der Zirkuswelt, wo gewagte Drahtseilakte die Höhepunkte
der Vorstellung sind

Er war der Drahtzieher in der ganzen Geschichte — Er steuerte im Verborgenen


die ganze Sache. Drahtzieher war ein Handwerksberuf, der aus Metallstangen
durch wiederholtes Ziehen Drähte fertigte

Er hat Dreck am Stecken — Er hat Schuld (auf sich geladen), hat keine makellose
Vergangenheit

Er ist mit dem D-Zug durch die Kinderstube gerast — Er verfügt über geringe
Moral oder Rücksicht, hat eine schlechte Erziehung genossen.

Der Drop ist noch nicht gelutscht — Es ist noch nichts entschieden, es kann noch
alles passieren.

E [Bearbeiten]

Jemanden in die Ecke stellen — ihn beschämen, bestrafen. Didaktisches Mittel bis
in die Mitte des 20. Jahrhunderts, Schüler für Unbotmäßigkeit oder
Zuspätkommen vor der gesamten Klasse zu blamieren, indem er mit dem Rücken
zur Klasse einige Zeit in der Ecke stehen musste

Etwas aus dem Effeff beherrschen — etwas perfekt können. Zwei Erklärungen
bieten sich an: f stand in der italienischen Kaufmannssprache als Abkürzung für
fino, ff für finissimo, also „sehr fein“. Andere vermuten ff als falsche Schreibweise
des griechischen Buchstabens „Π“ (Pi), der bei der Zitierung von altrömischen
Rechtsgrundsätzen verwendet wurde.

Ein gehörnter Ehemann — gehörnt bedeutet „betrogen“, sprich, seine Frau geht
fremd.

Ei des Kolumbus — einfache Lösung für ein verzwickt erscheinendes Problem.


Nachdem es niemand gelungen war, ein Ei auf die Spitze zu stellen, gelang dies
Kolumbus, indem er es leicht anklopfte
Es ist im Eimer — kaputt, schief gegangen, verkorkst. Es ist (auch im
übertragenen Sinn) im Abfalleimer gelandet

Sich wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen — rücksichtslos, unklug oder


taktlos auftreten.

Die graue Eminenz spielen — Person, die im Hintergrund die Fäden zieht.
Übernommen vom Französischen „l’Eminence grise“. Der Titel wurde erstmals
einem geistlichen Berater von Kardinal Richelieu Ruf schädigend zugesprochen.
Heute schwingt auch ein gewisser Respekt mit

Wir haben das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht — wir sind noch nicht
am Ziel angekommen (oft mit der impliziten Warnung, dass es dazu noch vieler
Anstrengungen bedarf). Abgeleitet vom Flaggen-Zeremoniell

Er ist ein Entenklemmer — er ist sehr geizig. Er ist bereit, Enten das Hinterteil zu
pressen, damit das Ei schneller gelegt wird

Sei doch nicht so etepetete — sei nicht so zimperlich, geziert, bedächtig.


Herkunft des Wortes unklar, könnte aber aus dem niederdeutschen Wort „öte“
bzw. „ete“ = ‚geziert‘ per Wortwitz entstanden sein. In Schleswig-Holstein sagt
man statt dessen „etjerpotetjer“

Er ist voll wie eine Eule — er ist stockbetrunken. Eule ist hier die Verballhornung
von „Aule“ = Steinkrug

Eulen nach Athen tragen — Etwas Unsinniges, Überflüssiges tun. Die Münzen des
antiken Athen trugen auf der Rückseite das Abbild einer Eule und wurden daher
auch „Eulen“ genannt. Da die Stadt Athen als sehr reich galt, erschien es
unsinnig und überflüssig, noch Geld dahin zu bringen. Im Süddeutschen gibt es
die sinnverwandte Redewendung „Das Wasser in den Bach tragen.“

F [Bearbeiten]

Den Faden verlieren — (in der Rede) nicht mehr weiter wissen. Diese Redensart
hat ihren Ursprung vermutlich in der griechischen Mythologie. Mit Hilfe des
Fadens, den ihm Ariadne mitgab, fand Theseus wieder aus dem Labyrinth des
Daidalos, in dem er gerade den Minotaurus zur Strecke gebracht hatte. Hätte
Theseus den Faden verloren, hätte er nicht weiter gewusst. Wahrscheinlicher ist
jedoch die Herkunft aus der Webersprache, wo ein verlorener Faden u. a.
Zeitverlust bedeutete, bis der Faden wieder aufgenommen werden konnte

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte — das Ganze hängt
miteinander zusammen, ist miteinander verwoben. Aus den
Wahlverwandtschaften (2.Teil, 2. Kap.) von Goethe, der selbst erläutert, dass in
der britischen Marine in alle Taue ein roter Faden eingesponnen sei, der nicht
herauslösbar ist, ohne das Ganze zu zerstören. Der Faden kennzeichnet so die
Taue als Eigentum der Krone

Es hängt an einem seidenen Faden — die Situation ist bedrohlich oder nicht
einschätzbar. Es gibt mehrere Versionen, so die der griechischen
Schicksalsgöttinnen oder der germanischen Nornen, die jederzeit den
Lebensfaden abschneiden können. Weniger wahrscheinlich ist die Herleitung vom
Damoklesschwert, das ja der Sage nach an einem Rosshaar befestigt war

Er hat eine Fahrkarte geschossen — er hat das Ziel verfehlt. Aus der
Schützensprache, wo Einschüsse außerhalb des vorgesehenen Bereiches (die
Scheibe, aber keinen Zielring getroffen) so bezeichnet werden, in Anlehnung an
den Fahrschein, der bei der Kontrolle vom Schaffner gelocht/geknipst wurde. Eine
andere Erklärung ist die Treffer-Anzeige auf dem Schießstand, die einer Militär-
Fahrkarte ähnelte.

Sein Fähnlein nach dem Winde drehen. — sich opportunistisch verhalten. Aus der
Windmüllersprache, wo das Windrad immer in den Wind gestellt wurde, um die
größtmögliche Wirkung zu erzielen.

Farbe bekennen — ehrlich seine Meinung sagen. In vielen Kartenspielen muss die
Farbe der ausliegenden Karte nachgespielt werden („Farbzwang“).

Das passt wie die Faust aufs Auge. — In der ursprünglichen Bedeutung wurden
damit zwei Dinge bezeichnet, die absolut nicht zusammenpassen (eine Faust
hinterlässt ein blaues, geschwollenes Auge). Im weiteren Sprachgebrauch
verwendete man den Ausdruck zunehmend ironisch, sodass sich mit der Zeit
sogar eine Umkehr der Bedeutung entwickelte. Heute versteht man darunter
hauptsächlich besonders gut zueinander passende Dinge, seltener gilt auch noch
die ursprüngliche Bedeutung.[1]

Jemandem den Fehdehandschuh hinwerfen — mit ihm Streit anfangen, ihn


herausfordern. Entgegen einer landläufigen Meinung, stammt der Begriff nicht
aus dem Mittelalter. Für jene Zeit ist zwar der Brauch des Hinwerfens und
Aufnehmens eines Kettenhandschuhs zur Ansage und Annahme einer Fehde in
Kreisen der Ritterschaft bekannt, doch war für die Rechtmäßigkeit einer solchen
Fehde weit mehr nötig. Der Ausdruck als Zusammensetzung der Worte „Fehde“
und „Handschuh“ entstand erst im 18. Jahrhundert, als es üblich war, seinem
Gegner einen Handschuh aus Stoff ins Gesicht zu schlagen, um ihn zu einem
Ehrenduell herauszufordern.

Einen Fehler ausmerzen — etwas gut machen, ausbügeln. Im Monat März wurden
Schafe aussortiert, die zur weiteren Zucht nicht taugten
Adam und Eva mit Feigenblatt
(Albrecht Dürer 1507)

Das ist doch nur ein Feigenblatt — das ist eine Verschleierung der Tatsachen.
Nach der Bibel (1 Mos 3,7 EU) bestand die erste notdürftige Bekleidung von
Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies aus einem Feigenblatt

Jemandem das Fell über die Ohren ziehen — einen Anderen betrügen oder
übervorteilen. Ein vom Tier auf den Menschen übertragenes Bild: Ich nehme bei
dem Handel jemanden, eigentlich einem Pelztier, seinen (teuren) Pelz und er/es
kommt dabei um. Rund belassen „über die Ohren“, von hinten beginnend zum
Kopf, werden wertvolle Felle abgezogen, um sie beim Abziehen nicht zu
beschädigen.

Ihm schwimmen die Felle weg — er wird der Sache nicht mehr Herr. Vom
Kürschner entlehnt, der seine zugerichteten (gegerbten) Felle in fließenden
Gewässern ausspülte.

Weg vom Fenster sein — Nichts mehr zu sagen haben, etwas verpassen oder tot
sein. Vermutlich aus dem Bergbau: Kumpel, die unter Tage arbeiteten, genossen
am Feierabend die letzten Sonnenstrahlen am Fenster. War einer nicht mehr am
Fenster zu sehen, war er krank oder tot.[2] Andere Quellen sehen den Ursprung
der Redewendung in den Fenstern begründet, in denen sich die Mächtigen dem
Volk zeigten. „Weg vom Fenster“ zu sein bedeutet demnach, nicht mehr im
Rampenlicht zu stehen.[3]

Fersengeld geben — sich davon machen, flüchten. Schon 1250 bezeugter


Ausdruck aus der Rechtssprache, wo man für das Verlassen des Ehepartners der
Obrigkeit „Fersengeld“ bezahlen musste. Auch Deserteure konnten so Absolution
erhalten.

Sein Fett weg bekommen — seine Rüge oder Strafe erhalten. Im Volksmund
bekam man „eine geschmiert“, also eine Ohrfeige. Ursprünglich aber bekam
jeder Helfer bei einer Schlachtung als Belohnung (s)ein Stück Fett ab.
Ins Fettnäpfchen treten — es mit jemandem durch eine Ungeschicklichkeit
verderben bzw. jemanden kränken oder verstimmen. Im Erzgebirge stand
zwischen Tür und Ofen ein Fettnapf, mit dem nasse Stiefel wieder eingefettet
wurden. Wehe, man warf sie aus Versehen um oder trat hinein…

Die Feuertaufe erhalten — das erste Mal ins Gefecht ziehen. Aufgrund der
fehlenden Erfahrung war das oft auch das letzte Gefecht

Da ist der Film gerissen — von diesem Zeitpunkt an kann ich mich an nichts mehr
erinnern. (Geschieht meist unter Alkohol- oder anderem Drogeneinfluss.) Wenn
im Kino der Film riss, spielte sich für einige Zeit nichts mehr ab.

Ich bin wohl im falschen Film? — in eine völlig unerwartete Situation geraten sein,
unter Anspielung auf das Kinoprogramm

Weder Fisch noch Fleisch — Nichts Halbes, nichts Ganzes, ein lauer Mensch.
Entstanden in der Reformationszeit, als man Wankelmütige bloßstellen wollte, die
nicht so recht wussten, ob sie katholisch bleiben oder evangelisch werden
wollten.

Der Fisch stinkt (immer) vom Kopfe her — die Verantwortlichkeit infolge von
Problemen liegt (immer) bei den Entscheidungsträgern.

Fisimatenten machen — Ausflüchte oder nichtige Einwände machen. Hierfür gibt


es mehrere Entstehungsvarianten. — Die häufig erwähnte Ableitung von „visitez
ma tente“, womit französische Soldaten einheimische Damen ermunterten, in
ihre Zelte zu kommen, ist unbelegt, ebenso die angebliche Ausrede „j’ai visité ma
tante“, d.h. ich habe meine Tante besucht. Möglicherweise richtig ist die Herkunft
von „visae patentes“, d.i. geprüfte Patente, da zwischen Antrag und Bestätigung
der Patente eine recht lange Zeitspanne verging

Er ist eine Flasche — jemand ist unfähig. Übernahme aus dem Italienischen Wort
fiasco=Flasche. Sängern und Schauspielern wurde nach misslungenen
Aufführungen zum Spott eine Flasche um den Hals gehängt

Fix und fertig sein — völlig geschafft, entkräftet sein

Er hat Flausen im Kopf — er hat eher nicht zu verwirklichende/irrealistische Pläne


im Kopf. Flausen sind eigentlich umherfliegende Wollflocken/Fasern oder der
Baumwollpflanze. Entsprechend hoch werden gelegentlich irreale Pläne meist
jugendlicher Personen eingeschätzt

Ich mache besser die Fliege — ich möchte jetzt gehen. Fliegen wechseln häufig
ihren Platz, um nicht erschlagen zu werden

Die Flitterwochen verbringen — die (auch übertragen) ersten Wochen nach einer
Hochzeit beisammen sein. „vlittern“ bedeutete im Mittelhochdeutschen kichern,
flüstern, liebkosen.

Die Flinte ins Korn werfen — aufgeben, resignieren. Wenn sich Soldaten ihres
Gewehrs entledigen, haben sie keine Lust mehr zu kämpfen
Er hört die Flöhe husten — er hat (meist nicht nachvollziehbare) böse
Vorahnungen, aber auch: er kommt sich sehr klug vor.

Jemandem einen Floh ins Ohr setzen — ihn mit einer Nachricht in lang
andauernde Unruhe versetzen,

Mit dem muss man mal Fraktur reden — man muss ihm unmissverständlich die
für ihn unangenehme Meinung sagen. Fraktur ist eine kantige und für manchen
schwer lesbare Schriftart

Fremd gehen — außerehelichen Verkehr haben, den Partner sexuell betrügen

Lass doch mal fünf gerade sein! — nimm es bitte nicht so genau!

Das kann man mit Fug und Recht behaupten — das kann man mit vollem Recht
sagen. Eine bereits im Mittelalter bekannte Zwillingsformel, die das Wort „Recht“
noch verstärken soll

Er ist wahrscheinlich mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden — er ist schlecht
gelaunt oder nicht konzentriert

In jemandes Fußstapfen treten — jemandem (im Amt oder Beruf) nachfolgen, und
dabei seine Konzepte übernehmen/kopieren.

Fünf vor zwölf — Höchste Zeit; es verbleibt wenig Zeit, eine Sache in Ordnung zu
bringen.

G [Bearbeiten]

Ihm läuft die Galle über — er gerät in Zorn, ist wütend. Bei Erregung erhöht die
Leber ihre Galleproduktion.

Jemandem den Garaus machen — jemanden umbringen, töten

Jemandem reißt der Geduldsfaden — jemand verliert die Geduld

Er geht mir auf den Geist — Er nervt mich bzw. ich ärgere mich über ihn/ reagiere
allergisch auf ihn

Er steht Gewehr bei Fuß — Er hält im Augenblick still, kann aber jederzeit wieder
aktiv werden. Aus der Kommandosprache beim Militär

Man muss ihn mit Glaceehandschuhen anfassen — ihn sehr behutsam und
taktvoll behandeln, aber auch: mit spitzen Fingern anfassen. Während in ersterer
Bedeutung das gebotene Taktgefühl im Umgang mit Überempfindlichen gemeint
ist, will man sich bei der letzteren nicht die eigenen Finger schmutzig machen.

Zu tief ins Glas blicken — zu viel trinken. Mit Glas ist das Trinkgefäß gemeint.

Etwas an die große Glocke hängen — laut kund machen, dass alle es hören
können
Das hat ihm den Gnadenstoß gegeben — Er hat komplett die Fassung verloren.
Hinrichtungen waren einstmals bewusst brutal schmerzvoll (Kreuzigung, Rädern).
Durch einen gezielten Stoß ins Herz konnte dem Leiden ein vorzeitiges Ende
gesetzt werden. Auch wurden häufig nach Schlachten die im Wundfieber
liegenden feindlichen und eigenen Soldaten gezielt getötet, um ihr Leiden
abzukürzen.

Etwas auf die Goldwaage legen — sehr empfindlich reagieren. Die Goldwaage
war eines der genauesten Messgeräte, das schon bei kleinsten Mengen anschlug.

Den lieben Gott einen guten Mann sein lassen — sich wenig um etwas kümmern
oder einer Sache unbekümmert ihren Lauf lassen, wo Eingreifen erforderlich
wäre.

Ins Gras beißen. — sterben, untergehen. Aus der Soldatensprache. Schwer


Verwundete bissen vor Schmerzen buchstäblich ins Gras

Er hört das Gras wachsen — er hat (meist nicht nachvollziehbare) Vorahnungen

Die Grätsche machen — kaputt gehen, wie eben die Stuhlfüße nach außen driften
und dann keinen Halt mehr bieten.

Die Gretchenfrage stellen — ursprünglich in Goethes Faust die Frage an Heinrich:


„Wie hast Du’s mit der Religion“? Heute dagegen eher die Frage nach dem
Wesentlichen.

Die beiden sind sich nicht grün — Höfliche Umschreibung für den Umstand, dass
sich zwei Personen gegenseitig nicht gewogen sind.

Das geht unter die Gürtellinie/das ist unter der Gürtellinie — das ist unfair oder
unsittlich. Mit „sub cingulo“ wurden im Kirchenlatein die Geschlechtsteile
gemeint, deren Benennung eher tabu war. Beim Boxsport gelten Schläge
unterhalb des Bauchnabels als grob unsportlich

H [Bearbeiten]

Das Haar in der Suppe suchen / finden — etwas Missfälliges suchen oder
bemerken; nur das Schlechte oder Negative sehen; etwas auszusetzen haben;
eine pessimistische Grundeinstellung haben

Sie hat Haare auf den Zähnen — sie ist dominant, herrschsüchtig, einem Streit
nicht abgeneigt. Sowohl negativ als auch eher anerkennend gebraucht.

Kurze Haare sind bald gekämmt — eine einfache Sache ist schnell abgemacht.

Dich sticht wohl der Hafer! — Du bist übermütig/keck! Je nach Tonfall dezente bis
drohende Zurechtweisung, sich zurückzunehmen. Pferde sollen bei reichlichem
Genuss von Hafer ihr Temperament ändern und übermütig werden

Da kräht doch kein Hahn nach — Das interessiert niemanden.


Er ist Hahn im Korb — der einzige Mann in einer Gruppe von Frauen sein. Bei
einer Gruppe von Hühnern gibt es immer nur einen Hahn, da mehrere Hähne
sonst um die Fortpflanzungspartner konkurrieren würden.

Der rote Hahn als Sinnbild des Feuers (vor dem Feuerwehrhaus der Feuerwehr
Aumühle)

Sie hatten den roten Hahn auf dem Dach — ihr Haus hat gebrannt. Die lodernden
Flammen erinnern an den roten Kamm eines Hahns. Diese Redewendung findet
sich auch im Lied über Florian Geyer, Wir sind des Geyers schwarzer Haufen:
„Setzt aufs Klosterdach den roten Hahn!“ bedeutet dort „Brennt das Kloster
nieder!“

Jetzt mal halblang! — nicht so voreilig/stürmisch, besinne Dich erst

Er kriegt den Hals nicht voll — er ist unersättlich, will stets noch mehr

Ich wünsche Ihnen Hals- und Beinbruch — ich wünsche Ihnen viel Glück! Aus dem
Jiddischen „hatslokhe un brokhe“, was „Glück und Segen“ bedeutet

Etwas Hals über Kopf tun — etwas ohne Nachzudenken, hastig, überstürzt tun

Jemandem die Hammelbeine lang ziehen — jemanden scharf angehen oder


schikanieren. (Aus der Soldatensprache seit dem Ersten Weltkrieg)

Eine Hand wäscht die andere — es wird eine angemessene Gegenleistung


erwartet. Vom römischen „manus manum lavat“ übernommene Redewendung

Sich die Hände in Unschuld waschen. — sich für unschuldig erklären. Aus der
Bibel (Mt 27,24 EU), wo Pilatus gegen seine innere Überzeugung Jesus kreuzigen
ließ, und in einem Psalm Davids (Ps 26,6 EU).

Für jemanden die Hand ins Feuer legen — voll vertrauen (Gaius Mucius Scaevola
soll der Sage nach Rom gerettet haben, indem er seine Hand über einem offenen
Feuer verbrennen ließ und durch den damit bewiesenen Mut den Gegner stark
beeindruckte.)

Das hat weder Hand noch Fuß — das ist untauglich, unausgegoren. Die Version
„Das hat Hand und Fuß“ drückt dagegen aus, dass Substanz (hinter einem
Vorschlag) steckt
Im Handumdrehen — Aufgabe in kürzester Zeit erledigen (Gaukler und Zauberer
verblüffen immer wieder durch flinke, kaum wahrnehmbare Handbewegungen.)

Ins Handwerk pfuschen — ohne Befugnis und Fertigkeit eine Tätigkeit ausüben
(Ein „Pfuscher“ war im Mittelalter jemand, der im Verborgenen Arbeiten
verrichtete, die einem von der Zunft anerkannten Handwerker vorbehalten
waren.)

Jemandem das Handwerk legen — ihm die Ausübung einer Tätigkeit


verwehren/untersagen. Nur Zunftmitgliedern waren bestimmte Arbeiten
zugestanden, aber auch ihnen konnte bei Verfehlungen die weitere Ausübung
untersagt werden

Mit Hängen und Würgen etwas schaffen, (das Examen, die Prüfung) — etwas sehr
mühsam zustande bringen. (Vermutlich von der Hinrichtung per Erhängen, die
früher ohne Fallstrick vollzogen und daher selten zum sofortigen Tod des Opfers
führte.)

Jemand ist ein Hansdampf in allen Gassen — er ist auf den verschiedensten
Gebieten sehr rührig (eher negativ angehauchte Bedeutung)

Jemanden in Harnisch bringen — jemanden zornig machen (Wer den Harnisch


anlegt, ist bereit zum Kampf.)

Da liegt der Hase im Pfeffer — das genau ist das Problem (Hasenpfeffer ist ein
Gericht. Einem gekochten Hasen ist nicht mehr zu helfen.)

Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts! — Geht zurück auf den Juristen Victor
von Hase, der, einmal selbst angeklagt, seine eigene Vernehmung mit dem Satz
einleitete „Mein Name ist Hase, ich verneine die Generalfrage, ich weiß von
nichts.“ In der deutschen Synchronfassung der Zeichentrickserie Bugs Bunny
zitiert die Titelfigur hingegen häufig eine verballhornte Version dieser Redensart:
„Mein Name ist Hase – ich weiß Bescheid!“

Unter die Haube kommen — heiraten (Kennzeichen der verheirateten Frauen war
früher eine Haube.)

Haus und Hof verspielen — seinen gesamten Besitz bei einem Glücksspiel
verlieren. Bei einem Glücksspiel setzt man nur als allerletzte Möglichkeit, wenn
man bereits kein Bargeld oder andere Wertsachen mehr hat, sein Haus als
Einsatz. Wenn man dann verliert, hat man seinen gesamten Besitz verloren.

Auf der faulen Haut liegen — ausspannen, sich entspannen, faulenzen, die Arbeit
ruhen lassen.

Der Hecht im Karpfenteich sein — eine belebende oder auch störende Rolle in
einer wenig aktiven Gemeinschaft spielen. Der Hecht sorgt als Raubfisch dafür,
dass die Karpfen nicht zu fett werden.
Es zieht wie Hechtsuppe — es weht ein kalter Wind durch den Raum. Ursprung
ungeklärt. Einige Experten vermuten eine Verballhornung des Jiddischen „hech
supha“ = starker Sturm

Das Heft in der Hand haben bzw. behalten bzw. aus der Hand geben — über
Macht verfügen bzw. verlieren. (Mit Heft ist hier der Schwertgriff gemeint.)

Jemandem heimleuchten — jemanden (bzw. seine Vorschläge) zurückweisen.


(Ehedem wurde den guten Gästen nachts ein Diener mit Laterne für den
Heimweg zur Verfügung gestellt. Die vormals positive Aufmerksamkeit wechselte
später ins Spöttische.)

Keinen Heller wert sein. — von sehr niedrigem Wert sein. Der „Heller“, eine
ursprünglich in Schwäbisch Hall geschlagene Kupfermünze, war nur den Bruchteil
eines Batzens oder Guldens wert

Mir ist das Hemd näher als der Rock — Bei aller Anerkennung Deiner Argumente
ist mir in diesem Falle mein persönlicher Vorteil wichtiger

Das letzte Hemd hat keine Taschen — Du büßt mit Deinem Tod alle materiellen
Güter ein, kannst nichts ins Grab mitnehmen

Er macht sich ins Hemd — er hat Angst/ drückt sich aus Angst vor einer
Entscheidung. Angst führt bei Kindern gelegentlich zum Versagen der
Schließmuskeln

Es sieht hier aus wie bei Hempel unterm Sofa / Wohnwagen — hier herrscht
absolute Unordnung/Unsauberkeit. Herkunft unsicher. Eine Version besagt: Ein
Schausteller namens Hempel soll es um 1900 nicht besonders genau mit der
Reinlichkeit gehalten haben und daher des Platzes verwiesen worden sein.

Die Henkersmahlzeit — scherzhaft für das Abschiedsessen. Früher konnten sich


die zum Tode Verurteilten eine Mahlzeit wünschen, die ihnen vom Henker vor
ihrer Hinrichtung persönlich aufgetischt wurde.

Jemandem die Hennen eintreiben (schwäbisch) — ihm lautstark die Meinung


sagen. Geflügel in den Stall zu treiben, geht meist nicht geräuschlos ab.

Ihm ist das Herz in die Hose gerutscht — er hat arge Angst bekommen (und von
seinem Vorhaben abgelassen).

Aus seinem Herzen keine Mördergrube machen — offene Worte finden, mit seiner
Meinung nicht hinter dem Berg halten. Aus der Bibel (Mt 21,13 EU).

Blinder Hesse — Schimpfwort für einen kurzsichtigen oder geistig behinderten


Menschen. Es kursieren mehrere Versionen über dessen Entstehung, die jeweils
im 13.Jahrhundert angesiedelt ist. Siehe die Sage vom Blinden Hessen[4].

Er schwebt im siebten Himmel — Er ist derzeit unendlich glücklich. Im Siebten


Himmel traf nach der islamischen Legende Mohammed auf Abraham/Ibrahim, der
auch im Islam hoch verehrt wird
Ins Hintertreffen geraten — an Einfluss verlieren, Nachteile erleiden. Aus der
Soldatensprache, wo in der alten Schlachtordnung die erste Reihe entscheidend
für den Ausgang des Treffens war.

Du kannst mir den Hobel blasen! — weniger vulgäre Ausdrucksweise für das
Götz-Zitat

Er will am liebsten auf zwei Hochzeiten tanzen — er versucht, zwei sich


gegenseitig ausschließende Dinge gleichzeitig tun

Er macht ihr den Hof — er umwirbt sie. Übernommen aus dem französischen
„faire la cour“ aus Zeiten der Minnesänger

Holzauge sei wachsam! — aufpassen! Stadtmauern hatten Wehrgänge. Mehrere


kreisrunde Löcher in der Mauer, mit Holz umkleidet, Holzaugen genannt,
erlaubten den wachhabenden Soldaten einen prüfenden Blick nach draußen,
ohne selbst von dort gesichtet zu werden.

Sie hat viel Holz vor der Hütte — sie hat eine stark ausgebildete Brust.
Süddeutsch, vor allem in Gegenden, wo Trachtenkleidung üblich ist/war. Spielt an
auf die in der Alpenregion bekannten Brennholzlager, die vor dem Hause zum
Trocknen aufgeschichtet sind.

Er kam vom Hölzchen aufs Stöckchen. — er verlor sich immer mehr in den
Nebensächlichkeiten des ursprünglichen Themas.

Auf dem Holzweg sein — Falsch liegen, im Irrtum sein. Holzwege enden im Wald
und führen nicht weiter.

Bei ihm ist Hopfen und Malz verloren — aus ihm wird nichts (mehr). Aus der
Brauersprache, wo diese beiden Zutaten als die wichtigsten bei der
Bierproduktion galten. War das Brauergebnis bescheiden, dann war eben Hopfen
und Malz verloren.

Das geht aus wie das Hornberger Schießen — ein groß angekündigtes
Unternehmen geht klanglos zu Ende. Nach einer Episode, wonach die Bürger von
Hornberg hohen Besuch erwarteten, aber bei dessen Eintreffen schon alles Pulver
verschossen hatten.

Dem Ehemann Hörner aufsetzen — einen Seitensprung machen, also den


Ehemann betrügen. Redewendung, die im Prinzip schon die Griechen kannten.
Merkt er den Betrug nicht, ist der dumm wie ein gehörnter Ochs

Sie hat die Hosen an — Sie hat in der Ehe oder der Familie das Sagen, ihr Mann
hat dort nichts zu sagen

Das geht (meistens) in die Hose — das geht (in aller Regel) schief und führt nicht
zum beabsichtigten Ziel.
Sie zieht die Hose mit der Beißzange an — Sie ist dominant, geht einem Streit
nicht aus dem Wege, ist eine Mannfrau. Teils anerkennend, im Tenor aber
ziemlich negativ und als Warnung belegt

Nur nicht hudeln! (schwäbisch: No net hudle!) — nicht übereilt handeln (dafür
lieber gründlich)! Eine im süddeutschen Sprachraum beliebte Redewendung. Mit
„Hudel“ bezeichnete man im Oberdeutschen einen (feuchten) Wischlappen, mit
dem der angeheizte Backofen von Asche gesäubert wurde, ehe man die Brotlaibe
einschob. Das musste recht schnell gehen, um keine Hitze zu verlieren

Mit ihm habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen. — mit ihm habe ich noch einen
Streit auszutragen bzw. ihm werde ich noch die Meinung sagen. „Rupfen“
bedeutete im Mittelalter so viel wie „tadeln“

Wir werden jetzt die Hühner satteln — wir brechen auf. Scherzhafte
Verballhornung von „Pferde satteln“.

Er hat Hummeln im Hintern — nicht ruhig sitzen bleiben können, immer in


Bewegung sein. Schon von Martin Luther verwendete Redewendung, die
selbsterklärend ist

Auf den Hund kommen — Scheitern, verarmen. Dazu gibt es viele


Erklärungsversuche, alle könnten stimmen. Siehe Deutung

Da liegt oder hier ist der Hund begraben

Das ist die Ursache oder das ist das Wichtige an der Sache. „Hunde“ bedeutete
im Mittelhochdeutschen Beute oder Schatz. Die Assoziation mit dem Haushund
ist fehl am Platz.

Hier ist nichts los.

Das ist ein dicker Hund — eine Unverschämtheit, ein böser Regelverstoß, ein
starkes Stück

Mit allen Hunden gehetzt — gleichbedeutend: mit allen Wassern gewaschen, also
gewieft oder schlau. Wild, das über entsprechende Erfahrung verfügt, entkommt
mit der erworbenen List vielen weiteren Gefahren.

Damit lockt man keinen Hund vom Ofen oder hinter dem Ofen hervor — das
taugt nichts, damit lässt sich nichts gewinnen. Selbsterklärend.

Von ihm nimmt kein Hund ein Stück Brot — er wird von allen gemieden und
verachtet. Selbsterklärend.

Sie sind wie Hund und Katze — sie vertragen sich nicht, sie streiten sich dauernd.
Katzen und Hunde missdeuten meist die (Körper)sprache des jeweils Anderen

Vor die Hunde gehen — verkommen, verludern. Kranke oder schwache Tiere
werden schnell zur Beute von Jagdhunden
Er will gerne mit den großen Hunden pinkeln (meist ergänzt: aber kriegt das Bein
nicht hoch) — mit Höheren mitmischen wollen, ohne die notwendigen
Voraussetzungen zu haben. Rüden heben zum Pinkeln demonstrativ ein Bein.

Am Hungertuch nagen — hungern, darben, ärmlich leben. Verballhornung des


religiösen Brauches, in der Fastenzeit ein Altartuch für die Kirche zu nähen.

Das geht über die Hutschnur — das geht zu weit. Nach einer Urkunde von 1356
aus Eger sollte dort der Strahl aus einem Wasserhahn nicht dicker als eine
Hutschnur sein, um einer Vergeudung von Wasser vorzubeugen.

I [Bearbeiten]

Da fehlt noch das Tüpfelchen auf dem I — es ist noch nicht rund bzw. vollständig.
Das i ohne Tüpfelchen ist kein i. Nach der Bibel (Mt 5,18 EU).

Jemand gehört zum Stamm der Ibo. — jemand gehört zu denen, die stets ‚Ich und
die anderen‘ sagen (Diese Redewendung leitet sich von der englischen Wendung
„I before others“ = „ich vor den anderen“ her und bezeichnet ausgeprägte
Egoisten.)

Jemand ist mein zweites Ich — jemand ist ein enger Freund von mir (Diese
Wendung leitet sich in ihrer lateinischen Form Alter Ego vom antiken Philosophen
und Mathematiker Pythagoras von Samos her.)

Jemanden in flagranti erwischen — auf frischer Tat ertappen. Verkürzt aus dem
lateinischen „in flagranti crimine“, wörtlich „in flammendem Verbrechen“

Jemand blamiert die Innung — jemand blamiert durch schlechte Arbeit oder
schlechtes Verhalten seine Kollegen (Die Innung ist der Zusammenschluss eines
bestimmten Handwerks.)

Etwas intus haben — etwas im Magen oder im Gehirn haben, kapiert oder
memoriert haben. Das lateinische Wort intus bedeutet ‚drinnen‘. Aus der
Studentensprache übernommen. Einen intus haben, häufig: einen zu viel intus
haben meint dagegen ‚angetrunken sein‘.

J [Bearbeiten]

Das ist Jacke wie Hose — das ist egal, macht keinen Unterschied, spielt keine
Rolle. Vermutlich nach dem Stoff, der sowohl für die Jacke als auch für die Hose
verwendet wurde.

Das ist doch Jägerlatein (auch: Anglerlatein) — das ist erfunden oder
aufgebauscht. Mancher Jäger brüstete sich mit Dingen, die unwahr oder stark
übertrieben waren.

Das ist der wahre Jakob — das ist der richtige Mann oder das richtige Mittel. Der
Streit, wo nun der Apostel Jakobus wirklich begraben ist, spaltete lange die
Christenheit.
Über den Jordan gehen — sterben. biblisch: Das Volk Israel nimmt Einzug nach
dem Wüstenweg in das verheißene Land über den Fluss Jordan (Jos 3,14 ff. EU),
christlich als Eintritt in das Himmelreich gedeutet.

Das kommt nur alle Jubeljahre vor — ziemlich seltenes Ereignis. Vom hebräischen
Wort jobel = Widderhorn. In Israel wurde nur etwa alle 50 Jahre das Land unter
den Siedlern neu verteilt. Zudem wurde laut Bibel im Jubeljahr allen Schuldnern
ihre Schulden erlassen. Diese „Jubeljahre“ wurden durch das Blasen dieses
Instruments angekündigt

Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kind — ich kam ohne eigenes
Zutun/ahnungslos an diese Sache. Wo Aufklärung noch ein Tabu ist, erkennt
manche Jungfrau den Zusammenhang zwischen Geschlechtsverkehr und
Schwangerschaft zu spät

K [Bearbeiten]

Kadavergehorsam leisten — uneingeschränkten Gehorsam leisten, „wie ein


Kadaver“, der sich ohne eigenen Willen von einem fremden Willen widerstandslos
bewegen lässt. Abwertend kritische Bezeichnung, als Wort und in dieser
negativen Bedeutung entstanden im deutschen anti-jesuitischen Schrifttum des
19. Jahrhunderts, dort im Rückgriff auf eine Formulierung in den lateinischen
Ordensstatuten von Ignatius von Loyola (si cadaver essent, in der spanischen
Ursprungsfassung cuerpo muerto), der dabei seinerseits einen Vergleich in der
Tradition von Franz von Assisi aufgriff und diese Art des Gehorsams von den
Ordensmitgliedern forderte.

Das ist kalter Kaffee — Überflüssiger Disput, bei dem kein Ergebnis
herauskommt. Abgestandener Kaffee hat kein Aroma mehr.

Jemanden durch den Kakao ziehen — Sich (meist in dessen Abwesenheit) über
jemanden lustig machen. (Bei Kakao handelt es sich vermutlich um eine
euphemistische Umschreibung von Kacke. Beispiel: Erich Kästner, Was auch
geschieht![5])

Eher geht ein Kamel durch das Nadelöhr — Unmögliches Unterfangen. Nach
einem Gleichnis in der Bibel (u.a. Mk 10,25 EU), wonach eher ein Kamel durch ein
Nadelöhr geht als ein Reicher ins Reich Gottes kommt. Zu den verschiedenen
Herkunftserklärungen vgl. den Hauptartikel Eher geht ein Kamel durch das
Nadelöhr.

Wo kämen wir da hin, wenn … — Ablehnung ungewohnter bzw. neuer Ideen und
Methoden. — Bezug darauf nimmt u.a. Kurt Martis Gedicht Wo kämen wir hin

Alles über einen Kamm scheren — Nach einem einheitlichen Verfahren vorgehen,
ohne auf Unterschiede Rücksicht zu nehmen. Es wird vermutet, dass es aus dem
germanischen Recht abgeleitet ist, wo das Scheren des Kopfhaares eine
Entehrung bedeutete. Im Bayerischen wird heute noch abschätzig von
„Gscherten“ gesprochen.
Jemanden an die Kandare nehmen — Jemanden zu Gehorsam zwingen (wollen).
Die Kandare ist Teil des Zaumzeuges bei Pferden. Mit ihrer Hilfe kann ein Tier auf
schmerzhafte Weise zur Disziplin gebracht werden.

Unter aller Kanone — Miserables Ergebnis. Hat nichts mit der im Militär
gebräuchlichen Kanone zu tun. Die Notenskala (heute von 1 bis 6) lautete in
Lateinschulen „Canon“. Total verhauene Arbeiten wurden schlicht mit „sub omni
canone“ (=unterhalb des Maßstabs) gewertet, von den Schülern bewusst
verballhornt.

Mit Kanonen auf Spatzen schießen — Vollkommen überreagieren, die


Verhältnismäßigkeit nicht wahren.

Etwas auf die hohe Kante legen — Etwas sparen, zurücklegen für schlechtere
Zeiten. Hohe Kante bezeichnet einen Platz im Baldachin eines Bettes, an dem
früher wohlhabende Menschen ihr Erspartes versteckten. Häufig befand sich in
einem Balken des Baldachins ein besonderes Geheimfach zu diesem Zweck.

Eine scharfe Kante zeigen — Klare, geradlinige Meinung vertreten, zu erwartende


Dispute darüber nicht scheuen. Möglicherweise in Anlehnung an die
Schärfeneinstellung beim Fotografieren entstandene Redewendung, die gerne
von Politikern benutzt wird, die sich damit gegen ihre Gegner profilieren wollen.

Er ist ein unsicherer Kantonist — Auf ihn ist kein Verlass, ihm ist nicht zu trauen.
Preußen war bezüglich der Aushebung von Soldaten in Kantone aufgeteilt. Wer
sich dem Waffendienst entziehen wollte, tat dies am besten durch Emigration.

Er steht (oder ist) neben der Kapp — Er ist geistesabwesend, etwas verwirrt oder
hilflos. Umgangssprachlich aus Hessen.

Ich nehme das auf meine Kappe — Ich übernehme dafür die Verantwortung,
stehe dafür gerade.

Er ist ein (echtes) Käpsele — er hat eine schnelle Auffassungsgabe, ist sehr
intelligent, gewitzt (gelegentlich auch im Sinne von durchtrieben). Eine
hauptsächlich in Schwaben gebräuchliche Redewendung, die vermutlich auf die
Zündkapsel u.ä. anspielt, die blitzschnell reagiert.

Das Karnickel hat angefangen — Der Sündenbock sein. Nach einer in Verse
gebrachten Berliner Anekdote, wonach ein Schusterjunge sich erbot, gegen
Entgelt vor Gericht eine der Partei genehme Zeugenaussage zu machen.

Jemandem in die Karten sehen — Die geheimen Absichten des Anderen mit
unlauteren Mitteln zu ergründen versuchen. Vom Kartenspiel, wo das Wissen
über die Karten des Gegners große Vorteile mit sich bringt, aber nur durch
Scharfsinn oder illegal zu erlangen ist.

Mit offenen Karten spielen — Nichts verheimlichen. Beim Nullouvert werden von
einem Spieler die Karten offen auf den Tisch gelegt, was die Taktik der beiden
Gegner sehr erleichtern kann.
Die Karten werden (jetzt) neu gemischt — Es beginnt ein neues Spiel, es besteht
jetzt wieder Chancengleichheit, mit der Aussicht, vorherige Verluste
wettzumachen.

Er spielt mit gezinkten Karten — Er betrügt, treibt ein falsches Spiel. Unter Zinken
versteht man das unauffällige Kennzeichnen von Karten, deren Rückseite ja
ansonsten absolut einheitlich gestaltet ist. Anhand von kleinsten Kerben erkennt
der Betrüger dann, welche Karte sich dahinter verbirgt.

Er setzt Alles auf eine Karte — Er spielt volles Risiko, alles zu verlieren oder zu
gewinnen („hopp oder topp“).

Es fiel zusammen wie ein Kartenhaus — Die (Lügen-)Geschichte/die Illusion


wurde auf einen Schlag entlarvt. Eine kleine Unachtsamkeit oder ein Windstoß
kann ein mühsam aufgebautes Kartenhaus in Sekunden zum Einsturz bringen.

Ab nach Kassel! — Verschwinde oder scher dich! Der Kurfürst von Hessen
verkaufte Landeskinder an die britische Krone, die als Söldner im amerikanischen
Freiheitskrieg eingesetzt wurden. Sammelstation war Kassel. Nach einer anderen
Version oder vielleicht auch bewusst herbeigeführten zusätzlichen Deutung
bezieht sich der Spruch auf den französischen Kaiser Napoléon III., der nach der
Gefangennahme bei Sédan 1870 einige Zeit in Kassel arrestiert war.

Die Kastanien aus dem Feuer holen — Einem anderen die unangenehmen Dinge
abnehmen. Nach einer Fabel von Jean de La Fontaine, in der ein Affe einen Kater
bat, für ihn die gerösteten Esskastanien aus dem Feuer zu holen.

Am Katzentisch sitzen — abseitsstehen, nicht beteiligt werden (Katzentische


werden denen zugewiesen, die man nicht für gleichberechtigt hält. Der
Katzentisch war ein abseits stehender Tisch für die Kinder oder verspätete
Gäste.)[6]

Der Katze die Schelle umhängen — als einziger eine gefährliche Aufgabe
übernehmen, da sich niemand dazu bereit findet der Katze eine Schelle
umzuhängen. Ursprung ist eine alte Fabel, nach der die Mäuse auf den Rat einer
Ratte innerhalb einer Versammlung beschlossen, der Katze eine Schelle
umzuhängen, damit sie rechtzeitig vor ihr gewarnt würden. Nur fand sich
bezeichnenderweise keine einzige Maus für diese gefährliche Aufgabe.[7]

Die Katze aus dem Sack lassen — offenbaren, welche (häufig auch bösen)
Absichten man hatte, ehe man das Geheimnis lüftete (Wer die Katze aus dem
Sack lässt, kann niemandem mehr einreden, dass ein Hase im Sack ist.)[8]

Da beißt sich die Katze in den Schwanz - Die Sache dreht sich im Kreis, beginnt
von vorne. Junge Katzen beißen sich gerne in den Schwanz und drehen sich dann
im Kreise

Die Katze im Sack kaufen — unüberlegt oder ungeprüft ein Risiko eingehen.
Diese Redensart geht auf eine Fabel zurück, in der dem Teufel in der
Neujahrsnacht eine Katze im Sack als dreibeiniger Hase verkauft wurde.[9]
Eine Katze hat sieben/neun Leben. — die Katze ist langlebig und zäh.[10]

Die Katze lässt das Mausen nicht — eine bestimmte Eigenart liegt ihm im Blut, er
kann davon nicht lassen.

Alles für die Katz! / für die Katz sein. — Vergeblich sein. (nach einer Fabel von
Burkard Waldis)[11]

Katzenjammer haben — sich elend fühlen, meist nach einer übel durchzechten
Nacht mit anschließendem „Kater“. Das häufig darauf folgende „Katerfrühstück“
soll die Kopfschmerzen verschwinden lassen.[12]

Mit jemand Katz und Maus spielen — ihm seine Ohnmacht durch Schaffung
immer neuer Situationen vor Augen führen.[13]

Wie Hund und Katze sein — sich nicht vertragen.[14]

Einen Kater haben — Unwohlsein beim Ausnüchtern nach Alkoholkonsum.[15]

Etwas in Kauf nehmen — Unangenehmes akzeptieren, weil gleichzeitig auch


Vorteile entstehen, oder weil man seine Grundsätze nicht preisgeben will.

Das Kind mit dem Bade ausschütten

Auf den Keks gehen — Lästig sein („Keks“ war ein Slang-Ausdruck für LSD.)

In dieselbe Kerbe hauen — Jemanden bei einem Vorhaben unterstützen. Als die
Motorsäge noch unbekannt war, erzielten Holzfäller die optimale Wirkung, wenn
Axthieb für Axthieb in der gleichen Kerbe landete.
Etwas auf dem Kerbholz haben — Etwas verbrochen oder ausgefressen haben. Zu
Zeiten des Analphabetentums wurden Schulden häufig durch Kerben in einem
Holzstab dokumentiert (wie heute noch im Restaurant die Getränke auf dem
Bierdeckel). Meist wird die Ausdrucksweise für Straftäter verwendet.

Das Kind mit dem Bade ausschütten. — etwas übereilt tun, ohne die möglichen
negativen Konsequenzen oder Vorteile genügend zu bedenken

Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen — jetzt ist das Befürchtete passiert
bzw. es ist für eine Verhinderung zu spät

Er wurde als Kind zu heiß gebadet. — er ist nicht normal, er hat einen
Dachschaden

Wir werden das Kind schon schaukeln — Wir werden das schwierige Problem
lösen

Mit Kind und Kegel — mit großer Begleitung. „Kegel“ wurden die unehelichen
Kinder genannt

Er ist ein großer Kindskopf — er hat, obwohl erwachsen, noch die mentalen
Eigenheiten oder Vorlieben eines Jugendlichen an sich

Für jemand die Kindsmagd spielen. — jemand alle Klein- oder Drecksarbeiten
abnehmen müssen. Die Kindsmagd hatte die Kinder zu beaufsichtigen und u.a. all
das aufzuräumen, was beim Spielen liegen geblieben war.

Mit der Kirche ums Dorf gehen — Umständlich sein, einen unnötigen Umweg
machen. „Die Kirche“ bezeichnete früher die Kirchengemeinde oder Prozession,
die einen unnötigen oder auch nur langen Weg beschreitet. Die Länge des
Prozessionsweges hing zumeist von der Bedeutung des Anlasses ab, blieb so mal
innerhalb des Dorfes, führte aber auch schon mal auf die Felder hinaus.

Lass die Kirche im Dorf! — Übertreibe nicht oder handele umsichtig.

Komm mir auf die Kirchweih! — Dezente Umschreibung des berühmten Götz-
Zitates. Um einen ungewollten Besuch zu diesem Festtag zu vermeiden, wurde
im sparsamen Oberschwaben gerne ergänzt „aber brings Essen selber mit“.

Mit ihm ist nicht gut Kirschen essen — Warnung, mit jemandem ohne Not
vertraulichen Umgang zu pflegen. Uralte Volksweisheit: „Wer mit Herren Kirschen
esse, dem würfen sie danach die Stiele in die Augen“.

Halt die Klappe! — Sei still! Bezieht sich auf die Klappsitze im Chorgestühl einer
Kirche, welche bei Unachtsamkeit laut herunter fallen konnten und so die
Andacht der Mönche störten.

Der muss wohl mit dem Klammerbeutel gepudert sein! — Er muss verrückt sein,
wenn er so etwas tut. Wer statt mit dem Puderquast mit dem Klammerbeutel
verschönert wird, muss einen Dachschaden davon tragen. Bundesweit bekannt
wurde diese Redensart durch Björn Engholm, Ministerpräsident von Schleswig-
Holstein.

Jemanden über die Klinge springen lassen — Jemanden zu Fall bringen, ihn
stürzen oder beseitigen. Mit Klinge war das Henkerschwert gemeint, das den Kopf
vom Rumpf trennte.

Knall und Fall — Plötzlich, ohne Vorankündigung. Wohl aus der Jägersprache
stammend, wo das Wild im gleichen Moment wie der Schuss fällt.

Eine Sache übers Knie brechen — Etwas vorschnell und zu wenig überlegt
durchführen. Das Knie wird spontan zu Hilfe genommen, das Ergebnis ist aber
wenig professionell.

Einen Knopf dran machen — Fertigstellen, abschließen. Die Knöpfe anzunähen


sind die letzten Handarbeiten bei der Produktion von Anzügen.

Einen Koffer stehen lassen — Eine übel riechende Blähung absondern.

Es geht um Kopf und Kragen (1) bzw. Er redet sich um Kopf und Kragen (2) — Es
geht um Leben und Tod. Es geht ums Ganze (1) bzw. er verliert mit seiner
Aussage alle Chancen auf ein mildes Urteil (2). Kragen bedeutet hier so viel wie
Hals.

Man darf nicht den Kopf in den Sand stecken — Man kann die Sache nicht einfach
negieren und hoffen, dass sie dann an uns vorbei geht. Angeblich stecken
Strauße bei Gefahr ihren Kopf in den Sand.

Seinen Kopf durchsetzen — Seinen Willen durchsetzen, auf seiner Meinung


beharren, stur sein.

Den Korb höher hängen — Etwas schwieriger machen, den Zugang erschweren.
[16]

Einen Korb bekommen — Abgewiesen werden, eine Bitte nicht erfüllt bekommen.
Troubadoure erhofften sich, von ihrer Angebeteten erhört zu werden. Wenn aber
von der Burg ein Korb ohne Boden herab gelassen wurde, schlug die Hoffnung in
Enttäuschung um.

Etwas oder jemanden aufs Korn nehmen — Bildlich auf jemanden oder etwas
zielen. Beim Gewehr bildet das Korn zusammen mit der Kimme die
Zielvorrichtung.

Es sieht hier aus wie Kraut und Rüben — Es herrscht ein wildes
Durcheinander/eine heillose Unordnung. Aus der Küchensprache, wo Kraut und
Rüben in einem Topf zusammen gemengt werden.

Wild ins Kraut schießen — Ungezügelt, irrational, unkoordiniert ablaufen. Vor


allem in Verbindung mit Spekulationen und Gerüchten häufig verwendet.
Bei jemandem in der Kreide stehen — Schulden haben. Wirte und Krämer
pflegten Forderungen mit Kreide an eine Tafel zu schreiben, bis sie erfüllt
wurden. vgl. „Kerbholz“.

Kreide fressen — Entgegen der eigenen Absicht oder Gesinnung Friedfertigkeit


vortäuschen.

Wie Krethi und Plethi. — Wild zusammengewürfelte Mannschaft. Nach der Bibel
(2 Sam 8,18 EU), quasi eine „Fremdenlegion“ von König David.

Vor jemandem zu Kreuze kriechen — Um Abbitte nachsuchen oder unterwürfig


um Vergebung bitten.

Das ist überflüssig wie ein Kropf — Darauf kann man leichten Herzens verzichten.
Der Kropf ist eine Erkrankung der Schilddrüse, auf dessen Existenz man keinerlei
Wert legt.

Ich bin doch kein Krösus — Ich bin nicht so reich, um das bezahlen zu können.
Nach einem griechischen König Krösus, der zeitweise sagenhaft reich gewesen
sein soll.

Eine Kröte schlucken müssen — Etwas Unangenehmes akzeptieren müssen.

Der Kuckuck soll dich holen! (auch: „Zum Kuckuck (nochmal)!“, „Zum Kuckuck
damit!“) — Scher dich zum Teufel! Böser Fluch. Kuckuck war nämlich einst ein
Synonym für Teufel.

Eine ruhige Kugel schieben — Sich nicht durch große Aktivitäten oder Fleiß
bemerkbar machen.

Das ist eine Kugelfuhr — Das ist sehr schwierig zu bewerkstelligen.


Munitionstransporte an die Front stellten eine gewaltige logistische
Herausforderung dar und mussten gut vorbereitet bzw. abgesichert werden.

Das geht auf keine Kuhhaut — Übertreibender Ausdruck (Hyperbel) der


Empörung, der besagen will, dass über eine bestimmte Sache oder Person so viel
Empörendes zu berichten wäre, dass zur Niederschrift nicht einmal eine Kuhhaut
ausreichen würde. Pergament wird aus den Häuten von Schafen hergestellt,
„Kuhhaut“ bezeichnet insofern ein zwar nicht real übliches, aber als besonders
groß vorzustellendes Beschreibmaterial. Eine andere Erklärung besagt, dass die
Redensart auf die Gründung der Stadt Karthago zurückgeht, als die Königin Dido
sich so viel Land erbat, wie sie mit einer Kuhhaut umschließen konnte. Nachdem
sie die Zusage hatte, zerschnitt sie die Haut in dünne Streifen, die
aneinandergelegt ein riesiges Gebiet umschlossen.

Den Kürzeren ziehen — Verlieren, unterliegen. Schon bei den Griechen übliche
Form des Losentscheids, wonach das Ziehen des kürzeren Halmes bedeutete,
dass man leer ausging.

L [Bearbeiten]
Ich muss für ihn eine Lanze brechen — ich muss ihn verteidigen/ihm beistehen.
Aus der Rittersprache, wo sich bei Zweikämpfen der Sekundant im Falle einer
bedrohlichen Situation schon mal einmischte und dabei den Bruch seiner Lanze,
wenn nicht mehr, riskierte

Durch die Lappen gehen — entwischen, verschwinden. Um Wild im Jagdrevier zu


halten, wurden bunte Tücher zwischen die Bäume gespannt. In seiner Todesangst
kümmerte sich das Wild aber nicht darum und „ging durch die Lappen“.

Da bin ich mit meinem Latein am Ende. — hier weiß ich nicht mehr weiter bzw.
das kenne ich zu wenig.

Er ist einer, der gerne lau badet. — er hat keinen Mumm, er scheut Konflikte.
Herbert Wehner hat diese gegen Willy Brandt gemünzte Redewendung populär
gemacht, als er ihm damit vorwarf, keinen eigenen Standpunkt zu haben.

Jemandem den Laufpass geben — jemanden entlassen oder mit ihm brechen.
Soldaten erhielten im 18. Jahrhundert bei ihrer Entlassung einen Laufpass, d. h.
ein Papier, das ihnen bei Bewerbungen um Arbeit helfen sollte.

Ihm ist eine Laus über die Leber gelaufen — Er ist verärgert.

Er spielt die gekränkte/beleidigte Leberwurst — Er tut, als ob er gekränkt wäre.


Die „Wurst“ wurde spöttisch der ursprünglich solitären „Leber“, die als Sitz von
Gefühl und Temperament galt, hinzu gefügt.

Frei von der Leber weg; auch: Frisch von der Leber — freimütig, ohne Scheu
sprechen. Leber und Galle galten lange Zeit als Sitz des Zorns und Ärgers

(Frisch) vom Leder ziehen — sich rücksichtslos äußern, kein Blatt vor den Mund
nehmen. Das Leder bedeutet hier die früher lederne Schwertscheide

Er sieht aus wie das Leiden Jesu — er sieht sterbenskrank aus. Er erinnert an den
gekreuzigten Jesus in Gemälden (auch großer) Meister

Er spielt immer die alte Leier — er kommt immer wieder auf dasselbe Thema zu
sprechen. Die Leier, ein Musikinstrument vor allem im Mittelalter, zeichnete sich
nicht durch große Flexibilität und Darbietungsmöglichkeiten aus

Jemandem auf den Leim gehen — von ihm hereingelegt/betrogen werden.


Vogelfänger arbeiteten mit Leimruten, an denen die Vögel hängen blieben

Er musste Leine ziehen — er musste das Feld räumen, verschwinden

Man muss ihm Leine lassen — er braucht mehr Freiheit, weniger Aufsicht, in
seinem Tun. Hunde können an die kurze Leine genommen werden, aber eben
auch an die lange Leine, wenn dadurch keine Gefahr entsteht

Alles über einen Leisten schlagen — keinen Unterschied machen, alles nach dem
gleichen Schema bearbeiten. Aus der Schuhmachersprache.
Ich mach dir doch nicht den Leo — ich lasse mich dafür nicht auch noch
einspannen. Bezieht sich auf die Kultfigur „Leo“ im Bayerischen
(Werbe-)Fernsehen, die für alles herangezogen wurde.

Jemandem die Leviten lesen — ihn heftig tadeln. Aus der Kirchensprache, wo die
Geistlichen der Diözese Metz einst durch ihren Bischof angewiesen wurden, sich
zur Besserung ihres Benehmens täglich Teile aus dem Levitikus und andere
Lektionen anzuhören.

Sein Licht unter den Scheffel stellen. — sich unter Wert verkaufen. Aus der Bibel
(Bergpredigt, Mt 5,13–16 EU).

Er pfeift auf dem letzten Loch — er ist am Ende. Das letzte Loch auf der Flöte ist
deren höchster Ton, weiter geht es nicht mehr.

Den Löffel abgeben — sterben. Als Besteck noch wertvolles Erbstück war,
übernahm der Jüngste den Löffel vom Verstorbenen.

Jemanden über den Löffel balbieren — jemanden betrügen oder benachteiligen.


Barbiere, heute sagt man Friseure, steckten bei der Rasur den Kunden manchmal
einen Löffel in den Mund, um die schlaffen Wangen zu spannen. In dieser Zeit
war der Kunde zum Widerstand kaum in der Lage.

Im Lot sein. — richtig bzw. in Ordnung sein. Aus der Maurersprache, wo das
Bleilot anzeigt, ob die Mauer wirklich senkrecht steht

Jemanden an die (frische) Luft setzen — ihn entlassen oder des Hauses verweisen

Den Lückenbüßer spielen — mangels Alternativen eingesetzt werden. „büßen“


bedeutet in diesem Zusammenhang „ausbessern, flicken“, es handelt sich also
um eine Person, die eine entstandene Lücke (in einer Mauer) ausbessern sollte.

Die Lunte riechen. — Verdacht schöpfen. Die Lunte, also die Zündschnur, konnte
man häufig weit hin riechen und sich rechtzeitig vor dem Schuss in Sicherheit
bringen.

Jemanden lynchen — jemanden ohne Gerichtsverfahren töten. John Lynch,


amerikanischer Richter, wartete im 17. Jahrhundert in Carolina nicht auf den
Sheriff, sondern tötete Diebe und Schwerverbrecher auf eigene Faust, ohne dafür
jemals zur Verantwortung gezogen zu werden. Nach anderen Versionen soll es
ein Charles Lynch bzw. ein Williams Lynch gewesen sein.

M [Bearbeiten]

Makulatur reden — Unsinn von sich geben. Makulatur ist unbrauchbares


Druckpapier, das man nur noch für minderwertige Zwecke benutzen kann.

Jemanden in die Mangel nehmen — ihn mit Nachdruck befragen oder verhören.
Eine Mangel ist eine Maschine, die aus zwei parallelen Walzen im geringen
Abstand besteht. Mit Hilfe einer Mangel kann ein Werkstoff gestreckt werden.
Mit Mann und Maus untergehen. — mit allem in den Fluten versinken. Die Maus
ist die Verballhornung des niederländischen „Meisje“ = Mädchen bzw. Weib.

Vor jemandem Manschetten haben — Angst oder Respekt haben. Im 18.


Jahrhundert trugen die edleren Herren Spitzenmanschetten, aber Manschetten
wurden auch Handschellen im Strafvollzug genannt.

Den Mantel des Schweigens über etwas legen — nichts verraten, etwas
verheimlichen. Sinnbildlich etwas unsichtbar machen

Da hat er eine Marotte — da ist er eigenartig, komisch. Marotte, frz., war ein vom
Wort Maria abgeleitetes Heiligenbild oder eine Handpuppe, später ein
Narrenszepter mit Puppenkopf, das u. a. der Hofnarr trug

Jemandem den Marsch blasen — andere, zumeist faule, träge oder


widerspenstige Personen mit, meist heftigen verbalen Mitteln zur Räson bringen
oder verjagen.

Er steht bei mir auf der Matte — Er will etwas von mir. Matte hat hier die
Bedeutung von Teppich.

Er steht wieder auf der Matte — er ist wieder gesund, tut (nach längerer
Abwesenheit) wieder seinen Dienst. Aus der Ringersprache.

Er hat den Mattes nicht in der Reihe — er ist geistig verwirrt.

Mit ihm ist Matthäi am Letzten — Er ist (auch übertragen gesehen) dem Tode
nahe. Spielt die Bibel (Mt 28,20 EU) an: „…bis an der Welt Ende“.

Sie ist ein Mauerblümchen (ugs.) — als Mauerblümchen wird ein Mädchen
bezeichnet, welches von Männern kaum beachtet wird und kaum zum Tanz bei
einer Disco aufgefordert; analog zu einer Blume, welche unauffällig an einer
Mauer wächst.

Da beißt die Maus keinen Faden ab — das ist nicht mehr zu ändern. Nach einer
Tierfabel, in der eine dankbare Maus den in der Falle gefangenen Löwen rettet,
indem sie das Netz zernagt. Eine andere Version führt zur Hl. Gertrud von
Nivelles, die im Mittelalter zum Schutz vor Mäuse- und Rattenplagen angerufen
wurde. Danach durfte ab ihrem Namenstag (17. März) nicht mehr gesponnen
werden, weil sonst die Mäuse den Faden abbeißen würden

Es ist zum Mäusemelken — es ist absurd, wahnwitzig, unglaublich

Da läuft er bei mir in das gewetzte Messer — auf die Gelegenheit warte ich, um
mit ihm abzurechnen

Da geht mir das Messer in der Hose auf — meine Empörung ist nicht mehr zu
überbieten

Er ist alt wie Methusalem — er ist sehr alt. Methusalem wurde nach der Bibel
(Gen 5,21–27 EU) 969 Jahre alt und ist damit der älteste in der Heiligen Schrift
erwähnte Mensch überhaupt. Die Altersangabe dürfte mit unserer Zählweise sehr
wenig gemein haben.

Einen Metzgersgang machen — etwas erfolglos unternehmen. Fleischer gingen


früher von Hof zu Hof auf der Suche nach Arbeit. Kehrten sie am Abend ohne
Auftrag zurück, hatten sie einen „Metzgersgang“ gemacht.

Die Milch der frommen Denkart — die aus frommer Erziehung resultierende, eher
schlichte Denkweise. Friedrich Schiller hat dieser Redewendung in seinem Werk
Wilhelm Tell (vierter Aufzug, dritte Szene) ein Denkmal gesetzt.

Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen — stammt nicht von mir, ich habe
damit nichts zu tun.

Der letzte der Mohikaner — der letzte Euro, der mir verblieb, der letzte noch
lebende Schulfreund. Nach dem gleichnamigen Roman von James Fenimore
Cooper.

Hinter dem Mond leben — wirklichkeitsfremd sein. Bis 1959 hatte kein Mensch
die Rückseite des Mondes zu sehen bekommen, ehe die Sowjets mit ihrem Lunik
3 für Aufklärung sorgte. Eigentlich müsste also heute die Redensart das
Gegenteil der ursprünglichen Auslegung bedeuten.

In den Mond gucken — das Nachsehen haben, den Kürzeren ziehen.


„Mondgucker“ war ein Schimpfwort für dumme Leute, vergleichbar mit einem
„Hansguckindieluft“.

Den werd ich Mores lehren — Mores lehren steht für die Bemerkung Anstand,
Benehmen beibringen. Ihre Herkunft hat sie aus dem Lateinischen, das Wort mos
(plur.: mores) bedeutet „Sitte, Anstand“ bzw. „Moral“. Entstanden ist der
Ausdruck etwa in der Zeit des Humanismus (ca. 15. Jhd.) als Teil der damaligen
Studenten- und Gelehrtensprache.

Es mit den Motten kriegen — „zu viel bekommen“, weil etwas nervt oder vom Ziel
abbringt. Motten umgangssprachlich auch für Tuberkulose

Das schmeckt nach Muckefuck — das ist geringwertiger Kaffee, üblicherweise


Ersatzkaffee. Verballhornt aus dem französischen Begriff „Mocca faux“ = falscher
Mokka für einen Kaffee, der keine oder kaum Kaffeebohnen enthält. Siehe auch
„Blümchenkaffee“.

Er macht gerne aus einer Mücke einen Elefanten — eine unbedeutende Sache
ungemein aufbauschen/ maßlos übertreiben

Etwas für bare Münze nehmen — etwas ernst nehmen, obwohl nur im Scherz
gesprochen.

Sich den Mund verbrennen - das Falsche sagen, unbequeme bzw. peinliche Dinge
offen aussprechen

N [Bearbeiten]
…, dann gute Nacht! — das wäre schlimm

Er ist eine (alte) Nachteule — Er ist besonders nachts aktiv und kommt dann spät
heim. Eulen sind Nachtvögel und lassen sich bei Tag kaum blicken.

Die Nadel im Heuhaufen suchen — etwas Unmögliches versuchen müssen. Es ist


praktisch ausgeschlossen, dass die Suche erfolgreich sein wird.

Den Nagel auf den Kopf treffen — Genau das Richtige sagen oder erraten. Aus
der Schützensprache, wo mit Nagel der Mittelpunkt der zu treffenden Scheibe
gemeint war.

Etwas an den Nagel hängen (wie den Beruf) — mit etwas aufhören. Schneider
hängten den noch nicht fertiggestellten Anzug bis zur Weiterarbeit an den Nagel.

Sich etwas unter den Nagel reißen. — sich etwas (auch widerrechtlich) aneignen.
Raubtiere pflegen ihre Beute unter ihre Krallen zu nehmen, daher auch „sich
etwas krallen“.

Etwas brennt mir unter (seltener: auf) den Nägeln — Umschreibung einer inneren
Situation der Ungeduld, wenn man eine drängende Angelegenheit hinter sich
bringen oder eine Frage loswerden will. Herkunft unsicher, siehe Unter den
Nägeln brennen

Die Nagelprobe bestehen — eine entscheidende Prüfung bestehen. Eine


Nagelprobe ist allgemein eine Prüfung mit dem Fingernagel und in der ältesten
bekannten Bedeutung speziell ein Ritual zur Prüfung eines leergetrunkenen
Trinkgefäßes, indem man dieses so umdreht, dass eventuell verbliebener Inhalt
auf den Daumennägel rinnt: ist mehr enthalten, als auf dem Nagel Platz findet, so
gilt das Gefäß als nicht hinreichend leergetrunken und die Probe als nicht
bestanden

Er hat mal wieder aus dem Nähkästchen geplaudert — er hat etwas geäußert,
was nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Bei Effi Briest werden nach vielen
Ehejahren im Nähkästchen verfängliche Briefe entdeckt, die besser unentdeckt
geblieben wären

Jemandem eine lange Nase drehen — ihn austricksen oder seine Weisungen
ignorieren. Beliebte Geste bei Kindern, den Spielkameraden ihre Missachtung
oder Spott kund zu tun

Sich an die eigene Nase fassen — in Österreich und Schweiz auch: sich selber an
der Nase nehmen. Einen Fehler bei sich selbst statt bei anderen suchen. Geht
möglicherweise zurück auf einen Rechtsbrauch, sich beim öffentlichen Widerruf
einer Beleidigung an die Nase zu fassen.

Ach du grüne Neun(e)! — (Ausdruck einer meist unangenehmen Überraschung).


Vermutlich zurückzuführen auf die Pik-9 im Kartenspiel, die beim Kartenlegen
Unheil verhieß

Null-acht-fünfzehn! — siehe 08/15


Das ist ein Notnagel - eine Notlösung. Der Notnagel gehörte bis in die 1960er
Jahre zur Ausrüstung der Feuerwehrleute und diente zur Eigenrettung in
Gefahrensituationen.

O [Bearbeiten]

Oberwasser haben bzw. bekommen — Im Vorteil sein bzw. die Oberhand


gewinnen. Aus der Müllersprache. Das im Mühlteich angestaute Wasser trieb als
Oberwasser das Mühlrad an, das von ihm abfließende Unterwasser war
wesentlich weniger kraftvoll.

Seinen Obolus entrichten — einen kleinen Beitrag zahlen (Die Redewendung geht
auf die altgriechische Münze Obolos zurück, die man den Toten als Fährlohn für
den Fährmann Charon in den Mund legte.)

Wie ein Ochs vor dem Scheunentor stehen (alternativ: wie ein Ochs vor der
Apotheke bzw. vorm Berg stehen) — dumm oder unwissend, wie es weiter gehen
soll.

Eine Odyssee mitmachen — eine aufregende Geschichte erleben. Odysseus, der


Held von Troja, kehrte erst nach vielen Jahren und nach Überstehen vieler
Gefahren wieder in seine Heimat zurück.

Sie ist nicht ohne — sie ist pfiffig / intelligent (positiv), sie ist zickig bzw.
unberechenbar (negativ).

Sich etwas hinter die Ohren schreiben. — sich etwas gut merken. Zu wichtigen
Ereignissen zogen unsere Vorfahren ihre Kinder als Zeugen bei und gaben ihnen
einen Klaps hinter die Ohren, damit sie sich an den Vorgang besser erinnern und
das Wissen an spätere Generationen weitergeben könnten.

Es faustdick hinter den Ohren haben — durchtrieben oder raffiniert sein. Nach
Volksmeinung hatte die Verschlagenheit ihren Sitz hinter den Ohren.

noch grün hinter den Ohren sein — noch jung, unerfahren sein.[17] Verwandte
Redewendungen unter Verwendung der Farbe Grün finden sich in diversen
Sprachen, etwa dem Englischen in greenhorn.

Öl auf die Wogen gießen — besänftigend einwirken. Schon im Altertum war


bekannt, dass Öl die stürmische See glätten kann. Dagegen

Öl ins Feuer gießen — anstacheln, ein Übel noch vermehren. Selbst erklärend.

Dastehen wie Ölgötzen — stumm oder dumm herum stehen. Als Ölgötzen
bezeichnete man die in heidnischer Zeit aufgestellten Götterpfähle, später die
hölzernen Tierformen, an denen die Öllampen zur Beleuchtung des Anwesens
aufgehängt waren. Martin Luther scheint die Bezeichnung als Schimpfwort
populär gemacht zu haben.
Seit Olims Zeiten — scherzhafte Redensart, die sich nicht etwa auf eine
tatsächliche Person solchen Namens bezieht, sondern im 17. Jahrhundert aus der
Personifizierung des lateinischen Worts olim (einst) gebildet wurde

auf dem Olymp sitzen — sich über alle Anderen erhaben fühlen, überheblich sein.
Der Olymp war nach der griechischen Sage Sitz der Götter.

Frech wie Oskar — Dreist, wagemutig, furchtlos oder unverschämt sein. Je nach
Modulation als Ausdruck von Ablehnung bis zu hoher Anerkennung geläufig.
Vergleichbar die Redewendung „Stolz wie Oskar“. Entstehungszeit und Urheber
ist umstritten, jedoch sicher lange vor Oskar Lafontaine im Schwange

P [Bearbeiten]

Das sind zwei Paar Stiefel — das verhält sich ganz anders, das sind zwei
unterschiedliche Dinge.

Zu Paaren treiben — in die Flucht schlagen, in die Enge treiben. Paar ist
abgeleitet von „Barn“ =Futterkrippe, zu dem man ausgerissene Herden zurück
trieb

Das bringt mich auf die Palme — da werde ich wütend, da gehe ich in die Luft.
Eine Steigerung der Redensart, die Wände hochzugehen

Er steht unter dem Pantoffel — er steht unter dem Regiment seiner Frau, er hat
nichts oder nicht wirklich etwas zu sagen. Er ist, anders ausgedrückt, ein
Pantoffelheld. Hausschuhe galten lange als Sinnbild für ein weibliches
Kleidungsstück. Holzpantinen oder das Nudelholz konnten so manchen Ehemann
schmerzlich zur Raison bringen

Er ist stur wie ein Panzer — er ist uneinsichtig, lässt sich auch durch gute
Argumente nicht von seiner Überzeugung abbringen. Der Panzer (ein
Bekleidungsstück der Ritter) schützte diesen vor mancherlei Gefahren, stärkte
ihn aber auch in der Überzeugung, nicht nachgeben zu müssen/dürfen

Ich kenne meine Pappenheimer — ich weiß diese Leute (und ihre Schwächen)
einzuschätzen. Zitiert im Drama Wallensteins Tod von Friedrich Schiller. Die
Pappenheimer waren eine schwere Kavallerieeinheit unter dem Kommando des
Grafen von Pappenheim, die dem Kaiser treu ergeben waren und angeblich
immer zur rechten Zeit am rechten Ort waren.

Das ist kein Pappenstiel bzw. etwas für einen Pappenstiel kaufen — das ist keine
Kleinigkeit bzw. das ist spottbillig. Der Löwenzahn heißt im Niederdeutschen auch
Papenblume, lateinisch „pappus“, der ob seines häufigen Vorkommens gering
geachtet wird. Auch: Das ist kein Kinderspiel.

Jemandem in die Parade fahren — seine Pläne durchkreuzen oder abblocken. Aus
der Fechtsprache abgeleitet
Er ist und bleibt ein Paragraphenreiter — er verschanzt sich hinter den
Buchstaben des Gesetzes, ist nicht bereit zu einer liberalen, zeitgemäßen
Auslegung

Jemandem Paroli bieten — ihm zeigen, dass man ebenbürtig ist/gegenhält.


Abgeleitet aus einem ursprünglich italienischen/französischen Karten(glück)spiel
Pharo, wo paroli eine Verdoppelung des Einsatzes bedeutete, vielleicht
vergleichbar mit dem Kontra beim Skatspiel

Wir sind ja hier nicht unter Pastorentöchtern — wir können reden, wie uns der
Schnabel gewachsen ist. In Gegenwart von Pfarrertöchtern war manche
Redewendung/manch derber Witz nicht angebracht

Perlen vor die Säue werfen — sinnlos vergeuden. Die Wendung stammt aus der
Bibel (Mt 7,6 EU): „Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen
sollt ihr nicht vor die Säue werfen.“ Lateinischer Ausdruck: Margaritas ante
porcos.

Den schwarzen Peter zugeschoben bekommen — unberechtigt die Schuld für


etwas zugewiesen bekommen. Beim Kartenspiel Schwarzer Peter verliert
derjenige, der diese Karte als Letzter in der Hand hält

Das hat ihm die Petersilie verhagelt - es hat seine Pläne durchkreuzt, wohl eine
ironische Abwandlung der Redewendung „es hat ihm die Suppe versalzen“.

Du kannst da hin gehen, wo der Pfeffer wächst — Geh weg und komm nicht
wieder! (seit dem Spätmittelalter in Gebrauch, s.u. Thomas Murner)

Das Pferd von hinten aufzäumen — in der verkehrten Reihenfolge arbeiten (und
damit scheitern). Pferde werden zuerst am Kopf angeschirrt.

Ihm sind die Pferde durchgegangen — er hat irrational gehandelt, die Nerven
verloren. Scheu gewordene Pferde lassen sich nur noch schwer beruhigen.

Pferde (vor der Apotheke) kotzen sehen — etwas sehen oder erleben, was man
für ausgeschlossen und unmöglich hält. Tatsächlich können Pferde nicht kotzen.

Die Sache hat einen Pferdefuß — Man ahnt, dass der Teufel hinter der Sache
steckt, der nach früherem Glauben einen Pferdefuß hatte. U.a. die Hexe zu
Mephisto in Goethes Faust: „O Herr, verzeiht den rohen Gruß! Seh ich doch
keinen Pferdefuß“
Rinasce piu gloriosa („Er entsteht neu in größerem Glanz“)

Er erhebt sich wie Phönix aus der Asche — Ein schon als verloren
Abgeschriebener erscheint in neuem Glanze. Nach der griechischen Mythologie
war der Vogel Phönix im Stande, zu verbrennen und aus seiner Asche wieder neu
zu erstehen

Sie schießen wie Pilze aus dem Boden — sie vermehren sich schlagartig, nehmen
überhand. Vor allem negativ empfundene Dinge werden so charakterisiert,
Hotelanlagen in schützenswerten Regionen.

Die Platte machen — auf der Straße leben, obdachlos sein. Nicht zu verwechseln
mit „sich von der Platte machen“, sprich: sich verduften

Pleite machen — bankrott gehen. Pleite kommt vom hebräischen Wort „Peletah“
=Flucht. Der Geier im Pleitegeier kommt vom jiddischen Wort für Geher, also ist
ein Pleitegeier eine Person, die in die Flucht geht.

Dann ist Polen offen - eine außer Kontrolle geratene Situation

Von Pontius zu Pilatus laufen — (meist erfolglos) von einer Stelle/Behörde zur
anderen laufen. Aus der Bibel, wo Jesus mehrfach von König Herodes zum
römischen Statthalter Pontius Pilatus und von dort wieder zurück geschickt
wurde, ehe sein Todesurteil bestätigt wurde.

Viel Porzellan zerschlagen — sehr unangenehm auffallen. Zerschlagenes


Porzellan lässt sich meist nicht mehr reparieren

An den Pranger gestellt werden / angeprangert werden — in aller Öffentlichkeit


gedemütigt werden. Leichtere Vergehen wurden noch bis in die Neuzeit damit
bestraft, dass man längere Zeit am Pranger stehen musste, verspottet,
beschimpft und beworfen von den Mitbürgern.

Als Prügelknabe herhalten — für einen Dritten bestraft werden. An Edelleuten


durfte, so sehr sie es auch verdient hatten, die Prügelstrafe nicht vollzogen
werden. Statt dessen standen Kinder zur Verfügung, die dann in Anwesenheit des
eigentlich zu Bestrafenden die schmerzhafte Prozedur über sich ergehen lassen
mussten.
Der springende Punkt — das Wesentliche, die Hauptsache. Aristoteles glaubte,
der Ursprung des Lebens sei in dem Blutfleck angesiedelt, der sich im Eiklar
befindet und sich dort bewegt.

Er redet ohne Punkt und Komma — er redet ununterbrochen, ohne jemand


Anderen zu Wort kommen zu lassen.

Bis in die Puppen — übertrieben lang oder weit. Entstanden in Berlin, wo der
weite Weg vom Zentrum zum Tiergarten mit Statuen gesäumt war, die im
Berliner Mutterwitz als Puppen bezeichnet wurden.

Die (oder alle) Puppen tanzen lassen - eine meist lautstarke Auseinandersetzung
provozieren. Vermutlich herrührend vom Puppentheater, wo viele Puppen
gleichzeitig in Aktion für entsprechenden Wirbel sorgen.

Auf den Putz hauen - lautstark schimpfen oder sich beschweren, aber auch
prahlen/angeben oder viel Geld ausgeben.

dagegen: Putz machen - Streit suchen oder anfangen. Joschka Fischer war 1968
in Frankfurt Mitglied einer „Putztruppe“, die sich mit Polizisten fast legendäre
Straßenschlachten lieferte.

Q [Bearbeiten]

Die Quadratur des Kreises suchen — eine Aufgabe lösen wollen, die eigentlich
unlösbar ist.

Die Qual der Wahl haben — Eine schwere Entscheidung treffen müssen

Ein Quartalssäufer sein — nur selten, aber dann sehr viel Alkohol trinken.

Quecksilber im Hintern haben — äußerst lebhaft sein;

An der Quelle sitzen — problemlosen Zugang zu Dingen haben, die andere auch
gerne hätten

Eine gute Quelle haben — wissen, wo man etwas erhalten kann

Etwas aus sicherer Quelle wissen — Kenntnis von einem guten Gewährsmann
haben

Mit jemandem quitt sein — mit jemandem alle ungeklärten Angelegenheiten


bereinigt haben

Die Quittung erhalten — die Folgen für ein bestimmtes Verhalten tragen müssen

R [Bearbeiten]

Er kann die Radieschen von unten betrachten — er ist gestorben. Je nach Region
sind statt Radieschen auch Kartoffeln und andere Pflanzen im Gebrauch

Mit etwas zu Rande kommen — mit etwas fertig werden bzw. umgehen können.
Ursprünglich das Ufer erreichen.
Die Rechnung ohne den Wirt machen. — Sich täuschen, nicht die Folgen
bedenken. Die Rechnung des Wirts fällt häufig höher aus als erwartet.

Recht und schlecht — so gut es eben geht oder mit großer Mühe (Das Wort
„schlecht“ bedeutete ursprünglich „schlicht“.)

Vom Regen in die Traufe kommen — eine noch schlimmere Situation gewärtigen.
In der Traufe sammelt sich der Regen vom ganzen Dach

Jemanden im Regen stehen lassen — jemanden mit seinen Problemen und


Sorgen allein lassen, nachdem man mit ihm in besseren Zeiten
zusammengearbeitet hatte

Alle Register ziehen — alle Möglichkeiten nutzen/alle Hebel in Bewegung setzen.


Orgelspieler nutzen Register, um bestimmte Klangfarben zu erzielen. Viele
Register bedeuten mehr Volumen/Lautstärke

(Einen) Reibach machen — Gewinn machen. Das jiddische Wort „rewach“


bedeutet Zins.

Wie ein Rohrspatz schimpfen — sehr laut und wütend schimpfen. Vom
Zwitscherlaut des Rohrspatzes, der sehr laut und gellend ist.

Durch die Röhre schauen — das Nachsehen haben, den Kürzeren ziehen. Mit
Röhre ist das Fernrohr gemeint, mit dem man auf den Mond schaut. Auch
gebräuchlich:

In die Röhre gucken — leer ausgehen, benachteiligt werden; (abwertend)


fernsehen, vor der Glotze sitzen

Von der Rolle sein — unkonzentriert, verwirrt oder erschöpft sein, schlechtere
Leistungen als gewöhnlich erbringen. Der Begriff stammt aus dem Radsport, wo
ein erschöpfter Steher den Kontakt zur Abstandsrolle der voraus fahrenden
Steher-Maschine verliert.[18]

Ruck Zuck — schnell (Etymologisch kommt der Ausdruck von rucken im Sinne
von etwas verrücken und zucken im Sinne von heftig ziehen.)

Er steht mit dem Rücken zur Wand — Er ist in Bedrängnis, kann sich nur noch
mühsam verteidigen. Bei (Säbel-)Gefechten ist das Zurückweichen zum richtigen
Zeitpunkt wichtig zum Überleben. Eine Wand im Rücken bedeutet den Verlust auf
Rückzugsmöglichkeit

S [Bearbeiten]

In Sack und Asche gehen — Bußfertig erscheinen bzw. trauern. Abgeleitet von
der Bibel (Est 4,1 EU), wo ein israelitischer Trauerbrauch geschildert wird.

In China ist ein Sack Reis umgefallen - Ausdruck des eigenen Desinteresses

Da haben wir den Salat. - Jetzt ist das Unheil/Missgeschick passiert. Salat hier
wohl als Sinnbild von Durcheinander.
Man hat ihm Sand in die Augen gestreut. Man hat ihn getäuscht oder irregeführt.
Schon in der Antike benutzte Redewendung, vermutlich aus der Fechtersprache,
wonach der Gegner durch das Werfen von Sand ins Gesicht quasi wehrlos wurde

Etwas in den Sand setzen - mit/an einer Aufgabe/einem Projekt scheitern. Aus der
Turniersprache, wo der Gegner, aus dem Sattel gehoben, unsanft auf dem Boden
des Turnierplatzes landete[19]

Etwas auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben — dauernd vertrösten mit dem
Ziel, es nie stattfinden zu lassen. Früher wurden Termine häufig auf den
Namenstag eines Heiligen fest gelegt, Martini, Silvester, Josefstag. Dazu zählte
aber nicht „Sankt Nimmerlein“, weil es den nicht gibt.

Die Sau raus lassen — ein lang gehütetes Geheimnis preisgeben, aber auch
durch Derbheit oder Unanständigkeit auffallen.

Eine andere Sau durchs Dorf treiben — von einer Sache ablenken, indem man ein
neues Thema hochstilisiert.

So wurde aus einem Saulus ein Paulus — er hat seine Einstellung um 180° (zum
Positiven) geändert. Nach der Bibel (1 Kor 15,9 EU) war Saulus ein vehementer
Christenverfolger, ehe er nach dem Damaskuserlebnis ein eifriger Jünger Jesu
wurde und den Namen Paulus annahm. Gelegentlich wird auch aus einem Paulus
ein Saulus.

Etwas in Schach halten — etwas unter Kontrolle haben, festhalten oder


bedrängen. Kommt aus dem Schachspiel, da man eingeschränkte
Handlungsmöglichkeiten hat, wenn der König in Schach gehalten wird.

Seine Schafe bzw. Schäfchen im Trockenen haben — gesichert, sicher sein.


Schäfchen hat nichts mit den Tieren, sondern den „Schepken“, also den Schiffen,
zu tun.

Er ist das Schwarze Schaf in der Familie — er fällt in seiner Familie mit negativen
Sonderheiten/Eskapaden aus der Rolle und ist daher dort schlecht gelitten.

Ein Schatten seiner selbst — nur noch ein blasses Abbild seiner früheren
Persönlichkeit (Der römische Dichter Lukan nannte in seinem Epos über den
Bürgerkrieg mit Cäsar den unterlegenen Pompejus „magni nominis umbra“, den
„Schatten seines großen Namens“.)

Das stellt alles Bisherige in den Schatten — das ist ein neuer Rekord (auch
negativ). Dinge, die im Schatten stehen, gelten gegenüber denen in der Sonne
als zweitrangig.

Nach Schema F verfahren — nach einer festgeschriebenen Struktur etwas


abarbeiten. F war im preußischen Heer die Abkürzung für „Frontrapport“, mit
dem ab 1861 in regelmäßigen Abständen die wichtigen Daten bezüglich
Ausrüstungsstand und Mannschaftsstärke der Einheiten an das Kriegsministerium
zu melden waren.
Da bist Du schief gewickelt — da liegst Du daneben oder bist falsch informiert.
Hebammen und Ammen verstanden sich auf die Kunst, Kleinkinder richtig zu
wickeln, um spätere Haltungsschäden zu vermeiden.

Böses im Schilde führen — schlechte Absichten haben. Die feindlichen Ritter


konnte man meist nur noch an den Wappen auf ihren Schilden identifizieren, da
das Gesicht durch das heruntergelassene Visier verdeckt war.

Jemanden auf die Schippe nehmen — ihn verspotten oder mit ihm einen Scherz
treiben.

Jemanden am Schlafittchen packen - ihn am Kragen packen, am Weglaufen


hindern, zur Rede stellen.

Auf dem Schlauch stehen — etwas im Augenblick nicht verstehen. Tritt jemand
auf den Garten- oder seinerzeit auf den Feuerwehrschlauch, wird der Wasserfluss
vorerst gestoppt.

Man ist mit ihm Schlitten gefahren. - Man hat ihn rücksichtslos behandelt bzw.
zurechtgewiesen. Herkunft dieser Redewendung ist nicht gesichert.
Angenommen wird von Küpper, dass der Beifahrer auf einem Schlitten dem
Willen des Piloten unterworfen ist.

Schmiere stehen — bei einer verwerflichen Tat den Übeltäter durch rechtzeitige
Warnung unterstützen. Aus dem hebräischen Wort „schemirah“ = Bewachung.

Die Schnauze voll haben — vulgärer Ausdruck für „keine Lust mehr auf etwas
haben“ oder „von etwas genervt sein“.

Sich freuen wie ein Schneekönig — sich sehr (auch übermäßig) freuen. Der
Zaunkönig wird gelegentlich auch Schneekönig genannt, weil er auch im tiefsten
Winter ein Lied anstimmt.

Er ist aus dem Schneider — Schlimmeres vermieden haben. Beim Skat benötigt
man 31 Augen, um aus dem Schneider zu sein, hat damit aber noch längst nicht
gewonnen.

Herein wenn’s kein Schneider ist. — Ursprünglich „Herein wenn’s kein Schnitter
ist“, der Schnitter (Mäher) war hier, im übertragenen Sinn, der Tod.

Einen Schnitzer machen — einen Fehler begehen. Vom Beruf des


Kunsthandwerkers abgeleitet, der mit einer einzigen falschen Bewegung ein
Kunstwerk nachhaltig schädigen kann.

Über die Schnur hauen — sich daneben benehmen. Aus der


Zimmermannsprache, wo eine gespannte Schnur angab, welche Teile des
Holzbalkens abzuschlagen waren.

Er hat eine Schraube locker — er spinnt, ist verrückt. Von der Tatsache, dass eine
Maschine, bei der eine Schraube locker ist oder fehlt, nicht richtig funktioniert.
Das ist noch von echtem/altem Schrot und Korn — das ist authentisch,
unverfälscht. Der Ausdruck hat nichts mit Getreide zu tun, sondern Schrot
bedeutet das Raugewicht, Korn den Edelmetallgehalt einer Münze.

Für die Schublade — ein Werk schaffen, das nicht veröffentlicht werden kann.

Den Schuh muss ich mir anziehen (Gegensatz: den Schuh sollen sich ruhig mal
Andere anziehen) — dafür übernehme ich die Verantwortung/ halte den Kopf hin.

Da wird ein Schuh daraus — das ist stimmig, das passt, das ist die Lösung des
Problems.

Das sind zwei Paar Schuhe — das sind zwei vollkommen verschiedene Dinge.

Jemandem etwas in die Schuhe schieben — ihn vorsätzlich für etwas


beschuldigen, was er nicht getan hat.

Sich den Schuh anziehen — etwas auf sich beziehen,meist für einen Menschen,
der sich zu unrecht schuldig fühlt d. h., der ein Schuldanerkenntnis (scheinbar
freiwillig) abgibt für etwas, das er nicht getan hat.

Er hat Schulden wie Scheiterbeigen — er ist sehr stark verschuldet. Allgäu.


Scheiterbeigen sind zum Trocknen aufgeschichtete Brennholzlager.

Einen Schuss ins Blaue abgeben — Auf reine Vermutung hin einen Verdacht
äußern, ohne den Beweis dafür antreten zu können. Beliebte und meist bewusst
angewandte Methode, um über das ausgelöste Echo einer Sache auf die Spur zu
kommen, aber auch, um Gegner ins Zwielicht zu rücken.

Schuster bleib bei deinem Leisten / deinen Leisten — bleibe bei den Geschäften
die Du kennst, verzettle Dich nicht, konzentriere Dich auf Deine
Kernkompetenzen. Von einem Schuhmacher, Meister seines Faches, wird nicht
erwartet, dass er sich in fachfremden Dingen kompetent äußert. Der Leisten ist
ein Formstück aus Holz, Kunststoff oder Metall, welches zum Bau eines Schuhs
benötigt wird

Auf Schusters Rappen — zu Fuß. Eine Anspielung auf die schwarzen Schuhe =
Rappen, die der Schuhmacher herstellt.

Ins Schwabenalter kommen — 40 Jahre alt werden. Im Schwäbischen gibt es das


Sprichwort: „Ein Schwabe wird mit vierzig gscheit, die Andern nicht in Ewigkeit“

Der Schwanengesang — das letzte Werk eines dem Tode nahen Dichters. Bereits
die Griechen glaubten, dass sterbende Schwäne melodische Töne von sich gäben

Der Schwanz wedelt mit dem Hund — Verdrehung, bzw. Vertauschung von
bewährten oder erwarteten Gegebenheiten.

Er hat ins Schwarze getroffen — er lag absolut richtig mit seiner Vermutung. Aus
der Schützensprache, wo das Zentrum der Zielscheibe ein schwarzer Kreis ist,
den es zu treffen gilt
Jemandem (nicht einmal) das Schwarze unter den Fingernägeln gönnen — nichts
gönnen bzw. alles neidisch sein. Selbsterklärend.

Jemandem den Schwarzen Peter zuschieben. — jemandem etwas Böses antun.


Vom Kartenspiel, wo derjenige verliert, der als letzter die Spielkarte „Schwarzer
Peter“ in der Hand hält

Das falsche Schwein geschlachtet haben. — einen unverzeihlichen Fehler


begangen haben. (Die Wendung soll von Winston Churchill im Hinblick auf die
Sowjetunion geprägt worden sein.)

Das kann kein Schwein lesen — unleserlich (Angeblich nach der Gelehrtenfamilie
Swyn, der man schwer zu lesende Dokumente vorlegte. Wenn selbst die das
nicht lesen konnte, hieß es: Dat kann keen Swyn lesen!)

Den inneren Schweinehund überwinden — innere Widerstände überwinden (Aus


General Kurt von Schleichers Antrittsrede als Reichskanzler, später von Hermann
Göring übernommen.)

Ich glaub', mein Schwein pfeift. — Ausdruck der Empörung und Überraschung
(Schweine können nicht pfeifen. Sollte ein Schwein aber tatsächlich pfeifen, dann
ist etwas Unmögliches geschehen.)

Jemand ist ein armes Schwein. — Mitleid mit einem bedauernswerten Menschen

Perlen vor die Säue werfen — siehe Perlen

Schwein haben — Glück ohne eigenes Zutun oder wider Erwarten (Die Herkunft
der Redewendung ist ungewiss. Vermutlich aber aus dem Kartenspiel, wo das Ass
vielerorts auch Sau genannt wird. Bei Wettbewerben gab es als Trostpreis oft ein
Schwein. Damit wurde man zwar lächerlich gemacht, hatte aber er auch etwas
Wertvolles bekommen. Die Redensart bedeutet deshalb so viel wie Glück im
Unglück zu haben.)

Schwitzen wie ein Schwein — stark schwitzen (Falscher Vergleich, denn Schweine
schwitzen kaum, riechen aber unangenehm.)

Wenn Schweine Flügel hätten… — Wünsche gehen erst in Erfüllung, wenn


Schweine fliegen können

Wir haben doch keine Schweine zusammen gehütet. — starke Zurückweisung


plumper Vertraulichkeit (Nach einer Anekdote aus Schilda, wo ein ehemaliger
Schweinehirt Bürgermeister der Stadt wurde und sich das Geduztwerden durch
einen ehemaligen Kompagnon mit diesen Worten verbat.)

Seemannsgarn spinnen — phantastische, erdichtete oder unwahre Geschichten.


Aus der Seemannssprache, wo während der Reparaturarbeiten am Reep manche
Schrulle zum besten gegeben wurde

Da muss ich noch meinen Senf dazu geben — da muss ich (meist ungefragt)
meinen (nicht unbedingt willkommenen) Kommentar dazu geben
Jemandem auf den Senkel gehen — jemanden nerven, ihm lästig fallen. Herkunft
unklar. Senkel bedeutet hier möglicherweise den (Hosen-)Gürtel, d.h. die ganze
darin steckende Person fühlt sich genervt

Jemand in den Senkel stellen — ihn schelten bzw. zurechtweisen. Senkel ist
abgeleitet von „senken“ und bedeutet hier so viel wie Senklot, mit dem Maurer
und Zimmerleute die exakte Tiefenausrichtung prüfen

Bei mir ist jetzt Sense — ich steige aus, mache Schluss. Die Sense bedeutet den
Tod vieler Pflanzen. Auch eine Allegorie auf den „Sensenmann“, die bildliche
Darstellung des Todes

Das ist eine Sisyphusarbeit — trotz großer Anstrengungen nicht zu einem Ende
kommen. Nach der griechischen Sage musste König Sisyphos zur Strafe für seine
Schuld einen schweren Stein den Berg hinaufrollen, der stets kurz vor Erreichen
des Gipfels wieder zu Tal stürzte.

Sich auf die Socken machen. — schnell verschwinden/verduften. Socken waren


einst leichte Schuhe, die auf die Schnelle ausreichten.

Ich bin von den Socken. — ich bin überrascht. Es ist, als wären einem plötzlich die
Schuhe ausgezogen worden

Da herrscht Sodom und Gomorrha — da geht alles drunter und drüber/herrscht


Chaos. In Anlehnung an die Bibel (1 Mos 18,1 ff. EU).

Das kommt mir spanisch vor. — Das ist seltsam. Manche unter Kaiser Karl V. aus
Spanien nach Deutschland eingeführte Sitten sorgten hier für Aufsehen und
Verwirrung.

Dann sind ja alle Spatzen gefangen — dann sind alle Fragen geklärt bzw. alle
Voraussetzungen geschaffen

Drehen wir mal den Spieß um! — Vertauschen wir doch einmal die Rollen! Wer
seinem Gegner den Tod bringenden Spieß entreißen konnte, schlüpfte
unversehens aus der Rolle des Angegriffenen in die des Angreifers über

Spießrutenlaufen — kritischen oder höhnischen Reaktionen anderer Menschen


ausgesetzt sein. Noch bis zum Zweiten Weltkrieg wurden Vergehen gegen die
Kameradschaft wie Diebstahl dadurch bestraft, dass der Delinquent mitten durch
zwei Reihen von Soldaten gejagt wurde, die mit spitzen Ruten auf ihn
einschlugen

Es gilt, die Spreu vom Weizen zu trennen — Wichtiges von Unwichtigem trennen
oder unterscheiden. Mit Gebläse wurde die wesentlich leichtere Spreu weiter weg
geblasen als das von ihm zuvor umgebene Korn

Jemandem auf die Sprünge helfen — jemandem entscheidende


Hilfestellung/Tipps geben
Den Stab über jemanden brechen — jemanden verurteilen oder hart über ihn
reden. Bis in die Neuzeit wurde über dem zum Tode Verurteilten ein Stab
zerbrochen, was symbolisierte, dass er sein Leben verwirkt hatte.

Wider den Stachel löcken. — ungehorsam sein, Widerworte geben. Ochsen


wurden mit einem Stock getrieben, in dem eine metallene Spitze für Gefügigkeit
sorgte. „löcken“ war ein gebräuchliches Wort für Ausschlagen

Er ist einer vom Stamme Nimm — Er will immer nur zusätzlich haben, dagegen
ungern etwas geben. Vermutlich eine Anspielung auf die zwölf Stämme Israels.

Aus dem Stegreif — spontan, ohne Vorbereitung. Königskuriere verlasen die


Botschaften ihres Herrn, ohne vom Pferd zu steigen, sondern, um noch größere
Aufmerksamkeit zu erzielen, erhoben sie sich aus dem Sattel, sie standen in den
Stegreifen

Er hat bei ihm einen Stein im Brett — er genießt eine Bevorzugung/Sympathie bei
jemand (etwa dem Vorgesetzten). Bei dem Spiel Wurfzabel kommt es darauf an,
seine Steine gut zu platzieren. Wem dies gelang, hatte also Aussicht auf Gewinn
und Erfolg.

Jemand im Stich lassen — ihn in Gefahr verlassen, ihm nicht helfen.


Möglicherweise aus der Rittersprache, wo ein verwundeter Kämpfer ohne Hilfe
blieb, aber auch denkbar in Anlehnung an eine Biene, die durch ihren Stich ihr
Leben verliert

Sie wurde vom Storch ins Bein gebissen — Sie ist schwanger. Als sexuelle
Aufklärung noch tabu war, wurde Kindern weisgemacht, dass Babys vom Storch
gebracht würden

Jemanden zur Strecke bringen — jemanden besiegen, vernichten, töten. Aus der
Jägersprache, wo erlegtes Wild in Reih und Glied ausgestreckt abgelegt wird.
Dieser Platz wird die Strecke genannt.

Einen Streit vom Zaun brechen. — unvermittelt/ohne Vorwarnung Streit


anfangen. Landstreicher rissen schon mal eine Latte aus dem Zaun, wenn ihnen
etwas nicht passte.

Jemandem einen Strich durch die Rechnung machen — seine Absicht


durchkreuzen. Vermutlich vom Lehrer, der die Rechenlösung des Schülers als
falsch durchstreicht

Es geht mir gegen den Strich — Ich bin damit grundsätzlich nicht einverstanden.
Katzen reagieren gereizt, wenn sie gegen die Richtung der Haare gestreichelt
werden

Sie geht auf den Strich — sie geht (als Dirne) auf Männerfang. Aus der
Jägersprache, wonach die männliche Waldschnepfe während der Balzzeit in
Baumhöhe den Wald durchstreift (Schnepfenstrich)
Er wurde nach Strich und Faden betrogen — Er wurde konsequent / lang
anhaltend getäuscht. Aus dem Handwerk der Weber, wo gute Ware aus Strich
und Faden gewirkt ist

Jemandem einen Strick drehen — Jemanden wegen einer Äußerung/einer Tat zu


Fall bringen. Dürfte einen Hinweis auf den Strick bedeuten, mit dem Verbrecher
zu Tode kamen.

Er spielte den Strohmann für jemanden — Die Interessen eines Dritten, der sich
nicht zu erkennen gibt, vorgeblich in Eigenregie oder aber als Treuhänder
wahrnehmen. Strohmann ist auch gleichbedeutend mit Vogelscheuche.

Er ist derzeit Strohwitwer — er ist (meist kurzfristig) von seiner Frau getrennt.
„Strohbraut“ wurde früher eine Frau genannt, die schon vor der Hochzeit
Geschlechtsverkehr hatte und deshalb bei der Trauung statt des Myrtenkranzes
nur einen Strohkranz tragen durfte.

Sich auf die Strümpfe machen. — eilig verschwinden. Man hat bildlich keine Zeit
mehr, sich in Ruhe Schuhe anzuziehen.

Große Stücke auf jemanden halten — jemanden hoch einschätzen, ihm voll
vertrauen. Große Stücke waren die wertvolleren Münzen, die man brauchte, um
eine begehrte Ware zu erwerben.

Den Sündenbock spielen. — für Verfehlungen Dritter bestraft werden. An Jom


Kippur wurde ein Sündenbock in die Wüste gejagt, nachdem ihm der
Hohepriester die Sünden des Volkes auferlegt hatte.

Die Suppe auslöffeln, die ein anderer eingebrockt hat. — für die Taten eines
Dritten (mit)bestraft werden.

Jemandem in die Suppe spucken bzw. die Suppe versalzen — seine Pläne
durchkreuzen, sein Vorhaben vereiteln.

Süßholz raspeln — auf plumpe Art schmeicheln. Süßholz ist eine Staude, deren
Wurzel Zuckersaft enthält, der u. a. für die Herstellung von Lakritze verwendet
wird.

T [Bearbeiten]

Etwas aufs Tapet bringen — etwas ansprechen, in die Diskussion einbringen. Aus
dem Französischen entnommen, wo mit „tapis“ die Tischdecke auf dem
Konferenztisch gemeint war

Sich in die Tasche lügen — er irrt sich (gegen besseres Wissen), er müsste es
besser wissen

Er hat nicht alle Tassen im Schrank — er ist geistig nicht normal / er ist nicht
ernst zu nehmen. Tasse ist eine Verballhornung des jiddischen Wortes „toschia“
(=Verstand)
Das ist eine Tatarennachricht — das ist eine Lüge, Ente, Falschmeldung. Nach
einer Erzählung aus Russland, wonach die Festung Sewastopol ein Jahr vor ihrem
endgültigen Fall bereits als erobert gemeldet wurde

Den Teufel durch Beelzebub austreiben. — Ein Übel durch noch ein größeres
ersetzen. Aus der Bibel (Mt 12,27 EU).

Mal den Teufel nicht an die Wand! — erschrecke uns nicht mit deinen schlimmen
Vorahnungen. Man ging davon aus, dass der Teufel kommt, wenn man seinen
Namen ausspricht oder ein Bild von ihm malt.

Bis auf Teufel komm raus — mit aller Gewalt, bis aufs Äußerste. So lange an
einem Projekt fest halten, bis sogar der Teufel auf den Plan tritt

Du bist ein ungläubiger Thomas — Du glaubst wohl nicht? Laut der Bibel (Joh
20,24–29 EU) glaubte der Apostel Thomas nicht an die Auferstehung Jesu, bis er
von diesem aufgefordert wurde, seine Hand in seine Seite zu legen. Jesu'
Kommentar: Selig, die nicht sehen und doch glauben

Jemanden über den Tisch ziehen — ihn (eher trickreich) besiegen, ausspielen.
Vom bayerischen Volkssport Fingerhakeln abgeleitet, wo nicht allein die Kraft,
sondern vor allem die Technik den Ausschlag geben kann. (Bild)

Das Tischtuch zerschneiden — jemandem die Freundschaft aufkündigen. Im


Mittelalter wurde bei der Ehescheidung das von den beiden Partnern gehaltene
Tischtuch in der Mitte zerschnitten. Siehe auch Ludwig Uhlands Gedicht „Die
Schlacht bei Reutlingen“.

Tomaten auf den Augen haben — etwas nicht sehen/erkennen

Eine Treulose Tomate sein — wortbrüchig oder unzuverlässig sein;


Verabredungen nicht einhalten.

Treppenwitz (häufig „Treppenwitz der Geschichte“) — treffliche Antwort, aber zu


spät (auf der Treppe, beim Weggehen) eingefallen, um sie noch loszuwerden

Nicht auf den Trichter kommen — die Lösung des Problems nicht finden / eine
Sache nicht begreifen. Die Redensart geht wohl auf den „Nürnberger Trichter“
zurück, der fehlender Intelligenz nachhelfen sollte.

Trick 17 — eine sofort wirkende Lösungsmöglichkeit für ein ungewöhnliches


Problem. Abgeleitet von einem englischen Kartenspiel, bei dem 17 die höchste
Punktzahl war

Gerne im Trüben fischen — unlauter sein / unfaire Tricks einsetzen

Etwas in trockenen Tüchern haben / etwas gesichert / erledigt haben

Einen Türken bauen / etwas türken — etwas vormachen, hinters Licht führen. Bei
der Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals 1895 fand in Kiel eine Parade von
Kriegsschiffen vieler Nationen statt. Jedes wurde mit seiner Nationalhymne
begrüßt. Leider hatte der Kapellmeister keine Partitur für die osmanische Hymne
und intonierte statt dessen „Guter Mond du gehst so stille“. Möglicherweise
bezieht sich die Redewendung auch auf den „Türken“, den von Wolfgang von
Kempelen gebauten Automaten in Gestalt eines schachspielenden Türken mit
Turban, der angeblich wirklich spielen konnte (stattdessen war ein Schachspieler
im Automaten versteckt)

Das kommt mir nicht in die Tüte — das dulde oder akzeptiere ich nicht.
Vermutlich Händlersprache, wo der Kunde bestimmte Waren ablehnt.

U [Bearbeiten]

Nichts für ungut — abschwächend gemeint: eine vorherige, eventuell zu harte


Aussage teilweise zurücknehmend.

Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall — Was dem einen seine
Eule, ist dem anderen seine Nachtigall — über Geschmack lässt sich (nicht)
streiten.

Die Uhr ist abgelaufen — jemand wird bald sterben oder ist gerade gestorben
(Die Wendung bezieht sich auf eine Sanduhr und stammt aus Goethes
Briefroman Die Leiden des jungen Werthers: „Meine Uhr ist noch nicht
ausgelaufen, ich fühle es.“)

Unrasiert und fern der Heimat — ohne den gewohnten Komfort weit weg von der
Heimat (Anspielung auf August Graf von Platens Ballade Das Grab im Busento, in
der beschrieben wird, wie der Gotenkönig Alarich I., „Allzu früh und fern der
Heimat“ bestattet werden musste.)

Fröhliche Urständ feiern — fröhliche Auferstehung feiern (meist negativ gemeint).


Urstand ist ein veraltetes Wort für Urzustand.

V [Bearbeiten]

Sich in etwas verbissen haben — sich (meist irriger Weise) auf etwas festgelegt
haben. Aus der Waidmannssprache

Verflucht und zugenäht! — Steigerung von verflucht nochmal (Zitat aus einem
Studentenlied: „Als mir mein Liebchen die Folgen unserer Liebe gesteht, da hab’
ich meinen Hosenschlag verflucht und zugenäht.“) Üblich sind auch die weniger
harten Versionen wie „Verflixt/verdammt und zugenäht“

Jemanden oder etwas nicht verknusen können (norddeutsch) — eine Person nicht
ausstehen können beziehungsweise einen Vorfall oder eine Aussage nicht
akzeptieren können. (Verknusen hatte ursprünglich die Bedeutung „kauen,
verdauen“, die nur noch im Niederdeutschen erhalten ist.)

Da verließen sie ihn — er weiß nicht mehr weiter. Nach der Bibel (Mt 26,56 EU),
wo es heißt: „da verließen ihn alle seine Jünger“

Jemandem etwas vermasseln — jemandem etwas kaputt machen. Das jiddische


Wort Masel bedeutet Glück
Etwas verpatzen — etwas durch Ungeschick verderben. (Das Wort Verpatzen
leitet sich von der abfälligen Bezeichnung Patzbude für Kartonagenfabriken her,
in denen meist unqualifizierte Kräfte arbeiteten.)

In jemanden verschossen sein — in jemanden verliebt/verknallt sein. In der


Studentensprache wurde damit auf die Pfeile des Liebesgottes Amor abgehoben

Vetternwirtschaft: hier herrscht üble Vetternwirtschaft oder Schluss mit der


Vetternwirtschaft — illegal Spezis oder Verwandte begünstigen. Eine seit Urzeiten
beklagte Untugend, Verwandte und Freunde zu bevorzugen.

Etwas auf Vordermann bringen — etwas verbessern, in Ordnung bringen. Der


Begriff stammt ursprünglich aus dem Militär, wo man sich beim Antreten und
Ausrichten in Reih und Glied nach dem Vordermann richten muss. Wenn die
Reihe also schief war, wurde sie „auf Vordermann gebracht“.

W [Bearbeiten]

Das ist die Wahl zwischen Pest und Cholera — egal wie man sich entscheidet,
geht es schlecht aus.

Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen — sich verheddern oder sich verzetteln,
sich vom Wesentlichen durch viele Nebensächlichkeiten ablenken lassen.

Auf der Walz sein — auf Wanderschaft sein. Handwerksburschen gingen (und
gehen wieder) nach Beendigung ihrer Lehre auf mehrjährige Wanderschaft, wo
sie sich weitere Fertigkeiten in ihrem Beruf aneignen konnten, ehe sie Meister
werden konnten.

Jemanden an die Wand stellen — Jemanden hinrichten. Bei einer Erschießung


steht der Verurteilte vor einer Wand. Die Redewendung wird selten verwendet.
Meist in der Form „Der gehört doch an die Wand gestellt!“ Damit ist gemeint,
dass ein bestimmtes Verhalten eine Strafe nach sich ziehen muss.

Hausen wie die Wandalen — sinnlos zerstören, große Unordnung hinterlassen.


Der germanische Stamm der Wandalen eroberte und plünderte 455 n.Ch. die
Stadt Rom. Es gibt berechtigte Zweifel, dass er dabei grausamer vorging als
andere Heere.

Zieh dich warm an! — mach dich auf etwas Unangenehmes gefasst! (Drohworte,
aber auch scherzhaft verwendet)

Stille Wasser gründen tief. — Wie man sich bei jemand täuschen kann! Vormals
in Schlesien soll es „Stilles Wasser, tiefer Loch“ geheißen haben.

Das Wasser steht ihm bis zum Hals (seit dem 17. Jahrhundert).[20] — Er ist in
einer sehr misslichen Situation.

Blut ist dicker als Wasser.[21] — Verwandtschaft ist stärker als das trennende
Meer.

Blut und Wasser schwitzen — Sehr große Angst haben


Rotz und Wasser heulen — Völlig aufgelöst sein

Das Wasser läuft ihm im Munde zusammen.[20] — Er hat großen Appetit; er freut
sich sehr.

Es treibt ihm das Wasser in die Augen.[20] — Er weint (übertragen: er leidet).

Wasser unter dem Kiel haben (in gutem Fahrwasser sein) — Vorwärts kommen

Das war ein Schuss ins Wasser. — Das ist fehlgeschlagen.

Sie hat nahe am Wasser gebaut. — Sie ist sehr gefühlsbetont und neigt schnell
zum Weinen (auch „Heulsuse“ genannt).

Das ist Wasser auf seine Mühle. — Das kommt ihm sehr gelegen. Häufig
unfreiwillige Hilfe an Dritte. Aus der Müllersprache, wo Mühlräder auf Wasser
angewiesen waren.

Jemandem das Wasser abgraben.[20] — Die Pläne einer Person durchkreuzen


bzw. seine Chancen stark mindern; siehe vorstehend.

Ich muss Dir Wasser in den Wein gießen. — Ich muss Deine Begeisterung
dämpfen (die Freude verderben), die Wirklichkeit ist eher ernüchternd.

Er ist mit allen Wassern gewaschen. — Er ist durchtrieben, schlau,


unerschrocken. Wohl aus der Seemannssprache, wonach einer, der schon auf
allen Weltmeeren gekreuzt hat, über sehr viel Mut, Kaltblütigkeit und Erfahrung
verfügt.

Der Krug geht solange zu Wasser bis er bricht. — Irgendwann ist alles zu Ende;
irgendwann kommt alles heraus.

Er wurde ins kalte Wasser geworfen. — Er wurde ohne ausreichende Vorbereitung


vor eine schwierige Aufgabe gestellt.

Da fließt noch viel Wasser den Rhein runter. — Das wird noch sehr lange dauern.

Wasser fließ halt immer bergunter. — So ist der Lauf der Dinge.

Alle Wasser laufen ins Meer.[22] — Es kommt alles irgendwann zusammen.

Auch dort wird nur mit Wasser gekocht. — Erwarte nicht, dass die Anderen es
besser können.

Er lebt von Brot und Wasser. — Er hat nur das Allernötigste zum Leben.

Er kann ihm das Wasser nicht reichen (seit dem 16. Jahrhundert).[20]— Er ist ihm
weit unterlegen, kann nicht mit ihm verglichen werden. Im Mittelalter, als noch
mit den Fingern gegessen wurde, reichten Diener nach dem Essen tief verneigt
den Gästen Wasser zum Händewaschen. War dies schon erniedrigend, wie tief
stand erst einer im Ansehen, der nicht einmal mehr diese Aufgabe übernehmen
durfte.
Er kann kein Wasser halten.[20] — Er ist nicht gediegen; er ist unreell.

Er kann kein Wässerchen trüben. — Er tut so, als ob er stets das Beste im Sinn
hat, dabei hat er es meist faustdick hinter den Ohren.

Er predigt Wasser und trinkt Wein. — Er sagt wie man sich zu einer bestimmten
Sache zu verhalten hat, hält sich aber selber nicht dran.

Diese beiden sind wie Feuer und Wasser.[20] — Diese beiden verstehen sich
überhaupt nicht.

Das ist Wasser in den Bach getragen. — Das ist überflüssig, unsinnig, vgl. „Eulen
nach Athen tragen“

Er hat sein Waterloo erlebt — Er hat eine vernichtende Niederlage erlitten. 1815
erlitt der französische Kaiser Napoléon Bonaparte bei dem belgischen Ort
Waterloo eine entscheidende Niederlage, nach der er endgültig abdanken musste
und auf die Insel St. Helena in Verbannung geschickt wurde

Du gehst (oder fällst) mir auf den Wecker — du nervst mich. Wecker pflegen in
der Morgenstunde echt zu nerven.

Er hat die Weisheit mit Löffeln gefressen — er dünkt sich gescheit, ist aber im
Grunde ein Dummkopf. Weisheit lässt sich eben nicht per Nahrung zuführen

Mit dem ist es nicht weit her — der oder das taugt nicht viel. Bodenständiges war
anscheinend auch früher nicht sehr geschätzt

Das ist weit hergeholt — das ist unpassend, abwegig, unlogisch, unbegründet.

In ein Wespennest greifen/stechen — eine gefährliche Sache aufgreifen, die noch


für ziemlich viel Aufruhr sorgen wird. Selbsterklärend für Leute, die mal ein
Wespennest zerstören wollten

Das war für ihn ein gemähtes Wiesle — das kam ihm sehr zupass, darauf hat er
bloß gewartet. Wiesle, schwäb. Diminutiv von Wiese. War sie gemäht, war der
Großteil der Arbeit schon getan.

Er hat Wind von der Sache bekommen — er hat gewisse Kenntnis von einer
Sache erlangt, die ihm bewusst verschwiegen wurde

Man hat ihm den Wind aus den Segeln genommen — man hat ihm wichtige
Argumente zerpflückt, seine Position geschwächt. Aus der Schifffahrt, wo
gewiefte Segler ihre Gegner damit benachteiligen, dass diese weniger Wind auf
ihre Segel bekommen

Er brütet ein Windei aus — Die Sache ist unausgegoren, es steckt nichts dahinter.
Als Windei wird ein zum Brüten untaugliches Ei bezeichnet.

Er kämpft da gegen Windmühlen — sein Kampf ist aussichtslos, eigentlich aber,


er kämpft gegen bloß eingebildete Gegner. Miguel de Cervantes lässt seinen
Helden Don Quijote, auch „Ritter von der traurigen Gestalt“ genannt, in einer
Windmühle einen vermeintlichen Riesen erkennen, gegen den er trotz Warnung
seines Schildknappen ein Gefecht beginnt, das nicht gut für ihn ausgeht.

Jede Woche eine neue Sau durchs Dorf treiben — das Ablenkungs- und
Täuschungsmanöver, die mangelnde Substanz einer Idee oder Maßnahme durch
Aktionismus zu überspielen und eine Folge von neuen, ebenfalls wenig oder gar
nicht überlegten oder unausgereiften Ideen/Maßnahmen (='Sauen') in schneller,
überrumpelnder Folge genauso wortreich und 'glänzend zu verkaufen'.

Er ist ein Wolf im Schafspelz — er hegt böse Absichten, zeigt sich aber nach
außen als gutherzig.[23]

Mit den Wölfen heulen. — des Vorteils wegen oder um Nachteile zu vermeiden
etwas eher Verwerfliches tun. Schon bei den Römern bekannte Redewendung

Er schwebt auf Wolke Sieben — Er ist verliebt, in Hochstimmung, freudig


entrückt, aber auch naiv. Vermutlich in Anlehnung an den Siebten Himmel in der
islamischen Legende entstanden, wo Mohammed auf Abraham traf

Er lebt in einem Wolkenkuckucksheim — Er hat völlig falsche Vorstellungen von


der Realität. Der griechische Dichter Aristophanes hatte in seiner Komödie „Die
Vögel“ einen Vogelstaat oberhalb der Wolken geschildert, für den der deutsche
Übersetzer Ludwig Seeger dieses Wort schuf

In der Wolle gefärbt sein. — durch und durch treu/echt/redlich sein. Wird die
Wolle vor ihrer Verarbeitung gefärbt, hält sich die Farbe wesentlich länger, als
wenn erst das fertige Gewebe eingefärbt wird

Mit jemandem in die Wolle geraten — sich mit jemandem anlegen/streiten. Mit
Wolle sind hier die Haare auf dem Kopf gemeint, an denen sich die Kontrahenten
ziehen

Er geht Wolpertinger schießen — er ist leichtgläubig und zu Abenteuern


aufgelegt. Wolpertinger sind bayerische Fabelwesen, die zu fangen angeblich
recht leicht sein soll und großen Gewinn erwarten lässt. Vor allem Auswärtige
werden zu diesem Abenteuer animiert, das im besten Fall zu Spott, gelegentlich
aber auch zu peinlichen Situationen führt

Das letzte Wort haben — immer zuletzt was sagen in einer Diskussion am Ende
noch etwas hinzufügen, obwohl es irrelevant ist

Über die Wupper gehen — sterben bzw. bankrott gehen. Zwischen dem
Gefängnis in Wuppertal und dem Hinrichtungsplatz lag die Brücke über den Fluss
Wupper.

Die Würfel sind gefallen — die Entscheidung ist gefallen und unumkehrbar. Julius
Cäsar soll mit den Worten „Alea iacta est“ den Fluss Rubikon überschritten und
damit einen Bürgerkrieg provoziert haben, den die römische Armee dann für sich
entschied.
Ihm muss man die Würmer (einzeln) aus der Nase ziehen. — durch geschicktes
Fragen seine Geheimnisse entlocken. Gaukler versprachen, die sich angeblich im
Gehirn von Kranken befindlichen Würmer durch die Nase herauszuholen (gegen
Bezahlung natürlich).

Mit der Wurst nach der Speckseite werfen — Sich mit einer kleinen Gefälligkeit
einen großen Vorteil schaffen wollen. Die Speckseite wurde wesentlich höher
bewertet als die Wurst. Konnte man mit einer Wurst den meist unerreichbar weit
oben hängenden Schinken herunterholen, hatte man für wenig Einsatz viel
erreicht.

In die Wüste schicken — entlassen oder eines Amtes entheben. Geht zurück auf
die Bibel (Lev 16,1 ff. EU), wonach einem Sündenbock durch Handauflegen die
Sünden des Volkes Israel übertragen wurden und dieser dann in die Wüste
vertrieben wurde

X–Z [Bearbeiten]

Jemandem ein X für ein U vormachen — jemanden betrügen wollen. Die römische
Zahl V (die im Lateinischen auch für U stand) konnte leicht durch Verlängerung
zu X manipuliert werden.

Jemandem auf den Zahn fühlen — Schnell und gründlich dessen Wissen und
Können überprüfen. Ein Rosshändler erkannte durch einen Griff ins Maul schnell
das wahre Alter des ihm angebotenen Pferdes.

Einen Zahn zulegen — Manche Quellen führen die Redensart auf die
Funktionsweise mechanischer Getriebe in der Frühzeit des Automobils zurück.
Andere Autoren sehen den Ursprung in den Haushalten des Mittelalters
begründet, wo große Kochkessel über offenen Feuerstellen in eine Zahnstange
eingehängt waren. Um die Temperatur im Topf zu erhöhen, wurde dieser einen
Zahn tiefer gehängt – es wurde „ein Zahn zugelegt“.

Den Zahn haben wir ihm gezogen — von dieser (komischen) Idee haben wir ihn
abgebracht oder ihn von seinen Sorgen befreit. Früher wurden Zähne gezogen,
wenn sie zu stark schmerzten

Den großen Zampano spielen - vermeintlich oder in der Tat die Fäden ziehen,
nach denen die Puppen zu tanzen haben. Nach einer Hauptfigur im italienischen
Film La Strada, gespielt durch den Schauspieler Anthony Quinn

Der Zankapfel besteht darin, dass … — Der Streit dreht sich um… Nach der
griechischen Mythologie wurde der Trojanische Krieg durch einen Streit zwischen
den Göttinnen Hera, Aphrodite und Athene ausgelöst, wer von ihnen die Schönste
ist. Paris sollte der Siegerin einen Apfel reichen

Dann ist Zapfenstreich! — Jetzt ist Nachtruhe/Ende der Veranstaltung! Aus der
Militärsprache, wo zu einer bestimmten Uhrzeit der Ausschank an die Soldaten
eingestellt werden musste
Unter dem Zaun durch weiden — außerehelichen Verkehr pflegen (Allgäu).
Weidetiere finden das Gras auf Nachbars Wiese besonders lecker.

Wink mit dem Zaunpfahl — überdeutliches Hinweisen auf einen Sachverhalt


(Dahinter steht die Vorstellung, dass ein Zaunpfahl so groß ist, dass das Winken
damit nicht übersehen werden kann.)

Zeter und Mordio schreien — Bewusst viel Lärm um eine (meist kleine) Sache
machen. In germanischen Gerichtssitzungen wurde die Anklage mit dem Wort
„Zêter“ (= zieht her!) laut angekündigt, gefolgt von dem Klagegrund, wobei
„mordio“ für Mord und Totschlag stand

Sich (mächtig) ins Zeug legen — sich mächtig anstrengen, um ein Ziel zu
erreichen. Unter Zeug ist hier das Geschirr der Zugtiere zu verstehen

Jemand am Zeug flicken — Ihn kritisieren, ihm schaden. Eigentlich eine als
schadhaft empfundene Stelle reparieren

Er hat das Zeug dazu / zu Höherem — Er hat die Voraussetzungen oder


Fähigkeiten zu einem Beruf / Posten

Wie Zieten aus dem Busch — urplötzlich, überraschend. General Hans Joachim
von Zieten wurde berühmt für seine Taktik, den Gegner mit seiner Reiterei
unvermittelt aus dem Hinterhalt anzugreifen und so die Schlacht für sich zu
entscheiden.

Er hat eine Zigarre verpasst bekommen — er wurde zurechtgewiesen/getadelt. In


der kaiserlichen Marine wurde der zu Tadelnde häufig in die Schiffsmesse
beordert, wo ihm der Vorgesetzte erst einmal eine Zigarre anbot, ehe das
Donnerwetter über ihn nieder ging. Das blieb der Mannschaft meist nicht
verborgen.

Einem zeigen, wo der Zimmermann ein Loch gelassen hat. — ihn vor die Türe
setzen. Eigentlich hat der Maurer dort ein Loch gelassen und der Zimmermann
später eine Türe eingesetzt

Da habe ich mit Zitronen gehandelt — da habe ich Verlust gemacht, einen
Misserfolg einstecken müssen

Das ist doch ein alter Zopf — das ist nicht mehr zeitgemäß/längst überholt.
Mehrere Erklärungen werden dafür gegeben, darunter die, dass die preußische
Armee lange an einer Haartracht festhielt, obwohl diese für den Dienstbetrieb
eher hinderlich war

Das Zünglein an der Waage führt in einer ansonsten unentschiedenen Situation


eine Entscheidung herbei.

Er steckt in der Zwickmühle. — er ist in einer schwierigen bis ausweglosen


Situation. Abgeleitet vom Mühlespiel, wo ein Spieler bei jedem seiner Züge eine
Mühle schließen kann, was den Gegner stets einen Stein kostet.
Zwischen den Jahren — der Zeitraum zwischen Weihnachten und Neujahr.
Stammt wohl aus der Zeit, als in katholischen Gegenden der Gregorianische
Kalender galt, in evangelischen aber noch immer der Julianische. Die
katholischen Weihnachten fanden somit früher statt als die evangelischen oder
orthodoxen.