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Wir Schützen kämpfen für Wahrheit und Aufrichtigkeit.

Flurnamen, Wurzeln der Heimat


Wir glauben, dass in unseren Flur- und Ortsnamen
viel von dem liegt, was Heimat ausmacht.
Dieses Erbe gilt es zu erforschen, daran festzuhalten,
es zu benützen und unseren Kindern weiterzugeben,
allen Widerständen zum Trotz. Der Freiheit entgegen!

Efrem Oberlechner

Flurnamen,
ISBN: 88-970530-9-5

Wurzeln der Heimat


SCHÜTZENKOMPANIE EHRENBURG
Ehrenburg – Kiens – St. Sigmund – Hofern – Getzenberg
EFFEKT! BUCH
Flurnamen,
Wurzeln
der Heimat
Ehrenburg – Kiens – St. Sigmund –
Hofern – Getzenberg

Schützenkompanie Ehrenburg

1
Impressum:

© 2010

Flurnamen, Wurzeln der Heimat – Ehrenburg, Kiens, St. Sigmund, Hofern und Getzenberg

Herausgeber: Schützenkompanie Ehrenburg – www.schuetzen.com


Textbearbeitung: Mag. Cäcilia Wegscheider, Mag. Cristian Kollmann
Koordination: Efrem Oberlechner
Herstellung und Verlag: Effekt! Buch
ISBN: 9788897053095
Alle Rechte vorbehalten
Liebe Ernburga, Kiena, Zimita, Hoffina und Geaznperga!
Die Schützenkompanie Ehrenburg hat es sich bei Immer wieder hetzen italienische Zeitungen und
ihrer Gründung zum Ziel gesetzt, Glaube, Kultur, Politiker gegen die Benützung historischer deut-
Brauchtum, Tradition und Heimat zu bewahren. scher Flurnamen und fordern die faschistischen
Nachdem wir vor kurzem das Moarbachstöckl und Erfindungen auf jedem Wanderschild ein. Man hat
das Getzenberger Stöckl renoviert haben, widmen sogar angedroht, dies im Zweifelsfall auch mit Mili-
wir uns den Flurnamen unserer Dörfer. tärgewalt durchzusetzen.

Wir waren uns bewusst, dass wir mit dieser Pu- Wir sind jedoch der Meinung: Für heimatbewuss-
blikation die faschistisch aufgezwungenen Ortsna- te Menschen kann nur eine Lösung im historischen
men in Frage stellen und dass einige damit keine Sinne in Frage kommen – und da haben faschisti-
Freude haben werden. Das haben wir vor allem da- sche Namen keinen Platz. Alle vom Faschisten Etto-
ran gemerkt, dass von Seiten der öffentlichen Hand re Tolomei erfundenen Namen gehören aus Südti-
nur wenig Unterstützung kam. rol verbannt. Und dazu zählen auch die erfundenen
faschistischen Dorfnamen wie „Casteldarne“ oder
Unbeeindruckt davon kämpfen wir weiterhin für „Corti“. Unrecht darf nicht zu Recht werden, hier ist
Wahrheit und Aufrichtigkeit. Wir glauben, dass in Konsens Nonsens.
unseren Flur- und Ortsnamen viel von dem liegt,
was Heimat ausmacht. Dieses Erbe gilt es zu erfor- Unsere Aufforderung an alle Mitbürger: Verwen-
schen, daran festzuhalten, es zu benützen und un- det im Umgang mit den Gästen, egal welcher Mut-
seren Kindern weiterzugeben, allen Widerständen tersprache, die gewachsenen Orts- und Flurnamen.
zum Trotz. Es ist deshalb erfreulich, dass die Bevöl- Zeigt dadurch Selbstbewusstsein. Dass es funktio-
kerung der Gemeinde mit großem Interesse unser nieren kann, zeigt sich darin, dass sich italienische
Vorhaben durch ehrenamtliche Mithilfe und finan- Urlauber auch in Deutschland oder Österreich, ja
zielle Beiträge unterstützt hat. Dies zeigt, dass Hei- auf der ganzen Welt mit den dortigen nichtitalieni-
mat und Tradition in unseren Dörfern auch heute schen Ortsnamen zurechtfinden. Warum soll dies
noch einen hohen Stellenwert haben. Ein Dank gilt bei uns nicht auch möglich sein?
jedem einzelnen, der zum Gelingen dieses Buches
beigetragen hat. Mjr. Efrem Oberlechner
Zur Einleitung und Benützung
Mit der Herkunft von Namen ver- Die Erhebung der Flurnamen von Kiens wurde
hält es sich wie mit der Deutung Ende der Neunzigerjahre im Rahmen des Projekts
von Träumen: jeder erklärt sie auf „Erhebung der Flurnamen Südtirols“ von Christina
seine Weise ... Antenhofer durchgeführt. 2007 wurde eine Nach-
erhebung von Seiten des Südtiroler Landesarchivs
Flurnamen erzählten und erzählen Geschichte, lan- veranlasst. Das Ergebnis der beiden Erhebungen
ge bevor sich die Sprachwissenschaft der Mikroto- waren etwa 1200 Namen, die Siedlungs- und Hö-
ponomastik annahm. Und lange vor dem Schilder- febezeichnungen, die Namen von Wiesen und Fel-
streit haben diese Namen einen zentralen Aspekt dern, Bächen und Wegen, Almen und Bergen um-
des dörflichen Lebens ausgemacht. Mit den Namen fasste.
haben sich die Menschen ihre Umwelt erschlossen
und ein Kommunikationsnetz geschaffen, das zwi- Auf diese Erhebungen baut das Buch auf, auch
schen Dorfbewohnern, aber auch nur innerhalb ei- wenn nur ein Teil von ihnen, der bei weitem nicht
ner Familie oder nur zwischen zwei Hirten auf der alle Bereiche des Flurnamenschatzes von Kiens ab-
Alm funktioniert. deckt, in diesem Buch aufscheinen wird. Dies wür-
de aber auch den Rahmen einer solchen Publikation
Nicht zu sehr auf den wissenschaftlichen Aspekt sprengen.
der Namen zu beharren, sondern den praktischen
Aspekt zu betonen, ist Anliegen dieser Publikation. Zur Definition von Flurname wurde ein Mittelweg
Flurnamen werden gebraucht, um sich zu verstän- gewählt. Der Begriff Flurname würde im engeren
digen, um sich zu orientieren. Aus welchem alt- Sinne eigentlich nur unbesiedelte Fluren umfassen
hochdeutschen Wort sich Peinte herleitet, ist für ei- und keine Siedlungs- oder Höfenamen.
nen Bauern vernachlässigbar. Wichtig ist für seinen
Alltag, dass er durch die Bezeichnungen die Fluren, Der Entschluss, auch diese aufzunehmen, lag an
die er bearbeitet, voneinander abgrenzen kann. der Schwierigkeit, Höfe und ihre Felder zu trennen
Und gerade durch diese Differenzierung trägt er und gesondert darzustellen. Ein Mittelweg wurde
am meisten dazu bei, dass diese Namen erhalten auch für die Schreibweise der mundartlichen Na-
bleiben – nicht in einem Flurnamenbuch, sondern men ausgewählt – einer, der nicht das Schriftbild
im alltäglichen Gebrauch. zu sehr verfremdet, zugleich aber auch die mund-
artliche Lautung wiedergeben kann. Im Register
werden die durch Schreibtraditionen festgelegten
schriftlichen Formen jedoch angeführt.

Das Konzept eines Flurnamenlesebuchs, das sein


Augenmerk auf die Alltagstauglichkeit, den ge-
schichtlichen Kontext und die Geschichten, die mit
den Namen verbunden sind, legt, kommt dennoch
nicht umhin, die Sprachwissenschaft, in deren Dis-
ziplin sich die Flurnamen einreihen, zu bemühen. In
einem eigenen Beitrag über die Orts- und Weiler-
namen und gesonderten sprachwissenschaftlichen
Fenstern legt Cristian Kollmann eine wissenschaft-
liche Bewertung vor, die teils mit neuen Erkennt-
nissen überrascht.

Die Fenster erfüllen den Zweck, Zusatzinformati- Namendeutung


onen zu den Flurnamen zu liefern, geschichtliche
Hintergründe zu den Namen aufzuzeigen oder
mündliches Erzählgut wiederzugeben, ohne aber Wörterbuch
dadurch den Erzählstrang zu beeinträchtigen.

Zentral für die Publikation war auch die Zur-Ver- Kurioses


fügung-Stellung eines unveröffentlichten Manu-
skripts, das als Nachtrag zum Dorfbuch konzipiert
war und uns von Karl Pfeifhofer freundlicherweise Mündliche Überlieferung
überlassen wurde. Seine, vor allem geschichtlichen
Notizen haben ihren Niederschlag in diesem Buch
gefunden und dadurch einen wertvollen Beitrag Schriftliche Überlieferung
geleistet.
Inhaltsverzeichnis
Wo der Sage nach, ein römisches Castell gestanden haben soll ...
Frühgeschichtliches: erste Spuren der Besiedlung.................................................................................. 9

Arbenburc, Gozzenperc, Kiehna, Burin und Houarun


Die Dorf- und Weilernamen..................................................................................................................... 15

Das Eschpanguet am Gezenperg, iezt aber Erschpaumb genannt


Die Höfe....................................................................................................................................................... 29

Der mag auf der tratten ze seiner notturft ain tagwerch lands einzeinen und peunten
Rund um den Hof: Peinten, Zelgen und Traten...................................................................................... 39

Ein Stuck Erdreich, so bald in Acker, bald in Wiesen liegt


Äcker, Wiesen und Weide........................................................................................................................... 45

Hackh, Schlag oder Prenn


Der Wald und die Jagd............................................................................................................................... 57

In der Alben, die gelegen ist auf den Perg, genant der Pichlerberg
Auf der Alm und am Berg.......................................................................................................................... 71

Zu seiner mil und schmiten den Pach jederzeit geniesen …


Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen .................................................................................................................. 79

Weeg, Steig, Pruggen oder Steg


Wege, Brücken und Zäune......................................................................................................................... 95
Nos parrochialem ecclesiam Chiens
Geistliche Obrigkeit................................................................................................................................. 101

Godilan, geat heddo …


Sagen und Dorfgeschichten.................................................................................................................... 107

In Toule und afn Perg


Die Flurnamenlandschaft im Überblick............................................................................................... 115

Anhang....................................................................................................................................................... 127

Cristian Kollmann: Die Namen Kiens und Kienberg............................................................................................................... 128

Erklärung der sprachwissenschaftlichen Begriffe ....................................................................................................................137

Abkürzungen und Zeichen.................................................................................................................................................................139

Zur mundartlichen Schreibung...................................................................................................................................................... 140

Literaturnachweis..................................................................................................................................................................................141

Bibliographie........................................................................................................................................................................................... 145

Register...................................................................................................................................................................................................... 147

Zum Herausgeber
Die Schützenkompanie Ehrenburg........................................................................................................ 165
Die Dorf- und Weilernamen

Frühgeschichtliches:
erste Spuren der
Besiedlung

1. Wo der Sage nach ein römisches Castell


gestanden haben soll ...

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Frühgeschichtliches: erste Spuren der Besiedlung

Der so genannte Römerweg mit dem nachgebildeten römischen Meilenstein des Septimius Severus

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Frühgeschichtliches: erste Spuren der Besiedlung

Jägerrastplätze, eisenzeitliche Siedlungsreste und römische Mei-


lensteine: Die ersten Siedlungsspuren führen nach Getzenberg auf
den Kamm zur Gemeindegrenze. Der Flurname Purgschtåll liegt
zwar nicht mehr auf Kiener Gebiet, verweist aber auf die ersten
Befestigungsanlagen in der Umgebung der Gemeinde.

Das Interesse der Frühgeschichte war schon immer auf den Hin-
topîchl bei Ehrenburg gelegt, und hier wurde auch der vielleicht
nicht wichtigste, aber bemerkenswerteste Fund gemacht, der rö-
mische Meilenstein. Ob er nun an der richtigen Stelle steht oder
nicht, archäologisch interessant ist diese Gegend auf jeden Fall.
Doch das ist nicht der einzige Pîchl, der den Blick der Geschichts-
forscher auf sich lenkte. Der Moarpîchl, der Waldrücken Stoan, der
hinter dem Kiener Oberdorf aufragt, und der Paumånnpîchl bei
Mühlen sind weitere archäologisch beachtete Stellen.

In den Flurnamen erscheinen als Hinweise auf frühgeschichtliche


Befestigungsanlagen das unterhalb des Hintopîchls gegen die Ri-
enz hin liegende Maura, das eine Kollektivbezeichnung auf -ach
wiedergibt. Die damit gemeinte größere Anzahl von Mauerwerk
kann auf Siedlungsspuren hindeuten.

Ein anderer Name, nämlich der des Hofes Kåschtoula würde zu


schön in diese Reihe als Rest eines römischen Kastells passen und
er hat schon namhafte Wissenschaftler in die Irre geführt. Leider
ist dem nicht so.

Flurnamen können Hinweise auf die Siedlungsgeschichte geben,


ganz erklären können sie diese aber nicht. Das relativ frühe Ein-
dringen der Baiern ins Pustertal, im Unterschied zum restlichen
Südtirol, schafft ein interessantes Nebeneinander von vorwiegend

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Frühgeschichtliches: erste Spuren der Besiedlung

deutschem Namengut und dem angrenzenden


ladinischen Gebiet.
Pluns
Wenige einzelne Namen deuten auf die Bevölke-
Mundartliche Aussprache: Pluuns. Belegaus-
rung oder die Besiedlung hin, die vor der Ankunft
wahl: 1425 Oberplan; 1462 zu Plans im
der Baiern bestanden. Haben sich als romanische
Getzennperg; 1464 Planer; 1523 Oberplanner;
Hofnamen nur Plûns und Gols erhalten? 1501 zu Plans; 1531 zu Plans; 1556
Oberplanner; 1578 Apollonia Oberplannerin;
1582 Oberplaner; 1596 Inner- und
Auserplanhof; 1701 Planner am G., Plannhof;
später dann Ploner. Etymologie: Rom.
planu ‘ebener Platz’. Dieser Begriff konnte nicht
nur als Name, sondern auch als Appellativ
ins Tirolische entlehnt werden (vgl. Schatz, S.
84). In Bezug auf Pluns bedeutet dies, dass die
Hofstelle auch erst in deutscher Zeit mit dem
entsprechenden Lehnwort Plan benannt
worden sein könnte. Außerdem wurde der
Kastoler (Kalchstaler) Name, so wie Kiens, mit dem Genitiv-s verse-
hen.
Mundartliche Aussprache: Kchåschtóula.
Belegauswahl: 1278 Chalstat, 1388 Chalchstall,
1463 Chalchstal, 1537 Kalhstal, 1638 Castal, Gols
1676 Castallergut, 1848 Kastellgut, 1900
Kastoler Etymologie: Kalchstaler ‘im Kalchstal, Mundartliche Aussprache: Gols, Unto-, Obo-
d. h. im kalkhaltigen Tal Wohnender’. Küheba- gols. Belegauswahl: 1705 Gollser (DTA II-2, S.
cher, Kiens, S. 283 führt den Namen irriger- 255–256; Kühebacher, Kiens, S. 277); 1705
weise auf rom. *castolu zurück, das sich aus Oberkolser (DTA II-2, S. 259; Kühebacher, Kiens,
*castel + olu entwickelt haben soll. Die Bedeu- S. 277); 1776 Golser (Kühebacher, Kiens, S. 277).
tung sei ‘kleiner, befestigter Platz’ gewesen. In Wie bereits Battisti (DTA II-2, S. 255–256) und
späterer Zeit sei im Namen das Wort mund- Kühebacher anmerken, stammt der Name von
artl. Tola ‘Taler’ eingeblendet worden. rom. colles, dem Plural von colle ‘Bühel’.

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Frühgeschichtliches: erste Spuren der Besiedlung

Ein anderer Flurname, belegt als Rozal, gibt den Namenforschern


noch Rätsel auf: Rezal. Ist er der älteste Flurname von Kiens? Und
wenn ja, wie kann er sich genau am Talboden an der Rienz befin-
den, wo doch dieser nur aus einer unwirtlichen Auenlandschaft
bestanden haben muss?

Rezal: Ein sonderbarer Flurname in den Auen?

Rezal

Mundartliche Aussprache: Rizal, Rezal Belegauswahl: 1776


Rozal (Kühebacher, Kiens, S. 273); der Rotzal acker (DTA II-2, S.
303). Etymologie: Sehr wahrscheinlich vordeutsch. Genaue
Herkunft und Bedeutung sind unklar. Kühebacher, Kiens, S.
273 denkt an eine kanzleisprachliche Ableitung vom PN Rutz.
Doch es sind keine weiteren Fälle bekannt, in denen Ablei-
tungen von Personennamen mit dem Ausgang -al gebildet
wurden. Außerdem weist das helle a in der Mundart auf einen
Ausgang vordeutsch -aul (zu au > a, vgl. Klaus > Klas). Auch
Battistis Deutung aus lat. arrugia ‘Rinne’ > *arrugialis ist nicht
haltbar. Eine derartige Ableitung hätte alpenrom. *Rojale
gelautet, das in diesem Gebiet nhd. *Rojal und in der Mundart
*Rijol ergeben hätte.

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Frühgeschichtliches: erste Spuren der Besiedlung

Die Geländeterrasse des Plûna – ein Hinweis auf einen romanischen Hofnamen?

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Die Dorf- und Weilernamen

Die Dorf- und


Weilernamen

Arbenburc, Gozzenperc,
Kiehna, Burin und Houarun

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Die Dorf- und Weilernamen

Ehrenburg
Mundartliche Aussprache: Ärnbúrgh, Ärnwúrkh. Belegauswahl: 1127
Arbenburc, Arinburc; 1298 Erenburch; 1337 Aerenburg; 1817 Ehren-
burg; 1910 Ehrenburg. Etymologie: Ahd. *Arinburg > mhd. *Arenburg
‘Burg des Aro’, mit dem PN ahd. Aro, eigentlich ‘Adler’ (vgl. Förs-
temann, Sp. 135) > mhd. Are + ahd. burg > mhd. burc ‘Burg’. Belege
wie Arbenburc zeigen sporadische Einblendung des PN ahd. Arbio
(vgl. Förstemann, Sp. 142), doch konnte sich die Variante mit Arben-
nicht durchsetzen. In sämtlichen Belegen ist das als Ä zu lesen, und
dieses ergab in den Tiroler Mundarten a, so wie ahd. jagere > mhd.
jagere > nhd.-tir. Jager. Da der Umlaut Ä- auch als E- geschrieben
werden konnte, wurde der Name anfällig für die Einblendung des
Wortes Ehre, das sich mittlerweile auch in der mundartlichen Aus-
sprache mit modernerem Ä- gegenüber älterem Ä- durchzusetzen
scheint (vgl. auch Kühebacher, Kiens, S. 267).

rechts: Ehrenburg
links: Ehrenburg im Jahre 1815

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Die Dorf- und Weilernamen

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Die Dorf- und Weilernamen

Getzenberg
Mundartliche Aussprache: Geatznpärg. Belegauswahl: 1278 Ge-
zenperge; 1282 Gozzenperc; 1307 Getzenberg; 1817 Getzenberg;
1885 Getzenberg; 1910 Getzenberg (OSG I, S. 128). Etymologie: ahd.
*G�zzinberg > mhd. *Goezzenberc ‘Berg des *G�zzo’, mit dem PN
ahd. *G�zzo > mhd. *Goezze (< germ. *Gautj�n) + ahd. berg > mhd.
berc ‘Berg’. Der PN konnte im Althochdeutschen als Gauzo, Gozzo,
Gotzo und im mittelalterlichen Latein als Gautius verschriftlicht
werden (vgl. Förstemann, Sp. 611). Das � des Althochdeutschen
ist, so wie mhd. oe, als langes o zu lesen und ergab in den Tiroler
Mundarten ea, so wie ahd. h�ren > mhd. hoeren > tir. hearn.

rechts: Außergetzenberg
unten: Innergetzenberg

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Die Dorf- und Weilernamen

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Die Dorf- und Weilernamen

Kiens
Die lautliche Ähnlichkeit zwischen dem Ortsnamen Kiens und dem
Weilernamen Kienberg beruht auf reinem Zufall. Sprachgeschicht-
lich sind die beiden Namen nicht verwandt. Der Name Kiens hat
mit dem Wort Kien ‘Kieferharz, Föhrenharz’ nichts zu tun, aber er
lässt sich auch nicht von einem althochdeutschen Personenna-
men Kuonilo herleiten. Mit ziemlicher Sicherheit kann festgehalten
werden, dass der Name Kiens vorrömischer Herkunft ist. Er könnte
aus einer vorrömisch-indogermanischen, genauer: ostalpenindo-
germanischen Sprache stammen und mit unseren Begriffen weiß
und Weizen verwandt sein. Ausgehen ließe sich einerseits von ost-
alpenidg. *Kwéid�nn� oder *Kwíd�nn�. Dieses könnte soviel wie
‘Gebiet eines *Kwéid�n oder *Kwíd�n’, also ‘des Weißen, Weißhaa-
rigen, Hellhäutigen’ bedeuten. Eine andere Deutungsmöglicheit
wäre ostalpenidg. *Kwídein� ‘Weizenfeld’. Der Name Kienberg ist
dagegen deutschen Ursprungs und bedeutet ‘Berg mit Kienvor-
kommen’.

rechts: Kiens

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Die Dorf- und Weilernamen

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Die Dorf- und Weilernamen

Sankt Sigmund
Mundartliche Aussprache: Zimat. Belegauswahl: 1050 Burin; 1178
P�ren; 1295 ze Pewern; 1299 P�wern; ab dem 15. Jh. St. Sigmund; 1817
Sankt Sigmund; S. Sigismondo; 1910 St. Sigmund (OSG I, S. 406). Ety-
mologie: Nach dem örtlichen Kirchenpatron benannt. Ursprünglich
liegt jedoch ahd. *zi den b�rin oder b�ri�n ‘bei den Gebäuden, bei
den Häusern’ mit ahd. *b�ri m. oder *b�ria f. ‘Haus, Gebäude’ zu-
grunde (vgl. auch Schatz, S. 64– 65). Bei *b�ri, *b�ria handelt es sich
um eine Ableitung von ahd. b�r m. ‘(kleines) Haus, Wohnstätte’.

rechts und unten: St. Sigmund

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Die Dorf- und Weilernamen

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Die Dorf- und Weilernamen

Ilstern
Mundartliche Aussprache: Ilschton. Belegauswahl: 1211–1230 Vls-
tern, um 1300 Ylstern (OSG I, S. 52); um 1600 Illstern (DTA II-2, S.
370–371). Weitere Belege: o. J. Vnste, Vlsten; 1278 curia in Vnsten;
1338 Sneider von Unster; 1390 Vlster; 1470 Ulstern. Etymologie: Die
ältesten inkl. undatierten Belege weisen auf eine Ausgangsform
*Unsti- oder *Ulsti-. Der Name ist sicher vorrömisch, die genaue
Herkunft und Bedeutung bleiben unklar. Bei den Erweiterungen
mit -er, -ern handelt es sich um die Einwohnerbezeichnung: ‘Be-
wohner (Sg.) bzw. bei den Bewohnern von *Ünst oder *Ülst’. Auch
Battisti hält den Namen für vorrömisch, doch sind seine Deutungs-
vorschläge allein schon deshalb abwegig, weil er von einer Wurzel
*il- oder *ill- ausgeht. Die Belege in mittelhochdeutscher Zeit mit V-,
Y- und U- sowie die moderne Form mit I- weisen auf eine Ausspra-
che mit mhd. U-, also Ulstern hin. Kühebacher, Kiens, S. 279 sowie
OSG I, S. 52 vermutet, dass der Name deutschen Ursprungs ist. Die-
ser beinhalte den PN ahd. Uolo als Kurzform von Uodalr�h (Ulrich).
Der Name als Ganzes komme demnach von „zu den Uolisteren“,
was soviel wie ‘bei den Uolisleuten’ bedeutet hätte. Kühebachers
Deutungsvorschlag ist aus zwei Gründen abzulehnen: 1. Rein laut-
lich hätte ein mittelhochdeutsches *Uolisteren Belege wie *Vels-
tern statt Vlstern und *Yelstern statt Ylstern ergeben, und in der
Mundart würde der Name *Ialschton statt Ilschton lauten. 2. Eine
Ableitung -steren von Personennamen ist für das Deutsche nicht
nachgewiesen. Vielmehr wäre, wenn schon, eine Form ahd. *Uo-
lingun zu erwarten, was im Neuhochdeutschen *Uhling(en) und
in der Mundart *Uiling ergeben hätte. Eine deutsche Herkunft des
Namens muss daher aus den genannten Gründen ausgeschlossen
werden.

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Die Dorf- und Weilernamen

Bad Ilstern in St. Sigmund zur Zeit der faschistischen Besatzung

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Die Dorf- und Weilernamen

Hofern
Mundartliche Aussprache: Höifon, Hoifon. Belegauswahl: 1050 Hou-
arun; 1250 Hovere, dann Hoferen, Hofern; 1817 Hofern; um 1840 Ho-
fern; 1910 Hofern (OSG I, S. 159). Etymologie: Ahd. *zi d�n Ho�run ‘bei
den Hofern’, und zwar am ehesten noch im Sinne von ‘Bewohnern
einer bäuerlichen Grundbesitzeinheit, eines ungeteilten Hofes’.

Aschbach
Mundartliche Aussprache: Åschpåch. Belegauswahl: 1307 Aspach;
1359 Aspach; 1400 Aspach; 1635 Ober-, Nider Aspach; um 1770 Asch-
pach; um 1840 Aschbach; um 1910 Aschbach (OSG I, S. 41). Etymo-
logie: Ahd. aspa ‘Espe’ + ahd. bah ‘Bach’, demnach ‘von Espen ge-
säumter Bach’.

rechts: Hofern

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Die Dorf- und Weilernamen

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Die Höfe von Ehrenburg um 1882
Die Höfe

Die Höfe

Das Eschpanguet am Gezenperg,


iezt aber Erschpaumb genannt

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Die Höfe

Die ersten urkundlichen Belege zu den Höfen stam-


men aus Traditionsnotizen der geistlichen Grund-
herrn und aus Verleihungsurkunden. Die Besied-
lung schließt sowohl geschlossene Siedlungskerne
mit dichterer Bauweise, als auch die ausgeprägte
Einzelhofsiedlung an den Berghängen des Getzen-
berges und in Hofern ein.

Die Bindung an die Grundherrschaft, die den Sied-


lungsausbau vorangetrieben hat, war Vorausset-
zung für eine weitläufige Erschließung des Kultur-
landes durch Rodung (Prånta, Pråntholza, Rieda).
Die Anlegung von Höfen erfolgte weiters auf be-
reits durch natürliche Gegebenheiten baumfreien
Gelände (Lâna) oder auf günstigen Hangverebnun-
gen (Ebma, Plåttna, Plûns). In den Siedlungskernen
hingegen konzentrierte sich auch die Herausbildung
des Handwerks (Peck, Schmitt, Rouda) in den Hof-
Höfe in Aschbach auf dem so genannten Franziszeischen
und Häusernamen. Kataster von 1856–1858

In ihrer Funktion als Ortsbezeichnungen und Orien-


tierungspunkte in der dörflichen Kommunikation
können Hofnamen das Gebäude und das umliegen-
de Feld bezeichnen: auf Schålleachn, oder die Person
selbst, die mit dem Hof identifiziert wird: do Schålle-
achna.

Auch wenn die Gebäudebezeichnung selbst auf eine


Person zurückgeht, kann in der Benennung aus-
schließlich das Gebäude gemeint sein, wie es sich in
der auffälligen Form der Benennung mit dem sächli-
chen Artikel ausdrückt: is Mentla, is Mëisna.

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Die Höfe

Hittila, Råmila und Stêga:


Motive der Hofnamengebung Friesenbichl

Mundartliche Aussprache: Friesnpiichl. Beleg-


Hofnamen sind viel mehr als nur die Bezeichnung
auswahl: 1369 Pachlehen unter Friesenbuhel;
des Hauses, in dem ein Bauer wohnt. Hofnamen
1600 Friesenbichler; 1700 acker beim Friesen-
dienten vor allem früher zur Identifizierung der Fa- bichler (DTA II-2, S. 238). Der Name könnte
milie, die auf dem Hof wirtschaftete. Als Beiname einen PN enthalten, und zwar ahd. Frieso
ging der Name des Hofes als Wohnstättenname (Förstemann, Sp. 525). Kühebacher, Kiens, S. 271
unseren Familiennamen voraus und stand Pate für sieht dagegen im Bestimmungswort mhd.
einen Großteil der Südtiroler Nachnamen. vriesen und deutet den Namen daher als
‘Frostbühel’. Ein Begriff Friesenberg ‘kalte
Die Motive für die Hofnamengebung beziehen sich Alpe’ kommt immerhin auch im Zillertal vor
in erster Linie auf die natürliche Lage des Hofes und (Schatz, S. 190).
demzufolge beziehen sie sich auf Fluren, auf denen
sie errichtet wurden. Flurname und Hofname gin-
gen damit eine wechselseitige Beziehung ein. Davon zu unterscheiden sind neuere Bezeichnun-
gen nach einem Familiennamen. Beim Liensperga
Kofla, Pîchla, Ëgga, Hintopîchla sind nach ihrer Lage in Ilstern ist in der nächsten Umgebung kein Pîchl
auf einer Geländeerhöhung oder einem Gelände- zu finden, der Name wurde vom in der Nachbarge-
vorsprung benannt. Differenzierter tritt dies bei meinde St. Lorenzen gelegenen Liensberg übertra-
Rauchnpîchl und Friesnpîchl hervor. gen.

Wie wechselseitig die Beziehungen waren, ist aus Påcha und Grianpåcha, Låckna und Schlouta (zu
dem Beispiel Rauchnpîchl ersichtlich. Ursprünglich mhd. slâte „Sumpfgras, feuchte Talmulde“) wur-
übernahm der Hof den Namen des vorgelagerten den nach der Lage am Wasser benannt, Ebma und
Bergrückens, des „rau(h)en Bichls“. Heute ist die Be- Plåttna nach der Geländeverebnung, auf der die
zeichnung für den Vorsprung aber nicht mehr nur Höfe gebaut wurden oder vielleicht auch nach den
Rauchnpîchl, sondern Rauchnpîchlaheache oder Plåttn, dem felsigen Untergrund des Hofes am
Rauchnpîchlakopf, womit die Bezeichnung wieder Kienberg. Der Schiffrëgga befindet sich am schiefri-
vom Hof zurück auf den Geländerücken ging. gen Eck, der Winkla in einem Geländewinkel.

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Die Höfe

Ganz sicher auf einen Übernamen geht hingegen


der Hofname Këck zurück. Wie das heutige Adjek-
Liensberger
tiv „keck“ bezeichnete es wohl eine recht lebendige,
frische Person.
Mundartliche Aussprache: Lienspärga. Beleg-
auswahl: 1343 Liensberg; 1764 Liensberghof;
Zu unterscheiden von den Naturnamen sind die so
1857 Liensberggut zu Ilstern (Kühebacher,
Kiens, S. 280). Etymologie: Lienhardsberg ‘Berg genannten Kulturnamen: Namen, die nicht nach
des Leonhard, tir. Lienhard’, daraus die Klam- der natürlichen Beschaffenheit, sondern nach von
merform Liensberg (vgl. auch Hörschwarte). Menschen geschaffenen Bedingungen benannt
wurden: Rieda auf einer durch Rodung entstan-
dene Flur, Stêga und Priggla nach einem Steg (in
Natürliche Verhältnisse spiegeln die Hofnamen diesem Fall vielleicht den Rienzübergang nach Ils-
nach der Vegetation wieder. Pfraumpâm wird nach tern?) und einer Brücke, Purga nach der Lage zum
dem Pflaumenbaum benannt, Oachna und Lerch- Ehrenburger Schloss (oder auch nach dem Amt des
na weisen auf den Bestand von Lerchen und Eichen Baumannes des Schlosses), Prunna nach der Lage
hin. Damit sind Hofnamen auch Träger der Vegeta- zu einem Brunnen, Earschpâm nach einer mittelal-
tionsgeschichte, denn wenn auch bestimmte Bäu- terlichen Flurverfassung:
me am Ort der Benennung nicht mehr vorkommen,
kann man aus dem Namen schließen, dass bei der Auch Personennamen können zur Benennung ei-
Hofgründung diese dort wuchsen. nes Hofes geführt haben. Besonders auffällig ist
das in Hofern, wo sich der Earharscht, der Sîmon
In die Vegetationsnamen reiht sich auch der Ticke und der Pårschtlpaur befinden. Pårschtl gibt hier
ein, denn kaum hat der Name etwas mit einem die Kurzform von Bartholomäus wieder. Aber auch
Übernamen für einen dicken Eigentümer des Ho- der Mentla in Kiens lässt sich von einem Vornamen,
fes zu tun. Vielmehr deutet er auf Gestrüpp und nämlich Clemens, ableiten.
Staudenwerk hin, ein Wort, das heute noch im neu-
hochdeutschen Dickicht zu finden ist. Dick hinge-
gen könnte der Namengeber für den Pitole gewe-
sen sein. Der Hofname geht auf ahd. *butirih, das
neben Weinschlauch, auch das Gefäß, das Fass be-
zeichnet und könnte einen Übernamen „Fässchen“
hervorgebracht haben.

32
Die Höfe

Wurde der Pitole mit einem kleinen Fass verglichen?

33
Die Höfe

Hat der Kindla etwas mit einem Kind zu tun?

34
Die Höfe

Was hat Earschpâm mit Kearschpâm zu tun? Auch Sprachwissenschaftler tun sich manch-
mal schwer. Kommt nun Krëssa von einem
Eigentlich gar nichts, oder doch etwas, denn Übernamen, (zu ahd. cresso „Gründling,
die schlussendliche Umformung zu Earschpâm kleiner Fisch“) oder doch vom Bewuchs mit
erfolgte vermutlich durch die Einblendung von Kresse rund um den Hof? Und ist Wintowêga
Kearschpâm. von einem Weg herzuleiten, der besonders
Etymologisch stammt Erschbaum von mhd. im Winter benutzt wurde oder doch eher ein
ezzischban, das zu esban, espan „Ort, an dem Weideweg, der von mhd. wunne abzuleiten
Tiere angespannt, angekoppelt“ wurden, ist? Und wenn alle Belege für den Hof Schön-
kontrahiert wurde. Verschriftlicht als „Easch- brot auch immer die Endung „brod, brot“
ponn“, das als „Ersch“ wiedergegeben wurde aufweisen, kann man doch von einer schönen,
und schließlich durch die Einblendung von breiten Kulturfläche ausgehen, auf der der Hof
„pam“ zu Erschbaum verfremdet wurde. Den gebaut wurde, weil man im Dialekt Schian-
schriftlichen Beweis liefert der urkundliche Be- proat sagt? Und kommt Kindla von Kind
leg des Hofes in Getzenberg: „das Eschpanguet oder von einem mit mhd. künne „Geschlecht“
am Gezenperg, Gerichts Michaelsburg, iezt gebildeten Personennamen?
aber Erschpaumb genannt […]“

Berufsbezeichnungen finden sich in Namen wie


Von der Herkunft des Bebauers lassen sich Hofna- Fåcknrouda, Schlossa, Schmit, Pinta, Fischa oder
men wie Vëlsa, Wålsa oder der erwähnte Liensperga Milla wieder. Romila, der Radmüller, geht hinge-
ableiten. gen nicht direkt auf eine Berufsbezeichnung zu-
rück, sondern im Vordergrund stand hier die Mühle
Eine besondere Stellung nehmen im Fall von Kiens selbst, die als Radmühle sich zwar nicht viel von den
die Brandhöfe ein, die auf einer Brandrodung ent- anderen unterschieden haben muss, aber doch so
standen sind. In Hofern, am Getzenberg und am besonders war, dass es zu dieser Benennung ge-
Kienberg tritt der Name als Prånta auf, in Hofern kommen ist.
kommt der Hofname Pråntholz dazu.
Die Teilung der Höfe bedingte die Differenzierun-
gen je nach Lage in Untogols und Obogols, Obo-

35
Die Höfe

Der Röckwieser in Hofern um 1930 Der Obergolser zur Zeit des Faschismus. Ein Beispiel willkürlicher
Übersetzung: Der Kienberg wird hier zum Tannenberg

Wachtlechen und Walchlechen im 19. Jahrhundert auf dem historischen Die Huibe in Kiens auf einer alten Aufnahme
Kataster
36
Die Höfe

fischa und Untofischa, Untolouba und Obolouba. Zahlreich sind vor allem die Lechenhöfe, die durch ihr
Untowêga hingegen geht auf die Lagebezeichnung Bestimmungswort auch die verschiedensten Pflich-
„unter dem Weg“ zurück. ten der einzelnen Höfe aufnehmen: Hopfleachn,
Kirschleachn, Påchleachn, Orschtleachn, Kindlleachn
Nicht immer aber sind Flurnamen so durchsichtig oder Leachn auch in der einfachen Form.
wie die meisten der besprochenen:

Der Hofname Gearschtl, als Wirtshaus früher „am


Kreuz“ genannt, scheint bis ins 18. Jahrhundert als
„Jestl“ auf. In ihm steckt der Vorname „Jost“, eine
Kurzform von „Jodokus“, der wiederum zu „Jestl“
verkleinert wurde.

Meierhöfe, Huben und Lechen


In den Bezeichnungen Meier, Huben und Lechen
vermischen sich rechtliche Momente mit den Grö-
ßenverhältnissen von Höfen. Im Gemeindegebiet
von Kiens finden wir auffällig viele solcher Höfe,
neben einigen Meierhöfen und einzelnen Huben
vor allem Lechenhöfe.

Die großen Meierhöfe sind in allen Ortschaften


vertreten: Moar in Åschpåch und Moarhoufa in Ho-
fern, Moar in Kiens und Hanslmoar in St. Sigmund.
Auffällig konzentriert auch in Ehrenburg, dort fin-
det man den Moarampåch (Mair am Bach), den
Moaranorscht (Moar am Ort), den Obo- und Nido-
moar und den Neumoar. Kann sein, dass dies auch
durch die Nähe des grundherrschaftlichen Schlos-
Der Moar am Ort hinten links in den 50er Jahren
ses Ehrenburg bedingt ist.

37
Der Romila

38
Die Dorf- und Weilernamen

Rund um den Hof:


Peinten, Zelgen
und Traten

Der mag auf der tratten ze seiner notturft ain


tagwerch lands einzeinen und peunten

39
Rund um den Hof: Peinten, Zelgen und Traten

Besondere Namen
für besondere Fluren biunta* […] nhd. »Beunde«, Gehege, Wei-
de, eingezäuntes Grundstück; Etymologie:
germ. *beund-, Grundstück?; oder vgl. germ.
Der Flurzwang und die Wechselwirtschaft (ein
*-wandja-, *-wandjaz, Adj., sich windend; […]
Stuck Erdreich, so bald in Acker, bald in Wiesen liegt
idg. *øendh- (1), V., drehen, winden, wenden,
…) haben zu Ausbildungen von speziellen Namen flechten, […] mhd. biunte, biunde […] Gehege;
für diese Fluren geführt. Neben Acker und Wiese nhd. Beunde […] »Beunde«, Privatgrundstück.
waren sie durch eine Sondernutzung gekennzeich- BEUNDE, f. […] ager septus, hortus, pratum,
net. Auch wenn sie heute nicht mehr ihrer einstigen privatgrundstück, im gegensatz zur gemein-
Bestimmung dienen, haben sich in den Namen weide, almende, ein altes, aber noch unauf-
diese alten Flurbezeichnungen erhalten. Deren Be- geklärtes wort, dessen formen erst umständ-
deutung ist aber heute oft dunkel und sie werden licher anzugeben sind. […] in der Schweiz sagt
als richtige Namen gefühlt, obwohl sie im Grunde man noch heute beunde, bünde, bünte. […]
nichts anderes als eine Bewirtschaftungsform, wie in Baiern peunt, puint, paint. […] in Östreich
Acker und Wiese, ausdrückten. point, peont.[…] grundstück, das, ohne ein
garten zu sein, dem gemeindeviehtrieb ver-
Zu diesen gehören unter anderem Zelge, Troute, schlossen werden kann, oder worauf das recht
Peinte und Pifång. liegt, es eingefriedigt und nicht eingefriedigt,
ohne die auszerhalb zu befolgende zelgen
Peintn finden wir beim Bartlbauer und beim Un- abwechselung, zu jeder beliebigen art acker-
tergolser. Sie können durch ihre Form (Långpeinte) früchten, oder was sehr oft geschieht, blosz zu
oder durch die Anfügung des Eigentümers näher gras zu benutzen. hie und da heiszen auch die
bestimmt sein (Huibapeinte, Oachnapeinte). im brachfeld zum anbau von flachs, erdäpfeln,
rüben eingezäunten äcker peunten […] Dasz
Die grundsätzliche Wichtigkeit war deren Ab- die peunt versperrt werden konnte, lehren die
schließbarkeit. Die Peinte war umzäunt, vor allem, ausgehobnen stellen und eben dadurch unter-
um sie vor der unkontrollierten Beweidung durch scheidet sie sich von dem offenen feld, mag sie
nun durch zaun oder stangen gehegt worden
das Vieh zu schützen.
sein; auch scheint sie in der nähe des wohn-
hauses gelegen zu haben. die herrnpeunt,
rechts: Die Peinte beim Bartlbauer in Hofern
die burgpeunt bezeichnet einen besonders
verschlossenen herschaftlichen gras- oder
baumgarten […]

40
Rund um den Hof: Peinten, Zelgen und Traten

41
Rund um den Hof: Peinten, Zelgen und Traten

42
Rund um den Hof: Peinten, Zelgen und Traten

Der Pifång im Treitling scheint auch heute noch ein


eingeschlossenes, abgezäuntes Gebiet zu sein –
TRATT, trat(t)e, trade, f.; zu treten gehörig; […]
heute begrenzt durch den Wald und die Eisenbahn.
das land, das (vom vieh) betreten werden darf,
In ihm steckt, ähnlich wie in Peinte, unser heutiges
‚brachland‘, ‚viehweide‘; frühmhd. trata; mhd.
Verb „befangen“ und weist damit wieder auf ein
trat, trat(t)e viehweide‘, […] ‚brachland‘ im
umzäuntes Feld hin.
wechsel der dreifelderwirtschaft […] viehweide
überhaupt, ohne bezugnahme auf den dreifel-
Auch Pîzat hängt mit dem „Bezäunen“ zusammen. derturnus […]
Die Namen Pîzatståll und Pîzatplatzl haben sich auf
dem Gemeindegebiet erhalten.

Die Troute hingegen bezeichnet diejenige Flur, die


genau umgekehrt dem Weidegang offen war. In
ihr findet sich unser heutiges Verb „treten“ wieder,
demnach eine Flur, die „betreten“ wird. Die Umastroute in Hofern

Der Bestandteil „umas“ in Flurnamen hat


nichts mit Ameisen zu tun, obwohl dies meis-
tens volksetymologisch so interpretiert wird.
Vielmehr lassen sich solche Flurnamen vom
mittelhochdeutschen Verb meizen „hauen,
schneiden, abschneiden“ ableiten. Die Umas-
Namen gehören damit zu den Rodungsna-
men, wie übrigens auch die große Moasflur
am Getzenberg (mhd. meiz „Holzschlag“).

links: Zelge in Hofern – ein Hinweis auf die


Dreifelderwirtschaft

43
Im Groufnfelt fand 2004 das Gründungsfest der Schützenkompanie Ehrenburg statt.

44
Äcker, Wiesen und Weide

Äcker, Wiesen
und Weide

Ein Stuck Erdreich, so bald in Acker,


bald in Wiesen liegt ...

45
Äcker, Wiesen und Weide

Äcker und Wiesen kernen befinden und die Felder an die Siedlung
anschließen. In ersterem Fall liegt die Kulturfläche
Die Kulturlandschaft ist einem stetigen Wandel rund um den Hof kompakt beieinander, in zweite-
unterworfen. So wie im so genannten Theresiani- rem Fall schließen verschiedene Besitzer aneinan-
schen Kataster 1776 bereits die wechselseitige Nut- der an.
zung von Kulturfläche als Wiese und Acker fest-
gehalten wird, so haben sich die Urbarmachung Die Felder eines jeden Hofes in den Rodungsinseln
in alten Zeiten und die Veränderungen in der mo- des Getzenbergs und in Hofern, werden „Feld“
dernen Landwirtschaft auf das Bild der Landschaft genannt: Prigglafelt, Deckafelt, Wålleachnafelt,
niedergeschlagen. Wo sich früher eine dichte Au- Loubafelt. Für den Außenstehenden ist es nicht
landschaft ausbreitete, erstrecken sich heute grüne notwendig zu spezifizieren, ob es sich dabei um die
Felder, Dorfänger sind verbaut, dichter Wald wird Wiesen- oder Ackerfläche handelt.
von lichten Wiesen unterbrochen.
Derjenige, der das Feld bebaut, muss spezifizieren.
Auch die Äcker und Wiesen rund um einen Hof ha- Diese Differenzierung in der Benennung ist sehr
ben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. kleinräumig. Oft sind die einzelnen Felder nur in-
Der Ackerbau wurde zugunsten der Wiesenfläche nerhalb einer Familie bekannt. Und oft sind sie
zurückgedrängt, der frühere vielfältige Anbau von vielleicht nur zwischen Großeltern und Eltern noch
verschiedenen Feldfrüchten ist der großflächigeren üblich.
Verwendung von einigen wenigen Nutzpflanzen
gewichen.

Dennoch, in den Flurnamen haben sich ältere Nut-


zungs- und Landschaftsformen der Acker- und
Wiesenflächen erhalten, und diese zeichnen damit
auch die Geschichte der Landwirtschaft von Kiens
in ihrer Entwicklung nach.

Die Benennung der Fluren der Einzelhöfe unter-


scheidet sich von der Benennung der Fluren im
Talbereich, in dem sich die Höfe in den Siedlungs-

46
Äcker, Wiesen und Weide

Die ausgedehnten Felder des Oanat: Aus der ehemaligen „Einöde“ wurde fruchtbarer Kulturgrund geschaffen.

47
Äcker, Wiesen und Weide

Die Felder der Höfe „Hittaler, Deck und Räckwiesen“ auf dem Franziszeischen Kataster

48
Äcker, Wiesen und Weide

Die Holzacko bei Ehrenburg schließen an die Ehrenburger Wälder an.

49
Äcker, Wiesen und Weide

Die Namen na, nach der früher dort angebauten Futterpflanze


Luzerne. Der Puinåcko deutet auf die Bepflanzung
Am Beginn der Benennung von Äcker und Wiesen mit Bohnen (mda. puin „Ackerbohne“) hin.
steht die einfache Unterscheidung in Wiese und
Acker. Von da beginnend entwickelt sich ein Na-
mensystem, das den Verwendungszwecken, der
Orientierung und der Kommunikation Rechnung
trägt. Holzäcker und Holzwiesen:
Äcker und Wiesen voller Holz?
Die meisten Bezeichnungen gehen von einer Diffe- In Feldnamen, die mit Holz gebildet werden,
renzierung nach Eigentümer oder der Lagebeschrei- lebt ein Stück Wortgeschichte: Sie transportie-
bung einer Flur aus. Der Hofname, Familienname ren nämlich die mittelhochdeutsche Bedeu-
oder auch Übername wird zur Benennung heran- tung von Holz als Wald weiter. Deshalb ist
gezogen: Gearschtlåcko, Schmitåcko und Këckwîse, ein Holzacker in den meisten Fällen nicht ein
Kindlahaislwîsile, Riedawîse oder Kåschtoulawîse. Acker, auf dem Holz gestapelt wird, sondern
ein Acker am Waldrand. Vergleichend kön-
Einfachste Lagebezeichnungen gehen von einer nen hier auch die Namen Schupfenholz und
Unterscheidung in obere und untere, äußere und Brandholz in der Bedeutung Schupfenwald
innere, vordere und hintere Wiesen oder Äcker aus. und Brandwald angeführt werden.
In St. Sigmund gibt es den Vouråcko und sogar den Auch wenn diese Bedeutung von Holz als
Außovouråcko. Wald eine Bedeutungsverengung auf das
Produkt Holz erfahren hat, in Wendungen wie
Fluren können am oder im Wald (Wåldåcko) oder „giamo ins Holz“ lebt sie trotzdem weiter.
am Bach (Påchackole) liegen, im Tal (Toulacko) oder
auf einer Geländeerhöhung (Pîchlacko).
Die Beschaffenheit und die Form der Flur spiegeln
Nach der Bepflanzung oder dem Bewuchs sind das sich im Namen wieder. Die Stickle wird durch ihre
Pîrnpamackole, das Elznackole (mda. eltsn „Elsbee- Steilheit definiert. Der Wiesenname Dreiegg am
re“) benannt. Am Kienberg befinden sich das Hôr- Kienberg nimmt auf die dreieckige Form Bezug,
ackole, das nach dem dort erfolgten Flachsanbau so der Långåcko oder das Långackole sind durch ihre
benannt wurde (mda. hôr „Flachs“) und der Luzer- langgezogene Form gekennzeichnet.

50
Äcker, Wiesen und Weide

Die Proatacko hingegen ziehen sich in einem brei-


ten Streifen zwischen Straße und Rienz südlich von
St. Sigmund hin. Ein gebogenes, hügeliges Gelände
drückt sich in den Krumpacko in Ehrenburg aus, die
heute großteils verbaut sind.

Felder können gut oder schlecht tragen, je nach ih-


rer Lage oder der Bodenbeschaffenheit, das Gålte
ist ein unfruchtbares, durch seine Lage am Wald
schlecht tragendes Feld. Die Geaznperga Dërre ist
zwar kein Feld, aber auch hier hat die Trockenheit
des Bodens das Motiv für die Benennung geliefert.

Aus dem Vergleich mit bäuerlichem Gerät entste-


hen Flurnamen wie die Schaufl oder der Långpêse.
Der Name Multo, Berggebiet unter dem Knarling,
ergab sich aus dem Vergleich des kesselartigen
Geländes mit einer länglichen Schüssel. Vergleichs-
möglichkeit in den Flurbezeichnungen bietet auch
der menschliche Körper: Der Krougn bezeichnet ein
halsförmiges Wald- und Wiesengelände in Getzen-
berg.

Längliche Formen geben auch die Fluren Auflång


und Zepfe in St. Sigmund an. Mit Auflång wird ein
Kulturgrund bezeichnet, der sich mit der Längsseite
nach oben erstreckt. Der Vergleich mit einem Zipfel
steckt hingegen hinter dem Namen Zepfe. Der Flur-
name, der nicht nur in Kiens mit Angabe des Besit-
zers als die Hanslmoarzepfe bekannt ist, sondern
Die heute verbauten Krumpacko um 1950 vom Turm des
Schlosses Ehrenburg aus.
auch im übrigen Pustertal verbreitet ist, benennt
ein schmales zipfelartiges Feld.

51
Äcker, Wiesen und Weide

Scheibåcko und Scheibile deuten auf rundliche For-


men hin. Altmundartlich bedeutet „gscheibt“ auch
rund.

Fluren können nach den Bauwerken benannt wer-


den, an denen sie liegen, wie der Zigglåcko oder der
Stôdlåcko in Hofern, der Stångåcko, der Gåttoåcko
oder der Mauråcko. Hauswîsn und Haislwîsn befin-
den sich direkt bei den Höfen und ihren früheren
Zuhäusern. Die vielen Mîlwîsn und Mîlacko müssen
nicht unbedingt direkt an einer Mühle liegen, denn
damit würden sie sich oft mitten in einer Bach-
schlucht befinden. Oft liegen sie an den Wegen, die
von den Höfen zu den Mühlen hinführen, den so
genannten Mühlwegen.

Auch wenn die Baulichkeiten vielleicht nicht mehr


existieren, trägt der Flurname frühere Gegebenhei-
Die Flur Langpêse: Krumme Parzellen erinnern in ihrer
ten weiter. Der Stifflåcko in St. Sigmund erinnert, Anlegung an einen Besen.
obwohl keine Wiesen- oder Ackerfläche mehr, an
das hier erfolgte „Austiffl“ des Grases zum Trock-
nen. zeichnen sie im Unterschied zu der Einzelhofbe-
siedlung in den höheren Lagen diejenigen Fluren,
An der Gemeindegrenze zu Vintl liegt der Gålgn- die, meistens umzäunt, der pivaten Nutzung vor-
åcko. Meistens finden sich die Hinrichtungsstätten behalten waren. Sie unterstanden verschiedensten
außerhalb der Siedlungskerne an den Grenzen zwi- Nutzungsmöglichkeiten. Im Normalfall stellten sie
schen den Ortschaften. Streuobstwiesen dar, in denen alte Obstbäume
standen. Das Kleinvieh, wie Gänse oder Hühner,
Besondere Wiesen und kleine Äcker sind die Än- wurden dort hineingetrieben. Der berühmteste An-
ger und Baumgarten, die direkt an die Hofstelle ger ist wohl der Houfångo, der Anger der gräflichen
angrenzen. In der geschlossenen Hofsiedlung be- Familie, deshalb auch Groufnfelt, in Ehrenburg.

52
Äcker, Wiesen und Weide

Ein rechtlicher Moment: Di Toalwîsilan

Ähnlich den Teilwäldern handelt es sich bei


den Toalwîsilan in St. Sigmund um Kulturflä-
che, die unter mehreren Besitzern aufgeteilt
wurde und somit rechtlich von gemeinschaft-
lich genutztem Grund in Privatbesitz wechsel-
te. Die Wiesen sollen der Erzählung nach eine
Gruppe von Bauern als Entschädigung erhal-
ten haben, nachdem der Eggerbach, der hier
durchfließt, nach Regenfällen übergelaufen
war und sie den Bach an einem Allerseelentag
ausschöpfen mussten.

Im verschliffenen Pangårscht ist noch deutlich das


Der Riedlpangårscht in Ilstern, links der Backofen
ursprüngliche „Baumgarten“ zu erkennen. Dies
weist zusätzlich noch auf einen sprachlichen As-
pekt der Verwendung von Namen hin. Sie ist ratio- Die Weide
nal und strebt nach Vereinfachung.
Die Weide nahm eine gesonderte Stellung zwi-
Auch wenn heute eine Flur im Namen den Bestand- schen den Wiesen und Äckern ein. Die Weidegrün-
teil „Wiese“ oder „Acker“ trägt, muss sie das nicht de auf den Almen wurden im Sommer besucht,
unbedingt sein. Im Laufe der Zeit verändern sich die doch auch im Tal wurde geweidet, sowohl auf der
Landwirtschaft und die Anbauweisen. Was früher Heimweide als auch auf gemeinschaftlich genutz-
Acker war, ist heute Wiese, was früher Wiese war, tem Grund der Gemeinde.
kann heute Wald sein. Durch die Kennzeichnung
mit Wiese oder Acker, die im Namen weiterlebt, Weideflurnamen orientieren sich nach den Tieren,
vermitteln sie jedoch wichtige Indizien für frühere die darauf weiden, die Sauwoade oder die Kuiwoa-
Kulturlandschaften. de. Die Ochsnwoade ist eine große Flur im Moar-

53
Äcker, Wiesen und Weide

bach, auf dem die Ochsen des Grafen geweidet


wurden. Stiere hingegen wurden eher nicht gewei-
det. Findet man einen Flurnamen mit Stier vor, wie
den Stierroan, dann handelt es sich meistens um
den Fruchtgenuss der Wiese um die Haltung des
Gemeindestiers.

Dort, wo nicht gemäht werden konnte, wurde ge-


weidet, wie auf den Loubagritzn. Auf dem Histori-
schen Kataster ist auch ersichtlich, dass es sich um
gemeinschaftlich genutzte Weide gehandelt haben
muss.

Gmoa und Gritzn

gritzn Mz. (Kiens) unfruchtbare Teile des


Feldes, oft mit Gebüsch bestanden. Der Begriff Die Loubagritzn, auf dem Historischen Kataster
gehört wie Grutz, der auch in Kiens vorkommt als „Gmoa“ gekennzeichnet und heute.
(Plûnagrutz) und feinen Sand, sandigen Boden
am Bachufer bezeichnet (vgl. auch die Grutzen
und Gries bei Bozen) zu ahd. grioz Sandkorn.
Gmoa hingegen ist natürlich eine Zusammen-
ziehung von „gemein“ gimoan und bezeichnet
gemeinschaftlich genutzten Grund.

Einen wichtigen Weidegrund stellte auch der Wald


dar, besonders der Loach und der Tschåchn als lich-
te Jungwälder wurden für die Heimweide verwen-
det.

54
Äcker, Wiesen und Weide

55
Holzarbeiten am Getzenberg – Drahtseilbahn nach Kühlehen

56
Die Dorf- und Weilernamen

Der Wald
und die Jagd

Hackh, Schlag oder Prenn

57
Der Wald und die Jagd

In der Kiener Dorfordnung von 1600 wird der


Schutz des Waldes besonders hervorgehoben.
Ohne ausdrückliche Erlaubnis der Dorfmeister
„Hackh, Schlag oder Prenn“ zu machen, war unter
Androhung „hechster Straff“ verboten. Die Moas-
und Brandnamen erinnern noch an diese Form
der Landgewinnung, die nicht so sehr dazu dien-
te, Holz zu verwerten, sondern neues Acker- und
Weideland durch Rodung zu erringen. Die Nutzung
des Waldes war vielseitig, es gab Kohlplätze und
Kalköfen, Bäume wurden zur Gewinnung des Lär-
get angebohrt, an den Bächen im Wald gab es Müh-
len, Stampfen und Sägen, im Wald wurde gejagt
und Vieh zur Weide eingetrieben.

Der Wald und seine Namen


Wer den Wald besitzt, tritt bei den Waldnamen
vordergründig hervor: Lienspergawålt, Oboschnei-
dawålt, Kialeachnawålt, Friamessawålt, Kearawålt,
Sîmonwålt, Prigglawålt, Hintoeggawålt, Purgawålt,
Nidomoarwålt. Als Oberbezeichnung wird meist
der Fraktionsname gewählt, die Geaznperga Waldo,
die Kiena Waldo, die Êrnburga Waldo, Zimita Waldo.
Auch einen Runggina Wålt gibt es am Kienberg. Der
Die ersten Sonnenstrahlen im Getzenberger Wald
Gemeindegrund steht hinter dem Privatbesitz der
Höfe zurück. Nur einzelne Waldabschnitte sind in
Gemeinde- oder Fraktionsbesitz und werden dem-
entsprechend als Fraktionswald gekennzeichnet.

58
Der Wald und die Jagd

Der Wald, der am Hof anschließt, ist der Hauswålt,


öfters befindet sich auch ein Loach in Hausnähe, in
den das Vieh zur Weide eingetrieben wird. Wald-
namen übernehmen die Namen der Fluren oder In-
frastrukturen, an denen sie liegen, der Rindilewålt,
der Oanatwålt, der Schuilwålt, das Schupfnholz. Sie
können aber auch Bezug nehmen auf die Tätigkei-
ten, die in ihnen ausgeführt wurde. Pråntholz be-
nennt den durch Brandrodung gewonnenen Wald,
wie die Fouche in Getzenberg an der Gemeinde-
grenze zu Vintl.

Fouchn – Wasser oder Holz?

Fouchn ist direkt mit „fangen“ verwandt. In


Kiens tritt der Name als Waldname eines grö-
ßeren Gebiets an der Gemeindegrenze zu Vintl
auf. Als Brunnenname kennt man das Gissa-
fouchtrëgile. In letzterem geht es also um das
Fangen von Wasser. In der Fouche, dem Wald-
gebiet wurde zwar Holz zusammengeführt,
aber es war ein sumpfiges, nasses Gebiet.
Geht es also doch ums Wasser?
Die Aufteilung des Gemeindewaldes am Getzenberg

59
Der Wald und die Jagd

Die Moasnamen am Getzenberg

Mit Hack und Schlag haben auch die Moasna-


men am Getzenberg zu tun. Das große Wald-
gebiet, das den Getzenberg abschließt, leitet
seinen Namen vom mittelhochdeutschen meiz
„Holzschlag“ ab. Zahlreich sind die Flurnamen,
die hier mit Moas gebildet werden: långe
Moas, Moaskopf, Moasålbe, Koulmoas.

Der Wald verändert sich. Mit der Abnahme der Wei-


de- und Mähwirtschaft am Berg, gewinnt der Wald
wieder sein angestammtes Land zurück. Die mit
„Hackh, Schlag oder Prenn“ gewonnenen Bergwie-
sen werden zu Wald.

Der Wald als Holzlieferant Die Bergwiesen am Getzenberg um die Mitte des 19.
Jahrhunderts. Heute sind von ihnen nicht viel mehr als
Die Holzarbeit im Wald war mühevoll und gefähr- Lichtungen übrig geblieben. Oben rechts im Bild Kühle-
lich. Das Holz wurde über die Bäche oder steile Rin- chen mit den hellbraun eingezeichneten Ackerflächen
nen, den Rîsn, zu Tal gebracht. Für die Hochwälder
am Getzenberg gab es dafür die Gimeinderîse, die Solche Ôlëign gab es in Ehrenburg in der Ståmpfwî-
am Pîzatplatzl, ein eingezäunter Waldboden, an se, im Wirschtsgarschtl, auf der Montila Heache und
der sich die Geländerinne weitete, endete. Hier in der Kiena Wîse bei Ilstern. In Hofern wurde das
wurde das Holz zusammengeführt und von dort Holz bei Mühlen zusammengeführt, in Kiens hin-
aus weiter abwärts getrieben. An den Ôlëign (Ab- gegen wurde das Hofener Holz im Linda gestapelt.
legen!) wurde das Holz für den Weitertransport
zwischengelagert.

60
Der Wald und die Jagd

Rîse und Pîzat


pîzet m. Mz. pîzete […] zu Feld gerodeter Wald;
ahd. bizuni* […] nhd. Zaun, Einzäunung, Ein-
friedung, eingezäuntes Grundstück; Gehege,
ahd. bí-ziune, bí-zûne stn. […] eingezäuntes
Grundstück.

rîs n. (Oberinntal, Lüsen) rîse, rîs f. Steilrinne


zum Schleipfen von Holz, Heu. hai-, holzrîse,
schnearîse. Im Pustertal sagt man auch: af
do rîse sain, wenn man herumstreift, herum-
streunt. Zu ahd. risan* […] nhd. fallen, abfallen,
niederfallen, niederprasseln, stürzen.

Plätze oder Wegabschnitte im Wald konnten Rast-


plätze, aber auch besonders schwierige Stellen für
die Arbeit im Wald darstellen. Die Såntaplåtte be-
zeichnet eine glatte und schlüpfrige Felsplatte, auf
Die Chrischtileebme: Wurde hier geflucht oder gehörte
der die Rösser beim Holzziehen nicht stehen konn- der Wald einem Christian?
ten. Auch das Lienspergaklapfl war bei den Holzar-
beitern aufgrund seiner Steilheit gefürchtet.
gung) hatten und ordentlich tschechon (hart arbei-
Auch Bachabschnitte waren bei der Holztrift ge- ten) mussten, ist unbestritten.
fährlich, wie ein Abschnitt des Tschåchpåchs. Ein
Jungwald wird in der Mundart mit Tschåchn be- Andere Fluren waren gerade aufgrund ihrer ebe-
zeichnet (Tschåchwoade, Långackoletschåchn), der nen Lage unbeliebt und nicht aus Gründen der
auch zur Weide dient. Der Bachname wurde vom Steilheit des Geländes. Die Chrischtileebme war so
Hof Tschåch übertragen, aber dass die Holzarbeiter eine Stelle, an der das Holz nicht von alleine weiter
bei dieser Arbeit einen Tschåch (große Anstren- rutschte, sondern gezogen werden musste.

61
Der Wald und die Jagd

Besondere Bäume
Ibo di Chrischtileebme… Auffällige Bäume dienten zur Orientierung und als
Der Anekdote nach sollen die Holzarbeiter
Referenzpunkte in einem gleichmäßigen Waldge-
zu Christus geflucht haben, da sie über die
biet. Besonders lange oder dicke Stämme, Bäume
Chrischtileebme die Holzstämme ziehen muss-
mit auffälligen Verletzungen und damit verbun-
ten. Aber was hat es dann mit dem Chrisch-
denen Knotenbildungen am Stamm, verkrüppelte
tileloch auf sich? Hat man dort auch geflucht,
weil man diesen Graben überqueren musste? oder durch ihren Wuchs auffallende Bäume veran-
Oder hat ganz einfach eine Person namens lassten die Menschen, ihnen Namen zu geben.
Christian die beiden Flurnamen geprägt?
Die långe Forche und eine krumpe Lärche sind be-
kannt. Dazu kommt die Hängefichte nahe der Ge-
Doch nicht nur die Holzgewinnung war für die meindegrenze in Mühlen, von der man sagt, dass
Waldwirtschaft wichtig: Einige Flurnamen erin- wenn sie abstürbe, die Welt untergehen würde.
nern an die Kohleherstellung, wobei sich die Fluren
eher am Getzenberg und bei Ehrenburg befinden.
Erklärlich ist das durch den Holzreichtum des schat-
tenseitigen Berghangs.

In Ehrenburg gibt es den Koulplåtz und die Koul- Vom Râbwaldile am Getzenberg erzählt man
sich, dass es ein früherer Interessentschafts-
platzlan und einen Waldnamen in do Koulstått.
wald gewesen sei und dass dort von jedem
Am Getzenberg beschreibt der Name Koulhitte eine
nach Belieben und unkontrolliert Holz ge-
Waldlichtung und der großflächige Name Koul-
schlägert wurde. Deshalb blieb diesem Wald
moas weist auf das einstige Kohlbrennen hin.
der Name Râbwaldile nach dem geraubten
Holz.
Auch Kalkgewinnung muss einst eine Rolle gespielt
haben. Zwar finden sich im heutigen Flurnamen-
schatz keine Namen, die darauf hinweisen, aber
bereits das zu Kåschtoula verschliffene „Kalchstal“
und Fluren im Theresianischen Kataster von 1776
deuten darauf hin.

62
Der Wald und die Jagd

Die Hängefichte in Hofern, nahe der Gemeindegrenze zu Mühlen

63
Der Wald und die Jagd

Die Jagd Auch die Hirschlåcke bezeichnet einen Platz, an de-


nen sich das Wild aufhielt. Der Hirsch suchte die
Die Jagd, früher ein Recht, das nur der gräflichen Wasserstelle als Tränk- und Suhlstätte auf. Ob die
Herrschaft zustand, hat sich heute mehr denn je zu nahe Kialåcke deshalb die Tränke für die Hirschkü-
einem wichtigen Element in der Waldnamenge- he darstellte oder hier wohl doch die Hauskühe ge-
bung entwickelt. Die Jagd hat Flurnamen geprägt, meint sind, darf bezweifelt werden.
die Jäger sind aber selbst darüber hinaus zu Hütern
der Flurnamenschätze geworden. In Zeiten, in de-
nen die forstwirtschaftliche Bedeutung des Waldes
für die Bauern abnimmt, sind sie es, die den Wald
begehen und somit die alten Flurnamen weiter be-
nutzen und damit auch weitertragen. Hörschwarte
Mundartliche Aussprache: di Herschwårschte.
Flurnamen, die von Jägern geprägt und verwendet Etymologie: Dem Grundwort entspricht tir.
wurden, beziehen sich auf Plätze, an denen sich Warte ‘Ort, an dem man dem Wild auflauert’
das Wild aufhält, an denen man dem Wild auflau- (Schatz, S. 659), mhd. warte ‘Platz, von dem
ert oder an denen sich bestimmte Jagdabenteuer aus gespäht oder gelauert wird’. Die Be-
ereignet haben. Doch das Wild wurde nicht nur stimmung ist letztendlich wohl ein PN wie
gejagt, sondern auch gehegt. Die Reachhitte am Herbrecht, Herbrand, Herfried. Als Ganzes
Kienberg und die Reachloato sind Namen, die an wäre der Name als „Hereswarte“, d. h. als
ehemalige Futterstellen für Rehe erinnern. ‘Warte des Herbrecht, Herbrand oder Her-
fried’ aufzufassen. Zur Klammerform „Heres-
Typische Flurnamen, die auf das Wild hinweisen, warte“ für „Herbrandswarte usw.“, vgl. auch
sind das Hiandoschpîl und Fedoschpîl. Beide Namen Liensberg für „Lienhardsberg“.
deuten auf das Vorkommen des Federwilds, wie
des Auerhahns und des Birkhuhns (Spielhahn!) hin.
Der Flurname Fedoschpîl hat sich dabei auch auf ei- Vor allem aber war die Jagd ein gräfliches Vorrecht
nen Hofnamen übertragen, den Fedra. – und mit der Jagd auch die Fischerei. In den Quel-
len wird das Jâgahaisl nicht umsonst auch Fischer-
haus genannt. Dort wohnten die Jäger und Fischer
des Schlosses. Und diese beschränkten die Jagd
nicht auf das klassische Jagdwild.

64
Der Wald und die Jagd

Der zur Zeit unbewohnte Hörschwarterhof in Getzenberg. Volksetymologisch wird der Name zu hier erfolgendem
Hirschwechsel gezogen.

65
Der Wald und die Jagd

Auf dem Vouglpîchl in Ehrenburg wurden von den


Jägern des Grafen Leimruten aufgestellt, um Vögel
Katzental:
zu fangen. Weiters sollen die gräflichen Jäger von
Ein Ort, wo sich viele Katzen aufhalten?
hier aus nach dem Wild gespäht haben.
Wollte man die vielen Katzennamen in unse-
Besonders Wölfe waren in früherer Zeit als Raub-
rem Flurnamenschatz alle auf das Vorkom-
men von (Wild-)Katzen deuten, dann muss es tiere sehr gefürchtet. Dazu trugen nicht nur die
einst in unserem Land eine regelrechte Katzen- Verluste von Nutzvieh durch den Wolf bei, sondern
plage gegeben haben. Die vielen Steignamen sicher auch die Dämonisierung als Teufelstier. Um
Kåtznloato, die einen steilen Weg kennzeich- sich zu schützen, bauten die Menschen Gruben als
nen, wie in Kiens ein Steig von der Kâlahëlle Fallen. An diese Fanggruben erinnern in Kiens die
zum Decka, sind vermutlich dem Vergleich Namen Wolfisgruibe (altmundartlich Wëlfisgruibe)
entnommen, der Weg sei so steil, dass nur und Wolfnsgruibe.
Katzen auf ihm hinaufklettern können. Will
man keinen germanischen Vornamen „Chaz- Die Erlegung der letzten Wölfe und damit ihre Aus-
zo“ bemühen oder nicht das Vorkommen von rottung im Alpenraum wurde mit Stolz auf Foto-
Katzen für den Talnamen zur Deutung heran- grafien und mit Jahreszahlen festgehalten. Mehr
ziehen, dann würde die Steilheit des Katzen- von kurioser Art ist die Erlegung des letzten Wolfes
tals auch für dieses Bild sprechen. Allgemein in Getzenberg, wovon sogar in einem Buch berich-
deuten Katzen- aber auch Hundnamen auf tet wird. Beim Bauern, von dem erzählt wird, soll es
schwer zu bearbeitende, steile Grundstücke sich um den Romila handeln.
hin. Dass „alles für die Katz“ ist, kommt nicht
von ungefähr.

rechts: Das Katzental: Wurden hier besonders viele Wild-


katzen erlegt oder stammt der Name lediglich aus dem
Vergleich mit der Steilheit des Geländes?

66
Der Wald und die Jagd

67
Der Wald und die Jagd

Hinter diesem Backofen befindet sich die Flur Wolfisgruibe, die an eine dort errichtete Wolfsfalle in Form einer
Fanggrube erinnert.

68
Der Wald und die Jagd

Der letzte Wolf in Kiens und im Pustertal

Oeffentliche Blätter erzählen von dem St. Ulrichskirchlein


beim Bad Ilstern im Pusterthale folgenden tragisch-komischen
Vorfall: Ein Bäuerlein trieb eine Ziege zu Markt, und zwar an
dieser Kirche vorbei. Er trat hinein, um einige Vaterunser zu
bethen, und band indeß die Ziege an der Kirchthüre fest. Da
schoß plötzlich ein Wolf aus dem nahen Walde in blinder
Wuth auf das Thier zu, welches sich aber durch einen ge-
schickten Seitensprung rettete, so, daß der Wolf an ihm vorbei
in das Kirchlein rannte. Unglücklicherweise schlug aber durch
diesen Seitensprung die Kirchthüre zu, und man denke sich
den Schrecken des armen Bauern, der sich plötzlich mit einem
so furchtbaren Gesellschafter zusammen eingeschlossen
fand. In seiner Angst rannte er die Stiege des Glockenthurmes
hinauf, und ließ sich am Glockenseile an der Außenseite des
Thurmes herunter. Der Wolf suchte sich durch Zerbeißen der
hölzernen Kirchthüre zu befreien, und wirklich hatte er schon
eine beträchtliche Oeffnung hinein genagt, als die herbeieilen-
den Nachbarn ihn erschlugen.

(aus: Julius Max Schottky: Bilder aus der süddeutschen Alpenwelt.-


Innsbruck: Wagner 1834, S. 227f)

69
Die Obohitte der Hasenalm oberhalb von Hofern

70
Die Dorf- und Weilernamen

Auf der Alm


und am Berg

In der Alben, die gelegen ist auf den Perg,


genant der Pichlerberg

71
Auf der Alm und am Berg

Im „Vrbar- und Freyhaidt Puech der Herrschaft Die Almen


Schenegg“ von 1523 werden die Rechte der einzel-
nen Kiener Höfe „wi vil ain jeder ziechents Vich, es Drei große Almen schließen Hofern gegen Mühl-
sein Oxen, Terzen oder Roß oder dergleichen“ auf- wald ab: Pîchlaperg, Kålbisatoul (Kaltwassertal) und
treiben darf, festgehalten. die Grianpåchaålbe. Außerdem wird Vieh aufgetrie-
ben auf die Moarhouf- und Schmitålbe, die Housn-
Die Bewirtschaftung von Almen sicherte der Vieh- und Moarålbe. Auf der gegenüberliegenden Seite,
zucht die notwendigen Futtermittel für den Winter in Getzenberg finden wir Kialeachn, die Moasålbe,
durch die Wiesenbewirtschaftung der tieferen La- die Romilaålbe, die Prunna- und Ëggaålbe.
gen und die Sommerhaltung des Viehs auf der Alm.
Der Almauftrieb, ein wichtiger Tag im Bauernjahr, Früher waren es in Getzenberg noch einige Berg-
erfolgte am Ulrichstag, den 4. Juli, der Abtrieb, frü- gründe mehr, die als Almen bewirtschaftet wur-
her als Abschluss des Almsommers ein feierlicher den, unter anderem Houfapriggile, Saulånt, Geazn-
Tag, erfolgte am 7. September. pergapergwîse, Kialeachnahaisl, Krëssajëchl, Roates
Mous, Ebmapergwîse, Moas, Ëggapergwîse, Wenzl-
hitte, Ëgga und Ëggaståll, Pfraumpamapergwîse,
Prånta und Pråntahaisl.

Kulinarisches beim Almabtrieb Grianpåch – Hof, Alm und Bachname …


Beim Almabtrieb warf der Senner oder die
Die Grianpåchaålbe hat ihren Namen nicht direkt
Sennerin auf dem Heimwege die Tschotte-
vom Grünbach übernommen, sondern der Bachna-
plattlan unter die Zuschauer. Am Abend des
me wurde zuerst auf den Hofnamen und dann, als
Almabtriebes wurden im Bauernhofe Topf-
nudl, Mougnkrapflan, Radlplattlan, Käse, der Grünbacherbauer in den Besitz der Alm kam,
Butter und Schnaps kredenzt. auf diese übertragen. Zuvor wurde die Alm als
„Seeb, in Seeb“ bezeichnet, was auf den Grünbach-
see Bezug nimmt. Die Übertragung der Alm auf
den Hof reicht ins 17. Jahrhundert zurück:
1609 gibt Hans Caspar Künigl dem Hans Grünpa-
cher zu ewigen Erb- und Baurechten die Alpe Seeb

72
Auf der Alm und am Berg

ober Schöneck auf dem Gebirge samt dem dort erbauten „Käser
und Pfärrach“, doch ausgenommen des dort liegenden Sees, den
sich Künigl vorbehält; doch hat der Grünbacher Aufsicht über den
See zu führen.

Die Alm und ihre Fluren


Mit Ålbe werden die Almhütte und der dazugehörige Weidegrund
bezeichnet. Zu einer Ålbe gehören die verschiedenen Almgebäude
wie die Kâso und die Sennhitte. Die Almhütte selbst ist einfach die
Hitte, wie die Obohitte und Untohitte der Grianpåchaålbe oder die
Obohitte und Untohitte der Housnålbe. Zur Alm gehörende Fluren
sind die verschiedenen Lëiga, auf denen das Weidevieh ruhte, der
Die Grianpåcha Untohitte – so viel hat sich nicht geändert …

73
Auf der Alm und am Berg

Pfarra, ein eingezäunter oder mit Lesesteinen um- Der Berg


friedeter Platz, um einerseits das Vieh zusammen-
zutreiben und zu melken oder am Abend zusam-
menzubringen. Die Bergnamen
Nach den verschiedenen Weidetieren werden die In der Geschichte der Flurnamen gehören die Berg-
Almfluren unterschieden. Es gibt das Kialëiga un- namen zu den jüngsten Namen. Erst mit dem mo-
terhalb des Grünbachjochs oder das Ochsngarschtl dernen Alpinismus wurde es für den Menschen
beim Kaltwassertalsee. Der Rosslâna unterhalb des „nötig“, jeden noch so kleinen Gipfel zu bezeichnen.
Mutenock erhielt seinen Namen von einer darunter Für die bäuerliche Bevölkerung war der Berg aus-
befindlichen Almweide für Pferde. schließlich als extensiv genutzte Almweide inter-
essant. Alles, was darüber lag, wurde einfach „der
Berg“ genannt. So gehen grundsätzliche Namen
wie Olymp oder Alpen auf die simple Bedeutung
„Berg“ zurück.

pfarrih* pharrih*, pferrih*, ahd., st. M. […]: nhd. Im Allgemeinen erfolgte die Festlegung der Na-
Pferch, Gehege, Hürde; […] Etymologie: germ. men im Zuge der wirtschaftlichen Erschließung der
*parrik-, Sb., Pferch, Gehege; s. mlat. parricus; Berge, sei es als Bergweiden oder für den Bergbau,
[…] mhd. pferrich, pherrich, M., Einfriedung;
später auch als Jagdgebiete und seit dem 19. Jahr-
nhd. Pferch, M., Pferch, Umzäunung, enger
hundert für den Fremdenverkehr.
Raum, eingepferchte Herde.
Wenn man von Bergen sprechen will, dann muss
man den Blick gegen Hofern richten. Ein schma-
ler Korridor zwischen Terenten und Pfalzen, das
Kåtzntoul, weitet sich zum Kammrücken oberhalb
der Almen.

rechts: Die neu erbaute Grünbacher Oberhütte mit dem


Pfarra im Vordergrund

74
Auf der Alm und am Berg

75
Auf der Alm und am Berg

Mächtige Gipfel schließen die Gemeinde gegen das Mühlwalder Tal hin ab.

76
Auf der Alm und am Berg

Mutenock Die Ehrenburger Hügel


Mundartliche Aussprache: Mutenóck. Etymo- Frühgeschichtlich interessant und landschaft-
logie: Zusammengesetzt aus dem lich wertvoll, sind sie vor allem nach ihren
Eigenschaftswort tir. mutt ‘abgestumpft’, das (früheren) Besitzern und Bewohnern und nach
ursprünglich vordeutsch ist (vgl. Schatz, S. 440) ihrer Form benannt: Zimmomoaschtopîchl
und tir. Nock m., das in Tirol öfter in Bergna- (Vouglpîchl), Rennapîchl, Rindlapîchl und
men vorkommt und dessen Grundbedeutung Spitzpîchl.
‘Erhebung’ ist (vgl. Schatz, S. 454; vgl. auch
Kühebacher OSG III, S. 186–187).

Entlang des Höhenzugs an der Grenze zu Mühl-


wald folgen sich die Gipfel Mutenock, Hoache
Spitze, Zwëlfaschpitz, Hërndle, Putznheache (nach
dem auf Mühlwalder Gebiet liegenden Almgebiet
Putzen) und das Grianpåchjoch. Der Zwölferspitz
übernimmt dabei das vor allem von der Sextner
Sonnenuhr bekannte Bergnamenmotiv. Der Name
richtet sich nach der Uhrzeit des Stands der Sonne
auf dem Gipfel. Vorgelagert diesem Höhenzug ist
der Knarling, der sich zwischen Pichlerperg und
Kaltwassertal nach vorne schiebt.

Auf dem Getzenberg schließt der Moaskopf, eine


rundliche Kuppe, die Grenze zu Rodeneck ab.
„Kopf“ wird metaphorisch für eine runde, kopfähn-
liche Geländekuppe verwendet und kommt auch in
den Namen Rauchnpîchlakopf (oder Rauchnpîchla-
heache) und Plåttnakopf am Kienberg für dessen
Kaum erkenntlich: Der Moaskopf oberhalb der Moasålbe
höchste Erhebung vor. Durchwegs wird das Grund-
wort aber auch für kleinere Erhebungen verwendet
wie beim Mîlpîchlkopf.

77
Auf der Alm und am Berg

Kleinere Erhebungen im Gelände, auch im Tal,


werden als Pîchl oder Koufl bezeichnet. Die Mo-
tive sind vielfältig, nach Besitzern (Moarpîchl,
Loameggapîchl, Winklapîchl), nach Gebäuden
Påchoufnpîchl, nach religiösen Strukturen (Kirch-
pîchl, Uilpîchl), nach dem Bewuchs (Oachpîchl,
Haipîchl, Grianpîchl) nach Wildtieren (Dåchspîchl,
Hiandopîchl). Es gibt auch verdrängte Namen: Der
Garbokoufl in St. Sigmund wurde von der neueren
Bezeichnung pan E-Werk abgelöst und ist heute
fast in Vergessenheit geraten. Auch Flurnamen fol-
gen der Technisierung!

Der Feurpîchl am Kienberg

Verschiedene Theorien gibt es zum Namen


Feurpîchl am Kienberg. Manche sagen, dass
es hier früher vielleicht einmal gebrannt hat,
andere meinen, dass es hier so trocken sei,
dass sich nicht einmal im Winter der Schnee
dort halte.

78
Die Dorf- und Weilernamen

Pachlan, Seablan
und Låckn

Mühlen, Stampfen
und Sägen

Zu seiner mil und schmiten den


Pach jederzeit geniesen ...

79
Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen

Von Sonntag abend bis Montag früh, wird im Schönecker Verfach-


buch 1767 festgehalten, wurde dem Kahler erlaubt, das Bachwasser
des Paierbach „zu seiner mil und schmitten“, also für seine Mühle
und Schmiede zu nutzen.

So wie der heutige Kahlerbach, so waren auch die Nutzungsrechte


an den anderen Wasserläufen genau geregelt. Wasser diente nicht
nur zur Trinkwasserversorgung und zur Bewässerung der Felder,
Wasser wurde zum Betrieb von Mühlen, Stampfen und Sägen ein-
gesetzt, wurde bei der Holzarbeit zur Holztrift benutzt und ihm
wurde sogar heilkräftiger Charakter zugesprochen, wie die Einrich-
tung des Ilschtra Pâdls beweist.

Die Rienz bei St. Sigmund im Jahr 1956

80
Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen

… Pachlan … Namen, die mehr im mündlichen Gebrauch sind,


und Namen, die sich als offizielle schriftliche For-
Gewässernamen gehören zu der ältesten Gruppe men festgesetzt haben. Denn der Bach, der durch
der Namen überhaupt. Die großen Flüsse Europas Kiens fließt, heißt schlussendlich – die bösen Kar-
gehen auf eine Sprachschicht zurück, die allgemein tographen – nicht Grianpåch, Rumplpåch oder Hin-
als „alteuropäisch“ eingestuft wird. Dazu gehört topåch, sondern Kiener Bach.
auch der Flussname Rienz.

Alle Bäche münden in diesen Fluss, der früher un-


kontrolliert und frei durch die Talebene floss und
damit auch Ausgangspunkt der Auennamen war.
Wo war der Aschbach?
Nicht mehr als Bachname, sondern als Sied-
Zu den häufigsten Motiven in der Gewässerna-
lungsname in Verwendung ist Aschbach. Der
mengebung gehören die Bezeichnungen nach der
Name hat nichts mit einem aschigen Bach zu
Farbe des Wassers oder des Baches, wie bei dem
tun, sondern stammt vom Eschenbewuchs an
Schwårznpåch. Oder dem Grianpåch, dessen dunk- einem Bach. Der Name tritt als Siedlungsname
ler bzw. grünlicher Untergrund auch im Wasser relativ häufig im deutschen Sprachgebiet auf,
durchschimmerte. Der Grianpåch als Name war au- unter anderem auch in der Form „Aspach“.
ßerdem sehr produktiv, der Name wurde auf den Wollte man heute den früheren Verlauf des
Grianpåcha in Kiens übertragen und dann auch auf Aschbachs rekonstruieren, dann würde man
die Alm, in deren Besitz der Hof kam. wahrscheinlich das Wasservorkommen zwi-
schen dem heutigen Moser, früher Mairhof in
Moos, und dem Hof Schlouta ansetzen. Beide
Grianpåch, Rumplpåch oder Hintopåch? Hofnamen deuten auf sumpfiges Gebiet hin.
Deshalb könnte man auch vermuten, dass der
Doch Bachnamen in Kiens haben nicht nur einen „Eschenbach“ früher hier herunter floss.
Namen, meistens haben sie zwei oder sogar meh-
rere. Der Grianpåch ist im Unterlauf bei Kiens der
Rumplpåch, weil er vermutlich rumpelnde Ge- Die übliche Benennung der Wasserläufe unterteilt
räusche von sich gibt. Zugleich gibt es eine Un- sie in Abschnitte und benennt sie nach den Höfen,
terteilung in offizielle und nicht offizielle Namen, an denen sie vorbeifließen. Der Kialeachnapåch

81
Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen

's griane Pachl

Unterhalb des Gasthofs Gisser, dort wo der


Kahlerbach in einem Auwald in die Rienz
mündet, nennt man es 's griane Pachl. Hier an
der Stelle, an der Rienz, Bach und Wald eine
Aulandschaft mit Inseln und ruhigen Wasser-
abschnitten geschaffen haben, sollen die Kie-
na Puibm früher schwimmen gelernt haben.

Schållapachl. Nochmals einen gesonderten Weg


geht der Kålbisatoulpåch. Das Tal wurde nach dem
kalten Wasser benannt, von dem es offensichtlich
geprägt wurde. Nach der Übertragung auf die Flur
wurde es dann wieder auf den Bach übertragen.
Der Gruipåch, der die Gemeindegrenze zu Terenten bildet.
Den Namen bezieht er aber von Terner Seite aus:
das Gruipa bezeichnet dort eine ausgedehnte Bergflur. Auch Fluren oder Höfe werden nach Gewässern
benannt, wie der Grianpåcha oder der Påchleachna
und der Moarampåch. Flurnamen werden oftmals
wird im Unterlauf nach dem Burger in Ehrenburg zu ihrer Lage an einem Bach genannt, wie das Påch-
Purgapåch geheißen, der Gruipåch nach der Kâ- ackole und der Gruipåchpichl oder die Påchseite als
lahëlle, Kâlapåch. Waldbezeichnung in Getzenberg. Ein größeres Ge-
biet wurde in Ehrenburg nach einem Bach benannt:
Der Eggapåch am Getzenberg hat schließlich drei In Moarpåch.
Namen: im Oberlauf Koulpåch und Fedopåch und
ab dem Ëgga schließlich Ëggapåch. Die Lage zu den
Höfen war ausschlaggebend für die Benennung
auch beim Koflapachl, beim Houfapachl und beim

82
Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen

Die Wasserzuteilung zwischen Kiens und Erchtag 12 Uhr in der nacht bis mitwoch 4 Uhr
St. Sigmund im Jahre 1676 vormitag, tuet 4 Stunt, Widerumben der An-
dree Gisser von den Pämbgärtl ober den Haus
„Erstens Mathes Stolz Khäller solle dass wasser von 4 Uhr mitwoch vormitag bis 7 Uhr in tag,
haben von den Sontag 6 Uhr abents bis auf tuet 3 Stunt, Hans Hausman von den milanger
den Mantag umb 4 Uhr, Also 10 Stunt in unnd den anger unter den Dorf von mitwoch
bedenckhung Er zu seiner mil und schmiten 7 Uhr in tag bis 5 Uhr Pfinztags vormitag, also
den Pach jederzeit geniesen; unnd also seinen 22 Stunt, Bartlmee Khofler Piterle zum trey
nuzen und Ertrag davon gehaben khan, Dan anger und den Padstuben anger untern Haus,
Veit Liensperger Hueber zum Acker Unter auch dinpfl (?), von Pfinztag 5 Uhr vormitag
Khäll, den Mantag von 4 Uhr vormitag bis 1 bis 4 Uhr nachmitag, macht 11 Stunt, Adam
Uhr nachmitag, also 9 Stunt, Gregori Aichner Grueber Niderle, zum Angerlen, von Pfinztag
Holzer zu der Khälwiese, von Mantag 1 Uhr 4 Uhr nachmitag bis 6 Uhr, also 2 Stunt, Veit
nachmitag bis 6 Uhr abents, also 5 Stundt, Liensperger Hueber, von Angerle untern Dorf,
Anndree Gisser Miller zu den Stuckh wismat von Pfinztag 6 Uhr nachmitag bis 7 Uhr, also 1
in der Khäll, den Mantag von 6 Uhr abents bis Stunt, Anndree Gisser miller zum Anger unter
Erchtag 3 Uhr vormitag, tuet 9 Stundt, der Strassen, von Pfinztag 7 Uhr nachmitag
Peter Helbeger Prunner zu den Mill Annger, bis 12 Uhr in die nacht, also 5 Stunt, Christof
von Erchtag 3 Uhr vormitag bis 12 Uhr im Khofler Rastainer zu seiner wissen von 12 Uhr
Tag, macht 9 Stundt, Bartlmee Kofler Piterle Pfinztag in der nacht bis 4 Uhr freitag vormi-
zu seiner wiselen genant maurfleckh, von tag, also 4 Stunt, Veit Mair Oberschneider zu
Erchtag 12 Uhr in Tag bis 2 Uhr nachmitag, den Anger unter den wirts Haus am Kheller
also zwai stunt, Vorernenter Gregori Aichner unnd von der Wissen ober bemelten wirts-
Holzer zu der Hölzer traten von 2 Uhr Erch- haus, von Freitag 4 Uhr vormitag bis Freitag
tags nachmitag bis 5 Uhr abents, also 3 Stunt, 8 Uhr nachmitag, also 16 Stunt, Von 8 Uhr
Veit Mair Oberschneider zu dem Mill Anger Freitag abennts bis Sambstag 3 Uhr vormitag
ob den Dorf, von 5 Uhr Erchtag abents bis 12 wirdet den Andreen Gisser Miller zu Hilf seiner
Uhr in der nacht, tuet 7 Stunt, Abermallen der Mezmillen zuegethailt, nichts weniger auch
Gregori Aichner Holzer zu den Mil anger, von solle Ime auch Andree Gisser das Jenige was-

83
Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen

ser, welliches den Sambstag von 2 Uhr nach- Herrschaft andern Hochheiten unnd Privilegi-
mitag bis Sontag abents 6 Uhr, von deme so en ganz unpreiudicierlich sein. Der Uncosten
die Perger auszukehren befuegt ain yberfluß yber diese Austhaillung ist den Parteien der
herabrint zu seinen Gietern vellig allain zu ge- Propertion unnd gestaltsame des wasserge-
brauchen unnd zu geniesen geherig, zu deme nusses ausgethailt und durch die Parteyen
auch Er Andree Gisser unnd seine nachkho- bezalt worden. Globt haben Hanns Hausman
men bemechtigt sein, die Ime zu seiner Mayr, Andree Gisser, Veit Mair Oberschneider,
wismat zuegetheilten Stunden, zu der Milln Veit Liensperger Hueber, Peter Helbeger Pru-
zu Applicieren und zu mahlen zu gebrauchen ner, Bartlmee Khofler Piterle, Adam Grueber
nichts weniger wan das wasser zu den unter Niderle, Christof Khofler Rastainer, Matheß
der Mezmillen ligenden wismädern, zu den Stolz Khäller, Gregorj Aichner Holzer unnd
ausgethailten Stunden gelaitet wirdet, solle von Khiens Veit Gartner, Martin Hilber, Peter
Ersagter Miller das Einkherende wasser zu Khofler und Balthasar Hittaller Teifenthaler
Maalen auch zu gebrauchen haben, wan auch als Gerhab. Forbei den nachpern sament
von den nachpern wässer wasser ain Yberfluss auferladen worden, dass ainer den andern
verbleibe, solle selbiger, Ingleichen bemelten das Wasser zu seiner zuegemitlten Zeit bei der
Andreen Gisser zu geniesen gebieren. Straf nit abkheren, sondern Riebig Rinen las-
Weillend Christoffen Hittallers Sämers zu sen solle. Testes Iro Gesstreng Herr Balthasar
Khiens seeligen Erben zum Angerle unter der Troyer zu Paumgarten“.
Strassen am Kheller, von 3 Uhr Sambstags
Nachmitag bis Halbe 6 Uhr also 2 1/2 Stunt, 1754 wurde diese Abmachung neuerdings vom
Veit Gartner Schenproth zu seiner wissen selben Gerichte bestätigt. Darnach sollten die
von Sambstag halb 6 Uhr vormitag bis 8 Uhr, „Bergler“ das Wasser vom Samstag Abend bis
also drithalb Stund, Marthin Hilber zu seinen Sonntag Abend benutzen dürfen, die übrige
wiselen außer St. Sigmund von Samstag 8 Uhr Zeit aber den St. Sigmundern das Verfügungs-
bis halb 1 Uhr, also fünfthalb Stunt, Unnd der recht darüber eingeräumt sein.
Peter Khofler zu seinen wiselen von Sambstag
halbe ain Uhr bis 3 Uhr, also drithalb Stunt,
Jedoch solle diese Austhaillung der Hochen

84
Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen

… Seablan und Låckn …


Die Seenlandschaft von Kiens nimmt sich eher be-
scheiden aus, eben nur Seablan und Låckn finden
wir im Gemeindegebiet vor. Die Gebirgsseen, der
Grianpåchsea und der Kålbisatoulsea, der Lidosea
und die Kroutnlåcke bei Ehrenburg sind die einzi-
gen, die als kleine Seen bezeichnet werden können.

Wassermulden, die sich heute teilweise nur mehr


während der Schneeschmelze oder bei ausgiebigen
Regengüssen füllen, werden Låckn genannt: Mil-
lalåcke, Weialåcke, Moaslåcke.

Beim Huibagimpfl soll früher bei der Schnee-


schmelze immer so viel Wasser gelegen sein,
dass man mit kleinen Booten darauf fahren
konnte und im Winter dort Eis lief. Einst sollen
hier auch zwei Kinder beim Eislaufen einge-
brochen sein.
Viel Wild wird sich heute nicht mehr in der Hirschlåcke in
Getzenberg suhlen.

85
Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen

Der Grünbachsee unterhalb der Putzenhöhe ober der Grünbacher Almhütte

86
Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen

… Quelln, Prunnen und Trëigo … hungrig machte und die Pferde schneller
laufen ließ“. Wolff weiß auch einen zweiten
Zur Wasserversorgung von Mensch und Vieh wur-
Namen der Quelle, nämlich „Gannaruna“, von
den Quellen gefoucht, Brunnen und Tröge auf- der schon J. A. Heyl (Volkssagen usw.), (Preß-
gestellt. Quellennamen sind nicht unbedeutend, verein, Brixen 1896) auf Seite 605 Mitteilung
denn dort, wo sie selten sind, geraten sie in den macht; auch hauste, nach Heyl, ein weises
Mittelpunkt der Namengebung. Das Rindile in Ho- Waldweiblein beim besagten Brunnen. Dieses
fern benennt auch den Rindilewålt, dem Plåttna- hieß „Ganna“ (S. 743, Nr. 71). Das Wort „Gan-
wåsso kommt besondere Bedeutung zu, denn am na, gana“, das nach alpenromanischen Sagen-
trockenen Kienberg wurde die Wasserknappheit büchern dem für unsere Saligen nahestand,
sogar in einer Sage verewigt. Sogar der Weg dort- ist eine Mischung von keltisch „adgana“ und
hin ist es wert, eigens Wåssoweg genannt zu wer- romanisch „aquana“ (Wassernymphe). Der
den, eine Kurve, die auf diesem Weg liegt, ist die zweite Teil des Ausdruckes, nämlich „-runa“,
Wåssowegraide. bedeutet Zauberin, Beraterin und begegnet
uns in den norddeutschen Frauennamen Hild-
run, Alrun, Gudrun, Alfrun und Friedrun. – Also
Quelle am Getzenberg ist der Saligenname auch für den der Quelle
üblich gewesen.
Kürzlich erzählte mir der „Burgerwirt“ von Hans Fink, Brixen
Ehrenburg, daß es einst beim „Rommele“ auf
Getzenberg über Ehrenburg eine Quelle gege- (aus: Der Schlern. Illustrierte Monatszeitschrift für Heimat-
ben habe, deren Wasser die Leute auffallend und Volkskunde. 64. Jg., Heft 2.- Bozen: Athesia 1990, S. 113)
hungrig machte. Aus diesem Grund sah sich
der „Rommele“ gezwungen, die Quelle zu
„vergraben“ (nach Josef Knapp, Ehrenburg, 27.
Juli 1989). – Die Mitteilung erinnert an die von
K.F. Wolff in seinen „Dolomitensagen“ (Tyrolia,
Innsbruck, 1957) auf Seite 380 gemachte Anga-
be von der „Drei-Hunger-Brünne“ in Getzen-
berg, deren „scharfes Wasser die Menschen

87
Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen

Die Höfe bezogen ihr Wasser teilweise aus eigenen Die Benennungsmotive für Wasservorkommen
Quellen (Oachnawåsso). Das war am Getzenberg sind vielfältig, ob es nun ein Hof ist (Mousawåsso-
einfacher als in den anderen Gebieten der Gemein- loch, Gissafouchtrëgile) oder ein Vorname (Waschtl-
de. Am Kienberg (Golsawåsso) musste das Wasser anwassole), ein Bachname selbst (Teinpåchtrëigo)
vorwiegend durch Ziggl heraufgepumpt werden. oder die verschiedenen Fraktionen, die ihren Was-
Neben Wåsso wird für eine Quelle auch der Aus- serbedarf aus einer Quelle speisen (Geaznperga-
druck Prunn verwendet: Gåttomoarprinne und wåsso). Manchmal entstehen Namen auch aus
Koflaprunn nach den Höfen, Hôslaprunn nach dem „Lausbubengeschichten“:
Bewuchs der Umgebung der Quelle mit Haselstau-
den.

Ein häufiges Benennungsmotiv stellt auch die „Käl-


te“ des Wassers dar. Die Quellen von Obokåltprunn
Do Wåssokåschtn
und Untokåltprunn im Kaltwassertal waren aus-
schlaggebend für die Bezeichnung des Tals und des
Der Wåssokåschtn ist ein Feuchtgebiet, in dem
Baches, den sie speisen.
die Buben früher immer hüten mussten. Dort
rann immer so viel Wasser den Hang herunter,
dass die Buben zueinander sagten: „Giamo in
Wåssokåschtn!“

brunno […] nhd. Brunnen, Quelle, Born, Was-


ser, Ursprung; […] Etymologie: germ. *brun-
næ-, *brunnæn, *brunna-,*brunnan, sw. M. (n),
Quelle, Born; idg. *bhrun-, Sb., Hervorsprudeln-
des, Quelle […] idg. *bhereu-, *bhreu-, *bherÈ-,
*bhrÈ-, *bhreh1ø-, V., sich heftig bewegen,
wallen (V.) (1), kochen; […] mhd. brunne; M.,
Brunnen, Quelle, Quellwasser, Ursprung, Harn;
nhd. Brunne, M., Quell, Brunnen […]

88
Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen

Mühlen, Stampfen und Sägen 1940 sah die Situation noch ganz anders aus:

An den Wasserläufen befanden sich die Mühlen,


Stampfen und Sägen, die den Antrieb des Wassers
benötigten. Die Mühlen waren unterteilt in Metz-
mühlen, professionell geführte Mühlen und Haus-
Der Burgerbach, früher Kirchbach genannt,
mühlen. Fast jeder Hof war im Besitz einer solchen
leistete gute Arbeit. Nicht weniger als 17 Müh-
Mühle, und an den Bächen reihte sich eine Mühle
len, zwei Sägen und eine Schmiede trieb er um
nach der anderen und dazwischen die Sägen und
1940 an, und zwar:
Stampfen.
die Prangermühle
die Huber- und Kressermühle
In Zeiten, in denen das Mehl im Geschäft gekauft die Burgersäge
wird und das Brot beim Bäcker, haben die alten die Prielermühle
Mühlen ausgedient. Den Bauern als Selbstversor- die Winterweger- und Koflermühle
ger gibt es nicht mehr, und die Mühlen, die heute die Schmiede
noch in Betrieb sind, sind meist Schaumühlen, die die Kühlechnersäge
vergangene Techniken demonstrieren. Verfallen die Getzenbergermühle
sind unter anderem die Wintowêgamîle, die Hansl- die Niedermairmühle
moarmîle, die Loubamîle oder die Moarhoufmîle. Ei- die Lechnermühle
nige haben auch durch eine Neuverwendung einen die Aichnermühle
neuen Namen erhalten, wie die Stêgamîle, die als die Grafenmühle
E-Werk bekannt ist. Manche wurden auch abgeris- die Ebnermühle
sen, um einem Neubau Platz zu machen. Beim Na- die Erschbaumermühle
men werden sie aber noch genannt, wie die Neu- die Fedramühle
wirschtsmîle in St. Sigmund. die Mühlhäusler- und Kastolermühle
die Hopflechnermühle
die Burger-Metzmühle

89
Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen

Die Mühlen standen am nächstgelegenen Bach. Das war in man-


chen Fällen in der Nähe des Hofes, oftmals aber auch weiter ent-
fernt. Den ganzen Ehrenburger Wald musste zum Beispiel der Pril-
la zu seiner Hausmühle durchqueren. Die Mîlwege verbanden die
Hofstellen mit der Stätte des Mahlens. Mühlen konnten auch ge-
meinsam betrieben werden wie die Earharschtmîle, die auch vom
Pårschtlpaur benutzt wurde.

Die Wîsamîle in Getzenberg

90
Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen

Ein Streifzug durch die Geschichte


der Sägemühlen

Vor einigen Jahrzehnten begegnete man


längs der Bachläufe des Grün- und Gruibbach
(Peyrbach), des Burger- und Schwarzenbaches
verschiedenen Sägemühlen. Der Theresia-
nische Kataster aus dem Jahre 1776 nennt
die Säge beim Burger, jene beim Brüggler in
Hofern, jene beim Egger am Getzenberg, die
bei Kühlehen und die Säge beim Sagmüller in
Kiens.
Die zwei Getzenberger Sägen, zu Kühlehen
Alte Mühlsteine am Wegrand und die beim Egger, sind längst schon abge-
tragen und ihre Geschichte gehört der Nach-
welt an. Die Säge zu Kühlehen wird schon 1586
in der „Raitung“ des Ruepprechten Mair am
Orth zu Ehrenburg genannt und war bis Ende
des Zweiten Weltkrieges immer in Betrieb.
Dann brannte sie ab und wurde nie mehr
in Betrieb gesetzt. Die alte Eggersäge stand
schon 1776. Die neue Säge und Mühle wurde
1937 gebaut, wurde jedoch nie verwendet. Die
Mühle kaufte der Bergesmüller.
Die Erschbaumsäge wurde 1922 von Harras-
ser, Erschbaumer erbaut, im Jahre 1961 von
Hermann Rastner erworben, teilweise abge-
tragen und es wurde eine neue Wandersäge
aufgestellt.

Stillleben am Gruipåch: die verfallene Mühle des Lober

91
Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen

Die Säge beim Hofer wurde 1936 erbaut, vier Säge. Hierauf übersiedelte Anton Falkenstei-
Jahre später auf Gleichstrom umgebaut und ner in den Keller des Niedermair Zuhäusls. Die
1980 aufgelassen. Burgersäge stellte ihren Betrieb 1976/77 ein.
Die Säge im Moarbachtal wurde 1932 von Jo- Die Grafensäge wurde 1932 erbaut, Anfang
sef Rubner und Jakob Ebner von Onach erbaut, Jänner 1934 in Betrieb genommen und 1994
doch bald wieder stillgelegt. abgerissen.
Die Ebnersäge, eine Venezianersäge, wurde Die Rubnersäge in Kiens wurde im Jahre 1923
Ende der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts von einer Mühle zu einer Säge umgebaut.
vom Ebner und vom Lechner am Getzenberg Rubner verpflichtete sich hierzu für 70 % der
gemeinsam erbaut. Der Grund gehörte dem Erbauung und Erhaltung der Brücke aufzu-
Ebner und der Lechner lieferte das Holz. Die kommen.
Anteile verteilten sich später so: 1/2 der Ebner, Die meisten Sägen lagen unmittelbar an
1/4 der Lechner Hermann und das letzte 1/4 einem natürlichen Bache mit starkem Gefälle
der Richard Mösl. Als die Säge 1970 abbrannte, und brauchten für den Betrieb ihrer Räder
verzichteten die Lechnerbrüder auf die Säge keine längere Zuleitung als höchstens ein kur-
und so wurde der Grünbacher Anton Ebner zes Rinnwerk aus Holz. Mitunter waren aber
alleiniger Besitzer. Die Kalersäge wird nur hierzu eigene Werkskanäle notwendig.
einmal genannt. Auch die Firma Vanotti e Lazzaris musste ei-
Die Gissersäge bzw. die Leitgamsäge wurde nen Werkskanal von einigen 100 m bauen, als
1951 an der Rienz bei Ehrenburg von Erich sie im Hofanger zu Ehrenburg 1833 und 1834
Falkensteiner, Gisser erbaut, und zwar eine vier Saggänge aufstellte und das aufgekaufte
Venezianersäge. Später wurde sie samt dem Holz für den Festungsbau in Franzensfeste
Grund bis zur Straße von Albin Zambelli schnitt.
erworben. Karl Oberhofer aus Vintl pach-
tete die Säge und produzierte hydraulische
Geräte für Wasserleitungen, 1957 arbeitete
Anton Falkensteiner dort mit Bandsägen und
produzierte Kisten, und schließlich übernahm
Ende der 60er Jahre Hermann Rubner diese

92
Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen

Ein Jahr, nachdem sie drei Saggänge aufgestellt hatte, wurde von der Firma Vanotti e Lazzaris um einen vierten Saggang
angesucht, wofür ein neuer Wasserkanal gegraben werden musste. Die Skizze zeigt die chronologische Entwicklung der
vier Sägen aufgrund der Wasserableitungen. Die erste Ableitung erfolgte südöstlich vom Kirschenlechner, während die
zweite Ableitung östlich erfolgte.

93
Die Ehrenburger Dorfrunde beim Kofler – Hochunserfrauentag 2009

94
Die Dorf- und Weilernamen

Wege, Brücken
und Zäune

Weeg, Steig, Pruggen oder Steg

95
Wege, Brücken und Zäune

Wege und Brücken sind Verbindungen – Verbin-


dungen zwischen den Dörfern und den Menschen,
Do Kotzosteig
wirtschaftliche Verbindungen und Verbindungen
zu Gott. Sie sind mit alten Rechten verbunden und
Der Kotzersteig, der von Terenten Richtung St.
mit alten Pflichten, es gibt Wege fürs Vieh, Wege
Sigmund führt, erinnert an ein altes Gewerbe,
zum Kirchgang und Wege auf die Alm. wofür St. Sigmund bekannt war: die Decken-
weberei. Auf diesem Weg soll die Wolle für die
Für die Benennung der Verbindungen zwischen Herstellung von Decken herabtransportiert
den Dörfern ist die Richtung ausschlaggebend, die worden sein, wovon Wopfner berichtet:
Kiena gehen auf dem Zimita Weg nach St. Sigmund, Im Pustertal, und zwar zu St. Sigmund […]
die Zimita auf dem Kiena Weg in den Hauptort. befaßte sich […] bis herab in die Achtziger-
Der Montila Weg führt vom Kienberg östlich nach jahre des 19. Jahrhunderts ein bäuerliches
Montal, der Êrnburga Weg hingegen westlich nach Hausgewerbe mit der Herstellung von Decken
Ehrenburg hinunter. Die Geaznperga Strouße er- aus Kuhhaaren, Ziegenhaaren und heimischer,
schließt die Getzenberger Höfe, der Kåtzntoula unveredelter Schafwolle. […] Solche Teppiche
Weg ist die alte Wegverbindung ins Katzental. wurden durch Deferegger Wanderhändler in
den Verkehr gebracht. Als sogenannte Defer-
Auch Brücken ist diese Verbindungsfunktion eigen. egger Decken gingen sie bereits im 18. Jahr-
Die wichtigsten Verbindungen gingen über die Ri- hundert nach Deutschland, Italien, Frankreich,
enz – die Zimita Prugge, die Kåltnhausa Prugge, die in die Niederlande, nach Polen und selbst
Êrnburga Prugge. Werden neue Brücken gebaut, nach Rußland. Sie waren wegen ihrer Billig-
dann wird das auch in den Namen angemerkt. Die keit und Brauchbarkeit sehr beliebt.
ålte Prugge nach Ilstern führte beim Pitolegimpfl
hinüber, die neue Prugge wurde weiter westlich ge-
baut. In den Namen lebt diese Differenzierung wei- nur zu einem Feld wie der Gattoletroutnweg am
ter. Flurnamen sind konservativ: Das Pruggackole Kienberg. Wege führen in die Wälder (Zimita Ho-
wird weiterhin nach der alten Brücke so benannt. achwåltweg, Loacheweg), auf die Almen (Almaweg)
und zu den Mühlen (Mîlwege).
Wege führen zu den Höfen (Wåchtleachnaweg,
Rëckwîsaweg, Hintopîchlaweg), sie führen zu oder Wege verbinden auch die Höfe mit den Kirchen. Der
durch die Felder (Geaznperga Feltweg) oder auch Gang zur Kirche musste, oft auch auf dem kürzes-

96
Wege, Brücken und Zäune

Eine Pustertaler Besonderheit sind die Zaine, die


Übertragung der Begrenzung eines Weges auf die
Benennung des Weges selbst. Zwischen Zäunen
verlaufen die Stockazaine, die Kienawîsnzaine, die
Gearschtlzaine, die Garbazaine und die vermutlich
bekanntesten, die Åntlaszaine.

Dî Åntlaszaine

Åntlas aus ahd. antlas „Erlaubnis, Erlass,


Aufschub“ wandelte sich im Mittelhochdeut-
schen zur spezifischen Bedeutung „Ablass“.
Ablasstag war am Åntlasen, damit war der
Gründonnerstag gemeint. Der enge Zusam-
Die alte Brücke nach Ilstern führte beim heutigen Hotel menhang des Gründonnerstags mit dem Fron-
Sigmunderhof über die Rienz. leichnamsfest entstand durch die Einführung
dieses Festtags, am zweiten Donnerstag nach
ten Weg gesichert sein. Der ålte Houfaweg ist so ein Pfingsten. Nachdem die Karwoche als Trauer-
Kirchweg, und vom Hofer selbst wird die Bezeich- woche galt und keine besondere Festlichkeit
nung ålto Kirchweg verwendet. zuließ, wurde im 13. Jahrhundert als zweites
eucharistisches Hochfest Fronleichnam einge-
Ausschlaggebend für die Wegbezeichnung ist auch führt.
ihre Beschaffenheit: Beim Sticklweg wurde auf-
grund seiner Steilheit ein zweiter Weg angelegt –
der Mittoweg. Ansonsten werden steile Abschnitte
an Wegen Stiche genannt, wie der Romilastich. Auch
der Wåchtleachnaweg wird durch einen steilen Ab-
schnitt durchbrochen, dem Wåchtleachnastich.

97
Wege, Brücken und Zäune

Die Åntlaszaine – der Prozessionsweg zu Fronleichnam

98
Wege, Brücken und Zäune

Reidn und Wegkreuzungen


Auch Reidn sind wichtige Wegmarken. Sie sind
Wegverlangsamer, laden zum Verweilen oder Ras-
ten ein. Diese Kurven können aber auch tückisch
und gefährlich sein und sind bei der bäuerlichen
Arbeit besonders zu beachten, so wie die Moidlan-
reide.

Dî Moidlanreide

Über die Herkunft des Namens Moidlanreide


für eine Wegkurve unterhalb von Kühlechen
gibt es zwei Versionen. Grundlage beider ist
immer der weibliche Vorname Moidile, Dimi-
nutiv von Maria. Moidile als Übername für
eine verschlagene, heimtückische Person soll
Pate gestanden sein für die Bezeichnung die-
ser steilen und unberechenbaren Kurve, an der
die Rosse nicht mehr weitergehen wollten. Das
Motiv erinnert stark an die Chrischtileebme,
vor allem durch die Verbindung des Mutter-
gottesnamens und die Jesusbezeichnung.
Eine andere Version hingegen berichtet von
einem Mädchen mit Namen Moidile, das an
dieser Stelle verunglückt und nach dem die
Kurve daraufhin benannt worden sei.

Zwei Wegkurven zwischen Zimat und Vintl


werden in der Namengebung besonders
hervorgehoben: auf der Pustertaler Straße
von Kiens nach Vintl die Mårchareide und
die Loachareide.

99
Wege, Brücken und Zäune

raide f. (Pustertal, Defereggen), rai f.


(Welschnofen) Krümmung, Wegbiegung […]
im Pust. kesslraide Drehbalke für den Kessel
am offenen Herd, raidl m. Pustertal Drehla-
ger des großen Schmiedhammers. raidile n.
Pustertal Drehung, fan raidile kem (Kiens) den
Verstand verlieren.
Aus ahd. ridan* […] winden, drehen, verdrehen.

Auch die Kreuzung von Wegen wird benannt. An


der Reidnschwelle treffen verschiedene Wege auf-
einander, unter anderem der ålte Rauchnpîchlamîl-
weg. Dort, wo die Wege zusammenkommen, kom-
men auch die Menschen zusammen, wie an der
Gåttoschtått in Hofern.

100
Geistliche Obrigkeit

Geistliche Obrigkeit

Nos parrochialem ecclesiam Chiens

101
Geistliche Obrigkeit

Stëcklan und Kraizo


In den Flurnamen spiegelt sich auch die Geschichte der kirchlichen
Institutionen und der religiösen Zeichen wieder. Eigentum und Be-
sitz der Kirche wurden in den Flurnamen ausgedrückt, Fluren nach
ihrer Lage zu religiösen Infrastrukturen benannt. Kapellen und Kir-
chen, Bildstöcke und Kreuze am Weg oder auf dem Berg erinnern
nicht nur an Ereignisse, die in den Namen fortleben, sondern die-
nen auch zur Orientierung im Gelände.

Die Kirchen und Stëcklan waren wichtige Referenzpunkte nicht nur


als Messorte oder Ziele von Wallfahrten für die Bevölkerung. Als
kurze Einkehrstätten und Rastplätze luden sie zum Verweilen ein,
zugleich waren sie Mahner und Beschützer.

Das von der Schützenkompanie Ehrenburg renovierte Moarbachstöckl im


Jahre 2006

102
Geistliche Obrigkeit

Die Pustertaler Stëcklan – Kirchlichen Besitz zeigen das Pfårrafelt, das Wîdn-
garschtl, der Kirchloach oder Pfårrawålt an. Das
eine Besonderheit Kirchnwaldile an der Gemeindegrenze zu Terenten
soll der Golser der Kirche vermacht haben, da er
Besonders an den Stëcklan im Pustertal sind nicht kinderlos war. Die Pfåffleite zwischen Kaltwasser-
ihre Bauweise oder ihre Lage, sondern die Bezeich- tal und Pichlerberg deutet vermutlich auch auf das
nung selbst. Zwar gibt es die Bezeichnung auch in Eigentum von „Pfaffen“ im Sinne geistlicher Herren
den anderen Teilen Südtirols, aber dort in Verbin- hin.
dung mit dem Bestimmungswort „Bild“, also „Bild-
stock“. Und damit wird dann auch nur ein Bildstock
gemeint, nicht aber kleinere oder größere Kapellen,
wie auch in Kiens.

Neben den kleineren Kirchen (Zimita Stëckl,


Kåltnhausaschtëckl) werden auch die Kapellen
bei den einzelnen Höfen Stëcklan genannt (Kind-
laschtëckl, Geaznpergaschtëckl, Pråntaschtëckl,
Gearschtlschtëckl, Råschtpîchlaschtëckl).

Die häufigsten zwei Motive, die Flurnamen und


Kirche verbinden, sind entweder die Bezeichnung
nach der Lage zu einem religiösen Bauwerk oder
die Anzeige von geistlichem Besitz.

Die Stëcklaue und die Stëckltroute grenzen an Ka-


pellen an. Der Uilpîchl bei Ilstern ist nach dem Pa-
tron der Kirche beim Bad, dem Hl. Ulrich benannt.
Die Kapelle beim Kindla im Jahre 1955
Der Hearnroan liegt direkt an einem Widum. Flu-
ren, die an Kreuzen stehen, werden Kraizåcko,
Kraizlåcko oder Kraiztroute genannt.

103
Geistliche Obrigkeit

Kreuzen kommen als Wegzeichen eine besondere


Bedeutung zu – Gipfelkreuze, Grenzkreuze, Wet-
Der Getzenberg und die Götzen …
terkreuze. Drei Kreuze kennzeichnen die Grenzstei-
ne am Getzenberg, und so wird der Punkt, an dem
Der Volksetymologie nach soll Getzenberg
die Grenzen der drei Gemeinden Kiens, Rodeneck
von den Götzen kommen, die dort angebetet
und St. Lorenzen aufeinandertreffen, Dreikraizo ge-
worden seien, da dort Heiden lebten, die erst
nannt. spät bekehrt wurden. Ein Körnchen Wahrheit
ist in jedem Volksglauben. Wahr ist, dass am
Eine andere Bedeutung kommt den drei Wetter- Getzenberg Treffpunkte der Täufer bestanden,
kreuzen am Kienberg beim Plattner zu. Die drei die sich dort heimlich trafen. Doch im 16. Jahr-
Kraize sollen in ihrer „göttlichen“ Dreiheit wohl eine hundert war der Getzenberg natürlich bereits
stärkere Macht ausüben. schon zu seinem Namen gekommen.

Nichts mit der Kirche zu tun haben die beiden Na-


men Såttlakirche und die Kirchtîrn am Kienberg.
Vielmehr werden hier Naturphänomene mit Geist-
pan Kraizl afoure
lichem verglichen. Bei den Kirchtîrn handelt es sich
um drei große Felsblöcke, die mit Kirchtürmen ver-
Bis zu diesem Kreuz durften die Dërfla, die
glichen werden.
Bewohner von Zimat gehen, dahinter begann
das Gebiet derjenigen, die im Keldo – um die
Gasthäuser Rastbichler und Gisser – wohnten. Mit Såttlakirche wird eine Höhle an der Gemein-
Keldo, also „Keller“ wohl deshalb, weil das degrenze zu St. Lorenzen bezeichnet. Ob die Höhle
Gelände tiefer liegt als das Dorf. nun auf die Kelten zurückgeht oder nicht, der Name
hat jedenfalls mit dem Vergleich der Höhle mit ei-
ner Kirche zu tun. Såttla war vermutlich der Hofna-
me des Eigentümers des Waldes, in dem sich die
„Kirche“ befindet.

104
Geistliche Obrigkeit

Die drei Kreuze beim Plattner

105
Geistliche Obrigkeit

Bittgang zum Wetterkreuz in Rauchnpîchl um 1913

106
Die Dorf- und Weilernamen

Sagen und
Dorfgeschichten

Godilan, geat heddo ...

107
Sagen und Dorfgeschichten

„Godilan, geat heddo“, sagte die alte Monigl, die das Kiena Wîdn-
felt in Pacht hatte, zu ihren Ziegen, wenn sich Leute näherten. Sie
verfluchte das Feld, als ihr die Pacht nicht erneuert wurde und neun
Kühe der neuen Pächterin starben daraufhin. Alte, sonderliche
Frauen wurden oft als Hexen verschrien. Und so wie sich um die-
se Frauen Hexengeschichten rankten, gibt es in Kiens Geschichten
von Teufeln und Riesen und anderen „Unghoamlas“.

Von Riesen und fahrenden Teufeln


Riesensagen stellen oft Erklärungen dar für Naturereignisse, die
anscheinend nur aufgrund von ungeheurer Stärke und Kraft voll-
bracht werden können. So kann man sich mannshohe Findlinge er-
klären, die nicht die Eiszeit, sondern ein Steine schleudernder Riese
dorthin geworfen hat. In Ehrenburg am Kienberg wird das Motiv
des gewaltigen Riesen mit der Erklärung für die Wasserknappheit
des Kienberges verbunden und zwar durch ein weiteres sehr be-
kanntes und verbreitetes Motiv: der im Berg schlafenden Sagenfi-
gur. So wie Barbarossa in einigen Bergen Österreichs schlummern
soll, so schläft der Kienberger Riese in dem Hügel. Der Name des
Hügels, auf dem sich Gols, der Prånta und der Plåttna befinden,
deutet auf einen trockenen Boden hin, auf dem sich vor allem der
genügsame Lebenskünstler, die Kiefer, durchsetzen konnte.

108
Sagen und Dorfgeschichten

Schläft er nur? In den Kienberg soll sich, der Sage nach, ein Riese ein Loch gegraben und hineingelegt haben

109
Sagen und Dorfgeschichten

Die Wasserknappheit am Kienberg wird aber nicht


nur dem Riesen zugeschrieben. Das bekannte Mo-
Der Kienberger Riese
tiv „Geiz-Verwünschung“ scheint auch hier auf.
Zwei Versionen sprechen zum einen von einem
Vor alten Zeiten hauste auf dem Kienberg bei
Bettler und einmal von einer Zigeunerin, die geizi-
Ehrenburg im Pustertal ein grimmiger Riese.
Die Leute sagen, er habe die Menschen gar ge Bauersleute, die für die Bettelnden nichts oder
nicht leiden können und hätte ihnen über- nur schimmeliges Brot hatten, verwünschten. „Kein
all Böses zugefügt. In seinem Zorn darüber, Wasser solle es mehr auf dem Kienberg geben“ –
dass dieses Zwergengeschlecht der Menschen und so war es auch.
überhand nahm, schleuderte er soviel Stei-
ne ins Marbachtal zwischen Ehrenburg und Die Sage vom Kienberger Riesen ist nicht die ein-
Montal, dass niemand mehr vorüber konnte zige im Gemeindegebiet, die von Riesen handelt,
und die Gader aus Enneberg statt durch das gleich neben dem Kienberg in Ehrenburg hausten
Marbachtal über Runggen und Pflaurenz nämlich einst auch Riesen:
der Rienz zufließen musste. Es war über und
über mit Moos bewachsen und so alt, dass
der Kreuzkofel hinten in Abtei so klein wie ein
Kospenbloch (Holzstück, woraus die Bauern-
holzschuhe – Kospen – gemacht werden) war.
In Marbach wusste der neunmal Wiese und
neunmal Wald. Nach seiner bösen Tat grub er
sich auf dem Kienberg ein so großes Loch, dass
es von einem Ende des Berges bis zum andern
reichte, und legte sich hinein. Darauf kam ein
seltsames Männlein durchs Gadertal heraus
und warf das Loch über und über mit Erde und
Steinen zu. Seitdem kommt kein Wasser mehr
aus dem Kienberg, und das köstliche Kress-
brünnlein, so vorzeiten aus dem Berg oben
hervorgesprudelt, quillt jetzt im Wald unten
beim Rainer in Runggen aus dem Boden.

110
Sagen und Dorfgeschichten

Interessant an dieser Sage ist nicht nur die Ein-


flechtung des Motivs, warum der Getzenberg so
Die Ehrenburger Riesen
heißt, sondern auch die Vorstellung, dass die dort
lebende Bevölkerung erst zu Luthers Zeiten zum
Auf der Ahrnburg (später Ehrenburg ge-
Christentum bekehrt worden sei. Historisch war es
schrieben) wohnte ein Geschlecht von Riesen.
Sie waren Heiden, und ihre am Getzenberg nämlich genau diese Zeit, in der vor allem am Get-
angesiedelten Untertanen waren ebenfalls zenberg die Lehre Hutters Einzug hielt.
heidnisch und verehrten ihre Götzen. Erst zu
Luthers Zeiten wurden sie zum Christentum
bekehrt.
Der Geißklapf
Die Ahrnburger Riesen lagen aber in schwerer
Fehde mit den Riesen des Vinteler Schlosses. Der Goaßklåpf befindet sich oberhalb von St. Sig-
Die letzteren unterlagen den Ahrnburgern mund bei der Fålknschtoanwånt. In den Spuren, die
und ihren zahlreichen Kampfgenossen vom in den Felsen eingedrückt sind, will man die Abdrü-
Getzenberg und wurden in ihrer Feste einge- cke eines Geißfußes erkennen. Allgemein wird dies
schlossen. Sie trotzten hier aber jahrelang der als die Spur des Teufels angesehen, der hier einst
Belagerung und den Stürmen und konnten auf seiner höllischen Fahrt dahingefahren sein soll.
nicht bezwungen werden. Da bauten die Auch die Spuren der Wagenräder sollen im Felsen
Ahrnburger mit Hilfe welscher Werkmeis- erkennbar sein. Auch Hexen sollen sich in dieser
ter, die sie für schweres Geld hiezu kommen Gegend herumgetrieben haben.
ließen, gewaltiges Schießgezeug und beschos-
sen nun die feindliche Burg mit ungeheuren
Steinkugeln, welche von den Wurfmaschinen
hinübergeschleudert wurden auf das Vinteler
Schloss. Jetzt brachen die Burgmauern der
Vinteler, eine nach der andern, in den Graben
hinab, und die Ahrnburger drangen durch
die Lücken, nahmen die Burg mit Sturm und
klåpf m. Mz. klapfe, klapf […] Felsen, Felsstufe
warfen sie in Trümmer.
im Gelände, felsiger Absatz an Wegen

111
Sagen und Dorfgeschichten

Auch beim Kahler Schmied soll eine Hexe gehaust


haben, und so wie diese Gewitter herbeigezaubert
haben soll, hat auch die Monigl mit ihren Ziegen
das Wîdnfelt verzaubert.

Dorfgeschichten
Merkwürdige Begebenheiten, lustige Geschichten
oder erwähnenswerte Ereignisse – in Flurnamen
werden sie oft festgehalten und überdauern damit
die Zeit, auch wenn man manchmal nicht mehr un-
terscheiden kann: Hat nun die Begebenheit der Flur
den Namen gegeben, oder wurde die Geschichte
zum Namen dazu erfunden?

In Hofern erzählt man sich, dass ein Aschbacher


Bauer Mägde des Dorfes zu einem geheimen Tref-
fen herbestellt hätte. Als diese aber kamen, beob-
achtete der listige Bauer das Geschehen von einem
Baum aus. Er verspottete die armen Frauen als
Trolle, was soviel wie „ungeschicktes, unbeholfenes
Weib“ heißt. Seitdem heißt die Wiese Trolltroute.

Das Russnhaisl, die einstige Stegermühle, soll sei-


nen Namen erhalten haben, weil darin eine noble
Auf dem Goaßklåpf bei der Fålknschtoanwånt soll der
Dame aus Russland gewohnt hat, die bei der Okto- Teufel über die Felsen gefahren sein und seine Spuren
berrevolution in Russland 1917 geflüchtet war. hinterlassen haben

112
Sagen und Dorfgeschichten

rückwärts gehen mussten. Scherzhaft meint man


dies auch vom Fëglroan. So steil soll dieser sein,
dass die Vögel rückwärts abfliegen müssen, damit
sie in die Höhe kommen. Ohne sich zu bücken, kann
man sich hinstellen und das Gras mit dem Mund
abrupfen.

In der Gatschaleite wurde in einer Mauer Geld ver-


steckt, in den Wåssakåschtn ging man hüten, ins
Pitoleloch hingegen warf man den Müll. Spalten im
Fels, wie dieses Loch, kommen in Getzenberg im-
mer wieder vor.

Es gibt auch weniger beliebte Haus- und Perso-


nenbezeichnungen. Mit Grampla wurde früher ein
Haus in Kiens bezeichnet, in dem ein kleiner Händ-
ler wohnte, der mit allerlei „Krempel“ handelte.
Die Trolltroute in Hofern: Hat hier wirklich ein Aschbacher
Bauer vorbeigehende Frauen verspottet?
Der Hausname Fåcknrouda gehörte auch nicht zur
beliebten Sorte, könnte es sich aber doch um eine
ehrenwerte Berufsbezeichnung handeln. Doch was
Auch die Franzosen sind in Kiens vertreten: Der
Reaspoudn, ein Waldboden in Getzenberg, soll an-
deren Angaben zufolge, Rossgårschtn heißen, weil
die Franzosen dort ihre Pferde gehalten haben.
ggråmpe (Pust.) Obsthändlerin, Kleinverkäufe-
Beschwerliche Plätze müssen das Friamëssaëgge
rin, gråmpm, gramplen, ggrampl Kleinhandel
und der Fëglroan gewesen sein. Das Eck beim Früh-
treiben, grampler, ggrampla m. Kleinhändler;
messerhaus ist der kälteste und windigste Ort im
grempl, ggrempl (Kiens) alter Kram, wertloses
ganzen Kiener Dorf. Der Wind zog hier so stark,
Zeug; gråmp (Kiens) Handel treiben […]
dass die Schulkinder auf dem Weg zur Messe hier

113
Sagen und Dorfgeschichten

hat ein Fåcknrouda gemacht? – Räder für Schweine,


oder war es ein Schweinehändler?

Flurnamen müssen nicht „historisch“ sein, viele


Flurnamen haben sich erst in den letzten Jahren
eingebürgert. Während alte Namen verschwinden,
werden neue erfunden.

Das Märchnwaldile und das Feurpankl in Ehrenburg


sind solche Namen. Der erste ist ein Kindername
und bezeichnet einen „verwunschenen“ Wald, in
denen die Ehrenburger Kinder immer spielen gin-
gen, der zweite wurde von Jugendlichen geprägt.
Wie aber das Pankl zu seinem Namen kam, darüber
schweigen die Quellen.

114
Die Dorf- und Weilernamen

Die Flurnamen-
landschaft im Überblick

In Toule und afn Perg

115
Die Flurnamenlandschaft im Überblick

Die Flurnamenlandschaft der Gemeinde gliedert sich in größeren


Flurkomplexen im Tal, kleinräumig strukturierten Fluren rund
um den Siedlungen und auf den Höhen der Einzelhöfe des Kien-
bergs, Getzenbergs und von Hofern. Ausgedehnte Waldfluren in
Getzenberg und großräumige Almgebiete über Hofern bilden den
Abschluss.

In Toule
Zwischen Vintl und St. Sigmund haben sich entlang der Rienz nicht
nur die Namen der Auen erhalten, sondern auch Aulandschaften
selbst. Dieser Gesamtkomplex, als Ilschtra Aue geschützt, wird
unter den einzelnen Besitzernamen aufgeteilt: Lindnaaue, Prun-
naaue, Obomoaraue und Pitoleaue. Rund um Ilstern schließen die
Pangårschto und Ango an die Höfe an.
Das Zimita Stëckl, Unserer lieben Frau geweiht und ein in früheren Zeiten
beliebter Wallfahrtsort

116
Die Flurnamenlandschaft im Überblick

Über die Ilschtra Prugge erblickt man vor sich das


Zimita Stëckl, Unserer lieben Frau geweiht, mit den
Treitling
umliegenden Feldern, die nach dem Stöckl benannt
sind, und die Stëcklaue an der Rienz.
Mundartliche Aussprache: Traitling, Traitlinga.
Belegauswahl: Reithling, sprich Traitling (DTA
Über dem Dorf liegt als einzelner zu Kiens gehören-
II-2, S. 246); Treutlinger (DTA II-2, S. 249); Un-
der Hof der Oachna. tertreutburger (DTA II-2, S. 250); 1399 Reutle-
hen (Kühebacher, Kiens, S. 272); 1858 Treitling,
Rund um St. Sigmund stechen die Mîlacko als grö- Reitling (Katastralmappenblatt, KG Kiens,
ßerer Flurkomplex hervor, die an den alten Mühl- Blatt Nr. 4). Etymologie: Wohl mit Battisti,
bach, der vom Kahlerbach abgeleitet wurde, an- DTA II-2, S. 249 eine Ableitung des Personenna-
grenzen. mens ahd. Triutili (Förstemann, Sp. 423). Es ist
denkbar, dass eine Bildung ahd. *Triutilingun
Der Rienz entlang, links das Dorf hinter sich lassend, aufgrund der Bedeutung ‘bei den Leuten des
geht es nach Keller, oder auch in do Gisse, nach der Triutili’ einst einen Siedlungsplatz bezeichnete.
der Gasthof Gisser benannt ist. Die Bezeichnung Da der Name mit der Zeit nicht mehr verstan-
deutet auf die Überschwemmungen durch den den wurde, wurde er mit Reut, Rait ‘gerodete
Kâlapåch hin. Eine ältere Bezeichnung für den Bach Stelle’ oder mit reiten in Verbindung gebracht.
lautet Pairbachl, nach der alten Bezeichnung Peu- Kühebacher deutet den Namen als ‘der zum
ren für St. Sigmund, das durch die neuere Bezeich- Rait Gehörende’. Doch scheinen die Belege mit
nung nach dem Kirchenpatron verdrängt wurde. T- ursprünglicher und jene ohne T- jünger zu
Die lange Großflur des Oanats geht in das Wald- sein. Außerdem ist es fraglich, ob der Beleg
und Wiesengebiet des Treitling über, an dem die Reutlehen wirklich hierher gehört.
beiden Katastralgemeinden Kiens und Ehrenburg
Anteil haben.

117
Die Flurnamenlandschaft im Überblick

Der frühere Mühlbach bei St. Sigmund, der vom Kahlerbach abgeleitet wurde und an den die Mühlen, die Mîlango und
die Mîlacko angrenzen

118
Die Flurnamenlandschaft im Überblick

die sich hier an der Mündung des Grianpåchs ange-


siedelt haben.

Links zieht sich das Dorf Kiens hinauf, das wieder


von den Ängern der Höfe eingefasst wird. Vor sich
hat man den ehemaligen Hofanger des Grafen,
auch Grafenfeld, das heute Ehrenburger Handwer-
kerzone ist.

An der Mündung des Burgerbachs in die Rienz ha-


ben sich Namen erhalten, die auf das Material, das
das Wasser abgelagert hat, hindeuten. Im Santl
bezeichnet heute eine Häusergruppe rechts vom
Dorfeingang. Feines Erdmaterial wurde hier an-
geschwemmt und hat dem Gebiet seinen Namen
gegeben. Auf der gegenüberliegenden Kiener Seite
heißt es hingegen Gries (heute Industriezone). Wie
der heutige Ortsteil von Bozen deutet dies auf grö-
Die Kaltenhauserbrücke bei Kiens, früher die wichtigste
Wegverbindung nach Ehrenburg
bere Ablagerungen hin, die in diesem Fall die Rienz
hier hinterlassen hat.

Die heutigen Felder und Wiesen wurden einst der Ein eigenartiger Siedlungsname scheint Helui zu
Aulandschaft entlang der Rienz abgerungen und sein, das als Straßenbezeichnung „Im Helui“ auch
auch heute noch werden die Felder entlang der offiziellen Charakter hat.
Rienz, wie beispielsweise die Kirschnleachnaaue
allgemein als Audn bezeichnet. Hinter Ehrenburg wird die Senke, die einst die
Gader durchfloss, zwischen der Ochsnwoade und
Alte Gasthäuser säumen die Straße im Talboden. dem Kienberg nach dem Bach benannt, der sie
Gissa und Gearschtl zwischen St. Sigmund und durchfließt: In Moarpåch. Hoch über ihnen in den
Kiens, im Unterdorf von Kiens der Kåltnhausa. Da- Rodungsinseln des Kienbergs die Höfe Gols, Prånta
neben befinden sich einige alte Handwerkshäuser, und am höchsten Punkt der Erhebung der Plåttna.

119
Die Flurnamenlandschaft im Überblick

Helui Irenberg
Mundartliche Aussprache: Hellúi. Etymologie: Mundartliche Aussprache: Iirnpärkh.
unklar. Der Name reimt sich mit Wörtern wie Belegauswahl: 1378 Irenberg, 1689 Irenberger,
Rui, Kui, ginui und hat demnach mhd. uo. 1705 Irnberger (DTA II-2, S. 223); Etymologie:
Anbieten würde sich der Begriff mhd. luoc, Bildung mit dem PN ahd. Iro wie in Irinbert,
-ges m. n. ‘Lagerhöhle, Lauerhöhle des Wildes; Irinburg, Irinfrid, Iringard (Förstemann,
Schlupfwinkel, Versteck’. Es wäre zu überlegen, S. 968): ‘Berg des Iro’.
wie eine solche Bedeutung auf das Gelände
passen würde und was es mit dem Vorderglied
Hel- (= Hölle?) auf sich hat.
Der Sonnenhang:
Die ausgedehnte Waldflur Pôwålt hat vermutlich
Hofern und die Almen
doch mit einem Bannwald und nichts mit einem
„Badwald“ zu tun. Am Fuß des Kienbergs breiten Durch die Kiena Pëdn auf dem Rëckwîsaweg erreicht
sich die Großfluren Gåtton und Werfl bis zur Ge- man die ersten Höfe Rëckwîsa und Decka von Ho-
meindegrenze aus. fern am sonnseitigen Berghang von Kiens.
Die kleineren Rodungsflächen, die sich hier mitten
Auf der gegenüber liegenden Seite der Rienz be- im Wald befinden, gehen auf die Brandrodung zu-
finden sich Kirschnleachna und Hilba und darüber rück, an denen auch die Namen erinnern: Prånt-
schließen die Kiena Waldo an mit dem weithin holz, Prånt, Prånta und Pråntåcko. Hittila, Nella und
sichtbaren Koflloch an der Koflleite und dem ver- Miesla heben sich von dieser einst wohl großange-
steckteren Ârznloch. Der Irenberg selbst gehört be- legten Brandrodung ab. Nach der Mieslareide tritt
reits zur Nachbargemeinde Pfalzen. bereits das Dërfl ins Blickfeld. Rechts von diesem
schließt die Flur Schermis das Gemeindegebiet ge-
gen den Grünbach und Pfalzen ab.

Hinter dem Tickn liegen das Kirchafelt und der Hof


Kircha, benannt nach seiner Lage (und Zugehörig-
rechts: Felder in Ilstern
keit?) zur St. Martinskirche, die sich hier befindet.

120
Die Flurnamenlandschaft im Überblick

121
Die Flurnamenlandschaft im Überblick

Nach den Wäldern der einzelnen Höfe öffnen sich


die Almgebiete von Hofern Richtung Pîchlaperg,
Schermis Kålbisatoul und die Grianpåchaålbe.
Mundartliche Aussprache: Schärmis. Belegaus-
Hinter den Almen beginnt das Hochgebirge mit Ka-
wahl: o. J. Schermoos (DTA II-2, S. 318).
ren (Obokôr, Untokôr), Låmmon und „Lahner“ (Ross-
Etymologie: Wohl zum Tiroler Wort Scherm
lâna). Hinter dem Knarling und verbunden mit dem
m., speziell hier in der Bedeutung
‘Viehunterstand’ (vgl. Schatz, S. 519) und tir. Pîchlaperg durch die Kålbisatoulschårte zieht sich
Moas m. ‘abgeholzter Waldteil’, „Maiß“. (vgl. das Kålbisatoul bis zum Kålbisatoulsea hinauf.
Schatz, S. 410). Ursprünglich könnte somit ein
gerodetes Gebiet bezeichnet worden sein, auf Die Grianpåchaålbe schließt das Almgebiet ab.
dem ein Viehunterstand platziert war. Der Be- Darüber liegt, eingebettet in den Hintergrund der
leg Schermoos zeigt Einblendung des Wortes Putznheache und des Grianpåchjochs der Grian-
Moos. Dass dieses ursprünglich nicht zugrun- påchasea.
deliegt, ist am bestimmten Artikel des Namens
ersichtlich, denn es heißt der und nicht das
Schermis.
Die Schattseite:
Vorbei am Mousa, gelangt man nach Aschbach und
Getzenberg und seine Wälder
seinen Höfen: Sîmon, Schlouta, Rieda, Loacha, Prig-
gla, Keara, Louba, Lâna, Moar in Åschpåch mit der Getzenberg, in Inner- und Außergetzenberg un-
alten Schule, Earharscht und Pårschtlpaur und der terteilt, wobei Innergetzenberg katastralmäßig zu
Moarhoufa. Ehrenburg gehört, ist geländemorphologisch ein
gleichmäßig ansteigender Waldhang, der durch
Hier beginnt das Kåtzntoul mit seinen Höfen, Pål- die Rodungsinseln der Einzelhofbesiedlung unter-
leite, Rauchnpîchl, Untowêga, Wegschoada, Ëgga, brochen wird. Das reiche Waldgebiet unterscheidet
Schmit, Kåssa, Kindla und Kindlahaisl und das Obo- sich damit grundsätzlich von seinem gegenüber
haus (Kindlleachn). Darüber befindet sich die Gi- liegenden Berghang, Hofern, mit seinen ausge-
lenke, an die die großflächige Waldflur Mëiso an- dehnten waldfreien Almgebieten.
schließt.

122
Die Flurnamenlandschaft im Überblick

Die Gilenke, zu deren Deutung Finsterwalder schreibt: „Für auffallende Biegungen des Geländes, vor allem für jene
Einbiegung, die in den Alpenkämmen eine tief eingeschnittene Senke, ein Bergjoch darstellt, ist dagegen sicher oft
der Vergleich mit der Einbuchtung des menschlichen Körpers an der Hüfte (= ahd. hlancha) gebraucht worden.
Daher kommen im Pustertal und in Osttirol Namen wie Lenke (= ahd. hlenchi Gelenk(scharte) u. a. oft vor.“

123
Die Flurnamenlandschaft im Überblick

In Ehrenburg beginnend, rechts an der Kirche und Zu erwähnen ist auch ein ganz unspektakulärer
dem Kirchpîchl vorbei, vorbei an Påttra und Purga, Flurname: die Ebmagruibe oberhalb des Huiba
auf dem so genannten Römerweg, gelangt man zu Hoachwålt. Das Feuchtgebiet ist als Niedermoor
den ersten Höfen des Getzenbergs. mit Seggenbewuchs als hydrologisches Naturdenk-
mal geschützt.
Passend zum Römerweg findet sich links der Wålle-
achna, dessen urkundliche Belege alle auf Walchle- Von dort aus hat man Kialeachn, den einstmals
chen hindeuten und damit entweder auf einen stattlichen Hof der Künigl und heute Alm, vor sich.
ladinischsprechenden Baumann oder das Vorhan- Im Tal drin liegen die frühere Prillamîle und die
densein einer Walkmühle. Kialeachnasouge.

Zwischen den Hügeln, die den Bergfuß des Getzen- Einige Fluren wie die „Rampe“ oder die „alte Seil-
bergs hier hinter Ehrenburg charakterisieren und bahn“ erinnern auf Kühlechen noch an die Beförde-
die ihn vor allem für die Frühgeschichte interessant rungsmittel vergangener Jahre.
machen, befinden sich Wåchtleachn, Hintopîchl,
Kåschtoula, Mîlhaisl. Richtung Innergetzenberg Der Almerweg führt zu den heute zugewachsenen
geht es zu den Höfen Earschpâm, Huibn, Sånta und Bergwiesen Krëssa, Wintowêga, Ebma, Kofla, die
Ebma. Fedra und Krëssa bilden den Abschluss gegen heute Wald sind. Die Wiesenfläche der Moasålbe
Ellen hin. Über ihnen breiten sich die Hoamwaldo über ihnen ist noch frei. Unter dem Moaskopf scha-
der Höfe, zu Wald gewordene Bergwiesen und der ren sich die Moasnamen – Koulmoas, långes Moas,
Ehrenburger Hochwald aus. Moaslåcke … Auch einen Flurnamen Prunftplåtz
gibt es hier, ein Ort, an dem sich vermutlich die Hir-
Die Fedrakånzl ragt über einer steilen Wand hervor, sche zur Brunftzeit treffen, und sogar ein kleines
während darunter der Prillamîlweg den Ehrenbur- „Joch“, das Krëssajëchl.
ger Wald durchquert, um zum Burgerbach zu ge-
langen. Unterhalb von Kialeachn befinden sich die Höfe des
Außergetzenbergs, Leachna, Mëisl, Hopfleachna,
Wintowêga, Stibila und Kofla, Oachna und Låckna.
Beim Låckna sind wir auch bei demjenigen Hof,
der den Namen des ganzen Berghangs trägt, des
Geaznperga.

124
Die Flurnamenlandschaft im Überblick

Kühlechen, früher stattlicher Hof der Künigl, heute Alm

125
Das Geaznpergaschtëckl in der Nähe des Hofs war früher eine Ein-
siedelei. Vom Geaznperga aus gelangt man zu den unteren Hö-
fen des Getzenbergs, Hëirschwårschte, Plûns, Pergismilla, Wîsa,
Pfraumpâm und den letzten vor der Gemeindegrenze zu Vintl, den
Romila. Die oberen Höfe Prånta, Ëgga, Fuchs, Houfa liegen auf der
nächsten Geländestufe mit dem Kofla.

Ober diesen Höfen breitet sich der Geaznperga Wålt aus mit den
verschiedenen Hauswäldern der Höfe, den Zimita Waldo und den
früheren Bergwiesen. Offen sind heute noch die Ëggapergwîse und
die Kâsowîse an der Gemeindegrenze zu Rodeneck, zwischen de-
nen die Wenzlhitte liegt, und die Romilapergwîse, die keilförmig in
das Gemeindegebiet von Vintl ragt. An andere Wiesen erinnern
nur mehr die Namen, wie die Pfraumpâmpergwîse, die Zên Wîsn,
die Pråntapergwîse oder die Fraunwîse.

Die Einsiedelei beim Getzenberger; der Wohnbereich steht heute nicht mehr.
Die Dorf- und Weilernamen

Anhang

127
Die Namen Kiens und Kienberg Carlo Battisti (DTA II-2, S. 235–236) denkt an eine
Ableitung vom Appellativ Kien ‘Kienspan, Fackel,
Der Ortsname Kiens und der Weilername Kienberg Kiefer’. Ursprünglich handle es sich um ein Kompo-
haben ein ähnliches Klangbild. Aus diesem Grund situm, von dem die Bestimmung (‘Berg’, ‘Eck’, ‘Tal’)
könnte man vermuten, dass die beiden Namen verloren gegangen sei. Der Name Kiens stellt also
sprachlich zusammengehören. Doch ob sich die- nach Battisti verkürztes „Kiensberg“, „Kienseck“,
se Vermutung auch aus sprachwissenschaftlicher „Kienstal“ dar. Battistis Deutungsversuch ist aus
Sicht stützen lässt, ist eine andere Frage. Und die- folgenden Gründen haltlos: 1. Dass in zusammen-
ser Frage wollen wir im Folgenden nachgehen. gesetzten Ortsnamen die Bestimmung wegfallen
und nur mehr das Grundwort übrig bleiben kann,
kann für das Deutsche nicht nachgewiesen werden.
Der Name Kiens So haben Namen wie Getzenberg, Pustertal seit al-
ters das Grundwort -berg, -tal. Und außerdem kann
Die Herkunft und ursprüngliche Bedeutung von in der Tourismussprache in Namen wie Gitsch, Grö-
Kiens ist bis heute ungewiss bzw. umstritten. Aber den das Grundwort -berg, -tal sogar verdeutlichend
bevor wir uns diesem Problem widmen, werfen wir angehängt werden. 2. Auch semantisch ist Battistis
einen Blick auf die Beleglage, wie sie in Egon Kü- Deutung problematisch: Es wäre recht merkwür-
hebacher: OSG I, S. 194 dokumentiert ist: dig, wenn ein ganzer Berg, ein Geländevorsprung
1006–1039 Kiehna, Kienas; 1050–65 Chienes, oder ein ganzes Tal nach einer einzelnen Kiefer
Chienas; 1142–70 Chienes; 1248 Kiens; 1399 Chiens; benannt wäre. 3. Wenn, so Battistis Überlegung
dann Chiens und Kiens; 1770 Kiens; 1817 Kins; Kiens; zufolge, der Name Kiens von Kienberg abgeleitet
um 1840 Kiens; 1910 Kiens. ist, dann muss man sich fragen, warum auch nicht
Kienberg zu Kiens verkürzt wurde und wo das s von
Kienberg geblieben ist, warum der Name also nicht
Bisherige Deutungen des Namens Kiens *Kiensberg lautet.

Von den bisherigen Deutungen des Namens Kiens Wohl aus gutem Grund geht Egon Kühebacher
sollen hier jene von Carlo Battisti und Egon Kü- (Orts-, Hof- und Flurnamen von Kiens, S. 267; OSG
hebacher eingehender diskutiert werden. I, S. 194) auf Battistis Deutungsvorschlag erst gar
nicht ein. Für Kiens erwägt Kühebacher vielmehr
den Personennamen ahd. Kuono. Aus einer ent-

128
sprechenden Verkleinerungsform Kienl sei bei Ab- Neuer Deutungsvorschlag
fall des -l und Anfügung der Lokativendung Kienes,
Kiens geworden. Aber auch diese Deutung lässt Wenn der Name Kiens zum deutschen Wort Kien
sich nicht aufrecht erhalten, und zwar aus folgen- gehören würde (was Battisti ja vermutet), dann
den Gründen: 1. Eine Verkleinerung des Personen- würde eine entsprechende Ableitung Kienach lau-
namens ahd. Kuono lautete ahd. Kuonilo und mhd. ten (vgl. die sehr häufigen Bildungen Ahornach,
Küenel. Frühestens im 13. Jh. wäre im Bairischen üe Birkach, Eichach, Lärchach, Steinach usw.). Ein Zu-
zu ie entrundet worden. Doch haben sämtliche Be- sammenhang zwischen Kiens und Kien kommt da-
lege schon vor dieser Zeit, genaugenommen bereits her zuletzt aus morphologischen Gründen nicht in
seit Beginn der Überlieferung, ie und geben somit Frage. Nicht nur aus phonologischen, sondern auch
keinen Hinweis auf einen Umlaut üe. Bei dem ie in aus morphologischen Gründen ist ein Zusammen-
Kiens handelt es sich daher nicht um entrundetes hang mit dem Personennamen ahd. Kuono auszu-
üe, sondern um ein bereits althochdeutsches ie. 2. schließen. Wir dürfen soweit festhalten, dass der
Für den Abfall der Endung -l im Ortsnamen Kiens Name Kiens nicht deutschen Ursprungs sein kann,
gibt es keinen ersichtlichen Grund. Es müssten ggf. weil er sich germanistisch nicht deuten lässt. Aber
Parallelfälle angeführt werden. 3. Dass ein Perso- es lässt sich auch keine romanische Sprachwurzel
nenname zu einem Ortsnamen werden konnte, finden. Letzteres hat bereits Battisti zur Kenntnis
ist an sich zwar nichts Ungewöhnliches, doch wäre genommen. Aus sprachwissenschaftlichen Grün-
nach althochdeutschem Muster der Personenname den muss davon ausgegangen werden, dass der
mit dem Suffix ahd. -ingun (Dativ Plural), -hovun Name Kiens vorrömischer Herkunft ist. Diese Fest-
(Dativ Plural) oder -heim und nicht mit einem ein- stellung würde der Siedlungsgeschichte durchaus
fachem „Lokativ-s“ versehen worden. Mit anderen ins Bild passen, zumal sich der Ort Kiens auf der
Worten: Wenn der Ortsname Kiens tatsächlich den Achse eines wichtigen und großen Durchzugstales
Personennamen ahd. Kuonilo beinhalten würde, befindet. Der Name Kiens war also schon unter den
wäre mit ahd. *Kuonilingun, *Kuonilenhovun, *Kuo- Romanen in Gebrauch, und es stellt sich nun die
nilenheim zu rechnen. Diese hätten im Mittelhoch- Frage, wie er in deren Sprache gelautet haben mag.
deutschen *Küenelingen, *Küenelenhoven, *Küene-
lenheim ergeben. Die modernen Entsprechungen Das Hauptproblem bei dieser Frage ist, dass altes
wären *Kien(e)ling, *Kien(e)lhofen, *Kien(e)lheim. k im Romanischen vor e oder i praktisch nicht vor-
kommen konnte, da im frühen Alpenromanischen
wie im Standarditalienischen jedes lateinische k,

129
geschrieben c, in dieser Position zu tsch wurde: vlat. ehemalige Existenz sich so gut wie nur mehr in den
centu ‘hundert’ > ital. cento, lad. cënt; vlat. cinque geografischen Namen erweist, wurde bereits eini-
‘fünf’ > ital. cinque, lad. cinch. Erst im späteren Al- ges gerätselt und geforscht. Es würde zu weit füh-
penromanischen konnte, grob geschätzt um 1000 ren, die Forschungsergebnisse hier in ihrer ganzen
herum, vor e und i neues k entstehen, und zwar aus Breite wiederzugeben. Erwähnt sei nur soviel, dass
kw – im Lateinischen qu und im Ladinischen ch ge- mit mindestens einer nicht-indogermanischen
schrieben: vlat. questione ‘Frage’ > ital. questione, Sprache, nämlich dem Rätischen, und mindestens
lad. chestiun; vlat. quietu ‘ruhig’ > ital. quieto, lad. drei indogermanischen Einzelsprachen, nämlich
chiet. Da der Name vordeutscher Herkunft ist, muss dem Keltischen, Ostalpenindogermanischen A (mit
das K- in Kiens ursprünglich von einem *Kw- stam- Affinitäten zum Venetischen) und B (mit Affinitä-
men, das im Alpenromanischen um 1000 herum zu ten zum Illyrischen) zu rechnen ist.
*K- geworden ist. Ursprüngliches K- muss also des-
halb ausgeschlossen werden, weil dieses bereits im Da die Lautverbindung kw typisch für indogerma-
frühesten Romanischen (spätestens ab 400 n. Chr.) nische Sprachen ist und dagegen für das nicht-
von der Palatalisierung (k > tsch) erfasst worden indogermanische Rätische nicht nachgewiesen ist,
wäre. Und in einem solchen Fall hätte der Name, je liegt eine vorrömisch-indogermanische Etymolo-
nachdem, ob er im Althochdeutschen oder Mittel- gie des Namens Kiens am nächsten. Aus indoger-
hochdeutschen (d. h. vor oder nach ca. 1050) einge- manistischer Sicht bietet folgende Sprachwurzel
deutscht wurde, *Ziens oder *Tschiens ergeben. Wir den einzigen Anhaltspunkt: Idg. *�uei-, erweitert
gelangen also zum Schluss, dass wir eine Sprach- *�uei-d-, *�uei-s-, *�uei-t- ‘leuchten; hell, weiß’ (IEW,
wurzel mit *Kw- im Anlaut ansetzen müssen. S. 628).1 Reflexe von dieser Wurzel finden wir in
diversen indogermanischen Einzelsprachen. Die
Dass wir im Romanischen bzw. Lateinischen dies- hier für uns am interessantesten sind jene mit d-
bezüglich nicht fündig werden, wurde bereits er- Erweiterung. Diese sind am besten in den germa-
wähnt. Wir müssen weiter in die Sprachgeschichte nischen Sprachen in den Begriffen für ‘weiß’ und
und damit in die vorrömische Zeit zurückgehen ‘Weizen’ vertreten, und zwar mit der Normalstufe
und aus einer Sprache schöpfen, von der es keine idg. *�uei-d-o-, der o-Stufe idg. *�uoi-d-o- und der
schriftlichen Zeugnisse gibt, die es aber, neben an- Schwundstufe idg. *�ui-d-o-. Es folgen nun Beispie-
deren, im Tiroler Raum nachweislich gegeben hat. le. Mit idg. *�uei-d-o- > germ. *�wekita-:2 got. weits
Über die vorrömischen Sprachen in Tirol, deren 1 Das Zeichen � ist wie ein k und j gleichzeitig zu lesen.
2 Das Zeichen ist als ch zu lesen.

130
‘weiß’, altisländ. hvítr, angelsächs. altfries. altsächs. Nun gab es in indogermanischen Einzelsprachen
hw�t, ahd. (h)w��; mittelengl. white, schwed. mda. ein Suffix -�n, das an Adjektive angehängt wurde
hvite, westfäl. wi�t ‘Weizen’. Mit idg. *�uoi-d- > und dazu diente, Personennamen oder Namen für
germ. *�wait-: got. �aiteis ‘Weizen’, altisländ. hvei- Tiere zu bilden. Wir finden es z. B. in germ. *�er�n
ti n., angelsächs. hw�te, altfries., altsächs. hw�ti, ‘Bär’ < ‘der Braune’, zu lit. b�ras ‘braun’, aber vor al-
ahd. weizzi, mhd. weizze, wei��e, nhd. Weizen, regi- lem in Personennamen wie lat. R�f� ‘der Rothaari-
onale Nebenform Weißen. Mit idg. *�uid-o- > germ. ge’ zu lat. r�fus ‘rot(haarig)’; lat. N�s� ‘der Großnasi-
*�wita-: niederländ., niederd. witt ‘weiß’, altfries. ge’ zu n�sus ‘Nase’; griech. Strab�n ‘der Schielende’
hwit. Der Zusammenhang zwischen der weißen zu strabós ‘schielend’ (Krahe/Meid III, S. 92), lat.
Farbe und dem Wort für ‘Weizen’ erklärt sich da- Cat� zu catus ‘gescheit, schlau’ (Untermann, S. 99).
durch, dass das Getreide nach der weißen Farbe des Das Suffix -�n hatte also individualisierende Funk-
Mehls oder der Frucht benannt ist (Kluge/Seebold, tion. So wie germ. *�er�n ‘der Braune’ = ‘Bär’ dem
S. 982; Pfeifer, S. 1553). Adjektiv lit. b�ras ‘braun’ und lat. Ruf� ‘der Rothaa-
rige’ dem Adjektiv lat. r�fus ‘rot(haarig)’ entspricht,
könnte ein Substantiv ostalpenidg. *Kweid-�n,
Der Name Kiens = Gebiet eines *Kwéidon oder *Kwí- *Kwid-�n ebenfalls dem Farbadjektiv germ. *�wei-
don ‘der Weiße, der Weißhaarige, Hellhäutige’? ta-, *�wita- = ostalpendig. *kweido-, *kwido- ent-
sprochen und somit ‘der Weiße’ oder ‘Weißhaa-
Im Lateinischen und im Keltischen ist die Wurzel rige, Hellhäutige’ bedeutet haben. Soweit hätten
idg. �uei- nicht vertreten. Das Farbadjektiv weiß wir einen Personennamen ostalpenidg. *Kweid�n,
lautete im Lateinischen nämlich albus und im Kelti- *Kwid�n erschlossen.
schen *windos. Nun müsste angenommen werden,
dass die Wurzel idg. *�uei- aber sehr wohl in jener Wie konnte aber aus dem Personennamen ein Orts-
ostalpenindogermanischen Einzelsprache existier- name entstehen? Der Personenname *Kweid�n,
te, aus der der Name Kiens stammt. Auf der Basis *Kwid�n konnte mit dem Zugehörigkeitssuffix -no-
von dieser Wurzel, die genau so wie im Germani- versehen werden. Von den vorkeltischen Sprachen
schen mit -d- erweitert wäre, könnte in der für uns ist das Suffix -no- besonders stark im nicht-indoger-
in Frage kommenden ostalpenindogermanischen manischen Etruskischen, dem damit verwandten
Sprache das Adjektiv *kwéido- ‘weiß’ existiert ha- Rätischen und im indogermanischen Venetischen
ben, und dieses würde genau germ. *�weita- ‘weiß’ vertreten. Nach Ausweis der Inschriften, die alle aus
entsprechen. vorhistorischer Zeit stammen, bestand die Haupt-

131
funktion des Suffixes darin, die Zugehörigkeit eines neutrales Genus gehabt haben und im Plural ge-
Individuums zu dessen Vorfahr auszudrücken, um braucht worden sein (vgl. z. B. die Güter, die Felder,
einen Beinamen zu schaffen. Die Bedeutung des die Gebiete). Auf jeden Fall dürften das Grundwort
Suffixes war somit ‘Sohn oder Tochter einer Person bereits in der betreffenden ostalpenindogerma-
X’. Nun ist es denkbar, dass die Nachsilbe -no- nicht nischen Einzelsprache weggefallen und somit
nur zur Bildung von Beinamen, sondern auch von *Kwéid�n-n�, *Kwíd�n-n� selbstständig gebraucht
Orts- und Flurnamen diente und daher ‘Ort, Flur worden sein. Noch in jener Sprache, in der der
oder dgl. einer Person namens X’ bedeutete. Dass Name geprägt wurde, wurde dieses *Kwéid�n-n�,
dies zumindest für das Rätische sehr wahrschein- *Kwíd�n-n� durch Vereinfachung des Doppel-n zu
lich ist, wurde anhand von diversen Tiroler Orts- *Kwéid�n�, *Kwíd�n-n�. Der Grund für diese Ver-
namen bereits des Öfteren gezeigt.3 Dass sich das einfachung könnte mit hoher Wahrscheinlichkeit
Ostalpenindogermanische derselben Bildungswei- an der Länge des vorausgehenden unbetonten Vo-
se bediente, würde der Name Kiens anzeigen. kals gelegen haben. Ein entsprechendes Lautgesetz
kennen wir jedenfalls aus dem Venetischen, einer
in vorrömischer Zeit im Nordosten Oberitaliens ge-
sprochenen und inschriftlich überlieferten Sprache.
Konkret in diesem Fall dürfte der genaue Ausgang So haben wir venet. uko (zu lesen: Úk�) < *Úk�n für
-n� gelautet haben. Dabei handelt es sich entwe- einen Männernamen, und ukona ‘Tochter des Uko’
der um die Endung des Nominativs Singular ei- (zu lesen: Úk�na) < *Úk�n-na für den Beinamen ei-
nes Femininums oder des Nominativs/Akkusativs ner Frau (Untermann, S. 36). Dass im Ostalpenindo-
Plural eines Neutrums. Eine Bildung ostalpenidg. germanischen dasselbe Lautgesetz gegolten haben
*Kwéid�n-n�, *Kwíd�n-n� konnte soviel wie ‘zu könnte, wäre gewiss kein Zufall, im Gegenteil: Dies
*Kwéid�n, *Kwíd�n gehörige Flur’ oder ‘zu *Kwéid�n, zeigt, dass das Venetische mit jener Sprache, aus
*Kwíd�n gehörige Gebiete’ bedeuten. Das Grund- der beispielsweise der Name Kiens stammt, sicher
wort, also das Wort für ‘Gebiet oder dgl.’ müsste in einer engeren verwandtschaftlichen Beziehung
in diesem Fall feminines Genus gehabt haben und stand.
im Singular gebraucht worden sein (vgl. z. B. unser
Wort die Wiese, die Weide, die Flur), oder es konnte Darüber hinaus ist in einer venetischen Inschrift in
Este (Provinz Padua) der Vorname kvito belegt. Als
3 So durch den Verfasser, z. B. im Zusammenhang mit den
Namen Brixen, Truden (zur genauen Quellenangabe, s. Lite- kuitos begegnet der Name auch auf der gallischen
raturverzeichnis). Inschrift von Briona (Provinz Novara). In der For-

132
schung (vgl. Untermann, S. 162) wird dieses kvito, *Kchíona > *Kchíena ergab.5 Diesem *Kchíena ent-
kuitos mit Vorbehalt als Entlehnung aus dem Per- spricht genau der Beleg Kiehna von 1006–1039. Der
sonennamen lat. Quintus ‘der Fünfte’ interpretiert. aus demselben Zeitraum stammende Beleg Kienas
Das fehlende n in venet. kvito, gall. kuitos gegen- zeigt dagegen bereits das Genitiv-s, wie es seit alt-
über lat. Quintos wird als sporadische Schreibge- hochdeutscher Zeit bei einer Reihe von Ortsnamen
pflogenheit erklärt (vgl. Untermann, S. 108). Aber im Tiroler Raum angehängt wurde. Das häufige
gerade in diesem Fall wäre aufgrund des fehlenden Anfügen von s an Ortsnamen ist wohl als Indiz für
n vielmehr an eine Anknüpfung an idg. *�ui-t-, d. h. den spät- und hochmittelalterlichen Siedlungsaus-
mit Schwundstufe und -t-Erweiterung, zu denken. bau durch die deutschen Stämme (Baiern, Franken,
Ein entsprechender, mit unserem Wort ‘weiß’ ur- Alemannen) zu werten. Aus Kiehna wurde somit
verwandter Personenname *Kwito < *Kwit�n könn- Kienas, weil das umliegende Gebiet zum ursprüng-
te also durchaus im Venetischen existiert haben lichen Siedlungskern oder zur ursprünglichen Flur
und ins Gallische entlehnt worden sein. Die Wurzel dazugerechnet wurde. Dasselbe ist bei einem Na-
wäre dieselbe wie im Germanischen und aber auch men wie Taufers anzunehmen. In vordeutscher Zeit
im Ostalpenindogermanischen, aus dem der Name waren Namen dieses Typs s-los. Den endgültigen
Kiens stammt. Beweis dafür liefern die Ableitungen Kiener, Taufe-
rer, die zeigen, dass das s nicht stammhaft ist.
Aus ostalpenidg. *Kwéid�n�, *Kwíd�n� wurde im
lateinischen Mund *Kw�d�na, *Kwidóna und durch Der Name für Kiens hat sich, bis auf den Umstand,
vulgärlateinische Kürzung der Langvokale *Kwedó- dass er mit dem Genitiv-s versehen wurde, seit sei-
na, *Kwidóna. Durch den westromanischen Ausfall ner Eindeutschung nicht mehr auffällig verändert.
von d in intervokalischer Stellung4 entstand *Kweó- Nach Ausweis der Belege wurde das a der Nacht-
na, *Kwióna und durch die alpenromanische Verein- onsilbe in typisch mittelhochdeutscher Weise im 11.
fachung von Kw- zu K- schließlich alpenrom., altlad. Jh. zu e abgeschwächt, daher Kienas, Chienas > Chie-
*Keóna, *Kióna. Auf der Stufe von alpenrom., altlad. nes; und im Beleg Kiens von 1248 finden wir den
*Keóna, *Kióna gelangte der Name vor 1100 ins ersten Hinweis dafür, dass dieses e bereits in der
Deutsche, wo er durch die germanische Initialbeto- Mitte des 13. Jhs. ganz unterdrückt werden konnte.
nung und althochdeutsche Lautverschiebung ahd. Auch alle nachfolgenden Belege zeigen von diesem
4 Vgl. z. B. klat. P�dus > oberital. *Pao > Po; klat. *Endida > al- 5 Vgl. dieselbe Entwicklung *Regóntjos > lat. *Regontius >
penrom. *Endia > Egna; lat. Veldidena > alpenrom. *Veldiéna vlat. *Regónzu > westrom. und alpenrom. *Reónzu > ahd. (mit
> ahd. *Wilt�na > Wilten. Genuswechsel) *Ríonza > *Ríenza.

133
e konsequent keine Spur mehr. Anders im Ladini- und in volsk.7 Bibr�nus ‘Biberfluss’ zu idg. *bhebhru-
schen: Das ladinische Exonym für Kiens lautet Chìe- ‘Biber’ (vgl. Krahe/Meid III, S. 111).8
nes. Da hier das e der Nachtonsilbe noch erhalten
ist, muss der Name in etwa vor der Mitte des 13. Jh. Mit Blick auf das Grundwort des Namens Kiens
ins Ladinische importiert worden sein.6 Wäre der wäre in diesem Fall von der schwundstufigen Wur-
Name im Ladinischen kontinuierlich seit dem Latei- zel idg. *�ui-d- > ostalpenidg. *kwid- ‘Weizen’ (mit
nischen überliefert, müsste er *Chióna lauten – mit unklarer Stammbildung) auszugehen. In Verbin-
demselben Ausgang wie corona ‘Krone’, ‘Aufsatz dung mit dem genannten Kollektivsuffix könnte
im Gelände’, vgl. Plan de Corones. ein ostalpenindogermanisches *kwídein� – man
vergleiche lit. ropienà ‘Rübenfeld’ – soviel wie ‘Wei-
zenfeld’ bedeutet haben. Dieser Begriff könnte sich
Der Name Kiens = Weizenfeld? im lateinischen Mund zu *kwid�na und durch die
vulgärlateinische Kürzung der Langvokale zu *kwi-
Da, so zeigt das Germanische, vom Adjektiv für déna weiterentwickelt haben. Durch den westrom-
‘weiß’ das Wort für ‘Weizen’ abgeleitet ist, wäre anischen Ausfall von d in intervokalischer Stellung,
zu überlegen, ob es für den Weizen grundsätzlich der oben bereits besprochen wurde, konnte *Kwié-
dasselbe Benennungsmotiv und zudem auf der Ba- na entstehen. Die alpenromanische Vereinfachung
sis derselben Sprachwurzel auch in einer anderen von Kw- zu K- erbrachte schließlich alpenrom., alt-
indogermanischen Einzelsprache, in unserem Fall
7 Das Volskische gehörte zur oskisch-umbrischen Sprach-
dem Ostalpenindogermanischen, geben konnte. gruppe und war demnach mit dem Lateinischen enger ver-
Aus morphologischer Sicht wäre eine Ableitung wandt.
vom Wort für ‘Weizen’ in Kiens durchaus zulässig, 8 Dem litauischen Beispiel entspricht mit hoher Wahr-
denn der Name könnte jenes Kollektivsuffix -éino- scheinlichkeit lat. r�p�na zu r�pum, dem volskischen viel-
leicht lat. fibr�nus, ahd. bibir�n ‘vom Biber’. Doch sind lat.
beinhalten, das wir von anderen indogermanischen
r�p�na, fibr�nus und ahd. bibir�n zweideutig, weil die Suffixe
Einzelsprachen kennen: In der reinsten Form finden idg. -eino- und -�no- im Lateinischen und Germanischen in
wir es z. B. in lit. ropienà ‘Rübenfeld’ zu róp� ‘Rübe’ -�no- zusammengefallen sind. Im Lateinischen und Germa-
nischen könnte daher in allen Fällen auch -�no- vorliegen.
6 Ein weiterer ladinischer Import ist z. B. Türesc < *t�vres< Kein Zusammenfall der beiden Suffixe hat, so wie im Litau-
*t�vers aus mhd. *t�vers für Taufers aus ostalpenidg.A ischen, im Keltischen stattgefunden. So setzt das Suffix in
*�úber ‘Talverengung’. Erbwörtlich ist dagegen lad. Vandoi- gall. bebr�nus, etwa im Gegensatz zu lat. fibr�nus und ahd.
es (mit ladinischem Plural-s) für Vintl, aus vorrömisch-idg. biber�n, eindeutig idg. -�no- fort, denn idg. -eino- hätte im
*wendúlj� oder *windúlj�. Keltischen, so wie im Volskischen -�no- ergeben.

134
lad. *Kiéna. Ein alpenromanisches oder altladini- zeigt vielmehr, dass es sich tatsächlich um einen
sches *Kiéna konnte im Althochdeutschen *Kchíena „Kien-Berg“ handelt, also um einen Berg mit Be-
ergeben. Der Weg von ahd. *Kchíena zur heutigen stand an harzigem, pechigem Föhrenholz. In der Tat
Form Kiens wäre derselbe, wie er oben bereits auf- ist der Kienberg für sein reiches Föhrenvorkommen
gezeigt wurde. Zu erwähnen bliebe nur noch, dass heute noch bekannt. Bereits Carlo Battisti (DTA II-2,
in diesem Fall der Name bei erbwörtlicher Über- S. 257) interpretierte den Namen in diese Richtung.
lieferung im Ladinischen *Chiëina, *Chiëna lauten Das Benennungsmotiv des Berges wäre demnach
müsste – mit demselben Ausgang wie Gherdëina, sein Rohstoff. Benennungen eines Berges nach sei-
Gherdëna für Gröden. nem Rohstoff sind nichts Ungewöhnliches, vgl. z. B.
Kupferberg, Silberberg.

Der Name Kienberg: „Kiener Berg“ oder Die Grundbedeutung von Kien, ahd. chien, kien ist
„Berg mit Kienvorkommen“? ‘Kieferharz’ oder ‘Föhrenharz’. Aber schon seit alt-
hochdeutscher Zeit konnte mit chien, kien nicht nur
Wir wollen uns nun ausführlicher dem Namen mehr das Harz selbst, sondern das Holz, von dem
Kienberg widmen. Die Struktur des Namens Kien- das Harz herrührt, bezeichnet werden. Dement-
berg lässt den Schluss zu, dass zwischen Kiens und sprechend bedeutet auch tir. ki�n n. (mit Varianten)
Kienberg kein etymologischer Zusammenhang be- einerseits ‘harziges, pechiges Holz der Zwergkiefer’,
steht und dass die lautliche Ähnlichkeit zwischen andererseits ‘Föhre, Fichte, Lärche’ (Schatz, S. 333).
den beiden Namen nur Zufall ist. Weder ist Kiens Im Althochdeutschen finden wir noch ein Kompo-
von Kienberg abgeleitet (entgegen Battisti: DTA situm kienforha, mit der demnach besonders harz-
II-2, S. 235–236) noch Kienberg von Kiens (entge- reiche Föhren bezeichnet wurden. Das neuhoch-
gen Kühebacher: OSG I, S. 194). Gründe, die gegen deutsche Wort Kiefer als Nebenform zu Föhre ist
eine Ableitung des Namens Kiens von Kienberg aus ahd. kienforha zusammengeschrumpft. Unse-
sprechen, wurden oben bereits genannt. Und der ren Tiroler Mundarten ist das Wort Kiefer bis heute
Grund, dass die Ableitung auch nicht in die umge- fremd, denn hier gelten die mundartlichen Entspre-
kehrte Richtung erfolgt sein kann, ist folgender: chungen zu nhd. Föhre, also forh� f. usw. (Schatz, S.
Eine Ableitung von Kiens würde *Kiener Berg lauten. 185).
Belegt ist der Name aber seit Beginn der Überlie-
ferung als Chienperc (1253), Chienperge (1300) usw.
(Stolz IV, S. 140). Die Bildungsweise des Namens

135
Zusammenfassung

Die lautliche Ähnlichkeit zwischen dem Ortsnamen


Kiens und den Weilernamen Kienberg beruht auf
reinem Zufall. Sprachgeschichtlich sind die beiden
Namen nicht verwandt. Der Name Kiens hat mit
dem Wort Kien ‘Kieferharz, Föhrenharz’ nichts zu
tun, aber er lässt sich auch nicht von einem alt-
hochdeutschen Personennamen Kuonilo herleiten.
Mit ziemlicher Sicherheit kann festgehalten wer-
den, dass der Name Kiens vorrömischer Herkunft
ist. Er könnte aus einer vorrömisch-indogermani-
schen, genauer: ostalpenindogermanischen Spra-
che stammen und mit unseren Begriffen weiß und
Weizen verwandt sein. Ausgehen ließe sich einer-
seits von ostalpenidg. *Kwéid�nn� oder *Kwíd�nn�.
Dieses konnte soviel wie ‘Gebiet eines *Kwéid�n
oder *Kwíd�n’, also ‘des Weißen, Weißhaarigen,
Hellhäutigen’ bedeuten. Eine andere Deutungs-
möglicheit wäre ostalpenidg. *Kwídein� ‘Weizen-
feld’. Der Name Kienberg ist dagegen deutschen
Ursprungs und bedeutet ‘Berg mit Kienvorkom-
men’.

136
Erklärung der sprachwissen- etruskisch eine ausgestorbene nicht-
indogermanische Sprache in
schaftlichen Begriffe * der Toskana und im Norden
Latiums
Adjektiv Eigenschaftswort, Wiewort Etymologie die Herkunft und Bedeu-
Akkusativ Wenfall, 4. Fall tung (eines Begriffes)
Appellativ Wort, das Gegenteil von feminin weiblich
einem Namen Femininum weibliches Hauptwort
Benennungsmotiv Auffälligkeit, nach dem ein gallisch eine ausgestorbene keltische
Objekt benannt werden Sprache im westlichen Ober-
kann italien und in Frankreich
Bestimmung in Wortzusammensetzungen Genitiv Wesfall, 2. Fall
jener Teil, der das Grundwort Genus grammatisches Geschlecht
(siehe dort) näher bestimmt, (männlich, weiblich, sächlich)
z. B. Haustür. Haus-= Bestim- Grundwort in Wortzusammenset-
mung (was für eine Tür?), zungen jener Teil, der eine
-tür= Grundwort. allgemeine Bedeutung hat
Dativ Wemfall, 3. Fall und erst durch die Bestim-
Diminutiv Verkleinerungsform, die mung (siehe dort) eine
eine grammatikalische genauere Bedeutung erhält
Endung (z. B. männlich, illyrisch eine ausgestorbene indo-
weiblich; Einzahl, Mehrzahl) germanische Sprache auf
bekommt. dem Balkan
entrunden so nennt man den Vorgang, indogermanisch die Ursprache der meisten
wenn z. B. aus ö ein e und europäischen Sprachen wie
aus ü ein i wird. Germanisch, Lateinisch, Grie-
erbwörtlich seit der Ursprache überliefert chisch, Keltisch, Slawisch.

* Selbsterklärende Ausdrücke wie vorrömisch, Laut-


verschiebung werden nicht berücksichtigt.

137
Initialbetonung Betonung eines Begriffes semantisch die Bedeutung eines Begrif-
auf der ersten Silbe fes betreffend, bedeutungs-
intervokalisch zwischen zwei Selbstlauten mäßig
befindlich Singular Einzahl
Kollektivsuffix Nachsilbe, um einen Sam- Stammbildung die Art und Weise, wie eine
melbegriff zu bilden Sprachwurzel erweitert sein
Kompositum Wortzusammensetzung kann, bevor sie mit einer
Lokativ Fall des Ortes (gibt es im grammatischen Endung
Deutschen nicht mehr) (z. B. für den Singular oder
morphologisch die Form eines Begriffes Plural) versehen wird
betreffend Substantiv Hauptwort
neutral sächlich Suffix Nachsilbe
Neutrum sächliches Hauptwort venetisch eine ausgestorbene indo-
Nominativ Werfall, 1. Fall germanische Sprache im
Normalstufe e-Stufe= mit e als Hauptvo- östlichen Oberitalien
kal in der Sprachwurzel
o-Stufe mit o als Hauptvokal in der
Sprachwurzel
Palatalisierung Vorverlegung der Ausspra-
che im Mund durch Hebung
des Zungenrückens
phonologisch die Lautung eines Begriffes
betreffend, lautlich
Plural Mehrzahl
rätisch eine ausgestorbene nicht-
indogermanische Sprache
im Tiroler Raum
Schwundstufe wenn der Hauptvokal e
oder o in der Sprachwurzel
geschwunden ist

138
Abkürzungen und Zeichen

* rekonstruierte, also nicht schriftlich n. neutrum, sächliches Hauptwort


belegte Form oder hypothetische nhd. neuhochdeutsch
Form niederd. niederdeutsch
< entstanden aus o. J. ohne Jahr
> wird zu OSG Die Ortsnamen Südtirols und ihre
ahd. althochdeutsch Geschichte
alpenrom. alpenromanisch= Vorstufe des La- ostalpenidg. ostalpenindogermanisch
dinischen tir. tirolisch, tirolerisch
altlad. altladinisch V. Verb
DTA Dizionario Toponomastico Atesino vgl. vergleiche
f. femininum, weibliches Hauptwort vlat. Vulgärlatein = dialektales Latein
germ. germanisch westrom. westromanisch (zu diesem gehört
idg. indogermanisch auch das Alpenromanische und spä-
IEW Indogermanisches Etymologisches tere Ladinische)
Wörterbuch
ital. italienisch
KG Katastralgemeinde
klat. klassisches Latein = die „Hochspra-
che“ des Lateinischen
lad. ladinisch
lit. litauisch
mda. mundartlich
mhd. mittelhochdeutsch

139
Zur mundartlichen Schreibung
In der Wiedergabe der mundartlichen Aussprache Der so genannte lange i-Laut ie drückt immer ei-
wurde versucht, diese so einfach und damit auch so nen Diphthong aus und kennzeichnet nicht wie im
leserlich wie möglich zu gestalten. Standarddeutschen die Länge des Vokals. Er steht
für die mundartliche Aussprache von Liensperga
Durch spezielle Schriftzeichen wurden folgende „Liensberger“ oder Rieda „Rieder“.
Laute hervorgehoben:
ai und ei, die für einen gleichwertigen Laut stehen,
Das Zeichen ˆ bei den Vokalen kennzeichnet die wurden etymologisch verwendet, wie bei Zaine
Länge, wie in wîse „Wiese“, lâna „Lahner“ oder mîle „Zäune“ oder Leite „Leite“.
„Mühle“.
Anlaut- und Auslautverhärtung wird jeweils durch
å charakterisiert einen offenen o-Laut an, der das den entsprechenden harten Konsonanten gekenn-
verdumpfte a in Wörtern wie ålbe „Albe“, Påch zeichnet, wie bei Wånt „Wand“ oder Perg „Berg“.
„Bach“ oder åcko „Acker“ wiedergibt und im Stan-
darddeutschen meistens einem a entspricht. Ansonsten wurde die Standardschreibung beibe-
halten, falls standarddeutsche Lautung und mund-
Im Gegensatz dazu charakterisiert das normal- artliche Aussprache übereinstimmen, wie bei Spitze
schriftliche o einen geschlossenen o-Laut, wie in oder Leite. Im Sinne der Lesbarkeit wurde auch das
toul „Tal“ oder strouße „Straße“. so genannte scharfe S, wie in strouße „Straße“, bei-
behalten.
Der geschlossene e-Laut, wird durch ë ausgedrückt,
wie beispielsweise bei Stëckl „Stöckl“ oder Këlba Auf die Schreibung von Doppelkonsonanten wur-
„Kälber“. de verzichtet, da ein nicht durch das Längenzeichen
gekennzeichneter Vokal grundsätzlich kurz gespro-
Das normalschriftliche e drückt einen neutralen chen wird. Ausnahmen davon bilden die Schrei-
oder offenen ä-Laut aus, wie in Felt „Feld“ oder Weg bung der mit Milla „Müller“ gebildeten Namen.
„Weg“.

140
Literaturnachweis zu Das Eschpanguet am Gezenperg iezt
aber Erschpaumb genannt
den einzelnen Kapiteln: Die Höfe

Wo der Sage nach, ein römisches Castell Titelzitat: Archiv des Klosters Neustift, zitiert nach
gestanden haben soll … Heimatbuch der Gemeinde Kiens. Hg. v. Arbeits-
Frühgeschichtliches: erste Spuren der Besiedlung kreis Heimatbuch Kiens. Kiens 1988, S. 418

Titelzitat: Aus der Römerzeit. In: Bozner Zeitung, Fenster „Erschbaum“


38. Jg., Nr. 263 vom 16.11.1880, S. 3 Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörter-
buch. Nachdruck der Ausg. Leipzig 1872-1878 mit
Fenster „Pluns“ einer Einleitung von Kurt Gärtner. 3 Bde. Stuttgart,
Belege: Herbert Theobald Innerhofer: Höfe- und 1992. Online-Version, verfügbar unter http://ger-
Häusergeschichte der Gemeinde Kiens. In: Heimat- mazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbue-
buch der Gemeinde Kiens. Hg. v. Arbeitskreis Hei- cher/lexer/wbgui?lemid=LA00001 (15.03.2010),
matbuch Kiens. Kiens 1988, S. 381–507, S. 479 Bd. 1, Spalte 719

Fenster „Krösser, Winterweger, Schönbrot, Kindler“


Arbenburc, Gozzenperc, Kiehna, Burin und Houarun Carlo Battisti e Maria Montecchini: Dizionario To-
Die Dorf- und Weilernamen ponomastico Atesino. Vol. II-2. I nomi locali del-
la Pusteria. Parte II. La giurisdizione di Brunico.
Titelzitat: Der Titel gibt die Erstbelege für Kiens Firenze, S. 247f., 257, 304, 311
und seinen Fraktionen Ehrenburg, St. Sigmund Egon Kühebacher: Orts-, Hof- und Flurnamen im
(Peuern), Getzenberg und Hofern wieder. Gemeindegebiet von Kiens als Denkmäler der
Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und Sprach- und Siedlungsgeschichte. In: Heimatbuch
ihre Geschichte. 1. Bd., 2. Aufl., Bozen 1995, S. 194, der Gemeinde Kiens. Hg. v. Arbeitskreis Heimat-
128, 159, 406 buch Kiens. Kiens 1988, S. 260–268

141
Der mag auf der tratten ze seiner notturft ain Ein Stuck Erdreich, so bald in Acker,
tagwerch lands einzeinen und peunten bald in Wiesen liegt …
Rund um den Hof: Peinten, Zelgen und Traten Äcker, Wiesen und Weide

Titelzitat: Titelzitat:
Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Südtiroler Landesarchiv, Rustikalsteuerkataster
16 Bde. Leipzig 1854–1960. Online-Version, verfüg- Schöneck, Nr. 4, fol. 345
bar unter: http://germazope.uni-trier.de/Projects/
DWB (15.03.2010), Bd. 21, Spalte 1280 Fenster „Gmoa und Gritzn“
Schatz, Josef: Wörterbuch der Tiroler Mundarten. Für
Fenster „Peinte“: den Druck vorb. v. Karl Finsterwalder. Bd. I. Innsbruck:
Gerhard Köbler: Althochdeutsches Wörterbuch. Wagner 1955 (=Schlern-Schrift 119), S. 261 Köbler: Alt-
4. Aufl. 1993. Online-Version. Verfügbar unter: hochdeutsches Wörterbuch, Buchst. G, S. 379
http://www.koeblergerhard.de/ahdwbhin.html
(15.03.2010), Buchstabe B, S. 212 Fenster „Protokoll über die Schafweide“
Grimm, Deutsches Wörterbuch, Bd. 1, Spalten Pfeifhofer: Die Landwirtschaft einst und jetzt.
1747–1748 Unveröffentlichtes Manuskript.

Fenster „Trate“
Grimm: Deutsches Wörterbuch, Bd 21, Spalte Hackh, Schlag oder Prenn
1279–1281 Der Wald und die Jagd

Fenster „Umastroute“ Titelzitat:


Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, Bd. 1, Kiener Dorfordnung 1600. In: Heimatbuch Kiens,
Spalte 2090–2093 S. 575

Fenster „Die Moasnamen am Getzenberg“


Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, Bd. 1,
Spalte 2090–2093.

Fenster „Rîse und Pîzat“


Schatz: Wörterbuch, S. 83; Köbler: Althochdeutsches

142
Wörterbuch, Buchst. B, S. 220. Zu seiner mil und schmiten den
Schatz: Wörterbuch, S. 487; Köbler: Althochdeut- Pach jederzeit geniesen …
sches Wörterbuch, Buchst. R, S. 79. Pachlan, Seablan und Låckn
Mühlen, Stampfen und Sägen
Fenster „Der letzte Wolf in Kiens und im Pustertal“
Julius Max Schottky: Bilder aus der süddeutschen Titelzitat Pfeifhofer: Wasser.
Alpenwelt.- Innsbruck: Wagner 1834, S. 227f. Unveröffentlichtes Manuskript

Fenster „Die Wasserzuteilung zwischen Kiens


In der Alben, die gelegen ist auf den Perg, und St. Sigmund im Jahre 1676“
genant der Pichlerberg Pfeifhofer: Wasser. Unveröffentlichtes Manuskript
Auf der Alm und am Berg
Fenster „Gannaruna“
Titelzitat: Hans Fink: Gannaruna. In: Der Schlern. Illustrierte
„Vrbar- und Freyhaidt Puech der Herrschaft Monatszeitschrift für Heimat- und Volkskunde. 64.
Schenegg“ 1523. In: Heimatbuch Kiens, S. 570 Jg. Heft 2.- Bozen: Athesia 1990, S. 113

Fenster „Kulinarisches beim Almabtrieb“ Fenster „Brunnen“


Pfeifhofer: Die Landwirtschaft einst und jetzt. Köbler: Althochdeutsches Wörterbuch, Buchst. B,
Unveröffentlichtes Manuskript S. 271

Fenster: Pfarra Fenster „Mühlen und Sägen am Burgerbach 1940“


Köbler: Althochdeutsches Wörterbuch, Buchst. P, Pfeifhofer: Wasser. Unveröffentlichtes Manuskript.
S. 5
Fenster „Ein Streifzug durch die Geschichte der Sä-
Frühere und heutige Almgebiete: gemühlen“
Karl Pfeifhofer: Die Landwirtschaft einst und jetzt. Pfeifhofer: Wasser. Unveröffentlichtes Manuskript.
Unveröffentlichtes Manuskript.

143
Weeg, Steig, Pruggen oder Steg Godilan, geat heddo …
Wege, Brücken und Zäune Sagen und Dorfgeschichten

Titelzitat Titelzitat:
Kiener Dorfordnung 1600, S. 576 Karl Pfeifhofer: Geschichten vom Volksmund
erzählt: Die Monigl. In: Heimatbuch Kiens, S. 242
Fenster „Kotzersteig“
Hermann Wopfner: Bergbauernbuch. Von Arbeit Fenster „Der Kienberger Riese“
und Leben des Tiroler Bergbauern. Hg. von Niko- Johann Adolf Heyl, Volkssagen, Bräuche und
laus Grass. Bd. 1., Innsbruck 1995, S. 366 Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 603f.

Fenster „Åntlaszaine“ Fenster „Die Ehrenburger Riesen“


Köbler: Althochdeutsches Wörterbuch, Buchst. A, S. 83 Johann Adolf Heyl: Volkssagen, Bräuche und
Meinungen aus Tirol. Brixen 1897, S. 603.
Fenster „Reide“
Schatz: Wörterbuch, S. 478 Fenster „Klapf“
Köbler: Althochdeutsches Wörterbuch, Buchst. R, S. 67 Schatz: Wörterbuch, S. 337

Fenster „Grampla“
Nos parrochialem ecclesiam Chiens Schatz: Wörterbuch, S. 248, 254
Geistliche Obrigkeit

Titelzitat: Auszug aus der Schenkungsurkunde von In Toule und afn Perg
1157 des Bischofs Hartmann von Brixen der Pfar- Die Flurnamenlandschaft im Überblick
re Kiens an das Kloster Neustift. In: Heimatbuch
Kiens, S. 288 Bild „Gilenke“
Karl Finsterwalder: Tiroler Ortsnamenkunde
(=Schlern-Schriften 287). Bd. 3. Einzelne Landesteile
betreffende Arbeiten. Südtirol und Außerfern.
Register, Innsbruck 1995, S. 1006

144
Bibliographie und Außerfern (= Schlern-Schriften 287), Register,
Innsbruck 1995.

Ungedruckte Quellen Förstemann, Ernst: Altdeutsches Namenbuch.


1. Band. 2. Auflage, Bonn 1900. Nachdruck
Pfeifhofer, Karl: Kiens – Nachträge zum Dorfbuch – München/Hildesheim 1966.
Unveröffentlichtes Manuskript
Grimm, Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches
Südtiroler Landesarchiv, Steuerkataster Schönegg Wörterbuch. 16 Bde., Leipzig 1854–1960. Online-
Version, verfügbar unter: http://germazope.uni-
Südtiroler Landesarchiv: Erhebung der Flurnamen trier.de/Projects/DWB (15.03.2010).
Südtirols. Gemeinde Kiens mit Nachträgen.
Heimatbuch der Gemeinde Kiens. Hg. v. Arbeits-
kreis Heimatbuch Kiens, Kiens 1988.
Literatur
Heyl, Johann Adolf: Volkssagen, Bräuche und Mei-
Battisti, Carlo e Maria Montecchini: Dizionario To- nungen aus Tirol, Brixen 1897.
ponomastico Atesino (= DTA II-2). Vol. II-2. I nomi
locali della Pusteria. Parte II. La giurisdizione di Bru- Kluge, Friedrich/Seebold, Elmar: Etymologisches
nico. Firenze 1939. 2). Wörterbuch der deutschen Sprache. 24.
Auflage, Berlin und New York 2002.
Aus der Römerzeit. In: Bozner Zeitung, 38. Jg.,
Nr. 263 vom 16.11.1880, S. 3. Köbler, Gerhard: Althochdeutsches Wörterbuch.
4. Aufl. 1993. Online-Version. Verfügbar unter:
Fink, Hans: Quelle am Getzenberg. In: Der Schlern. http://www.koeblergerhard.de/ahdwbhin.html
Illustrierte Monatszeitschrift für Heimat- und (15.03.2010).
Volkskunde. 64. Jg. Heft 2., Bozen 1990, S. 113.
Kollmann, Cristian: Alte und neue Überlegungen
Finsterwalder, Karl: Tiroler Ortsnamenkunde. Bd. 3. zum Namen Brixen. In: Brixen. I. Die Geschichte. Im
Einzelne Landesteile betreffende Arbeiten. Südtirol Auftrag des Vereins „Prichsna 901–2001“. Hg. von

145
Barbara Fuchs, Hans Heiss, Carlo Milesi und Gustav Rutz, Benno: St. Sigmund im Pustertale. Geschichte
Pfeifer, Bozen 2004, S. 13–27. und Beschreibung. O.O. 1920.

Kollmann, Cristian: Vordeutsche Orts- und Flurna- Schatz, Josef: Wörterbuch der Tiroler Mundarten.
men in Truden. In: Truden. Hg. von der Für den Druck vorb. v. Karl Finsterwalder (= Schlern-
Gemeinde Truden, Truden 2005, S. 383–392. Schrift 119) Bd. I., Innsbruck 1955.

Krahe, Hans und Wolfgang Meid: Germanische Schatz, Josef: Wörterbuch der Tiroler Mundarten
Sprachwissenschaft. 3 Bde., Berlin und New (=Schlern-Schrift 120). Für den Druck vorb. v. Karl
York 1969. Finsterwalder, Bd. II., Innsbruck 1956.

Kühebacher, Egon: Die Ortsnamen Südtirols und Schottky, Julius Max: Bilder aus der süddeutschen
ihre Geschichte (= OSG I), 1. Bd. 2. Aufl., Bozen 1995. Alpenwelt, Innsbruck 1834.

Kühebacher, Egon: Die Ortsnamen Südtirols und Stolz, Otto: Die Ausbreitung des Deutschtums in
ihre Geschichte (= OSG III), 3. Bd. Bozen 2000. Südtirol im Lichte der Urkunden (= Stolz IV), Band
4, Innsbruck 1934.
Lexer, Matthias: Mittelhochdeutsches Handwörter-
buch. Nachdruck der Ausg. Leipzig 1872–1878 mit Untermann, Jürgen: Die venetischen Personenna-
einer Einleitung von Kurt Gärtner. 3 Bde., Stuttgart men, Wiesbaden 1961.
1992. Online-Version, verfügbar unter http://ger-
mazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbue- Wopfner, Hermann: Bergbauernbuch. Von Arbeit
cher/lexer/wbgui?lemid=LA00001 (15.03.2010). und Leben des Tiroler Bergbauern. Hg. von Niko-
laus Grass. 3 Bde., Innsbruck 1995, 1996,1997
Pfeifer, Wolfgang 2003: Etymologisches Wörter-
buch des Deutschen. 6. Aufl., München
2003.

Pokorny, Julius: Indogermanisches etymologisches


Wörterbuch (= IEW), Tübingen und Basel 1959.

146
Register
Almaweg Almerweg Wegverbindung in Getzenberg
Ålte Houfaweg Alter Hoferweg Wegverbindung in Getzenberg, auch Alter Kirchweg
Ålto Kirchweg Alter Kirchweg Wegverbindung in Getzenberg, auch Alter Hoferweg
Ålte Prugge Alte Brücke Ehemalige Brückenverbindung nach Ilstern
Ålto Rauchn- Alter Rauchen-
Wegverbindung im Katzental
pîchlamîlweg bichlermühlweg
Flur auf Kühlechen am Standort einer
Ålte Soalpôn Alte Seilbahn
ehemaligen Materialseilbahn
Åltkofla Altkofler Haus in Kiens
Ångo Anger Flurname für (eingezäunte) Wiesen in Hofnähe, Pl. Ango
Åntlaszaine Antlaszäune Straße in Kiens
Ârznloch Arzenloch Höhle unterhalb Irenberg
Åschpåch Aschbach Streuweiler in Hofern
Sammelbezeichnung für die ehemaligen
Audn Auen
Aulandschaften an der Rienz
Auflång Auflang Flur bei St. Sigmund
Außovouråcko Außervoracker Flur bei St. Sigmund
Chrischtileebme Christeleebene Waldboden in Getzenberg
Chrischtileloch Christeleloch Graben in Getzenberg
Dachspîchl Dachsbichl Geländekuppe am Kienberg
Decka Decker Hof in Hofern
Deckafelt Deckerfeld Feld des Deckers in Hofern
Dërfl Dörfl Siedlung in Hofern
Drei Kraize Drei Kreuze Wetterkreuze beim Plattner am Kienberg
Dreiegg Dreieck Flur am Kienberg
Grenzmarkierung der Gemeinden Rodeneck,
Dreikraizo Dreikreuzer
Kiens und St. Lorenzen
Earharscht Erhart Hof in Hofern

147
Earharschtmîle Erhartmühle ehemalige Mühle am Grünbach in Hofern
Earschpâm Erschbaum Hof in Getzenberg
Ebma Ebner Hof am Getzenberg
Ebmagruibe Ebnergrube geschützte Flur in Getzenberg
Ebmapergwîse Ebnerbergwiese frühere Bergwiese in Getzenberg
Ëgga Egger Hof in Getzenberg
Ëggaålbe Eggeralm frühere Alm in Getzenberg
Ëggapåch Eggerbach Bach in Getzenberg, auch Federbach und Kohlbach
Ëggapergwîse Eggerbergwiese Flur in Getzenberg
Ëggaschtåll Eggerstall frühere Almwiese in Getzenberg
Ëggerpergwîse Eggerbergwiese Bergwiese in Getzenberg
Êrnburga Ehrenburger
Waldflur in Getzenberg
Hoachwolt Hochwald
Elznackole Elzenackerle Flur bei St. Sigmund
Êrnburga Prugga Ehrenburger Brücke Brücke über die Rienz bei Ehrenburg
Ehrenburger
Êrnburga Waldo Wälder der Ehrenburger Bauern am Kienberg
Wälder
Êrnburga Weg Ehrenburger Weg Wegverbindung vom Kienberg nach Ehrenburg
Fåcknrouda Fackenrader früherer Hausname in Kiens
Fålknschtoanwånt Falkensteinwand Felswand oberhalb St. Sigmund
Fedopåch Federbach Bach in Getzenberg, im Unterlauf Eggerbach
Fedoschpîl Federspiel Waldflur in Getzenberg
Fedra Federer eigentlich Federspiel, Hof in Getzenberg
Fedrakånzl Federerkanzel Geländevorsprung in Getzenberg
Fëglroan Vögelrain Flur im Katzental
Feurpankl Feuerbankl Bank in Ehrenburg
Feurpîchl Feuerbichl Geländekuppe am Kienberg
Fischa Fischer Hof in St. Sigmund
Fischahaisl Fischerhäusl Haus in Ehrenburg, auch Jagerhäusl
Fouche Foche Waldflur in Getzenberg an der Gemeindegrenze zu Vintl

148
Fraunwîse Frauenwiese Waldflur in Getzenberg
Friamëssaegg Frühmessereck Hausecke in Kiens
Friamëssawålt Frühmesserwald Waldflur in Kiens
Fuchs Fuchs Hof in Getzenberg
Gålgnåcko Galgenacker Flur in St. Sigmund an der Grenze zu Vintl
Gålte Galte Flur in Getzenberg
Gannaruna Gannaruna Sagenhafte Quelle in Getzenberg
Garbazaine Garberzäune Wegverbindung in St. Sigmund
Garbakoufl Garberkofel Flur in St. Sigmund, ältere Bezeichnung für Beim Werk
Gatschaleite Gatscherleite Flur in Kiens
Gåttaåcko Gatteracker Flur bei Ilstern
Gattoletroutnweg Gatterletratenweg Feldweg am Kienberg
Gåttomoarprinne Gattermoarbrünne Quellen in Hofern
Gåtton Gattern Großflur unterhalb des Kienbergs an der Rienz
Gåttoschtått Gatterstatt Wegkreuzung in Hofern
GearschtlschtëcklGerstlstöckl Kapelle beim Gerstl in Kiens
Gearschtl Gerstl Hof, ehemaliger Gasthof in Kiens
Gearschtlåcko Gerstlacker Feld des Gerstl in Kiens
Gearschtlzaine Gerstlzäune Wegverbindung zwischen Kiens Dorf und dem Hof Gerstl
Getzenberger
Geaznperga Dërre Waldflur in Getzenberg
Dörre
Geaznperga Getzenberger
Wegverbindung in Getzenberg
Feltweg Feldweg
Geaznperga Getzenberger
Wegverbindung nach Getzenberg
Strouße Straße
Geaznperga Getzenberger
Wald in Getzenberg
Waldo Wälder
Geaznperga- Getzenberger
frühere Bergwiese des Getzenbergers in Getzenberg
pergwîse Bergwiese
Geaznper-
Getzenbergerstöckl Kapelle beim Getzenberger
gaschtëckl

149
Getzenberger-
Geaznpergawåsso Quelle in Getzenberg
wasser
Gilenke Gelenke Waldflur in Hofern
Gimeinderîse Gemeinderise Geländerinne in Getzenberg
Gissa Gisser Gasthof in St. Sigmund
Gissafouchtrëgile Gisserfochtrögele Wassertrog in Getzenberg
Gisse Häusergruppe bei St. Sigmund, auch Keller
Goaßklåpf Geißklapf Felsformation bei der Falkensteinwand oberhalb St. Sigmund
Gols Gols Höfe am Kienberg, Obergolser und Untergolser
Golsawåsso Golser Wasser Quelle des Golsers am Kienberg
Grampla Grample früherer Name für den Oberkofler in Kiens
auch Kiener Bach, Hinterbach, Rumplbach,
Grianpåch Grünbach
Grenzbach zu Pfalzen
Grianpåcha Grünbacher Hof in Kiens
Grianpåcha Grünbacher
obere der beiden Grünbacher Almhütten
Obohitte Oberhütte
Grianpåcha Grünbacher
untere der beiden Grünbacher Almhütten
Untohitte Unterhütte
Grianpåchaålbe Grünbacheralm Almgebiet in Hofern
Grianpåchjoch Grünbachjoch Berggipfel oberhalb der Grünbacheralm
Grianpåchsea Grünbachsee Bergsee oberhalb Hofern
Grianpîchl Grünbichl Hügel in Getzenberg, Industriegelände in Kiens
Grians Pachl Grünes Bachl Ufergelände der Rienz beim Gisser
Gries verbaute Flur bei Kiens
Groufnfelt Grafenfeld Handwerkerzone in Ehrenburg, auch Hofanger
auch Grabbach, Grubbach, Grenzbach zu Terenten,
Gruipåch Gruibbach
im Unterlauf Kahlerbach
Gruipåchpichl Gruibbachbichl Geländekuppe am Gruibbach
Haipîchl Heubichl Geländekuppe in Getzenberg
Haislwîsn Häuslwiesen allgemeine Bezeichnung für die Wiesen beim Zuhaus der Höfe

150
Hanslmoar Hanslmoar Hof in St. Sigmund
Hanslmoarmîle Hanslmoarmühle frühere Mühle in St. Sigmund
Hanslmoarzepfe Hanslmoarzäpfe Flur in St. Sigmund
allgemeine Bezeichnung für die an die Hofstelle anschließen-
Hauswålt Hauswald
den Heimwälder der Höfe
Hauswîsn Hauswiesen allgemeine Bezeichnung für die Wiesen bei der Hofstelle
Hearnroan Herrnrain Flur bei der Kirche in St. Sigmund
Hëirschwårte Hörschwarte Hof in Getzenberg
Helui Helui verbaute Flur in Ehrenburg
Hërndle Hörndle Berggipfel oberhalb Grünbacheralm
Hiandopîchl Hühnerbichl Waldflur in Hofern, auch Hühnerspiel
Hiandoschpîl Hühnerspiel Waldflur in Hofern, auch Hühnerbichl
Hilba Hilber Hof und Gasthof in Kiens, Gasthof Gatterer
auch Kiener Bach, Hinterbach, Rumplbach,
Hintopåch Hinterbach
Bach an der Grenze zu Pfalzen
Hintopîchla Hinterbichler Hof in Getzenberg
Hintopîchlaweg Hinterbichlerweg Wegverbindung von Ehrenburg zum Hinterbichler
Hintrëggawålt Hintereggerwald Waldflur in Kiens
Hirschlåcke Hirschlacke Feuchtgebiet in Getzenberg
Hittila Hüttaler Hittaler, Hof in Hofern
Hoache Spitze Hohe Spitze Berggipfel am Grenzkamm gegen das Mühlwalder Tal
Hoamwaldo Heimwälder Hauswälder der Höfe
Holzacko Holzäcker Fluren bei Ehrenburg
Hopfleachn Hopflechen Hof in Getzenberg
Hôrackole Haarackerle Flur am Kienberg
Hôslaprunn Haselbrunn Quelle in Hofern
Houfa Hofer Hof in Getzenberg
Houfångo Hofanger Handwerkerzone in Getzenberg, auch Grafenfeld
Houfapachl Hoferbachl Bach in Getzenberg

151
Houfapriggile Hoferbrückele Waldflur in Getzenberg
Housnålbe Hasenalm
obere der beiden Almhütten der Hasenalm
Obohitte Oberhütte
Housnålbe Hasenalm
untere der beiden Almhütten der Hasenalm
Untohitte Unterhütte
Huiba Hoachwålt Huber-Hochwald Waldflur in Getzenberg
Huibagimpfl Hubergimpfl Flur in St. Sigmund
Huibapeinte Huberpeinte Flur in St. Sigmund
Ilschtra Aue Ilsterer Aue Aulandschaft an der Rienz
Ilschtra Pâdl Ilsterer Badl ehemaliges Kurbad in Ilstern
Ilschtra Prugge Ilsterer Brücke Rienzbrücke bei Ilstern
Irenberg Irenberg Hügel und Hof in Pfalzen
Jâgahaisl Jagerhäusl Haus in Ehrenburg, früher Schule
Kâla Kahler Hof in St. Sigmund
Kâlahëlle Kahlerhölle Bachschlucht hinter dem Kahler in St. Sigmund
Kâlapåch Kahlerbach Unterlauf des Gruibbach
Kålbisatoul Kaltwassertal Alm und Berggebiet oberhalb von Hofern
Kålbisatoulpåch Kaltwassertalbach Bach durch Kaltwassertal
Kålbisatoulsea Kaltwassertalsee Bergsee in Kaltwassertal oberhalb Hofern
Kåltnhausa Kaltenhauser Gasthaus in Kiens, Hotel Zur Post
Kaltenhauser-
Kåltnhausaprugge Rienzbrücke bei Kiens
brücke
Kåltnhausa-
Kaltenhauserstöckl Kapelle im Unterdorf von Kiens
schtëckl
Kåschtoula,
Kastoler Hof in Getzenberg
Kastola
Kåschtoulawîse Kastolerwiese Wiese des Kastolers in Getzenberg
Kâso Kaser allgemeine Bezeichnung für Almhütte
Kâsowîse Kaserwiese Almflur in Getzenberg
Kåssa Kasser Hof in Katzental

152
Steigverbindung zwischen Decker und
Kåtznloatr Katzenleiter
Kahlerhölle bei St. Sigmund
Kåtzntoul Katzental Bergtal oberhalb Hofern
Kåtzntoula Weg Katzentaler Weg Wegverbindung ins Katzental
Keara Kehrer Hof in Hofern
Kearawålt Kehrerwald Wald des Kehrer in Hofern
Këck Köck Hof in Kiens
Këckwîse Köckwiese 1. Wiese in Ehrenburg, 2. Verbaute Flur in Kiens
Keldo Keller Ortsteil von St. Sigmund, auch In der Gisse
Kialåcke Kühlacke Feuchtgebiet in Getzenberg
Kialeachn Kühlechen Alm in Getzenberg
Kialeachnahaisl Kühlechnerhäusl Zuhaus von Kühlechen
Kialeachnasouge Kühlechnersäge ehemalige Säge am Burgerbach
Kialeachnawålt Kühlechnerwald Wald in Getzenberg
Kialëiga Kühleger Almflur auf der Grünbacheralm
Kiena Påch Kiener Bach auch Grünbach, Hinterbach, Rumplbach, Grenzbach zu Pfalzen
Kiena Pëdn Kiener Böden Waldflur oberhalb Kiens
Kiena Waldo Kiener Wälder am Hang des Irenberg
Kiena Weg Kiener Weg Wegverbindung zwischen St. Sigmund und Kiens
Kiena Wîdnfelt Kiener Widumfeld Flur in Kiens
Kiena Wîse Kiener Wiese Wiese bei Ilstern, auch Pramstallwiese
Kienawîsnzaine Kiener Wiesenzäune Wegverbindung zu den Kiener Wiesen bei Ilstern
Kindla Kindler Hof in Katzental
Kindlahaisl Kindlerhäusl Hof in Katzental
Kindlerhäusl-
Kindlahaislwîsile Wiese des Zuhauses des Kindler in Katzental
wiesele
Kindlaschtëckl Kindlerstöckl Kapelle des Kindler in Katzental
Kindlleachn Kindllechen Hof in Katzental, auch Oberhaus
Kircha Kircher Hof in Aschbach

153
Kirchafelt Kircherfeld Flur in Aschbach
Kirchloach Kirchloach Wald am Kienberg, auch Pfarrerwald
Kirchnwaldile Kirchenwaldele Wald in St. Sigmund
Kirchpîchl Kirchbichl Kirchhügel von Ehrenburg
Kirchtîrn Kirchtürme Felsformation am Kienberg
Kirschleachn Kirschenlechen Hof östlich Kiens
Kirschnleachna-
Kirschenlechneraue Flur bei Kiens
aue
Knarling Knarling Berg zwischen Pichlerberg und Kaltwassertal
Kofla Kofler 1. Haus in Kiens, 2. Hof in Getzenberg und Kiens
Koflapachl Koflerbachl Bach in Getzenberg
Koflaprunn Koflerbrunn Quelle in Getzenberg
Koflleite Kofelleite Berghang des Irenberg
Koflloch Kofelloch Höhle oberhalb von Kiens
Kotzoschteig Kotzersteig Steigverbindung zwischen Terenten und St. Sigmund
Koulhitte Kohlhütte Waldflur in Getzenberg
Koulmoas Kohlmoas Waldflur in Getzenberg
Koulpåch Kohlbach Bach in Getzenberg, auch Federbach, im Unterlauf Eggerbach
Koulplåtz Kohlplatz Flur in Ehrenburg
Koulplatzlan Kohlplatzlen Flur in Ehrenburg
Koulschtått Kohlstatt Waldflur in Ehrenburg
Krågn Kragen Flur in Getzenberg
Kraizåcko Kreuzacker Flur in Hofern, auch Kreuztrate
Kraizlåcko Kreuzlacker Flur in Kiens
Kraiztroute Kreuztrate Flur in Hofern, auch Kreuzacker
Krëssa Krösser Hof in Getzenberg
Krëssajëchl Krösserjöchl Waldflur in Getzenberg
Kroutnlåcke Krötenlacke kleiner See bei Ehrenburg
Krumpacko Krummäcker verbaute Flur in Ehrenburg

154
Krumpe Lärche Krumme Lärche Baum in Getzenberg an der Gemeindegrenze
Kuiwoade Kuhweide Flur in St. Sigmund
Låckna Lackner Hof in Getzenberg
Låmmon „Lammern“ Bezeichnung für Schutt- und Geröllhalden
Lâna Lahner Hof in Aschbach
Långåcko Langacker Flur in Hofern
Långackole Langackerle Flur am Kienberg
Långackole- Langackerle-
Flur am Kienberg
tschåchn tschachen
Långe Forche Lange Föhre Wiese in St. Sigmund
Långes Moas Langes Moos Waldflur in Getzenberg
Långpeinte Langpeinte Flur in Hofern
Långpëisn Langbesen Flur in Ilstern
Leachn Lechen Hof in Getzenberg
Lerchna Lerchner Hof in Hofern
Lidosea Lidosee kleiner See bei Ehrenburg
Liensperga Liensberger Hof in Ilstern
Lienspergaklapfl Liensbergerklapfl Waldflur in Getzenberg
Lienspergawålt Liensberger Wald Wald des Liensberger in Getzenberg
Linda „Lindach“ teilweise verbaute Großflur bei Kiens
Lindnaaue Lindneraue Flur in St. Sigmund
Loach „Laich“ Waldflur am Haus
Loacha Loacher Hof in St. Sigmund
Loachareide Loacherreide Kehre der Pustertaler Straße bei St. Sigmund
Loacheweg Loacheweg Wegverbindung in St. Sigmund
Loamëggapîchl Loameggerbichl Geländekuppe in St. Sigmund
Unterlober und
Louba Höfe in Aschbach
Oberlober
Loubafelt Loberfeld Felder des Lober in Aschbach
Loubagritzn Lobergritzen Weideflur in Hofern

155
Loubamîle Lobermühle Mühlgebäude am Gruipbach
Luzerna Luzerner Flur am Kienberg
Mårchareide Marcherreide Kehre der Pustertaler Straße an der Grenze zu Vintl
Märchenwaldile Märchenwaldele Waldflur bei Ehrenburg
Maura „Maurach“ Flur an der Rienz bei Kiens
Mauracko Maueracker Flur in St. Sigmund
Mëisl Mösl Hof in Getzenberg
Mëiso Möser Waldflur in Hofern
Mentla Mentler Hof in Kiens
Messna Messner Höfe und Häuser in St. Sigmund, Kiens und Ehrenburg
Miesla Miesler Hof in Hofern
Mieslareide Mieslerreide Straßenkehre in Hofern
Mîlacko Mühlacker Fluren an Mühlen oder Mühlwegen
Mîlango Mühlänger Fluren an Mühlen oder Mühlwegen
Mîlhaisl Mühlhäusl Hof in Getzenberg
Milla Müller Häuser in Kiens und St. Sigmund
Millalåcke Müllerlacke Weiher in St. Sigmund
Mîlpîchlkopf Mühlbichlkopf Geländekuppe bei Ehrenburg
Mîlwege Mühlwege Wegverbindungen zu den Mühlen
Mîlwîsn Mühlwiesen Fluren an Mühlen oder Mühlwegen
Mittoweg Mitterweg Wegverbindung in Getzenberg
Hofname in Kiens, St. Sigmund, Hofern, Getzenberg und
Moar „Mair“
Ehrenburg
Moar am Orscht Moar am Ort Hof in Ehrenburg
Moar in Åschpåch Moar in Aschbach Hof in Aschbach
Moarålbe Moarhofalm Alm in Hofern
Moaranpåch Moar am Bach Hof in Ehrenburg
Moarhofer Moarhofer Hof in Aschbach
Moarhoufmîle Moarhofmühle ehemalige Mühle am Grünbach
Moarpåch Moarbach Bach und Flur bei Ehrenburg

156
Moarpîchl Moarbichl Geländekuppe bei Kiens
Moas Moas Waldflur in Getzenberg
Moasålbe Moasalm Alm in Getzenberg
Moaskopf Moaskopf Waldkuppe in Getzenberg
Moaslåcke Moaslacke Feuchtgebiet in Getzenberg
Moidlanreide Moidlanreide Wegkehre in Getzenberg
Montila Heache Montaler Höhe Flur in St. Lorenzen bei Ehrenburg
Montila Weg Montaler Weg Wegverbindung vom Kienberg nach Montal
Mousa Moser Hof in Hofern
Mousawåssoloch Moserwasserloch Quelle in Hofern
Multo Multer Bergflur oberhalb Hofern
Mutenock Mutenock Berggipfel oberhalb Hofern, auch Mittenock
Nella Neller Hof in Hofern
Nidomoar Niedermoar Hof in Ehrenburg
Nidomoarwålt Niedermoarwald Waldflur am Kienberg
Neumoar Neumoar Hof in Ehrenburg
Oachna Eichner Hof in Getzenberg und St. Sigmund
Oachnapeinte Eichnerpeinte Flur in Hofern
Oachnawåsso Eichnerwasser Quelle in Getzenberg
Oachpîchl Eichbichl Waldflur in Ehrenburg
Oanat Einat Großflur zwischen Kiens und St. Sigmund
Oanatwålt Einatwald Waldgürtel oberhalb Einat zwischen Kiens und St. Sigmund
Obofischa Oberfischer Hof in Kiens
Obogols Obergols Hof am Kienberg
Obokåltprunn Oberkaltbrunn Quellgebiet in Kaltwassertal
Obokôr Oberkar Bergflur unterhalb des Mutenock
Obomoar Obermoar Hof in Ehrenburg
Obomoaraue Obermoaraue Flur in St. Sigmund
Oboschneidawåld Oberschneiderwald Wald des Oberschneider in St. Sigmund

157
Ochsngarschtl,
Ochsengartl Almflur in Kaltwassertal
Öchsngarschtl
Ochsnwoade Ochsenweide Flur bei Ehrenburg
Ôlëign „Ablegen“ Fluren zur Holzlagerung
Påchackole Bachackerle Flur in Hofern
Påchleachn Bachlechen Hof in Kiens
Påchoufnpîchl Backofenbichl Flur in Hofern
Påchseite Bachseite Waldflur in Getzenberg
Pairbachl auch Peuerbachl früherer Name des Kahlerbachs
Pålleite Palleite Hof im Katzental
Pangårscht,
Pangart, Pangarter Streuobstwiesen am Haus
Pangårschto
Pårschtlpaur Bartlbauer Hof in Hofern
Påttra Patterer Hof in Ehrenburg
Paumånnpîchl Baumannbichl Geländekuppe bei Mühlen
Peck Bäck Haus in Kiens
Pergismilla Bergesmüller ehemaliger Hof in Getzenberg
Pfåffleite Pfaffleite Berghang oberhalb Hofern
Pfarra Pfarra Almflur auf der Grünbacheralm
Pfårrafeld Pfarrerfeld Flur in St. Sigmund
Pfårrawålt Pfarrerwald Waldflur am Kienberg, auch Kirchloach
Pfraumpâm Pfraumbaum Hof in Getzenberg
Pfraumpâm- Pfraumbaum-
frühere Bergwiese in Getzenberg
pergwîse Bergwiese
Pîchla Pichler Hof in Kiens
Pîchlåcko Bichlacker Flur am Kienberg
Pîchlaperg Pichlerberg Alm und Berggebiet oberhalb Hofern
Pinta Binder, Pinter Haus in Kiens
Pîrnpamackole Birnbaumackerle Flur in Hofern
Pitole Pitterle Hof in St. Sigmund

158
Pitoleaue Pitterleaue Flur in St. Sigmund
Pitolegimpfl Pitterlegimpfl Verbaute Flur bei St. Sigmund
Pîzatplatzl Pizatplatzl Waldflur in Getzenberg
Pîzatschtåll Pizatstall Stallgebäude oberhalb des Kindler in Hofern
Plåttna Plattner Hof auf dem Kienberg
Plåttnakopf Plattnerkopf Geländekuppe am Kienberg
Plåttnawåsso Plattnerwasser Quelle am Kienberg
Pluner, Oberpluner
Plûna Höfe am Getzenberg
und Unterpluner
Plûnawålt Plunerwald Wald des Pluner in Getzenberg
Plûns Pluns Höfegruppe in Getzenberg
Pôwålt Powald Waldflur am Kienberg
Prånta Pranter Hof in Getzenberg, am Kienberg und in Hofern
Pråntåcko Brandacker Flur in Hofern
Pråntapergwîse Pranterbergwiese Waldflur in Getzenberg
Pråntaschtëckl Pranterstöckl Kapelle in Getzenberg
Pråntholz Brandholz Hof und Waldflur in Hofern
Pråntholza Brandholzer Hof in Hofern
Priggla Brüggler Hof in Aschbach
Prigglafelt Brügglerfeld Feld des Brügglers in Aschbach
Prigglawålt Brügglerwald Waldflur in Hofern
Prillamîle Prillermühle ehemalige Mühle am Burgerbach
Prillamîlweg Prillermühlweg Waldweg zur Prillermühle
Proatacko Breitäcker Fluren an der Rienz bei St. Sigmund
Pruggackole Brückackerle Flur an der Rienz bei St. Sigmund
Prunftplåtz Brunftplatz Waldflur in Getzenberg
Prunna Brunner Hof in St. Sigmund
Prunnaaue Brunneraue Flur in St. Sigmund
Puinåcko Puinacker Flur bei St. Sigmund

159
Purga Burger Hof in Ehrenburg
Purgapåch Burgerbach Unterlauf des Kühlechnerbachs
Purgawålt Burgerwald Waldflur in Ehrenburg
Gipfel oberhalb der Grünbacheralm am Grenzkamm gegen
Putzenheache Putzenhöhe
das Mühlwalder Tal
Râbwaldile Raubwaldele Waldflur in Getzenberg
Flur auf Kühlechen am Standort einer ehemaligen Rampe der
Rampe Rampe
Materialseilbahn
Råschtpîchla-
Rastbichlerstöckl Kapelle beim Rastbichler in St. Sigmund
schtëckl
Rauchnpîchl Rauchenbichl Oberrauchenbichl und Unterrauchenbichl, Höfe in Katzental
Rauchnpîchla- Rauchenbichler-
auch Rauchenbichlerkopf, Waldkuppe in Hofern
heache höhe
Rauchnpîchlakopf Rauchenbichlerkopf auch Rauchenbichlerhöhe, Waldkuppe in Hofern
Reachhitte Rehhütte Flur am Kienberg
Reachloato Rehleiter Flur in Hofern
Reaspoudn Reasboden Waldboden in Getzenberg
Rëckwîsa Röckwieser Hof in Hofern
Rëckwîsaweg Röckwieserweg Wegverbindung von Kiens zum Röckwieserhof
Reidnschwelle Reidenschwelle Waldwegkreuzung in Hofern
Rennapîchl Rennerbichl Hügel in Ehrenburg
Rezal Rezal Flur in den Auen bei Ilstern
Rieda Rieder Hof in Hofern
Riedawîse Riederwiese Flur in Hofern
Rindile Rindele Quelle in Hofern
Rindilewålt Rindelewald Waldflur in Hofern
Rindlapîchl Rindlerbichl Hügel in Ehrenburg
Rîsn Riesen Geländerinnen im Wald zum Holztransport
Romila Radmüller Hof am Getzenberg

160
Radmüllerberg-
Romilapergwîse Flur in Getzenberg
wiese
Romilaschtich Radmüllerstich Wegabschnitt in Getzenberg
Rossgårschtn Rossgarten Flur in Getzenberg
Rosslâna Rosslahner Geröllhang unterhalb des Mutenocks
Rouda Rader Hof in Kiens
Routes Mous Rotes Moos Waldflur in Getzenberg
Rumplpåch Rumplbach auch Kiener Bach, Grünbach, Hinterbach, Grenzbach zu Pfalzen
Runggina Waldo Runggener Wälder Waldflur am Kienberg
Russnhaisl Russenhäusl Haus in St. Sigmund, frühere Stegermühle
Sånta Santer Hof in Getzenberg
Såntaplatte Santerplatte Felsplatte in Getzenberg
Santl Sandl verbaute Flur in Ehrenburg
Såttlakirche Sattlerkirche Felshöhle am Kienberg
Saulånt Sauland Flur in Getzenberg
Sauwoade Sauweide Flur in Hofern
Schallapachl Schallerbachl Bach in Getzenberg
Schålleachn Schalllechen Hof in Kiens
Schaufl Schaufel Flur in Hofern
Scheibåcko Scheibacker Flur in Getzenberg
Scheibile Scheibele Flur in Kiens und Hofern
Schermis Schermis Flur unterhalb des Dörfl in Hofern
Schiffrëgga Schifferegger Hof oberhalb St. Sigmund
Schlossa Schlosser Hof in Kiens
Schlouta Schlater, Schlatter Hof in Aschbach
Schmit Schmied Haus, Hof in Kiens und Hofern
Schmitåcko Schmiedacker Waldflur in Ehrenburg
Schmitålbe Schmiedalm Alm oberhalb Hofern
Schuilwålt Schulwald Waldflur in Hofern

161
Schupfnholz Schupfenholz Waldflur in Hofern
Schwårznpåch Schwarzenbach Bach in Getzenberg
Sennhitte Sennhütte allgemeine Bezeichnung für Almhütte
Sîmon Simon Hof in Aschbach
Sîmonwålt Simonwald Waldflur in Hofern
Spitzpîchl Spitzbichl Hügel in Ehrenburg
Ståmpfwîse Stampfwiese Flur in Ehrenburg
Stångåcko Stangacker Flur in St. Sigmund
Stëcklaue Stöcklaue Flur in der Nähe des St. Sigmunder Stöckl
Stëckltroute Stöckltrate Flur in Ehrenburg
Stêga Steger Hof in St. Sigmund
Stibila „Stübeler“ Hof in Getzenberg
Stickle Stickle Flur in Hofern
Sticklweg Sticklweg Wegverbindung in Getzenberg
Stifflåcko Stifflacker Flur in St. Sigmund
Stoan Stein Waldkuppe oberhalb Kiens
Stockazaine Stockazäune Wegverbindung in Katzental
Stôdlåcko Stadelacker Flur in Hofern
Teinpåchtrëigo Teinbachtröger Wasserfassung des Teinbachs
Ticke Dicke Hof in Hofern
Toalwîsilan Teilwieselen Flur in St. Sigmund
Toulacko Taläcker Fluren in St. Sigmund
Treitling Treitling Großflur zwischen Kiens und Ehrenburg, auch Treitlinger
Trolltroute Trolltrate Flur in Hofern
Tschåchn Tschachen allgemeine Bezeichnung für Jungwald
Tschåchpåch Tschachbach Getzenberg, Grenzbach zu Vintl
Tschåchwoade Tschachweide Flur in Getzenberg
Uilpîchl Uilbichl Hügel in der Nähe der St. Ulrichskirche in Ilstern
Umastroute Umastrate Flur in Hofern
Untafischa Unterfischer Hof in Kiens

162
Unterloube, Unterlobe,
Höfe in Aschbach, auch Unterlober und Oberlober
Oberloube Oberlobe
Untogols Untergols Hof am Kienberg
Untokåltprunn Unterkaltbrunn Quellgebiet im Kaltwassertal
Untokôr Unterkar Bergflur unterhalb des Mutenock
Untowêga Unterweger Hof in Hofern
Vëlsa Völser Hof in Kiens
Voglpîchl Vogelbichl Hügel in Ehrenburg, auch Zimmermeisterbichl
Vouråcko Voracker Flur bei St. Sigmund
Wåchtleachna-
Wachtlechnerstich Wegabschnitt in Getzenberg
schtich
Wåchtleachnaweg Wachtlechnerweg Wegverbindung in Getzenberg
Wåldåcko Waldacker Flur in Hofern und Getzenberg
Wålleachnafelt Walchlechnerfeld Feld des Hofes Walchlechen in Getzenberg
Wålsa Oberwalser Haus in St. Sigmund
Waschtlanwassole Wastlenwasserle Quelle in Getzenberg
Wåssakåschtn Wasserkasten Weideflur bei Kiens
Wåssoweg Wasserweg Waldweg zur Quelle Plattner Wasser am Kienberg
Wåssowegreide Wasserwegreide Kehre des Wasserwegs am Kienberg
Wegschoada Wegscheider Hof im Katzental
Weialåcke Weiherlacke Quelle in Getzenberg
Wëlfisgruibe Wölfesgrube Flur bei Ehrenburg, neuer: Wolfisgruibe
Wenzlhitte Wenzelhütte Almflur in Getzenberg
Werfl Werfel Großflur unterhalb des Kienbergs an der Rienz
Wîdngarschtl Widumgartl Flur in Kiens
Winkla Winkler Hof in Hofern
Winklapîchl Winklerbichl Geländeerhebung in Hofern
Wintowêga Winterweger Hof in Getzenberg
Wintowêgamîle Winterwegermühle frühere Mühle am Burgerbach
Wirschtsgarschtl Wirtsgartl Waldflur in Kiens

163
Wîsa Wieser Hof in Getzenberg
Wolfnsgruibe Wolfensgrube Flur unterhalb Wachtlechen in Kiens
Zaine Zäune Wegname im Pustertal
Zên Wîsn Zehn Wiesen Waldflur in Getzenberg
Zigglåcko Zigglacker Flur in Hofern
Zimita St. Sigmunder
Waldweg zu den Sigmunder Wäldern in Getzenberg
Hoachwåltweg Hochwaldweg
St. Sigmunder
Zimita Prugge bei Ilstern
Brücke
St. Sigmunder
Zimita Stëckl in St. Sigmund
Stöckl
St. Sigmunder
Zimita Waldo in Getzenberg
Wälder
Zimita Weg St. Sigmunder Weg Wegverbindung zwischen Kiens und St. Sigmund
Zimmomoaschto- Zimmermeister-
Hügel bei Ehrenburg, auch Vogelbichl
pîchl bichl
Gipfel oberhalb Hofern am Kammrücken gegen das Mühlwal-
Zwëlfaschpitz Zwölferspitz
der Tal

164
Die Dorf- und Weilernamen

Die Schützenkompanie
Ehrenburg

Zum Herausgeber

165
Die Schützenkompanie Ehrenburg
Die Gründungsversammlung der Schützenkompanie Ehrenburg
fand am 24. Mai 2003 statt, das Gründungsfest im darauf folgen-
den Jahr am 16. Mai 2004.

Die Schützenkompanie Ehrenburg sieht sich als Nachfolgeorgani-


sation der Schützen des Gerichtes Schöneck. Diese werden zum
ersten Mal anlässlich der Freiheitskämpfe 1797 am Monte Baldo
unter ihrem Hptm. Steiner erwähnt. Während der Tiroler Freiheits-
kämpfe 1809 und 1813 hatten sie sich besonders hervorgetan. Der
Ehrenburger Graf Alexander Künigl war von der Kaiserin Maria
Theresia 1741 zum Obersten eines Tiroler Schützenregiments er-
nannt worden. Es ist erwähnt, dass 1846 in Kiens ein Schießstand
stand und die dortige Kompanie 45 Standschützen zählte. 1865
Gründungsfest der Schützenkompanie Ehrenburg im Jahr 2004

166
wurde Peter Putzer aus Ehrenburg zum Haupt- 2008 hat die Schützenkompanie Ehrenburg den
mann der 145 Mann starken Brunecker-Tauferer Landesmarschierwettbewerb gewonnen, im Ge-
Schützenkompanie gewählt. denkjahr 2009 trugen Ehrenburger Schützen beim
Landesfestzug in Innsbruck das große Transparent
1907 wurde die Fahne der Standschützenkompa- „Los von Rom“. An der Organisation der Kund-
nie geweiht. Diese wurde von 2003 bis 2009 von gebung „Gegen Faschismus – Für Tirol“ in Bozen
der Schützenkompanie Ehrenburg getragen und 2008 und in Bruneck 2009 waren die Mitglieder
musste dann der Gemeinde Kiens zurückgegeben der Schützenkompanie Ehrenburg maßgeblich
werden. Mit der Loslösung Südtirols vom Vaterland beteiligt. Jährlich wird der Tirolerball in Kiens or-
Österreich im Jahr 1919 kam das Schützenwesen in ganisiert, der viele Personen anzieht. Bei den Pro-
Kiens zum Erliegen. Im Jahre 1943 wurde der Schieß- zessionen in den verschiedenen Fraktionen ist die
stand noch einmal renoviert, und es gab kurzfristig Kompanie mit dabei. Ziel der Kompanie ist es, den
wieder Aktivitäten in der Gemeinde. Doch ein Bom- Glauben, die Sprache, das Brauchtum und die Hei-
benvolltreffer im Herbst 1944 besiegelte das Aus mat zu pflegen und zu schützen und die Loslösung
für den Kiener Schießstand. Südtirols vom Staat Italien und eine politische Wie-
dervereinigung Tirols mit friedlichen Mitteln zu er-
Die Tätigkeiten der heutigen Schützenkompanie reichen – getreu dem Leitspruch der Kompanie: Der
Ehrenburg sind vielfältig. Das Moarbachstöckl Freiheit entgegen!
wurde im Jahr 2005 renoviert. Im Jahr 2007 wurde
eine neue Schützenfahne angeschafft; Fahnenpa-
tin wurde Anna Crazzolara aus Hofern. In einem
Gemeinschaftsprojekt mit der Berufsschule Brun-
eck hat die Schützenkompanie Ehrenburg 2008
das Getzenberger Stöckl renoviert. Besonders am
Herzen liegt der Kompanie die volkstumspolitische
Überzeugungsarbeit in der näheren Umgebung. So
wurden Vorträge über den Ersten Weltkrieg und
den Südtiroler Freiheitskampf in den 60er Jahren
organisiert. In einer großen Podiumsdiskussion
wurde zudem im Jahre 2006 diskutiert, ob Südti-
rols Jugend noch ein Vaterland hat.

167
Die Dorf- und Weilernamen

Standschützenfahne aus dem Gemeindegebiet Kameradschaft wird hoch gehalten

Die Schützenkompanie Ehrenburg mit ihrem Transparent beim Landesfest- Beim Landesmarschierwettbewerb in Bozen erreichte die SK Ehrenburg den
zug in Innsbruck 2009 1. Platz.
168
Was geschieht bei den Schützen? Kultur nicht nur pflegen,
sondern vor allem leben
38 Schützen und Marketenderinnen zählt die Schüt-
zenkompanie Ehrenburg heute. Sie ist Mitglied im Dieser Leitspruch bestätigt sich im konsequenten
Südtiroler Schützenbund, welcher aus rund 5.250 Einsatz der Schützen in verschiedenen Bereichen:
Schützen und Marketenderinnen, 140 Mitglieds- So werden das heimische Kultur- und Sprachgut
kompanien und 3 Schützenkapellen besteht. Eine und die Natur- und Trachtenlandschaft erhalten.
Organisation, der die Erhaltung der Heimat, die Heimische Bau- und Kulturdenkmäler wie Kapel-
Traditionspflege und der christliche Väterglaube len, Bildstöckln oder Wegkreuze werden restauriert
am Herzen liegen, wie kaum einer anderen. oder neu errichtet und das Scheibenschießen wird
gepflegt. Überliefertes Brauchtum wird gefördert
und weitergegeben.
Überparteilich aber
volkstumspolitisch aktiv
Heimat erleben und gestalten
Die Aufgaben der Schützenkompanie Ehrenburg
leiten sich grundsätzlich nicht aus politischen Vor- Es gibt viele Wege, zu den Schützen zu finden.
gaben ab. Überparteilich, und trotzdem einem kla- Manch einen bringt die Familientradition als Jung-
ren volkstumspolitischen Auftrag folgend, erarbei- schütze in die örtliche Kompanie, andere finden im
tet der Ausschuss der Kompanie Vorgaben, nach Jugendalter bei den Schützen ihren Platz. Letztend-
denen die Kompaniemitglieder vor Ort auf demo- lich treten auch Erwachsene den Schützen bei, um
kratische Art und Weise ihrem Schützenauftrag ge- Heimat zu erleben und zu gestalten.
recht werden.

Fit, nicht nur in Landeskunde


Liebe zur Heimat als Auftrag und Geschichte
Die Liebe zur Heimat bedeutet für Schützen vor Der Südtiroler Schützenbund bietet seinen Mitglie-
allem auch die Liebe zu ihren Menschen. Spontane dern jedes Jahr ein reichhaltiges Fortbildungspro-
Hilfe und solidarische Aufgaben in der jeweiligen gramm: Es reicht vom Wissen über die Geschichte
Gemeinde macht sie zum wichtigen Träger des in der Heimat bis zu Redeschulungen. Außerdem sind
Tirol seit Jahrhunderten ausgeprägten Gemein- auf der Webseite des Südtiroler Schützenbundes:
schaftssinns. www.schuetzen.com rund um die Uhr Informatio-
nen zu verschiedensten Themen zugänglich.

169
Die Dorf- und Weilernamen

170
recht. Die Schützen verteidigen das deutsche und
das ladinische Volkstum und stellen sich den Aus-
einandersetzungen der Zeit.

Kameradschaft mit
Gleichgesinnten in ganz Tirol
Der Lohn allen Tuns könnte größer nicht sein: Dicke
Kameradschaft mit Gleichgesinnten in ganz Tirol.
Hier, wo sich Alt und Jung, Mann und Frau ohne
Unterschied des gesellschaftlichen Standes mit
einem freundschaftlichen „Du“ ansprechen, findet
jeder seinen Platz und seine Aufgabe. Es spielt da-
bei keine große Rolle, ob man als Schütze unter Ge-
wehr ausrückt oder als Marketenderin neben dem
Hauptmann in der ersten Reihe steht. Allen ge-
Alt und jung – gemeinsam für das gleiche Ziel
meinsam sind die Ziele, die Freude an der Traditi-
onspflege und die Bereitschaft, sich für die Heimat
Für Tirol und gegen Ungerechtigkeit einzusetzen.

Sich gesellschaftspolitisch einzusetzen, klar die


eigene Meinung zu vertreten und als Gewissen
des Landes zu wirken, wo immer es notwendig er-
scheint, sehen die Schützen seit jeher als ihren Auf-
trag an. Deshalb treten die Schützen gegen Unge-
rechtigkeit und die Verherrlichung von totalitären
Staatsformen ein. Sie bekennen sich zur Freiheit,
streben die politische Landeseinheit Tirols an und
halten den Kontakt zum Vaterland Österreich auf-

171
Segnung des renovierten Getzenberger Stöckls im Jahre 2008

172
Die Kompanie Ehrenburg im Jahr 2010:

Aktive Mitglieder: 38
Schützen: 29
Marketenderinnen: 7
Jungschützen: 2

Unterstützende Mitglieder: 8

Kontaktpersonen:
Ehrenburg: Hptm. Efrem Oberlechner, Olt. Juri Oberlechner
Kiens: Zeugwart Harald Mair
St. Sigmund: Schütze Mirko Seeber
Hofern: Flt. Emmerich Wolfsgruber
Getzenberg: Schriftführer Armin Tschöll

Kontakt:
Schützenkompanie Ehrenburg
Ehrenburgerstr. 14, 39030 Ehrenburg
Tel. 349 197 38 09
geometer@oberlechner.info
www.schuetzen.com

173
Nun liegt es am Leser ...
Die Namen der Orte, der Berge und der Wiesen un- In jedem Namen steckt demnach eine Entwick-
serer Heimat sind ein altes Kulturgut. Gewachsen lung und somit jahrhundertelange Geschichte.
über Jahrhunderte, hat jeder von ihnen eine eigene Das macht alle Bezeichnungen einzigartig und zu
Geschichte. Manche erinnern in ihren Grundzügen einem wertvollen, gewachsenen Kulturgut. Dieses
an ihre einstigen Besitzer, andere beschreiben die zu erhalten, hat sich die Schützenkompanie Ehren-
Geländeform, die Wirtschaftlichkeit oder ganz ein- burg nun mit diesem Buch zur Aufgabe gestellt.
fach die Entstehungsgeschichte.
Nun liegt es vor allem am geneigten Leser, das An-
Alle haben sie aber eines gemeinsam: Im Gegen- sinnen der Schützenkompanie umzusetzen. Näm-
satz zu Wörtern haben unsere Orts- und Flurbe- lich die Namen der engeren Heimat zu erkunden,
zeichnungen, losgelöst vom ursprünglichen Be- bewusst zu benutzen, vor Verfälschungen zu be-
nennungsgrund und der damaligen Sprachform, in wahren und dieses Bewusstsein vor allem der Ju-
unserem heutigen Sprachgebrauch nicht mehr die gend weiterzugeben.
Funktion zu bedeuten, sondern zu bezeichnen. Der
Name Getzenberg etwa bedeutet für uns nichts, er In einer Zeit, in der so vieles politischem Kalkül
bezeichnet aber etwas – in diesem Fall den Berg, geopfert wird, sollten wir uns dies in verstärktem
der einst einer Person wohl mit dem Namen G�zzo Maße zu Eigen machen.
gehört hat. Im Lauf der Zeit haben sich die Besitz-
verhältnisse geändert – heute ist es nicht mehr der
Berg des G�zzo, die abgewandelte Form ist aber Elmar Thaler
trotzdem als Bezeichnung geblieben. Bundesgeschäftsführer des
Südtiroler Schützenbundes
Danksagung
Für die finanzielle Unterstützung:

Fraktion Fraktion Agrargemeinschaft


EHRENBURG ST. SIGMUND Getzenberg
Autonome Region
Trentino-Südtirol

. .
LAURIN
Stiftung
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Für die Unterstützung: Forstverwaltung Kiens – Amtsdirektor Dr. Silvester Regele, Norbert Franzelin
Dorfbevölkerung aller fünf Dörfer

Für die ehrenamtliche Mitarbeit: Karl Pfeifhofer, Wolfgang Gasser, Bezirksmajor-Stv. Peter Villgrater,
Olt. Alfred Stolzlechner, Dorfbevölkerung aller Fraktionen und den Mitgliedern der Schützenkompanie
Ehrenburg

Für das Lektorat: Dr. Margareth Lun, Karl Pfeifhofer, Martin Pescolderung, Efrem Oberlechner, Juri Ober-
lechner

Ein Dank auch den beiden Autoren Mag. Cäcilia Wegscheider und Dr. Cristian Kollmann sowie dem Grafiker
Elmar Thaler.
Bildnachweis
Karl Pfeifhofer, Seite 16, 22, 25, 36, 37, 51, 56, 59, 67, 73 links, 80, 93, 97, 98, 103, 106, 119, 126
Wolfgang Gasser, Seite 10, 14, 17, 21, 23, 27, 33, 38, 41, 42, 47, 53, 65, 68, 90, 105, 113, 116, 121
Alfred Stolzlechner, Seite 18, 34, 55, 70, 73 rechts, 75, 82, 86, 91, 109, 123
Peter Villgrater, Seite 58, 61, 76, 77, 85, 112, 125
Efrem Oberlechner, Seite 19, 28, 63, 94
Gerhard Pernter, Seite 44, 166
Christian Hernegger, Seite 102, 172
Schützenkompanie Ehrenburg, Seite 168 links und rechts oben
Fabian Haspinger, Seite 168 links unten
Martin Huber, Seite 168 rechts unten
Günther Obwegs, Seite 170
Miriam Brunner, Seite 171
Wir Schützen kämpfen für Wahrheit und Aufrichtigkeit.

Flurnamen, Wurzeln der Heimat


Wir glauben, dass in unseren Flur- und Ortsnamen
viel von dem liegt, was Heimat ausmacht.
Dieses Erbe gilt es zu erforschen, daran festzuhalten,
es zu benützen und unseren Kindern weiterzugeben,
allen Widerständen zum Trotz. Der Freiheit entgegen!

Efrem Oberlechner

Flurnamen,
ISBN: 88-970530-9-5

Wurzeln der Heimat


SCHÜTZENKOMPANIE EHRENBURG
Ehrenburg – Kiens – St. Sigmund – Hofern – Getzenberg
EFFEKT! BUCH