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Ingo Heinemann

DIE SCIENTOLOGY-SEKTE UND IHRE


TARNORGANISATIONEN
Vorwort I für Scientology-Anhänger
»Die Scientology-Kirche ist in Wahrheit nicht der Welt größte Organisation für seelische
Gesundheit, sondern der Welt größte Organisation aus unqualifizierten Leuten. Ihre Praxis ist
eine ernste Bedrohung der Gesellschaft, medizinisch, moralisch und sozial. Ihre Anhänger
sind bedauernswerte Verführte und vielfach seelisch krank«

Dieses Zitat stammt aus einem australischen parlamentarischen Untersuchungsbericht. Die


Scientology-Sekte wollte der ABI die Verbreitung dieses Zitates verbieten lassen. Das
Landgericht Stuttgart wertet es als Meinungsäußerung (17 0 321/ 75). Die Sekte legte
Beschwerde beim Oberlandesgericht ein und zog diese später wieder zurück.

Die Verfasser dieser Broschüre teilen diese Meinung, und der Inhalt dieser Broschüre wird
zeigen, warum.

Für diese Broschüre konnte nur ein Bruchteil des vorhandenen Materials verarbeitet werden
und wir haben keineswegs die besonders krassen Fälle herausgesucht. Da Scientology-
Anhänger die Broschüre wohl kaum zu Ende lesen werden, sei es schon hier gesagt: Das
Grundrecht der Religionsfreiheit verleiht nicht das Recht, ständig andere Grundrechte und
Gesetze zu verletzen. Das Grundrecht der Religionsfreiheit beinhaltet das Recht, sich kritisch
mit einer Gruppe auseinanderzusetzen, die sich Kirche nennt und die deren Privilegien in
Anspruch nimmt.

Und hier noch ein Versprechen: die ABI befaßt sich nur so lange mit der Scientology-Sekte,
bis diese sich an die in Deutschland geltenden Gesetze hält.

Vorwort II für sonstige Leser


Die ABI befaßt sich mit Verbraucherschutz in Bildungsfragen. Somit mit allen Firmen und
Organisationen, die Unterricht, Kurse, Bücher und Zeitschriften verkaufen. Dazu gehört die
Verbraucheraufklärung: die Information des Interessenten über Preise, Inhalte und
Vertragsgestaltung. Und dazu gehört die Überprüfung der Werbung. Seit 1965 sind
Verbraucherorganisationen berechtigt, gegen Verstöße gegen das Gesetz gegen den
unlauteren Wettbewerb (UWG) vorzugehen. Das UWG ist sozusagen das Grundgesetz der
sozialen Marktwirtschaft: es soll den Leistungswettbewerb sichern. Der Käufer soll ein
Angebot annehmen, eine Ware kaufen, weil ihn das Angebot überzeugt, weil ihm die Ware
gefällt. Nicht aber um weiteren Belästigungen zu entgehen. Deshalb verstößt das Ansprechen
von Straßenpassanten gegen das UWG, wenn damit die Absicht verbunden ist, etwas zu
verkaufen. Nach der Terminologie des UWG ist diese Handlung sittenwidrig. Die ABI war
vor 1975 gegen zahlreiche solcher Wettbewerbsverstöße vorgegangen, vorwiegend gegen
Buchclubs.

Nachdem die Scientology-Buchverkäufer auf Stuttgarts Straßen auftauchten, war ein


Vorgehen dagegen eine Routinesache. Die Sekte hätte wie sonst üblich -eine
Unterlassungserklärung abgeben und die Straßenwerbung einstellen können und die Sache
wäre erledigt gewesen. Die Sekte gab keine Erklärung ab, also kam die Sache routinemäßig
vor die 17. Kammer des Landgerichts Stuttgart. Diese erließ eine Einstweilige Verfügung:
Straßenwerbung verboten (17 0 285/75).

Die Scientologen wehrten sich auf ihre Art: sie veranstalteten zwei Straßendemonstrationen.
An der ersten nahmen ca. 15 Demonstranten und ein »Geistlicher« teil, derselbe, der später
einen jungen Stuttgarter zu einem Kredithai brachte, wo der einen Kredit von 10.000.- DM
gegen 30 % Zinsen aufnahm, um Scientologen-Kurse zu bezahlen. An der zweiten
Demonstration nahmen dann ca. 50 Personen teil, auch zwei »Geistliche«. Die Scientologen
können für sich in Anspruch nehmen, die ersten Straßendemonstrationen gegen eine
Verbraucherorganisation durchgeführt zu haben.

Bei dieser Demonstration, die durch die Stuttgarter Innenstadt führte und in der Alten
Poststraße endete, wurde zahlreiche Transparente mitgeführt: »ABI gegen Religionsfreiheit«
konnte man dort lesen und »ABI = Aktion Falschinformation« und ähnliche Nettigkeiten
mehr.

Photos dieser Demonstration erschienen in der Tagespresse. Die Wirkung hatten die
Scientologen wohl nicht einkalkuliert: auf Grund dieser Photos gingen bei der ABI sofort
Beschwerden über die Sekte ein. Erst jetzt wurde klar, welches Ausmaß die Tätigkeit dieser
Organisation bereits angenommen hatte.

Vorwort III über diese Broschüre


Diese Broschüre soll nichts ersetzen, was bisher über Scientology geschrieben wurde. Auch
nicht die ABI-Infos, die weiter verfügbar sind. Diese Broschüre bringt zahlreiche
Informationen, die in Deutschland bisher nicht veröffentlicht worden sind. Das gilt für
Gerichtsurteile aus Frankreich, England und den USA: letzteres besonders. Das Strafurteil
gegen die Sektenbosse wurde bis Mitte November - als diese Zeilen geschrieben wurden - in
der deutschen Presse mit keinem Wort erwähnt. Die Sprache hat in dieser Broschüre
zweifellos unter der Aktualität gelitten. Dies zum Vorteil der Sekte: es blieb keine Zeit für
geschliffene Formulierungen, wie sie beispielsweise in der französischen Tageszeitung
L‘Aurore vom 15.2.78 enthalten sind. Über das Urteil gegen Hubbard:

»Ein Prophet wurde verboten . . . Von all den Magiern, Phantasten und Manipulatoren der
Sekten ist der große Meister der Kirchen der Scientology sicherlich der brillanteste und der
blühendste. Den berühmten Moon schlägt er auf dessen eigenem Gebiet. Er, der wie ein
lebendiger Gott verehrt wird, hat ein religiöses System erfunden, welches die Tüchtigkeit der
Amerikaner, die Psychoanalyse und einen Geist des totalen Gehorsams in seine
Auswirkungen haben, insbesondere dort, wo die Scientology ihre Hochburgen erbaut hat: in
England, wo sich die Mutterkirche befindet, in Dänemark, wo sich die Druckereizentren
befinden, und in den Vereinigten Staaten, wo die Bundeskriminalpolizei FBI bereits
Durchsuchungen der »Tempel« der Scientology unternommen hat«. Inzwischen ist das Urteil
gesprochen: Auszüge daraus erstmals hier in dieser Broschüre.

Der Leser mag auch einiges überzeichnet finden, übertrieben. Er mag bei der ABI anfragen:
wir haben aus Zeit und Platzmangel nicht geschrieben über Entführung auf offener Straße,
mitten in München, wenig über die Ausbeutung der Mitglieder, nichts über die Hierarchie und
auch nichts über die Strafen, die für Nichtigkeiten verhängt werden. Zahlreiche Aspekte
mußten zwangsläufig vernachlässigt werden.

Photos von der Scientology-Demonstration in Stuttgart:

1. Photo:

im Vordergrund zwei Scientologen in hochgeschlossener schwarzer Geistlichen-Kleidung, ein


ca. 10 cm großes Scientology-Kreuz (kaum zu unterscheiden vom christlichen Symbol) außen
tragend.

Etwa 10 Meter dahinter (dazwischen keine Personen) ein Transparent ca. 1,80 Meter mal 4
Meter: "Hände weg von der Religionsfreiheit" Insgesamt ca. 10 Demonstranten zu sehen.

2. Photo:

Im Vordergrund Transparent ca. 1 Meter mal 2,50 Meter: "ABI = Aktion Religionsverfolgung
ABI = Aktion Falschinformation" Insgesamt ca. 10 Demonstranten zu sehen.
1.Der Sektengründer und seine Finanzen
Der Sektengründer Ronald (»Ron«) Lafayette (»L.«) Hubbard

Die Scientology-Sekte pflegt bei jeder sich bietenden Gelegenheit Hubbards Biographie zu
verbreiten. Angeblich konnte er reiten, bevor er laufen konnte. Auch seine weitere Kindheit
verlief recht abenteuerlich, etwa so, wie sich ein Kinderbuch-Autor eine abenteuerliche
Kindheit vorstellt. Nichts davon ist bewiesen.

Erste nachweisbare Tatsache scheint zu sein, daß Hubbard an der Universität Washington
eingeschrieben war. In seiner offiziellen Star-Biographie wird behauptet, er habe an einem der
ersten Seminare über Atomare und Molekulare Phänomene teilgenommen und sei deshalb
einer der ersten Studenten der Kernphysik in den USA gewesen. Was allerdings nur stimmen
kann, wenn sich in den USA die Atomforschung außerhalb der Universitäten vollzogen hat.

Sei‘s drum, gehen wir davon aus, daß diese Information stimmt. »All about Radiation« -
»Alles über Radioaktivität« heißt ein Büchlein, erstmals 1957 herausgegeben, Copyright
Hubbard. Es wird noch heute verkauft, trotz teils mühelos erkennbar unsinnigen Inhalts. Im
Klappentext wird aus dem Studenten plötzlich »einer von Amerika‘s ersten Atomphysikern«,
was übrigens auch »einer von Amerika‘s bedeutendsten Atomphysikern« bedeuten kann:
maßlose Hochstapelei jedenfalls in beiden Bedeutungen.

Es gibt - soweit ersichtlich - nur einen Hinweis darauf, daß Hubbard seine Universitäts-
Studien mit einem regulären Abschluß beendet hat: das Frankfurter College für angewandte
Philosophie behauptet in einer 6-seitigen Hubbard-Biographie: »Mit 21 Jahren beschloß er
seine Hochschulstudien mit ,Eins‘«. Wir werden die Frankfurter nach ihrer Quelle fragen.

Später schmückte sich Hubbard mit dem Titel eines Doktors der Philosophie, verliehen von
der University of Sequoia, die sich auch als College für Heilung ohne Medikamente
bezeichnete, wohl nur aus einem Postfach bestand und Doktor-Titel per Direktversand vergab.
Es wurde die Vermutung geäußert, daß Sequoia sozusagen Hubbards eigener Laden gewesen
sei. Hubbard jedenfalls verzichtete 1966 durch eine spektakuläre Zeitungsanzeige in der
Londoner TIMES auf seinen Titel. Die Sekte benutzt ihn bei passenden Gelegenheiten weiter.

CFAP - Frankfurt verfügt auch hier über eine Sonderinformation, freilich ohne Hubbard-
Copyright: demnach hat die Universität Los Angeles ihm 1953 den Doktor der Philosophie
verliehen.

Am 2. Weltkrieg hat Hubbard - so wird wenigstens behauptet - als Corvetten-Kapitän


teilgenommen. Auch diese Angabe ist recht zweifelhaft, besonders wenn man Schilderungen
über seine ersten Reisen auf dem Sea-Org-Flagschiff liest. Dem Kapitän wurde verboten, das
Radar zu benutzen. Statt dessen wurde das E-Meter in kritischen Situationen eingesetzt, mit
dem Erfolg, daß ein Dock gerammt wurde. Der Kapitän: »Die seltsamste Fahrt meines
Lebens«.

Über Hubbards Kriegsjahre gibt es die unterschiedlichsten &Darstellungen, die sich teilweise
gegenseitig ausschließen.

Im Werbetext für »Dianetics, die Entwicklung einer Wissenschaft« heißt es:


»Durch Kriegsverletzungen gelähmt und erblindet nahm er nach dem Ende des
Krieges seine Studien und Forschungen in der Philosophie wieder auf, und mit Hilfe
seiner eigenen Entdeckungen gewann er seine Gesundheit so vollständig zurück, daß
er im Jahr 1949 wieder als voll wehrdienstfähig eingestuft wurde«

Eine andere biographische Darstellung findet sich in einem weiteren Hubbard Buch:

»Trotz einer Verwundung im Zweiten Weltkrieg arbeitete er im letzten Jahr des


Krieges im Krankenhaus und betrieb eingehende Studien, um die Dianetics aus dem
Schießpulver- und Kriegsstadium heraus auf eine Ebene des Aufbaus zu bringen«

Hier ist erstaunlicherweise mit keinem Wort von Lähmung und Blindheit die Rede.

Die Auskunft eines Sprechers des Marineministeriums überrascht also kaum: demnach ergibt
eine Überprüfung der Akte von Mr. Hubbard keinerlei Anhaltspunkte dafür, daß er im Dienste
der Marine verwundet wurde.

In anderen Scientology-Texten heißt es, er sei zweimal für tot erklärt worden und er habe ein
Jahr lang (1945) in einem Marinehospital gelegen.

Und schließlich erhielt Hubbard nach Auskunft der Veteran‘s Administrations 160. - Dollar
im Monat als Ausgleich für körperliche Schäden, die er sich während des zweiten Weltkriegs
zugezogen habe und die ihn zu 40 % arbeitsunfähig machen. Die Liste der Schäden ist
allerdings nicht sehr kriegstypisch: Geschwür am Zwölffingerdarm, Schleimbeutelentzündung
(rechte Schulter), Arthritis, Bindehautentzündung.

Sollte der clevere Werbemanager Hubbard etwa aus einer Arthritis eine Lähmung und aus
einer Bindehautentzündung Blindheit fabriziert haben? Alles spricht dafür und dann ist auch
die wundersame Heilung von Lähmung und Blindheit verständlich: Bindehautentzündung und
Arthritis lassen sich auch herkömmlich ohne Dianetic heilen.

Erwähnenswert wiederum die Frankfurter CFAP-Biographie:

» 1944 wird er als Krüppel, gelähmt und blind ins OAK Knoll Hospital der Marine
eingeliefert. Durch seine ausgedehnte Erziehung auf dem Gebiet des menschlichen
Verstandes, die er von Kommandeur Thomson . . . Freund seines Vaters und
persönlicher Student von Sigmund Freud, in seinen Jugendjahren erhalten hatte
entwickelte er Techniken, die ihm halfen, Herr über seine Verletzungen zu werden
und seine Fähigkeiten wiederzugewinnen ... 1947 war er gänzlich wieder hergestellt
und wurde als wieder völlig diensttauglich aus dem Armee-Hospital entlassen«

Nachweisbar ist an Hubbards Abenteuerer-Biographie eigentlich nur eins: er verdiente sich


seinen Lebensunterhalt als Schriftsteller. Für seine Westernstorys verwendete er das sinnige
Pseudonym Winchester Remington Colt, die Namen dreier berühmtberüchtigter
Tötungsinstrumente. Seine Hauptproduktion bestand jedoch in Science-Fiction-Storys, also
wissenschaftlich angehauchten Zukunftsmärchen. Dafür benutzte er u.a. die Pseudonyme
Rene Lafayette und Kurt von Rachen. Von der Menge her scheint seine Produktion recht
beachtlich gewesen zu sein. Mit den finanziellen Erträgen scheint Hubbard jedoch nicht so
recht zufrieden gewesen zu sein. Denn 1949 tat er vor Schriftsteller-Kollegen den
folgenschweren Ausspruch:
»Man wäre töricht, für einen Penny auch nur ein Wort zu schreiben. Wenn man
wirklich eine Million Dollar verdienen will, wäre der beste Weg, seine eigene
Religion zu gründen.«

Anschließend schrieb Hubbard »Dianetics - Die moderne Wissenschaft von der geistigen
Gesundheit« und legte damit den Grundstein für seine Copyright-Religion. In den frühen
fünfziger Jahren hatte Hubbard offenbar einen ungeheuren Produktivitätsschub, denn aus
dieser Zeit stammt der Großteil seiner Bücher und Texte zum Thema Dianetic und
Scientology. Später wurden diese Texte im wesentlichen nur noch variiert und ständig neu
zusammengestellt und noch heute erscheinen in den Scientology-Zeitschriften laufend
Beiträge, die als aktuell dargestellt werden und die in Wahrheit 25 Jahre alt sind. Für Hubbard
jedenfalls muß sich dieser Produktivitätsschub gelohnt haben: seither sollen 20 Millionen
seiner Bücher verkauft worden sein. Und die eigentliche Geldquelle wurde erst später
erschlossen: eine schier unübersehbare Zahl von Kursen. Die Amerikaner dankten ihm seine
Großtaten offenbar nicht genügend. Er ging nach England und kaufte später das in East
Grinstead gelegene ehemalige Schloß des Maharadschas von Jaipur, Saint Hill Manor.

Ausländische Scientologen überschwemmten die Gegend, vorwiegend US-Amerikaner, deren


damals hoher Dollar-Kurs billiges Leben in Europa ermöglichte

Nachdem die englische Regierung beschloß, ausländische Scientologen des Landes zu


verweisen, verließ Hubbard England fluchtartig. Jahrelang lebte er auf Schiffen, ihm zu
Diensten die Sea-Org, die berüchtigte See-Organisation. Gesehen hat ihn seither offenbar kein
Außenstehender mehr, auch nicht, als er in Clearwater, Californien an Land gegangen sein
soll.

Hubbard verurteilt:

Einen deutlichen Knick in Hubbards Biographie am 14.2.1978: an diesem Tag verurteilte ihn
die 13. Strafkammer in Paris zu 4 Jahren Gefängnis und 30.000. - Franc Geldstrafe. Hubbard
selbst nahm dieses Ereignis aus der Ferne zur Kenntnis (oder auch nicht): er hatte sich der
Justiz nicht gestellt.

Angeklagt war Hubbard nicht allein. Die Anklage und die Ladung wurden auch dem
Holländer Henry Willem Laarhuis, der Französin Jaqueline Valantin und dem in Casablanca
geborenen Franzosen Georges Andreu zugestellt. Andreu war der einzige, der sich der Justiz
stellte.

Das Urteil verrät erstaunliche Kenntnis der Scientology-Organisation. Auch einen


erstaunlichen Willen der Richter, sich mit dieser Materie zu befassen, trotz oder auch gerade
wegen der Abwesenheit des Hauptangeklagten: das Gericht hat es sich nicht leicht gemacht.

Das Gericht hat die Geschäftsbücher der Sekte durch Buchhaltungs-Sachverständige


überprüfen lassen. Diese haben u.a. festgestellt, daß 10 % der Bruttoeinnahmen an die
»Mutterkirche« nach England überwiesen werden. Nach England! Auf diese Zahlungen wird
im Zusammenhang mit Hubbards Finanzen zurückzukommen sein: in den Satzungen der
deutschen Scientology-Vereine heißt es, daß 10 % als Spende an die Mutterkirche in
Californien überwiesen werden. Wozu also der Umweg über England?

Das Gericht stellte weiter fest, daß - welche juristische Form auch jeweils gewählt wurde -
Scientology als wohlgeführte und rentable Geschäftsunternehmen aufgezogen worden waren.
Von Gemeinnützigkeit konnte keine Rede sein, auch wenn die Bilanz keine Gewinne auswies:
denn diese wurden jeweils sofort in Grundstücke und andere Anlagen gesteckt.

Das Gericht bestätigt übrigens eine Feststellung, die viele Jahre zuvor schon das US-
Bundesgericht getroffen hat:

90 % der Umsätze stammen aus dem Verkauf von Kursen. All das ist nicht strafbar.
Warum also Betrug?

Das Gericht hat sehr sorgfältig aufgezählt, was alles versprochen wurde: geschäftliche
Erfolge, Verbesserungen der beruflichen Karriere, der Gesundheit usw.

Hingegen: für das eingesetzte Geld bekamen die Teilnehmer nichts als »Hoffnung auf
utopische Ereignisse«. Wem dies zu kurz ist: das Urteil steht in Original und Übersetzung zur
Verfügung. Hier noch ein Zitat aus dem Urteil:

»Die französische Gruppe der Scientology ist ein kommerzielles Unternehmen, das sich hinter
einer falschen, irreführenden Fassade versteckt, eine Firma, die Dienstleistungen verkauft;
diese Gruppe hat mit betrügerischen Manövern Leute dazu verleitet, Dinge zu glauben, die in
Wirklichkeit nicht stimmen. «

Anschließend erließ das Gericht gegen Hubbard und Kollegen Haftbefehl. Soweit bekannt, ist
das Urteil noch nicht rechtskräftig. Aber wenn es rechtskräftig wird und wenn die
französische Regierung Auslieferungsantrag stellt: Hubbard wird sein Hauptquartier wohl
wieder auf die Meere verlegen.

Hubbards Finanzen

Für die Scientologen weltweit ein heikles Thema. Nicht ohne Grund wird Hubbard zum
selbstlosen Idealist stilisiert. Im Hintergrund stehen stets Steuerfragen. Und im Hintergrund
steht natürlich die Vermutung, Scientology sei für Hubbard lediglich ein
Erwerbsunternehmen.

Vielfach wurde und wird behauptet, Hubbard bekomme 10 % vom Brutto-Umsatz seiner
Sekte. Die Scientology-Sekte setzt sich gegen diese Behauptung wütend und ohne Rücksicht
auf Prozeßkosten zur Wehr. Den Mut für solche Prozesse können die Scientologen wohl nur
aus drohenden Steuerzahlungen oder aus der durch gezielte Desinformation verursachten -
Unkenntnis der Tatsachen beziehen. Zunächst einmal: Hubbard besitzt das Copyright für alle
schriftlichen Produkte der Scientology-Sekte, bis hin zu harmlosen Einladungs-Kärtchen.
COPYRIGHT: das bedeutet nach internationalen Gepflogenheiten eine Lizenzgebühr von 8-
10 % vom Endverkaufspreis. Wenn der Bestseller »Dianetik« also im Jahr 200 000 mal
verkauft wird, eine durchaus realistische Zahl, dann stehen Hubbard allein aus dem Verkauf
dieses Buches 800.000.- DM zu. Die Scientology-Sekte verkauft allerdings einige Dutzend
Hubbard-Bücher, dazu Tonbänder, E-Meter, und, nicht zuletzt, die Kurse. Hubbard bekommt
aber nicht nur 10% vom Buchverkauf, sondern 10% von den gesamten Brutto-Umsätzen aller
Sektenorganisationen. Die Sekte bestreitet dies und hat wegen solcher Angaben bereits
mehrfach geklagt. Der ehemalige Scientologe Kaufman (»Übermenschen unter uns«)
berichtet, daß jeder, der eine Scientology-Filiale gründen will, 10 % der Brutto-Einnahmen an
Hubbard bzw. die Scientologen-Zentrale überweisen muß. Daran dürfte sich bis heute nichts
geändert haben. Aus der Gründungssatzung des College für angewandte Philosophie,
Hamburg
Satzung § 8 »Die Kosten des Vereins werden durch die Beiträge der Kursteilnehmer,
die Mitgliedsbeiträge sowie durch Spenden getragen, von den Bruttoeinnahmen sind
10 % Lizenzen an L. Ron Hubbard abzuführen.«

Daß dies kein Einzelfall ist, zeigt die Gründungssatzung einer weiteren Scientology-Filiale;
Dianetics München Scientology College für angewandte Philosophie

Satzung § 9 Die Kosten des Vereins werden durch die Beiträge der Kursteilnehmer
und Mitglieder sowie durch Spenden getragen, von den Bruttoeinnahmen sind 10 %
Lizenzen an L. Ron Hubbard abzuführen.

Später wurden diese Satzungen dann geändert und inzwischen bezahlen die Scientology-
Organisationen

»10 % Lizenzen als Verwaltungskosten an die Mutterkirche«

so Dianetics München, oder

»10 % an die Mutterkirche ,Church of Scientology of California«

so Dianetic College Frankfurt, wortgleich Scientology Heilbronn.

Deutsche Finanzämter wird interessieren, ob Hubbard oder Mutterkirche nicht etwa ein und
dasselbe sind, denn das stünde zweifellos der Gemeinnützigkeit entgegen.

Die Antwort liegt seit dem 19.7.69 vor. Damals urteilte das der US- Bundesfinanzgerichtshof
unter der Nr.226-61 über Sektengründer Hubbards Begehren auf Steuerrückzahlung. Aus dem

Urteil des - US Bundesfinanzgerichts: »Am 29.3.1967 führte die Klägerin (die


»Mutterkirche« - Red.) ein Entschädigungssystem (als »Anteils-Zahlplan« bekannt)
ein, unter welchem Hubbard statt eines Gehalts 10 % der Bruttoeinnahmen der
Klägerin (der »Mutterkirche« - Red.) ausgezahlt bekam. Andere Scientology-
Gemeinden, Lizenzträger und Organisationen zahlten Hubbard ebenfalls einen Anteil
ihrer Bruttoeinnahmen, für gewöhnlich 10 %. Zusätzlich erhielt Hubbard Tantiemen
für seine zahlreiche Scientology-Bücher sowie Vorlesungs-Honorare und andere
nebenbei anfallende Einkünfte.«

»Während der fraglichen Jahre wurden diese anderen Prozentanteile, Honorare und
Provisionen, soweit sie in den Akten ausgewiesen sind, ganz offensichtlich Hubbard
zugänglich gemacht zum Zwecke seines persönlichen Nutzens. Eine derartige
Regelung läßt den Schluß auf die Existenz eines Konzessions-Netzes für privaten
Gewinn zu und wirft auf der anderen Seite Zweifel auf an der Korrektheit der
Zahlungen durch die Klägerin (die »Mutterkirche« -Red.) an Hubbard und an die
Mitglieder seiner Familie. Die Tatsache, daß Hubbard der Empfänger von Einkünften
der Klägerin in der Form von Tantiemen und Provisionen war, gibt gleichermaßen
Anlaß zur Annahme des persönlichen Gewinn.

In der Entscheidung ist weiter die Rede von »verschleierten und ungerechtfertigten
Verteilungen der Einkünfte«, von »nicht erklärten Beträgen« und von Zahlungen an die
Familie Hubbards: kostenloses Auto, mietfreie Wohnung, andererseits zahlte die
»Mutterkirche« Miete an Hubbards Ehefrau und Kredite an seinen Sohn und seine Tochter
Kay erhielt Gehälter: »In den Akten fehlt jeglicher Hinweis, aus dem sich eine Arbeitsleistung
der Miss Hubbard für die Klägerin herleiten ließe.«

Das Urteil weiter:

»Aus diesen Tatsachen läßt sich die Schlußfolgerung ziehen, daß die Familie Hubbard
das Recht besaß, über die Einkünfte der Körperschaft zu ihrem persönlichen Gebrauch
zu verfügen.«

Trotz dieser absolut eindeutigen Aussage eines höchsten Gerichtes der USA kämpft die
Scientology-Sekte weiterhin in zahlreichen Prozessen gegen die Behauptung, Hubbard erhalte
diese 10 %.

So zum Beispiel in einem Prozeß gegen den Heinrich Bauer-Verlag der diese Behauptung in
einem Artikel mit dem Titel »Die miesen Geschäfte der falschen Christen« weitergegeben
hatte.

Der Verlag ließ den Hauptbuchhalter der englischen Sektenzentrale vor Gericht laden. Der
bestätigte immerhin, daß Hubbard auch von dieser Organisation Geld bekommen hat, als
Gehalt bezeichnet. Immerhin rund 30.000.- DM pro Jahr. Dieser Buchhalter machte außerdem
eine bemerkenswerte Aussage:

»Es gibt eine kommerzielle Gesellschaft in Dänemark, die seine Bücher vertreibt. Diese
Gesellschaft macht auch Gewinne . . . Hubbard hatte . . . mit dieser Gesellschaft einen
normalen Schriftstellervertrag. «

Und, nach vielen Gedächtnislücken: »Tantiemen wurden bezahlt für alle Dinge, die an die
Öffentlichkeit verkauft wurden. « Das Protokoll trägt das Datum des 5.5.1977.
Oberbuchhalter Derek Field erklärt weiter: Alle diese ungefähr 60 Organisationen zahlen 10
% ihrer Einnahmen an die Mutterkirche.

Und jetzt wieder zurück in die Bundesrepublik und ein besonderer Hinweis für die
Finanzämter: vor demselben Gericht erschien auch Inez Lochridge als Zeugin, die Leiterin
des Scientology- »Finanzwesens«. Ihre wichtigste Aussage war:

»Allerdings werden 10 % Netto einnahmen des Vereins an die Mutterkirche bezahlt«.

Hier schließt sich die Beweiskette, denn in der Satzung des Sektenzentralen-Vereins fehlt
jeder Hinweis auf diese Zahlungen. In Zukunft wissen die Finanzämter: auf den Wortlaut der
Satzung ist kein Verlaß.

Schließlich wurde in diesem Gerichtstermin noch der Wirtschaftsprüfer der deutschen


Sektenzentrale gehört. Er korrigiert Ines Lockrigde, die von Netto-Beträgen gesprochen hatte:

»Es werden 10 % der Bruttoeinnahmen . . . an die Mutterkirche abgeführt.«

Hier muß noch einmal eins ganz klar gesagt werden: 10 % der Bruttoeinnahmen - also der
gesamten Einnahmen - sind ein ungeheurer Prozentsatz. Das hat bei weitem nichts mehr mit
Tantiemen oder Rendite zu tun, denn Rendite wird nur aus dem Gewinn bezahlt. 10 % aus
dem Gewinn wären schon sehr, sehr stattlich. 10 % aus dem Umsatz jedoch: das hat sich wohl
noch kein Kapitalist erträumen lassen, der als Kapital lediglich Worte und Bücher eingebracht
hat.

2.Wissenschafts-Hokus-Pokus
Reise auf der Zeitspur

Nicht der Glaube an frühere Leben ist für die Scientology-Sekte wichtig, sondern der Beweis
der Existenz früherer Leben. Denn daran hängt Hubbards Denkgebäude: der Thetan ist
früheres Leben, die »Engramme« sind Überbleibsel aus früheren Leben und ihre Beseitigung
bringt der Sekte das große Geld.

Die von Hubbard angebotenen Beweise sind läppisch. Dennoch scheinen seine Anhänger
diesen Beweisen zu glauben. Wir müssen uns damit auseinandersetzen. Den für Scientologen
wohl wichtigsten Beweis enthält das Buch »Have you lived before this life?« - »Hast du
schon vor diesem Leben gelebt?« (Eine deutsche Übersetzung existiert nicht). Untertitel des
Buches: »Ein wissenschaftlicher Bericht«. Zur Einführung heißt es über »Die Bedingungen
des Experiments«:

»Gegen Ende 1958 versammelte sich in London eine Gruppe von Scientologen um die
am weitesten fortgeschrittenste Methode der Psychotherapie zu erlernen, die jemals zu
Erfolg gebracht wurde.«

Man beachte übrigens, daß Scientology hier noch als Methode der Psychotherapie vorgestellt
wird. Der Bruch mit den Psychologen erfolgte erst später. Die Überschrift »die Bedingungen
des Experiments« ist übrigens irreführend, wie fast alles bei Scientology: in der Wissenschaft
dient die Beschreibung der Bedingungen dazu, es jederzeit wiederholen zu können. Nur die
Wiederholbarkeit unter denselben Bedingungen sichert einem Experiment Beweiskraft.
Hubbard macht hier wenigstens noch den Versuch, Wissenschaftlichkeit vorzutäuschen.
Später verzichtet er auch darauf. Zu den »Bedingungen des Experiments« gehört auch eine
Beschreibung des E-Meters, auf die noch zurückzukommen sein wird:

»Das Elektrometer ist das älteste bekannte Instrument der Psychotherapie. Es wurde
vor ca. 100 Jahren erfunden und »Die Wheatstone Brücke« genannt. Es war und ist
das wichtigste Handwerkszeug des Forschers des Seelischen. Seine modernste Version
ist ein Transistor Modell. Ältere Versionen kann man in jeder Therapeuten Praxis
finden, auch als »Haut-Galvanometer« oder »Lügendetektor« bezeichnet.

Das E-Meter, wie es in der Sprache der Psychotherapie heißt, spürt Gebiete geistiger
Belastung und Überlastung auf. Dies ist für den Polizeibeamten ebenso nützlich, wie
für den Therapeuten weil alles, was es anzeigt, die Person beunruhigt. Das E-Meter
lokalisiert die Störung dann in Zeit und Charakter. Einige Leute mit schlechtem
Gewissen haben berechtigterweise Angst vor dem E-Meter, denn wenn es durch einen
Experten bedient wird, deckt es alles und jedes auf, was diejenigen getan haben und
waren.

Wir werden auf diese Wundermaschine noch zurückkommen. Hier sei nur festgestellt, daß
kein Wort wirklich zur Wiederholung der angeblichen Experimente erforderlichen Angaben
gemacht wird. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Anpreßdruck usw.
Die in diesem Buch beschriebenen Experimente sind also nicht wiederholbar und haben
deshalb keinerlei Beweiskraft!

42 »Fälle« werden geschildert.

Fall 1 Jessie Gray: »Durch Fragen und Interpretation der E-Meter-Reaktionen« hat der
Scientologe Jessie Gray beim »Preclear« etwas entdeckt, das 651 Jahre zuvor geschah. Von
einem Affen ist die Rede und dem nackten Körper eines hübschen, weißhaarigen Mannes.
Eine Küste, ein Schiff, Zeichen im Sand und zwei helmbewehrte Soldaten machen einen
Gefangenen. Nichts fehlt, was eine Story farbig macht.

Fall 2 ist ein Kuli im China des 19. Jahrhunderts: »wenigstens halbwegs genug zu essen und
eine Wand um daran zu schlafen, das war unsere Vorstellung von Wohlstand.« Dann wird es
etwas präziser: 1874, im Mai. Fall 3 am 19. März 56 vor Christus von einem römischen
Legionär getötet. 45 Minuten lang konnte er nicht verstehen, weshalb er lebte, sein Körper
aber tot war. Drei Stunden hielt er sich neben dem toten Körper auf, fühlte die Hitze der
Sonne auf dem toten Körper und fühlte, wie der Soldat sein Schwert herauszog. Später
beschloß er, den Körper des Bruders der Frau zu benutzen, die ihn vergiftet hatte. Fall 4
geschah »vor neun galaktischen Perioden«. Ich war männlichen Geschlechts, geboren von
Weltraum-Eltern. Anscheinend habe ich zwei oder drei Mütter, die gestorben sind oder
getötet wurden ... Im Alter von 16 Jahren töte ich meinen Vater Fall 5 hatte das Ungeschick,
daß der stärkste Zeigerausschlag auf eine Zeit vor 78 Billionen Jahren deutete. Er fand sich in
einer fantastischen Raum-Fabrik, in der goldene Tiere - meistens Elefanten und Zebras -
konzentrisch am Nacken aufgehängt waren Fall 6 begann vor 1600 Jahren auf einem Planeten
der Perfektion. Er war Ingenieur und hatte diejenigen Maschinen mit Energie zu versorgen,
die dem Wohl der Bürger dienten. Eine Maschine war eine Art Gott, der Befehle gab. Fall 8
das Ereignis wurde mit dem E-Meter lokalisiert und es stellte sich heraus, daß es vor 3225
Jahren geschah. Ich war in Nordafrika in der Nähe der Küste stationiert. Ich war der Führer in
diesem Sektor der römischen Armee« usw. Es folgt eine sehr farbige Geschichte. Bemerkung:
Rom wurde erst vor ca. 2600 Jahren gegründet. Rom kann also 600 Jahre früher keine Armee
in Afrika gehabt haben. Die Punischen Kriege fanden vor ca. 2240 Jahren statt. Das E-Meter
hat sich wohl um tausend Jahre geirrt. Fall 9 hatte im Weltraum einen Zusammenstoß mit
einem riesigen Meteoriten.

Fall 10 geschah vor 55.000.000.000.000.000.000. Jahren, exakt herausgefunden mit dem


Zeiger des E-Meters. Damals hat er u.a. die atomgetriebenen Maschinen eines Raumschiffes
repariert. Fall 11 liegt erst 6254 Jahre zurück. Er war damals ca. 35 Jahre alt, Zimmermann,
verheiratet seit 12 Jahren, drei Kinder. Obwohl er immer pleite war, legte er sich eine
Mätresse zu und war deshalb erst recht pleite. Seine Mätresse verlangte viel Geld von ihm
und drohte, andernfalls seine Frau einzuweihen. Der Zimmermann wurde Verbrecher und
tötete. Aber sein Auftraggeber - vermutlich eine politische Gruppe - betrog ihn um seinen
Lohn . . usw. usw. Fall 12 begann 1790 und endete 1804. Er war Sohn französischer
Aristokraten und wurde im Alter von 3 nach England geschmuggelt. Beide Eltern starben in
Frankreich, er kehrte später zurück, fuhr auf einem Kriegsschiff zur See, hatte die Kanone zu
bedienen und starb an einem Betriebsunfall. Fall 13 hatte ebenfalls Ärger im Betrieb: vor 468
Millionen Jahren verlor er den Körper eines Roboters. Vor genau 469 476 600 Jahren war er
auf dem Mars, allerdings ohne Körper. Er hat dort große Verwüstungen angerichtet, eine
Brücke und Gebäude zerstört. (Folgt wieder einmal eine wilde Weltraum-Geschichte). Fall 15
geschah vor 1 Million 15 Tausend und 550 Jahren. Auf einem anderen Planeten. Er war
Raumpilot und hatte eine Panne. Fall 16 geschah erst vor 1500 Jahren. Zuerst sah er 4 Arme,
die aus der Erde emporragten. Vor der Kulisse des Vesuvs spielt sich ein Drama ab: der
»Preclear« erlebt den Untergang Pompejis.

Dies also sind die Beweise der Scientology-Sekte dafür, daß jeder schon früher gelebt hat.
Dieses Buch gehört noch heute zu den von Scientologen angebotenen Standardwerken.

In diesem Zusammenhang sollte vielleicht daran erinnert werden, daß Sektengründer Hubbard
vor der Sektengründung Science- fiktion-Autor war, also Schreiber wissenschaftlich
fundierter Zukunftsmärchen.

So erklärt sich auch die Zeitangabe »vor neun galaktischen Perioden« in Fall 4.
Wissenschaftler nehmen an, daß unser Universum durch den sogenannten »Urknall«
entstanden ist: durch eine riesige Explosion entstanden z.B. Erde und Sonne und seither
fliegen alle Bestandteile des Universums weiter auseinander, so lange, bis die
Anziehungskraft nicht mehr ausreicht, dann stürzt alles wieder zusammen und es kommt
erneut zu einer Explosion, mit der verglichen die Sonne eine Sparflamme ist.

Die Thetanen aber, die geistigen Wesen, die nach Hubbards Meinung in uns stecken,
überstehen all dies unbeschadet. Unbeschadet, aber nicht unverändert. Hubbard hat auch ein
Buch darüber geschrieben, was die Thetanen in dieser Zeit so getrieben haben. Titel: »A
history of man« - »Eine Geschichte der Menschheit«.

Für die Geschichte der Menschheit benötigt Hubbard nur 78 Seiten. Der erste Satz lautet:

»dies ist ein kaltblütiger und sachlicher Bericht über unsere letzten sechzig Billionen
Jahre.«

In Zahlen: 60.000.000.000.000. Jahre.

Zum Vergleich: unser Universum dürfte vor ca. 5.000.000.000 / vor 5 Milliarden Jahren
entstanden sein.

Anmerkung des Übersetzers: im Original heißt es »sixty trillion«. Im US-Englisch bedeutet


dies Billionen, im britischen Englisch jedoch Trillionen. Wir haben die US-Bedeutung
unterstellt.

In der Zwischenzeit glaubt Hubbard, einen noch wesentlich länger zurückliegenden Zeitraum
unter Kontrolle zu haben. Vgl. dazu das Kapitel über das E-Meter. Hubbard schildert
eingangs, wie er seine Probanden »whole track« ausgehorcht habe, also über die ganze Länge
der Zeitspur, über eben die 60 Billionen Jahre. Er verliert allerdings kein Wort darüber,
warum es gerade 60 Billionen sind und nicht etwa 20 oder 120.

Anfangs habe er verschiedene Instrumente benutzt, beispielsweise einen Elektro-


Encepaholographen und einen Lügendetektor der Polizei. Diese Geräte hätten sich jedoch als
für seine Zwecke unangemessen und zu beschränkt erwiesen. Dann habe Volney Mathison
sein elektronisches Genie diesem Problem zugewandt und das Elektropsychometer erfunden.

Auf die unsinnige Behauptung, das E-Meter sei leistungsfähiger als ein Lügendetektor, wird
noch eingegangen. Immerhin gibt er hier zu, daß nicht er das E-Meter erfunden hat, sondern
ein gewisser Volney Mathison. Wir haben an anderer Stelle bereits ein Zitat wiedergegeben,
in dem er sogar zugibt, daß dieses Gerät bereits über 100 Jahre alt ist.
All dies wäre uninteressant, wenn sich Hubbard nicht vom britischen Patentamt ein Patent für
das E-Meter hätte erteilen lassen (Patent Nr.943012). Ein Patent aber wird nur für eine eigene
Leistung erteilt, die noch dazu neu sein muß. Das Patent wiederum dient zur Rechtfertigung
der wucherischen Preise (vgl. Kapitel Preise): die als »Arbeitspferd« bezeichnete
Normalausführung kostet ca. 1.500.-DM, eine optisch verbesserte Ausführung ca. 2.500.-
DM.

Zurück zur »Geschichte der Menschheit«: Hubbard benutzt hier wie anderswo Theorien, die
durchaus gängigen Lehrmeinungen entsprechen: Was nach Hubbards Bearbeitung dabei
herauskommt, ist allerdings lesenswert. So spricht er von einer genetischen Linie, in der alle
Erfahrungen enthalten seien, die während der Evolution gesammelt worden seien. Durchaus
gängige Meinung, heute als DNS bekannt.

Hubbard aber verklausuliert dies derart in seinem Scientologen-Kauderwelsch, daß es einem


Außenstehenden unverständlich ist. Auch seine Ausführungen über vorgeburtliche Eindrücke
entsprechen gängiger Meinung. Seine Folgerungen aber sind kurios. Und all dies dient
schließlich nur der Einführung:

Bereits im Atom entdeckt Hubbard einen »Preclear«, einen Ungeläuterten:

»Es scheint ein ,Loch im Raum' zu geben, unmittelbar über dem Atom. Direkt hinter
diesem Loch gibt es einen Zustand der Bewegung, mit dem Preclear i m Zentrum und
bewegten Ringen, die um ihn herum kreisen.«

Hubbard schildert, wie sich der »Thetan« im Lauf der Zeit verändert hat. Zum Beispiel:

»Der Triefer« (The Weeper) Nachdem er das Meer verlassen hatte, verbrachte der GE
eine halbe Million Jahre am Strand. Luft hatte er bisher für ein Plankton gehalten und
den Strand für Meeresunkraut und verendeten Muscheln.

Und er weiß auch, was der »Thetan« - hier auch »Preclear« genannt tut, wenn er gerade nicht
in einem Körper sitzt:

»Zwischen-Leben«: Im Tode verläßt das Theta-Wesen den Körper und begibt sich auf
das Gebiet des Zwischen-Lebens. Hier »meldet er sich«, bekommt eine starke
Vergessens-Einprägung und wird dann hinuntergeschossen zu einem Körper, gerade
bevor dieser geboren wird. Wenigstens ist das die Methode, mit der die alten
Eindringlinge auf dem Gebiet der Erde arbeiteten.

Die Einprägung ist sehr interessant. Der Preclear wird vor ein Rad gesetzt, welches
eine Reihe von Bildern enthält. wenn sich das Rad dreht, verschwinden die Bilder. Er
wird hin- und herbewegt, nach rechts, nach links und nach hinten. Speziell
angeordnete Spiegel täuschen ihm vor, stets vor dem Spiegel zu sitzen. Eine Maske
schlägt ihn durch die Bilder hindurch. Die Bilder verschwinden. Der Zweck des
Ganzen ist, ihm den Eindruck zu geben, als habe er kein vergangenes Leben gehabt,
daß er nicht länger dieselbe Identität habe, daß sein Gedächtnis ausgelöscht sei.«

Das also ist das Geheimnis der Thetanen. Da ihr Gedächtnis gelöscht ist, wissen sie nichts
mehr von früheren Existenzen und ihren ungeahnten Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten
wiederum werden durch negative Einprägungen aus der Zeit dieser früheren Existenzen
blockiert. Hubbard hat mit Hilfe des E-Meters das Geheimnis der Thetanen gelüftet und mit
Hilfe desselben E-Meters behauptet er, die von ihm erfunden Engramme wieder beseitigen zu
können. Das Ergebnis: der OT, der »Operation Thetan«, also der Thetan in Aktion und das ist
nun wahrlich ein Übermensch. Den OT gibt es in verschiedenen Stufen, von I bis VIII und
die jeweils höchste Stufe erklimmt nur Hubbard. Vielleicht liegt das daran, daß es ihn nichts
kostet. Daß ein OT nicht krank wird, ist eine Selbstverständlichkeit. Umso interessanter ist die
Frage, warum niemand Hubbard zu sehen bekommt. Neuesten Gerüchten nach ist er
querschnittgelähmt. Das wäre allerdings ein herber Schlag: ein gelähmter OT, an den
Rollstuhl gefesselt und nicht einmal in der Lage, seinen eigenen Körper in Aktion zu setzen.

3.Die Scientologen-Bosse: Spione,


Einbrecher, Diebe
Früh morgens am 8.7.1977 veranstalteten 134 FBI-Agenten in den Scientology-Büros von
San Francisco und Los Angeles eine Hausdurchsuchung und beschlagnahmten zentnerweise
Papiere. Die Sekte reagierte wie üblich mit Anschuldigungen, bezeichnete die Aktion als
faschistisch und strengte eine Schadensersatzklage in Höhe von 750 Millionen Dollar an.
Manch einer brachte Verständnis für die Beschwerden der Sekte über die überfallartige
Aktion auf, zumal das FBI damals ohnehin eine schlechte Presse hatte.

Das gefundene Material wurde in einer 42 seitigen Anklageschrift zusammengefaßt, die jetzt
eine ganz besondere Bedeutung gewinnt: die Gerichtsverhandlung war nach kürzester Zeit
vorbei, da sich die Angeklagten für schuldig erklärt haben und deshalb über die einzelnen
Punkte der Anklage gar nicht mehr verhandelt werden mußte.

Angeklagt waren Mary Sue Hubbard, Ehefrau des Sektengründer und 9 weitere Sektenbosse.
Die Anklage: Verschwörung. Die Art und Weise des Vorgehens: wie man aus Agenten-
Krimis kennt. Mary Sue Hubbard war (und ist wohl noch) Chefin des Guardian-Office, des
Sicherheitsbüros der Sekte. Man weiß jetzt, daß man diesen Titel absolut ernst zu nehmen hat.

Es begann 1973: der Auftrag wurde erteilt, alle Interpol-Berichte zu beschaffen, die sich auf
Scientology oder Hubbard beziehen. 1974 wurde beschlossen, einen Agenten einzuschleusen.
Dieser wurde zunächst auf das Finanzamt angesetzt. Allerdings verließ man sich nicht auf
ihn: vorsichtshalber installierte man im Konferenzraum des Finanzamtes eine Abhöranlage.
(Im Kapitel »Sektengründers Hubbards Finanzen« wird beschrieben, weshalb man Interesse
am Finanzamt hatte).

Mit Hilfe dieser Anlage wurden verschiedene Konferenzen abgehört, bei denen es um
Scientology und Steuerfragen ging. Praktisch gleichzeitig wurde der Scientology-Agent
Gerald Bennett Wolfe als Schreibkraft ins Finanzamt (genauer: eine höhere Steuerbehörde,
die in etwa der Oberfinanzdirektion entspricht) eingeschleust. Bereits 14 Tage später wurde
Vollzug gemeldet: der Agent hatte Akten beiseite schaffen können. Damit begann ein
regelrechter Serien-Diebstahl. Agent Wolfe schlich sich in zahlreiche Büros und klaute dort
Akten.

Die Akteninhalte müssen bedrohlich gewesen sein, denn im Dezember 1975 wurde ein
»Frühwarnsystem« ins Leben gerufen, um die »persönliche Sicherheit« des Sektengründers
Hubbard zu gewährleisten. Der Auftrag: Infiltration aller Regierungsbehörden, denen die
Befugnis zusteht, Hubbard unter Strafandrohung vorzuladen oder ein Strafverfahren gegen
ihn einzuleiten. Schon 10 Tage später wurde Sharon Thomas ausgewählt: sie sollte als
Agentin in das Bundes-Justizministerium eingeschleust werden. Ende Februar 1976 gelang es
Sharon Thomas bereits, im Justizministerium eine Anstellung als Sekretärin zu bekommen.
Agent Wolfe setzte derweil seine Diebstahlserie fort. Er muß in so ziemlich allen Büros
geklaut haben.

Ausweise gefälscht

Mitte März gelang ein besonderer Coup: Agent Wolfe gelang es, Michael J. Meisner in die
Finanzbehörde einzuschleusen. In einem speziellen Raum fertigten sie für sich offizielle
Beglaubigungsschreiben dieser Finanzbehörde. Gleichzeitig begann Sharon Thomas ihre
Diebstahls-Serie im Finanzministerium und verschickte die Beute an die Scientologen-Bosse.

Im Mai wurde das Gericht besucht um die Örtlichkeiten zu besichtigen und wenig später
wurde ein Schlüssel gestohlen und kopiert. Meisner und Wolfe benutzen diesen Schlüssel
eifrig und stahlen zahlreiche Akten. Am 11.6.1976 allerdings hatten sie Pech: im Gebäude
befanden sich bereits FBI-Agenten. Offenbar war der Verlust zahlloser Akten aufgefallen.

Scientology ungebrochen: Ende 1976 beschloß man, in wichtigen Räumen des Finanzamtes
ständige Abhöreinrichtungen zu installieren, um zu hören, was man dort über die Frage beriet,
ob die Scientology-Sekte Steuern zu bezahlen hat oder nicht.

Wölfe und Meißner wurden 1976 verhaftet, Gerichtsverfahren folgten und hier haben
offenbar Scientologen das Blaue vom Himmel herunter gelogen. Denn anschließend folgten
Verfahren wegen falscher Aussagen, Meineid. Agent Wolfe wurde am 10.6.77 verurteilt und
seine Aussage war offenbar Anlaß für den Hausdurchsuchungsbefehl und dem Aufmarsch der
134 FBI-Agenten.

Aber: mit der Verurteilung Wolfes hatte es kein Ende: die Scientologen heckten eine neue
Verschwörung aus, nach deutschem Strafrecht vergleichbar der Gründung und Unterhaltung
einer kriminellen Vereinigung. Als erstes wurde Meißner versteckt gehalten. Dann wurde in
krimineller Weise versucht, alles auf Meißner und Wölfe abzuschieben.

Der Vertuschungsplan: Verräter verschwinden lassen

Hubbards Ehefrau persönlich nahm die Sache in die Hand. Ein Vertuschungsplan wurde
geschmiedet, nach dem alles so aussehen sollte, als seien ausschließlich Wolfe und Meisner
daran beteiligt gewesen. Mary Sue Hubbard erteilte Richard Weigand die Anweisung, er solle
dafür sorgen, daß alles so aussehe, als habe sich Meisner in Kanada versteckt. Tatsächlich
wurde Meisner in Los Angeles versteckt. Im April 1977 schließlich wollte sich Meisner den
Behörden stellen. Sofort wurde Anweisung erteilt, ihn falls notwendig daran zu hindern. Ein
neues Versteck wurde gesucht und Meisner unter die Bewachung von »Leibwächtern«
gestellt. Es wurden Vorkehrungen getroffen, Meisner notfalls mit Handschellen und Knebeln
an der Flucht aus dem Scientology-Versteck zu hindern.

Am 3.7.1977 schrieb des Sektengründers Ehefrau Mary Sue Hubbard einen verräterischen
Brief an Henning Heldt: sie erteilte ihm die Anweisung, »Meisner verschwinden zu lassen,
falls er zum Verräter werden sollte.«

Soweit einige Auszüge aus einem Kriminalfall, der bisher einmalig dasteht. Die angeklagten
Sektenbosse haben sich für schuldig bekannt. Über die Höhe der Strafe wird das Gericht noch
befinden. Ein paar Jahre wird des Sektengründers Ehefrau wohl hinter Gitter müssen.
Deutsche Telephone angezapft?

Wie die Beispiele zeigen, ist die Sekte auch in Deutschland nicht eben zimperlich mit ihren
Methoden.

Auch in Deutschland bedient sich die Sekte offenbar Methoden, die man sonst aus Agenten-
Krimis kennt. Ein Beispiel:

Die hochrenommierte Evangelische Akademie Tutzing (Gäste einer kürzlichen


Diskussionsrunde u.a.: Bundespräsident, Bundeskanzler, Präsident des
Bundesverfassungsgerichtes, Buch: dtv: »Die Zukunft unserer Demokratie«) bereitete seit
längerem eine Tagung zum Thema Jugendreligionen vor. Damit die Tagung nicht durch die
üblichen Scientology-Demonstrationen gestört werde, wurden die Vorgespräche telephonisch
geführt. Insbesondere wurde keine Veröffentlichung vorgenommen. Dennoch erschienen am
10.11.79 Angehörige der Scientology-Sekte in der Neuen Abtei des kleinen Ortes Heislbronn
bei Nürnberg und verlangten lautstark Einlaß. Als ihnen dies verwehrt wurde, verteilten sie
ein Flugblatt mit dem Titel: »Endlösungskonferenz«. Wie üblich enthielt es wüste
Beschimpfungen von Psychiatern. Davon abgesehen: Das Flugblatt enthielt eine Reihe von
Namen. Da aber nirgendwo eine Namensliste existierte und diese Namen nur am Telephon
genannt worden sind, kann man daraus wohl den Schluß ziehen, daß irgendwo ein Telephon
angezapft worden ist.

England liefert aus

Zwei der Sektenbosse fehlen bei dem Verfahren, Jane Kember und Morris Budlong. Beide
befanden sich in der Sektenzentrale in England. Budlong ist Amerikaner, er wird zweifellos
ausgeliefert werden. Jane Kember hingegen ist Engländerin. Die US-Regierung hat bereits die
Auslieferung beantragt. Über die Auslieferung wird derzeit noch verhandelt.

Gesetzesverstöße

Scientology ist ein internationaler Konzern, ein Multi. Solche Konzerne tun sich manchmal
schwer mit der Beachtung nationaler Gesetze. Scientology macht es sich da einfach:
zahlreiche Gesetze werden einfach ignoriert.

Denn für Scientologen sind Hubbards Führungsanweisungen Gesetz. Sie werden auch wie
Gesetze veröffentlicht, nebst erforderlichen Korrekturen und Aufhebungen. Daß Scientologen
zur Durchsetzung ihrer Ziele und bei der Verfolgung Mißliebiger zum Teil schlimme
Straftaten begehen, ist sattsam bekannt.

So wurde ein Beamter der Bundeswehr fast Opfer eines raffiniert ausgeklügelten Plans:
Dieser Beamte hatte Anträge auf Freistellung vom Wehrdienst zu bearbeiten. Darunter auch
Anträge von Scientologen, die das Geistlichen-Privileg für sich in Anspruch nehmen wollten.
Der Beamte lehnte diese Anträge ab.

Zitat aus einem Strafbefehl gegen einen Schweizer Scientologen (AZ 24 JS 3728/ 75
zugestellt per Vollzugsanstalt München-Stadelheim) und inzwischen durch Urteil bestätigt.

»Am 7.11.74 wurden an das Bayerische Innenministerium, die


Wehrbereichsverwaltung VI und an die Polizei in München gleichlautende Schreiben
versandt, in denen behauptet wurde, der bei der Wehrbereichsverwaltung VI in
München beschäftigte Regierungsrat H.W. würde seit längerer Zeit laufend Geld von
verschiedenen Leuten per Postanweisung erhalten.

Dabei seien diese Zahlungen jeweils als »Zeitzahlung« deklariert gewesen. Da


Regierungsrat W. in der Wehrbereichsverwaltung VI tätig sei, könne es sich nur um
Gegenleistungen von Wehrpflichtigen für deren rechtswidrige Freistellung vom
Wehrdienst handeln. Zum Beweis seiner Behauptungen fügte der anonyme Schreiber
seinen jeweiligen Schreiben v. 7.11.76 zwei Ablichtungen eines Mittelabschnittes und
eines Empfängerabschnittes einer Postanweisung an H.W. bei.

Der anonyme Schreiber bezeichnete sich als Bediensteter der Deutschen Bundespost
und behauptete, die rechtswidrige Handlungsweise von Regierungsrat W. im Rahmen
seiner Dienstverrichtungen entdeckt zu haben. Daher sei es ihm möglich gewesen, die
Ablichtungen anhand der Originalbelege der an W. übersandten Postanweisungen
herzustellen.

Es wurde festgestellt, daß Regierungsrat W.. durch die anonymen Schreiben


wissentlich falsch der Bestechung bezichtigt wurde. Regierungsrat W. erhielt zwar
vermutlich vom Verfasser der anonymen Schreiben v. 7.11.74 mehrmals Beträge von
200.- DM überwiesen.

Diese Überweisungen sollten als Beweismittel für die angebliche Bestechlichkeit von
Regierungsrat W. dienen. Die als Beweismittel übersandten Ablichtungen dieser
Postanweisungen stellten Fälschungen dar. Diese Fälschungen wurden mit Hilfe einer
Fotomontage hergestellt, wobei zur Herstellung teils die Einlieferungsabschnitte der
Originalbelege an W. und teils Empfängerabschnitte von Postanweisungen verwendet
wurden, die am gleichen Tage und an den gleichen Schaltern des gleichen Postamtes
an den Beschuldigten (den Schweizer Scientologen, Anm. d. Red.,) aufgegeben
wurden und auf denen nichtexistente Personen als Einzahler angegeben waren.

Der Tatbeitrag des Beschuldigten bestand darin, die am 17.10.74 an ihn überwiesenen
Beträge von jeweils 10.- DM am 18.10.74 in Empfang genommen und die
Empfängerabschnitte zur Herstellung gefälschter Beweismittel (Fotomontage) an
andere Personen weitergegeben zu haben.

Der Beschuldigte wußte, daß die auf den an ihn gerichteten Postanweisungen
genannten Einzahler nicht existent und die Beträge fingiert waren. Dem Beschuldigten
war bewußt, daß sein Tatbeitrag dazu dienen sollte, auf Regierungsrat W. den
Verdacht der Bestechung zu richten.

Regierungsrat W. hatte die an ihn überwiesenen Gelder jeweils unverzüglich an seine


Dienststelle abgeliefert.«

Der auf den Regierungsrat W. angesetzte Scientologe hatte bereits 3 Wochen in


Untersuchungshaft gesessen und wurde zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen a 20. - DM
verurteilt. Dabei wurde berücksichtigt, daß er bei der Scientology-Sekte als deren Angestellter
nur 600. - DM verdiente. Strafmildernd wurde berücksichtigt, daß der Angeklagte nur als
kleines Rädchen in einem groß angelegten Plan tätig geworden sei. Immerhin habe der
Angeklagte als einer von mehreren Tätern einen Beamten von seinem Posten abschießen
wollen, um sicherzustellen, daß künftig Anträge von Sektenangehörigen auf Befreiung vom
Wehrdienst positiv beschieden werden.
Der Plan war im übrigen wesentlich raffinierter, als es hier den Anschein haben mag. Die
Unterlagen der Post werden nach einer gewissen Zeit vernichtet und es hat erheblicher
technischer Hilfsmittel und eines sehr großen Aufwandes bedurft, um das Komplott
aufzudecken.

Dieser Fall kann nicht als untypisch angesehen werden.

4.Organisationsprinzipien:
Kirche, Sekte oder Jugendreligion?

Die Scientology-Vereine wenden sich bei jeder passenden Gelegenheit gegen die
Bezeichnung als Sekte oder Jugendreligion und reklamieren für sich den Begriff Kirche.
Dabei zitieren sie stets die Erläuterungen von Wörterbüchern zu den Begriffen Jugend und
Sekte. Sie vergessen jedoch, dieselben Wörterbücher zum Begriff der Kirche zu befragen.

Der Begriff Kirche ist nämlich unzweifelhaft christlichen Ursprungs, abgeleitet aus dem
spätgriechischen Kyrikon, Gotteshaus. Theologen können belegen, daß damit nur das »Haus
des Gottes der Christen« gemeint sein kann. Dementsprechend definieren die Wörterbücher
den Begriff Kirche auch als »christliches Gotteshaus«.

Dennoch - und dies sei klargestellt - will niemand der Scientology-Sekte verbieten, sich selbst
als Kirche zu bezeichnen. Nur: dem wissenschaftlichen Wortsinn entspricht diese
Bezeichnung nicht, denn mit einer christlichen Kirche hat die Scientology-Sekte nun wirklich
keine Ähnlichkeit.

Auch der hier verwendete Begriff der Sekte ist im wissenschaftlichen Sinne nicht korrekt
verwendet, denn als Sekten werden Abspaltungen bestehender religiöser Gruppen bezeichnet.
Niemand ist jedoch verpflichtet, die deutsche Sprache nur im Sinne der Sprachwissenschaft
zu verwenden: die Umgangssprache bedient sich des Begriffs Sekte weitaus großzügiger. Hier
steht Sekte für alle möglichen kleinen Gruppen.

Hubbard selbst behauptet übrigens, Scientology beinhalte Elemente verschiedenster


Glaubensrichtungen, so daß man sogar im wissenschaftlichen Sinne von einer Sekte sprechen
kann. Noch einmal: Kirche kann sich jede Organisation nennen. Der Begriff ist in keiner
Weise geschützt. Hubbard hat kürzlich für »Scientology« ein Warenzeichen registrieren
lassen.

Der Begriff Jugendreligionen wurde erstmals vom Evangelischen Sektenbeauftragten in


Bayern, Herrn Pfarrer Haack, verwendet, als Sammelbegriff für alle möglichen religiösen
Organisationen, die kaum Gemeinsamkeiten haben außer derjenigen, daß sich ihre
Mitgliedschaft vorwiegend aus Jugendlichen rekrutiert. Bei Scientology sind es nicht
Jugendliche im Sinne des Volljährigkeitsgesetzes. Auch hier ist die Umgangssprache weit
großzügiger: so kann man beispielsweise bis zum Alter von 35 Mitglied bei den
Jugendorganisationen der politischen Parteien sein. Auch in den Gesetzen ist der Jugendliche
nicht einheitlich definiert: das Jugendstrafrecht ist nicht nur auf alle Personen bis zum Alter
von 21 Jahren anwendbar, sondern auch auf solche, deren Entwicklungsstand dem eines
Jugendlichen entspricht. Man hätte sich seinerzeit auch wie bei Scientology üblich - eines
amerikanischen Begriffs bedienen können: dort nennt man alle diese Organisationen
destruktive Kulte.
Selbstverständlich darf die Scientology-Sekte auch behaupten, die von ihr verbreiteten
Glaubensinhalte seien eine Religion: auch für diesen Begriff hat niemand das Urheberrecht.
Eine ganz andere Frage ist, ob der Scientology-Sekte auch jene Vorteile zustehen, die den
klassischen Religionsgemeinschaften eingeräumt werden. Hierzu an anderer Stelle.

Inwieweit befaßt sich die Sekte nun tatsächlich mit Glaubensfragen? Erinnert sei noch einmal
an Hubbards denkwürdigen Ausspruch anläßlich einer Schriftsteller-Tagung 1949:

»Es wäre töricht, für einen Penny auch nur ein Wort zu schreiben. Wollte man
wirklich eine Million Dollar verdienen, so wäre der beste Weg, seine eigene Religion
zu gründen.«

Dieses Ziel hat Hubbard längst erreicht: er muß zig-facher Millionär sein. Es spricht
inzwischen sehr viel dafür, daß die Scientologen sich vorwiegend aus steuerlichen Gründen
als »Kirche« bezeichnen. So schreibt Hubbard beispielsweise:

»Es scheint, daß wir jetzt alles hinbekommen werden. Und gute Neuigkeiten! Alle
Auditoren werden Geistliche sein, und Geistliche haben an vielen Orten besondere
Privilegien, einschließlich Steuer- und Wohnungsvergünstigungen. Natürlich ist alles
eine Religion, was den menschlichen Geist behandelt. Und auch Parlamente greifen
Religionen nicht an. Aber dies ist nicht unser eigentlicher Grund - es war eine lange,
harte Aufgabe, eine gute Gesellschaftsform im Vereinigten Königreich und im
Commonwealth zu schaffen, so daß die Gewinne transferiert werden konnten.«

Hubbard hat sich in mancher Hinsicht getäuscht. Der US-Finanzhof hat Scientology nicht als
steuerbegünstigt anerkannt. Eine Reihe von Parlamenten hat Untersuchungen angestellt, so
beispielsweise das englische Parlament (»Blaubuch« oder Foster-Report), was dazu führte,
daß England nach wie vor alle ausländischen Scientologen des Landes verweist und Hubbard
die Insel fluchtartig verlassen mußte.

Glaubensinhalt:Thetan, Engramme und magische Kiste

Die Scientologen glauben an einen allwissenden, unsterblichen »Thetan«. So weit, so gut. Der
Glaube an Unsterblichkeit ist weit verbreitet. Die Scientologen glauben weiter, dieser Thetan
sei im Laufe seiner unendlichen Wanderung durch das Universum durch »Engramme«
psychisch lädiert. Auch daran kann man zweifellos glauben. Zwischen Psychologie und
Religion hat es immer Berührungspunkte gegeben.

Die Scientologen aber gehen viel weiter: sie behaupten nicht nur, all diese Dinge zu wissen
(Wissen ist bekanntlich von anderer Qualität als Glauben), sondern auch, dies beweisen zu
können. Und zwar mit Hilfe ihrer magischen Kiste, dem E-Meter. Hier nun beginnt die
Scharlatanerie, denn mit diesem Gerät läßt sich dies nicht beweisen.

Die Scientologen produzieren Unmengen von Papier. Allein die »Technischen Bulletins« und
der »Organisations-Verwaltungs-Kurs« umfassen 21 dicke Bände im Großformat. Und dann
gibt es noch das Bändchen »Der Hintergrund und die Zeremonien der Scientology-Kirche«,
ganze 70 Seiten, in zwei dicken Deckeln verpackt, nicht einmal einen Zentimeter dick. Dieses
Bändchen enthält u.a. Ausführungen über Buddhismus, Hinduismus, Plato, Aristoteles,
Thomas von Aquin und die Bibel.
Religion wird im allgemeinen definiert als der Glaube an eine überirdische Macht und deren
kultische Verehrung. Diese Definition hatten wohl auch jene englischen Richter im Auge,
welche über die Klage der englischen Sekte zu befinden hatten: die Sekte hatte dort beantragt,
daß die Kapelle der Sektenzentrale in Saint Hill Manor als »Ort des Treffens zu religiöser
Anbetung« zu registrieren. Damit wäre die Sekte quasi in den Status einer offiziellen Kirche
gehoben worden und jeder, der ihren »Gottesdienst« gestört hätte, wäre bestraft worden.

Viel verlangt das englische Gesetz von 1855 über die Registrierung der Orte der Anbetung
nicht: es müssen Gebete stattfinden. Die Sekte konnte keine nachweisen.

Der Prozeß fand vor dem Gerichtshof für Strafsachen statt, die Klage wurde abgewiesen. Der
Richter:

»Man sollte doch zum Mindesten erwarten dürfen, daß auch irgend eine Gelegenheit für eine
Verehrung vorgesehen ist, entweder in der Form gesprochener Gelöbnisse oder in stiller
Meditation. Ich kann nichts dergleichen finden. «

Die Sekte ging in Berufung, die am 6.7.1970 verhandelt wurde, dem Jahr, in dem die Sekte
begann, in Deutschland Fuß zu fassen. Man darf wohl davon ausgehen, daß die Sekte alle
verfügbaren Beweismittel vorgelegt hat. Deshalb sind die Ausführungen des Gerichts höchst
interessant:

»Religiöse Verehrung bedeutet die Ehrfurcht, die Achtung vor Gott oder vor einem
allerhöchsten ,,,lesen. Ich finde davon nichts im Glaubensbekenntnis der Kirche der
Scientology . . . Ich finde hier nichts, das seiner Natur nach einer Verehrung entspricht. «

Soweit Lord Denning. Lordrichter Winn stimmte dem zu und meinte, es erscheine ihm, als ob
die Scientologen »weitaus mehr mit der Erziehung und der Entwicklung des Thetans
beschäftigt sind, als mit Gott in irgendeiner Form und Gestalt.« In Deutschland gibt es ein
derartiges Anerkennungsverfahren nicht. Hier werden nur Einzelfälle entschieden. So der des
Scientologen Walter Fiedler, aktives Mitglied des Frankfurter College für angewandte
Philosophie. Fiedler beantragte, als Geistlicher vom Wehrdienst freigestellt zu werden. Das
Verwaltungsgericht Darmstadt gab seinem Antrag statt. Es konnte wohl nicht anders, denn
dem Gericht lag als Beweismittel wohl nur das Bändchen »Hintergründe und Zeremonien«
vor. Und dies, obwohl andere Bundeswehr-Beamte in anderen solchen Verfahren
umfangreiches Beweismaterial vorgelegt haben. Obwohl das Urteil noch keineswegs
rechtskräftig ist, haben die Scientologen es bereits erwartungsgemäß zu Werbezwecken
ausgeschlachtet.

Wir möchten in diesem Zusammenhang auf einen Grundsatz hinweisen: Wenn das religiöse
Bekenntnis allein als Mittel zur Erreichung nichtreligiöser Ziele und Zwecke dient, kann man
nicht von einer religiösen Gemeinschaft sprechen. Und das ist hier der Fall.

»Viele destruktive religiöse Gruppen wären für junge Menschen weniger gefährlich,
wenn bereits zu Anfang so etwas wie eine Gesamtdarstellung der Lehre und
Organisation gegeben würde.« (Aus: Jugendliche in destruktiven religiösen Gruppen.
Bericht der Landesregierung Rheinland-Pfalz über die so genannten neuen Jugendreligionen.)

»Vieles würde als absurd empfunden und abschreckend wirken.« (dito)


Die Scientology-Sekte wirkt in höchstem Maße absurd und abschreckend, wenn man einmal
einen Überblick gewonnen hat. Einen solchen Überblick gewinnt allerdings in aller Regel
kein Außenstehender. Das Mitglied wird schrittweise »eingeweiht«. Allerdings nur so weit,
als unbedingt erforderlich. Jedes Mitglied bekommt nur diejenigen Informationen, die ihm
gegeben werden müssen, um ihn davon zu überzeugen, daß die Buchung weiterer Kurse
notwendig ist.

Dieses Prinzip der geplanten Desinformation gilt insbesondere auch für die Mitarbeiter der
Scientology-Sekte. Was man nicht weiß, kann man nicht verplappern.

Beispiel: die Deutschland-Zentrale der Sekte bekam einen neuen Pressesprecher, Kurt
Weiland (als Nachfolger des Andreas Ostertag). Ein Pressesprecher muß natürlich darüber
Bescheid wissen, welche Gerichtsverfahren anhängig sind und waren. Was läge also näher,
als daß ihn entweder der frühere Pressesprecher informiert, oder aber sonstige Mitarbeiter.

Tatsächlich wurde Kurt Weiland vom GUARDIAN OFFICE der Englischen Sekten-Zentrale
nicht umfassend informiert. Das Guardian-Office (Wächter-Büro, Sicherheits-Büro) ist eine
Art übergeordneter Organisation, die unabhängig von den jeweiligen örtlichen Scientology-
Organisationen operiert. Das Guardian-Office scheint im Umgang mit der Presse vorwiegend
ein Sicherheitsproblem zu sehen. Folglich sind seine Informationen erheblich gefiltert und
müssen schließlich noch übersetzt werden. Der Pressesprecher kann diese Informationen nun
nach seinem Geschmack auslegen.

Wenn beispielsweise der Brief vom Guardian-Office keine Informationen über Prozesse
enthält, dann kann Scientology folglich auch keine Prozesse verloren haben.

Wenn selbst Pressesprecher Weiland nur gezielt und nicht etwa umfassend informiert wird, so
muß dies umso mehr für alle anderen Mitarbeiter und Mitglieder gelten, die kaum in die
Verlegenheit kommen, konkrete Fragen beantworten zu müssen.

»Viele destruktive religiöse Gruppen... decken ihre Karten nie ganz auf, sondern haben
Stufen der Einweihung und Erleuchtung entwickelt. Diese Stufen sind dann oft auch
Stufen des Abbaus des kritischen Denkvermögens, so daß am Schluß alles geglaubt
wird, was immer es auch sei.« (Bericht der Landesregierung Rheinland-Pfalz)

Diese zutreffende Einschätzung der Lage gilt ganz besonders für Scientology. Geködert wird
mit einem Kommunikationskurs. Derartiges wird auch von den Volkshochschulen und
zahlreichen anderen Organisationen angeboten. Die Teilnehmer glauben also, an einer völlig
normalen Veranstaltung teilzunehmen. Ungewöhnlich mag ihnen erscheinen, daß sie ihrem
Gegenüber minutenlang starr in die Augen blicken sollen. Aber das wird als unerläßlich
hingenommen.

In diesem Stadium ist den Teilnehmern häufig unbekannt, daß sie einer Sekte oder einer
Kirche beigetreten sind. Ebenso unbekannt dürfte den meisten sein, daß sie dort als Preclear
bezeichnet werden, als Nicht-Geklärte, als Unwissende. Sie wissen auch nicht, daß ihnen -
geht es nach der Sekte - ein langer und teurer Weg bevorsteht, auf dem der Clear, der
Geklärte, der Wissende, nur eine erste Stufe ist.

Zunächst fällt dem Teilnehmer das Vokabular auf. Es ist meist Amerikanisch oder dem
Amerikanischen entlehnt. Da kaum jemand fließend Amerikanisch spricht, scheint es nur
natürlich, daß man Vokabeln lernen muß.
Hier wird jetzt ein »Studierpaket« angeboten. Auch die Begründung dafür erscheint plausibel:
der »Student« soll nicht nur Vokabeln pauken, er soll vielmehr auch gleich lernen, was die
Vokabeln bedeuten. »Wortklären« nennt die Scientology-Sekte das.

Damit kein Mißverständnis entsteht: es ist sinnvoll, sich immer mal wieder der ursprünglichen
Bedeutung bestimmter Worte zu vergewissern. Aber genau hier beginnt die Manipulation:
dem Teilnehmer wird in der Regel nicht gesagt, ob das fragliche Wort zu der amerikanischen
Umgangssprache gehört oder aber ein Scientology-Kunstwort ist. Noch weniger wird gesagt,
ob die erklärte Bedeutung die übliche ist, oder aber diejenige, den Scientology dem Wort
beimißt.

Das beginnt bereits mit den Worten »Scientology« und »Dianetic« Umständlich wird erklärt,
daß die Worte aus lateinischen und griechischen Teilen zusammengesetzt sind, so wie dies
auch in Wörterbüchern bei allgemein gebräuchlichen Fremdworten üblich ist. Mit keinem
Wort wird jedoch darauf hingewiesen, daß es sich um ein Kunstwort handelt. Dieses
Kunstwort wurde nicht von Sektengründer Hubbard erfunden, denn der Deutsche A.
Nordenholz hat bereits 1934 in München ein Buch mit dem Titel »Scientologie« geschrieben.
Dieses Buch wurde auch ins Amerikanische übersetzt, wobei automatisch aus dem »ie« ein
»y« wird, aus Scientologie wird also das von Hubbard gebrauchte Scientology. Dies wäre die
eigentliche Wortgeschichte, die allerdings mit keinem Wort erwähnt wird.

Zur weiteren Erleichterung des Wortklärens wird ein eigenes Scientology-Wörterbuch


angeboten, zum Preis von ca. 100. - DM. Auch darin findet sich kaum ein verständlicher
Hinweis darauf, daß es sich um Scientology-Kunstworte handelt. Ein Scientology-Kunstwort
kann selbstverständlich weder in der Umgangssprache noch in einer Fremdsprache eine
Bedeutung haben.

Wortklären und Redefinieren von Worten

Wortklären wird der Vorgang den Teilnehmern gegenüber genannt. Intern hat jedoch der
Begriff »redefinieren von Worten« Verwendung. Es zeigt, wie Scientology mit der Bedeutung
von Worten umgeht und ist somit beispielhaft für den manipulatorischen Effekt des
Wortklärens. Deshalb hier der vollständige Text der entsprechenden Führungsanweisung des
Sektengründers Hubbard:

Hubbard-Kommunikations Büro (abgekürzt: HCO) Samt Hill Manor, East Grinsted,


Sussex HCO Politik Brief vom 5. Oktober 1971 POLITIK DURCH REDEFINITION
VON WORTEN (Anm.: Redefinition = etwa Rück- oder Gegendefinition)

Eine langfristige Technik der Propaganda, die von den Sozialisten (gleichermaßen
Kommunisten und Nazis) benutzt wurde, ist für PR-Praktiker von Bedeutung (Anm.:
PR - Öffentlichkeitsarbeit, auch Propaganda). Ich kenne keine Stelle der PR-Literatur,
in der sie erwähnt wäre. Aber die Einzelheiten zirkulierten mündlich in Kreisen der
Intelligenz und sie ist laufend in Gebrauch.

Der Trick ist - Worte sind zu redefinieren, bis sie zum Vorteil des Propagandisten
etwas anderes bedeuten.

Ein wichtiges Beispiel ist das Wort KAPITALIST. Früher bedeutete es »jemand, der
seine Einkünfte daraus bezieht, daß er anderen Geld leiht«. In der
Volkswirtschaftslehre ist das noch heute die Definition. Durch die Redefinition der
Propaganda wurde er eine Person mit Reichtum, die in Geschäfte investiert (wodurch
er zum Eigentümer wird und nicht zum Bankier), und zur Zeit ist er jemand, der
andere ausbeutet, Kriege anzettelt und Arbeiter niedertrampelt! In kurzer Zeit hat sich
die Bedeutung des Wortes gewandelt durch die Anstrengungen derjenigen, die unter
der Maske des Arbeiterfreundes danach trachten, alles im Lande in ihren Besitz zu
bringen. Totalitärer Sozialismus muß private Eigentümer ausrotten mit dem Auftrag,
das Besitztum an sich zu reißen. Somit eine intensive Konzentration auf die
Redefinition der Wörter »Kapitalist« und »Kapitalismus«.

Es gibt viele solche Bespiele. Das sind keine »natürlichen« Änderungen der Sprache.
Es sind Änderungen durch Propaganda, sorgfältig geplant und durch eine
Werbekampagne durchgeführt mit dem Auftrag, bei der öffentlichen Meinung einen
Vorteil für die Gruppe zu erlangen, welche die Propaganda durchführt.

Wird die Redefinition oft genug wiederholt, kann die öffentliche Meinung dadurch
geändert werden, daß die Bedeutung eines Wortes geändert wird.

»Psychiatrie« und »Psychiater« ist leicht redefiniert in die Bedeutung »ein anti-
sozialer Feind des Volkes«. Dadurch werden die verrückten und tötenden Psychiater
von der Liste der bevorzugten Berufe verschwinden. Dies ist ein guter Gebrauch von
dieser Technik, denn für ein Jahrhundert haben die Psychiater einen für alle Zeiten
geltenden Rekord der Unmenschlichkeit an Menschen aufgestellt.

Die Redefinition von Wörtern wird dadurch bewirkt, daß andere Gefühle und Symbole
mit ihnen verbunden werden, als diejenigen, die man erwartet.

Die Amerikanische Medizinische Gesellschaft (AMA) und die Nationale Gesellschaft


für Geistige Gesundheit in England und Süd-Afrika und die »Britische Psychologische
Gesellschaft« in Australien haben sehr hart daran gearbeitet, Scientology im
öffentlichen Bewußtsein zu redefinieren.

Aus diesem Grund sind zwei Dinge eingetreten: die Scientologen redefinieren
»Arzt«, »Psychiatrie« und »Psychologie« in die Bedeutung von »unerwünschte
anti-soziale Elemente« und sie versuchen, die gegenwärtige Bedeutung von
»Scientology« zu stabilisieren. Die AMA hat es sogar fertiggebracht, US-
Wörterbücher zu veranlassen, »Dianetics« als eine »pseudo-Wissenschaft von
Science-Fiction« zu redefinieren.

Die Nachrichten des Massenmedien werden glücklicherweise von der Öffentlichkeit


weder respektiert, noch wird auf sie eingegangen. Die Massenmedien glauben, die
öffentliche Meinung zu steuern, aber das Gegenteil kann eintreten.

»Die kapitalistische AMA versucht, der Bevölkerung die Wohltat neuer Entdeckungen
wie der Scientology zu verweigern, weil sie die großen Profite ausrotten würde,
welche die AMA mit den psychosomatischen Krankheiten der Leute macht.« - So
könnte eine Erklärung lauten, durch welche die Umkehr der Bedeutung bewirkt
werden könnte. Man muß die Propagandisten finden, bombardieren und anprangern,
um Fortschritte gegen solche Versuche der Redefinition zu machen. Man muß die
Propagandisten brandmarken und die Bemühungen des Redefinierens anfachen, indem
man dazu eine ständige PR-Kampagne benutzt. Man kann die Redefinition auch dazu
benutzen, den Versuch des Redefinierens bIoßzustellen.
Ein typischer Fall ist das Wort »Psychologie«.

Websters Internationales Wörterbuch der Englischen Sprache - 1829 - definiert


»Psychologie: eine wissenschaftliche Abhandlung oder eine Monographie über die
menschliche Seele; die Lehre von der Natur und dem Gut der Seele. «

Websters Hochschul-Wörterbuch - 1892 - »Psychologie: die Kräfte und Funktionen


der Seele.« Merriam Websters3. Internationales Wörterbuch von 1961: »Psychologie:
die Wissenschaft des Geistes oder geistiger Phänomene oder Aktivitäten; das Studium
des biologischen Organismus des Menschen und der körperlichen und sozialen
Umgebung«.

Irgendwo auf diesem Weg hat der Mensch seine Seele verloren.

Wir suchen den Zeitpunkt und finden Professor Wundt, 1879, der in der Zeit
Deutschlands größten Militarismus von Bismarck beauftragt wurde, zu versuchen,
eine Philosophie zu finden, die seine Soldaten dazu bringt, Menschen zu töten. Und
wir finden Hegel, den »großen« deutschen Philosophen, das Idol der Super-
Sozialisten, der hervorgehoben hat, daß KRIEG VON ENTSCHEIDENDER
BEDEUTUNG für die geistige Gesundheit der Bevölkerung ist.

Davon ausgehend können wir die moderne Psychologie redefinieren als ein deutsches
militärisches System, welches dafür benutzt wurde, Männer für den Krieg in Form zu
bringen und welches in amerikanischen und anderen Universitäten in den Zeiten mit
öffentlichen Geldern unterstützt wurde, in denen die Regierungen Schwierigkeiten bei
der Einberufung von Soldaten hatten. Eine verständliche Abhandlung darüber, warum
»die da« für die Psychologie Reklame gemacht haben, wäre selbstverständlich ein
Weg, ein bereits redefiniertes Wort zu redefinieren, nämlich »Psychologie«.

Der Weg, ein Wort zu redefinieren, besteht darin, die neue Definition so oft wie irgend
möglich zu wiederholen. Dementsprechend ist es nötig, Medizin, Psychiatrie und
Psychologie abwärts zu redefinieren und Dianetics und Scientology aufwärts zu
definieren.

Soweit es Worte angeht, geht die Schlacht um die öffentliche Meinung darum, daß
Deiner Definition geglaubt wird und nicht derjenigen der Opposition.

Konsequente und wiederholte Anstrengung ist der Schlüssel zu jedem Erfolg mit
dieser Technik der Propaganda. Man muß wissen, wie es anzustellen ist.

L.RON HUBBARD Gründer LRH:mesrd Copyright 1971 by L. Ron Hubbard, All


Rights reserved

Derartige »Führungsanweisungen« sind in 20 umfangreichen DIN-A-4 Bänden


zusammengefaßt, in englischer Sprache. Außerdem kosten sie weit über DM 2.000,--und sind
schon deshalb nicht jedem Teilnehmer zugänglich.

Auf der untersten Stufe der Scientologen-Leitern - die es in zahlreichen Ausführungen gibt -
wird noch nicht gesagt, daß Ärzte unerwünschte asoziale Elemente sind. Aber es wird schon
einmal darauf hingewiesen, daß die meisten Krankheiten somatischen, also seelischen
Ursprungs sind. Daraus ergibt sich dann zwanglos, daß ein guter seelischer Zustand - für den
Scientology sorgen will - auch frei von allen möglichen Krankheiten macht. Dann braucht
man auch keine Krankenversicherung mehr, und der Schritt zum Absurden ist nicht mehr
weit. Die Mutter eines hauptberuflichen Scientology-Mitarbeiters stellte ihrem Sohn völlig zu
Recht die besorgte Frage nach Kranken- und Rentenversicherung. Die Antwort entsprach der
Logik der Scientologen:

EIN SCIENTOLOGE WIRD WEDER KRANK NOCH ALT.

Mit Datum vom 14.5.1979 schreibt das »Rechtsamt« der Sektenzentrale an die ABI (die ABI
hatte die Organisation ZIEL als Tarnorganisation der Scientology-Sekte bezeichnet):

»Nun, wir vermuten, daß Sie diese unmögliche Behauptung nur aufstellen, um von der
möglichen Tatsache abzulenken, daß die ABI selbst eine Tarnorganisation zur
Verfolgung bestimmter sozialistisch- faschistischer Ziele ist. Ihre Aufmachung und
die Art Ihrer gehässigen Kampagnen gegen konstruktive und sozial wertvolle
Institutionen erinnern sehr an die frühere APO oder an die Tarngruppen zur
Verbreitung der Nazi-Ideologie im Dritten Reich.«

und:

»Wir respektieren ihr mögliches Anliegen, einen Beitrag zur »Schaffung von
Ordnung« in unserem Land zu leisten, weisen Sie aber darauf hin, daß wir bei Ihnen
eher den Eindruck haben, daß Sie dies nicht im Sinne unserer freiheitlich-
demokratischen Grundordnung tun, sondern Ihre Tätigkeit in Richtung eines
sozialistisch-faschistischen Totalitarismus zielt. Auch die Nationalsozialisten
benützten den Willen des Menschen »Ordnung zu schaffen« als Vorwand für Ihre
totalitären und menschenunwürdigen Ziele zu verfolgen.«

Das sind nun keineswegs zufällige und einmalige Entgleisungen. Mit Datum vom 19.9.1977
veröffentlichte die Sektenzentrale eine Pressemitteilung:

Scientology antwortet auf Falschberichte

Die jahrelangen Auseinandersetzungen mit den Elementen der Gesellschaft, die sich
den sozialen Verbesserungen widersetzen, ließ einen gemeinsamen Nenner offenbar
werden, der all den Operationen zugrunde liegt:

- sie schützen irgendwelche versteckten Interessen, die durch eine - Enthüllung vor
dem Antlitz der Öffentlichkeit gefährdet - erscheinen. Diese Elemente unterhalten
enge Verbindungen zu Psychiatern - und bedienen sich wiederholt »autoritiver«,
psychiatrischer - Äußerungen. Ihre offensivste Waffe stellt die Verbreitung - falscher
Berichte dar. Sie betreiben Propaganda durch die Re-Definition - von Worten
(Degradierung eines wichtigen Wortes und kontinuierliche - Wiederholung dieses
Ausdrucks, so lange bis die »neue« Bedeutung - unbewußt und vor allem weitläufig
akzeptiert wird). «

Es folgen polemische Ausführungen über das Fernseh-Magazin »Report«, welches sich am


12.9.1977 mit der Scientology-Sekte befaßt hat. Den Scientologen geht es dabei insbesondere
um die Information:
»Kleinmann ist der Vorsitzende der »Aktion Bildungsinformation«. Ebenso wie Maes
und Haack stammt auch Kleinmann aus der »DDR« und ging dort zur Schule. Seit
Jahren ist er bemüht, mit viel Energie falsche Behauptungen über die Scientology-
Kirche zu verbreiten. (Momentan ist gegen ihn und seine »ABI« auch eine
Strafanzeige anhängig, die ihn des Verstoßes gegen drei Gesetze des
Strafgesetzbuches verdächtigt.)

Zu bedenken ist, daß die Empfänger dieser Presseerklärung üblicherweise weder Hubbards
Anweisungen über den Umgang mit Scientology-Gegnern kennen, noch seine (oben
abgedruckten) Anweisungen über das Re-Definieren von Worten.

Deshalb noch einmal ein kurzer Auszug aus Hubbards Anweisungen über den Umgang mit
Gegnern:

»Wir haben keine Scientology-Kritiker ohne kriminelle Vergangenheit gefunden, wir


haben dies noch und noch bewiesen.«

»Gruppen, die uns angreifen, sind, gelinde gesagt, nicht gesund.«

»Es ist sehr günstig für uns, daß wir nur von verrückten Gruppen angegriffen werden,
da die Leute in diesem Zustand (1) unweigerlich das falsche Ziel wählen und (2) kein
Durchhaltevermögen haben. Also sind sie nicht schwer zu besiegen, indem man (A)
Einblicke in ihre versteckten Verbrechen verschafft und (B) selbst eine untadelige
Lebensweise führt.«

»Diese Leute, die angreifen, haben Geheimnisse und versteckte Verbrechen.«

»Wenn wir untersuchen, fällt all dies auf den Angreifer zurück. Er zieht sich zu
schnell zurück, als daß dieser Rückzug noch geordnet vonstatten gehen könnte. «

»Ein Angreifer ist wie eine Hausfrau, die im Rathaus erzählt, wie schrecklich ihr
Nachbar sein Haus führt. Aber wenn man ihre Tür öffnet, fallen die Spülschüsseln und
die dreckigen Windeln auf die Veranda.«

»Ich kann mehrere schwere Angriffe aufzählen, die zusammengebrochen sind,


nachdem wir geräuschvoll eine Untersuchung über die Angreifer begonnen haben.«

»Diejenigen, die jemanden kritisieren, weil er Scientologe ist, können eine persönliche
Überprüfung früherer Motive und Handlungen nicht überstehen. Das ist zufällig eine
glückliche Tatsache für uns. Der Verbrecher scheut das Tageslicht, und wir sind das
Tageslicht.«

»Der fortwährend von den Russen eingefädelte kalte Krieg hat einige Elemente
westlicher Regierungen unter Druck zu Faschisten gemacht.«

»Kommunisten greifen uns nicht an, sie hetzen faschistische Elemente auf, so daß
diese uns angreifen werden.«

Deshalb also ist die Information von Bedeutung, daß Kleinmann, Maes und Haack in der
DDR in die Schule gegangen sind.
Und was ist mit der erwähnten Strafanzeige, die Kleinmann »des Verstoßes gegen drei
Gesetze des Strafgesetzbuches« verdächtigt?

Zunächst einmal war jahrelang nichts über eine solche Anzeige zu erfahren. Später wurde der
ABI bekannt, daß eine Strafanzeige wegen »Volksverhetzung« erstattet worden sei. Das
Ermittlungsverfahren wurde später erwartungsgemäß eingestellt.

Dazu ist zu sagen, daß jedermann durch eine Strafanzeige ein Ermittlungsverfahren einleiten
kann. Lediglich die wissentlich falsche Anzeige ist strafbar, nicht aber die falsche juristische
Wertung, auch wenn diese noch so absurd ist. Das gilt natürlich besonders für so
schwammige Tatbestände wie den der Volksverhetzung.

Gehirnwäsche und Psychomutation

Organisationsprinzip Desinformation: jeder weiß nur so viel, als er unbedingt wissen muß.
Gleichzeitig wird die Bedeutung des Wissens durch »Wortklären« und »Redefinieren von
Worten« verändert. Es entsteht eine Art geistiges Vakuum, denn die seitherigen
Wertvorstellungen sind verschwunden. Dieses Vakuum wird mit Scientology-»'Wissen«
aufgefüllt. »Studieren« wird dieser Vorgang genannt und dadurch scheinbar objektiviert.
Denn »Studieren« bedeutet im heute üblichen Sinne des Wortes das Absolvieren einer
Berufsausbildung, mit dem Ziel, davon zu leben. Ganz anders bei den Scientologen: das hier
Erlernte kann außerhalb einer Scientology-Organisation nicht wirtschaftlich verwertet
werden. Die Folge ist nicht selten geistige und wirtschaftliche Abhängigkeit. Dieser Vorgang
wird häufig als Gehirnwäsche bezeichnet, neuerdings auch als Psychomutation, als
Umwandlung der Psyche. Derartige Begriffe halten wir für durchaus zutreffend, denn am
Ende dieses Vorganges sind die Scientology-Anhänger bereit, auch das Unmögliche zu
glauben, E-Meter-Schwindel und Clear-Scharlatanerie.

5. GEFAHR FÜR DIE DEMOKRATIE


Nach unserer Auffassung ist die Scientology-Sekte eine Gefahr für die Demokratie und zwar
aus verschiedenen Gründen. Zum einen ist sie nicht irgend eine neue Sekte, sondern die mit
Abstand größte der neuen Sekten:

ca. 150 000 Mitglieder. (Alle anderen zusammen nur wenige Tausend, von der
Transzendentalen Meditation einmal abgesehen.)

Gegenüber anderen extremen Organisationen zweifellos eine sehr große Zahl. Hinzu kommen
die Betroffenen: Angehörige, Verwandte, Freunde, Kollegen. Nach außen gibt sich die Sekte
keineswegs sektiererisch, wie beispielsweise jene, die durch gelbe Kutten, kahlgeschorene
Köpfe und Tingeltangel zu erkennen geben, daß sie sich selbst außerhalb dieser Gesellschaft
stellen.

Ganz anders Scientology: sie unterwandern die Gesellschaft, sie benutzen deren Regeln bis
zum Exzeß, um der Gesellschaft ihre Werte aufzuzwingen. Und diese Werte sind
antidemokratisch.

Demokratie, das ist - sehr kurz gesagt - die Herrschaft des Volkes. Herrschaft meint: die
Regeln aufstellen und durchsetzen, nach denen die Gesellschaft ihr Zusammenleben regelt.
Scientology aber bedeutet: Ron L. Hubbard. Hubbard setzt die Regeln. Hubbard meint über
die Demokratie, sie habe nur Inflation und Einkommensteuer gebracht. Hubbard haßt Steuern
(viele Menschen tun das), und Hubbard erhebt quasi selbst Steuern: 10 % vom Bruttoumsatz.

Gefahr für die Demokratie: wir wissen, daß dies ein großes Wort ist. Wir werden deshalb
versuchen, dieses zu erläutern.

Unser Grundgesetz regelt die fundamentalsten Grundsätze des Zusammenlebens, von denen
nicht abgewichen werden kann. Dies sind die Grundrechte, die größtenteils mit den sog.
Menschenrechten übereinstimmen. Von diesen Grundrechten hat aber keines den absoluten
Vorrang vor den anderen. Und kein Grundrecht entbindet den Bürger von der Befolgung der
Gesetze des Staates. Ob ein Gesetz selbst gegen das Grundgesetz verstößt, hat nur das
Bundesverfassungsgericht zu entscheiden und nicht der einzelne Bürger.

Religiös motivierte Ritualmorde sind selbstverständlich nicht vom Grundrecht der


Religionsfreiheit gedeckt. Das wurden wohl auch Scientologen bestätigen. Warum aber sollte
religiös motivierter Betrug zulässig sein? Aus genau diesem Grunde haben sich die Gerichte
bisher nicht damit befaßt, ob die Scientology-Sekte eine Religion beinhaltet oder (nur) ein
gigantischer Werbezirkus für Hubbard ist. Denn Gerichte sind nicht dazu berufen, abstrakte
Streitfälle zu lösen. Gerichte sollen Einzelfall-Konflikte lösen.

Mißbrauch von Grundrechten

Nach Artikel 18 des Grundgesetzes verwirkt derjenige seine Grundrechte, der sie mißbraucht.
Man wird sich diese Regelung genauer ansehen müssen.

Als Mißbrauch von Grundrechten muß es insbesondere auch angesehen werden, wenn ein
Grundrecht exzessiv benutzt wird, um die Ausübung anderer Grundrechte zu verhindern.

Hier geht es um die Grundrechte der Religionsfreiheit und der Freiheit der -
Meinungsäußerung

Hierzu gleich ein Beispiel. Zuvor noch ein Wort zur Demokratie: nach liberalem
Demokratieverständnis soll sich der Staat nur dort einmischen, wo ein Interessenausgleich
nicht ohne staatlichen Eingriff zu Gunsten des Schwächeren möglich ist. Grundlage solcher
Abwägungen ist die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit: Nicht verbieten, sondern
überzeugen. Deshalb soll - und will wohl auch niemand - die Sekten oder die Scientology-
Sekte verbieten. Aber man will und soll sie dem scharfen Wind der Meinungsfreiheit
aussetzen: Meinungsfreiheit ersetzt Verbote.

Man kann sagen, daß die eine Freiheit das Regulativ der anderen ist: Scientology beruft sich
auf die Religionsfreiheit und setzt sich damit den Meinungen Anderer und der
Meinungsfreiheit aus.

Und zu einem haben sich die Gerichte längst durchgerungen: den Schutz der Meinungsfreiheit
genießt nicht nur die »richtige«, sondern auch die »falsche« Meinung.

Die sogenannten klassischen Sekten nehmen dies hin und leiden stumm. So die »Wachturm«-
Leute der Zeugen Jehovas, die stumm ihre Blätter hochhalten, und werden sie noch so
beschimpft.
Die Scientologen sind da ganz anderer Auffassung:

» Wir sind keine halte-die-andere-Wange-hin-Religion« Im Gegenteil: die Scientologen


schlagen zurück und sind bei der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich

Die miesen Geschäfte der falschen Christen

So der Titel eines Artikels in der vom Heinrich-Bauer-Verlag herausgegebenen NEUEN


REVUE vom 31.7.73. Diese Zeitschrift wird - wie heutzutage alle größeren Verlagsobjekte -
auch im Ausland verkauft.

Dieser Artikel - vom Inhalt her keineswegs besonders sensationell - führte zu der wohl
größten Prozeßwelle, welche die Welt je gesehen hat. Die Scientologen hatten darin schon
Übung: den SPIEGEL hatten sie wegen zweier Artikel in Los Angeles, London und Hamburg
verklagt und der SPIEGEL schloß schließlich zur Beendigung dieser Prozesse einen
Vergleich, durch den er sich unter anderem verpflichtete, im Zusammenhang mit der
Scientology-Sekte nicht mehr das Wort »profitbringend« zu verwenden. Außerdem
verpflichtete sich der Spiegel, eine umfangreiche Gegendarstellung abzudrucken und nur so
wird verständlich, daß der Spiegel am 17.8.78 einen umfangreichen Leitartikel
veröffentlichte, der sich unter dem Titel »Jugendsekten - die neue Droge« mit den neuen
Sekten befaßte, ohne deren Größte - die Scientology-Sekte auch nur mit einem Wort zu
erwähnen.

Pressefreiheit bedroht

Nach diesem bewährten Muster gingen die Scientologen nun auch gegen den Heinrich-Bauer-
Verlag vor. Prozesse wurden in ,Washington, Los Angeles und New York angestrengt, in
Kopenhagen, London, Toronto, Frankfurt, München und Hamburg.

In jedem dieser Länder gilt ein anderes Prozeßrecht, jeder Prozeß muß also nach anderen
Regeln und von anderen Rechtsanwälten geführt werden. In einem Land ist der
Urkundenbeweis das sicherste Beweismittel, in anderen Ländern müssen stattdessen Zeugen
vorgeführt werden. Das Kalkül der Scientologen: jeder Verlag scheut diesen Aufwand und
letztlich auch das Risiko, welches mit jedem Prozeß verbunden ist.

Beim Heinrich-Bauer-Verlag ging dieses Kalkül nicht auf: sein Justitiar begann, mit zähem
Fleiß und großer Phantasie ein Informationsnetz zu den zahlreichen Prozeß- Schauplätzen
aufzubauen und Informationen zu beschaffen und zu verteilen. Auch der Heinrich-Bauer-
Verlag hat seither nichts wesentliches mehr über die Scientology-Sekte geschrieben,
verständlich. Aber: er ist nicht zu Kreuze gekrochen, er hat sich nicht durch gerichtliche
Vergleiche die Pressefreiheit beschneiden lassen.

Bei den Prozessen in Washington, Los Angeles und New York ging es jeweils um
Schadensersatzforderungen der jeweiligen Scientologen-Organisationen in Millionenhöhe.
Damit war der Verlag offenbar nicht kleinzukriegen. Deshalb holte die Sekte zu einem großen
Schlag aus.

Der Milliarden-Prozeß

Am 4.10.1973 geschah etwas bisher nie dagewesenes: der holländische Zweig der
Scientology-Sekte reichte eine Klage ein, mit der Schadensersatz in bisher unvorstellbarer
Höhe gefordert wurde. Die Beklagten: Dr. Horst Herold, Chef des Bundeskriminalamtes, der
Heinrich-Bauer-Verlag, zwei Journalisten und schließlich der Zeitungs-Großhändler.
Schauplatz dieses Prozeß-Monsters: Amsterdam.

Auch in dieser Klageschrift beklagen sich die Scientologen über den Artikel »Die miesen
Geschäfte der falschen Christen«. Die Sekte und ihre Bosse fühlen sich durch diesen Artikel
geschädigt. Das Gericht soll nicht nur feststellen, daß dieser Artikel verleumderisch und
beleidigend ist. Es soll die Beklagten auch noch verurteilen, Schadenersatz zu bezahlen und
zwar »Hfl. 1.000.000.000.- (eine Milliarde Gulden)« Das ist ca. 1 Milliarde Mark. Zusätzlich
soll noch jeder der Sektenbosse für sich 10.000.- DM bekommen.

1 Milliarde Mark: um solch einen Riesen-Betrag wurde wohl noch nie prozessiert. Der
Heinrich-Bauer-Verlag beschäftigt einen der am besten bezahlten Manager der Welt: 2
Millionen soll dieser im Jahr bekommen. Er müßte 500 Jahre auf sein Gehalt verzichten,
damit die Milliarde an die Scientologen bezahlt werden könnte. Denn 1 Milliarde, das sind
tausend Millionen. Vermutlich wären alle hauptberuflichen Scientology-Mitarbeiter
schlagartig Millionäre.

1 Milliarde Mark: selbstverständlich könnte der Heinrich-Bauer-Verlag einen solchen Betrag


nicht bezahlen. Wohl kaum eine deutsche Firma könnte dies.

Der ganze Heinrich-Bauer-Verlag dürfte keine Milliarde wert sein. 1 Milliarde Mark:
probieren Sie's auf Ihrem Taschenrechner: der kann einen solchen Betrag nicht verarbeiten.

Die Scientologen haben jedoch für den Fall vorgesorgt, daß der HBV diesen Betrag nicht
aufbringen kann: dann muß eben Dr. Horst Herold bezahlen, der Chef des BKA. Der verdient
zweifellos ein gutes Gehalt, aber er würde wohl einige tausend Jahre abstottern müssen. Das
könnte bedeuten, daß die Scientologen nicht Dr. Herold verantwortlich machen, sondern
dessen »Thetan« der ja nach der Meinung der Scientologen ewig lebt, weshalb Mitarbeiter-
Verträge bei den Scientologen auch gelegentlich für 1 Milliarde Jahre abgeschlossen
werden. Damit wäre Dr. Herolds »Thetan« gut bedient.

Eine andere Möglichkeit: wenn Dr. Herold nicht zahlen kann, dann muß es eben sein
Arbeitgeber, der Staat, die Bundesrepublik Deutschland, der Steuerzahler. Und der kann
diesen Betrag aufbringen.

Kreditwürdigkeitsanfrage

Nicht genug damit, daß die Sekte dem Heinrich-Bauer-Verlag einen Monster-Prozeß
angehängt hat. Sie griff noch tiefer in die Trick-Kiste, die Sektengründer Hubbard für den
Umgang mit Kritikern gezimmert und gefüllt hat:

Mit Schreiben v. 4.11.1974 wandte sich der Wiesbadener Rechtsanwalt Kirch an die
Hausbank des Verlegers. Er schildert wortreich aber teils falsch den Verlauf der Prozesse und
behauptet dann (wahrheitswidrig), der Verlag habe »Vergleichsgespräche« angeboten. Da es
sich um Millionenbeträge handele, wird um »Auskunft über die Kreditwürdigkeit des
Heinrich-Bauer-Verlages« gebeten. Vier Tage später schreibt dieser Rechtsanwalt Kirch fast
gleichlautend an die renommierte Deutsche Zentralstelle zur Bekämpfung von
Schwindelfirmen in Hamburg. Auch hier wird um Auskunft über die Kreditwürdigkeit
gebeten.
Der Heinrich-Bauer-Verlag ging völlig zu Recht davon aus, daß die Sekte lediglich
Unsicherheit verbreiten wolle und erhob Klage. Das Landgericht Hamburg (74 0 629/74)
verbot praktisch den Wortlaut des Briefes.

Das Gericht: »Beide Schreiben sollten die Kreditwürdigkeit des Verlages in Zweifel ziehen,
vor allem aber, diese »Zweifel« bei den Empfängern der Anfragen gewissermaßen
aktenkundig machen, dies wiederum in dem Bewußtsein, daß dem Verlag besondere
Schwierigkeiten dadurch entstehen könnten, daß Zweifel gerade bei seiner Hausbank
einerseits und außerdem andererseits bei einer Institution wie der Zentrale zur Bekämpfung
von Schwindelfirmen geweckt werden, die ihrem Vereinszweck nach dazu da ist,
Schwindelfirmen zu bekämpfen. « Das Gericht führte weiter aus, daß keinerlei Grund für den
Versand eines solchen Schreibens bestanden habe, außer eben der Versuch der
Kreditgefährdung.

Maulkorb-Prozesse

Eine andere Variante ist sehr viel wahrscheinlicher, dargestellt wieder einmal an einem
Prozeß, den die Sektenzentrale in München gegen die ABI geführt hat.

Hier muß nun zunächst geschildert werden, was das BKA und Herr Herold mit der
Scientology-Sekte zu tun haben: das BKA hat unter dem Aktenzeichen EA III 1/ 4 - B 196
649 am 8.3.73 einen Bericht über die Scientology-Sekte erstellt. Dieser Bericht ist irgendwie
an die Öffentlichkeit gelangt und auch die ABI wurde mehrfach wegen angeblicher
Verbreitung dieses (eher harmlosen) Berichts verklagt. Den ersten Prozeß dieser Art verloren
die Scientologen vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart (4 U 132/75). Die zweite Klage
wurde in München angestrengt. Das Landgericht sollte der ABI zahlreiche Behauptungen
untersagen. In diesem Prozeß beantragte die Scientology-Sekte u.a., den Streitwert mit
100.000.- DM festzusetzen. Nach dem Streitwert berechnen sich die Kosten und wer verliert,
muß alles bezahlen; in diesem Fall bei drei Instanzen über 50.000.-DM. Einen solchen Betrag
kann keine gemeinnützige Organisation aufbringen. Die Rechnung der Scientologen: die ABI
wird sich verpflichten, die Behauptungen nicht zu wiederholen, anstatt den Ruin zu riskieren.
Die Rechnung ging nicht auf: die ABI hat sich zu nichts verpflichtet und das Landgericht
München wies die Klage am 26.4.1977 unter dem Aktenzeichen 9 0 7372/77 zurück. Und es
setzte - wie von den Scientologen beantragt - den Streitwert auf 100.000.- DM fest. Was jetzt
geschah, ist unglaublich, aber jederzeit in den Gerichtsakten nachprüfbar: die Scientologen
legten gegen die Festsetzung des von ihnen selbst beantragten Streitwertes Beschwerde ein
(denn jetzt ging es um ihr Geld). Natürlich wurde die Beschwerde abgelehnt. Damit ist
bewiesen: die Sekte hat einen Streitwert beantragt, den sie selbst als überhöht ansieht.

Der Platz in dieser Broschüre reicht bei weitem nicht aus um über alle Prozesse zu berichten,
die von den Scientologen angestrengt wurden (und der ABI bekannt sind): so wurde die
Bundesregierung schon mehrfach verklagt, ebenso das Bundesministerium für Jugend,
Familie und Gesundheit. In einem dieser Prozesse wird eine halbe Million DM Schadenersatz
verlangt. Der Schaden soll u.a. dadurch entstanden sein, daß das Ministerium den BKA-
Bericht weitergegeben hat, wodurch er in die Hände der ABI gelangt sei, die ihn weiter
verbreitet habe, weshalb die Scientology-Sekte (vergeblich) gegen die ABI klagen mußte:
dieser Schadensposten wird mit ca. 25.000. - DM veranschlagt. Die Sekte wird auch diesen
Prozeß verlieren.

Prozeßkosten-Lotterie
Für den Anwaltsstand sind solche Prozesse natürlich ein Segen. Denn die Gebühren für die
Rechtsanwälte sind der mit Abstand größte Brocken bei den Kosten da der Staat die Gerichte
nahezu zum Nulltarif zur Verfügung stellt. Die Scientologen müssen inzwischen Millionen in
solche verlorenen Prozesse gesteckt haben. Inzwischen scheint es so, als habe selbst diese
Sekte nicht mehr genug Geld, um die Prozesse zu finanzieren. Mit einer groß angelegten
Werbekampagne hat sie deshalb eine neue Geldbeschaffungs-Aktion gestartet:

»Helfen sie mit Bestrebungen gegen die geistige Freiheit zu unterbinden sichere
Umgebung - Fonds«

Die Lose für diese Tombola sind nicht gerade billig: Stück 20.- DM. Aber es gibt
Mengenrabatt: 10 Stück 180.- DM und 100 Stück 1.650.- DM. Zu gewinnen ist allerdings
kein Geld, zu gewinnen sind nur Scientologen-Kurse. Auch das kann nicht ganz ernst gemeint
sein. Denn im Raum Stuttgart sind nur 8 Preise ausgesetzt, im Raum Hamburg nur 6.

Was macht nun eigentlich die Umgebung für Scientologen so unsicher? Seitenweise werden
die Gefahren geschildert, denen die Scientology-Sekte auf aller Welt ausgesetzt war und ist.
Dann aber kommt man zum Punkt:

»Ziel ist es, Unterstützungen für solche Personen zu geben, deren Menschenrechte
oder Bürgerrechte, oder deren Religionsfreiheit in Gefahr sind oder verletzt werden,
ganz gleich, welcher Nation oder welchem Glauben sie angehören. Einige der
wichtigsten Aktionen, deren sich SEF gegenwärtig annimmt sind die
Gerichtsverfahren der 11 Scientologen, einschließlich Mary Sue Hubbard und Jane
Kember, welche angeklagt wurden, nachdem eine illegale FBI Razzia in den
Scientology Kirchen Washington und Los Angeles 1977 durchgeführt wurde. SEF
trägt die Kosten für die rechtliche Verteidigung und bringt auch andere notwendige
Unterstützung. Die geschätzten Gesamtkosten, die dafür aufzubringen sind, werden
auf etwa 3,5 Millionen Dollars geschätzt (ca. 7 Millionen DM).

Die Scientologen-Bosse haben das Verfahren bekanntlich dadurch verbilligt, daß sie sich für
schuldig im Sinne der Anklage erklärt haben. Auch deutsche Scientologen könnten SEF-Hilfe
demnächst nötig haben. In einer mit »Holocaust« betitelten Schrift - in der eine angebliche
Scientologen-Verfolgung dargestellt und mit dem Schicksal der Juden im Dritten Reich
verglichen wird - heißt es:

»Am 5. November 1976 drangen ungefähr 50 Polizisten in die Räume der


Scientology-Kirche ein, um nach Unterlagen zu suchen, die sie auch hätten auf
Wunsch zugesandt bekommen oder offen kaufen können. Gefunden wurde nichts, da
es nichts gab, was irgendwie hätte beanstandet werden können. Der
Belästigungscharakter dieser »Nacht- und Nebelaktion« wird evident durch die
Tatsache, daß bis jetzt - 2 1/2 Jahre später - keine weiteren Aktionen durch die
Behörden erfolgten«

»Derartige willkürliche Belästigung aufgrund geringfügiger oder ungerechtfertigter


Vorwürfe oder denunziatorischer Informationen waren im Dritten Reich gegenüber
jüdischen Mitbürgern an der Tagesordnung.«

Eine Strafanzeige ist keine Denunziation. Gerade die Scientologen sollten das wissen, denn
sie haben schon häufig Strafanzeigen erstattet. Eine Strafanzeige löst automatisch ein
Ermittlungsverfahren aus. So wurden gegen die Verfasser dieser Broschüre bereits
Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betrugs, der Volksverhetzung u.a. geführt.
Das wurde von den Scientologen stets in der Öffentlichkeit verbreitet. Nicht verbreitet wurde
hingegen die Tatsache, daß alle von den Scientologen ausgelösten Ermittlungsverfahren
bisher eingestellt wurden: die Scientologen praktizieren also genau das, was sie ihren
Kritikern vorwerfen. Im übrigen ist ein Ermittlungsverfahren mit einer Dauer von zweieinhalb
Jahren nichts Ungewöhnliches. Warten wirs ab.

Verfolgungswahn

Die Scientologen lieben es, sich als verfolgte religiöse Minderheit darzustellen. Sie schrecken
auch nicht davor zurück, Vergleiche zum Schicksal der Juden während des Dritten Reiches
anzustellen. »Holocaust bis 1984« heißt eine ihrer neueren Broschüren. »Holocaust« hieß die
US-Filmserie, in der die Ausrottung der Juden an Einzelbeispielen gezeigt wurde und »1984«
ist Titel eines visionären Zukunftsromans.

Es ist geradezu typisch für den Stil der Scientologen, daß sie das Leiden der Juden für eigene
Werbezwecke einsetzen und glauben machen wollen, daß auch sie leiden und befürchten
müssen, ermordet zu werden.

Das sind durchaus keine Ausrutscher. Dahinter steckt vielmehr System, wie bei allem, was
die Scientologen tun. »Endlösungskonferenz« ist der Titel eines Flugblattes, im November
1979 an die Teilnehmer einer Tagung verteilt, wohl unter Anspielung auf die berüchtigte
Wannsee-Konferenz, auf der die »Endlösung«, die endgültige Vernichtung des jüdischen
Volkes beschlossen wurde.

6.Religionsfreiheit gegen Meinungsfreiheit


Religionsfreiheit gegen Meinungsfreiheit

Die Scientologen berufen sich stets und immer auf die Religionsfreiheit, einem Grundrecht,
das Toleranz gebietet. Die Sektenangehörigen selbst aber sind in einem ungewöhnlich großem
Maße intolerant. Hierfür ein Beispiel:
Scientology Kirche Deutschland HUBBARD SCIENTOLOGY ORGANISATION
MÜNCHEN E.V.

Anläßlich der heutigen Veranstaltung im Rathaus Dietzenbach überreichte die


Scientology Kirche folgendes Schreiben an Herrn Dr. Keller den Oberbürgermeister
der Stadt.20.11. 1978

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

gerade ging bei uns die unglaubliche Nachricht ein, daß im Dietzenbacher Rathaus
morgen abend um 20 Uhr eine volksgerichtartige Inquisitionsveranstaltung über
unsere Kirche stattfinden soll.

Wir dürfen Sie ausdrücklich darauf hinweisen, daß wir in dieser Verunglimpfung
unserer Religionsgemeinschaft nichts weiter sehen, als die Fortsetzung einer
unmoralischen Einbeziehung einer Minorität in Dietzenbach interne Interessenszwiste.
Uns ist bekannt, daß einige Pastoren Ihrer Gegend, deren zweifelhafte Aktionen und
fragwürdiger Lebenswandel dem Gros der evangelischen Kirche auf keinen Fall
dienlich sind, maßgeblich an der Inszenierung dieser religiösen Hetztirade beteiligt
sind.

Nicht bekannt ist uns jedoch, warum diese Herren glauben, aus dem Rahmen
christlicher Verhaltens- und Toleranznormen fallen zu müssen.

Die Intention der für morgen geplanten »öffentlichen Auspeitschung und


Kreuzigung« einer von maßgebenden Religionswissenschaftlern anerkannten
Glaubensgemeinschaft geht eindeutig aus der Wahl des »lnquisitors« hervor. Ingo
Heinemann, von der Stuttgarter ABI, ist bekannt für seine Fähigkeit zur
Stimmungsmache und Aufheizung der Gemüter zu sorgen. Daß es ihm lieber ist, den
religiösen Intimbereich unserer Gemeindemitglieder auf sträfliche Weise
öffentlich zur Schau zu stellen, als zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, die erst
vor kurzem anläßlich einer Pressekonferenz in Frankfurt über seine Organisation
bekannt wurden und die laut einer inzwischen vorliegenden Gerichtsentscheidung als
berechtigte Schlußfolgerungen anzusehen sind, ist aufgrund der Schwere dieser
Anschuldigungen nur allzu verständlich. «

(Es folgen längere Ausführungen über angebliche Verfehlungen der ABI - zitiert nach der
Scientology-Tarnorganisation ALV - die in dem Vorwurf gipfeln, die ABI werde durch
»dunkle Geldgeber« finanziert)

Allem Anschein nach wurde Ihre Unkenntnis dieser Tatsachen schändlich mißbraucht,
wodurch klar wird, wie es zu einer solchen kristallnachtähnlichen Veranstaltung in
Ihrem Rathaus kommen kann. Wir bitten sie nun aber wahrlich zu beachten, wie eine
solche Beschimpfungskampagne zustandekommt: Einige Kirchen und Behörden
spielen mit abstruser Besessenheit an Minderheitsreligionen herum, und
währenddessen beschreitet die moderne Jugend Deutschlands ungehindert einen Pfad
in Richtung Kriminalität und Gewalt.

Es sieht aus, als ob die Verantwortlichen eine unerbittliche religiöse


Auseinandersetzung erschaffen wollen, um eine realistische Analyse der Situation
Jugendlicher in der heutigen Gesellschaft zu verhindern.

Wir dürfen Sie darauf aufmerksam machen, daß erst letzten Sonntag einer der »Väter
des Grundgesetzes«, der ehemalige Bundestagsvizepräsident Carlo Schmid zum Anlaß
des Volkstrauertages vor dem Bundestag erklärte: »Friede sei mehr als nur die
Abwesenheit von Zorn und Streit und Freiheit kein Naturzustand. Sie seien vielmehr
das für alle gleiche Recht, die Welt für immer mehr Menschlichkeit bereitzumachen.
Gedacht werden solle aber auch in tiefer Scham der Schmach, daß der Name unseres
Volkes durch Unmenschen ohne sittliches Bewußtsein befleckt wurde.«

Gerade dieses sittliche Bewußtsein ist es, an das wir hier appellieren. Eine Carlo
Schmid's Idealen entsprechende Gesinnung äußerte auch der parlamentarische
Referent der sozialdemokratischen Fraktion des Hessischen Landtages, Volker Berger,
in einem Schreiben an unsere Kirche. Er bestätigte, daß die Freiheit des religiösen
Bekenntnisses (Art. 4GG, Art. 9 Hessische Verfassung) eines der wichtigsten
Grundrechte überhaupt war und ist. Die SPD-Fraktion habe sich stets für den Schutz
religiöser Minderheiten eingesetzt, etc.
Abschließend dürfen wir Sie ersuchen, im Sinne der Wahrung unserer Verfassung, der
Aufrechterhaltung humanitärer und religiöser Werte und somit der freiheitlich
demokratischen Grundordnung, den folgenden verständlichen Forderungen
nachzukommen:

1. Die Veranstaltung muß aus dem Rathaus der Dietzenbacher Bürger in private
Lokalitäten verlegt werden.

2. Jegliche Parteinahme einer oder mehrerer mit öffentlichen Ämtern betrauter


Personen sollte durch ein Eildekret vorsichtshalber untersagt werden.

3. Für den Fall, daß es durch die im Zuge solcher Veranstaltungen gewöhnlich
stattfindende Pogromhetze zu tätlichen Ausschreitungen oder aber zu unsittlichen
und faschistoiden Beschimpfungen gegen evtl. anwesende Mitglieder unserer
Religionsgemeinschaft kommt, bitten wir um Bereitstellung von entsprechendem
Polizeischutz.

In dem Wissen in Ihnen einen Verfechter der Verfassungs- und Menschenrechte zu


adressieren, werden wir im Laufe des Nachmittags des 21. November 1978
endgültigen Bescheid zu unserem Ersuchen erbitten.

Mit vorzüglicher Hochachtung Bernhard Schmitt (i.A. H. Berrang) Verantw. Leiter


des Rechtsamts SCIENTOLOGY KIRCHE DEUTSCHLAND

(Hervorhebungen durch den Herausgeber). Zu dieser höchst merkwürdigen Auffassung von


Religionsfreiheit ein Kommentar von kompetenter Stelle:

»Das Grundrecht der Religionsfreiheit schützt den einzelnen nicht nur gegen die
Intoleranz seiner Mitmenschen, sondern verpflichtet ihn auch, ihnen gegenüber die
gleiche Duldsamkeit zu erweisen, die er für seine eigene Überzeugung in Anspruch
nimmt.« (Bundesverfassungsgericht)

Der Stil des Schreibens vom 2O.11.1979 ist bei der Scientology-Sekte durchaus üblich. Es
stört sie nicht, daß auch Kritikern das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung zusteht und es
stört sie nicht, daß sie das Grundrecht der Religionsfreiheit anderer Religionsgemeinschaften
dadurch verletzen, daß sie Kritik an der Scientology-Sekte mit der Zerstörung jüdischen
Eigentums (»kristallnachtähnliche Verhältnisse«) vergleichen und damit wohl andeuten
wollen, daß man demnächst dazu übergehen werde, Scientologen ins KZ zu stecken und zu
ermorden.

Die Veranstaltung lief im übrigen fast normal ab: Scientologen besetzten die besten Plätze
und versuchten lautstark, den Abend in eine Werbeveranstaltung umzufunktionieren. Dazu
die FRANKFURTER RUNDSCHAU vom 22.1.1978:

»Doch mit Ingo Heinemann, dem Zweiten Vorsitzenden der Aktion Bildungsinformation
(ABI) aus Stuttgart und dem Dietzenbacher Pfarrer Keller saßen den Scientologen Männer
gegenüber, die dies nicht zuließen, zumal auch aus den Reihen des Publikums Unmut aufkam
. . Nach dem Vortrag Heinemanns entwickelte sich eine hitzige Diskussion, in der er zu
Anfang gefragt wurde, ,wieviel Geld' er für diese Veranstaltung erhalte Zu diesem Zeitpunkt
wußte der ABI- Mann noch nichts von einem Honorar - erst eine Sammlung am Ende der
Veranstaltung sorgte dafür, daß seine Spesen ersetzt wurden. «
Soweit bekannt, wurde noch nie ein Scientologe geschlagen, getreten oder des Saales
verwiesen. Die Befürchtung, »die im Zuge solcher Veranstaltungen gewöhnlich (!)
stattfindende Pogromhetze (!)« werde zu »tätlichen Ausschreitungen führen«, ist also an den
Haaren herbeigezogen. Bisher konnte sich die Scientology- Sekte lediglich über eine
Stinkbombe beschweren, die angeblich ein Gegner in ihre Räume befördert haben soll.

Der Scientologe, der - nach eigener Angabe - in der VHS »fünf Einführungsabende über
Scientology mit praktischen Übungen« durchgeführt hat, beklagte sich höheren Ortes: an den
Bundestags-Ausschuß für Jugend, Familie und Gesundheit schickte er ein dreiseitiges
Schreiben, eng betippt, mit Kopien an den Petitionsausschuß, den Ausschuß für Bildung und
Wissenschaft, den Rechtsausschuß und an die Gesundheitsministerin Antje Huber.
Originalton: »Versuchen Sie, zu verhindern, daß Menschen verfolgt werden, die nichts weiter
tun, als ihre im Grundgesetz verankerten Rechte auf freie Meinungsäußerung und auf die freie
Entfaltung der Persönlichkeit zu gebrauchen. « Der Hintergrund: die Presse hatte von ihrem
Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht und die Meinung vertreten, daß dieser
Scientologe seine Meinung nicht gerade in einer staatlich geförderten Einrichtung äußern
brauche und seine Persönlichkeit wohl auch außerhalb der VHS entfalten könne. Den drei
Seiten Scientology-Propaganda folgt ein PS: »Aufgrund möglicher Repressalien bitte ich um
vertrauliche Handhabung dieses Schreibens.« Hier die Repressalie: der Mann heißt Winfried
Männecke und nennt sich Dipl. rer. pol. (techn.) und Unternehmensberater. Er ist außerdem
Gründungsmitglied der Scientology-Tarnorganisation »Kommission zum Schutz des Bürgers
gegen Datenmißbrauch«.

Maßlose Übertreibungen

Vermutlich merken die Scientologen kaum noch, daß sie bei ihrer massenhaften
Korrespondenz häufig in einer Weise übertreiben, die jedes Maß sprengt. Im oben zitierten
Schreiben vom 20.11.1979 heißt es: »Ingo Heinemann, von der Stuttgarter ABI, ist bekannt
für seine Fähigkeit zur Stimmungsmache und Aufheizung der Gemüter zu sorgen. «

Tatsächlich hatte Heinemann zuvor erst ein einziges Mal an einer derartigen
Informationsveranstaltung mitgewirkt, auf Einladung der VHS Ulm. Wie ein
Tonbandmitschnitt belegt, lief diese Veranstaltung ausgesprochen ruhig ab. Während dieser
Veranstaltung wurde die These aufgestellt, die Scientology-Organisationen seien nur durch
die Politik der GEZIELTEN DESINFORMATION aufrecht zu erhalten. Als Beispiel wurde
angeführt, daß der neue Pressesprecher der Sekte, Kurt Weiland, seine Informationen nicht
von der deutschen Sektenzentrale in München, sondern - entsprechend gefiltert - von der
englischen Sektenzentrale (»WORLD WIDE«) brieflich empfangen habe.

Hierzu Kurt Weiland mit Schreiben vorn 22 10.1978:

»Bei mittlerweile zwei Gelegenheiten erwähnten Sie ein angeblich existierendes


Schreiben, das - von der Mutterkirche in England ausgehend - irgendwelche
Instruktionen oder Angaben für meine Arbeit beinhaltet haben soll. Lieber Herr
Heinemann, ich beginne mich wirklich über Sie zu wundern. Was um Himmels willen
fällt Ihnen denn ein, solch eine durch und durch haltlose Behauptung einfach so
aufzustellen. Sie müßten doch mittlerweile am besten wissen, daß dies nicht so
möglich ist.

Natürlich erhalte ich ab und zu Briefe von meinen Bekannten und Freunden in
England, aber wie Sie auf eine ominöse fünfseitige briefliche Anweisung oder so
kommen, ist mir schleierhaft. Haben Sie etwa ein Schreiben durch einen Einbruch
erhalten, oder wurde mein Postgeheimnis verletzt, daß Sie an einen an mich
adressierten Brief herankommen?

Ich bitte mit äußerstem Nachdruck, mir innerhalb 48 Stunden nach Erhalt dieses
Briefes mitzuteilen, auf welche Art und bis zu welchem Grade in meine Intimsphäre
eingedrungen wurde. Ein Stillschweigen würde - wie immer und Ihnen sicherlich
bekannt - unweigerlich für sich sprechen. Kurt Weiland, Presse- und
Informationsamt.«

Mit Schreiben vom 30.10.1979 setzt Herr Weiland erneut eine 48-Stunden-Frist, denn es gehe
»um den Schutz meiner Privatsphäre ..., um mein grundgesetzlich verbrieftes Postgeheimnis,
sowie um die Rechte meiner Person im allgemeinen zu wahren«. Durch Schreiben vom
13.11.1979 setzt Weiland erneut eine 48-Stunden-Frist, vergeblich.

Dieses Mal muß also das grundgesetzlich geschützte Briefgeheimnis dazu herhalten, einen
Scientology-Kritiker als Kriminellen abzustempeln. Ganz nach den Erkenntnissen des
Sektengründers Hubbard:

»Jedesmal, wenn wir den Hintergrund eines Scientology-Kritikers ermittelt haben,


haben wir Verbrechen gefunden, für welche diese Person oder Gruppe nach
bestehenden Gesetzen eingesperrt werden könnte. Wir haben keine Scientology-
Kritiker ohne kriminelle Vergangenheit gefunden. Wir haben dies noch und noch
bewiesen.«

Weilands Briefe beweisen, daß Hubbards Anhänger diese dreiste Behauptung durchaus ernst
nehmen.

Um Weigands Gedächtnis nachzuhelfen: der fragliche Brief (»WORLD WIDE«) datiert vom
5.1.1976, hat nicht nur fünf, sondern neun Seiten und ist von »R.E.B. Boulding
Rechtsabteilung WORLD WIDE« unterzeichnet. Weiland selbst hat diesen Brief zusammen
mit einer Ergänzung selben Datums und Übersetzungen an einen Dritten weitergegeben. Die
Sekten-Bosse haben ihm dies vermutlich böse angekreidet, was ein Engramm bewirkt haben
wird, welches wiederum den Gedächtnisverlust erklären könnte.

Die Behauptung der gezielten Desinformation beruht u.a. auf der Tatsache, daß an keiner
Stelle des ,,WORLD WIDE-Briefes auch nur eine Andeutung darüber gemacht wird, daß
Scientology-Deutschland nicht weniger als zehn Prozesse gegen die ABI verloren hatte. So
wird verständlich, daß innerhalb der Sektenzentrale offenbar stets behauptet wurde, die ABI
habe alle Prozesse verloren.

Noch eins an Herrn Weilands Adresse: nach seiner Lesart wurde durch die Veröffentlichung
dieser Briefe wiederum das Postgeheimnis verletzt, denn die Briefe wurden durch die Post
transportiert. Und in seine Intimsphäre eingedrungen, da Intimes sich bei ihm beruflich
abzuspielen scheint.

Eine besonders kuriose Auffassung von der Religionsfreiheit vertritt Luise Buhl,
Schriftführerin der Scientology-Tarnorganisation »Gesellschaft zur Förderung religiöser
Toleranz und zwischenmenschlicher Beziehungen e.V.«. In einem Brief an die FDP-Fraktion
in Bonn beschwert sie sich über eine Pressekonferenz, die von zwei FDP-Mitgliedern des
Hessischen Landtages veranstaltet wurde und in der es u.a. um die Verunglimpfung der
Psychiatrie durch die Scientology-Sekte ging. Frau Buhl stellt dies als den Kampf der
Sektenexperten und der Psychiater dar und folgert:

»Mit unserem Schreiben möchten wir die dringende Bitte verbinden, alles zu tun, um die
Politiker aus diesem Konflikt herauszuhalten. Wir machen den beiden Politikern noch keinen
Vorwurf aus ihrem Verhalten, da sie sicherlich falschen Informationen aufgesessen sind. «

Das Grundrecht der Religionsfreiheit umfaßt selbstverständlich auch das Recht, sich mit einer
Religion kritisch auseinanderzusetzen. Dieses - jedermann zustehende - Recht soll nun
ausgerechnet den gewählten Vertretern des Volkes abgesprochen werden, garniert mit
versteckten Drohungen. Eine geradezu groteske Verdrehung der Rechtswirklichkeit in einem
demokratischen Staat.

Zu ähnlichen Ansinnen äußerte sich der Bundestagsabgeordnete Klaus Immer aus


Altenkirchen in einem Schreiben vom 3.7.1978 zugleich abgewogen und deutlich:

»Es bleibt das Recht jedes Deutschen, seine religiöse Meinung zu bekennen, die eines
anderen jedoch zu bestreiten. Das gilt ja in gleicher Weise für die Parteien in ihrer
politischen Auseinandersetzung. Es wäre grundgesetzwidrig, wollte man Gesetze
schaffen, die eine solche Auseinandersetzung verhindern könnten. (Anm.: dies war
offenbar von den Abgeordneten erwartet worden.) Toleranz kann nicht
Gleichgültigkeit oder Indifferenz bedeuten. Die von Ihnen als bedroht bezeichneten
Gruppen grenzen sich in ihren Grundsätzen eindeutig und sehr massiv gegen die
großen Kirchen ab. Sie führen einen ständigen harten Kampf gegen die Kirchen. Das
ist ihr gutes Recht. Aber sie dürfen sich dann nicht beklagen, wenn sich diese Kirchen
ebenfalls kritisch, manchmal polemisch mit ihnen auseinandersetzen. «

Vermutlich war auch diese Belehrung über das Wesen eines demokratischen Rechtsstaates
vergebliche Liebesmüh. Für Scientologen sind Grundrechte nun einmal die Allzweckwaffe
gegen die Meinungen Anderer. Dazu Sektengründer Hubbard's Meinung:

»Der Demokratie verdanken wir nur die Einkommensteuer und die Inflation.«

Des Volkes Meinung ist gelegentlich ähnlich simpel: tagtäglich hört man die Forderung,
dergleichen Sekten einfach zu verbieten. Eben das aber verbietet das Grundrecht der
Religionsfreiheit.

Missbrauch von Grundrechten

Grundrechte können auch mißbraucht werden. Das hat das Bundesverfassungsgericht


mehrfach festgestellt. Liegt hier ein solcher Mißbrauch vor?

Vom Grundrecht auf Religionsfreiheit machen die Scientologen in außerordentlich exzessiver


Weise Gebrauch: mit Hilfe dieses Grundrechts soll verhindert werden, daß Kritiker ihre
Meinung frei äußern. Zu diesem Zweck bedient sich die Scientology-Sekte nicht nur
zahlreicher Repressalien, sondern sie benutzt auch andere Grundrechte bis zum Exzeß: so das
Grundrecht der Meinungsfreiheit. Denn so unbeliebt die Meinungsfreiheit der Kritiker bei den
Scientologen ist, so lieb ist ihnen ihre eigene Meinungsfreiheit: sie unterstellen Pastoren einen
fragwürdigen Lebenswandel, behaupten eine Pogromhetze, nennen Kritiker Inquisitoren usw.
In diesem Zusammenwirken der verschiedensten Maßnahmen liegt nach unserer Auffassung
ein ständiger, planmäßiger Mißbrauch von Grundrechten.

Der Mißbrauch von Grundrechten ist nicht strafbar. Allerdings: wer Grundrechte zum Kampf
gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung mißbraucht, der verwirkt diese
Grundrechte (Artikel 18 Grundgesetz).

Vereinsverbot?

Vereine, welche die Vereinsfreiheit mißbrauchen, können nach dem Vereinsgesetz verboten
werden. Das gilt aber nicht für Religionsgemeinschaften und solche »Vereinigungen, die sich
die gemeinschaftliche Pflege einer Weltanschauung zur Aufgabe machen«. Denn die sind
vom Grundrecht der Religionsfreiheit geschützt. Den Mißbrauch der Religionsfreiheit haben
die vielzitierten Väter der Verfassung entweder nicht vorausgesehen oder bewußt in Kauf
genommen.

7.Das E-Meter
Die magische Kiste der Scientologen

Das E-Meter ist gleichzeitig wichtigstes Handwerkszeug der Scientologen und Beweismittel
für Hubbards kurioses Denkgebäude. Denn mit dem E-Meter will Hubbard entdeckt haben,
daß seit unvordenklichen Zeiten die Thetanen existiert haben, die heute in der zweifellos
unvollkommenen Hülle des Menschen gefangen sind, und mit dem E-Meter will er die
»Engramme« beseitigen und damit die Menschen wieder zu allwissenden, alleskönnenden
und unsterblichen Überwesen machen. Das Psychologische Institut der Universität Tübingen
hat dieses Gerät untersucht. Der technische Teil:

1. Das E-Meter ist ein Gerät, das elektrische Widerstände und Widerstandsänderungen
anzeigen kann. Bei einem gegebenen äußeren Widerstand kann mittels des sog.
Tonarms die Anzeigennadel auf den Punkt »set needle here« gebracht werden. Die
Nadelanschläge von dieser Stelle aus sind dann in etwa proportional zu der
Widerstandsänderung dividiert durch den Widerstand. Geräte dieser Art werden schon
seit Beginn unseres Jahrhunderts zur Anzeige von Widerstandswerten und deren
Veränderungen in der Haut des Menschen verwendet. 2. Das E-Meter entspricht in der
Technologie bei weitem nicht den heute üblichen wissenschaftlichen Geräten zur
Messung von Hautwiderständen: a) Die Justierungsmöglichkeit und die
Einstellmöglichkeit des sog. Tonarms ist zu ungenau. b) Bei wissenschaftlichen
Geräten wird heutzutage entweder der Strom, der durch den Menschen geschickt wird,
oder die Spannung, die angelegt wird, konstant gehalten, so daß die Anzeige entweder
proportional zum Widerstand oder proportional zur Leitfähigkeit ist. Keine der beiden
Möglichkeiten ist im »E-Meter« realisiert.

c) Wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung setzt eine Dokumentation der Daten durch


ein geeignetes Registriergerät voraus. Das »E-Meter« hat keine Anschlußmöglichkeit
für ein solches Gerät. Dadurch kann die Deutung der Widerstandsänderungen durch
den Benutzer nicht überprüft werden.
3. Die Art der Widerstandsmessung mit dem E-Meter entspricht nicht den heutigen
wissenschaftlichen Kriterien:

In der Wissenschaft wird der Hautwiderstand zwischen zwei bestimmten Stellen durch
Anbringung von Elektroden von genau bestimmter Größe und Verwendung einer
wohldefinierten Elektrodenpaste gemessen. Dabei wird durch die Elektrodenpaste ein
bestimmter und gleichbleibender Übergangswiderstand zwischen Haut und Elektrode
hergestellt.

Beim E-Meter entsprechen den Elektroden zwei Konservendosen, die der Proband in
den Händen hält. Der Übergangswiderstand zwischen Haut und »Elektrode« hängt
damit sehr stark davon ab, wie fest der Proband die Dosen hält. Dadurch können viele
Widerstandsänderungen angezeigt werden, die mit den
Hautwiderstandsveränderungen nichts zu tun haben: Während in der Wissenschaft das
Auftreten solcher »Artefakte« soweit wie möglich vermieden wird, wird das bei »E-
Meter-Messungen« offensichtlich sogar begünstigt!

4. Das E-Meter entspricht nicht den elektrischen Sicherheitsbestimmungen:

Das Gerät ist zwar batteriebetrieben und die dabei auftretenden Spannungen sind auch
im Fehlerfalle als ungefährlich zu betrachten, jedoch die Vorrichtung zur
Wiederaufladung der Batterien widerspricht (zumindest bei dem zur Begutachtung
vorliegenden Gerät) eklatant den Sicherheitsbestimmungen für elektrische Geräte:

a) Es besteht kein Schutz gegen Auftreten zu hoher Berührungsspannung im


Fehlerfalle durch Verwendung des Schutzleiters (§ 5 VBG 4).

b) Das Ladegerät enthält keinen Transformator, der die Netzversorgung von der
Elektrodenanschlußbuchse trennt; bei ungünstiger Stellung des Netzsteckers liegen an
der Elektroden-Anschlußbuchse über eine Gleichrichterdiode direkt 220 V, wobei die
Diode Ströme über 10 mA durchläßt, was als lebensgefährlicher Strom gilt. Weiterhin
besteht keine Absicherung des Netzstromkreises. Bei nicht eingestecktem
Elektrodenkabel widerspricht das den Bestimmungen gegen den Schutz von unter
Spannung stehenden Teilen gegen zufälliges Berühren (§ 5 VBG 4; VDE 0100), bei
Anwendung des Gerätes mit angeschlossenem Ladekabel kann für den Probanden
Lebensgefahr bestehen.

Dieser Sachverhalt hat die ABI seinerzeit bewogen, das E-Meter als lebensgefährlich zu
bezeichnen, da die Bedienungsanleitungen keinerlei Hinweis darauf gegeben haben, daß das
Gerät nicht mit angeschlossenem Ladekabel verwendet werden darf. Die Scientology-Sekte
hat behauptet, das Gerät sei den Sicherheitsbestimmungen angepaßt worden. Das mag sein.
Die ABI hat in den Scientologen-Schriften jedoch keinerlei Hinweis auf die Gefährlichkeit
der noch in Gebrauch befindlichen alten Geräte gefunden. Da die Adressen aller Käufer
bekannt sind, hätten diese auch einzeln angeschrieben und gewarnt werden müssen. Auch von
einer solchen Aktion ist nichts bekannt.

Zur Anwendung des Gerätes sagt das Gutachten der Universität Tübingen:

Wie aus dem Gutachten von Herrn Dr. Lutzenberger hervorgeht, handelt es sich bei
dem uns zur Verfügung stehenden Hubbard Electrometer um ein technisch
mangelhaftes Gerät zur Ableitung von Hautwiderstandsänderungen.
Änderungen des Hautwiderstandes werden physiologisch durch &electrochemische
Erregung der peripheren Schweißdrüsen &ausgelöst. Gesteuert werden diese
Erregungen von verschiedenen, z.T. &noch nicht eindeutig lokalisierbaren
Hirnregionen, vor allem dem &sogenannten limbischen System und Teilen des
Großhirns. &Änderungen des Aktivitätsgrades (in Richtung Erhöhung der &Aktivität)
dieser Hirnteile können eine Änderung des &Hautwiderstandes in der
Körperperipherie auslösen, wenn sie eine &bestimmte Erregungsstärke überschritten
haben (vor allem an der &Handinnenseite oder den Fußsohlen, wo sich besonders
viele &Schweißdrüsen befinden).

Solche Änderungen können aufgrund der unspezifischen Organisation der beteiligten


Hirnregionen von vielen äußeren oder körperinternen Reizen ausgelöst werden: Vor
allem Bewegungen (z.B. tiefes Einatmen, schwache, schwer sichtbare Bewegungen
der Finger und Hände, oder nicht sichtbare Verspannungen der Muskulatur) führen zu
Änderungen des Hautwiderstandes ohne daß psychologische Faktoren daran beteiligt
sein müssen. Änderungen des Stoffwechsels beeinflussen den Hautwiderstand auch
erheblich, ohne daß damit psychologische Änderungen einhergehen müssen. Jeder
äußere (z.B. ein Lichtsignal, eine Frage, Tageszeit, ein Geräusch, Diät, usw.) oder
innere Reize (z.B. eine angsterregende Vorstellung, aber auch eine erfreuliche
Vorstellung oder Gedanke) kann mit einer Änderung des Hautwiderstandes
einhergehen. Aus einer aufgetretenen Änderung des Hautwiderstandes in einer Frage-
Antwort-Situation (wie z.B. ein »Auditing« der Scientologen) kann nicht auf
irgendwelche spezifische Gedanken oder spezifische emotionale Änderungen
geschlossen werden. Es ist aber durchaus möglich, durch geschickte
Frageformulierungen informierte oder fehlinformierte Personen zur Preisgabe von
Informationen zu bringen, die am Beginn der Befragung diese Personen nicht geben
wollten.

Nur im psychophysiologischen Experiment - und bei »Auditing« handelt es sich nicht


um ein psychophysiologisches Experiment - kann unter kontrollierten
Reizbedingungen aus Änderungen des Hautwiderstandes auf Änderungen des
zentralnervösen Erregungsniveaus geschlossen werden. Nur in den Händen eines
entsprechend ausgebildeten Psychologen, Arztes oder Naturwissenschaftlers mit
abgeschlossener Hochschulausbildung ist eine sinnvolle Anwendung von
Hautwiderstandsgeräten zu diagnostischen Zwecken zu erwarten. Ein therapeutischer
Effekt der Anwendung dieses Gerätes oder anderer Geräte zur Messung des
Hautwiderstandes ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

gez. Dr. N. Birbaumer Professor für Psychologie an der Universität Tübingen

Die Scientologen sind da ganz anderer Meinung. Hier einige Beispiele aus dem Buch der E-
Meter-Übungen«:

E-METER-ÜBUNG NR.22

Nummer: EM-22.

Name: Finden verborgener Daten aus diesem Leben mit Hilfe des E-Meters. Zweck:
Den Student-Auditor zu trainieren, ein Datum auf der Zeitspur mit Hilfe des E-Meters
zu finden, die Realität des Student-Auditors über die tatsächliche Existenz der
Zeitspur und über das wirkliche Funktionieren des E-Meters zu erhöhen, und dem
Student-Auditor eine große Vertrautheit mit dem E-Meter und dessen Gebrauch zu
vermitteln.

Stellung: Student-Auditor und Coach sitzen einander an einem Tisch gegenüber. Der
Student-Auditor bedient das E-Meter. Der Coach hält die Dosen in seinen Händen.

Anweisungen: Keine festgelegten Anweisungen. » Über und Unter« - Fragen wird


dazu benutzt, das richtige Datum zu isolieren.

Wichtig im Training: Der Coach wählt sich ein Datum aus, vorzugsweise seinen
Geburtstag oder irgendeinen anderen bekannten Jahrestag. Wenn dann der Student-
Auditor besser wird, wählt der Coach irgendein Datum (Monat, Tag und Jahr) beliebig
aus seinen ersten Lebensjahren (aus diesem Leben) aus. Dabei nennt er dem Student-
Auditor das Datum natürlich nicht. Der Student-Auditor muß dann mit Hilfe des E-
Meters das vom Coach ausgewählte Datum finden. Der Coach darf hierbei außer
seinen Anweisungen als Coach nichts sagen oder antworten.

Das Datum wird mit Hilfe von Eliminieren herausgefunden. Die Fragen des Student-Autitors
sind folgender Art: »Liegt das Datum vor 1940 n. Chr.? . Nach 1940 n. Chr.?« Wenn die
Nadel reagiert, lautet die Antwort ja. Wenn die Nadel nicht reagiert, lautet die Antwort nein.
Wenn bei der ersten Frage eine Nadelreaktion erfolgt, wird die zweite Frage nicht mehr
gestellt. Wenn die Nadel auf keine der beiden Fragen reagiert, dann ist das Jahr, das der
Student-Auditor gefragt hat, dem gesuchten Datum nicht nahe genug oder das TR-1 des
Student-Auditors war nicht gut genug, als er die Frage stellte. Wenn das Jahr gefunden ist,
bestimmt der Student-Auditor den Monat des Jahres: »Liegt es vor Juni 1945 n. Chr.? . . .
Nach Juni 1945 n. Chr. ?« Dann wird der Tag gefunden: »Liegt er vor dem 15. März 1945 n.
Chr.? ... Nach dem 15. März 1945 n. Chr.?«

Sobald der Student-Auditor die Übung besser kann, sollte der Coach den
Schwierigkeitsgrad der Übung erhöhen, indem er den Student-Auditor Monat, Jahr,
Tag und ebenfalls Minuten und Sekunden herausfinden läßt. Der Student-Auditor
kann »vor« und »nach« verwenden, aber für die Daten aus diesem Leben nicht »mehr
als« oder »weniger als« verwenden. Der Coach sollte dem Student-Auditor für
schlechtes TR 0 bis 2, für unklare und indirekte »Q und A«-artige Fragen und für
schlechte Interpretation der E-Meter-Anzeige ein Flunk erteilen; ebenfalls dafür, daß
der Student-Auditor beim Fragenstellen übermäßig lange braucht.

Der Student-Auditor besteht diese Übung, wenn er leicht, richtig und genau mit dem
E-Meter datieren kann.

Geschichtliches: Von L. Ron Hubbard als »E-Meter Hidden Body Part« im November
1958 in London entwickelt und im Dezember 1963 überarbeitet.

E-METER-ÜBUNG NR.25

Nummer: EM-25. Name: Datieren der Zeitspur. Zweck: Den Student-Auditor darin zu
trainieren, Daten auf der Zeitspur genau und schnell festzustellen, zu helfen, eine
Realität über die Zeitspur zu erlangen, und zu demonstrieren, daß man mit dem E-
Meter etwas herausfinden kann, ohne daß der Preclear mit Worten etwas antworten
muß.
Stellung: Coach und Student-Auditor sitzen sich an einem Tisch gegenüber. Auf dem
Tisch steht ein betriebsbereites E-Meter. Der Coach hält die Dosen in seinen Händen.

Anweisungen: Keine festgelegten Anweisungen.

Wichtig im Training: Schritt 1. Der Student-Auditor wird zunächst darin trainiert, die
richtige Größenordnung eines Datums auf der Zeitspur festzustellen. Hierbei greift der
Coach eine Größenordnung eines Datums beliebig heraus und schreibt diese auf ein
Blatt Papier. Zum Beispiel nimmt der Coach Jahrzehnte her und schreibt es auf. Der
Student-Auditor muß dann unter Verwendung des E-Meters feststellen, was die
Größenordnung ist.

Der Student-Auditor stellt hierbei folgende Fragen: »Handelt es sich bei der
Größenordnung um Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Jahre, Jahrzehnte,
Jahrhunderte, Jahrtausende, Zehntausende von Jahren, Hunderttausende von Jahren?«
usw., bis er eine klare Anzeige bekommt. Dann nennt der StudentAuditor dem Coach
die gefundene Größenordnung. Stimmt diese nicht, erteilt der Coach dem Student-
Auditor ein Flunk, und der Student-Auditor beginnt von vorn, bis er die richtige
Größenordnung gefunden hat. Wenn der Student-Auditor die richtige Größenordnung
gefunden hat, zeigt ihm der Coach das Blatt Papier, auf dem die Größenordnung steht.
Dieser Teil der Übung wird so lange gemacht, bis der Student-Auditor gut mit großen
Zeitspannen umgehen kann.

Schritt 2. Als nächstes schreibt der Coach einen bestimmten Betrag an Jahren auf ein
Blatt Papier. Er verwendet dabei eine runde Zahl, wie zum Beispiel »vor 75 Billionen
Billionen Jahren«, »vor 150 Milliarden Billionen Jahren«, »vor 89 Milliarden Jahren«,
oder etwas in der Art. Der Student-Auditor findet das Datum heraus, indem er als
erstes nach der Größenordnung sucht. Nehmen wir als Beispiel eine Größenordnung
von Zehntausenden von Billionen von Jahren. Dann bestimmt der Student-Auditor das
Datum genauer, indem er »mehr als« oder »weniger als« verwendet. »Liegt das Datum
mehr als 50.000 Billionen Jahre zurück, weniger als 50.000 Billionen Jahre zurück?«
Der Student-Auditor wird bei einer der beiden Fragen eine Anzeige erhalten. Er nimmt
als Antwort das, was anzeigte. Wenn bei keiner der beiden Fragen eine Anzeige
erfolgte, dann war entweder das TR-1 des Student-Auditors unzureichend oder das
gefragte Datum lag vom eigentlichen Datum zu weit entfernt. In unserem Beispiel
reagierte die Nadel auf »weniger als 50.000 Billionen Jahre«. Jetzt geht man
folgendermaßen weiter:

»Liegt dieses Datum mehr als 25.000 Billionen Jahre zurück? Das zeigt an.« »Liegt
dieses Datum mehr als 35.000 Billionen Jahre zurück, weniger als 35.000 Billionen
Jahre zurück? Weniger als zeigt an.«

»Liegt dieses Datum mehr als 30.000 Billionen Jahre zurück? Das zeigt an.«

»Liegt dieses Datum 30.000 Billionen Jahre zurück, 31, 32? Das zeigt an. 32.000
Billionen Jahre zurück. Ist dies ein richtiges Datum? Ist dies ein falsches Datum? Es
zeigt als richtiges an.«

Beachten Sie, daß die zweite Frage nicht mehr angefügt wird, wenn die erste Frage
mit »größer als« anzeigt.
Wenn der Student-Auditor beim Meterablesen gute Arbeit geleistet hat, gutes TR-1
benutzt hat und nicht selbst verwirrt worden ist, wird das Datum richtig sein, und wird
mit dem Datum übereinstimmen, das vom Coach auf den Zettel geschrieben worden
ist. Wenn der Student-Auditor das falsche Datum bekommt, erhält er ein Flunk. Wenn
der Student-Auditor das richtige Datum findet, zeigt ihm der Coach, daß das
gefundene Datum genau das ist, das er aufgeschrieben hat.

Schritt 3. Im letzten Schritt dieser Übung schreibt der Coach ein vollständiges Datum
auf, wie zum Beispiel: 56.276.345.829.100 Jahre zurück, 315 Tage, 42 Stunden, 15
Minuten und 10 Sekunden.

Der Student-Auditor muß dieses Datum genau ermitteln, wobei er wie im zweiten
Schritt dieser Übung verfährt. Der Coach sollte kein Datum aufschreiben, das mehr als
Hunderte von Billionen Jahren zurückliegt. Der Student-Auditor erhält ein Flunk,
wenn er nicht das richtige Datum bekommt, und er besteht, wenn er es findet.

Zur Klarstellung die folgende Aufstellung:

1 9 Jahre.
10 - 99, Jahrzehnte.
100 - 999, Jahrhunderte.
1000 - 9999, Jahrtausende.
10.000 - 99.999, Zehntausende von Jahren.
100.000 - 999.999, Hunderttausende von Jahren.
1.000.000 - 9.999.999, Millionen von Jahren.
10.000.000 - 99.999.999, Zehnmillionen von Jahren.
100.000.000 - 999.999.999, Hunderte von Millionen von Jahren.
1.000.000.000 - 9.999.999.999, Milliarden von Jahren.
10.000.000.000 - 99.999.999.999, Zehnmilliarden von Jahren.
100.000.000.000 - 999.999.999.999, Hunderte von Milliarden von Jahren.
1.000.000.000.000 - 9.999.999.999.999, Billionen von Jahren.
10.000.000.000.000 - 99.999.999.999.999, Zehn Billionen von Jahren.
100.000.000.000.000 - 999.999.999.999.999, Hunderte von Billionen von Jahren.
1.000.000.000.000.000 - 9.999.999.999.999.999, Tausende von Billionen von Jahren.
10.000.000.000.000.000 - 99.999.999.999.999.999, Zehntausende von Billionen von
Jahren.
100.000.000.000.000.000 - 999. 999.999.999.999.999, Hunderttausende von Billionen
von Jahren.

Und so weiter, wobei es wie folgend geht:

Millionen von Billionen von Jahren.


Zehnmillionen von Billionen von Jahren.
Hunderte von Millionen von Billionen von Jahren.
Milliarden von Billionen von Jahren.
Zehnmilliarden von Billionen von Jahren.
Hunderte von Milliarden von Billionen von Jahren.
Billionen von Billionen von Jahren.
Zehnbillionen von Billionen von Jahren.
Hunderte von Billionen von Billionen von Jahren.
Tausende von Billionen von Billionen von Jahren.
Zehntausende von Billionen von Billionen von Jahren.
Hunderttausend von Billionen von Billionen von Jahren.
Millionen von Billionen von Billionen von Jahren.
Zehnmillionen von Billionen von Billionen von Jahren.
Hunderte Millionen von Billionen von Billionen von Jahren.
Milliarden von Billionen von Billionen von Jahren.
Zehnmillarden von Billionen von Billionen von Jahren.
Hunderte Milliarden von Billionen von Billionen von Jahren.
Billionen von Billionen von Billionen von Jahren.

Diese Übung gilt als bestanden, wenn der Student-Auditor genau und schnell ein
Datum auf der Zeitspur feststellen kann. Für eine vorangegangene Übung wird dem
Student-Auditor ein rosa Zettel gegeben, wenn der Kursleiter merkt, daß diese nicht
beherrscht wird. Der Student-Auditor soll diese Übung dann noch einmal machen.

Geschichtliches: Ermitteln von Daten auf der Zeitspur wurde zum ersten Mal von L.
Ron Hubbard 1951 durchgeführt, als es sich zeigte, daß sich Reclears an Geschehnisse
erinnern können, die weiter zurück lagen, als ihr gegenwärtiges Leben zurück reichte.

Seitdem wurde Datieren auf den Kursen von Scientology gelehrt. Diese Übung wurde
1963 überarbeitet.

In seiner »Geschichte der Menschheit« war Hubbard noch etwas bescheiden gewesen:

»Dies ist ein kaltblütiger Bericht über die vergangenen sechzig Billionen Jahre

lautet der erste Satz dieses Buches. Zum Zeitvergleich: Wissenschaftler schätzen das Alter
unseres Planetensystems auf ca. 5 Milliarden Jahre. Den »Urknall«, dem unser Universum
vermutlich sein Entstehen zu verdanken hat, datieren die Wissenschaftler 13 Milliarden Jahre
zurück.

Man sieht, Hubbard ist inzwischen wesentlich weiter in die Vergangenheit vorgedrungen. Die
Thetanen müssen den Urknall (»heller als tausend Sonnen«) vielfach mitgemacht haben.

Inder neuesten Ausgabe des »Buches der E-Meter-Übungen« findet sich - rotgedruckt - das
folgende Hubbard-Bulletin:

HUBBARD-KOMMUNIKATIONSBÜRO Saint Hill Manor, East Grinstead, Sussex


HCO-BULLETIN VOM 2. JANUAR 1967 Personal der Qualifikationsabteilung
Personal der Technischen Abteilung Studenten des Clearing-Kurses SHSBC-
Studenten DATIEREN - VERBOTENE WÖRTER

Die Wörter »mehr« - »weniger« kommen in der Bank vor, und ihre Verwendung beim
Datieren ist verboten.

Im Buch der E-Meter-Übungen muß die Formulierungsweise für das Datieren der
Zeitspur, E-Meter-Übung 25, in der die Wörter »mehr« - »weniger« enthalten sind,
verändert werden zu »größer als« - »kleiner als«. E-Meter-Übung 22, Finden
verborgener Daten aus diesem Leben mit Hilfe des E-Meters, bleibt unverändert.
Jeder, der beim Datieren die Wörter »früher« - »später« verwendet, Wörter, die in
keiner E-Meter- Übung zu finden sind, ist nicht nur des Alter-is-ness der Technologie
schuldig, sondern wird seinen Studenten oder Preclear in die Bank hinein quetschen,
da diese Wörter ebenfalls in der Bank vorkommen und daher verboten sind. L. RON
HUBBARD Gründer

Wir wollen hier gar nicht den Versuch machen, zu erklären, was die Scientologen meinen,
wenn sie »Bank« sagen. Denn das wäre bereits der volle Einstieg in das »Wortklären«, dem
weit über die Hälfte der Ausbildungszeit gewidmet wird. Dabei hangelt man sich von einem
Scientologen-Kunstwort zum anderen. Hier noch ein Beispiel für den ungeheureren
Autoritätsanspruch, mit dem die Sektenführung auftritt, ebenfalls aus der neuesten Ausgabe
der »E-Meter-Übungen«, ebenfalls rot gedruckt, und - eine Seltenheit - ohne Hubbards
Unterschrift:

TECHNISCHES BULLETIN DER VORSTÄNDE Vom 18. Januar 1977 R Revidiert


am 12. Februar 1977

Wiedervervielfältigen alle Kurse, die das »Buch der E-Meter-Übungen« enthalten.

STREICHUNG IM »BUCH DER E-METER-ÜBUNGEN«

Schritt 5 der E-Meter-Übung Nr.16, bei dem der Student eine Rockslam-Nadelanzeige
erzeugen muß, ist hiermit mit Genehmigung von L. Ron Hubbard aufgehoben.

Julie Gillespie Trainings- und Dienstleistungs-Adjutant. Mit Genehmigung von


Midshipman (Oberfähnrich) John Eastment, Stabsadjutant des Kommodore 4/5 (CS-
4/5). Autorisiert durch den Persönlichen Kommunikator von L.RH. Genehmigt durch
die Autorisierungs- und Prüfungseinheit (AVU) für die VORSTÄNDE DER
SCIENTOLOGYKIRCHEN

BDCS: RG: KU: JE: JG: Iflnt Übers.: CK/EJ: bj.rd Englisches Original Copyright
1977, deutsche Übersetzung 1977 by L. Ron Hubbard ALLE RECHTE
VORBEHALTEN

E-Meter-Übung Nr.16 betrifft »Erzeugen von Nadelverhalten« Der gestrichene Absatz lautet.

5.Ein Rockslam: die Betrachtung, Overt- Taten zu begehen. Dies geht am besten,
wenn man Items aus der R2-12 Liste Eins (siehe Anhang) in den Satz »Denken Sie
daran, einen Overt gegen . . . zu begehen« einfügt.

8.Gesundheit und Unsterblichkeit


Gesundheit und Unsterblichkeit

Teilweise wurde bereits beschrieben, mit welchen Methoden die Kritikfähigkeit der
Scientology-Anhänger systematisch abgebaut wird, bis sie in der Lage sind, auch
Unmögliches für Realität zu halten.
Die Begriffe Technik und Wissenschaft spielen dabei eine ebenso große Rolle, wie die im
Gesundheitsbereich inzwischen weit verbreitete Erwartungshaltung: Von Ärzten wird
erwartet, daß sie körperliche Funktionsstörung mit Hilfe eines Medikamentes schnell und
problemlos beseitigen. Diese Erwartungshaltung wird von vielen Ärzten dadurch gefördert,
daß eine Behandlung von in der Regel wenigen Minuten Dauer mit dem Ausstellen eines
Rezeptes gekrönt wird. Schließlich lassen nur wenige Ärzte Zweifel daran aufkommen, daß
ihre Diagnose richtig ist (wofür es übrigens durchaus gute Gründe geben mag).

Diese Erwartungshaltung überträgt sich auf seelische Funktionsstörungen, tatsächliche und


vermeintliche. Vom Psychiater und Psychologen wird erwartet, daß er diese
Funktionsstörungen schnell und problemlos beseitigen soll, was aber in den seltensten Fällten
ohne aktive Mitwirkung des Patienten gelingen kann. Diese Erwartungshaltung benutzen alle
diejenigen Psycho-Heiler, die ein vermeintliches Patentrezept anbieten. So beispielsweise
Janov, der behauptet, daß alle Störungen auf vorgeburtlichen oder frühkindlichen
»Primärerlebnissen« beruhen, die den »Urschmerz« hervorgerufen haben, der seinerseits
durch die »Urschrei-Therapie« beseitigt werden kann. (Janov ist übrigens - wie Hubbard - der
Meinung, daß die Anwendung seiner Theorien letztlich zu einer Welt ohne Krieg und
Verbrechen führen kann) In diesem Zusammenhang wird häufig der Begriff Technik
gebraucht: Janov's Technik, den »Urschrei« herbeizuführen, soll so einfach sein, daß ein
deutscher Autor wegen der Mißbrauchsmöglichkeiten davon absah, sie in einem Rundfunk-
Vortrag zu schildern.

Technik und Wissenschaft sind auch Hubbards Zauberworte. Natürlich ruft die Verwendung
dieser Begriffe Assoziationen hervor: Technik hat Menschen auf den Mond gebracht und dem
Schüler seinen Taschenrechner beschert. Warum also sollte die Technik nicht in der Lage
sein, seelische Funktionsstörungen - vermeintliche oder tatsächliche - zu beseitigen? Und
ganz besonders dann, wenn Gerät verwendet wird, das E-Meter, und ein technisches
Vokabular sowie eine »Studiertechnik«.

Technik ist - sehr vereinfachend - die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf


praktische Aufgaben.

Als wissenschaftlich werden Erkenntnisse dann angesehen, wenn sie beweisbar, also
nachvollziehbar sind. In den Naturwissenschaften lassen sich diese wissenschaftlichen
Erkenntnisse in Formeln ausdrücken, die jeder nachprüfen kann, der die erforderliche
Ausbildung besitzt.

In den sogenannten Geisteswissenschaften ist das etwas schwieriger: hier kann man sich
überwiegend nur auf Erfahrungen stützen. Deshalb auch »empirische Wissenschaft« im
Gegensatz zu den »exakten Wissenschaften«. Als wissenschaftlich gesichert gilt hier nur, was
bei stets wiederholten Versuchen unter denselben Versuchsbedingungen stets dieselben
Ergebnisse bringt. Beispiel: schlägt man mit einem Gummihammer auf ein locker pendelndes
Knie, so schnellt erfahrungsgemäß das Bein vor. Diese Erfahrung ist derart häufig, daß man
auf Störungen schließen kann, wenn das Bein nicht vorschnellt. Derartige Erfahrungen sind
teils Jahrhunderte alt, teils noch älter.

Bei einer sehr neuen Erfahrung kann man zunächst behaupten, die Versuchsanordnung sei
nach wissenschaftlichen Kriterien aufgebaut. Das bedeutet: Die Versuchsbeschreibung ist
derart, daß der Versuch stets wiederholbar ist. Damit kann aber das so gewonnene Ergebnis
noch keineswegs wissenschaftlich genannt werden. Erst die Bestätigung durch andere,
wissenschaftlich bereits abgesicherte Erfahrungen kann aus einem durch Versuche
gewonnenen Erfahrungssatz eine Wissenschaft machen, aus dem Glauben oder Hoffen ein
Wissen.

Erfahrungen, die nicht beweisbar sind oder deren Beweis sich dem individuellen Verständnis
entzieht, sollte man deshalb keineswegs als nicht vorhanden betrachten, denn sie gehören in
den Bereich des Glaubens und der Glaube ist für einen großen Teil der Menschheit Grundlage
des Seelenlebens.

Zurück zu Hubbards Scientology-Dianetic. Hubbard selbst scheint sich dieser Grundsätze


durchaus bewußt zu sein. Er schreibt:

»Um dieses Namens wirklich würdig zu sein, müßte eine Wissenschaft über den Sinn
in ihrer experimentellen Genauigkeit mit Physik und Chemie gleichgesetzt werden
können. lhre Gesetze dürften keine »Sonderfälle« zulassen. Sie dürfte sich nicht auf
Autoritäten stützen. Die Atombombe explodiert, ob Einstein es erlaubt, oder nicht.
Naturgesetze regeln die Explosion dieser Bombe.«

Irgendwann müßte nun eigentlich eine Beschreibung der Experimente folgen, die Hubbard
durchgeführt hat, und die Beschreibung der Bedingungen, unter denen diese Experimente
durchgeführt worden sind. Anschließend müßte eine Beschreibung der Erfahrungen erfolgen,
die dabei wiederholt gewonnen wurde und wie diese Erfahrungen durch andere
wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse bestätigt wurden.

Nichts dergleichen ist bei Hubbard zu finden. Er verwirrt den Leser weiter, indem er einen
bekannten Begriff einführt und diesem eine falsche Bedeutung unterschiebt:

»Obwohl Dianetics so einfach ist, stellt sie folgende Dinge dar und tut sie auch:

1. Sie ist eine organisierte Wissenschaft vom Denken, aufgebaut auf bestimmte
Axiome, d.h. auf Feststellungen von Naturgesetzen, die denen der
Naturwissenschaften gleichwertig sind.

2. Sie umfaßt eine therapeutische Technik, mit der alle nichtorganischen


Geisteskrankheiten und alle organischen psychosomatischen Leiden mit der Gewißheit
völliger Heilung in beliebigen Fällen behandelt werden können.

6. Die einzige Ursache geistiger Störungen ist von Dianetics klinisch oder
experimentell entdeckt und demonstriert worden. «

Ein Axiom ist - so die gängige Definition - ein unbezweifelbarer Grundsatz. So fallen
beispielsweise Äpfel grundsätzlich vom Baum. Man kennt aber auch längst die
wissenschaftliche Begründung dafür, warum sie vom Baum fallen. Hubbard hingegen sagt,
Axiome seien »Feststellungen von Naturgesetzen, die denen der Naturwissenschaften
gleichwertig sind.«

Mit anderen Worten: Hubbard behauptet, Naturgesetze entdeckt zu haben die so


selbstverständlich sind, daß sie nicht bezweifelt werden können und die deshalb des
wissenschaftlichen Beweises nicht bedürfen, also als wissenschaftlich bewiesen angesehen
werden können. Hier einige von Hubbards Axiomen:

»Erfolge heben das Überlebenspotential in Richtung auf unendliches Überleben.«


Jetzt galt es also nur noch, herauszufinden, wie dieses unendliche Überleben aussieht. Das
unendliche Überleben ist der Thetan, über den Hubbard schreibt:

»Gewöhnlich nimmt der Thetan den Raum innerhalb des Kopfes ein, oder er befindet
sich in der Nähe des Körpers ... Im zweiten Zustand befindet er sich in der Nähe des
Körpers und kontrolliert diesen wissentlich ... Aus der Sicht des Menschen ist dieser
Zustand optimal . . . Tatsache ist, daß sich der Thetan vom Körper trennen kann, ohne
daß dadurch das Phänomen des Sterbens eintritt...

Es ist eindeutig erwiesen, daß der Thetan unsterblich ist und den Tod nicht wirklich
erleben kann. Er täuscht ihn durch Vergessen vor.«

Da der Thetan weiterlebt (»Gleichfalls eindeutig erwiesen«) interessiert er sich für Sex: »Für
das nächste Leben sollen genügend Körper vorhanden sein«. Und:

»Man kann tatsächlich demonstrieren, daß ein Thetan durch Wände gehen, große
Hindernisse überwinden, Raum verschwinden lassen, beliebig in Erscheinung treten
sowie andere erstaunliche Dinge tun kann.«

Man darf sich keineswegs der Gewißheit hingeben, daß einen solchen Unsinn niemand
glaube. Die Existenz der Scientology-Sekte beweist das Gegenteil.

Ein junger Bäcker war monatelang in der Sektenzentrale in Kopenhagen. Er unternahm


mehrere Versuche sich von der Sekte zu trennen, wurde schließlich von Dänemark nach
Deutschland abgeschoben und an der Grenze in die nächste psychiatrische Klinik eingeliefert.
Von dort haben ihn seine Eltern abgeholt. Der junge Mann war monatelang in psychiatrischer
Behandlung und jahrelang arbeitsunfähig. Anfangs litt er vor allem unter großer
Schlaflosigkeit: Er hatte Angst, daß Sektengründer Hubbard persönlich seinen Thetan
losschicken, und daß der während des Schlafs Besitz von seinem Körper und Geist ergreifen
könne.

Wir haben ihn darauf hingewiesen, daß Hubbard, wenn er über derartige Fähigkeiten verfüge,
sich zunächst seine wirklichen Gegner vornehmen würde. Tagsüber sei ihm dies auch
einsichtig, so der junge Bäcker, nicht aber bei Nacht.

Es muß hier noch einmal klargestellt werden: Hubbard hat nichts von alldem bewiesen oder
demonstriert. Die Regierungen aller Länder geben Riesensummen für Forschung aus. Auch
die abseitigsten Behauptungen werden überprüft, notfalls von den Militärs. Ein Thetan wäre
eine unglaubliche Allzweckwaffe und Scientology längst zum Staatsgeheimnis erklärt, wäre
auch nur das Geringste daran beweisbar. Der Thetan ist nichts anderes als das Hirngespinst
eines Phantasten.

Sektengründer Hubbard über Sehstörungen und Brillen:

Brillen sieht man überall auf den Nasen, selbst bei Kindern. Meistens setzt man sich
Brillen auf, um durch Korrektur einen Zustand zu berichtigen, der den Körper aufs
neue selber wieder zu stören bestrebt ist. Wenn das Stadium kommt, in dem man
Brillen zu tragen beginnt, verschlechtert sich das Augenlicht, nicht wegen der Brillen,
sondern wegen des psychosomatischen Prinzips. Und diese Beobachtung ist fast
ebenso unverantwortlich wie die Feststellung, daß Äpfel, die vom Baum fallen,
gewöhnlich der Schwerkraft folgen. Es wird sich bei einem Clear, wenn auch
nebenbei, eine deutliche Besserung seines Augenlichtes einstellen, sofern es bei ihm
im aberrierten Zustand schlecht gewesen ist. Mit ein wenig Aufmerksamkeit wird er
sogar im Laufe der Zeit sein volles Sehvermögen wiedererlangen. (Entgegen den
Einwänden eines Optikers ergibt das ein recht gutes Geschäft. Es gab Clears, die zum
Abschluß ihrer Behandlung gezwungen waren, sich in schneller Folge fünf Paar
Brillen zu kaufen, um der Verbesserung der Augen nachzukommen. Und viele
aberrierte Personen, die erst spät im Leben geklärt wurden, erhielten am Ende ein
maximales Sehvermögen, das dicht unter dem Optimum liegt.)«

Gelegentlich wird behauptet, solcher und ähnlicher Unsinn stamme aus der Gründerzeit der
Sekte und werde heute nicht mehr vertreten. Das stimmt nicht. Diese Zitate stammen aus
Hubbards Buch »Dianetics - Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit Dianetics -
Modern science of mental health«, abgekürzt DMSH.

»DMSH-Geburtstag« lautet die Überschrift in einer Scientologen-Zeitschrift neueren Datums.


Jahr für Jahr wird der »Geburtstag« dieses Buches mit einer Feier und Vorträgen, mit einem
»farbenfrohen, fast riesigen Geburtstagskuchen« und mit anschließender fröhlicher Party
begangen. Der kurz gefaßte Inhalt dieses Buches: Der weitaus größte Teil aller Krankheiten
sei psychosomatischen Ursprungs, verursacht durch »Engramme«. Die Beseitigung dieser
Engramme führe somit nicht nur zu geistiger und körperlicher Gesundheit, sondern auch zur
Unsterblichkeit in Form des Thetanen. Diese Behauptung wird tagtäglich in zahllosen Kursen
und Auditings praktiziert.

Ein Scientology-Mitarbeiter antwortete auf die Frage nach Kranken- und Rentenversicherung:

Ein Scientologe wird weder krank noch alt.

Zielgruppen:Kontaktschwache, Einsame, Kranke.

Wie die Scientology-Sekte trickreich an die Zielgruppen kommt.

Die hohen Preise der Sekte - pro Stunde jetzt über 300. - DM - sind zugleich ihr bestes
Werbeinstrument. Da die jüngeren Interessenten nicht in der Lage sind, so viel Geld
aufzubringen, werden diese deshalb FSM (in den USA »Free Scientology Member«. In
Deutschland als Freier Scientology Mitarbeiter). Der FSM erhält für jedes verkaufte Buch und
für jeden Kursabschluß eine Provision. Diese Provision wird jedoch nicht in Geld ausbezahlt:
der FSM darf dafür an bestimmten Kursen teilnehmen.

Ursprünglich wurde sehr gezielt geworben und angesprochen. Wegen der großen Zahl der
FSM's wird jetzt auch gestreut: Fast jeder Stuttgarter Haushalt wird schon einmal den
»kostenlosen ARK-Persönlichkeitstest« im Briefkasten gefunden haben, auch als »Oxford
Capacity Analyse« bezeichnet. Dieser Test umfaßt 200 Fragen, zum Beispiel:

»1. Machen Sie unbesonnene Bemerkungen oder Anschuldigungen, die Ihnen später
leid tun?

2. Wenn andere nervös werden, bleiben Sie dann verhältnismäßig ruhig?

3. Blättern sie oft zum Vergnügen in Fahrplänen, Telephon- oder Wörterbüchern?«


Wer Interesse hat, schickt den ausgefüllten Test ein. Kurz darauf wird er von einer
freundlichen Stimme angerufen oder - falls ohne Telephon - in einem persönlichen, oft
handschriftlichen Brief angeschrieben. Mit ausgesuchter Höflichkeit und sehr persönlichen
Redewendungen wird versucht, einen Termin in den Scientology-Büros zu vereinbaren, es
kann gern auch nach Dienstschluß sein.

Bei diesem Termin wird dem Interessenten routiniert ein Diagramm vorgeführt und erläutert,
wo seine Stärken und wo seine Schwächen liegen. Und regelmäßig werden gewisse
Schwächen diagnostiziert, die es abzubauen gelte. Die 200 Fragen geben genügend
Anhaltspunkte.

Dann wird der Kommunikationskurs angeboten, nach dessen Absolvierung alle Probleme
beseitigt seien. Im Gespräch wird bereits sehr früh auf persönliche Probleme eingegangen,
ggf. auch auf Krankheiten, denn der Test bietet auch hier genügend Anhaltspunkte.

Dieser Kommunikationskurs wird von machen Leuten als durchaus angenehm empfunden.
Das kann Anreiz für die Teilnahme an weiteren Kursen sein. Andere empfinden es als
unangenehm, wenn man ihnen minutenlang in die Augen starrt. Denen wird dann gesagt, daß
dieser Kurs noch nicht das gewünschte Ergebnis gezeigt habe, der nächste aber ganz gewiß.

Und schon wieder hat die Sekte einige Mitglieder mehr. Auch wenn diese gar nicht wissen,
daß sie einer Sekte beigetreten sind.

Alle diese Gespräche erfolgen in ausgesprochen freundlicher Manier. Der Interessent fühlt
sich persönlich angesprochen und fühlt: Die wollen mich. Wenn die Gespräche nicht
ausreichen, aber ein gut gefülltes Portemonnaie vermutet wird, erfolgen weitere Anrufe, auch
mehrmals täglich und es kommen weitere Briefe.

Wunderheiler

Nur Ärzte und Heilpraktiker dürfen die »Heilkunde« ausüben. Ausübung ohne behördliche
Zulassung kann mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft werden. Ausübung der
Heilkunde definiert das Heilpraktikergesetz:

»Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder
gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von
Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen.«

Ein Wunderheiler gab vor, 1973 eine religiöse Erscheinung gehabt und seither mit
übernatürlichen Heilkräften begabt zu sein. Mit Handauflegen verdiente er rund 20.000.- DM
monatlich, an »Spenden«. Er wurde zu 9 Monate Freiheitsstrafe verurteilt. 75.000.- DM
»Spenden« wurden vom Gericht eingezogen. Der Bundesgerichtshof bestätigt das Urteil
(BGH NJW 78, 599).

Die Parallele zu Scientology' ist sehr einfach: Auch Scientology bedient sich übernatürlicher
Kräfte. Der Trick: Man tut so, als sei Übernatürliches völlig normal und im übrigen
beweisbar.

Eine ganze Forschungsrichtung bemüht sich seit langem, übernatürliche Dinge nachzuweisen:
die PSI-Forschung. Zum Beispiel Telepathie: Mit umfangreichen Kartenexperimenten wurde
versucht, die Übertragung von Gedanken nachzuweisen. Angebliche Erfolge erwiesen sich im
Nachhinein als Schwindel. Oder Psychokinese: Die Bewegung von Dingen allein durch
Geisteskraft. Den Scientologen gelingt all dies ohne Mühe, wenigstens nach ihren eigenen
Behauptungen.

Mehr noch: Sie spüren einem unsichtbaren, geistigen Wesen nach, welches Millionen von
Jahren alt sein kann und noch älter. Und sie behaupten, auch damalige seelische
Empfindungen dieser »Thetanen« aufspüren zu können: Höchst übernatürlich. Scientology
aber stellt dies dar, als sei es alltäglich. Laufend werden unter der Rubrik »OT-Phänomene«
solche Wunder geschildert: Beispielsweise wie jemand einen Autounfall verhindert und ein
Kind rettet, indem er durch seines Geistes Kraft das Auto ruckartig stoppt. Nach unserer
Auffassung bestätigt sich die Scientology-Sekte als der derzeit größte Wunderheiler der
Republik.

Mehr noch: Die Wunderheiler verweisen im allgemeinen auf den Glauben. Scientology aber
verweist schlicht auf das E-Meter.

Die Gerichte werden sich damit befassen müssen.

9.Werbung und Propaganda


Die Scientology Sekte gleicht einer internationalen Agentur zur Vermarktung
von Hubbards geistigen Produkten:

Die Werbung nimmt einen sehr großen Raum in diesen Organisationen ein. Unter Werbung
verstehen wir dabei nicht nur die direkte Werbung zum Verkauf eines Produktes sondern auch
die Eigenwerbung, die Public Relations, kurz PR. Dazu muß man auch die außerordentlich
große Zahl von Aktivitäten gegenüber der Presse zählen, sei es zur Abwehr oder zur
Förderung von Zeitungs-Artikeln oder sei es, daß eine Zeitung auf Grund eines bestimmten
Artikels mit Leserbriefen bombardiert wird.

Die von der Scientology-Sekte verbreitete Werbung wäre unter normalen Umständen gar
nicht zu finanzieren, selbst das größte Versandhaus würde pleite gehen.

Der Trick: Die Mitglieder der Sekte merken gar nicht, daß sie Werbung treiben. Der erste
Scientology-Kurs und gleichzeitig der Aufreißer für weitere Kurse ist bekanntlich der
Kommunikationskurs. Hier lernen die Teilnehmer, sich gegenseitig in die Augen zu starren
und sozusagen als Praktikum werden sie auf die Straße geschickt, um Leute anzusprechen.
Hubbards Zauberwort heißt Kommunikation. Kommunikation ist gut, also ist jede Art von
Kommunikation gut und ganz besonders, wenn sie nebenher noch Provision oder kostenlose
Kurse bringt. Jeder Kunde wird persönlich und intensiv betreut. Da es sich bei diesen Kunden
häufig um Einsame und Kontaktschwache handelt, wird dies als persönliche Sorge
empfunden, »endlich kümmert sich mal jemand um mich«. Natürlich lohnt es sich, sich
intensiv um einen Kunden zu kümmern, dem man nach Möglichkeit einige zehntausend DM
abschwatzen will.

Auch Telephonanrufe und persönliche Briefe werden von diesem Personenkreis häufig nicht
als Werbung erkannt, sondern als persönliche Sorge empfunden.

Kein Wunder: Die Scientologen werden einem intensiven Verkäufertraining unterzogen, nur
daß dieses anders deklariert ist.
Verbotene Straßenwerbung

In den ersten 5 Jahren dürften die weitaus meisten Kontakte durch Ansprechen von
Straßenpassanten zustande gekommen sein.

Dabei wurden z.T. derselbe simple Trick benutzt, den Schüler gebrauchen, die Mädchen auf
der Straße ansprechen: Überraschen und zum Lachen bringen.

Zum Beispiel: »Wissen Sie, wieviel Schuhe Sie anhaben?« Natürlich antwortet der
Angesprochene. Das gibt Gelegenheit für die Frage, ob man ein paar Minuten Zeit habe: »Ich
gehöre zu einer Organisation, die den Kontakt unter den Menschen fördern will«. Ein anderer
Scientologe eröffnet das Gespräch mit der Frage »arbeiten Sie?«

Das Ansprechen von Straßenpassanten zu Werbezwecken ist in doppelter Hinsicht verboten.

1. Es handelt sich um eine sog. Sondernutzung öffentlicher Verkehrsflächen. Die Stadt


München hat der Scientology-Sekte deshalb schon durch Verfügung vom 29.5.79 - AZ: B 32
- 064122 A-38/74-155/72 - den Verkauf von Büchern auf der Straße untersagt.

Trotz dieses Verbots wurde weiterverkauft. So durch den Scientologen Georg Stoffel, der
auch als Sprecher der »Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte«
auftrat und der kürzlich als Autor der Mediziner-Zeitschrift »diagnosen« unter dem Titel
»Wiederholung des psychiatrischen Holocaust« über Aktivitäten der »Kommission«
berichtete.

Georg Stoffel bekam am 9.1.75 eine Untersagungsanordnung zugestellt. Deren sofortige


Vollziehbarkeit wurde angeordnet (AZ: B 32 - 0~22 A-6/74). Herr Stoffel hat gegen diese
Anordnung Widerspruch eingelegt. Das Verwaltungsgericht München hat diesen Widerspruch
zurückgewiesen, ebenso wie in vier anderen Fällen.

2. Das Ansprechen von Straßenpassanten zum Zweck der Anbahnung eines


Vertragsabschlusses verstößt gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Auf diese
Prozesse wurde bereits im Vorwort hingewiesen.

Die Scientologen werben nach wie vor auf der Straße. In Stuttgart tut sich dabei insbesondere
der Dianetics e.V. hervor, der in teuerster Geschäftslage Stuttgarts ein »Studio mit Galerie«
unterhält, in der Königsstraße 10, unmittelbar beim Bahnhof. Dort sprechen nach wie vor
Scientologen die Passanten an, zeigen ihnen die Zacken einer Test-Auswertung vor und lotsen
sie in ihre Büros. Praktisch ausschließlich junge Leute. Der Dianetic e.V. fühlt sich in einer
besonderen Lage: Er hat den bisher einzigen Prozeß gegen die ABI gewonnen. Damals hatte
der Dianetic e.V. sein Hauptquartier in einiger Entfernung von der Königsstraße, auf der die
Passanten angesprochen wurden. Das Gericht vertrat die Auffassung, daß bei diesem Verein
das Ansprechen nicht wettbewerbswidrig sei, weil der Angesprochene sich die Sache auf dem
verhältnismäßig langen Weg noch einmal überlegen könne. Jetzt aber hat der Dianetic e.V.
sein Büro auf der Königsstraße und die Scientologen sprechen die Passanten unmittelbar
davor an. Stoff für einen neuen Prozeß.

Im übrigen haben die Scientologen sich durchaus Marktkonform verhalten: Sie haben neue
Wege der Werbung erschlossen. So werden beispielsweise Prospekte für das Buch
»Dianetics« offenbar flächendeckend in Briefkästen verteilt, nicht per Postwurfsendung,
sondern per Scientologen-Wurfsendung. Ein Scientologe beispielsweise ließ die Scientology-
Prospekte zusammen mit seinen eigenen Geschäftsprospekten verteilen und er wird
vermutlich die gesamten Kosten dieser Aktion als Betriebsausgaben verbuchen.

Auf diese Weise wird inzwischen auch der »Persönlichkeitstest« verteilt: Gelegentlich liegt er
massenhaft in Abfallkörben, die in vielen großen Wohnhäusern vor den Briefkästen stehen
und der Beseitigung unerwünschter Werbung dienen.

Heiratsanzeigen und Heimarbeit

Die Scientologen sind zweifellos Werbe-Profis. Manche von ihnen kennen sich auch in den
tiefsten Stellen der Werbetricks aus. So jener, der in einer Kleinanzeige Heimarbeit für 9.-
DM die Stunde anbot und damit weit über 1000 Adressen erlangt haben soll, denn Heimarbeit
wird üblicherweise eben nicht nach Stunden bezahlt, sondern nach Stückzahl oder ähnlich.
Vielleicht hat dieser Scientologe den Interessenten Hubbards Buch »Probleme der Arbeit«
angeboten. Ein anderer Scientologe suchte Kontakt über eine Heiratsanzeige. Die Inserentin
verlor ihre Erbschaft an die Scientologen, überstand die Scientology-Kontakte nur mit einem
geistigen Schaden, mußte Monate in einer Psychiatrischen Klinik verbringen und war
anschließend jahrelang arbeitsunfähig.

Ein anderer schließlich tat sich als Veranstalter rauschender Partys hervor, die insbesondere
auf junge grüne Witwen, gelangweilte junge Ehefrauen eine große Anziehungskraft ausgeübt
haben.

Und all dies dient nur oder vorwiegend der Adressenbeschaffung. Die eigentliche Bearbeitung
des potentiellen Kunden folgt erst, Anrufe, Briefe, Prospekte und das alles in einem bisher
unbekannten Ausmaß.

10.Die Wucherpreise der Sekte


Die Wucherpreise der Sekte

Wucher ist ein harter Vorwurf. Er wird begründet werden. Das Oberlandesgericht Stuttgart
hat kürzlich in einer aufsehenerregenden Entscheidung festgestellt, dass Zinsen dann
wucherisch sind, wenn sie um 100 % über den Marktzinsen liegen. Gemessen an dieser
Marge - und es besteht kein Anlaß, diese hier nicht anzuwenden - muß man die Scientology-
Preise schon gigantischen Super-Wucher bezeichnen.

Das E-Meter

Ende 1976 hat das E-Meter ca. 500.- DM gekostet. Die ABI hat damals unwidersprochen
behauptet, daß die Herstellungskosten bei 50. - DM liegen. Ein ähnliches Gerät vertreibt ein
Stuttgarter Diplomingenieur für ca. 125.- DM. Nehmen wir diesen Preis einmal als
Marktpreis. Bei hundert Prozent Aufschlag dürfte das Gerät also 250. - DM kosten.
Tatsächlich kostet es inzwischen über 1.500. - DM.

Der Preis liegt also über 1000 % über dem Marktpreis.

Zu berücksichtigen ist, daß seit einiger Zeit jeder »Auditor« 2 E-Meter besitzen soll.
Zusammen mit der wachsenden Zahl der Scientology-Anhänger dürfte das den Absatz
erheblich gesteigert haben und höhere Produktionsziffern verringern bekanntlich die
Produktionskosten.

Es kommt noch besser: Seit kurzer Zeit bietet Scientology mit erheblichem Werbeaufwand
ein neues E-Meter an (das seitherige wird seither als Arbeitspferd bezeichnet). Dieses neue E-
Meter unterscheidet sich tatsächlich deutlich vom Vorgänger-Modell: Bisher gab es einen
braunen Holzkasten, in den eine Scheibe eingelassen war, auf der sich die Scala und die
Einstellknöpfe befanden. Das neue E-Meter ist oval und aus Plastic. Auch die Scala ist oval.
Und statt eines mechanischen Zählwerkes findet sich die heute übliche elektronische
Leuchtanzeige. Mit anderen Worten: Die alte magische Kiste wurde modisch aufgepäppelt,
weder geschmacklich noch herstellungstechnisch irgend eine Besonderheit. Der Werbung ist
kein nachprüfbarer Hinweis auf ein verändertes Innenleben zu entnehmen und das Innenleben
der alten Kiste war mager genug: Auch die neue magic box dürfte überwiegend leer sein. Und
was kostet dieses offenbar für den Sonntagsgebrauch gedachte E-Meter? ca. 3.200. DM für
ein simples elektronisches Gerät! (Dezember 79, monatlich 10 % Preissteigerung!)

Zum Vergleich: Dafür bekommt man heutzutage einen Kopierautomaten oder eine
Kugelkopf-Schreibmaschine oder ein Farbfernsehgerät der absoluten Spitzenklasse oder eine
erstklassige Spiegelreflex-Kamera mit Motor und jeder Menge Objektive.

Die Staatsanwaltschaften mögen die Verfasser dieses Textes wegen Beleidigung belangen,
weil wir die Verkäufer Betrüger und Wucherer nennen. Oder sie mögen die Verkäufer wegen
dieser Delikte anklagen.

Preise für Kurse und »Auditing«

Die Preise für Kurse werden nach wie vor in höchst irreführender Weise als »Beiträge« und
»Spenden« bezeichnet.

Beiträge sind im üblichen Sprachgebrauch regelmäßig wiederkehrende Leistungen, mit denen


der Grundbedarf des Vereins gedeckt wird. Beiträge können steuerfrei sein: Für das Mitglied,
wenn der Verein gemeinnützig ist. Scientology-Vereine sind im allgemeinen nicht als
gemeinnützig anerkannt, doch dürfte dies kaum einem Mitglied bekannt sein.

Schließlich sind Mitgliedsbeiträge auch für den Verein steuerfrei. Und zwar auch für solche
Vereine, die nicht gemeinnützig sind.

Solche Vereine müssen 56 % Körperschaftssteuer vom Gewinn abführen. Mitgliedsbeiträge


bleiben unter bestimmten Voraussetzungen bei der Gewinnermittlung unberücksichtigt.

Für Spenden gilt im Prinzip dasselbe: Der Spender kann sie von der Steuer absetzen und der
Empfänger braucht sie nicht zu versteuern.

Wir wissen nicht, ob die verschiedenen Scientology-Vereine Steuern bezahlen. Wir wissen
allerdings, daß dem Dianetic Stuttgart e.V. die Gemeinnützigkeit aberkannt wurde.
Selbstverständlich wissen wir dies nicht vom Finanzamt. Der Verein Dianetic e.V. selbst hat
diese Nachricht verbreitet, verbunden mit der Bitte an die Mitglieder, Briefe zu schreiben, um
das Finanzamt zu einer Meinungsänderung zu veranlassen. Und wir wissen, daß die
Steuerermäßigung für die Scientology-Sekte von derart großem Interesse ist, daß die
Sektenbosse, die alle ihre Kritiker zu Kriminellen abstempeln, offenbar selbst schuldig
geworden sind: Sie stehen derzeit in Washington vor Gericht. Sie sollen eingebrochen haben,
Wanzen gelegt und Regierungsakten gestohlen.

Zurück zu den Preisen, die bei Dienstleistungen dieser Art vom Gesetz Vergütung genannt
werden:

1976 betrug der Stundensatz für das »Auditing« höchstens 64.- DM. Die ABI hatte damals
diesen Stundensatz mit dem eines akademisch ausgebildeten Psychologen verglichen und für
zu hoch befunden. Aber damals konnte man darüber immerhin noch streiten. Jetzt ist jeder
Streit überflüssig: ca. 350. DM pro Stunde!!

Dieser Stundensatz - monatlich 5 oder 10 % mehr! - wird allerdings nur noch selten oder fast
nie ausgewiesen und er ist auch nur schwer errechenbar. 350.- DM pro Stunde! Dieser Preis
ist mit nichts mehr vergleichbar. Auch der Hinweis auf die Einkünfte von Chefärzten - so sehr
eine Kritik daran berechtigt sein mag - liegt neben der Sache: Chefärzte erhalten ihre
Rieseneinkommen, weil sie sich auf ihrem Gebiet einen Namen gemacht haben (und wohl
auch aus anderen Gründen). Scientology- »Auditoren« sind Leute ohne jeden Namen, und in
der Regel meist ohne fachliche Ausbildung. Das Geld wird dem Markenzeichen Scientology
geopfert, wie ein Journalist schrieb: »Altäre für das Geld der Ängstlichen.« Die Sekte mußte
natürlich damit rechnen, daß mal jemand nachrechnet und zu dem einzig möglichen Schluß
kommt, daß diese Kurse erstens für die Teilnehmer zu teuer sind und zweitens sagenhaften
Profit abwerfen müssen. Kurz nach Inkrafttreten der Preiserhöhungs-Automatik wurde unter
dem Datum des 17.12.78 »Ron's Journal 30« veröffentlicht:

Ron ,5 Journal 30 Hallo! Ich habe ein paar aufregende Neuigkeiten über
Dienstleistungen. Das Auditing ist so schnell geworden, daß tatsächlich das Cearing
ganzer Gebiete in Sicht ist.

1978 war das Jahr der technischen Durchbrüche!

Wenn das Auditing wegen der Inflation teurer werden mußte, mußte es sehr viel
schneller und besser gemacht werden. Tatsächlich sind die Auditing-Kosten heute so
niedrig wie nie zuvor, und das werden sie bleiben, da die Verbesserungen so großartig
gewesen sind.

So simpel ist das also.. Dieselbe Autoreparatur, die früher eine Stunde gedauert und 50.- DM
gekostet hat, dauert jetzt nur noch eine halbe Stunde und kostet ein paar hundert DM. Die
Scientologen werden auch diese Logik schlucken.

Tatsache ist immerhin: noch nie hat Scientology so viele »Clears« produziert, wie heute. Im
Februar 1979 waren weltweit erst 6.300 Menschen in diesem übermenschlichen Zustand.

Ein Jahr später gelang es endlich einigen »Prominenten« deutschen Scientologen Clear zu
werden (»Clears« werden numeriert):

Helfried Riess 7807


Kurt Weiland 7811
Birgit Schmieder 7824
Paula Preisinger7825
Jörg Stettler7890
Einen Monat später stiegen die Zahlen dann rasant an und wieder war einige deutsche
»Prominenz« dabei:

Hubert Berrang 11609


Sigi Raitz v. Frentz 11610
Gerd Tjarks 14596
Peter Blum17283
Martin Ostertag17309
Dörte Girschkowski17956

Alles langjährige Scientologen. Ostertag war lange Jahre Pressesprecher der Zentrale in
München, ehe er von Weiland abgelöst wurde.

Nebenbei: Bisher konnten die sagenhaften Fähigkeiten der »clears« im Verborgenen blühen,
weil es davon so wenige gab. So bekommen Clears angeblich keinen Schnupfen, sie brauchen
keine Brille, sie haben selten oder nie Unfälle. Und überhaupt: Nach Hubbard beruhen 70 %
aller Krankheiten auf somatischen Ursachen und sind damit für einen Clear gegenstandslos.
Zurück zu »Ron's Journal 30« und den sagenhaften Fortschritten:

»So unglaublich es klingt, stoßen wir manchmal auf Dianetik-Clears, die in ihrem
vorigen Leben, 1949 und 1950 Clear gegangen sind... wir machen also nicht nur neue
Clears, wir finden auch alte.«

Ganz abgesehen davon, daß dies Hubbards früheren Behauptungen über die Natur des Clear
widerspricht: erst 1950 stellte Hubbard den ersten »Clear« der staunenden Öffentlichkeit vor:
Sonia Bianca, eine hübsche College-Studentin, die auf der Bühne freilich jegliche
unerwarteten Fähigkeiten vermissen ließ und sich nicht einmal an die Farbe von Hubbards
Krawatte erinnerte, als dieser ihr gerade den Rücken kehrte.

Der zweite Clear wurde erst 1952 gefunden. Wenn Sonia Bianca also wiedergeboren wurde,
müßte man doch feststellen können, ob sie überhaupt gestorben ist. Noch unglaubwürdiger
wird »Rons Journal 30«, wenn man der Hubbard-Biographie des Frankfurter CFAP Glauben
schenken darf. Dort heißt es wörtlich: »Im August 1965 erklärte er den Zustand des ,Clear' als
erstmals erreicht«.

Aber - wie schon erwähnt - die Frankfurter haben sich offenbar ihre eigene Biographie
gebastelt. Zu den »technische Durchbrüchen« des Jahres 1978 gehört auch der

Neue DrogenrundownDas ist die Antwort auf die Träume eines Drogennehmers. Ohne
Entzugserscheinungen kommt er in einer Raketenfahrt ohne Schmerz und Belastung
direkt wieder zum Leben zurück. Mit einem gut trainierten NED-Auditor sind die
Kosten eines endgültigen, beendeten, abgeschlossenen Drogenrundowns weit unter
das geschrumpft, was sie einmal waren und was sie zu sein pflegten.

Damit auch niemand auf die Idee kommt, mit Drogen könnten vielleicht nur Arzneimittel
gemeint sein:

»Die Mafia, Drogen-Durchsetzungsagenturen und andere Kriminelle hassen das, da es


sie um die Arbeit bringt. Aufgeklärten ausländischen Regierungen gefiel Narconon,
aber Junge! Jetzt lieben sie es.« In der Tat, die Toten werden wieder gehen.
Womit endlich und hoffentlich ein für allemal klargestellt ist: der NARCONON e.V. (vgl.
Tarnorganisationen) bietet nichts anderes als den »Drogenrundown« der Sekte.

Buchpreise

In einem Punkt darf man den Angaben der Sekte getrost glauben: Sektengründer Hubbards
Scientology-Bücher dürften sehr hohe Auflagen erreichen. Hohe Auflagen bedeuten geringe
Produktionskosten. Bei Auflagen von einigen Hunderttausend kostet auch ein dickes,
gebundenes Buch kaum über zwei oder drei Mark an Herstellungskosten. DIANETIK: DIE
MODERNE WISSENSCHAFT DER GEISTIGEN GESUNDHEIT ist ein solches Buch.
Preis: 44,- DM. Allerdings werden von den unterschiedlichen Scientology-Organisationen
auch unterschiedliche Preislisten verschickt. Die Scientology-Zentrale in München
verschickte eine Preisliste, nach der dieses Buch 33,-- DM kosten sollte. Und zwar mit der
ausdrücklichen

»Anmerkung: Alle Preise sind einer monatlichen Preissteigerung von 10 %


unterworfen. «

Gleichzeitig verschickte die Sektenzentrale in Kopenhagen die Preisliste, nach der dasselbe
Buch 44, - DM kostet. Ob nun 33,- DM oder 44,- DM: Wucher ist das allemal. Selbst wenn
das Buch in der Herstellung 5,- DM kosten würde und man einen satten Vertriebszuschlag
von 100 % hinzugeben würde, käme ein Preis von lediglich 10,- DM zustande. Trotz dieses
schon jetzt überhöhten Preises werden die Preise für Bücher Monat für Monat um 10 %
erhöht. Das bedeutet: 314 % Preiserhöhung im Jahr! Da diese Zahl schier unglaublich ist,
soll Hubbards diesbezügliche Führungsanweisung hier wiedergegeben werden:

L.Ron Hubbard EXECUTIVE DIRECTIVE 8.Mai 1979 LRH ED 284-5 INT


An:Commanding Officers Executive Directors Dissemination Secretaries Distribution
Secretaries Publikationsorganisationen Missions Buchhändler Bucheinzelhändler
FSMs Ausgabe zur allgemeinen öffentlichen Verbreitung

Von:Ron

Betrifft:ERHÖHUNG DER BUCHPREISE Referenz LRH ED 284, Die Lösung der


Inflation Hebt LRH ED 284-1 auf und ergänzt LRH ED 284-4. Vom 1. Juni 1979 an
werden die Preise aller Dianetik- und Scientology-Bücher, Kurs-Packs und anderer
Materialien, einschließlich E-Meter, monatlich um 10 % steigen, wirksam um
Mitternacht eines jeden Monats, am letzten Tag des vorangegangenen Monats. Druck-
und Papierkosten sind rapide angestiegen und steigen weiterhin an. Bücher und
Materialien werden Gefahr laufen, nur mit Verlust geliefert zu werden, und dies
könnte Disseminationslinien unterbrechen. Einzelnen Buchverkäufern und
Einzelbuchverkaufsstellen wird vorzeitiger Kauf empfohlen, solange bestehende
Lagerbestände ausreichen und bis der höhere Preis neue Lagerbestände möglich
macht. Das Eingangsdatum der Bestellung bei Pubs oder dem Buch laden, begleitet
von einer Zahlung, bestimmt, welcher Verkauf unter die Preissteigerung fällt, nicht
das Lieferungsdatum. Jede Anstrengung wird getan und wird getan werden, um alle
Titel und Materialien auf Vorrat zu halten. Es sei erwähnt, daß »Dianetik, die moderne
Wissenschaft der geistigen Gesundheit« in sein 29. Lebensjahr als ein ständiger
Bestseller eintritt und daß Sammlungen von LRH-Büchern und Erzählungen nun bis
zu 70.000.-- US-Dollar erbringen, nach Aussage von maßgebenden Sammlern. Die
Nachfrage bleibt weiterhin sehr hoch, und es muß alles unternommen werden, um mit
ihr Schritt zu halten. L. RON HUBBARD GRÜNDERAuf Verlangen derVORS
TÄNDEderSCIENTOLOGY-KIRCHEN

Auch dies ist wieder ein Beweis für den lügenhaften Umgang der Scientology-Sekte mit den
Tatsachen: Die jährliche Preissteigerungsrate beträgt in der Bundesrepublik ca. 5 %. Also in
jedem Fall 300 % weniger als die Scientology-Preise. »Druck- und Papierkosten steigen
rapide« heißt es zur Rechtfertigung dieser Preissteigerung. Diese Behauptung ist in diesem
Zusammenhang falsch. Es ist schon zweifelhaft, ob die Druck- und Papierkosten überhaupt
steigen. Bei derartigen Großaufträgen dürfte die Steigerung jedoch kaum ins Gewicht fallen
und bestimmt nicht mehr ausmachen als die üblichen 5 % im Jahr. Die Scientology-Sekte hat
hier eine neue Variante des sogenannten Psychologischen Kaufzwanges erfunden. Sie führt
bewußt eine Inflationsmentalität herbei, um den Käufer zu schnellen Bestellungen zu drängen.
Die tatsächlichen Gründe für derartige Preiserhöhungen verbunden mit einem starken
psychologischen Kaufanreiz kann nur vermutet werden. An der Organisation der Sekte hat
sich, so weit ersichtlich, nichts verändert, was einen derart großen Geldbedarf rechtfertigen
würde. Auch kaufmännisch ist eine solche Preispolitik weder logisch noch vernünftig. Also
müssen entweder die Sekte oder der Copyright-Inhaber und Sektengründer Hubbard aus
anderen Gründen einen erhöhten Geldbedarf haben.Eine plausible Antwort: An den
Gerüchten, nach denen Hubbard entweder querschnittgelähmt oder tot ist, könnte was dran
sein, und Erbauseinandersetzungen stehen bevor oder sind bereits in Gang.

Denn das Copyright - und damit der Anspruch auf Vergütung - vererbt sich und währt in
Deutschland noch 70 Jahre nach Tod des Urhebers weiter.

Supertrick 1: Vorauszahlungen

Nicht genug mit den Super-Wucherpreisen: Scientology-Anhänger werden noch auf andere
Art und Weise geschröpft. Am Beispiel der Kurse: Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB)
bestimmt:§ 614 BGB: Die Vergütung ist nach der Leistung der Dienste zu entrichten. Ist die
Vergütung nach Zeitabschnitten bemessen, so ist sie nach dem Ablauf der einzelnen
Zeitabschnitte zu entrichten. Nicht so bei der Scientology-Sekte: hier wird die Vergütung
grundsätzlich im voraus verlangt.

Der Fall: ein Stuttgarter hatte den 200-Fragen-Test absolviert. Die Auswertung fiel - wie
üblich äußerst negativ aus. Wohl deshalb kümmerte sich der Stuttgarter Scientologen-
»Geistliche« höchst persönlich um den Mann. 200 Stunden »geistliche Beratung« brauche er
mindestens, zum Preis von damals 48,-- DM pro Stunde, also solle das Ganze 9.600,-- DM
kosten. Der Stuttgarter hatte zwar kein Geld, aber eine krisenfeste Stellung bei einem
Versorgungsunternehmen. Also schleppte ihn der Stuttgarter Scientologen-»Geistliche«
Helmut Kohl höchstpersönlich zum nächsten Kredithai. Dort wurde ein Kredit aufgenommen,
auf den üblichen harmlosen Formularen, in denen die wahren Kreditkosten kunstvoll
verschleiert werden. 1 % Zinsen im Monat sind laut Formular zu zahlen, und der
Durchschnittsbürger errechnet daraus 12 % im Jahr. Weit gefehlt. 10 % Preissteigerung sind
auch nicht 120 % im Jahr, sondern eben 314 %. Tatsächlich entspricht ein Zinssatz von 1 %
im Monat einem solchen von 23,41 % im Jahr. Hinzu kommen Kosten für Bearbeitung,
Versicherung usw. usw., die den Kreditkosten zuzurechnen sind, so daß man sehr schnell auf
einen Zinssatz von ca. 40 % kommt. Die Scientologen-Zentrale hat das Geld kassiert, und der
Teilnehmer hat kurz darauf gekündigt. Nach einigem Hin und Her wurde ihm dann das
übliche Rückzahlungs-Formular geschickt.

Supertrick 2: Rückzahlungs-Verhinderungs-Antrag
Es ist zweifellos leichter, vom Finanzamt Geld zurückzubekommen, als von der Scientology-
Sekte, wenn man deren Formular benutzt. Daß die Einzahlungs- Quittungen vorgelegt werden
müssen, ist gerade noch verständlich, spricht allerdings für eine schlecht geführte
Buchhaltung. Dann aber wird es schlimm:

»2. Der Antragsteller muß eine von einem Notar beglaubigte Erklärung anheften, daß
er in dieser Angelegenheit noch keine Rückzahlung bekommen hat.«

Reine Schikane, denn der Notar beglaubigt nur die Echtheit der Unterschrift.

»3. Wenn 1. und 2. oben abgeschlossen sind, muß der Antragsteller eine Bestätigung
von der Technischen Abteilung bekommen, daß die entsprechende Leistung entweder
noch nicht in Anspruch genommen wurde. Diese Bestätigung wird zusammen mit den
Papieren von 1. und 2. oben an dieses Formblatt geheftet. 4.Nun bekommt der
Antragsteller vom Leiter der Qualifikationsabteilung eine Bestätigung, welche Art
korrektiver Leistung er erhalten hat, oder ob er eine solche Leistung verweigert hat.
Diese Bestätigung wird an dieses Formblatt angeheftet. 5.Der Antragsteller geht jetzt
zum Ethik-Officer der Kirche, wo er folgende Erklärung sowie eine
Verzichtserklärung laut HCO PL vom 5. Februar 1970, Ausgabe 11, unterschreibt.
6.Ich, der Antragsteller, verstehe, daß eine Bearbeitungsgebühr für die Bearbeitung
einer Rückzahlung erhoben wird. Die Gebühr wird festgelegt, nachdem mein Antrag
vom C.B.V. überprüft wurde, da sämtliche Ausgaben, die durch das Bearbeiten dieses
Antrages entstanden sind, in der Berechnung aufgeführt werden müssen. 7.Der
Antragsteller muß ebenso verstehen, daß sein Antrag zurückgewiesen werden kann,
wenn:

D)Wenn er/sie Verzichtserklärungen gefälscht hat, die aufgrund einer psychiatrischen


Vergangenheit abgegeben wurden, oder die Kirche in anderer Weise hintergangen
hat.G)Wenn irgend eine Drohung, Nötigung oder Einschüchterung von Seiten des
Antragstellers versucht wurde. K)Wenn es irgend einen anderen Verstoß gegen den
ursprünglichen Vertrag gibt.«

Damit ist der Spaziergang noch keineswegs zu Ende. Der Antragsteller muß zum dritten Mal
unterschreiben und einen weiteren Gang durch die verschrobene Scientology-Bürokratie
antreten. Während der »Antragsteller« Zinsen bezahlt und Scientology das Geld auf der Bank
liegen hat und Zinsen kassiert, soll der Antragsteller also einen langwierigen Fußmarsch
antreten, ohne zu wissen, wieviel »Bearbeitungsgebühr« ihm anschließend abgeknöpft wird.

Juristische Beurteilung

Das Ganze ist völliger Unsinn und nichts als Schikane. In Wahrheit liegen die Dinge ganz
einfach:

Der Vertrag mit der Scientology-Sekte ist ein DIENSTVERTRAG. Jeder Dienstvertrag kann
fristlos gekündigt werden. Wenn es sich um Dienstleistungen höherer Art handelt, kann der
Vertrag sogar jederzeit und ohne Angabe von Gründen gekündigt werden, § 627 BGB. Um
solche Dienstleistungen handelt es sich hier, mögen sie auch wertlos sein.

Bereits mit der Kündigung kann die Rückzahlung gefordert werden. Dafür sollte eine Frist
gesetzt werden. Gleichzeitig sollte angedroht werden, für den Fall, daß die Zahlung nicht
fristgemäß eingeht, einen Mahnbescheid zu beantragen oder Klage zu erheben.
In dem oben geschilderten Fall hat die ABI im Auftrage des Stuttgarters ca. über 10 Monate
korrespondiert, ehe sich die Scientology-Sekte bequemte, das Geld zurückzuzahlen.
Daraufhin stellte die ABI der Sekte 24 % Zinsen für diesen Zeitraum in Rechnung und die
Kosten der Bearbeitung durch die ABI, berechnet nach der Gebührenordnung für
Rechtsbeistände. Die Sekte weigerte sich zu zahlen, und die ABI erhob Klage beim
Amtsgericht München.

Das Amtsgericht München (9 C 836/77) gab der Klage statt. Aus den Entscheidungsgründen:

»Der Rückzahlungsantrag enthält für denjenigen, der die Rückzahlung der bezahlten
Gebühren beansprucht, nichts anderes als eine Reihe von Erschwernissen, die durch
kein gerechtfertigtes Interesse des Beklagten (Scientology-Verein) gedeckt sind. Wenn
der Beklagte (Scientology-Verein) darauf hinweist, daß die Formalien des
Rückzahlungsantrages dadurch gerechtfertigt seien, daß klargestellt werden soll, daß
nach Beendigung des Mitgliedschaftsverhältnisses keinerlei Rechte mehr bestünden,
so greift diese Erklärung nicht durch. Den von dem Beklagten (Scientology- Verein)
erwünschten Erfolg kann man schlicht und einfach dadurch erreichen, daß man den
Austrittswilligen eine Erklärung unterschreiben läßt, in der er auf sämtliche Rechte
aus dem Mitgliedschaftsverhältnis verzichtet. Warum hierzu, wie in dem
Rückzahlungsantragsformular vorgesehen, zunächst zum Rezeptionisten, dann zum
Direktor für Korrektur, schließlich zum Qual, dann zum Direktor für technische
Dienstleistungen, schließlich zum Fallüberwacher gegangen werden muß, ist
schlechthin unerfindlich, es sei denn, der Austrittswillige soll bei sämtlichen Stationen
immer wieder vorn Austritt abgehalten werden.

Der Beklagte (Scientology- Verein) kann sich auch nicht auf Artikel 137 der
Weimarer Reichs-Verfassung berufen. Denn auch die durch diesen Artikel
eingeräumte Regelungsfreiheit für Religionsgemeinschaften steht unter dem Vorbehalt
von Treu und Glauben.

Schließlich kann sich der Beklagte (Scientology-Verein) nicht darauf beziehen, daß
der Kläger die bezeichnete Regelung der Rückzahlung durch die Unterzeichnung der
Regeln des Beklagten (Scientology-Verein) anerkannt habe. Einerseits kann nämlich
zu einer sittenwidrigen Regelung eine wirksame Zustimmung ohnehin nicht erteilt
werden, zum anderen aber ist die Kompliziertheit des Weges beim Austritt aus diesen
Regeln nicht zu ersehen.«

Gerichte haben also nicht nur die Werbung als sittenwidrig erkannt, sondern auch die
Methoden, mit denen die Sekte ehemalige Mitglieder und besonders deren Geld an sich
binden will.

Die Sekte hat übrigens auch für diesen Prozeß die Kosten für die ABI und beide
Rechtsanwälte bezahlt. Und, kaum begreiflich: sie hat gegen dieses Urteil keine Berufung
eingelegt. Hat das Urteil die Sekte möglicherweise überzeugt? Leider nein, das sittenwidrige
Formular wurde weiter verwendet.

WICHTIGER TIP: Kündigungsschreiben immer per Einschreiben mit Rückschein versenden.


Nur so kann man sicher nachweisen, daß der Brief auch angekommen ist.

11.Neue Kurse neue Stufe


»Go Clear!« - »Den Planeten Clear machen« so und ähnlich lauteten die Werbesprüche für
das erste Traumziel der Scientologen, »Clear« zu werden. (Einige Einzelheiten dazu im
Kapitel Biographie.) Ein wahrer Übermensch sollte dieser Clear sein, nahezu frei von
Krankheiten, insbesondere auch frei von Schnupfen. Besonders plastische Schilderungen
enthält das Buch des Ex-Scientologen Robert Kaufman: »Übermenschen unter uns«.

Doch nachdem es die ersten »Clears« gab, war Sektengründer Hubbard dies nicht mehr
genug. Kein Wunder: erstens war er den Clears nicht mehr voraus, und zweitens gab es an
»Clears« nichts mehr zu verdienen.

Also erfand Hubbard den OT, den OPERATING THETAN. Also ein Thetan in Aktion, eine
Art Super-Übermensch, SUPERMAN!!! Die Scientologen-Zeitschriften veröffentlichen deren
Heldentaten regelmäßig in ihren Zeitschriften, Rubrik

OT-PHÄNOMENE: Ich habe die Sitzung soeben beendet. Meine Hand schreibt, doch
befinde ich mich, dank meines Willens, über der Erde. Ich bin an einem bestimmten
Punkt über dem Mittelmeer und kann von Alaska nach Schweden hinübersehen. Der
größte Teil Afrikas ist frei von Nebel und Wolken, Grönland und die Arktis funkeln in
der Sonne . . . Ich kann die wunderschönen, grünblauen Eisschichten sehen und wie
die Sonne hinter ihnen scheint.

Auch der OT reichte eines Tages nicht mehr aus, also erfand Hubbard neue Stufen des OT,
zunächst den OT 1, dann OT II, usw. bis (derzeit) OT VII oder VIII, wobei die jeweils
höchste Stufe - so heißt es - nur vom Sektengründer erreicht wird. Dann begann die
Scientology-Sekte die Preise anzuheben, die schon zuvor nicht gerade kleinlich waren (vgl.
Kapitel Wucherpreise). Monatlich um zunächst 5%, dann 10%, was einer jährlichen
Steigerungsrate von 314 % entspricht.

Um diese irrsinnige Steigerungsrate zu rechtfertigen, mußten wohl neue Kurse her, das »Jahr
der technischen Durchbrüche« brach an, 1978. Neue Kurse wurden angekündigt, mit
angeblich sensationellen Angeboten, alles enthalten in

»RON'S JOURNAL 30« 1978 - DAS JAHR BLITZSCHNELLER NEUER


TECHNOLOGIE

Hier einige Auszüge aus den 16 DIN A 4-Seiten, die in verschiedenen Übersetzungen
verbreitet wurden, die teilweise kurios voneinander abweichen:

A. Preassessment Mit der neuen Preassessment-Tech, die für NED entwickelt wurde,
wird jede Krankheit oder jeder Zustand, den der PC gehandhabt haben möchte und
sollte, mit einer neuen Technik gehandhabt.

E. Schwitzprogramm

Einige dieser neuen Drogen, wie die Geheimdienstdroge LSD (wurde entwickelt, um
ganze Städte zu vergiften und lahmzulegen) oder Angel Dust (Engelsstaub) (wurde
von betrügerischen Spielern entwickelt, um Rennpferde zu handhaben und Rennen zu
beeinflussen), haben die ekelhafte Angewohnheit, im Körper zu bleiben und
unerwartet irgendwann hochzukommen, um Leute auf »Trips« zu schicken. Das
»Schwitzprogramm« wurde verfeinert, um das zu handhaben. Das ist ziemlich
anstrengend - aber das ist ein Verkehrsunfall auch, wenn ein unerwarteter »Trip«
losgeht. Jeder, der den Mut hat, ein Schwitzprogramm zu machen und dabei zu
bleiben, ist strahlend daraus hervorgegangen.

G. Erleichterungs-Rundown

Er handhabt Verluste, die die Leute in Verzweiflung und Düsternis des Lebens treibt,
und er wischt die Tränen der Zeit hinweg.

H. Dianetik-Studenten-Rettungs-Intensiv

Diejenigen, die das Studieren schwierig finden, werden davon entzückt sein. Der
langsame Student nimmt plötzlich neues Wissen blitzartig auf.

Seit Jahren ist ein Trend erkennbar: Scientology auf alles und jedes anzuwenden. Das begann
1956 mit dem Hubbard-Buch »Probleme der Arbeit«, die mit Scientology zu beseitigen seien.
Die vorläufigen Höhepunkte enthält »Ron' Journal 30«:

J. Identitäts-Rundown

Freud sagte, daß Leute, die losgelöst sind und denen Dinge unreal sind, nie
gehandhabt werden können, dieser RD setzt ihn ins Unrecht und den PC ins Recht.

K. Unfähigkeits-Rundown

Für einen PC kann Unfähigkeit mehrere Gestalten annehmen alles, angefangen von
der Unfähigkeit, Mädchen anzusprechen, bis zur Unfähigkeit, Arabisch zu sprechen.
Jetzt haben wir eine Methode, das zu handhaben, und sie funktioniert.

Die Zahl der »Clears« hielt sich lange Jahre sehr in Grenzen. 1968 wurde der tausendste
»Clear« vorgestellt, 10 Jahre später waren es immer noch nur 6.000, auf die ganze Welt
verteilt. Für die Scientology-Sekte brachte das durchaus Probleme mit sich, denn die höheren
Weihen dürfen nur an »Clears« verkauft werden und gerade diese bringen Scientology
besonders viel Geld.

Die Lösung:

»Dianetic-Clears Zweifellos war die große Neuigkeit, über die 1978 auf der ganzen
Welt sehr viel geredet wurde, die riesige Anzahl von Leuten, von denen entdeckt
wurde, daß sie Dianetik-Clear gegangen waren. 1950 und später pflegten die Leute zu
fragen: »Wo sind all die Clears?« Sie waren genau da! 1978 entdeckte ich, daß es
tödlich war, einen Dianetik-Clear mit Dianetik weiter zu auditieren. Das gab den
Anschein von keinem Fallgewinn! (natürlich). Als ich also ankündigte, daß das
Auditieren von Dianetik bei Dianetik-Clears verboten ist, begannen sich die Leute
umzuschauen, und siehe da, sie hatten mit Dianetik Clears hervorgebracht und einfach
weiter gemacht! Der PC, der es geschafft hatte, wurde nicht zum Clear erklärt und
weiteres Dianetik wirkte bei ihm nicht (natürlich). Im Jahre 1978, nach meiner
Ankündigung, begannen Auditoren es zu überprüfen und auf den PC zu hören und
stellten fest, daß es überall Clears gab!

NED bringt jetzt viel schneller Gewinne hervor, und viele (nicht alle) NED-PC's
begannen, Clear zu gehen.
Und die Zahl der Clears raste weiter, wie bei einem Computer. Indem sie rehabilitiert
waren und es erlaubt wurde, sie zu Dianetik-Clears zu erklären, wurden plötzlich die
vollen Resultate des Clear erzielt!

Lawinen von aufregenden Erfolgsberichten gingen Monate lang zu Tausenden aus der
ganzen Welt bei mir ein.

Und es ist interessant, daß unter denen, die gefunden wurden, ein paar sind, die mit
Dianetik im letzten Leben Clear gegangen sind- in den Fünfziger Jahren! (Das ist eine
ganz schöne Arbeit, den Folder aus ihrem letzten Leben und die Daten ausfindig zu
machen, so daß sie zu vollem OT weitergehen können!) »Wo sind die Clears?« Da
waren sie!«

Diese Nachricht wird viele Scientologen hart getroffen haben, galt es doch bisher als absolut
sicher, einen »Clear« mit Hilfe des E-Meters zu erkennen. Und die Scientologen haben daran
fest geglaubt, denn wie sagt Hubbard:

»Das E-Meter irrt nie Es sieht alles. Es weiß alles. Es offenbart alles.«

Nun aber soll das E-Meter in tausenden von Fällen den segensreichen »Clear«-Zustand
übersehen haben, ohne daß dafür eine Erklärung geliefert wird. Für viele Scientologen mag
eine Welt zusammengebrochen sein, auch wenn es nur eine Scheinwelt war. Hubbard geht
darüber in seinem »Journal 30« mit einem Nebensatz hinweg:

»Falls Sie dem fälschlichen Eindruck erlegen sind, daß Scientology 1978 zu Fall
gebracht wurde, sollten Sie wissen, daß die neue Öffentlichkeit Scientology-Schriften
auf einem Bestseller-Trend gekauft hat.«

Das wird vielen Scientologen wohl nicht genügen, und es wird ebenfalls kaum ausreichen,
daß im »Journal 30« zahlreiche neue Kurse vorgestellt werden:

»Neu Das Ehe-Intensiv Damit handhaben Ehemänner und -frauen Eheschwierigkeiten,


wodurch sie befähigt werden, ein glückliches Eheleben zu führen. Es kann die Blüte
der Frühlingsromanze wiederherstellen!

Neu Lehrer- oder Uberwacher-Intensiv Dies ist für jede Person, die mit dem Lehren
oder Überwachen oder der Erziehung zu tun hat, und befähigt sie, ein bei weitem
besserer Lehrer oder Überwacher zu werden.

Neu Geld-Prozessing-Intensiv Das handhabt die Unfähigkeit, Geld zu haben und führt
zu der Fähigkeit, das Einkommen zu erhöhen.

Neu Berufsintensiv Das befähigt Personen, Schwierigkeiten zu überwinden, denen sie


in ihrem Beruf oder in irgend einem gegebenen Fachgebiet begegnen mögen.

Neu Fixierte Person-Rundown Das befähigt eine Person, den Zustand zu überwinden,
ihre Aufmerksamkeit auf eine Person fixiert zu haben.«

All diese Kurse sind auch für »Clears« vorgesehen und das ist nun wirklich völlig
unverständlich. Denn nach Hubbards eigenen Thesen sollte ein »Clear« genau diese Probleme
eigentlich gar nicht mehr haben. Zu den zahllosen neuen Kursen gehört auch der folgende:
»Neu Dianetik-Clear-Rehabilitation Der Zustand des Dianetik-Clear wird überprüft
und rehabilitiert, was in den meisten Fällen eine sehr schnelle Aktion ist. Es muß
überprüft werden, denn wenn eine Person es nicht erreicht hat, muß sie auf den
Clearing-Kurs gehen; und wenn sie wirklich Dianetik-Clear erreicht hat, wäre es
verhängnisvoll, den Clearing-Kurs zu machen, denn sie ist natürlich schon Clear.
Darum sind

AOs jetzt mit einem Projekt beschäftigt, Folder-Archive wiederherzustellen, insbesondere von
den wenigen PCs, die in den letzten paar Jahrzehnten gestorben sind. Bringen Sie immer
Ihren eigenen Folder oder lassen Sie ihn an die AO schicken, wenn sie gehen.«

Man kann es wohl durchaus als bedenklich ansehen, wenn Lebensläufe Verstorbener jetzt
Lebenden als früheres Leben angedient werden.

In diesem Zusammenhang soll auf das Problem des DATENSCHUTZES hingewiesen


werden, vgl. Gesetzesverstöße. Jeder Scientologe, insbesondere aber auch jeder Ex-
Scientologe sollte wissen, daß seine Akte noch über seinen Tod hinaus zur Motivierung teurer
Kurse verwendet wird.

ÄRZTE UNTERLIEGEN DER SCHWEIGEPFLICHT, SCIENTOLOGEN NICHT.

12.Die Tarnorganisationen
Tarnorganisationen-Liste

ACADEME - Initiative zur Förderung selbständigen Lernens Aktionskommitee für freie


religiöse Entfaltung, München

ALV - Arbeitskreis für Liberale Bildungsinformation der Verbraucher e.V., Darmstadt

CFAP - College für angewandte Philosophie, in mehreren Städten

Communication Center, Ulm

Dianetic-College, Frankfurt

Studierkreis angewandter Philosophie, Gelsenkirchen

Deutsche Liga für Menschenrechte, e.V., München

Patientenhilfe e.V., München

Kommitee Wahres Christentum

Kommission für Verstöße des Bürgers gegen Datenmißbrauch,

München Kommission für Polizeirefonn, München

Institut für angewandte Philosophie, München


Gesellschaft zur Förderung religiöser Toleranz und zwischenmenschlicher Beziehungen e.V.,

München Aktion Sauberes Ministerium, München

ZIEL - Zentrum für Individuelles und effektives Lernen e.V., München

Tarnorganisationen

Der Erfolg der Scientology-Sekte wäre kaum denkbar ohne ihre Tarnorganisationen. Selbst
der Deutsche Bundestag hat sich bereits mehrfach mit diesen Tarnorganisationen befaßt. So
heißt es im Protokoll der Bundestagssitzung vom 12.5.1978:

»Die Bundesregierung teilt die Auffassung, daß durch das Wirken der Kommission für
Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V., einer Tarnorganisation der Scientology-
Sekte, psychisch Kranke und ihre Angehörigen verunsichert und Einrichtungen der
psychiatrischen Versorgung und ihre Mitarbeiter in Mißkredit gebracht werden.«

»Sowohl die Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte als
auch die Scientology-Church selbst haben durch breitgestreute Veröffentlichungen
unwahre und verleumderische Behauptungen über die Verhältnisse in der deutschen
Psychiatrie verbreitet. Hierzu liegen inzwischen gerichtliche Entscheidungen vor, die
die Verbreitung derartiger Behauptungen untersagen.«

»Die Bundesregierung wird insbesondere durch eine verstärkte Aufklärungs- und


Öffentlichkeitsarbeit auf die bedenklichen Praktiken der Kommission für Verstöße der
Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. hinweisen. In diesen Bemühungen wird sie
schon heute durch das gezielte Engagement gesellschaftlicher Organisationen,
insbesondere der Aktion Bildungsinformation e.V. in Stuttgart, tatkräftig
unterstützt.«

Eine kleine Anfrage zahlreicher Abgeordneter beantwortet die Bundesregierung am 24.7.79


mit der Drucksache 8/2790. Darin werden allein 17 Tarnorganisationen der Scientology-Sekte
namentlich genannt. Bestelladresse: Verlag Dr. Heger P. 2008 21 53 Bonn 2

Warum Tarnorganistationen?

Die Scientology-Sekte ist vielerorts als höchst berüchtigt bekannt. Auf ihre zahlreichen
Presseinformationen erfolgt nur selten auch eine Veröffentlichung in der Presse. Die
Scientology-Sekte benötigt die Presse jedoch für ihre weltweite Mitglieder-Werbung
sozusagen als Dokument der öffentlichen Anerkennung. Deshalb finden sich Artikel über die
Tarnorganisationen sehr häufig in der Scientology-internen Werbung wieder, wo sie
Mitglieder den Rücken stärken soll, auch gegenüber Angehörigen. Und da Scientology-
Anhänger in der Regel alles glauben, was ihnen die Sekte vorsetzt, stärken solche Artikel
wohl auch das Selbstbewußtsein der Anhänger und damit den Zusammenhalt der
Organisation.

Die Tarnorganisationen sind vielfach untereinander und wiederum mit der verfilzt. Wir
können in dieser Broschüre jeweils nur einige Hinweise geben, was allerdings keineswegs
bedeutet, daß nicht mehr Informationen vorhanden sind. Die Tarnorganisationen sind
meistens eingetragene Vereine, somit also juristische Personen. Etwa nachforschende
Journalisten werden feststellen, daß diese Vereine all das beim Registergericht einreichen,
was so üblich ist und manchmal sogar etwas mehr. Aus den Registerunterlagen lassen sich
somit keinerlei Rückschlüsse ziehen. Auch der Verein ZIEL gibt nur den Namen des
Sektengründers Hubbard an, dessen Markenzeichen Scientology wird nicht erwähnt.

Je nach Ziel und Zweck lassen sich verschiedene Gruppen von Tarnorganisationen
ausmachen.

Namens-Tarnung:

Diese Organisationen verwenden das Markenzeichen Scientology im Namen nicht oder nur an
versteckter Stelle. Bei diesen Organisationen kann allerdings relativ einfach ausgemacht
werden, daß es sich um Scientology-Organisationen handelt:

College für angewandte Philosophie e.V.: Vereine diesen Namens gibt es in einer Reihe von
Städten, so in Stuttgart, München, Berlin, Hamburg, Frankfurt.

Dianetic-College e.V. oder Dianetic e.V.: Hier gilt dasselbe. Beide Organisationsformen
scheinen sehr darauf bedacht zu sein, nicht von Religion oder Kirche zu sprechen.

Institut für angewandte Philosophie.: Organisationen solcher oder ähnlicher Bezeichnung


werden gelegentlich von ehemaligen Scientologen gegründet.

Dienstleistungs-Tarnorganisation

Ein Scientologe sieht sich bekanntlich als eine Art Übermensch. Deshalb ist es nur
folgerichtig, daß er Sektengründer Hubbard's »Technologie« auch auf anderen Gebieten
anwendet.

Narconon e.V. Vereine diesen Namens gibt es (bisher) in München, Berlin und Frankfurt.
Diese Vereine behaupten, Drogenentziehung zu betreiben. Es wird mit einer Erfolgsquote von
80 % geworben, eine geradezu unglaublich hohe Zahl. Der Berliner Senat hat diese Zahl
offensichtlich geglaubt: Bis 1976 bezahlte er zu Lasten der Sozialhilfe ca. 1.5 Millionen DM
für Drogenentzug bei Narconon. Nachdem die Verwandtschaft zu Scientology durch
Presseveröffentlichungen und eine Fernsehsendung bekannt wurde, ließ der Senat eine
umfangreiche Untersuchung durch Sachverständige vornehmen.

Ergebnis dieser Untersuchung: Die sagenhafte Erfolgsquote ist nichts als Bluff. Der Trick ist
einfach und typisch für die Scientology-Sekte und deren Umgang mit der Wahrheit: als
»Erfolg« wurde jeder gezählt, der den Scientology-Kurs (nichts anders verbirgt sich hinter
dem angeblichen Drogenentzug-Programm) beendet haben.

Tatsächlich aber kann der Erfolg des Drogenentzugs nur daran gemessen werden, wie viele
Probanden dauerhaft vom Rauschgift wegkommen. Die Sachverständigen fanden heraus, daß
nach diesen Kriterien allerhöchstens 10 % der von Narconon »behandelten« drogenfrei waren.
Auch diese wird man aber kaum als resozialisiert bezeichnen können: Erfolgreich kann der
Entzug nur sein, wenn der ehemals Süchtige wieder für sich selbst sorgen kann. Von den 10
% angeblich Drogenfreien aber war ein erheblicher Teil Mitarbeiter bei Narconon und lebte
zum Teil sogar im Narconon-Haus.

Von der Droge in die Sekte nannte der Berliner Journalist Jochen Maes diesen Tausch von
Abhängigkeiten in einer umfangreichen Dokumentation (zu haben beim Zitty-Verlag).
Der Berliner Senat hat die Zahlungen inzwischen eingestellt.

Narconon konnte die damalige Situation ausnutzen: Eine ständig wachsende Zahl von
Drogen-Toten und fehlende Therapieplätze. Der Senat hat deshalb den angeblichen Narconon
Entzug auch noch bezahlt, als die Verbindungen zu Scientology, längst bekannt waren: wenn
nämlich der Süchtige jede andere Therapie ablehnte und sich somit in Lebensgefahr befand.

Ziel Zentrum für individuelles und effektives Lernen e.V.

Dieser Verein machte zuerst in der Schweiz auf sich aufmerksam und erreichte eine
erhebliche Presseöffentlichkeit. »Eine Gruppe engagierter Schweizer Lehrer«, so hieß es dann
in der deutschen ZIEL, habe sich zusammengetan, um die Lerntechniken des großen
amerikanischen »Humanisten« Hubbard zu verbreiten. In Deutschland tauchte ZIEL erstmals
in den renommierten »Südwestdeutschen Schulblättern« auf, der Zeitschrift des Philologen-
Verbandes von Baden-Württemberg. Viel Überschwengliches wird dort über die
»Präzisionstechnologie« des »amerikanischen Humanisten« vermeIdet. So auch, daß »in
Mexiko zur Zeit 4500 Lehrer offiziell in dieser Methode ausgebildet« werden, sehr
beeindruckend.

Mißlich für Scientology und ZIEL ist nur, daß die mexikanische Botschaft dies nachdrücklich
dementiert und um »die Verbreitung dieser Richtigstellung« bittet. Autor des ZIEL-Artikels
war der Gymnasialprofessor Rainer Pabel aus Stuttgart, der Stuttgarter Zeitung vom 8.6.79 als
»Schlepper für zerstörerische Jugendreligion« aufgefallen. Dieser Pädagoge hielt es nicht für
nötig, auch nur mit einem Wort darauf hinzuweisen, daß dieser amerikanische Humanist im
Hauptberuf

Gründer der Scientology-Sekte ist. Mit derselben Logik könnte man den Schülern Hitler als
großen Autobahn-Erbauer vorstellen. (Rainer Pabel pflegt übrigens vor den Schulferien die
Telephonnummer seines Ferienortes an die Tafel zu schreiben. Er macht in England Ferien
und die Nummer ist die der Sektenzentrale Saint Hill. Um nach England hineinzukommen
muß Papel übrigens ein falsches Reiseziel angegeben und den Zweck der Reise verschwiegen
haben, da ausländischen Scientologen bekanntlich die Einreise verweigert wird).

An anderer Stelle seines Aufsatzes - den er der Redaktion sozusagen untergeschmuggelt hatte
- wird Pabel deutlicher, wenigstens für den, der sich ein wenig mit Scientology befaßt hat: um
Schulschwierigkeiten abzubauen - so Pabel -verwendet der Lehrer »meistens die `Methode
des Wortklärens' die nach genauen Regeln aufgebaut ist.« Nämlich nach den Regeln des
Sektengründers, nach denen Worten eine Scientology-eigene Bedeutung verpaßt wird oder
mindestens werden kann, wie oben dargelegt.

Noch zu diesem Zeitpunkt war ZIEL nur in der Schweiz aktiv. Die Zeitschrift FRAU
berichtete unter dem ZIEL-Schlagwort »Lernen wie man lernt« ausführlich über die
»Studiertechnologie des amerikanischen Erziehers und Humanisten L. Ron Hubbard«. Damit
nicht genug, wird auch gleich Hubbards Biographie ausführlich abgehandelt und seine
Tätigkeit für die verschiedensten Organisationen vorgestellt, die hier aus Platzgründen nur mit
ihren Abkürzungen wiedergegeben werden sollten:

NARCONON

CCHR
MRA

CREO

CRIMINON

NCLESJ

GER US

COPHS

ASI

LIM

ITE

EEA

FEGU

GAME

ERM

EA

Und schließlich: »,ZIEL' in der Schweiz und in der Bundesrepublik. Dianetics und
Scientology-Organisationen in 38 Ländern auf fünf Kontinenten«.

In einem drei volle Seiten füllenden Zeitschriften-Artikel nur ein einziger Hinweis auf
Scientology und der in der vorletzten Zeile versteckt: Ein PR-Meisterstück.

Die ZIEL-Vereinsgründung für Deutschland erfolgte am 12.10.79 in München. Am 23.2.79


wurde ZIEL unter der Nr. VR 9500 ins Vereinsregister beim Amtsgericht München
eingetragen. Dort ist nachzulesen:

2 Zweck des Vereins Zweck des Vereins ist die Entwicklung und Förderung und
Anwendung wirksamer Unterrichts- Studier- und Lerntechniken. Der Verein bemüht
sich um die Entwicklung und Rehabilitierung der Studier- und Lernfähigkeit bei
Studenten, Schülern, Kindern im Vorschulalter, Eltern, Lehrer und sonstigen
interessierten Personen.

Der Verein verfolgt diese Aufgabe ausschließlich mit Hilfe der Studier- und
Lerntechnik, welche von L. Ron Hubbard entwickelt wurde.

Kein Wort davon, daß diese »Technik« üblicherweise unter dem Markenzeichen Scientology
verkauft wurde. Auch sonst kein Wort über Scientology. Dafür aber der Hinweis, daß der
Verein
»Ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnittes
,steuerbegünstigte Zwecke' der Abgabenordnung ... verfolgt.«

Auf gut deutsch: Der Verein will vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt werden und
keine Steuern zahlen.

7 Gründungsmitglieder haben das Gründungsprotokoll unterschrieben, wie das Vereinsrecht


als Mindest-Mitgliedszahl verlangt. Die Mehrzahl läßt sich mühelos als fleißige Scientologen
ausmachen, wie zum Beispiel Christa Stock-Thies, die als 7933ster Scientologe »Clear«
geworden ist von angeblich 12 Millionen Mitgliedern. Und Edith v. Thüngen, jetzt auch
stellvertretende Vorsitzende der »Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen
Menschenrechte e.V.«, die als Berufsbezeichnung »Auditorin« angibt.

In Stuttgart mietete ZIEL ein heruntergekommenes Wohnhaus. Kennzeichen: Geschlossene


Fensterläden und keine Namensschilder am Tor, für diese Gegend höchst ungewöhnlich. Dort
wurde Schülern Nachhilfe-Unterricht erteilt und nach Abschluß des Unterrichts wurden einem
l3jährigen gelbe Din-A-4 Waschzettel in die Hand gedrückt, die er in der Schule verteilen
sollte. Textbeispiel:

ZIEL Schülerkurs Schlechte Noten, Schulversagen, Unlust und Langeweile gehören in


den heutigen Schulen zur Tagesordnung, es ist eine Tatsache, daß man in der Schule
lernen muß, ohne jemals gelernt zu haben. Jeder Beruf setzt eine gründliche
Ausbildung voraus, bevor man ihn erfolgreich ausüben kann. Genauso ist das mit dem
lernen in der Schule. Der Schüler muß zuerst lernen wie man lernt, bevor er sich mit
den einzelnen Fächern beschäftigt. An sich sollte dieses Wissen über das Lernen vor
der ersten Unterrichtsstunde überhaupt gelehrt werden. Doch weil dieser grundlegende
Unterricht ausbleibt, haben Schüler jetzt Gelegenheit, an einem Schüler-Studierkurs
von ZIEL teilzunehmen. Es handelt sich um einen Kurs der schon längere Zeit
ausgezeichnete Resultate ergab und den Schüler befähigt, gerne selbständig und ohne
Mühe zu lernen.

Der als Verteiler vorgesehene Schüler handelte korrekt und fragte seinen Lehrer, ob er die
Zettel verteilen dürfe. Den Lehrer störte der Preis: 450.- DM für »max. 4 Wochen« ohne
jeden Hinweis darauf, wieviel es im Minimum sein können, ohne jeden Hinweis auf die
Zusammensetzung der Gruppe, Kursort, tägliche Kursdauer (nebenbei bemerkt: Ein solcher
Vertrag ist nichtig, weil sein Inhalt nicht bestimmbar ist).

Der Lehrer wandte sich folgerichtig an die ABI und die ABI veröffentlichte am 6.8.79 eine
Presseerklärung mit dem Titel: »Neue Tarnorganisation der berüchtigten Scientology-Sekte.
Zielgruppe: Schüler.« Diese Erklärung löste ein erhebliches Presseecho aus, eine Reihe von
Zeitungen berichtete großformatig. Die Scientology-Sekte reagierte wie gewöhnlich. Am
22.8.79 verschickte sie -nicht etwa der Ziel-Verein - eine Pressemitteilung. Originalton:

»Die Scientology-Kirche bereitet sich gegenwärtig auf umfangreiche rechtliche


Schritte gegen die ,ABI' vor. Sie rät aber auf Grund der jüngsten Erfahrungen die
,ABI' nicht mehr als Verbraucher- Vereinigung, sondern als ,Aktion
Falschinformation' zu bezeichnen. «

,Aktion Falschinformation' hat die Sekte die ABI bereits in ihrer ersten ,öffentlichen
Straßendemonstration genannt, nachdem das ,Landgericht ihr die Straßenwerbung verboten
hatte. ,Rechtliche ,Schritte hat sie schon zahlreich durchgeführt, unter hohem ,Kostenaufwand
aber vergeblich. Die Pressemitteilung hatte dasselbe ,Ergebnis, welches Scientology-
Pressemitteilungen zu haben pflegen, wenn die ,Sekte ihren eigenen Namen verwendet:
Keinerlei Reaktion der Presse. Den ,Tarnorganisationen gelingt es hingegen nicht selten, in
die Presse zu ,gelangen, wie das Beispiel der schweizerischen Zeitschrift ,Frau' gezeigt ,hat.

Getarnte Kampforganisationen

Die Unwichtigste zuerst:

Kommission für Polizeireform, München.

Man fragt sich, was will die Scientology-Sekte mit einer Kommission für Polizeireform?
Ganz einfach: Die Polizei sammelt Informationen und tauscht diese auch über Ländergrenzen
hinweg aus. So entstand der Bericht des Bundeskriminalamtes, um den die Scientology-
Sekte noch heute vehement prozessiert. Dazu ein Zitat aus Hubbards Anweisungen über den
Umgang mit Gegnern:

»Denke daran, Kirchen werden als Reform-Gruppen angesehen. Also müssen wir
handeln wie eine Reformgruppe. Wir protestieren gegen Sklaverei, Quälerei, Mord,
Perversion, Kriminalität, politische Gründe und alles, was die Menschheit unfrei
macht. Der einzige Fehler, den wir machen können ist, unsere Ermittlungen zu
verzetteln.«

Die Verwendung des Begriffs Kommission ist ebenso geschickt, wie irreführend. Unter einer
Kommission versteht die Umgangssprache nämlich einen von offizieller Seite, meist vom
Staat eingesetzten Ausschuß, meist unter Beteiligung von Wissenschaftlern und häufig mit
einem Vorsitzenden, der »zum Richteramt befähigt« sein muß, also Volljurist mit 2
Staatsexamina ist.

Dementsprechend wird einer Kommission ein erhebliches Vertrauen entgegengebracht. Der


,Kommission für Polizeireform' ist es immerhin gelungen, Korrespondenzen mit Politikern
und Schriftstellern anzuzetteln. So zum Beispiel mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Peter
Conradi aus Stuttgart, dessen Brief dann veröffentlicht wurde, ohne daß Conradi vorher
gefragt worden war. Die ABI klärte Conradi über die Zusammenhänge auf. Daraufhin
meldete sich die Scientology-Sekte mit Schreiben v. 23.9.1975 bei Conradi:

»Wie dringend zum Beispiel das Problem Datenschutz ist, beweist doch eben die von
der ABI inszenierte Hetzkampagne und die gezielte Verbreitung von Lügen und
Diffamierungen. Es ist eine Schande, daß in unserem Lande die Grundrechte auf diese
Art und Weise weiter mit Füßen getreten werden dürfen.

Rufmord, wie die von der ABI mit Unterstützung der evangelischen Kirche
inszenierten Pressekampagnen gehört zwar zum Alltag in unserer Gesellschaft, wird
aber von den Scientology-Kirchen keinesfalls hingenommen, egal wen es trifft oder
betrifft.«

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die ABI die Infos 53 und 54 veröffentlicht und verschiedentlich
auf Verbindungen zwischen der »Kommission« und der Sekte hingewiesen. Weiter im Text:

»Sie als Politiker wissen sehr wohl, wie die Politik gemacht wird, und es dürfte Ihnen
auch bekannt sein, daß die ABI mit einer falschen Eidesstattlichen Erklärung vor
Gericht ging, die der Betroffene inzwischen in vielen Punkten als irreführend und
falsch und von der ABI beeinflußt widerrufen hat.«

Dieser »Widerruf« hat es in sich: Der damalige »Leiter des Rechtsamtes«, Helmut Blöbaum,
paßte den Zeugen vor dessen Haustür ab und bewog ihn, eine vorgefertigte eidesstattliche
Versicherung zu unterschreiben. Wie Herrn Blöbaum dies gelungen ist, sei dahingestellt.
Jedenfalls wurde Herr Blöbaum später vom Stuttgarter Schöffengericht wegen versuchten
Prozeßbetruges und Anstiftung zur Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung
verurteilt, ein Urteil von hohem Seltenheitswert. In der zweiten Instanz wurde das Verfahren
dann eingestellt. Blöbaum verzichtete darauf, Freispruch zu beantragen. Weiter im Schreiben
an den Bundestagsabgeordneten Conradi:

»Für uns stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie weit diese
Vorkommnisse von Ihnen in Ihrer Eigenschaft als verantwortlicher Politiker für gut
geheißen werden, auch wenn sie aus der gleichen politischen Richtung kommen. «

Conradis Antwort: »Mit der Scientology-Kirche Deutschland will ich nichts zu tun haben.
Bereits Ihr erster Brief erschien mir dubios; inzwischen hat sich dieser Eindruck bestätigt. Ich
begrüße deshalb die Schritte der Aktion Bildungsinformation gegen Sie. Ich kenne Herrn
Kleinmann seit vielen Jahren gut und stehe voll hinter ihm und seiner Arbeit. Ihre
Behauptungen über die ABI weise ich deshalb mit Nachdruck zurück. Ich bitte Sie, mich mit
weiteren Briefen der Scientology-Kirche zu verschonen; ich werde solche jedenfalls nicht
mehr beantworten.«

Kommission zum Schutz des Bürgers gegen Datenmißbrauch e.V. München

Die Scientology-Sekte scheint es als Datenmißbrauch anzusehen, wenn Informationen


ausgetauscht werden, insbesondere wenn dies international geschieht.

Die Scientology-Sekte fürchtet völlig zu recht den Informationsaustausch.

Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V.,


München und Deutsche Liga für Menschenrechte e.V., München

Vorweg: Die Deutsche Liga für Menschenrechte hatte ursprünglich nichts mit der
Scientology-Sekte zu tun. Inzwischen haben sich jedoch sehr enge Verflechtungen ergeben

Die Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. ist die mit Abstand
aggressivste dieser Scientology-Tarnoganisationen. Sie ist nicht etwa zur Abwehr von
Angriffen der Psychiater gegen die Scientology-Sekte entstanden. Sie hat vielmehr von
Anfang an mit bisher in der Bundesrepublik unbekannter Härte Verleumdungskampagnen
gegen die Psychiatrie geführt.

Vorauszuschicken ist, daß die Psychiatrische Versorgung der Bundesrepublik zweifellos


Mängel hat, die der Öffentlichkeit auch durchaus bekannt sind. Die Bundesregierung hat eine
Untersuchung durchführen lassen. Die aus dieser Untersuchung resultierende
»Psychiatrieenquete« hat Aufsehen erregt und zu ersten Verbesserungen geführt. Weitere
Konsequenzen wurden erst kürzlich im Bundestag diskutiert.
Warum also hält sich die Scientology-Sekte eine Psychiatrie-Kommission? Vordergründig:
Weil die Scientology-Sekte nun einmal der Auffassung ist, daß sie mehr für die Seelische
Gesundheit tun kann, als jeder Psychiater.

Diese Auffassung allein reicht allerdings kaum aus, um das äußerst aggressive, ja haßerfüllte
Vorgehen der Sekte und der Kommission gegen Psychiatrie und Psychiater plausibel zu
machen. Zumal sich der Sektengründer Hubbard anfangs offensichtlich als selbst der
Psychiatrie zugehörig gefühlt hat. Wie oben dargelegt und zitiert, hat er Scientology zunächst
noch als eine Methode der Psychiatrie verstanden wissen wollen. Die Erklärung findet sich
möglicherweise in Hubbards Biographie und zwar in dem Teil, den er nicht zu veröffentlichen
pflegt: Nach einem Bericht der »Washington Times Herald« v. 24.4.1951 hat Hubbards
zweite Ehefrau Sarah, geborene Northrup, ihre Scheidungsklage damit begründet, daß
Hubbard hoffnungslos geisteskrank sei.

Zuständige medizinische Berater sollen damals empfohlen haben Hubbard zwecks


Beobachtung und Behandlung eines als »paranoide Schizophrenie« bekanntes Geistesleidens
in ein Privatsanatorium einzuliefern.

Hubbard, der sich selbst als Reformator der Psychiatrie verstand, als simpler Geisteskranker
in eine Anstalt eingeliefert: Dies könnte tatsächlich eine Erklärung für seinen Privatkrieg
gegen die Psychiatrie liefern.

Zurück zur Psychiatrie-Kommission: Diese wurde erstmals in der Scientology-Zeitschrift


»Freiheit« groß herausgestellt, die sich selbst als »Unabhängige Zeitung für Menschenrechte«
bezeichnete. In Nr. 1 dieser Zeitschrift vom August 1972 werden zunächst Vorgänge aus der
Nazi-Herrschaft geschildert, bei denen man bekanntlich wirklich kaum übertreiben kann.
Zwischenüberschrift:

»Die Wahrheit ist, daß die Kinder kaltblütig von deutschen Psychiatern ermordet
worden sind!«

Schon hier war kaum auszumachen, ob die Nazi-Zeit oder die Gegenwart gemeint war. Dann
wird es deutlicher:

Die Psychiater haben offensichtlich ohne Unterbrechung ihre Lähmungen durch


Elektroschocks, ihre Morde und das Gefangenhalten von unschuldigen, gesunden
Menschen fortgesetzt. Sie haben ihre Methoden nicht geändert!

Zu diesem Zeitpunkt war die »Kommission« übrigens noch nicht einmal eine »juristische
Person«, im Rechtssinne existierte sie also nicht und konnte deshalb auch nicht verklagt
werden. In der Zeitschrift heißt es allerdings;

»Wer von Verbrechen der Psychiatrie weiß, wird gebeten, über diese an George
Mesmer 8 München 15 Lindwurmstr. 29 zu schreiben. Auf Wunsch werden Berichte
vertraulich behandelt.«

Mit offensichtlichem Interesse fürs Detail werden Nazi-Greuel geschildert: Wie Psychiater
»dankbar die einigen hundert Kilogramm von frischen und blutigen Kindergehirnen akzeptiert
haben«. Und der Bezug zur Gegenwart? Ganz einfach:
»Diese Greueltaten wurden von Psychiatern ausgeführt, die dabei eine Unterstützung
des Kaiser-Wilhelm-Instituts (Psychiatrische Abteilung) erhielten, das inzwischen in
Max-Planck Institut um benannt wurde (das die gleichen Theorien und Methoden
jedoch anwendet).«

Wer derartige Behauptungen in die Welt setzt, muß natürlich damit rechnen, deswegen
verklagt zu werden. Offensichtlich um dem vorzubeugen, schreibt die »Freiheit«:

»Die Scientology-Kirche kann und will die unbegrenzten finanziellen Quellen der britischen
und amerikanischen Kirchen ausnützen, um in ihrer Untersuchung fortfahren zu können.«
Unbegrenzte finanzielle Quellen: Nach den seitherigen Erfahrungen trifft dies anscheinend
tatsächlich zu.

Als Herausgeber der »Freiheit« firmiert die »Scientology-Kirche Deutschland«. Am Ende der
Zeitschrift heißt es jedoch:

»Copyright 1972 Church of Scientology World Wide, Saint Hill Manor, England. Die
für den Inhalt die Verantwortung übernehmen.«

Das Max-Planck-Institut machte es sich leichter: Es verklagte denjenigen, den die


Scientology-Sekte als Chefredakteur der »Freiheit« bezeichnete: Hermann Brendel. Das
Landgericht München erließ am 18.8.79 eine einstweilige Verfügung, durch die Hermann
Brendel unter Androhung einer »Geldstrafe in unbeschränkter Höhe oder Haftstrafe bis zu 6
Monaten« verboten wurde, eine Reihe ehrenrühriger Behauptungen zu wiederholen. Am
6.8.73 wurde diese Verfügung durch Urteil bestätigt und auf die Berufung des Herrn Brendel
hin bestätigte das Oberlandesgericht München (21U 3811/73) diese Entscheidung.

Das Oberlandesgericht stellte u . a. fest:

»Der Senat ist aufgrund dieses Zusammenhanges auch der Überzeugung, daß ein
durchschnittlicher Leser der Zeitschrift »Freiheit«, auf den insoweit abzustellen ist, den
Begriff »psychiatrische Experimente« als psychiatrische Versuche an Menschen, wie sie unter
dem NS-Regime vorgekommen sind und die meist psychische oder physische Schäden der
Versuchspersonen zur Folge hatte, auffaßt. Daß die entsprechende Behauptung geeignet ist,
das damit in Verbindung gebrachte wissenschaftliche Institut in der öffentlichen Meinung
herabzuwürdigen, bedarf nach Auffassung des Senats keiner weiteren Darlegung. Dasselbe
gilt von der Behauptung, vom KWI sei ein Fünf-Jahres-Experiment mit der miskroskopischen
Untersuchung von Gehirnanstrichen frischer Kinderleichen durchgeführt worden und
angesehene Wissenschaftler des KWI hätten dankbar einige hundert Kilogramm von frischen
und blutigen Gehirnen von Kindern akzeptiert, die von psychiatrischen Kollegen
heimtückisch ermordet worden seien. « Das Gericht rügt vor allem, daß Brendel keinerlei
Versuche gemacht hat, seine Vorwürfe an die Adresse der Psychiatrie auch nur glaubhaft zu
machen. Er habe auch nicht selbst recherchiert, sonder »sich insoweit nur auf eine Zeugin
gestützt, die selbst keine entsprechenden Wahrnehmungen gemacht, sondern nur von dritten
Personen von den behaupteten Tatsachen gehört haben will. Dies reicht aber nicht aus«.

Genau das aber ist häufig Scientology-Methode: Behauptungen werden aufgegriffen und als
Tatsachen weiterverbreitet.

Inzwischen hatte die »Kommission« sich auch vereinsrechtlich konstituiert, am 2.10.79 wurde
sie ins Vereinsregister beim Amtsgericht München eingetragen. Auch »Ehrenmitglieder« hat
die »Kommission« inzwischen: z.B. Friedrich Wilhelm Haugg, Präsident der Deutschen Liga
für Menschenrechte e.V. in München, ehemaliger Landrat und Bürgermeister (»Auf ein
Kilogramm Recht kommt ein Gramm Gerechtigkeit«). Auf die Zusammenhänge zwischen der
Scientology-Sekte und der »Kommission« aufmerksam gemacht, schreibt er am 3.11.1975:

»Herr Ostertag (Pressesprecher der Scientology-Sekte - Anm. d. Red.), auf ihren Brief
v. 21.10.75 angesprochen behändigte mir Presseberichte aus denen ersichtlich ist, daß
Ihnen eine Schweigepflicht über die Scientology-Kirche Deutschland auferlegt ist und
ich würde mich freuen, wenn diese Regelung respektiert würde.«

Dem Herrn Präsidenten scheint entgangen zu sein, daß mit Gründung der Bundesrepublik das
Grundgesetz in Kraft getreten ist und daß dieses - nach gemachten Erfahrungen - jedermann
garantiert, seine Meinung frei zu äußern. Niemand kann einem Dritten eine Schweigepflicht
auferlegen.

Später wurde die Deutsche Liga dann massiver: In einer Presseerklärung v. 31.3.76, gerichtet
an die Tagespresse in Baden-Württemberg, verweist sie zunächst auf ihre 6ojährige
verdienstvolle Tätigkeit, die auf einer Linie mit derjenigen der »Kommission« liege, woraus
sich die Zusammenarbeit ergebe. Weiter heißt es in der Presseerklärung des Liga-Präsidenten:

»Wir sind verpflichtet, zu erklären, daß sich die Verlautbarungen der Aktion
Bildungsinformation e.V. bedauerlicherweise außerhalb der Erklärung der Vereinten
Nationen, dem Europarat (Menschenrechtskonvention) und dem Grundgesetz der
Bundesrepublik Deutschland bewegen.«

Der Hintergrund: Die ABI hatte verschiedentlich Einzelpersonen, Abgeordnete und die
Öffentlichkeit darüber informiert, daß die »Kommission« eine Tarnorganisation der
Scientology-Sekte ist. Der Liga-Präsident scheint die unter Scientologen weit verbreitete
Ansicht zu teilen, daß das Grundrecht der Religionsfreiheit verbiete, sich kritisch mit solchen
Organisationen auseinanderzusetzen.

Die ABI wollte wissen, ob derartige Rundschläge vom Präsidium der Liga abgesegnet sind.
Zwei Präsidiumsmitglieder wurden angeschrieben: Ein Nervenarzt aus Haar bei München.
Dort ist eine von der »Kommission« wiederholt angegriffene Anstalt. Die Anschriften wurden
dem Protokoll der Mitgliederversammlung v. 5.11.73 entnommen. Die Antwort: »Mein Vater
war früher tatsächlich Vizepräsident der deutschen Liga für Menschenrechte, die er aber
bereits 1963 verlassen hat. Er ist vor 10 Jahren verstorben. Ich selbst war nie Mitglied der
Liga und dementsprechend auch kein Vizepräsident«

Außerdem wurde der Schriftsteller Bernd Engelmann angeschrieben, laut Protokoll ebenfalls
Mitglied der Präsidiums. Antwort: Er sei seit Jahren nicht mehr Mitglied der Liga: »Das
ewige Gezänk im Präsidium und in den wenigen Mitgliederversammlungen hat mich dazu
bewogen, mich von der Liga, deren Präsident ich beinahe geworden wäre, völlig
zurückzuziehen. Ich will damit nichts mehr zu tun haben«.

Mit anderen Worten: Das Protokoll der angeblichen Mitgliederversammlung wurde gefälscht,
die Versammlung hat vielleicht nie stattgefunden und vielleicht besteht die Liga nur noch aus
ihrem Präsidenten, dessen Verdienste, so Engelmanns Einschätzung, »in der Vergangenheit
liegen«.
-----------------------------(Streichungen wegen eines Verfahrens) ---- Dr. --------------------------
---Dietmar Stutzer, Vorsitzender des Vereins -----------------------------»Patientenhilfe e.V.«
mit Postfach-Sitz -----------------------------in München. Vom Vereinsregister war ---------------
--------------über diesen Verein nichts zu erfahren, da -----------------------------er sich von
Mannheim nach München -----------------------------abgemeldet hatte und die Unterlagen
deshalb -----------------------------nirgends greifbar waren. Also wurde Dr. Stutzer ---------------
--------------persönlich gefragt. Antwort mit dem -----------------------------Schreiben v. 30.6.79:
»Es war mir weder -----------------------------bekannt, daß die Kommission für --------------------
---------Verstöße der Psychiatrie gegen -----------------------------Menschenrecht eine
sogenannte Tarnorganisation -----------------------------der Scientology-Sekte ist, noch daß ich -
----------------------------in meiner Funktion als 1. Vorsitzender der -----------------------------
Patientenhilfe e.V. und als Ehrenmitglied auf -----------------------------dem Briefbogen dieser
Kommission -----------------------------aufgeführt bin«. ------------------------------------------------
----------------------------- Zur gleichen Zeit bemüht sich die Patientenhilfe e.V. um eine
Zusammenarbeit mit der AGV, der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucher e.V. in Bonn, einer
Spitzenorganisation der Verbraucherorganisationen, bei der auch die ABI Mitglied ist. Die
Gespräche standen kurz vor dem Abschluß, weshalb eine weitere Nachfrage bei ABI
erforderlich war. Die Antwort, diesmal auf privatem Briefpapier, welches Dr. Stutzer als
Dipl.-Ing. agr., ------------ ausweist und als Journalisten. Antwort vom 24.8.79:

»Die Patientenhilfe e.V. wird Ihre Fragen so lange unbeantwortet lassen, solange Sie
Ihr rechtliches Interesse an einer Beantwortung dieser Fragen nicht dargetan und
schlüssig begründet haben.«

Basta.

Die Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. ist weiterhin aktiv.
Vorsitzender ist jetzt ein Rechtsanwalt, zweite Vorsitzende ist Edith von Thüngen, die auch
zu den Gründungsmitgliedern der Scientology-Tarnorganisation ZIEL zählt.

Zuletzt hat die »Kommission« der Presse die rhetorische Frage gestellt: »Werden Kinder
unter Drogen gesetzt, um Gehorsam zu erreichen?« Aus der beigefügten »Sachvorlage«
konnte man genau dies entnehmen und zahlreiche Zeitungen berichteten in großer
Aufmachung über die neue Drogen-Affäre. Von Scientology war kein Wort zu lesen. Der
Trick war wieder derselbe: Verarbeitet wurde nur Material, welches von Dritten
zusammengetragen wurde. Erst viele Monate später, durch Schreiben v. 3.7.79 wurden
Interessenten per Rundschreiben um »Fälle« gebeten.

Subversive Gruppen

Zu einigen Organisationen leugnet die Scientology-Sekte schlicht jede Verbindung. Das kann
durchaus stimmen, sofern damit eine Mitgliedschaft in einer deutschen Scientology-
Organisation gemeint ist. Denn wenn nicht alles trügt, werden solche Organisationen vom
Guardian Office gesteuert, dem Sicherheitsdienst der Sekte, der eine Filiale in Bern in der
Schweiz hat. Besonders gut getarnt war der

ALV Arbeitskreis für liberale Bildungsinformation der Verbraucher e.V. in Darmstadt.


Dieser »Arbeitskreis« hat von Anfang an nur ein Ziel verfolgt: Die ABI zu bekämpfen. Er
bestand zunächst nur aus zwei Personen: Thomas Rothfuß aus Hemmingen bei Stuttgart und
Helga Schwerer aus Darmstadt. In loser Reihenfolge verbreiteten die Personen
Presseinformationen mit Diffamierungen über die ABI. Briefe vergleichbaren Inhalts gingen
auch an Behörden, Schulen und Lehrer, da die ABI sich auch mit Hausaufgabenbetreuung für
Schüler befaßt. Am 21.5.1977 erschien in der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter
Nachrichten eine Anzeige mit folgendem Text:

»Eltern, die von der Hausaufgabenbetreuung der Aktion Bildungsinformation


enttäuscht sind. Bitte melden beim Arbeitskreis für liberale Bildungsinformation der
Verbraucher, Geschäftsführer Helga Schwerer, Scheppallee 24, 67 Darmstadt. «

Dazu das von der ABT angerufene Oberlandesgericht Stuttgart (4 W 19/77): »Der
Anzeigentext stellt einen raffinierten Angriff auf die ABI dar, weil er dem Zeitungsleser
suggeriert, bei der Hausaufgabenbetreuung der ABI bestünden erhebliche Mißstände, die es
zusammenzufassen und zum Schutz der betroffenen Kinder auszuwerten gälte ... Die
raffinierte Suggestion zum Nachteil der ABI, die in dem Anzeigentext liegt, läßt darauf
schließen, daß die Beklagte mit der Anzeige vorsätzlich schaden wollte.« Das Gericht
klassifizierte diese Schädigung als vorsätzlich und sittenwidrig im Sinne des § 826 BGB.

Später veröffentlichte der ALV eine Broschüre, in der Vorgänge herausgegriffen wurden, die
10 Jahre zurücklagen und damals zum Hinauswurf eines ABI-Vorsitzenden geführt haben.
Der ALV stellte dies so dar, als werde die ABI aus irgend welchen dunklen Quellen gespeist.
Auch hier gegen setzte die ABI sich zur Wehr, allerdings vergeblich. Dasselbe
Oberlandesgericht meint nun, diese Behauptungen seien durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

Inzwischen hatte die ABI eindeutige Beweise dafür erlangt, daß Frau Schwerer engsten
Umgang zu Scientology-Kreisen pflegte. Gleichzeitig war es beiden gelungen, ihre
Tarnorganisation quasi zu legalisieren. Es war ihnen gelungen, für die Vereinsgründung
Personen zu finden, die bereits anderweitig mit der ABI befaßt waren. So beispielsweise
Klaus Doneit, Inhaber einer Firma Doneit KG, deren Vertreterkolonnen
Schreibmaschinenkurse an Eltern schulpflichtiger Kinder verkaufen, nicht selten mit höchst
anfechtbaren Methoden.

Ebenfalls 1977 meldeten sich zwei Herren namens Christen und Müller bei der Firma IPU-
Institut für programmierten Unterricht in Luzern. Sie beriefen sich auf eine Ermächtigung des
Thomas Rothfuß vom Arbeitskreis für Liberale Bildungsinformation der Verbraucher e.V.
und gaben dessen Telephonnummer in dessen Hemminger Firma an. Die Sekretärin des Herrn
Rothfuß gab an, er sei die ganze Woche abwesend. Die Herren Christen und Müller baten um
Informationen und Unterlagen über die Gründung einer »Aktion sauberer Fernunterricht«, die
sich später als von einer Werbeagentur getragen herausstellte. Zu dem dann folgenden
Gespräch liegt der ABI eine eidesstattliche Versicherung vor. Aus dem Inhalt:

Eidesstattliche Versicherung, Auszug: 4. Herr »Christen« weise sich uns gegenüber


mit einem Studentenausweis der Universität Basel aus. Er legte uns dar, daß er für den
erwähnten Arbeitskreis Liberale Bildungsinformation Kopien unserer Prozessakten in
Sachen Aktion Sauberer Fernunterricht usw. erhalten möchte. Als wir ihm erklärten,
daß wir Herrn Rothfuß nicht hätten erreichen könne, bemerkte er, er hätte vergessen,
uns darüber zu informieren, daß sich Herr Rothfuß zu Zeit in München aufhalte.

Sodann erschienen zwei Detektive der Kantonspolizei, die sofort feststellen konnten,
daß der Studentenausweis »Christens« gefälscht war. Dies führte dazu, daß »Christen«
in polizeilichen Gewahrsam genommen wurde.
5. Noch am gleichen Abend teilte uns die Kantonspolizei mit, daß es sich bei dem
Herrn »Christen« und dem Herrn »Müller« um Angehörige des Scientology-Zentrums
in Bern handle, die in Wirklichkeit Andreas Zbinden und Heinz Stutz heißen würden.
Die Polizei orientierte uns ferner darüber, daß Müller alias Stutz absprachegemäß
während ca. einer Stunde im Auto auf Christen alias Zbinden gewartet hätte und sich
nach Ablauf dieser Frist aus dem Staub gemacht hätte.

Schließlich erklärte uns die Polizei, Christen alias Zbinden hätte gestanden, daß sein
Studentenausweis im Scientology-Zentrum gefälscht worden sei.

6. Am anderen Tag (13.10.77) meldete sich Müller alias Stutz telefonisch bei uns und
erkundigte sich nach dem Verbleib seines Kollegen, der doch am Vorabend bei uns
gewesen sei. Wir sprachen ihn dabei bewußt mit seinem wirklichen Namen an, was
ihm vorerst nicht auffiel; erst nach einer gewissen Zeit fragte er leicht verunsichert,
weshalb wir ihn mit dem Namen Stutz statt Müller benennen würden. Im übrigen
sagten wir ihm, er wisse wohl selber am besten, wo sich sein Freund aufhalte.

7. Vier Tage später (17.10.1977) erhielten wir den Anruf von Herrn Rothfuß aus
Stuttgart. Dieser verwahrte sich energisch dagegen, die beiden bei uns aufgetauchten
Herren zu kennen, geschweige denn, ihnen einen Auftrag erteilt zu haben. Er führte
aus, die Angelegenheit sei ihm peinlich, er möchte die Sache nicht auf sich sitzen
lassen. Am besten wäre es seines Erachtens, wenn man sich zu einem Gespräch treffen
könnte, das er vorerst in Deutschland zu führen vorschlug. Erst als wir kategorisch auf
einer Aussprache in unseren Büros beharrten, fand er sich dazu bereit nach Luzern zu
kommen.«

Daß Rothfuß die Unwahrheit gesagt hat, steht fest. Wenn er die beiden nicht gekannt hat,
woher wußte er dann von den fraglichen Vorfällen?

Christen alias Zbinden benutzt noch immer den falschen Namen. Er ist für das Guardian
Office Schweiz der Scientology-Sekte tätig, dem Scientology-Sicherheitsbüro und dort
zuständig für das »Pressebüro der Scientology-Kirche in der Schweiz«. Wie bereits gesagt:
Der Umgang mit der Presse ist für die Scientology-Sekte in erster Linie ein
Sicherheitsproblem.

Gesellschaft zur Förderung religiöser Toleranz und Zwischenmenschlicher


Beziehungen e.V. Johanneskirchner Str. 151, 8 München 81

Motor dieser Gesellschaft ist Luise Buhl, als Schriftführerin bezeichnet, die tatsächlich einen
Schriftwechsel von ungeheuren Ausmaßen inszeniert hat. Den Scientology-Hintergrund hat
sie geschickt dadurch getarnt, daß sie sich auch für andere angeblich bedrängte Minderheiten
eingesetzt hat.

Vorsitzender dieses Vereins ist Zivorad Milenkovic, den man nur als ScientologyAktivisten
bezeichnen kann. Er hat an einer großen Zahl von Kursen teilgenommen, so am »Drogen
rundown«, er ist Gesellschafter der Druckerei, welche die Scientology-Zeitschrift »Freiheit«
druckt, in deren Nr.10 vom März 1977 ein Interview mit einem Herrn Milenkovic abgedruckt
ist, der dort als Sekretär der serbisch-orthodoxen Kirchengemeinde bezeichnet wird.

Zweiter Vorsitzender ist Rolf Schimann, »Clear« Nr. 13303. Kassier ist Rudolf Moyses, der
auch dem Präsidium der Deutschen Liga für Menschenrechte angehört (vgl. oben
Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V.) und der Schriftführer
der Scientology-Tarnorganisation »Kommission zum Schutz des Bürgers gegen
Datenmißbrauch e.V.«, ist.

Zivorad Milenkovic arbeitet sich auf der Scientology-Stufenleiter zur Zeit rasch nach oben:
Zwischen dem 24.7.79 und dem 26.8.79 hat er die Kurse Grad 0, Grad 1, Grad II und Grad III
belegt. An Grad IV hat er sich nicht herangewagt, stattdessen hat er ARK Straight Wire
belegt.

13.Berichte ehemaliger Scientologen


Vorbemerkung: Hier wurden keineswegs besonders drastische Berichte ausgewählt. Sondern
vielmehr eher durchschnittliche.

Bericht 1

In der ersten Novemberwoche 1978 wurde ich auf der Geschäftsstraße in (Stadt) von einem
jungen Mann angehalten. »Wollen Sie Ihr Leben verbessern?« Zögernd sagte ich ja. Er führte
mich dann in das Büro von Scientology. Der Name und die Organisation waren mir bis dahin
unbekannt. Dort unterhielt sich ein anderer junger Mann (Name) mit mir. Während dieses
Gesprächs fand er sehr schnell meine Probleme in schulischer Hinsicht heraus. Er machte mir
Hoffnungen, daß mit Hilfe von Scientology diese Probleme zu losen seien. Ungefähr eine 1/4
Std. später unterhielt sich eine junge Frau (Name) mit mir. Auch sie machte mir Scientology
schmackhaft. Mein erster Eindruck von den Leuten war sehr angenehm. Ich ließ mich dazu
überreden, den Scientology 1 Rundown (damaliger Kostenpunkt DM 300.-) mitzumachen. Sie
wollte mir auch am ersten Tag das Buch »Dianetics« verkaufen. Als ich an einem der
nächsten Tage mir ihr sprach, erfuhr ich zu meinem Erstaunen, daß ich Mitglied der
Organisation geworden war.

Ich machte mir aber keine weiteren Gedanken darüber. Denn zu diesem Zeitpunkt und in den
folgenden Wochen war ich sehr angetan von dieser scheinbar harmonischen Welt. Ich hatte
auch selten zuvor so aufmerksame und geduldige Zuhörer. Merkwürdig fand ich von Anfang
an das E-Meter. Als ich mal fragte, wie das denn funktioniere, kniff man mich in den Arm
und ließ mich die Reaktion der Nadel beobachten. Ungefähr 2 Wochen nach der ersten
Begegnung sagte mir der (Name) daß er unbedingt neue Staff-Mitglieder brauche. Dazu
entschloß ich mich aber nicht. Ich wurde auch von anderen gefragt, wann ich denn Staff
würde. Mitte Dezember fragte mich der (Name). Er legte ein Vertragsformular heraus, das
mich für 5 Jahre an Scientology gebunden hätte. Da ich zögerte, holte mich der (Name) in
sein Büro und versuchte mir in einem stundenlangen Gespräch die Schlechtigkeiten in der
Gesellschaft und dagegen die Welt von Scientology zu zeigen. Ich unterschrieb nicht. Im
Dezember 78 belegte ich den HQS-Kurs (Hubbard qualifizierter Scientologe, dam.
Kostenpunkt ca. DM 1200.-). Da mir ein angebliches Stipendium gewährt wurde, brauchte ich
nur DM 940.- zu bezahlen. Ursprünglich hatte man mir den Student Hut empfohlen (DM
5400.-). Ich hatte bei der Vielzahl der Kurse, den englischen Ausdrücken und fremden
Begriffen gar keinen richtigen Durchblick. Mir wurden immer wieder dazu angehalten,
Briefe an den Ron zu schreiben. Eines Abends, nach einer Filmvorführung drückte man mir
Papier und Kugelschreiber in die Hand und bestimmte, daß ich schreiben sollte. Wenige Tage
später wollte man mich als FSM haben (freier Scientology-Mitarbeiter.). Ich hatte angeblich
einen Teil der 940. - DM durch eigene Arbeit wieder zurück bekommen können. Auf meinen
Einwand, es wäre doch möglich, daß ich mal von Scientology wegginge, antwortete er mir,
dieses gäbe es nicht. »Wenn Du nicht mehr willst, wird man sich solange mit Dir hinsetzen,
bis Du wieder willst.« Dieser Satz stimmte mich sehr bedenklich. In der letzten
Dezemberwoche war eine Übersicht über Sekten in Deutschland, u.a. auch die Scientology-
Kirche, im STERN. Ich traute meinen Augen nicht. Als ich beim nächsten mal den STERN
vorlegte, verstand man es sehr geschickt, mich zu beruhigen. Meine Meinung war aber
getrübt. Einem Klassenkameraden, dem ich einige Zeit vorher noch recht begeistert von
Scientology erzählt hatte, teilte ich dies mit. Später wurde ich vom (Name) am E-Meter
gezwungen, den Namen zu nennen. Es fanden mehrmals und zu unbestimmten Zeiten
sogenannte »Sessions« statt. Das waren »geistliche Beratungen« am E-Meter. Ich mußte
Fragen beantworten, wobei immer die Reaktion der Nadel beobachtet wurde. 2 Fragen sind
mir besonders in Erinnerung geblieben: 1. Hast Du vorgehabt, ein Gerichtsverfahren gegen
Scientology einzuleiten? 2. Gibt es in Deinem Bekannten- und Verwandtenkreis
irgendjemanden, der feindlich gegenüber Scientology eingestellt ist, oder es anzweifelt? Der
Kurs gefiel mir überhaupt nicht. Er entsprach weder meinen Erwartungen, noch den
Versprechungen. Er hatte mit meinen Problemen überhaupt nichts gemein. Ich hatte den
Eindruck, - und wenn ich mir heute das Kurspaket durchsehe, verstärkt sich dieser Eindruck -
daß mir auf diese Art und Weise Scientology eingetrichtert werden sollte. Außerdem
herrschte im Kursraum eine strenge Disziplin. 2minütiges Zuspätkommen wurde mit einem
Ethikzettel geahndet. Abends mal früher zu gehen war untersagt, ebenso zu sprechen, essen
oder trinken. Wenn jemand mal aus dem Fenster schaute, kam gleich der jeweilige Kursleiter
auf ihn zu. Ich merkte, daß man immer mehr Besitz von mir ergreifen wollte. Es wurde mehr
und mehr über mich bestimmt. Als ich mich traute, zu sagen, daß ich an meinem Geburtstag
etwas später kommen würde, kam prompt die Frage: wohin gehst du, wann kommst du?
Einige Tage erschien ich nicht. Als ich wieder kam (man hatte versucht, mich zu Hause
abzuholen, ich öffnete aber nicht) mußte ich zum Ethik-Officer. Später mußte ich auch mal
das Büro saugen. Im Januar war im Lokalteil der WAZ ein Artikel Scientology. An meinem
nächsten Termin verlangte man von mir, einen Leserbrief zu schreiben. Da ich mich ebenso
oft weigerte, wie man mir bestimmte, einen zu schreiben, mußte ich wieder mal zum Ethic-
Officer. Ich sagte nun, daß mir der Kurs überhaupt nicht gefiele. Man fragte mich, ob ich das
Geld wiederhaben wollte. Ich sagte nein, weil ich eine Änderung erhoffte. An dieser Stelle
möchte ich einfügen, daß ich nach diesen Gesprächen mit dem Ethic-Officer immer ein
beruhigtes Gefühl hatte. Diese Gespräche, die sich oft über mehrere Stunden hinzogen,
verliefen in einer ruhigen Atmosphäre. Er versuchte mir zu erklären, wie glücklich man mit
Scientology werden könne. Ich sollte mir doch mal ansehen, wie die Welt wirklich aussieht.
Wieviele glückliche Menschen es noch gäbe, und auf jeden kämen mehrere Atombomben.
Der Zeitungsreporter sollte fertiggemacht werden. Es würden Dutzende von Klagen beim
Gericht eingereicht. Bei einem Pfarrer, der ebenfalls in der Zeitung berichtete, sollten Spitzel
in den Verwandten- und Bekanntenkreis eingeschleust werden. Dadurch, daß ich oft fragte
und kritisierte, stand ich bald auf »Zweifel« dann »Feindschaft«. Einmal mußte ich jedes der
Mitglieder fragen, warum er Scientologe sei. Ich verkaufte auch keine Bücher oder sprach
Personen auf der Straße an. Wie wir freien Mitarbeiter Leute zu kommunizieren und an
Scientology heranzubringen hatten, wurde uns eingedrillt. Die Bezeichnung hierfür hieß
»Verbreitungs-Drill«: Kontaktiere das Individuum, handhabe es, rette es, bringe es zum
Verständnis. Beim Bücherverkauf sollte um passendes Geld gebeten und dem Käufer gesagt
werden, man könne nicht herausgeben. Die Aufmerksamkeit des Käufers auf das Geld sollte
so schnell abgelenkt werden. Mitte Januar war der ausführliche Artikel im STERN. Ich wagte
es erst nach einigen Tagen zu fragen, wie es dazu kommen konnte, daß eine Frau nach
Scientology-Behandlung glaubte, in einem früheren Leben mit Bismarck verheiratet gewesen
zu sein. Die Antworten waren ausweichend. Irgendwann im Januar vermutete man, ich sei ein
Spitzel von einer anderen Organisation. Statt das ganz ruhig zu sehen, war ich total fertig. Ich
hatte nämlich nie schlechte Absichten gehabt. Etwas später wurde ich dann fotografiert. Vom
16.-18.2.79 war ein Scientologe aus München da. Alle nannten ihn Ali. Nachdem er an einem
Abend einen Vortrag gehalten hatte, erhielt jeder die Gelegenheit, sich mit ihm zu
unterhalten. Ich fragte auch ihn nach der jungen Frau. Als Antwort erhielt ich, sie sei eben in
ihrer reactiven Banc gewesen. (In der reactiven banc sind nach scient. die negativen Einflüsse
eines Menschen im Laufe seines Lebens gespeichert.) Obwohl ich mehrmals sagte, daß ich
kein Geld mehr zur Verfügung hatte, versuchte er immer wieder, mich zu weiteren Kursen
und höherem Auditing zu überreden. Ich ließ mich dann zu einem Co-Auiditing überreden
(DM 200.-). Ich habe dieses jedoch nie genossen und auch nicht bezahlt. Mit meinem Kurs
kam ich immer schlechter voran. Man bestimmte schließlich, daß ich noch einmal von vorne
beginnen sollte. Donnerstag, den 22.2.79, war ich wieder beim Ethic-Officer. Ganz
überraschend nahm man mich dann ans E-Meter. Neben den üblichen Fragen wollte man
dann wissen, ob es da noch etwas gäbe, was sie wissen müßten. Ich sagte nein. (Dabei war ich
sehr unsicher, weil ich vorher den STERN angeschrieben hatte). Ich sagte also: Da ist nichts.
Nun mußte ich mehrmals diesen Satz wiederholen, während der (Name) in immer größerer
Lautstärke und gehetzter befahl: Wiederhole, da ist nichts, wiederhole, da ist nichts Dabei
beobachtete er sehr genau die Nadel des E-Meters. Der Abend endete mit meinem
Hinauswurf. Ich war durch diese Wendung und diese Behandlung ziemlich fertig. Als ich am
nächsten Tag, Freitag (Datum) wiederkam, um das Geld abzuholen, wie man es mir am
Vortag gesagt hatte, hieß es dann, ich hätte 2 Möglichkeiten, die erste war, die Schule
aufzugeben, arbeiten zu gehen und möglichst viel Auditing zu bekommen. Die zweite
Möglichkeit war, ich sollte nach München fahren. Auf meine Bemerkung hin, daß ich am Tag
vorher hinausgeworfen worden war und man mir die Rückgabe des Geldes, wie vorher schon
2mal, angeboten hatte, sagte man mir, es wäre nicht so, daß Scientology von sich aus den
Austritt und die Rückgabe des Geldes anböte. Im Falle meines Austritts würde mein Name
in sämtlichen Scient.-Büros der Welt bekannt sein, und Scientology verfüge über ein gut
funktionierendes Kommunikationssystem. Ich entschied mich für München. Dort sollte ich
gleich am nächsten Tag hinfahren. Das war mir zu überstürzt, ich einigte mich dann für den
nächsten Samstag. Am nächsten Tag, Samstag, 24.2.79, ging ich wieder hin und wollte
endgültig austreten. Man sagte mir, daß ich in der nächsten Woche noch einmal kommen
sollte. Bis dahin hätte man dann die Unterlagen für meinen Austritt fertig. Auch das Geld
könnte ich nicht sofort bekommen. Am vereinbarten Termin, Dienstag oder Mittwoch,
27.2.79 oder 28.2.79, legte man mir dann ein Schreiben vor, in dem man mir wieder 2
Möglichkeiten anbot. Die eine war mein Austritt, und die andere ein Angebot, womit man auf
die 2monatige Unterbrechung, um die ich einige Wochen zuvor gebeten hatte (weil mir kaum
noch Zeit für Privates blieb) einging. Obwohl ich mit dem festen Entschluß gekommen war,
aufzuhören, stimmte ich dem Angebot zu. Wir einigten uns, daß ich am 16.6.79 wieder
erscheinen würde. In diesen 2 Monaten hatte ich nun Zeit, die Bücher zu lesen, die ich mir in
den Monaten meiner Mitgliedschaft gekauft hatte. Doch ich muß gestehen, daß ich diese
Bücher dann nur teilweise gelesen habe, und mein Interesse daran verging. Vor allem das
Buch »Dianetics« ist meiner Meinung nach ein technisches Sammelsurium, in dem mich die
grauenhaften Formulierungen von L. Ron Hubbard sehr erschreckt haben. Da ich nun nicht
mehr unter der Einflußmöglichkeit der anderen Sektenmitglieder stand, konnte ich nun
nüchtern über meine bisherige Mitgliedschaft reflektieren. Es wurde mir klar, wie gefangen
ich dort war und daß es bei einer längeren Mitgliedschaft noch schlimmer werden würde. Am
Freitag erschien ich dann wieder und sagte, daß ich austreten würde. Da der (Name) mir
sagte, daß es nicht möglich sei, mir das Geld sofort auszuzahlen, vereinbarte ich mit ihm den
1.7.79 als Rückgabetermin. Ich sagte ihm auch, daß ich mich nicht mehr ans E-Meter setzen
würde. Er fertigte nun eine Liste über die Personen an, die ich aufzusuchen hatte. (Eine
Fotokopie habe ich beigelegt). Er begründete es damit, daß Scientology sich rechtlich
absichern müsse. Außerdem war ich nun ein Feind der Organisation. Am Mittwoch, erledigte
ich einen Teil der Aufgaben. ich wollte meinen Austritt so reibungslos wie möglich machen
und dann in Ruhe gelassen werden. Der (Name) war an diesem Tag nicht da. Aus diesem
Grund sollte ich am nächsten Tag wiederkommen. Donnerstag, war er dann da. Er sagte mir
aber, daß er etwas anderes zu tun habe, was ihm wichtiger sei. Ich sollte mir Freitag viel Zeit
nehmen, damit er alles über meinen Austritt mit mir klären könne. Am Freitag ging dann
seine Frau (Name) eine Liste mit mir durch, wobei sie mich alltägliche Wörter und Begriffe
aus der Scientology erklären ließ. Man wollte prüfen, ob ich alle Wörter und deren
Bedeutungen verstanden hatte, um dann dem (Name) am E-Meter Fragen beantworten zu
können. Als der (Name) mich dann ans E-Meter holen wollte, weigerte ich mich. Nach einer
kurzen Beratung mit einem anderen Sektenmitglied wollte er mich dann in das Zimmer holen,
wo er sich beraten hatte. Ich weigerte mich und wollte nach Hause gehen. Man befahl mir:
»Du gehst nicht nach Hause.« Ich zog aber trotzdem meinen Mantel an und wartete dann aber
doch ab. Die zwei berieten sich wieder. Mir wurde immer schauerlicher zumute. Nach einiger
Zeit wurde ich dann in das Büro gerufen. Dort fragte mich dann das andere Mitglied, auf
kameradschaftliche Art, was denn überhaupt los sei. Er versuchte mir nochmals das E-Meter
zu erklären. Als er merkte, daß es nichts nützte, sagte er, man solle mich doch ruhig gehen
lassen und ich hätte nichts von Scient. begriffen. Während der ganzen Zeit saß der (Name)
etwas schräg hinter mir und beobachtete mich mit einem Gesicht, das ich schlecht
beschreiben kann. Zorn, Haß, alles schien sich darin widerzuspiegeln. Dann war ich mit ihm
allein im Zimmer. Er versuchte herauszufinden, warum ich mich nicht mehr ans E-Meter
setzen wollte. Der Grund war für mich sehr einfach, 1. war ich nicht mehr Mitglied und
brauchte das E-Meter nicht mehr zum Auffinden eventueller seelischer Spannungen, womit
mir die Funktion des E-Meters beschrieben worden war, und 2. hielt und halte ich das E-
Meter für eine menschenunwürdige Sache. Da ich seiner Meinung nach etwas zu verbergen
hätte, wovon ich nicht wollte, daß Scient. oder jemand anders etwas davon erführe, müßte
Scientology herausfinden, was das sei. Wenn ich es nicht selbst sagen würde, warum ich
austreten bzw. nicht mehr ans E-Meter wolle, würde Scientology Leute in meinen
Bekanntenkreis eins chleusen, um mein Leben zu durchleuchten. Ich hatte aber alles über
die Gründe meines Austritts bereits gesagt. Seine Behauptungen trafen nicht die Wahrheit, die
Wahrheit war, daß ich ganz einfach wegwollte. Er beschuldigte mich, eine unterdrückerische
Person zu sein, weil ich ihn daran hindern würde, seine Hilfestellung an mir auszuüben. Wenn
ich keine Klarheit schaffen würde, hätte ich keine Möglichkeit, zu Scient. zurückzufinden,
und nun ein Zitat: »Und ich möchte Dich dorthin zurückführen.« Er prophezeite mir, daß sich
die Unterwelt vor mir auftun und ich in der Gosse landen würde, sobald ich die Tür hinter mir
geschlossen hätte. Er vermutete, ich wäre homosexuell, was in Scientology einem
Verbrechen gleich ist. Über die Rückgabe meines Geldes machte er vage Bemerkungen. Die
könnte in einem Monat geschehen oder in einigen Monaten, man wolle schließlich wegen mir
nicht die nächste Miete versäumen. Ich sollte noch einmal anrufen und wiederkommen. Da
ich nun starke Zweifel hatte, ob ich jemals das Geld zurückerhalten würde und um denen zu
zeigen, daß ich nicht so ganz alleine dastand, bat ich wenige Tage später einen Rechtsanwalt
um Hilfe. Nachdem dieser ein Schreiben mit der Bitte um Überweisung des Geldes verschickt
hatte, erhielt ich dann einen Brief vom (Name), worin er mir schrieb, daß ich mit ihm den
1.7.79 als Termin vereinbarte. Da ich nun einen Rechtsanwalt beansprucht hätte, habe man
die Sache der Rechtsabteilung übergeben. Das war im Juni 79. Seitdem habe ich nichts mehr
von Scient. gehört, und auch keinen Pfennig Geld gesehen. Wenn ich mir heute Gedanken
über meine Mitgliedschaft in der Scientology-Kirche mache, ist es mir unbegreiflich, weshalb
ich meinen Austritt so lange hinauszögerte und mich immer wieder überreden ließ, zu bleiben.
Es mag ein Grund gewesen sein, daß ich mich damals in einer schlechten seelischen
Verfassung befand und durch die Hoffnungen, die in uns geweckt wurden glaubte, durch
Scientology zu einem glücklicheren Leben zu finden. Wenn ich die Sektenmitglieder mit
anderen Gleichaltrigen aus meinem Bekanntenkreis verglich, schienen sie tatsächlich
glücklicher zu sein. Auch ich fühlte mich ja zunächst sehr gut. Bis ich dann merkte, daß alles
nur eine Scheinwelt war, in der ich nicht mehr viel zu sagen hatte, in der andere über mich
bestimmten. Ich finde es erschreckend, mit welcher Kritiklosigkeit sich die Mitglieder, die
überwiegend in meinem Alter waren, L. Ron Hubbard und seiner »Erfindung« Scientology
ergeben hatten. Eine Organisation, die sehr autoritär und hierarchisch aufgebaut ist, was ich
auch in dem Büro in (Ort) merkte. Mr. Hubbard ist in meinen Augen ein Diktator. Während
meiner Mitgliedschaft gab es zwei Personen, die »clear« waren, die also zu den »höchsten
und glücklichsten Wesen« gehörten. Nach meinem Empfinden waren gerade sie die
bedrohlichsten mir gegenüber. Folgendes habe ich im Bericht nicht erwähnt: Die Wände im
Büro waren »tapeziert« mit Urkunden und Scientology-Postern. Als ich den Rundown
beendet hatte, wurde ich beglückwünscht. Es wurde mir von den einzelnen Mitgliedern immer
wieder mitgeteilt, wie glücklich sie seien. Jeden Abend fragte der Kursleiter, wer einen
Gewinn hatte. Nachdem mir in den ersten Wochen immer etwas einfiel, überlegte ich zum
Schluß krampfhaft, was ich denn sagen sollte. Ich hörte niemanden der Mitglieder etwas
kritisches sagen, außer den neuen, die ungefähr zu meiner Zeit eingetreten waren. Wenn es
doch mal vorkam, wie bei mir, daß einer etwas sagte, wurde. er aus dem Raum herausgeholt,
um so nicht die Atmosphäre der Eintracht zu stören. Es kam auch vor, daß man mich,
besonders als ich austreten wollte, mehr als eine Stunde waren ließ. Als ich mal schnell in der
Zeit etwas einkaufen wollte, befahl man mir, zu bleiben. Im Büro sind mal 4000.-DM
abhanden gekommen. Da ich vorher zu verstehen gegeben hatte, daß ich kein Geld mehr für
weitere Kurse hatte, gab man mir zu verstehen, daß nur ich als verdächtig galt. Einmal muß
irgendetwas vorgefallen sein. Ich hörte ein Geräusch und Rufe. Hinterher mußte ich
aufschreiben, was ich gesehen und gehört hatte., Ich glaube, Scientology besitzt einen
Musikverlag in Hamburg. Uwe und Karla Schniering brachten eine Langspielplatte heraus. Es
wurde ein altes Zechengebäude gepachtet, und zu einem »Kunstzentrum« und zum Wohnort
f. die Mitglieder umgebaut. Es heißt »Clear Galaxy« und ist »Ron gewidmet«. Man
entwickelt dort viel Eifer, um das Ziel, bis 1984 die Welt clear zu haben, zu erreichen. Durch
die Mißtrauensbezeugungen der anderen mir gegenüber wurde in mir so eine Art
Schuldgefühl erweckt. Ich wollte den Kurs zu Ende machen, um zu zeigen, daß ich wirklich
keine schlechten Absichten hatte. Leider habe auch ich sogenannte »Erfolgsberichte«
geschrieben, die nun gegen mich verwendet werden könnten. Ein anderes Mitglied, das ich
einige Wochen nach meinem Austritt traf (er war etwas später als ich eingetreten und wollte
auch weg), mußte am E-Meter bestätigen, daß er in Urlaub fuhr. Oktober 1979, Unterschrift,
23 Jahre alt

2. Bericht
»Ich wollte Ihr Schreiben schon früher beantworten, wollte jedoch zuvor abwarten, bis die
Org in München mir mein Geld zurückbezahlt hat, das sich noch auf meinem Konto dort
befindet. Leider ist das bis jetzt noch nicht geschehen und nun will ich Sie nicht länger warten
lassen. Ich leide seit Jahren an Schwindelgefühl, was sicher psychosomatisch ist. Da mir
Ärzte kaum helfen konnten, suchte ich weiter. So fand ich im August 1975 in der Zeitschrift
ESOTERA eine Anzeige über das Buch »Dianetics« - die moderne Wissenschaft der geistigen
Gesundheit«. Ich ließ mir das Buch kommen und las es. Da man aber durch die Lektüre des
Buches allein nichts erreicht, wurde mir geraten, in Stuttgart in der Neuen Brücke (Straße)
den Kommunikationskurs zu machen. Da wurde mir gesagt, das sei Voraussetzung für das
Auditing, welches dann meine gesundheitlichen Probleme meistern sollte. Der Kurs in
Stuttgart kam mir komisch vor, doch ich machte weiter, denn alles war eifrig dabei und lobte
das spätere Auditing in München.
So schloß ich dann den Kurs ab und bekam Auditing in München. Auch dieses Auditing fand
ich von Anfang an blöd. Doch da die anderen Leute (meist Personen mit Abitur oder
Realschule, meist junge Leute) eifrig bei der Sache waren und ich mir eine Verbesserung
meines Gesundheitszustandes erhoffte (was mir auch bei der Einzahlung des Geldes - 7200. -
DM versprochen wurde) machte ich weiter. Dieses »Gesundsein« ging aber nicht so schnell,
ich mußte immer mehr einzahlen und war jedesmal enttäuscht, wenn ich wieder abreiste.
Doch die Scientologen machten mir immer wieder Mut. Nun begann ich von anderer Seite
etwas über Scientology zu erfahren, außerdem tauschte ich Adressen mit Leuten, die auch von
. . . (Ortsname) . . . zum Auditing kamen. Man unterhielt sich. Und siehe da, vielen war es wie
mir ergangen, sie hatten Geld eingezahlt, wurden enttäuscht und traten schließlich aus. Meine
Kameraden fragten sich, warum sie überhaupt auf so etwas hereingefallen seien, doch sie
kamen immer wieder wie ich zum selben Schluß: Meist Probleme psychischer Art oder
Krankheiten, welche von Ärzten nicht geheilt werden konnten, waren der Grund, daß man
anfing. Bei den Scientologen wurde nun alles gelobt und überall hingen »Erfolgsberichte«,
welche aber meist gleichartig lauteten und sehr allgemein gehalten waren.

Jeder, der nicht diese Erfolge verspürte, war ruhig und wollte nicht als Versager auffallen,
wenn die anderen von ihren »Gewinnen« sprachen. Wenn man wissen wollte, aus was diese
»Gewinne« bestehen, bekam man keine vernünftige Antwort. Ich selbst war oft überrascht,
daß ich eine Stufe abgeschlossen hatte und dann nach den Gewinnen gefragt wurde. Ich
mußte zuerst immer überlegen, was denn ein Gewinn hätte sein können. Ich sagte aber
jedesmal, daß mein Hauptübel (Schwindel, Kopfweh, Benommenheit) bisher nicht beseitigt
sei, obwohl es im Auditing immer angegangen worden sei. Nun hieß es, es sei eine
unterdrückerische Person am Werke. Da eine solche nicht gefunden werden konnte, mußte
ich letzten Weihnachten den PTS/SP-Kurs machen (für 1.100 oder 1.400 DM). Außerdem
brauchte ich als Voraussetzung für diesen Kurs den BSM und den Mini-Tonbandkurs. Darauf
kam man aber erst, als ich schon für den PTS/SP gezahlt hatte.

Ich mußte über 10 Tage täglich rund 10-14 Stunden studieren, damit ich mit den Kursen fertig
wurde. Erst nach Bestehen der Kurse sollte ich wieder Auditing bekommen, was ich ja wollte,
denn ich konnte es nicht erwarten, meine Krankheit loszuwerden. Die Scientologen in meiner
Umgebung glaubten alle daran, und sie machten mir Mut, weiter zu machen. Dies war aber
mit immer mehr Kosten verbunden, denn schließlich wurden die Preise für Auditing
monatlich 5 % teuerer. Nun hieß es außerdem, daß der große Boom komme, man müsse sich
schnell auditieren lassen und Geld einbezahlen !, denn sonst könnte man eventuell nicht mehr
drankommen, da angeblich immer mehr Leute die »Dienstleistungen« von den Auditoren
wollten. Mir wurde dann im Februar gesagt, was ich noch alles machen müsse, bis eventuell
mein Gesundheitszustand wieder hergestellt sei. Ich überschlug und siehe da, mindestens
nochmals 20.000.- DM hätte ich anlegen müssen. Sie wollten nun, daß ich in den Osterferien
5.000.- DM mitbringe, so würde ich auch Geld sparen, da ja immer alles teuerer würde.
Inzwischen hatte ich mich aber bei den Kirchen und bei der ABI erkundigt. So kam ich im
April wieder nach München und wollte mein restliches noch nicht verbrauchtes Geld. Dies
war jedoch nicht so einfach. Nun gab es endloses Warten und dann wieder Befragungen bei
Ethik. Es wurde mir zu dumm, ich fuhr nach Hause und beantragte, schriftlich meinen Austritt
und wollte mein restliches Geld. Formulare wurden geschickt, die man noch notariell
beglaubigen lassen sollte. Das machte ich nicht, sondern schrieb ihnen, ich wolle nun ohne
Umschweife mein Geld zurück. Am 12.3.77 schrieben sie mir, daß der Antrag bearbeitet
werde. Bis jetzt habe ich von der Bank noch keine Mitteilung bekommen, daß das Geld
eingegangen ist. Ich hoffe, daß Sie aus diesem Brief manches erfahren können. Freundliche
Grüße.«
3. Bericht
»Hier schreibe ich Ihnen den Brief mit meinen persönlichen Erfahrungen, die ich im Dianetic-
College, Stuttgart, Hauptstätter Str. 126 und in der Münchner Scientology Kirche Deutschland
gemacht habe. Ich fordere Sie hiermit auf, den Brief und etwaige sonstige Mitteilungen
streng vertraulich (Unterstreichung d.Verf.) zu behandeln und nicht ohne meine
ausdrückliche Genehmigung in irgend einer Form zu veröffentlichen oder bei Prozessen
gegen Dianetics und Scientology zu verwerten.

Es wird aber wahrscheinlich der Fall sein, daß Sie durch meine Kenntnisse in einigen Details
Neuigkeiten bekommen., Mein Bekanntwerden mit Dianetics fing damit an, daß ich Anfang
des Jahres 76 den 200-Fragen Persönlichkeitstest auf der Königsstraße bekam. Ich füllte ihn
aus und bekam schneller als erwartet einen Termin. Es fand die Besprechung statt, wo man
mir meine persönlichen Schwächen und Stärken zeigte und das anschließende Angebot mit
dem Kurs für elementare Kontrolle und Kommunikation machte. Preis: 450.- DM. Mit der
Entscheidung ließ ich mir ein paar Monate Zeit, auch um nur Informationen einzuholen. Trotz
kritisch-reservierter Meinungen fing ich im (Monat) 76 mit dem obengenannten Kurs an.
Zwischen Testbesprechung und Kursbeginn bekam ich regelmäßig Post vom Dianetic-
College. Innerhalb von 5 Wochen wurde ich mit dem, kurzgenannt »kommkurs« fertig. Die
Erfolge des Kommkurses, der aus mehreren (Verhaltens-) Trainings bestand, taten mir
ungeheuer gut. Gegen Ende oder nach Ende des Kurses fuhren wir, d.h. Mitarbeiter und
Kursteilnehmer nach München zur sogenannten »Fallanalyse«. Mir und wahrscheinlich den
meisten Teilnehmern wurde der Vorschlag gemacht, 100 Stunden Auditing in München in
jeweils 50 Stunden »Life-Repair« und 50 Stunden »Drogen-Rundown« zu nehmen. Preis:
nicht ganz 6.000.- DM. Ferner wurde das Trainingspaket in Stuttgart angeboten für 3.000.-
DM, das - aus BSM, HQS und Dianetics besteht. Ich überzeugte mich vorher bei anderen
Kursteilnehmern, die bereits auf den oberen Kursen sind, ob das ratsam sei und die Antworten
waren immer zustimmend. Auf die Kursteilnehmer komme ich später noch zu sprechen. In
München fragte mich die Mitarbeiterin, ob sie mir anrufen könne und ich sagte ihr eindeutig,
daß ein Anruf von ihr nicht erwünscht sei. Tatsächlich rief am nächsten Tag zwar nicht sie -
aber ein Mitarbeiter von Stuttgart an. Wir beschlossen, am nächsten Tag zu einem
Kreditinstitut zu gehen. Der Mitarbeiter konnte mich dazu bewegen, als Grund bei der
Kreditaufnahme Möbel anzugeben. Glücklicherweise bekam ich jedoch keinen Pfennig
weil ich damals vor einem Berufswechsel stand. Von meinen Sparbüchern hob ich

dann noch 3.000.- DM ab, um mit dem Trainingspaket beginnen zu können. Bald danach
stellte ich immer mehr fest, daß die Methoden, die in Danetics und Scientology herrschen,
mehr oder weniger anstößig sind. Ich glaube, man kann sie als faschistisch bezeichnen. Erst
einmal mit dem BSM angefangen, erfuhr ich, daß man auch noch einige Materialien benötige,
die auch nicht gerade billig sind. Kursbücher für BSM 32.- DM, für HQS 25.- DM und für
Dianetics 100.- DM, ganz zu schweigen das E-Meter mit 700.- DM. Hinzu kommt, wenn man
das Dianetic im Co-Audit in Stuttgart laufen will, was bisher gar nicht möglich ist, noch
unbekannte Unkosten für den Case-Supervisor (Fallüberwacher). Ich stellte den Mitarbeiter
Gerd Böhm, mit dem ich bis dahin zu tun hatte, zur Rede. Er stellte sich verwundert, daß ich
das nicht erfahren hatte. Auf meine Fragen, ob er das anderen gesagt habe, meinte er ja. Es
kam eine leichte Einschränkung »das hänge vom Verlauf des Gespräches ab«. Ich gab mich
mit der Antwort nicht zufrieden und forschte bei anderen Kursteilnehmern. Hier gab es kaum
einen, der auch nur andeutungsweise beim Abschluß des 3.000.- DM Geschäftes wußte, daß
auch weitere Unkosten von wahrscheinlich über 1.000.- DM dazukommen. Manche meinten,
das müsse man eben »konfrontieren«. Alle waren über diesen Betrug gleichgültig. Und jetzt
komme ich auf den Geisteszustand der Kursteilnehmer zu sprechen. Hier mögen teilweise
durchaus bildungsmäßig hochstehende Personen vertreten sein. In die Kurse kommen jedoch
meistens nur Leute mit dauernden oder zeitweisen Schwierigkeiten, oft auch solche, die kurz
vor dem Selbstmord stehen. Viele, die hier hereingehen, sind enorm gestört und greifen nach
dem Strohhalm Scientology, um vor dem Abgrund gerettet zu werden und damit am Rande
eines neuen Unglücks zu stehen. Doch damit nicht genug. Man wird nicht nur finanziell
betrogen, man wird auch zeitlich betrogen. Im allgemeinen wird für das Trainingspaket
(BSM, HQS und Dianetics) vor Kaufabschluß eine Zeitspanne für ein halbes Jahr gesetzt,
oder auch weniger. Ich kenne niemanden, der das geschafft hätte. Ich kenne Leute, die sind
schon 3 Jahre bei diesem Paket. Einem Kursteilnehmer, der die ersten 2 Stufen des Pakets
belegte, wurde gesagt, sie könne das spielend in 2 Monaten schaffen, danach wollte sie ins
Ausland. Zwei Monate reichen gerade aus, um den ersten Kurs abzuschließen. Man wird hier,
was das Geld und die Zeit betrifft, belogen. Schon daraus ist zu ersehen, daß es Scientologen
mit der Wahrheit nicht sehr genau nehmen. Freilich ist das nicht alles und das wäre
wahrhaftig schon genug. Obwohl Staff-Member (Mitarbeiter) in Gesprächen immer wieder
betonten, sie hätten mit Politik nichts zu tun, fehlt es doch nicht an weltanschaulichen
Aussagen. Interessant erscheinen mir die Bücher von Hubbard, wo fortwährend gegen den
Sozialismus gehetzt wird oder er es bedauert, daß es keine Kinderarbeit mehr gibt. Auch
steht im HQS-Material ein Satz: Demokratie hat uns bisher nichts anderes gebracht als
Einkommenssteuer und Inflation. Bei einer kurzen Diskussion fragte ein Teilnehmer unter
anderem, was ein Arbeitsloser dafür könne, wenn er es schon bei 19 Arbeitgebern probiert
habe und immer noch keine Arbeit gefunden hätte. Prompte Antwort des überzeugten
Scientologen: »Der hat irgendwann einmal in einem früheren Leben eine Tat begangen und
hat jetzt Angst, sonst würde er es ein 20. Mal versuchen.« Ein anderer Kursteilnehmer meinte
einmal, daß er jemanden tödlich überfahren habe. Antwort des Staff-Mitgliedes: »das ist
nicht so schlimm, der Thetan von dem hat sich längst einen neuen Körper gesucht.« (Anm.
d. ABI: diese Bemerkung ist kein Einzelfall!) Ich hatte ab und zu den Eindruck, es mit
Verrückten zu tun zu haben. Vielleicht ist es auch nur Taktik von Scientology, wenn sie
betonen, politisch neutral zu sein, weil man sie ansonsten möglicherweise gleich verbieten
würde. Ein paar Mal wurde ich gefragt, ob ich am kommenden Samstag Tests austeilen
würde. Das Gespräch spielte sich ungefähr wie folgt ab: »Teilst Du am Samstag Tests aus?«
»Nein« - »Warum teilst Du keine Tests aus?« - »Weil ich keine Zeit habe« - »Gut, warum
hast Du keine Zeit?« - »Ich muß am Samstag ausschlafen« - »Gut, warum mußt du am
Samstag ausschlafen?« - »Weil ich unter der Woche zu wenig schlafe« »Gut, willst Du, daß
Baden-Württemberg als erstes Bundesland CLEAR wird?« - »Ja« - (hätte am liebsten Nein
gesagt, aber das hätte möglicherweise weitere Komplikationen gegeben). »Gut, bist Du jetzt
ein Thetan oder nicht?« - »Ja« - »Gut, was ist Dir lieber, daß Baden-Württemberg CLEAR
wird, oder daß Du ausschläfst?« - »Daß ich ausschlafen kann« -»Ja« - »Gut, zuviel schlafen
ist ungesund, da rostet zuviel ein. Schau mich an, ich arbeite bis nachts zwei Uhr und sehe so
frisch aus« - »Das ist mir egal« - »Gut, hat das noch einen anderen Grund?« - »Nein«. Damit
war das Gespräch beendet. Der gleiche Mitarbeiter sagte mir auch, daß es viel zu viele
Krankenhäuser und Altenheime gebe.

Es ist wahrscheinlich tatsächlich so, daß die meisten Mitarbeiter zu wenig schlafen.
Vermutlich dient das dazu, um die ohnehin kaum vorhandene Kritikfähigkeit eines Staff-
Members durch chronischen Schlafentzug vollends auszulöschen. Mit Sicherheit können viele
Scientologen Wahn und Wirklichkeit nicht mehr auseinanderhalten. Sonst würde nicht im
hinteren Kursraum ein Schild mit der Beschriftung hängen: »Unser Ziel: bis zum 13. März 77,
Ron's Geburtstag, 50 Class IV Auditors«. Soviel ich weiß, gibt es in Stuttgart gerade einen
Class IV Auditor, während einige auf der Akademie zum Class IV Auditor sind, bei weitem
jedoch keine 50, und die sind bis zum 13. März aller Wahrscheinlichkeit noch nicht fertig.
Man müßte wohl Ron's Geburtstag ziemlich lange verschieben.

Überhaupt dürfte es bei den Mitarbeitern mit dem ARK-Dreieck &(Affinität, Realität,
Kommunikation ARK) nicht ganz stimmen, &jedenfalls was die Affinität fehlt, geht wohl
bereits daraus hervor, &daß das ganze System auf Lügen, Zwang und Terror aufgebaut ist.

Dies möchte ich noch an ein paar weiteren Beispielen verdeutlichen: Freitag (Datum) 1976:
Komme 20 Minuten zu spät, stelle mich betrunken (hatte mich geärgert, weil ich ein paar
saftige Arbeiten bekam) werde hinauskommandiert. Kursleiterin sagt, es gebe eine Strafe von
1/2 Stunde MEST-Arbeit (MEST Materie-Energie-Raum-Zeit). Muß 1/2 Stunde lang Tische
abputzen. Dienstag (Datum) 1976: Bin Kurs-out, muß im zweiten Stock gehen und werde
ans E-Meter gesetzt, darf keine Antworten verweigern. Hier werden unter anderem folgende
Fragen gestellt: Beabsichtigen Sie oder haben Sie beabsichtigt, geheime Daten den
Kommunisten bekanntzugeben? der Regierung dto. einer Partei dto. dem Militär dto. der
Polizei dto. einem Journalisten dto. der Presse dto. einem Anwalt dto. einem Angehörigen der
geistigen Gesundheit (Arzt oder Psychologen) bekanntzugeben? Haben Sie eine kriminelle
Vergangenheit? Sind Sie mit Personen in Verbindung, die Dianetics und Scientology
ablehnend gegenüberstehen? Haben Sie vor oder hatten Sie vor, wegen Dianetics oder
Scientology vor Gericht zu gehen? Sind Sie in Dianetic, um eine Schwäche zu finden? Sind
Sie in Dianetic, nur um die Wirksamkeit zu überprüfen? Manche Fragen werden öfters
wiederholt (ca. 6-8 mal). Donnerstag (6 Tage später) 1976 Darf wieder am Kurs teilnehmen,
wenn ich mich anständig verhalte. Wenn es nochmals vorkommt, wird es über München
gehandhabt. Sonntag (3 Tage später) Muß Aufsatz schreiben, wie verhalte ich mich auf
Kurs? Donnerstag (4 Tage später) Kursleiterin fragt einen Kursteilnehmer, warum er lachen
würde. Kursteilnehmer sagt, wir hätten uns (er und ich) über etwas unterhalten. Muß mit ihr
hinausgehen, fragt mich nach der Ursache, fragt so lange, bis ich antworte. Antworte, ich
hätte gesehen, daß ich ein Pink Sheet bekomme (Pink Sheet = Rosa Blatt. Man bekommt es,
wenn man auf einem bereits überprüften Text Mißverständnisse hat. Wird jedoch sehr oft
auch als Strafarbeit benutzt). Kursleiterin sagt: »Wenn das noch einmal vorkommt, fliegst
Du hinaus« Samstag (ca. 3 Wochen später) Kursleiterin:Du machst eine Stunde »MEST-
Arbeit« (Strafarbeit). Begründung: War 14 Tage unentschuldigt nicht auf Kurs. Allerdings
hatte ich mich auch nicht eingetragen, weil zu dieser Zeit gar kein Eintragungsblatt an der
Wand hing. Sonntag (nächster Tag) Leiste die »MEST-Arbeit« morgens um 10 ab. Muß
das Klo putzen einen Raum sauber machen und den Knettisch saubermachen. Tatsächliche
Zeit 1,25 Stunden. Freitag (drei Wochen später) Kursleiterin fragt mich, warum ich eine
Woche nicht gekommen bin. Sage ihr die Gründe (Arbeit, Feiern, wenig Checkouts). In
gewohnter Weise schiebt sie mir die Schuld zu, ich würde dafür die Verantwortung tragen.
Sage ihr, daß ich das Training TR 0 für mich alleine machen würde. Sie weist darauf hin, daß
das Squirreling sei (Squirreling Abweichen zu seltsamen Praktiken. Bekomme ein Pink-Sheet
(Strafarbeit).

Man darf also nicht einmal in seiner Freizeit (Unterstr. d. Verf.) machen, was man will, ohne
dafür nicht bestraft zu werden! Ich erinnere mich an eine Kursteilnehmerin, eine überzeugte
Scientologin, damals auf dem Dianetics-Kurs, heute in München weiterstudierend, der es
einmal furchtbar schlecht war. Nachdem ihr die Kursleiterin verbot, deshalb heimzugehen,
ging sie ohne Erlaubnis nach Hause. Sie wurde dafür mit Pinksheets bestraft. Heute kann sie
es wahrscheinlich besser »konfrontieren« als damals. Da wird auch der Satz vom HQS-
Material verständlich: Wenn wir jemanden zum Auditor ausbilden, dann wollen wir ihn lieber
tot als unfähig haben. Einmal war ich in der Pause mit zwei befreundeten Kursstudenten in
der Wirtschaft. Die Kursleiterin befahl mir, mit ihr hinauszugehen. Sie fragte mich, ob jemand
von uns Alkohol getrunken habe. Hier mußte ich sie mit einer verneinenden Antwort
anschwindeln. Sie glaubte mir. Solche Verhöre, ob mit oder ohne E-Meter, finden in der
Regel ohne Zeugen statt und sind deshalb schwer zu beweisen. Mit Sicherheit ersparte ich
dem einen Kursteilnehmer damit den Gang zum »Ethik-Officer« oder irgend eine schwere
Strafe. Was die Fortschritte oder Gewinne auf den einzelnen Kursen betrifft, so kann das
unendlich langsam gehen. In der Regel ist man bemüht, die Leute auf den 1. Kurs, also dem
Kommunikationskurs (450.- DM) schnell voranzubringen, was auf den höheren Kursen
keineswegs garantiert ist. Insofern muß der Kommunikationskurs als Lockvogel angesehen
werden (Anm. d. ABI: es wurden immerhin einige Tausend DM im Voraus bezahlt). Schnell
ist man dann nur noch, den Leuten das Geld aus der Tasche herauszuziehen. Im Monat
Dezember war das besonders krass. Hier war der Staff unterbesetzt. Mindestens eine
Mitarbeiterin, wenn es nicht zwei oder drei waren, traten aus, eine war zu dieser Zeit in
München. Ich mußte oft wegen Checkouts (Überprüfungen) mehrere Male (ca 10-20 mal) die
Kursleiterin aufsuchen, die dann keine Zeit hatte. Als ich sie darauf ansprach, daß ich keine
Fortschritte mache, fragte sie dumm-dreist: »Woran liegt das?« Ich antwortete ihr: »An der
Unterbesetzung der Staffs«. Zynisch konterte sie: »Du bist selbst schuld, du trägst die
Verantwortung dafür«. Man bezahlt hier also eine Menge Geld, bekommt wegen den
geringsten Anlässen dicke Strafen, die Kursleiterin hat wegen der Schlamperei der
Organisation keine Zeit und dann ist man noch selber schuld, wenn man keine Fortschritte
macht (scientologische Gedankenakrobatik!!) Was es für absurde Anordnungen gibt, bekam
ich in der »Kirche« in München Anfang 1977 zu spüren. Ich hatte »Life-Repair« für 2
Intensive, also 25 Stunden bestellt. Die Mitarbeiterin fragte mich, ob ich noch zwei weitere
Intensive bezahlen könne. Ich machte sie darauf aufmerksam, daß sie mir Wochen vorher
selbst gesagt hätte, daß ich auf keinen Fall 4 Intensive brauche. So mußte ich nochmals die
200 Fragen des Persönlichkeitstest, also wie vor dem Eintritt in den Komm-kurs, ausfüllen.
Dann kamen die Interviews. Hier wurde ich unter anderem gefragt, ob ich schon
irgendwelche Therapien mitgemacht hätte. Ich sagte, bestimmte Suggestionstherapien, worauf
die Mitarbeiterin stutzig wurde und nachhakte. Sie fragte, wer der Autor dieser Therapien sei.
Ich nannte den Namen: Tony Gaschler. Hierauf wurde mir gesagt, ich könne, ohne vorher
einen Antrag auf Zulassung zum Auditing gestellt zu haben, nicht auditiert werden, da Tony
Gaschler ein »Unterdrücker« sei. Auf nähere Fragen hin erklärte die Mitarbeiterin, Tony
Gaschler sei ein staff member Blowing, also ein abgehauener Mitarbeiter, der scientologische
Daten verdrehte, um andere zu unterdrücken. Ich forderte die Policy Letters, die es angeblich
nur auf englisch gibt. Mit Hilfe eines Wörterbuchs übersetzte ich den Text. Hier steht unter
anderem, daß jemand, der mit einer »unterdrückerischen Gruppe« Kontakt hatte, nicht am
clearing-Kurs, also die Stufe, wo man Clear wird, teilnehmen könne. Der Grund sei darin zu
sehen, es »unterdrückerischen Gruppen« schwer zu machen, durch Gewöhnung Daten zu
holen. Die Gefahr bestehe immer noch, daß man sich an solche Gruppen erinnere. Wenn ein
CLEAR ein so rationales Wesen wäre, wie er in »Dianetics - die moderne Wissenschaft der
geistigen Gesundheit« beschrieben ist, so dürfte die Gefahr meiner Ansicht nach gar nicht
bestehen, oder irgend etwas stimmt in Scientology nicht. Ich beantragte Zulassung zum
Auditing. Man vertröstete mich immer wieder auf spätere Uhrzeiten, bis ich am Sonntag
nachmittag erfuhr, daß die zuständige Person zu Bearbeitung des Antrages angeblich nicht da
sei. Ich durfte wieder abreisen, die Fahrkarte hat mich 58.- DM gekostet, mit dem Bescheid,
ich würde nach ein paar Tagen Nachricht bekommen, was freilich ausblieb. Bisher rief ich
schon dreimal an, jedesmal mit der Vertröstung auf eine neue Uhrzeit oder einen neuen Tag.
Im Moment ist noch nicht abzusehen, ob überhaupt und wann mein Auditing stattfinden wird.
Ansonsten ist mir bekannt, daß Kursteilnehmer, welche unentschuldigt fehlen, öfters Anrufe
bekommen oder, wie es neulich einem Studenten erging, der mit dem Kommkurs noch nicht
ganz fertig war, sich aber für das 3.000. - DM Trainingspaket nicht entschließen konnte,
laufend bearbeitet wurde, bis er schwach wurde. Dies läßt sich sicherlich pauschal sagen, daß
die Mitarbeiter gegenüber Studenten gerade wenns ums Geld geht, einen wahren Psychoterror
loslassen, den sie meistens auch gewinnen - dank ihrer Überlegenheit. Die Scientologen sind
unermüdlich, sie teilen auf der Königstraße in der Nähe des Hauptbahnhofes immer noch
Persönlichkeitstests aus. Zum Schluß möchte ich noch sagen, daß es zwar recht gut ist, wenn
fortlaufend Prozesse gegen Scientology gewonnen werden, daß das aber recht wenig nützt, so
lange Scientology noch besteht. Hier wäre zu überlegen, ob nicht ein generelles Verbot gegen
Dianetics und Scientology das einzig richtige wäre. Wie Sie selbst aus meinem Brief ersehen,
geht das, was hier passiert, weit über Betrug hinaus. Dies verletzt auch die Menschenrechte.
Da wäre ein Hinwirken auf ein Verbot der »Kirche« dringend wünschenswert, bevor es zu
spät ist. Sonst könnte es eines Tages wirklich ein »Auditing mit Erschießen« geben. Ich
jedenfalls werde, ob mit oder ohne »Life Repair«, diese faschistische Organisation in den
nächsten Wochen verlassen. Hochachtungsvoll«

Anfang 1977 forderte der Verfasser dieses Briefes einen Teil des von ihm bezahlten Geldes
zurück. Im August 1977 erhielt er mit einem Scheck das folgende Schreiben, datiert vom
Februar 77

Scientology Kirche Deutschland MSO München HCO Ethik Order An die, die es
betrifft vom HCO München Betreff:Ausschlußschreiben (Name), Mitglied aus
(Adresse) ist nicht langer in Übereinstimmung mit den festgesetzten Zielen von
Scientology oder bereit, sie zu unterstützen. Dies ist durch die Forderung nach
Rückzahlung einer Spende, die er der Kirche vermacht hat, bewiesen. Er ist jetzt
ordnungsgemäß von der Scientology Kirche ausgestoßen. Er darf keine geistliche
Beratung oder Training von irgend einer Scientology Kirche erhalten, bis er nicht
einen Akt der Reue vollbracht hat und Zuflucht bei der Kirche sucht. Die erste
derartige Zuflucht ist: Finde heraus, wer du wirklich bist! Walter Sak H.A.S. für Das
Direktorium der Scientology Kirche Deutschland

Anmerkung der ABI zum »Ausschlußschreiben«: Die Scientologen bezeichnen die Honorare
für die Kurse fälschlicherweise als Spenden. Üblicherweise erwartet man für eine Spende
keine Gegenleistung. Auf der Quittung ist beispielsweise vermerkt: »Mitgliedsbeitrag für
geistiges Training (BSM + HQS + HSDC) 3.000.- DM.« Der Begriff Mitgliedsbeitrag ist in
diesem Zusammenhang allerdings genauso irreführend. Abschließend schreibt der nunmehr
Exkommunizierte an die ABI:

»Sehr geehrte Herren! wie Sie aus dem beigefügten Scientologieschreiben ersehen,
bekam ich nun doch das Geld zurück, durch einen Verrechnungsscheck. Abgezogen
wurden mir 150.- DM. Damit dürfte der Fall für mich erledigt sein. Wenn es Ihnen
gelingt, die Daten derart unkenntlich zu machen, daß ein Rückschluß auf meine
Person nicht möglich ist, können Sie selbstverständlich den Bericht oder auch Teile
davon veröffentlichen, wenn mein Name nicht genannt wird (das gilt auch für diese
Seite). Übrigens mußte ich damals in München wegen meines Austrittes an zwei
Nachmittagen von Auditor zu Auditor, von E-Meter zu E-Meter gehen. Keiner dieser
Auditoren bemerkte, daß ich des öfteren ziemlich deutlich mit den Händen in die
Dosen drückte. (Anm. der ABI: dadurch wird ein Zeigerausschlag und damit nach
Meinung der Scientologen eine geistige Regung quasi vorgetäuscht). Ich sagte dies
einem befreundeten Scientologen, der dies bei nächster Gelegenheit in Stuttgart bei
der Kursleiterin ausprobierte, die natürlich auch nichts bemerkte. Er hatte den Mut, sie
darauf hinzuweisen, worauf sie kurz zu zittern begann In München wurde ich noch als
Unterdrücker bezeichnet (Begründung: Jeder, der austritt, ist ein Unterdrücker). Für
den Fall des Wiedereintritts in Scientology hätte ich mit einer
»Wiedergutmachungsarbeit« zu rechnen, die zwischen 50 und 500 Stunden beträgt,
natürlich unentgeltlich. Mit freundlichen Grüßen«

Das auf der vorigen Seite wiedergegebene »Ausschlußschreiben« ist keineswegs ein
Ausrutscher und bedient sich nur der üblichen Formeln des Sektengründers Hubbard. Wie das
folgende Beispiel zeigt, ist eigentlich nur auffällig, daß der Copyright-Vermerk fehlt:

College für angewandte Philosophie, Franken e.V. MISSION DER SCIENTOLOGY


KIRCHE Ethik-Anordnung vom (Tag, Monat) 1976 An alle, die es betrifft vom
Hubbard Kommunikationsbüro, Mission Franken (Name), Student und Mitglied der
Scientology Mission Franken, ist am (Tag, Monat) 1976 von der Mission
weggegangen und hat seitdem nicht mit der geistigen Ausbildung weitergemacht. Es
wurde mehrmals versucht, ihn zu veranlassen, daß er zu der Mission kommt, um die
Angelegenheit aufzuklären. Das hat er aber jedesmal abgelehnt zu tun. Er hat am (Tag,
Monat) 1976 mitgeteilt, daß er sich von der Mission trennen will. Laut HCO Policy
Letter 19. April 1965, »Ethics, Training an Processing Regulations« ist es eine
unterdrückerische Handlung, ohne Zustimmung vom Kurs abzuhauen. Seine
Kondition ist FEINDSCHAFT. Bevor er mit seiner Ausbildung weitermachen darf,
muß er die Angelegenheit mit dem Ethikoffizier der Mission Franken in Ordnung
bringen, und die nötigen Wiedergutmachungsschritte durchführen. Der erste Schritt
ist: Finden Sie heraus, wer sie WIRKLICH sind. Bruce Hines Hubbard
Kommunikationsbüro Bereich Sekretär Sientology Mission Franken

Anm. der ABI: Der »Zustand« der Feindschaft ist die vorletzte Stufe der »gleitenden Skala
von Erfolg und Mißerfolg« (So: Evans, Kulte des Irrationalen, Rowohlt, S.114). Bereits
minder schlimme Zustände werden hart bestraft. Für Feindschaft ist vorgesehen: Man darf
ihm Eigentum abnehmen, ihn in jeder Weise verletzen, ohne daß man von einem Scientologen
bestraft wird. »Man darf ihm Streiche spielen, ihn verklagen, ihn belügen oder ihn
vernichten« (zitiert nach: Kaufman: Übermenschen unter uns. Andere Quellen vorhanden).
Die Scientologen behaupten heute, dies alles habe lediglich symbolischen Charakter. Der
Berichterstatter jedenfalls hat die Toilette nicht bloß symbolisch geputzt. Die Scientologen
selbst scheinen einen gewissen Wert darauf zu legen, daß an die Anwendung dieser Strafen
geglaubt wird, vermutlich um Ex-Scientologen den Mund zu stopfen. Noch am 11.7.77 stand
in den »Stuttgarter Nachrichten«: FBI-Razzia bei der »Church of Scientology - Denunziant
fürchtet Ermordung - Mitglieder angeblich bei der Steuerbehörde eingebrochen« - so die
Überschriften eines Berichtes aus den USA. Man sollte diese Science-Fiction Sekte
allerdings nicht verharmlosen: Tatsächlich gehen Einbruch und Urkundenfälschung
nachweisbar auf das Konto von Scientologen: Nicht aus Eigennutz, sondern zum
vermeintlichen Vorteil der Sekte.

4. Bericht
Betr.:Scientology-Sekte - dazu ABI-Info's 53, 54, 59

Nachdem ich in früheren Jahren sehr unter Schüchternheit, Hemmungen und


Kontaktschwierigkeiten litt, interessierte ich mich bereits im Jahre 1974 für einen Kurs bei
Dianetics. Zu dieser Zeit wohnte ich jedoch noch in Tübingen und belegte aus
verkehrstechnischen Gründen zu dieser Zeit noch keinen Kurs. Damals wurde ich durch ein
Zeitungsinserat auf Dianetics aufmerksam.
Im Dezember 1974 zog ich nach (Wohnort) um. Jedoch erst im Jahre 1976, und zwar Anfang
September, kam ich wieder auf Dianetics zurück. Auf der Königstr. erhielt ich 2 mal einen
Persönlichkeitstest, jedoch erst einen dritten, den ich später in meinem Briefkasten fand, füllte
ich aus und sandte ihn ab. Im September 1976 fand dann die Besprechung des Tests bei Herrn
Böhm in der Königstr. lOa in der Zeit von 16.45 - 18.00 Uhr statt. Anhand der
Fähigkeitskurse zeigte er mir dann auf, was alles verbessert werden müßte. Eigenartigerweise
trafen die Punkte sogar zu. Ich brachte bei ihm dann meine Probleme vor
(Konzentrationsschwierigkeiten, Schwierigkeiten in der Unterhaltung in einer Gruppe,
Mangel an Durchsetzungsvermögen) und er sagte mir, daß ich mich diesbezüglich durch
diesen Kurs wesentlich verbessern könnte. Außerdem stand für mich eine Dienstreise nach
(Reiseziel) am (Reisedatum) auf dem Programm, wo ich den Besuchern mit einem
elektronischen Blutdruckmeßgerät den Blutdruck zu messen hatte. Dies war dann eigentlich
der Hauptgrund, daß ich am selben Tag noch den Vertrag abgeschlossen habe, und zwar in
Höhe von DM 450.- DM für den Kurs für elementare Kommunikation und elementare
Kontrolle. - Am (Monat) 76 habe ich dann den Kurs begonnen, und zwar jeweils Dienstag bis
Freitag von 19 - 22 Uhr und samstags von 14 - 21 Uhr. Nachdem das Studiermaterial nicht im
Kurspreis inbegriffen war, kaufte ich mir dieses am (Tag, Monat) 76 zum Preis von DM 20.-,
und hoffte, dadurch schneller vorwärts zu kommen. - Nun ja, dann fuhr ich nach (Reiseziel)
und tatsächlich, ich war die Ruhe selbst. Ich hatte kein bißchen Herzklopfen oder sonst
irgendwelche Störungen zu verzeichnen; es machte mir überhaupt nichts aus, daß eine
Menschenmenge (z.T. bis zu 20 Personen) um mich herumstand. Auch konnte ich mich mit
den einzelnen Leuten, die sich den Blutdruck messen ließen, wunderbar verständigen. Da war
ich also echt überrascht. Ich glaube nicht, daß mir dies ohne die Dianetics-Übungen so leicht
von der Hand gegangen wäre. - Also, gegen den Dian.-Kurs habe ich nichts einzuwenden

Was mir jedoch beim Dianetics-College nicht gefiel, war, daß dieses Frl. Graf, Renate - die
Kursteilnehmer.x-mal zu sich reinholte und versuchte, den Leuten - so auch mir - unbedingt
den nächsten Kurs oder Auditing zu verkaufen. Ich habe ihr dann jedesmal gesagt, daß ich
erst mal diesen Kurs abschließen wolle. Außerdem hätte ich nicht die Zeit und auch nicht das
Geld momentan, um weiterzumachen. Sie konnte oder wollte nicht verstehen, daß man außer
Arbeiten auch noch andere Hobbys - wie z.B. Schwimmen, Gymnastik etc. - haben kann. Sie
war der Ansicht, daß man durch die weiterführenden Kurse (Studierkurs) sehr viel mehr vom
Leben hätte, als wenn man andere Hobbys ausübt. Da würde man eben den Geist trainieren
und das wäre sehr viel wichtiger. Und wenn man körperliche Beschwerden hätte, so würde es
dafür in der Scientology auch spezielle Übungen (z.B. Berührungshilfe) geben. Das
Wichtigste wäre, daß man durch Besuch der Kurse und Auditing anderen Menschen helfen
könne. Und was die Bezahlung angeht, so mußte ich immer wieder hören, daß die Gebühr
ab nächsten Monat wieder 5% mehr beträgt und ich solle versuche, das Geld irgendwie zu
beschaffen. Ich würde doch arbeiten und verdienen und ich hätte doch auch ein Konto, das ich
mal überziehen könnte, oder ich könnte einen Kredit aufnehmen oder mir das Geld von
Freunden leihen. Auch führte sie immer an, daß ich den Kurs ja nicht gleich beginnen
müsse, sie würde mich ja nur darauf aufmerksam machen, daß ich jetzt noch diese 5%
weniger bezahlen müsse. (Diese monatliche 5%ige Erhöhung ist natürlich ein ausgezeichnetes
Mittel, um Leute unter Druck zu setzen!).

Am (Tag, Monat) 76 schloß ich dann den Kurs ab. Kaum hatte ich die letzte Übung hinter
mir, mußte ich auch schon den »Erfolgsbericht« schreiben. Als ich damit fertig war,
mußte ich ans E-Meter zum Examiner. (Fr. Reindl). Es klappte jedoch nicht. Es wurde mir
gesagt, daß die Nadel nicht schwebt. Nun mußte dieser Vorgang am Samstag, den 27.11.76
nochmals wiederholt werden. Dann war alles in Ordnung. Es wurden mir verschiedene Fragen
gestellt (leider kann ich mich an den Inhalt nicht mehr erinnern!). Anschließend mußte ich
den zweiten Persönlichkeitstest ausfüllen. Für die Auswertung bekam ich für Montag, (Tag,
Monat) 76 um 16.30 Uhr bei Frl. Renate Graf einen Termin. Es war nochmals solch eine
Fähigkeitskurve erstellt worden und kam dann mit der ersten zum Vergleich. Außerdem
bekam ich für die Fall-Analyse, die nur in München gemacht werden kann, einen Termin für
Sonntag, den (Tag, Monat) 76.

(Tag, Monat> 76/München: In der Scientology-Org. 10.45 Uhr eingetroffen, dann um ca.
11.30 Uhr zu einem Mitarbeiter ans E-Meter gekommen. Es wurden mir 50 oder 100 Fragen
gestellt (z.B. Wie ist das Verhältnis zu Deiner Mutter, Vater, Chef - Bist Du aus eigenem
Entschluß hier - Kennst Du jemand, der gegen Scientology ist - welche Krankheiten hattest
Du - welches Hobby hast Du -Hast Du schon mal Rauschgift genommen - Hast Du
Operationen gehabt, wenn ja, was für welche und in welchem Jahr - was für Medikamente
hast Du schon eingenommen - Hast Du einen Freund - Hast Du viele Bekannte und Freunde -
Trinkst Du Alkohol - warst Du schon in Psychotherapeutischer Behandlung, Behandlung mit
Elektroschock oder Hypnose - Hattest Du schon Mord-oder Selbstmordgedanken - ). An mehr
kann ich mich augenblicklich nicht erinnern; es waren einfach zu viele Fragen. Von 12.15 bis
13.30 Uhr war Pause. Von ca. 14.00 bis 15.30 Uhr besprach Frl. Simone Wyss die
Auswertung der Fragen und Antworten mit mir. Ich machte ihr klar, was ich erreichen
möchte, und zwar, daß ich vollends ganz frei werde in Bezug auf Kommunikation in der
Gruppe, einfach, daß ich diese Hemmungen vollends ganz abbauen kann. Sie sagte mir, daß
dieses Problem durch Life repair bestimmt gelöst werden kann. Diese Schwierigkeiten
würden durch den Auditor entsprechend gehandhabt. Dafür würde ich vier Intensive a 12 1/2
Stunden = 50 Stunden benötigt. Sie bereitete sogleich den Vertrag vor. Außerdem nannte sie
mir noch die Beiträge, wenn ich noch im Dezember bezahle und dann im Januar 1977 wieder
5% mehr. Mir schien der Betrag in Höhe von DM 3.184.40 schon sehr hoch und ich sagte ihr
auch, daß dies ja erst mal verdient werden müßte. Und so viel Geld hätte ich eben auch nicht,
daß ich jetzt sagen könne: ja, ich bezahle es morgen. Auch sie sprach davon, das Geld
vielleicht irgendwo aufzunehmen (Kredit oder von Freunden); dies mißfiel mir zwar, aber
nachdem ich bereits in Stuttgart von verschiedenen Leuten nur positive Urteile über diese Life
repair gehört hatte (allerdings Leute, die immer noch bei Scientology Kurse und Auditing
machen!) entschloß ich mich, dieses Auditing zu machen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch
noch die Hoffnung, daß ich dadurch tatsächlich mein Ziel (befreit von sämtlichen
Hemmungen und Ängsten) erreichen wurde. Am (Tag, Monat) war Simone Wyss hier in
Stuttgart beim Dianetic-College zu Besuch und rief mich von dort aus an. Sie erkundigte sich,
wann ich jetzt mit dem Life repair beginnen würde und ob ich das Geld schon hätte. Ich
verneinte das und sagte ihr, daß ich ihr im Augenblick noch keinen Termin nennen könne. 6
Tage später rief mich diese Simone Wyss wieder an, um zu fragen, wie es mir geht und wann
ich jetzt nach München komme. Auch zu diesem Zeitpunkt konnte ich ihr keine konkreten
Angaben machen. Mir kamen plötzlich Zweifel, ob ich den Vertrag vielleicht doch wieder
rückgängig machen soll, denn es fiel mir nicht leicht, diesen hohen Betrag einfach zu
überweisen. Ich überlegte dann hin und her, ob ich das Geld nun überweisen soll oder nicht.
Dann traf ich in der Stadt einen Scientologen (Name), wir unterhielten uns und auch er hatte
das Life repair gemacht und machte zu jener Zeit gerade den Drogenrundowns in München.
Nun hörte ich von ihm wieder, wie fantastisch dieses Life repair in seiner Wirkung ist. - Dann
endlich, wieder 7 Tage später bezahlte ich den o.a. Betrag durch Verrechnungsscheck, den ich
an die Simone Wyss sandte, wie es vereinbart war. Dann bekam ich von München Nachricht -
wenn ich mich richtig erinnere - von Günter Münzloher - für welches Wochenende bzw. Tag
er mich einplanen soll. Außerdem wurde mir in diesem, oder in einem kurz darauffolgenden
Brief das Buch »Selbstanalyse« empfohlen, das ich zur Vorbereitung auf das Auditing
durcharbeiten solle. Am 4.1.77 kaufte ich dann dieses Buch im Info-Centrum bei Herrn Böhm
= DM 23.. Ich entschied mich dann für ein Wochenende Anfang 77 für den Beginn des Life
repair. Dann bekam ich nochmals einen Brief - ich glaube von Peter Vogel, darin hieß es, daß
ich mir noch die »Axiome« ansehen solle und auch das Dianetic- und Scientology-
Bilderbuch, da es mir beim Auditing sehr nützlich wäre. Vor Beginn 77 kaufte ich mir dann
noch das Heft »Die Axiome der Scientology« = DM 6. in der Hauptstätter Str. bei Frl. Renate
Graf. Sie wollte mich dazu überreden, daß ich hier in Stuttgart beim Dianetic-College noch
einen Auditing-Vorbereitungskurs absolviere (Preis zwischen 300 und 400 DM!). Sie meinte,
daß die Preclears, die diesen Kurs vor dem auditing machen, bessere Erfolge hätten und
schneller weiterkommen. Das lehnte ich jedoch ab. Denn in München gibt es diesen
Einführungskurs nicht. Dann war sie sauer!

Zusammenfassung zu Scientology, München:

Der geforderte Beitrag für dieses Life repair ist entschieden zu hoch. 70 - 80% der Zeit
mindestens wurde für Wörterklären verwendet. Wenn deutsche Wörter gebraucht würden,
wäre es sehr viel vernünftiger. Jedoch sind dies Scientologen-Ausdrücke und Abkürzungen,
die in keinem normalen Wörterbuch zu finden sind. Kann man das entsprechende Wort nicht
genau deuten, bzw. gefällt es dem Auditor nicht, wie man sich ausdrückt, so muß man das
Wort oder den Begriff mit Demo-Material (Bleistift, Tubenverschlüsse, Radiergummi etc.)
darstellen. Erst wenn der Auditor dann mit dem Gezeigten zufrieden ist, wird zum nächsten
Wort übergewechselt. Dieser Vorgang wurde x-mal wiederholt, und jedesmal kamen neue
Wörter hinzu.

Die Auditing-Listen bestehen hauptsächlich aus diesen Scientology-Wörtern. Der Auditor


liest diese Liste und fischt ein Wort heraus, bei welchem angeblich die Nadel ausgeschlagen
hat. (Beispiel: Listingfehler, PTS-Item, einen Tonarm reparieren, der nicht hoch ist, einen
Tonarm reparieren, der nicht niedrig ist, übergelistet). Nun muß man diesen Begriff
demonstrieren, bzw. erklären. Dies wird so lange wiederholt, bis die Nadel angeblich
»schwebt«. Es kommt die nächste Liste. Hier werden Begriffe aufgeführt, wie z.B. Mutter,
Vater, Chef, etc. Schlägt nun die Nadel bei »Mutter« aus, so muß man von der Mutter
erzählen, und zwar vom jetzigen Zeitpunkt soweit zurück wie man sich erinnern kann. Bei
diesem ganzen Frage- und Antwortspiel hat man das Gefühl, als ob man verhört würde.
Außerdem kann man auch nicht kontrollieren, ob der Zeiger des E-Meters so
ausschlägt, wie es der Auditor sagt. Ich hatte sogar das Gefühl, daß diese Anzeigen z.T. gar
nicht stimmten. Vor jeder Sitzung muß man die Hände mit einer Lanolin-Lotion
einbalsamieren, dann wird man gefragt: Wieviel Stunden hast Du geschlafen, bist Du müde?
Bist Du hungrig? Dann heißt es »Das ist die Sitzung«. Und später dann »Das ist die Liste«.
Man darf auch keine Kleidungsstücke tragen, enge Schuhe muß man ausziehen, den Rock-
oder Hosenbund öffnen, Ringe ablegen. Auch wird kontrolliert, ob man die Dosen richtig in
der Hand hält sowie ob die Hände auch warm genug sind. Nach der Sitzung wird man gefragt,
ob man noch etwas fragen möchte, bevor Pause gemacht wird. Dann wird man zum Examiner
gebracht, bei dem man wieder ans E-Meter gesetzt wird. Seine Aufgabe ist es, festzustellen,
ob die Nadel schwebt, also, ob alles in Ordnung ist. Wenn er sagt: »Deine Nadel schwebt«,
kann man gehen.

Nachdem das Auditing auch mit Wartezeiten verbunden ist, wurde ich darauf hingewiesen,
daß ich mich für diese Zeit für einen kleinen Kurs einschreiben solle, dann könnte ich die
Wartezeit besser ausnützen und müßte nicht nur herumsitzen. Als ich dann sagte - ich glaube,
die Mechthild oder der Peter hatte mich daraufhin angesprochen - daß ich dafür nicht auch
noch Geld hätte, wurde mir gesagt, daß dies aber auch gut für das Auditing wäre, ich würde
dadurch schneller und besser durchkommen. Ich hatte jedoch den Eindruck, daß es nur darum
ging, wieder einen Kurs zu verkaufen. - Einmal wurde ich von einem Mitarbeiter
angesprochen, der mit einer Plastiktüte durch's ganze Haus marschierte, ob ich Vitamine
brauche. Ich verneinte dies. Andere Kursteilnehmer, bzw. Scientologen, die sich auch in
diesem Pc-Warteraum befanden, kauften z.T. für über 100. DM. Es kommen sämtliche
Vitamine in Form von Pillen und Flüssigkeiten zum Verkauf. Eine Dame, die neben mir saß,
meinte, das müßte ich auch nehmen, da würde man viel besser durch's Auditing kommen,
man würde nicht so müde werden und außerdem könnte man sich viel besser konzentrieren
und man würde sich irgendwie richtig glücklich fühlen. - Alle, die ich kennengelernt habe, die
diese Vitamine schlucken, kamen mir irgendwie eigenartig vor, und zwar so, als ob sie gar
nicht in der Wirklichkeit leben würden. Und man konnte sich mit Ihnen wirklich nur über
Scientology unterhalten, alles andere schien für diese Leute gar nicht zu existieren. Mir kam
es z.T. so vor, als ob manche von ihnen unter einem hypnotischen Zwang stehen würden.

Nachdem ich z.T. längere Wartezeiten hatte, machte ich so meine Beobachtungen. Und wurde
bis heute den Verdacht nicht los, daß es sich bei den zum Verkauf kommenden Vitaminen
nicht nur um reine Vitamine handelt, sondern daß darin noch irgendein anderer Stoff
enthalten ist. Leider habe ich keine Beweise dafür. Denn bei Einnahme normaler
Vitaminpräparate zeigt sich kein derartiges Verhalten. Und daß man durch die Trainings und
das Auditieren so eigenartig wird, kann ich mir eigentlich auch nicht vorstellen. - Weiter
stellte ich fest, daß es in diesem Haus eine Unmenge Mitarbeiter gibt. Da wundert es einen
dann nicht, daß die Leistungen so hoch bezahlt werden müssen. Ich kam mir vor wie in einem
Bienenhaus; dauernd »schwirrten« andere Gesichter mit irgendwelchem Aktenmaterial
unter'm Arm vorüber. Was diese Leute für Funktionen ausüben, ist mir bis heute noch ein
Rätsel. Nun noch einmal zu meinem persönlichen Fall: Ich bekam mit der Zeit den Eindruck,
daß es nur darum geht, den Interessenten so viel Kurse und Auditing zu verkaufen wie nur
irgend möglich. Und ich finde die Geschäftspraktiken, daß man geradezu aufgefordert, besser
gesagt, animiert wird, Schulden zu machen, sehr unseriös und gefährlich. Ich kann mir
vorstellen, daß, wenn jemand seelisch labil ist, dieser sich das Geld auf die unmöglichste Art
und Weise beschafft, nur um bezahlen und weitermachen zu können. Für das Life repair, aus
welchem ich überhaupt keinen Nutzen ziehen konnte und das mir in keiner Weise einen
bleibenden »Gewinn« brachte, (nur den weiter oben angeführten, und zwar am 18.2.77, daß
ich im Laufe eines Prozesses plötzlich besser sehen konnte; dieser Zustand war jedoch von
sehr kurzer Dauer. Außerdem dürfte dies darauf zurückzuführen sein, daß ich mich in diesem
Augenblick in einem sehr entspannten Zustand befand), habe ich folgende Ausgaben gehabt:
Beitrag für Life repairDM3.184.40 Buch »Selbstanalyse«DM23.00 Heft »Die Axiome der
Scientology«DM6.00 Fahrtkosten u. ÜFDM290.00 Gesamtkosten DM 3.503.40

Nun, mehr kann ich leider meinem Erinnerungsvermögen nicht mehr entlocken. Womöglich
ist eine Auditing-Übung eingebaut, um diese Dinge alle so schnell wie möglich wieder zu
vergessen!?! Oder aber, weil die Fragen so unsinnig sind, daß man sie wohl wahrnimmt, aber
dann gleich wieder vergißt. - Ende! (Unterschrift)