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recherchiert von: autologin UK am 08.11.2007 Kurztext

recherchiert von: autologin UK am 08.11.2007

Kurztext

recherchiert von: autologin UK am 08.11.2007 Kurztext Gericht: Oberster Gerichtshof Wien Quelle:
Gericht: Oberster Gerichtshof Wien Quelle: Entscheidungsdatum: 16.12.2003 Normen: § 78 UrhG AUT, § 50 Abs
Gericht:
Oberster
Gerichtshof Wien
Quelle:
Entscheidungsdatum: 16.12.2003
Normen:
§ 78 UrhG AUT, § 50 Abs 1
ZPO AUT
Aktenzeichen:
4 Ob 211/03p
Dokumenttyp:
Entscheidung

Österreich: Widerruflichkeit der Zustimmung zur Veröffentlichung von Nacktfotos

Orientierungssatz

1. Wer ausdrücklich oder unter Umständen, die keinen Zweifel lassen, der

öffentlichen Verwendung seines Bildnisses zugestimmt hat, kann sich der Veröffentlichung der mit seinem Einverständnis geschaffenen Abbildung nicht nachträglich unter Berufung auf § 78 UrhG widersetzen. Allerdings ist dabei auch zu berücksichtigen, für welchen Zweck und innerhalb welchen Rahmens diese Zustimmung erteilt wurde.

2. Bei Dauerschuldverhältnissen steht selbst eine vereinbarte Unkündbarkeit einer

Auflösung des Vertrages aus wichtigem Grund nicht entgegen. Bei einem Kündigungsverzicht ist jedoch bei der Beurteilung, ob ein wichtiger Grund zur vorzeitigen Auflösung vorliegt, ein strenger Maßstab anzulegen. Die Gründe müssen ein erhebliches Gewicht haben; stets ist das Auflösungsinteresse gegen das Bestandsinteresse des anderen Teils abzuwägen.

3. Nacktfotos betreffen regelmäßig den Kern der Persönlichkeit. In diesem

höchstpersönlichen Intimbereich überwiegen daher in dem Interessenkonflikt des § 78 UrhG ungeachtet einer einmal erteilten Veröffentlichungsermächtigung (mag sie auch unwiderruflich und uneingeschränkt eingeräumt worden sein) regelmäßig die Interessen des Abgebildeten, auch wenn dieser einem Berufsfotografen Modell gestanden hat.

4. Im höchstpersönlichen Intimbereich ist jeder Änderung der eigenen Überzeugung

des zunächst mit seiner Zustimmung Abgebildeten Rechnung zu tragen. Schon die schlichte Mitteilung, dass er eine Veröffentlichung von Nacktfotos künftig nicht mehr wünsche, ist als wirksamer Widerruf einer einmal erteilten Einräumung von Rechten am eigenen Bild anzusehen. Dabei kann es auf die Gründe für diesen Gesinnungswandel nicht ankommen.

5. Obsiegt eine Partei gegenüber einem von zwei Gegnern, so steht ihr gegen den

Unterlegenen der volle Kostenersatz (mit Ausnahme des

Streitgenossenschaftszuschlags) zu.

Fundstellen

K&R 2004, 538-541 (Leitsatz und Gründe)

weitere Fundstellen

Medien und Recht 2004, 183-186 (red. Leitsatz)

Verfahrensgang

vorgehend Oberlandesgericht Wien, 27. August 2003, Az: 4 R 98/03s

vorgehend Handelsgericht Wien, 28. März 2003, Az: 10 Cg 30/03x

Diese Entscheidung wird zitiert

Literaturnachweise Clemens Thiele, K&R 2004, 541-542 (Anmerkung)

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