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Die Hintergründe von Kirsten Heisigs »Selbstmord« werden immer dubioser.

Jetzt
brachte sie der Berliner Stadtverordnete René Stadtkewitz als geplante Galionsfigur für
seine neue islamfeindliche Partei ins Spiel. Doch wollte sie das wirklich werden? Oder
eben gerade nicht? Lesen Sie den Bericht von Gerhard Wisnewski …

Die
angeblich durch Selbstmord gestorbene Jugendrichterin Kirsten Heisig hatte nicht nur zwei
Kinder. Sie war nicht nur erfolgreich im Beruf. Sie gestaltete nicht nur die deutsche
Rechtsprechung mit. Sie stand nicht nur vor der Veröffentlichung ihres Buches Das Ende der
Geduld. Darin schrieb sie nicht nur, dass Deutschland die von ihr angeschobene Debatte
aushalten werde, sondern »mich auch«. Und trotzdem soll sie plötzlich Selbstmord begangen
haben.

Dabei hatte Kirsten Heisig in Wirklichkeit noch viel brisantere


Zukunftspläne. Wie bereits auf meiner DVD Geheimsache Selbstmord vermutet, wollte
Kirsten Heisig tatsächlich in die Politik gehen. Jedenfalls, wenn man dem Berliner
Stadtverordneten René Stadtkewitz glaubt. Demnach spekulierte Heisig nicht auf eine
Karriere in einer etablierten politischen Partei, sondern wollte zusammen mit dem aus der
CDU ausgeschiedenen Berliner Abgeordneten Stadtkewitz eine Partei gründen. Das erzählte
Stadtekwitz jetzt zumindest dem Spiegel (Nr. 1/2011).

»Die Freiheit« (http://www.diefreiheit.org/) soll die Partei heißen – eine »Bürgerrechtspartei


für mehr Freiheit und Demokratie«. Laut eigener Website wurde die Partei nach Heisigs Tod
»im Herbst 2010 vom Berliner Abgeordneten René Stadtkewitz gegründet. Die Partei tritt
zunächst zur Berliner Abgeordnetenhauswahl im Herbst 2011 und später bundesweit an.« Für
den Wahlkampf hätte Stadtkewitz »gern ein Zugpferd« gehabt, »ein prominentes Gesicht«,
schreibt der Spiegel. Was damals niemand ahnte: Dieses Zugpferd sollte laut Stadtkewitz die
Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig sein, die offen auf die Probleme mit ausländischen
Jugendlichen Straftätern hingewiesen hatte.

Zugpferd für islamfeindliche Partei

Wozu man die kompetente Jugendrichterin benutzen wollte, wird bei weiterem Stöbern auf
der Website der Partei »Die Freiheit« auch schnell klar: »Zusammen mit anderen
islamkritischen Parteien aus ganz Europa« habe man am 7. Dezember 2010 in Israel die
»Jerusalemer Erklärung« abgegeben. In diesem Text wird denn auch die Katze aus dem Sack
gelassen. Von Israel aus formuliert »Die Freiheit« gemeinsam mit der österreichischen FPÖ,
der belgischen Vlaams Belang und den Schwedendemokraten die eigentliche Stoßrichtung.
Man sieht sich als ideologische Speerspitze gegen den Islam: »Nachdem die totalitären
Systeme des 20. Jahrhunderts überwunden wurden, sieht
sich die Menschheit gegenwärtig einer neuen weltweiten
totalitären Bedrohung ausgesetzt: dem
fundamentalistischen Islam.« Zwar respektiert man
»grundsätzlich … jedes Volk, jede Kultur und jede
Religion«. Aber der Islam sei »ein totalitäres System mit
dem Ziel der Unterwerfung der Welt«. Die muslimische
Religion habe die absolut notwendige historische
Entwicklungsphase der Aufklärung noch nicht
durchlaufen.

Ganz anders Israel, von wo aus diese »Jerusalemer


Erklärung« abgegeben wurde. Israel sei die »einzige
wirkliche Demokratie im Nahen Osten«. Die neue deutsche
Partei betrachtet sich als »Teil des weltweiten Kampfes der
Verteidiger von Demokratie und Menschenrechten Parteigründer René Stadtkewitz
gegenüber allen totalitären Systemen und deren
Helfershelfern. Damit stehen wir an vorderster Front des (© Karine Azoubib)
Kampfes für die westlich-demokratische
Wertegemeinschaft.«

Damit konzipiert sich »Die Freiheit« als Kampfpartei in der Auseinandersetzung zwischen
Israel und dem Islam, insbesondere vermutlich mit dem Iran – wofür nun deutsche Wähler
eingespannt werden sollen. Denn der Iran steht nun mal definitiv auf der westlichen und
israelischen Speisekarte.

So ist es denn auch kein Zufall, dass bei der Gründungsversammlung als einziger »Journalist«
ausgerechnet der berüchtigte Islamkritiker und Pentagon-Mitarbeiter Daniel Pipes zugelassen
war. »Ich war in der Stadt, daher lud die Parteiführung mich als einziges Nichtmitglied der im
Entstehen begriffenen Partei ein, um ihre Gründungsversammlung mitzuerleben und darüber
zu berichten«, schreibt Pipes auf seiner Website.

Pentagon-Mitarbeiter bei der Parteigründung

Daniel Pipes bei der Gründung einer deutschen Partei? Ein


Witz: Pipes ist ein militärischer Propagandastratege und
wichtiger Scharfmacher im Konzept des »Kampfes der
Kulturen«. Pipes ist nicht nur Direktor des Middle East Forum
und Kolumnist der Jerusalem Post, sondern er lehrte laut
eigener Website auch an der Kriegsakademie der US Navy,
dem US Naval War College. Außerdem war er »in
verschiedenen Funktionen im Außen- und
Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten« tätig. So
sei er auch Mitglied der Special Task Force on Terrorism and
Technology des Pentagon. Pipes war auch Mitunterzeichner
eines Briefes des berüchtigten Kriegstreibernetzwerkes
Project of a New American Century (PNAC) an Präsident
Pentagon-Mitarbeiter Daniel Bush zum Thema »Israel, Arafat und der Krieg gegen den
Terror«. Das PNAC gilt manchen als ideologischer
Ausgangspunkt der Anschläge des 11.9.2001 und des
Pipes (© Daniel Pipes)
anschließenden Krieges gegen den Islam.

Und natürlich ist die ständige islamfeindliche Propaganda Teil der Kriegsvorbereitungen,
zurzeit namentlich gegen den Iran. Pipes lobt »Die Freiheit« als »eine politische Partei,

die der Islamisierung Widerstand leistet und Israel


unterstützt«. Die Partei spreche »freimütig über den
Islam, Islamismus, islamisches Gesetz und
Islamisierung«, freut sich der Pentagon-Mitarbeiter.
Schließlich liege »Deutschland deutlich hinter den
meisten europäischen Ländern mit großer muslimischer
Bevölkerung zurück, was das Hervorbringen einer
Partei angeht, die sich gegen die Islamisierung
stemmt«. Außerdem, so Pipes, gebe »Die Freiheit«
Israel »robuste Unterstützung« und sei »als Wappen des US Naval War College
massenkompatibel« konzipiert worden. »Sollte sie Erfolg haben, könnte sie die Politik in
Europas einflussreichstem Land verändern.« »Massenkompatibel« heißt: Die Partei soll auf
der Welle des allgemeinen Unmuts über die Migranten-Probleme schwimmen und möglichst
viele Deutsche für die Sache Israels und des Pentagons ins Boot holen.

Mysteriöser Todesfall im Umfeld der Parteigründung

Da fragt man sich natürlich: Was hatte Kirsten Heisig in dieser Partei zu suchen?
»Am liebsten würde Stadtkewitz zurückgezogen im Hintergrund arbeiten, die Partei aus der
zweiten Reihe führen. So war es auch eigentlich mal geplant«, schreibt der Spiegel in seiner
neuesten Ausgabe: »Ich wollte die Partei zusammen mit Kirsten Heisig aufbauen. Sie sollte
das Gesicht werden, ich der Organisator. Als ich aus der CDU austrat, lernten wir uns kennen,
und sie sagte: ›Wenn du was Eigenes aufbaust, René, dann sage ich nicht nein.‹ Wir trieben
die Sache voran, trafen uns, planten«, sagte Stadtkewitz laut Spiegel. »Aber dann passierte
dieses tragische Unglück.«
Ein »tragisches Unglück«? Da fragt man sich: Ist das nun die Meinung von René Stadtkewitz,
des Pentagon oder des US Naval War College? Sagt Stadtkewitz über Heisigs angeblich
geplante Rolle überhaupt die Wahrheit? Oder hatte Heisig vielleicht auch Probleme mit den
merkwürdigen Hintergründen der angehenden Partei? Schließlich entsteht hier der Eindruck,
dass Heisig für die Kriegspropaganda der Vereinigten Staaten eingespannt werden sollte. Ob
sie da etwa nicht mitziehen wollte, ist natürlich reine Spekulation. Und dass sie etwa
deswegen sterben musste, erst recht. Sicher ist nur, dass die Gründung dieser Partei damit
bereits von einem mysteriösen Todesfall überschattet wird …

Lesen Sie demnächst: Ein Kriminalbeamter analysiert die Auskunft der Staatsanwaltschaft im
Fall Heisig

Neu von Gerhard Wisnewski:

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/gerhard-
wisnewski/kirsten-heisig-wollte-in-die-politik-motiv-fuer-einen-mord-.html