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13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR


Wegen der Bedeutung des Wechselrichters mit eingeprägter Spannung (UWR) wird im
Weiteren die Wirkungsweise des UWR vertiefend behandelt. Wir unterscheiden in Abb. 13-1
Wechselrichter in Zwei- und Dreipunkttechnik sowie Multi-level-Wechselrichter.

Zweipunkt-WR (2-level-inverter) Schaltermodell

uU0 Ud
Ud 2 SU
2 U
t Ud
uU0
2

Dreipunkt-WR (3-level-inverter)

uU0 Ud
Ud 2 SU
2 U

t Ud
uU0
2

Multi-level-inverter (4-level-inverter)

uU0
Ud Ud Ud
t 3 SU
6 2
Ud
U
3

Die Spannung uU0 kann bei dem hier dargestellten Ud uU0


Brückenzweig eines 4-level-inverters 4 Werte annehmen.
3 0
Die Spannungsstufung kann durch weitere Kondensatoren
noch feiner eingestellt werden. 0

Abbildung 13-1 Arten von Wechselrichtern mit eingeprägter Spannung (UWR)


212 13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR

13.1 Schaltungen in Zweipunkttechnik (2-level-inverter)


Zur Beschreibung der Betriebsweise eines Stromrichters in Zweipunkttechnik wird die
Mittelpunktschaltung nach Abb. 13-2 als Universalschalter betrachtet. Die Last liegt zwischen
den Mittelpunkten des Brückenzweiges U und des Zwischenkreises 0 (Bezugspotenzial). Die
Zwischenkreisspannung Ud und der Ausgangsstrom iU seien für den betrachteten Zeitraum
konstante Größen, symbolisiert durch eingangsseitiges C und ausgangsseitiges L.

id+ id+
Ud Ud
2 SU+ 2 SU+
C+ C+

L iU
U
iU U

Ud SU– Ud SU–
2 uU0 2 uU0
C– C–

id– id–
0
0

Abbildung 13-2 Brückenzweig für eine 2-Punkt Mittelpunktschaltung


links: idealisierte Elemente, rechts: Ersatzschaltung mit zwei Schaltern

Die beiden rückwärts leitenden Schaltelemente SU+ und SUė bilden zusammen den Brücken-
zweig, der sich in insgesamt vier Schaltzuständen befinden kann.

1 2 3 4

SU+
SU+ SU+ SU+ iU < 0

iU > 0
SU–
SU– SU– SU–

1. Der Strom fließt unabhängig von seinem Vorzeichen im oberen Schaltelement SU+ und
die Ausgangsspannung uU0 beträgt Ud /2.
2. Der Strom iU fließt unabhängig von seinem Vorzeichen im unteren Schaltelement SA–
und die Ausgangsspannung uU0 beträgt -Ud/2.
13.1 Schaltungen in Zweipunkttechnik (2-level-inverter) 213

3. Dieser Zustand würde den Zwischenkreis kurzschließen (verboten).


4. Der Strom iU fließt je nach Vorzeichen im oberen oder im unteren Schaltelement. Die
Polarität der Spannung uU0 ist demzufolge abhängig von der Stromrichtung. Dieser
Zustand tritt im Betrieb nur während der Verriegelungszeit der Transistoren auf.
Betriebsmäßig werden nur die Zustände 1 und 2 benutzt. Es ist also jederzeit eines der beiden
Schaltelemente eingeschaltet und das andere ausgeschaltet.

13.1.1 Schaltfunktionen

Tabelle 13.1 Schaltfunktion


Symbol Stellung sU

1 offen 0
2 geschlossen 1

Ordnet man den Schalterstellungen 1 und 2 eine Schaltfunktion sU gemäß Tab. 13.1 zu, dann
lassen sich die Schaltzustände 1 und 2 mit Hilfe der Schaltfunktionen sU+ und sU- und Gl.
(13-1) nach Tab. 13.2 darstellen. Das + / - Zeichen kennzeichnet den oberen und unteren
Schalter.
Ud
u U0 ʛ sU+ ė sU- ʜŏ id+ sU+ŏiU id- s U-ŏiU (13-1)
2

Tabelle 13.2 Schaltfunktionen und Ausgangsgrößen der Ersatzschaltung


Z sU+ sUė uU0 id+ idė

Ud
1 1 0 iU 0
2
Ud
2 0 1 ė 0 iU
2

Die Ausgangsspannung uU0 verläuft sprungförmig und ist eine Funktion der Schalterstellung
und der Zwischenkreisspannung Ud. Der hier als konstant angenommene Phasenstrom iU wird
je nach Stellung der Schalter auf einen der Leiter des Zwischenkreises geschaltet. Der Verlauf
der Zwischenkreisströme weist daher ebenfalls Sprünge auf – die Kondensatoren müssen
daher zur Vermeidung von Schaltüberspannungen induktivitätsfrei mit den Transistoren
verbunden sein. Ein Brückenzweig nach Abb. 13-2 hat im Betrieb 2 Schaltzustände und kann
durch eine Ersatzschaltung mit einem Umschalter SU nach Abb. 13-3 ersetzt werden. Seine
Schalterstellung wird durch eine Schaltfunktion sU beschrieben, die sich aus der Differenz
von sU+ und sU- nach Gl. (13-2) berechnet. Die Schaltfunktion sU kann in diesem Fall die
Werte +1 und í1 annehmen.
sU s U+ - s U- (13-2)
214 13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR

Tabelle 13.3 Schaltfunktion sU eines Brückenzweiges

Symbol Stellung sU

oben geschlossen 1

unten geschlossen -1

Die Ausgangsspannung uU0 und die Zwischenkreisströme berechnet sich mit Gl. (13-3) zu:

Ud 1ʅs U 1ė s U
u U0 sUŏ id+ ŏiU i d- ŏiU (13-3)
2 2 2

id+ Die hier am Beispiel der Mittelpunktschaltung


Ud entwickelte Ersatzschaltung nach Abb. 13-3
für einen Brückenzweig mit den entsprech-
2 C+ enden Gleichungen 13-3 bildet die Grundlage
+1 für alle systembezogenen Betrachtungen
iU spannungsgespeister Stromrichter. Unter der
SU U Annahme, dass der Ausgangsstrom iU keinen
Einfluss auf die Zwischenkreisspannung Ud
–1
hat, kann der ideal schaltende Stromrichter
Ud mittels Schaltfunktionen exakt beschrieben
2 uU0 werden. In Abb. 13-4 ist die Ausgangs-
C– spannung der Mittelpunktschaltung für eine
periodische Umschaltung (Pulsbetrieb) mit der
id– Schaltperiode TS dargestellt. Im Pulsbetrieb
kann der Mittelwert der Ausgangsspannung
0 uU0 durch Veränderung des Verhältnisses
Abbildung 13-3 Brückenzweig mit Umschalter
TE/TS beliebig eingestellt werden (TE: siehe
Abb. 13-4). Die Mittelwertbildung für uU0
erfolgt über eine Periode der Taktfrequenz TS und wird als Kurzzeit-Mittelwert bezeichnet.
Bei einer zeitveränderlichen Schaltfunktion sU kann der Kurzzeit-Mittelwert zeitveränderlich
gesteuert werden und man erhält z. B. den in Abb.13-4 dargestellten Verlauf für njU0. Bei
Blocktaktung arbeitet der Umschalter genau mit der Grundfrequenz der Ausgangsspannung,
so dass TS = 1/f1 ist. Das Verhältnis TE/TS ist konstant 0,5 und es besteht keine Möglichkeit
außer der Frequenz die Kurvenform oder Amplitude der Ausgangsspannung zu beeinflussen.

13.1.2 Kurzzeit-Mittelwert
Soll die Ausgangsspannung uU0 des Brückenzweiges nach Abb. 13-3 einem vorgegebenem
zeitveränderlichen Sollwert uU0,Soll folgen, so kann die Sollwertnachbildung nur über den
Mittelwert der Ausgangsspannung uU0 erreicht werden. Wegen der geschalteten Charakteristik
erfolgt die Mittelwertbildung nach Gl. (13-4) über eine Taktperiode TS, wobei
u U0,Soll u U0 während TS angenommen wird (Kurzzeit-Mittelwert). njU0 folgt dem in
Abb. 13-4 dargestellten treppenförmigen Spannungsverlauf. Die Abweichungen von der Soll-
13.1 Schaltungen in Zweipunkttechnik (2-level-inverter) 215

wertkurve sind in Abb. 13-4 grau dargestellt und heben sich innerhalb einer Taktperiode auf.
tʅT
1
S U d TE
uU0 ʛ tʜ = ŏ ĩ u ʛ ˃ʜd˃ ŏ>2 ė 1@ (13-4)
T S t U0 2 TS

Durch Auflösung von Gl.(13-4) nach der für den Spannungsmittelwert njU0 erforderlichen
relativen Einschaltzeit TE/TS erhält man Gl. (13-5). Bedingt durch die Mindestschaltzeiten der
Bauelemente ist der praktisch erreichbare Steuerbereich von TE/TS jedoch eingeschränkt.
TE u U0 1 Ud Ud
ʛu U0 ʜ ʅ für: ė ʆ uU0 ʆ (13-5)
TS Ud 2 2 2

uU0 TE
Ud uU0
ʅ
2
u U0
uU0,Soll

Ud
ė
2
TS 1 f S
Abbildung 13-4 Zeitveränderlicher Sollwert, Ausgangsspannung uU0 und Kurzzeit-Mittelwert njU0

Die Länge des Zeitintervalls TS reduziert sich mit zunehmender Schaltfrequenz fS. Die Soll-
wertnachbildung wird daher bei zunehmender Schaltfrequenz fS besser. Die zulässige Schalt-
frequenz eines IGBT-Stromrichters ist wegen der Schaltverluste abhängig vom jeweiligen
Einsatzfall. Mit zunehmender Leistung ist die Schaltfrequenz daher reduziert. In Tab. 13.4 sind
typische Schaltfrequenzen fS mit der jeweiligen Periodendauer TS angegeben. Da der
Spannungsmittelwert njU0 über die Pulsbreite TE der Spannungsblöcke eingestellt wird, spricht
man von einer Pulsbreitenmodulation (Pulse-Width-Modulation, PWM bzw. PWM-Mode) des
Wechselrichters.
Tabelle 13.4 Schaltfrequenz fS und Periodendauer TS
fS TS fS TS
600 Hz 1667 μs 6 kHz 166 μs
1,5 kHz 666 μs 20 kHz 50 μs
3 kHz 333 μs
216 13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR

13.1.3 Der Modulator


Die Erzeugung der Schaltfunktion geschieht mit einem Modulator nach Abb. 13-4. Die Soll-
wertgröße uU0,Soll wird mit einer höherfrequenten dreieckförmigen Spannung verglichen. Das
Vergleichsergebnis wird in diesem Fall als Schaltfunktion sU bezeichnet. Die Schaltfunktion
sU steuert die Stellung des Schalters SU (weitere Einzelheiten siehe Kapitel 15).
Modulationssignal Schaltfunktion
uU0,Soll Abbildung 13-5
sU +1
sU Erzeugung der
t - –1 t Schaltfunktion sU mit
einem Modulator
Trägersignal (Prinzip)


t

13.1.4 Modulationsfunktion
Die Beschreibung des Stromrichters mittels Schaltfunktionen ist oft zu aufwendig. Für viele
Untersuchungen genügt es, z. B. den Kurzzeit-Mittelwert der Spannung uU0 zu betrachten.
Dazu werden in Gl. (13-6) die Momentanwerte der Schaltfunktion (sU) durch den Kurzzeit-
Mittelwert sU ersetzt.
Ud Ud
Momentanwert : u U0 sU ŏ Kurzzeit-Mittelwert: u U0 sU ŏ (13-6)
2 2
Für die Größe sU wird der Begriff der Modulationsfunktion mU eingeführt.

Modulationsfunktion: mU sU (13-7)
mU ist proportional zum zeitkontinuierlichen Sollwert. Gleichung (13-3) geht damit über in
folgende Form:
Ud 1ʅ m U 1 ėm U
uU0 m Uŏ id+ ŏiU id- ŏiU (13-8)
2 2 2
Im Allgemeinen verläuft der Sollwert sinusförmig. Mit der Frequenz f1 für die Grund-
schwingung erhält man für die Modulationsfunktion mU :

mU M U sin ʛˈ 1 tʅˍ m ʜ , ˈ1 2ˀ f 1 M U : Modulationsgrad (13-9)


Der Modulationsgrad MU nach Gl. (13-10) beschreibt das Verhältnis der Grundschwingungs-
amplitude zur Zwischenkreisspannung (Ud / 2) bzw. zum Mittelwert des Zwischenkreisstrom
(Id). Abb. 13-6 zeigt die Definition des Modulationsgrades bei der Grundfrequenz- bzw.
Blocktaktung (q = 1). Der Zahlenwert von MU liegt im Bereich 0 ... 1,27.
uʒ U0,1 ʒi
U,1 4 4
MU bzw. M U mit: 0 Ĺ M U Ĺ ʛ 1,27ʜ
Ud Id ˀ ˀ (13-10)
2
13.1 Schaltungen in Zweipunkttechnik (2-level-inverter) 217

Ud
ʅ Id
2 4 Ud ʒi 4
uU0,1 uʒ U0,1 ŏ iU,1 U,1
ŏI
ˀ 2 ˀ d

Ud uU0 t iU t
ė -Id
2

Abbildung 13-6 Zur Definition des Modulationsgrades aus den Ein- und Ausgangsgrößen eines
Brückenzweiges
Durch Einsetzen der sinusförmigen Modulationsfunktion mU in Gl. (13-8) erhält man:

iU iU
id+ ʛ 1ʅ M Uŏ sinʛ ˈ 1 tʅˍ m ʜʜŏ id- ʛ 1ė M Uŏ sinʛ ˈ1 tʅˍ m ʜʜŏ
2 2
(13-11)
Ud
u U0 uʒ U0,1 sin ʛˈ1 tʅˍm ʜ mit uʒ U0,1 M Uŏ
2
À Die Anwendung der Modulationsfunktion führt zu einer reinen Grundschwingungsbe-
trachtung.
Wenn sich iU ebenfalls sinusförmig einstellt, so erhalten die Zwischenkreisströme wegen der
Multiplikation der sinusförmigen Modulationsfunktion mit dem sinusförmigen Strom iU neben
einem Gleichanteil zusätzliche, mit den Kreisfrequenzen ˈ1 und 2ˈ1 pulsierende Wechsel-
anteile. Diese Wechselanteile belasten die eingangs seitigen Kondensatoren C+ und C-.

13.1.5 Aussteuerung
Bezieht man die aktuelle Amplitude der Spannungsgrundschwingung ûU0,1 auf die Amplitude
der Grundschwingung bei Blocktaktung nach Abb. 13-6, so erhält man mit Gl. (13-12) die
Aussteuerung A.
uʒ U0,1
Aussteuerung: A 0ĹAĹ1
4 Ud (13-12)
ŏ
ˀ 2
Im Pulsbetrieb kann der Scheitelwert ûU0,1 maximal Ud/2 betragen. Sonst wird der Modulator
übersteuert und die Pulsfrequenz ungleichförmig. Für die maximale Aussteuerung eines
Brückenzweiges nach Abb. 13-3 erhält man daher:
ˀ
A max 0,785 (13-13)
4
Für 3-phasige Schaltungen wird als Ausgangsspannung im Allgemeinen eine Leiterspannung
angegeben. Die Spannungskurvenform zeigt Abb. 13-15. Analog zu Gl.(13-13) erhält man
daher für die Aussteuerung A des 3-phasigen Wechselrichters:
218 13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR

uʒ UV,1 4 ʎ3
A 0 Ĺ AĹ1 ʛ 1,1ʜ
4 ʎ3 ˀ 2 (13-14)
U
ˀ 2 d
Zur Vermeidung einer Übersteuerung darf der Scheitelwert ûUV,1 nicht größer als Ud werden.
Setzt man diesen Wert für ûUV,1 in Gl. (13-14) ein, so folgt für die maximale Aussteuerung
Amax bei Pulsweitenmodulation des 3-phasigen Wechselrichters:

ˀ
A max 0,907 (13-15)
2ŏʎ 3

13.1.6 1-phasige Brücke


Schaltet man zwei Brückenzweige nach Abb. 13-2 zusammen, so erhält man die einphasige
Brückenschaltung nach Abb. 13-7. Darin dient der Mittelpunkt des Zwischenkreises als
Bezugspunkt.

id Abbildung 13-7
Ud
+1 Umschalter Ersatzschaltbild
2 C+ iU
SU U der 1-phasigen Brücken-
+1 schaltung
iV uUV
-1
SV V (Dargestellt ist die Schalter-
C- stellung 1 in Tab. 13.5.)
Ud
-1
2
uU0 uV0

id
0

Die Ausgangsspannung uUV berechnet sich aus den Mittelpunktspannungen mit Gl. (13-6) zu:
Ud
uUV u V0ėu U0 uUV ʛs U ės V ʜ (13-16)
2
Für den Zwischenkreisstrom id erhält man analog:
iU
id ʛ s Uės V ʜ (13-17)
2
Die Ausgangsspannung uUV kann bei dieser Brückenschaltung die Werte +Ud, 0, und -Ud
annehmen. Stehen beide Umschalter in der gleichen Position (+1 bzw. -1), so ist die Last kurz-
geschlossen und der Zwischenkreisstrom id ist 0.

In Tabelle 13.5 sind die möglichen Schaltzustände mit den entsprechenden Spannungen
angegeben.
13.1 Schaltungen in Zweipunkttechnik (2-level-inverter) 219

uU0 u V0 u UV iU Tabelle 13.5


sU sV Id B2 -Schaltung, Schaltzustände und Ausgangs-
Ud Ud Ud
spannungen
1 1
1 1 1 2 0 0 À In den Schaltzuständen 1 und 3 ist die Last
2
kurzgeschlossen. Der Strom iU ist dann allein
1 1 von der Last bestimmt.
2 1 -1 2 ė 1 1
2
1 1
3 -1 -1 ė ė 0 0
2 2
1 1
4 -1 1 ė -1 -1
2 2

Zur Erzeugung einer Wechselspannung einstellbarer Spannung und Frequenz werden folgende
Möglichkeiten eingesetzt:
À Grundfrequenztaktung (Blocktaktung)
À Schwenksteuerung
À Pulsbreitenmodulation (PWM-Mode)

13.1.6.1 Grundfrequenztaktung
Es wird zwischen den Schaltstufen 2 und 4 periodisch umgeschaltet. Man erhält eine
rechteckförmige 180°-Kurvenform mit der Frequenz der Umschaltungen. Zur Spannungs-
steuerung muss die Höhe der Gleichspannung gesteuert werden. Die Kurvenform ändert sich
nicht mit der Spannung und Frequenz der Ausgangsspannung. Die Steuerung der
Gleichspannung bedeutet eine mehrfache Energieumwandlung und stellt einen zusätzlichen
Aufwand dar. Aufgrund der blockförmigen Spannung spricht man auch von Blocktaktung.

+1 Abbildung 13-8
sU Blocktaktung, Taktzahl q = 1
ʌ 2ʌ Ȧt
–1 180°
Es kann nur die Frequenz eingestellt
+1 werden. Zur Steuerung des Effektiv-
sV Ȧt
ʌ 2ʌ wertes UUV muss die Gleichspan-
–1 nung Ud verändert werden.
+Ud
uUV
ʌ 2ʌ Ȧt
¶Ud
220 13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR

13.1.6.2 Schwenksteuerung
Bei der Schwenksteuerung werden alle 4 Zustände der Brückenschaltung nach Tab. 13.5 aus-
genutzt. Dadurch verläuft die Ausgangsspannung zeitweise auf Null. Abb. 13-9 zeigt die
Ausgangsspannung uUV. Die Steuerung des Effektivwertes UUV erfolgt über die Breite der
Spannungszeitflächen, die mit dem Schwenkwinkel ȕ beschrieben wird. Mit der Kurvenform
ändert sich auch die spektrale Zusammensetzung von UUV. In Abb. 13-10 ist der Effektivwert
der Ausgangsspannung UUV, der Grundschwingungseffektivwert UUV,1 und der Verzerrungs-
anteil UUV,VZ über dem Schwenkwinkel ȕ dargestellt.

+1 Abbildung 13-9
sU ʌ 2ʌ
Ausgangsspannung der Brücken-
Ȧt
–1 schaltung bei Grundfrequenz-
taktung mit Schwenksteuerung
+1 und symmetrischen Schalt-
Ȧt
sV funktionen
ʌ 2ʌ
–1
ʲ: Schwenkwinkel (in rad)
+Ud
uUV
ʌ 2ʌ Ȧt
¶Ud ˜

Die Kenngrößen der Ausgangsspannung uUV für die Schwenksteuerung nach Abb. 13-9 sind
in Gl. (13-18) angegeben (ß: Schwenkwinkel (0 ” ß ” ʌ )).

Effektivwert: U UV U dŏ
ʎ ʲ
ˀ

2 ʎ2 ʲ
Grundschwingungseffektivwert: U UV,1 U dŏ sin ʛ ʜ
ˀ 2
(13-18)
Verzerrungsspannung : U UV,VZ
ʲ 8
ʎ2 ʲ
U dŏ ė sin ʛ ʜ
ˀ ˀ 2 2

ʲ
Aussteuerung : A sin 0 Ĺ A Ĺ1
2

Der Kurzzeit-Mittelwert ist bei der Schwenksteuerung wie bei der Grundfrequenztaktung
gleich Null. Eine zeitkontinuierliche Beschreibung über den Kurzzeit-Mittelwert ist daher
nicht möglich.
13.1 Schaltungen in Zweipunkttechnik (2-level-inverter) 221

1,0

UUV
UUV,1
U
Ud

UUV,VZ

0
0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 1,0
ʲ ˀ
Abbildung 13-10 Ausgangsspannung bei der Schwenksteuerung
13.1.6.3 Pulsbreitenmodulation
Für die zeitkontinuierliche Beschreibung werden die Schaltfunktionen sU und sV durch die
Modulationsfunktionen mU und mV ersetzt.
Ud iU
u UV ʛ m Uė m V ʜ id ʛ mUė mV ʜ (13-19)
2 2
Werden bei der Brückenschaltung die Modulationsfunktionen mU und mV entgegengesetzt
gleich gewählt (mU = ímV = m), so lässt sich vereinfacht schreiben:

u UV m ŏU d und id m ŏ iU (13-20)
Ist die Modulationsfunktion m sinusförmig (analog zu Gl.( 13-9)) so erhält man:

u UV M U d sin ʛˈ1 tʅˍm ʜ (13-21)

uUV Abbildung 13-11


+Ud
uUV,1 Ausgangsspannung uUV einer
Brückenschaltung mit Pulsbreiten-
ûUV,1 modulation und sinusförmiger
Modulationsfunktion
t
(uUV,Soll = uUV,1 = nj UV )

-Ud
TS

id M iU sin ʛˈ 1 tʅˍ m ʜ (13-22)


Bei einem zeitlich sinusförmigen Verlauf von iU geht Gl. (13-22) über in:
222 13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR

M ʒi U
id ʛ1ėcosʛ2ˈ1 t ʜʜ (13-23)
2

Der Zwischenkreisstrom enthält einen Gleichanteil und einen Wechselanteil Id~ doppelter Aus-
gangsfrequenz. Der Wechselanteil belastet die Eingangskondensatoren und hat, abhängig von
der Kapazität, eine Spannungswelligkeit von Ud zur Folge.

Ưd Abbildung 13-12
Zwischenkreisstrom Ưd bei sinus-
Id
förmigem Ausgangsstrom iU
t
iU Der Effektivwert des Wechsel-
îU anteils im Zwischenkreisstrom
beträgt nach Gl. (13-23):

t
I UŏM
I d~
ʎ2
T1

13.1.7 3-phasige Brücke


Schaltet man drei Brückenzweige zusammen, so erhält man eine 3-phasige Brückenschaltung.
Abb. 13-13 zeigt das Schaltermodell dieser Brückenschaltung. Die Schalterstellung entspricht
der Nr. 8 in Tab. 13.6. Der Zwischenkreis-Mittelpunkt (0) dient als Bezugspunkt für die
Mittelpunktspannungen. Die 3-phasige Last wird symmetrisch angenommen.

id

Ud +1 uU
iU U
2 C+ SU
+1 iV uV
-1 V
SV
+1 iW uW
W
-1 SW
Ud
2 -1

uU0 uV0 uW0

id
0 uK0 K

Abbildung 13-13 Umschalter-Ersatzschaltbild der 3-phasigen Brückenschaltung


13.1 Schaltungen in Zweipunkttechnik (2-level-inverter) 223

13.1.7.1 Die Spannungsbildung


Folgende Spannungen lassen sich in der Schaltung nach Abb. 13-13 definieren:
Mittelpunktspannungen:
Ud Ud Ud
u U0 s Uŏ u V0 s Vŏ uW0 s Wŏ (13-24)
2 2 2
Leiterspannungen:

Ud Ud Ud
u UV ʛ s Uės V ʜŏ u VW ʛs Vė s W ʜŏ u WU ʛ s Wė sV ʜŏ (13-25)
2 2 2
Phasenspannungen:
Die Leiterspannungen können die drei Werte +Ud, 0 und íUd annehmen. Bei Sternschaltung
des Verbrauchers ergeben sich mit dem Sternpunkt K die Phasenspannungen:

uU u U0ėuK0 uV u V0ėuK0 uW uW0 ėuK0 (13-26)

Sternpunktspannung:
Die Sternpunktspannung uK0 stellt sich abhängig von der Last ein. Im Falle einer symmetri-
schen Last ohne Gleichkomponente erhält man:
Ud
u K0 = ʛ s Uʅ s Vʅ sW ʜŏ (13-27)
6
Den Verlauf der Sternpunktspannung uK0 zeigt Abb. 13-15. Setzt man in Gl. (13-26) die Gl.
(13-24) und (13-27) ein, so folgt für die Phasenspannungen:

sV sW Ud
uU ʛ sU ė ė ʜŏ
2 2 3
sU sW Ud
uV ʛ sV ė ė ʜŏ (13-28)
2 2 3
sU sV Ud
uW ʛ sW ė ė ʜŏ
2 2 3

Die möglichen Kombinationen der Schalterstellungen sU, sV und sW ergeben Z verschiedene


Schaltzustände des Wechselrichters, die in Tab. 13.6 aufgelistet sind.
Phasenzahl (13-29)
Z (Schaltzustände je Phase)

Bei einem 3-phasigen Wechselrichter mit (Phasenzahl = 3) in Zweipunkttechnik (Schalt-


zustände = 2) ergeben sich Z Schaltzustände.

Z = 23 = 8
224 13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR

Tabelle 13.6 Schaltfunktion und Spannungen des Zweipunktwechselrichters

uU0 uV0 uW0 uU uV uW uUV uK0


sU sV sW
Ud Ud Ud Ud Ud Ud Ud Ud

1 1 1 1 2 1 1
1 1 í1 1 ė ė 1
2 2 2 3 3 3 6
1 1 1 2 1 1 1
2 1 í1 í1 ė ė ė ė 1 ė
2 2 2 3 3 3 6
1 1 1 1 1 2 1
3 1 1 í1 ė ė 0
2 2 2 3 3 3 6
1 1 1 1 2 1 1
4 í1 1 í1 ė ė ė ė í1 ė
2 2 2 3 3 3 6
1 1 1 2 1 1 1
5 í1 1 1 ė ė í1
2 2 2 3 3 3 6
1 1 1 1 1 2 1
6 í1 í1 1 ė ė ė ė 0 ė
2 2 2 3 3 3 6
1 1 1 1
7 í1 í1 í1 ė 0 0 0 0 ė
2 2 2 2
1 1 1 1
8 1 1 1 0 0 0 0
2 2 2 2

Je nach Schalterstellung sind die drei Verbraucherstränge U, V und W unterschiedlich ver-


schaltet. Es gibt Z = 8 verschiedene Verschaltungen.

1 W U 2 U 3 V U 4 V
uU uU uU
K K
Ud Ud Ud Ud
K K
uU
V V W W W U

5 V W 6 W 7 8
K U V W
K
Ud Ud
K U V W K
uU uU
U V U

Abbildung 13-14 Schaltzustände und Phasenspannung uU des symmetrischen Verbrauchers


13.1 Schaltungen in Zweipunkttechnik (2-level-inverter) 225

1 2 3 4 5 6 1 2 3

+1
sU

¶1 ¯t

+1
sV

¶1 ¯t
ˀ
+1
3
sW

¶1 ¯t

uUV uUV
uU
uU Ud 2
U
3 3 d

¯t
Ud

Ud
6 ¯t
uK0

Abbildung 13-15 Schaltfunktionen und Spannungen uUV, uU, uK0 des 3-phasigen Wechselrichters mit
symmetrischer Last und Grundfrequenztaktung

2 ʎ3 2
uʒ UV,1 U dŏ = U dŏ1,10 uʒ U,1 = U dŏ = U dŏ0,636
ˀ ˀ

uʒ UV,1 2 ʎ3
Modulationsgrad: M UV = = 1,10 (13-30)
Ud ˀ

ˀ uʒ UV,1
Aussteuerung: A = ŏ = 1 (13-31)
2 ʎ3 Ud
226 13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR

13.1.7.2 Der Zwischenkreisstrom


Der Zwischenkreisstrom id ermittelt sich bei freiem Verbrauchersternpunkt mit Hilfe der
Schaltfunktionen sU, sV und sW zu:
s Uʅ1 s Vʅ1 s Wʅ 1
id iU ʅ iV ʅ iW (13-32)
2 2 2

Da die Summe der drei Phasenströme bei freiem Sternpunkt stets Null sein muss, kann man für
id vereinfacht schreiben:

1
id ŏ ʛ s U i U ʅ s V iV ʅ s W i W ʜ (13-33)
2

Mit drei sinusförmigen symmetrischen Leiterströme iU, iV und iW erhält man die in Abb. 13-17
dargestellten, abschnittsweise sinusförmigen Verläufe des Zwischenkreisstromes id. Die
Kurvenform ist durch die Phasenverschiebung zwischen Phasenspannung und -Strom
bestimmt. Die Schalterstellungen in den 3 Wechselrichterschaltungen sind den drei markierten
Stromkuppen zugeordnet. In diesem Beispiel ist wegen der konstant angenommenen
Amplitude îd die Grundschwingungs-Scheinleistung konstant.

1 2 3 1 2 3
îd iV îd iV

Ȧt Ȧt

iU iW iU iW

2 uUK uUK
U
3 d
Ȧt Ȧt

1 2 3
id= id id= id id= id
iU iU iU
id~ sU id~ sU id~ sU
iV iV iV
ud sV sV sV
Cd iW Cd iW Cd iW
sW sW sW

Abbildung 13-16 Zur Entwicklung des Zwischenkreisstromes (Wechselrichtereinfluss)


13.1 Schaltungen in Zweipunkttechnik (2-level-inverter) 227

Für eine konstante Wirkleistung wird in Abb. 13-17 die Stromamplitude dem unter-
schiedlichen Phasenwinkel ˍ der Last angepasst. Der Verlauf des Zwischenkreisstromes id
wird in diesem Fall abschnittsweise mit Gl. (13-34) beschrieben.

ˀ 2ˀ ʒi sin ʛˈt ʅ ˍʜ
Für ʆ ˈt ʆ gilt: id d (13-34)
3 3 cos ˍ

id

d id
ij = 0°
1
ij = 15°

ij = 30°
0.5
ˀ sin ʛˈ t ʅ ˍ ʜ
3 cos ʛˍʜ

0
0 ˀ3 2ˀ  3 ˈt

Abbildung 13-17 Zwischenkreisstrom bei konstanter Wirkleistung und unterschiedlichen cos ˍ

Der Zwischenkreisstrom id in Abb. 13-17 ist eine Mischgröße. Zieht man von id den
Gleichanteil id= ab, so bleibt der Wechselanteil id~. Dieser Wechselanteil beschreibt die
Strombelastung des Zwischenkreiskondensators Cd durch den Wechselrichter (siehe auch
Kapitel 16.7.4).
À Der Wechselanteil von id wird durch den Zwischenkreiskondensator Cd aufgenommen. Die
Strombelastung steigt mit abnehmendem cos ij der Last.
À Der Zwischenkreiskondensator deckt den Blindleistungsbedarf der Last (siehe Kap. 16).
Für den Fall bekannter Motordaten (Wellenleistung Pmech, Wirkungsgrad Ș, Nennspannung
UL, Leistungsfaktor cos ij) folgt für die Amplitude des Zwischenkreisstromes:

ʎ 2ŏP mech
Aus: P mech ʎ 3 U L I Lʷ cosˍ folgt: ʒi (13-35)
d
ʎ 3ŏU L ŏʷŏ cosˍ
Umgekehrt kann bei bekannten Halbleiter-Bauelementen des Wechselrichters die maximal
mögliche Nennspannung und der Nennstrom eines Motors für maximale Leistung ermittelt
werden. Die Stromwelligkeit ist abhängig vom Modulationsverfahren und muss hierbei separat
ermittelt werden.
Den vollständigen Aufbau des Leistungsteils eines UWR in IGBT-Technologie zeigt Abb.
13-18. Darin ist neben dem geteilten Zwischenkreiskondensator Cd auch ein Brems-Chopper
dargestellt. Dieser ist bei aktiver Last erforderlich, wenn über die Zwischenkreis-Einspeisung
eine Energierückspeisung nicht möglich ist. Durch Ansteuerung des Brems-Choppers wird z.
228 13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR

B. im Bremsbetrieb die vom UWR in den Zwischenkreis zurückgespeiste elektrische Energie


in Wärme umgewandelt, wodurch ein unzulässiger Anstieg der Zwischenkreisspannung Ud
verhindert wird. Der Bremswiderstand muss für die mögliche Bremsleistung bemessen sein
und wird im Allgemeinen über einen separaten Lüfter (Bremslüfter) gekühlt.

Saugkreis Brems-Chopper Phasenbaustein Abbildung 13-18


3-phasiger UWR
C mit vollständigem
Cd Zwischenkreis
RB
optional

LS
UWR
CS
Cd
D
Zwischenkreis U V W

Zwischenkreiskondensator Cd, Brems-Chopper mit Brems-Widerstand RB , Saugkreis (LS, CS)

Bei einphasiger Einspeisung insbesondere bei Pulsgleichrichtern wird eine Wechselstrom-


komponente 2-facher Netzfrequenz im Zwischenkreisstrom id eingeprägt. Um diesen Wechsel-
strom vom Zwischenkreiskondensator fern zu halten (Probleme: Strombelastung von Cd und
Spannungswelligkeit ud) kann im Zwischenkreis ein Saugkreisfilter (LS, CS), abgestimmt auf
die 2-fache Netzfrequenz, vorgesehen werden.

Für die Erfassung des Zwischenkreisstromes id kommen (je nach Leistung) potenzialfreie
Messwandler (Hall-Wandler) oder ein Shunt-Widerstand (RS) zur Anwendung. Für den Shunt-
Einsatz zeigt Abb. 13-19 zwei typische Einsatzfälle. Bei Abb. 13-19a ist der Schaltzustand des
Wechselrichters zu berücksichtigen (siehe Abb. 13-16). Problematisch ist die Beherrschung
der sehr großen Spannungssteilheiten und die Störbeeinflussung des Messsignals durch Schalt-
vorgänge im Wechselrichter. Eine Verbesserung stellt eine zum Schalten zeitlich versetzte
Erfassung (Abtastung) oder eine Filterung der Messgröße (Tiefpass) dar.

a) b)
U U
V V
W W

RS RS RS RS

iU_T4 iV_T6 iW_T2 id-

Abbildung 13-19 Shunt-Messung des Zwischenkreisstromes


13.1 Schaltungen in Zweipunkttechnik (2-level-inverter) 229

Werden in Gl. (13-33) an Stelle der Schaltfunktionen sinusförmige Modulationsfunktionen


(mU, mV, mW) eingesetzt, so erhält man mit Gl. (13-36) den zeitkontinuierlichen Verlauf des
Zwischenkreisstromes id. Der Einfluss der schaltenden Arbeitsweise des Wechselrichters auf
den Verlauf des Zwischenkreisstromes ist dadurch ausgeblendet, und es entsteht eine Grund-
schwingungsbetrachtung des 3-phasigen Wechselrichters. Bei symmetrischer Last wird der
Zwischenkreisstrom id zu einem reinen Gleichstrom (Abb. 13-20, id-100). Es tritt keine Leis-
tungspulsation im Zwischenkreis auf.

1
id = ʛ mU i Uʅ mV iVʅ mW iW ʜ (13-36)
2

Die Annahme einer unsymmetrischen Belastung (wie es z. B. bei einer unterbrechungsfreien


Stromversorgung (USV) mit einphasigen Verbrauchern häufig auftritt) führt auch bei der
Grundschwingungsbetrachtung zu einer Leistungspulsation mit 2-facher Ausgangsfrequenz im
Zwischenkreis. Daraus resultiert bei endlicher Zwischenkreiskapazität eine Welligkeit der
Zwischenkreisspannung Ud. Abb. 13-20 zeigt den Verlauf des Zwischenkreisstromes id und
der Phasenströme für ein symmetrisches und für ein unsymmetrisches Drehstromsystem
(Unsymmetrie durch Absenkung von iU auf 90 %). Im unsymmetrischen Fall ist der Mittelwert
von id (hier: Id-90) entsprechend vermindert. Im symmetrischen Fall ist der Zeitverlauf von id
gleich dem Mittelwert (id-100).

id-100
i
iV iW Id-90
iU iU = 90 % iU = 100 %

Ȧt

Abbildung 13-20 Auswirkung unsymmetrischer Phasenströme auf den Zwischenkreisstrom id in


zeitkontinuierlicher Darstellung (iU ist um 10 % reduziert)

Anmerkung:
Eine Welligkeit der Zwischenkreisspannung ud hat eine Amplitudenbeeinflussung der Aus-
gangsspannung zur Folge. Hierdurch kann es zu Unsymmetrien im Drehspannungssystem
sowie zu Gleichanteilen kommen. Zwar lassen sich diese Auswirkungen regelungstechnisch
begrenzen, im Hinblick auf die Netzrückwirkungen wirkt sich eine Spannungswelligkeit
immer ungünstig aus.
230 13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR

13.2 Schaltungen in Dreipunkttechnik (3-level-inverter)


Eine Schaltung mit drei Spannungsstufen kann die Mittelpunktspannungen feiner einstellen.
Die Grundschaltung eines dreistufigen Stromrichters besteht aus einem Brückenzweig nach
Abb. 13-21a. Dieser Brückenzweig enthält 4 rückwärts leitende Schalter. Die Schalter können
so betätigt werden, dass nie mehr als die halbe Zwischenkreisspannung Ud an einen Element
auftritt. Der gleichspannungsseitige Mittelpunkt ist über Dioden (Dʅ und Dė) mit der Aus-
gangsklemme U verbunden.
a)
b)

id-

SU++

Ud
C+ D+
2
id+
Ud
SU+ 2 C+
SU +1
id- iU id0 iU
U U
0
-1

Ud C¶
SU-
2 uU0

C– id¶
Ud uU0
2 D-
0
SU--
Schaltermodell eines 3punkt-
Brückemzweiges

id-
0
Abbildung 13-21 Brückenzweig in Dreipunkttechnik und Ersatzschaltung
Die erlaubten Schaltfunktionen sind in nachfolgender Tabelle aufgeführt.

sU++ sU+ sU- sU-- uU0 sU

1 1 0 0 +Ud/2 1
0 1 1 0 0 0
0 0 1 1 í Ud/2 í1
13.2 Schaltungen in Dreipunkttechnik (3-level-inverter) 231

Die Schaltzustände lassen sich durch einen Umschalter nach Abb. 13-21b darstellen. Der Um-
schalter SU hat drei Stellungen. Entsprechend kann die Schaltfunktion sU die Werte +1, 0 und
-1 annehmen. Für die Ausgangsspannung uU0 bedeutet dies ein zusätzliches Spannungsniveau.
Der Zwischenkreisstrom id+ und id- unterscheidet sich durch den angeschlossenen Nullpunkt
von den Werten der Zweipunktschaltung.
Ud
u U0 sU (13-37)
2

sUʅ1 2
s Uė1
i d+ sU ŏiU id0 ʛ 1ė s U ʜ i U id- sU ŏiU (13-38)
2 2

Bei der zeitkontinuierlichen Beschreibung der Ausgangsspannung uU0 entsprechen die Modu-
lationsfunktionen der Dreipunktschaltung denen der Zweipunktschaltung, da sich die kurzzei-
tigen Mittelwerte wieder entsprechen. Die Kurvenform lässt sich wegen der zusätzlichen
Schaltstufe jedoch besser an die Sollwertkurve angleichen.
Bei der Herleitung eines Brückenzweiges, wie er in Abb. 13-21 dargestellt ist, geht man von
der Schaltung nach Abb. 13-22a aus. Der Schalter V10 ermöglicht die Verbindung mit dem
Spannungsnullpunkt. Die Umsetzung dieser Schaltung mit abschaltbaren Ventilen zeigt Abb.
13-22b. Ein Schalter, in diesem Fall V1, ist jeweils durch zwei Ventile V11 und V12 nachge-
bildet. Der Verbindungspunkt P beider Ventile in Abb. 13-22b ist über die Diode D10 mit dem
Spannungsnullpunkt verbunden. Die Spannungsbelastung der Ventile ist bei dieser Schaltung
daher auf eine Kondensatorspannung (Ud/2) festgelegt

b)
V11 D11
Ud C+ P
a)
C+ 2
Ud
V1 V12 D12
2
D10

V10 D40
Ud
V4 V42 D42
2 uU0 C–
C– Ud
2
uU0
V41 D41

Die vereinfachend dargestellten Schalter haben


praktisch eine Ventilwirkung und müssen für
Dreipunktschaltung, Prinzip.
Blindströme durch geeignete Dioden ergänzt
werden. Dadurch entsteht das Schaltbild b).
Abbildung 13-22 Herleitung der Dreipunktschaltung mit Ventilreihenschaltung
232 13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR

Schaltzustände:
Spannung uU0 durch Phasen-
Spannung uU0 durch Schalterstellung bestimmt
verschiebung bestimmt

V11 V11 D11


Ud Ud Ud V11
2 2 2
V12 V12 D12
D10 D10 D10 V12

D40 D40 D40


V42 V42 V42
Ud Ud Ud
2 2 2 uU0
V41
uU0 V41
uU0
V41

1 2 3

V11 V11
Ud Ud Ud V11
2 2 2

V12 V12 V12


D10 D10 D10

D40 D40 D40


V42 D42
V42 V42
Ud
Ud Ud
2 2
2 uU0
V41
uU0 V41
uU0 V41 D41

4 5 6

Die Schalter V11, V12 sowie V41 und V42 symbolisieren jeweils ein Halbleiterventil und las-
sen daher nur eine Stromrichtung (hier von oben nach unten gerichtet) zu. Die Spannungsbe-
lastung der Ventile ist durch die Spannung eines Eingangskondensators festgelegt. Tritt
zwischen den Ausgangsgrößen u und i eine induktive Phasenverschiebung auf, so sind daher
parallel zu den Schaltern Freilaufdioden vorzusehen. In Schaltung 3 und 6 sind für beide
Stromrichtungen Freilaufdioden vorgesehen (vollständige Schaltung nach Abb. 13-21).
ȩ uU0 = 0 bei Schalterstellung 2 kann bei einer durch die induktive Phasenverschiebung vor-
gegebenen Stromrichtung (3) nur durch Schalterstellung 5 erreicht werden!
13.2 Schaltungen in Dreipunkttechnik (3-level-inverter) 233

13.2.1 1-phasige Brückenschaltung


Mit 2 Brückenzweigen kann die Brückenschaltung nach Abb. 13-23 aufgebaut werden. Ab-
hängig von den Schaltfunktionen sU und sV treten insgesamt 9 verschiedene Schaltzustände
auf. Diese sind mit den entsprechenden Ausgangsspannungen in Tab. 13.7 aufgelistet.
Tabelle 13.7 Schaltzustände der
id+ Brückenschaltung
Ud
+1 u UV
2 C+ 0 iU U sU sV
Ud
SU
+1 uUV
-1 iV 1 1 1 0
id0 0
SV 2 1 0 1/2
Ud V
-1 3 1 í1 1
2 C–
id– 4 0 1 í1/2
5 0 0 0
6 0 í1 1/2
Abbildung 13-23 Ersatzschaltbild der 1-phasigen
Brückenschaltung in Dreipunkttechnik 7 í1 1 í1
8 í1 0 í1/2
Die Ausgangsspannung uUV berechnet sich durch Gl.
(13-39), den entsprechenden Zeitverlauf zeigt Abb. 9 í1 í1 0
13-24. Die Zwischenkreisströme id+, idí und id0 be-
rechnen sich mit Gl. (13-40).
Ud
u UV = ʛs U ė s V ʜ (13-39)
2

s Uʅ1 s Vʅ1 2 2
id+ ʛ sU ės V ʜŏiU id0 ʛ s Vė sU ʜŏi U
2 2
(13-40)
s Uė1 s Vė1
id- ʛ sU ė sV ʜŏi U
2 2

uUV Abbildung 13-24


Ud Ausgangsspannung
uUV
Ud
2

t
Ud
ė
2
-Ud
234 13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR

13.2.2 3-phasige Brückenschaltung


Mit 3 Brückenzweigen erhält man die 3-phasige Brückenschaltung nach Abb. 13-25. Diese
Schaltung erlaubt 27 unterschiedliche Schaltzustände. Bei einigen Schaltzuständen erhält man
jedoch dieselbe Ausgangsspannung, so dass für den Verlauf der Ausgangsspannung uUV in
Abb.13-26 insgesamt 14 Schaltzustände ausreichen.

id+

Ud +1
0 iU U uU
2 C+
SU +1
id0 -1 iV
0 V uV

SV +1
-1
0 iW W uW
C–
Ud SW
-1
2 uU0 uV0 uW0
id-

uK0

0 K

Abbildung 13-25 Ersatzschaltbild der 3-phasigen Dreistufenschaltung

Die Ausgangsgrößen berechnen sich analog zu Gl. (13-12) bis Gl. (13-25):
Ud Ud Ud
u U0 = s Uŏ u V0 = s Vŏ u W0 = s Wŏ (13-41)
2 2 2

Ud
u UV = ʛ sU ė sV ʜ (13-42)
2

sUʅ1 s Vʅ1 s Wʅ1


i d+ sU ŏiU ʅ sV ŏiVʅ s W ŏiV (13-43)
2 2 2

2 2 2
i d0 = ės U iUė sV iVė s W iW (13-44)

In Abb. 13-26 sind als Beispiel die Schaltfunktionen und die Leiterspannung uUV mit der
Phasenspannung uU dargestellt. Der Vergleich mit den Größen der Zweipunktschaltung in
Abb. 13-26 zeigt die zusätzlichen Schaltstufen. Durch diese zusätzlichen Schaltstufen kann die
Spannungskurvenform mit der Dreipunktschaltung feiner eingestellt werden. Dieser Vorteil ist
jedoch mit einem erhöhten Aufwand verbunden. Wegen des vergleichsweise hohen
Aufwandes wird die Dreipunkttechnik überwiegend in Schaltungen für höchste Leistungen
eingesetzt. In diesen Schaltungen kann mit einer Zwischenkreisspannung Ud gearbeitet
werden, die dem zweifachen Wert der Zweipunktschaltung entspricht.
13.2 Schaltungen in Dreipunkttechnik (3-level-inverter) 235

14 1 9 2 10 3 11 4 12 5 13 6 14 1 9 Zustand
sU
+1
0
ˈt
-1
sV ˀ
+1
0
ˈt
-1
sW
+1
0
-1 ˈt

uUV

ûUV,1
ûU,1
uU

Ud Ud 2
U ˈt
2 3 3 d
Ud

Abbildung 13-26 Schaltfunktionen und Ausgangsspannungen der Dreipunktschaltung

Ein Vorteil der Dreipunkttechnik ist die im Vergleich zur Zweipunkttechnik bei gleicher Zwi-
schenkreisspannung halbierte Spannungssteilheit. Diese Eigenschaft führt auch zu einem
verbesserten elektromagnetischen Verhalten. Folgende Tabelle zeigt den Aufwand sowie die
Spannungsbelastung der Ventile für eine vergleichbare Zwei- und Dreipunktschaltung:

Zweipunktschaltung Dreipunktschaltung
Dioden 6 18
Transistoren 6 12
Kondensatoren 1 bzw. 2 2
Spannungsbelastung 100 % 50 %

Über die Schaltfunktionen kann bei der Blocktaktung nach Abb. 13-26 die Ausgangsspannung
gesteuert werden. Abb. 13-27 zeigt den Einfluss des Steuerwinkels ʲ auf uUV.
236 13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR

uUV

Ud ˜ 0

¯t
ˀ
ʲ
6
uUV

Ud
2
¯t

ˀ
uUV ʲ
3

¯t

ˀ
uUV ʲ
2

¯t


ʲ
uUV 3
Ud
2
¯t

Abbildung 13-27 Leiterspannung uUV bei unterschiedlichen Steuerwinkeln


13.3 Multi-level-Schaltungen 237

13.3 Multi-level-Schaltungen
Zusätzliche Spannungsebenen lassen sich durch die Kombination von Teilspannungen
erzielen. Die Teilspannungen werden durch kapazitive Spannungsteiler bereitgestellt und sind
von der Einschaltdauer der Ventile bestimmt. Den Aufbau eines Phasenbausteins in Multi-
level-Technologie zeigt Abb. 13-28. Für den Anwender ergeben sich folgende Vorteile:
À Die Spannungskurvenform kann feiner an die Sinusform angenähert werden, wodurch ein
eventueller Filteraufwand verringert wird.
À Die Leistung des Wechselrichters wird erhöht ohne die Ventilspannung zu vergrößern.
À Die Spannungssteilheit ist durch die stufenweise Spannungsumschaltung reduziert.

Abbildung 13-28
C
SU3+ Typischer Aufbau eines Brückenzweiges in
Multi-level-Technologie
SU2+ À Die Kondensatoren sind unterschiedlich
aufgeladen. Die Kondensatorspannungen
SU1+ werden im Betrieb aktiv durch die Schalt-
muster aufrechterhalten.
2 1
Ud U dŏ U dŏ U
3 3

SU1–

uU0
SU2–

SU3–
D
0

Die 6 Schalter einer Phase lassen sich so konfigurieren, das sich am Ausgang vier unter-
schiedliche Spannungen einstellen lassen. Die möglichen Schalterstellungen zeigt Abb. 13-29
mit den Schaltzuständen 1-6.
Tabelle 13.8 Schaltzustände und Spannungen eines Multi-level-Brückenzweigs
2 1
uU0 = Ud U dŏ U dŏ 0
3 3
Abb.13-29/ʍ 1 2 3 4 5 6
S1+ 1 0 0 1 0 0
S2+ 1 1 0 0 1 0
S3+ 1 1 1 0 0 0
S1- 0 1 1 0 1 1
S2- 0 0 1 1 0 1
S3- 0 0 0 1 1 1
238 13 Die Wirkungsweise selbstgeführter UWR

1 2 3

SU3+ SU3+ SU3+

SU2+ SU2+ SU2+

SU1+ SU1+ SU1+


uC2
uC1
Ud U Ud U Ud
U
C3 C2 C1 C3 C2 C1 C3 C2 C1
SU1– SU1– SU1–

SU2– uU0 SU2– uU0 SU2– uU0

SU3– SU3– SU3–


0 0 0

uU0 = Ud uU0 = Ud í uC1 = 2/3 Ud uU0 = Ud í uC2 = 1/3 Ud

4 5 6

SU3+ SU3+ SU3+

SU2+ SU2+ SU2+

SU1+ SU1+ SU1+


uC2 uC1
uC1
Ud Ud Ud U
U U
C3 C2 C1 C3 C2 C1 C3 C2 C1
SU1– SU1– SU1–

SU2– uU0 SU2– uU0 SU2– uU0

SU3– SU3– SU3–

0 0
0

uU0 = uC2 = 1/3 Ud uU0 = uC2 í uC1 = 1/3 Ud uU0 = 0

Abbildung 13-29 Schaltzustände des Multi-level-Inverters

Die Zustände nach 3, 4, 5 liefern alle die gleiche Ausgangsspannung. Die Kondensatoren C1
und C2 sind hierbei aber abwechselnd in unterschiedlicher Funktion (laden, entladen, offen),
so dass sich diese Schaltzustände zum Ausgleichen der Kondensatorspannungen ausnutzen
lassen.