Sie sind auf Seite 1von 52
Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft 4. Ausgabe 2006 59. Jahrgang ISSN 1432-9689 Die CDA
Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft 4. Ausgabe 2006 59. Jahrgang ISSN 1432-9689 Die CDA
Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft 4. Ausgabe 2006 59. Jahrgang ISSN 1432-9689 Die CDA

Magazin für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

4. Ausgabe 2006

59. Jahrgang

ISSN 1432-9689

Die CDA ist 60! Und die CDU mit uns an der Spitze in Deutschland. Heute
Die CDA ist 60!
Und die CDU mit uns an der Spitze in Deutschland.
Heute wie damals
CDA-Verlagsgesellschaft mbH, Oranienburger Str. 65, 10117 Berlin - Postvertriebsstück 6361 - Gebühr bezahlt
Festschrift
Festschrift

Festschrift

Festschrift
Über Verantwortung und Fortschritt Über 100 Jahre Tradition, attraktive und innovative Produkte und kompe- tenter

Über Verantwortung und Fortschritt

Über 100 Jahre Tradition, attraktive und innovative Produkte und kompe- tenter Service haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind: eine der großen unabhängigen Versicherungsgruppen Deutschlands. Mehr als 3.500 Mitarbeiter verwalten über 1,6 Millionen Verträge und ein Beitrags- aufkommen von 1.353 Millionen Euro (Stand: 31.12.2005).

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die bisher verlässlichen Rahmenbedingungen für das Wohlergehen unserer Versicherten zu erhalten und zu stärken. Wir sehen uns als wichtige Stütze eines dualen Gesundheitssystems, dessen Vorzüge es zu optimieren gilt.

Familien, Privatkunden, Gewerbetreibende, Selbstständige und Freiberufler begleiten wir mit Zuverlässigkeit durch alle Lebenslagen und begeistern durch erlebbaren Service und leistungsstarke Versicherungsprodukte.

Besonderes Augenmerk legen wir auf unsere Krankenversicherung. Ob Vollversicherungen oder Ergänzungstarife zur gesetzlichen Krankenversiche- rung: Die Barmenia zählt hier zu den besten Anbietern des Marktes. Im Tarif VCN stehen Schulmedizin und Naturheilkunde gleichberechtigt neben- einander. Es ist der umfassendste private Krankenversicherungsschutz, mit dem unseren Kunden beide Therapiewege offen stehen.

Übrigens: Bei diesem Tarif investieren wir in renditeorientierte ökologische Kapitalanlagen!

Eine gesundheitspolitische Herausforderung

Die Kosten unserer Sozial- und Gesundheitssysteme steigen ständig, das Lebensalter der Menschen wächst. Diese Entwicklungen machen Korrekturen in der Sozialpolitik erforderlich. Doch die Reformkonzepte vermitteln vielen Betroffenen Unsicherheit und Misstrauen, insbesondere die anstehende Gesundheitsreform beunruhigt.

Wir sagen:

Verunsicherung muss nicht sein! Mit unserer kapitalgedeckten Finanzie- rung bauen wir auf ein demographiefestes System, das auch den nach- folgenden Generationen die nötige Luft zum Atmen lässt. Die Privaten bilden Alterungsrückstellungen, die den Versicherten im Alter zugute kommen.

Die Privatpatienten stärken das Gesundheitssystem, indem sie für viele Leistungen höhere Preise und Arzthonorare zahlen. Dadurch können jedes Jahr mehrere Milliarden Euro zusätzlich in fortschrittliche Behandlungs- methoden und moderne Geräte investiert werden.

Die PKV sichert langfristig die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems, indem sie Wettbewerb und Wahlfreiheit stärkt.

Und wussten Sie schon:

Bis zu 50.000 Arbeitsplätze in der PKV-Branche könnten durch die aktuelle Diskussion um die Reform des dualen Gesundheitssystems gefährdet sein.

Kämpfen Sie gemeinsam mit uns für den Erhalt eines der besten Gesundheitssysteme der Welt!

Barmenia Versicherungen Abt. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Kronprinzenallee 12-18 42094 Wuppertal

www. barmenia.de E-Mail: presse@barmenia.de

Barmenia

Versicherungen

60 Jahre CDA - Gedanken zum Jubiläum von Freunden

Geschichte und Geschichten: Die Historie der Christlich- Demokratischen Arbeitnehmerschaft ist voll von beidem. Vom Büro Albers in Köln bis zum heutigen Sitz der Haupt-

Karl-Josef Laumann Die Würde des Menschen ist unantastbar Die Würde des Menschen ist unantastbar

S.2

Dr. Angela Merkel Die CDA ist Impulsgeber für die Union Die CDA ist Impulsgeber für die Union

S.4

Martin Kamp 60 gute Gründe, warum wir auch heute und morgen eine starke CDA brauchen 60 gute Gründe, warum wir auch heute und morgen eine starke CDA brauchen

S.6

Gerald Weiß Soziale Kapitalpartnerschaft: Soziale Kapitalpartnerschaft:

Eine Idee setzt sich durch

S.8

Die Geschichte der CDA Die Arbeitnehmerschaft – ein Grundpfeiler der Volkspartei CDU Die Arbeitnehmerschaft – ein Grundpfeiler der Volkspartei CDU

S.10

Rainer Eppelmann Wir sind das Volk – auch heute Wir sind das Volk – auch heute

S.14

Dr. Horst Seehofer Eine zukunftsorientierte Sozialpolitik braucht christliche Maßstäbe Eine zukunftsorientierte Sozialpolitik braucht christliche Maßstäbe

S.16

Prof. Dr. Maria Böhmer Frauenleben sind vielfältig, Frauenrenten leider nicht Frauenleben sind vielfältig, Frauenrenten leider nicht

S.17

Michael Sommer Menschenwürdige Arbeit Menschenwürdige Arbeit

S.19

 

S.20

Matthäus Strebl Herausforderungen annehmen Herausforderungen annehmen

Festschrift / 60 Jahre CDA

Herausforderungen annehmen Festschrift / 60 Jahre CDA ÜBERSICHT geschäftsstelle im Osten von Berlin haben wir

ÜBERSICHT

geschäftsstelle im Osten von Berlin haben wir einen weiten Weg zurückgelegt. Viele Menschen haben uns begleitet – dafür möchten wir mit dieser Festschrift Dank sagen.

Peter Heesen Die CDA hat Großes geleistet Die CDA hat Großes geleistet

S.21

Elmar Brok Globalisierung gestalten – Europa als sozialer Akteur Globalisierung gestalten – Europa als sozialer Akteur

S.22

Ingrid Sehrbrock

ein persönlicher Rückblick auf 30 JahreIngrid Sehrbrock 60 Jahre CDA – S.24

60

Jahre CDA –

S.24

Werner Schreiber Stiftung Christlich-Soziale Politik e.V. Stiftung Christlich-Soziale Politik e.V.

S.27

Dr. Ulf Fink Ein neuer Generationenvertrag Ein neuer Generationenvertrag

S.28

Hermann-Josef Arentz Sozialpolitik – Das Tafelsilber der Union Sozialpolitik – Das Tafelsilber der Union

S.29

Wolfgang Vogt Geschichte wiederholt sich nicht, Geschichten schon Geschichte wiederholt sich nicht, Geschichten schon

S.30

Dr. Heiner Geißler Die CDA braucht Mut Die CDA braucht Mut

S.31

Dr. Norbert Blüm CDA-Standortbestimmung CDA-Standortbestimmung

S.32

Josef Zolk S.40 60 Der Mensch im Mittelpunkt Jahre Sozialausschüsse der CDU –

S.40

60

Der Mensch im Mittelpunkt

Jahre Sozialausschüsse der CDU –

Sonderteil: CDA-Mitglieder in den Ämtern

S.41

1

KARL-JOSEF LAUMANN Minister für Gesundheit, Arbeit und Soziales in NRW, CDA-Bundesvorsitzender, MdL. Warum muss es

KARL-JOSEF LAUMANN

KARL-JOSEF LAUMANN Minister für Gesundheit, Arbeit und Soziales in NRW, CDA-Bundesvorsitzender, MdL. Warum muss es in

Minister für Gesundheit, Arbeit und Soziales in NRW, CDA-Bundesvorsitzender, MdL.

Warum muss es in Deutschland eigentlich eine CDA geben? Was kön- nen wir tun, damit es uns auch noch in zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren gibt? Ich weiß, dass die Situation in den Regionen Deutschlands sehr unterschiedlich ist. Im nordrhein- westfälischen Landtag sind von 89 Landtagsabgeordneten 41 Mitglieder der CDA – nicht überall sind wird so aufgestellt, wie in dem Land, in dem ich Arbeits- und Sozialminister bin.

Ein Viertel der Bundestagsfraktion sind Mitglieder der Arbeitnehmer- gruppe, darunter die Kanzlerin Dr. Angela Merkel und viele andere Regierungsmitglieder. Vor allem in der Hauptstadt Berlin wird sichtbar, warum es eine CDA geben muss. Die

2

Die Würde des Menschen ist unantastbar

CDU ist ohne uns keine Volkspartei mehr. Und die CDU braucht uns, um Volkspartei zu bleiben.

Ich bin in einer Gemeinde im Mün- sterland auf einem Bauernhof groß geworden. Das ist die Region in Deutschland, wo vor der Erfindung des Kunstdüngers die Kaninchen in die Knie gehen mussten, um satt zu werden. Ich habe erlebt, wie es ist, sehr bescheiden groß zu werden. Natürlich wollten meine katholischen Eltern, dass ich Ministrant werde und die katholische Lehre zu meinen Lebensregeln wird. Der Kirchgang gehört auch heute zu meinem Leben, ist für mich Besinnung und Aufforde- rung zugleich.

Gelernt habe ich Maschinenschlosser, und was lag näher als in die Christlich- Demokratische Arbeitnehmerschaft einzutreten? Nächstes Jahr bin ich 30 Jahre Mitglied und seit fast einem Jahr Vorsitzender der CDA. Nach den Wor- ten eines meiner Vorgänger – Norbert Blüm – das schönste Amt der Welt.

Wir wollen Politik aus dem Men- schenbild der christlichen Soziallehre heraus entwickeln und gestalten, das ist der Grundsatz der CDA. Die christ- liche Soziallehre ist meiner Überzeu- gung nach das gelungenste Gesell- schaftskonzept, das die Menschheit bis heute erdacht hat. Ich denke sehr oft an 1990, die Wiedervereinigung und den Zusammenbruch des Kom- munismus. Nicht der Kapitalismus

hat den Kommunismus besiegt. Lech Wał sa, ein großer Christlich-Sozialer in Polen, und der verstorbene Papst Johannes Paul II. haben mehr für die Beseitigung des Kommunismus getan als der Kapitalismus. Und würde Lech Wał sa heute in Deutschland leben, so wäre er Mitglied der CDA. Des- halb dürfen wir, nachdem vor allem die Christlich-Sozialen es geschafft haben, all diese Ideologien zu über- winden, nicht in einen Neoliberalis- mus zurückfallen. Jahrzehntelang hat die Angst vor dem Kommunismus den Kapitalismus gezähmt. Jetzt scheint er völlig entfesselt die Welt erobern zu wollen, Firmen werden zerschlagen und deren profitable Stücke meistbie- tend an der Börse verhökert, die drit- te Welt wird immer mehr ausgebeutet und die Schwellenländer schlagen zurück mit der größten Macht, die sie haben, den menschlichen Ressourcen. Während die Angst vor dem Kommu- nismus vieles verhinderte, scheint unter dem Schlagwort Globalisierung alles erlaubt.

scheint unter dem Schlagwort Globalisierung alles erlaubt. Die Zeichen der Zeit werden heute auch in der
scheint unter dem Schlagwort Globalisierung alles erlaubt. Die Zeichen der Zeit werden heute auch in der

Die Zeichen der Zeit werden heute auch in der CDU sehr unterschied- lich interpretiert. Während einige meinten, dass nur das freie Spiel der Kräfte in der Marktwirtschaft die Probleme unserer Gesellschaft lösen kann, und dies über Monate land- auf-landab vor der Bundestagswahl verkauften, mussten sie im letzten September die bittere Quittung in Empfang nehmen. Die bereits im Vor- feld verteilten Plätze auf der Regie-

Festschrift / 60 Jahre CDA

rungsbank nehmen heute andere ein. Die CDA hat davor gewarnt: Wir sind der Meinung, dass immer der Mensch im Mittelpunkt stehen muss. Dies ist auch im deutschen Grundgesetz verankert. In Artikel 1 heißt es: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die christliche Soziallehre lässt sich in eben diesen wenigen Worten zusam- menfassen: Die gläubigen Menschen unter uns begründen dies auch damit, dass der Mensch ein Ebenbild Gottes ist.

Wenn wir Christlich-Sozialen dies in reale Politik umsetzen, dann bedeu- tet dies für mich, dass Arbeitneh- merinnen und Arbeitnehmer auch ein Recht auf Planbarkeit ihres Lebens haben. Und dazu gehört, dass der Kündigungsschutz in seinen Kern- bereichen nicht veränderbar ist. Es muss einen Schutz vor willkürlichen Kündigungen geben. Als ich 28 Jahre alt war und Schlosser und überhaupt gar nicht daran denken konnte, dass ich einmal in den Bundestag komme, haben meine Frau und ich uns für Kin- der entschieden, weil wir der Meinung waren, dass mein Job sicher ist. Heute sind solche Bewertungen nichtig.

Fast alle Länder dieser Erde und auch die Verfassung unseres Landes schrei- ben die Koalitionsfreiheit oder Tarif- autonomie fest. Tariffreiheit ist ein hohes Gut und verfassungsrechtlich geschützt. Doch es wird immer mehr ausgehöhlt. In den neuen Ländern gibt es kaum noch Tarifgebundenheit, weil die Arbeitgeber nicht organisiert sind. Die Diskussion über Flexibilität ist vollkommen unehrlich. Denn vor Ort wird vieles flexibel gehandhabt, aber niemand spricht darüber. Würde über diese Veränderungen, die alle

Festschrift / 60 Jahre CDA

schon in Deutschland stattfinden, of- fen in der Gesellschaft berichtet und diskutiert, bin ich der festen Über- zeugung, hätten wir keine derartige Debatte über die Frage der Tarifauto- nomie. Denn Lohndumping, Löhne, von denen man beim besten Willen nicht leben kann, sind mit der Würde des Menschen unvereinbar.

Unvereinbar sind sie aber auch mit einer zukunftsgerichteten Familienpo- litik. Wie sollen sich junge Menschen für Kinder entscheiden, wenn sie nicht einmal wissen, ob sie von ihrem Einkommen leben können? Wie viel sie künftig für die Gesundheit und die Vorsorge für das Alter aufbringen müssen? Ein zu teueres Auto kann man wieder verkaufen, aber Kinder sind eine Entscheidung fürs Leben und deshalb ist Planbarkeit so wichtig. Wir dürfen den Arbeitnehmerinnen nicht auf der einen Seite mit finanzi- ellen Hilfen direkt nach der Geburt die Entscheidung für das Kind leichter machen, sie aber dann allein lassen, weil es keine Betreuungsangebote gibt und sie ihren Beruf aufgeben müssen.

Die Würde des Menschen ist unantast- bar. Dies wird auch an der Mitbestim- mung deutlich. Wir Christlich-Sozialen sind in der Geschichte dieses Landes Vater und Mutter der Mitbestim- mung. Die Sozialisten wollten in der Weimarer Republik Arbeiterräte wäh- len. Lange lehnten die Sozialisten ein Mitbestimmungs- und Betriebsverfas- sungsgesetz ab. Soziale Partnerschaft heißt für uns: Dass der Arbeitnehmer eben nicht nur Arbeitnehmer ist, son- dern seine Arbeitswelt mitgestalten soll und damit einen Großteil der Zeit als Mensch bewusst lebt. Die Arbeits-

Großteil der Zeit als Mensch bewusst lebt. Die Arbeits- KARL-JOSEF LAUMANN bedingungen sind ein Großteil unseres

KARL-JOSEF LAUMANN

bedingungen sind ein Großteil unseres Lebens und daran muss man mitwirken und mitbestimmen können. Und des- wegen stehen das Betriebsverfassungs- gesetz und das Mitbestimmungsgesetz nicht zur Diskussion.

Wir in der CDA müssen Hüterin der Idee des Christlich-Sozialen sein. Die Idee ist so gut und immer noch so attraktiv, dass es eine Chance gibt, die Menschen dafür zu gewinnen. Unser Nachwuchs kam früher aus dem christlichen Bereich. Aber immer we- niger Menschen binden sich, weder an Kirchen noch an Parteien oder Gewerk- schaften. Dies ist unser Auftrag: Die Menschen für uns, die CDA, zu gewin- nen – durch ein persönliches Gespräch oder mit modernen Kommunikations- mitteln. Die Idee der Christlich-Demo- kratischen Arbeitnehmerschaft muss weiter getragen werden.

kratischen Arbeitnehmerschaft muss weiter getragen werden. Seit Beginn seiner politischen Arbeit im Bun- destag 1990
kratischen Arbeitnehmerschaft muss weiter getragen werden. Seit Beginn seiner politischen Arbeit im Bun- destag 1990

Seit Beginn seiner politischen Arbeit im Bun- destag 1990 kämpft Karl-Josef Laumann für soziale Gerechtigkeit in Deutschland.

3

DR. ANGELA MERKEL Bundeskanzlerin, Bundesvorsitzende der Christlich Demokratischen Union, MdB. Liebe Freunde der

DR. ANGELA MERKEL

DR. ANGELA MERKEL Bundeskanzlerin, Bundesvorsitzende der Christlich Demokratischen Union, MdB. Liebe Freunde der

Bundeskanzlerin, Bundesvorsitzende der Christlich Demokratischen Union, MdB.

Liebe Freunde der Christlich-Demo- kratischen Arbeitnehmerschaft,

zum 60-jährigen Jubiläum der CDA gratuliere ich von Herzen und übermittle Ihnen die Grüße der CDU Deutschlands.

Schon immer war die CDA wich- tiger Impulsgeber für die gesamte Christlich Demokratische Union: Als Johannes Albers Ende 1945 mit dem Aufbau der Sozialausschüsse begann, entwickelte sich sein Kölner Büro schnell zu einer Koordinationsstelle auch für die Gründung der CDU. Viele christliche Gewerkschafter, die 1946

4

Die CDA ist Impulsgeber für die Union

im Kolpinghaus in Herne die CDA ins Leben riefen, waren im selben Jahr auch Mitbegründer der CDU in der britischen Besatzungszone. So hatte die CDA schon früh großen Einfluss auf die Programmatik der CDU. Das Ahlener Programm von 1947 ist dafür mit seinem Eintreten für eine Wirtschaftsordnung, in der der Mensch im Mittelpunkt wirt- schaftlichen Handelns steht, genauso ein Beispiel wie die Düsseldorfer Leitsätze von 1949, in denen sich die CDU zur Sozialen Marktwirtschaft als Dritten Weg zwischen Sozialismus und Kapitalismus bekannte.

Im Laufe der Jahre, in denen die Union politische Verantwortung trug, sind den Sozialausschüssen zahlreiche wichtige sozialpolitische Weichenstel- lungen in der Bundesrepublik zu ver- danken: Von der Mitbestimmung über den Mutterschutz, das Kindergeld, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und das Berufsbildungsgesetz bis hin zum Erziehungsgeld und zur Pflege- versicherung als fünfte Säule der Sozi- alversicherung. Namen einflussreicher Politiker der Sozialausschüsse wie Jakob Kaiser, Johannes Albers, Hans Katzer oder Norbert Blüm sind un- trennbar mit der Geschichte der CDU und der Bundesrepublik verbunden.

Auch heute gibt die CDA wichtige Anstöße für die Arbeit der CDU als Partei und in der Regierung. Zu nennen ist die enge Einbeziehung der CDA in die Entwicklung der Gesund-

heitsreform der Großen Koalition. Zu nennen ist die CDU-Arbeitsgruppe zur Erarbeitung eines Konzepts zur Kapitalbeteiligung unter Leitung von Karl-Josef Laumann. Und zu nennen ist der wichtige Beitrag, den die CDA bei der Erneuerung unseres Grund- satzprogramms leisten wird.

Keine politische Kraft in Deutschland ist von ihren Werten und von ihrem Selbstverständnis her so gut gerüstet wie die CDU, um die heutigen Heraus- forderungen zu bewältigen. Globali- sierung, technologische Revolutionen und der demografische Wandel ver- ändern unsere Gesellschaft in einem beispiellosen Tempo.

Wir wissen aber auch: Diese Verän- derungen erfordern neue Antworten. Unsere Grundwerte Freiheit, Solida- rität und Gerechtigkeit gelten fort. Das christliche Menschenbild ist die ethische Grundlage unserer Politik. Daraus leiten wir unser Bild eines selbstbestimmten Menschen mit eigener Würde genauso ab wie die Gewissheit, dass jeder Mensch irren kann und nicht die letzte Instanz ist.

Unser christliches Verständnis vom Menschen ist die Basis für die Stärke der CDU als Volkspartei. Auf dieser Basis können wir auch „unterschied- liche Standpunkte durch gemeinsame Werte und Ziele verbinden“, wie es schon im Ludwigshafener Programm von 1978 heißt. Unsere Gründerväter haben das als Erste verstanden: Die

Festschrift / 60 Jahre CDA

©SAD 2006 FSIM02-1

CDU war Volkspartei, als andere noch vom Klassenkampf sprachen. Sie war Volkspartei, als andere noch reine Kli- entelpolitik betrieben haben. Die CDU war nie die Partei einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht, sie war – wie es ihr Name bis heute treffend ausdrückt – von Anfang an im Be- wusstsein christlicher Verantwortung eine Union für ganz Deutschland.

Nicht ideologische Konstrukte für die Gesellschaft – Staatsgläubigkeit und Kollektivismus – sind die geistige Grundlage der CDU, sondern das christliche Verständnis vom Men- schen, das den Einzelnen in seiner Einzigartigkeit und seinem ganzen

Potential an Entfaltungsmöglichkeiten in den Mittelpunkt stellt. Und daran, dass das so ist, haben die Sozialaus- schüsse einen wesentlichen Anteil.

Die Orientierung an unserem Men- schenbild macht christdemokratische Politik nicht nur verlässlich, sondern auch erfolgreich. Mit Zuversicht und Einsatzfreude werden wir in der Regierungsverantwortung daran ar- beiten, dass unser Land wieder dahin kommt, wohin es unserer Meinung nach gehört: in die Spitzengruppe der weltweit erfolgreichsten Nationen.

Wir arbeiten also weiter an der Zukunft. Das haben wir mit unseren

also weiter an der Zukunft. Das haben wir mit unseren DR. ANGELA MERKEL Gründervätern gemein. In

DR. ANGELA MERKEL

Gründervätern gemein. In diesem Sinne danke ich allen Mitgliedern der CDA für ihre Arbeit und wünsche den Sozialausschüssen weiterhin viel Erfolg und gute Ideen für die gemein- same politische Arbeit.

Mit freundlichen Grüßen

gemein- same politische Arbeit. Mit freundlichen Grüßen Dr. Angela Merkel Rund um die Uhr nach Skandinavien

Dr. Angela Merkel

Arbeit. Mit freundlichen Grüßen Dr. Angela Merkel Rund um die Uhr nach Skandinavien und ins Baltikum

Rund um die Uhr nach Skandinavien und ins Baltikum

Mehrere Hundert Mal am Tag nehmen die komfortablen Fährschiffe der Scandlines-Flotte Kurs auf Skandinavien und die Baltischen Länder. Gleichgültig, wann und wo Sie Ihren Urlaub verbringen wollen - wir bringen Sie immer entspannt über die Ostsee. Jeden Tag, jede Stunde. Reisen Sie mit Scandlines so flexibel wie auf einer Autobahn - nur viel schöner. Und genießen Sie die Pause auf See. Willkommen an Bord!

Und genießen Sie die Pause auf See. Willkommen an Bord! PUTTGARDEN-RØDBY . SASSNITZ-TRELLEBORG . ROSTOCK-TRELLEBORG
MARTIN KAMP Hauptgeschäftsführer der Christlich-Demo- kratischen Arbeitnehmerschaft. 1. weil Deutschland auch in

MARTIN KAMP

MARTIN KAMP Hauptgeschäftsführer der Christlich-Demo- kratischen Arbeitnehmerschaft. 1. weil Deutschland auch in

Hauptgeschäftsführer der Christlich-Demo- kratischen Arbeitnehmerschaft.

1. weil Deutschland auch in Zukunft organisierte Christlich-Soziale braucht.

2. weil die CDU ohne uns keine Volkspartei wäre.

3. weil der DGB ohne uns zu rot wäre.

4. weil Arbeitnehmer verbriefte Rechte brauchen.

5. weil knapp 5 Millionen Arbeitslose Teilhabechancen erwarten.

6. weil es endlich einen Durchbruch beim Miteigentum von Arbeit- nehmern geben muss.

7. weil der Berliner Republik eine Portion rheinischer Kapitalismus ganz gut bekommt.

8. weil Mitbestimmung und Tarifau- tonomie keine alten Hüte sind.

9. weil Klassenkampf ausgedient hat.

6

60 gute Gründe, warum wir auch heute und morgen eine starke CDA brauchen

10. weil Turbo-Kapitalismus keine Zu- kunft hat.

11. weil die Gewerkschaften ohne CDA’lerinnen zu wenige starke Frauen hätten.

12. weil Menschenwürde wichtiger als Shareholder-Value ist.

13. weil unsere neu gestaltete Mitglie- derzeitschrift „Soziale Ordnung“ SO! beliebt ist.

14. weil man sich bei uns die Meinung schon immer unverBLÜMt gesagt hat.

15. weil Solidarno

hang zum Einsturz gebracht hat und das die Kraft des Christlich- Sozialen beweist.

16. weil Rosinenpickerei etwas für die Freunde von Trockenfrüchten ist, in der solidarischen Krankenversiche- rung aber nichts zu suchen hat.

Krankenversiche- rung aber nichts zu suchen hat. den Eisernen Vor- 17. weil wir die Pflegeversicherung ein-

den Eisernen Vor-

17. weil wir die Pflegeversicherung ein- geführt haben und sie jetzt zukunfts- fest machen wollen.

18. weil Dumpinglöhne sittlich nicht zu verantworten sind.

19. weil der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, un- serer parlamentarischen Speerspitze, auch die Bundeskanzlerin angehört.

20. weil wir das sozialromantische Feld anderen überlassen.

21. weil wir u.a. den Arbeitsminister in NRW, den sozialpolitischen Sprecher

in der Bundestagsfraktion und den Vorsitzenden des Bundestagssozi- alausschusses stellen.

22. weil für uns echte Integration ein Herzensanliegen ist – und eine CDA-Kollegin Integrationsbeauf- tragte der Bundesregierung ist.

23. weil unsere neue Homepage www.cda-bund.de aus eingefleisch- ten Computermuffeln wahre PC- Freaks macht.

24. weil wir Familien mit Kindern nicht nur wegen der Rente fördern wollen, sondern weil Kinder Spaß machen.

25. weil Sozialpartnerschaft sich auch für die deutschen Unternehmen rechnet und auszahlt.

26. weil man es bei uns genießen kann, nicht Genosse genannt zu werden.

27. weil unsere Betriebs- und Perso- nalräte engagiert die Interessen der Kolleginnen und Kollegen vertreten.

28. weil wir auch in Zukunft Altersar- mut verhindern müssen.

29. weil wir die Würde des Menschen in allen Phasen des Lebens achten – vom Beginn bis zu seinem Ende.

30. weil die Sozis immer noch zu kol- lektivistisch denken.

31. weil die FDP so individualistisch wie nie zuvor denkt und mit ihrer Politik weit weg vom Bürger ist.

Festschrift / 60 Jahre CDA

© Archive Albert Schweitzer, Gunsbach.

32. weil der bayerischen CSA ohne uns die Schwesterorganisation im Rest der Republik fehlte.

33. weil nicht nur Lebensalter, son- dern auch Lebensleistung über den Renteneintritt entscheiden soll und wir deshalb die abschlag- freie Rente nach 45 Beitragsjahren durchgesetzt haben.

34. weil „wir Papst sind“ und die ka- tholische Soziallehre hochmodern ist.

35. weil die protestantische Sozial- ethik nicht weniger aktuell ist.

36. weil wir die einzige parteinahe Or- ganisation sind, die die christliche Sozialethik in die Politik trägt.

37. weil nicht alle BILD-Schlagzeilen so originell sind wie die zur Papst- wahl – siehe Rente.

38. weil die Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU (MIT) einen Coun- terpart benötigt.

39. weil wir neben der MIT, die in die- sem Jahr erst 50 wird, noch lange nicht alt aussehen.

40. weil Arbeit Vorrang vor dem Kapi- tal haben muss.

41. weil wir familiengerechte Unterneh- men und nicht unternehmensge- rechte Familien wollen.

42. weil der DAX für uns nicht der ent- scheidende Maßstab für Wohlstand ist.

43. weil KAB, Kolping und Evangelische Arbeitnehmer einen Ansprechpartner in der Politik brauchen.

44. weil wir bei „Marx aus Trier“ zunächst an Bischof Reinhard und erst dann an Karl denken.

45. weil Freiheit, Gerechtigkeit und Soli- darität zusammengehören.

46. weil wir zwar schon manches Mal Schwein gehabt haben, aber nicht täglich eine neue politische Sau durchs Dorf treiben.

47. weil wir ein eigenes Leistungsgesetz für Behinderte wollen.

48. weil unseren E-mail-Newsletter auch viele Nicht-CDA-Mitglieder abonniert haben.

49. weil Firmen, die ihre Mitarbeiter an Kapital und Gewinnen beteiligen, erfolgreicher sind – und wir dieses unterstützen.

50. weil „hire and fire“ von vorgestern ist.

50. weil „hire and fire“ von vorgestern ist. MARTIN KAMP 51. weil wir in Menschenrechtsfragen auf

MARTIN KAMP

51. weil wir in Menschenrechtsfragen auf keinem Auge blind sind.

52. weil die Förderung des lebenslan- gen Lernen für uns eine Lehr- aber keine Leerformel ist.

53. weil es uns auch auf europäischer Ebene gibt – als EUCDA mit wich- tigen Politikern im EU-Parlament.

54. weil sich die Soziale Frage immer wieder neu stellt.

55. weil die Generation P echte Zu- kunftschancen statt unbezahlter Praktika und bloßer Gelegenheits- jobs will.

56. weil wir besser als andere wissen, dass das, was verteilt wird, erst erwirtschaftet werden muss.

57. weil die CDA mal „Sozialaus- schüsse“ hieß – und wer mag, sie auch heute noch so nennen darf.

58. weil wir auch kleinen Gewerk- schaften Gehör schenken.

59. weil bei uns die Basis über das Mot- to auf Bundestagungen entscheidet.

60. weil wir auch da nicht zu Monar- chisten geworden sind, als wir einen Kaiser als Vorsitzenden hatten.

geworden sind, als wir einen Kaiser als Vorsitzenden hatten. Um ernste Krankheiten besser heilen zu können,

Um ernste Krankheiten besser heilen zu können, entwickelte der Mediziner Albert Schweitzer eine völlig neue Methode: das Orgelspielen.

Manchmal muss man für die Gesundheit ungewöhnliche Wege gehen. Schweitzer sam- melte durch weltweite Konzertauftritte Geld, um seine Patienten im afrikanischen Lambarene optimal versorgen zu können. Auch die DKV denkt innovativ, um Menschen bestmöglich zu betreuen. Mit „Best Care“ wird Versicherten im Falle spezieller, insbesondere ernster Diagnosen innerhalb weniger Tage ein Behandlungsplatz bei einem renommierten Experten in Deutschland vermittelt. In Zukunft möchten wir noch viel mehr erreichen, um medizinische Versorgung besser und effektiver zu machen – wir haben diesem Ziel einen Namen gegeben: Das Unternehmen Gesundheit! ®

Postfach 50594 Köln, www.dkv.com

GERALD WEIß Vorsitzender der CDU/CSU-Arbeitnehmer- gruppe, erster stellvertretender Bundesvor- sitzender der CDA, MdB.

GERALD WEIß

GERALD WEIß Vorsitzender der CDU/CSU-Arbeitnehmer- gruppe, erster stellvertretender Bundesvor- sitzender der CDA, MdB.

Vorsitzender der CDU/CSU-Arbeitnehmer- gruppe, erster stellvertretender Bundesvor- sitzender der CDA, MdB.

Christlich-Soziale wissen schon immer, wie wichtig vor allem drei Quellen für die Autonomie des Menschen sind: Familie, Arbeit und – Eigentum. Stets waren sie bemüht, das Tor für Vermögensbildung in Arbeitnehmer- hand weiter zu öffnen. Dabei spielte die Beteiligung der Arbeitnehmer am Kapital und am Erfolg der Unterneh- men eine herausragende Rolle. CDA und CSA waren hierbei Motor in der Union. Die Union hat in unserer Nach- kriegsgeschichte für die Vermögens- bildung Bedeutendes geleistet.

Dennoch: Die Kapital- und Erfolgs- beteiligung der Arbeitnehmer hat in Deutschland noch nicht den Durch- bruch geschafft. Im internationalen Vergleich liegen die entsprechenden Beteiligungsquoten unter „ferner liefen“. Dies hat damit zu tun, dass auf der Arbeitnehmer- wie auf der

8

Soziale Kapitalpartnerschaft:

Eine Idee setzt sich durch

Arbeitgeberseite das Thema in seiner gesellschaftspolitischen Bedeutung erst im Laufe der Zeit erkannt wurde. Vieles spricht dafür, dass die Mitarbei- terbeteiligung jetzt ihre Zeit hat und an Breite gewinnt.

Im Sinne einer Ausdifferenzierung ermöglicht sie mehr Flexibilität in der Tarifpolitik (Geldlohn, Erfolgslohn und Kapitallohn). Sie ist ein Mittel, der wachsenden Ungleichheit der Einkommens- und der Vermögensent- wicklung zu begegnen. Sie eröffnet einen weiteren Weg zur zusätzlichen kapitalgedeckten Altersversorgung. Sie befördert Produktivität und Moti- vation im Unternehmen. In der Form der Kapitalbeteiligung kann sie die Eigentumsstruktur stabilisieren und eine längerfristig angelegte Unter- nehmensentwicklung zu Lasten des einseitigen und kurzfristigen Rendite- denkens herbeiführen. Somit kann sie zur Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland beitragen.

Der Staat muss die Rahmenbedin- gungen für die Mitarbeiterbeteiligung verbessern. Dies zu fördern, ist eine der wichtigsten strategischen Aufga- ben von CDA und CSA. Die Formen der staatlich geförderten kapitalge- deckten zusätzlichen Altersvorsorge (Riester, Rürup) müssen nicht nur um die Alternative „Eigenheim“, sondern um die Alternative „langfristige und gesicherte Mitarbeiterbeteiligung“ ergänzt werden. Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Mehr Alters-

sicherheit und mehr Teilhabe für die Arbeitnehmer!

Dazu gehört, dass der Paragraph 11 Einkommensteuergesetz in dem Sinne klargestellt werden muss, dass die Mitarbeiterbeteiligung nachgelagert zu besteuern ist, das heißt, nicht in der Vermögensbildungsphase. Darüber hinaus muss der Paragraph 3 Einkommensteuergesetz so gestal- tet werden, dass er die Umwandlung der Mitarbeiterbeteiligung in eine betriebliche Altersvorsorge leicht er- möglicht. Auch den Paragraphen 19a Einkommensteuergesetz müssen wir neu fassen: Ein Verzicht des Arbeit- nehmers auf bestimmte Sondervergü- tungen sollte dann steuerfrei mög- lich sein, wenn ihm von Seiten des Arbeitgebers in gleicher Höhe eine Mitarbeiterbeteiligung eingeräumt wird. Keiner darf gezwungen werden:

Weder der Arbeitnehmer, sich an einem Betrieb zu beteiligen, noch der Arbeitgeber, seine Arbeitnehmer zu Mitunternehmern zu machen. Aber die Rahmenbedingungen müssen dieses Verhalten begünstigen. Und außerdem müssen überbetriebliche Beteiligungsformen für die Arbeitneh- mer und Unternehmer bereit stehen, die sich anders entscheiden. Wir, die CDA, müssen durchsetzen, dass Arbeitnehmer im ernstzunehmenden Umfang Miteigentümer am Produk- tivkapital werden. Hier geht es nicht nur um materielle Dinge. Es geht um Freiheit und Unabhängigkeit – um persönliche Autonomie.

nur um materielle Dinge. Es geht um Freiheit und Unabhängigkeit – um persönliche Autonomie. Festschrift /

Festschrift / 60 Jahre CDA

Herzlichen Glückwunsch Die RheinEnergie gratuliert der CDA, Christlich demokratische Arbeitnehmerschaft Deutschlands, zum
Herzlichen Glückwunsch Die RheinEnergie gratuliert der CDA, Christlich demokratische Arbeitnehmerschaft Deutschlands, zum

Herzlichen Glückwunsch

Die RheinEnergie gratuliert der CDA, Christlich demokratische Arbeitnehmerschaft Deutschlands, zum 60jährigen Bestehen. Wir freuen uns über langjähriges Engagement und die erreichten Ziele. Für die zukünftige Arbeit wünschen wir weiterhin viel Erfolg.

Die RheinEnergie AG - ein Unternehmen aus der Region, ein Unternehmen für die Region.

www.rheinenergie.com

GESCHICHTE DER CDA – ein Grundpfeiler der Volkspartei CDU Die Arbeitnehmerschaft Als die Sozialausschüsse der

GESCHICHTE DER CDA

– ein Grundpfeiler der Volkspartei CDU

Die Arbeitnehmerschaft

Als die Sozialausschüsse der Christ- lich-Demokratischen Arbeitnehmer- schaft 1946 im Kolpinghaus in Herne gegründet, Jakob Kaiser ihr erster Vorsitzender und Hans Katzer Haupt- geschäftsführer wurde, war das der Abschluss einer Gründungsphase, die im Juni 1945 begonnen hatte.

Johannes Albers eröffnete damals be- reits das „Büro Albers“ auf der Breite- Straße in Köln. Es sollte Anlaufstelle für ehemalige christliche Gewerk- schafter sein und entwickelte sich schnell zum Koordinationsbüro für die Gründung der Union im Jahr 1946 in der britischen Besatzungszone. Dieser Umstand zeigt, wie eng CDA und CDU miteinander verwurzelt sind. Es verwundert also auch nicht, dass die Sozialausschüsse der Union

fassenden Sinn, vielmehr liegt seine Bedeutung in der Neuformulierung der wirtschafts-, sozial- und gesell- schaftspolitischen Ziele für Deutsch- land nach dem Krieg. Das Anliegen nach einer humanen Wirtschaftsver- fassung prägt den Inhalt.

Die Suche nach einer neuen Antwort auf die wirtschafts- und gesellschafts- politischen Herausforderungen in Ab- lehnung der sozialistischen Ordnung einerseits und eines liberalistischen Kapitalismus andererseits steht im Mittelpunkt. So strebt das Ahlener Programm eine Wirtschaftsordnung an, „die die Mängel der Vergangen- heit vermeidet und die Möglichkeit zum technischen Fortschritt und zur schöpferischen Initiative des Einzel- nen lässt.“ Der Mensch sollte zukünf-

des Einzel- nen lässt.“ Der Mensch sollte zukünf- schon früh auf die Programmatik der „Mutterpartei“

schon früh auf die Programmatik der „Mutterpartei“ Einfluss nehmen.

Wie das Ahlener Programm (1947): Es ist kein politisches Programm im um-

10

tig Mittelpunkt und Orientierungs- punkt eines jeden wirtschaftlichen Handelns sein – ein Grundsatz, der noch heute für alle Christlich-Sozialen gilt.

Nicht alle Einzelvorschläge, etwa die Vergemeinschaftung zentraler Indus- triebereiche und zentrale staatliche Planung, erwiesen sich in der Folge als geeignet. Bis heute jedoch hat das „Konzept einer Wirtschaftsverfas- sung, die die Würde und die Freiheit des Einzelnen sichert, wirtschaft- lichen Konzentrationsprozessen ent- gegenwirkt und Mechanismen dafür entwickelt, wie Konflikte zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern friedlich beigelegt werden können,“ (Norbert Blüm) Bestand in der Pro- grammatik der CDU. Die Interpreta- tion, das Ahlener Programm sei ein Gesellschaftsentwurf im Sinne eines „christlichen Sozialismus“, wird in spä- teren Kommentaren häufig verwendet und war zunächst auch beabsichtigt. Im Ahlener Programm jedoch findet sich dieser Begriff nicht.

Der ein Jahr später unternommene Schritt in die Soziale Marktwirtschaft mit Währungsreform und der Frei- gabe von Preisen und Löhnen zeigte

und der Frei- gabe von Preisen und Löhnen zeigte erstmals in der Geschichte, welche ungeahnten Kräfte

erstmals in der Geschichte, welche ungeahnten Kräfte eine freiheitliche und zugleich dem Sozialen verpflich- tete marktwirtschaftliche Ordnung freizusetzen vermag.

Festschrift / 60 Jahre CDA

In den „Düsseldorfer Leitsätzen“ (1949) bekennt sich die CDU zum Konzept der Sozialen Marktwirt- schaft, der Fortentwicklung des Ge- dankens vom Dritten Weg zwischen Sozialismus und Kapitalismus, wie er im Ahlener Programm angelegt war.

Nach dem Wahlsieg auf Bundesebene gründet sich im Jahr 1950 die CDU Deutschlands in Goslar. So lenkt die CDU, und mit ihr die CDA, bis 1969 als Regierungspartei die Geschicke der Bundesrepublik. Es werden viele fortschrittliche Gesetze erlassen, die die Handschrift christlich-sozialer Vordenker tragen. So verabschie- dete die Bundesregierung das erste Wohnungsbaugesetz – ein Schritt, der die Bauwirtschaft des in Schutt und Asche liegenden Landes ankur- belte und zugleich die Wohnungsnot bekämpfte. Durch das Heimkehrer- und das Bundesversorgungsgesetz erhielten über vier Millionen Kriegs- versehrte, Kriegshinterbliebene und Kriegswaisen Unterstützungen.

Kriegshinterbliebene und Kriegswaisen Unterstützungen. Nach Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften und

Nach Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften und innerhalb der Union zwischen Konrad Adenauer und Karl Arnold tritt am 21. Mai 1951 die Montanmitbestimmung in Kraft – ein

Festschrift / 60 Jahre CDA

in Kraft – ein Festschrift / 60 Jahre CDA GESCHICHTE DER CDA historischer Kompromiss auch zwi-

GESCHICHTE DER CDA

historischer Kompromiss auch zwi- schen dem damaligen Bundeskanzler und dem DGB-Gründungsvorsit- zenden Hans Böckler. Im Stahl- und Kohlebereich erhalten die Arbeit- nehmer- und Arbeitgebervertreter gleichwertige Mitbestimmungsrechte. Im Gegenzug gibt die CDU Nordrhein- Westfalen ihre Forderung nach einer Vergesellschaftung der Schlüsselindu- strien auf.

Karl Arnold eröffnet 1951 auf dem Bundesparteitag der CDU in Karls- ruhe mit seinem „Vier-Pfennig-Plan“ die Diskussion über den Investiv- lohn. Sein Plan sah vor, dass von Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zwei Pfennig pro Arbeitsstunde an eine Kasse abzuführen seien, die als Kapitalbildungsstelle zur Finanzierung von Investitionsvorhaben dienen sollte. Dies bildete den Auftakt zu einer Reihe von Initiativen, mit denen die Sozialausschüsse in über fünf Jahrzehnten immer wieder für Vermögensbildung und Produktivka-

Chef der Arbeitnehmergruppe, der „dicke Bretter“ für die Arbeitnehmer- Beteiligung bohrt.

Der Kündigungsschutz wird gesetzlich verankert: Im weiteren Verlauf der Neustrukturierung Deutschlands wird der Mutterschutz ebenso gesetzlich geregelt, wie die Betriebsverfas- sung, die Arbeitnehmervertretern in Gewerbebetrieben Mitbestim- mungsrechte sichert. Der Deutsche Bundestag beschließt im Jahr 1952 die Einrichtung einer Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und die Arbeitslo- senversicherung.

Die erste große Rentenreform, die aufgrund der herrschenden Alters- armut beschlossen wird, koppelt die Rentenleistungen an die Lohnsteige- rungen und man vereinheitlicht das Rentenrecht für Arbeiter und Ange- stellte. Die Rentner sollten dadurch am wirtschaftlichen Fortschritt betei- ligt und die Altersarmut überwunden werden.

betei- ligt und die Altersarmut überwunden werden. pitalbeteiligung warben. Später ist es vor allem Wolfgang
betei- ligt und die Altersarmut überwunden werden. pitalbeteiligung warben. Später ist es vor allem Wolfgang

pitalbeteiligung warben. Später ist es vor allem Wolfgang Vogt, langjähriger CDA-Landesvorsitzender in NRW und zeitweise Parlamentarischer Staats- sekretär im Arbeitsministerium und

Die dynamische Rente wird Alterslohn für Lebensleistung. Indes bleibt sie ein „Zwei-Generationen-Vertrag“, weil Adenauer meinte, Kinder bekämen die Leute ohnehin – ein Trugschluss.

sie ein „Zwei-Generationen-Vertrag“, weil Adenauer meinte, Kinder bekämen die Leute ohnehin – ein Trugschluss. 11

11

GESCHICHTE DER CDA Viele Christlich-Soziale hatten schon damals einen Drei-Generationen- Vertrag auch unter Einbeziehung

GESCHICHTE DER CDA

Viele Christlich-Soziale hatten schon damals einen Drei-Generationen- Vertrag auch unter Einbeziehung der Familien mit Kindern gefordert. Das zunächst eher mäßige Kindergeld än- derte an der Vernachlässigung dieser dritten Generation wenig.

Im Jahr 1960 führen sieben christ- lich-soziale Verbände in Köln einen Arbeitnehmerkongress durch, der die Lohnfortzahlung für Arbeiter bei Krankheit und soziales Bodenrecht fordert. Auf ihrer 12. Bundestagung verabschieden die CDU-Sozialaus- schüsse ihr Grundsatzprogramm, die „Offenburger Erklärung“. Es wird eine „offene und solidarische Gesellschaft“ gefordert, in deren Mittelpunkt der Mensch steht.

Das Jahr 1966 bringt die erste Große Koalition zwischen CDU/CSU und SPD. Hans Katzer, der Bundesvorsit- zende der CDA und Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, formu- liert das Arbeitsförderungsgesetz

Das Jahr 1969 bringt einschneidende Veränderungen für die CDU. Das er- ste Mal seit Gründung der Bundesre- publik ist die Union nicht mehr in der Regierungsverantwortung. Die Partei und ihre Vereinigungen beginnen, sich mit der eigenen Modernisierung zu beschäftigen. So legen die Sozial- ausschüsse Musterregelungen für die Gründung von Arbeitskammern vor, die in enger Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften Bildungs- und Infor- mationsaufgaben übernehmen sollen.

Heftige Debatten werden in der „Jungen Arbeitnehmerschaft“, der Nachwuchsorganisation der CDA, ge- führt. Zentrales Konfliktthema ist die Bodenreform. Eine starke Minderheit unterliegt schließlich mit der Forde- rung „Grund und Boden sind Gemein- eigentum. Nutzungsrechte können gewährt werden“. Am Ende dieser Diskussion entsteht das Grundsatz- programm „Radikale Evolution“. Als die sozialliberale Koalition 1976 das Mitbestimmungsgesetz für Kapitalge-

volle Parität in den Aufsichtsräten ein- zuführen. Die SPD lehnt dies jedoch aus Koalitionsräson ab, und so erhält der, in der Regel von der Kapitalseite gestellte, Aufsichtsratvorsitzende für Pattsituationen ein Doppelstimm- recht. Norbert Blüm, damals Haupt- geschäftsführer der Sozialausschüsse, spricht von „Parität mit doppeltem Boden“ oder „Doppelstimmrecht“. Der Abstimmung im Bundestag waren jahrelange heftige Auseinanderset- zungen innerhalb der CDU zur Mitbe- stimmung vorangegangen.

Auf europäischer Ebene gründet sich 1978 die „Europäische Union Christ- lich-Demokratischer Arbeitnehmer“. Hans Katzer wird erster Präsident.

Die CDU kommt 1982 wieder in Regierungsverantwortung. Bundes- kanzler wird Helmut Kohl, Norbert Blüm der Vorsitzende der CDA wird Bundesminister für Arbeit und Sozial- ordnung. Durch die Einführung von Erziehungsgeld, Rentenansprüchen

Durch die Einführung von Erziehungsgeld, Rentenansprüchen und setzt die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gesetzlich
Durch die Einführung von Erziehungsgeld, Rentenansprüchen und setzt die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gesetzlich
Durch die Einführung von Erziehungsgeld, Rentenansprüchen und setzt die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gesetzlich

und setzt die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gesetzlich durch. Der Bundestag beschließt das von christ- lich-sozialen Politikern maßgeblich formulierte Berufsbildungsgesetz.

sellschaften außerhalb der Montan- wirtschaft, in denen mehr als 2000 Beschäftigte arbeiten, beschließt, fordert die Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die

für Erziehungsleistung und Erzie- hungsurlaub unter Federführung des CDU-Generalsekretärs und Famili- enministers Heiner Geißler – auch er ein Christlich-Sozialer – wird erstmals

12

Festschrift / 60 Jahre CDA

GESCHICHTE DER CDA die erzieherische Arbeit der Eltern mit einem „gesellschaftlichen Lohn“ mate- riell anerkannt.

GESCHICHTE DER CDA

die erzieherische Arbeit der Eltern mit einem „gesellschaftlichen Lohn“ mate- riell anerkannt.

In ihrem Programm „Arbeit für alle“ fordert die CDA ein „gesetzliches Vor- kaufsrecht für Belegschaften“. Dieses sollten die Arbeitnehmer in Anspruch nehmen können, falls deren Betriebe veräußert, aufgelöst oder in Konkurs gehen sollten. Im Rahmen der Gesund- heitsreform wird der gesetzliche Anspruch auf Pflegeurlaub und Pfle- gegeld in Kraft gesetzt. Die erbrachte Pflegeleistung wird aufgewertet.

zwischen Bund, Ländern, Kommunen, Wirtschaft und Gewerkschaften“.

Ebenfalls auf eine Initiative der CDA ist die Einführung der Pflegeversiche- rung als fünfte Säule der Sozialversi- cherung im Jahr 1995 zurückzuführen – Norbert Blüm war zuständiger Bundesminister, Karl-Josef Laumann Berichterstatter im zuständigen Bundestagsausschuss. Kurz vor der Abwahl der Regierung Kohl wird das 3.Vermögensbildungsgesetz – ein weiterer Schritt hin zu einer „sozialen Kapitalpartnerschaft“ verabschiedet.

Jürgen Rüttgers in Nordrhein-Westfa- len Ministerpräsident. Karl-Josef Lau- mann wird Arbeits- und Sozialminister in NRW – nur wenige Tage vor seiner Wahl zum CDA-Bundesvorsitzenden.

Angela Merkel wird Bundeskanzlerin einer Großen Koalition. Forderungen der CDA zum abschlagfreien Renten- eintritt nach 45 Beitragsjahren, zu zusätzlichen Anstrengungen für ältere Arbeitnehmer, zu besseren Vermö- gensfreigrenzen für Transferempfän- ger und zur Weiterbildung werden aufgegriffen.

Im Herbst 1989 fällt die Diktatur der SED. Kurz drauf wird das erste und einzige Mal in der DDR frei gewählt. Der spätere Bundesvorsitzende der CDA Rainer Eppelmann, schon als Bürgerrechtler aktiv am Sturz des SED-Regimes beteiligt, wird Abrüs- tungsminister.

Am 3. Oktober 1990 wird das Gebiet der DDR mit dem sozialen Rechts-

1998: Mit dem Verlust der Bundes- tagswahl verliert die Union mit der Regierungsverantwortung auch wich- tige Gestaltungsspielräume. In der Opposition ringen CDU und CSU um ihre Positionen zur Reform der Ge- sundheits- und Rentenversicherung, zum Arbeitsrecht und zur Tarifauto- nomie. In der Familienpolitik setzt die CDA mit Erziehungsgehalt und Familiengeld Akzente, die die CDU in

Zum Jahreswechsel 2005 / 2006 spricht sich Bundespräsident Horst Köhler für die Mitarbeiterbeteiligung aus. Die CDA regt innerparteilich an, eine Kommission zum Thema Miteigentum einzusetzen – und hat damit Erfolg. Das CDU-Gremium unter Federführung von CDA-Chef Laumann bereitet einen konkreten Forderungskatalog vor. Die Sozialaus- schüsse kommen damit im Jahr ihres

vor. Die Sozialaus- schüsse kommen damit im Jahr ihres staat Bundesrepublik Deutschland vereinigt. Als erste
vor. Die Sozialaus- schüsse kommen damit im Jahr ihres staat Bundesrepublik Deutschland vereinigt. Als erste

staat Bundesrepublik Deutschland vereinigt. Als erste fordern der CDA-Bundesvorsitzende Ulf Fink und der Arbeitsminister Sachsen-Anhalts Werner Schreiber einen „Aufbau-Pakt

veränderter Form aufgreift, aber auch weiterentwickelt.

2005 wird wieder ein erfolgreiches Jahr: Nach 39 Jahren Opposition wird

60-jährigen Bestehens ihrer Vision, eine Gesellschaft von Teilhabern zu schaffen, einen entscheidenden Schritt näher.

Danny Dobmeier

Festschrift / 60 Jahre CDA

13

RAINER EPPELMANN Minister a.D., Ehrenvorsitzender der CDA, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der

RAINER EPPELMANN

RAINER EPPELMANN Minister a.D., Ehrenvorsitzender der CDA, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der

Minister a.D., Ehrenvorsitzender der CDA, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Als wir 1989 in der DDR die SED davongejagt hatten und der Zug un- aufhaltbar in Richtung Einheit rollte, war es mir als Minister der frei ge- wählten DDR-Regierung unter Lothar de Maiziére ein wichtiges Anliegen, den wirtschaftlichen Einigungspro- zess so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. So war es eine logische Konsequenz meines bis dahin noch recht jungen politischen Wirkens, als ich 1994 auf Bitten vieler Mitstreiter in einer schwierigen Zeit den Vorsitz der CDA mit Respekt vor der Aufga- be, aber gleichwohl frohen Herzens übernahm. Zu einem sozialen Aus- gleich in der deutschen Vereinigungs- gesellschaft beizutragen, war mir in einer Zeit des politischen, wirtschaft- lichen und gesellschaftlichen Wandels ein lohnendes Ziel.

14

Wir sind das Volk – auch heute

Für Deutschland hatte mit dem Vollzug der Einheit eine neue Zeit begonnen. Obwohl die meisten Westdeutschen wollten, dass nach der Vereinigung möglichst alles so bleiben sollte, wie es zuvor gewesen ist, und die Ostdeutschen nichts sehnlicher wünschten, als dass es auch bei ihnen so werde, wie es 40 Jahre lang im Westen war, hat sich nicht nur Ostdeutschland, sondern auch der Westen der Bundesrepublik in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Das Koordinatensystem, in welchem man vor der friedlichen Re- volution in der DDR gelebt hat, wurde durch ein völlig neues abgelöst.

Die Bürger Ostdeutschlands haben seit 1989 lernen müssen, flexibel mit schnellem und umfassendem Wandel zurechtzukommen. Sie mussten erfah- ren, dass Veränderung der Normalfall ist, Stillstand dagegen die Ausnahme. Doch auch die alte Bundesrepublik konnte nach der Vereinigung nicht un- verändert bleiben. Die Landschaften, die Städte und die Menschen in Ost- deutschland, die vorher aus westlicher Sicht weitgehend Terra incognita und eher fremd waren, sind nun gleich- berechtigter Teil eines Ganzen. Und so wirken sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den neuen Ländern eben auch auf die Konjunkturdaten und den Wohlstand in Westdeutsch- land aus.

Nach und nach wuchs daher auch in der westdeutschen Bevölkerung die

Erkenntnis von der Notwendigkeit, nach 40 erfolgreichen Jahren in Poli- tik, Wirtschaft und Sozialstaat neue Wege einzuschlagen.

Es gilt heute, die neuen Herausfor- derungen, die sich aus der deutschen Einheit ebenso wie aus der Erweite- rung der Europäischen Union, der Globalisierung des Wirtschaftslebens, dem Wandel der Industriegesellschaft zur Dienstleistungs-, Wissens- und Informationsgesellschaft oder aus der notwendigen Reformierung der sozialen Sicherungssysteme ergeben, gemeinsam anzupacken – in Ost und West. „Wir sind das Volk!“, riefen wir 1989, als wir uns in der DDR die Freiheit erkämpften. Dies gilt heute ebenso für ganz Deutschland: Wir alle gemeinsam sind verantwortlich für das, was in unserem Gemeinwesen passiert und deshalb müssen wir alle gemeinsam daran arbeiten, unser Gemeinwesen zu verbessern. Es geht um nicht weniger als um die zeitge- mäße Gestaltung von Gegenwart und Zukunft dieser Republik.

Angesichts tiefgreifender Verände- rungen sehe ich für mich eine zentrale Aufgabe darin, die Menschen dafür zu sensibilisieren, aus der Vergangenheit Lehren für die Zukunft zu ziehen, aber auch für Verständnis zu werben und Brücken zu bauen in unserer Gesell- schaft: zwischen Ost und West, zwi- schen arm und reich, zwischen oben und unten, zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

zwi- schen arm und reich, zwischen oben und unten, zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Festschrift / 60

Festschrift / 60 Jahre CDA

A O K . W i r t u n m e h r. Wussten
A O K .
W i r
t u n
m e h r.
Wussten Sie schon,
dass wir täglich mehr als 250.000
Gesundheitsfragen beantworten?
Wenn es um die eigene Gesundheit geht, will man es ganz genau wissen. Deshalb bietet
Ihnen die AOK viele Möglichkeiten, sich schnell und kompetent zu informieren. Mit einem
dichten Netz von Geschäftsstellen, am Telefon oder auf www.aok.de sind wir immer
in Ihrer Nähe. Nicht umsonst heißt die AOK „Die Gesundheitskasse”.
DR. HORST SEEHOFER Bundesminister für Ernährung, Landwirt- schaft und Verbraucherschutz, Vorsitzender der CSA, MdB. Die

DR. HORST SEEHOFER

DR. HORST SEEHOFER Bundesminister für Ernährung, Landwirt- schaft und Verbraucherschutz, Vorsitzender der CSA, MdB. Die

Bundesminister für Ernährung, Landwirt- schaft und Verbraucherschutz, Vorsitzender der CSA, MdB.

Die solidarische Gesellschaftsordnung der letzten 50 Jahre ist das Funda- ment für den erfolgreichsten Weg der Deutschen, den sie in ihrer Geschich- te zurückgelegt haben. Eine hohe wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und ein hohes Maß an sozialer Sicherheit und Gerechtigkeit sind zu wichtigen Bestandteilen unserer nationalen Identität geworden. Unser Sozialstaat trägt zum inneren Frieden bei und ist gelebter Ausdruck der notwendigen Solidarität mit den Bedürftigen.

Gleichwohl besteht kein Zweifel, dass wir an einem Wendepunkt in der So- zialstaatsentwicklung angelangt sind:

Die hohe Dauerarbeitslosigkeit und der Verlust an sozialversicherungs- pflichtigen Arbeitsplätzen verdoppeln mit Beitragsmindereinnahmen und Anstieg der Leistungsausgaben die Finanzierungsprobleme der sozi- alen Sicherungssysteme. Aufgrund unserer demografischen Entwicklung müssen in Zukunft immer weniger Beitragszahler eine wachsende Zahl

16

Eine zukunftsorientierte Sozialpolitik braucht christliche Maßstäbe

von Leistungsempfängern finanzieren. Die wirtschaftliche Stagnation führt zu Steuerausfällen, aber die steuerfi- nanzierten Sozialausgaben steigen zu Lasten der Zukunftsinvestitionen.

Die Menschen in unserem Land sehen die Notwendigkeit von Reformen ein. Sie sind aber existenziell berührt, was ökonomisch und sozial in unserem Land stattfindet. Die Menschen ha- ben Sehnsucht nach geistiger Orien- tierung, nach Maßstäben und nach einem klar definierten Menschenbild.

Die christliche Arbeitnehmerschaft hat diese Orientierung: Das christ- liche Menschenbild mit den Prinzipien Subsidiarität und Solidarität und die Idee der Sozialen Marktwirtschaft sind unsere Maßstäbe. Diese müssen wir den Menschen vermitteln und in der Politik zur Geltung bringen. Auf dieser Grundlage müssen wir die Sozi- alpolitik zukunftsorientiert gestalten.

Subsidiarität: Die Menschen müssen mehr Eigenverantwortung und Eigen- vorsorge übernehmen. Wir müssen Berufseinsteigern deutlich machen, was auf sie zukommt. Sie können sich nicht mehr vollständig auf die soli- darische Absicherung verlassen. Die Absicherung der großen Risiken bei Gesundheit, Alter und Pflege muss bleiben. Wir müssen aber Abschied nehmen von einer Vollkaskomentali- tät, um den unverzichtbaren Kern des Sozialstaats zu bewahren. Solidarität:

Als Ausdruck der Mitverantwortung

für andere, als Ausdruck von Humani- tät und Verantwortungsgemeinschaft beinhaltet sie die Unterstützung derer, die sich selbst nicht helfen können. Aber: Wer sich selbst hel- fen kann, aber nicht will, darf keine Sozialleistungen erhalten. Anspruch auf Sozialleistungen darf nur haben, wer sich selbst helfen will, dies aber nicht kann. Sozialmissbrauch und Mitnahmeeffekte müssen konsequent eingedämmt werden!

Soziale Marktwirtschaft: Wir brau- chen eine Leistungs- und Wettbe- werbskultur. Leistungsanreize sind keine Gegensätze zu mehr sozialer Sicherheit. Ohne spürbare Anreize zur Anstrengung verliert jede Ge- sellschaft die Kraft zur Solidarität. Deshalb brauchen wir keine leistungs- feindliche Nivellierung, sondern Wett- bewerb und Aktivierung. Leistungs- orientierung ist die unabdingbare Voraussetzung für ein wettbewerbs- fähiges Deutschland. Nur ein leis- tungsorientiertes Volk kann dauerhaft solidarisch sein. Der Staat muss dazu Bürokratie abbauen und sich aus eini- gen Bereichen zurückziehen.

Auf dem Weg zum Sozialstaat der Zukunft müssen wir so nach einer Gesellschaftsordnung streben, bei der der Mensch das Maß der Dinge ist und nicht das Kapital. Dafür tritt die Christlich-Demokratische Arbeitneh- merschaft Deutschlands (CDA) seit 60 Jahren ein. Zu diesem Jubiläum gratu- liere ich der CDA ganz herzlich.

(CDA) seit 60 Jahren ein. Zu diesem Jubiläum gratu- liere ich der CDA ganz herzlich. Festschrift

Festschrift / 60 Jahre CDA

Frauenleben sind vielfältig, Frauenrenten leider nicht

Als sich im Jahr 1945 christliche Arbeitnehmervertreter zusammen- schlossen, um einheitliche Gewerk- schaften und die CDU mitzubegrün- den, hatten sie die Vision, Brücken zu bauen – zwischen christlichem Menschenbild und sozialer Verant- wortung, zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zwischen Ost und West. Auch heute, sechzig Jahre nach ihrer Gründung, ist die Christlich-De- mokratische Arbeitnehmerschaft das soziale Bindeglied innerhalb der CDU.

Die Wegmarken erfolgreicher CDA- Politik sind zugleich Wegmarken der Frauen Union

Der Rückblick macht deutlich, wie viele Brücken die Visionäre von einst und ihre Nachfolger bis heute gebaut haben und welche eindrucks- vollen Spuren sie dabei gerade in der Arbeitswelt hinterlassen haben. Die Gleichbehandlung von Frau und Mann hat die CDA dabei stets im Blick gehabt. Im Schulterschluss mit der Frauen Union konnte deshalb gemeinsam viel auf den Weg gebracht werden, um die Situation der Frauen und ihrer Familien zu verbessern.

Frauen leben länger – aber wovon?

Wie wichtig dieses gemeinschaftliche Engagement war und noch heute ist, zeigt der Blick zurück: Die Lebensent- würfe von Frauen sind heute vielfäl- tiger und bunter als noch vor 60 Jah- ren. Das Verhältnis von Familienarbeit

Festschrift / 60 Jahre CDA

und Erwerbstätigkeit hat sich stark verändert. Schon heute sind 64,4 % aller 15- bis 64-jährigen Frauen mit minderjährigen Kindern im Haushalt erwerbstätig, fast zwei Drittel (61 %) davon in Teilzeitarbeitsverhältnissen.

Mit der Vielfalt der Familienformen hat sich auch das Leben der Kinder geändert. Große Aufmerksamkeit verdient der Anstieg der Kinderarmut in Deutschland. Besonders betrof- fen sind hierbei die unter 5-jährigen. Während die Armutsrate im Jahr 1984 noch bei 15,5 % lag, stieg sie bis 2003 auf 23,8 % an. Mehr als die Hälfte dieser Kinder und Jugendlichen lebt in Alleinerziehendenhaushalten. Hier gilt es, den Kreislauf zu durchbre- chen, indem wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Alleinerzie- henden und die Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen verbessern und ihnen damit die Chance zur sozi- alen Teilhabe ermöglichen. Dies gilt insbesondere für Kinder und Jugendli- che mit Migrationshintergrund.

Frauen wollen sich frei entscheiden, für Beruf oder Familie oder für beides, ohne dadurch Einbußen bei der sozialen Sicherung im Alter zu haben. Das bedeutet: Frauen brauchen ein Altersvorsorge-Konzept, das wirklich zu ihrer ganz persönlichen Situation passt, nichts von der Stange. Doch die eigenständige Alterssicherung von Frauen stand lange im Missverhältnis zu ihrem gesellschaftlichen Beitrag, den sie durch die Kindererziehung

Beitrag, den sie durch die Kindererziehung PROF. DR. MARIA BÖHMER Staatsministerin im Bundeskanzleramt

PROF. DR. MARIA BÖHMER

den sie durch die Kindererziehung PROF. DR. MARIA BÖHMER Staatsministerin im Bundeskanzleramt und Vorsitzende der

Staatsministerin im Bundeskanzleramt und Vorsitzende der Frauen Union der CDU, MdB.

leisten. Gemeinsam haben wir gegen die daraus resultierende Altersarmut von Frauen gekämpft.

Erst in den 80er und 90er Jahren wur- den auf Initiative der Union wichtige Gesetze zur sozialen Absicherung von Frauen verabschiedet: Das Gesetz zur Neuordnung der Hinterbliebenen- rente, zur Anerkennung von Kinder- erziehungszeiten und Pflegezeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung sowie die Gewährung von Erziehungs- geld und Erziehungsurlaub für Mütter und Väter. Nicht locker gelassen haben wir in der Frauen Union, als die rot-grüne Regierung 2001 die Witwenrente, die nicht erwerbstätige Frauen absichert, abschaffen wollte. 2004 haben wir uns erfolgreich für

2001 die Witwenrente, die nicht erwerbstätige Frauen absichert, abschaffen wollte. 2004 haben wir uns erfolgreich für

17

PROF. DR. MARIA BÖHMER Unisex-Tarife in der staatlich geför- derten Riester-Rente eingesetzt. Das Schlagwort

PROF. DR. MARIA BÖHMER

Unisex-Tarife in der staatlich geför- derten Riester-Rente eingesetzt. Das Schlagwort „Altersarmut ist weiblich“ stimmt heute nicht mehr. Aber wir müssen wachsam bleiben, denn die steigende Lebenserwartung und die absehbare Absenkung des Rentenni- veaus werden sich für Frauen proble- matischer auswirken als für den so genannten „Eckrentner“.

Die Herausforderungen von heute

Es ist der bleibende Verdienst von CDA und Frauen Union gemeinsam, Schulter an Schulter, die Weichen für eine zukunftsgerichtete Frauen- und Familienpolitik gestellt zu haben. Wir sind noch lange nicht am Ende un- seres Weges angekommen und stehen vor neuen Herausforderungen. Die Al- terssicherung muss sich im stärkeren

60 Jahre CDA!
60 Jahre CDA!

Maße an den vielfältigen Lebens- und Erwerbsbiografien von Frauen orien- tieren. Im Koalitionsvertrag ist daher festgeschrieben, dass die Kinderzu- lage für die ab 1.1.2008 geborenen Kindern von 185 Euro auf dann 300 Euro jährlich angehoben wird, um die private Altersvorsorge von Müttern und Vätern zu stärken.

Ebenso wichtig wird es sein, die Ver- einbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie zur vordringlichen Aufgabe zu machen. Wir können es uns nicht mehr leisten, dass beruflich gut quali- fizierte Frauen auf Kinder verzichten. Es fehlt trotz aller Anstrengungen an geeigneten Rahmenbedingungen: Wir brauchen ein für alle Altersstufen der Kinder geeignetes ganztägiges Be- treuungsangebot, Kindergärten, die als Orte der frühkindlichen Bildung

Zum Jubiläum gratulieren wir herzlich und wünschen weiterhin viel Erfolg.

SIGNAL IDUNA Gruppe, www.signal-iduna.de, Service-Nr. (0180) 3 330 330.

deshalb beitragsfrei sind, die volle steuerliche Anerkennung des Privat- haushaltes als Arbeitgeber, eine wirk- lich familienfreundliche Arbeitswelt für Mütter und Väter, eine wirksame Familienförderung orientiert an dem französischen Beispiel der Familien- kasse, die Förderung der Erziehungs- kompetenz der Eltern. Kurz gesagt:

Deutschland muss zu einem echten Familienland werden.

Mein Appell an Sie kann nur lauten:

Lassen Sie uns auch in Zukunft an einem Strang ziehen. Die Erfolge in der Vergangenheit haben es gezeigt:

Gemeinsam können wir Kompetenzen nutzen, Positionen vermitteln und Brü- cken zu den unterschiedlichsten gesell- schaftlichen Gruppen und Instituti- onen bauen. Für eine sozial gerechte und partnerschaftliche Gesellschaft.

onen bauen. Für eine sozial gerechte und partnerschaftliche Gesellschaft. Gut zu wissen, dass es SIGNAL IDUNA
onen bauen. Für eine sozial gerechte und partnerschaftliche Gesellschaft. Gut zu wissen, dass es SIGNAL IDUNA

Gut zu wissen, dass es SIGNAL IDUNA gibt.

Menschenwürdige Arbeit

Der Einsatz neuer Technologien, andere Arbeitsabläufe und neue betriebswirtschaftliche Steuerungs- und Managementkonzepte haben die Arbeitswelt weit reichend verändert. Der „Strukturwandel der Arbeit“ drückt sich auch in der anhaltend ho- hen Arbeitslosigkeit bei zunehmender Langzeitarbeitslosigkeit aus.

Die Arbeitsverhältnisse haben sich vervielfältigt. Neben der Vollzeit- exi- stieren Teilzeitbeschäftigung sowie befristete Beschäftigung. Zudem haben prekäre Beschäftigungsverhält- nisse in der Form von Leiharbeit und Niedriglohnjobs zugenommen und sind Mobilitäts- und Flexibilisierungs- anforderungen angestiegen. Gleich- zeitig kennzeichnet eine rückläufige Lohnquote die veränderte Arbeits- welt.

Zudem werden die Gültigkeit von Flächentarifverträgen zugunsten betrieblicher Regelungen permanent in Frage gestellt, der Konkurrenzdruck zwischen Beschäftigten und Erwerbs- losen durch verschärfte Zumutbar- keitskriterien erhöht sowie der Nied- riglohnsektor zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit weiter ausgebaut.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach menschenwürdiger Arbeit in zweierlei Hinsicht: Wie sieht die Arbeit der Beschäftigten konkret aus und welche Arbeit wird den Beschäftigung Suchenden an- geboten? Während vor allem junge

Festschrift / 60 Jahre CDA

Menschen und Frauen und Männer über 50 Jahre vom Arbeitsmarkt zunehmend ausgeschlossen werden, sehen sich Beschäftigte verstärkt den Forderungen der Arbeitgeber nach Arbeitszeitverlängerungen und mehr Flexibilität gegenüber. Zudem werden sie durch die Androhung von Stand- ortverlagerungen massiv unter Druck gesetzt. Auf der einen Seiten steht die Entwertung von Qualifikationen und Menschen durch lang anhaltende Arbeitslosigkeit, auf der anderen führen Leistungsverdichtung, Arbeits- zeitverlängerungen und Arbeitsplatz- angst auf Dauer zu gesundheitlichen Störungen und Beschädigungen der Würde des Einzelnen. Beide Seiten haben gemeinsam, dass Menschen zu Objekten des Arbeitsmarktes werden.

Nicht alles ist gerecht und men- schenwürdig, was Arbeit schafft

Für den DGB und seine Mitglieds- gewerkschaften gilt der Zugang zur Erwerbsarbeit in Deutschland weiter- hin als zentraler Indikator für Gerech- tigkeit. Dabei ist allerdings nicht alles gerecht und menschenwürdig, was Arbeit schafft. Menschenwürdige Ar- beit bedeutet nicht nur die Sicherung der Existenz des Beschäftigten durch eine gute Bezahlung. Sie muss zudem die Gesundheit und Lebensqualität fördern.

Um die Würde des Einzelnen zu schützen und ihr Raum zur Entfaltung zu geben, braucht der Einzelne die

ihr Raum zur Entfaltung zu geben, braucht der Einzelne die MICHAEL SOMMER Bundesvorsitzender des Deutschen Gewerk-

MICHAEL SOMMER

Entfaltung zu geben, braucht der Einzelne die MICHAEL SOMMER Bundesvorsitzender des Deutschen Gewerk- schaftsbundes

Bundesvorsitzender des Deutschen Gewerk- schaftsbundes (DGB).

Möglichkeit, seine Fähigkeiten mitbe- stimmend einzubringen und weiter zu entwickeln. Dies gilt für Beschäftigte und für zu Beschäftigende. Zu einer humanen, am Individuum orientierten Arbeitsgestaltung gehört auch, dass Beruf und Familie für Frauen und Männer miteinander vereinbar sind.

Die Schaffung von menschenwür- digen Arbeitsbedingungen ist von je her Zweck und Ziel gewerkschaft- lichen Handelns gewesen. Dies haben Gewerkschaften mit der christlichen Soziallehre gemeinsam. Mit Unter- nehmern, Arbeitgebern, aber auch Ökonomen und Politiken, die im Men- schen nur eine Kostenstelle sehen, ist dies nicht zu verwirklichen.

aber auch Ökonomen und Politiken, die im Men- schen nur eine Kostenstelle sehen, ist dies nicht

19

Der DGB engagiert sich daher gemeinsam mit gesellschaftlichen Gruppen, die sich auf den Schutz der Würde des Menschen verpflichten, die Arbeit und soziale Gerechtigkeit in das Zentrum ihrer Bemühungen stellen.

Der DGB setzt sich konkret dafür ein, dass der Anspruch von Arbeitneh- merinnen und Arbeitnehmern auf gerechte Teilhabe an der Erarbeitung und der Verteilung des Wohlstands sowie ihrer Erwartungen an Selbst- und Mitbestimmung in Arbeitswelt und Gesellschaft anerkannt wird. Zu- dem muss der Sozialstaat so gestaltet werden, dass auch vor dem Hinter- grund des globalen wirtschaftlichen Wandels und den damit verbundenen Herausforderungen der soziale Schutz des Einzelnen im Alter, vor Krankheit und vor Arbeitslosigkeit gewährleistet ist.

Menschen müssen trotz dieser existenziellen Risiken weiterhin im gesellschaftlichen Leben integriert bleiben und dürfen nicht ins soziale Abseits rutschen. Menschenwürdige Arbeit setzt auch voraus, dass allen Menschen unabhängig von Status, Ausbildung und Einkommen der Eltern der Zugang zu Bildung und Ausbil- dung ermöglicht wird. Nur durch eine gute Bildung wird der Einzelne befähigt, den Wandel von Arbeits- markt, Wirtschaft und Gesellschaft mitzugestalten.

Wie ernst es eine Gesellschaft mit der im Grundgesetz verankerten Würde des Menschen nimmt, wird sich letzt- endlich daran zeigen, inwieweit es ihr gelingt, auch weiterhin menschenwür- dige Arbeitsplätze zu schaffen.

weiterhin menschenwür- dige Arbeitsplätze zu schaffen. 2 0 MATTHÄUS STREBL Herausforderungen annehmen

20

menschenwür- dige Arbeitsplätze zu schaffen. 2 0 MATTHÄUS STREBL Herausforderungen annehmen

MATTHÄUS STREBL

Herausforderungen annehmen

schaffen. 2 0 MATTHÄUS STREBL Herausforderungen annehmen Bundesvorsitzender des Christlichen Ge- werkschaftsbundes

Bundesvorsitzender des Christlichen Ge- werkschaftsbundes (CGB).

Zu dem 60. Jubiläum des Bestehens der Christlich-Demokratischen Arbeit- nehmerschaft Deutschlands möchte ich Ihnen im Namen des Christlichen Gewerkschaftsbundes Deutschlands meine allerherzlichsten Grüße und Wünsche übermitteln.

Unser Sozialstaat steht vor großen Herausforderungen: Die Erkenntnis und die Einsicht in die Notwendigkeit von Reformen ist in unserem Land stetig gewachsen. Sie ist so groß wie nie. Deshalb muss es uns jetzt darum gehen, die soziale Marktwirtschaft auf die globalen Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft einzustel- len. Diesen Reformprozess werden wir nur mit ausgewogenen und vor allem

sozial gerechten Konzepten dauerhaft erfolgreich gestalten können. Dabei bedürfen gerade die Leitgedanken der christlichen Soziallehre – Sub- sidiarität, Solidarität, Gemeinwohl und Gerechtigkeit – engagierter und durchsetzungsstarker Verteidiger.

Ein solcher durchsetzungsstarker Verteidiger ist die CDA. Als sozi- ale Stimme der CDU hat sie in den vergangenen Jahrzehnten ebenso engagiert wie erfolgreich die Inte- ressen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vertreten und einen wichtigen Beitrag für ein soziales Gleichgewicht in der Gesellschaft geschaffen.

Ob in den Fragen der Sozial- und Ar- beitsmarktpolitik, von Arbeitnehmer- rechten und der Tarifautonomie – die CDA war und ist eine unverzichtbare Stütze des sozialen Miteinanders in Deutschland.

Solidarität und soziale Gerechtigkeit entstehen nicht von selbst. Beides braucht Menschen, die sich dafür einsetzen, und eine Idee, die sie verbindet. Möge die CDA daher auch in Zukunft wachsen, blühen und gedeihen und damit dafür sorgen, dass der soziale Ausgleich bei aller Reformnotwendigkeit nicht aus den Augen verloren wird. In diesem Sinne wünsche ich der CDA eine langjährige Fortsetzung ihrer Erfolgsgeschichte für die Interessen der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen.

Festschrift / 60 Jahre CDA

Die CDA hat Großes geleistet

Zum 60-jährigen Bestehen gratuliere ich der CDA, der Christlich-Demo- kratischen Arbeitnehmerschaft, sehr herzlich!

Seit ihrer Gründung im Jahr 1945 als Zusammenschluss der christlichen Gewerkschaftler der Weimarer Republik setzt sich die CDA für die Berücksichtigung von Arbeitnehmer- interessen in der CDU ein. Besonders für die Gewerkschaftslandschaft der noch jungen Bundesrepublik hat die CDA Großes geleistet, indem sie sich von Beginn an für eine partnerschaft- liche Wirtschaftsordnung eingesetzt hat, in der Mitbestimmung und Mit- beteiligung den scheinbaren Konflikt zwischen Kapital und Arbeit überwin- den konnte.

Tarifautonomie, Betriebsverfassungs- und Personalvertretungsgesetz, Kindergeld, Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand, Lohnfortzah- lung im Krankheitsfall, Erziehungs- geld und Erziehungsurlaub sowie die Pflegeversicherung sind soziale Errungenschaften, die aus unserer modernen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken sind und an deren Gestaltung die CDA maßgeblich mitgewirkt hat. Im Bemühen um den Ausgleich zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen ist die CDA eng und in kritischer Solidarität mit den Gewerkschaften verbunden, die als Tarifvertragsparteien und Partner in der sozialen Selbstverwaltung des deutschen Sozialstaats eine unver-

Festschrift / 60 Jahre CDA

zichtbare Funktion ausüben. Die CDA hat es stets vermieden, die Rolle der Gewerkschaften auf die des reinen Tarifpartners zu reduzieren. Vielmehr unterstützt die CDA unser soziales und gesellschaftliches Engagement.

Diese Unterstützung ist notwendig:

Wir beobachten derzeit eine verstärk- te Erosion der sozialen Verantwor- tung der Wirtschaft gegenüber ihren Beschäftigten. Obwohl die Gewinne der meisten DAX-notierten Konzerne im Jahr 2005 wie nie zuvor sprudelten, müssen die Beschäftigten nicht nur immer härter um ihre Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg und um ihre Rechte kämpfen, sondern immer häu- figer auch um ihre Arbeitsplätze. Hier ist die CDA gefordert, sich noch stär- ker als bisher zu engagieren, um das wachsende Missverhältnis zwischen Wirtschaftsinteressen und Arbeit- nehmerrechten wieder in Einklang zu bringen.

Zu Recht tritt die CDA dafür ein, die Beschäftigten stärker am Unterneh- menskapital zu beteiligen und ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit zu stärken. Die Manager müssen sich vor Augen halten: Traumbilanzen sind ohne motivierte Beschäftigte nicht möglich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben einen Anspruch auf Beteiligung am Unternehmenserfolg.

Wer unter dem Vorbehalt von Kosten- druck und Globalisierungszwängen wahllos Mitarbeiter entlässt, vernich-

wahllos Mitarbeiter entlässt, vernich- PETER HEESEN Bundesvorsitzender des Deutschen Beam-

PETER HEESEN

wahllos Mitarbeiter entlässt, vernich- PETER HEESEN Bundesvorsitzender des Deutschen Beam- tenbundes (dbb). tet

Bundesvorsitzender des Deutschen Beam- tenbundes (dbb).

tet damit langfristig die Grundlage des wirtschaftlichen Erfolges und bringt den sozialen Frieden in Gefahr. Ähnliches gilt für den öffentlichen Dienst, der als Motor des Staates Spit- zenleistungen erbringt, und der einen Anspruch auf gleiche Behandlung wie die Menschen in der Privatwirtschaft hat. Auch hier drohen kurzfristig angestrebte Sparmaßnahmen die Zukunftsfähigkeit des öffentlichen Sektors zu beeinträchtigen. Dieser Entwicklung tritt die CDA, gestützt durch die Arbeitsgemeinschaft Christ- lich-Demokratischer Gewerkschafter im dbb, entgegen. Sie weiß, dass die Qualität des Wirtschaftsstandortes Deutschland von der Qualität seines öffentlichen Dienstes abhängt. Dafür sage ich ausdrücklich Dank und Aner- kennung.

von der Qualität seines öffentlichen Dienstes abhängt. Dafür sage ich ausdrücklich Dank und Aner- kennung. 21

21

ELMAR BROK Vorsitzender der Europäischen Union Christ- lich-Demokratischer Arbeitnehmer, MdEP. Die EU steht oft in

ELMAR BROK

ELMAR BROK Vorsitzender der Europäischen Union Christ- lich-Demokratischer Arbeitnehmer, MdEP. Die EU steht oft in der

Vorsitzender der Europäischen Union Christ- lich-Demokratischer Arbeitnehmer, MdEP.

Die EU steht oft in der Kritik sozialer Kälte. Die Globalisierung verstärkt diesen Trend. Die mit ihr einherge- henden Veränderungen erzeugen dort, wo das Handeln der Politik abstrakt und unverständlich bleibt, Ängste und Ablehnung bei den Men- schen, wie etwa im Falle der Dienst- leistungsrichtlinie. Dabei wird leider zu häufig übersehen, dass die EU nicht das Problem, sondern ein Teil der Lösung ist: Die EU ist eine Ant- wort auf die Herausforderungen, vor welche die Globalisierung alle Staaten Europas gemeinsam stellt.

Selbst ein Land der Größe Deutsch- lands ist heute wirtschaftlich und

22

Globalisierung gestalten – Europa als sozialer Akteur

politisch oft nicht in der Lage, alleine in der Welt erfolgreich zu sein. Ein enger Zusammenschluss der euro- päischen Staaten ist daher auch zum Erhalt unseres sozialen Standards nur folgerichtig und sinnvoll.

Deshalb haben wir dort, wo es für alle einen Mehrwert gibt, auch gemein- same Standards gesetzt – etwa beim Arbeitsschutz, in Teilen der Sozialpo- litik und im Umweltschutz. Mindest- standards überfordern die weniger leistungsstarken Länder nicht; sie sorgen aber für einen Verbraucher- schutz auf höherem Niveau und tragen dazu bei, die Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten zu verringern. Dies fördert den Handel untereinander, steigert die internatio- nale Wettbewerbsfähigkeit und senkt die Abhängigkeit von der Weltwirt- schaft. Dem deutschen EU-Nettobei- trag von 7,1 Mrd. Euro steht so ein EU-weiter Handelsbilanzüberschuss von 123 Mrd. Euro gegenüber und mit diesem mehr Einnahmen für die Unternehmen, mehr Arbeitsplätze und mehr Steuereinnahmen. Nur 10% der Wertschöpfung werden außerhalb von EU-Standards auf dem Weltmarkt generiert.

Dabei wurde den sozialen Rechten ein fester Platz eingeräumt. Über die Verträge und die Sozialcharta von 1989 ist die EU auf ein hohes Be- schäftigungsniveau, ein hohes Maß an sozialem Schutz sowie den wirt- schaftlichen und sozialen Zusammen-

halt verpflichtet. Mit der Verfassung wird dies noch deutlicher und diffe- renzierter festgeschrieben. Damit entwickelt sich die EU nicht nur zu einer politischen Union, sondern vor allem auch zu einer Union der Bürger. Die Stärkung benachteiligter Regi- onen und Bevölkerungsgruppen wird durch den Sozial- und Strukturfonds sichergestellt.

Auch in der Gesetzgebung hat sich gezeigt, dass die Angst vor zuneh- mender sozialer Ungerechtigkeit nicht gerechtfertig ist. So hat das Europä- ische Parlament die Dienstleistungs- richtlinie, die in ihrer ursprünglichen Version zu sozialen Verwerfungen geführt hätte, in den entscheidenden Punkten abgeändert. Das Arbeits- recht, die Sozial- und Gesundheits- dienste sowie die Dienste von allge- meinem Interesse sollen nunmehr von der Richtlinie ausgenommen werden. Das Land, in dem eine Dienstleistung erbracht wird, erhält gegenüber dem ausländischen Unternehmen das un- eingeschränkte Kontroll- und Überwa- chungsrecht.

Was wir zur Gestaltung der Zukunft brauchen, ist eine Politik, die den Menschen ehrlich vermittelt, dass bei der Sicherung sozialer Standards offene Märkte gut und wichtig sind. Das europäische Sozialmodell, die Verknüpfung von Wettbewerb und Solidarität, ist unser Weg, Wachstum, Beschäftigung und sozialen Zusam- menhalt dauerhaft zu sichern.

ist unser Weg, Wachstum, Beschäftigung und sozialen Zusam- menhalt dauerhaft zu sichern. Festschrift / 60 Jahre

Festschrift / 60 Jahre CDA

done by WE DO

www.fuer-eine-gesunde-zukunft.de

Bandscheibe: „Was, wenn bei mir mal etwas vor- fällt? Werde ich auch in Zukunft gut
Bandscheibe:
„Was, wenn bei mir mal etwas vor-
fällt? Werde ich auch in Zukunft
gut behandelt?“
Fingergelenk: „Entspann dich! Gemeinsam sichern gesetzliche und private Krankenversicherung die medizinische Ver-
Fingergelenk:
„Entspann dich! Gemeinsam sichern gesetzliche
und private Krankenversicherung die medizinische Ver-
sorgung. Die Privatpatienten stärken unser Gesundheits-
system, indem sie für viele Leistungen höhere Preise und
Arzthonorare zahlen. Dadurch können jedes Jahr mehrere
Milliarden Euro* zusätzlich in fortschrittliche Be-
handlungsmethoden und moderne Geräte
investiert werden.“

*Ausführliche Informationen zu den Mehrzahlungen der Privatpatienten finden Sie unter www.fuer-eine-gesunde-zukunft.de/studie

Für eine gesunde Zukunft

den Mehrzahlungen der Privatpatienten finden Sie unter www.fuer-eine-gesunde-zukunft.de/studie Für eine gesunde Zukunft
INGRID SEHRBROCK Mitglied im geschäftsführenden Bundesvor- stand des DGB, stellvertretende Bundesvor- sitzende der CDA.

INGRID SEHRBROCK

INGRID SEHRBROCK Mitglied im geschäftsführenden Bundesvor- stand des DGB, stellvertretende Bundesvor- sitzende der CDA.

Mitglied im geschäftsführenden Bundesvor- stand des DGB, stellvertretende Bundesvor- sitzende der CDA.

1975 – wir waren Studenten - und die Frage beschäftigte uns, wie die Ar- beitswelt humanisiert werden muss. Ich hatte immerhin eine Lehre ge- macht und sieben Jahre Erfahrungen in der Arbeitswelt gesammelt, aber meine Kollegen kannten bestenfalls Ferienjobs als SchülerInnen oder Ar- beit in den Semesterferien. Dennoch ging es uns darum, mit den Arbeitern und Angestellten die Arbeitswelt zu revolutionieren.

Wir wollten kürzere und flexible Ar- beitszeiten, den gleitenden Ausstieg aus der Erwerbsarbeit in die Rente, wir wollten Familie und Beruf lebbar machen, für Kindererziehung ohne (größere) Risiken aus der Erwerbstä- tigkeit aussteigen und garantiert wie- der einsteigen können. Die Beschäfti- gungsbedingungen mussten auf den Prüfstand. Die Halbgötter in Weiß in den Kliniken sollten runter von ihrem Sockel. Das Pflegepersonal sollte mehr Kompetenzen, Verantwortung und Mitsprache bei der Arbeitszeit- gestaltung bekommen, Hierarchien sollten abgebaut werden. Rücksicht auf die Bedürfnisse von PatientInnen war gefragt.

24

60 Jahre CDA – ein persönlicher Rückblick auf 30 Jahre

Und überhaupt, Arbeiter und Aka- demiker mussten sich zusammen- tun, um diese Welt zu verändern. Der Spontispruch „Gerechtigkeit ist machbar, Herr Nachbar“ war zwar nicht unbedingt das Motto unserer Initiativen, aber dass Arbeitsbedin- gungen von Menschen gemacht, also auch veränderbar sind, davon waren wir überzeugt. Eine Veranstaltung zur Humanisierung der Arbeitswelt, orga- nisiert von uns Neumitgliedern in der CDA, sollte nach innen in die Partei wirken und nach außen. In der Partei mahnten wir eine Streitkultur an. Der Kompromiss sollte am Ende stehen.

Was hatte uns – alle im JU-Alter – dazu gebracht, in die CDA einzu- treten? Eine anspruchsvolle Veran- staltung mit der Philosophisch-The- ologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main zum Thema „Pluralisierung“, damals noch mit Os- wald von Nell-Breuning. Dazu gehörte auch die Entdeckung der Katholischen Soziallehre, ein Klima der Offenheit, der Bereitschaft über den Tellerrand der Anforderungen des politischen Alltags hinaus zu sehen, Politik an Grundorientierungen und an Werten zu verorten, sich nicht von Sachzwän- gen knebeln zu lassen, Visionen zu entwickeln. Das alles fanden wir zum Teil schon als Forderungen in dieser Organisation vor oder sie schienen uns möglich in und mit der CDA.

Dazu ein menschenfreundlicher Um- gang miteinander, das kollegiale „Du“

unter Mitgliedern, seien sie Männer und Frauen im Blaumann und im Kittel oder Minister und Generalsekretäre. Natürlich war die CDA damals nicht frei von Klüngel und Deals, in einigen Landesverbänden mehr, in anderen weniger – und das gilt bis heute. Es überwog und überwiegt aber der kollegiale Umgang, nicht nur das. Christlich-sozial zu sein war keine Sprechblase.

Lutz Esser, langjähriger Schriftleiter der „Sozialen Ordnung“ und kreativer Kopf, stellte diese Rückbindung an Grundsätze immer wieder her in Pro- grammen, die oft in Kneipen entstan- den. Unter die Leute gemischt und im Gespräch mit Menschen, die gerade vorbeikamen, brachte er neue Ideen zu Papier und diskutierte sie gleich mit den Adressaten der Politik, den Kneipenbesuchern. Christlich-sozial hieß auch Hilfe für Kolleginnen und Kollegen in persönlichen Notlagen, auch solche, in die sich diejenigen durch eigenes Verschulden gebracht hatten. Das war Markenzeichen mei- ner, der hessischen CDA.

Als junge Menschen hatten wir auch manches zu lernen, was die Älteren, meist nicht akademisch Gebildeten, nämlich Betriebsräte und manche Parlamentarier drauf hatten. Dass es nicht genügt, einen Beschluss zu fassen, der die Welt revolutionieren soll und ihn der Presse zu verkaufen. Dies war mit Hilfe der „Frankfurter Rundschau“ nicht so schwer. Aber wie

Festschrift / 60 Jahre CDA

konnte man in der Partei und in den Parlamenten Mehrheiten gewinnen für das, wovon man überzeugt war?

Auf Kreisparteitagen die „reine Lehre“ zu vertreten, war schon mühsam genug und oft nicht erfolgreich. Und es war schwierig, auch nur einen Fuß in die Tür der parlamentarischen Gremien zu bekommen. Die Mühen der Ebene hatten wir unterschätzt. Die Kunst, Menschen für Überzeu- gungen und Konzepte zu gewinnen, beherrschten die Älteren besser. Was uns Jungen als faule Kompromisse er- schien, war die hohe Kunst der Politik.

Unvergessen meine erste CDA-Bun- destagung in Hannover 1977. Kampf- kandidatur von Norbert Blüm gegen Hans Katzer, klar, dass ich für Blüm war. Aber es war auch spannend, mit all denen diskutieren zu können, die man aus den Medien kannte. Und es war die Atmosphäre auf der Tagung:

kämpferisch, selbstbewusst, fort- schrittlich, optimistisch, menschen- freundlich. Unvergessen auch die Krefelder Bundestagung 1979 mit den Beschlüssen zur Zukunft der Arbeit – vieles davon ist noch unerledigt.

Für die Frauenpolitikerinnen war ohne Zweifel die Mannheimer Bundesta- gung 1981 zur „Sanften Macht der Familie“ ein historisches Datum. Gut gemeint, mit wichtigen Impulsen, aber in einem aufgeheizten Klima diskutiert, mit einer frauen- und familienpolitisch eher traditionell positionierten CDA, die noch nicht reif war für eine nüchterne, sachliche und unvoreingenommene Sicht auf die Lage der Frauen. Der Streit um den Programmsatz „Mutterarbeit ist mehr als Erwerbsarbeit“ verbaute

Festschrift / 60 Jahre CDA

als Erwerbsarbeit“ verbaute Festschrift / 60 Jahre CDA INGRID SEHRBROCK die Auseinandersetzung mit vielen

INGRID SEHRBROCK

die Auseinandersetzung mit vielen fortschrittlichen Ansätzen, die vor uns noch keiner so ausgesprochen hatte.

Die Wahlfreiheit für Familie und/oder Beruf wurde zwar postuliert, aber Frauen, die sich für den Beruf ent- schieden und keine Kinder (oder auch keinen Partner) hatten, sahen sich zum Teil recht unfein von älteren Kol- legen argumentativ unter der Gürtel- linie getroffen. Mütter wurden gegen Nichtmütter ausgespielt. Trotzdem hat dann die CDA als erste Vereini- gung in der CDU eine Frauenquote beschlossen. Außerdem wurde die Satzung geschlechtsneutral formu- liert, der Frauenanteil in Vorständen und auf Listen systematisch gestei- gert und darüber Bilanz gezogen. Mit dem Fall der Mauer lernten wir, dass Magdeburg nicht aus der Welt

der Mauer lernten wir, dass Magdeburg nicht aus der Welt Hans Katzer war 14 Jahre CDA-Vorsitzender.

Hans Katzer war 14 Jahre CDA-Vorsitzender. Ingrid Sehrbrocks CDA-Eintritt fiel in diese Zeit.

ist. Von Königswinter nach Ruhla in Thüringen konnte man an einem Tag fahren, zur Not auch wieder zurück. Ein nie da gewesener Aufbruch in neue Zeiten begann: Es gab Kontakte zu Betrieben und Schulungen von BetriebsrätInnen, CDAler wurden Referenten und Minister in den neuen

Bundesländern. Aber Aufbruch und Ausverkauf lagen nah beieinander.

Westdeutsche Investoren diktierten Bedingungen und übernahmen Teile großer Betriebe nur, wenn die Beleg- schaft „frauenfrei“ war. Wer hätte das in der alten Bundesrepublik gewagt? Betriebsräte wurden Abwickler des ei- genen Betriebs. Gleichwohl überwog bei uns Westdeutschen das Staunen über neue Möglichkeiten, die vielen Kontakte, der Erfahrungs- und Infor- mationsaustausch; das Gefühl, mitten drin zu sein im Buch der Geschichte. Und nicht nur das: Wir schrieben auch an den neuen Seiten kräftig mit.

Mein Verhältnis als CDA-Mitglied zu den Gewerkschaften? 1976 kam ich zur Gewerkschaft Handel Ban- ken Versicherungen (HBV) und fand

Gewerkschaft Handel Ban- ken Versicherungen (HBV) und fand Die Mannheimer Bundestagung 1981 lieferte heiße Debatten um

Die Mannheimer Bundestagung 1981 lieferte heiße Debatten um die Emanzipation der Frau.

den Einstieg in die Arbeit nicht. Denn so richtig interessierte sich niemand für das Neumitglied. Später in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften(GEW) schien es mir so, als müsste ich erst beweisen, dass Christdemokraten keine U-Boote in den Gewerkschaften sind, sondern

es mir so, als müsste ich erst beweisen, dass Christdemokraten keine U-Boote in den Gewerkschaften sind,

25

INGRID SEHRBROCK sich wirklich für die Belange von ArbeitnehmerInnen einsetzen. Als Schulgruppenvorsitzende der GEW und

INGRID SEHRBROCK

sich wirklich für die Belange von ArbeitnehmerInnen einsetzen. Als Schulgruppenvorsitzende der GEW und zeitweise Personalratsvorsitzen- de meiner Schule fand ich mich als „Schwarze“ in einer DGB-Gewerk- schaft so richtig zwischen den Stüh- len: In der Stadtverordnetenfraktion der CDU war ich eindeutig zu links, in der GEW nicht richtig einzuordnen, aber eher mit Vorsicht zu genießen. Die GEW war klar gegen die CDU positioniert, die CDU in Hessen bil- dungspolitisch auf zu konservativem Kurs.

unterstützt. Andererseits waren die CDA-Frauen in Hessen selbst den GEW-Frauen um Längen voraus, als es um die Frage der Übernahme von Leitungsfunktionen ging, nicht nur in Schulen. Hier hatte mich Irmgard Blättel vom DGB-Bundesvorstand – oder ich sie? – auf die Fährte ge- setzt. Die Frauen im DGB wiederum schubsten ihre männlichen Kollegen mit dem Hinweis, dass ja selbst die Frauen in der CDU längst auf Gleich- stellungspolitik setzten. Das war ein Grund mehr, denen dann doch ein Stück voraus sein zu müssen.

Mit dem DGB in Hessen – insbeson- dere den Frauen – arbeitete ich als ABF-Vorsitzende gerne zusammen, weil ich so den CDA-Männern frauen- politisch stärker auf die Füße treten konnte. Während die Diskussion von

Im Bundesvorstand des DGB allein „unter Linken“, wie die Berliner Zeitung titelte, das wäre ein eige- nes Kapitel wert. Kurz gesagt: Das ernsthafte Bemühen um vernünftige Lösungen für die ArbeitnehmerInnen

um vernünftige Lösungen für die ArbeitnehmerInnen Aufbruchsstimmung in Krefeld 1979. Das Thema Arbeit
um vernünftige Lösungen für die ArbeitnehmerInnen Aufbruchsstimmung in Krefeld 1979. Das Thema Arbeit

Aufbruchsstimmung in Krefeld 1979. Das Thema Arbeit entzündete viele Diskussionen.

Helmut Kohl und Norbert Blüm kämpften gemeinsam für die Soziale Marktwirtschaft.

Frauenförderplänen zunächst Lächeln bei den Männern auslöste, wurde es nach und nach selbstverständlicher, dass Frauen besser in Gremien be- rücksichtigt wurden. Gleichstellung in Betrieben und Behörden verlor das Exotische in der politischen Diskussi- on und wurde auch von den Kollegen

findet man überall, in allen Gewerk- schaften und auch in der CDA. Das findet man aber nur heraus, wenn man häufiger miteinander spricht, die Positionen kennen lernt und vor allem die Menschen, die sie vertreten. Regelmäßige Gespräche zwischen CDA und DGB wären für beide Seiten

26

gut. Wer in den Gremien der CDA und der Gewerkschaften sitzt, findet kaum gravierende Unterschiede bei den Argumenten. Doch die ideologische Prägung macht den Unterschied. Christdemokraten verlangen vom Einzelnen immer Verantwortung ab und fordern sie ein. Das entspricht dem christlichen Menschenbild. Sozi- aldemokratisch sozialisierte Gewerk- schafter verstehen den Appell an die Verantwortung des Einzelnen oft so, als wolle der Staat sich kostengünstig aus der Affäre ziehen. Gemeinsame Ziele von Gewerkschaftern und CDA-Mitgliedern sind ohne Frage die Sicherung von Arbeitnehmerrechten und menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen.

Im Jahre 2006, im 60. Jahr der CDA, heißt das für mich: Bequem ist es noch immer nicht zwischen den Stühlen von Partei und Gewerk- schaften zu sitzen. Aber ich habe jetzt mehr Übung als in den Siebzi- ger Jahren und mehr Ausdauer. Ich weiß, dass auch viele andere es in dieser Position lange ausgehalten haben und noch aushalten, weil es ihnen wichtig war, CDA-Mitglied und GewerkschafterIn zu sein. Denn für gesetzliche Regelungen braucht man die Parteien, aber im Betrieb geht ohne Gewerkschaften wenig. Schwar- ze GewerkschafterInnen haben nicht den sozialdemokratischen Stallgeruch und können und wollen ihn auch nicht mehr beibringen. In der CDU galten sie früher als Herz-Jesu Marxisten und heute oft als die Sozialromantiker, die notwendige Veränderungen ver- kennen. Wer sich dennoch in dieser unbequemen Position in Politik und Gewerkschaften hält, muss Überzeu- gungstäterIn sein.

unbequemen Position in Politik und Gewerkschaften hält, muss Überzeu- gungstäterIn sein. Festschrift / 60 Jahre CDA

Festschrift / 60 Jahre CDA

Stiftung Christlich-Soziale Politik e.V.

Bildung ist eine wichtige Vorausset- zung für die Teilhabe und Mitwirkung auf allen Ebenen des öffentlichen Lebens. Seit jeher ist Bildung ein zentrales Anliegen der Christlich-So- zialen. Fundament für den Bildungs- ansatz ist die Gestaltung von Arbeits- welt, Wirtschaft und Gesellschaft nach christlich-sozialen Ordnungsvor- stellungen.

Bis 1977 diente das Adam-Stegerwald- Haus in Königswinter den Sozialaus- schüssen der CDA als Bildungsstätte. Das ehemalige Bildungshaus der Christlichen Gewerkschaften war 1948 der CDA zurückgegeben wor- den. Trägerverein des Hauses war der Verein Arbeiterwohl, der später in Jakob-Kaiser-Stiftung umbenannt wurde.

Nach Konflikten und Querelen in den Jahren 1977/78 entstand die Idee zur Gründung einer neuen Stiftung. Am 13. April 1978 wurde die Stiftung Christlich-Soziale Politik e.V. gegrün- det. Erster Vorsitzender laut Grün- dungsprotokoll: Dr. Norbert Blüm.

Die Leitidee für die Gründung und den Aufbau der Stiftung Christlich- Soziale Politik e. V. war die Schaffung einer unabhängigen christlich-sozialen Bildungsarbeit. Die Stiftung sollte einen Beitrag zur Gestaltung der sozialpolitischen Landschaft nach christlich-sozialen Grundsätzen und Ideen leisten. In Umsetzung dieser Grundidee gründete die Stiftung das

Festschrift / 60 Jahre CDA

„Zentrum für Arbeitnehmerbildung“ (ZAK). Gemäß Weiterbildungsge- setz Nordrhein-Westfalen hat es als „Heimvolkshochschule und Bildungs- werk“ eine eigene Satzung. Gleichzei- tig begann man mit der Planung zum Bau eines Bildungshauses. Dieses Bil- dungshaus wurde am 1. Oktober 1996 im Beisein von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl und Prominenz aus Po- litik, Wirtschaft und Gewerkschaften förmlich eröffnet. Unsere Bildungs- stätte, das Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter (AZK), feiert am 30. September d. J. den 20. Jahrestag seiner Eröffnung. Es ist das Haus der Arbeitnehmerinnen und Arbeitneh- mer, das Haus der Christlich-Sozialen, unabhängig und eigenständig.

Tausende von Teilnehmern haben in diesen Jahren die Programme und die Gastfreundschaft des Hauses ange- nommen. Insofern ist dieses Haus für die Vermittlung des Bildungsauftrags der Stiftung Christlich-Soziale Politik eine Grundvoraussetzung.

Mit Informationen, Schulungen, Bera- tung und Forschung hat die Stiftung bis heute auf vielfältige Weise die politische Bildung der Arbeitneh- merschaft gefördert. Aus der großen Resonanz zu unserer Arbeit wissen wir, dass wir die Bereitschaft vieler Menschen zu politischer Mitarbeit geweckt und ihre Motivation und ihr Engagement für gesellschaftliche Aufgaben unterstützt haben. In den vergangenen Jahren haben

Aufgaben unterstützt haben. In den vergangenen Jahren haben WERNER SCHREIBER Vorsitzender der Stiftung

WERNER SCHREIBER

haben. In den vergangenen Jahren haben WERNER SCHREIBER Vorsitzender der Stiftung Christlich-Soziale Politik,

Vorsitzender der Stiftung Christlich-Soziale Politik, Minister a.D., CDA-Bundesvorsitz- ender von 1993 – 1994.

viele Kolleginnen und Kollegen den Aufbau und die Weiterentwicklung von Stiftung und Haus geprägt. Es würde zu weit führen, alle zu nennen. Einen möchte ich jedoch nennen, der all die Jahrzehnte bis heute „an Bord“ ist: Heinz Soénius. Seit 1981 als Schatzmeister, als stellv. Vorsitzender und dann vom 1985 bis 1996 21 Jahre Vorsitzender der Stiftung.

Stellvertretend für alle, die auch eine Erwähnung verdient hätten, möchte ich ihm für seine Arbeit danken. Haus und Stiftung wollen auch in Zukunft ihre eigenständigen und unabhän- gigen Beiträge für die Anliegen von Arbeitnehmerinnen und Arbeit- nehmern leisten. Zur Mitarbeit sind alle eingeladen!

Beiträge für die Anliegen von Arbeitnehmerinnen und Arbeit- nehmern leisten. Zur Mitarbeit sind alle eingeladen! 27

27

DR. ULF FINK Berliner Senator a.D., CDA-Bundesvorsit- zender von 1987 – 1993. Das große demografisch

DR. ULF FINK

DR. ULF FINK Berliner Senator a.D., CDA-Bundesvorsit- zender von 1987 – 1993. Das große demografisch bedingte

Berliner Senator a.D., CDA-Bundesvorsit- zender von 1987 – 1993.

Das große demografisch bedingte Problem des 21. Jahrhunderts ist die Versorgung der wachsenden Zahl älterer Menschen mit sozialen Dien- sten. Die Probleme in diesem Bereich sind schwieriger zu lösen als im Be- reich „Rente“. Denn hier geht es eben nicht nur um Finanzzuweisungen. Es geht um die Zeit und die Zuwendung von Menschen für ihre Mitmenschen.

Ältere Menschen brauchen Zuspruch und Rückhalt, Geborgenheit, Wärme, Sympathie, Mitgefühl. Das alles kann man von Staats wegen nicht verord- nen. Aber man kann Bedingungen schaffen, die dem zuträglich sind. Dazu gehört, sich daran zu erinnern, dass hinter jeder Geldwirtschaft noch immer eine Ökonomie der Zeit steckt. Gerade soziale Beziehungen beruhen darauf, dass wir mehr Zeit füreinander aufbringen. Und dies kommt auch beim Knüpfen sozialer Netze zum Tragen: Mit Geldzuweisungen allein ist es nicht getan.

Heute, wo im Zuge einer weit voran- getriebenen Individualisierung auch

28

Ein neuer Generationenvertrag

der Familienzusammenhalt und die patriarchalische Rollenverteilung brüchig geworden sind, tritt diese Wahrheit, die weitgehend in Verges- senheit geraten schien, wieder hervor. So wie wir selbst nicht nur Geld, sondern auch Zeit brauchen, müssen wir auch für andere nicht nur Geld, sondern auch Zeit aufbringen. Über ein Fünftel des Einkommens muss künftig für die Altersrente abgezweigt werden. Müssten die Jüngeren nicht auch ein Fünftel ihrer Zeit für die Älteren aufbringen? Es besteht eine Sozialpflichtigkeit des Eigentums und der Einkommen; ebenso besteht eine Sozialpflichtigkeit der Zeit. Der Generationenvertrag muss erweitert werden um die Dimension der Erbrin- gung sozialer Dienste – für Angehöri- ge ebenso wie für Nichtangehörige.

In der Arbeitswelt hat man den Zusammenhang von Zeit und Geld längst erkannt. Der Produktivitäts- fortschritt wird grundsätzlich in Form von höheren Löhnen und Gehältern und in Form von mehr Freizeit verteilt. Es gibt nicht nur eine entfaltete Lohnpolitik, sondern ebenso eine entfaltete Arbeitszeitpolitik. Entspre- chend ist volkswirtschaftlich nicht nur eine bestimmte Einkommensvertei- lung vorhanden, sondern auch eine bestimmte Zeitverteilung.

So wie es Menschen gibt, die immer knapp bei Kasse sind, gibt es auch Menschen, die nie genügend Zeit haben. Da wir unsere Zeit für Geld

verkaufen, spitzt sich das Dilemma zu:

Der Gutverdiener leidet unter Zeit- und Beziehungsarmut und die, die ihr Leben sozial widmen, verdienen kein Geld oder zu wenig. Hierin liegt die sozialpolitische Herausforderung. Un- sere Arbeitswelt und unsere Lebens- welt sind immer noch starr und auf sich selbst zentriert, dass den meisten Menschen eine sinnvolle und gerechte Geld-Zeit-Balance nicht möglich ist.

Die Tarifpartner müssen erkennen, dass Arbeitszeit und Freizeit nicht al- les im Leben sind. Schon immer gab es zwischen beiden eine dritte Zeit – die Sozialzeit, also die Zeit, in der man für andere Menschen, für den Dienst am Nächsten da ist. Ein hoher Stellenwert der Sozialarbeit ist ein grundlegendes Moment im neuen Generationenver- trag und überhaupt beim Neuknüpfen der sozialen Netze, der Entfaltung einer neuen Kultur des Helfens.

Im familiären Haushalt, für Angehöri- ge ist die Sozialarbeit noch am selbst- verständlichsten; für Angehörige, die entfernt wohnen schon etwas weniger. Auch für Freunde und gute Nachbarn ist man bereit, ein gewisses Maß an Hilfsbereitschaft aufzubringen. Aber die Mitbürger, die einem fremd sind, sind auch meistens weit entfernt von unserem sozialen Gesichtsfeld und Aktionsradius. Es besteht also, von der Einzelperson her betrachtet, ein Gefälle des sich Angesprochenfühlens und somit auch der Motivation, sich praktisch zu engagieren.

des sich Angesprochenfühlens und somit auch der Motivation, sich praktisch zu engagieren. Festschrift / 60 Jahre

Festschrift / 60 Jahre CDA

Sozialpolitik – Das Tafelsilber der Union

Stärker als alle anderen Parteien zu- sammen hat die Union nach 1945 den Sozialstaat in Deutschland aufgebaut und gestaltet. Alle großen sozial- und gesellschaftspolitischen Gesetze der Bundesrepublik Deutschland tragen die Unterschriften der Bundeskanz- ler Konrad Adenauer, Kurt-Georg Kiesinger oder Helmut Kohl. Die sozialpolitische Bilanz der Union ist um Klassen besser als es viele – auch in den eigenen Reihen – wissen oder wissen wollen.

Eine engagierte Sozial- und Gesell- schaftspolitik gehört zum Wesens- kern, zur Identität einer Union, die das „C“ in ihrem Namen ernst nimmt. Das gilt heute, im Zeitalter der Globa- lisierung, ganz besonders. Denn noch nie hatten so viele Menschen Angst vor Arbeitslosigkeit, vor Ausschluss aus der Geselllschaft, vor sozialem Abstieg.

Die große sozialpolitische Tradition der Union gehört zu unserem wert- vollsten politischen Tafelsilber. Wer da von einer angeblichen Sozialdemo- kratisierung der Union schwadroniert, hat nichts verstanden. Die große Auf- gabe der nächsten Jahre ist es, eine christlich-soziale Reformperspektive zu eröffnen, die den Ausgegrenzten und Schwachen neue Chancen gibt, die Leistung fordert und fördert, und die den Sozialstaat wetterfest macht.

Die jetzt beginnenden Beratungen der CDU für ein neues Grundsatz-

Festschrift / 60 Jahre CDA

programm bieten eine große Chance, eine solche wertorientierte Reform- perspektive zu erarbeiten. Dabei geht es nicht um eine neue Definition unseres Menschenbildes oder der Grundwerte, diese verändern sich nicht alle paar Jahre, aber die Aufga- ben und Herausforderungen haben sich seit den 90er Jahren verändert.

Deshalb muss die Diskussion des neu- en Grundsatzprogramms Antworten auf folgende Fragen geben:

> Was ist unsere Identität als Christ- liche Demokraten – und was unter- scheidet uns von anderen?

> Wie gestalten wir aus den drei Grundwerten Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit, die gleich wichtig sind, praktische Politik?

> Wie sichern wir die Freiheit des Einzelnen und gleichzeitig den Zusam- menhalt unserer Gesellschaft?

> Wie werden wir mit der demogra- fischen Entwicklung fertig und wie nutzen wir verstärkt die Fähigkeiten und das Können der Älteren?

> Wie stärken wir politisch, sozial und kulturell die Familien?

> Wie kommen wir von der nationalen zur internationalen Sozialen Markt- wirtschaft?

> Wie nehmen wir unsere internati- onale Verantwortung künftig wahr, wohl wissend, dass es keine Insel der

künftig wahr, wohl wissend, dass es keine Insel der HERMANN-JOSEF ARENTZ CDA-Vorsitzender 2001 – 2004.

HERMANN-JOSEF ARENTZ

wohl wissend, dass es keine Insel der HERMANN-JOSEF ARENTZ CDA-Vorsitzender 2001 – 2004. Seeligen in einer

CDA-Vorsitzender 2001 – 2004.

Seeligen in einer Welt von Umwelt- katastrophen, Krieg, Hunger und Diktaturen gibt?

Auf diese Fragen muss das neue Grundsatzprogramm der Union wert- gebundene Antworten geben. Das ist nicht nur eine schwere Aufgabe, sondern auch eine große Chance. Ich bin ganz sicher, dass der Hunger nach einer wertegebundenen und zukunftsfähigen Politik in unserem Lande größer ist, als es uns oft selbst klar ist. Deshalb sollten wir, sollte die CDA, sollte die ganze Union den Dis- kussionsprozess um das neue Grund- satzprogramm als eine große Chance begreifen, auch in der Zeit der großen Koalition die eigene Identität deutlich zu machen und die Attraktivität der CDU zu stärken.

Hier liegt ein wichtiger, vielleicht sogar der entscheidende Schlüssel für die künftige Mehrheitsfähigkeit der Christlich Demokratischen Union.

sogar der entscheidende Schlüssel für die künftige Mehrheitsfähigkeit der Christlich Demokratischen Union. 29

29

WOLFGANG VOGT Parlamentarischer Staatssekretär a.D. Sie stehen so einträchtig beieinan- der auf der Einladung zur

WOLFGANG VOGT

WOLFGANG VOGT Parlamentarischer Staatssekretär a.D. Sie stehen so einträchtig beieinan- der auf der Einladung zur Feier

Parlamentarischer Staatssekretär a.D.

Sie stehen so einträchtig beieinan- der auf der Einladung zur Feier „60 Jahre CDA“ – Karl Arnold und Konrad Adenauer, Josef Gockeln und Jakob Kaiser. Bilder aber können trügen. Die beiden Düsseldorfer jedenfalls, der eine Ministerpräsident, der andere Landtagspräsident, hatten ihre schon in der Weimarer Republik begründe- te persönliche Rivalität selbst über das „Tausendjährige Reich“ hinweg gerettet, was den „Alten“ versuchen ließ, den einen gegen den anderen ins Spiel zu bringen. Die Christlich-Sozi- alen legten trotzdem die Grundsteine für den Sozialstaat. Zum Menscheln kamen handfeste Konflikte. So konn- ten sich die Spitzen von CDA und KAB weder über die Zweckbestimmung des Adam-Stegerwald-Hauses in Königswinter noch über die Rolle der „CDU-Sozialausschüsse“ verständi- gen. Darob war die Spitze der CDA so verärgert, dass der Verbandspräses Hermann-Joseph Schmitt den Verein „Arbeiterwohl“ (jetzt Jakob-Kaiser- Stiftung), den er mit Johannes Albers gegründet hatte, unter Protest verließ. Der Vorsitzende Josef Gockeln rief die Mitglieder des Verbandes zum Boykott

30

Geschichte wiederholt sich nicht, Geschichten schon – ein Querdenker erinnert sich

der 1. Reichstagung der CDU-Sozial- ausschüsse 1947 in Herne auf. Schließ- lich ließ die Gründung der Christlichen Gewerkschaften die Beziehungen zwischen beiden Verbänden vollends erkalten. So lernte ich uns kennen:

Sprachlos die Spitzen.

Die Sprachlosigkeit schrie nach Abhil- fe. Den Weg aus der Misere wies Jakob Kaiser. Unter Einschluss aller Verbän- de, auch der Christlichen Gewerk- schaften, aber unter Ausschluss der Gewerkschaftsfrage, sollten sich die Christlich-Sozialen zu einem Kongress finden, der das Trennende hintan-, das Gemeinsame voranstellte. Im Kette- lerhaus der KAB stieß Jakob Kaiser auf Zustimmung. Die Zaudernden wurden geschubst und der 1. Christlich-Soziale Arbeitnehmerkongress fand 1959 in Köln statt. Er beendete die Sprachlo- sigkeit. Er wertete die Christlich-So- zialen auf. Jetzt wollte jeder für den gemeinsamen Auftritt gewesen sein.

1975: Der Parteitag in Hamburg steht an. Auf Drängen der CDA, von Hans Katzer geführt, hatte die CDU in der Mitbestimmungsfrage schon eine lange Wegstrecke hinter sich, aber die Hürde „Parität“ nicht übersprungen. Jetzt kann die CDA erwarten, dass die Partei springt. 14 Tage vor Hamburg entscheiden sich die rheinische wie die westfälisch-lippische CDU auf Partei- tagen für die Parität nach CDA-Modell. In Hamburg aber findet die Parität erneut keine Mehrheit. Die Partei beschließt ein Modell knapp unterhalb der Parität. Die CDA ist tief getroffen.

Ihre Führungs zieht sich in die Suite von Hans Katzer im Kongresshotel zurück. Spät nachts klingelt es. In der Tür steht – geschickt oder aus eigenem Antrieb gekommen – Karl Carstens, der Frakti- onschef. Er will beschwichtigen. Aber er lädt nur den Frust auf sich.

Hans Katzer hat der CDA Gesicht gege- ben. Die Zeit steht jedoch nie still. Die „Neue Soziale Frage“ wird entdeckt. In den Parteien übernehmen Jüngere die Verantwortung. Führungsstile ändern sich. Josef Mick, der mit dem Ruf „Libe- ralismus ist schlimmer wie Herzinfarkt“ aufgeschreckt hatte, gibt die rheinische CDA ab. 1977 wird Norbert Blüm Bun- desvorsitzender. Die Bundestagungen 1979 in Krefeld und 1981 in Mannheim überzeugen in Stil und Inhalt. Die CDA bereitet sich auf Regierungsverantwor- tung vor. Die Jakob-Kaiser-Stiftung ak- zeptiert jedoch den Wechsel nicht. Sie verweigert dem Vorsitzenden und dem Schatzmeister die Mitgliedschaft. Das Adam-Stegerwald-Haus ist nicht länger „Unser Haus“. Die CDA richtet eine eigene Stiftung ein – das AZK. Ihr Ar- chitekt: Heinz Soénius. 1987 muss die CDA über die Nachfolge von Norbert Blüm entscheiden. Auch Heinz Soénius bewirbt sich. Der Bundesvorstand zieht aber den Mitbewerber vor. Im Konrad- Adenauer-Haus breitet sich Genug- tuung aus. Die CDA aber hat an der Entscheidung ziemlich zu schlucken. Norbert Blüm baut den Sozialstaat um. Der ist für die Wiedervereinigung gerüstet. Es hätte einen sorgfältigeren Umgang mit ihm verdient. Der Men- schen wegen.

gerüstet. Es hätte einen sorgfältigeren Umgang mit ihm verdient. Der Men- schen wegen. Festschrift / 60

Festschrift / 60 Jahre CDA

Die CDA braucht Mut

Wir sollten uns angesichts des 60-jährigen Jubiläums der Sozial- ausschüsse nicht lange mit Gratula- tionen aufhalten, sondern die Forde- rungen für die Zukunft formulieren:

Die CDA muss endlich Front machen gegen die ewig Gestrigen in unserer eigenen Partei, aber auch bei SPD, FDP und den Grünen, die das jetzige Wirtschaftssystem als sakrosankt und sozusagen naturgesetzlich unab- änderlich betrachten und die einzig notwendige Veränderung im Abbau des Sozialstaates sehen.

Beide großen Parteien sind bei der letzten Bundestagswahl mit ihrem neoliberalen Kurs gescheitert und die CDU ist nun zum dritten Mal seit 1998 im 30%-Turm gelandet. Mit die- sem Wahlergebnis steht für die CDU nichts Geringeres zur Disposition als die strukturelle Mehrheitsfähigkeit als Volkspartei.

Millionen von Menschen haben angesichts eines Wirtschaftssystems, in dem Hiobsbotschaften am Arbeits- markt Siegesmeldungen an der Börse bedeuten und der Börsenwert eines Unternehmens umso höher steigt, je mehr Leute wegrationalisiert werden, begründete Angst um ihre Arbeits- plätze und vor der Zukunft.

Die Perspektivlosigkeit ist das schlimmste Defizit, das sich eine Par- tei leisten kann. Die Globalisierung ist nicht aufzuhalten. Aber sie human zu gestalten mit den Konzepten einer

Festschrift / 60 Jahre CDA

internationalen sozial-ökonomischen Marktwirtschaft ist das große Zukunftsthema von Millionen. Die Sozialausschüsse müssen klar ma- chen, dass man den Menschen nicht Hoffnung und Zuversicht vermitteln kann, wenn man die Gewerkschaften bekämpfen, den Kündigungsschutz abbauen, den Flächentarifvertrag beschädigen und eine Kopfpauschale einführen will.

Die CDU muss sich befreien von einer rein angebotsorientierten Konjunkturpolitik. Arbeitsplätze entstehen im Wesentlichen nur durch Aufträge und erhöhte Nachfrage und nicht dadurch, dass man den Menschen immer mehr Geld aus der Tasche zieht. Die Shareholder-Value Ökonomie kennt keine Werte jenseits von Angebot und Nachfrage, sie be- günstigt Spekulanten und behindert langfristige Investoren.

Die CDA muß Stellung nehmen gegen ein Meinungskartell von Ökonomieprofessoren und Publi- zisten, die meinen, die menschliche Gesellschaft müsse funktionieren wie DaimlerChrysler und die sich beharr- lich weigern anzuerkennen, dass der Markt einen geordneten Wettbewerb braucht, auch global Regeln einzu- halten sind und Lohndumping die Qualität der Arbeit und der Produkte zerstört.

Es ist ein Treppenwitz der Partei- geschichte, dass diejenigen in den

Treppenwitz der Partei- geschichte, dass diejenigen in den DR. HEINER GEIßLER Bundesminister für Jugend und Familie

DR. HEINER GEIßLER

geschichte, dass diejenigen in den DR. HEINER GEIßLER Bundesminister für Jugend und Familie a.D., ehemaliger

Bundesminister für Jugend und Familie a.D., ehemaliger Generalsekretär der Christlich Demokratischen Union Deutschlands.

Reihen der CDU, die seit Jahren die angebliche „Sozialdemokratisierung der CDU“ anprangern und mit diesem Argument die CDU-Führung in eine neoliberale und marktradikale Posi- tion gedrängt haben, was zu erheb- lichen Stimmenverlusten geführt hat, nun gerade dadurch dazu geholfen haben, dass die SPD noch einmal vier Jahre weiterregieren kann.

Man kann nicht auf Dauer Solidarität und Partnerschaft in einer Gesell- schaft aufs Spiel setzen, ohne dafür irgendwann einen politischen Preis bezahlen zu müssen.

Den Streit für eine internationale sozial-ökologische Marktwirtschaft durchzufechten, verlangt Mut und geistige Präsenz. Dies zu erneuern, wünsche ich der Christlich-Demo- kratischen Arbeitnehmerschaft. Es entspräche der Tradition der Sozi- alausschüsse in vielen guten Jahren ihrer 60-jährigen Geschichte.

Es entspräche der Tradition der Sozi- alausschüsse in vielen guten Jahren ihrer 60-jährigen Geschichte. 31

31

DR. NORBERT BLÜM CDA-Standortbestimmung Bundesminister für Arbeit a.D. und CDA- Bundesvorsitzender von 1977 – 1987.

DR. NORBERT BLÜM

CDA-Standortbestimmung

DR. NORBERT BLÜM CDA-Standortbestimmung Bundesminister für Arbeit a.D. und CDA- Bundesvorsitzender von 1977 – 1987.

Bundesminister für Arbeit a.D. und CDA- Bundesvorsitzender von 1977 – 1987.

Das Neue wird vom Neuesten über- holt. Alles Beständige verdampft, alles Dauerhafte wird aufgelöst. Die neue Dreifaltigkeit des Neoliberalismus’ heißt: „Mobilisierung, Flexibilisierung, Deregulierung“. Lebenslange Arbeits- verhältnisse sind ebenso von gestern wie lebenslange Ehepartnerschaften. „Alles fließt“ und nichts ist fest. Neu muss es sein, wenn etwas gelten soll. Wer etwa in der CDU die Frage stellt, ob vielleicht in der „gestrigen Sozial-

32

politik“ auch etwas richtig oder gar gut gewesen sei, ist schnell im Muse- um für politische Altertümlichkeiten.

Doch bitte keine Almosen oder gar Beileidsbesuche bei der Christ-De- mokratischen Arbeiterschaft. Unsere Zeit kommt wieder. Die neoliberale Vorhut ist bereits die Nachhut der Entwicklung. Sie haben es nur noch nicht gemerkt. Weltweit ist eine tiefe Sehnsucht nach Orientierung in dem Trubel der Veränderung aufgebro- chen. Die Neoliberalen stehen mit leeren Händen da. Das Zeitalter der Schausteller und Finanzjongleure geht zu Ende.

Die Reduzierung des Menschen auf einen Kostenfaktor, die Verwirtschaf- tung der Gesellschaft, die Moneta- risierung aller Lebenszüge hält kein Mensch auf Dauer aus. Die schönsten Sachen der Menschen – Liebe, Freundschaft, Großzügigkeit, Aner- kennung, Heimat, Nachbarschaft, Kol- legialität – sind unbekannte Begriffe im neoliberalen Wörterbuch.

Die neoliberale CDU hat das zweit- schwächste Wahlergebnis ihrer Ge- schichte eingefahren, und das gegen eine Regierung Schröder, die am Boden lag. So ist das eben: Der Beifall von Arbeitgeberverbänden, den ihnen angeschlossenen Professoren, Lobby- isten und Wirtschaftsredakteuren ist eben noch nicht die Zustimmung der Wähler. Das war eine folgenschwere Verwechslung.

Zur Ironie dieses neoliberalen Selbst- erfahrungsexperiments der CDU gehört, dass die, welche penetrant vor der Sozialdemokratisierung der CDU warnten und die Sozialausschüsse meinten, jetzt mit der SPD regieren müssen. Wer nach rechts rückt, wird von links regiert.

Erfahrungen sind Lehrmittel, mit denen man klüger werden kann. Das ist die Chance für eine Politik, die aus den Impulsen der Christlichen Sozial- lehre gespeist wird.

Der Neoliberalismus war der histo- rische Pendelschlag gegen den kol- lektivistischen Sozialismus, wie dieser das Gegenstück zum Kapitalismus war. Die Gesellschaft bewegt sich of- fenbar in Sprüngen, solange sie nicht in der Mitte relative Stabilität erlangt.

In der Mitte zwischen Kapitalismus und Sozialismus ist die Christliche Soziallehre angesiedelt, welche die Irrtümer des Kollektivismus’ wie des Individualismus’ zu vermeiden sucht. Nie waren die Chancen für die Christ- liche Soziallehre größer als heute. Über 100 Jahre hatten Kapitalismus und Sozialismus in der Welt Zeit, zu beweisen, was sie können. Sie haben es unter allen möglichen Bedingungen versucht.

Die Schleifspur des Sozialismus’ ist blutgetränkt. Hinter dem Triumph- zug des Kapitalismus’ humpeln die verelendeten Massen in Afrika, Asien

Festschrift / 60 Jahre CDA

und Lateinamerika. Die Spaltung in Reich und Arm vertieft sich auch in den westlichen Wohlstandsländern. Der neoliberale Kapitalismus spaltet die Welt. Verzweifelt suchen die Men- schen nach einer Ordnung jenseits von Kapitalismus und Sozialismus.

Ist Veränderung schon alles?

Was tun? Aussteigen aus dem poli- tischen Festival der Neuigkeiten? Die Kunst der Unterscheidung ist gefragt, und die ist nicht ohne Besinnung zu haben. Was ist gut und soll erhal- ten werden? Was ist schlecht und muss verändert werden? Unter dem

Was ist schlecht und muss verändert werden? Unter dem CDA-Chef und Ministerpräsident von Nord- rhein-Westfalen:

CDA-Chef und Ministerpräsident von Nord- rhein-Westfalen: Karl Arnold (li.)

Dach der Reformer versammeln sich vornehmlich Leute, die nach Verän- derung verlangen. Gibt es eigentlich auch Verteidiger des Bewahrens- werten?

Als Teil der Arbeiterbewegung ist die Christlich-Demokratische Arbeitneh- merschaft über Generationen geübt, den Fortschritt in der Veränderung zu suchen. Es galt, die Privilegien einer bürgerlichen Gesellschaft abzubauen,

Festschrift / 60 Jahre CDA

welche das Proletariat vor der Tür des Staates stehen ließ. Die reaktionäre Obrigkeit musste vom Podest geholt werden, um Demokratie und Sozial- staat die Bahn zu ebnen. Die Sozial- versicherung – von der Renten- bis zur Pflegeversicherung – trägt eine christlich-soziale Handschrift.

Immer galt es, Altes durch Neues zu ersetzen. Über 100 Jahre ging der Kampf um Emanzipation und Fort- schritt. Aber vielleicht verlangt die Zeitenwende von uns, den Christlich- Sozialen, jetzt nicht nur an der Front der Veränderung zu kämpfen, sondern auch uns im Kampf um die Erhaltung

zu kämpfen, sondern auch uns im Kampf um die Erhaltung Norbert Blüm fand große Fußstapfen vor

Norbert Blüm fand große Fußstapfen vor und hinterließ auch solche als CDA-Chef.

des Erhaltenswerten zu engagieren. Erhalten wird zur neuen Mutprobe. Das ist ungewohnt. Darauf sind wir nicht ausreichend vorbereitet, zumal die Veränderung mehr Glanz abstrahlt als die Erhaltung.

In den Turbulenzen der Zeitenwende den Sinn für das Erhaltenswerte zu bewahren, ist konservativ im besten Sinne. Wir rennen uns sonst wie die Ratten in der Trommel im rasenden

rennen uns sonst wie die Ratten in der Trommel im rasenden DR. NORBERT BLÜM Stillstand zu

DR. NORBERT BLÜM

Stillstand zu Tode. Wofür treten Christ-Soziale ein? Was war gestern richtig und wird es morgen auch noch sein?

Der Mensch ist Gottes Geschöpf.

Der Mensch ist nicht Produkt von Menschenhand und empfängt sein Leben nicht als Entwurf von Gen- Programmierern. In der Gotteseben- bildlichkeit gründet die Würde des Menschen. Der Mensch ist nicht austauschbar, er hat keinen Preis. Immanuel Kant verteidigte diese christliche Einsicht: „Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes, als Äquivalent, gesetzt werden; was dagegen über allen Preis erhaben ist, mithin kein Äquivalent verstattet, das hat eine Würde“.

Die Menschenrechte, die immer und überall gelten, sind nicht staatlich zugeteilt, sondern gottgegeben. Men- schenrechte sind unbezahlbar. Es gibt auf der ganzen Welt keine denkbare Rechtfertigung, Menschen zu entwür- digen und zu foltern.

Das ist nicht so erbaulich wie es klingt, sondern von einer scharfen Konsequenz, die sich ebenso ge- gen Bush (Guantanamo) und Putin (Tschetschenien) richtet.

Die Welt ist Gottes Schöpfung.

Es ist uns nicht freigestellt, Gottes Schöpfung zu ruinieren. Die Erde ist uns anvertraut. Die Sorge um ihre Er- haltung übertrifft unsere Lebenszeit. Wir stehen in Pflichten auch für nach- folgende Generationen. Die Schöp- fung ist nicht der Schuttabladeplatz eines rücksichtslosen Fortschritts.

nach - folgende Generationen. Die Schöp- fung ist nicht der Schuttabladeplatz eines rücksichtslosen Fortschritts. 33

33

DR. NORBERT BLÜM Wenn der Energieverbrauch der Menschheit pro Kopf so hoch wird, wie er

DR. NORBERT BLÜM

Wenn der Energieverbrauch der Menschheit pro Kopf so hoch wird, wie er in der westlichen Zivilisation zur Sicherung unseres Wohlstandes eingesetzt wird, geht der Menschheit die Luft zum Atmen aus. China meldet monatlich neue Verseuchungskata- strophen. Jährlich verunglücken 6.000 Bergleute tödlich in chinesischen Bergwerken. Der neoliberal bewun- derte wirtschaftliche Aufstieg Chinas ist kein Vorbild für die Zukunft der Menschheit, so wenig wie ein west- liches Modell, das nur „Mehr – Höher – Weiter“ kennt.

Die Arbeit ist Auftrag Gottes

Gott ist der eigentliche Arbeitge- ber, alle anderen sind nur Filialleiter. „Macht Euch die Erde untertan“ ist der erste Arbeitsvertrag. Dieser Arbeitsvertrag ist das Angebot zur Teilhabe an der Schöpfung. Dieses Angebot gilt allen Menschen. Arbeits- losigkeit widerspricht dem Teilhabe- recht an der Schöpfungsordnung.

Die Christliche Soziallehre hat immer am Vorrang der Arbeit vor dem Kapi- tal festgehalten. Das Kapital ist nur Instrument des Produktionsprozesses, die Arbeit aber seine Wirkursache. Die Bedeutung der Arbeit geht über das Wirtschaftliche hinaus. Mit der Arbeit produziert der Mensch nicht nur Güter, sondern in der Arbeit verwirklicht er auch sein Wesen. Die kapitalistische Wirtschaftsordnung stellt die Hierarchie der Werte auf den Kopf. Johannes Paul II. hat dies als Irrtum des Ökonomismus’ gegeißelt (laborem et exercens).

Eine Wirtschaftsordnung, welche die Arbeit lediglich als Produktionsmittel

34

behandelt, verletzt die Würde des Menschen. Das spekulative Finanz- kapital umkreist den Erdball ohne Beziehung zur Wertschöpfung und realen Gütern, getrieben lediglich von spekulativem Gewinn. Die Gewinn- chancen sind offenbar um so größer, je mehr Arbeitnehmer entlassen werden. Eine Wirtschaftsordnung, die Entlassungen regelmäßig mit Gewinn- steigerung prämiert, ist ein Schlag ins Gesicht jeglicher Vernunft, die sich auf Humanität beruft. Sie wird keinen Bestand haben.

Kaufpreis: Ball paradox. Vodafone kauft Mannesmann. Bezahlt haben die Mannesmann-Aktionäre mit Hilfe des Aktienaustauschtricks, bei dem Vodafone mit Aktien um sich gewor- fen hat wie mit „Kamellen“. Nach der Transaktion haben die neuen Herren Kasse gemacht und filetierte Teile von Mannesmann verkauft. Arbeiter wurden bewegt wie Figuren im Mensch-ärger-Dich-nicht-Spiel. In dieser Wirtschaftsordnung geht jede Anerkennung, auf die Menschen angewiesen sind, verloren.

Anerkennung, auf die Menschen angewiesen sind, verloren. Jakob Kaiser, Minister für Gesamtdeutsche Fragen und
Anerkennung, auf die Menschen angewiesen sind, verloren. Jakob Kaiser, Minister für Gesamtdeutsche Fragen und

Jakob Kaiser, Minister für Gesamtdeutsche Fragen und CDA-Chef, spricht vor Flüchtlingen.

Kanzler Konrad Adenauer stellt den Alliierten sein Kabinett vor, in der Mitte Jakob Kaiser.

Weltwirtschaft, die als eine globale Olympiade organisiert ist, in der der Billigste die Goldmedaille gewinnt, ruiniert sich selber, denn auf die Spitze getrieben gibt es niemanden mehr, der die Güter kaufen kann, die so billig produziert werden. Firmen werden verkauft, gekauft, fusioniert, filetiert.

Firmen werden auf Kredit gekauft, und die Gekauften zahlen die Schul- den ab. Der Gekaufte also zahlt den

Im Zirkus Global ruft der Dompteur:

„Standortverlagerung“, und wie auf Peitschenhieb geben die Gewerk- schaften Pfötchen, und die Arbeiter kuschen.

Der Prototyp des flexiblen Arbeit- nehmers ist der Tagelöhner: jederzeit einsetzbar, immer abrufbar, aber heimatlos und einsam ohne Ehe und Familie. Schon aus der Bibel wissen wir, dass die Tagelöhner schutzloser waren als die Sklaven, denn deren

Festschrift / 60 Jahre CDA

Arbeitskraft musste erhalten werden, die der Tagelöhner nur in der Zeit, in der sie gebraucht wurden. Maschinen muss man noch warten und pflegen. Tagelöhner nicht. Sie sind nur wäh- rend der „Laufzeit“ wertvoll. Befri- stete Arbeitsverhältnisse, kapazitäts- orientierte Arbeitszeit, Arbeit ohne Kündigungsschutz entsprechen einer Gesamtstrategie, die zurück zu den Job-Nomaden führt. So schwinden Fürsorge und Treuepflichten aus dem Arbeitsleben. Den Rest besorgt der Staat.

Die neoliberalen Entstaatlicher pro- duzieren entgegen ihren lautstarken Worten mehr Staat. Nicht jeder, der Herr sagt, kommt ins Himmelreich, und nicht jeder, der Wohlstand sagt, meint auch den der anderen.

Eigentum für alle

Die Güter dieser Erde sind für alle da. Das ist der unumstößliche Satz des primären Naturrechts. Das Privat- eigentum erscheint bei Thomas von

Aquin erst auf der sekundären Ebene des Naturrechts, und es rechtfertigt sich erst dadurch, dass es besser ge- eignet ist, das allgemeine Nutzungs- recht der Erdengüter sicherzustellen. Wenn jedoch der große Teil der Menschheit nichts hat und wenige al- les, verliert das Privateigentum seine naturrechtliche Legitimation.

358 Milliardäre, welche die Hälfte des Weltvermögens besitzen, sind ein gefährlicherer Angriff auf die Insti- tution des Privateigentums als ihn Karl Marx je zustande gebracht hat. Die Systemüberwinder haben sich unbemerkt in den Börsen der Welt eingenistet.

Gerechtigkeit

Die Christliche Soziallehre ist kein Feuilleton für neoliberale Essayisten und schönredende Lobbyisten. Die Christliche Soziallehre gründet auf einer normativen Prinzipienordnung. Gerechtigkeit ist ein Zentralbegriff der Christlichen Soziallehre.

ist ein Zentralbegriff der Christlichen Soziallehre. DR. NORBERT BLÜM Sie weist den Prinzipien ihren Platz an.

DR. NORBERT BLÜM

Sie weist den Prinzipien ihren Platz an. Auch die Freiheit bleibt ihr unter- geordnet. Es lässt sich eine Freiheit ohne Gerechtigkeit denken. Im Tierreich funktioniert es so. Der große Fisch frisst den kleinen. Gerechtigkeit ohne Freiheit ist jedoch nicht denk- bar, weil Gerechtigkeit ohne Freiheit eine Form der Unterdrückung wäre, der die personale Verantwortung des Menschen widerspricht.

Gerechtigkeit ist weder neu noch alt. Auch durch „mehr Freiheit“ wird die Gerechtigkeit auch nicht „neu“. Was also wollen die CDU-Begriffsjongleure mit „Neuer Gerechtigkeit durch mehr Freiheit“?

Als naturrechtliches Prinzip bietet Gerechtigkeit zwar keine Detaillö- sung an, aber normative Imperative. „Jedem das Seine“ ist ein Appell, den die Christliche Soziallehre aus der klassischen Philosophie übernommen hat. Was „das Seine“ sei, ist freilich von dem Menschenbild abhängig, welches gelten soll. „Das Seine“ in

hat. Was „das Seine“ sei, ist freilich von dem Menschenbild abhängig, welches gelten soll. „Das Seine“
hat. Was „das Seine“ sei, ist freilich von dem Menschenbild abhängig, welches gelten soll. „Das Seine“
DR. NORBERT BLÜM einer kollektivistischen Anthropologie sieht eben anders aus als in einer in- dividualistischen

DR. NORBERT BLÜM

einer kollektivistischen Anthropologie sieht eben anders aus als in einer in- dividualistischen und noch anders im christlichen Menschenbild, welches das individuelle und das soziale We- sen des Menschen zur Personalität integriert.

So viel ist jedoch gesicherte Auffas- sung der christlichen Anthropologie Der Mensch ist ambivalent – wesens- gleich und individuell differenziert. Die menschliche Gesellschaft versam- melt in sich Gleiches wie Unterschied- liches.

Die Gerechtigkeit empfiehlt, „Gleiches gleich“ und „Ungleiches ungleich“ zu behandeln. Auf den ersten Blick erscheint diese Aufforderung wie eine Banalität. Als Maßstab angelegt an die Politik der CDU hat dieser Ge- rechtigkeitsbegriff ein hohes Kritik- potential. Die Kopfpauschale zum Beispiel behandelt Ungleiches gleich. Der Spitzenverdiener wird pauschal wie der Geringverdiener behandelt. Das ist das Wesen einer Pauschale. Pauschal gleich werden Cheffahrer und Chef gefordert.

Der proportionale Nachteil für den Minderbemittelten soll durch staatli- che Zuschüsse ausgeglichen werden. Das jedoch widerspricht dem Sub- sidiaritätsprinzip, weil der Staat für eine Aufgabe zur Hilfe gerufen wird, welche die Sozialversicherung mit proportionalen Beiträgen aus eigener Kraft selbst lösen kann.

Wer ohne Prinzipienorientierung han- delt, kommt ins Rutschen wie jeder, der die schiefe Bahn mit Schmierseife an den Sohlen betritt. Dass die Ein- kommenslage der Steuerpflichtigen

36

ungleicher ist als dass die Antwort darauf auf einem Bierdeckel unterge- bracht werden könnte, leuchtet jedem ein, falls er seinen gesunden Men- schenverstand nicht verloren hat.

Man muss also gar nicht erst Thomas von Aquin studieren, um die Klugheit der Christlichen Soziallehre zu ver- stehen. Ein Teil derjenigen – so darf man annehmen – die trotz Schröder der CDU nicht die Stimme gegeben haben, hatten sie möglicherweise besser verstanden als die Delegierten auf dem Leipziger Parteitag. Es gibt ein offenbar angeborenes Gefühl für Gerechtigkeit, und dieses Gefühl hat die neoliberale CDU sträflich verletzt.

Getriebe nicht knirscht. Einen fairen Fußballspieler würde ich noch nicht als gerechten Fußballspieler bezeich- nen. Dann würde „Verlässlichkeit“ als zentraler Wert der Gerechtigkeit ausgegeben. Aber Verlässlichkeit ist eine sekundäre Tugend, die selbst der Dieb beherzigen kann.

Um den normativen Zwängen der alten Gerechtigkeit zu entfliehen, wurden neue Wortschöpfungen zu Hilfe gerufen. Verteilungsgerech- tigkeit wird offenbar als verkappter Sozialismus empfunden, obwohl die „justitia distributiva“ schon in der Antike bekannt war. Beteiligungsge- rechtigkeit soll an ihre Stelle treten.

war. Beteiligungsge- rechtigkeit soll an ihre Stelle treten. Der Ex-Bundesminister Hans Katzer (li.), Ulf Fink (mi.),

Der Ex-Bundesminister Hans Katzer (li.), Ulf Fink (mi.), DGB-Vize Gustav Fehrenbach.

Gerechtigkeit – bisweilen hat man den Eindruck, die CDU fürchtet den Begriff wie der Teufel das Weih- wasser, wenn sie den Gebrauch des Wortes „Gerechtigkeit“ schon nicht umgehen kann, dann wird versucht, diesen Begriff krampfhaft umzubie- gen. Erst wurde Gerechtigkeit mit „Fairness“ übersetzt. Gerechtigkeit ist jedoch kein Verhaltensmuster und auch kein Schmiermittel, das lediglich dafür sorgt, dass das gesellschaftliche

Bundestagswahl 1990: Norbert Blüm und Heiner Geißler kommentieren den Sieg.

Das Wort erscheint wie ein seman- tischer Fluchtversuch, mit dem offenbar die Zumutungen der Vertei- lungsgerechtigkeit entschärft werden sollen. Denn tatsächlich verlangt die Verteilungsgerechtigkeit, dass die einen etwas abgeben, bevor die an- deren etwas erhalten. Das setzt auch keine Beteiligungsgerechtigkeit außer Kraft. Ohne Gerechtigkeit funktio- niert kein Staat. „Was sind Staaten ohne Gerechtigkeit anderes als große

Festschrift / 60 Jahre CDA

Räuberbanden?“ wusste schon der Heilige Augustinus.

Es geht in der Gerechtigkeit um drei Dimensionen: Um die Tauschgerech- tigkeit zwischen Einzelnen, um die Verteilungsgerechtigkeit, welche die Pflichten der Gemeinschaft gegen- über dem Einzelnen regelt, und um die legale Gerechtigkeit, welche die Pflichten des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft bestimmen. Erst in diesem Kosmos von Rechten und Pflichten entfaltet sich die Kraft des christlichen Gerechtigkeitsbegriffs. Was auch immer gescheite Formulie- rungskünstler und Begriffsakrobaten zur Gerechtigkeit sagen, ganz alt und

Zuständigkeiten des Gerechtigkeits- prinzips beschränken. Eigenverant- wortung ist jedoch nicht der Kon- trahent der Gerechtigkeit, sondern Teil einer gerechten Gesellschaft. Bekanntlich weist nicht das Teil dem Ganzen den Platz an. Wohin eine los- gelassene Eigenverantwortung führt, konnte jedermann in New Orleans studieren. Die Eigenverantwortlichen stiegen in ihre Wagen, der Rest blieb in den Fluten.

Sozialpolitik

Eine Sozialpolitik, die immer stär- ker Steuern und Staat zu Hilfe ruft, provoziert entgegen den Erklärungen

Staat zu Hilfe ruft, provoziert entgegen den Erklärungen 1990 besucht Norbert Blüm als Bundesmi- nister die

1990 besucht Norbert Blüm als Bundesmi- nister die Frankfurter Buchmesse.

dennoch zukunftsträchtig bleibt die Einsicht: Starke Schultern müssen mehr tragen als schwache.

Eigenverantwortung

Eigenverantwortung, die im christ- lichen Gerechtigkeitsverständnis eine wichtige Ordnungsfunktion über- nimmt, wird in der neuen Debatte sogar gegen Verteilungsgerechtigkeit ins Feld geführt und soll offenbar die

Festschrift / 60 Jahre CDA

2000 auf dem Parteitag in Essen legt Norbert Blüm alle Parteiämter nieder.

ihrer Promotoren mehr interperso- nale Umverteilung als ein auf Beitrag basierendes Sozialversicherungssy- stem, das dem Äquivalenzprinzip der Tauschgerechtigkeit nahe steht und deshalb eine größere Affinität zur Marktwirtschaft hat als jede steu- erfinanzierte Rente oder Kranken- versicherung. Ein Steuerfinanzierter Sozialstaat entpuppt sich zu guter Letzt als kollektive Bedürfnisprü- fungsanstalt, die ständig feststellen

Bedürfnisprü- fungsanstalt, die ständig feststellen DR. NORBERT BLÜM muss, wer ist reich und wer ist arm.

DR. NORBERT BLÜM

muss, wer ist reich und wer ist arm. Die beitragsbezogene Sozialversiche- rung interessiert sich dagegen nur für die Vorleistung des Leistungsberech- tigten. Alle Erfahrungen zeigen, dass Sozialsysteme, die mit Steuereinnah- men finanziert werden, anspruchs- und manipulationsanfälliger sind. Die Leistungsgerechtigkeit hat sich jedenfalls aus ihnen verabschiedet. Beitragsbezogene Sozialsysteme sind ein Instrument solidarischer Selbst- hilfe, steuerfinanzierte versorgungs- staatliche Zuweisungen.

Den Sozialstaat von der Arbeit abzu- koppeln, könnte sich zur großen Illusi- onsnummer der Reformer entwickeln. Zu guter Letzt werden nämlich alle Ansprüche aus der Arbeit finanziert. Sie ist die Quelle allen Wohlstands. Das wusste schon Adam Smith, der „Erfinder“ der Marktwirtschaft.

Selbst wenn Arbeitgeber von Bei- tragspflichten befreit werden, wer- den sie zwar aus den Zahlpflichten entlassen, aber keineswegs aus den Traglasten. Zahl- und Traglasten sind nämlich zweierlei. Wenn die Arbeitnehmer den Arbeitgeberbei- trag übernehmen müssen, werden sie die höhere Belastung nicht ohne jede Kompensationsversuche in den Lohnverhandlungen hinnehmen. Wo- hin käme auch eine Volkswirtschaft, in der die Masseneinkommen über Nacht um 20 % sinken?

Bei der Riester-Rente lässt sich studieren, dass die Beitragsbelastung der Arbeitnehmer größer geworden ist, als sie bei der Rentenversicherung geblieben wäre. Arbeitgeber freuen sich zu früh, wenn sie glauben, die Freistellung vom Arbeitgeberbeitrag

geblieben wäre. Arbeitgeber freuen sich zu früh, wenn sie glauben, die Freistellung vom Arbeitgeberbeitrag 37

37

DR. NORBERT BLÜM würde sie auf Dauer entlasten. Der Scheideweg, vor dem sich der Sozial-

DR. NORBERT BLÜM

würde sie auf Dauer entlasten. Der Scheideweg, vor dem sich der Sozial- staat befindet, trennt zwischen einer Sozialpolitik, die sich dem Staat an den Hals wirft und damit von seinen Steuereinnahmen abhängig wird, und einer Sozialpolitik, die Solidarität subsidiär organisiert. Der Pfad der Christlichen Soziallehre weist auf we- niger Staat, mehr Sozialversicherung, weniger Gesetzgebung, mehr Selbst- verwaltung und mehr Tarifautonomie. Subsidiarität ist eine Form sozialer Eigenverantwortung.

Eigentumslohn

Die Christliche Soziallehre ist kein Museum angestaubter Relikte ver- gangener Zeiten.

Die Forderung nach investiver Betei- ligung der Arbeitnehmer bleibt eine der großen Zukunftsaufgaben der christlichen Sozialbewegung. Man kann es wenden wie man will: Wenn die Arbeitnehmer beim Verteilungs- kampf auf den konsumtiven Teil des volkswirtschaftlichen Ergebnisses ab- gedrängt werden, bleiben sie immer zweiter Sieger.

Das Saatgut kann nicht verfüttert werden. Das Geld für Investitionen muss zurückgelegt werden. Aber wie- so werden die Arbeitnehmer nicht an diesen Investitionen beteiligt, die sie mit ihrer Arbeit und Lohnzurückhal- tung mit erwirtschaftet haben?

Wenn die Kapitalseite ihre Dividen- den, die Arbeitnehmer den Lohn vom Ergebnis abgezweigt haben, wieso gehört dann das, was übrig bleibt, nur einer Seite? Der gerechte Lohn ist kei- ne Buchhaltergröße. Aber Lohn ohne

38

Teilhabe an den Investitionen bleibt „ungerechter Lohn“.

Die Mitbeteiligung der Arbeitneh- mer an den Investitionen können die Tarifverhandlungen entspannen. Als Ertragsbeteiligung zum Bespiel wird sie nachträglich abgerechnet. Keiner der beiden Seiten muss also fürchten, beim Aushandeln des Standardlohns über den Tisch gezogen zu werden. Wo nichts ist, gibt es auch nachträg- lich nichts nachzuholen. Wo aber nachträglich mehr ist als geschätzt und vereinbart wurde, wird nachge- bessert. Die Ertragsbeteiligung ist also eine vertrauensbildende Maßnah- me einer partnerschaftlichen Gesell- schaft.

Mit der investiven Beteiligung der Ar- beitnehmer würde auch jenes Finanz- kapital, das ohne Bezug zur Arbeit Börsenpolitik betreibt, wieder Boden unter die Füße bekommen und an die Arbeit gekoppelt werden.

Die institutionellen Anhänger, als deren Speerspitze die Pensions- fonds gelten, haben schon genug Verwirrung in der Weltwirtschaft angerichtet und ganze Währungen ausgehebelt. Sie unterminieren jede Unternehmenskultur, weil sie von der Hand in den Mund leben und nur am Tageskurs interessiert sind, so dass eine langfristige Unternehmens- strategie keinen Spielraum erhält. Diese Börsenhopser bekämen mit einer breiten Beteiligung der Arbeit- nehmer die Luft für ihre Sprünge abgestellt.

Eigentum in Arbeitnehmerhand ist eine wichtige Ergänzung der Sozial- versicherung. Kapital und Arbeit darf man nicht einem wildgewordenen Kapitalismus überlassen, denn der Mensch ist wichtiger als jede Sache.

Die große Zeit der Christlich-Sozi- alen liegt vor uns! (Wenn wir unsere Chancen ergreifen).

Die große Zeit der Christlich-Sozi- alen liegt vor uns! (Wenn wir unsere Chancen ergreifen). Festschrift /
Die große Zeit der Christlich-Sozi- alen liegt vor uns! (Wenn wir unsere Chancen ergreifen). Festschrift /

Festschrift / 60 Jahre CDA

Sparkassen-Finanzgruppe

Ein verlässlicher Finanzpartner. Gut für den Aufbruch. Gut für Deutschland.

Finanzpartner. Gut für den Aufbruch. Gut für Deutschland. S Deutschland nimmt neuen Schwung, um die wirtschaftlichen
Finanzpartner. Gut für den Aufbruch. Gut für Deutschland. S Deutschland nimmt neuen Schwung, um die wirtschaftlichen

S

Deutschland nimmt neuen Schwung, um die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu meistern. Die Chancen stehen gut, dass der Aufbruch gelingt. Wichtig ist, dass möglichst viele Menschen den Wandel mit- tragen. Dazu brauchen sie auch einen Finanzpartner, der ihnen die nötige Sicherheit gibt und ihnen bei der Über- nahme von eigener Verantwortung hilft. Sparkassen stehen als leistungsstarke, regional verankerte Kreditinstitute rund 50 Millionen Kunden und drei Viertel aller mittelständischen Unternehmen verlässlich zur Seite. Sie ermutigen Menschen und Unternehmen, den Weg der Veränderungen mitzugehen und die eigenen Möglichkeiten zu nutzen. www.gut-fuer-deutschland.de

JOSEF ZOLK Geschäftsführer der Verlagsgesellschaft mbH der CDA. Sechzig Jahre Sozialausschüsse in der CDU sind

JOSEF ZOLK

JOSEF ZOLK Geschäftsführer der Verlagsgesellschaft mbH der CDA. Sechzig Jahre Sozialausschüsse in der CDU sind ebenso

Geschäftsführer der Verlagsgesellschaft mbH der CDA.

Sechzig Jahre Sozialausschüsse in der CDU sind ebenso Anlass zum Rück- blick und zur Bestandsaufnahme wie zum Ausblick. Dem soll diese Jubilä- umsausgabe der „Sozialen Ordnung“ dienen, an der viele mitgearbeitet haben: Unsere Bundesvorsitzenden, Kolleginnen und Kollegen aus dem christlich-sozialen Umfeld, christ- lich-soziale Urgesteine, Partner im sozialpolitischen Dialog.

Wir haben bewusst keine Themen vorgegeben für die Autoren dieser „Sozialen Ordnung“ sondern freien Raum gelassen für Bilanz, Tendenz und Anmutung. Allen Autorinnen und Autoren gilt unser Dank – wir verste- hen ihre Texte als solidarischen Bei- trag zur Programmdiskussion unserer CDA und der Union.

Dieser 60. Geburtstag lässt uns dankbar zurückblicken auf engagierte Kolleginnen und Kollegen, die sich

40

60 Jahre Sozialausschüsse der CDU – Der Mensch im Mittelpunkt

unermüdlich für die Christlich-Soziale Idee eingesetzt haben. Nicht alle Ziele wurden erreicht – erinnert sei nur an die Vermögensbildung in Arbeit- nehmerhand – aber ohne die Sozial- ausschüsse wäre der Weg der CDU zur großen und erfolgreichen Volks- partei ebenso wenig möglich gewor- den wie die Umsetzung des Verfas- sungsauftrags unseres Grundgesetzes „Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“. Nach der Diktatur des Dritten Reiches, der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges und dem nachfolgenden Zusammen- bruch Deutschlands entwickelte sich die Sozialpolitik zu einem konstitu- ierenden Element der Bundesrepu- blik. Das wurde zur Voraussetzung der breiten Akzeptanz der jungen Republik. Und die Leistungen der Sozialpolitik im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Mit Stolz, Dankbarkeit und großer Hochachtung dürfen wir feststellen: Die entschei- denden sozialpolitischen Weichenstel- lungen der Bundesrepublik tragen die Unterschriften von Bundeskanzlern und Arbeitsministern der Union.

Oft war der Weg zu diesen Entschei- dungen nicht leicht, im Ergebnis aber war er folgreich. Häufig waren die Po- sitionen der Sozialauschüsse umstrit- ten – manchmal wurden sie mit dem Untergang des Vaterlandes in Verbin- dung gebracht – und doch waren sie meist moderner als viele Positionen der innerparteilichen und außerpar-

teilichen Kritiker. Das gilt auch heute. Natürlich haben wir uns veränderten globalen und demografischen Heraus- forderungen zu stellen, natürlich ge- fährdet die Massenarbeitslosigkeit die sozialen Sicherungssysteme. Natürlich brauchen wir Antworten auf gesell- schaftliche Erosionsprozesse. Diesen Fragen müssen wir uns stellen: In der Grundwertediskussion in der CDA und in der Grundsatzdiskussion der CDU. „Der Mensch steht im Mittelpunkt“ – das ist unser Ausgangspunkt und unsere Leitlinie.

Das muss auch die Leitlinie der CDU sein, wenn sie mittel- und langfris- tige Gestaltungschancen haben will. Wenn es der CDU nicht gelingt, die Menschen mitzunehmen auf ihrem inhaltlichen und gestalterischen Weg, dann werden immer weniger Men- schen die CDU auf ihrem Weg beglei- ten. Eine Volkspartei ohne Volk oder kein Wähler für unsere CDU – davor müssen wir die Union schützen. Die Sozialausschüsse sind aber nur dann für die Union eine Hilfe, wenn wir in der Lage sind, eine fundierte Ausein- andersetzung in den Sachfragen zu führen und überzeugende personelle Angebote zu bieten. Eine Nagelprobe steht uns bei unserer eigenen Grund- wertediskussion ebenso bevor wie bei der Grundsatzprogrammdiskussion der CDU. Da stehen uns wichtige Ausein- andersetzungen bevor, die 60 Jahre Geschichte der CDA können uns Kraft und Zuversicht geben, denn leicht war der Weg nie, aber er hat sich gelohnt.

können uns Kraft und Zuversicht geben, denn leicht war der Weg nie, aber er hat sich

Festschrift / 60 Jahre CDA

CDA-MITGLIEDER IN ÄMTERN Diese Sondernummer der Sozialen Ordnung (SO!) ist unserer Geschichte und unserem Auftrag
CDA-MITGLIEDER IN ÄMTERN Diese Sondernummer der Sozialen Ordnung (SO!) ist unserer Geschichte und unserem Auftrag

CDA-MITGLIEDER IN ÄMTERN

Diese Sondernummer der Sozialen Ordnung (SO!) ist unserer Geschichte und unserem Auftrag gewidmet. Die nächste Ausgabe der SO! erscheint im Juli mit den Schwerpunktthemen „Arbeit“ und „Grundwerte“.

Titelbild:

Von links nach rechts: Karl Arnold, Konrad Adenauer, Josef Gockeln, Jakob Kaiser.

Fotohinweise:

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, CDU, KAS, Bildarchiv des Deutschen Bundestages, Frank Ossenbrink.

CDA-Mitglieder mit Mandaten und in Ämtern

Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Berlin

 

CDA-Mitglieder im Bundestag:

Ingo Schmitt

CDA-Mitglieder im Berliner Abgeordnetenhaus:

Norbert Atzler

Axel Rabbach Cerstin-Ullrike Richter-Kotowski Peter Trapp Kurt Wansner

Nicolas Zimmer

Michael Braun

Frank Henkel

Gregor Hoffmann

Fritz Niedergesäß

Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Brandenburg

 

CDA-Mitglieder im Brandenburgischen Landtag:

Monika Schulz

Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Bremen

 

CDA-Mitglieder in der Bundesregierung und im Bundestag:

Bernd Neumann

CDA-Mitglieder in der Bremer Bürgerschaft:

Sandra Ahrens

Rolf Herderhorst Erwin Knäpper Karl-Uwe Oppermann

Klaus Peters

Michael Bartels

Bernd Ravens

Rainer Bensch

Helmut Pflugradt

Festschrift / 60 Jahre CDA

41

CDA-MITGLIEDER IN ÄMTERN Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Hamburg CDA-Mitglieder im Bundestag: Antje

CDA-MITGLIEDER IN ÄMTERN

Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Hamburg

CDA-Mitglieder im Bundestag:

Antje Blumenthal

Dirk Fischer

Marcus Weinberg

CDA-Mitglieder in der Landesregierung:

Birgit Schnieber-Jastram

Dr. Volkmar Schön

Dietrich Wersich

CDA-Mitglieder in der Hamburger Bürgerschaft:

Wolfgang Beuß

Jörn Frommann

Olaf Ohlsen

Bruno Claussen

Heiko Hecht

Wolfhard Ploog

Lars Dietrich

Klaus-Peter Hesse

Bernd Reinert

Henning Finck

Karen Koop

Frank-Thorsten Schira

Egbert von Frankenberg

Harald Krüger

Elke Thomas

Marino Freistedt

Brigitta Martens

CDA-Europaabgeordnete der CDU Hamburg:

Dr. Georg Jarzembowski

Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Hessen

CDA-Mitglieder in der Bundesregierung:

Dr. Franz Jung

CDA-Mitglieder im Bundestag:

Dr. Franz Josef Jung Dr. Michael Meister

Bernd Siebert

Gerald Weiß

CDA-Mitglieder in der Landesregierung:

Norbert Kartmann

Karl Winfried Seif

Karin Wolff

Gerd Krämer

CDA-Mitglieder im hessischen Landtag:

Peter Beuth

CDA-Europaabgeordnete der CDU Hessen:

Roger Lenhart

Helmut Peuser

Alfons Gerling

Dr. Peter Lennert

Mark Weinmeister

Dr. Norbert Herr

Aloys Lenz

Kurt Wiegel

Norbert Kartmann

Frank Lortz

Karin Wolff

Horst Klee Hugo Klein

Petra Müller-Klepper Anne Oppermann

Michael Gahler

Thomas Mann

Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Mecklenburg-Vorpommern

CDA-Mitglieder im Bundestag:

Ulrich Adam

CDA-Mitglieder im Landtag:

Rainer Prachtl

Wolfgang Riemann

42

Festschrift / 60 Jahre CDA

CDA-MITGLIEDER IN ÄMTERN Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Niedersachsen CDA-Mitglieder in der

CDA-MITGLIEDER IN ÄMTERN

Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Niedersachsen

CDA-Mitglieder in der Bundesregierung:

Dr. Ursula von der Leyen

Dr. Hermann Kues

CDA-Mitglieder im Bundestag:

Monika Brüning

Thomas Kossendey

Hartwig Fischer

Dr. Hermann Kues

Reinhard Grindel

Dr. Friedbert Pflüger

Rita Pawelski Dr. Friedbert Pflüger

CDA-Mitglieder in der Landesregierung:

Bernd Busemann

CDA-Mitglieder im niedersächsischen Landtag:

Norbert Böhlke Bernd Busemann Dr. Karl-Ludwig Danwitz Hermann Eppers Rudolf Götz Wilhelm Heidemann Reinhold Hilbers Wilhelm Hogrefe

Angelika Jahns

Frank Oesterhelweg

Gabriele Jakob

Heinz Rolfes

Karl-Heinz Klare

Kurt Schrader

Gabriela Kohlenberg

Ulrike Schröder

Klaus Krumfuß

Regina Seeringer

Editha Lorberg

Britta Siebert

Dr. Max Matthiesen

Ulf Thiele

Heidemarie Mundlos

Katrin Trost

CDA-Europaabgeordnete der CDU Niedersachsen:

Prof. Dr. Hans-Peter Mayer

Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering

Print & More !

Redaktion, Produktion und Distribution aus einer Hand.

! Redaktion, Produktion und Distribution aus einer Hand. Ihr leistungsstarker Spezialist rund um Werbung und
! Redaktion, Produktion und Distribution aus einer Hand. Ihr leistungsstarker Spezialist rund um Werbung und
! Redaktion, Produktion und Distribution aus einer Hand. Ihr leistungsstarker Spezialist rund um Werbung und

Ihr leistungsstarker Spezialist rund um Werbung und gedruckte Kommunikation.

Spezialist rund um Werbung und gedruckte Kommunikation. Ihr medienkompetenter Partner in Bergisch Gladbach Heider

Ihr medienkompetenter Partner in Bergisch Gladbach

Heider Druck GmbH Paffrather Straße 102–116 51465 Bergisch Gladbach Telefon: (0 22 02) 95 40-0 E-Mail: heider@heider-verlag.de

Druck GmbH Paffrather Straße 102–116 51465 Bergisch Gladbach Telefon: (0 22 02) 95 40-0 E-Mail: heider@heider-verlag.de
CDA-MITGLIEDER IN ÄMTERN Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Nordrhein-Westfalen CDA-Mitglieder in der

CDA-MITGLIEDER IN ÄMTERN

Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Nordrhein-Westfalen

CDA-Mitglieder in der Bundesregierung:

Peter Hintze

CDA-Mitglieder im Bundestag:

Helmut Brandt Dr. Ralf Brauksiepe Hubert Deittert Ingrid Fischbach Hans-Joachim Fuchtel Manfred Grund Ursula Heinen

Jürgen Herrmann Peter Hintze Hubert Hüppe Norbert Königshofen Dr. Norbert Lammert Wolfgang Meckelburg

CDA-Mitglieder in der Landesregierung:

Beatrix Philipp Ronald Pofalla Karl Schiewerling Uwe Schummer Elisabeth Winkelmeier-Becker Willi Zylajew

Karl-Josef Laumann

Eckhard Uhlenberg

Dr. Marion Gierden-Jülich

Armin Laschet

Prof. Dr. Stefan Winter

Manfred Palmen

CDA-Mitglieder im Landtag:

Peter Biesenbach

Walter Kern

Peter Preuß

Alfons-Reimund Billmann

Hubert Kleff

Marc Ratajczak

Peter Brakelmann

Volkmar Klein

Bernhard Recker

Oskar Burkert

Rita Klöpper

Elke Rühl

Rainer Deppe

Karl Kress

Heinz Sahnen

Ursula Doppmeier

Theodor Kruse

Winfried Schittges

Rolf Einmahl

Manfred Kuhmichel

Rolf Seel

Marie-Luise Fasse

Karl-Josef Laumann

Reinold Sendker

Rudolf Henke

Gerhard Lorth

Michael-Ezzo Solf

Josef Hovenjürgen

Manfred Luckey

Helmut Stahl

Werner Jostmeier

Manfred Palmen

Bernhard Tenhumberg

Klaus Kaiser

Clemens Pick

Eckhard Uhlenberg

Marie-Theres Kastner Ilka Keller

Norbert Post

Josef Wilp

CDA-Europaabgeordnete der CDU Nordrhein-Westfalen:

Elmar Brok

Prof. Dr. Horst Posdorf

Dr. Renate Sommer

Ruth Hieronymi

Herbert Reul

Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Rheinland-Pfalz

CDA-Mitglieder in der Bundesregierung:

CDA-Mitglieder im Bundestag:

Prof. Dr. Maria Böhmer

Prof. Dr. Maria Böhmer

Peter Rauen

CDA-Mitglieder im Landtag:

Dr. Adolf Weiland

Hedi Thelen

Josef Keller

Hans-Josef Bracht

Heinz-Hermann Schnabel

Ulla Schmidt

44

Festschrift / 60 Jahre CDA

* Die Listen wurden nach Angaben der CDA-Landesverbände erstellt, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt konnte noch keine Angaben machen.

und Sachsen-Anhalt konnte noch keine Angaben machen. CDA-MITGLIEDER IN ÄMTERN Christlich-Demokratische

CDA-MITGLIEDER IN ÄMTERN

Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Saarland

CDA-Mitglieder in der Bundesregierung und im Bundestag:

Peter Altmaier

CDA-Mitglieder in der Landesregierung:

Peter Müller

CDA-Mitglieder im Landtag:

Peter Müller

Peter Hans

Klaus Meiser

Günther Becker

Josef Hecken

Anke Heimes

Günter Heinrich

Sabine Hennrich

Annegret Kramp-Karrenbauer

Peter Jacoby Annegret Kramp-Karrenbauer Karl Rauber

Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Sachsen

CDA-Mitglieder im Deutschen Bundestag:

Robert Hochbaum

Dr. Michael Luther

CDA-Mitglieder in der Landesregierung:

Steffen Flath

Stanislaw Tillich

Maria Michalk

CDA-Mitglieder im sächsischen Landtag:

Robert Clemen

Thomas Colditz

Friederike de Haas

Thomas Pietzsch

Steffen Flath

Dr. Fritz Hähle

Gottfried Teubner

Helmut Gregert

Alexander Krauß Frank Kupfer

Stanislaw Tillich Dr. Roland Wöller

Marko Schiemann

CDA-Mitglieder im Europäischen Parlament:

Jürgen Schröder

Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Schleswig-Holstein

CDA-Mitglieder im Bundestag:

Ingbert Liebing

Wolfgang Börnsen

Carl-Eduard von Bismarck

CDA-Mitglieder im Landtag:

Werner Kalinka

Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in Thüringen

CDA-Mitglieder im Bundestag:

Manfred Grund

CDA-Mitglieder in der Landesregierung:

Dieter Althaus

Andreas Trautvetter

Dr. Klaus Zeh

CDA-Mitglieder im Thüringer Landtag:

Dieter Althaus

Siegfried Jaschke

Carola Stauche

Johanna Arenhövel

Eckehard Kölbel

Andreas Trautvetter

Rolf Berend

Christine Lieberknecht

Marion Walsmann

Gustav Bergemann

Michael Panse

Dr. Klaus Zeh

Festschrift / 60 Jahre CDA

45

IMPRESSUM Anzeigen & Gestaltung Mitgliederservice iconate Gesellschaft für Jessica Willscheid
IMPRESSUM Anzeigen & Gestaltung Mitgliederservice iconate Gesellschaft für Jessica Willscheid

IMPRESSUM Anzeigen & Gestaltung Mitgliederservice iconate Gesellschaft für Jessica Willscheid

IMPRESSUM

Anzeigen & Gestaltung

Mitgliederservice

iconate Gesellschaft für

Jessica Willscheid

Herausgeber CDA Deutschlands

Kommunikation und Medien mbH

Telefon:

030/308 777 70

Oranienburger Str. 65

Telefon:

030/25 79 47 0

Telefax:

030/308 777 29

10117 Berlin

Telefax:

030/25 79 47 29

E-mail: jwillscheid@cda-bund.de

Chefredakteurin Andrea Resigkeit V.i.S.d.P.

E-mail: anzeigen@iconate.de Website: www.iconate.de

Die Ausgaben erscheinen in unregelmäßigen Abständen acht Mal im Jahr. Namensartikel

Telefon:

030/308 777 40

Preis Abonnement: 25,60 €, der Bezugspreis ist im

geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Telefax:

030/308 777 77

Mitgliedsbeitrag enthalten.

E-mail: aresigkeit@cda-verlag.de

Derzeit gültige Anzeigen-Preisliste vom 01. Januar 2006

Titelbild NRW-Arbeitsminister und CDA-Chef Karl-Josef

Geschäftsführer der CDA-Verlagsgesellschaft mbH Josef Zolk

Druck Heider Druck GmbH

Laumann, Bundeskanzerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers auf der 60-Jahr-Feier der CDA.

Herzliche Einladung!

„Nur Gerechtigkeit schafft Zukunft!“ Dies ist das Motto der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft. Die Bundestagswahlen haben gezeigt, dass die Menschen ein sozial gerechtes Deutschland wollen. Dafür stehen wir Christlich-Soziale in der CDU.

Helfen Sie uns, dieses Ziel zu erreichen!

Aufnahmeantrag der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands (CDA) Postfach 04 01 49 • 10061 Berlin

Ich beantrage die Aufnahme in die CDA:

49 • 10061 Berlin Ich beantrage die Aufnahme in die CDA: Bankeinzugsermächtigung: Name: Wir bitten Sie,

Bankeinzugsermächtigung:

Name: Wir bitten Sie, die Bankeinzugsermächtigung auszufüllen. Hiermit erkläre ich mich bis auf Widerruf damit
Name:
Wir bitten Sie, die Bankeinzugsermächtigung auszufüllen.
Hiermit erkläre ich mich bis auf Widerruf damit einverstanden,
dass die CDA-Hauptgeschäftsstelle den von mir zu zahlenden
Vorname:
Monatsbeitrag in Höhe von:
Straße:
Haus-Nr.:
in Worten:
PLZ:
Wohnort:
einmal jährlich
zweimal jährlich
Geb.-Datum:
von meinem Konto:
Telefon:
Nr.:
Telefax:
BLZ:
Mobil:
bei der:
E-Mail:
(Geldinstitut, Ort) abbucht.

Betrieb / Verwaltung / Ausbildungsstätte:

CDU-Mitglied:

ja

nein

Als Aufnahmespende zahle ich

, den

Unterschrift

, den

Unterschrift (für Kreditinstitut)

Unsere monatlichen Beiträge:

> Familienbeitrag für Ehepartner und Kinder: 5,10 €

> Nichtmitglieder der CDU: 4,60 €

> CDU-Mitglieder: 4,10 €

> Mitglieder, die das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet haben: 2,60 €

> Auszubildende, Schüler/innen, Studenten/innen, Wehr- und Zivildienstleistende, Arbeitslose und bei besonderen sozialen Härten: 1,10 €

Zuwendungen (Mitgliedsbeiträge und Spenden) an politische Parteien sind steuerlich als Sonderausgaben absetzbar (§ 10 b EStG).