Sie sind auf Seite 1von 586




   

 
 

       
      
   
! 


  
    
!" #
$  % 

&

' 

%

((()

"   

 
 *  
+ 
,,)
),(-

./0(-)12,
30(-)12,,
!'(456"/#
51" 0 7 //
80 066/ /

  #
%*9*'
* :

"$" %&&

9
  $
;
 

        
         



   

 
 

       
      
   
:
<   
 !%#
 =      
!" #
: *8 *

18   1;  9*' * :'   :
/"
 
 ;%  8   />  
8 ?*8/

+@0 /"
 
 ;
 %  8  
 /5"
 " A 
 /  


5 81>    


  B  
  %%%  
< 0 066/   /
 066/ /
 066/ /
 066/  /
VORWORT III

Vorwort
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Deutsche Studen-
tenwerk (DSW) stellen mit dieser Publikation die Ergebnisse der 19. Sozialerhebung
vor, die im Sommersemester 2009 durchgeführt wurde. Die Ergebnisse basieren auf
mehr als 16.000 Fragebögen, die deutsche Studierende und studierende Bildungsin-
länder/innen von 210 deutschen Hochschulen ausgefüllt haben, und die die HIS Hoch-
schul-Informations-System GmbH ausgewertet hat.

Die Sozialerhebung wird seit 1951 im Abstand von drei Jahren durchgeführt und bildet
die soziale und wirtschaftliche Lage der Studierenden in Deutschland ab. Die Kontinu-
ität der Erhebungen erlaubt damit Vergleiche und Überblicke über einen langen
Zeitraum. Die Zeitreihen im Kapitel Bildungsbeteiligung sind zu einem der wichtigs-
ten Indikatoren dafür geworden, ob und in welchem Umfang sich die Chancengerech-
tigkeit beim Hochschulzugang in Deutschland verändert hat.

Die Ergebnisse der 19. Sozialerhebung bestätigen, dass die Verbesserungen im Rah-
men des BAföG positive Wirkungen zeigen. Gleichwohl besteht noch immer ein enger
Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Hochschulzugang. Deshalb bleibt in
den nächsten Jahren die Verwirklichung von Chancengerechtigkeit eine der drin-
gendsten Aufgaben der Bildungspolitik. Nur durch eine hohe Bildungsbeteiligung der
nachfolgenden Generation am Hochschulstudium kann der erforderliche akademi-
sche Fachkräftebedarf für die Zukunft gesichert werden. Dass wir hier auf einem gu-
ten Weg sind, belegen die aktuellen Studienanfängerzahlen.

Die Daten der 19. Sozialerhebung geben uns wichtige Informationen über Einnahmen
und Ausgaben der Studierenden und mögliche Handlungserfordernisse, um die fi-
nanziellen Rahmenbedingungen für die Studierenden weiter zu verbessern. Die Er-
gebnisse unterstreichen die besondere Relevanz der sozialen Rahmenbedingungen
für den Hochschulzugang und für den Studienerfolg. Sie liefern der Politik, den Hoch-
schulen und den Studentenwerken wichtige Hinweise für zukünftiges hochschulpoli-
tisches Handeln und zur Qualitätsentwicklung der Service- und Beratungsangebote
rund um das Studium.

Im Hinblick auf den Hochschulbereich ist die 19. Sozialerhebung eine der wichtigsten
Datengrundlagen für die nationale Bildungsberichterstattung sowie für die internati-
IV VORWORT

onale Vergleichsuntersuchung EUROSTUDENT. Auf Grundlage der erhobenen Daten


erscheinen zudem Ende 2010/Anfang 2011 zwei Sonderauswertungen zu den Themen-
feldern „Soziale und wirtschaftliche Lage der Bachelor-Studierenden“ sowie „Die sozi-
ale Lage der ausländischen Studierenden in Deutschland und der deutschen Studie-
renden im Ausland“.

Wir danken den Studierenden, die den umfangreichen Fragebogen ausgefüllt haben,
den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hochschulen und Studentenwerke für
ihre Unterstützung sowie den Beschäftigten der HIS Hochschul-Informations-System
GmbH für die erfolgreiche Durchführung dieser Erhebung.

Berlin, im März 2010

Prof. Dr. Annette Schavan, MdB Prof. Dr. Rolf Dobischat


Bundesministerin Präsident
für Bildung und Forschung des Deutschen Studentenwerks
INHALTSVERZEICHNIS V

Inhaltsverzeichnis
Seite

Zusammenfassung 1
1. Studierende und Hochschulentwicklung ...................................................... 3
2. Chancenstrukturen und Beteiligung an Hochschulbildung ...................... 8
3. Studienfinanzierung und wirtschaftliche Situation der Studierenden .... 12
3.1 Einnahmen der Studierenden .............................................................. 13
3.2 Die Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz .. 18
3.3 Ausgaben für die Lebenshaltung ......................................................... 21
3.4 Ausgaben für allgemeine Studiengebühren/-beiträge ................... 24
4. Die Zeitstruktur des studentischen Alltags – Studium und
Erwerbstätigkeit.................................................................................................. 24
5. Soziale Infrastruktur für Studierende ............................................................. 30

1. Anlage der Untersuchung 37


1.1 Untersuchungsziele ........................................................................................... 38
1.2 Erhebungsinstrumentarium ............................................................................ 39
1.3 Durchführung der Untersuchung ................................................................... 42
1.4 Rücklauf und Repräsentativität ....................................................................... 43
1.5 Darstellung der Ergebnisse ............................................................................... 44

2. Hochschulzugang 47
2.1 Entwicklung der Studierenden- und Studienanfängerzahlen ................... 50
2.2 Hochschulzugang und Vorbildung ................................................................. 57
2.2.1 Art der Studienberechtigung ............................................................... 57
2.2.2 Berufsausbildung vor Studienbeginn ................................................. 58
2.2.3 Regionale Mobilität ............................................................................... 61
2.2.4 Zeitliche Verzögerung der Studienaufnahme .................................. 64
2.3 Studierneigung und Studienverzicht ............................................................. 66

3. Bildungsbeteiligung 71
3.1 Quoten der Bildungsbeteiligung ..................................................................... 74
3.1.1 Quoten der amtlichen Statistik ............................................................ 74
3.1.2 Sozialgruppenspezifische Bildungsbeteiligungsquoten ................ 74
3.2 Bildungsschwellen ............................................................................................. 75
3.3 Zur Berechnung sozialgruppenspezifischer Bildungsbeteiligungsquoten 77
VI INHALTSVERZEICHNIS

3.4 Beteiligung an allgemein bildenden Schulen ............................................... 78


3.4.1 Schwelle 1: Schulform nach der Grundschule ................................... 78
3.4.2 Schwelle 2: Übergang in die Sekundarstufe II ................................... 78
3.4.3 Schwelle 3: Studienberechtigung ........................................................ 82
3.5 Schwelle 4: Bildungsbeteiligung an Hochschulen ....................................... 84
3.5.1 Studienanfängerquoten ........................................................................ 85
3.5.2 Sozialgruppenspezifische Studienbeteiligung ................................. 93
3.6 Bildungsbeteiligung und soziale Zusammensetzung ................................. 100
3.7 Bildungstrichter .................................................................................................. 103

4. Sozio-demographische Merkmale der Studierenden 109


4.1 Demographische Merkmale ............................................................................. 113
4.1.1 Alter der Studierenden .......................................................................... 113
4.1.2 Familienstand der Studierenden ......................................................... 116
4.2 Soziale Herkunft ................................................................................................. 118
4.2.1 Schulabschluss der Eltern ..................................................................... 120
4.2.2 Berufliche Bildung der Eltern ............................................................... 123
4.2.3 Berufliche Stellung der Eltern ............................................................. 126
4.2.4 Gruppen sozialer Herkunft ................................................................... 128

5. Merkmale des Studiums 145


5.1 Fächerstruktur und angestrebte Abschlüsse ................................................. 148
5.1.1 Veränderungen in der Fächerstruktur ............................................... 148
5.1.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede ................................................. 152
5.1.3 Angestrebte Abschlüsse ........................................................................ 155
5.2 Studienverlauf ..................................................................................................... 157
5.2.1 Studiengangwechsel ............................................................................. 157
5.2.2 Studienunterbrechung ......................................................................... 162
5.2.3 Hochschulwechsel ................................................................................. 166
5.2.4 Postgraduale Studiengänge ................................................................. 172
5.2.5 Studienbezogener Auslandsaufenthalt .............................................. 175

6. Studienfinanzierung – Einnahmen der Studierenden 181


6.1 Grundlagen der Analyse .................................................................................... 184
6.1.1 Rechtslage ............................................................................................... 184
6.1.2 Haushaltstyp „Normalstudent“ ........................................................... 186
6.1.3 Methodische Anmerkungen ................................................................ 187
6.2 Studienfinanzierung im Überblick .................................................................. 190
INHALTSVERZEICHNIS VII

6.2.1 Höhe der monatlichen Einnahmen .................................................... 190


6.2.2 Herkunft und Zusammensetzung der monatlichen Einnahmen .. 193
6.3 Einnahmensituation nach ausgewählten Merkmalen ................................ 202
6.3.1 Einnahmen und Geschlecht ................................................................. 202
6.3.2 Einnahmen und Alter ............................................................................ 204
6.3.3 Einnahmen und soziale Herkunft ....................................................... 210
6.3.4 Einnahmen und BAföG-Status .............................................................. 216
6.3.5 Regionale Unterschiede ........................................................................ 226
6.3.6 Studienspezifische Einnahmenunterschiede .................................... 231
6.3.7 Einnahmen und allgemeine Studiengebühren................................. 237
6.4 Einschätzung der finanziellen Situation ........................................................ 242

7. Lebenshaltungs- und Studienkosten – ausgewählte


Ausgabenpositionen 251
7.1 Vorbemerkung .................................................................................................... 254
7.2 Ausgewählte Ausgabenpositionen ................................................................. 255
7.2.1 Ausgaben für Miete einschließlich Nebenkosten ............................. 255
7.2.2 Ausgaben für Ernährung ...................................................................... 262
7.2.3 Ausgaben für Kleidung ......................................................................... 264
7.2.4 Ausgaben für Lernmittel ....................................................................... 264
7.2.5 Ausgaben für Fahrtkosten .................................................................... 265
7.2.6 Ausgaben für Krankenversicherung, Arztkosten, Medikamente .. 267
7.2.7 Ausgaben für Telefon, Internet, Rundfunk- und Fernsehgebühren 268
7.2.8 Ausgaben für Freizeit, Kultur und Sport ............................................. 269
7.2.9 Einnahmenabhängigkeit der Ausgaben ............................................ 269
7.3 Bilanzierung der Einnahmen und Ausgaben ................................................ 271
7.4 Allgemeine Studiengebühren .......................................................................... 274
7.4.1 Umfang der Gebührenpflicht ............................................................... 274
7.4.2 Höhe der Studiengebühren und ihre Finanzierung ......................... 278

8. Förderung nach dem Bundesausbildungs-


förderungsgesetz – BAföG 281
8.1 Rahmenbedingungen ....................................................................................... 284
8.2 Umfang der Förderung ...................................................................................... 285
8.2.1 Stand und Entwicklung der BAföG-Quote ......................................... 286
8.2.2 BAföG-Quote nach ausgewählten Merkmalen ................................. 287
8.2.3 BAföG und allgemeine Studiengebühren........................................... 298
8.3 Höhe der Förderungsbeträge ........................................................................... 302
VIII INHALTSVERZEICHNIS

8.4 Förderungsarten ................................................................................................. 306


8.5 Einschätzung der BAföG-Förderung aus der Sicht der Betroffenen .......... 307
8.6 Warum kein BAföG? ........................................................................................... 310

9. Zeitbudget 313
9.1 Zeitaufwand für das Studium ........................................................................... 316
9.1.1 Studienaufwand nach Art des Studiums ............................................ 316
9.1.2 Studienaufwand im Studienverlauf .................................................... 320
9.1.3 Studienaufwand nach angestrebtem Abschluss ............................... 321
9.1.4 Studienaufwand nach Studienbereichen .......................................... 322
9.2 Zeitaufwand für Erwerbstätigkeit ................................................................... 325
9.2.1 Erwerbsaufwand nach Art des Studiums ........................................... 325
9.2.2 Erwerbsaufwand nach Hochschulart ................................................. 328
9.2.3 Erwerbsaufwand im Studienverlauf.................................................... 329
9.3 Zeitbudget aus Studium und Erwerbstätigkeit ............................................. 330
9.3.1 Zeitbudget und regionale Merkmale ................................................. 332
9.3.2 Zeitbudget und sozio-demographische Merkmale .......................... 336
9.3.3 Zusammenhang zwischen Studien- und Erwerbszeit ...................... 337
9.3.4 Vollzeit- versus Teilzeitstudium ........................................................... 340
9.4 Einschätzung der zeitlichen Studienbelastung ............................................ 350
9.4.1 Zeitliche Belastung während der Vorlesungszeit ............................. 351
9.4.2 Zeitliche Belastung während der vorlesungsfreien Zeit ................. 354

10.Studentische Erwerbstätigkeit 359


10.1 Erwerbstätigenquote ......................................................................................... 363
10.2 Einflussfaktoren der Erwerbstätigkeit ............................................................ 365
10.2.1 Alte versus neue Länder ........................................................................ 365
10.2.2 Allgemeine Studiengebühren ............................................................. 367
10.2.3 Länder und Hochschulstandorte ......................................................... 369
10.2.4 Sozio-demographische Merkmale ...................................................... 371
10.2.5 Hochschulzugang und Studienverlauf ............................................... 375
10.2.6 Studiengang ............................................................................................ 376
10.3 Motive studentischer Erwerbstätigkeit .......................................................... 378
10.3.1 Einzelmotive ............................................................................................ 380
10.3.2 Hauptdimensionen der Erwerbsmotivation ..................................... 382
10.3.3 Erwerbsmotive und Zeitaufwand bzw. Verdienst ............................ 384
10.3.4 Erwerbsmotive und Alter ...................................................................... 386
10.3.5 Erwerbsmotive und soziale Herkunft ................................................. 387
INHALTSVERZEICHNIS IX

10.3.6 Erwerbsmotive und Einstellung zum Studium ................................. 387


10.4 Tätigkeitsarten .................................................................................................... 388
10.5 Finanzieller Ertrag der Tätigkeiten ................................................................. 393

11. Wohnsituation 397


11.1 Genutzte Wohnform .......................................................................................... 400
11.2 Einflussfaktoren bei der Wahl der Wohnform .............................................. 402
11.2.1 Regionale Aspekte .................................................................................. 402
11.2.2 Alter .......................................................................................................... 406
11.2.3 Geschlecht und Familienstand ............................................................ 407
11.2.4 Soziale Herkunft ..................................................................................... 408
11.2.5 Studienspezifische Merkmale .............................................................. 409
11.3 Wohnwünsche und Wohnzufriedenheit ....................................................... 414
11.3.1 Wohnwünsche ........................................................................................ 414
11.3.2 Wohnzufriedenheit ............................................................................... 417

12. Gastronomische Einrichtungen im Hochschulbereich –


Mensa und Cafeteria 421
12.1 Mensa und Cafeteria – Leistungsbeschreibung ............................................ 424
12.2 Nutzung des Angebots ...................................................................................... 424
12.3 Mittagessen ......................................................................................................... 426
12.3.1 Inanspruchnahme ................................................................................. 426
12.3.2 Beeinflussende Faktoren ....................................................................... 427
12.4 Mensen und Cafeterien – Wichtige Aspekte aus studentischer Sicht ....... 434

13. Beratungs- und Informationsbedarf 439


13.1 Beratungs- und Informationsbedarfsquote ................................................... 442
13.2 Beratungs- und Informationsbedarf und Merkmale des Studiums ........... 444
13.2.1 Art des Studiums ..................................................................................... 444
13.2.2 Hochschulart ........................................................................................... 447
13.2.3 Angestrebter Abschluss und Fächergruppe ...................................... 450
13.2.4 Studiengangwechsel ............................................................................. 451
13.2.5 Studien-Erwerbs-Typ .............................................................................. 453
13.3 Beratungs- und Informationsbedarf und soziodemographische Merkmale 456
13.3.1 Alter .......................................................................................................... 456
13.3.2 Geschlecht ............................................................................................... 458
13.3.3 Soziale Herkunft ..................................................................................... 461
13.4 Nutzung von Angeboten zur Beratung und Information ........................... 461
X INHALTSVERZEICHNIS

14. Studieren mit Kind 467


14.1 Anteil und Anzahl Studierender mit Kind....................................................... 470
14.2 Sozio-demographische Merkmale .................................................................. 472
14.2.1 Alter der Studierenden mit Kind .......................................................... 472
14.2.2 Familienstand und Kinderzahl ............................................................ 472
14.2.3 Soziale Herkunft ..................................................................................... 476
14.2.4 Alter des (jüngsten) Kindes ................................................................... 477
14.2.5 Wohnform ............................................................................................... 479
14.3 Studienbezogene Merkmale ............................................................................ 479
14.3.1 Hochschulart, Studiengang und Studienfach ................................... 479
14.3.2 Studienverlauf von Studierenden mit Kind ....................................... 481
14.4 Stellenwert des Studiums .................................................................................. 483
14.4.1 Zeitbudget und Erwerbstätigkeit ........................................................ 484
14.4.2 Studien-Erwerbs-Typ und Zentralität des Studiums ......................... 488
14.4.3 Beratungs- und Informationsbedarf ................................................... 490
14.5 Wirtschaftliche Situation .................................................................................. 493

15. Studierende mit Migrationshintergrund 499


15.1 Begriffliche Abgrenzung und Herkunftsländer ............................................ 502
15.2 Demographische Merkmale ............................................................................. 504
15.3 Soziale Herkunft ................................................................................................. 505
15.4 Bildungsbiographie, Fächerwahl und Studienverlauf ................................. 506
15.4.1 Hochschulzugang und berufliche Vorbildung ................................. 506
15.4.2 Studienmerkmale ................................................................................... 507
15.5 Finanzielle Situation .......................................................................................... 510
15.6 Erwerbstätigkeit ................................................................................................. 513
15.7 Wohnformen ....................................................................................................... 514

Anhang 515
A Erhebungsunterlagen und Randauszählung ................................................ 515
A.1 Fragebogen und Begleitschreiben................................................................... 516
A.2 Randauszählung ................................................................................................. 533
B Methodische Anmerkungen ............................................................................. 557
B.1 Zur Berechnung der Bildungsbeteiligung...................................................... 558
B.2 Zur Bildung sozialer Herkunftsgruppen......................................................... 563
Literaturverzeichnis ..................................................................................................... 567
Zusammenfassung
2 ZUSAMMENFASSUNG

Vorbemerkung tungen bereitstellen (z. B. BAföG, Mensen/


Mit dem vorliegenden Bericht werden die Cafeterien, Wohnmöglichkeiten und Be-
Ergebnisse der 19. Sozialerhebung des ratungsangebote).
Deutschen Studentenwerks präsentiert, Die Untersuchungsergebnisse bieten
die im Sommersemester 2009 von HIS eine aktuelle Bestandsaufnahme zu den
Hochschul-Informations-System durch- sozialen und wirtschaftlichen Bedingun-
geführt wurde. Die Ergebnisse basieren gen und Problemen des Studierens und
auf den Angaben von 16.370 Befragten ordnen diese in die längerfristige, durch
und sind repräsentativ für die Studieren- eine Vielzahl von Zeitreihen dokumen-
den an deutschen Hochschulen.
1 tierte Entwicklung studentischen Lebens
Die Sozialerhebung, die seit 1951 zu- in Deutschland ein. Da sich in der Ent-
meist im dreijährigen Rhythmus durch- wicklung der sozialen und wirtschaftli-
geführt wird, ist ihrer Anlage nach ein chen Aspekte des Studiums immer auch
mit wissenschaftlichen Methoden erstell- der Wandel der gesellschaftlichen und fa-
tes, befragungsbasiertes Berichtssystem, miliären Lebensverhältnisse nieder-
das ein umfassendes Bild der sozialen und schlägt, ist die Sozialerhebung auch ein
wirtschaftlichen Lage der Studierenden Spiegel der sozialgeschichtlichen Ent-
in Deutschland sowie zu einigen ausge- wicklung in Deutschland – bezogen auf
wählten Aspekten der Studiensituation 30 % bis 40 % eines Altersjahrgangs, die ein
und des Studienverlaufs zeichnet. Der Un- Studium aufnehmen, und ihre Herkunfts-
tersuchungsreihe liegt die Annahme zu- familien.
grunde, dass der erfolgreiche Verlauf ei- Die Sozialerhebung ist ein zentraler
nes Studiums nicht nur von den Bedin- Bestandteil eines arbeitsteilig organisier-
gungen des Lehrens und Lernens an der ten, regelmäßigen Monitorings zur Situa-
Hochschule abhängen, sondern auch von tion der Studierenden in Deutschland,
den sozialen und wirtschaftlichen Vo- wobei ihr Schwerpunkt auf der sozialen
raussetzungen, unter denen ein Studium und wirtschaftlichen Dimension liegt.
durchgeführt wird, und damit von der so- Die Sozialerhebung steht damit an der
zialen Infrastruktur, die Staat, Hochschu- Schnittstelle zwischen Sozial- und Bil-
len, Studentenwerke oder andere Einrich- dungsberichterstattung. Diese Verknüp-
fung kommt zum Beispiel in der Frage
1 zum Ausdruck, in welcher Weise ein er-
Deutsche und Bildungsinländer/innen, ausge-
nommen sind die Studierenden der Universitä- folgreicher Studienverlauf durch die Stu-
ten der Bundeswehr, der Verwaltungsfachhoch- dienfinanzierung mitbestimmt wird.
schulen und der Hochschulen des Fernstu-
diums. Auch Informationen zum Thema Chan-
ZUSAMMENFASSUNG 3

cengerechtigkeit beim Hochschulzugang punkt unter den Bedingungen von allge-


sind seit einigen Jahren verstärkt Gegen- meinen Studiengebühren/-beiträgen.
stand der Berichterstattung. Diese basie- Die 19. Sozialerhebung beleuchtet ei-
ren vor allem auf den von HIS berechne- nen Ausschnitt des oben genannten Re-
ten Quoten der Beteiligung unterschiedli- form- und Veränderungsprozesses im
cher Bevölkerungsgruppen an der Hoch- Hochschulsystem und kann erste Auswir-
schulbildung. kungen dieses Prozesses sichtbar ma-
Die im Sommersemester 2009 durch- chen. Die Ergebnisse der Sozialerhebung
geführte 19. Sozialerhebung beschreibt müssen als eine Zeitreihe gelesen wer-
die Situation der Studierenden zu einem den, die den jeweils aktuellen Stand in-
Zeitpunkt, in dem sich ein in der Ge- nerhalb eines fortlaufenden Wandlungs-
schichte der deutschen Hochschulen ein- prozesses dokumentiert. Als eine Art Mo-
zigartiger Umbruch weitgehend vollzo- nitoringinstrument stellt die Sozialerhe-
gen hatte, der deutlich über alle früheren bung Informationen zur Verfügung, die
Hochschul- und Studienreformen hinaus- dazu beitragen können, rechtzeitig
geht. Dieser Umbruch bezieht nahezu Handlungsbedarfe zu erkennen und ge-
alle Facetten und Bestandteile des Hoch- gebenenfalls korrigierend in diesen Pro-
schulsystems ein – vom Zugang zum Stu- zess einzugreifen.
dium und der Organisation des Studiums
über das neue gestufte System akademi- 1. Studierende und Hoch-
scher Abschlüsse bis hin zur Organisati- schulentwicklung
on, Steuerung und Finanzierung der Die Entwicklung des Hochschulsystems
Hochschulen. Aus studentischer Perspek- ergibt sich aus dem Zusammenwirken
tive sind es vor allem die mit dem Bolog- von gesellschaftlichen Veränderungs-
na-Prozess verbundenen Reformen des und politischen Willensbildungsprozes-
Studiums, die zu Veränderungen auch sen. Mit der Sozialerhebung soll ein Bei-
der wirtschaftlichen und sozialen Lage trag geleistet werden, sich dadurch erge-
führen können. Darüber hinaus wurden bende Veränderungen der Situation der
im Zeitraum der 19. Sozialerhebung in Studierenden, vor allem ihrer wirtschaft-
sechs Ländern allgemeine Studiengebüh- lichen und sozialen Lage, aufzuzeigen.
ren bzw. Studienbeiträge erhoben, was Reformen in der Studienstruktur und
für etwa die Hälfte der Studierenden bzw. der Studienorganisation sowie Änderun-
ihre Eltern eine nennenswerte finanzielle gen in der Ausbildungsförderung sind
Mehrbelastung bedeutet. Im Rahmen der Beispiele für politisch angestrebten und
Sozialerhebung ist dies der erste Messzeit-
4 ZUSAMMENFASSUNG

vollzogenen Wandel. Wie die aktuelle • Seit der zweiten Hälfte der 1990er Jah-
Debatte über die Folgen der Implemen- re ist die Zahl der jährlichen Studienan-
tierung der neuen Studienstruktur zeigt, fänger um ca. ein Drittel angestiegen,
können solche Reformen aber auch zu von ca. 220.000 auf knapp. 330.000 in
unvorhergesehenen (Neben-)Folgen füh- 2008 (Bild 2.1). Diese Entwicklung verlief
ren. kontinuierlich bis 2003. Danach gab es
Als Beispiel für gesellschaftliche Ver- eine Rückwärtsbewegung; die Studienan-
änderungsprozesse ist der demografische fängerzahlen waren rückläufig bis zum
Wandel zu nennen, dessen Auswirkun- Jahr 2006. Erst ab 2007 setzte sich der
gen auf den Hochschulbesuch nicht uner- über einen längeren Zeitraum zu be-
heblich sind. Der demographische Wan- obachtende Aufwärtstrend fort und er-
del basiert u. a. auf verändertem Repro- reichte 2009 seinen vorläufigen Höhe-
duktionsverhalten. Solche Veränderun- punkt.
gen sind in der Regel die Folge langfristi- Die demografische Entwicklung al-
ger gesellschaftlicher Wandlungsprozes- lein kann weder eine Erklärung für die
se z. B. in den Familienstrukturen oder in enorme Zunahme der Studienanfänger-
den gesellschaftlichen Wertorientierun- zahlen bis 2003 noch für deren „Ein-
gen. Aber auch wirtschaftliche Entwick- bruch“ Mitte der 2000er Jahre liefern. Da-
lungen beeinflussen die Studiennachfra- für ist zu wesentlichen Teilen die kontinu-
ge. So ist etwa die konjunkturbedingte Si- ierlich zunehmende Bildungsbeteiligung
tuation des Arbeitsmarkts ein Einflussfak- verantwortlich, die allerdings zwischen
tor bei Studienentscheidungen. Auch 2004 und 2006 einen „Dämpfer“ erhalten
wenn solche Veränderungen ihre Ursa- hat. Der Anstieg in der Bildungsbeteili-
chen unmittelbar gar nicht im Bildungs- gung an Hochschulen nach 2006 ist umso
system finden, gehen sie keineswegs an bemerkenswerter und deutet auf einen
den Hochschulen vorüber. All diese Fak- gewissen Nachholeffekt hin (Bild 2.3).
toren spielen auch in die Ergebnisse der Die Studienanfängerquote – hier der
Sozialerhebung hinein. Sie werden etwa Anteil der Deutschen und Bildungsinlän-
in der Zusammensetzung der Studieren- der/innen mit Studienaufnahme an der
den nach Merkmalen wie Geschlecht altersspezifischen Bevölkerung – hatte
oder Herkunft oder in den Auswirkungen 2003 einen Wert von 33 % erreicht, um da-
gesellschaftlicher Individualisierungs- nach bis 2006 auf 30 % abzusinken und
prozesse greifbar. anschließend wieder zu steigen, auf ei-
Im Einzelnen wird hier auf folgende nen vorläufigen Höchstwert von 34 % in
wichtige Ergebnisse hingewiesen: 2008 (Bild 3.8). Diese Anfängerquote, die
ZUSAMMENFASSUNG 5

für 2009 eher noch etwas höher ausfallen sog. Brutto-Studierquote gegenüber dem
dürfte, ist wesentlich als Resultat des Jahrgang 2006 geringfügig angestiegen.
deutschen Schulsystems anzusehen. Die- Werden die seit dem Frühjahr 2009 zum
se Quote erhöht sich um fünf bis sechs Hochschulbereich gehörenden Berufs-
Prozentpunkte, wenn zugewanderte aus- akademien mitgezählt, wird sogar der re-
ländische Studienanfänger mitgezählt lativ hohe Wert von 2002 (73 %) fast wie-
werden. Unter Berücksichtigung der Zu- der erreicht.
wanderung ist damit die hochschulpoli- Der Anteil derjenigen Personen, die
tisch gesetzte Zielmarke einer Anfänger- auf ein Studium trotz grundsätzlicher Be-
quote von 40‹% erreicht. Mit der tendenzi- rechtigung verzichten, lag in den letzten
ellen Erhöhung der Studienanfängerquo- 15 Jahren zwischen einem Viertel und ei-
te soll mittel- bis langfristig der Anteil der nem Drittel aller Studienberechtigten
Akademiker an den Erwerbstätigen zu- (Bild 3.12). Studierbereitschaft und Über-
nehmen, damit die wirtschaftliche und gangsquote sind offenkundig sehr sensib-
technologische Leistungsfähigkeit le Größen, denen in Zukunft mit Blick auf
Deutschlands nicht durch Fachkräfte- den akademischen Nachwuchsbedarf ge-
mangel gefährdet wird. rade auch angesichts der sich gegenwär-
• Die Zunahme der Studienanfänger- tig vollziehenden Veränderungen im
zahlen ist im Wesentlichen der Zunahme Hochschulsystem besondere Aufmerk-
der Zahl der Studienberechtigten zu ver- samkeit gewidmet werden muss. Die
danken und nicht so sehr Veränderungen meisten Studienberechtigten entschei-
in deren Studienentscheidung. Insofern den sich für ein Studium oder eine Berufs-
werden die wichtigsten Weichenstellun- ausbildung, eine Doppelqualifikation –
gen für die Beteiligung an höherer Bil- Studium plus Berufsausbildung – wird
dung im Schulsystem vollzogen. Binnen tendenziell seltener angestrebt. Der An-
eines Jahrzehnts hat sich der Anteil der teil der Studierenden, die vor ihrer Studi-
Studienberechtigten an der altersglei- enaufnahme eine Berufsausbildung ab-
chen Bevölkerung um neun Prozentpunk- solviert haben, geht seit Mitte der 1990er
te auf 45 % erhöht. Stark zugenommen Jahre zurück – dies gilt sowohl für Studie-
hat der Anteil mit Fachhochschulreife rende an Universitäten als auch für die an
(fünf Prozentpunkte), die i. d. R. an beruf- Fachhochschulen (Bild 2.7).
lichen Schulen erworben wird (Bild 3.6). • Seit 2002 ist die Zusammensetzung
Von den Studienberechtigten 2008 haben der Studierenden nach Geschlecht relativ
69 % ein Studium aufgenommen bzw. die stabil geblieben; der Frauenanteil liegt
feste Absicht, dies zu tun. Damit ist die insgesamt bei ca. 48 %. Die diesbezügli-
6 ZUSAMMENFASSUNG

chen Unterschiede zwischen den Fächern schulen mittlerweile gut zwei Drittel der
sind aber nach wie vor beträchtlich (Bild Studierenden in einem Bachelorstudien-
5.4). Korrespondierend mit der Fächer- gang eingeschrieben sind, liegt der ent-
struktur liegt der Anteil der Frauen an sprechende Anteil an den Universitäten
den Universitäten mit 51 % weit höher als bei knapp einem Drittel. Bei dem Anteil,
an den Fachhochschulen mit 38 % (Bild der einen Masterstudiengang absolviert,
2.4). ist der Unterschied zwischen den beiden
• Die Fächerstruktur der Studierenden Hochschularten hingegen nur geringfü-
weist keine wesentlichen Veränderun- gig (Bild 5.6).
gen, sondern überwiegend eine Fortset- Die 19. Sozialerhebung liefert erneut
zung jener Trends auf, die sich schon seit wesentliche Informationen zu Studien-
Anfang der 1990er Jahre zeigen (Bild 5.12 verläufen, insbesondere zu Mobilität und
und Bild 5.12). Der Anteil der Ingenieur- Fluktuation im Studium:
wissenschaften stagniert seit Ende der • Bis zum Befragungszeitpunkt haben
90er Jahre auf einem recht niedrigen Ni- 19 % der Studierenden im Erststudium ihr
veau; zwar gibt es hier seit 1997 wieder Fach bzw. ihren Abschluss gewechselt,
eine steigende Zahl an Studienanfän- wobei diese Wechsel häufig fachaffin ver-
gern, aber nur gerade in dem Umfang, laufen, d. h. innerhalb der ursprünglich
wie die Anfängerzahlen generell anges- gewählten Fächergruppe (Bild 5.7 und
tiegen sind. Vom Rückgang der Inge- Bild 5.9). 11 % hatten ihr Studium unter-
nieurwissenschaften konnten anteilsmä- brochen. 14 % haben einen Hochschul-
ßig vor allem die Fächergruppen Sprach- wechsel vollzogen, oft in Verbindung mit
und Kulturwissenschaften und Sozialwis- einem Wechsel des Studiengangs (Bild
senschaften/Pädagogik/Psychologie pro- 5.17). Es deutet sich an, dass die Entschei-
fitieren. Vor allem für die Ingenieurwis- dungen zur Korrektur der Studienwahl
senschaften könnte sich der anhaltend durch die Einführung gestufter Studien-
niedrige Frauenanteil als nachteilig für gänge früher fallen. Während im Erststu-
die weitere Entwicklung erweisen (Bild dium insgesamt 59Ž% der Studiengang-
5.5). wechsler diese Entscheidung im ersten
• Aufgrund des fortgeschrittenen Bo- Studienjahr getroffen haben, sind es un-
logna-Prozesses hat sich der Anteil der ter den Bachelorstudierenden 76 %. Die
Studierenden, die als Abschluss ihres Stu- studienbegleitenden Prüfungen zwingen
diums einen Bachelor oder Master anstre- offenbar früher eine Entscheidung her-
ben, gegenüber 2006 rasant erhöht (47 % bei.
vs. 13 %). Während an den Fachhoch-
ZUSAMMENFASSUNG 7

• Für die Studierenden in höheren Se- prognostizierenden Anteil auslandsmobi-


mestern ist berechnet worden, wie hoch ler Studierender dar. Interessant ist, dass
der Anteil ist, der studienbedingt im Aus- sich dieser bei Bachelorstudierenden und
land war: Danach haben 32 % der Studie- Studierenden der traditionellen Studien-
renden in den traditionellen Studiengän- gänge kaum unterscheidet (45 % vs. 44 %).
gen (nur Erststudium) einen Auslands- Darüber hinaus ist festzustellen:
aufenthalt absolviert (Bild 5.20). Über die • Gut die Hälfte der Studenten und bei-
Hälfte davon (18 %) hatte sich an einer aus- nahe zwei Drittel der Studentinnen (62 %)
ländischen Hochschule immatrikuliert; leben in einer festen Partnerschaft; 4 %
die Übrigen absolvierten ihren Auslands- der Studenten und 5 % der Studentinnen
aufenthalt in anderen Formen. Weitere sind verheiratet (Bild 4.4).
12Ž% planen noch einen studienbezoge- • Von den Studierenden im Erststudi-
nen Auslandsaufenthalt, 5 % haben be- um haben 5 % mindestens ein Kind, 6Ž%
reits entsprechende Vorbereitungen ge- der Frauen sowie 4 % der Männer. Vor
troffen. dem Hintergrund einer anderen Studien-
Die Quote der Auslandsmobilen ist und Alltagsrealität der studierenden Müt-
unter den Bachelorstudierenden in höhe- ter und Väter ist es nachvollziehbar, dass
ren Semestern mit 16 % deutlich geringer; das Studium weniger häufig im Mittel-
9 % waren an einer ausländischen Hoch- punkt der Interessen und Aktivitäten
schule immatrikuliert. Allerdings ist der steht als dies bei Studierenden ohne Kind
Anteil, der einen studienbedingten Aus- der Fall ist (Bild 14.23).
landsaufenthalt noch für die Zukunft • Dadurch, dass gegenüber 2006 die
plant, sehr viel höher; er beträgt 29 % (Bild Fragestellung erweitert wurde, konnte
5.21). Dieses Ergebnis deutet darauf hin, 2009 unter den Studierenden (Deutsche
dass in der gestuften Studienstruktur ein und Bildungsinländer/innen) ein höherer
studienbedingter Auslandsaufenthalt Anteil an solchen mit Migrationshinter-
häufig erst in der Masterphase vorgese- grund identifiziert werden. Der nunmehr
hen ist bzw. in Erwägung gezogen wird. festgestellte Anteil liegt bei 11 %. Dazu zäh-
Allerdings ist zu beachten, dass lediglich len vor allem Studierende, die die deut-
12 % die Realisierung des geplanten Aus- sche Staatsangehörigkeit besitzen und
landsaufenthalts als sicher einstufen, deren Migrationshintergrund dadurch
während 17 % dies „eventuell“ vorhaben. bestimmt ist, dass sie eingebürgert wur-
Die Anteile der realisierten und noch ge- den (4 %), mindestens ein Elternteil aus-
planten Auslandsaufenthalte stellen zu- ländischer Staatsangehöriger ist (3Ž%)
sammen den Maximalwert für den zu oder der Studierende selbst neben der
8 ZUSAMMENFASSUNG

deutschen noch eine weitere Staatsange- 2. Chancenstrukturen und


hörigkeit besitzt (1 %). Außerdem gehören Beteiligung an Hochschul-
die so genannten Bildungsinländer/innen
(3 %), also die Studierenden mit ausländi-
bildung
scher Staatsangehörigkeit, die in In welchem Maße führen Studienrefor-
Deutschland die Schule besucht und hier men und zunehmende Beteiligung an
ihre Hochschulzugangsberechtigung er- Hochschulbildung auch zu einer sozialen
worben haben, zu denen mit Migrations- Öffnung der Hochschulen gegenüber
hintergrund (Bild 15.1). denjenigen Gruppen, die bislang weniger
• In einer ganzen Reihe von Merkmalen an Hochschulbildung partizipiert haben?
unterscheiden sich Studierende mit Mig- Um diese Frage zu beantworten, werden
rationshintergrund von den anderen Stu- von HIS parallel zur Sozialerhebung Quo-
dierenden. Sie kommen zum Beispiel ten für die sozialgruppenspezifische Be-
deutlich häufiger aus eher niedrigen sozi- teiligung an Hochschulbildung ermittelt.
alen Herkunftsfamilien, was allerdings Im Unterschied zu denjenigen Teilen
nur für die Gruppen der Eingebürgerten des Berichts, die auf der im Rahmen der
und der Bildungsinländer/innen gilt (Bild Sozialerhebung durchgeführten Studie-
1.14). Sie studieren ganz überwiegend an rendenbefragung aufbauen, basiert diese
Hochschulen in den alten Ländern, häufi- Analyse primär auf Daten der amtlichen
ger in Fächern aus dem Bereich der Statistik (z. B. des Mikrozensus) und ande-
Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. ren Untersuchungsreihen (z. B. den HIS-
Auch ihre finanzielle Lage unterschiedet Studienanfängerbefragungen). Soziale
sich vom Durchschnitt der Studierenden Beteiligungsquoten, wie sie in der Sozial-
beträchtlich: Der Elternanteil an den mo- erhebung präsentiert werden (Kapitel 3),
natlichen Einnahmen fällt deutlich nied- sagen etwas über die Zusammenhänge
riger, der BAföG-Anteil und der Anteil des zwischen Bildungsbeteiligung und sozia-
eigenen Verdienstes dagegen höher aus. ler Zugehörigkeit und über die Vertei-
Insgesamt verfügen Studierende mit Mi- lung der Studierchancen zwischen den
grationshintergrund über durchschnitt- sozialen Gruppen aus. Hiervon sind Da-
lich höhere Einnahmen als solche ohne ten zur sozialen Herkunft bzw. zur sozia-
Migrationshintergrund (832 € vs. 810 €). len Zusammensetzung der Studienanfän-
Dies gilt für alle Migrantengruppen, wo- ger/innen und Studierenden (Kapitel 4)
bei die mit doppelter Staatsbürgerschaft strikt zu unterscheiden.
finanziell am besten ausgestattet sind In den ermittelten Beteiligungsquo-
(862 €). ten schlägt sich die mehrfache Selektivi-
ZUSAMMENFASSUNG 9

tät auf dem Wege zu einem Hochschul- gruppen noch weit größer ausfällt, als
studium nieder, wie sie im Konzept der dies schon bei den vier sozialversiche-
Bildungsschwellen zum Ausdruck kommt rungsrechtlichen Gruppen der Fall ist. Die
(Bild 3.1): Zum einen findet Selektivität in eigentliche soziale Differenzierung der
einem ganz entscheidenden Umfang Studierchancen verläuft dabei nicht nur
bereits innerhalb des Schulsystems statt, entlang dieser Gruppen, sondern vor al-
insbesondere beim Übergang von der lem auch in Abhängigkeit von einem
Grundschule zur Sekundarstufe I, aber Hochschulabschluss der Eltern (Bild 3.16).
auch an der Schwelle zwischen den Se- Insofern wird bestätigt, wie wichtig die
kundarstufen I und II und beim Erwerb Berücksichtigung der unterschiedlichen,
einer Studienberechtigung. Zum anderen quer zu den sozialen Gruppen verlaufen-
manifestiert sich die Selektivität inner- den Bildungsmilieus ist, die immer wie-
halb dieses bereits stark vorgefilterten Po- der, aber keineswegs befriedigend, als
tentials dann noch einmal an der Schwel- „hochschulnah“ und „hochschulfern“ be-
le des Hochschulzugangs, wenn die Ent- zeichnet werden.
scheidung über die Aufnahme eines Stu- Zwar gibt es Hinweise auf eine leichte
diums selbst bei gleicher Schulleistung Annäherung in den Studierchancen zwi-
mit der sozialen Herkunft variiert. schen den sozialen Gruppen (vgl. 18. Sozi-
Für diesen Bericht ist die sozialgrup- alerhebung, Bild 3.26). Die Bildungsbetei-
penspezifische Bildungsbeteiligung an ligung von Kindern aus unterschiedlichen
der zweiten und vierten Schwelle – dem Herkunftsmilieus scheint sich über einen
Übergang in die Sekundarstufe II und langen Zeitraum gesehen tendenziell,
dem Hochschulzugang – analysiert wor- aber keineswegs kontinuierlich einander
den. Dabei ergibt die Differenzierung der anzunähern, jedoch ohne sich anzuglei-
traditionell für die Messung des sozio- chen. Die grundlegenden sozialen Dispa-
ökonomischen Hintergrunds der Bil- ritäten erweisen sich als relativ stabil. Die
dungsbeteiligung herangezogenen vier Gruppen mit der höchsten Beteiligungs-
sozialversicherungsrechtlichen Kategori- quote beim Hochschulzugang – Kinder
en nach solchen Elternhäusern, in denen aus Selbständigen- und Beamtenfamilien,
mindestens ein Elternteil bereits über ei- in denen mindestens ein Elternteil ein Stu-
nen Hochschulabschluss verfügt, und sol- dium absolviert hat – weist auch 2007
chen, für die das nicht gilt, interessante noch eine etwa fünf Mal so hohe Studier-
Befunde. Im Ergebnis zeigt sich, dass die chance auf wie die Gruppe mit der nied-
enorme Spannweite in der Bildungsbetei- rigsten Beteiligungsquote, den Kindern
ligung zwischen den betrachteten Teil- aus Arbeiterfamilien (Bild 3.16).
10 ZUSAMMENFASSUNG

Die Rekrutierungspotentiale aus den Die immer wieder beobachtbaren Unter-


hochschulnahen Bildungsmilieus sind schiede zwischen Universitäten und Fach-
mit einer Beteiligungsquote von 71 % (Bild hochschulen in der geschlechtsspezifi-
3.14) schon recht gut ausgeschöpft; eine schen Anfängerquote bestehen fort; im
arbeitsmarktpolitisch erwünschte Er- Universitätsbereich stellen die Frauen
schließung neuer Nachfragepotentiale aber seit einigen Jahren kontinuierlich
für ein Hochschulstudium kann nur über mehr als die Hälfte aller Studienanfänger
eine stärkere soziale Öffnung der Hoch- (Bild 2.2). In den neuen Ländern (einschl.
schulen erfolgen. Dies gelingt bisher nur Berlin) beteiligen sich Frauen stärker an
zum Teil. Nach den Ergebnissen der 19. Hochschulbildung als Männer. Die ge-
Sozialerhebung kommen die Studieren- schlechtsspezifischen Unterschiede in der
den in etwa zu gleichen Teilen aus hoch- Beteiligung an universitären Studiengän-
schulnahen und hochschulfernen Schich- gen sind noch etwas stärker ausgeprägt
ten. In der altersgleichen Bevölkerung als in den alten Ländern, während die für
fällt der Anteil, der aus einem hochschul- die alten Länder geschlechtstypischen
nahen Elternhaus stammt, mit gut einem Unterschiede in der Beteiligung an Fach-
Fünftel allerdings wesentlich geringer hochschulen in den neuen Ländern so
aus. Insofern ist die Hochschule derzeit gut wie nicht vorhanden sind (Bild 3.10).
eine Institution, die vielen den Bildungs- • Wie stabil soziale Strukturen der „Ver-
aufstieg ermöglicht, aber stärker noch erbung“ kulturellen Kapitals sind, wird
den Erhalt eines bereits erreichten akade- bei allen Indikatoren des Bildungs- und
mischen Status in der jeweils nachfolgen- Berufsstatus der Eltern deutlich. Diese
den Generation sichert. hohe Konstanz ist der wichtigste Grund
Im Einzelnen werden folgende Ergeb- dafür, dass sich die Ergebnisse der letzten
nisse hervorgehoben: Sozialerhebungen in diesem Punkt kaum
• Obgleich bislang immer noch von al- unterscheiden. So zeigt sich auch in der
len Studienberechtigten weniger Frauen 19. Sozialerhebung wieder der enge Zu-
als Männer ein Studium aufnehmen, ha- sammenhang zwischen dem Bildungssta-
ben sich die geschlechtsspezifischen Be- tus (Schulabschluss) der Eltern und der
teiligungsquoten an Hochschulen im Studienaufnahme der Kinder (Bild 3.13).
letzten Jahrzehnt weitgehend angegli- Dieser setzt sich beim Ausbildungsab-
chen (Bild 3.10), weil in den meisten Län- schluss und bei der beruflichen Stellung
dern der Bundesrepublik Deutschland in- der Eltern fort (Bild 3.16).
zwischen erheblich mehr Frauen als Män- • Zwischen 2005 und 2007 ist die Bil-
ner eine Studienberechtigung erwerben. dungsbeteiligung an Hochschulen insge-
ZUSAMMENFASSUNG 11

samt um 0,6 %-Punkte auf 34,7 % angestie- zialerhebung), müssen diese jüngsten
gen. In diesem Zeitraum ist die Bildungs- Veränderungen der Befunde jedoch vor-
beteiligung von Selbständigenkindern sichtig interpretiert werden.
stark (von 52 % auf 61 %) und von Beamten- Bei Selbständigen- und Beamtenkin-
kindern etwas angestiegen (von 65 % auf dern ist eine zunehmende Bildungsbetei-
67 %). Bei Arbeiterkindern ist die Bil- ligung bei jenen zu erkennen, deren El-
dungsbeteiligung dagegen konstant bei tern keinen Hochschulabschluss haben.
17 % geblieben und bei Angestelltenkin- Bei Akademikerkindern aus diesen sozia-
dern sogar leicht gesunken (von 40 % auf len Gruppen war die Studienbeteiligung
37 %; vgl. Bild 3.32, 18. Sozialerhebung dagegen rückläufig, vor allem die der
und Bild 3.15). entsprechenden Beamtenkinder (von
Interessanterweise hat die Bildungs- 95‹% auf 84 %; vgl. Bild 3.33, 18. Sozialer-
beteiligung an Hochschulen bei Akade- hebung und Bild 3.16).
mikerkindern nachgelassen, allerdings • Der Bildungstrichter, eine seit der 15.
auf sehr hohem Niveau (von 83 % auf 71 % Sozialerhebung verwendete Darstellung,
innerhalb von nur zwei Jahren). Im Ge- die seit der 18. Sozialerhebung in einer
gensatz dazu ist die Beteiligung an Hoch- neu berechneten Form vorgelegt wird,
schulbildung bei Nichtakademikerkin- zeigt trotz der schwachen Nivellierungs-
dern weitgehend stabil (von 23 % auf 24‹%; tendenzen erneut die ausgeprägten Dis-
vgl. Bild 3.29, 18. Sozialerhebung und Bild paritäten in der Bildungsbeteiligung, ins-
3.14). Einem Absinken der Bildungsbetei- besondere an der Schwelle zur Studien-
ligung an Hochschulen ist im Wesentli- aufnahme. Während von 100 Akademi-
chen dadurch entgegengewirkt worden, kerkindern 71 den Hochschulzugang
dass der Akademikeranteil unter den El- schaffen, sind es nur 24 Kinder aus Famili-
tern von Kindern im studierfähigen Alter en ohne akademische Tradition (Bild
zugenommen hat (von 18 % auf 22‹%). Vor 3.19). Das Verhältnis der Beteiligungsquo-
dem Hintergrund der Tatsache, dass die ten von Akademiker- und Nichtakademi-
Bildungsbeteiligungsquoten Ergebnisse kerkindern betrug damit 2007 3:1; vier
eines komplexen Schätzverfahrens sind, Jahre zuvor – in 2003 – war noch ein Ver-
für das mehrere externe Datenquellen hältnis von 3,2:1 festgestellt worden (Bild
verwendet werden (vgl. Methodische An- 3.17), zwei Jahre zuvor – in 2005 – sogar ei-
merkungen im Anhang) und die Quoten nes von 3,6:1 (Bild 3.18).
selbst seit Beginn ihrer Schätzung 1985 • Während Beteiligungsquoten Infor-
zum Teil extreme Schwankungen im Zeit- mationen über die Entwicklung der Bil-
verlauf aufweisen (vgl. Bild 3.26 der 18. So- dungs- bzw. der Studierchancen liefern,
12 ZUSAMMENFASSUNG

sagen Daten zur Bildungsherkunft der Herkunft der Studierenden beobachten.


Studierenden primär etwas über das Er- Auf der Grundlage der im Rahmen der So-
gebnis der spezifischen Selektions- und zialerhebung entwickelten Klassifikation
Sozialisationsprozesse im Vorfeld des von vier sozialen Herkunftsgruppen (vgl.
Hochschulzugangs aus, insbesondere im Methodische Anmerkungen im Anhang)
Schulsystem. Außerdem charakterisieren hat sich der Anteil der Herkunftsgruppe
sie das sozio-kulturelle Milieu an der „hoch“ seit 1982 bis 2006 zunächst auf
Hochschule (abgesehen davon, dass die 38‹% mehr als verdoppelt, während die
Bildungsherkunft – neben der sozialen Anteile der beiden Herkunftsgruppen
Herkunft - eine zentrale differenzierende „mittel“ und „niedrig“ (hier von 34 % bzw.
Variable für die Ergebnisse der Sozialer- 23‹% im Jahr 1982 auf 25 % bzw. 13 % im Jahr
hebung ist). Danach zeichnet sich das 2006) immer weiter gesunken sind (Bilder
Herkunftsmilieu der Studierenden über 4.14 und 4.16). Dieser langfristige Trend ist
die letzten 15 bis 25 Jahre durch einen 2009 erstmals durchbrochen worden. Die
kontinuierlich ansteigenden Bildungs- Anteile der beiden höheren sozialen Her-
und Ausbildungsstatus der Eltern aus (Bil- kunftsgruppen haben sich erstmalig wie-
der 4.8 und 4.11). In beinahe 60‹% der Her- der verringert, und zwar um insgesamt
kunftsfamilien verfügt mindestens ein El- drei Prozentpunkte. Im gleichen Ausmaß
ternteil über das (Fach-)Abitur, in 51 % haben sich die Anteile der beiden niedri-
auch bereits über einen Hochschulab- geren sozialen Herkunftsgruppen erhöht
schluss. Folgerichtig hat der Anteil der (Bild 4.14).
niedrigeren Abschlüsse über den ganzen
Zeitraum ebenso kontinuierlich abge- 3. Studienfinanzierung und
nommen. In dieser Umschichtung schla- wirtschaftliche Situation
gen sich die Auswirkungen früherer Wel- der Studierenden
len der Bildungsexpansion nieder, die zu
Die finanzielle Situation der Studieren-
einer Höherqualifizierung zwischen den
den ist eines der Schwerpunktthemen der
verschiedenen Altersgruppen geführt ha-
Berichterstattung zur Sozialerhebung. In
ben. Allerdings hat sich der Trend eines
Zeiten, in denen die Auswirkungen der
ständig zunehmenden Akademikeran-
Studienstrukturreform und der Einfüh-
teils unter den Eltern der Studierenden
rung von allgemeinen Studiengebühren/
zwischen 2006 und 2009 nicht fortgesetzt
-beiträgen heftig und kontrovers disku-
(Bild 4.11).
tiert werden, ist es selbstverständlich,
• Ein ähnlicher Prozess sozialer Repro-
dass auch bei der Berichterstattung der
duktion lässt sich anhand der sozialen
ZUSAMMENFASSUNG 13

Sozialerhebung über die finanzielle Situa- dierenden), ihre Lebenshaltungskosten


tion der Studierenden diese beiden Sach- bestreiten. Der sich aus einer erheblichen
verhalte mit in den Fokus der Betrach- Bandbreite individueller Einnahmenhö-
tung rücken. hen ergebende Mittelwert der monatli-
Die Auswirkungen von Studienge- chen Einnahmen kann näherungsweise
bühren/-beiträgen auf die wirtschaftliche als der Betrag angesehen werden, mit
Lage der Studierenden lassen sich im Rah- dem den Studierenden eine angemessene
men der 19. Sozialerhebung erstmalig un- Lebensführung ermöglicht wird. Studie-
tersuchen. Im Sommersemester 2006, rende verfügen in der Regel über Einnah-
dem Zeitpunkt der vorangegangenen So- men aus mehreren Quellen in unter-
zialerhebung, wurden allgemeine Studi- schiedlicher Höhe. Die drei wichtigsten
engebühren/-beiträge noch nicht erho- Quellen, die zum individuell verfügbaren
ben; die Einführung erfolgte erst ab dem Budget sehr unterschiedlich beitragen
Sommersemester 2007. Ein Betrag von können, sind nach wie vor die finanzielle
jährlich 1.000 €, wie er in den sechs Län- Unterstützung durch das Elternhaus, die
dern, die 2009 Studiengebühren/-beiträ- subsidiäre Förderung nach dem BAföG
ge erheben, die Regel ist, macht bei mo- und der eigene Verdienst der Studieren-
natlichen Einnahmen in Höhe von durch- den.
schnittlich 812 € im Jahr 2009 ungefähr Folgende, die Einnahmensituation
10‹% des verfügbaren Jahresbudgets Stu- der Studierenden beschreibenden Ergeb-
dierender aus. nisse sind hervorzuheben:
• Mit 812 € fällt 2009 der Durchschnitts-
3.1 Einnahmen der Studieren- betrag der monatlichen Einnahmen um
den nominal 5,5 % bzw. 42 € höher aus als
Um erfolgreich studieren zu können, sind 2006 (Bild 6.1). Die Varianz der monatli-
Studierende darauf angewiesen, über chen Einnahmen ist erheblich (Bild 6.2):
Einnahmen zu verfügen, die die mit ei- Einem Fünftel der Studierenden (20 %) ste-
nem Studium verbundenen Kosten de- hen weniger als 600 € monatlich zur Ver-
cken. Mit der Sozialerhebung wird ermit- fügung, 17 % mehr als 1.000 €. Gemessen
telt, wie hoch die Einnahmen ausfallen, am BAföG-Höchstsatz (648 €) und dem
mit denen Studierende, die sich im Erst- unterhaltsrechtlichen Richtwert (640 €)
studium befinden, außerhalb des Eltern- sind 26 % bzw. 25 % der Studierenden mit
hauses wohnen und ledig sind (Haus- niedrigeren monatlichen Einnahmen
haltstyp "Normalstudent"; 65 % aller Stu- ausgestattet.
14 ZUSAMMENFASSUNG

• Nach wie vor ist die finanzielle Unter- gung steht mit rd. 3 % vergleichsweise ge-
stützung durch die Eltern die wichtigste ring. Gegenüber 2006 (2 %) ist allerdings
Finanzierungsquelle: 87 % der Studieren- ein Anstieg des Anteils der Stipendiaten/
den werden von ihren Eltern finanziell innen zu konstatieren. Ebenso hat mit 5 %
mit im Durchschnitt 445 € monatlich un- nur ein relativ kleiner Anteil der Studie-
terstützt (Bild 6.3). Allerdings ist festzu- renden einen Kredit zur (teilweisen) Fi-
stellen, dass die finanzielle Unterstützung nanzierung des Lebensunterhalts aufge-
durch die Eltern gegenüber 2006 gerin- nommen. Allerdings hat sich der Anteil
ger geworden ist. Dies ist vor allem des- der Kreditnehmer/innen gegenüber 2006
halb bemerkenswert, weil von 1991 bis immerhin verdoppelt (Bild 6.3).
2006 das finanzielle Engagement der El- • Lediglich 15 % der Studierenden finan-
tern eine stetig steigende Tendenz hatte zieren ihren Lebensunterhalt mit Einnah-
(Bilder 6.4 und 6.7). men aus nur einer Finanzierungsquelle .
• Wie in den Vorjahren ist auch 2009 In der Regel wird das Studium durch
die zweitwichtigste Finanzierungsquelle Einnahmen aus zwei oder mehr Quellen
des Studiums der eigene Verdienst. 65 % finanziert; insofern ist die Studienfinan-
der Studierenden tragen zur Finanzie- zierung eine Mischfinanzierung. Ein pro-
rung ihres Lebensunterhalts mit eige- bates Mittel, um Veränderungen bei der
nem Verdienst in durchschnittlicher Studienfinanzierung aufzuzeigen, bes-
Höhe von monatlich 323 € bei. Hervorzu- teht darin, die Entwicklung der Finanzie-
heben ist, dass sich die zwischen 2003 rungsstruktur aufzuzeigen. Damit ge-
und 2006 zu beobachtende Tendenz einer meint ist die durchschnittliche Zusam-
abnehmenden Bedeutung des eigenen mensetzung der monatlichen Einnah-
Verdienstes 2009 wieder umgekehrt hat men, ausgewiesen als Anteil der verschie-
(Bilder 6.4 und 6.7). Die jüngste Novellie- denen Finanzierungsquellen am Gesamt-
rung des BAföG hat dazu geführt, dass betrag der monatlichen Einnahmen (Bild
BAföG-Empfänger/innen 2009 einen im 6.7).
Durchschnitt erheblich höheren Förde- • Der Beitrag der Eltern zu den monatli-
rungsbetrag erhalten als noch 2006 chen Einnahmen der Studierenden fällt
(430F€ vs. 376 €). Allerdings liegt der An- mit 48 % deutlich geringer aus als 2006
teil der Geförderten in der Bezugsgruppe mit 52 %. Damit ist erstmals seit 1991 ein
„Normalstudent“ unverändert bei 29 % Rückgang des Engagements der Eltern
(Bild 6.4). zur Finanzierung des Lebensunterhalts
• Nach wie vor ist der Anteil der Studie- ihrer studierenden Kinder zu beobach-
renden, denen ein Stipendium zur Verfü- ten. Da erstmals seit dieser Zeit die Antei-
ZUSAMMENFASSUNG 15

le der beiden unteren sozialen Herkunfts- rechnet werden. Allein für die rund 1,1
gruppen wieder zugenommen haben, Millionen Studierenden (Deutsche und
könnte hier insofern ein Zusammenhang Bildungsinländer), die zur Bezugsgruppe
vermutet werden, als das finanzielle Ver- "Normalstudent" zählen, ergibt sich so
mögen der Eltern, zur Studienfinanzie- für das Jahr 2009 eine Gesamtsumme von
rung ihrer Kinder beizutragen, in den un- ca. 10,9 Milliarden €. Davon entfallen 5,19
teren Herkunftsgruppen weniger vor- Milliarden auf die Eltern, 2,82 Milliarden
handen ist. Dabei ist allerdings zu berück- auf den eigenen Verdienst, 1,66 Milliar-
sichtigen, dass die sozialen Herkunfts- den auf das BAföG sowie 1,25 Milliarden €
gruppen Einkommensunterschiede nicht auf die übrigen Finanzierungsquellen.
trennscharf widerspiegeln. Unter Berücksichtigung aller Studieren-
Das BAföG trägt 2009 etwas mehr zu der (Deutsche und Bildungsinländer/in-
den monatlichen Einnahmen bei als 2006 nen, zur Zeit gut 1,7 Millionen Studieren-
(15 % vs. 14 %), was vor allem auf die 22. de) dürfte diese Gesamtsumme bei ca.
BAföG-Novelle (Erhöhung der Bedarfssät- 16,7 Milliarden € liegen. Nominal fällt das
ze und des absoluten Freibetrags vom El- 2009 von den Eltern bereitgestellte Fi-
terneinkommen) zurückzuführen ist, die nanzvolumen bei Berücksichtigung er-
zu im Durchschnitt deutlich höheren För- höhter Studierendenzahlen um knapp 4 %
derungsbeträgen führt. Höher als 2006 geringer aus als 2006. Das durch BAföG
fällt auch der Anteil der Selbstfinanzie- und eigenen Verdienst bereitgestellte Fi-
rung durch eigenen Verdienst aus. Wur- nanzvolumen hat sich hingegen nominal
den 2006 von den gesamten monatlichen deutlich erhöht (Bild 6.6).
Einnahmen 24 % durch eigenen Verdienst • Wie nicht anders zu erwarten, beste-
der Studierenden bestritten, liegt dieser hen bei der Studienfinanzierung Unter-
Anteil 2009 bei 26 %. Damit hat sich die schiede in Abhängigkeit von der sozialen
2003 und 2006 zu beobachtende rückläu- Herkunft der Studierenden. Vergleichs-
fige Tendenz der Selbstfinanzierungsquo- weise gering ist der Unterschied bei der
te wieder umgekehrt. Höhe der monatlichen Einnahmen (Bild
• Eine Vorstellung über das volkswirt- 6.13). Studierende der Herkunftsgruppe
schaftliche Volumen, das mit der Finan- „hoch“ verfügen im Durchschnitt über
zierung des studentischen Lebensunter- um 50 € höhere Einnahmen als die der
halts bewegt wird, ist zu gewinnen, wenn Herkunftsgruppe „niedrig“. Deutlicher
die durchschnittlichen monetären Leis- treten Einflüsse der sozialen Herkunft bei
tungen der einzelnen Quellen mit der ak- der Zusammensetzung der Einnahmen
tuellen Zahl der Studierenden hochge- hervor (Bild 6.14) – und zwar insbesonde-
16 ZUSAMMENFASSUNG

re beim Anteil der Elternfinanzierung, gruppen ist hingegen nahezu konstant


der mit steigender sozialer Herkunft geblieben. Der Rückgang in der Bedeu-
deutlich wächst, und dem der BAföG-Fi- tung der Elternfinanzierung lässt sich
nanzierung, der dem Subsidiaritätsprin- zwar in allen Herkunftsgruppen be-
zip folgend umso geringer ausfällt, je hö- obachten, er fällt allerdings prozentual in
her die soziale Herkunft ist. Der Anteil an der Herkunftsgruppe „hoch“ (rd. 3 %)
den monatlichen Einnahmen, der von deutlich geringer aus als in den übrigen
den Eltern aufgebracht wird, steigt von Herkunftsgruppen (jeweils rd. 10 %). Kann
26 % (Herkunftsgruppe „niedrig“) bis auf der nachlassende Beitrag der Eltern zur
63 % (Herkunftsgruppe „hoch“), der des Finanzierung der Lebenshaltungskosten
BAföG ist erwartungsgemäß bei den Stu- während des Studiums einerseits auch als
dierenden der Herkunftsgruppe „nied- Einfluss der Wirtschaftskrise interpretiert
rig“ mit 32 % am höchsten und verringert werden, macht sich andererseits auch die
sich bis auf 6 % bei den Studierenden der Verschiebung in der sozialen Zusammen-
Herkunftsgruppe „hoch“. Der eigene Ver- setzung der Studierenden bemerkbar.
dienst spielt bei den Studierenden jeder Auch die Zusatzbelastung durch Zahlung
Herkunftsgruppe eine relativ große Rolle. von allgemeinen Studiengebühren, die
Von Studierenden der Herkunftsgruppe maßgeblich durch die Eltern getragen
„hoch“ wird allerdings mit 21 % ein gerin- wird, kann einen Einfluss auf die Höhe
gerer Anteil der monatlichen Einnahmen der elterlichen Zuwendungen für den Le-
durch eigenen Verdienst erworben als bensunterhalt haben.
von denen der übrigen Herkunftsgrup- Der Beitrag der Eltern zu den monatli-
pen, die zwischen 27‘% und 30 % ihrer mo- chen Einnahmen für den Lebensunter-
natlichen Einnahmen durch eigenen Ver- halt der Studierenden fällt 2009 sowohl in
dienst aufbringen. den alten Ländern, die heute Studienge-
Verglichen mit den Ergebnissen des bühren erheben, als auch in den alten
Jahres 2006 ist festzustellen, dass bei den Ländern ohne Studiengebühren geringer
Studierenden jeder sozialen Herkunfts- aus als 2006 (Bild 6.29). Auffällig ist, dass
gruppe der Beitrag der Eltern zu den mo- 2009, aber auch bereits 2006, von den
natlichen Einnahmen geringer geworden Studierenden in den Ländern mit Studi-
ist, während sich die Selbstfinanzierungs- engebühren ein höherer Anteil von den
quote durch eigenen Verdienst leicht er- Eltern finanziell unterstützt wird – auch
höht hat (Bild 6.14). Der Anteil des BAföG mit höheren Beträgen – als in den Län-
an den monatlichen Einnahmen der Stu- dern ohne Studiengebühren (2009: 88 %
dierenden der vier sozialen Herkunfts- vs. 84 %, 466 € vs. 443 €; Bild 6.31). Aller-
ZUSAMMENFASSUNG 17

dings ist bei der Höhe der Einnahmen, die den Eltern finanziell in dem Umfang un-
den Studierenden an Hochschulen mit terstützt wird, wie es entsprechend dem
und ohne Studiengebühren in den alten Subsidiaritätsprinzip des BAföG zu erwar-
Ländern 2009 zur Bestreitung der Le- ten ist (65 % vs. 70 %, Bild 6.19). Außerdem
benshaltungskosten monatlich insge- wurde festgestellt, dass von den Studie-
samt zur Verfügung stehen, kein statis- renden, die im Verlauf ihres bisherigen
tisch signifikanter Unterschied zu be- Studiums keine BAföG-Förderung in An-
obachten (833 € vs. 827 €). spruch nahmen, eine erhebliche Zahl
• Die Gruppe der Studierenden, die im (hochgerechnet rd. 200.000) die zur Ver-
bisherigen Verlauf ihres Studiums kein fügung gestellten Mittel durch eigenen
BAföG bezogen hat und auch keine Ver- Verdienst aufstocken, um ihren Lebens-
anlassung sah einen entsprechenden An- unterhalt zu bestreiten (Einnahmen ohne
trag zu stellen (43 % der Studierenden der eigenen Verdienst: 324 €, eigener Ver-
Bezugsgruppe "Normalstudent"), wird dienst: 448 €; vgl. Kap. 6.3.4).
anteilsmäßig und auch nach der Höhe • Immer noch bestehen erhebliche Un-
des transferierten Betrags 2009 im ent- terschiede in Höhe und Herkunft der mo-
sprechenden Umfang von den Eltern fi- natlichen Einnahmen zwischen den alten
nanziell unterstützt wie bereits 2006 (von und neuen Ländern. Studierende in den
den Eltern unterstützt: jeweils 94 %, Be- alten Ländern verfügen mit 832 € über
trag von den Eltern: 570 € bzw. 575 €). Bei deutlich höhere Einnahmen als die in den
der Mehrheit der Studierenden, nämlich neuen Ländern mit 722 €. Anders als in
den aktuell nach dem BAföG Geförderten, den vorangegangenen Beobachtungs-
den ehemaligen BAföG-Empfänger/innen zeiträumen hat sich der Abstand zwi-
und denen, deren BAföG-Erstantrag ab- schen den monatlichen Einnahmen der
schlägig beschieden wurde, fällt sowohl Studierenden in den alten und neuen
der Anteil derer, die von den Eltern finan- Ländern von 2006 auf 2009 nicht mehr
ziell unterstützt werden als auch der verringert (Bild 6.20). Auch 2009 wird der
durchschnittlich von den Eltern transfe- größte Teil der monatlichen Einnahmen
rierte Betrag geringer aus als 2006 (Bild der Studierenden in den alten und neuen
6.17). Ländern von den Eltern bereitgestellt
• Der Rückgang des finanziellen Enga- (48D% bzw. 46 %). Gegenüber 2006 ist die-
gements der Eltern wird auch dadurch ser Anteil in beiden Regionen allerdings
bestätigt, dass 2009 gegenüber 2006 ein um vier Prozentpunkte zurückgegangen.
geringerer Anteil der elternabhängig ge- Während für die Studierenden in den al-
förderten BAföG-Empfänger/innen von ten Ländern der eigene Verdienst die
18 ZUSAMMENFASSUNG

zweitwichtigste Finanzierungsquelle ist – genteilige Einschätzung geben 16 % der


27 % der monatlichen Einnahmen gegen- Studierenden an, zwei Prozentpunkte we-
über 18 % in den neuen Ländern werden niger als noch 2006. 21 % äußerten sich bei
durch eigene Erwerbstätigkeit generiert –, dieser Fragestellung unentschieden. In
steht für Studierende in den neuen Län- Abhängigkeit von der sozialen Herkunft
dern die Förderung nach dem BAföG an fällt diese Einschätzung unterschiedlich
zweiter Stelle – 24 % der monatlichen Ein- aus (Bild 6.33). 47 % der Studierenden aus
nahmen sind BAföG-Mittel, in den alten der Herkunftsgruppe „niedrig“ gehen da-
Ländern hingegen 14 % (Bild 6.21). von aus, dass die Finanzierung des Studi-
• Studierende in den Bachelor-Studien- ums gesichert ist, mit der sozialen Her-
gängen verfügen 2009 über etwas gerin- kunft steigt dieser Anteilswert bis auf 75 %
gere Einnahmen als die altersgleichen bei den Studierenden der Herkunftsgrup-
Studierenden in den traditionellen Dip- pe „hoch“. Verglichen mit den Ergebnis-
lom/Magister-Studiengängen (746 € vs. sen von 2006 fällt auf, dass unter den Stu-
760 €, Bild 6.26). Es fällt auf, das von den dierenden der Herkunftsgruppe „nied-
Studierenden in Bachelor-Studiengängen rig“ der Anteil, der die Studienfinanzie-
ein geringerer Anteil als von den alters- rung als gesichert einschätzt, sich über-
gleichen Studierenden in den Diplom/ durchschnittlich erhöht hat.
Magister Studiengängen eigenen Ver-
dienst zur Bestreitung der Lebenshal- 3.2 Die Förderung nach dem
tungskosten einsetzt (52 % vs. 62 %). Der Bundesausbildungsförde-
durchschnittliche Betrag des eigenen rungsgesetz
Verdienstes, der von diesen Bachelor-Stu-
Im Sommersemester 2009 erhalten von
dierenden eingesetzt wird, ist etwas hö-
den deutschen Studierenden und den so
her als bei den entsprechenden Studie-
genannten Bildungsinländer/innen rd.
renden der Diplom/Magister-Studiengän-
23’% eine Förderung nach dem BAföG.
ge (242 € vs. 232 €, Bild 6.28).
Damit liegt die Quote der BAföG-Empfän-
• Mehrheitlich gehen die Studierenden
ger/innen auf dem gleichen Niveau wie
davon aus, dass die Finanzierung des Le-
2006. Der Umfang der BAföG-Förderung
bensunterhalts während ihres Studiums
wird noch deutlicher, wenn bei der Be-
sichergestellt ist. 2009 schätzen rd. 63 %
rechnung der Quote nur die Studieren-
der Studierenden ihre persönliche finan-
den in den ersten sechs Hochschulsemes-
zielle Situation entsprechend ein, gegen-
tern berücksichtigt werden. In dieser Teil-
über 2006 hat sich dieser Anteil um drei
gruppe kann der Anteil der Studierenden,
Prozentpunkte erhöht (Bild 6.32). Eine ge-
ZUSAMMENFASSUNG 19

der die BAföG-Berechtigung durch feh- Anteile der Männer und Frauen aus ein-
lenden Leistungsnachweis, Überschrei- kommensschwächeren Familien etwa
tung der Förderungshöchstdauer u. a. m. gleich hoch, während 2006 unter den Stu-
bereits verwirkt haben, noch als vernach- dierenden in den ersten sechs Hochschul-
lässigbar gering angesehen werden. Die semestern der Anteil der Frauen aus ein-
BAföG-Quote in den ersten sechs Hoch- kommensschwächeren Familien über-
schulsemestern bringt insofern nähe- wog.
rungsweise zum Ausdruck, welcher An- • Differenziert nach der sozialen Her-
teil der potentiell Anspruchsberechtigten kunft der Studierenden, ist die BAföG-
tatsächlich gefördert wird. 2009 werden Quote mit gut 57 % in der Herkunftsgrup-
von den Studierenden in den ersten sechs pe „niedrig“ am höchsten und verringert
Hochschulsemestern 32,9 % gefördert. sich erwartungsgemäß mit steigender so-
Damit liegt auch diese Quote auf glei- zialer Herkunft auf knapp 17’% in der Her-
chem Niveau wie im Jahre 2006, als sie bei kunftsgruppe „hoch“. Gegenüber 2006 ist
32,7 % lag (Bild 8.1). der Anteil der Geförderten der beiden un-
Zu Umfang und jüngster Entwicklung teren Herkunftsgruppen leicht zurückge-
der BAföG-Förderung sind auf der Basis gangen, während für die Herkunftsgrup-
der Studierenden in den ersten sechs pe „gehoben“ ein geringer Anstieg und
Hochschulsemestern folgende Befunde für die Herkunftsgruppe „hoch“ ein kon-
hervorzuheben: stant gebliebener Anteil der Geförderten
• Der Anteil der geförderten Frauen zu konstatieren ist (Bild 8.7).
und Männer liegt 2009 auf einem ver- • In den neuen Ländern wird nach wie
gleichbaren Niveau (33,1 % bzw. 32,8 %). vor ein erheblich höherer Studierenden-
Gegenüber 2006 hat sich der Anteil der anteil nach dem BAföG gefördert als in
geförderten Frauen um knapp zwei Pro- den alten Ländern. Bezogen auf die Stu-
zentpunkte verringert, der Anteil der ge- dierenden in den ersten sechs Hochschul-
förderten Männer ist hingegen um gut semestern werden davon in den neuen
zwei Prozentpunkte gestiegen (Bild 8.2). Ländern 48 % und in den alten Ländern
Diese Entwicklung ist damit zu erklären, 30’% nach dem BAföG gefördert. Gegen-
dass sich die geschlechtsspezifischen Un- über 2006 ist der Gefördertenanteil in
terschiede in der Studierneigung von Kin- den neuen Ländern leicht zurückgegan-
dern aus einkommensschwächeren Fami- gen, während er in den alten Ländern
lien tendenziell nivelliert haben. Unter konstant geblieben ist (Bild 8.10).
denen, die in den letzten drei Jahren ein • Die BAföG-Quote unter den Studie-
Studium aufgenommen haben, waren die renden an Fachhochschulen ist im Ver-
20 ZUSAMMENFASSUNG

gleich zu den Studierenden an Universitä- Einführung der allgemeinen Studienge-


ten etwas höher (35 % vs. 32 %). Dies ist vor bühren folglich stabil geblieben.
allem mit der unterschiedlichen sozialen • Der durchschnittliche Förderungsbe-
Zusammensetzung der Studierenden an trag liegt 2009 bei 413‘€ und damit um
den beiden Hochschularten zu erklären. 50‘€ bzw. knapp 14 % höher als 2006. Dies
Allerdings hat sich unter den Studieren- ist ein Ergebnis, das aufgrund der zwi-
den in den ersten sechs Hochschulsemes- schenzeitlich erfolgten Erhöhung der Be-
tern der Abstand zwischen den BAföG- darfssätze und der Erhöhung des absolu-
Quoten an beiden Hochschularten, der ten Freibetrags vom Einkommen der El-
2000 noch bei acht Prozentpunkten lag, tern zu erwarten war. Deutlicher gestie-
zwischenzeitlich auf nunmehr drei Pro- gen ist der durchschnittliche Förderungs-
zentpunkte verringert (Bild 8.11). Bei den betrag der Geförderten, die nicht im El-
Studierenden in Bachelorstudiengängen ternhaus wohnen (von 378 € auf 435 €),
ist der Unterschied zwischen den BAföG- verglichen mit den Geförderten, die bei
Quoten an beiden Hochschularten noch den Eltern wohnen (von 283 € auf 307 €;
geringer (Universität: 33 %, Fachhoch- Bild 8.16). Die Spreizung der Förderungs-
schule: 35 %; Bild 8.12). beträge zeigt, dass lediglich 11 % der Ge-
Über die bisher dargestellten Befunde förderten mit monatlichen Beträgen über
hinaus, die sich allein auf die Studieren- 600 € unterstützt werden. Die Mehrheit
den in den ersten sechs Hochschulsemes- der BAföG-Empfänger/innen erhält nied-
tern bezogen, sind die folgenden Ergeb- rigere Förderungsbeträge (Bild 8.15). Auf-
nisse zur BAföG-Förderung herauszustel- fällig ist, dass 2009 gegenüber 2006 der
len: Anteil der Geförderten mit Förderungs-
• Von den Studierenden im Erststudi- beträgen bis 400 € deutlich geringer aus-
um, die an Hochschulen in den sechs Län- fällt (43 % vs. 57 %), während der Anteil mit
dern immatrikuliert sind, die 2009 allge- höheren Beträgen entsprechend gestie-
meine Studiengebühren erhoben haben, gen ist. In welchem Umfang dies auf die
werden insgesamt 22,8 % nach dem BAföG Veränderungen durch die 22. BAföG-No-
gefördert. In den gleichen Ländern lag velle zurückzuführen ist oder auch da-
2006, also vor der Einführung allgemei- rauf, dass sich der Anteil der Studieren-
ner Studiengebühren, die entsprechende den aus Familien mit nicht so guten Ein-
BAföG-Quote bei 22,4‘%. Der Anteil der kommensverhältnissen erhöht hat, lässt
Studierenden aus einkommensschwäche- sich mit den Daten der Sozialerhebung
ren Familien ist in diesen Ländern nach nicht aufklären.
ZUSAMMENFASSUNG 21

• Im Normalfall wird das BAföG als Zu- ren zu können. In Abhängigkeit von der
schuss und unverzinsliches Darlehen (je- sozialen Herkunft ist diese Einstellung bei
weils zur Hälfte des sich individuell erge- den Geförderten der Herkunftsgruppe
benden Förderungsbetrags) gewährt. „niedrig“ mit 86 % am häufigsten anzu-
2009 werden knapp 95 % der Geförderten treffen und verringert sich mit steigender
entsprechend unterstützt. Eine reine Zu- Herkunft bis auf 70 % unter den Geförder-
schussförderung erhalten knapp 1 %, aus- ten der Herkunftsgruppe „hoch“ (Bild
schließlich ein verzinsliches Darlehen gut 8.19). Der Anteil der BAföG-Empfänger/in-
4 %. Auffällig ist, dass der Anteil der Geför- nen, der davon ausgeht, dass die Finan-
derten, der durch ein verzinsliches Darle- zierung des Lebensunterhalts während
hen unterstützt wird, das vor allem dann des Studiums sichergestellt ist, liegt bei
gewährt wird, wenn der erfolgreiche Ab- 53 % und fällt damit deutlich geringer aus
schluss des Studiums absehbar ist, zwi- als unter den Nicht-Geförderten, von de-
schen 2003 und 2009 von 1,7 % auf 4,4 % nen 67 % die Finanzierung des Studiums
gestiegen ist (vgl. Kap. 8.4). 14 % der Geför- als gesichert ansehen (Bild 8.20). Die Be-
derten werden, wie bereits 2006 und deutung des BAföG für die Studienfinan-
2003, unabhängig von der Einkommens- zierung wird durch diese Daten bestätigt.
situation im Elternhaus gefördert, weil
die Eltern nach den Regelungen des 3.3 Ausgaben für die Lebens-
BAföG nicht mehr verpflichtet sind, Aus- haltung
bildungsunterhalt zu leisten. Elternunab- Wie die Einnahmen streuen auch die Aus-
hängig Geförderte sind deutlich älter und gaben der Studierenden beträchtlich. Es
haben weit häufiger bereits eine Berufs- gibt keine eindeutigen, „objektiven“
ausbildung abgeschlossen als elternab- Normwerte für die Kosten eines Studi-
hängig Geförderte. Dieser Befund über- ums. Sie unterscheiden sich je nach Hoch-
rascht nicht, da beide Fallkonstellationen schulort, nach Studienphase und Lebens-
im BAföG typisierend als Voraussetzung alter, nach Fächern und anderen Aspek-
für elternunabhängige Förderung gere- ten. Die Höhe der Einnahmen wird eben-
gelt sind. Der durchschnittliche Unter- so wie die der Ausgaben selbstverständ-
stützungsbetrag bei elternunabhängiger lich auch durch eine subjektive An-
Förderung liegt ca. 150 € höher als bei el- spruchskomponente mitbestimmt. Die
ternabhängiger Förderung. Ausgaben der Studierenden umfassen an
• Der weitaus größte Teil der BAföG- erster Stelle die Aufwendungen für die
Empfänger/innen (81 %) ist davon über- Miete, die Bestreitung des alltäglichen Le-
zeugt, ohne diese Förderung nicht studie-
22 ZUSAMMENFASSUNG

bensunterhalts (einschließlich Verkehr, schnittlich 341 €). Die individuelle Belas-


Gesundheit und Freizeit) und die Finan- tung durch die monatlichen Ausgaben
zierung der unmittelbar mit dem Studi- hängt in erster Linie vom gesamten ver-
um verbundenen Kosten (z. B. für Lern- fügbaren Budget ab: Während der Anteil,
mittel). Aus methodischen Gründen wer- der für die Miete aufgebracht werden
den in der Sozialerhebung nur ausge- muss, im untersten Einnahmenquartil
wählte Ausgabenpositionen erhoben, de- (weniger als 640 €) 42 % beträgt, beläuft er
ren Summe nicht den Gesamtbetrag aller sich im obersten Quartil (über 944 €) auf
monatlichen Ausgaben wiedergibt. Fol- nur noch 30 %, obgleich die durchschnitt-
gende Ergebnisse zu den erhobenen mo- lichen Mietausgaben hier um 121 € höher
natlichen Ausgaben der ledigen Studie- sind (Bild 7.4). Studierende mit geringen
renden im Erststudium, die außerdem Einnahmen wohnen häufiger im Wohn-
nicht im Elternhaus wohnen (Haus- heim, während sich Studierende mit hö-
haltstyp „Normalstudent“), sind hervor- heren Einnahmen eher eine eigene Woh-
zuheben: nung leisten können.
• Wie immer bilden die Ausgaben für • Große Unterschiede in den Mietaus-
Miete (einschließlich Nebenkosten) mit gaben gibt es immer noch zwischen den
ca. 35 % der monatlichen Einnahmen die neuen und alten Ländern. Bei allen
wichtigste Ausgabenposition (Bild 7.1). Sie Wohnformen liegen die durchschnittli-
beträgt im Jahr 2009 durchschnittlich chen Aufwendungen in den alten Län-
281F€ und ist nominal gegenüber 2006 dern höher als in den neuen Ländern (Bild
um 6 % angestiegen. Hinter dem Durch- 7.6), wobei die Ausgaben in beiden Regio-
schnittswert verbirgt sich eine nicht un- nen mit jedem Erhebungsjahr weiter an-
beträchtliche Streuung: 19 % der Studie- gestiegen sind (Bild 7.5). Auch sonst gibt
renden geben bis zu 200F€ im Monat für es erhebliche Unterschiede zwischen den
ihre Miete aus, 51 % zwischen 201 und 16 Ländern (Bild 7.7) und vor allem zwi-
300F€ und 30 % mehr als 300 €, 8 % sogar schen den einzelnen Hochschulstandor-
mehr als 400 € (Bild 7.2). ten (Bild 7.8). So geben Studierende in
• Die Ausgabenhöhe für diese Position München im Durchschnitt 348 € für Miete
unterscheidet sich erheblich nach der ge- und Nebenkosten aus, Studierende in
wählten Wohnform (Bild 7.3): Danach ist Chemnitz hingegen lediglich 210 €.
es mit im Durchschnitt monatlich 222 € fi- • Über die Miete hinaus entstehen den
nanziell am günstigsten, im Wohnheim Studierenden weitere finanzielle Aufwen-
zu wohnen; am teuersten ist es, allein in dungen: Die monatlichen Ausgaben der
einer eigenen Wohnung zu leben (durch- Studierenden für Ernährung liegen im
ZUSAMMENFASSUNG 23

Durchschnitt bei 159 € und weisen eine • Durch eine Bilanzierung der monatli-
erhebliche Spannweite auf (Bild 7.9). Die chen Einnahmen mit der Summe der
Ausgaben für Kleidung belaufen sich auf Ausgaben für die beschriebenen Ausga-
durchschnittlich 51 €. Ausgaben für Lern- bepositionen wird verdeutlicht, wie viel
mittel schwanken stark mit der jeweili- Mittel den Studierenden für weitere not-
gen Fachrichtung; im Durchschnitt ge- wendige Ausgaben noch verbleiben. So
ben Studierende dafür 33 € pro Monat bilanziert verfügen 22E% der Studieren-
aus. Die monatlichen Ausgaben für ein den über mehr als 200 € für weitere Aus-
Auto und/oder öffentliche Verkehrsmittel gaben, bei ebenfalls 22 % liegt dieser Be-
liegen 2009 bei durchschnittlich 76 €, wo- trag über 100 bis 200 €. Bei 33 % ist die Bi-
bei anzumerken ist, dass der Anteil der lanz einigermaßen ausgeglichen, d. h. die
Studierenden mit Ausgaben für ein Auto Einnahmen übersteigen die Ausgaben für
schon seit Anfang der 1990er Jahre rück- die ausgewählten Positionen um bis zu
läufig ist (1991: 53 %) und seit 2006 erneut 100 €. Am anderen Ende dieser Skala gibt
von 39 % auf nunmehr 34E% gesunken ist. es aber auch 23 % der Studierenden, deren
Weitere wichtige Ausgabenposten sind Ausgaben nicht vollständig durch die Ein-
Gesundheit (durchschnittlich 59 € im Mo- nahmen gedeckt sind und die im Durch-
nat für eigene Krankenversicherung, schnitt schon 55 € mehr für die ausge-
Arztkosten und Medikamente), Kommu- wählten Positionen ausgeben als ihnen
nikation (35 € für Telefon, Internet etc.) einnahmenseitig zur Verfügung steht;
sowie Freizeit, Kultur und Sport (63 €). diese Gruppe, die mit zunehmendem Al-
• Selbstverständlich hängt die Höhe ter anwächst, befindet sich in einer prekä-
der Ausgaben bei fast allen Positionen – ren finanzielle Situation (Bild 7.14). Nicht
wie schon bei der Miete gezeigt – von unerwartet gibt es einen direkten Zusam-
dem durch das verfügbare Einnahmenni- menhang zwischen Einnahmenhöhe und
veau gesetzten Rahmen ab. Diese Einnah- der Einnahmen-Ausgaben-Balance. Ein
menabhängigkeit der Ausgaben findet besonderer finanzieller Druck kumuliert
sich bei sämtlichen Ausgabenarten (Bild sich danach im untersten Einnahmen-
7.13): Das Viertel der Studierenden mit quartil und bei älteren Studierenden in
den geringsten Einnahmen hat bei allen den höheren Semestern.
Ausgabenposten auch die niedrigsten
Ausgaben. Mit der Einnahmenhöhe stei-
gen die durchschnittlichen Ausgaben bei
allen Posten von Quartil zu Quartil an.
24 ZUSAMMENFASSUNG

3.4 Ausgaben für allgemeine dass in Nordrhein-Westfalen fast ein


Studiengebühren/-beiträ- Fünftel der Gebührenzahler/innen (19‘%)
auf einen solchen Kredit zurückgreift,
ge während in den übrigen Ländern, Ham-
Mit der 19. Sozialerhebung konnte erst- burg ausgenommen, der Anteil der Kre-
mals auch ermittelt werden, wie Studie- ditnehmer erheblich geringer ausfällt
rende die allgemeinen Studiengebühren/ (zwischen 3 % und 9 %, Bild 7.20). In Ham-
-beiträge finanzieren. Zunächst ist darauf burg ist insofern eine Sondersituation, als
hinzuweisen, dass im Sommersemester den Studierenden dort anstatt eines Kre-
2009 von den Studierenden im Erststudi- ditangebots die Möglichkeit eingeräumt
um 59 % an einer Hochschule immatriku- wird, die Studiengebühren nachgelagert,
liert waren, die allgemeine Studienge- also i. d. R. nach Beendigung des Studi-
bühren/-beiträge erhebt. Dadurch, dass ums, zu begleichen. Nach dem Ergebnis
18 % dieser Studierenden aufgrund lan- der Sozialerhebung haben diese Möglich-
desspezifischer Regelungen von der Ge- keit 47 % der Studierenden in Hamburg in
bührenpflicht ausgenommen oder be- Anspruch genommen.
freit sind, verbleiben 48 %, die für das
Sommersemester 2009 entsprechende 4. Die Zeitstruktur des stu-
Gebühren/Beiträge zu entrichten hatten. dentischen Alltags – Studi-
Die Mehrheit der Gebührenzahler
um und Erwerbstätigkeit
(59‘%) begleicht diese ganz (41 %) oder teil-
weise (18 %) mit Mitteln, die von den El- Wie viel Zeit investieren Studierende in
tern zur Verfügung gestellt werden. Am ihr Studium, wie viel bringen sie neben
zweithäufigsten wird von den Gebühren- ihren Studienaktivitäten für Erwerbstä-
zahler/innen der eigene Verdienst ge- tigkeit auf? Das Bild des Studierenden hat
nannt, mit dem die Gebühren/Beiträge sich historisch stark verändert. Gerade die
ganz (9 %) oder teilweise (21 %) bezahlt Sozialerhebungen als Zeitreihe zum sozi-
werden. Ein etwas geringerer Anteil fi- alen Wandel des Studierens konnten em-
nanziert die Studiengebühren mit Erspar- pirisch zeigen, wie sehr sich die Realität
nissen (24 %, ausschließlich: 9 %, teilweise: vom „klassischen Bild des Studierenden“
15 %). 11 % der Gebührenzahler/innen ha- entfernt hat. In besonderer Weise gilt
ben dafür eines der speziell zur Finanzie- dies für Vorstellungen über das studenti-
rung der Studiengebühren/-beiträge von sche Zeitbudget. Ungeachtet dessen
den Ländern veranlassten Kreditangebo- knüpfen einige der wichtigsten Vorhaben
te in Anspruch genommen. Es fällt auf, der Studienstrukturreform mit ihrer zeit-
ZUSAMMENFASSUNG 25

lichen und inhaltlichen Verdichtung der sich von 1991 bis 2009 nur marginal ver-
Studienanforderungen (z. B. durch kürze- ändert (Bild 9.2): Von durchschnittlich 37
re Regelstudienzeiten, Modularisierung Stunden in der Woche auf 36 Stunden.
des Studiums, Einführung von Leistungs- Zwischenzeitlich hatte der studienbezo-
punktesystemen, intensivere Nutzung gene Zeitaufwand 2003 und 2006 auf 34
der vorlesungsfreien Zeit usw.) implizit Wochenstunden abgenommen, um da-
weiter an die Vorstellung an, dass sich das nach bis 2009 wieder um durchschnitt-
Zeitbudget der Studierenden ganz über- lich zwei Stunden anzusteigen, was auch
wiegend auf das Studium konzentriert. als Auswirkung der Studienstrukturre-
Von besonderer Bedeutung sind in form interpretiert werden kann. Über den
diesem Zusammenhang vor allem die Er- ganzen Zeitraum hinweg stellen sich die
gebnisse der Zeitbudgetanalyse. Ein nicht beiden Arbeitsformen „Teilnahme an
unerheblicher Teil der Studierenden – Lehrveranstaltungen“ und „Selbststudi-
2009 sind es 21 % (Bild 9.22) – betreibt de um“ stabil als relativ gleichgewichtig dar.
facto ein Teilzeitstudium, wobei dies nur Im Jahr 2009 entfallen auf beide etwa 18
bei acht Prozent durch extensive Erwerbs- Wochenstunden. Dieses gilt jedoch nur
tätigkeit bedingt ist. Während 29 % der im Mittel, d. h. es gibt deutliche Abwei-
Studierenden für Studium und Job zu- chungen, die von verschiedenen Fakto-
sammen maximal 35 Stunden pro Woche ren abhängig sind.
aufwenden, steigt bei 3F % der Studieren- • Der zeitliche Studienaufwand von
den das für Studium und Erwerbstätigkeit Bachelorstudierenden liegt zwar leicht
aufgebrachte Zeitvolumen auf mehr als über dem der vergleichbaren Vorläu-
50 Stunden in der Woche an (Bild 9.14). ferstudiengänge (Diplom). Die Befürch-
Solche Befunde verweisen darauf, wie un- tung eines durchregulierten Studienall-
terschiedlich die zeitlichen Strukturen tags an der Hochschule mit sehr engen
des Studiums sind. Darüber hinaus wird Zeitmustern wird aber generell nicht be-
deutlich, dass es bei einem Teil der Studie- stätigt (Bilder 9.6 und 9.7). Der Quer-
renden große Disparitäten zwischen dem schnittsvergleich in Bild 9.6 belegt zwar
planmäßigen Zeitrhythmus des Studiums eine zeitliche Mehrbelastung von drei
(als Vollzeitstudium) und dem tatsächli- Stunden pro Woche im Bachelorstudium;
chen Studienverhalten gibt. dies ist jedoch teilweise darauf zurückzu-
Folgende Ergebnisse sollen hervorge- führen, dass die Vergleichsgruppe im
hoben werden: Diplomstudium überwiegend in höheren
• Der gesamte studienbezogene Zeit- Semestern studiert, wo die zeitliche Belas-
aufwand während der Vorlesungszeit hat tung durch das Studium tendenziell et-
26 ZUSAMMENFASSUNG

was geringer ist. Bei einem Vergleich von künstlerischen Fächern, ein geringerer
Jahrgangskohorten sind die Unterschiede Aufwand vor allem im Spektrum der geis-
deutlich geringer (Bild 9.7). tes-, sozial- und wirtschaftswissenschaft-
• Hinsichtlich der zeitlichen Anwesen- lichen Fächer.
heit in der Hochschule lässt sich feststel- Die zeitliche Studienbelastung wäh-
len, dass nahezu vier Fünftel der Studie- rend des Semesters wird von 15‘% der Stu-
renden jeweils täglich von Montag bis dierenden als zu hoch eingestuft. Dieses
Donnerstag in der Hochschule mit einer Urteil fällen Studierende, die an einer
durchschnittlichen Dauer von ca. fünf Universität ein Staatsexamen (ohne Lehr-
Stunden anwesend sind, an Freitagen sel- amt) oder einen Bachelor anstreben,
tener (60 %) und mit gut vier Stunden überdurchschnittlich häufig (21‘% bzw.
auch etwas weniger (Bild 9.4). Das Ver- 19‘%, Bild 9.30).
hältnis zwischen Anwesenheit in Lehr- Die Verwendung der vorlesungsfrei-
veranstaltungen und Selbststudium ver- en Zeit für studienbezogene Aktivitäten
schiebt sich erheblich mit der Semester- lässt bislang keine auffälligen Unterschie-
zahl: Während bei den jüngeren Studie- de zwischen den Bachelorstudierenden
renden der Besuch von Lehrveranstaltun- und denjenigen in den anderen Studien-
gen dominiert, wächst der Zeitaufwand gängen erkennen. Der Anteil der Bache-
für das Selbststudium mit dem Studien- lorstudierenden, der die zeitliche Belas-
verlauf deutlich an und gewinnt gegen tung durch das Studium während der vor-
Studienende eindeutig die Priorität (Bild lesungsfreien Zeit als zu hoch einschätzt,
9.5). unterscheidet sich nicht nennenswert
• Während es zwischen Universitäten von den entsprechenden Anteilen in den
und Fachhochschulen kaum Unterschie- traditionellen Studiengängen (Bild 9.33).
de im Gesamtstudienaufwand gibt, vari- Dies gilt auf unterschiedlichem Niveau
iert der Zeitaufwand zwischen den Studi- für beide Hochschularten.
enbereichen mit einer Spannweite zwi- Zum studentischen Alltag gehört
schen 46 Stunden (in Medizin und Ge- auch der Zeitaufwand für eine Erwerbstä-
sundheitswissenschaften) und 31 Stunden tigkeit neben dem Studium. Bezogen auf
(in Sozialwissenschaften und Sozialwe- alle Befragten, die sich in einem Erststudi-
sen) erheblich, wobei sich hier ein seit um befinden, arbeiten Studierende 2009
langem bekanntes Muster auch im Jahr im Schnitt acht Stunden in der Woche,
2009 bestätigt (Bild 9.8): Ein höherer zeit- um Geld zu verdienen; das ist etwa eine
licher Aufwand vor allem in natur- und Stunde mehr als im Jahr 2006.
ingenieurwissenschaftlichen sowie
ZUSAMMENFASSUNG 27

• Die zeitliche Belastung durch Er- stunden). Dasselbe gilt für Fachhoch-
werbstätigkeit fällt bei den tatsächlich er- schulstudiengänge. Wird in den Ver-
werbstätigen 66 % der Studierenden im gleich jedoch nur das erste Studienjahr
Erststudium mit durchschnittlich 13,5 einbezogen, ergibt sich ein anderes Bild.
Stunden pro Woche deutlich höher aus. Bachelorstudierende im ersten Studien-
Von diesen arbeiten 35 % bis zu acht Stun- jahr jobben eine (Uni) bzw. drei Stunden
den in der Woche, 38Ž% zwischen neun wöchentlich (FH) mehr als ihre Kommili-
und 16 Stunden und 27Ž% sogar mehr als 17 ton/innen in den Diplomstudiengängen.
Stunden, was schon einer Halbtagstätig- Auch die insgesamt geringere Er-
keit entspricht und teilweise weit darüber werbstätigenquote der Bachelorstudie-
hinausgeht (Bild 9.10). Die Erwerbstätig- renden (Bild 10.13: 58 % Uni, 63 % FH vs.
keit erstreckt sich dabei über die ganze 73Ž% Uni-Diplom, 70Ž% FH-Diplom) erklärt
Studienwoche, mit Spitzen am Freitag sich zumindest weitgehend durch die
und am Samstag (Bild 9.11). Auffällig ge- kürzere Studiendauer und die entspre-
genüber 2006 ist, dass sich die Erwerbsar- chende Altersstruktur. Im dritten und
beit gleichmäßiger auf alle Wochentage vierten Hochschulsemester liegt die Er-
(einschließlich Samstag) erstreckt, dafür werbstätigenquote im Erststudium insge-
aber weniger konzentriert an einzelnen samt bei 58 %, einem Wert, der auch für
Wochentagen stattfindet. Diese Verände- die Bachelorstudierenden an Universitä-
rungen können mit den stringenteren ten gilt, die sich schwerpunktmäßig in
Strukturen im gestuften Studiensystem in dieser Studienphase befinden. Zur Situa-
Zusammenhang stehen. tion im Masterstudium kann aufgrund
• Der Zeitaufwand für Erwerbstätigkeit der noch sehr geringen Fallzahlen im
steigt mit dem Studienverlauf relativ kon- Rahmen dieser Untersuchung nichts aus-
tinuierlich an (Bild 9.12). Studierende an gesagt werden.
Fachhochschulen sind zeitintensiver er- • Der Gesamtaufwand für Studium und
werbstätig als diejenigen an Universitä- Erwerbstätigkeit beträgt für Studierende
ten. im Erststudium durchschnittlich 44 Stun-
Im Querschnittsvergleich ist der Zeit- den in der Woche (Bild 9.13) – bei einer al-
aufwand für Erwerbstätigkeit im Erststu- lerdings enormen Streuung von 30 Stun-
dium in den universitären Bachelorstudi- den und weniger (18 % aller Befragten) bis
engängen mit durchschnittlich sechs zu mehr als 50 Stunden, was auf immer-
Wochenstunden niedrig im Vergleich hin 31 % zutrifft; 13Ž% kommen sogar auf
zum entsprechenden Zeitaufwand in den eine wöchentliche Gesamtbelastung von
Diplomstudiengängen (neun Wochen- mehr als 60 Stunden (Bild 9.14). Im Ver-
28 ZUSAMMENFASSUNG

gleich mit 2006 ist der zeitliche Gesamt- dium. Die subjektive Einstellung zum Stu-
aufwand für Studium und Job damit deut- dium ist ein weiterer Faktor, der mit dem
lich angestiegen (im Durchschnitt um Zeitbudget, das in das Studium investiert
plus drei Wochenstunden bzw. gut 7 %). wird, korrespondiert (Bild 9.27).
• Mit zunehmender Erwerbstätigkeit • Die Sozialerhebung unterscheidet
verschiebt sich die Verteilung der Zeitan- zwischen vier Studien-Erwerbs-Typen (zur
teile zwischen Studium und freier Zeit. Definition vgl. Abschnitt 9.3.4), denen je-
Der zusätzliche Zeitaufwand für Erwerbs- weils ein bestimmter Zeitaufwand für
tätigkeit geht in etwa gleichem Umfang Studium und/ oder Erwerbstätigkeit zu-
zu Lasten sowohl des Studiums als auch grunde gelegt wird. Danach praktizieren
der verbleibenden Freizeit (Bild 9.20). Un- im Sommersemester 2009 79 % aller Stu-
ter Gesichtspunkten eines möglichst ef- dierenden im Erststudium ein Vollzeitstu-
fektiven Studiums sind die zeitlichen dium (definiert als wöchentlicher Studi-
Konsequenzen für das Studium durch enaufwand von 25 Stunden oder mehr),
den faktisch geringeren wöchentlichen darunter 12 % mit hohem Erwerbsauf-
Zeitaufwand, der zum Studium noch zur wand (definiert als wöchentlich mehr als
Verfügung steht, problematisch, auch 15 Stunden). Der Anteil der Vollzeitstudie-
wenn studienbegleitende Erwerbstätig- renden hat seit 1988 – damals noch 89 % –
keit nur einen von vielen Gründen für ein bis 2006 auf 75 % kontinuierlich abge-
längeres Studium darstellt. Gegenüber nommen (Bild 9.22). 2009 ist dieser Trend
2006 ist festzustellen, dass die studenti- erstmalig durchbrochen worden, indem
sche Erwerbsarbeit etwas mehr zu Lasten der Anteil an Vollzeitstudierenden wie-
der Freizeit geht und entsprechend etwas der um vier Prozentpunkte zugenommen
weniger zu Lasten des Studiums. hat, möglicherweise auch eine Auswir-
• Der Zeitaufwand, der in Studium und kung der Studienstrukturreform. Korre-
Erwerbstätigkeit investiert wird, hängt spondierend damit hat sich der Anteil
von zahlreichen sozialen und individuel- derjenigen Studierenden im Erststudium,
len Faktoren ab. Von besonderer Bedeu- der de facto ein Teilzeitstudium (mit we-
tung ist auch hier die soziale Herkunft niger als 25 Stunden pro Woche) betreibt,
(Bild 9.19). So steigt der durchschnittliche von 25 % in 2006 – einem Spitzenwert in
Erwerbsaufwand im Studienverlauf bei der bisherigen Entwicklung – auf 21 % in
Studierenden aus der Herkunftsgruppe 2009 reduziert.
„niedrig“ stärker an als bei denjenigen • Die vier Studien-Erwerbs-Typen (nur
aus der Herkunftsgruppe „hoch“, mit ent- Erststudium) verteilen sich unterschied-
sprechenden Konsequenzen für das Stu- lich nach Abschlussart, Studienfach und
ZUSAMMENFASSUNG 29

Studienverlauf. Den größten Anteil an • Differenziert nach regionalen Merk-


Vollzeitstudierenden weisen Studiengän- malen, liegt die Erwerbstätigenquote in
ge auf, die mit dem Staatsexamen (ohne den neuen Ländern mit 55 % weit unter
Lehramt) oder einem Bachelor enden, der für die alten Länder (68 %). Anstei-
den geringsten hingegen Magisterstudi- gend ist sie in beiden Regionen (Bild 10.3).
engänge (Bild 9.24). Eine tiefer gehende Mit 32 Prozentpunkten Differenz (78 % in
Bestandsaufnahme der Situation in den Köln, 46J% in Osnabrück) gibt es starke
Bachelorstudiengängen wird im Rahmen Unterschiede auf lokaler Ebene (Bild 10.8),
eines Sonderberichts erfolgen. ebenso zwischen den einzelnen Ländern
• Mit dem Studienverlauf nimmt die (Bild 10.7).
Häufigkeit eines de facto Teilzeitstudiums • Die Erwerbstätigenquote steigt mit
deutlich zu: Während noch 86 % bis 87 % dem Alter deutlich an – von 39 % bei den
der Studierenden in den ersten beiden 19-Jährigen auf 79 % bei den 30-Jährigen
Studienjahren im Vollzeitmodus studie- und älteren Studierenden; ebenso der An-
ren, sind es im vierten Studienjahr nur teil der laufend Erwerbstätigen (Bild 10.9).
noch 77 % und im fünften nur noch 74 % Geschlechtsspezifische Unterschiede sind
(Bild 9.25). Der Anteil der Vollzeitstudie- relativ gering; bei den Jüngeren (bis 25-
renden ist vor allem in der Fächergruppe Jährigen) ist die Erwerbstätigenquote der
Medizin, aber auch in den Ingenieurwis- Frauen etwas höher (Bild 10.10). Zwischen
senschaften und in Mathematik/ Natur- den sozialen Herkunftsgruppen fallen die
wissenschaften höher als im Durchschnitt Unterschiede geringer aus, als erwartet
und fällt in der Fächergruppe Sozialwis- werden könnte: In allen vier Gruppen
senschaften/Psychologie/Pädagogik deut- liegt die Erwerbstätigenquote deutlich
lich niedriger aus (Bild 9.26). über 60 % (Bild 10.11).
• Mit 66 % ist die Erwerbstätigenquote • Unter den vielfältigen Motiven, ne-
unter Studierenden im Erststudium im ben dem Studium zu arbeiten, steht der
Jahr 2009 gegenüber 2006 wieder um Grund „notwendig für den Lebensunter-
drei Prozentpunkte gestiegen und liegt halt“ an erster Stelle (45 % mit voller Zu-
damit auch im längerfristigen Vergleich stimmung), gefolgt von dem Motiv „sich
auf einem hohen Niveau (Bild 10.2). Die- etwas mehr leisten können“ (40 %). Auch
ser Anstieg ist vor allem auf diejenigen die Unabhängigkeit von den Eltern (30 %)
zurückzuführen, die laufend während sowie das „Sammeln praktischer Erfah-
des Semesters gearbeitet haben, was bei rungen“ (26 %) spielen noch eine größere
38 % der Studierenden der Fall ist (2006: Rolle (Bild 10.15). Steht das Motiv „Lebens-
33 %). unterhalt“ im Vordergrund, dehnen sich
30 ZUSAMMENFASSUNG

die durchschnittlichen Arbeitszeiten ten- me der Gebührenzahlung durch die El-


denziell aus, während der Grund „sich et- tern (bei 59H% der Gebührenzahler) belas-
was leisten können“ eher zu moderaten tet die Gebührenpflicht vornehmlich die-
Arbeitszeiten führt (vgl. Abschnitt 10.3.3). jenigen, die ihr mit eigenen Mitteln nach-
Die Motive korrespondieren mit dem Al- kommen müssen. In dieser Gruppe hat
ter – jüngere Studierende arbeiten eher, sich im Vergleich zum Sommersemester
um sich etwas mehr leisten zu können, äl- 2006 vor allem der Anteil der „laufend“
tere dagegen eher mit dem Ziel der Siche- Erwerbstätigen erhöht (Bilder 10.4 und
rung des Lebensunterhalts. Bei Studieren- 10.5).
den aus der Herkunftsgruppe „niedrig“
steht der Lebensunterhalt als Erwerbsmo- 5. Soziale Infrastruktur für
tiv im Vordergrund; bei denjenigen aus Studierende
der Herkunftsgruppe „hoch“ dominieren Welche Bedeutung hat die soziale Infra-
die Motive, sich etwas mehr zu leisten so- struktur für das Studium, welche Anfor-
wie Praxiserfahrungen zu sammeln (Bild derungen stellen Studierende an diese
10.20). und wie stellt sich ihre Nutzung dar?
• Erwerbstätige Studierende finden Hochschulzugang und Studienerfolg sind
sich in einer ganzen Bandbreite von Jobs, nicht nur von der Finanzierung des Studi-
von hochqualifizierten bis zu einfachen ums und dem Zeitbudget abhängig, das
Aushilfstätigkeiten, die mit 40 % (Erststu- für das Studium zur Verfügung steht.
dium) das Bild dominieren. 32 % arbeiten Vielmehr bedeutet ein Hochschulstudi-
als studentische/wissenschaftliche Hilfs- um in der Regel auch, sich nach einer Un-
kraft (Bild 10.22). Der durchschnittliche terkunft umzusehen, sich verpflegen und
Verdienst im Erststudium liegt bei 9H€ pro vielfältige Herausforderungen meistern
Stunde, aber mit einer erheblichen zu müssen, die mit dem Wechsel in eine
Spannweite; bei freiberuflicher/selbstän- neue Lebensphase zusammenhängen.
diger und bei höher qualifizierter Tätig- Die Studentenwerke bieten dafür an den
keit, insbesondere in Anknüpfung an eine einzelnen Standorten entsprechende
schon erworbene Qualifikation, lässt sich Dienstleistungen an, zu denen Angebote
ein höheres Entgelt erzielen (Bild 10.26). für preiswertes Wohnen in Wohnhei-
• Die Einführung allgemeiner Studien- men, preisgünstige Verpflegungsange-
gebühren hat insgesamt keinen messba- bote in Mensen und Cafeterien und auch
ren Einfluss auf das studentische Zeitbud- zahlreiche Beratungs- und Informations-
get. Aufgrund zahlreicher Ausnahmen angebote gehören. Aufgrund der Zentra-
und Befreiungen und der (Teil-)Übernah-
ZUSAMMENFASSUNG 31

lität dieser Fragen für die große Mehrzahl Wohnpräferenzen und der sich darin ma-
der Studierenden sind diese Aspekte ein nifestierenden Lebensstile; drittens
regelmäßiges Thema der Sozialerhebun- schließlich von der Preis- und Kostenent-
gen. Sollte sich das deutsche Hochschul- wicklung in Verbindung mit den finan-
system zukünftig noch stärker ausdiffe- ziellen Möglichkeiten der Studierenden.
renzieren, ist es vorstellbar, dass solche • Im Jahr 2009 ergibt die Verteilung der
Angebote als Wettbewerbsfaktoren sogar Wohnformen für alle Studierenden fol-
noch stärker an Bedeutung gewinnen. gendes Bild (Bild 11.1): Die Wohngemein-
Wie wohnen Studierende und was hat schaft ist die am häufigsten gewählte
sich hier verändert? Folgende Ergebnisse Wohnform (26 %), gefolgt vom Wohnen
zur Wohnsituation werden hervorgeho- bei den Eltern (23 %). Der Anteil an Studie-
ben: renden, die allein in einer eigenen Woh-
• Die Entwicklung der studentischen nung wohnen, ist auf 17 % zurückgegan-
Wohnformen, weist über den Zeitraum gen, eine eigene Wohnung mit einem
der letzten 20 Jahre keinen so fundamen- Partner bzw. einer Partnerin teilen sich
talen Wandel mehr auf wie in den vier 20D%. Einen Platz in einem Wohnheim ha-
Jahrzehnten zuvor (vgl. Bild 11.3 sowie 18. ben 12 % der Studierenden. Die Verände-
Sozialerhebung, S. 353). Sie ist u. a. da- rungen zwischen 2006 und 2009 fallen
durch geprägt, dass die Wohnform der damit vergleichsweise moderat aus. Der
Untermiete schon seit Beginn des letzten Anteil der Wohnheimwohner/innen und
Jahrzehnts bedeutungslos geworden ist der Anteil derjenigen, die in einer Wohn-
und der Anteil, der selbstorganisiert gemeinschaft leben, hat um jeweils einen
wohnt, in eigener Wohnung mit oder Prozentpunkt zugenommen; umgekehrt
ohne Partner/in sowie in einer Wohnge- hat die alleinige Nutzung einer Woh-
meinschaft, bis 2003 permanent zuge- nung um drei Prozentpunkte abgenom-
nommen hat und danach auf hohem Ni- men.
veau stabil geblieben ist. Die langfristige • Zwischen tatsächlicher Wahl und be-
Entwicklung ist primär von drei Faktoren vorzugter Wohnform gibt es eine gewisse
beeinflusst worden: erstens von der Ange- Diskrepanz. Bei freier Wahl – d. h. ohne
botsentwicklung auf dem Wohnungs- Rücksicht auf das lokale Angebot und die
markt, einschließlich der Wohnheimka- Kosten – stünde die gemeinsame Woh-
pazitäten; zweitens vom Wandel der nung mit dem/der Partner/in an erster
Wohnnachfrage, die u. a. von der Ent- Stelle (35 %). Die Wohngemeinschaft
wicklung der Studierendenzahlen abhän- (25D%) und die alleinige Wohnung (23 %)
gig ist sowie von den individuellen kämen gleich danach. Auf das Wohn-
32 ZUSAMMENFASSUNG

heim entfielen 9 %. Am größten ist die Dis- tive Angebote auf dem freien Wohnungs-
krepanz bei der Elternwohnung, für die markt etc. Abgesehen von den Unter-
sich nur 8 % bei freier Wahlmöglichkeit schieden zwischen alten und neuen Län-
entscheiden würden (Bild 11.12). Die Über- dern gibt es auch zwischen den 16 Län-
einstimmung zwischen bevorzugter und dern z. T. beträchtliche Unterschiede in
realisierter Wohnform ist am höchsten den Wohnformen (Bild 11.15).
bei der Wohnung, die mit dem/der Part- • Die individuelle Wahl der Wohnform
ner/in geteilt wird (95 %). Es folgen fast wird von verschiedenen Faktoren beein-
gleich-auf die Wohngemeinschaft (63 %) flusst. Ältere Studierende wohnen z. B. an-
und die alleinige Wohnung (60 %). Schon ders als jüngere. Mit dem Alter nimmt die
deutlich niedriger fällt die Übereinstim- Bedeutung der Elternwohnung, der
mung beim Wohnheim (40 %) aus; bei den Wohngemeinschaft und des Wohnheims
Eltern oder zur Untermiete (22 % bzw. 17 %) (schon aufgrund der zumeist begrenzten
wohnen die meisten Studierenden nicht, Wohndauer) deutlich ab, die der eigenen
weil sie diese Wohnformen bevorzugen, Wohnung und vor allem die einer Woh-
sondern weil sie offenbar keine andere nung mit dem/r Partner/in dagegen deut-
Möglichkeit gefunden haben. lich zu (Bild 11.6). Die Unterschiede zwi-
• Einen deutlichen Unterschied gibt es schen den Geschlechtern sind dagegen
zwischen den alten und neuen Ländern, geringer. Studentinnen wohnen seltener
auch wenn sich die Wohnpräferenzen als Studenten bei ihren Eltern und auch
selbst nicht mehr unterscheiden (Bild seltener im Wohnheim. Sie wohnen vor
11.13). Ein Platz in einer Wohngemein- allem häufiger bereits mit einem Partner
schaft oder einem Wohnheim hat in den zusammen (Bild 11.7), wobei neben dem
neuen Ländern eine deutlich größere Be- Geschlecht selbstverständlich auch der
deutung, das Wohnen bei den Eltern da- Familienstand großen Einfluss hat. Die so-
gegen eine sehr viel geringere (Bild 11.4). ziale Herkunft wirkt sich ebenso aus: Stu-
Auffällig ist der in den 1990er Jahren dras- dierende aus der Herkunftsgruppe „nied-
tische, inzwischen deutlich verlangsamte rig“ wohnen häufiger bei den Eltern oder
Bedeutungsverlust der Wohnheime in mit dem/der Partner/in zusammen, dieje-
den neuen Ländern von über 60 % (1991) nigen aus der Herkunftsgruppe „hoch“
auf 15 % (2009), der auf mehrere Ursachen dagegen häufiger in einer Wohngemein-
zurückzuführen ist: Modernisierungs- schaft oder alleinigen Wohnung. Interes-
maßnahmen, die mit einem Kapazitäts- sant ist, dass ein Platz in einem Wohn-
verlust verbunden waren, der enorme heim für alle sozialen Herkunftsgruppen
Anstieg der Studierendenzahlen, alterna- gleichermaßen attraktiv ist (Bild 11.8).
ZUSAMMENFASSUNG 33

• Insgesamt äußern sich 60 % als mit ih- den Männern –, während sporadische
rer Wohnsituation (sehr) zufrieden. Am Nutzung zugenommen hat (Bild 12.3).
höchsten ist die Zufriedenheitsquote bei Stammgäste sind eher männlich, sporadi-
denen, die mit Partner/in in einer eigenen sche Nutzer und Nicht-Nutzer häufiger
Wohnung zusammen leben (72 %). Am weiblich. Gegenüber 2006 hat sich der
unzufriedensten äußern sich diejenigen, Anteil der sporadischen Nutzer/innen um
die bei ihren Eltern, zur Untermiete oder drei Prozentpunkte und der Anteil der
im Wohnheim wohnen (Bild 11.14). Stammgäste um einen Prozentpunkt er-
Zur Nutzung und Einschätzung der höht. Der Anteil der Nicht-Nutzer ist ent-
gastronomischen Einrichtungen im sprechend zurückgegangen.
Hochschulbereich (Mensen und Cafeteri- • Der Anteil derjenigen, die nie die
en) sind folgende Ergebnisse hervorzuhe- Mensen nutzen, ist in allen Altersklassen
ben: zurückgegangen, am stärksten bei den äl-
• Hinsichtlich der Nutzungsfrequenz teren Studierenden. Dennoch nutzen jün-
lässt sich für 2009 feststellen, dass 85 % gere Studierende die Mensen auch 2009
der Studierenden im Laufe einer Woche häufiger als ältere (Bild 12.5). Studierende,
eine Mensa/Cafeteria besuchen – im die im Wohnheim oder in einer Wohnge-
Durchschnitt etwa viermal innerhalb ei- meinschaft wohnen, sind öfter Stamm-
ner Woche. Das Mittagessen ist der mit gäste. Die Höhe der monatlichen Einnah-
Abstand häufigste Anlass dafür, es folgen men beeinflusst die Häufigkeit des
Zwischenmahlzeiten und Frühstück, Mensabesuchs nur wenig. Studierende
während das Abendessen bislang äußerst der Ingenieurwissenschaften, Medizin
selten vorkommt (Bilder 12.1 und 12.2). und der Naturwissenschaften besuchen
78Ž% der Studierenden gehen durch- die gastronomischen Einrichtungen an
schnittlich 2,7 mal in der Woche zum der Hochschule häufiger als ihre Kommi-
Mittagessen in die Mensa. Mit Ausnahme liton/innen (Bild 12.8). Studierende in den
der Zwischenmahlzeiten werden die Ver- Bachelor-Studiengängen sind etwas häu-
pflegungseinrichtungen häufiger von figer Stammgäste der Mensa als Studie-
Studenten als von Studentinnen genutzt rende in den Diplom-/Magister-Studien-
(vgl. Abschnitt 12.2). gängen (41 % vs. 39 %). Werden gleichaltri-
• Im längeren Zeitverlauf blieb der An- ge Studierende der neuen und alten Stu-
teil der Mensabesucher/innen seit 1991 diengänge verglichen, sind keine Unter-
weitgehend unverändert. Etwas verrin- schiede feststellbar.
gert hat sich der Anteil der Stammgäste – • Unter den Erwartungen an die Men-
und zwar sowohl bei den Frauen wie bei sa/Cafeteria dominieren eindeutig die
34 ZUSAMMENFASSUNG

günstige räumliche Nähe zur Hochschule mationsbedarf zwischen 2006 und 2009
(von 90 % als (sehr) wichtig genannt), der insgesamt um fünf Prozentpunkte abge-
Preis (82 %) und die Qualität der Angebote nommen hat. Dies trifft vor allem auf den
(79 %), schließlich auch der geringe Zeit- Bereich der finanzierungsbezogenen
aufwand (57 %). Darüber hinaus sehen Themen zu (minus acht Prozentpunkte).
44E% die Mensen und Cafeterien auch als Der stärkste Rückgang zeigt sich bei den
einen Ort der Kommunikation, als einen Themen Krankenversicherung und Fi-
Treffpunkt an, weshalb für ungefähr ge- nanzierung eines Auslandsaufenthalts
nauso viele Befragte auch die räumliche (jeweils um fünf Prozentpunkte). Demge-
Gestaltung wichtig ist (Bild 12.11). Für die genüber ist der Bedarf an Information
tatsächlichen Nutzer/innen der Mensen und Beratung zu studien-(leistungs)bezo-
und Cafeterien spielen die räumliche genen Themen wie Arbeitsorganisation/
Nähe zur Hochschule und der damit ver- Zeitmanagement, Prüfungsangst und
bundene geringe Zeitaufwand neben den Studienabschlussprobleme konstant ge-
günstigen Preisen eine noch größere Rol- blieben, während er zum Thema Lern-/
le. Leistungsprobleme geringfügig gestie-
Zum Beratungsbedarf sind folgende gen ist.
Ergebnisse hervorzuheben: • Unterschiede im Beratungsbedarf fal-
• Unter allen Studierenden im Erststu- len zwischen den beiden Hochschularten
dium geben 61 % an, in den vergangenen sehr gering aus; lediglich Probleme mit
zwölf Monaten einen Beratungs- und In- der Studienfinanzierung sind häufiger
formationsbedarf zu mindestens einem für Studierende an Fachhochschulen ein
Thema (aus einer vorgegebenen Liste) ge- Anlass, Beratung und Information zu su-
habt zu haben. Dabei stehen finanzielle chen (Bild 13.2). Auch die Unterschiede
Themen (Studienfinanzierung, Kranken- zwischen den Bachelor-Studierenden und
versicherung, Auslandsaufenthalt) im denen, die einen traditionellen Abschluss
Vordergrund, es folgen studien(leis- anstreben, fallen insgesamt nicht sehr
tungs)bezogene Probleme (z. B. Zweifel, gravierend aus (Bild 13.3). Allerdings gibt
das Studium fortzuführen, Arbeitsproble- es auch hier interessante Aspekte im De-
me) und Probleme, die sich auf die eigene tail. So sind es die Bachelor-Studierenden,
Person oder das persönliche Umfeld be- die einen gegenüber den Studierenden
ziehen, u. a. auch psychische Schwierig- anderer Abschlussarten erhöhten Bera-
keiten wie depressive Verstimmungen tungs- und Informationsbedarf zum The-
oder Selbstwertprobleme (Bild 13.1). Auf- ma Studienfinanzierung haben. Dagegen
fällig ist, dass der Beratungs- und Infor- rücken für sie Probleme im Zusammen-
ZUSAMMENFASSUNG 35

hang mit einer eigenen Krankenversiche- Auch das Geschlecht bzw. geschlechts-
rung in den Hintergrund, weil sie die ent- spezifische Wahrnehmungs- und Verhal-
sprechende Altersgrenze dafür häufig tensweisen üben einen Einfluss auf den
noch gar nicht erreicht haben. Im Kon- Beratungs- und Informationsbedarf aus
text studien- und leistungsbezogener (Bild 13.7). So sehen Studentinnen nahezu
Themen plagen die Bachelor-Studieren- über alle Themen hinweg häufiger einen
den einerseits etwas häufiger Zweifel, das Bedarf an Beratung und Information als
Studium fortzuführen. Andererseits ha- Studenten. Die soziale Herkunft wirkt sich
ben sie deutlich seltener Beratungsbedarf ebenfalls auf den Beratungsbedarf aus.
im Zusammenhang mit Studienabschluss- Studierende aus der Herkunftsgruppe
problemen. „niedrig“ geben zu nahezu allen Themen
• Sehr deutlich variiert der themenspe- einen höheren Beratungsbedarf an, am
zifische Beratungs- und Informationsbe- stärksten zu Fragen der Studienfinanzie-
darf mit einigen sozio-demografischen rung (Bild 13.8).
Merkmalen, z. B. mit dem Alter der Stu- • Von den Studierenden mit einem Be-
dierenden. So stehen allgemeine finan- ratungs- und Informationsbedarf (61 %)
zielle Fragen eher bei den Jüngeren und haben mehr als die Hälfte (33 % aller Stu-
bei den Älteren im Vordergrund. Die dierenden im Erststudium) eine professi-
Krankenversicherung wird bei den 25- bis onelle Beratungseinrichtung aufgesucht.
27-Jährigen zu einem ganz wichtigen Eine so hohe „Nutzungsquote“ von 55 %
Thema, hervorgerufen durch den Weg- (in Bezug auf diejenigen mit einem Bera-
fall der Mitversicherung bei den Eltern i. tungsbedarf) wird aber nur bei finanzie-
d. R. nach dem 25. Lebensjahr. Nahezu rungsbezogenen Problemen erreicht. Bei
alle studien(leistungs)-bezogenen The- studien- bzw. leistungsbezogenen Proble-
men gewinnen mit zunehmendem Alter men wird schon seltener professionelle
an Bedeutung. Eine Ausnahme bilden Hilfe in Anspruch genommen, hier liegt
Zweifel, das Studium fortzusetzen, die die „Nutzungsquote“ nur noch bei 27 %.
auch für die Jüngeren bereits sehr rele- Noch seltener werden Beratungsangebo-
vant sind. Ebenso nehmen einige Proble- te bei Problemen im persönlichen Umfeld
me im persönlichen Umfeld wie depressi- wahrgenommen („Nutzungsquote“ von
ve Verstimmungen und Selbstwertprob- 18 %).
leme mit dem Alter zu (Bild 13.6). Diskont-
inuierliche Studienverläufe und eine
hohe Erwerbsbelastung vergrößern den
Beratungsbedarf (Bilder 13.4 und 13.5).
1. Anlage der Untersuchung
38 ANLAGE DER UNTERSUCHUNG

1.1 Untersuchungsziele Hochschulzugang werden Ergebnisse zu


Die hiermit vorgelegte 19. Sozialerhe- folgenden Themenbereichen präsentiert:
bung setzt die 1951 begonnene Erhe- • Entwicklung und Unterschiede in der
bungsreihe des Deutschen Studenten- Bildungsbeteiligung
werks über die wirtschaftliche und sozia- • Soziale Zusammensetzung der Studie-
le Situation der Studierenden in Deutsch- renden
land fort. Der Wandel der sozialen Lage • Entwicklung und Unterschiede bei der
der Studierenden lässt sich somit über Finanzierung des Lebensunterhalts
fast 60 Jahre hinweg verfolgen – seit 1991 • Förderung nach dem BAföG
einschließlich der Studierenden in den • Zeitaufwand für Studium und Erwerbs-
neuen Ländern. tätigkeit
Die Durchführung der Erhebung, die • Entwicklungstendenzen studentischer
Auswertung der Daten und die Darstel- Erwerbstätigkeit
lung der Ergebnisse lagen, wie bereits seit • Wohnsituation
der 10. Sozialerhebung (1982), in den Hän- • Nutzung und Ansprüche an Mensen
den von HIS Hochschul-Informations-Sys- und Cafeterien
tem. • Beratungs- und Informationsbedarf
Die 19. Sozialerhebung wurde, wie al- • Studium mit Kind.
le vorangegangenen Erhebungen seit An- Grundlage der Berichterstattung in
fang der siebziger Jahre, wieder mit Mit- den Kapiteln 2 bis 14 ist die Situation der
teln des Bundesministeriums für Bildung deutschen Studierenden und der auslän-
und Forschung (BMBF) gefördert. dischen Studierenden, die im deutschen
Hauptanliegen der Sozialerhebung ist Schulsystem ihre Hochschulzugangsbe-
es, die soziale und wirtschaftliche Lage rechtigung erworben haben (Bildungsin-
der Studierenden systematisch zu erfas- länder/-innen). Basis für das Kapitel 15
sen und so aufbereitet darzustellen, dass „Studierende mit Migrationshinter-
der Leser/die Leserin in die Lage versetzt grund“ sind die Bildungsinländer/innen
wird, sich ein eigenes Urteil über die und deutsche Studierende, die als solche
jüngste Entwicklung und den aktuellen mit Migrationshintergrund identifiziert
Stand der sozialen und wirtschaftlichen werden konnten. Die Situation der aus-
Situation der Studierenden zu bilden. ländischen Studierenden, die erst zum
Neben der Darstellung der Entwick- Studium nach Deutschland kamen (so ge-
lung der Studierendenzahlen und der nannte Bildungsausländer/innen), wird
Vorstellung wesentlicher Daten zum in einer Sonderveröffentlichung behan-
delt.
ANLAGE DER UNTERSUCHUNG 39

Die in den einzelnen Kapiteln darge- Sicht beschrieben werden. Auch in die-
stellten Ergebnisse basieren auf den Da- sem Zusammenhang müssen die Ergeb-
ten, die im 3-Jahres-Rhythmus, zuletzt im nisse der Sozialerhebung als eine Zeitrei-
Sommersemester 2009, durch die Sozial- he gelesen werden, die den jeweils aktu-
erhebung ermittelt werden. Ausgenom- ellen Stand eines fortlaufenden Wand-
men von dieser Regel sind Kapitel 2 lungsprozesses dokumentiert. Dabei stel-
„Hochschulzugang“, und Kapitel 3 „Bil- len die Ergebnisse der Sozialerhebung als
dungsbeteiligung“, in denen vorwiegend Monitoringinstrument auch Informatio-
bzw. ausschließlich Daten der amtlichen nen zur Verfügung, die dazu beitragen
Statistik (z. B. Mikrozensus) und anderer können, im Falle unerwünschter Folgen
HIS-Untersuchungsreihen (z. B. Studien- rechtzeitig Handlungsbedarfe zu erken-
anfängerbefragungen) genutzt werden. nen und gegebenenfalls korrigierend in
Die 19. Sozialerhebung fällt in eine diesen Prozess einzugreifen.
Zeit, in der der vor einigen Jahren einge-
leitete grundlegende Umbruch der deut- 1.2 Erhebungsinstrumentarium
schen Hochschullandschaft, der nahezu
alle Facetten und Bestandteile des Hoch- Stichprobe
schulsystems einbezieht – von den Zu- Die Sozialerhebung ist konzipiert als
gängen zum Studium und der Organisati- schriftliche Befragung einer Stichprobe
on des Studiums über die Struktur des der jeweils im Sommersemester des Be-
Hochschulsystems bis zur Organisation, fragungsjahres an den deutschen Hoch-
Steuerung und Finanzierung der Hoch- schulen gemäß dem Berichtskreis des Sta-
schulen, bereits relativ weit fortgeschrit- tistischen Bundesamtes1 immatrikulier-
ten ist. Aus studentischer Perspektive sind ten Studierenden. Ausgenommen blei-
es vor allem die mit dem Bologna-Prozess ben dabei die Studierenden der Verwal-
verbundenen Reformen des Studiums, tungsfachhochschulen, der Hochschulen
die zu tief greifenden Veränderungen ge- des Fernstudiums und der Universitäten
führt haben. Aber auch die Einführung der Bundeswehr. Für die 19. Sozialerhe-
von allgemeinen Studiengebühren in bung wurden nach dem Zufallsprinzip
sechs Ländern, von der die Mehrheit der
Studierenden betroffen ist, gehört dazu.
1
Mit der 19. Sozialerhebung wird eine Hochschulen, die erst im Jahre 2009 in den
Berichtskreis des Statistischen Bundesamts auf-
Momentaufnahme dieses Reform- und genommen wurden, wie beispielsweise die am
Veränderungsprozesses vorgelegt, mit 01.03.09 gegründete Duale Hochschule Baden-
Württemberg, konnten dabei nicht berücksich-
der die Auswirkungen aus studentischer tigt werden.
40 ANLAGE DER UNTERSUCHUNG

zwei unterschiedliche Stichproben gezo- Die schriftliche Befragung der deut-


gen. schen Studierenden und der studieren-
Die erste Stichprobe umfasst die Ziel- den Bildungsinländer/innen wurde im
gruppe der deutschen Studierenden und Sommersemester 2009 mit dem im An-
der studierenden Bildungsinländer/in- hang wiedergegebenem Fragebogen
nen. Für diese Stichprobe war jeder 27. im durchgeführt. Im Einzelnen wurden da-
Sommersemester 2009 immatrikulierte mit Daten zu folgenden Themenberei-
Studierende zu berücksichtigen (weitere chen, die hier in der Abfolge des Fragebo-
Details im Kap. 1.3). Die zweite Stichprobe gens wiedergegeben werden, ermittelt:
war für die gesonderte Befragung der so • Angaben zum Studium
genannten Bildungsausländer/innen zu Dabei geht es um formale Merkmale wie
ziehen. Hier war jeder 18. Studierende in Hauptstudienfach, angestrebter Ab-
die Stichprobe einzubeziehen. schluss, Anzahl der absolvierten Semes-
Die gezogene Stichprobe der Deut- ter, besuchte Hochschule, Studiengang-
schen und Bildungsinländer wurde zum und Hochschulwechsel. Wiederum wur-
Teil (20 %) dazu genutzt, die Studierenden den die Studierenden gebeten, ihre Ein-
aufzufordern, die Fragen der Sozialerhe- stellung zum Studium, bezogen auf die
bung online im Internet zu beantworten. gegenwärtige Lebenssituation, anzuge-
Diese Online-Befragung dient der metho- ben. Außerdem wurde das Zeitbudget für
dischen Weiterentwicklung des Erhe- die „typische“ Semesterwoche erfragt,
bungsintrumentariums der Sozialerhe- und zwar für Lehrveranstaltungen,
bung. Ihre Ergebnisse sind nicht Gegen- Selbststudium und Erwerbstätigkeit. Da-
stand des vorliegenden Berichts. rüber hinaus wurden Studierende, die die
Hochschule gewechselt hatten, ergän-
Fragebogen zend nach den Gründen dafür befragt.
Bei der Überarbeitung des bewährten • Angaben zur Vorbildung
Fragebogens der Sozialerhebung wurden Mit diesem Teil werden die Art der Hoch-
Modifikationen der Fragestellungen mit schulzugangsberechtigung und das
der Zielsetzung vorgenommen, soweit Land, in dem die Berechtigung erworben
möglich Auswirkungen der Änderungen wurde, ermittelt. Außerdem wird nach ei-
des Hochschulzugangs, der Studienstruk- ner eventuellen Berufsausbildung vor
turreform und der Einführung von Studi- Studienaufnahme gefragt und wie viel
engebühren zu ermitteln. Zeit zwischen dem Erwerb der Hoch-
schulzugangsberechtigung und der Erst-
immatrikulation lag.
ANLAGE DER UNTERSUCHUNG 41

• Finanzielle Situation im Sommersemes- • Angaben über die Eltern


ter 2009 Gefragt wird nach dem Erwerbsstatus,
Gefragt wird einerseits nach den Einnah- dem höchsten Schulabschluss und dem
men, die aus den möglichen Finanzie- höchsten beruflichen Abschluss von Va-
rungsquellen monatlich zur Verfügung ter und Mutter. Ergänzend wird die Ein-
stehen, und andererseits nach den mo- ordnung des aktuell bzw. zuletzt ausge-
natlichen Ausgaben für ausgewählte Po- übten Berufs anhand eines hierarchi-
sitionen der Lebenshaltung. Darüber hin- schen Schlüssels der beruflichen Positio-
aus wurde erstmals danach gefragt, ob nen ermittelt. Außerdem wurde erstmals
die besuchte Hochschule allgemeine Stu- nach der Staatsangehörigkeit der Eltern
diengebühren erhebt und wie diese ggf. gefragt.
finanziert werden. Abgeschlossen wird • Angaben zur Wohnsituation
dieser Komplex mit einer Frage nach der Dieser Abschnitt umfasst Standardfragen
Beurteilung der eigenen finanziellen Si- zur tatsächlichen und bevorzugten
tuation. Wohnform sowie nach der Zufriedenheit
• Angaben zum BAföG mit der aktuellen Wohnsituation.
Ermittelt werden der Förderungsstatus, • Angaben zur Ernährung
die Art der Förderung sowie die Gründe Gefragt wird nach der Art und der Anzahl
der Nicht-(mehr-)Förderung. der in der Mensa oder Cafeteria im Laufe
• Geld verdienen während des Studiums einer Woche eingenommenen Mahlzei-
Es wird danach gefragt, ob und in wel- ten. Außerdem wird ermittelt, was den
chem Umfang in der vorlesungsfreien Studierenden an Mensen und Cafeterien
Zeit und während der Vorlesungszeit ei- wichtig ist.
ner Tätigkeit zum Geld verdienen nach- • Beratungsbedarf - Informationsbedarf
gegangen wurde. Soweit dies bejaht wur- Die Fragestellung zielt auf den Bedarf an
de, schlossen sich Fragen zur Art der Tä- Information und Beratung für verschie-
tigkeit und den Gründen, warum wäh- dene Teilaspekte des studentischen Le-
rend des Studiums Geld verdient wird, an. bens und die Nutzung von entsprechen-
• Angaben zur Person den Beratungsangeboten.
Mit diesem Teil werden die üblichen • Auslandserfahrungen
demographischen Merkmale wie Ge- Mit dem abschließenden Teil des Fragebo-
schlecht, Lebensalter, Familienstand und gens werden Daten zu verschiedenen As-
Staatsangehörigkeit ermittelt. Darüber pekten studentischer Auslandsmobilität
hinaus wird nach Geschwistern und eige- ermittelt .
nen Kindern gefragt.
42 ANLAGE DER UNTERSUCHUNG

Dem Fragebogen war ein Anschrei- der Erhebung, zu den Akteuren sowie Fra-
ben (vgl. Anhang A) beigefügt, das die gen und Antworten rund um die Sozialer-
Untersuchungsziele erläutert, sowie ei- hebung sind dort zu finden. Außerdem
nen Hinweis auf die Freiwilligkeit der können auf der Website die Druckfassun-
Teilnahme und eine Erklärung zum Da- gen der Berichte zur Sozialerhebung be-
tenschutz enthält. Außerdem war den Be- stellt und mittels eines E-Mail-Kontaktfor-
fragungsunterlagen ein Flyer beigefügt, mulars Fragen gestellt und Meinungen
mit dem weitergehend über die Sozialer- geäußert werden.
hebung informiert wurde.
1.3 Durchführung der Unter-
Begleitmaßnahmen suchung
Zu den begleitenden Maßnahmen, mit Mit Ausnahme der Verwaltungsfach-
denen die 19. Sozialerhebung angekün- hochschulen, der Universitäten der Bun-
digt und bei den Studierenden für eine deswehr und der Hochschulen für das
Teilnahme geworben wurde, gehörte Fernstudium wurden Ende Januar 2009
eine aktive Presse- und Öffentlichkeitsar- alle zu dem Zeitpunkt in Deutschland
beit des Deutschen Studentenwerks und existierenden Hochschulen gebeten, sich
der regional zuständigen Studentenwer- an der Sozialerhebung durch Ziehen ei-
ke. Mit Pressemitteilungen und einer Pla- ner Stichprobe und Versenden der Erhe-
kataktion, unmittelbar vor Beginn der bungsunterlagen zu beteiligen. Die 218
Feldphase, wurde auf die bevorstehende Hochschulen, die daraufhin ihre Teilnah-
Befragung aufmerksam gemacht. Dazu mebereitschaft erklärt haben, wurden
wurden 2.500 Plakate an die 58 Studen- gebeten, die Adressen der zu befragen-
tenwerke versandt. den Studierenden aus dem hochschulin-
Darüber hinaus wird eine Website als ternen Adressenpool nach dem Zufalls-
Informations- und Serviceportal für Be- prinzip zu ziehen und für den Versand
fragte, Presse und sonstige Interessierte der Erhebungsunterlagen in zweifacher
gepflegt (www.sozialerhebung.de). Sie Ausfertigung bereitzuhalten. Jeweils eine
enthält zur Ansicht und/oder zum Herun- Ausfertigung war für den Versand des
terladen Pressemitteilungen, Textbau- Fragebogens und einer Erinnerungskarte
steine, Interviews, Fotos, Fragebogen, Pla- vorgesehen.
kat, Flyer und die aus vorherigen Sozialer- Die an die beteiligten Hochschulen
hebungen hervorgegangenen Berichte. ausgelieferten Erhebungsunterlagen
Auch Informationen zu Ziel und Zweck wurden von diesen in der Regel in der
ANLAGE DER UNTERSUCHUNG 43

Woche vom 11. bis 15. Mai 2009 (20. Kalen- den bei HIS ca. 16.500 Rückläufe regist-
derwoche) an die Studierenden versandt. riert. Im Rahmen der Plausibilitätsprü-
Verfahrensbedingt wurde – da HIS aus fung mussten einige Fragebogen ausge-
Gründen des Datenschutzes nicht über sondert werden, so dass der letztlich ver-
die Adressen der angeschriebenen Stu- wertbare Rücklauf die Angaben von
dierenden verfügt und folglich nicht ge- 16.370 Studierenden umfasst. Die Netto-
prüft werden konnte, wer den Fragebo- rücklaufquote liegt damit bundesweit bei
gen bereits zurückgesandt hatte – vier- 32 %. Unterschieden nach der Beteiligung
zehn Tage später von den Hochschulen der Studierenden in den einzelnen Län-
an die gleichen Adressaten eine Erinne- dern variiert die Rücklaufquote zwischen
rungskarte verschickt. Unzustellbare Sen- rd. 27 % und 39 % (Bild 1.1).
dungen gingen direkt an die jeweilige Die Zusammensetzung des realisier-
Hochschule zurück. ten Rücklaufs stimmt nach dem Struktur-
Alle Fragebogen, die bis Ende Juli merkmal Fächergruppe weitgehend mit
2009 bei HIS eintrafen, wurden bei der der Grundgesamtheit überein (Bild 1.2).
Auswertung berücksichtigt. Die Daten Nach den Merkmalen Geschlecht und
der zurückgesandten Fragebogen wur- Hochschulart haben sich Studentinnen
den für die Datenverarbeitung erfasst und Studierende der Universitäten über-
und umfangreichen Plausibilitätsprüfun- proportional an der Sozialerhebung be-
gen unterzogen. teiligt. Die Überprüfung wurde auf der
Basis der Studierendenzahlen des Winter-
1.4 Rücklauf und Repräsen- semesters 2008/2009 durchgeführt, da
tativität entsprechende Zahlen für das Sommerse-
Ausgehend vom verwertbaren Rücklauf, mester seit 1994 von der amtlichen Statis-
haben sich Studierende von 210 Hoch- tik nicht mehr bereitgestellt werden.
schulen an der Erhebung beteiligt. An Durch Gewichtung der Einzelfälle
den teilnehmenden Hochschulen waren wurden die beschriebenen Abweichun-
knapp 95 % der Studierenden der weiter gen zwischen realisierter Stichprobe und
oben definierten Grundgesamtheit der Grundgesamtheit korrigiert und wurde
Sozialerhebung immatrikuliert (Kap. 1.2). sichergestellt, dass die Studierenden in
Nach den entsprechenden Meldun- den einzelnen Ländern sich in dem Ver-
gen der Hochschulen ist anzunehmen, hältnis in der Stichprobe wiederfinden,
dass der Fragebogen gut 51.000 Studie- welches der Grundgesamtheit entspricht.
rende erreichte. Bis Ende Juli 2009 wur- Die realisierte Stichprobe ist reprä-
sentativ für Studierende im Bundesge-
44 ANLAGE DER UNTERSUCHUNG

Bild 1.1 Stichprobe und Rücklauf nach Ländern


Zielgruppe: deutsche Studierende und studierende Bildungsinländer/innen

angeschriebene verwertete Nettorücklauf-


Land
Studierende Fragebogen quote in %

Baden-Württemberg 5.432 2.028 37,3


Bayern 7.034 2.526 35,9
Berlin 3.023 803 26,6
Brandenburg 1.020 326 32,0
Bremen 1.305 382 29,3
Hamburg 1.375 395 28,7
Hessen 6.694 1.925 28,8
Mecklenburg-Vorpommern 940 282 30,0
Niedersachsen 5.085 1.655 32,5
Nordrhein-Westfalen 10.722 3.094 28,9
Rheinland-Pfalz 2.219 680 30,6
Saarland 430 116 27,0
Sachsen 2.402 925 38,5
Sachsen-Anhalt 1.236 423 34,2
Schleswig-Holstein 1.030 309 30,0
Thüringen 1.196 419 35,0
1
insgesamt 51.143 16.370 32,0
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
einschließlich 82 Fragebogen, die keinem Land zuzuordnen sind (keine Angabe der Hochschule)

biet. Grundsätzlich sind die Ergebnisse 1.5 Darstellung der Ergebnisse


auch repräsentativ auf der Ebene der ein- Jedes Kapitel ist so gestaltet, dass es auch
zelnen Länder.2 für sich stehen kann. Wichtige Querbezü-
ge zu anderen Kapiteln werden durch
Übernahme der Ergebnisse bzw. durch
Verweise hergestellt.
2
Allerdings sind detailliertere Auswertungen Für alle Auswertungen wurden Signi-
aufgrund zu geringer Fallzahlen (vgl. Bild 1.1)
nicht für alle Länder möglich. fikanztests durchgeführt. Falls Ergebnisse
ANLAGE DER UNTERSUCHUNG 45

Bild 1.2 Repräsentativität des Rücklaufs nach ausgewählten Merkmalen


Studierende in %
Grund- Abweichungen
gesamtheit im Rücklauf-Grund-
Merkmal Rücklauf
Wintersemester gesamtheit
2008/20091 (Prozentpunkte)
1. Geschlecht
männlich 52,1 41,1 -11,0
weiblich 47,9 58,9 11,0
2. Fächergruppe
Sprach- u. Kulturwissenschaften 20,4 26,3 5,9
Sport 1,5 1,5 0,0
Rechts-, Wirtschafts- u. Sozialwiss. 29,8 26,7 -3,1
Mathematik/Naturwissenschaften 18,4 16,6 -1,8
Humanmedizin 6,0 7,3 1,3
Veterinärmedizin 0,4 0,5 0,1
Agrar-, Forst- u. Ernährungswiss. 2,2 2,4 0,2
Ingenieurwissenschaften 17,2 15,4 -1,8
Kunst, Kunstwissenschaft 4,0 3,3 -0,7
3. Hochschulart
Universitäten o.ä. 70,5 75,9 5,4
Fachhochschulen 29,5 24,1 -5,4
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
ohne Verwaltungshochschulen, Hochschulen des Fernstudiums und Universitäten der Bundeswehr

nicht signifikant sind, wird im Text darauf auf die Gesamtheit der deutschen Studie-
hingewiesen. Zeitreihen, die auf den Be- renden und studierenden Bildungsinlän-
fragungsergebnissen basieren, beginnen der/innen beziehen, wird die zugrunde
entweder 1991, dem Zeitpunkt der ersten liegende Bezugsgruppe im Untertitel der
Sozialerhebung, bei der auch die Studie- Bildüberschrift aufgeführt.
renden in den neuen Ländern einbezo-
gen worden sind, oder beschränken sich Randauszählung des Fragebogens
auf die aktuellere Entwicklung seit 2000. Im Anhang findet sich u. a. eine Randaus-
Soweit sich Ergebnisdarstellungen nicht zählung des Fragebogens, aus der die
46 ANLAGE DER UNTERSUCHUNG

quantitative Verteilung der Antworten


für jedes Fragemerkmal hervorgeht. Die-
se Randauszählung, differenziert nach
Studentinnen und Studenten, erlaubt
dem Leser/der Leserin einen direkten, un-
kommentierten Einblick in das Antwort-
verhalten der Studierenden.
Eine noch weiter gehende Datener-
schließung und -darstellung wird da-
durch sichergestellt, dass für zahlreiche
Studentenwerke und andere Nutzer zu-
sätzliche regionale und standortspezifi-
sche Auswertungen angefertigt werden.
Auf diese Weise entsteht neben dem bun-
desweiten Bericht der Sozialerhebung
eine ganze Bandbreite an landes-, regio-
nal- und standortspezifischen Ergebnis-
darstellungen.
2. Hochschulzugang
48 HOCHSCHULZUGANG

Ausgewählte Ergebnisse im Überblick

Anzahl der Studierenden gemäß amtlicher Statistik


insg. Uni FH
(ohne Verwaltungsfachhochschulen)

Studierende im Wintersemester 2008/2009


1.998.060 1.397.492 600.568
(Deutsche und Ausländer)

Deutsche Studierende und studierende


1.817.925 1.258.397 559.528
Bildungsinländer/innen

- darunter Studentinnen, in% 47 51 38

Studienanfänger/innen im Studienjahr 2008


387.674 244.216 143.458
(Deutsche und Ausländer)

Deutsche Studienanfänger/innen und


329.373 199.237 130.136
Bildungsinländer/innen

- darunter Studienanfängerinnen, in% 49 54 42

Art der Hochschulzugangsberechtigung, in% 1991 2006 2009


allgemeine Hochschulreife 85 83 84
Fachhochschulreife 12 12 12
fachgebundene Hochschulreife 3 3 3
andere Hochschulzugangsberechtigung - 1 1
Brutto-Studierquote, in% 2002 2006 2008
Brutto-Studierquote 73 68 72

Brutto-Studierquote der Frauen 71 64 66

Brutto-Studierquote der Männer 75 72 78


HOCHSCHULZUGANG 49

Technische Hinweise

Definitionen
Brutto-Studierquote Bezugsgruppen
Anteil an den Hochschulzugangsbe- Deutsche und ausländische Studierende
rechtigten eines Jahrgangs, der ein hal-
bes Jahr nach Schulabgang ein Studium
aufgenommen oder eine feste Studien- Datenquellen
absicht hat. Statistisches Bundesamt, Hochschulsta-
tistik (Fachserie 11 Reihe 4, 1980-2009)
Brutto-Studierquote der Länder Statistisches Bundesamt, Genesis
Anteil der Hochschulzugangsberechtig- 19. Sozialerhebung (Fragen 9, 15-18)
ten eines Landes, der ein halbes Jahr HIS ICEland
nach Schulabgang ein Studium aufge- HIS-Studienberechtigtenbefragungen
nommen oder eine feste Studienabsicht 2002, 2006, 2008
hat.

Bildungsinländer/innen
Ausländische Studierende, die ihre
Hochschulzugangsberechtigung in
Deutschland erworben haben.
50 HOCHSCHULZUGANG

2.1 Entwicklung der Studie- sonen, die Zahl der Bildungsinländer/in-


renden- und Studienan- nen ist in etwa stabil geblieben (+ 0,1“%)
und liegt bei 58.824 (zusammen:
fängerzahlen 1.817.925, Bild 2.1). Der Anteil studieren-
Im Wintersemester 2008/09 waren an der Bildungsausländer/innen ist im sel-
deutschen Hochschulen (ohne Verwal- ben Zeitraum deutlich gesunken (- 4,9“%)
tungsfachhochschulen) 1.998.060 Studie- und umfasst 180.135 Personen.
rende immatrikuliert. Damit ist die Ge- Die Grundgesamtheit der 19. Sozialer-
samtzahl der Studierenden (Deutsche hebung bilden deutsche Studierende und
und Ausländer) gegenüber dem Winter- studierende Bildungsinländer/innen, also
semester 2005/06 um 2,3“% gestiegen.1 jene mit ausländischer Staatsangehörig-
Die Anzahl der deutschen Studierenden keit, die in Deutschland die Hochschulzu-
ist dabei um 3,2“% gestiegen und beträgt gangsberechtigung erworben haben.
im Wintersemester 2008/09 1.759.101 Per- Diese Zielgruppe umfasst im Winterse-
mester 2008/09 nahezu 1,82 Millionen
1
Das Wintersemester 2005/06 wird als Ver- Studierende (Bild“2.1). Seit dem Winterse-
gleichszeitpunkt gewählt, um – orientiert an
den Feldphasen der Sozialerhebung – die Ent- mester 2005/06 sind die Studierenden-
wicklung innerhalb eines Zeitraumes von drei zahlen zunächst gefallen, verzeichnen
Jahren darzustellen. Studierendenzahlen für
das Sommersemester 2009 liegen in der amtli- dann aber vom Wintersemester 2007/08
chen Statistik nicht vor.

Anteil Anteil
Bildungs- Studienan- Bildungs-
Studie- Bildungs- Bildungs-
Deutsche inländer/ fänger/ Deutsche inländer/
rende inländer/ inländer/
innen innen innen
innen innen

WS Jahr
1996/97 1.640.923 51.816 3,1 % 1996 217.448 9.001 4,0 %

2002/03 1.675.477 63.753 3,7 % 2002 276.335 10.065 3,5 %

2005/06 1.705.355 58.748 3,3 % 2005 282.163 9.950 3,4 %

2006/07 1.704.307 57.771 3,3 % 2006 273.504 9.813 3,5 %

2007/08 1.681.602 55.687 3,2 % 2007 289.431 10.242 3,4 %

2008/09 1.759.101 58.824 3,3 % 2008 317.947 11.426 3,6 %


HOCHSCHULZUGANG 51

Bild 2.1 Studienanfänger/innen und Studierende nach Geschlecht 1975-2008


Deutsche und Bildungsinländer, ohne Verwaltungsfachhochschulen, in Tausend

in Tsd Studienanfänger/innen
329
300 1 2

161
200

weiblich
100
168
männlich
0
'75

8
'8

'9

'0

'0
'8

'9

'0

Studienjahr

2000 in Tsd Studierende


1.818
1750 3 4
1500
1250 862
1000
750
weiblich
500
250 956
männlich
0
'75

8
'8

'9

'0

'0
'8

'9

'0

Wintersemester
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
ab 1991 einschließlich neue Länder
2
ab 1997 einschließlich Bildungsinländer/innen
3
ab 1990 einschließlich neue Länder
4
ab 1996 einschließlich Bildungsinländer/innen
Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 11 Reihe 4.1, 2009/HIS-ICE Datenbank
52 HOCHSCHULZUGANG

Bild 2.2 Studierende nach Geschlecht und Hochschulart


Wintersemester 1996/97 - Wintersemester 2008/09
Deutsche und Bildungsinländer, absolute Zahlen

in Tsd
800

700

600

500

400

300

200

100

0
7

98

9
/0
/9

/0
/0

/0

/0

/0
/0
/9

/0

/0
/0
/

00
96

06
01

02
97

98

04

07
03

05

08
99

Wintersemester
Universitäten: Männer Fachhochschulen: Männer

Universitäten: Frauen Fachhochschulen: Frauen

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 11 , Reihe 4.1, HIS-ICE Datenbank

zum Wintersemester 2008/09 einen An- Bemerkenswert dabei ist, dass die Stu-
stieg von 4,6•%. dierendenzahlen in den letzten Jahren an
Im Vergleich zum Wintersemester Fachhochschulen deutlich und kontinu-
1999/2000, dem Zeitraum mit den ge- ierlich gestiegen sind, während sie an
ringsten Studierendenzahlen der letzten Universitäten – mit Ausnahme des letzten
zehn Jahre, sind im Wintersemester Studienjahres – leicht rückläufig waren
2008/09 über 191.000 Studierende mehr (Bild•2.2). So sind gegenüber dem Winter-
an deutschen Hochschulen immatriku- semester 2005/06 an den Fachhochschu-
liert. Dies entspricht einem Wachstum len nahezu 62.000 Studierende mehr im-
von 11,8•%. matrikuliert. Dies entspricht einem An-
HOCHSCHULZUGANG 53

stieg von 12,4’%. Dieser liegt bei den Stu- Kultusministerkonferenz in der aktuellen
dentinnen an Fachhochschulen (15,9’%) Prognose davon aus, dass die Zahl der Stu-
deutlich höher als bei den Studenten dienanfänger/innen 2013 ihren Höhe-
(10,3’%), mit der Folge, dass der Frauenan- punkt erreichen wird und danach bis
teil an Fachhochschulen um einen Pro- 2018 auf das Niveau von 2009 absinken
zentpunkt gestiegen ist (Bild’2.4). An den wird (KMK 2009).
Universitäten waren im Wintersemester Ein Vergleich der bisherigen Entwick-
2008/09 etwas weniger Studierende im- lungen der Studienberechtigtenzahlen
matrikuliert (-0,6 %) als im Wintersemes- mit den Studienanfängerzahlen des je-
ter 2005/06, die Anzahl der Studenten weiligen Folgejahres offenbart die Gren-
und Studentinnen sank prozentual zu zen einer Prognose, die fast ausschließlich
etwa gleichen Anteilen. Im letzten Stu- auf den Studienberechtigtenzahlen be-
dienjahr sind die Studierendenzahlen al- ruht. Bei fast gleichbleibenden Studien-
lerdings auch an Universitäten gestiegen berechtigtenzahlen zwischen 1998 bis
(+ 2,4’%). 2003 variiert die Zahl der Studienanfän-
Die Anzahl der Studierenden wird ger/innen im Vergleichszeitraum von
zum einen von den Studienanfängerzah- 1999 bis 2004 sehr deutlich. In diesen Jah-
len und zum anderen von der Verweil- ren stieg die Anzahl der Studienanfän-
dauer der Studierenden an den Hoch- ger/innen weit stärker an als die Anzahl
schulen beeinflusst. Die Studienanfänger- der Studienberechtigten, was vor allem
zahlen sind in den Studienjahren 1995 bis auf die zunehmende Bildungsbeteiligung
2003 kontinuierlich gestiegen, von 2003 und eine entsprechende Nachfrage nach
bis 2006 gesunken und seit 2007 wieder Studienplätzen zurückzuführen ist. Die
steigend (Bild’2.1). Im Studienjahr 2008 seit jeher ungleiche Entwicklung der Stu-
gibt es so viele Studienanfänger wie noch dienberechtigten- und der Studienanfän-
nie zuvor. Sie betragen fast 330 Tausend gerzahlen verweist auf die Bedeutung ei-
und sind damit im Vergleich zu 2006 ner Vielzahl von kurz- und langfristig wir-
um’7,7 % gestiegen. kenden individuellen und sozialen Fakto-
Die Einführung des verkürzten Abi- ren, die die Studierneigung der Schulab-
turs (G 8) in einigen Bundesländern führt solventen beeinflussen.
in den kommenden Jahren zu doppelten Bild’2.3 zeigt die Entwicklung der tat-
Schulabsolventenjahrgängen und damit sächlichen Studienanfängerzahlen (obe-
einem Anstieg der Zahl der potentiellen re Linie) sowie die Entwicklung der hypo-
Studienanfänger/innen. Unter Berück- thetischen Studienanfängerzahlen. Letz-
sichtigung dieser Entwicklungen geht die tere basieren auf der Annahme, dass die
54 HOCHSCHULZUGANG

Relation von 1980 zwischen der Anzahl Insgesamt studieren im Winterse-


der Studienanfänger/innen und der Be- mester 2008/09 mehr Männer als Frauen
völkerung im Alter von 19 bis 21 Jahren an den Hochschulen (52,2–% vs. 47,8–%,
(Studienanfängerquote, ab 1997 bezogen Bild–2.4). Damit ist das Geschlechterver-
auf die Bevölkerung zwischen 19 und un- hältnis seit 2002 relativ stabil geblieben.
ter 25 Jahren) konstant geblieben wäre Studentinnen und Studenten verteilen
(untere Linie). Damals war das zahlenmä- sich anteilig allerdings sehr unterschied-
ßige Verhältnis von Studienanfänger/in- lich auf die einzelnen Hochschularten.
nen zur Bevölkerung im Alter von 18 bis 21 Frauen sind an Kunsthochschulen (57,5–%)
Jahren 0,18:1. Mit anderen Worten: bezo- und Universitäten (51,6–%) anteilig stärker
gen auf die altersgleiche Bevölkerung ha- vertreten als Männer. Männer dagegen
ben 18–% ein Studium aufgenommen. studieren anteilig häufiger an Fachhoch-
2008 beträgt das Verhältnis von Studien- schulen (61,6–%).
anfänger/innen zur Bevölkerung im Alter Werden nur die deutschen Studieren-
von 19 bis 24 Jahren 0,37:1; es nehmen so- den betrachtet, so ergibt sich ein sehr
mit 37–% der entsprechenden Altersgrup- ähnliches Bild. Deutsche Studentinnen
pe ein Studium auf. Der Anteil an Studien- sind im Vergleich zu Männern häufiger
anfänger/innen im Verhältnis zur alters- an Kunsthochschulen (56,3–%) und Uni-
gleichen Bevölkerung ist 2008 somit versitäten (51,4–%) immatrikuliert. An
mehr als doppelt so hoch wie 1980 (Heine Fachhochschulen dagegen studieren
u. a. 2008). mehr deutsche Studenten (61,8–%) als Stu-
In Bild–2.3 wird deutlich, dass es im Stu- dentinnen.
dienjahr 2008 aufgrund der demographi- Bemerkenswert ist, dass die Ge-
schen Entwicklung weniger Studienanfän- schlechterverteilung unter ausländi-
ger/innen gegeben hätte als 1980 und die schen Studierenden ausgeglichener ist
demographische Komponente den enor- als unter deutschen Studierenden. So stu-
men Anstieg der Studienanfängerzahlen dieren im Wintersemester 2008/09 ge-
also nicht erklärt. Wichtigste Ursachen für nauso viele ausländische Frauen wie aus-
die hohen Studienanfängerzahlen ist die ländische Männer an deutschen Hoch-
Expansion der relativen Bildungsbeteili- schulen (Frauenteil 50,1–%). Ausländische
gung im Schul- wie im Hochschulbereich. Frauen studieren anteilig am häufigsten
Der Beteiligungskomponente kommt so- an Kunsthochschulen (Frauenanteil
mit eine weit größere Bedeutung bei der 60,8–%), gefolgt von Universitäten (53,4–%)
Erklärung der Studienanfängerzahlen zu und Fachhochschulen (40–%).
als der demographischen Entwicklung.
HOCHSCHULZUGANG 55

Bild 2.3 Auswirkung von Demografie und Bildungsbeteiligung auf die Studienan-
fängerzahlen 1980-20081
deutsche Studierende, absolute Zahlen, in Tausend

350 Studienanfänger/innen in Tsd.

300

250

200 2 4
Beteiligungskomponente

150 Niveau 1980


3

100
demographische Komponente

50

1980 1984 1988 1992 1996 2000 2004 2008


DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
ab 1991 inkl. neue Länder
2
tatsächliche Anzahl von Studienanfänger/innen 1980-2008
3
Entwicklung hypothetischer Studienanfängerzahlen unter der Annahme einer konstanten Studienan-
fängerquote von 18% (1980)
4
Differenz zwischen tatsächlichen und hypothetischen Studienanfängerzahlen aufgrund höherer Studi-
enberechtigtenquoten und steigender Bildungsbeteiligung
Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 11 Reihe 4.3, Genesis, HIS-ICE Datenbank
56 HOCHSCHULZUGANG

Bild 2.4 Frauenanteil unter Studierenden nach Art der Hochschule im Zeitverlauf
Wintersemester 1986/87 - 2008/091
deutsche und ausländische Studierende, in %

60 60
55 55
50 50
45 45
40 40
35 35
30 30
25 25
20 20
87 7
88 8
89 9
90 0
91 1
92 2
93 3
94 4
95 5
96 6
97 7
98 8
99 9
00 0
01 1
02 2
03 3
04 4
05 5
06 6
07 7
08 8
9
/9

/0
/8

/9

/0
/9

/0
/9

/0
/9

/0
/8

/9

/0
/9

/0
/8

/9

/9

/0

/0
/9

/0
86

Wintersemester
Hochschulen insgesamt Kunsthochschulen
22 33
Universitäten Fachhochschulen

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
ab WS 1990/91 einschließlich neue Länder
2
einschl. der Pädagog. und Theologischen Hochschulen, ab WS 2002/03 einschl. Gesamthochschulen
3
ohne Verwaltungsfachhochschulen
Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 11, R 4.1, HIS-ICE Datenbank

Studienstrukturreform Studiengängen Eingeschriebenen befin-


Im Wintersemester 2008/09 studierten det sich in auslaufenden Studiengängen,
bereits 43‘% der Studierenden mit dem so dass diese Entwicklung schnell voran-
Ziel einen Bachelor- oder Masterabschluss schreiten wird. Aufgrund der gestuften
zu erwerben (Bild‘2.5). Der Anteil dieser Studienform und – damit einhergehend –
Studierenden ist im Vergleich zum Vor- einer zeitversetzten Entwicklung ist der
jahr um zwölf Prozentpunkte gestiegen. Anteil an Studierenden mit dem Ab-
Seit dem Wintersemester 2007/2008 hat schlussziel Bachelor gegenüber dem Vor-
der Prozess der Studienstrukturreform jahr stärker gestiegen (elf Prozentpunkte)
deutlich an Fahrt aufgenommen. Die als der Anteil an Studierenden mit dem
Mehrzahl der noch in den traditionellen Studienziel Master (ein Prozentpunkt).
HOCHSCHULZUGANG 57

Bild 2.5 Anteil der Studierenden in Bachelor- und Masterstudiengängen


deutsche und ausländische Studierende, in %

50 50

40 40

30 30
Bachelor
20 20

10 10
Master
0 0
0

9
/0

/0
/0

/0

/0

/0
/0

/0

/0
/0

00

06
01

02

04

07
03

05

08
99

Wintersemester
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
Quelle: HRK 2009, Statistisches Bundesamt, Fachserie 11, Reihe 4.1

2.2 Hochschulzugang und vs. 79“%, Bild“2.6). Männer gehen im Ver-


Vorbildung gleich zu Frauen häufiger über die Fach-
hochschulreife (17“% vs. 9“%) oder die fach-
2.2.1 Art der Studienberech- gebundene Hochschulreife (4“% vs. 3“%) an
die Hochschulen.
tigung
Studierende an Universitäten und an
Im Sommersemester 2009 verfügt der Fachhochschulen unterscheiden sich
weitaus größte Teil der Studierenden auch 2009 sehr deutlich hinsichtlich ihrer
über die allgemeine Hochschulreife (83“%, Hochschulzugangsberechtigung
Bild“2.6). Ein Achtel der Studierenden hat (Bild“2.6). An Universitäten gelangen die
die Fachhochschulreife erworben (13“%). Studierenden fast ausschließlich über die
Nur wenige Studierende gelangen über allgemeine Hochschulreife (96“%). An
die fachgebundene Hochschulreife oder Fachhochschulen hingegen besitzt jeder
eine andere Hochschulzugangsberechti- zweite Studierende die allgemeine Hoch-
gung (z. B. berufliche Qualifikation) an schulreife (53“%), nahezu zwei Fünftel ha-
die Hochschulen (3“% bzw. 1“%). ben eine Fachhochschulreife erworben
Frauen kommen im Vergleich zu (38“%) und jede/r Zwölfte die fachgebun-
Männern deutlich häufiger mit der allge- dene Hochschulreife (8“%).
meinen Hochschulreife ins Studium (88“%
58 HOCHSCHULZUGANG

Bild 2.6 Art der Hochschulzugangsberechtigung nach Geschlecht und


Hochschulart
in %1
Geschlecht Hochschulart
Hochschulzugangs- Insgesamt
berechtigung männlich weiblich FH Uni
'03 '06 '09 '03 '06 '09 '03 '06 '09 '03 '06 '09 '03 '06 '09
Allgemeine
Hochschulreife 83 79 79 91 88 88 60 52 53 96 96 96 87 83 83
Fachhochschulreife 13 16 17 6 9 9 31 39 38 2 2 2 9 13 13
Fachgebundene 3 4 4 2 2 3 8 8 8 1 1 1 3 3 3
Hochschulreife
Andere Hochschul-
zugangsberechtigung 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
ab 2006 einschl. Bildungsinländer/innen

Im Vergleich zum Sommersemester mehr Studenten als Studentinnen einen


2006 zeigen sich fast keine Veränderun- Berufsabschluss erworben (25—% vs. 20—%).
gen, was die Art der Studienberechtigung Der seit 1994 zu beobachtende Trend ei-
betrifft. Allerdings sind 2009 etwas weni- nes anteiligen Rückgangs an beruflich
ger „doppelqualifizierte“ Studierende, qualifizierten Studierenden setzt sich
also Studierende mit allgemeiner Hoch-
auch 2009 fort. Gegenüber 2006 ist der
schulreife und abgeschlossener Berufs-
Anteil an Studierenden mit Berufsausbil-
ausbildung (zwei Prozentpunkte) und da-
dung noch einmal um zwei Prozentpunk-
für mehr Studierende mit allgemeiner
Hochschulreife (zwei Prozentpunkte) an te gesunken. Dieser Rückgang ist aus-
den Hochschulen immatrikuliert als 2006 schließlich durch den sinkenden Anteil
(vgl. Kap. 2.2.2). an „doppelqualifizierten“ Studierenden
mit allgemeiner Hochschulreife und Be-
2.2.2 Berufsausbildung vor rufsausbildung zu erklären (Bild—2.8).
Studienbeginn Unter den Studierenden mit abge-
Knapp ein Viertel der Studierenden hat schlossener Berufsausbildung haben
vor der Aufnahme des Hochschulstudi- zwar immer noch die Hälfte die allgemei-
ne Hochschulreife erworben (50—%), doch
ums eine berufliche Ausbildung absol-
ist dieser Anteil gegenüber den Vorjahren
viert (23—%, Bild—2.7). Dabei haben anteilig
HOCHSCHULZUGANG 59

Bild 2.7 Studierende mit beruflicher Ausbildung nach Hochschulart und


Geschlecht
in %1
100
Gesamt
Gesamt
Gesamt
Insgesamt
Insgesamt
Männer
Männer
Frauen
Frauen

34 32 28 26 25 23 35 34 30 27 27 25 31 28 25 24 23 20
0
'94 '97 '00 '03 '06 '09 '94 '97 '00 '03 '06 '09 '94 '97 '00 '03 '06 '09
100
Fachhochschulen
Insgesamt Männer Frauen
50
65 62 53 68 66 57 59 54
51 50 45 53 53 48 46 47 45 42
0
'94 '97 '00 '03 '06 '09 '94 '97 '00 '03 '06 '09 '94 '97 '00 '03 '06 '09
100
Universitäten
Insgesamt Männer Frauen

0 25 23 20 17 16 13 24 23 20 16 14 13 26 23 19 17 17 13
Universität
'94 '97 '00 '03 '06 '09 '94 '97 '00 '03 '06 '09 '94 '97 '00 '03 '06 '09

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
ab 2006 einschl. Bildungsinländer/innen

weiter deutlich gesunken (2003: 61:%, dierenden mit abgeschlossener Berufs-


2006: 54:%). Gestiegen ist dafür der Anteil ausbildung, der die allgemeine Hoch-
unter den Studierenden mit abgeschlos- schulreife erworben hat, gesunken (vier
sener Berufsausbildung, die eine Fach- Prozentpunkte). Dafür gibt es gegenüber
hochschulreife erworben haben (2003: 2006 anteilig mehr berufsqualifizierte
28:%, 2006: 35:%, 2009: 38:%). Studierende mit Fachhochschulreife (drei
An den Universitäten zeigen sich im Prozentpunkte).
Vergleich zu 2006 bei den berufsqualifi- Erwartungsgemäß studieren auch
zierten Studierenden und ihren Studien- 2009 an Fachhochschulen anteilig mehr
berechtigungen keine größeren Verände- beruflich qualifizierte Studierende als an
rungen (Bild:2.8). An den Fachhochschu- Universitäten (45:% vs. 13:%, Bild:2.7). Aller-
len ist dagegen der Anteil unter den Stu- dings sinkt – ausgehend von einem we-
60 HOCHSCHULZUGANG

Bild 2.8 Vorbildung der Studierenden (Bild—2.7). An Fachhochschulen haben


in %1 mehr Männer als Frauen eine abgeschlos-
sene Berufsausbildung (48—% vs. 42—%). Der
Hochschulreife 2003 2006 2009 Rückgang an Studierenden mit abge-
schlossener Berufsausbildung ist unter
Studierende insgesamt den Studenten etwas höher als unter den
Allg. Hochschulreife 72 70 72 Studentinnen (fünf Prozentpunkte vs.
Allg. Hochschulreife drei Prozentpunkte ggü. 2006). An Uni-
u. Berufsausbildung 16 14 12
versitäten dagegen ist der Rückgang an
Fachgebundene
Hochschulreife 1 1 1 beruflich qualifizierten Studentinnen
Fachgeb. Hochschul-
2 2 2 deutlicher ausgeprägt als bei Studenten
reife und Berufsaus.
(vier Prozentpunkte vs. ein Prozent-
Fachhochschulreife 2 4 4 punkt), so dass erstmals anteilig genauso
Fachhochschulreife 7 9 9 viele Frauen wie Männer bereits eine Be-
und Berufsausbild.
rufsausbildung haben (13—%).
2003 2006 2009 In den alten Ländern sind anteilig et-
Uni FH Uni FH Uni FH
was mehr Studierende mit einem berufli-
chen Abschluss an den Hochschulen ein-
Studierende mit Berufsausbildung
geschrieben als in den neuen Ländern
Allg. Hochschulreife 88 40 85 33 86 29
(23—% vs. 20—%). Dieser Unterschied ist bei
Fachgebundene den Studierenden an Fachhochschulen
Hochschulreife 4 12 6 11 6 12
wesentlich größer (46—% vs. 40—%) als bei
Fachhochschulreife 8 48 9 56 8 59
den Studierenden an Universitäten (13—%
DSW/HIS 19. Sozialerhebung vs. 11—%).
1
ab 2006 einschl. Bildunsinländer/innen Im Vergleich zu 2006 fällt auf, dass in
den neuen Ländern der Anteil an Studie-
sentlich höheren Niveau – der Anteil an renden mit einem beruflichen Abschluss
Studierenden mit abgeschlossener Aus- an den Fachhochschulen stärker gesun-
bildung an Fachhochschulen (fünf Pro- ken ist als in den alten (acht Prozentpunk-
zentpunkte) stärker als an Universitäten te vs. vier Prozentpunkte). An den Univer-
(drei Prozentpunkte). sitäten haben die beiden Regionen den
Geschlechtsspezifische Unterschiede gleichen Rückgang zu verzeichnen (drei
im Anteil an beruflich qualifizierten Stu- Prozentpunkte).
dierenden zeigen sich an Fachhochschu- Erwartungsgemäß variiert der Anteil
len, nicht aber mehr an Universitäten an beruflich qualifizierten Studierenden
HOCHSCHULZUGANG 61

deutlich zwischen den Fächergruppen. dierende aus bevölkerungsreichen Bun-


Besonders hoch ist er in den Ingenieur- desländern mit einer hohen Anzahl an
wissenschaften (32˜%), sowie in den Hochschulen und entsprechend hohen
Rechts- und Wirtschaftswissenschaften Studierendenzahlen bleiben hingegen
(28˜%). Deutlich kleiner ist dagegen der überwiegend im heimatlichen Bundes-
Anteil an Studierenden mit einer Berufs- land wohnen (Bayern: 81˜%, Nordrhein-
ausbildung in den Fächergruppen Westfalen: 80˜%, Baden-Württemberg
Sprach- und Kulturwissenschaften (14˜%) 68˜%).
oder Mathematik und Naturwissenschaf- Differenziert nach alten und neuen
ten (19˜%). Ländern zeigt sich, dass Studierende
Die Studierenden mit Berufsausbil- überwiegend in der Region studieren, in
dung haben zu ähnlichen Anteilen die Be- der sie auch ihre Hochschulzugangsbe-
rufsausbildung vor bzw. nach Erwerb der rechtigung erlangt haben (alte Länder:
Hochschulreife absolviert (42˜% bzw. 96˜%, neue Länder: 70˜%, Bild˜2.9). Dabei
46˜%). Ein kleinerer Anteil an Studieren- sind anteilig deutlich mehr Studierende
den konnte die Berufsausbildung mit aus den neuen Ländern über regionale
dem gleichzeitigen Erwerb der Hoch- Grenzen hinweg mobil als Studierende
schulzugangsberechtigung verbinden aus den alten Ländern (30˜% vs. 4˜%).
(12˜%). Gegenüber 2006 haben sich hier Interessant ist zu analysieren, ob sich
keine nennenswerten Veränderungen er- die Studierenden im Erststudium bei ei-
geben. nem etwaigen Wechsel vom Land, in dem
sie die Hochschulzugangsberechtigung
2.2.3 Regionale Mobilität erworben haben, in das Land, in dem sie
Über ein Drittel der Studierenden hat für 2009 studieren, von Studiengebühren be-
das Studium das heimatliche Bundesland einflussen lassen. Dazu wird untersucht,
verlassen (34˜%, Bild˜2.9). Studierende aus ob sich die Mobilitätsbewegungen der
eher bevölkerungsarmen Bundesländern Studierenden 2009 von den Studierenden
sind anteilig mobiler als Studierende, die 2006 unterscheiden, d.h. zu einem Zeit-
in ihrem Bundesland ein breites Angebot punkt, zu dem noch keine Studiengebüh-
an Hochschulen vorfinden. So zieht mehr ren erhoben wurden (Bild 2.9). Dabei
als die Hälfte der Studierenden aus Bran- kann allerdings nicht ausgeschlossen
denburg (66˜%), Thüringen (55˜%), Schles- werden, dass die Mobilitätsbewegungen
wig-Holstein (54˜%), Niedersachsen (51˜%) eines Teils der Studierenden 2009 vor Ein-
und Sachsen-Anhalt (51˜%) in ein anderes führung der Studiengebühren stattge-
(häufig angrenzendes) Bundesland. Stu- funden hat.
62 HOCHSCHULZUGANG

Bild 2.9 Mobilität der Studierenden – Verbleib im Bundesland bzw. in Region


Bundesland Wert
in %
Insgesamt 66
Bayern 81 66
Insgesamt
Nordrhein-Westfalen 80
81
Baden-Württemberg Bayern 68
Berlin Nordrhein-Westfalen 64 80
Sachsen 62
68
Hessen Baden-Württemberg 64
Rheinland-Pfalz Berlin 59 64
Hamburg 58
Sachsen 62
Mecklenburg-Vorpommern 56
Bremen Hessen 55 64

Saarland 51 59
Rheinland-Pfalz
Niedersachsen 49
Sachsen-Anhalt Hamburg 49 58

Schleswig-Holstein
Mecklenburg-Vorpommern 46 56
Thüringen 45
Bremen 55
Brandenburg 34
Saarland 51
Verbleib in alten Ländern 96
Niedersachsen 49
Verbleib in neuen Ländern 70
Sachsen-Anhalt 49

Schleswig-Holstein 46

Thüringen 45

Brandenburg 34

Verbleib in alten Ländern 96

Verbleib in neuen Ländern 70

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


HOCHSCHULZUGANG 63

Bild 2.10 Regionale Mobilität der Studierenden – Wanderung zwischen neuen


Ländern sowie alten Ländern mit und ohne Studiengebühren
Studierende im Erststudium, in % 1

2006 2009

alte alte
Länder Länder
ohne SG ohne SG
69 % 71%
6% 7%
% %
14 neue 16
neue
25 %

22 %
Länder Länder

11 %
11 %

71 % 71 %
15 13
n % n %
3% 3%
alte alte
Länder Länder
mit SG mit SG
86 % 86 %

SG = Studiengebühren SG = Studiengebühren
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
Die Prozentangabe in den Kreisen beschreibt den Anteil, der in dieser Region die Hochschulreife erwor-
ben hat und dort zum Studium verbleibt. Durch die Prozentangaben in den Pfeilen wird vermittelt, wel-
cher Anteil zum Studium in eine andere Region wechselt.

Zusätzlich muss beachtet werden, bis 2009 fast gleich geblieben (35•%, 34 %).
dass die Anzahl der Studierenden in den Wenn zwischen gebührenpflichtigen,
drei Regionen unterschiedlich ist, den nicht gebührenpflichtigen und neuen
Mobilitätsbewegungen aus den drei Regi- Ländern unterschieden wird, lässt sich
onen somit unterschiedliche Quantitäten feststellen: Von den Studierenden, die
zugrunde liegen. ihre Hochschulzugangsberechtigung in
Der Anteil der Studierenden im Erst- einem der Länder erworben haben, die
studium, der zum Zweck des Studiums in 2009 allgemeine Studiengebühren erhe-
ein anderes Land wechselte, ist von 2006 ben, absolvieren 86•% ihr Studium auch in
64 HOCHSCHULZUGANG

einem dieser Länder (Bild92.10). 119% sind obachten (Bild92.10). Der Anteil derjeni-
zum Studium in eines der alten Länder gen, die in einem Land mit Gebühren-
ohne Gebührenpflicht und 39% in eines pflicht studieren, ist gegenüber 2006 zu-
der neuen Länder gegangen. Allerdings rückgegangen (von 159% auf 139%), wäh-
ist anzumerken, dass bereits 2006, also rend der Anteil derer, die in einem der
vor Einführung der allgemeinen Studien- Länder ohne Gebührenpflicht studieren,
gebühren, eine entsprechende Vertei- sich entsprechend erhöht hat (von 149%
lung zu beobachten war. Es ist folglich auf 169%).
festzustellen, dass diejenigen Studieren- Aufgrund dieser Befunde kann ge-
den, die in einem der gebührenpflichti- schlossen werden, dass anteilig etwas
gen Länder ihre Hochschulzugangsbe- mehr Studierende aus gebührenfreien
rechtigung erworben haben, genauso Regionen in diesen Regionen verbleiben
häufig zum Studium in einem dieser Län- bzw. innerhalb dieser Regionen mobil
der verbleiben wie bereits vor Einführung sind (Bild92.10).
der Studiengebühren. Die in den Diskussi-
onen um die Einführung der Studienge- 2.2.4 Zeitliche Verzögerung der
bühren häufig geäußerte Erwartung ei- Studienaufnahme
ner „Gebührenflucht“, findet insofern Die Hälfte der Studierenden nimmt inner-
keine Bestätigung.
halb von sechs Monaten nach Erwerb der
Die Studierenden hingegen, die ihre
Hochschulzugangsberechtigung das Stu-
Hochschulzugangsberechtigung in ei-
dium auf (Bild92.11, rechte Seite). Einige
nem der Länder ohne Gebührenpflicht er-
Monate Wartezeit zwischen Erlangung
worben haben, verbleiben etwas häufiger
als 2006 auch zum Studium in diesen Län- der Hochschulzugangsberechtigung und
dern (719% vs. 699%, Bild92.10). Der Anteil, dem Beginn des Studiums sind allein auf
der in ein Land mit Gebührenpflicht die Zeitdifferenz zwischen Schulabgang
wechselt, hat sich gegenüber 2006 etwas und dem nächstmöglichen Semesterbe-
verringert (von 25 9% auf 229%), während ginn zurückzuführen. Deshalb werden
der Anteil, der zum Studium in eines der seit der 17. Sozialerhebung nur diejeni-
neuen Länder gegangen ist, sich leicht er- gen als „Verzögerer“ definiert, die eine
höht hat (von 69% auf 79%). Wartezeit von mindestens vier Monaten
Auch bei den Studierenden, die ihre
angeben. Dabei ist zu beachten, dass die
Hochschulzugangsberechtigung in ei-
Gründe für eine „verzögerte“ Studienauf-
nem der neuen Länder erworben haben,
nahme sehr vielfältig sind und sowohl
ist eine geringe Umorientierung zu be-
HOCHSCHULZUGANG 65

Bild 2.11 Zeitspanne zwischen Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung und


Studienaufnahme
Studierende im Erststudium, in %1, Medianwerte in Monate
Anteil (%) Zeitspanne (Monate)
Ausgewählte 2003 2006 2009 2003 2006 2009
Merkmale Studienaufnahme: Studienaufnahmen:
verzö- verzö- verzö- verzö- verzö- verzö-
direkt direkt direkt alle alle alle
gert2 gert gert gerte2 gerte gerte
Insgesamt 25 75 28 72 31 69 12 15 9 14 6 14
Männer 16 84 22 78 25 75 15 15 14 15 12 14
Frauen 35 65 36 64 38 62 4 12 4 12 4 12
ohne Berufs-
ausbildung (BA)
26 74 29 71 32 68 9 14 6 14 5 12

BA vor Erwerb der


45 55 52 48 54 46 4 13 3 12 3 12
Hochschulreife
BA nach Erwerb
- 100 - 100 - 100 - 40 - 44 - 48
der HSR
BA mit Erwerb
der HSR
28 72 34 66 30 70 13 15 10 15 8 12

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
ab 2006 einschl. Bildungsinländer/innen
2
Zeitspanne zwischen Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung und Studiumsbeginn > 3 Monate

Pflichttätigkeiten umfassen (Wehr- und der Studierenden liegt eine längere Zeit-
Zivildienst) als auch freiwillige Aktivitä- spanne zwischen Erlangung der Hoch-
ten, die u. a. dem Kompetenzerwerb der schulzugangsberechtigung und Studien-
potentiellen Studierenden dienen (Frei- beginn. Diese nehmen ihr Studium somit
williges Soziales Jahr, Praktikum, Aus- „verzögert“ auf.
Im Vergleich zu 2006 ist 2009 ein hö-
landsaufenthalt, berufliche Ausbildung).
herer Anteil der Studierenden direkt nach
Ein knappes Drittel der Studierenden
Erwerb der Hochschulzugangsberechti-
im Erststudium nimmt innerhalb von drei
gung in das Studium gegangen (31:% vs.
Monaten nach Erwerb der Hochschulzu-
28:%, Bild:2.11, linke Seite). Der Trend hin-
gangsberechtigung ihr Studium auf
sichtlich einer kürzeren Zeitspanne zwi-
(Bild:2.11, linke Seite). Für gut zwei Drittel
schen Schule und Hochschule hält somit
66 HOCHSCHULZUGANG

für die Studierenden auch 2009 an (2003: ten 3 Monate mit dem Studium an (54“%,
12, 2006: 9, 2009: 6 Monate; Bild“2.11, Bild“2.11, linke Seite). Dies trifft ebenfalls
rechte Seite). auf ein Drittel der Studierenden zu,
Dazu trägt in erheblichen Ausmaß der die ihre Berufsausbildung gleichzeitig
deutliche Rückgang des Anteils der mit Erwerb der Hochschulzugangsbe-
Wehr- oder Zivildienstleistenden in der rechtigung absolviert hat (30“%).
entsprechenden Altersgruppe bei (vgl. Bei der Hälfte der Studierenden, die
Heine u. a. 2008). Als Folge hat die Hälfte eine Berufsausbildung absolviert haben,
der Studenten in 2009 das Studium inner- nachdem sie die Hochschulreife erwar-
halb der ersten zwölf Monate nach Schul- ben, liegen 48 Monate zwischen Erwerb
abgang aufgenommen (2006: 14 Monate, der Hochschulreife und Studienbeginn
Bild“2.11, rechte Seite). (Bild“2.11, rechte Seite).
Der Anteil der Studentinnen, die nach
der Schule direkt mit dem Studium be- 2.3 Studierneigung und
gonnen haben, ist ebenfalls gestiegen Studienverzicht
(zwei Prozentpunkte), wenn auch gerin- Die Brutto-Studierquote beschreibt den
ger als bei den Männern (Bild“2.11, linke Anteil der Hochschulzugangsberechtig-
Seite). Die Hälfte der Studentinnen hat ten eines Jahrgangs, der ein halbes Jahr
das Studium – wie auch schon 2006 – in- nach Erwerb der Hochschulreife ein Stu-
nerhalb der ersten 4 Monate nach Erwerb dium an einer Hochschule aufgenommen
der Hochschulzugangsberechtigung be- oder fest geplant hat. Der stetige Rück-
gonnen (Bild“2.11, rechte Seite). gang der Brutto-Studierquote zwischen
Erwartungsgemäß ist die Wartezeit 2002 und 2006 fand danach ein vorläufi-
bis zur Aufnahme der Studiums stark da- ges Ende (Heine u. a. 2010). Zum einen
von abhängig, ob die Studierenden eine liegt dies zu geringeren Teilen an einer
Berufsausbildung absolviert haben oder leicht zunehmenden Studierneigung
nicht. Die Hälfte der Studierenden, die ihr (Anstieg von 68“% 2006 auf 69“% 2008,
Studium verzögert aufnimmt, ohne vor- Bild“2.12). Zum anderen wird der Anstieg
her eine berufliche Ausbildung zu absol- auf insgesamt 72“% maßgeblich dadurch
vieren, hat eine Wartezeit von 12 Mona- verursacht, dass die Berufsakademien in
ten (Bild“2.11, rechte Seite). Baden-Württemberg 2009 erstmalig zum
Studierende, die ihre Berufsausbil- Hochschulsystem gerechnet werden. In
dung vor dem Erwerb der Hochschulzu- diesem Jahr wurden die acht Berufsaka-
gangsberechtigung abgeschlossen ha- demien zur Dualen Hochschule Baden-
ben, fangen zumeist innerhalb der nächs-
HOCHSCHULZUGANG 67

Bild 2.12 Brutto-Studierquote ein halbes Jahr nach Schulabgang


Studienberechtigte des jeweiligen Jahrgangs, in %1

Männer Frauen Insgesamt


80 78
76 75 75 74 74
71 71 72 68 71 71 73 71 72
66 67 66 68 69
64 64
61 62 66 66
37 23 28
36 23 20 19 20 41
54 44 35 27 27 38 33 27 27
51 20 23 39
54 36 38
51
55

47 44 44 44 46
37 39 41 41 39 41 40 41 42 44
31 33 32 30 35 38
26 25 28
20 21
15

2
92 94 96 99 02 04 06 08 08 92 94 96 99 02 04 06 08 082 92 94 96 99 02 04 06 08 08 2

Studienaufnahme bereits erfolgt feste Absicht der Studienaufnahme

HIS Studienberechtigtenpanel
1
Rundungsdifferenzen möglich
2
Brutto-Studierquote nach „neuer“ Abgrenzung: mit Studierenden der Berufsakademien in Baden-
Württemberg

Württemberg zusammengefasst. Dies hat Bei einem Zeitvergleich muss somit


zur Folge, dass in Baden-Württemberg beachtet werden, dass die Quoten aus
die Studierendenzahlen an Hochschulen den Vorjahren nur mit der Brutto-Studier-
sprunghaft angestiegen sind, was sich quote 2008 nach der „alten“ Abgrenzung
u.›a. in höheren Brutto-Studierquoten verglichen werden kann.
zeigt. Allein aufgrund dieser Verände- Die leicht angestiegene Studiernei-
rung der institutionellen Zuordnung gung betrifft allerdings nur die männli-
steigt die bundesweite Brutto-Studier- chen Studienberechtigten (Bild›2.12). Bei
quote 2008 um drei Prozentpunkte (72›% ihnen ist ein Anstieg der Brutto-Studier-
vs. 69›%). quote um zwei Prozentpunkte gegenüber
68 HOCHSCHULZUGANG

2006 zu beobachten (74–% vs. 72–%). Bei zung in 10 Ländern gestiegen und in 6
den weiblichen Studienberechtigten ist Ländern gesunken. Am deutlichsten ist
sie im Vergleich zu 2006 stabil geblieben die Studierneigung bei Studienberechtig-
(64–%). ten in Sachsen-Anhalt (- zwölf Prozent-
Die geschlechtsspezifischen Unter- punkte) und Thüringen (- zehn Prozent-
schiede hinsichtlich der Brutto-Studier- punkte) gesunken. Deutlich attraktiver ist
quote sind insofern gegenüber den Vor- ein Studium für Studienberechtigte aus
jahren größer geworden. Die Brutto-Stu- Brandenburg (+ 17 Prozentpunkte), Ham-
dierquote nach der „alten“ Abgrenzung burg (elf Prozentpunkte) und Mecklen-
unterscheidet sich zwischen Männern burg-Vorpommern (zehn Prozentpunkte)
und Frauen um zehn Prozentpunkte geworden.
(Bild–2.12). Derart große Unterschiede in Insbesondere in Baden-Württemberg
der Studierneigung von Männern und und dem angrenzenden Rheinland-Pfalz
Frauen wurden zuletzt 1996 gemessen. gibt es deutliche Unterschiede zwischen
Allerdings hat seitdem der Frauenanteil den Brutto-Studierquoten 2008 nach
an den Studienberechtigten stetig zuge- „neuer“ und „alter“ Abgrenzung. So ist
nommen. die Brutto-Studierquote in Baden-Würt-
Die Brutto-Studierquote variiert deut- temberg nach der „neuen“ Abgrenzung
lich von Land zu Land (Bild–2.13). Die um elf Prozentpunkte höher als die Brut-
höchsten Anteile an Studienberechtigten, to-Studierquote, in der Berufsakademien
die ein Studium aufnehmen, haben Bay- nicht als Hochschulen definiert werden
ern (83–%), Rheinland-Pfalz (79–%), Baden- (78–% vs. 67–%). In Rheinland-Pfalz beträgt
Württemberg (78–%), Hessen und Ham- die Differenz 10 Prozentpunkte (79–% vs.
burg (je 77–%) zu verzeichnen. Vergleichs- 69–%).
weise wenige Studienberechtigte aus Ber-
lin, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen
und Sachsen-Anhalt (je 65–%) entscheiden
sich für ein Studium. Dabei muss aller-
dings berücksichtigt werden, dass der An-
teil der Hochschulzugangsberechtigten
an der Bevölkerung im Alter von 18 bis 20
Jahren in den Ländern unterschiedlich
hoch ist.
Im Vergleich zu 2006 sind die Brutto-
Studierquoten nach der alten Abgren-
HOCHSCHULZUGANG 69

Bild 2.13 Brutto-Studierquote 2008 nach Ländern


Studienberechtigte mit Hochschulzugangsberechtigung des Landes, in %1

Hamburg

77 Schleswig-
Holstein
70
Mecklenburg-
Vorpommern 73

Bremen Berlin
Niedersachsen
74 65
65
Sachsen-
Anhalt Brandenburg
Nordrhein- 68
Westfalen 65

65 Sachsen
Hessen Thüringen 67

77 68

Rheinland-Pfalz

79
Bayern

Saarland Baden- 83
Württemberg
69

78

Studienaufnahme erfolgt bzw. geplant


HIS Studienberechtigtenpanel
1
Brutto-Studierquote nach „neuer“ Abgrenzung: mit Studierenden der Berufsakademien
in Baden-Württemberg
3. Bildungsbeteiligung
72 BILDUNGSBETEILIGUNG

Ausgewählte Ergebnisse im Überblick

alte neue
Bildungsbeteiligung im Jahr 2008 (in %) insges.
Länder Länder1

Schwelle 2: gymnasiale Oberstufe (Klassen 11-13) 51 52 46

Schwelle 3: Studienberechtigtenquote 45 46 41

Schwelle 4: Studienanfängerquote

- nach Land des Studienortes 40 41 38

- nach Land der Hochschulzugangsberechtigung 34 34 32

Hochschul-
Sozialgruppenspezifische Bildungsbeteiligung 2007
abschluss
nach beruflicher Stellung und akademischem insges.
Abschluss der Familienbezugsperson / des Vaters (in %)
mit ohne

Schwelle 2:
gymnasiale Oberstufe gesamt 51 81 45
(Klassen 11-13) Arbeiter 33 - 33
Angestellte 59 81 54
Selbständige 63 86 53
Beamte 73 86 58

Schwelle 4:
Studienanfängerquoten gesamt 34 71 24
Arbeiter 17 - 17
Angestellte 37 64 26
Selbständige 61 87 47
Beamte 67 84 43

1
einschließlich Berlin
BILDUNGSBETEILIGUNG 73

oft verkürzend nur vom „Vater“ gespro-


Technische Hinweise
chen.
Definitionen: Bezugsgruppen:

• Studienberechtigtenquote: Anteil der Stu- • Bildungsbeteiligung an Schwelle 2 (gymna-


dienberechtigten an der altersspezifi- siale Oberstufe): 17-18 -Jährige (Deutsche
schen Bevölkerung (18 bis unter 21 Jahre). und Bildungsinländer/innen)

• Studienverzichtsquote: Anteil Studienbe- • Bildungsbeteiligung an Schwelle 3:


rechtigter, die ein halbes Jahr nach Er- 18- bis unter 21-Jährige (Deutsche und Bil-
werb der HZB nicht studieren und keine dungsinländer/innen)
feste Absicht haben, ein Hochschulstudi- • Bildungsbeteiligung an Schwelle 4 :
um aufzunehmen. - nach Land des Erwerbs der Hochschul-
• Studienanfängerquote: Anteil der Studien- zugangsberechtigung bezogen auf
anfänger/innen im 1. Hochschulsemester Deutsche und Bildungsinländer/innen
an der Bevölkerung des entsprechenden - nach Land des Studienortes bezogen
Alters (Quotensummenverfahren). auf deutsche und ausländische Studi-
enanfänger/innen (einschließlich Bil-
• Quotensummenverfahren: Summe der
dungsausländer/innen)
Anteilswerte der Studienanfänger/innen
an den entsprechenden Altersjahrgän- • sozialgruppenspezifische Bildungsbeteili-
gen der Bevölkerung. gung an Schwelle 4: 19- bis unter 25-jähri-
ge deutsche Bevölkerung (Sechsjahres-
• Sozialgruppenspezifische Bildungsbeteili-
durchschnitt) sowie alle deutschen Studi-
gungsquote: Anteil der Studienanfänger/
enanfänger/innen eines Studienjahres
innen einer sozialen Gruppe (z. B. Akade-
mikerkinder) an der altersgleichen Be- Datenquellen:
völkerung derselben Gruppe. • Amtliche Bevölkerungsstatistik
• Mikrozensus verschiedener Jahre
• Familienbezugsperson: Konstrukt der amt-
• Amtliche Bildungsstatistik (Allgemein
lichen Statistik, nach dem die Zuordnung
bildende Schulen, 1952-2007)
von Haushalten zu bestimmten Gruppen
• Amtliche Hochschulstatistik (Studienan-
nach den Merkmalen einer einzelnen
fängerzahlen, 1982-2007)
Haushaltsperson erfolgt. Das ist bei Fa-
• HIS-Studienberechtigtenbefragungen
milienhaushalten ganz überwiegend der
1990-2008
Vater, bei Alleinerziehenden i. d. R. die
• HIS-Studienanfängerbefragungen
Mutter. Aus Gründen der Lesbarkeit wird
2000-2007
74 BILDUNGSBETEILIGUNG

3.1 Quoten der Bildungsbe- 3.1.1 Quoten der amtlichen


teiligung Statistik
Das an den Hochschulen anzutreffende In die Berichterstattung der Sozialerhe-
Sozialprofil der Studierenden (vgl. Kap. 4) bung werden traditionell Daten der amt-
ist im Wesentlichen das Resultat von Ent- lichen Hochschulstatistik aufgenommen,
scheidungs- und Selektionsprozessen, die wie z. B. zur Anzahl der Studienanfänger/
der Hochschule zeitlich vorgelagert sind -innen und Studierenden oder zur Zu-
und sich sowohl innerhalb der Familien sammensetzung der Studierenden ge-
als auch in den Bildungsinstitutionen – mäß verschiedener Studienmerkmale
und hier insbesondere an den Übergangs- (Hochschulart, Studiengang, vgl. Kap. 2).
stellen zwischen aufeinander folgenden Darüber hinaus stellt das Statistische
Bildungsstufen bzw. -einrichtungen – Bundesamt Daten bereit, mit denen die
vollziehen. Teilhabe an verschiedenen Bildungsstu-
In zahlreichen Studien ist nachgewie- fen ermittelt werden kann. Zu ihnen
sen worden, dass selbst bei gleichen indi- gehören die Studienberechtigenquoten
viduellen Leistungsvoraussetzungen un- und die Studienanfängerquoten. Diese
terschiedliche soziale Herkunftsbedin- Quoten werden ebenfalls aufgrund der
gungen greifen und den weiteren Bil- thematischen Nähe zum Gegenstand der
dungsweg mitbestimmen. Ein Ausgleich Sozialerhebung und als Hintergrundin-
unterschiedlicher Ausgangsbedingun- formation für die empirischen Befunde
gen bzw. nachteiliger familialer Voraus- in die Berichte aufgenommen.
setzungen im Sinne einer Chancenge-
rechtigkeit und individuellen Förderung 3.1.2 Sozialgruppenspezifische
findet an den Schulen – als den zentralen Bildungsbeteiligungs-
Bildungsinstitutionen – kaum statt. quoten
Die selektive, sozialgruppenspezifi-
In Deutschland besteht ein vergleichswei-
sche Wirkung institutionalisierter Bil-
se enger Zusammenhang zwischen der
dung wird nachfolgend anhand von Quo-
sozialen Herkunft eines Kindes und
ten des Übergangs zwischen den Bil-
seinem Schulerfolg. Das haben die in der
dungseinrichtungen veranschaulicht.
Öffentlichkeit breit diskutierten Ergeb-
nisse verschiedener Schulleistungsstudi-
en (PISA, TIMSS, IGLU) wiederholt belegt.
Dieser Zusammenhang wird bereits in
BILDUNGSBETEILIGUNG 75

den frühen Phasen einer Bildungsbiogra- 3.2 Bildungsschwellen


phie hergestellt. Der Weg zu einem (ersten) akademischen
Seit 1988 ermittelt HIS sozialgruppen- Abschluss setzt in der Regel das erfolgrei-
spezifische Quoten für die Beteiligung che Durchlaufen des Schul- und Hoch-
auf verschiedenen Bildungsstufen und schulsystems voraus. Der Struktur des Bil-
nimmt sie in die Berichte der Sozialerhe- dungssystems folgend, sind an den cha-
bungen auf. Diese Bildungsbeteiligungs- rakteristischen Übergangsstellen zwi-
quoten veranschaulichen die sozialgrup- schen den einzelnen Bildungseinrichtun-
penspezifisch selektive Wirkung der gen im Wesentlichen fünf Schwellen zu
Übergänge zwischen den Bildungsein- überwinden (Bild 3.1).
richtungen. 1. Schwelle: Übergang Primarbereich
HIS berechnet die sozialgruppenspe- – Sekundarbereich I (weiterführende
zifischen Bildungsbeteiligungsquoten Schularten): In den meisten Ländern ist
ausschließlich unter Verwendung von ex- bereits nach der 4. Klasse zu entscheiden,
ternen Daten, das heißt solchen, die nicht welche Schulart (Gymnasium, Gesamt-
aus der im Rahmen der Sozialerhebung schule, Realschule, Hauptschule o.a.) ein
durchgeführten Befragung stammen. Die Kind weiterhin besucht. Hauptschulen
verwendeten Daten stammen sowohl aus werden hier nicht als weiterführend be-
der amtlichen Statistik als auch aus einer trachtet.
Untersuchungsreihe, die von HIS durch- 2. Schwelle: Übergang Sekundar-
geführt wird (siehe Kap. 3.3). bereich I – Sekundarbereich II: Bei guten
Das Verfahren zur Schätzung der so- Zensuren und erfolgreichem Abschluss
zialgruppenspezifischen Bildungsbeteili- der 10. Klasse kann auch von der Real-
gungsquoten wird für zwei Bildungsstu- oder der Hauptschule in die gymnasiale
fen durchgeführt: 1. Übergang in die Oberstufe (11. bis 12./13. Klasse) aufgestie-
gymnasiale Oberstufe und 2. Studienauf- gen werden.1
nahme. Mit ihm wird die soziale Zusam-
mensetzung der Schüler/innen bzw. Stu-
dienanfänger/innen jeweils in Beziehung
1
gesetzt zur Sozialstruktur der altersglei- Die Schulzeit bis zum Abitur variiert in den Län-
dern zwischen 12 und 13 Jahren. Sachsen-Anhalt
chen Bevölkerung. Die auf diese Weise er- war im Jahr 2007 das erste G9-Land (mit 9-jähri-
mittelten Quoten veranschaulichen die gem Gymnasium), das (wieder) auf G8 (8-jähri-
ges Gymnasium) umstellte. Es folgten im Jahr
sozial erheblich variierenden Zugangs- 2008 Rheinland-Pfalz (zum Teil, als Modellver-
chancen zur gymnasialen Oberstufe bzw. such) und Mecklenburg-Vorpommern und
2009 das Saarland. Bis 2016 soll diese Umstel-
zum Hochschulstudium. lung in allen Ländern abgeschlossen sein.
76 BILDUNGSBETEILIGUNG

Bild 3.1 Bildungsbarrieren: Fünf Schwellen der Bildungsbeteiligung 20081


in %

100% 76% 51 % 45 % 34 %2 24 %3

Grundschule 1. Schwelle

2. Schwelle
3. Schwelle
Übergang an
weiter- Übergang 4. Schwelle
führende in Sek. II
Schulen (gymnasiale 5. Schwelle
(alle außer Oberstufe/ Studienbe- Studien- Hochschul-
Hauptschule) 11.-13. Klasse) rechtigung aufnahme abschluss

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
Anteil der Deutschen und Bildungsinländer/innen an der altersspezifischen Bevölkerung
2
Studienanfängerquote nach Land des Erwerbs der Hochschulzugangsberechtigung
3
Erstabsolventenquote 2007
Quellen: StBA, Fachserie A Bevölkerung und Kultur, Reihe 10, Bildungswesen, I. Allgemeinbildende
Schulen. verschiedene Jahrgänge; StBA: Hochschulstatistische Kennzahlen, Fachserie 11;
StBA: Hochschulen auf einen Blick, Ausgabe 2009, S. 15; eigene Berechnungen

3. Schwelle: Erwerb einer schulischen 4. Schwelle: Realisierung der Studi-


Hochschulzugangsberechtigung (allge- enberechtigung durch Studienaufnah-
meine und fachgebundene Hochschulrei- me: Nicht jeder Studienberechtigte
fe): Das Bestehen der Reifeprüfung er- nimmt tatsächlich ein Studium auf. Dane-
möglicht ein Hochschulstudium. Diese ben kommt ein kleiner Teil der Studieren-
Schwelle erreicht ein inzwischen nicht den (weniger als 1‘%) ohne schulische Stu-
unerheblicher Teil auch auf dem Weg dienberechtigung über besondere Zulas-
über Einrichtungen der beruflichen Bil- sungswege für beruflich qualifizierte Be-
dung. Ein kleiner Teil gelangt zu dieser werber/innen an die Hochschule.
Schwelle über die klassischen Formen des 5. Schwelle: Erwerb eines (ersten)
so genannten Zweiten Bildungsweges, Hochschulabschlusses: Bei weitem nicht
das Abendgymnasium oder ein Kolleg. alle Studierende beenden ihr Erststudium
BILDUNGSBETEILIGUNG 77

erfolgreich. Die Absolventenquote, auf Beteiligungsquote auf einer bestimmten


die im Folgenden nicht weiter eingegan- Bildungsstufe kann direkt verglichen
gen wird, liegt deutlich unterhalb der werden mit der entsprechenden Quote
Studienanfängerquote. für Kinder einer anderen Sozialgruppe.
Die Bildungsbeteiligungsquoten für Für die Berechnung der Bildungsbe-
die Schwellen 1, 2 und 4 stellen die Anteile teiligungsquoten werden alle Gleichaltri-
derjenigen dar, die aus den jeweiligen gen einer Alters- oder Sozialgruppe in der
Gruppen an eine weiterführende Schule, Bevölkerung als Bezugsgröße für diejeni-
in die gymnasiale Oberstufe bzw. in ein gen aus dieser Alters- bzw. Sozialgruppe
Hochschulstudium gelangt sind. Sie ge- herangezogen, die sich auf der jeweils be-
ben keine Auskunft darüber, zu welchen trachteten Bildungsstufe befinden. So
Anteilen diese Bildungsstufen erfolgreich kann – unabhängig von der konkreten
absolviert werden, d. h. welches Bildungs- Größe einer betrachteten Gruppe – auf
niveau im Ergebnis tatsächlich erreicht die jeweiligen Bildungschancen ihrer
wird. Kinder im direkten Vergleich zu den
Chancen der Kinder aus anderen Grup-
3.3 Zur Berechnung sozial- pen geschlossen werden. Unter dieser Vo-
gruppenspezifischer Bil- raussetzung sind Aussagen möglich wie:
dungsbeteiligungsquoten „von 100 Kindern aus Familien, in denen
der Vater keine Hochschulreife erworben
Bildungsbeteiligungsquoten in der hier
hat, gelangen x in ein Studium, von 100
berechneten Form sind klar von statisti-
Kindern, deren Vater Akademiker ist, hin-
schen Angaben zur sozialen Zusammen-
gegen y“ (Bildungsbeteiligung in %).
setzung einer Bildungspopulation (z.“B.
Die unterschiedliche Bildungsbeteili-
der Studierenden) zu unterscheiden.
gung ist dabei ein Indikator für die Ver-
Bildungsbeteiligungsquoten geben
teilung der Bildungschancen zwischen
Auskunft über die (statistische) Chance,
den sozialen Gruppen, wobei Aussagen
die Angehörige einer jeweils betrachte-
über die Chancenstruktur nur im Ver-
ten (Alters- und/oder Sozial-)Gruppe ha-
gleich möglich sind, wie beispielsweise
ben, an eine bestimmte Bildungsinstituti-
„Kinder von Akademiker/innen haben im
on zu gelangen oder ein bestimmtes Bil-
Vergleich zu Kindern aus Nicht-Akademi-
dungsniveau zu erreichen. Die für die
ker-Familien eine z-mal so große Chance,
Kinder einer sozialen Gruppe ermittelte
an die Hochschule zu gelangen“.
78 BILDUNGSBETEILIGUNG

Zur Ermittlung der sozialgruppenspe- die Volksschule noch eindeutig die Regel-
zifischen Bildungsbeteiligungsquoten schule für die Mehrheit der Schüler/innen
werden vier verschiedene, externe Daten- in dieser Klassenstufe, verlor sie diese Rol-
quellen verwendet: le allmählich nach der Umwandlung ih-
1. Amtliche Bevölkerungsstatistik (StBA) rer Oberstufe in die Hauptschule.
2. Amtliche Hochschulstatistik (StBA) Mitte der 1970er Jahre besuchten
3. Mikrozensus (StBA) weniger als die Hälfte aller Schüler/innen
4. HIS-Studienanfängerbefragung. der 8. Klassen eine Hauptschule. Zur sel-
Die sozialen Gruppen werden diffe- ben Zeit stieg der Anteil an Schüler/innen
renziert nach drei Merkmalen der Be- dieser Jahrgangsstufe, die auf ein Gymna-
zugsperson in der Herkunftsfamilie (was sium gingen. Er betrug 1975 bereits fast
in der Regel gleichbedeutend mit dem ein Viertel.
Vater bzw. dem allein erziehenden El- Dieser Trend setzte sich über die
ternteil ist).2 1980er Jahre hinaus fort und erreichte bis
Das Verfahren zur Schätzung sozial- zur Jahrtausendwende ein Niveau, das bis
gruppenspezifischer Bildungsbeteili- heute besteht. Seitdem gehen weniger als
gungsquoten ist in den methodischen ein Viertel der Acht-Klässler/innen auf
Anmerkungen im Anhang ausführlich eine Hauptschule, mehr als jede/r Vierte
dargestellt. Der Anhang enthält darüber besucht eine Realschule und fast ein Drit-
hinaus ein nachvollziehbares Rechenbei- tel geht zum Gymnasium (Bild 3.2).
spiel. Das Gymnasium hat seine Position als
favorisierte Schulform in der Sekundar-
3.4 Beteiligung an allgemein stufe I bis heute beibehalten.
bildenden Schulen
3.4.2 Schwelle 2: Übergang in
3.4.1 Schwelle 1: Schulform die Sekundarstufe II
nach der Grundschule Die Schulform in der der 8. Klasse be-
stimmt bereits weitgehend über die Mög-
In den letzten 50 Jahren hat sich das Bil-
lichkeit, in die gymnasiale Oberstufe zu
dungsniveau in Deutschland dynamisch
gelangen. Drei Jahre später in der Bil-
entwickelt. Das lässt sich unter anderem
dungsbiographie, das heißt in einem Al-
an der Nachfrage nach verschiedenen
ter zwischen 17 und 18 Jahren, besucht
Schultypen in der 8. Jahrgangsstufe able-
mehr als jeder zweite dieser Altersgruppe
sen: War in den 1950er und 1960er Jahren
die gymnasiale Oberstufe (2007: 51D%, Bild
2 3.3).
siehe Fußnote Nr. 3
BILDUNGSBETEILIGUNG 79

Bild 3.2 Schwelle 1: Schülerinnen und Schüler im 8. Schuljahr nach Schulart in


Deutschland 1952-20081
in %

3 4 5 7 7 10 9 10 9 7 7 8
15 16 17 19 13 12
23 10 9 10 9
26 27 10 10 9 9 9 9
7 9 28
11 30
15
31
21 31 31 31 32 31 31 33 35 33
24
28 29
29
78 74 72 27 26 26 26 26
66 25 26 27 28 25
56
47
41 38
34
25 23 24 24 24 23 22 23 21 24

'52 '55 '60 '65 '70 '75 '80 '85 '90 '95 '00 '01 '02 '03 '04 '05 '06 '07 '08

Volks-/Hauptschule Gymnasium Schularten mit mehreren


Bildungsgängen, einschl.
Gesamtschule, Sonderschulen3
Realschule
private Schulen2
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
ab 1995 einschließlich neue Länder
2
ab 1975 separat in der amtlichen Statistik aufgeführt
3
integrierte Klassen für Haupt- und Realschüler/innen, ab 1996 in der amtlichen Statistik
Quellen: StBA, Fachserie A Bevölkerung und Kultur, Reihe 10, Bildungswesen, I. Allgemeinbildende Schu-
len, verschiedene Jahrgänge; verschiedene Jahrgänge der Fachserie 11, Reihe 1 des StBA, eigene
Berechnungen (Summenabweichung durch Runden möglich)

Bildungshomogenität der Eltern nes Haushaltes das jeweilige Merkmal der


Wie oben erläutert, wird für die Berech- Familienbezugsperson verwendet.
nung der sozialgruppenspezifischen Bil- Da sich hinter der Familienbezugsper-
dungsbeteiligungsquoten auf Daten der son überwiegend der Vater verbirgt, ge-
amtlichen Statistik zurückgegriffen und rät dieses Vorgehen regelmäßig in die
für die sozialstrukturelle Zuordnung ei- Kritik, weil die Bildungs- und Erwerbsbe-
80 BILDUNGSBETEILIGUNG

teiligung der Mütter der gegenwärtigen nachfolgend die spröde Bezeichnung „Fa-
Studierenden wesentlich höher ist als in milienbezugsperson“ vermieden und
den Generationen zuvor.3 vom „Vater“ gesprochen.
Dieses Verfahren ist jedoch weniger
nachteilig, als angenommen werden Weiterführender Schulbesuch
könnte. Ein Vergleich des Qualifikations- und Schulbildung des Vaters
niveaus beider Eltern von Studierenden
Bereits zum Zeitpunkt des Besuchs der
(vgl. Abschnitt 4.2.1) belegt, dass mit der
gymnasialen Oberstufe ist an den Beteili-
alleinigen Berücksichtigung des Vaters
gungsquoten für einzelne Sozialgruppen
die Bildungsherkunft in der überwiegen-
ablesbar, wie weit und wie stark Prozesse
den Mehrzahl der Fälle zutreffend be-
der sozialen Auslese durch (tatsächlichen,
stimmt wird.
vermeintlichen oder antizipierten) Schul-
Angesichts der bildungsbezogenen Ho-
erfolg, schulische Empfehlungen zum
mogenität in den Partnerschaften der El-
weiteren Bildungsweg und familiale Ab-
tern von Studierenden kann die Be-
wägungen und Entscheidungen gegrif-
schränkung auf Merkmale nur eines El-
fen haben.
ternteils, der Familienbezugsperson, als
Im Jahr 2007 besuchten in Deutsch-
hinreichend genau zur Schätzung der so-
land von 100 Kindern, deren Vater maxi-
zialen Zusammensetzung in der alters-
mal den Abschluss einer Hauptschule ab-
gleichen Gesamtbevölkerung angesehen
gelegt hatte, 34 die gymnasiale Oberstufe
werden. Aus Gründen der Lesbarkeit wird
(Bild 3.3). Gleiches erreichten 79 von 100
Kindern, deren Vater eine Hochschulreife
3
Die Familienbezugsperson ist in der Regel der erwarb, das heißt deutlich mehr als dop-
Vater. Bei Ein-Eltern-Familien (etwa 15E% aller
Haushalte mit Kindern) ist sie der allein erzie- pelt (2,3-mal) so viele.
hende Elternteil. Gemäß Mikrozensus ist das in Die Beteiligungsquote an den Klassen
den meisten Fällen (83E%) die Mutter. Die
Familienberichterstattung der amtlichen 11-13 ist seit Mitte der 1990er Jahre in der
Statistik hat auf die sich weiter ausdifferenzie- Bilanz aus der Sicht des Jahres 2007 leicht
rende Pluralität der Familien- und Lebensfor-
men längst reagiert und z. B. das traditionelle gestiegen (1996: 48E%; 2007: 51E%). Im Ver-
Familienkonzept (Ehe und Elternschaft) umge- gleich zum Jahr 2005 jedoch, für das eine
stellt auf das Lebensformenkonzept (Partner-
und Elternschaft; vgl. Heidenreich, Nöthen Maximalquote von 54E% ermittelt wurde,
2002, Nöthen 2005). HIS prüft gegenwärtig sank sie um drei Prozentpunkte und fiel
Möglichkeiten, bei der Schätzung der sozial-
gruppenspezifischen Beteiligungsquoten die damit wieder auf das Niveau von 2002
Merkmale beider Eltern als Indikatoren für den (Bild 3.3).
sozialen Status der Herkunftsfamilie Studieren-
der bzw. der altersspezifischen Bevölkerung zu
berücksichtigen.
BILDUNGSBETEILIGUNG 81

Bild 3.3 Beteiligung an der Sekundar- cen der Arbeiterkinder zurück: Von ihnen
stufe II nach Schulbildung gelangt nur ein Drittel in die gymnasiale
des Vaters 1996 - 2007 Oberstufe.
in % Die Entwicklung der Bildungsbeteili-
Schulabschluss
gung seit 1996 zeigt – trotz zwischenzeit-
1996 2002 2005 2007 licher Schwankungen – eine zunehmen-
des Vaters
de Tendenz für fast alle betrachteten
insgesamt 48 51 54 51 Gruppen: Zwischen 1996 und 2007 hat
sich die Beteiligung von Arbeiterkindern
Hauptschule 33 37 36 34 an der gymnasialen Oberstufe um 3 Pro-
Realschule 47 46 49 47 zentpunkte erhöht. Eine höhere Steige-
HS-Reife 81 82 82 79 rungsrate weisen nur die Kinder von
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
Selbständigen auf (um acht Prozentpunk-
te, Bild 3.4).
Quellen: StBA, Sonderauswertung Mikrozensus
versch. Jahre; eigene Berechnungen Im Vergleich dazu hat die Teilhabe
am Besuch weiterführender Schulen für
Weiterführender Schulbesuch die Kinder von Beamten nur leicht zuge-
nommen (um einen Prozentpunkt); die
und berufliche Stellung des
Vaters
Bild 3.4 Beteiligung an Sek. II nach
Ein weiteres Merkmal zur Beschreibung beruflicher Stellung des
unterschiedlicher Bildungschancen der Vaters 1996 - 2007
Kinder ist die berufliche Stellung ihrer El- in %
tern. Seit Jahren belegen die sozialgrup-
berufliche Stel-
penspezifischen Bildungsbeteiligungs- 1996 2002 2005 2007
lung des Vaters
quoten, dass die größten Chancen, die
insgesamt 48 51 54 51
Klassenstufen 11-13 zu erreichen, für Kin-
der von Beamten bestehen: Im Jahr 2007 Arbeiter 30 34 36 33
besuchen 73‹% von ihnen die gymnasiale
Angestellte 60 60 62 59
Oberstufe (Bild 3.4). Am zweithöchsten
Selbständige 55 58 61 63
fällt die Beteiligungsquote für Kinder von
Selbständigen und Freiberuflern aus Beamte 72 77 74 73
(63‹%). Nur etwas geringer ist die der Kin- DSW/HIS 19. Sozialerhebung
der von Angestellten (59‹%). Deutlich hin- Quellen: StBA, Sonderauswertung Mikrozensus
ter diesen drei Gruppen bleiben die Chan- versch. Jahre; eigene Berechnungen
82 BILDUNGSBETEILIGUNG

von Angestellten ist sogar geringfügig teiligung an der gymnasialen Oberstufe.


rückläufig (um einen Prozentpunkt). Die Bildungsbeteiligungsquoten der Kin-
der von Angestellten, Selbständigen und
Weiterführender Schulbesuch Beamten sind etwa gleich hoch, wenn
nach Stellung im Beruf und Bil- nur diejenigen betrachtet werden, deren
dungsniveau des Vaters Vater ein Studium abgeschlossen hat
(zwischen 81E% und 86E%, Bild 3.5, obere
Wird mehr als ein Merkmal der sozialen
Grafik rechts).
Herkunft berücksichtigt – beispielsweise
Mit der Nähe bzw. Ferne zu (höherer)
berufliche Stellung und Bildungsniveau –
Bildung sind zumeist jeweils typische nor-
dann lassen sich Kumulationseffekte in
mative und kulturelle Orientierungen
Bezug auf die Bildungsbeteiligung zei-
verbunden. Sie erstrecken sich auch auf
gen. So ist innerhalb der vier Kategorien,
die Aspirationen für die Bildung der Kin-
mit denen die Stellung im Beruf ausge-
der. Im Vergleich zur beruflichen Stellung
wiesen wird, der Anteil derer, die einen
ist der Einfluss des Bildungsniveaus der
Hochschulabschluss erworben haben,
Eltern offensichtlich deutlich stärker.
unterschiedlich hoch. Dies wirkt sich auf
die beschriebenen Unterschiede in den 3.4.3 Schwelle 3: Studienbe-
Beteiligungsquoten aus.
rechtigung
Von den Vätern der 17-18-Jährigen des
Jahres 2007 hat ein Fünftel einen akade- Die Teilhabe an weiterführender Bildung
mischen Abschluss erworben (20E%, Bild hat sich innerhalb der letzten vierzig Jah-
3.5, untere Grafik links). Innerhalb der re vervierfacht: 1970 erwarb lediglich et-
Gruppe der Beamten gibt es anteilig die was mehr als jeder Zehnte die Hochschul-
meisten Akademiker (mehr als jeder zwei- reife. Im Jahr 2008 zählen mit 45E% mehr
te), gefolgt von den Selbständigen und als je zuvor zu den Studienberechtigten;
den Angestellten (jeweils mehr als ein darunter mehr als doppelt so viele mit ei-
Viertel).4 ner allgemeinen Hochschulreife (32E%) als
Unter Hinzunahme des Merkmals mit einer Fachhochschulreife (14E%, Bild
„Hochschulabschluss“ verblasst der Ein- 3.6).
fluss der beruflichen Stellung auf die Be-

4
Die Zahl der als Arbeiter beschäftigten Hoch-
schulabsolventen ist erwartungsgemäß so ge-
ring, dass sie von der amtlichen Statistik nicht
ausgewiesen wird.
BILDUNGSBETEILIGUNG 83

Bild 3.5 Schwelle 2: Beteiligung der 17- bis 18-Jährigen an Sekundarstufe II


(Kl. 11 - 13) nach beruflicher Stellung des Vaters – Vergleich von Vätern
mit und ohne Hochschulabschluss 2007
in %

Hochschulabschluss des Vaters

ohne mit ges.


Bildungsbeteiligungsquote

73
59 63
51

81 81 86 86
54 53 58
45

gesamt 1 Angestellte Selbständige Beamte

4 3 4
11 11
20
30

berufliche Stellung und Hochschulabschluss


der Väter aller 17- bis 18-Jährigen
80
Lesehilfe:
Im Jahr 2007 haben 30“% aller 17- bis 18-Jährigen in Deutschland einen Vater, der ohne Hochschul-
abschluss als Angestellter tätig ist/war. Von diesen Jugendlichen besucht mehr als jede/r zweite
(54“%) die Klassenstufe 11-13. Im Vergleich dazu haben 4“% der Kinder in dieser Alterskohorte einen
Selbständigen mit Hochschulabschluss zum Vater. Von ihnen besuchen 86“% die gymnasiale
Oberstufe.
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

1
Die Quoten für die Bildungsbeteiligung „gesamt“ schließen die berufliche Stellung „Arbeiter“
mit ein. Aufgrund der geringen Anzahl an Arbeitern mit Hochschulabschluss können keine
entsprechend differenzierten Quoten ausgewiesen werden.

Quelle: StBA, Sonderauswertung Mikrozensus 2007; eigene Berechnungen


84 BILDUNGSBETEILIGUNG

Bild 3.6 Schwelle 3: Anteil der Studienberechtigten an der 18- bis 20-jährigen
Bevölkerung (Studienberechtigtenquote) nach Art der Hochschulreife
1970 bis 20081
in %2

45 45
43 43
42
Fachhochschulreife 38
39
37 37
36 36 37 36 36 14 14
allgemeine Hochschulreife 34 14
33 33 13 14
32 31 12
29 28 28 28 28 28 29 9 8 9 9 9 10 11 11
27 9
8
24 25 9 9 7
23 24 22 7 7 6 6 7 8 8
7
20 20 6
20 6
18 6 6 5
16 5
5 6
13 5 30 31 32
11 4 27 28 28 27 28 28 26 27 27 28 29
25 26
1 2 21 22 22 21 22 23 24 24
19 21 21 21
17 18 19 15 17
13 15 15
11 11 12

'70 '72 '74 '76 '78 '80 '82 '84 '86 '88 '90 '92 '94 '96 '98 '00 '02 '04 '06 '08

Jahr
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
Der Anteil der Studienberechtigten an der gleichaltrigen Bevölkerung basiert bis 2006 auf dem Durch-
schnitt der 17- bis unter 20-Jährigen (Länder mit 12 Schuljahren) bzw. der 18- bis unter 21-Jährigen (Län-
der mit 13 Schuljahren) deutschen und ausländischen Wohnbevölkerung am 31. Dezember des jeweili-
gen Vorjahres. Ab 2007: Durchschnitt der 18- bis unter 21-Jährigen (Länder mit 13 Schuljahren) deut-
schen und ausländischen Wohnbevölkerung am 31.12. des jeweiligen Vorjahres. Ab 1992 einschließlich
neue Länder.
2
Rundungsdifferenzen möglich
Quelle: StBA, Hochschulstatistische Kennzahlen, Fachserie 11

3.5 Schwelle 4: Bildungsbetei- schule immatrikulieren (Bruttostudier-


ligung an Hochschulen quote, vgl. Kap. 2.3) bzw. wie viele von ih-
nen einen beruflichen Bildungsweg be-
Die vierte Bildungsschwelle ist die Auf-
vorzugen, hängt von zahlreichen Fakto-
nahme eines Studiums. Der Erwerb einer
ren ab.
Berechtigung zum Studium ist keines-
Zu diesen Faktoren gehören zum ei-
wegs gleichbedeutend mit der Realisie-
nem strukturelle Gegebenheiten wie zum
rung dieser Option. Wie viele Studienbe-
Beispiel der Lehrstellenmarkt, das Studi-
rechtigte sich tatsächlich an einer Hoch-
BILDUNGSBETEILIGUNG 85

enplatzangebot oder die Chancen, die Hochschulen eines Landes immatrikulie-


einzelne Berufe auf dem Arbeitsmarkt ha- ren unabhängig davon, in welchem
ben. (Aus-)Land sie ihre Hochschulreife erwor-
Zum anderen wird die Bildungswahl ben haben. Diese Quoten eignen sich
wesentlich mitbestimmt von den indivi- nicht zur Beschreibung regionaler Unter-
duellen Präferenzen der Studienberech- schiede in der Bildungsbeteiligung der
tigten selbst. Diese korrelieren unter an- (jungen) Menschen einer Region bzw. ei-
derem eng mit dem sozialen Hintergrund nes Landes, denn sie enthalten Effekte
der Studienberechtigten, mit sozialgrup- von Zu- und Abwanderungen.
penspezifischen Bildungsaspirationen Diese Effekte sind sowohl die Folge
und Wertvorstellungen in der Herkunfts- von regionalen Präferenzen der Studien-
familie, der Ausstattung der Familie mit interessierten als auch von unterschiedli-
ökonomischen und kulturellen Ressour- chen Hochschullandschaften – z.B. der
cen und ihren bildungsbezogenen Kos- Struktur und des Umfangs des Studienan-
ten-Nutzen- Abwägungen. gebotes oder der unterschiedlichen
Ausführlichere Analysen dazu finden Hochschuldichte in den Ländern.
sich in den Berichten zu den Studienbe- Hinzu kommt, dass bei der Berech-
rechtigtenbefragungen, die HIS regelmä- nung der Studienanfängerquoten nach
ßig durchführt (vgl. u. a. Heine et al.: Land des Studienortes auch diejenigen
2008). ausländischen Studienanfänger/innen
mit einbezogen werden, die ihre Studien-
3.5.1 Studienanfängerquoten berechtigung im Ausland erworben ha-
ben und erst zum Studium nach Deutsch-
Regionaler Bezug der Studien- land kommen (Bildungsausländer/in-
anfängerquoten nen). Zusammen mit denjenigen, die im
Die amtliche Statistik enthält Studienan- Inland ihre Studienberechtigung erwar-
fängerquoten für zwei unterschiedliche ben, wird ihr Anteil an der altersspezifi-
regionale Bezugsgrößen: Erstens nach schen Wohnbevölkerung des jeweiligen
Land des Studienortes und zweitens nach Landes ermittelt.
Land des Erwerbs der Hochschulzugangs- Da in Deutschland immatrikulierte
berechtigung (im Folgenden auch: HZB). Bildungsausländer/innen jedoch kein
Quoten, die sich auf das Land des „Pendant“ in der Wohnbevölkerung ha-
Studienortes beziehen, umfassen alle Stu- ben, fallen die Studienanfängerquoten
dienanfänger/innen, die sich an den nach Land des Studienortes systematisch
höher aus als diejenigen, die sich auf das
86 BILDUNGSBETEILIGUNG

Land des Erwerbs der Hochschulzugangs- Für die vorliegenden Analysezwecke


berechtigung beziehen. In letzterer sind sind jedoch aus den genannten Gründen
ausschließlich diejenigen Studienanfän- in erster Linie diejenigen Quoten interes-
ger/innen einberechnet, die in Deutsch- sant, die sich auf das Land des Erwerbs
land ihre Hochschulzugangsberechti- der Hochschulzugangsberechtigung be-
gung erworben haben, also Deutsche und ziehen. Um einerseits zu den amtlichen
Bildungsinländer/innen. und in der Öffentlichkeit diskutierten
Im Gegensatz dazu führt das Berech- Quoten anschlussfähig zu sein, anderer-
nungsverfahren der Studienanfänger- seits aber auch regionale Disparitäten bei
quote nach Land des Erwerbs der Hoch- den Studierchancen aufzeigen zu kön-
schulzugangsberechtigung zu einer Un- nen, werden nachfolgend jeweils beide
terschätzung des Anteils der Studienan- Kennzahlen ausgewiesen und einander
fänger/innen an allen Gleichaltrigen, weil gegenüber gestellt.
sie sich auf die in Deutschland Immatri-
kulierten beschränkt und all jene, die mit
Studienanfängerquoten nach
einer Hochschulreife aus Deutschland im Land des Studienortes
Ausland ein Studium beginnen, nicht mit Im Jahr 2008 betrug die Studienanfänger-
einbezieht. quote nach Land des Studienortes 40E%
Nach Schätzungen des Statistischen (Bild 3.7). Im Vergleich zum Vorjahr war
Bundesamtes ist jedoch der Export (Out- sie um drei Prozentpunkte auf ein bis
going) von Studierenden aus Deutsch- dato nicht erreichtes Niveau gestiegen.
land, insbesondere derjenigen im 1. Die bisher höchste Studienbeteiligung
Hochschulsemester, nach wie vor deut- wurde mit 39E% für 2003 ermittelt.
lich geringer als der Import (Incoming) Die Entwicklung seit 2000 zeigt, dass
von Studierenden nach Deutschland. Die zunächst wachsende Studienanfänger-
amtliche Statistik kann aufgrund der Da- quoten für beide Hochschularten zu ver-
tenlage nicht zwischen Studierenden und zeichnen war. Sie fielen jedoch für Fach-
Studienanfänger/innen unterscheiden hochschulen mit einem Anstieg um 20E%
(StBA 2009: 5 f). (2003 gegenüber 2000) etwas dynami-
In Politik und Medien werden nahezu scher aus als für Universitäten, deren
ausschließlich die Studienanfängerquo- Nachfrage im gleichen Zeitraum um 13E%
ten nach Land des Studienortes kommu- anstieg.
niziert. Dieses Quote wird auch im Rah- Die Fachhochschulen konnten das
men der OECD für den internationalen Studieninteresse in den Jahren zwischen
Vergleich verwendet. 2003 und 2006 stabil halten und danach
BILDUNGSBETEILIGUNG 87

Bild 3.7 Schwelle 4: Studienanfängerquoten 2000 - 2008 nach Land des


Studienortes1 – Vergleich nach Hochschulart und Region
in %

Insgesamt
39 40
36 37 37 37 36 37
33
11 12 12 12 12 13 16
10 12

23 25 25 26 25 25 24 24 25

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008

alte Länder neue Länder2


40 38 38 41
37 38 37 38 36 34 36 38
34
31 33 33 33 32
12 12 13 13 13 12 13 16 11 11 13
11 9 10 10 11 11 12

23 26 26 27 25 26 24 24 25 22 23 23 25 24 22 22 24 25

'00 '01 '02 '03 '04 '05 '06 '07 '08 '00 '01 '02 '03 '04 '05 '06 '07 '08

Universitäten Fachhochschulen3

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
Anteil der Studienanfänger/innen (Deutsche und Bildungsinländer/innen) an der altersspezifischen
Bevölkerung am Ort des Erwerbs der Hochschulreife. Es werden Quoten für einzelne Altersjahrgänge
berechnet und anschließend aufsummiert (Quotensummenverfahren); Rundungsdifferenzen
möglich
2
einschließlich Berlin
3
einschließlich Verwaltungsfachhochschulen

Quelle: StBA- Sonderauswertungen für HIS


88 BILDUNGSBETEILIGUNG

sogar noch um vier Prozentpunkt stei- Möglicherweise erhöht die Tatsache,


gern. Eine wesentliche Grundlage dafür dass in den neuen Ländern keine allge-
war der Ausbau des Fachhochschulsek- meinen Studiengebühren erhoben wer-
tors in dieser Zeit (Bild 3.7, obere Grafik). den, die Nachfrage nach einem Studium
Das annähernd gleiche Muster – deut- an einer der hiesigen Hochschulen so-
liche Steigerung der Studienanfänger- wohl seitens Studieninteressierter aus
quote von 38˜% im Jahr 2007 auf 41˜% im den alten Ländern als auch aus dem Aus-
Jahr 2008 charakterisiert auch die Ent- land. Angesichts der Schwankungen der
wicklung in den alten Ländern (Bild 3.7, Studienanfängerquoten nach Land des
untere Grafik). Auch hier war zwischen Studienortes in den letzten Jahren muss
2000 und 2003 eine erhöhte Nachfrage jedoch die weitere Entwicklung abgewar-
nach Hochschulbildung zu beobachten, tet werden, um sehen zu können, ob es
die danach wieder etwas abflaute. Gleich- sich hierbei lediglich um eine kurzfristige
zeitig blieb das Interesse an einem Studi- Entwicklung oder tatsächlich um einen
um an einer Fachhochschule bis 2007 re- längerfristigen Trend handelt.
lativ stabil und stieg im Jahr 2008 sprung-
haft an. Studienanfängerquoten nach
In den neuen Ländern erreichte die Land des Erwerbs der Hoch-
Studienanfängerquote im Jahr 2008 mit schulzugangsberechtigung
38˜% einen vorläufigen Höchststand. Sie
Die Studienanfängerquoten nach Land
war seit 2006 – dem Jahr mit einem relati-
des Erwerbs der Hochschulzugangsbe-
ven Tiefpunkt – um immerhin sechs Pro-
rechtigung sind – wie oben bereits ausge-
zentpunkte gestiegen. Die Einführung
führt – per definitionem niedriger als die
des verkürzten Abiturs (G8) in Sachsen-
nach Land des Studienortes, weil die Bil-
Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern
dungsausländer/innen, die sich in
kann für diesen (Wieder)Anstieg nicht als
Deutschland immatrikulieren, nicht ein-
alleinige Erklärung dienen, denn die wei-
bezogen sind.
ter unten aufgezeigten Studienanfänger-
Im Jahr 2008 haben 34˜% der alters-
quoten nach Land des Erwerbs der Hoch-
spezifischen Bevölkerung ein Studium in
schulzugangsberechtigung (vgl. Bild 3.8)
Deutschland mit einer hier erworbe-
stiegen für die neuen Länder zwischen
nen Hochschulzugangsberechtigung be-
2006 und 2008 um vier Prozentpunkte,
das heißt, nicht in gleichem Umfang.
BILDUNGSBETEILIGUNG 89

gonnen (Bild 3.8).5 Diese Studienanfän- 3.9). Überdurchschnittlich viele Landes-


gerquote liegt um sechs Prozentpunkte kinder ins Studium bringen auch das
niedriger als die studienortbezogene Saarland und Baden-Württemberg (je
Quote des gleichen Jahres. Der Abstand 38E%) bzw. Bremen und Nordrhein-West-
beider Quoten beträgt seit Jahren zwi- falen (je 36E%).
schen fünf und sechs Prozentpunkte. Die- Trotz doppelter Abiturjahrgänge
se Stabilität beruht auf einem weitge- 2007 bzw. 2008 bleiben die Studienanfän-
hend gleichbleibenden Anteil an (bil- gerquoten für Sachsen-Anhalt (33E%) und
dungs)ausländischen Studienanfänger/ Mecklenburg-Vorpommern (32E%) unter-
innen unter allen Erstsemestern. halb des bundesweiten Durchschnitts.
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Stu- Verglichen mit den Quoten in den Jahren
dienanfängerquote nach Land des Er- vor der G8-Einführung haben diese bei-
werbs der Hochschulzugangsberechti- den Länder jedoch eine deutlich höhere
gung 2008 insgesamt um zwei Prozent- Studienanfängerquote, die im Falle Sach-
punkte gestiegen. Der anteilige Zuge- sen-Anhalts auch das zweite Jahr nach
winn an Studienanfänger/innen war in der Umstellung noch deutlich höher war
den alten Ländern mit drei Prozentpunk- als zuvor.
ten etwas deutlicher als in den neuen Studienanfängerquoten deutlich un-
Ländern (zwei Prozentpunkte), so dass terhalb des Durchschnitts von 34E% gibt es
sich der Abstand der Studienanfänger- 2008 in Bayern, Brandenburg, Schleswig-
quoten beider Regionen von 2007 auf Holstein, Niedersachsen (je 31E%) und
2008 um einen auf drei Prozentpunkte er- Sachsen (30E%).
höht hat (35E% vs. 32E%, BildE3.8).
Im Vergleich der Bundesländer zeigt
Studienbeteiligung und
sich eine Spannweite der Studienanfän- Geschlecht
gerquoten von 19 Prozentpunkten. Antei- Im Bundesdurchschnitt unterscheiden
lig die meisten Studienanfänger/innen sich Männer und Frauen in ihrer Studien-
bringt Hessen hervor (2008: 39E%, Bild beteiligung nur geringfügig. Mit 34,5E%
bzw. 34,3E% weisen sie auch 2008 eine na-
5
Diese Quote ist in den amtlichen Publikationen hezu übereinstimmende Studienanfän-
zu finden unter „Stadtstaaten und Flächenstaa-
ten zusammen“. Sie enthält von den Bildungs-
gerquote auf. In Bild 3.10 ist rundungsbe-
ausländer/innen nur diejenigen, die über ein dingt ein Prozentpunkt Unterschied in der
Studienkolleg in Deutschland ihre Hochschul-
reife erworben haben. Deutsche, die ihre HZB
Studienbeteiligung von Männern und
im Ausland erworben und sich an einer Hoch- Frauen ausgewiesen.
schule in Deutschland immatrikuliert haben,
sind hier nicht mit einberechnet.
90 BILDUNGSBETEILIGUNG

Bild 3.8 Schwelle 4: Studienanfängerquoten 2000 - 2008 nach Land des Erwerbs
der Hochschulzugangsberechtigung1 – Vergleich nach Hochschulart und
Region
in %

Insgesamt

33 34
31 31 31 31 30 32
29
10 11 11 11 11 12 14
10 11

19 20 20 21 20 20 19 20 20

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008

alte Länder neue Länder2


35
31 32 33 31 32 31 32 30 29 29 30 32
29 27 27 28 28
11 11 11 11 12 14
10 10 11 10 10 10
11 10 10
10 11
13

19 21 21 22 20 21 20 20 20 17 17 18 20 19 19 18 19 19

'00 '01 '02 '03 '04 '05 '06 '07 '08 '00 '01 '02 '03 '04 '05 '06 '07 '08

Universitäten Fachhochschulen3

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
Anteil der Studienanfänger/innen (Deutsche und Bildungsinländer/innen) an der altersspezifi-
schen Bevölkerung am Land des Erwerbs der Hochschulreife. Es werden Quoten für einzelne Alters-
jahrgänge berechnet und anschließend aufsummiert (Quotensummenverfahren); Rundungsdiffe-
renzen möglich
2
einschließlich Berlin
3
einschließlich Verwaltungsfachhochschulen
Quelle: StBA-Sonderauswertungen für HIS
BILDUNGSBETEILIGUNG 91

Bild 3.9 Schwelle 4: Studienanfängerquoten1 1997 - 2008 nach Land des Erwerbs
der Hochschulzugangsberechtigung – Vergleich der Länder
in %

Baden-W. Bayern Berlin Brandenbg.


40 40 40 40

30 30 30 30

20 20 20 20

10 10 10 10
'97 '08 '97 '08 '97 '08 '97 '08
Bremen Hamburg Hessen Meckl.-Vorp.
40 40 40 40

30 30 30 30

20 20 20 20

10 10 10 10
'97 '08 '97 '08 '97 '08 '97 '08
Niedersachsen Nordrh.-Westf. Rheinl.-Pfalz Saarland
40 40 40 40

30 30 30 30

20 20 20 20

10 10 10 10
'97 '08 '97 '08 '97 '08 '97 '08
Sachsen Sachsen-Anh. Schlesw.-Holst. Thüringen
40 40 40 40

30 30 30 30

20 20 20 20

10 10 10 10
'97 '08 '97 '08 '97 '08 '97 '08

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
Anteil der Studienanfänger/innen (Deutsche und Bildungsinländer/innen) an der altersspezifischen
Bevölkerung im Land des Erwerbs der HZB (Quotensummenverfahren).
Quellen: Statistisches Bundesamt, Hochschulstatistische Kennzahlen, Fachserie 11, mehrere Jahrgänge
92 BILDUNGSBETEILIGUNG

Bild 3.10 Schwelle 4: Studienanfängerquoten 2000 - 2008 nach Land des Erwerbs
der Hochschulzugangsberechtigung – Vergleich nach Region, Hoch-
schulart und Geschlecht
in %1
insgesamt
männlich weiblich
34 32 32 32 35 32 32 32 34
29 31 30 31 28 30 31 31 30
14 13 16 8 9 9 9 9 9 10 12
11 12 13 13 13 14 8

18 19 18 20 18 19 18 18 18 20 22 23 23 22 22 21 22 22

'00 '01 '02 '03 '04 '05 '06 '07 '08 '00 '01 '02 '03 '04 '05 '06 '07 '08
alte Länder
männlich weiblich
35 33 33 32 35 34
30 32 32 32 30 31 31 30 30 30 31
14 28 9 12
12 13 13 14 14 14 14 17 7 8 8 8 8 8 9

18 20 19 21 19 19 18 18 18 20 22 23 23 22 22 21 22 22

'00 '01 '02 '03 '04 '05 '06 '07 '08 '00 '01 '02 '03 '04 '05 '06 '07 '08
neue Länder2
männlich weiblich
32 32 33 34
29 28 30 29 31 30 30
26 28 27 26 28 12
25 24 10 10 10 10 10 11
12 11 11 12 13 9 9
10 11 10 11

17 17 17 19 19 22 22 21 21 20 22 22
15 16 14 16 16 16

'00 '01 '02 '03 '04 '05 '06 '07 '08 '00 '01 '02 '03 '04 '05 '06 '07 '08

Universitäten Fachhochschulen3

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
Anteil der Studienanfänger/innen (Deutsche und Bildungsinländer/innen) an der altersspezifischen
Bevölkerung im Land des Erwerbs der Hochschulzugangsberechtigung (Quotensummenverfahren);
Rundungsdifferenzen möglich
2
einschließlich Berlin
3
einschließlich Verwaltungsfachhochschulen
Quellen: StBA-Sonderauswertungen für HIS
BILDUNGSBETEILIGUNG 93

Differenziert nach Hochschulart fällt sen und Thüringen waren 2008 jeweils
jedoch auf, dass die Quote der Männer, 52D% aller Studienanfänger weiblich.
die an einer Fachhochschule ein Studium Baden-Württemberg, Niedersachsen,
beginnen, traditionell höher ist als bei Hessen und Schleswig-Holstein haben
den Frauen (2008: 16D% vs. 12D%). Letztere mit 48D% einen vergleichsweise geringe-
immatrikulieren sich dagegen häufiger ren Anteil an Frauen unter den Studien-
als Männer an einer Universität (2008: anfängern. Bei den Studierenden beträgt
22D% vs. 18D%, Bild 3.10). der Frauenanteil seit dem Wintersemes-
Während in den alten Ländern die ter 2004/05 relativ stabil 48D%.
Studienbeteiligung der Männer geringfü- Wie oben bereits ausgeführt, unter-
gig höher ist als die der Frauen (2008: scheiden sich jedoch die Anteile der Frau-
35D% vs. 34D%, Bild 3.10, mittlere Grafik), en nach Hochschulart deutlich (vgl. Bild
weisen in den neuen Ländern Frauen eine 2.3). An den Universitäten stellen Frauen
deutlich höhere Studienanfängerquote seit langem mehr als die Hälfte aller Stu-
auf als Männer (34D% vs. 30D%). dienanfänger bzw. Studierenden. An den
Die Studienbeteiligung von Frauen ist Fachhochschulen hingegen überwiegt
geringer als es ihre vergleichsweise hohe die Zahl der Männer die der Frauen.
Quote an Studienberechtigten erwarten Die Studienanfängerquoten nach
ließe: Obwohl Frauen häufiger als Män- Land des Erwerbs der Hochschulzugangs-
ner eine Hochschulreife erworben haben berechtigung belegen diese Trends auch
(2008: 41D% Männer, 49D% Frauen), realisie- für die einzelnen Bundesländer: In einer
ren sie ihre Studienberechtigung selte- Reihe alter Länder ist die Studienbeteili-
ner. Im Rahmen regelmäßiger Befragun- gung der Männer höher als die der Frau-
gen unter Studienberechtigten beobach- en, wie z. B. in Baden-Württemberg, wo
tet HIS dieses Phänomen anhand der die Studienanfängerquote der Männer
Bruttostudierquoten schon seit Jahren die der Frauen um drei Prozentpunkte
(vgl. z. B. Heine et al., 2008: 17 f). übersteigt (39D% vs. 36D%, Bild 3.11).
Trotz des häufigeren Studienverzichts
der Frauen (Studienverzichtsquote der 3.5.2 Sozialgruppenspezifische
Studienberechtigten 2008: 22D% Männer Studienbeteiligung
vs. 34D% Frauen) hat der Anteil der Frauen Den Studienberechtigten- bzw. Studien-
an allen Studienanfängern 2007 erstmals anfängerquoten ist nicht zu entnehmen,
die 50D%-Marke erreicht (2007: 49, 8D%, welche Bildungschancen Kinder aus un-
2008: 49,7D%). In Ländern wie Branden- terschiedlichen sozialen Herkunftsgrup-
burg, Mecklenburg-Vorpommern, Sach- pen haben und wie sich die Verteilung
94 BILDUNGSBETEILIGUNG

dieser Chancen in den letzten Jahren ver- Schul- bzw. Ausbildungsabschlusses im


ändert hat. Solche Informationen können Vordergrund steht. Die Hochschulreife
aus den sozialgruppenspezifischen Bil- bzw. Studienberechtigung eröffnet über
dungsbeteiligungsquoten gewonnen das Studium hinaus eine Reihe weiterer
werden, wie sie von HIS seit Jahren ermit- Optionen. Demzufolge beginnen bei wei-
telt und in die Berichte der Sozialerhe- tem nicht alle zum Studium Berechtigten
bung aufgenommen werden. auch tatsächlich ein Hochschulstudium.
Im Abschnitt 3.3 wurde bereits be- Vor allem Studienberechtigte, die ihre
schrieben, welche externen Datenquellen Hochschulzugangsberechtigung im Rah-
zur Ermittlung dieser Quoten benötigt men einer beruflichen Ausbildung oder
werden. Das Verfahren ist im Detail im an einer Schule des beruflichen Bildungs-
Anhang erläutert (vgl. B. Methodische wesens erworben haben, nehmen ihre
Anmerkungen im Anhang). Studienoption häufig nicht wahr.
In welchem Maße sich die für die vo- Im Jahr 2008 verzichteten 28’% aller
rangegangenen Bildungsschwellen be- Studienberechtigten darauf, sich zu im-
reits dokumentierte soziale Selektivität matrikulieren bzw. hatten keine (feste)
auch beim Übergang in die Hochschule Absicht zu studieren. Im Vergleich zu
(Schwelle 4) fortsetzt, wird in den folgen- zwei Jahren zuvor ist der Studienverzicht
den Ausführungen anhand der gleichen deutlich rückläufig (um vier Prozent-
Merkmale der Familienbezugsperson auf- punkte, Bild 3.12). Relativierend muss je-
gezeigt: höchster allgemeiner Schulab- doch angemerkt werden, dass etwa drei
schluss und berufliche Stellung. Prozentpunkte dieses Rückgangs darauf
Zusätzlich wird die Stellung im Beruf zurückzuführen ist, dass 2009 die acht Be-
– wie bereits oben für die Schwelle 2 – da- rufsakademien in Baden-Württemberg
nach differenziert, ob die Bezugsperson zur Dualen Hochschule zusammenge-
einen Hochschulabschluss erworben hat fasst wurden und die an ihr Lernenden
oder nicht. erstmals als Studierende berücksichtigt
und in die Berechnung der Bruttostudier-
Studienverzicht quote bzw. ihr Gegenstück – die Studien-
Befragungen unter Studienberechtigten verzichtsquote – einbezogen sind.
weisen auf eine tendenzielle Entkoppe- Die Entscheidung für oder gegen eine
lung von Hochschulzugangsberechti- Studienaufnahme hängt von vielfältigen
gung und Studienaufnahme hin. Sie zei- individuellen und institutionellen Fakto-
gen, dass für einen Teil der Studienbe- ren ab. Zu ihnen gehören ganz wesent-
rechtigten der Erwerb eines bestimmten lich soziale Merkmale der Herkunftsfami-
BILDUNGSBETEILIGUNG 95

Bild 3.11 Schwelle 4: Studienanfängerquoten1 1997 - 2008 nach Land des Erwerbs
der Hochschulzugangsberechtigung – Vergleich nach Geschlecht
in %
Baden-W. Bayern Berlin Brandenbg.
40 40 40 40

30 30 30 30

20 20 20 20

10 10 10 10
'97 '08 '97 '08 '97 '08 '97 '08

Bremen Hamburg Hessen Meckl.-Vorp.2


40 40 40 40

30 30 30 30

20 20 20 20

10 10 10 10
'97 '08 '97 '08 '97 '08 '97 '08

Niedersachsen NRW Rheinl.-Pfalz Saarland


40 40 40 40

30 30 30 30

20 20 20 20

10 10 10 10
'97 '08 '97 '08 '97 '08 '97 '08

Sachsen Sachsen-Anh.2 Schl.-Holst. Thüringen


40 40 40 40

30 30 30 30

20 20 20 20

10 10 10 10
'97 '08 '97 '08 '97 '08 '97 '08

männlich weiblich
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
Anteil der Studienanfänger/innen (Deutsche und Bildungsinländer/innen) an der altersspezifischen Bevölkerung im
Land des Erwerbs der HZB (Quotensummenverfahren).
2
in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt wurde 2001 der 13. Schuljahrgang eingeführt. Mit der Einführung
von G8 2007 in Sachsen-Anhalt und 2008 in Mecklenburg-Vorpommern wurde er wieder abgeschafft.
Quellen: Statistisches Bundesamt, Hochschulstatistische Kennzahlen, Fachserie 11, mehrere Jahrgänge
96 BILDUNGSBETEILIGUNG

Bild 3.12 Schwelle 4: Studienverzicht nen mindestens ein Elternteil ein Hoch-
nach akademischem Abschluss1 schulstudium abgeschlossen hat, im Jahr
im Elternhaus 1999 -2008 2008 lediglich 23Ž% auf ein Studium. Im
in % Unterschied dazu nehmen von den Studi-
enberechtigten, deren Eltern nicht stu-
42 41 diert haben, 35Ž% kein Studium auf (HIS-
41
37 Befragung Studienberechtigter 2008).
34 35 Verglichen mit dem Jahr 2006 ist je-
34
31 32 doch die Studierneigung der „Nicht-Aka-
29 28
27 demikerkinder“ stärker gewachsen (sechs
Prozentpunkte) als die von Studienbe-
24 25 rechtigten, deren Eltern ein Hochschul-
22 23
19 20 studium abgeschlossen haben (zwei Pro-
zentpunkte), so dass sich die Studienver-
´99 ´02 ´04 ´05 ´06 ´08 2 zichtsquoten beider Gruppen weniger
stark unterscheiden als in den Jahren zu-
Nicht-Akademiker vor.

insgesamt Schulabschluss des Vaters


Akademiker Trotz einer formal größeren Durchlässig-
keit erweisen sich Übergänge zwischen
DSW/HIS 19. Sozialerhebung den einzelnen Teilbereichen des Bil-
1
mindestens ein Elternteil mit Hochschulab- dungssystems (Schultypen, allgemeines
schluss
2
inkl. der Studierenden der ehemaligen Berufs- bzw. berufliches Bildungswesen) immer
akademie BW, die 2009 zur Dualen Hochschule noch als schwierig. Einmal eingeschlage-
Baden-Württemberg umgewandelt wurde
ne Bildungswege können nur schwer und
Quellen: HIS Studienberechtigten-Befragungen mit relativ hohem Aufwand an Opportu-
1999, 2002, 2004, 2005, 2006, 2008
nitätskosten „korrigiert“ werden. Inter-
nationale Vergleiche haben gezeigt, dass
lie, für die HIS auf der Grundlage seiner
in hoch segmentierten Bildungssystemen
Befragungen von Studienberechtigten
– wie dem deutschen – bestehende Bil-
mehrfach einen signifikanten Einfluss
dungsungleichheiten eher verstärkt denn
nachweisen konnte.
aufgefangen oder gar abgebaut werden.
Beispielsweise verzichteten von den
Eine Ursache dafür ist die erwähnte ge-
Studienberechtigten aus Familien, in de-
BILDUNGSBETEILIGUNG 97

ringe Durchlässigkeit zwischen den insti- Bild 3.13 Schwelle 4: Beteiligung an


tutionellen Bildungsbereichen (vgl. Hochschulen nach Schulbil-
Baethge, Kupka: 190 f). dung des Vaters 1996 - 2007
Wie eng der Zusammenhang zwi- (Studienanfängerquote)1
schen dem Bildungsstatus der Eltern und in %
der Studienaufnahme ist, zeigte sich be-
reits anhand des Schulabschlusses des Va-
ters: Im Jahr 2007 begannen von allen
84
jungen Erwachsenen zwischen 19 und 24 77 75
70 71
Jahren, deren Vater über eine Hochschul-
reife verfügt, drei Viertel ein Hochschul- 29 33
27 26 25
studium (75‹%, Bild 3.13). Zwei Drittel von
ihnen immatrikulierte sich an einer Uni-
18 21 19 20
versität. 16
Mit 20‹% mehr als dreimal niedriger
1996 2000 2003 2005 2007
fällt dagegen die Bildungsbeteiligung
von Kindern aus, deren Vater lediglich
eine Volks- oder Hauptschule besucht Hochschulreife
hat. Realschule
Nur fünf Prozentpunkte höher liegen
die Studierchancen derjenigen, deren Va- Hauptschule
ter einen Realschul- oder gleichwertigen
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
Abschluss erworben hatte (25‹%). Offen-
1
sichtlich sind die Chancen auf ein Hoch- nur deutsche Studienanfänger/innen, ein-
schließlich Verwaltungsfachhochschulen
schulstudium weitgehend polarisiert zwi-
schen Kindern, deren Eltern eine Hoch- Quellen: StBA: Bevölkerungsstatistik; StBA: Hoch-
schulstatistik; StBA: Sonderauswertun-
schulreife erworben haben, auf der einen gen des Mikrozensus verschiedener Jah-
Seite, und Kindern, deren Eltern maximal re; HIS: Studienanängerbefragungen
verschied. Jahre; eigene Berechnungen
einen mittleren Schulabschluss haben,
auf der anderen.
Im Vergleich zum Jahr 2005 ist die übrigen Gruppen sind nur geringe Verän-
Studienanfängerquote derjenigen, deren derungen in der Bildungsbeteiligung zu
Vater eine Hochschulreife hat, um fünf registrieren.
Prozentpunkte gestiegen. Für die beiden
98 BILDUNGSBETEILIGUNG

Berufliche Stellung und Hoch- chen werden, deren Väter das gleiche Bil-
schulabschluss des Vaters dungsmerkmal aufweisen, das heißt (k)ei-
nen Hochschulabschluss haben.
Welchen Einfluss die Bildungskompo-
Wie stark die Unterschiede bei der Bil-
nente innerhalb der diesbezüglich hete-
dungsbeteiligung nach beruflicher Stel-
rogen zusammengesetzten Kategorien
lung der Familienbezugsperson von de-
der beruflichen Stellung auf die Studien-
ren Bildungsstand getragen werden, lässt
beteiligung hat, kann sichtbar gemacht
sich anhand der Anteile an Akademikern
werden, indem danach unterschieden
innerhalb der Angestellten, Selbständi-
wird, ob der Vater einen Hochschulab-
gen und Beamten veranschaulichen.
schluss erworben hat oder nicht.
In der altersspezifischen Bevölkerung
Für die Schwelle 2 konnte bereits ge-
hat von den Vätern, die als Angestellte
zeigt werden (vgl. Bild 3.5), dass unter
oder Selbständige (inklusive Freiberufler)
Hinzunahme des Merkmals Hochschul-
tätig sind (waren), etwa jeder dritte einen
abschluss der Zusammenhang zwischen
Hochschulabschluss6 (siehe Bild 3.14, un-
beruflicher Stellung und Bildungsbeteili-
terer Diagrammteil: berufliche Stellung
gung verblasst.
aller Väter), von den verbeamteten Vä-
Auch für die sozialgruppenspezifi-
tern sogar mehr als die Hälfte.7
schen Studienanfängerquoten gilt, dass
Ob ein Kind ins Studium gelangt oder
die Beteiligungsquote der Kinder von Be-
nicht, ist – wie in Bild 3.14 veranschaulicht
amten ohne Hochschulabschluss nicht
– vorrangig eine Frage des Bildungsni-
höher ist als die der Kinder von Selbstän-
veaus im Elternhaus – und hier vor allem
digen/Freiberuflern, die ebenfalls nicht
eine des akademischen Hintergrunds. Die
studiert haben (43–% vs. 47–%, Bild 3.14).
Studierchancen stehen erst in zweiter Li-
Darüber hinaus weisen die Kinder
nie mit der beruflichen Stellung in Zu-
dieser beiden Gruppen für den Fall, dass
sammenhang, an die zweifellos weitere
der Vater einen Hochschulabschluss er-
Disparitäten (Einkommen, Status, Presti-
worben hat, recht ähnliche Studienanfän-
ge) geknüpft sind, die als unterschiedli-
gerquoten auf (84–% vs. 87–%).
che Ressourcen den Bildungsweg der Kin-
Der Abstand der Studienanfänger-
der mitbestimmen.
quoten der Kinder von Beamten zu der
von Angestelltenkindern beträgt insge- 6
40–% Angestellte insgesamt, darunter 12–% mit
samt 30 Prozentpunkte. Er verringert sich Hochschulabschluss bzw. 12–% Selbständige,
auf 20 Prozentpunkte, wenn von beiden darunter 4–% mit Hochschulabschluss
7
Gruppen jeweils nur diejenigen vergli- 8–% Beamte insgesamt, darunter 5–% mit Hoch-
schulabschluss
BILDUNGSBETEILIGUNG 99

Bild 3.14 Schwelle 4: Beteiligung der 19- bis 24-Jährigen an Hochschulen nach
beruflicher Stellung des Vaters 2007 – Vergleich von Vätern mit und
ohne Hochschulabschluss (Studienanfängerquoten)
in %

Bildungsbeteiligungsquote Hochschulabschluss des Vaters


ohne mit ges.

61 67

34 37
87 84
71 64
47 43
24 26

gesamt 1 Angestellte Selbständige Beamte

8 4 3 5
12
22 28

berufliche Stellung und Hochschulabschluss


der Väter aller 19- bis 24-Jährigen
78
Lesehilfe:

Im Jahr 2007 haben 287% aller 19- bis 24-Jährigen deutschen Jugendlichen einen Vater, der ohne
Hochschulabschluss als Angestellter tätig ist (war). Von diesen Jugendlichen nahm ein
Viertel (267%) ein Hochschulstudium auf.

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
Die Quoten für die Bildungsbeteiligung „gesamt“ schließen die berufliche Stellung „Arbeiter“ mit ein.
Aufgrund der geringen Anzahl an Arbeitern mit Hochschulabschluss können keine entsprechend
differenzierten Quoten ausgewiesen werden.

Quellen: StBA, Sonderauswertung Mikrozensus 2002; eigene Berechnungen


100 BILDUNGSBETEILIGUNG

3.6 Bildungsbeteiligung und her jeweils in etwa so viele Studierende


soziale Zusammensetzung (46.000 bzw. 67.000) wie die um ein Mehr-
faches größere Gruppe der Arbeiterkin-
Die soziale Zusammensetzung aller Studi-
der.
enanfänger/innen ist im Wesentlichen
Im Ergebnis heißt das, dass von den
das Ergebnis sowohl der sozialgruppen-
297.000 deutschen Studienanfänger/in-
spezifischen Bildungsbeteiligung als
nen des Studienjahres 2007/2008 15“% Kin-
auch der sozialen Zusammensetzung der
der von Beamten sind, 22“% aus einem
Bevölkerung.
Selbständigenhaushalt kommen, 43“% ei-
Wie groß die Anzahl der Kinder aus
nen Angestellten zum Vater haben und
einer bestimmten Sozialgruppe ist, die
20“% das Kind eines Arbeiters sind.
ein Studium aufnehmen, hängt nicht nur
Gemessen an ihrem Anteil in der al-
von ihrer Bildungsbeteiligungsquote ab,
tersspezifischen Bevölkerung sind Beam-
sondern auch vom Umfang der jeweili-
tenkinder mit einem Faktor von 1,9 an
gen sozialen Gruppe.
den Hochschulen überrepräsentiert (8“%
Im Jahr 2007 gab es 337.000 Arbeiter-
in der Bevölkerung vs. 15“% unter den Stu-
kinder im Alter zwischen 19- und unter 25
dienanfänger/innen).
Jahren – also aus den Jahrgängen, aus de-
Die Kinder von Selbständigen erzielen
nen sich Studienanfänger/innen haupt-
mit 22“% einen Anteil unter den Erstse-
sächlich rekrutieren. Von diesen Arbeiter-
mestern, der 1,7 mal so groß ist wie ihr An-
kindern nahmen 17“% ein Hochschulstudi-
teil in ihrer Alterskohorte (13“%). Ange-
um auf. Dies ergibt 58.000 Studienanfän-
stelltenkinder sind mit einem Faktor von
ger/innen, deren Vater Arbeiter ist (Bild
1,1 nahezu adäquat zu ihrem Anteil in der
3.15).
altersgleichen Bevölkerung an den Hoch-
Die etwas größere Gruppe der Ange-
schulen präsent (43“% zu 40“%).
stelltenkinder (343.000) im entsprechen-
Der Anteil der Arbeiterkinder ist da-
den Alter stellt aufgrund ihrer mehr als
gegen nur etwa halb so groß wie in der
doppelt so hohen Bildungsbeteiligungs-
Bevölkerung gleichen Alters (20“% vs.
quote (37“%) mit einer Zahl von 127.000
39“%).
mehr als doppelt so viele Studienanfän-
Die soziale Zusammensetzung der
ger/innen.
Studienanfänger/innen sagt insofern we-
Die relativ kleinen Gruppen der Be-
nig über die tatsächlichen Bildungschan-
amten- und Selbständigenkinder weisen
cen – hier bezogen auf den Hochschulzu-
deutlich höhere Bildungsbeteiligungs-
gang – aus. So ist die Beteiligungsquote
quoten (67“% bzw. 61“%) auf und stellen da-
von Beamtenkindern fast viermal so hoch
BILDUNGSBETEILIGUNG 101

Bild 3.15 Bildungsbeteiligung und soziale Zusammensetzung 2007


nur Deutsche, absolut und in % (gerundet)

soziale Zusammensetzung Bildungs- soziale Zusammensetzung


der 19- bis 24-jährigen beteiligungsquote der Studienanfänger/innen2
Bevölkerung1

8% 15%

67%
68.000 46.000
13% Beamte 22%
109.000 61% 67.000
Selbständige
40% 127.000 43%
37%
343.000

Angestellte

58.000 20%
39% 17%

337.000

Arbeiter

100 % 857.000 298.000 100 %

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
Synthetischer Bezugsjahrgang (durchschnittliche Jahrgangsstärke der 19- bis 24-jährigen deutschen
Bevölkerung in Deutschland), (Werte gerundet)

2
Deutsche Studienanfänger/innen im Studienjahr 2007/08 an Universitäten, Fachhochschulen und
Verwaltungsfachhochschulen (Werte gerundet)

Quellen: StBA: Bevölkerungszahlen; StBA: Hochschulstatistik; StBA: Sonderauswertung des


Mikrozensus 2002; HIS: Studienanfängerbefragung WS 2007/08
102 BILDUNGSBETEILIGUNG

Bild 3.16 Bildungsbeteiligung und soziale Zusammensetzung 2007 nach


akademischem Abschluss des Vaters
nur Deutsche, absolut und in % (gerundet)

soziale Zusammensetzung Bildungs- soziale Zusammensetzung


der 19-24-jähr. Bevölkerung1 beteiligungsquote der Studienanfänger/innen2

3% 4%
29.000 43% 12.500
5% 13.000

11%
Beamte 84% 32.800
39.000 6.200

8% 47% 33.800 11%


72.000
38.200

4% Selbständige 11%
37.000 87% 32.200
4.800

21%
28% 26% 62.400

240.000
177.600

Angestellte

12% 22%
65.900
103.000 64%
37.100

20%
40% 17% 58.000

337.000
Hochschulabschluss
Arbeiter
ohne
mit

100 % 857.000 298.000 100 %


DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1, 2
s. Fußnoten zu Bild 3.15 (Abweichungen von Werten im Vergleich zu Bild 3.15 sind rundungsbedingt)
BILDUNGSBETEILIGUNG 103

wie die der Arbeiterkinder (67Ž% vs. 17Ž%, Vater nicht studiert hat, eine 1,8 mal so
Bild 3.15 ). Die höchste Bildungsbeteili- große Chance, die gymnasiale Oberstufe
gung haben die Kinder von akademisch zu besuchen (81Ž% vs. 45Ž%, Bild 3.17).
gebildeten Selbständigen/Freiberuflern Die Klassenstufen 11- 13 erreicht zu ha-
und Beamten (87Ž% bzw. 84Ž%, Bild 3.16). ben, ist dann für die überwiegende Mehr-
Ihre Bildungsbeteiligung beträgt etwa heit dieser Kinder gleichbedeutend mit
das Fünffache im Vergleich zur Bildungs- der Studienaufnahme. 88Ž% der Akademi-
beteiligung von Arbeiterkindern. kerkinder aus der gymnasialen Oberstufe
gehen weiter in die Hochschulen. Ihre
3.7 Bildungstrichter Studienanfängerquote beträgt 71Ž% und
Die Folgen der sozialen Selektion im Ver- ist damit fast drei mal so hoch wie die der
lauf des Bildungsweges bis zum Studien- Kinder von Nicht-Akademikern (24Ž%).
eintritt können anhand einer schemati- Von den Nicht-Akademiker-Kindern
schen Darstellung in Form des so genann- waren 45Ž% in den Sekundarbereich II ge-
ten Bildungstrichters veranschaulicht langt. Danach verengen sich ihre Bil-
werden. dungschancen weiter und es geht nur et-
Im Bildungstrichter werden die Schü- was mehr als jede/r Zweite von der gym-
ler/innen bzw. Studienanfänger/innen nasialen Oberstufe weiter in eine Hoch-
danach unterschieden, ob ihr Vater einen schule (Übergangsquote: 53Ž%).
Hochschulabschluss erworben hat oder In der retrospektiven Betrachtung
nicht. Wie oben gezeigt, üben mehrere veranschaulichen die Bildungstrichter
Faktoren Einfluss auf die Bildungsbeteili- für die Vorjahre (Bild 3.18 und Bild 3.19),
gung aus. Anhand eines Extremgruppen- dass 2007 im Vergleich zu 2005 die Bil-
vergleichs zwischen jeweils 100 Kindern dungsbeteiligung von Akademiker-Kin-
von Akademikern auf der einen und 100 dern bereits auf der Sekundarstufe rück-
Kindern von Vätern ohne Hochschulab- läufig war (81Ž% 2007 vs. 88Ž% 2005) und –
schluss auf der anderen Seite kann ge- auch als Folge davon – die Studienanfän-
zeigt werden, dass die Bildungschancen gerquote der Kinder aus einer Akademi-
bereits beim Besuch einer weiterführen- ker-Familie deutlich geringer ist (71Ž%
den Schule für Kinder aus hochschulfer- 2007 vs. 83Ž% 2005). Für Kinder, deren El-
nen Schichten deutlich reduziert sind tern nicht studiert haben, war schon für
und sich im Verlaufe des darauf folgen- 2005 eine im Vergleich zu 2003 erhöhte
den Bildungsweges weiter verengen. Beteiligung an der Sekundarstufe II fest-
Im Jahr 2007 hatten Kinder von Aka- gestellt worden (46Ž% 2005 vs. 39Ž% 2003),
demikern im Vergleich zu Kindern, deren die danach weiter anhielt. Auch ihre Be-
104 BILDUNGSBETEILIGUNG

Bild 3.17 Bildungstrichter 2007: Schematische Darstellung sozialer Selektion –


Bildungsbeteiligung von Kindern nach Hochschulabschluss des Vaters
in %

Kinder von Akademikern Kinder von Nicht-Akademikern

100 Kinder 100 Kinder

Übergangsquote Übergangsquote
81% 45%

81 Kinder Schwelle 2 45 Kinder


Sekundarstufe II

88% Übergangsquote 53%

Schwelle 4
Hochschulzugang
71 Kinder 24 Kinder

DSW/HIS 19. Sozialerhebung

Quellen: StBA, Sonderauswertungen Mikrozensus 2003 und 2007; HIS-Studienanfängerbefragung


2007/2008, eigene Berechnungen
BILDUNGSBETEILIGUNG 105

Bild 3.18 Bildungstrichter 2005: Schematische Darstellung sozialer Selektion –


Bildungsbeteiligung von Kindern nach Hochschulabschluss des Vaters
in %

Kinder von Akademikern Kinder von Nicht-Akademikern

100 Kinder 100 Kinder

Übergangsquote Übergangsquote
88% 46%

88 Kinder Schwelle 2 46 Kinder


Sekundarstufe II

94% Übergangsquote 50%

Schwelle 4
Hochschulzugang
83 Kinder 23 Kinder

DSW/HIS 19. Sozialerhebung

Quellen: StBA, Sonderauswertungen Mikrozensus 2001 und 2005; HIS-Studienanfängerbefragung


2005, eigene Berechnungen
106 BILDUNGSBETEILIGUNG

Bild 3.19 Bildungstrichter 2003: Schematische Darstellung sozialer Selektion –


Bildungsbeteiligung von Kindern nach Hochschulabschluss des Vaters
in %

Kinder von Akademikern Kinder von Nicht-Akademikern

100 Kinder 100 Kinder

Übergangsquote Übergangsquote

87% 39%

87 Kinder Schwelle 2 39 Kinder


Sekundarstufe II

95% Übergangsquote 67%

Schwelle 4
Hochschulzugang
83 Kinder 26 Kinder

DSW/HIS 19. Sozialerhebung

Quellen: StBA, Sonderauswertungen Mikrozensus 1998 und 2003; HIS-Studienanfängerbefragung


2003, eigene Berechnungen
BILDUNGSBETEILIGUNG 107

teiligung auf der Hochschulstufe ist seit


2003 weitgehend stabil.
Im Rahmen der Berichterstattung zur
18. Sozialerhebung wurde gezeigt, dass
die Bildungsbeteiligungsquoten im Ver-
gleich mehrere Jahre zum Teil erheblich
nach oben und unten schwanken (18. So-
zialerhebung, Bild 3.26, S. 104). Sie sollten
nicht überinterpretiert, denn aufgrund
des Schätzcharakters des Ermittlungsver-
fahrens der Bildungsbeteiligungsquoten
(vgl. Anhang B) sind methodische Arte-
fakte keineswegs auszuschließen.
Der langfristige Trend belegt jedoch
eindeutig, dass die Bildungsbiographie
aus einer Mehrfachselektion besteht, in
deren Ergebnis die Chancen zum Beispiel
der Kinder von Akademikern und der von
Nicht-Akademikern zunehmend ausein-
ander driften. Die langfristige Betrach-
tung zeigt jedoch auch, dass sich die Bil-
dungschancen der Kinder aus verschiede-
nen sozialen Schichten tendenziell ange-
nähert haben – wenngleich nach wie vor
sehr starke Unterschiede bestehen.
4. Sozio-demographische Merkmale
der Studierenden
110 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

Ausgewählte Ergebnisse im Überblick

Alter der Studierenden 2009 (Mittelwert in Jahren) insges. Männer Frauen

Studierende insgesamt 24,5 24,9 24,2


Erststudium 24,1 24,5 23,8
postgraduales Studium 29,5 30,1 28,9

Familienstand und Elternschaft 2009 (Studierende in %) insges. Männer Frauen

nicht verheiratet, in fester Partnerschaft 52 48 57


nicht verheitratet, ohne feste Partnerschaft 43 48 37
verheiratet 5 4 6
Studierende mit Kind 5 4 6

Soziale Zusammensetzung der Studierenden (in %)1 2003 20062 2009

höchster schulischer Abschluss der Eltern


Hochschulreife 55 58 59
Realschule 28 28 29
Hauptschule 16 14 11
höchster beruflicher Abschluss der Eltern
3
Hochschulabschluss 46 52 51
Meister, Fachschul-, Technikerabschluss 26 20 19
Lehre, Facharbeiter 28 27 28
soziale Herkunftsgruppe
niedrig 12 13 15
mittel 27 25 26
gehoben 25 24 23
hoch 37 38 36
1
Rundungsdifferenzen möglich
2
ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen
3
ab 2006 einschließlich Ingenieurschulabschluss
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 111

Technische Hinweise
Definitionen
Familienstand Berufliche Stellung
Die Sozialerhebung erhebt Informatio- Die berufliche Stellung des Vaters bzw.
nen zum „Partnerschaftsstatus“. Mit ih- der Mutter wird nach den vier sozialver-
nen kann der Familienstand entspre- sicherungsrechtlichen Kategorien Ar-
chend der amtlichen Definition nicht beiter, Beamte, Angestellte und Selb-
vollständig abgebildet werden. Den- ständige differenziert.
noch wird der Begriff „Familienstand“
der besseren Lesbarkeit halber verwen- Soziale Herkunft
det. Unter Verwendung von Informationen
zur beruflichen Stellung der Eltern und
Soziale Zusammensetzung zu ihrem Bildungsniveau werden vier
Die soziale Zusammensetzung be- soziale Herkunftsgruppen unterschie-
schreibt, welche sozialen Gruppen zu den, die mit „hoch“, „gehoben“, „mittel“
welchen Anteilen unter den Studieren- und „niedrig“ bezeichnet werden. Im
den vertreten sind. Grundlage hierfür Anhang findet sich eine ausführliche
sind bildungs- und berufsbezogene Beschreibung, wie die sozialen Her-
Merkmale der Eltern. kunftsgruppen gebildet werden.

Höchster schulischer/
Bezugsgruppe
höchster beruflicher Abschluss
Deutsche Studierende und studierende
Im Ergebnis des Vergleichs der (höchs-
Bildungsinländer/innen
ten) schulischen bzw. beruflichen Ab-
schlüsse der Eltern wird der jeweils hö-
Datenquellen
here Abschluss zur Bestimmung des
Daten der Sozialerhebung
Herkunftsmerkmals verwendet. Liegen
(Fragen 27 bis 30, Fragen 34 bis 36
keine Angaben zu einem Elternteil vor,
und Frage 39)
basiert die Zuordnung auf den vorhan-
denen Informationen zum anderen El-
ternteil. Die Bildungsherkunft der Stu-
dierenden wird als „hochschulnah“ be-
zeichnet, wenn die Eltern über eine
Hochschulreife bzw. einen akademisch-
en Abschluss verfügen.
112 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

Vorbemerkung der Studierenden in Zusammenhang ste-


Daten zum Sozialprofil sind wichtige Hin- hen. Diese Zusammenhänge bestehen
tergrundinformationen zur besseren Ein- keineswegs ausschließlich zu Ungunsten
ordnung und Interpretation der übrigen derer, die aus einem hochschulfernen Mi-
Befunde zur sozialen und finanziellen lieu kommen.
Lage, sowie zur Studiensituation der je- Veränderungen in den Rahmenbe-
weiligen Generation Studierender. Das dingungen des Studiums können Verän-
nachfolgende Kapitel stellt deshalb Er- derungen im Sozialprofil der Studieren-
gebnisse der 19. Sozialerhebung zum Al- den zur Folge haben, wenn dadurch das
ter und Familienstand der Studierenden Studium für Studieninteressierte einzel-
ebenso dar wie Merkmale ihrer sozial- ner sozialer Gruppen attraktiver gewor-
strukturellen Herkunft. den ist bzw. schwieriger zu bewältigen ist.
Die soziale und demographische Zu- Je gravierender diese Veränderungen
sammensetzung der Studierenden ist das sind, desto deutlicher wirken sie sich un-
Ergebnis verschiedener Prozesse. Dazu ter Umständen auf die soziale Zusam-
gehören sowohl solche, die der Hoch- mensetzung der Studierenden aus.
schule zeitlich vorgelagert sind, als auch Die Einführung allgemeiner Studien-
solche, die während des Studiums statt- gebühren wie auch die mittlerweile um-
finden. Zu den zeitlich vor dem Studium fassende Umsetzung der Studienstruktur-
anzusiedelnden Prozesse gehören die reform sind als gravierende Veränderun-
Wahl des Bildungsweges, die in Kapitel 3 gen der organisatorischen und finanziel-
beschriebene sozialgruppenspezifische len Rahmenbedingungen des Studiums
Bildungsbeteiligung, Unterschiede im einzustufen.
Bildungserfolg im Sekundarbereich und Mit der 19. Sozialerhebung kann erst-
im Übergangsverhalten zum Studium sei- mals geprüft werden, ob sich diese Refor-
tens der Kinder verschiedener sozialer men auf das soziale Profil der Studieren-
Gruppen. den ausgewirkt haben und wenn ja, wor-
An der Hochschule selbst wird das So- in eventuelle Auswirkungen – im Ver-
zialprofil aller Studierenden beispielswei- gleich zu vorherigen Befragungszeit-
se beeinflusst von der Verweildauer an punkten – bestehen. Beispielsweise kann
der Hochschule bis zum erfolgreichen zum ersten Mal die Sozialstruktur der Stu-
Studienabschluss bzw. dem vorzeitigen dierenden in den neuen Studiengängen
Studienabbruch – beides Phänomene, die mit der sozialen Zusammensetzung derer
unter anderem mit der sozialen Herkunft verglichen werden, die einen traditionel-
len Studienabschluss anstreben.
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 113

Obwohl selbstverständlich das Ge- sammensetzung der Studierenden nach


schlecht zu den demographischen Merk- demographischen Merkmalen verändert
malen gehört, werden Fragen der Bil- hat.
dungsbeteiligung von Männern und
Frauen sowie die Veränderung der Zu- 4.1.1 Alter der Studierenden
sammensetzung der Studierenden nach Im Sommersemester 2009 beträgt das
Geschlecht im Zeitverlauf bzw. unter dem durchschnittliche Alter der deutschen
Einfluss von allgemeinen Studiengebüh- Studierenden und studierenden Bil-
ren und der Studienstrukturreform in Ka- dungsinländer/innen 24,5 Jahre (Bild–4.1).
pitel 2 „Hochschulzugang“ behandelt. Nach wie vor sind Frauen mit 24, 2 Jahren
etwas jünger als Männer, die im Mittel
4.1 Demographische Merk- 24,9 Jahre alt sind.
male Der Altersdurchschnitt der Studieren-
Neben dem Geschlecht (vgl. Kapitel 2) den im Erststudium liegt bei 24,1 Jahren.
kommt dem Alter der Studierenden die Damit sind sie 5,4 Jahre jünger als Studie-
größte Bedeutung für ihre Studien- und rende im postgradualen Studium, die
Lebensbedingungen zu. Auch bei Studie- durchschnittlich 29,5 Jahre alt sind.
renden stehen weitere demographische Zu den jüngsten Studierenden gehö-
Merkmale wie Familienstand und Eltern- ren solche, die ihren ersten akademi-
schaft (vgl. Kapitel 14) in engem Zusam- schen Abschluss in Form eines Bachelor
menhang mit ihrem Alter. Darüber hi- anstreben (Bild–4.1). Ebenfalls vergleichs-
naus korrelieren beispielsweise die Höhe weise jung sind Studierende, deren Stu-
und die Zusammensetzung der finanziel- dienziel ein Staatsexamen ist. Studieren-
len Ausstattung Studierender, die Zuwen- de, die im Erststudium das Diplom einer
dungen, die sie von den Eltern bzw. dem Fachhochschule oder einen Magister er-
Staat erhalten, ihre Wohnsituation oder werben wollen, gehören durchschnittlich
ihre Studienphase ebenfalls sehr hoch mit zu den Älteren.
ihrem Alter. Im Vergleich zum Sommersemester
Im Folgenden wird dargestellt, wie 2006 (18. Sozialerhebung) ist das Durch-
das demographische Profil der Studieren- schnittsalter der Studierenden um 0,4
den im Sommersemester 2009 aussieht Jahre gesunken – in postgradualen Studi-
und ob sich – im Vergleich zu vorherigen engängen stärker als im Erststudium (-0,7
Erhebungszeitpunkten – unter dem Ein- vs. -0,2 Jahre). Innerhalb des Erststudiums
fluss der Studienstrukturreform die Zu- variiert die Entwicklung des Altersdurch-
114 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

Bild+4.1 Alter der Studierenden Studiengänge, die mit einer Diplom-


arithm. Mittelwert in Jahren oder Magisterprüfung abschließen, sind
in der Regel „Auslaufmodelle“, in den kei-
Bezugsgruppe Alter ne Neuimmatrikulationen mehr stattfin-
den. Deshalb befinden sich Studierende
Studierende gesamt 24,5 dieser Studiengänge bereits in höheren
Semestern und sind entsprechend älter
männlich 24,9 als ihre derzeitigen Kommiliton/innen
weiblich 24,2 anderer Studiengänge bzw. sie sind
durchschnittlich älter als Studierende der
Erststudium gesamt 24,1
gleichen Studiengänge in den Jahren zu-
Bachelor (Lehramt) 22,9 vor. Aufgrund der geringen Anzahl an
Bachelor (o. Lehramt) 23,1 Studierenden in gestuften Studiengän-
kirchliche Prüfung 23,8 gen in der Stichprobe der 18. Sozialerhe-
Staatsexamen (o. Lehramt) 23,8 bung ist ein altersbezogener Vergleich
Staatsexamen (Lehramt) 24,0 für Immatrikulierte in Bachelor- und kon-
Master (Lehramt) 25,0 sekutiven Masterstudiengängen nicht
Diplom (U) 25,2 möglich.
Master (ohne Lehramt) 25,4 Im Vergleich zu 2006 ist das Durch-
Fachhochschuldiplom 26,1 schnittsalter der Männer stärker gesun-
Magister 26,3 ken als das der Frauen (-0,7 Jahre vs. – 0,3
Jahre). Möglicherweise wirkt sich hier
postgraduales Studium ges. 29,5
aus, dass ein zunehmend geringerer An-
teil junger Männer zum Wehr(ersatz)-
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
dienst einberufen wird. Das Durch-
schnittsalter wird darüber hinaus davon
schnitts bei den traditionellen Abschlüs-
beeinflusst, dass anteilig weniger Studi-
sen zwischen einem Anstieg bei den Dip-
enberechtigte zeitlich verzögert ein Stu-
lomstudiengängen (Fachhochschuldi-
dium aufnehmen und die Übergangszei-
plom: +0,8 Jahre, Universitätsdiplom: +1,1
ten zwischen Erwerb der Hochschulreife
Jahre, Magister: +1,3 Jahre) und der Stabi-
und Studium insgesamt kürzer geworden
lität des Durchschnittsalters für Studie-
sind.
rende, die ein Staatsexamen ablegen wol-
len.
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 115

Bild;4.2 Altersstruktur der Studierenden


in% je Geschlecht, arithm. Mittelwert in Jahren

Studierende im Erststudium
1 >=39 1
0 38 0
Frauen 0 37 0 Männer
0 36 0
ø 23,8 Jahre 0 35 0 ø 24,5 Jahre
0 34 0
0 33 0
1 32 1
1 31 1
1 30 2
2 29 3
3 28 4
4 27 6
6 26 9
9 25 12
13 24 13
14 23 14
16 22 13
14 21 12
10 20 6
3 19 1
0 <=18 0

Alter in Jahren

Studierende im postgradualen Studium

8 >=39 9
0 38 1
1 37 1
Frauen 2 36 1 Männer
2 35 2
ø 28,9 Jahre 1 34 2 ø 30,1 Jahre
2 33 2
4 32 3
4 31 6
5 30 9
8 29 9
9 28 14
15 27 14
12 26 10
11 25 10
9 24 5
5 23 2

Alter in Jahren

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


116 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

4.1.2 Familienstand der Studie- Trotz des etwas geringeren Alters-


renden durchschnitts der Studierenden im Ver-
gleich zu den Vorjahren hat sich an der
Die Studierenden sind in der Mehrzahl
Zusammensetzung nach Partnerschafts-
unverheiratet, gleichwohl aber in einer
status nichts geändert – was angesichts
festen Partnerschaft (52˜%, Bild˜4.3). Mehr
eines durchschnittlichen Erstheiratsalters
als zwei Fünftel (43˜%) hatten zum Befra-
in der Gesamtbevölkerung von älter als
gungszeitpunkt keine feste Partnerin
30 Jahren auch nicht zu erwarten gewe-
bzw. keinen festen Partner. Angesichts ih-
sen war.
res Alters verwundert es nicht, dass ledig-
Differenziert nach Geschlecht ist der
lich 5˜% aller Studierenden verheiratet
Familienstand 2009 im Vergleich zu den
sind. Der Zusammenhang insbesondere
Vorjahren ebenfalls weitgehend unver-
des Ehestandes mit dem Alter zeigt sich
ändert: Von den Frauen im Erststudium
mit Blick auf die Studierenden im post-
sind weit mehr als die Hälfte in einer fes-
gradualen Studiengängen: Von ihnen ist
ten Partnerschaft (57˜%, Bild˜4.4). Gleiches
ein Sechstel bereits verheiratet, das heißt
trifft auf Männer anteilig seltener zu (47˜%).
dreimal so viel wie im Durchschnitt.
Von den partnerschaftlich gebunde-
nen Männern haben mehr als zwei Drittel
Bild<4.3 Familienstand – Vergleich
der eine Partnerin, die noch in einer Aus-
Erst- und postgraduales
bildung ist (68˜%) und 28˜% haben eine
Studium
Partnerin, die erwerbstätig ist. Frauen
Studierende in%
hingegen haben seltener einen Partner in
52 Ausbildung (53˜%), dafür um so häufiger
einen Partner, der berufstätig ist (44˜%).
43 Die Unterschiede im Partnerschafts-
status zwischen Studentinnen und Stu-
52 54 denten bestehen tendenziell unabhängig
43
32 5 von ihrem Alter. Der Anteil an Studieren-
15 den in fester Partnerschaft ist – mit Aus-
4
nahme der ab 30-Jährigen – bei den Frau-
feste Part- ohne feste verheiratet
nerschaft Partnerschaft en aller Altersgruppen durchgängig hö-
her als bei den Männern (Bild˜4.5). Auch
Erststudium postgraduales unter Studierenden heiraten Frauen im
Studium Durchschnitt in einem jüngeren Alter als
DSW/HIS 19. Sozialerhebung Männer.
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 117

Bild=4.4 Studentinnen und Studenten nach Familienstand sowie Beschäftigungs-


status des (Ehe-)Partners bzw. der (Ehe-)Partnerin
Studierende im Erststudium, in!%

Familienstand Beschäftigungsstatus
des (Ehe-)Partners/der (Ehe-)Partnerin
Männer
4 nicht erwerbstätig
28
4 erwerbstätig
ledig, ohne
feste Partner-
beziehung 49 47
68 in Ausbildung
nicht verheiratet,
feste Partner-
beziehung

Frauen
nicht erwerbstätig
ledig, ohne 5 44 erwerbstätig
feste Partner-
beziehung 38

57 nicht verheiratet, 53 in Ausbildung


feste Partner-
beziehung

DSW/HIS 19. Sozialerhebung

Im Sommersemester 2009 hatten 5›% wiederum haben anteilig mehr Studen-


der Studierenden mindestens ein Kind, tinnen ein Kind als Studenten (15›% vs.
Frauen mit 6›% anteilig etwas häufiger als 12›%).
Männer (4›%, Bild›4.6). In postgradualen Im Vergleich zum Sommersemester
Studiengängen ist der Anteil an Studie- 2006 ist der Anteil an Studierenden mit
renden mit Kind erwartungsgemäß hö- Kind um zwei Prozentpunkte gesunken
her als im Erststudium (13›% vs. 5›%) und (2006: 7›%). Dieser Rückgang ist vor allem
118 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

Bild64.5 Familienstand nach Altersgruppen und Geschlecht


Studierende im Erststudium, in"%

nicht verheiratet
in fester Partnerschaft ohne feste Partnerschaft
58 58
54 51 54
45 45
40 39 38
36 35
61 62 64
53 46 54 61 56 55 48 47 53
37 41 37 44 40 42 39
36 34 29 31 29

<=21 22-23 24-25 26-27 28-29 >=30 <=21 22-23 24-25 26-27 28-29 >=30

verheiratet
26 weiblich
11 34
1 3 6 männlich
0 20
10 14
4 10
2 1 2 4 gesamt
<=21 22-23 24-25 26-27 28-29 >=30
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

Bild64.6 Studierende mit Kind Vergleich zu 2006 geringere Durch-


in"% schnittsalter der Studierenden in diesen
Studiengängen aus. Der Zusammenhang
Merkmale ges. männl. weibl. zwischen Alter und Elternstatus wird in
Kapitel 14 dargestellt, das sich ausführlich
Insgesamt 5 4 6
mit den Befunden zum Studium mit Kind
Erststudium 5 4 5 beschäftigt.
postgraduales
13 12 15
Studium 4.2 Soziale Herkunft
DSW/HIS 19. Sozialerhebung Mit der sozialen Herkunft in Zusammen-
hang stehen nicht nur – wie zuvor in Kapi-
darauf zurückzuführen, dass der Anteil tel 3 gezeigt – Bildungsbeteiligung und
an Studierenden mit Kind im postgradua- Bildungserfolg junger Menschen, son-
les Studium um sieben Prozentpunkte ge- dern ebenso zahlreiche Rahmenbedin-
sunken ist (2006: 20:% Studierende mit gungen des Studiums (z. B. Unterstütz-
Kind). Hier wirkt sich in erster Linie das im ungspotential des Elternhauses, An-
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 119

spruch auf staatliche Förderung, Notwen- 4,4‘% beträgt (vgl. Heine et al. 2008, S.
digkeit zur Selbstfinanzierung). Die Sozi- 15‘ff.). Die Abschreckungswirkung korre-
alerhebung erfasst die soziale Herkunft liert mit der sozialen Herkunft der Studi-
der Studierenden anhand von bildungs- enberechtigten: Je hochschulferner die
bezogenen und beruflichen Merkmalen Bildung der Eltern ist, desto mehr lassen
ihrer Eltern. sich in ihrem Vorhaben verunsichern, ein
Mit der Einführung gestufter Studien- Studium aufzunehmen. Von den Studien-
gänge war die Erwartung verbunden, berechtigten, deren Eltern ein Universi-
dass es – z. B. aufgrund kürzerer Studien- tätsstudium abgeschlossen haben, ver-
zeiten und einer größeren Transparenz zichten aufgrund von Studiengebühren
der Studienorganisation durch Modulari- maximal 3‘% auf ein Studium. Im Ver-
sierung und studienbegleitende Prüfun- gleich dazu entscheiden sich maximal 6‘%
gen – zunehmend besser gelingt, Studien- der Studienberechtigten, deren Eltern als
interessierte aus hochschulfernen Schich- höchsten Abschluss eine Lehre absolviert
ten für ein Studium zu gewinnen. Mit der haben, aus gleichem Grund gegen ein
vorliegenden Sozialerhebung kann erst- Studium.
mals geprüft werden, inwiefern sich diese Mit den Befunden der Sozialerhebung
Erwartung bisher erfüllt hat. kann die These von der abschreckenden
Ein fester Bestandteil der Argumenta- Wirkung von Studiengebühren nicht di-
tion gegen die Erhebung allgemeiner rekt geprüft werden, weil in die Befra-
Studiengebühren ist die Befürchtung, gung nur diejenigen einbezogen sind, die
dass die zusätzliche finanzielle Belastung tatsächlich ein Studium aufgenommen
abschreckend wirken könnte. Vor allem haben. Eine indirekte Überprüfung ist je-
Studienberechtigte aus hochschulfernen, doch möglich zum einen anhand eines
einkommensschwächeren Schichten wä- Vergleichs des Sozialprofils der Studie-
ren nicht in der Lage, diese Last zu tragen renden in den neuen Studiengängen mit
und ließen sich dadurch in erhöhtem denen in traditionellen Studiengängen
Maße von einer Studienaufnahme ab- ein und desselben Befragungszeitraums,
schrecken. und zum anderen anhand möglicher Ver-
Eine Befragung unter Studienberech- änderung der sozialen Zusammenset-
tigten ergab, dass der Anteil derer, die zung im Zeitverlauf. Weiter hinten wird
sich durch die Einführung allgemeiner die soziale Zusammensetzung der Studie-
Studiengebühren von der Aufnahme ei- renden im Vergleich nach Region bzw.
nes Studiums abschrecken lassen, zwi- (Gebühren)Land dargestellt (Bild 4.21 und
schen mindestens 1,4‘% und maximal Bild 4.22).
120 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

Die Bildungsherkunft der Studieren- dass für mehr als 99›% der befragten Stu-
den lässt sich bestimmen auf der Grund- dierenden Informationen zur sozialen
lage von Informationen zu den höchsten Herkunft vorliegen.
schulischen und beruflichen Abschlüssen
ihrer Eltern. Der überwiegende Teil der 4.2.1 Schulabschluss der Eltern
Befragten hat dazu Angaben gemacht. Gemessen am höchsten allgemein bilden-
Darüber hinaus liegen von etwa 95›% der den Schulabschluss kommt mehr als jeder
Studierenden Informationen zur berufli- zweite Studierende aus einem Eltern-
chen Stellung ihrer Eltern vor. Durch die haus, in dem Vater und Mutter das glei-
Kombination von Merkmalen zu den Bil- che Bildungsniveau haben (55›%, Bild›4.7).
dungsabschlüssen und zur beruflichen In nahezu einem Drittel der Herkunftsfa-
Stellung beider Elternteile für die Bildung milien verfügen beide Eltern über eine
des statistischen Konstrukts „soziale Her- Hochschulreife (31›%). Im Vergleich der
kunftsgruppen“ (vgl. Methodische An- schulischen Abschlüsse von Vater und
merkungen im Anhang) werden un- Mutter zeigt sich, dass 23›% der Väter ei-
vollständige Angaben ausgeglichen, so nen höheren Schulabschluss haben als

Bild<4.7 Vergleich des Niveaus der schulischen Abschlüsse der Eltern von
Studierenden
in#%

darunter beide Eltern mit:

2
19
31 Hochschulreife
55
23
15 Realschule, mittlere Reife
9 Hauptschule
{

78
Abschlüsse beider Eltern gleich hoch
Abschluss des Vaters höher
Abschluss der Mutter höher
Abschlüsse beider Eltern unbekannt/beide ohne
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 121

ihre Partnerin. Dagegen sind 19˜% der Wird die schulische Bildung der El-
Mütter schulisch höher gebildet als ihr tern zusammengefasst indem der jeweils
Partner. höchste Abschluss als Zuordnungsmerk-
Würde die schulische Bildungsher- mal dient, dann zeigt sich, dass nahezu
kunft ausschließlich auf der Grundlage sechs von zehn Studierenden (59˜%,
des Abschlusses vom Vater zu bestimmen Bild˜4.8) aus einem Elternhaus stammen,
sein – wie das im Rahmen der Schätzung in dem das Abitur der höchste allgemein
der sozialgruppenspezifischen Bildungs- bildende Schulabschluss ist. Fast drei von
beteiligung aus methodischen Gründen zehn Studierenden (29˜%) haben Eltern,
(noch) erfolgt (vgl. Kapitel 3) , dann wür- die einen mittleren schulischen Ab-
de die Zuordnung nach höchstem Schul- schluss haben. Etwas mehr als ein Zehntel
abschluss der Eltern für 78˜% der Studie- kommt aus einer Familie, in der die Eltern
renden richtig vorgenommen, weil der maximal über einen Volks- oder Haupt-
Vater über den höheren Abschluss verfügt. schulabschluss verfügen.

Bild>4.8 Höchster Schulabschluss der Eltern von Studierenden 1985-20091


in$% 2

36 39 43 44 47 52 55 58 59 Schulabschluss
Abitur, Fachabitur
27 28
29 27 27 Realschule
27
28 28 Hauptschule
29
37 33 keinen Abschluss
29 28 25 20 16 14 11
1 1 1 1 1 1
1 3
1985 1988 1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
ab 1991 einschließlich neue Länder
2
Rundungsdifferenzen möglich
3
ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen
122 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

Im Vergleich zu 2006 hat sich noch- Traditionell unterschiedlich ist die


mals der Anteil derer erhöht, deren Eltern soziale Zusammensetzung der Studieren-
eine hohe und mittlere schulische Bil- den im Erststudium im Vergleich zu
dung absolviert haben zu Ungunsten des denjenigen in postgradualen Studien-
Anteils an Studierenden, deren Eltern die gängen (Bild 4.9): Im Vergleich zum Erst-
Hauptschule besuchten. studium sind in einem Zweit-, Weiterbil-
Mindestens zwei Prozesse tragen zur dungs-, Ergänzungs- oder Promotions-
Erklärung dieses Trends bei: Er ist zum ei- studium anteilig mehr Studierende im-
nen maßgeblich das Ergebnis des seit den matrikuliert, die aus einem hochschul-
1950er Jahren stetig steigenden Bildungs- nahen Elternhaus kommen.
niveaus der Gesamtbevölkerung. Zum an- Auch beschränkt auf das Erststudium
deren wirken sich soziale Selektionspro- zeigt sich, dass das Sozialprofil an den
zesse im Bildungsverlauf unvermindert Universitäten deutlich stärker als an
aus (vgl. Kapitel 3) und tragen somit dazu Fachhochschulen von Studierenden ge-
bei, dass die Bildungschancen für Kinder prägt wird, die aus einer hoch gebildeten
aus verschiedenen sozialen Gruppen un- Herkunftsfamilie stammen. Der Befund,
gleich sind. dass die Eltern fast jedes zweiten Studie-

Bild 4.9 Höchster Schulabschluss der Eltern von Studierenden nach Geschlecht,
Nationalität, Hochschulart und Region
in %

Studienart nur Erststudium


Hochschulart Region Geschlecht
Schulabschluss

59 Abitur, Fachabitur
59 59
59 63 63 49 61 Realschule
Hauptschule
35
30 24 27 28 29 30 keinen Abschluss
36
13 15 12 11 10
11 9 3
Erst- postgr. Uni FH alte neue m. w.
Studium Länder

DWS/HIS 19. Sozialerhebung


SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 123

renden an Fachhochschulen keine Hoch- Innerhalb des Erststudium haben –


schulreife erworben hat (Bild 4.9), bestä- wie in den Jahren zuvor – auch im Som-
tigt erneut ihre Rolle als Hochschule für mersemester 2009 Männer und Frauen -
Bildungsaufsteiger/innen. eine übereinstimmende Bildungsher-
Nach wie vor bestehen Unterschiede kunft (BildŽ4.9).
im Hochschulzugang zwischen den Regi- Die Befunde zum elterlichen Schulab-
onen: Von den Studierenden in den neu- schluss sprechen insgesamt eher nicht da-
en Ländern haben mehr als ein Drittel für, dass es bislang gelungen ist, mit den
(36Ž%, BildŽ4.9) Eltern, von denen mindes- neuen Studiengängen Studieninteressier-
tens einer einen mittleren Schulabschluss ten aus hochschulfernen Schichten stär-
erworben hat. Eltern mit Hauptschulab- ker als bisher den Weg an die Hochschule
schluss sind hier eher die Ausnahme (3Ž%). zu ebnen.
In den alten Ländern hingegen haben
12Ž% der Eltern maximal eine Hauptschule 4.2.2 Berufliche Bildung der
besucht. Ein mittlerer Schulabschluss ist Eltern
hier seltener als in den neuen Ländern Die Bildungshomogenität der Herkunfts-
(28Ž%). Diese Unterschiede hängen vor al- familie Studierender ist in Bezug auf den
lem damit zusammen, dass in der DDR höchsten beruflichen Abschluss etwas ge-
der Abschluss der zehnklassigen allge- ringer ausgeprägt. Dennoch hat fast jeder
mein bildenden Polytechnischen Ober- zweite Studierende (49Ž%, BildŽ4.10) Eltern
schule (POS) der Regelabschluss war und mit gleichem beruflichen Bildungsni-
es keine Entsprechung zur Hauptschule veau. Unter ihnen sind 24Ž% Herkunftsfa-
gab. Darüber hinaus ist die Bildungsteil- milien, in denen beide Eltern einen Hoch-
habe in den neuen Ländern seit Jahren schulabschluss erworben haben, 22Ž%
stärker sozial selektiv als in den alten Län- können als Arbeiterfamilie charakteri-
dern (vgl. Kapitel 3). siert werden.
Hinzu kommt, dass Studierende aus Der Niveauvergleich der elterlichen
höheren Schichten räumlich häufiger mo- Abschlüsse zeigt, dass in Bezug auf die be-
bil sind als solche aus einem hochschulfer- rufliche Bildung der Bildungsvorsprung
nen Elternhaus (vgl. BildŽ4.26). Statistisch des Vaters gegenüber der Mutter größer
wirkt sich das bei einer West-Ost-Wande- ist als in Bezug auf den schulischen Ab-
rung aufgrund der deutlich geringeren schluss: Väter verfügen häufiger über ei-
Anzahl an Studierenden in den neuen nen höheren berufsqualifizierenden Ab-
Ländern stärker aus als bei Wanderungen schluss als ihre Partnerin (35Ž%, BildŽ4.10).
in die umgekehrte Richtung.
124 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

Bild<4.10 Vergleich des Niveaus der beruflichen Abschlüsse der Eltern von Stu-
dierenden
in#%

darunter beide Eltern mit:


3
12
24 Hochschulabschluss
49
35 3 Meister, Fachschul-,
Technikerabschluss
22
Lehre, Facharbeiterabschluss
{

84

Abschlüsse beider Eltern gleich hoch


Abschluss des Vaters höher
Abschluss der Mutter höher
Abschlüsse beider Eltern unbekannt/ beide ohne
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

Wenn nur Informationen zum beruf- In 28“% der Herkunftsfamilien ist der Ab-
lichen Bildungsabschluss des Vaters vor- schluss einer Lehre die höchste berufliche
lägen, würde die Bildungsherkunft der Qualifikation. In fast jedem fünften El-
Studierenden nach höchstem berufsqua- ternhaus (19“%) haben Vater und / oder
lifizierenden Abschluss im Elternhaus in Mutter eine Meisterprüfung absolviert
84“% der Fälle richtig bestimmt werden, oder einen Fachschul- bzw. Technikerab-
weil der Vater gleich hoch oder höher schluss erworben.
qualifiziert im Vergleich zur Mutter. Der Eindruck von Stabilität über die
Gemessen an der beruflichen Bildung Zeit wiederholt sich, wenn die soziale Zu-
ihrer Eltern blieb das soziale Profil der sammensetzung nach verschiedenen
Studierenden im Sommersemester 2009 Merkmalen differenziert wird: Auch in
im Vergleich zu dem drei Jahre zuvor Bezug auf die berufliche Bildung sind die
weitgehend unverändert (Bild 4.11): Mehr Eltern der Studierenden in postgradualen
als jeder zweite Studierende (51“%) kommt Studiengängen etwas höher qualifiziert
aus einer Familie, in der mindestes ein El- als die der Studierenden im Erststudium
ternteil ein Studium abgeschlossen hat. (Bild 4.11).
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 125

Bild>4.11 Höchster beruflicher Abschluss der Eltern von Studierenden 1985 - 20091
in(% 2

36 39 37 36 39 44 46 51 51 beruflicher Abschluss

Hochschulabschluss3
18
19 29
30 28
26 25 Meister, Fachschul-,
20 19
Technikerabschluss
42 40 Lehre/Fach-
31 33 31 28 28 27 28 arbeiterabschluss
4 2 2 2 2 2 1 2 2 keine Berufsaus-
bildung
1985 1988 1991 1994 1997 2000 2003 20064 2009

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
ab 1991 einschließlich neue Länder
2
Rundungsdifferenzen möglich
3
1985 und 1988 einschließlich Ingenieurschule und Handelsakademie (Vorläufer der Fachhochschulen)
4
ab 2006 einschließlich studierende Bildungsinländer/innen

Das berufsbezogene Bildungsprofil der Eltern. Daran hat sich offenbar auch
der Eltern von Studierenden blieb sowohl im Zeitraum seit der letzten Erhebung
an Universitäten als auch an Fachhoch- 2006 nichts geändert.
schulen ohne gravierende Veränderung Männer und Frauen kommen unver-
im Vergleich zum Jahr 2006, ebenso wie ändert zu nahezu übereinstimmenden
die diesbezüglichen Unterschiede zwi- Anteilen aus den jeweiligen Bildungsmi-
schen den beiden Hochschularten. Erwar- lieus (Bild•4.12).
tungsgemäß sind die Eltern der Studie- Die Entwicklung des Sozialprofils der
renden an Universitäten auch beruflich Studierenden anhand der Merkmale
höher qualifiziert als die der Studieren- schulische und berufliche Bildung der El-
den an Fachhochschulen. tern ist ein Indiz dafür, dass der seit Jah-
Die stärkere soziale Selektivität beim ren zu beobachtende Trend eines wach-
Hochschulzugang in den neuen Ländern senden Anteils an Studierenden aus hoch
im Vergleich zu den alten Ländern bestä- gebildetem Elternhaus seit 2006 gestoppt
tigt sich anhand der beruflichen Bildung zu sein scheint.
126 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

Bild<4.12 Höchster beruflicher Abschluss der Eltern von Studierenden nach Ge-
schlecht, Studienart, Hochschulart und Region
in&%

Studienart nur Erststudium


höchster beruflicher
Hochschulart Region Geschlecht
Abschluss der Eltern
Hochschulabschluss
40
51 58 56 49 58 51 51
Meister, Fachschul-,
Technikerabschluss
23
19 20 19 19 Lehre/Fach-
18 17 16
arbeiterabschluss
28 35 29 28 29
22 26 26 keine Berufsaus-
2 2 1 2 1 0 2 2 bildung
Erst- postgr. Uni FH alte neue m w
Studium Länder Länder
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

4.2.3 Berufliche Stellung der Da die erfassten Kategorien der beruf-


Eltern liche Stellung nicht hierarchisch zu ord-
nen sind, können die Informationen zu
Die berufliche Stellung der Eltern wird –
den Eltern der Studierenden nicht zusam-
in Anlehnung an die demographischen
mengefasst werden. Deshalb werden die
Standards – anhand der vier (ehemals) so-
Befunde für Vater und Mutter getrennt
zialversicherungsrechtlichen Kategorien
ausgewiesen.
Arbeiter, Angestellte, Beamte, Selbständi- Die Mütter der Studierenden insge-
ge/Freiberufler ermittelt. Unterhalb die- samt sind am häufigsten als Angestellte
ser Kategorien wird weiter differenziert tätig (62•%, Bild 4.13) – und das zumeist in
nach unterschiedlichen Qualifikationsan- mittlerer Position (34•%). Die übrigen drei
forderungen bzw. Einkommen.1 Kategorien beruflicher Stellung sind na-
1 hezu gleich häufig vertreten (jeweils 11•%
Trotz der Unterstützung mit Beispielen ist die
Unsicherheit der Studierenden darüber, wel- bzw. 12•%). Im Vergleich nach Hoch-
cher Status genau auf ihre Eltern zutrifft, ver- schulart fällt auf, dass die Mütter der Stu-
gleichsweise hoch. Studierende wissen bei-
spielsweise, dass ihr Vater oder ihre Mutter Leh- dierenden an Fachhochschulen häufiger
rer/in ist, aber sie wissen häufig nicht sicher, ob als Arbeiterinnen tätig sind (17•% vs. 10•%),
die Eltern diesen Beruf im Angestelltenverhält-
nis oder als Beamte ausüben. während die Mütter der Immatrikulier-
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 127

ten an Universitäten häufiger verbeamtet schulen häufiger als ihre Kommilitonen


sind (131% vs. 71%). Diese Unterschiede bes- an den Universitäten (271% vs. 181%). Die
tehen auch mit Blick auf die Väter: Insge- Väter der letztgenannten sind häufiger
samt hat ein Fünftel einen Arbeiter zum verbeamtet als die der Studierenden an
Vater (201%), Studierende an Fachhoch- Fachhochschulen (181% vs. 121%).

Bild 4.13 Berufliche Stellung der Eltern von Studierenden


in %
Mutter Vater
Berufliche Stellung
Uni FH ges. Uni FH ges.

Meister/in, Polier/in 0 0 0 3 4 3
Facharbeiter/in 3 6 4 10 16 11
un-, angelernt 7 11 8 5 7 6
Arbeiter/innen gesamt 10 17 12 18 27 20

leitende Angestellte 2 1 2 7 6 7
Angestellte, gehobene Position 11 8 10 19 16 18
Angestellte, mittlere Position 35 34 34 13 14 13
Angestellte, ausführende Tätigk. 15 19 16 4 5 5
Angestellte gesamt 62 62 62 43 40 43

Beamte, höherer Dienst 8 3 6 10 4 8


Beamte, gehobener Dienst 4 2 3 6 5 6
Beamte, mittlerer Dienst 2 2 2 2 3 3
Beamte gesamt 13 7 12 18 12 16

Selbst./Freiber. m. hohem Einkomm. 1 0 1 3 2 3


Selbst./Freiber. m. mittl. Einkomm. 4 3 3 7 6 7
Selbst./Freiber. m. geringem Eink. 7 7 7 10 12 11
Selbständ./freiberufl. Tätige ges. 12 11 11 21 20 20

nie berufstätig gewesen 2 3 3 0 0 0

gesamt 100 100 100 100 100 100


DSW/HIS 19. Sozialerhebung
128 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

Wenngleich nicht ganz so häufig wie strukt hat die vier Ausprägungen „nied-
unter den Müttern, ist auch bei den Vä- rig“, „mittel“, „gehoben“ und „hoch“.
tern die häufigste Stellung im Beruf die Eine Übersicht im Anhang B „Methodi-
eines Angestellten (43‘%). Darüber hinaus sche Anmerkungen“ veranschaulicht,
sind Väter im Vergleich zu den Müttern welche Merkmalskombination zu den
fast doppelt so häufig selbständig oder vier Gruppen gehört, mit denen vertikale
freiberuflich tätig (20‘%). Die Unterschie- Ungleichheiten zwischen den Studieren-
de nach Hochschulart sind hierbei nur den abgebildet werden. Die Zusammen-
geringfügig. fassung der eng assoziierten Merkmale
Auch im Erststudium ist die Zusam- ermöglicht eine konzentrierte Überprü-
mensetzung der Studierenden nach be- fung der Bedeutung der sozialen Her-
ruflicher Stellung ihrer Eltern ganz ähn- kunft für zahlreichen Themen und Frage-
lich dem in Bild 4.13 für alle Studierenden stellungen der vorliegenden Studie.
gezeigten Profil. Die Prüfung der These, Mehr als ein Drittel der Studierenden des
ob sich anhand des Merkmals Stellung im Sommersemesters 2009 kommt aus der
Beruf zeigen lässt, dass Studierende, die Herkunftsgruppe „hoch“ (36‘%, Bild‘4.14).
einen Bachelor anstreben, einen anderen Jeweils etwa ein Viertel hat ein Eltern-
sozialen Hintergrund haben als solche in haus, das der Herkunftsgruppe „geho-
traditionellen Diplom-Studiengängen, er- ben“ (23‘%) bzw. „mittel“ (26‘%) zugeord-
gibt keine signifikanten Unterschiede. net wurde und 15‘% der Studierenden ge-
Insgesamt erweist sich die soziale Zu- hören der Herkunftsgruppe „niedrig“ an.
sammensetzung der Studierenden an- Gegenüber dem Sommersemester 2006
hand der elterlichen Stellung im Beruf als hat sich diese Zusammensetzung nur ge-
im Zeitverlauf sehr stabil: Im Vergleich zu ringfügig verändert – und wenn, dann
2006 hat sich hierbei nahezu nichts ge- am deutlichsten bei den Extremgruppen:
ändert. Der Anteil Studierender aus der Her-
kunftsgruppe „hoch“ liegt im Jahr 2009
4.2.4 Gruppen sozialer Herkunft um zwei Prozentpunkte unter dem von
Im Rahmen der Sozialerhebung werden 2006, während der Anteil an Studieren-
traditionell mittels der drei oben darge- den aus der Gruppe „niedrig“ um genau
stellten Merkmale der Eltern (höchster diesen Betrag gestiegen ist.
schulischer Abschluss, höchster berufli- Die Verschiebung um einen Prozent-
cher Abschluss und Stellung im Beruf) die punkt in den beiden mittleren Gruppen
so genannten „sozialen Herkunftsgrup- erfolgte ebenfalls zu Gunsten der Her-
pen“ gebildet. Dieses statistische Kon- kunftsgruppe „mittel“.
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 129

Bild 4.14 Entwicklung der sozialen Zusammensetzung der Studierenden nach


Herkunftsgruppen 1982 - 20091
in*% 2, 3

17 22 23 26 27 31 33 37 38 36
26 soziale Herkunft
26 26
31 31 27 26 24 24 23 hoch
34 32 gehoben
33
28 28 29 28 27 25 26 mittel
niedrig
23 21 18 15 14 14 13 12 13 15

1982 1985 1988 1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
ab 1991 einschließlich neue Länder
2
Rundungsdifferenzen möglich
3
ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen

Die für alle Studierenden dargestellte


Bild 4.15 Soziale Herkunftsgruppen
Entwicklung zeigt sich in übereinstim-
2000 - 2009
mender Weise auch dann, wenn nur Stu-
Studierende im Erststudium, in % 1, 2
dierende im Erststudium betrachtet wer-
den (Bild 4.15). Die Veränderungen im So-
zialprofil betreffen die beiden Extrem- 33 37 37 35 soziale Herkunft
gruppen „hoch“ und „niedrig“: Zwischen
26 24 hoch
2006 und 2009 verringerte sich der Anteil 24 24
gehoben
an Studierenden der Herkunftsgruppe
28 27 26 26 mittel
„hoch“ um zwei Prozentpunkte zuguns-
ten eines entsprechend größeren Anteil 13 12 13 15 niedrig
an solchen der Herkunftsgruppe „nied- ´00 ´03 ´06 ´09
rig“.
Damit hat sich der seit 1982 im Rah- DWS/HIS 19. Sozialerhebung
men der Sozialerhebung beobachtete 1
Rundungsdifferenzen möglich
2
ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen
130 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

Trend einer immer stärkeren Präsenz von gehören nach wie vor anteilig weniger
Studierenden aus höheren sozialen Studierende den Herkunftsgruppen „ge-
Schichten nicht weiter fortgesetzt. Diese hoben“, „mittel“ und „niedrig“ an, als das
Veränderungen sind jedoch zu geringfü- zu Beginn der 1980er Jahre der Fall war.
gig, als dass hieraus bereits eine Bestäti-
gung für die These abzulesen wäre, dass Soziale Herkunft und Hoch-
in der Folge der Studienstrukturreform schulart
anteilig mehr Studieninteressierte hoch-
Das soziale Profil der Studierenden an
schulferner Herkunft an die Hochschulen
den Universitäten unterscheidet sich tra-
gelangen.
ditionell von dem an Fachhochschulen.
Bild 4.16 veranschaulicht mit den in
An Universitäten kommen anteilig die
Bild 4.14. gezeigten Daten anhand einer
meisten Studierenden aus der Herkunfts-
index-bezogenen Darstellung, dass im
gruppe „hoch“ (41‘% vs. 25‘%, Bild 4.17).
Vergleich zu 1982 (=100) im Sommerse-
Die Fachhochschulen bestätigen ih-
mester 2009 anteilig doppelt so viele Stu-
ren Ruf als Bildungsinstitutionen, die vor
dierende der Herkunftsgruppe „hoch“
allem für Studieninteressierte aus hoch-
eingeschrieben sind. Im Gegensatz dazu
schulfernen Schichten attraktiv sind: Hier

Bild 4.16 Entwicklung der sozialen Zusammensetzung der Studierenden nach


Herkunftsgruppen 1982 - 20091
Index (1982 = 100)

220 soziale
200 207
180 Herkunftsgruppe
160
140 hoch
120
Index

100 gehoben
89
80 77 mittel
60 66
40 niedrig
20
0
2
´82 ´85 ´88 ´91 ´94 ´97 ´00 ´03 ´06 ´09

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
ab 1991 einschließlich neue Länder
2
ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 131

Bild 4.17 Studierende je Hochschulart nach sozialer Herkunft 1991 - 2009


in+% 1

Fachhochschule Universität
13 14 19 21 27 25 25 29 32 36 38 40 42 41
30 31 26 27 26 25
25
31 31 27 26 24 23
23
34 34 35 34 32 30 30
27 26 26 25 25 24 24
23 21 20 17 17 19 20 13 11 11 11 10 11 13
2 2
´91 ´94 ´97 ´00 ´03 ´06 ´09 ´91 ´94 ´97 ´00 ´03 ´06 ´09

soziale Herkunftsgruppe
niedrig mittel gehoben hoch

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
Rundungsdifferenzen möglich
2
ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen

ist eine vergleichsweise ausgewogene so- Sommersemester 2009 anteilig etwas


ziale Zusammensetzung anzutreffen: mehr Studierende aus der Herkunfts-
Drei von zehn Studierenden kommen aus gruppe „niedrig“ (+2 Prozentpunkte) und
der Herkunftsgruppe „mittel“ (30•%) und prozentual etwas weniger Studierende
zwei von zehn haben eine Herkunftsfami- der Herkunftsgruppe „hoch“ (-1 Prozent-
lie, die der Gruppe „niedrig“ (20•%) zuge- punkt).
ordnet wurde.
Im Vergleich zu drei Jahren zuvor hat Soziale Herkunft und Art des
sich das Sozialprofil an den Fachhoch- Studiums
schulen kaum verändert. Die oben be- Eine nach Art des Studiums differenzierte
schriebene Verschiebung der Anteile der Betrachtung der sozialen Zusammenset-
beiden Extremgruppen fand offenbar zung verdeutlicht, dass beim Zugang zu
vorrangig an den Universitäten statt: Hier postgradualen Studiengängen weitere,
gibt es im Vergleich zum Jahr 2006 im sozial selektiv wirkende Prozesse stattfin-
132 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

den. In postgradualen Studiengängen be- Soziale Herkunft und Studien-


finden sich im Vergleich zum Erststudi-
gang
um anteilig mehr Studierende, die der
Innerhalb von Erst- und postgradualem
Herkunftsgruppe „hoch“ angehören
Studium bestehen zum Teil große Unter-
(39“% vs. 35“%, Bild 4.18) und etwas weni-
schiede in der sozialen Zusammenset-
ger, die zur Herkunftsgruppe „niedrig“
zung der Studierenden je nach angestreb-
zugeordnet wurden (12“% vs. 15“%).
tem Abschluss.
Besonders deutlich wird dieser Trend
Traditionell vergleichsweise große
angesichts des Sozialprofils der Studie-
Anteile an Studierenden der Herkunfts-
renden im Promotionsstudium: Von ih-
gruppe „hoch“ weisen Studiengänge auf,
nen kommt mehr als jeder Zweite (54“%)
die mit einem Staatsexamen (nicht Lehr-
aus der Herkunftsgruppe „hoch“ und we-
amt) abschließen (52“%, Bild 4.19). Unter
niger als ein Zehntel (9“%) gehört der Her-
ihnen sind es insbesondere angehende
kunftsgruppe „niedrig“ an.
Mediziner/innen, die überdurchschnitt-
lich häufig aus dieser Herkunftsgruppe
kommen (60“%, siehe auch Bild 4.21) und

Bild 4.18 Soziale Herkunft der Studierenden nach Studienart


in!%

35 39
soziale
54
Herkunftsgruppe

24 22 hoch
gehoben
20
26 27
mittel
17 niedrig
15 12 9

Erststudium postgraduales
1 Promotions-
(ohne konsek. Master) Studium studium

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
inkl. konsekutive Masterstudiengänge, ohne Promotionsstudium
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 133

vergleichsweise selten Studierende der Herkunftsgruppe „niedrig“ (10•%, Bild


Rechtswissenschaften (43•%). 4.19). Der Vergleich von Studierenden im
Die Befunde zu den gestuften Studi- Bachelor-Studium zwischen den Hoch-
engängen gehen in verschiedene Rich- schularten verdeutlicht hochschulartty-
tungen: Das Sozialprofil der Studierenden pische Unterschiede.
in Bachelor-Studiengängen an den Uni- Dass es so etwas wie ein „hoch-
versitäten (Bild 4.19) weicht nicht wesent- schulartspezifisches“ Sozialprofil gibt,
lich von der durchschnittlichen Zusam- wird auch deutlich anhand einer Gegen-
mensetzung im Erststudium ab (vgl. Bild überstellung der Studierenden, die an ei-
4.17). Studierende, die in einem konseku- ner Fachhochschule einen Bachelor-Ab-
tiven Masterstudiengang immatrikuliert schluss anstreben mit denjenigen, die ein
sind, kommen zu einem vergleichsweise Fachhochschul-Diplom erwerben wollen.
großen Anteil aus der Herkunftsgruppe Zwischen beiden gibt es keine nennens-
„hoch“ (46•%) und relativ selten aus der werten Unterschiede im Sozialprofil.

Bild 4.19 Soziale Zusammensetzung der Studierenden nach Art des Studiums und
Abschlussart1
in&% je Abschlussart

Erststudium postgrad. Studium


an Universitäten

34 25 24
46 39 37 36 44 41
52 54
25 23
24 23 24
19 24 15 24
20 30 32 20
24 26 26 27 29
17 25 17 27
10 13 13 15 15 20 21 12
11 9 9
Staats- kons. Dipl. BA (Uni) Staats- Mag. BA Dipl. Promo- Dipl./ Master
ex. MA (Uni) (Uni) ex. (FH) (FH) tion Mag.
(LA) (Uni)

soziale Herkunftsgruppe
niedrig mittel gehoben hoch

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
ausgewählte Abschlussarten
134 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

In Diplomstudiengängen an Fach- Statistik fasst zum Teil Fächer zusammen,


hochschulen findet sich im Vergleich al- die von Studieninteressierten der einzel-
ler Abschlussarten der höchste Anteil an nen Sozialgruppen unterschiedlich stark
Studierenden der Herkunftsgruppe bevorzugt werden. Ein anschauliches Bei-
„niedrig" (21‘%) und gleichzeitig der ge- spiel hierfür ist die Fächergruppe Medi-
ringste Prozentsatz an solchen der Her- zin, Gesundheitswissenschaften.
kunftsgruppe „hoch“ (24‘%). Innerhalb dieser Fächergruppe kom-
Für das postgraduale Studium zeigt men Immatrikulierte, die im Erststudium
sich auch anhand der Gruppen sozialer Zahnmedizin studieren, zu 62‘% aus der
Herkunft, dass Studierende im Promoti- Herkunftsgruppe „hoch“, während glei-
onsstudium überdurchschnittlich häufig ches lediglich auf 30‘% derjenigen zutrifft,
aus der Herkunftsgruppe „hoch“ stam- die ein gesundheitswissenschaftliches
men (54‘%, Bild 4.19). Studierende im Studium absolvieren.
Zweitstudium, die ein Diplom oder einen Ein ähnliches Beispiel stellt die Fä-
Magister erwerben wollen, gehören häu- chergruppe Sozialwissenschaften, Sozial-
figer als andere Postgraduierte den Her- wesen, Pädagogik, Psychologie dar.
kunftsgruppen „niedrig“ und „mittel“ an. Während von den Studierenden, die Sozi-
alwesen oder Sozialpädagogik studieren,
Fächergruppen 23‘% zur Herkunftsgruppe „niedrig“ ge-
Auch innerhalb von Universität und Fach- hören, trifft gleiches nur auf 11‘% derjeni-
hochschule zeigt sich eine sozialgruppen- gen zu, die Psychologie studieren.
spezifische Fächerpräferenz: Studierende Bild 4.21 zeigt für Studienfächer, die
der Herkunftsgruppe „niedrig“ wählen mit einer ausreichend großen Fallzahl in
tendenziell häufiger Fächer der Rechts- der Stichprobe der 19. Sozialerhebung
und Wirtschaftswissenschaften bzw. der vertreten sind, den Zusammenhang zwi-
Fächergruppe Sozialwissenschaften, Sozi- schen sozialer Herkunft und Studienfach-
alwesen, Pädagogik, Psychologie (Bild wahl anhand eines Vergleichs der beiden
4.20). Sie entscheiden sich deutlich selte- Extremgruppen auf. Indexwerte, die klei-
ner für ein Studium in der Fächergruppe ner als 100 sind, stehen dabei für eine Un-
Medizin, Gesundheitswissenschaften. terrepräsentation der jeweiligen Her-
Mit einer Analyse auf der Ebene von kunftsgruppe und Werte größer als 100
Fächergruppen wird die Sozialgruppen- für eine überproportionale Beteiligung
spezifik der Fächerwahl jedoch nicht der betrachteten Gruppe in diesem Fach.
vollständig sichtbar, denn die amtliche
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 135

Bild 4.20 Fächerstruktur an Universitäten und Fachhochschulen nach sozialer


Herkunft der Studierenden
Studierende im Erststudium, in&%

Universitäten Fachhochschulen

8 9 9 10 9

35 34 37 36 35
27 29 27 26 27

4 5 6
7 9
23 23 23 21 22 12 18
16 14 15
2
2 2 3 2
5 6 7 12 8
20 32 29
17 18 18 27 28 29
17

17 17 16 14 15 14 13 12 12
10
niedrig mittel geho- hoch ges. niedrig mittel geho- hoch ges.
ben ben

Ingenieurwissenschaften Medizin, Gesundheitswissenschaften


Sprach- u. Kulturwissenschaften Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
Mathematik, Naturwissen- Sozialwiss., -wesen, Pädagogik, Psychologie
schaften
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

Soziale Herkunft und Region Studierende in den alten Ländern ge-


Anhand der elterlichen Bildung (vgl. Bild hören im Vergleich zu jenen in den neuen
4.9 und Bild 4.12) wurde bereits gezeigt, beispielsweise weniger häufig zur Her-
dass Studierende in den neuen Ländern kunftsgruppe „hoch“ (359% vs. 399%, Bild
zu einem höheren Prozentsatz als in den 4.22) und häufiger zur Herkunftsgruppe
alten aus hochschulnahen Schichten „mittel“ (279% vs. 239%). Dieser Unterschied
kommen. Dieser Befund bestätigt sich, ist kein neues Phänomen, zumal er sich
wenn das Sozialprofil der Studierenden in seit 1991 eher verringert hat. In dem Jahr
den beiden Regionen anhand des Kon- der erstmaligen Einbeziehung von Stu-
strukts „soziale Herkunftsgruppe“ vergli- dierenden in den neuen Ländern waren
chen wird. die Disparitäten im Sozialprofil bei den
136 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

Bild 4.21 Soziale Herkunft der Studierenden nach Studienfach1


Index bezogen auf Anteile der beiden Herkunftsgruppen im Erststudium
(Erststudium insges. = 100)

Musik, Musikwiss., Musikerziehung


Humanmedizin
Zahnmedizin
Geologie, Geowiss.
Politikwiss., Politologie
Agrarwiss., Gartenbau, Lebensmitteltechnik
Ev. Theologie, -Religionslehre
Sonderpäd., Behindertenpäd.
Medienkunde, Kommunik.wiss., Journ., Publ.
Physik, Astronomie
Architektur, Innenarchitektur
Geographie, Erdkunde
Psychologie
Anglistik, Englisch, Amerikanistik
Germanistik, Deutsch
Chemie, Biochemie, Lebensmittelchemie
Pharmazie soziale
Sportwiss., Sportpäd. Herkunftsgruppe
Biologie
Geschichte niedrig
Bauingenieurwesen, Ingenieurbau hoch
Sozialwiss., Soziologie, Sozialkunde
Volkswirtschaftslehre
Romanistik, Französ., Ital., Portug., Span.
Rechtswiss., Jura
Elektrotechn., Elektronik, Nachrichtentechn.
Informatik
Betriebswirtschaftslehre
Mathematik, Statistik
Wirtschaftswiss.
Maschinenbau, Verfahrenstechnik
Bildende Kunst, Gestaltung, Graphik, Design
Wirtschaftsingenieurwesen
Gesundheitswiss./-päd., Heilberufe, Pflege
Erziehungswiss., Päd.
Sozialwesen, Sozialpäd.
Kunstwiss., -geschichte, -erziehung

40 60 80 100 120 140 160 180

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
nur Studienfächer ab 100 Fälle in der Stichprobe
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 137

Bild 4.22 Studierende in den alten und neuen Ländern jeweils nach sozialer
Herkunft 1991 - 20091
in % 2

alte Länder neue Länder

26 27 29 31 36 37 35 35 36 42 42 39 39 39

31 31 28 26 25 23 23 31 24
31 24 26 27 24

28 28 29 29 27 26 27 26 23
24 23 24 23 22
15 14 14 14 12 14 15 10 10 10 9 12 12 14

´91 ´94 ´97 ´00 ´03 ´06 ´09 ´91 ´94 ´97 ´00 ´03 ´06 ´09

soziale Herkunftsgruppe
niedrig mittel gehoben hoch

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
ab 2000 wird Berlin als Ganzes zu den alten Ländern gerechnet; Daten bis 2003 nur für deutsche Stu-
dierende, ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen
2
Rundungsdifferenzen möglich

Extremgruppen „hoch“ und „niedrig“ so Für die alten Länder sind die Ergeb-
deutlich ausgeprägt wie nie mehr da- nisse widersprüchlich: Auf der einen Seite
nach. stieg seit dem Jahr 2000 der Anteil an Stu-
Ein Zeitvergleich innerhalb der bei- dierenden der Herkunftsgruppe „nied-
den Regionen weist jeweils nur geringfü- rig“ geringfügig an (2000: 13–%, 2009:
gige Verschiebungen im Sozialprofil der 15–%; Bild 4.23). Auf der anderen Seite er-
Studierenden seit 2000 auf. Auch be- höhte sich der Prozentsatz an Studieren-
schränkt auf das Erststudium – können den der Herkunftsgruppe „hoch“ (2000:
aus den Befunden (noch) keine sicheren 31–%, 2009: 35–%) – insbesondere zu Lasten
Hinweise darauf abgeleitet werden, dass des Anteils Studierenden der Herkunfts-
sich die soziale Zusammensetzung in Fol- gruppe „gehoben (2000: 27–%, 2009:
ge der Studienstrukturreform anhaltend 23–%).
verändert hat.
138 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

Bild 4.23 Studierende in den alten bzw. Soziale Herkunft und Länder
neuen Ländern nach sozialer
Im Vergleich der 16 Länder gibt es zum
Herkunft 2000 - 20061
Teil deutliche Unterschiede im Sozialpro-
Studierende im Erststudium in % 2
fil der Studierenden.
Eine große „soziale Spreizung“ zeigt
alte Länder neue Länder
sich für Länder wie Berlin und Sachsen.
31 37 36 35 Beide Länder weisen überdurchschnitt-
42 38 39 37
lich hohe Anteile an Studierenden aus der
27 24 24 23 Herkunftsgruppe „hoch“ auf (42’% bzw.
24 24 27 24 41’%, Bild 4.24). In Berlin gibt es zudem an-
29 27 26 27 23
24 26 22 teilig die wenigsten Studierenden aus der
13 12 14 15 10 12 12 16
Herkunftsgruppe „niedrig“ (10’%).
Ein Gegenbeispiel ist Sachsen-Anhalt:
´00 ´03 ´06 ´09 ´00 ´03 ´06 ´09 Hier gehören 18’% der Immatrikulierten
zur Herkunftsgruppe „niedrig“ und auch
soziale Herkunftsgruppe die Anteile der übrigen Herkunftsgrup-
niedrig mittel
pen sprechen für eine relativ ausgewoge-
gehoben hoch ne Sozialstruktur.
DWS/HIS 19. Sozialerhebung
Im Saarland kommen die meisten Stu-
1
dierenden aus der Herkunftsgruppe „mit-
ab 2000 Berlin zu den alten Ländern; bis 2003
nur deutsche Studierende, ab 2006 einschließ- tel“ (37’%). Gleichzeitig ist hier der Anteil
lich Bildungsinländer/innen Studierender aus der Gruppe „hoch“ mit
2
Rundungsdifferenzen möglich
27’% im Ländervergleich am geringsten.
Welche Veränderungen im Sozialpro-
Für die neuen Länder scheint die Ent-
fil der Länder können seit der letzten Er-
wicklung etwas eindeutiger in eine Rich-
hebung im Jahr 2006 beobachtet wer-
tung zu verlaufen: Seit 2000 verringerte
den? Gibt es sozialstrukturelle Verschie-
sich hier unter den Studierenden im Erst-
bungen, die in einen Zusammenhang mit
studium der Prozentsatz an Studierenden
der Einführung allgemeiner Studienge-
der Herkunftsgruppe „hoch“ um 5 Pro-
bühren zu stellen sind?
zentpunkte (2000: 42’%, 2009: 37’%) bei
Im Vergleich zum Sommersemester
gleichzeitigem Anstieg des Anteils Stu-
2006 ist die soziale Zusammensetzung in
dierender aus der Herkunftsgruppe
vielen Ländern weitgehend unverändert
„niedrig“ (2000: 10’%, 2009: 16’%) um 6
geblieben. Dies gilt auch für drei Länder,
Prozentpunkte.
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 139

Bild 4.24 Soziale Herkunft der Studierenden in den Ländern1


in %

Bad.-Würt. Bayern Berlin Brandenburg


41
36 37 37
24 26 26 24 27 24 25
22
14 13 14
10

Bremen Hamburg Hessen Meckl.-Vorp.

39
35 34 34
28 29 27
22 22 23 25
20
15 15 16 16

Niedersachsen NRW Rheinland-Pfalz Saarland

35 36 35 37
28 26 28 27
24 21 22 23
17 16
14 13

Sachsen Sachsen-Anhalt Schl.-Holst. Thüringen


42
32 35
29 30
24 27 27 27
21 21 23
15 18 16
14

soziale Herkunftsgruppe niedrig mittel gehoben hoch


DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
unterstrichen: Länder mit allgemeinen Studiengebühren
140 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

in denen allgemeine Studiengebühren er- Eine Zusammenfassung der Länder in


hoben werden: Baden-Württemberg, solche, die allgemeine Studiengebühren
Niedersachsen und Nordrhein-Westfa- erheben und solche, die gebührenfrei
len. sind, unterstreicht das, was oben bereits
Dieser Befund, der für alle Studieren- für die einzelnen Länder festgestellt wur-
den in diesen Ländern gilt, bleibt erhal- de: Aus der Analyse der sozialen Zusam-
ten, wenn der Zeitvergleich auf diejeni- mensetzung lassen sich Befürchtungen,
gen beschränkt wird, die sich in den ers- allgemeine Studiengebühren führten zu
ten vier Semestern eines Bachelor-Studi- einer geringeren Beteiligung von Studi-
ums befinden. eninteressierten aus bildungsfernen bzw.
In den übrigen drei Gebührenländern sozial schwächeren Milieus, nicht bestäti-
(Bayern, Hamburg, Saarland) hat sich die gen. Das Sozialprofil ist in beiden Länder-
soziale Zusammensetzung etwas auffälli- gruppen nahezu identisch (Bild’4.24).
ger verändert. Die Richtung der Verände- Ein Vergleich innerhalb der beiden
rung belegt jedoch nicht die These einer Hochschularten – Universitäten bzw.
abschreckenden Wirkung allgemeiner Fachhochschulen – bestätigt die Überein-
Studiengebühren auf Studieninteressier- stimmung des Sozialprofils der Studieren-
te aus sozial schwächeren Schichten, son- den an gebührenpflichtigen Institutio-
dern widerspricht eher den Erwartungen: nen mit dem an gebührenfreien Einrich-
Der Anteil an Studierenden der Her- tungen.
kunftsgruppe „niedrig“ blieb in Bayern,
Hamburg und im Saarland weitgehend Zahlungsverpflichtung
unverändert. Jedoch gibt es in diesen drei Interessant ist die Gegenüberstellung der
Ländern 2009 anteilig mehr Studierende Sozialstruktur von Studierenden, die all-
aus der Herkunftsgruppe „mittel“ (Bay- gemeine Studiengebühren bezahlen
ern: +2’%-Punkte, Hamburg: +7’%-Punkte, müssen, mit dem Sozialprofil derjenigen,
Saarland: +10’%-Punkte) zu Ungunsten die an gebührenpflichtigen Hochschulen
der Gruppe „hoch“ (Bayern: -4’%-Punkte, von der Zahlung befreit sind: Es zeigt sich
Hamburg: -10’%-Punkte, Saarland: -9’%- sowohl insgesamt als auch differenziert
Punkte). Aufgrund zu geringer Fallzahlen nach Hochschulart, dass die Befreiung
in der 18. Sozialerhebung ist die Beschrän- von Studiengebühren keine Maßnahme
kung des Zeitvergleichs auf Studierende ist, die von sozial ausgleichender Wir-
in den ersten zwei Studienjahren eines kung ist.
Bachelor-Studienganges für diese Länder Studierende in den alten Ländern, die
nicht möglich. von der Zahlung allgemeiner Studienge-
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 141

bühren befreit sind, kommen anteilig Im Gegenteil: Von den Regelungen


häufiger aus der Herkunftsgruppe „hoch“ zur Gebührenbefreiung profitieren offen-
als gebührenzahlende Studierende (39:% bar Studierende aus sozial höheren Her-
vs. 35:%, Bild 4.25). kunftsgruppen tendenziell häufiger als
Der Vergleich dieser beiden Gruppen solche aus hochschulfernen Milieus.
belegt insbesondere für im Erststudium
Immatrikulierte an Universitäten, dass Regionale Mobilität
die Voraussetzungen für eine Befreiung Im Rahmen der Sozialerhebungen wurde
von der Gebührenzahlung, wie z. B. Rege- wiederholt der Zusammenhang zwischen
lungen für Studierende mit Kind, für sol- sozialer Herkunft und regionaler Mobili-
che mit einer gesundheitlichen Beein- tät aufgezeigt: Je höher die soziale Her-
trächtigung, für Studierende mit zwei kunft der Studierenden ist, desto größer
oder mehr Geschwistern oder für Hoch- ist der Anteil derer, die zur Studienauf-
begabte oder Leistungsbeste in Bezug auf nahme das Land verlassen, in welchem
die soziale Herkunft indifferent sind. sie die Hochschulreife erworben haben.

Bild 4.25 Soziale Herkunft und allgemeine Studiengebühren – Vergleich nach Zah-
lungsverpflichtung in den alten Ländern
Studierende im Erststudium, in %

insges. Universitäten Fachhochschulen

24 26 23
35 39 35 39 44 39
24 23 25
24 22 23 24 23
21
31 30 32
26 25 27 25 23 25
15 14 15 12 12 13 21 21 20

keine befreit zahlend keine befreit zahlend keine befreit zahlend


allg. Studiengebühren allg. Studiengebühren allg. Studiengebühren

soziale Herkunftsgruppe
niedrig mittel gehoben hoch

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


142 SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN

Im Durchschnitt aller Studierenden Etwa zwei Drittel der Studierenden im


im Erststudium haben 35—% in einem an- Erststudium studieren in demselben
deren Land als dem ihrer Hochschulreife Land, indem sie ihre Hochschulreife er-
ein Studium aufgenommen. Von den Stu- worben haben. Sie kommen häufiger als
dierenden, die der Herkunftsgruppe regional mobile Studierende aus den Her-
„hoch“ zugeordnet werden, waren mit kunftsgruppen „niedrig“ und „mittel“
40—% überdurchschnittlich viele regional (17—% bzw. 28—%, Bild 4.26).
mobil. Im Gegensatz dazu verließ nur ein Selbst Studierende, die aufgrund ihres
Viertel der Studierenden der Herkunfts- Wanderungsverhaltens als „Gebühren-
gruppe „niedrig“ zu Studienzwecken das flüchtlinge“ charakterisiert werden
Herkunftsland. Die Mobilitätsquoten der könnten, gehören immer noch seltener –
beiden übrigen Gruppen liegen zwischen als es im Durchschnitt aller im Erststudi-
diesen Extremwerten („mittel“: 31—%, „ge- um der Fall ist – zur Herkunftsgruppe
hoben“: 37—%). „niedrig“ (11—% vs. 15—% insgesamt) und

Bild 4.26 Soziale Herkunft der Studierenden nach Wahl der Studienregion –
Vergleich nach Ländern mit und ohne Gebührenpflicht
Studierende im Erststudium1 in %, in Klammern: Anteil gesamt

gesamt 15 26 24 35
Wanderung (. 35;%)

innerhalb der
Gebührenländer (8;%)
9 22 23 46

in Gebührenland hinein (9 %) 12 22 26 40
innerhalb der gebühren-
freien Länder (10 %)
12 22 26 40

aus Gebührenland heraus (8 %) 11 26 25 38

keine Wanderung
über Landesgrenzen (65 %)
17 28 23 32

soziale Herkunftsgruppe niedrig mittel gehoben hoch

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
ohne Studierende in einem konsekutiven Masterstudiengang
SOZIO-DEMOGRAPHISCHE MERKMALE DER STUDIERENDEN 143

häufiger zu den Gruppen „gehoben“


(256% vs. 246% insgesamt) und „hoch“ (386%
vs. 356% insgesamt).
Von denjenigen, die aus einem ge-
bührenfreien Land kommend das Studi-
um in einem Land aufgenommen haben,
in dem allgemeine Studiengebühren er-
hoben werden, gehören mit 406% über-
durchschnittlich viele zur Herkunfts-
gruppe „hoch“. Ihr Sozialprofil unter-
scheidet sich allerdings nicht von dem
der Studierenden, die zur Studienaufnah-
me innerhalb der gebührenfreien Länder
gewandert sind.
Der höchste Anteil an Studierenden
aus der Gruppe „hoch“ findet sich jedoch
unter denjenigen, die zum Studium in-
nerhalb der Gebührenländer gewandert
sind (466%). Gleichzeitig ist unter ihnen
der Anteil Studierender der Herkunfts-
gruppe „niedrig“ am geringsten (96%, Bild
4.26).
In der Zusammenfassung heißt das
auch, dass die Tatsache, ob in einem Ziel-
land allgemeine Studiengebühren erho-
ben werden oder nicht, offenbar für regi-
onal mobile Studieninteressierte aus sozi-
al höher gestellten Gruppen keine oder
eine deutlich geringere Rolle im Ver-
gleich zu den übrigen spielt.
5. Merkmale des Studiums
146 MERKMALE DES STUDIUMS

Ausgewählte Ergebnisse im Überblick1

Fächerstruktur – Studierende im
Erststudium (in %) insg. Uni FH

Rechts- und Wirtschaftswissenschaften 22 18 30


Mathematik/Naturwissenschaften 20 22 15
Sprach- und Kulturwissenschaften 19 26 6
Ingenieurwissenschaften 18 10 35
Sozialwiss., -wesen/Psychologie/Pädagogik 14 15 12
Medizin, Gesundheitswissenschaften 7 8 3

Studienverlauf (Studierende in %) insg. Uni FH

Studiengangwechsel (nur Erststudium) 19 20 16


Studienunterbrechung (nur Erststudium) 11 12 9
Hochschulwechsel (nur Erststudium) 14 13 14
weiterführendes Studium 7 9 4
studienbezogener Auslandsaufenthalt:
alte Studiengänge (nur Erststudium)
(Studierende höherer Semester: Uni 9.-14. Semester, 32 34 24
FH 7. bis 11. Semester)
studienbezogener Auslandsaufenthalt:
Bachelor-Studiengänge (nur Erststudium) 16 17 15
(Studierende höherer Semester: 5.-10. Semester)

Angestrebter Abschluss (Studierende in %) 2003 2006 2009

FH-Diplom 25 23 7
Uni-Diplom 32 30 18
Magister 11 9 5
Bachelor <4 11 42
Master 1 2 5
Staatsexamen ohne Lehramt 11 10 10
Staatsexamen für ein Lehramt 12 11 9
Promotion 4 4 3
kein oder anderer Abschluss 1 1 1
1
Rundungsdifferenzen möglich
MERKMALE DES STUDIUMS 147

Technische Hinweise

Definitionen Studienunterbrechung
Offizielle oder nichtoffizielle Unterbre-
Fächergruppen chung des Studiums von mindestens ei-
Folgende Fächergruppen werden ab- nem Semester.
weichend von der Systematik der amtli-
chen Statistik gebildet: Studierende höherer Semester
• Sprach- und Kulturwissenschaften Studentinnen und Studenten, die zum
(ohne die Studienbereiche Psychologie, Befragungszeitpunkt in alten Studien-
Erziehungswissenschaften und Sonder- gängen an Fachhochschulen im 7. bis 11.
pädagogik; einschl. der Fächergruppen und an Universitäten im 9. bis 14 Semes-
Sport und Kunst, Kunstwissenschaften) ter studieren sowie Bachelor-Studieren-
• Rechts- und Wirtschaftswissenschaf- de, die sich im 5. bis 10. Semester befin-
ten (ohne Sozialwissenschaften und So- den.
zialwesen)
• Mathematik, Naturwissenschaften Postgraduale Studiengänge
(einschl. Agrar-, Forst- und Ernährungs- Dazu zählen ein Zweitstudium, ein wei-
wissenschaften) terbildender Studiengang oder ein Pro-
• Medizin/Gesundheitswissenschaften motionsstudium nach Abschluss eines
(umfasst die Fächergruppen Humanme- Erststudiums.
dizin/Gesundheitswissenschaften und
Veterinärmedizin) Bezugsgruppe
• Sozialwissenschaften, Sozialwesen, Deutsche Studierende und studierende
Psychologie, Pädagogik. Bildungsinländer/innen.

Studiengangwechsel Datenquellen
Der Studiengangwechsel umfasst den 19. Sozialerhebung, Fragen 2-11, 45/46
Wechsel des Hauptstudienfaches, den Statistisches Bundesamt, Fachserien 11
Wechsel der Abschlussart oder den Reihe 4
Wechsel von Hauptstudienfach und Ab-
schlussart.
148 MERKMALE DES STUDIUMS

5.1 Fächerstruktur und zeigt sich, dass die Studienanfängerzah-


angestrebte Abschlüsse len deutlich zwischen den verschiedenen
Fächergruppen variieren (Bild 5.2). So be-
5.1.1 Veränderungen in der finden sich von 1999 bis 2008 die wenigs-
ten Studienanfänger/innen in der Fächer-
Fächerstruktur
gruppe Medizin und Gesundheitswissen-
Die Zusammensetzung der Studierenden schaften, die meisten hingegen in der Fä-
nach Fächergruppen hat sich 2009 im chergruppe Rechts- und Wirtschaftswis-
Vergleich zu 2006 nur unwesentlich ver- senschaften. In Bezug auf die Entwick-
ändert (Bild 5.1). Dabei ist zu beachten, lung der Studienanfängerzahlen zeigt
dass sich die Sozialerhebung in diesem sich außerdem, dass in den Jahren 2000
Kontext auf deutsche Studierende bis 2003 in nahezu allen Fächergruppen
(einschl. der Bildungsinländer) im Erst- die Studienanfängerzahlen angestiegen
studium konzentriert. Leicht angestiegen und ab 2004 wieder leicht zurückgegan-
ist der Anteil derjenigen, die Ingenieur- gen sind. Dies gilt für alle Fächergruppen
wissenschaften studieren, sowie der An- mit Ausnahme der Fächergruppe Medizin
teil derjenigen, der sich in einen Studien- und Gesundheitswissenschaften. In letzt-
gang der Fächergruppe Medizin und Ge- genannter Gruppe ist die Anzahl der Stu-
sundheitswissenschaften eingeschrieben dienanfänger/innen im Zeitraum von
hat. Ein leichter Rückgang ist hingegen 1999 bis 2003 nahezu konstant geblieben,
beim Anteil der Fächergruppe Sprach- steigt dann aber ab 2004 deutlich an. Die-
und Kulturwissenschaften zu verzeich- ser erwartbare Anstieg ist vor allem auf
nen. Bei den übrigen Fächergruppen sind die Tatsache zurückzuführen, dass seit
die Anteilswerte im Vergleich mit 2006 dem Wintersemester 2004/05 dieser Fä-
unverändert geblieben. chergruppe neben den medizinischen
Veränderungen der Fächerstruktur Studienfächern (Human- und Veterinär-
sind vor allem die Folge einer sich verän- medizin) auch die Gesundheitswissen-
dernden Studienfachwahl der Studienan- schaften zugeordnet werden.
fänger/innen. Die Entwicklung der Zahl Insgesamt liegen die aktuellen Studi-
der Studienanfänger/innen kann für den enanfängerzahlen (Studienjahr 2008)
Zeitraum von 1999 bis 2008 (Studienjah- deutlich über jenen von 1999 (ca. 329.000
re) anhand der Daten der amtlichen Sta- vs. 241.000). Allerdings haben nicht alle
tistik nachgezeichnet werden. Dies ist in Fächergruppen von dieser steigenden
Bild 5.2 (in absoluten Zahlen) und in Bild Anzahl an Studienanfängern in gleicher
5.3 (in Prozentwerten) dargestellt. Es Weise profitiert. So sind beispielsweise
MERKMALE DES STUDIUMS 149

Bild 5.1 Studierende nach Fächergruppen – Fächerstruktur1


Studierende im Erststudium, in %2

19 18 16 17 18
24 22

20 20 20 20 19
15 17

20 18 18 20 20 20
20

6 6 6 6 7
9 7
22 23 23 22 22
21 21

11 13 15 15 15 14 14

1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009

Ingenieurwissenschaften Medizin/Gesundheitswissenschaften3
Sprach- und Kulturwissenschaften Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
Mathematik, Naturwissenschaften Sozialwiss., -wesen/Psychologie/Pädagogik

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
bis 2003 nur Deutsche, ab 2006 inkl. Bildungsinländer/innen
2
Rundungsdifferenzen möglich
3
bis 2003 Human- und Veterinärmedizin, ab 2006 einschl. Gesundheitswissenschaften

die Anteile der Fächergruppe Sozialwis- der Fächergruppe Sprach- und Kulturwis-
senschaften/Sozialwesen/Psychologie/Pä- senschaften leicht angestiegen sind (Bild
dagogik, der Fächergruppe Medizin und 5.3). Der Anteil der Ingenieurwissenschaf-
Gesundheitswissenschaften sowie der Fä- ten ist zwischen 2002 und 2003 sprung-
chergruppe Rechts- und Wirtschaftswis- haft angestiegen.
senschaften von 1999 bis 2003 gesunken, Ab 2004 bleiben die Anteile der meis-
während die Anteile der Fächergruppe ten Fächergruppen relativ konstant. Eine
Mathematik/Naturwissenschaften sowie Ausnahme bilden die Rechts- und Wirt-
150 MERKMALE DES STUDIUMS

Bild 5.2 Studienanfänger/innen 1999-2008 an Universitäten und Fachhoch-


schulen nach Fächergruppen1
in absoluten Zahlen

2
100000

90000

80000

70000

60000

50000

40000

30000

20000

10000

0
1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Studienjahr

Ingenieurwissenschaften Medizin/Gesundheitswissenschaften
Sprach- und Kulturwissenschaften Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
Mathematik, Naturwissenschaften Sozialwiss., -wesen/Psychologie/Pädagogik
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
Deutsche und Bildungsinländer/innen an Universitäten (einschl. PH, GH, THS u. KHS) und allg. Fach-
hochschulen
2
bis 2003 Human- und Veterinärmedizin, ab 2004 inklusive Gesundheitswissenschaften
Quelle: StBA, Fachserie 11 Reihe 4
MERKMALE DES STUDIUMS 151

Bild 5.3 Studienanfänger/innen 1999-2008 an Universitäten und Fachhoch-


schulen nach Fächergruppen1
in %

2
30

25

20

15

10

0
1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Studienjahr

Ingenieurwissenschaften Medizin/Gesundheitswissenschaften
Sprach- und Kulturwissenschaften Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
Mathematik, Naturwissenschaften Sozialwiss., -wesen/Psychologie/Pädagogik
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
Deutsche und Bildungsinländer/innen an Universitäten (einschl. PH, GH, THS u. KHS) und allg. Fach-
hochschulen
2
bis 2003 Human- und Veterinärmedizin, ab 2004 inklusive Gesundheitswissenschaften
Quelle: StBA, Fachserie 11 Reihe 4
152 MERKMALE DES STUDIUMS

schaftswissenschaften, deren Anteile ab treten. Doch auch in der Fächergruppe


2003 zunächst gesunken und ab 2005 Medizin/Gesundheitswissenschaften
dann deutlich angestiegen sind. Eine wei- (66“%), in den Sprach- und Kulturwissen-
tere Ausnahme bilden die Sprach- und schaften (65“%) sowie in den Rechtswis-
Kulturwissenschaften, deren Anteil von senschaften (58“%) überwiegt der Frauen-
2003 bis 2005 nahezu konstant bleibt und anteil.
ab 2005 rückläufig ist. Im Gegensatz dazu fallen die Anteile
der Studenten insbesondere in den Inge-
5.1.2 Geschlechtsspezifische nieurwissenschaften (80“%), in der Fächer-
Unterschiede gruppe Mathematik/Naturwissenschaf-
Studentinnen und Studenten unterschei- ten (60“%) sowie in den Wirtschaftswis-
den sich traditionell deutlich in ihren senschaften (58“%) besonders hoch aus.
Fachpräferenzen (Bild 5.4). Während Stu- Im Vergleich zu 2006 sind die ge-
denten sich häufiger als Studentinnen für schlechtsspezifischen Fachpräferenzen
ein Studium in den Fächergruppen Inge- 2009 nahezu unverändert geblieben. Ei-
nieurwissenschaften (27“%), Mathematik/ nige geringfügige Veränderungen sind
Naturwissenschaften (23“%) sowie den der Anstieg des Frauenanteils in den
Rechts- und Wirtschaftswissenschaften Rechtswissenschaften und der Anstieg
(23“%) entscheiden, überwiegen bei den des Männeranteils in der Fächergruppe
Studentinnen die Immatrikulierten in Sozialwissenschaften/Sozialwesen/Psy-
den Fächergruppen Sprach- und Kultur- chologie/Pädagogik um drei bzw. zwei
wissenschaften (26“%), Sozialwissenschaf- Prozentpunkte. Innerhalb der anderen
ten/Sozialwesen/Psychologie/Pädagogik Fächergruppen sind die Anteile der Ge-
(20“%) sowie den Rechts- und Wirtschafts- schlechter entweder konstant geblieben
wissenschaften (20“%). oder haben sich lediglich im Umfang von
In Bild 5.5 sind die Anteile der Ge- maximal einem Prozentpunkt verändert.
schlechter in den einzelnen Fächergrup- Werden die Anteile der Geschlechter
pen ausgewiesen. Dadurch kommen die in den alten und neuen Ländern vergli-
geschlechtsspezifischen Unterschiede in chen, dann zeigt sich, dass in den alten
der Studienfachwahl noch besser zum Ländern etwas weniger Frauen als Män-
Ausdruck: So sind Studentinnen 2009 mit ner studieren. Der Frauenanteil der Stu-
einem Anteil von 68“% in der Fächergrup- dierenden liegt hier bei 48“%. Dagegen
pe Sozialwissenschaften/Sozialwesen/Psy- haben sich die Anteile der Studentinnen
chologie/Pädagogik besonders hoch ver- und Studenten in den neuen Ländern an-
geglichen (Frauenanteil: 50“%).
MERKMALE DES STUDIUMS 153

Bild 5.4 Studierende nach Fächergruppen – Fächerstruktur1


Studierende im Erststudium, in %2

Männer Frauen
9 8 8 8 7 7 7
27 27 25 27 27
33 31
25 27 28 27 27 28 26

14 14 14 14 13
9 12
18 16 15 15 16 16 17

20 20 20 23 23 23
22 7 7
8 7 9 9
10
6 5 5 5 4 4 19 20 21
8 20 20 20
20
23 25 25 25 24 23
23
22 24 23 21 21 20
18
6 8 9 9 9 8 9
199 199 199 20 2 2 2 199 199 199 20 2 2 2
1 4 7 00 003 006 009 1 4 7 00 003 006 009

Ingenieurwissenschaften Medizin/Gesundheitswissenschaften3
Sprach- und Kulturwissenschaften Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
Mathematik, Naturwissenschaften Sozialwiss., -wesen/Psychologie/Pädagogik

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
bis 2003 nur Deutsche, ab 2006 inkl. Bildungsinländer/innen
2
Rundungsdifferenzen möglich
3
bis 2003 Human- und Veterinärmedizin, ab 2006 einschl. Gesundheitswissenschaften

Die Fächerstruktur ist in beiden Regi- werte nur geringfügig. Allerdings unter-
onen sehr ähnlich. Lediglich der Anteil scheiden sich die Geschlechter in ihrer Fä-
der Studierenden in den Ingenieurwis- cherwahl in den beiden Regionen: Beson-
senschaften fällt in den neuen Ländern ders auffällig ist der Frauenanteil in den
etwas höher aus als in den alten Ländern Rechts- und Wirtschaftswissenschaften,
(207% vs. 177%). In den anderen Fächer- der in den neuen Ländern (507%) höher
gruppen variieren die jeweiligen Anteils- liegt als in den alten Ländern (447%), wo-
154 MERKMALE DES STUDIUMS

Bild 5.5 Studenten und Studentinnen je Fächergruppe


Studierende im Erststudium, in&%

2009 Männer Frauen

Sozialwiss., -wesen/Psychologie/Pädagogik 32 68

Medizin/Gesundheitswissenschaften 34 66

Sprach- und Kulturwissenschaften 35 65

Rechtswissenschaften 42 58

Wirtschaftswissenschaften 58 42

Mathematik/Naturwissenschaften 60 40

Ingenieurwissenschaften 80 20

2006 Männer Frauen

Sozialwiss., -wesen/Päsychologie/Pädagogik 30 70

Sprach- und Kulturwissenschaften 35 65

Medizin/Gesundheitswissenschaften 36 64

Rechtswissenschaften 45 55

Wirtschaftswissenschaften 59 41

Mathematik/Naturwissenschaften 61 39

Ingenieurwissenschaften 81 19

DSW/HIS 19.Sozialerhebung

bei dies vor allem auf den unterschiedli- en Ländern nur geringfügig unterschei-
chen Frauenanteil in den Wirtschaftswis- det (59% vs. 57%). Weitere Unterschiede
senschaften zurückgeführt werden kann finden sich für den Frauenanteil in der Fä-
(alte Länder: 405%; neue Länder: 495%), da chergruppe Medizin/Gesundheitswissen-
sich der Frauenanteil in den Rechtswis- schaften (alte Länder: 665%; neue Länder:
senschaften zwischen den alten und neu- 705%) sowie in den Sprach- und Kulturwis-
MERKMALE DES STUDIUMS 155

senschaften (alte Länder: 64Ž%; neue Län- Berücksichtigt werden muss, dass die
der: 68Ž%). Differenzierung der Bachelor-Abschlüsse
zwischen Abschlüssen für ein Lehramt
5.1.3 Angestrebte Abschlüsse und solchen ohne ein Lehramt Unschär-
Ein zentrales Ziel des Bologna-Prozesses fen birgt, da sich Bachelor-Studierende
ist die Schaffung des europäischen Hoch- häufig erst beim Übergang in ein Master-
schulraumes. Dies soll vor allem durch Studium für ein Lehramtsstudium ent-
die Einführung eines gestuften Studien- scheiden.
systems aus Bachelor- und Master-Ab- Die Einführung gestufter Studiengän-
schlüssen erreicht werden, um so die ge erfolgte an den Fachhochschulen eher
Hochschulabschlüsse europaweit ver- und offenbar auch konsequenter als an
gleichbar zu machen. den Universitäten. Das ist daran zu erken-
Der Bologna-Prozess hat dazu ge- nen, dass an den Fachhochschulen be-
führt, dass in den meisten Studienfächern reits mehr als zwei Drittel der Studieren-
der Bachelor der Regelabschluss gewor- den einen Bachelor-Abschluss (68%) an-
den ist. Im Wintersemester 2007/08 ha- streben, während die Studierenden an
ben sich bereits 65Ž% der Studienanfänger den Universitäten ungleich häufiger
in einen Bachelor-Studiengang einge- noch in traditionellen Studiengängen
schrieben (HRK 2009: 5 ff.). Die HRK mel- eingeschrieben sind. Etwas weniger als
det für dass Sommersemester 2009 5.309 ein Drittel studiert hier mit dem Ziel ei-
Bachelor-Studiengänge und 4.201 Master- nen Bachelor-Abschluss (31Ž%) zu erlan-
Studiengänge, dass sind zusammen 76Ž% gen, ein Viertel ist in einem Diplomstudi-
aller Studiengänge, 72Ž% an Universitäten engang eingeschrieben, 13% streben ein
und 95Ž% an Fachhochschulen. Diese An- Staatsexamen für ein Lehramt und 14%
gebotsstruktur hat Auswirkungen auf die ein Staatsexamen ohne Lehramt an.
von den Studierenden angestrebten Ab- Gegenüber 2006 haben damit insbe-
schlussarten in der Sozialerhebung. Dies sondere die Diplomstudiengänge an den
verdeutlichen die folgenden Befunde: Universitäten und Fachhochschulen an
War in der Vergangenheit noch das Uni- Bedeutung verloren: So ging der diesbe-
versitätsdiplom der am häufigsten ange- zügliche Anteil von Studierenden an Uni-
strebte Studienabschluss, so ist dies im versitäten im Jahr 2009 um 17 Prozent-
Sommersemester 2009 erstmalig mit ei- punkte (42Ž% vs. 25Ž%) zurück, an Fach-
nem Anteil von 42Ž% der Bachelor-Ab- hochschulen sogar um 55 Prozentpunkte
schluss (Bild 5.6). (78Ž% vs. 23Ž%).
156 MERKMALE DES STUDIUMS

Bild 5.6 Studierende nach Art des angestrebten Abschlusses


in %1
Hochschulart Studienart
angestrebter davon post-
Abschluss2 insgesamt Frauen Erst-
Uni FH graduales
studium Studium
Bachelor (ohne LA) 39 44 27 67 42 5

Bachelor (für ein LA) 3 64 4 1 3 1

Master (ohne ein LA)3 4 46 3 5 2 22

Master (für ein LA)3 1 69 1 <1 <1 2

FH-Diplom 7 38 <1 23 8 2

Uni-Diplom 18 40 25 3 19 7

Magister 5 61 7 - 5 2

Staatsexamen
10 64 14 - 10 4
(ohne LA)
Staatsexamen
9 65 13 - 10 5
(für ein LA)
kirchliche Prüfung <1 42 <1 - <1 <1

Promotion 3 39 5 - - 47

anderer/kein
<1 62 <1 <1 <1 3
Abschluss
DSW/HIS 19.Sozialerhebung
1
Rundungsdifferenzen möglich
2
LA = Lehramt
3
Konsekutive Master-Studiengänge zählen zum Erststudium

Wie Bild 5.6 auch zu entnehmen ist, sowie für die Bachelor- und Masterab-
unterscheiden sich Frauen und Männer in schlüsse für ein Lehramt (64›% und 69›%),
ihren Präferenzen für bestimmte Studien- aber ebenso für den Magister-Abschluss
abschlüsse. Frauen sind häufiger als Män- (Frauenanteil: 61›%) und das Staatsex-
ner in lehramtsbezogenen Studiengän- amen ohne Lehramt (64›%). Im Gegensatz
gen immatrikuliert. Dies gilt sowohl für dazu sind Studentinnen bei den Bachelor-
das Staatsexamen für ein Lehramt (65›%) und Master-Abschlüssen, die nicht ein-
MERKMALE DES STUDIUMS 157

deutig auf ein Lehramt ausgerichtet sind gangwechsel gilt die Aufnahme eines
(44–% und 46–%) und den Universitätsdi- weiteren Studiums nach dem erfolgrei-
plomen (40–%) unterrepräsentiert. Die chen Abschluss eines ersten Studiums.
niedrigsten Frauenanteile können für die Auch die Aufnahme eines konsekutiven
angestrebten Fachhochschuldiplome Masterstudiums stellt keinen Studien-
und die Promotionen festgestellt werden gangwechsel dar.
(38–% und 39–%). Im Erststudium liegt der Anteil der
Unter den Studierenden, die sich in ei- Studiengangwechsler/innen im Sommer-
nem postgradualen Studium (z.–B. Zweit- semester 2009 bei 19–% und unterscheidet
studium, Masterstudium, Ergänzungsstu- sich damit nur geringfügig vom Jahr
dium, Promotion) befinden, stellen dieje- 2006 (20–%). Dabei entfällt die Hälfte aller
nigen, die eine Promotion anstreben, die Studiengangwechsel auf den Wechsel
größte Gruppe dar (2009: 47–%; 2006: von Abschluss und Studienfach (Bild 5.7).
45–%). Die zweitgrößte Gruppe bilden mit Ein ebenfalls großer Anteil von Studieren-
einem Anteil von fast einem Viertel die den hat lediglich das Studienfach (41–%)
Studierenden in Master-Studiengängen. und nahezu ein Zehntel nur den Ab-
Ihr Anteil ist gegenüber 2006 erkennbar schluss gewechselt (9–%).
gestiegen (24–% vs. 18–%). Da die Zahl der Den Studiengangwechslern kommt
Bachelor-Absolventen erst sukzessive zu- an den Universitäten und Fachhochschu-
nimmt, können die Master-Programme len eine unterschiedliche Bedeutung zu.
im gegenwärtigen Stadium der Studien- So hat von den Studierenden an den Uni-
strukturreform noch nicht ihre endgülti- versitäten jeder Fünfte (20–%) einen Studi-
ge quantitative Bedeutung erreicht ha- engangwechsel vollzogen, von den Stu-
ben. Der Anteil der Studierenden in Mas- dierenden an den Fachhochschulen 16–%.
terstudiengängen wird daher auch zu- Damit sind, im Vergleich zu 2006, die An-
künftig ansteigen, wie stark, werden die teile der Studiengangwechsler/innen an
künftigen Sozialerhebungen untersu- den Universitäten leicht gesunken (2006:
chen. 22–%) und an den Fachhochschulen unver-
ändert geblieben (2006: 16–%).
5.2 Studienverlauf
5.2.1 Studiengangwechsel Wechselquoten nach Fächer-
Als Studiengangwechsel wird sowohl der gruppen
Wechsel des angestrebten Abschlusses, Die Anteile der Studiengangwechsler/in-
des Studienfachs als auch der Wechsel nen unterscheiden sich deutlich im Ver-
von beiden definiert. Nicht als Studien- gleich zwischen den einzelnen Fächer-
158 MERKMALE DES STUDIUMS

Bild 5.7 Studiengangwechsler/innen 2009


in %

Studierende im Erststudium

50 ja, Fach und


Abschluss
81 19 gewechselt
41 ja, Fach

9 ja, Abschluss
nicht gewechselt

Studierende an Universitäten Studierende an Fachhochschulen

80 20 gewechselt 83 16 gewechselt

nicht gewechselt nicht gewechselt

DSW/HIS 19.Sozialerhebung

gruppen. Der größte Anteil von Studie- Anteil der


renden, der einen Studiengangwechsel Studien-
vollzogen hat, befindet sich mit 27% in Fächergruppe
gangwechs-
der Fächergruppe Sprach- und Kulturwis- ler/innen
senschaften. Doch auch in der Fächer-
Ingenieurwissenschaften 16
gruppe Sozialwissenschaften/Sozialwe-
Sprach- und Kulturwiss. 27
sen/Psychologie/Pädagogik fällt der An-
Mathematik/Naturwiss. 17
teil der Studiengangwechsler/innen mit
21% noch relativ hoch aus. Der geringste Medizin/Gesundheitsw. 12
Anteil von Studiengangwechseln lässt Rechts- u. Wirtschaftswiss. 17
sich für die Fächergruppe Medizin/Ge- Sozialwiss./-wesen/Psy./Päd. 21
sundheitswissenschaften feststellen (12%). Insgesamt 19
MERKMALE DES STUDIUMS 159

In Bezug auf die Studieneffizienz kön- Insgesamt vollziehen von allen Studi-
nen nicht alle Studiengangwechsel als engangwechslern im Erststudium 436% ei-
qualitativ gleichwertig betrachtet wer- nen Wechsel innerhalb der Fächergrup-
den. So wirken sich Wechsel innerhalb ei- pe. Allerdings variiert dieser Anteil deut-
ner Fächergruppe weniger stark aus als lich zwischen den verschiedenen Fächer-
Wechsel über Fächergruppen hinaus. gruppen. Fällt er mit 146% in der Fächer-
Dies liegt vor allem daran, dass bei Studi- gruppe Medizin/Gesundheitswissen-
engangwechseln über Fächergrenzen schaften auf Grund der geringen Anzahl
hinweg die Anerkennung bisheriger Stu- von Alternativen erwartungsgemäß am
dienleistungen kaum möglich ist und es geringsten aus, so erreicht er den höchs-
oftmals weitaus weniger Möglichkeiten ten Anteilswert in den Sprach- und Kul-
gibt, um an bisher erworbenes Studien- turwissenschaften (576%), für die es eine
wissen anzuknüpfen. In Bild 5.8 werden große Vielfalt an Studiengängen gibt. Die
die Fächergruppen vor einem Studien- anderen Studierenden, die nicht inner-
gangwechsel den Fächergruppen nach halb der gleichen Fächergruppe wech-
einem Wechsel gegenübergestellt. seln, entscheiden sich für einen Studien-

Bild 5.8 Studiengangwechsel und Fächermobilität


Studierende im Erststudium, in %1

Fächergruppe
Fächergruppe nach
nach dem dem Wechsel
Wechsel
Mathematik,

Mathematik,
Medizin/ Ge-

Ge-

Soz./-wesen/

Soz./-wesen/
sundheitsw.

sundheitsw.
Wirtschafts-

Wirtschafts-

Fächergruppe vor
Kulturwiss.

Kulturwiss.
Naturwiss.

Naturwiss.
Ingenieur-

Ingenieur-

Insgesamt

Fächergruppe vor
Rechts- u.

Rechts- u.
Psy./Päd.

Psy./Päd.
Medizin/

dem Wechsel
Sprach-/

Sprach-/

dem Wechsel
wiss.

wiss.

wiss.

wiss.

Ingenieurwissenschaften 47 8 47 19 8 3 19 18 3 618 6
100
Sprach- und Kulturwiss. 3
Kulturwissenschaften 57 3 8 57 3 8 9 3 20 9 20
100
12
Naturwissenschaften
Mathematik, Naturwiss. 20 12 35 20 6 35 18 6 1018 10
100
4
Medizin/Gesundheitswissenschaften
Medizin/Gesundheitswiss. 29 4 19 29 14 19 1114 2411 24
100
Rechts- u.
und 6
Wirtschaftswissenschaften
Wirtschaftswiss. 20 6 10 20 3 10 43 3 1843 18
100
Sozialw., -wesen/Psy./Päd.
Sozialw., -wesen/Psychologie/Pädagogik
6 29 6 10 29 5 10 13 5 3713 37
100
DSW/HIS
DSW/HIS 19.Sozialerhebung
19.Sozialerhebung
1
Rundungsdifferenzen möglich
Wechsel innerhalb gleicher Fächergrupppe
160 MERKMALE DES STUDIUMS

gang in einer der anderen Fächergrup- chergruppe sie zu Beginn des Studiums
pen, wobei jedoch die Studiengänge der eingeschrieben waren und in welcher Fä-
Sprach- und Kulturwissenschaften beson- chergruppe sie gegenwärtig studieren,
ders nachgefragt sind. Relativ selten hin- dann kann dargestellt werden, in wel-
gegen wird in die Studiengänge der Fä- chem Umfang es insgesamt zu wechsel-
chergruppe Medizin/Gesundheitswissen- bedingten Verschiebungen zwischen den
schaften sowie in die Studiengänge der Fächergruppen kommt. Dadurch wird
Fächergruppe Ingenieurwissenschaften deutlich, welche Fächergruppen von den
hinein gewechselt, zum einen wegen der Studiengangwechsler/innen profitieren
Zulassungsbeschränkungen (Medizin), und welche Fächergruppen Studierende
zum anderen, weil die entsprechenden verlieren (Bild 5.9). Es zeigt sich, dass vor
Studienfächer oftmals als schwer studier- allem die Fächergruppe Sozialwissen-
bar gelten (Ingenieurwissenschaften). schaften/Sozialwesen/Psychologie/Päda-
Werden nicht nur die Studiengang- gogik den größten Zugewinn an Studie-
wechsler/innen, sondern alle Studieren- renden aufweist (95%). Dabei haben am
den danach betrachtet, in welcher Fä- häufigsten Studierende aus den Sprach-

Bild 5.9 Studiengangwechsel und Fächermobilität (insgesamt)


Studierende im Erststudium in %

Fächergruppe nach dem Wechsel


Mathematik,

Medizin/ Ge-

Soz./-wesen/
sundheitsw.

Wirtschafts-

Fächergruppe zu
Kulturwiss.

Naturwiss.
Ingenieur-

Insgesamt
Rechts- u.

Psy./Päd.

Beginn des Studiums


Sprach-/
wiss.

wiss.

Ingenieurwiss. 90,8 1,4 3,2 0,4 3,1 1,1 100


Sprach- und Kulturwiss. 0,8 89,9 1,8 0,8 2,1 4,6 100
Mathematik, Naturwiss. 2,6 4,4 85,4 1,3 4,0 2,3 100
Medizin/Gesundheitswiss. 0,2 1,7 1,2 94,8 0,6 1,4 100
Rechts- u. Wirtschaftswiss. 1,1 3,3 1,7 0,5 90,5 3,0 100
Sozialw., -wesen/Psy./Päd. 0,9 4,0 1,4 0,7 1,8 91,2 100
Insgesamt 96,8 103,5 92,4 106,5 100,2 108,5
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
Wechsel innerhalb gleicher Fächergrupppe
MERKMALE DES STUDIUMS 161

und Kulturwissenschaften sowie den Zeitpunkt des Studiengang-


Rechts- und Wirtschaftswissenschaften wechsels
einen Wechsel in diese Fächergruppe
Ein Studiengangwechsel erfolgt im
vollzogen. Ein Zugewinn kann auch für
Durchschnitt nach etwa 3 Hochschulse-
die Fächergruppe Medizin/Gesundheits-
mestern. Dieser Wert wird jedoch von ei-
wissenschaften (7–%) konstatiert werden.
nigen Studierenden, die wesentlich spä-
Ein Teil der Studierenden, der in diese
ter gewechselt haben, nach „oben ver-
Gruppe gewechselt ist, könnte sich mögli-
zerrt“. Aus diesem Grund ist mit dem Me-
cherweise – auf Grund der Zulassungsbe-
dian, der bei 2 Hochschulsemestern liegt,
schränkungen in den medizinischen Stu-
eine adäquatere Maßzahl gegeben.1
diengängen – zunächst für einen Studien-
Drei Fünftel der Studierenden wech-
gang in einer anderen Fächergruppe ent-
seln bereits in den ersten beiden Hoch-
schieden haben, um sich dann, nach ei-
schulsemestern (59–%, Bild 5.10). Bis zum
ner Studienplatzzusage, in einen medizi-
4. Semester haben sich 83–% aller Studien-
nischen Studiengang einzuschreiben. Die
gangwechsler/innen für einen Wechsel
meisten der Studiengangwechsler/innen,
des Studienfaches, des Abschlusses oder
die in einen medizinischen Studiengang
für einen Wechsel von Fach und Ab-
gewechselt sind, kommen ursprünglich
schluss entschieden. Dies bedeutet im
aus der Fächergruppe Mathematik/Natur-
Umkehrschluss aber auch, dass noch im-
wissenschaften, häufig aus den Studien-
mer 17–% der Studiengangwechsler/innen
gängen Biologie und Chemie.
die Entscheidung über eine Neuausrich-
Für die Fächergruppe Mathematik/
tung ihres Studienziels erst nach dem
Naturwissenschaften lässt sich der größte
vierten Semester fällen.
Rückgang von Studierendenzahlen fest-
Wie der nachstehenden Übersicht zu
stellen (-8–%). Außerdem fällt auf, dass der
entnehmen ist, hängt der Zeitpunkt eines
Anteil derjenigen Studierenden, der von
Studiengangwechsels auch mit der Art
Beginn des Studiums an in dieser Fächer-
des Wechsels zusammen. Haben von den
gruppe eingeschrieben war bzw. der nur
Studierenden, die nur ihr Studienfach ge-
innerhalb dieser Fächergruppe gewech-
wechselt haben, 67–% ihren Wechsel in-
selt hat, insgesamt am niedrigsten ist
nerhalb des ersten Studienjahres vollzo-
(85–%). Somit weisen die Studierenden, die
gen, so trifft dies auf nur 40–% der Studie-
bei Beginn ihres Studiums in der Fächer-
gruppe Mathematik/Naturwissenschaf-
1
ten eingeschrieben waren die höchste fä- Der Median gibt an, bis zu welchem Zeitpunkt
die Hälfte der Studierenden mit Studiengang-
cherübergreifende Mobilität auf. wechsel diesen vollzogen hat.
162 MERKMALE DES STUDIUMS

Bild 5.10 Studiengangwechsler nach Abschlussart und Semesterzahl


Studierende im Erststudium in %
Abschlussart bei Erstimmatrikulation

Staatsexamen

Staatsexamen
Zeitpunkt des

Uni-Diplom
FH-Diplom

(für ein LA)


Insgesamt

(ohne LA)
Bachelor

Magister
Studiengangwechsels

1. und 2. Hochschulsemester 59 76 43 50 59 52 66

3. und 4. Hochschulsemester 24 20 26 27 22 25 21

5. und höheres Hochschulsem. 17 4 31 23 19 23 13


DSW/HIS 19. Sozialerhebung

renden zu, die nur ihren Abschluss ge- tig. Bereits innerhalb der ersten beiden
wechselt haben. Hochschulsemester haben von diesen
Art des Studierenden 76›% den Studiengang-
Studiengangwechsels wechsel vollzogen, bis zum vierten Se-
Zeitpunkt des
mester liegt dieser Anteil sogar bei 96›%.
Abschluss

Abschluss
Fach und

Studiengang-
Fach

Relativ spät wechseln dagegen Studieren-


nur

nur

wechsels
de, die bei Erstimmatrikulation ein Fach-
hochschuldiplom angestrebt haben. Bis
1. u. 2. HS 56 67 40 zum zweiten Semester, liegt der Anteil
3. u. 4. HS 25 21 29 der Studiengangwechsler/innen hier bei
5. u. höheres HS 19 12 31 43›%.

Wird zwischen den verschiedenen


5.2.2 Studienunterbrechung
Studienabschlussarten bei der Erstimma-
Etwas mehr als jeder zehnte Studierende
trikulation differenziert, dann zeigen sich
unterbricht sein Studium offiziell oder in-
deutliche Unterschiede in Bezug auf die
offiziell. Der Anteil der Studienunterbre-
Zeitpunkte des Studiengangwechsels
cher/innen im Erststudium liegt 2009 bei
(Bild 5.10): Studierende, die bei der Erst-
11›%. Im Vergleich zu 2006 hat sich damit
immatrikulation einen Bachelor-Ab-
der Anteil an Studienunterbrechern et-
schluss angestrebt haben, vollziehen ei-
was verringert (2006: 13›%).
nen Studiengangwechsel relativ frühzei-
MERKMALE DES STUDIUMS 163

Studienunterbrechungen hängen versitäten); 2003 lagen sie bei 13“% (Fach-


sehr oft mit Studiengangwechseln zu- hochschulen) und 16“% (Universitäten).
sammen. So haben Studierende, die einen Wie der nachfolgenden Übersicht zu
Studiengangwechsel vollzogen haben, entnehmen ist, zeigen sich im Vergleich
dreimal häufiger das Studium unterbro- nach Fächergruppen einige Unterschiede:
chen als diejenigen ohne Studiengang- Anteil der
wechsel (22“% vs. 8“%). Von den Studieren- Studienun-
Fächergruppe
den, die den Abschluss gewechselt haben, terbrecher/
hat fast ein Viertel auch das Studium un- innen
terbrochen (23“%, Bild 5.11). Genauso häu- Ingenieurwissenschaften 8
fig haben diejenigen Studierende ihr Stu- Sprach- und Kuturwiss. 14
dium unterbrochen, die Fach und Ab- Mathematik/Naturwiss. 11
schluss gewechselt haben. Medizin/Gesundheitsw. 11
Insgesamt unterbrechen Studierende Rechts- u. Wirtschaftswiss. 8
an Fachhochschulen ihr Studium seltener Sozialwiss./-wesen/Psy./Päd. 13
(9“%) als Studierende an den Universitäten 11
Insgesamt
(12“%). Die Anteile der Studienunterbre-
cher/innen sind bei beiden Hochschular- Danach sind Studienunterbrecher/innen
ten tendenziell gesunken: 2006 betrugen unter den Studierenden der Sprach- und
sie 11“% (Fachhochschulen) und 13“% (Uni- Kulturwissenschaften (14“%) sowie den

Bild 5.11 Studienunterbrechung nach Art des Studiengangwechsels


Studierende im Erststudium, in %

keine Studien-
Studienunterbrechung unterbrechung

nur Abschluss gewechselt 77 23

nur Fach gewechselt 81 19

Fach und Abschluss gewechselt 77 23

kein Studiengangwechsel 92 8

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


164 MERKMALE DES STUDIUMS

Studierenden der Fächergruppe Sozial- ter. Daneben zeigt sich bei einer kumu-
wissenschaften/Sozialwesen/Psychologie/ lierten Betrachtung, dass 92‘% aller Stu-
Pädagogik (13‘%) am häufigsten zu finden. dienunterbrechungen nicht länger als
Am niedrigsten hingegen ist dieser Anteil sechs Semester angedauert haben.
in den Rechts- und Wirtschaftswissen- Häufigste Gründe für eine Studienun-
schaften (8‘%) sowie in den Ingenieurwis- terbrechung sind der Zweifel am Sinn des
senschaften (8‘%). Studiums und der Wunsch, andere Erfah-
Regionale Unterschiede im Anteil an rungen zu sammeln (Bild 5.12). Dies wur-
Studienunterbrechern gibt es nicht. So- de jeweils von nahezu einem Viertel der
wohl in den alten als auch in den neuen Studierenden mit Studienunterbrechung
Ländern liegt der Anteil der Studienun- angegeben, besonders häufig jedoch von
terbrecher/innen bei 11‘%. Gleiches gilt für Studierenden der Fächergruppe Sprach-
die Studentinnen und Studenten: Bei bei- und Kulturwissenschaften. Dabei fällt
den Geschlechtern haben sich die Anteile auf, dass die Zweifel am Sinn des Studi-
der Studienunterbrecher/innen angegli- ums in den ersten Hochschulsemestern
chen (jeweils 11‘%). besonders ausgeprägt sind: Studienunter-
brecher/innen im ersten und zweiten Se-
Studienunterbrechung: Dauer mester nennen Zweifel am Sinn des Studi-
und Gründe ums besonders häufig (59‘%). Im dritten
Die Dauer einer Studienunterbrechung und vierten Semester ist der Anteil bereits
beträgt im Durchschnitt 3 Semester. Da es deutlich geringer (40‘%).
allerdings Studierende mit erheblich län- Weitere recht häufig genannte Grün-
geren Unterbrechungszeiten gibt, ist mit de ein Studium zu unterbrechen, sind fi-
dem Median (2 Semester) eine weitaus nanzielle Probleme (19‘%) und die Er-
bessere Maßzahl gegeben.2 werbstätigkeit während des Studiums
Bei 41‘% der Studierenden mit einer (18‘%). Dabei werden finanzielle Probleme
Studienunterbrechung hat diese nicht von Studenten (23‘%) häufiger genannt als
länger als ein Semester gedauert. Weitere von Studentinnen (14‘%) – ähnliches gilt
26‘% pausierten zwei Semester und bei für die Erwerbstätigkeit als Unterbre-
etwa 10‘% der Studienunterbrecher/innen chungsgrund (24‘% vs. 13‘%).
dauerte die Unterbrechung drei Semes- Für mehr als jeden Fünften spielen
außerdem gesundheitliche Gründe eine
2
Rolle bei der Studienunterbrechung
Der Median gibt an, bis zu welchem Zeitpunkt
die Hälfte der Studierenden mit Studienunter-
(22‘%). Wie in der 18. Sozialerhebung ver-
brechung ihr Studium unterbrochen hat. deutlicht wurde, kommt dabei den psy-
MERKMALE DES STUDIUMS 165

Bild 5.12 Gründe einer Studienunterbrechung nach Fächergruppe


Studienunterbrecher/innen im Erststudium, in % (Mehrfachnennungen möglich)

Fächergruppe

Rechts- u. Wirt-
Gesundheitsw.
Mathematik,

Soz./-wesen/
Sprach- und

schaftswiss.
Unterbrechungsgründe

Naturwiss.
Kuturwiss.
Ingenieur-
insgesamt

Psy./Päd.
Medizin/
wiss.

Zweifel am Sinn des Studiums 24 25 28 24 16 17 26


um andere Erfahrungen zu sammeln 23 21 29 24 16 22 22
sonstige Gründe 22 22 21 23 40 17 20
gesundheitliche Probleme 22 13 27 21 24 20 23
finanzielle Probleme 19 21 17 22 17 22 15
Erwerbstätigkeit 18 17 15 19 6 23 23
andere familiäre Gründe 14 17 10 20 8 17 11
Schwangerschaft/Kindererziehung 13 9 13 11 19 10 19
Wehr- oder Zivildienst 3 5 1 3 1 6 1
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

chischen Erkrankungen eine besondere dentinnen eine weitaus größere Rolle als
Bedeutung zu (2007: 402): So konnte ge- für Studenten (23:% vs. 3:%).
zeigt werden, dass psychische Erkrankun- Familiäre Gründe für eine Studienun-
gen bei Studienunterbrecher/innen dop- terbrechung geben 14:% der Studierenden
pelt so häufig vorliegen, wie bei den übri- an. Am seltensten werden der Wehr- bzw.
gen Studierenden mit gesundheitlicher der Zivildienst genannt (3:%).
Beeinträchtigung. Die Gründe, die im Rahmen einer Stu-
Fast ein Sechstel (13:%) der Studieren- dienunterbrechung eine wichtige Rolle
den nennt als Grund für eine Studienun- spielen, hängen auch von der sozialen
terbrechung Schwangerschaft oder Kin- Herkunft der Studierenden ab (Bild 5.13).
dererziehung. Dieser Unterbrechungs- Obwohl sich die Unterbrecherquoten der
grund spielt erwartungsgemäß für Stu- Studierenden der verschiedenen sozialen
166 MERKMALE DES STUDIUMS

Bild 5.13 Gründe einer Studienunterbrechung nach sozialer Herkunft


Studienunterbrecher/innen im Erststudium, in % (Mehrfachnennungen möglich)

Gruppe sozialer Herkunft


Unterbrechungsgründe
niedrig mittel gehoben hoch

finanzielle Probleme 31 22 18 10
um andere Erfahrungen zu sammeln 23 22 26 23
andere familiäre Gründe 21 15 11 12
Erwerbstätigkeit 21 22 15 16
gesundheitliche Probleme 20 20 24 23
sonstige Gründe 16 22 20 25
Zweifel am Sinn des Studiums 15 27 27 24
Schwangerschaft/Kindererziehung 13 12 12 13
Wehr- oder Zivildienst 4 3 3 2
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

Herkunftsgruppen nur geringfügig un- Ursachen als Unterbrechungsgrund ge-


terscheiden („niedrig“: 13—%; „mittel“: 11—%; nannt, während Zweifel am Sinn des Stu-
„gehoben“: 10—%; „hoch“: 11—%), sind – je diums bei der Herkunftsgruppe „niedrig“
nach sozialer Herkunft – verschiedene besonders selten genannt werden.
Unterbrechungsgründe relevant.
Hierbei fällt auf, dass Studienunter- 5.2.3 Hochschulwechsel
brecher/innen der Herkunftsgruppe Unter den Studierenden im Erststudium
„niedrig“ ihr Studium weitaus häufiger haben 14—% die Hochschule gewechselt,
aus finanziellen Gründen unterbrechen wobei von den Hochschulwechslern nur
(31—%) als Studienunterbrecher/innen der ein kleiner Anteil von 8—% die Hochschule
Herkunftsgruppe „hoch“ (10—%). Daneben zweimal oder öfter gewechselt hat. Mehr-
werden von Studierenden mit Unterbre- fache Hochschulwechsel sind also relativ
chungszeiten aus der Herkunftsgruppe selten. Im Vergleich zu 2006 ist der Anteil
„niedrig“ auch häufiger als in den ande- der Hochschulwechsler/innen um einen
ren sozialen Herkunftsgruppen familiäre Prozentpunkte gesunken (14—% vs. 15—%).
MERKMALE DES STUDIUMS 167

Die Daten der 19. Sozialerhebung zei- Anteil der Hochschulwechsler/innen


gen, dass Hochschulwechsel häufig mit 496%, bei denjenigen, die einen Fach-
Studienunterbrechungen und Studien- wechsel vorgenommen haben, 396%. Im
gangwechseln zusammenhängen: Von Gegensatz dazu stellt der Hochschul-
allen Studierenden, die sich für einen wechsel bei Studentinnen und Studenten,
Hochschulwechsel entschieden haben, die keinen Studiengangwechsel unter-
unterbrachen 236% das Studium. Bei den- nommen haben, eine Ausnahmeerschei-
jenigen, die keinen Hochschulwechsel nung dar. Nur 56% der Studierenden aus
vollzogen haben, liegt der entsprechende dieser Gruppe haben die Hochschule ge-
Anteil der Studienunterbrecher/innen bei wechselt. Daraus folgt, dass Hochschul-
96%. wechsel in besonderer Weise mit Studien-
Darüber hinaus gibt es einen deutli- gangwechseln gekoppelt sind.
chen Zusammenhang zwischen Studien- Auch nach Fächergruppen differen-
gang- und Hochschulwechseln. Hierbei ziert, variieren die Anteile der Hochschul-
zeigt sich, dass von den Studierenden, die wechsler/innen. Seltener als der Durch-
Fach und Abschluss gewechselt haben, schnitt entscheiden sich angehende Inge-
ein Anteil von 616% auch die Hochschule nieure/innen, Mathematiker/innen und
gewechselt hat (Bild 5.14). Bei Studieren- Naturwissenschaftler/innen für einen
den, die ausschließlich den Studienab- Hochschulwechsel (Bild 5.15). Demgegen-
schluss gewechselt haben, beträgt der über wechseln Studierende der Sprach-

Bild 5.14 Hochschulwechsel nach Art des Studiengangwechsels


Studierende im Erststudium, in %

kein Hochschulwechsel Hochschulwechsel

nur Abschluss gewechselt 51 49

nur Fach gewechselt 61 39

Fach und Abschluss gewechselt 39 61

kein Studiengangwechsel 95 5

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


168 MERKMALE DES STUDIUMS

und Kulturwissenschaften sowie der Fä- schulzugangsberechtigung erworben ha-


chergruppe Sozialwissenschaften/Sozial- ben aus. Beträgt der Anteil der Studieren-
wesen/Psychologie/Pädagogik über- den aus den alten Ländern mit Hoch-
durchschnittlich häufig. schulwechsel 14•%, so liegt der Vergleichs-
An Universitäten und Fachhochschu- wert für die Studierenden aus den neuen
len unterscheiden sich die Anteile der Länder bei 11•% (2006: 15•% vs. 12•%). Aller-
Hochschulwechsler/innen nur geringfü- dings wechseln Studierende aus den al-
gig (13•% vs. 14•%). Verglichen mit 2006 ten Ländern an Universitäten häufiger
zeigt sich, dass an beiden Hochschularten die Hochschule als Studierende aus den
die Anteile der Studierenden mit Hoch- neuen Ländern (14•% vs. 10•%). An den
schulwechseln leicht gesunken sind Fachhochschulen fallen die Unterschiede
(2006: je 15•%). Recht ähnlich fallen – im nach regionaler Herkunft geringer aus
Vergleich zu 2006 – die Unterschiede zwi- als an den Universitäten (alte Länder:
schen den Studierenden, die in den alten 14•%; neue Länder: 15•%).
bzw. in den neuen Ländern ihre Hoch-

Bild 5.15 Hochschulwechsler/innen nach Fächergruppen und Region


Studierende im Erststudium, in %

Anteil der Hochschulwechsler/innen


Merkmal
Universität Fachhochschule insgesamt

Fächergruppen
Ingenieurwissenschaften 6 15 11
Sprach- u. Kulturwissenschaften 16 16 16
Mathematik, Naturwissenschaften 11 13 12
Medizin/Gesundheitswissenschaften 14 9 13
Rechts- und Wirtschaftswiss. 13 14 14
Sozialwiss., -wesen/Psy./Päd. 17 13 15
Regionale Herkunft
alte Länder 14 14 14
neue Länder 10 15 11
insgesamt 13 14 14
DSW/HIS 19.Sozialerhebung
MERKMALE DES STUDIUMS 169

Geschlechtsspezifische Unterschiede (39˜%), eine attraktivere Stadt (33˜%) oder


im Wechselverhalten liegen nicht vor. Es der Ruf der Hochschule (28˜%) eine (sehr)
zeigt sich aber, dass Studierende der sozi- große Rolle beim Hochschulwechsel.
alen Herkunftsgruppe „hoch“ (16˜%) häu- Studiengebühren bzw. Studienbeiträge
figer einen Hochschulwechsel vorneh- und Lebenshaltungskosten waren für 16˜%
men als Studierende der sozialen Her- der Hochschulwechsler/innen ein Wech-
kunftsgruppe „niedrig“ (13˜%). Dabei ha- selmotiv.
ben sich die Anteile – verglichen mit 2006 Damit kann erstmalig mit der 19. Sozi-
– weiter angeglichen (2006: 19˜% vs. 13˜%). alerhebung die Frage beantwortet wer-
Zu den Gründen, die zu dieser unter- den, ob die Einführung von Studienge-
schiedlich hohen Mobilität der Studieren- bühren zu einer „Gebührenflucht“ wäh-
den dieser beiden sozialen Herkunfts- rend des Studiums führt. Wird davon aus-
gruppen beitragen, gehören u.˜a. die fi- gegangen, dass 16˜% der Hochschulwechs-
nanziellen Möglichkeiten. Letztere kom- ler/innen durch Studiengebühren moti-
men beispielsweise dann zum Tragen, viert waren, ihre Hochschule zu wech-
wenn mit der Hochschule auch der Hoch- seln, so sind dies etwa 2˜% von allen Stu-
schulort gewechselt wird und Umzugs- dierenden im Erststudium. Insofern kann
kosten oder Kosten für eine Unterkunft angenommen werden, dass eine „Gebüh-
am neuen Studienort anfallen. renflucht“ während des Studiums kaum
stattfindet.
Gründe für einen Hochschul- Darüber hinaus muss in Bezug auf die
wechsel Wechselgründe beachtet werden, dass im
Es gibt verschiedene Gründe, warum Stu- Allgemeinen ein Hochschulwechsel
dierende im Laufe ihres Studiums die meist nicht nur auf Grund eines einzigen
Hochschule wechseln. Einige der in die- Motivs erfolgt. So liegt der Anteil der Stu-
sem Rahmen relevanten Motive, die dabei dierenden, bei denen tatsächlich nur ein
eine große bzw. sehr große Rolle spielen, Motiv eine (sehr) große Rolle bei ihrem
sind in Bild 5.16 dargestellt: Besonders Hochschulwechsel spielte, bei 14˜%. Wei-
häufig genannt werden persönliche tere 24˜% der Hochschulwechsler/innen
Gründe (63˜%), der Wechsel des Studien- gaben zwei Gründe an, 24˜% nannten drei
gangs (63˜%) sowie das Studienangebot, Gründe und 21˜% vier Gründe.
das eher den eigenen Erwartungen ent- Die Wechselgründe unterscheiden
spricht (60˜%). Daneben spielen aber auch sich deutlich zwischen den Fächergrup-
Gründe wie bessere Studienbedingungen pen (Bild 5.16): Während beispielsweise
für die Hochschulwechsler/innen der Fä-
170 MERKMALE DES STUDIUMS

Bild 5.16 Gründe für einen Hochschulwechsel nach Fächergruppen


Hochschulwechsler/innen im Erststudium, Angaben auf einer Skala von 1 = „spielt
überhaupt keine Rolle“ bis 5 = „spielt eine sehr große Rolle“, 4 + 5 in %

Rechts- u. Wirt-
Gesundheitsw.
Mathematik,

Soz./-wesen/
Sprach- und

schaftswiss.
Naturwiss.
Kuturwiss.
Ingenieur-
Hochschulwechselgründe insgesamt

Psy./Päd.
Medizin/
wiss.
persönliche Gründe 63 60 66 64 62 62 64
Wechsel des Studiengangs 63 57 68 62 54 59 69
Studienangebot entspricht eher
60 65 61 58 34 64 61
meinen Erwartungen
bessere Studienbedingungen 39 46 39 38 30 43 34
attraktivere Stadt 33 22 38 32 37 35 35
Ruf der Hochschule 28 25 24 26 29 36 24
keine/geringere
16 18 18 12 13 18 16
Studiengebühren/-beiträge
geringere Lebenshaltungskosten 16 16 17 13 13 19 14
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

chergruppe Sozialwissenschaften/Sozial- spielen, sind sowohl das erwartungskon-


wesen/Psychologie/Pädagogik (69:%) so- forme Studienangebot (65:%) sowie besse-
wie der Fächergruppe Sprach- und Kul- re Studienbedingungen (46:%). Der Wech-
turwissenschaften (68:%) besonders der selgrund „attraktivere Stadt“ ist in erster
Wechsel des Studiengangs von Bedeu- Linie bei den Studierenden der Fächer-
tung war, trifft dies nur in geringerem gruppe Sprach- und Kulturwissenschaf-
Maße für die Hochschulwechsler/innen ten (38:%) sowie der Fächergruppe Medi-
der Fächergruppe Medizin/Gesundheits- zin/Gesundheitswissenschaften (37:%) von
wissenschaft (54:%) zu. Anders sieht es in Bedeutung. Der Ruf der Hochschule wird
den Ingenieurwissenschaften aus: Grün- hingegen häufig von den Hochschul-
de, die in dieser Fächergruppe eine (sehr) wechslern der Rechts- und Wirtschafts-
große Rolle bei einem Hochschulwechsel wissenschaften genannt (36:%).
MERKMALE DES STUDIUMS 171

Im Vergleich der Geschlechter zeigt Nach der Einführung der allgemei-


sich, dass es nur geringfügige Unterschie- nen Studiengebühren stellt sich auch die
de in Bezug auf die Gründe gibt, die zu ei- Frage, ob die Bedeutung der verschiede-
nem Hochschulwechsel geführt haben nen Hochschulwechselgründe unter-
(Bild 5.17). Eine Ausnahme bilden die per- schiedlich ausfällt, wenn nach Studieren-
sönlichen Gründe, die von Studenten we- den an gebührenpflichtigen und gebüh-
niger häufig genannt werden als von Stu- renfreien Hochschulen unterschieden
dentinnen (59“% vs. 67“%). Weitaus deutli- wird. Dabei zeigen sich einige auffallende
cher unterscheiden sich die Hochschul- Ergebnisse, die allerdings auf die Studie-
wechselgründe der Studierenden zwi- renden in den alten Ländern beschränkt
schen den Regionen. Hierbei fällt beson- bleiben: So liegt die größte Differenz bei
ders auf, dass die Motive „Studiengebüh- dem Grund „Studiengebühren/-beiträge“
ren“ und „Lebenshaltungskosten“ zwi- vor. Für Hochschulwechsler/innen, die
schen den alten und neuen Ländern vari- gegenwärtig an einer gebührenfreien
ieren: Während 14“% der Hochschul- Hochschule studieren, hatte das Motiv
wechsler/innen in den alten Ländern die „Studiengebühren/-beiträge“ einen weit-
Studiengebühren als ein wichtiges Motiv aus höheren Stellenwert (30“%) als für
angaben, gilt entsprechendes für 34“% der Hochschulwechsler/innen, die gegenwär-
Studierenden in den neuen Ländern. In tig an einer gebührenpflichtigen Hoch-
ähnlicher Weise verhält es sich mit dem schule studieren (5“%). Studiengebühren
Motiv der „Lebenshaltungskosten“. Nur können damit bei einem Teil der Studie-
für 14“% der Hochschulwechlser/innen in renden zu einem Wechsel an eine gebüh-
den alten Ländern, aber für 30“% der renfreie Hochschule beitragen.
Hochschulwechlser/innen in den neuen Bei den Wechselgründen „Ruf der
Ländern spielten diese eine entscheiden- Hochschule“ (30“%), „persönliche Gründe“
de Rolle bei ihrem Hochschulwechsel. (65“%) und den „Studienbedingungen“
Eine umfangreiche Abwanderung (41“%) handelt es sich um solche Gründe,
von Studierenden, die ihre Hochschulzu- die für Studierende an gebührenpflichti-
gangsberechtigung in den alten Ländern gen Hochschulen besonders relevant
erworben haben und die nach einem sind. D.h., dass Studierende, die diese
Hochschulwechsel in einem der gebüh- Gründe nannten, trotz der Studiengebüh-
renfreien neuen Länder eingeschrieben ren bereit waren, einen Hochschulwech-
sind hält sich jedoch in Grenzen. Ihr An- sel zu vollziehen.
teil an allen Hochschulwechslern beträgt Differenziert nach sozialer Herkunft
etwa 5“%. wird deutlich, dass Studierende aus der
172 MERKMALE DES STUDIUMS

Bild 5.17 Gründe für einen Hochschulwechsel nach Geschlecht, Region und
Gebührenpflicht
Hochschulwechsler/innen im Erststudium, Angaben auf einer Skala von 1 = „spielt
überhaupt keine Rolle“ bis 5 = „spielt eine sehr große Rolle“, 4 + 5 in %

Gebührenpflicht
Geschlecht Region
(nur alte Länder)
Hochschulwechselgründe
alte neue
Männer Frauen ja nein
Länder Länder

bessere Studienbedingungen 40 39 39 43 41 34
Studienangebot entspricht
60 60 60 61 61 57
eher meinen Erwartungen
Ruf der Hochschule 28 27 27 30 30 22
Wechsel des Studiengangs 63 62 62 66 63 61
keine/geringere
16 17 14 34 5 30
Studiengebühren/-beiträge
geringere Lebenshaltungskosten 16 15 14 30 12 16
attraktivere Stadt 31 35 33 31 33 35
persönliche Gründe 59 67 64 60 65 61
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

sozialen Herkunftsgruppe „niedrig“ weit- 5.2.4 Postgraduale Studiengänge


aus häufiger finanzielle Motive für einen Ein Anteil von 7:% der Studierenden befin-
Hochschulwechsel angeben als Studie- det sich 2009 in einem postgradualen
rende höherer sozialer Herkunftsgrup- Studium. Dazu zählen z.:B. das Zweitstu-
pen. Die größte Differenz liegt dabei zwi- dium, weiterführende Studiengänge –
schen den Studierenden aus der sozialen also ein Ergänzungs-, Zusatz- oder Auf-
Herkunftsgruppe „niedrig“ und der sozia- baustudium –, nicht-konsekutive Master-
ler Herkunftsgruppe „hoch“ (Studienge- studiengänge oder das Promotionsstudi-
bühren/-beiträge: 26:% vs. 13:%; Lebenshal- um. Im Vergleich zu 2006 ist der Anteil
tungskosten: 23:% vs. 13:%). der postgradualen Studierenden leicht
gesunken (2009: 7:%; 2006: 8:%).
MERKMALE DES STUDIUMS 173

Da es an Universitäten zumeist ein kuliert sind. In der Zukunft könnte es


weitaus reichhaltigeres Angebot an Mög- möglicherweise zu einer konvergieren-
lichkeiten gibt, einen weiterführenden den Entwicklung zwischen Universitäten
Abschluss zu erlangen (Bild 5.18), ist der und Fachhochschulen durch die nicht-
Anteil an Studierenden in postgradualen konsekutiven Master-Studiengänge kom-
Studiengängen hier erwartungsgemäß men. Promotionsmöglichkeiten gibt es
höher (9›%) als an Fachhochschulen (4›%). bislang nur an Universitäten.
Dabei entfällt der größte Anteil der Post- Von allen Studierenden im postgra-
graduierten an Universitäten auf die Dok- dualen Studium befindet sich etwa ein
torandinnen und Doktoranden (5›%). Für Viertel (24›%) in einem nicht-konsekuti-
ein sonstiges postgraduales Studium ha- ven Master-Studiengang, 47›% streben
ben sich 3›% der Studierenden einge- eine Promotion an und 29›% befinden sich
schrieben und lediglich 1›% befindet sich in einem sonstigen postgradualen Studi-
in einem nicht-konsekutiven Master-Stu- um, wie z.›B. einem Zweit- oder Aufbau-
diengang. Anders sieht die Situation an studium (Bild 5.19).
den Fachhochschulen aus. Unter den Die Studienabschlüsse, die im post-
Postgraduierten bilden hier diejenigen gradualen Studium angestrebt werden,
die Mehrheit, die in einem nicht-konseku- hängen allerdings auch von den bereits
tiven Master-Studiengang (3›%) immatri- erworbenen Qualifikationen im Erststu-

Bild 5.18 Studierende in postgradualen Studiengängen nach Hochschulart


in %

Universität Fachhochschule
im postgradualen Studium im postgradualen Studium

nicht-konsekutiver
1 Master
3 sonstiges postgra- nicht-konse-
duales Studium 3 kutiver
9 4 Master
91 96
Promotion
5
1 sonstiges post-
graduales Stu-
dium

im Erststudium1 im Erststudium1

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
einschl. Studierender mit Bachelor-Abschluss, die einen konsektutiven Master anstreben
174 MERKMALE DES STUDIUMS

dium ab. So streben Studierende, die be- oder ein Staatsexamen (ohne Lehramt) er-
reits einen Bachelor-Abschluss erlangt langt haben, im postgradualen Studium
haben, zumeist einen (nicht-konsekuti- vor allem eine Promotion an. Hierbei soll-
ven) Master-Titel an (636%). Ähnliches gilt te allerdings beachtet werden, dass viele
für die Studierenden, die bereits über ein Promovierende nicht an den Universitä-
Fachhochschuldiplom verfügen. Von ih- ten immatrikuliert sind und somit nicht
nen wählen 616% ebenfalls als Studienziel zur Grundgesamtheit der Sozialerhebung
den Master-Abschluss. gehören.
Demgegenüber streben Studierende, Im Vergleich zu 2003 und 2006 fällt
die einen Master-Abschluss, ein Universi- auf, dass der Anteil an Studierenden in
tätsdiplom, einen Magister-Abschluss Master-Studiengängen in Folge der Um-

Bild 5.19 Studierende im postgradualen Studium nach Abschluss im Erststudium


und angestrebtem Abschluss
Zeilenprozente
angestrebter Abschluss

anderer/keinen
Staatsexamen

Staatsexamen

erworbener
Uni-Diplom

Promotion
FH-Diplom

Abschluss

Abschluss
(ohne LA)
Bachelor

Magister

(inkl. LA)
Master

Bachelor 8 63 7 11 5 4 2 - 0
Master 5 4 - 11 - - 3 73 4
FH-Diplom 5 61 5 10 3 5 4 5 1
Uni-Diplom 4 8 <1 5 2 5 4 70 2
Magister 4 3 - 4 1 - 8 78 2
Staatsexamen (ohne LA) 3 3 - 1 3 3 - 83 4
Staatsexamen (inkl. LA) 5 8 - 5 3 1 20 43 16
anderer Abschluss 19 22 3 24 2 9 8 9 4
insgesamt 6 24 2 7 2 4 5 47 3
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
MERKMALE DES STUDIUMS 175

setzung der Bologna-Beschlüsse erwar- 2009) bereits studienbezogen im Ausland


tungsgemäß gestiegen ist. Strebten 2003 war. Berücksichtigt werden hierbei aus-
lediglich 5Ž% aller postgradualen Studie- schließlich Studierende in höheren Hoch-
renden den Master-Titel an, so stieg der schulsemestern. Dies ermöglicht eine an-
Vergleichswert im Jahr 2006 auf 18Ž% an nähernde Prognose, wie viele Studieren-
und liegt nunmehr im Jahr 2009 bei 24Ž%. de zum Abschluss ihres Studiums studien-
bezogene Auslandserfahrungen gesam-
5.2.5 Studienbezogener melt haben. Darüber hinaus kann die
Auslandsaufenthalt Quote der Auslandsmobilität noch um
Im Folgenden wird ein Überblick über die den Anteil jener Studierenden im höhe-
Art und das Ausmaß der studienbezoge- ren Semester ergänzt werden, der die fes-
nen Auslandsaufenthalte gegeben, der te Absicht hat, noch während des Studi-
sich auf einige der wichtigsten Eckdaten ums einen studienbezogenen Auslands-
beschränkt. Weitere und detaillierte In- aufenthalt durchzuführen. Dadurch er-
formationen zur Auslandsmobilität kön- gibt sich eine gute Schätzung des Anteils
nen dem Sonderbericht „Internationali- der Absolventen eines Erststudiums, der
sierung des Studiums“ entnommen wer- über Auslandserfahrungen verfügt.
den, der bis Ende 2010 erscheinen wird. Bei der Berechnung der Auslandsmo-
Bei den studienbezogenen Auslands- bilitätsquote sind aber – im Vergleich zur
aufenthalten werden verschiedene For- 18. Sozialerhebung – einige Änderungen
men unterschieden: Ein vorübergehen- notwendig geworden: Wurden bisher
des Studium an einer ausländischen alle Studierenden berücksichtigt, werden
Hochschule, ein im Ausland durchgeführ- nunmehr ausschließlich Studierende im
tes Praktikum oder durchgeführter Erststudium in das Berechnungsverfah-
Sprachkurs sowie sonstige studienbezo- ren eingeschlossen. Als Folge des Bolog-
gene Auslandsaufenthalte (z.ŽB. Exkursio- na-Prozesses und der damit veränderten
nen, Forschungsaufenthalte oder Studi- Studienstruktur können auch nicht mehr
enprojekte). alle Studierenden undifferenziert in ihrer
Um den Umfang der studentischen Gesamtheit betrachtet werden. Denn die
Auslandsmobilität zu beschreiben, wird neuen Bachelor-Studiengänge weisen
die Quote der heimischen Studierenden u.Ža. – im Vergleich zu den alten Studien-
(Deutsche und Bildungsinländer) im Erst- gängen – eine deutlich kürzere Regelstu-
studium ausgewiesen, die zum Zeitpunkt dienzeit auf. Da bereits ein Anteil von
der 19. Sozialerhebung (Sommersemester 42Ž% der Studierenden einen Bachelor-Ab-
schluss anstrebt, werden getrennte Aus-
176 MERKMALE DES STUDIUMS

landsmobilitätsquoten für die alten und den einzelnen Arten von Auslandsaufent-
die neuen Studiengänge (hier: nur Bache- halten differenziert, dann zeigen sich die
lor-Studierende, ohne konsekutive Mas- folgenden Ergebnisse: Die überwiegende
ter-Studierende) berechnet. Mehrheit der Studierenden war an einer
Des Weiteren sind auf Grund der un- ausländischen Hochschule immatriku-
terschiedlichen Regelstudienzeiten in liert (18–%) und/oder hat im Ausland ein
den alten und neuen Studiengängen un- studienbezogenes Praktikum durchge-
terschiedliche Definitionen notwendig, führt (16–%). Sprachkurse (5–%) bzw. sonsti-
ab wann von „Studierenden in höheren ge studienbezogene Auslandsaufenthalte
Semestern“ gesprochen werden kann. (4–%) werden deutlich seltener genannt
Diesbezüglich wurde für die Studieren- und spielen daher bei den Auslandsau-
den in den alten Studiengängen eine An- fenthalten nur eine nachgeordnete Rolle.
passung analog zum letzten Sonderbe- Weitere 12–% der Studierenden erwä-
richt zur 18. Sozialerhebung „Internatio- gen noch für die Zukunft, einige Zeit stu-
nalisierung des Studiums“ (Isserstedt/Link dienbezogen im Ausland zu verbringen.
2008: 49) vorgenommen. Als Studierende Bei einem Teil der Studierenden sind die-
in höheren Semestern gelten somit Stu- se Überlegungen aber noch recht vage.
dierende an Universitäten im 9. bis 14. Die feste Absicht, einen solchen Plan um-
Hochschulsemester und Studierende an zusetzen, äußern 5–% der Studierenden. Es
Fachhochschulen im 7. bis 11. Hochschul- kann insofern davon ausgegangen wer-
semester. den, dass schätzungsweise 37–% der Absol-
Im Gegensatz dazu werden die Stu- venten eines Erststudiums in den traditio-
dierenden in den Bachelor-Studiengän- nellen Studiengängen über studienbezo-
gen dann als „Studierende in höheren Se- gene Auslandserfahrungen verfügen.
mestern“ definiert, wenn sie sich im 5. bis
10. Semester befinden. Studierende in den Bachelor-
Studiengängen
Studierende in den alten
Von den Studierenden in den Bachelor-
Studiengängen Studiengängen, die sich im 5. bis 10. Se-
Der Anteil der Studierenden in den alten mester befinden, haben 16–% einen studi-
Studiengängen, der sich in höheren Se- enbezogenen Auslandsaufenthalt durch-
mestern befindet und einen studienbezo- geführt (Bild 5.21). Bei diesen Aufenthal-
genen Auslandsaufenthalt durchgeführt ten handelt es sich am häufigsten um ein
hat, beträgt 32–% (Bild 5.20). Wird nach Studium an einer Hochschule (9–%) und/
MERKMALE DES STUDIUMS 177

Bild 5.20 Studienbezogene Auslandsaufenthalte und Auslandspläne der Studieren-


den in traditionellen Studiengängen
Studierende im Erststudium in höheren Semestern, in %, Mehrfachnennungen der
Art des Aufenthalts möglich

Studierende in höheren
Semestern1
100 %

studienbe-
ja dingt nein
32 % im Ausland 68 %
gewesen?

Art des Aufenthalt


Auslands- ja2 während des nein3
aufenthaltes 12 % Studiums 56 %
geplant?

immatri- Prakti- Sprach- Sons- eventuell bestimmt vorbe-


kuliert kum kurs tiges 7% 2% reitet
18 % 16 % 5% 4% 3%

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
Universität o.ä. 9. bis 14. Semester, FH 7. bis 11. Semester
2
Summe der positiven Antwortkategorien „eventuell“, „ganz bestimmt“ und „vorbereitet“
3
Summe der Antwortkategorien „kein Interesse“, „keine Chance“ und „weiß nicht“

oder um ein Praktikum (66%). Weitaus sel- Auffallend hoch ist bei den Studieren-
tener zog es die Bachelor-Studierenden den der Bachelor-Studiengänge der An-
auf Grund eines Sprachkurses (36%) oder teil derjenigen, der zwar noch keinerlei
sonstigen studienbezogenen Aufenthalts Auslandserfahrungen gesammelt hat,
(26%) ins Ausland. der aber einen Auslandsaufenthalt plant.
178 MERKMALE DES STUDIUMS

Bild 5.21 Studienbezogene Auslandsaufenthalte und Auslandspläne der Studieren-


den in Bachelor-Studiengängen
Studierende im Erststudium in höheren Semestern, in %, Mehrfachnennungen der
Art des Aufenthalts möglich

Studierende in höheren
Semestern1
100 %

studienbe-
ja dingt nein
16 % im Ausland 84 %
gewesen?

Art des Aufenthalt


Auslands- ja2 während des nein3
aufenthaltes 29 % Studiums 55 %
geplant?

immatri- Prakti- Sprach- Sons- eventuell bestimmt vorbe-


kuliert kum kurs tiges 17 % 7% reitet
9% 6% 3% 2% 5%

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
Bachelor-Studierende, 5. bis 10. Semester
2
Summe der positiven Antwortkategorien „eventuell“, „ganz bestimmt“ und „vorbereitet“
3
Summe der Antwortkategorien „kein Interesse“, „keine Chance“ und „weiß nicht“

Dieser Anteil ist mit 293% im Vergleich zu Eine feste Absicht zur Durchführung ei-
den Studierenden der alten Studiengän- nes studienbedingten Auslandsaufent-
ge (123%) mehr als doppelt so hoch. Aller- halts haben 123% der Bachelor-Studieren-
dings ist einzuschränken, dass ein recht den. Wird der Anteil dieser Studierenden
hoher Anteil (173%) diesen geplanten Auf- zum Anteil derer hinzugezählt, die be-
enthalt nur eventuell durchführen wird. reits studienbezogen im Ausland waren,
MERKMALE DES STUDIUMS 179

so ist eine Auslandsmobilitätsquote von


28$% für die Bachelor-Studierenden zu
prognostizieren. Damit sind die Bachelor-
Studierenden im Vergleich zu den Studie-
renden der alten Studiengänge, deutlich
weniger auslandsmobil.
6. Studienfinanzierung – Einnahmen der
Studierenden
182 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Ausgewählte Ergebnisse im Überblick


für die Bezugsgruppe „Normalstudent“

Monatliche Einnahmen 2006 2009

- Arithmetischer Mittelwert € 770 812

- Median der Einnahmenverteilung € 725 770


(50 % der Studierenden haben geringere, 50 % höhere Einnahmen)

Monatliche Einnahmen alte Länder neue Länder


2006 2009 2006 2009
- Arithmetischer Mittelwert € 788 832 685 722
- Median € 750 800 650 694
- Zusammensetzung nach Finanzierungsquellen:
Beitrag der Eltern 52 48 50 46
(Anteil der Quellen in % BAföG 13 14 22 24
des Durchschnittsbudgets) eigener Verdienst 25 27 17 18
sonstige Quellen 10 11 11 12

Finanzierungsquellen 2009 vs. 2006 Stud. in % €

- von den Eltern 2009 87 445


2006 90 448

(es erhalten ... % der - nach dem BAföG 2009 29 430


Studierenden im 2006 29 376
Durchschnitt ... €)
- eigener Verdienst 2009 65 323
2006 60 308

Monatliche Einnahmen 2009 nach der sozialen davon durch ... (in %)
in €
Herkunft der Studierenden
Eltern BAföG Verdienst

Herkunftsgruppe niedrig 783 26 32 30


mittel 809 35 22 30
gehoben 797 47 14 27
hoch 833 63 6 21
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 183

Technische Hinweise

Definitionen Sockelfinanzierung
Bezugsgruppe „Normalstudent“ Damit ist die Summe der Einnahmen aus
Ledige Studierende, die außerhalb des allen Finanzierungsquellen, ausgenom-
Elternhauses wohnen und sich im Erst- men die Einnahmen durch eigenen Ver-
studium befinden. dienst, gemeint.

Bezugsgruppe
Monatliche Einnahmen
Bezugsgruppe „Normalstudent“
Summe der regelmäßigen Einnahmen
(Definition s.o.)
aus den verschiedenen in Anspruch ge-
nommenen Finanzierungsquellen. Datenquellen
Daten der Sozialerhebung (vor allem
Finanzierungsstruktur Fragen 19 und 20)
Die Finanzierungsstruktur beschreibt, Statistisches Bundesamt, Verbraucher-
zu welchen Anteilen die verschiedenen preisindex für Deutschland (früher:
Finanzierungsquellen durchschnittlich Preisindex für die Lebenshaltung):
an den monatlichen Einnahmen betei- http://www.destatis.de/jetspeed/portal/
ligt sind. cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/
Statistik... 24.09.09
Einnahmenbeträge in €
Einnahmenbeträge werden in der Regel
als arithmetische Mittelwerte ausgewie-
sen. Zur Beschreibung der Einnahmen-
verteilung wird häufiger auch der Medi-
an, als der Mittelwert, der von Extrem-
werten weniger beeinflussbar ist, aufge-
führt. Der Median ist der Betrag, den die
eine Hälfte der Studierenden unter- und
die andere Hälfte überschreitet.
DM-Beträge aus vorangehenden Sozial-
erhebungen wurden nach der Formel:
€ =DM/1,95583 umgerechnet.
184 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

6.1 Grundlagen der Analyse schließenden Master-Studiengang ein


Anspruch auf Förderung nach dem Bun-
6.1.1 Rechtslage desausbildungsförderungsgesetz (BAföG)
Grundsätzlich hat in Deutschland ein besteht. Es liegt nahe anzunehmen, dass
Kind gegenüber den Eltern Anspruch auf in diesen Fällen auch die Unterhalts-
Gewährung von Ausbildungsunterhalt pflicht der Eltern nicht nach dem Erwerb
für eine berufsqualifizierende Ausbil- des Bachelor-Abschlusses endet.
dung. In der Regel sind folglich auch Ausgehend vom Bedarfssatz, den die
die Eltern eines studierenden Kindes dazu Rechtsprechung für angemessen hält,
verpflichtet, mit einer angemessenen Un- müssen Eltern eines studierenden Kindes,
terhaltszahlung die Lebenshaltungskos- welches eine eigene Kranken- und Pflege-
ten und die Kosten des Studiums zu tra- versicherung benötigt, mit einem Unter-
gen. Die Rechtsprechung geht derzeit haltsanspruch in Höhe von gut 700 € pro
von einem Unterhaltsbedarf des studie- Monat rechnen. Studiert das Kind an ei-
renden Kindes, welches nicht mehr im ner Hochschule, welche nach dem für sie
Elternhaus wohnt, von 640 € pro Monat geltenden Landesrecht allgemeine Studi-
aus (Düsseldorfer Tabelle, 2009). Soweit engebühren erhebt, erhöht sich der Un-
unterhaltsberechtigte Studierende eine terhaltsanspruch bei Umrechnung der se-
eigene Kranken- und Pflegeversicherung mesterweise erhobenen Gebühren (i. d. R.
abzuschließen haben, sind diese Kosten 500 €) auf fast 790 € pro Monat. Aller-
zusätzlich von den Eltern zu tragen. Dies dings orientiert sich die Rechtsprechung
gilt ebenso für die allgemeinen Studien- bei der Höhe des Betrags, mit dem unter-
gebühren, die mittlerweile in einigen haltspflichtige Eltern das studierende
Ländern erhoben werden. Kind tatsächlich zu alimentieren haben,
Die Unterhaltspflicht der Eltern be- in der Regel an den wirtschaftlichen Ver-
steht für eine berufsqualifizierende Aus- hältnissen der Eltern. Folglich können
bildung. Sie besteht i. d. R. nicht mehr, Unterhaltsansprüche in der beschriebe-
wenn ein zweites Studium, ein Ergän- nen Größenordnung im Konfliktfalle nur
zungs-, Zusatz-, Aufbau- oder Promoti- bei solchen Eltern durchgesetzt werden,
onsstudium absolviert wird. Bei den deren finanzielle Leistungsfähigkeit dies
durch die Studienstrukturreform einge- ermöglicht.
führten konsekutiven Bachelor/Master- Ist die wirtschaftliche Situation der El-
Studiengängen hat der Gesetzgeber ent- tern so, dass sie gar nicht oder nur be-
schieden, dass nach dem Erwerb des schränkt leistungsfähig sind, bietet der
Bachelor-Abschlusses auch für den an- Staat mit dem Bundesausbildungsförde-
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 185

rungsgesetz (BAföG) Studienwilligen die räumt – sofern ein Anspruch auf Kinder-
Möglichkeit, den Lebensunterhalt wäh- geld besteht––, durch den so genannten
rend des Studiums zu finanzieren (s. Kapi- Kinderfreibetrag (3.864 € pro Jahr) und
tel 8). Außerdem offerieren die Länder, den Freibetrag für Betreuungs-, Erzie-
die Studiengebühren erheben, den Stu- hungs- oder Ausbildungsbedarf (2.160 €
dierenden in ihrem Zuständigkeitsbe- pro Jahr) ihr steuerpflichtiges Einkom-
reich die Möglichkeit, diese Gebühren men zu reduzieren. Eine Entlastung
durch Aufnahme eines Kredits zu finan- durch diese Freibeträge ergibt sich nach
zieren. dem derzeit gültigen Steuerrecht aller-
Eltern, die ihrer Unterhaltspflicht dings nur dann, wenn die aufgrund die-
nachkommen, werden staatlicherseits ser Freibeträge zu gewährende Steuer-
durch verschiedene, vom Gesetzgeber minderung betragsmäßig höher ausfällt
unter dem Oberbegriff Familienleistungs- als das erhaltene Kindergeld.
ausgleich zusammengefasste Regelun- Als weitere Entlastungsmöglichkeit
gen entlastet. Hier ist zunächst das staatli- für Eltern mit steuerpflichtigem Einkom-
che Kindergeld zu nennen. Bis Ende 2006 men ist der Freibetrag zur Abgeltung ei-
hatten in der Regel die Eltern Anspruch nes Sonderbedarfs bei Berufsausbildung
auf Kindergeld, bis das studierende Kind eines volljährigen Kindes zu nennen. Die-
das 27. Lebensjahr vollendet hatte. Diese ser Freibetrag wird auf Antrag gewährt,
Altersgrenze wurde vom Gesetzgeber solange ein Anspruch auf Kindergeld für
neu festgelegt, so dass ab dem 01.01.2007 das studierende Kind besteht und das
Kindergeld in der Regel nur noch bis zur Kind nicht im Elternhaus wohnt. Antrags-
Vollendung des 25. Lebensjahres gezahlt berechtigte Eltern können mit diesem
wird. Freibetrag ihr steuerpflichtiges Einkom-
Im Jahre 2009 konnten Eltern mit ei- men derzeit um maximal 924 € reduzie-
nem monatlichen Kindergeldbetrag von ren. Allerdings verringert sich dieser Be-
164 € für das erste und zweite Kind, mit trag entsprechend, sobald das Kind über
170 € für das dritte und 195 € für jedes wei- eigenes Einkommen verfügt (dazu zählt
tere Kind rechnen. Dieser Anspruch kann u. a. der Zuschussbetrag der BAföG-Förde-
aber nur dann realisiert werden, wenn rung), welches 1.848 € pro Jahr übersteigt.
das eigene Einkommen des studierenden Im Jahre 2009 werden Eltern von
Kindes eine bestimmte Grenze pro Jahr studierenden Kindern, die das 25. Lebens-
nicht überschreitet (2009: 7.680 €). jahr noch nicht vollendet haben, folglich
Darüber hinaus wird unterhalts- durch staatliche Transferleistungen in
pflichtigen Eltern die Möglichkeit einge- monatlicher Höhe von mindestens 164 €
186 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

bis höchstens rd. 243 € je Kind entlastet obachten (18. Sozialerhebung, 2007, S.
(2006: bis rd. 236 €). Mit dem Höchstbe- 173), die in der Konsequenz darauf hin-
trag von rd. 243 € können allerdings nur auslaufen, die Selbstbeteiligung der Stu-
Eltern rechnen, deren Einkommen so dierenden an ihren Ausbildungskosten
hoch ist, dass für die geltend gemachten zu erhöhen. So wird den Studierenden
Freibeträge die maximale steuerliche unabhängig davon, ob deren Eltern die
Entlastung greift (Spitzensteuersatz 42˜%). Ausbildungskosten tragen könnten, von
Aber auch für Eltern, die aufgrund der KfW-Bankengruppe mit Unterstüt-
des fortgeschrittenen Alters ihres studie- zung des BMBF der so genannte Bildungs-
renden Kindes kein Kindergeld erhalten, kredit angeboten. Damit soll im Sinne der
besteht die Möglichkeit, bei fortdauern- Initiatoren ein zeitlich befristeter, zins-
der Unterhaltspflicht, ihre Unterhalts- günstiger Kredit zur Unterstützung in
leistungen steuerlich geltend zu machen. fortgeschrittenen Ausbildungsphasen
In diesen Fällen kann ein Unterhaltsfrei- angeboten werden.
betrag in Anspruch genommen werden, Darüber hinaus bietet seit dem Früh-
durch den sich die Steuerschuld um bis zu jahr 2006 die KfW-Bankengruppe den
rd. 280 € (2006: bis 269 €) pro Monat redu- Studierenden an, ebenfalls im Auftrag
zieren lässt. der Bundesregierung, ihren Lebensunter-
Die Rahmenbedingungen der Studi- halt während des Studiums über einen
enfinanzierung sind mit der Unterhalts- Studienkredit zu finanzieren.
pflicht der Eltern, den steuerlichen Ent- Mit den Ergebnissen der aktuellen So-
lastungen der unterhaltspflichtigen El- zialerhebung wird es möglich sein darü-
tern und der staatlichen Ausbildungsför- ber Aufschluss zu geben, in welchem Um-
derung nach dem BAföG im wesentlichen fang Kreditangebote zur Bestreitung der
beschrieben. Faktisch kommt als weitere Lebenshaltungskosten, die mittlerweile
Säule der Studienfinanzierung die Selbst- auch von Geschäftsbanken offeriert wer-
finanzierung der Studierenden durch ei- den, aber auch die von einigen Ländern
genen Verdienst aus Erwerbstätigkeit ne- initiierten Kreditangebote zur Bestrei-
ben dem Studium hinzu. Der eigene Ver- tung der Studienbeiträge von den Studie-
dienst der Studierenden wird vom Gesetz- renden angenommen werden.
geber bis zu bestimmten Grenzbeträgen
als unschädlich sowohl bei der steuerli- 6.1.2 Haushaltstyp „Normal-
chen Entlastung der Eltern als auch der student“
Förderung nach dem BAföG toleriert. Die Beschreibung und Analyse der finan-
Seit 2006 sind Entwicklungen zu be- ziellen Situation konzentriert sich auf die
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 187

Studierenden, die nicht mehr im Eltern- häufig der vorhandene Familienetat an-
haus wohnen, ledig sind und sich im Erst- gegeben wird, weil sie die verlangte per-
studium befinden. Studierende, die sich sonenbezogene Differenzierung der Ein-
in einem konsekutiven Bachelor-/Master- nahmedaten nicht vornehmen konnten
studiengang befinden, werden auch nach oder wollten.
erfolgreichem Bachelorabschluss zu den Im Rahmen der 14. Sozialerhebung
Studierenden im Erststudium gezählt. Die wurde entschieden, die Beschreibung
so definierte Bezugsgruppe „Normalstu- und Analyse der finanziellen Situation
dent“, umfasst derzeit, wie bereits 2006, auf die so genannte Bezugsgruppe „Nor-
gut 65–% der studierenden Deutschen und malstudent“ zu beschränken. Mit aus-
Bildungsinländer. schlaggebend für diese Entscheidung
Die ähnlichen Randbedingungen, un- war, dass der „Normalstudent“ derjenige
ter denen diese Studierenden „haushal- Studententyp ist, der bei förderungspoli-
ten“, erlauben es, diese Gruppe als relativ tischen Überlegungen sowie unterhalts-
homogenen Haushaltstyp zu betrachten. rechtlichen Fragestellungen als Regelfall
Bei den übrigen Studierenden wird die im Vordergrund steht.
wirtschaftliche Situation erheblich davon
bestimmt, ob sie noch im Elternhaus woh- 6.1.3 Methodische Anmerkung
nen, verheiratet sind oder bereits ein Stu- Zur Ermittlung der monatlichen Einnah-
dium erfolgreich abgeschlossen haben. men wird zunächst danach gefragt, wel-
Bei früheren Sozialerhebungen (vgl. 10. che Finanzierungsquelle mit welchem
bis 13. Sozialerhebung) war die finanzielle Betrag im Sommersemester 2009 zur Be-
Situation dieser Studierendengruppen streitung des Lebensunterhalts beiträgt.
ebenfalls Gegenstand der Berichterstat- Soweit die Studierenden durch eine Fi-
tung. Allerdings mussten die Teilergeb- nanzierungsquelle Einnahmen in unter-
nisse für die Studierenden, die noch im El- schiedlicher Höhe oder unregelmäßiger
ternhaus wohnten oder bereits verheira- Folge beziehen, sind sie gehalten, den
tet waren, stets mit einem methodischen durchschnittlichen Betrag pro Monat im
Vorbehalt versehen werden. Bei den so Sommersemester anzugeben. Explizit
genannten Elternwohnern stellte es sich werden die Befragten bei den Einnahme-
als unzumutbar heraus, den Wert der von quellen „eigener Verdienst“ und „eigene
den Eltern erbrachten Naturalleistungen Mittel, die bereits vor dem Studium er-
einigermaßen sicher abzuschätzen. Bei worben bzw. angespart worden sind“,
den verheirateten Studierenden wurde nochmals darauf hingewiesen, hier ledig-
dagegen immer wieder festgestellt, dass lich den Betrag anzugeben, den sie davon
188 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

im Monat durchschnittlich einsetzen. Die Miete durch die Eltern, direkt an den Ver-
im Folgenden ausgewiesenen Beträge des mieter des Studierenden. Aber auch von
eigenen Verdienstes sind somit nicht in den Eltern unmittelbar getätigte Ausga-
jedem Fall mit dem gesamten Verdienst ben für Ernährung, Kleidung, Lernmittel,
der Studierenden gleichzusetzen. Ebenso verschiedene Versicherungen (beispiels-
ist der Anteil der Studierenden, der eige- weise die ggf. notwendige Krankenversi-
nen Verdienst zur Finanzierung des Le- cherung oder, bei Besitz eines Autos, die
bensunterhalts einsetzt, nicht gleichzu- dann fällige Haftpflichtversicherung)
setzen mit dem Anteil, der überhaupt u. a. m. zählen dazu (vgl. Fragebogen, An-
während des Studiums erwerbstätig ist hang). Diese Leistungen werden im Rah-
(vgl. Kapitel 10). Ermittelt und dargestellt men der Sozialerhebung vereinfachend
werden lediglich der Betrag, den Studie- auch als unbare Leistungen bzw. Einnah-
rende vom eigenen Verdienst monatlich men bezeichnet.
zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts Seit Einführung des beschriebenen
verwenden, und der Anteil der Studieren- Fragemodells zur Ermittlung der monat-
den, den dies betrifft. lichen Einnahmen im Jahre 1982 lässt sich
Die Summe der aus den verschiede- beobachten, dass der Anteil der so ge-
nen Finanzierungsquellen zur Verfügung nannten unbaren Leistungen an den mo-
stehenden Beträge ergibt die monatli- natlichen Einnahmen, von Erhebung zu
chen Bareinnahmen der Studierenden, Erhebung variierend, zwischen 10 % bis
also den Betrag, bei dem sie mehr oder 16˜% liegt.
weniger frei entscheiden können, wie sie Der größte Teil des als unbare Leis-
diesen für die verschiedenen Positionen tung ermittelten Einnahmenbetrags ent-
ihrer Lebenshaltungskosten einsetzen. fällt regelmäßig auf Mietzahlungen
Die Bareinnahmen sind der haupt- (2009: 58 %, 2006: 57 %). Dies ist damit zu
sächliche Bestandteil der monatlichen erklären, dass rd. ein Fünftel der Studie-
Einnahmen der Studierenden. Der zweite renden von den verfügbaren Bareinnah-
Bestandteil sind Leistungen vor allem der men überhaupt keine Ausgaben für Miete
Eltern, seltener des Lebenspartners/der einschließlich Nebenkosten bestreitet
Lebenspartnerin, die diese, über den und stattdessen die Mietzahlung direkt
Geldtransfer hinaus (Bareinnahmen) von den Eltern an den Vermieter erfolgt.
oder auch an seiner Stelle, für bestimmte Auch wenn die Mietzahlung unmit-
Positionen der Lebenshaltung der be- telbar von den Eltern getätigt wird, dürfte
günstigten Studierenden erbringen. Da- die Höhe der Miete als regelmäßige, ver-
mit gemeint ist z. B. die Überweisung der traglich fixierte Leistung jedem Studie-
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 189

renden hinlänglich bekannt sein. Folglich ledige Studierende regelmäßig und um-
kann angenommen werden, dass dieser fänglich vom Partner bzw. der Partnerin
Teil der unbaren Leistungen zuverlässig finanziell unterstützt werden, als äußerst
ermittelt wird. Hingegen dürfte es sich gering einzuschätzen ist. Selbst unter der
bei den übrigen unbaren Leistungen häu- Annahme, dass die unbaren Leistungen
fig um Werte handeln, die als grobe für Studierende, die mit einem erwerbstä-
Schätzungen einzustufen sind. So ist z. B. tigen Partner bzw. einer erwerbstätigen
nicht davon auszugehen, dass sehr viele Partnerin zusammenleben, in vollem
Studierende exakt angeben können, wie Umfang vom Partner bzw. der Partnerin
viel Geld die Eltern durchschnittlich pro erbracht werden, würde sich das ausge-
Monat für Kleidungsgeschenke zu ihren wiesene Ergebnis für die finanzielle Un-
Gunsten aufwenden. terstützung durch die Eltern (vgl. Bild 6.3)
Die ausgewiesenen Monatsbeträge nur marginal verändern. In dem Falle
der studentischen Einnahmen stehen würde der Anteil der von den Eltern fi-
folglich generell unter dem Vorbehalt, nanziell unterstützten Studierenden,
dass es sich dabei teilweise um Schätzun- ähnlich wie bereits 2006 festgestellt, um
gen handelt. Die ausgewiesenen Beträge etwa einen Prozentpunkt und der von ih-
sind unter diesem Vorbehalt zu interpre- nen durchschnittlich bereitgestellte
tieren. Veränderungen der monatlichen Geldbetrag um knapp 2 % niedriger aus-
Einnahmen in Abhängigkeit von ver- fallen.
schiedenen Merkmalen, aber auch im Ergänzend ist unter methodischen As-
Zeitverlauf, können hingegen vorbehalt- pekten auf Veränderungen bei der Frage-
los interpretiert werden. stellung zur Ermittlung der monatlichen
Die geldwerte Summe der so genann- Einnahmen hinzuweisen. So wurde die
ten unbaren Leistungen wird stets zum 2006 vorgegebene Finanzierungsquelle
Betrag des direkten Geldtransfers der El- „Kredit zur Studienfinanzierung von ei-
tern hinzuaddiert und bei den nachfol- ner Bank/Sparkasse“ weitergehend diffe-
genden Ergebnisdarstellungen als Leis- renziert, indem 2009 nach einem „Studi-
tung der Eltern ausgewiesen. Hierbei enkredit bei der KfW-Bankengruppe“
wird in Kauf genommen, dass in einigen und einem „Kredit zur Studienfinanzie-
Fällen, entsprechend der Fragestellung, rung bei einer anderen Bank/Sparkasse“
diese Leistungen auch vom Partner bzw. gefragt wurde. Auf die Antwortvorgabe
der Partnerin erbracht worden sein könn- „Kredit von einer Privatperson“ wurde
ten. Dies Verfahren wird für vertretbar 2009 hingegen verzichtet. Bei den Ant-
gehalten, da die Wahrscheinlichkeit, dass wortvorgaben für mögliche Kreditauf-
190 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

nahmen wurde ausdrücklich darauf hin- 6.2 Studienfinanzierung im


gewiesen, dass ein Kredit zur Finanzie- Überblick
rung der Studiengebühren hier nicht ge-
meint ist und Angaben dazu im Zusam- 6.2.1 Höhe der monatlichen
menhang mit einer weiteren Fragestel-
Einnahmen
lung gemacht werden können.
Der für 2009 ermittelte Durchschnittsbe-
Ziel der nachfolgenden Betrachtun-
trag der monatlichen Einnahmen liegt
gen ist es, detailliert zu beschreiben, wie
mit 812 € um 42 € höher als 2006 (Bild 6.1).
Studierende im Sommersemester 2009
Nominal ist damit eine Steigerung der
ihr Studium finanzieren und welche Ent-
monatlichen Einnahmen um gut 5 % zu
wicklungen diesbezüglich, verglichen
konstatieren. Real, also unter Berücksich-
mit der Situation im Jahre 2006, insbeson-
tigung der zwischenzeitlichen Entwick-
dere unter Beachtung der unmittelbar
lung des Verbraucherpreisindexes, sind
nach der 18. Sozialerhebung realisierten
die monatlichen Einnahmen der Studie-
Einführung von Studiengebühren in
renden aber lediglich um 0,2 % gestiegen.
sechs Ländern und der in allen Ländern
Die Kaufkraft der Studierenden im Jahre
weit fortgeschrittenen Studienstrukturre-
2009 liegt folglich auf dem gleichen Ni-
form, zu beobachten sind. Selbstverständ-
veau wie die der Studierenden im Jahre
lich ist auch für diese Sozialerhebung ein
2006. Bei der Beurteilung der jüngsten
wesentlicher Untersuchungsansatz, das
Entwicklung ist zu beachten, dass die Stu-
Augenmerk darauf zu richten, in wel-
dierenden des Jahres 2006 über nominal
chem Umfang die nach wie vor geltende
etwa gleich hohe Einnahmen verfügten
ordnungspolitische Grundvorstellung
wie die Studierenden des Jahres 2003,
der Alimentation der Studierenden durch
ihre Kaufkraft damit aber um gut 4 % ge-
Eltern oder ersatzweise nach dem BAföG
ringer war als 2003.
umgesetzt wird und inwieweit damit die
Mit 812 € verfügt die aktuelle Studie-
Elterngeneration ihrer Verpflichtung ge-
rendengeneration über monatliche Ein-
genüber der in Ausbildung befindlichen
nahmen, die nominal um rd. 45 % höher
Generation gerecht wird.
liegen als die Einnahmen der Studieren-
Generell ist noch darauf hinzuweisen,
den im Jahre 1991 (561 €), dem Jahr der
dass es sich bei den im Folgenden erörter-
ersten gesamtdeutschen Sozialerhebung.
ten Einnahmebeträgen stets um auf den
Auch real, d. h. unter Berücksichtigung
Monat bezogene Beträge handelt.
der Entwicklung der Lebenshaltungskos-
ten, liegen die monatlichen Einnahmen
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 191

Bild 6.1 Höhe der monatlichen Einnahmen – Mittelwerte


Bezugsgruppe „Normalstudent“ 1, in €

Arithm. Mittel Median

812
767 770 770
720 725
667 693 703 665
614 649
561 526

1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009 1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009
Jahr Jahr

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
bis 2003 nur deutsche Studierende, ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen

der Studierenden im Jahre 2009 höher als men (Bild 6.2) ist abzulesen, dass sich
1991 und zwar um knapp 3 %. Wird als auch im Jahre 2009 hinter dem Durch-
Ausgangspunkt der längerfristigen Be- schnittsbetrag der Einnahmen eine er-
trachtung das Jahr 1994 gewählt, liegen hebliche Bandbreite individueller Ein-
die monatlichen Einnahmen 2009 nomi- nahmenhöhen verbirgt. So wird deutlich,
nal um rd. 22 % höher als 1994 (812 € vs. dass es einerseits nach wie vor Studieren-
667 €). Die reale Kaufkraft der aktuellen de gibt (2 %), denen zur Bestreitung des
Studierendengeneration fällt damit aber Lebensunterhalts sehr wenig Geld (bis
um 2,5•% geringer aus als die der Studie- 400 €) zur Verfügung steht, andererseits
renden von 1994. Zusammenfassend liegt aber auch solche zu finden sind (4 %), die
die Schlussfolgerung nahe, dass die län- mit vergleichsweise hohen Einnahmen
gerfristige Entwicklung der monatlichen (über 1.300 €) haushalten können. Nach
Einnahmen der Studierenden in etwa der dem Median der Verteilungskurve ver-
Entwicklung der Lebenshaltungskosten fügt eine Hälfte der Studierenden über
folgt. monatliche Einnahmen unter 770 € und
Aus der Verteilung der Studierenden die andere Hälfte über höhere Einnah-
nach der Höhe der monatliche Einnah-
192 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Bild 6.2 Einnahmenverteilung – Studierende nach der Höhe der monatlichen Ein-
nahmen
Bezugsgruppe „Normalstudent“, in %

20
19
18 17 2006
16
15 2009
13 13
11
9
8
7
5 5
3
4 4 4
3
2 2 2
bi

40

50

60

70

80

90

10

110

12

üb
s4

01
01
1b

er
1b

1b
1b

1b

1b

1b

bi
00

bi
is

13
is

is
is

is

is

is

s1
s1
80

00
60

90
50

70

10

12

30
10

00
00
0
0
0

Einnahmen in € 0

DSW/HIS 19. Sozialerhebung

men. Auch dieser Kennwert fällt vergli- BAföG-Höchstsatz angemessen gewesen


chen mit 2006, als er bei 725 € lag, deut- wäre, bei 22 %. Allerdings lag damals der
lich höher aus. Höchstsatz nach dem BAföG noch bei
Wird als Maßstab für eine angemesse- 585—€.
ne finanzielle Ausstattung der BAföG- Die Rechtsprechung in der Bundesre-
Höchstsatz herangezogen (648 €), indem publik Deutschland orientiert sich bei Un-
Zuschläge für eine ggf. notwendige eige- terhaltsprozessen, die zur Klärung des Be-
ne Kranken- und Pflegeversicherung be- darfs unterhaltsberechtigter Kinder zu
reits enthalten sind, ist festzustellen: 26 % führen sind, an den von ihr selbst in der so
der Studierenden verfügen 2009 über ge- genannten Düsseldorfer Tabelle festge-
ringere monatliche Einnahmen. 2006 lag legten Bedarfssätzen. Danach ist seit 2006
der Anteil der Studierenden, die weniger der Bedarf von Studierenden, die nicht
Geld zur Verfügung hatten als nach dem mehr im Elternhaus wohnen, mit 640 €
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 193

festgelegt. Allerdings erhöht sich dieser mehr Semester im Studium sind,


Bedarf durch ggf. notwendige Ausgaben - Studierende, die hinzuverdienen,
für eine Kranken- und Pflegeversiche- - die in einer Wohnung allein leben oder
rung sowie Studiengebühren. Nach Maß- sich diese mit dem Partner/der Partne-
gabe dieses Bedarfssatzes liegt der Anteil rin teilen,
der Studierenden mit zu geringen Ein- - Studierende, die elternunabhängig
nahmen 2009 bei 25 % und lag 2006 bei nach dem BAföG gefördert werden und
33‹%. - Studierende der Rechts- und Wirt-
Im Jahre 2009 verfügt das Viertel der schaftswissenschaften sowie der Fächer-
Studierenden mit den geringsten Einnah- gruppe Medizin/Gesundheitswissen-
men über monatliche Beträge bis 640 €, schaften.
das Viertel mit den höchsten Einnahmen
über mehr als 949 €. Es liegt nahe, dass 6.2.2 Herkunft und Zusammen-
die Studierenden des unteren und oberen setzung der monatlichen
Einnahmenquartils sich nicht nur nach Einnahmen
der Höhe der monatlichen Einnahmen
Nach wie vor sind es die Eltern, mit deren
unterscheiden. Im unteren Einnahmen-
finanzieller Unterstützung der weitaus
quartil sind weit überdurchschnittlich
größte Teil der Studierenden rechnen
vertreten (d. h. der Erwartungswert wird
kann. 2009 erhalten 87 % der Studieren-
um mindestens fünf Prozentpunkte über-
den von ihren Eltern durchschnittlich
schritten; vgl. auch Kap. 6.3):
445‹€ pro Monat. Der Anteil der alimen-
- jüngere Studierende (bis 23 Jahre),
tierten Studierenden hat sich gegenüber
- folglich auch Studierende in den ersten
2006 um drei Prozentpunkte verringert,
beiden Semestern,
während der Durchschnittsbetrag, der
- Studierende, die ihren Lebensunterhalt
von den Eltern an die unterstützten Kin-
ohne eigenen Verdienst bestreiten,
der transferiert wird, konstant geblieben
- Wohnheimbewohner,
ist (Bild 6.3).
- Studierende in den neuen Ländern und
Nach der finanziellen Unterstützung
- Studierende der Fächergruppe Mathe-
durch die Eltern ist der durch Erwerbstä-
matik/Naturwissenschaften.
tigkeit neben dem Studium erzielte eige-
Zu den Studierenden des oberen Ein-
ne Verdienst der Studierenden die Finan-
nahmenquartils hingegen gehören über-
zierungsquelle, die am zweithäufigsten
durchschnittlich oft:
in Anspruch genommen wird. 65 % der
- ältere Studierende (26 Jahre und älter),
Studierenden setzen zur Bestreitung der
- damit auch solche, die bereits elf und
194 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Lebenshaltungskosten eigenen Verdienst gestiegen und in der Tendenz auch der


in durchschnittlicher Höhe von 323 € ein. Durchschnittsbetrag des eingesetzten
Gegenüber 2006 ist dieser Anteil deutlich Verdienstes (Bild 6.3).

Bild 6.3 Finanzierungsquellen – Inanspruchnahme und geleistete Beträge


Bezugsgruppe „Normalstudent“
2006 2009
Stud. Beträge in € Stud. Beträge in €
Finanzierungsquelle
arithm. arithm.
% Mittel Median % Mittel Median

Elternleistung 90 448 450 87 445 440


- als Barzuwendung 83 338 300 79 338 300
- als unbare Zuwendung 55 221 200 52 228 200

eigener Verdienst aus


Tätigkeiten während
des Studiums 60 308 240 65 323 265

BAföG 29 376 404 29 430 472

Rückgriff auf Mittel, die


vor dem Studium
angesammelt wurden 17 126 90 20 122 80

Verwandte, Bekannte 20 81 50 21 82 50

Waisengeld oder Waisenrente 4 221 185 4 223 180

Partner/Partnerin 3 161 100 2 155 100

Stipendium 2 328 300 3 305 200

Bildungskredit von der KfW 2 315 300 1 257 300

Studienkredit von der KfW 3 411 450

Kredit zur Studienfinanzierung 0,6 382 300


von einer anderen
Bank/Sparkasse 1 407 400

sonstige Finanzierungsquellen 3 353 223 3 442 250


DSW/HIS 19. Sozialerhebung
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 195

Die staatliche Förderung nach dem stieg des Anteils der Studierenden zu be-
BAföG wird ebenso wie bereits 2006 auch obachten, die zur Bestreitung der Lebens-
2009 von 29 % der Studierenden der Be- haltungskosten einen Kredit aufnehmen.
zugsgruppe „Normalstudent“ in An- Gaben 2006 weniger als 1 % der Studieren-
spruch genommen (zur BAföG-Quote un- den an, bei einer Bank/Sparkasse (einschl.
ter allen Studierenden vgl. Kap. 8). Der den Studienkredit der KfW-Bankengrup-
durchschnittliche Betrag, mit dem diese pe, aber ohne den von der KfW angebote-
Geförderten unterstützt werden, fällt nen Bildungskredit) einen Kredit aufge-
2009 mit 430 € allerdings deutlich höher nommen zu haben, so liegt der entspre-
aus als 2006 mit 376‘€. Dies erklärt sich chende Anteilswert 2009 bei 4‘%. Danach
vor allem durch die zwischenzeitliche Er- haben von den aktuellen Studierenden
höhung der BAföG-Bedarfssätze (vgl. 3‘% einen Studienkredit bei der KfW-
Kap.‘8). Bankengruppe und 1 % einen Kredit zur
Neben den Eltern, dem eigenen Ver- Studienfinanzierung bei einer anderen
dienst der Studierenden und dem BAföG, Bank/Sparkasse aufgenommen. Der An-
die als Hauptsäulen der Studienfinanzie- teil, der den schon länger von der KfW-
rung zu bezeichnen sind, gibt es eine Rei- Bankengruppe angebotenen Bildungs-
he weiterer Finanzierungsquellen (s. Bild kredit in Anspruch nimmt, ist hingegen
6.3), deren Bedeutung im Einzelfall nicht von knapp 2 % auf knapp 1 % zurückgegan-
zu unterschätzen ist, die in der Gesamt- gen. Die speziellen Kreditangebote, die
sicht aber eher eine untergeordnete Rolle zwischenzeitlich zur Finanzierung der
spielen. Darauf hinzuweisen ist, dass der Studiengebühren eingeführt wurden
Anteil der Studierenden, der Eigenmittel, (vgl. dazu Kap. 7.4), blieben bei dieser Be-
die vor dem Studium erworben/ange- trachtung unberücksichtigt.
spart wurden, zur Bestreitung des Lebens-
unterhalts einsetzt, sich gegenüber 2006 Inanspruchnahme der haupt-
merklich erhöht hat – von 17 % auf 20 %. sächlichen Finanzierungsquellen
Der Betrag der eingesetzten Eigenmittel Im nachfolgenden Bild 6.4 ist dargestellt,
ist hingegen konstant geblieben (Bild wie sich die Inanspruchnahme der drei
6.3). Hauptquellen der Studienfinanzierung
Auffällig ist auch, dass sich der Anteil seit 1991 entwickelt hat.
der Stipendiaten/Stipendiatinnen unter Danach ist festzustellen, dass der An-
den Studierenden der Bezugsgruppe teil der Studierenden, die von den Eltern
„Normalstudent“ von 2 % (2006) auf 3 % finanziell unterstützt werden, von 1991
(2009) erhöht hat. Ebenfalls ist ein An- bis 2006 steigende Tendenz hatte. 2009
196 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Bild 6.4 Ausgewählte Finanzierungsquellen 1991-2009 – Anteil der Studierenden


1
mit Einnahmen aus der jeweiligen Quelle und Höhe des Betrags
Bezugsgruppe „Normalstudent“, Studierende in %, Beträge in € ( arithmetischer Mit-
telwert)

Anteil Studierende Betrag


Eltern
86 86 89 90 87 435 448 445
83
82 383 395 406
305

1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009 1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009

BAföG
430
367 376
319 323
286 294
39
33 29 29
23 24 27

1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009 1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009

Verdienst

65 67 66 63 65 312 327 325 308 323


61 60 279
230

1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009 1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
bis 2003 nur deutsche Studierende, ab 2006 einschl. Bildungsinländer/innen
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 197

zeigt sich hier erstmals ein deutlicher erreichen. Wie bereits beschrieben wur-
Rückgang. Auch die von den Eltern be- de, hat sich 2009 der Anteil der Geförder-
reitgestellten Beträge erhöhten sich von ten im Vergleich zu 2006 auf einem kon-
1991 bis 2006 stetig. Der 2009 ermittelte stanten Niveau eingependelt, allerdings
Betrag ist hingegen nominal konstant ge- ist der durchschnittliche Förderungsbe-
blieben. Die aktuelle Entwicklung der fi- trag erheblich gestiegen (um rd. 14 % bzw.
nanziellen Unterstützung der Studieren- 53 €).
den durch ihre Eltern legt die Frage nahe:
Sind dies Auswirkungen der derzeitigen Leistungsumfang der Finanzie-
Wirtschaftskrise, die u. a. nach Berech- rungsquellen
nungen des Statistischen Bundesamts in Relativ wenige Studierende bestreiten
den ersten beiden Quartalen 2009 zu sin- ihre Lebenshaltungskosten mit Einnah-
kenden Nominal- und Reallöhnen führte men, die lediglich durch eine Finanzie-
(Statistisches Bundesamt, 2009) oder sind rungsquelle bereitgestellt werden. Dieser
generell die Grenzen der finanziellen Anteil liegt derzeit bei 15 %. Der größte
Leistungsfähigkeit der Eltern erreicht Teil finanziert das Studium mit Einnah-
worden? men aus zwei Quellen (44 %). Allerdings ist
Wird berücksichtigt, dass der Anteil der Anteil, der drei und mehr Finanzie-
der Studierenden, die eigenen Verdienst rungsquellen in Anspruch nimmt, nicht
zur Bestreitung des Lebensunterhalts ein- wesentlich geringer (41 %).
setzen, entgegen der nach 1997 zu be- Wie viele Studierende sich ausschließ-
obachtenden rückläufigen Tendenz die- lich mit Mitteln von den Eltern, durch das
ses Anteils, 2009 sprunghaft angestiegen BAföG oder eigenen Verdienst finanzie-
ist, bietet sich an, dies als verständnisvolle ren, ist in Bild 6.5 dargestellt. Ebenso ist
Reaktion der Studierendengeneration dort belegt, welcher Anteil der Studieren-
auf eine angespanntere finanzielle Situa- den mindestens die Hälfte seiner monatli-
tion im Elternhaus zu interpretieren. chen Einnahmen aus einer der drei ge-
Der Anteil Studierender, die eine För- nannten Finanzierungsquellen bezieht.
derung nach dem BAföG erhalten, hat Danach liegt der Anteil der Studieren-
sich nach dem von 1991 bis 1997 zu be- den, die ihren Lebensunterhalt aus-
obachtenden deutlichen Rückgang (Bild schließlich mit Transferleistungen der El-
6.4), vor allem durch die in der Folgezeit tern bestreiten, 2009 bei 10 % (2006: 13 %).
ergriffenen gesetzgeberischen Maßnah- Diese Studierenden werden von den El-
men, wieder erhöht, ohne allerdings das tern mit durchschnittlich 698 € unter-
Niveau der frühen 1990er Jahre wieder zu stützt (2006: 659 €). Der Anteil der Studie-
198 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Bild 6.5 Studierende, deren Finanzierung ausschließlich bzw. mindestens zur


Hälfte durch die Eltern, das BAföG oder eigenen Verdienst erfolgt
Bezugsgruppe „Normalstudent“

2009 2006
Finanzierungsquelle
Stud. in % Betrag in € Stud. in % Betrag in €
alleinige Finanzierung durch:
Eltern 10 698 13 659
BAföG 1 571 1 524
Verdienst 3 964 3 989
mindestens hälftige Finanzierung durch:
Eltern 51 606 56 588
BAföG 18 526 17 480
Verdienst 16 656 15 662
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

renden, die mindestens die Hälfte ihrer Gegenüber 2006 hat sich der entspre-
monatlichen Einnahmen von den Eltern chende Anteil der Studierenden leicht er-
erhalten, beläuft sich 2009 auf 51 % (2006: höht, der ausgezahlte Förderungsbetrag
56—%). Der durchschnittliche Betrag, den hingegen deutlich (Bild 6.5).
die Eltern für diese Studierenden aufwen- Ausschließlich mit eigenem Verdienst
den, liegt bei 606 € (2006: 588 €). bestreiten 3 % der Studierenden ihren Le-
Der Anteil der Studierenden, der sei- bensunterhalt, ein gegenüber 2006 un-
nen Lebensunterhalt ausschließlich mit veränderter Anteil. Der von diesen Studie-
BAföG-Mitteln finanziert, liegt 2009 un- renden durch Erwerbstätigkeit neben
verändert bei einem Prozent. Der Förde- dem Studium erzielte Verdienst liegt bei
rungsbetrag, mit dem dies möglich ist, durchschnittlich 964 € (2006: 989 €). Der
hat sich gegenüber 2006 deutlich erhöht Anteil der Studierenden, deren monatli-
(571 € vs. 524 €). Zumindest die Hälfte der che Einnahmen zumindest zur Hälfte aus
monatlichen Einnahmen werden bei 18 % eigenem Verdienst bestehen, hat sich von
der Studierenden durch die Förderung 2006 nach 2009 leicht erhöht – von knapp
nach dem BAföG bereitgestellt. Der För- 15 % auf 16 %. Der Durchschnittsbetrag des
derungsbetrag, den diese Studierenden Verdienstes, mit dem diese Studierenden
erhalten, liegt bei durchschnittlich 526 €. selbst zu ihrem Lebensunterhalt beitra-
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 199

gen, fällt 2009 mit 656 € nicht wesentlich 2006 lag das von den Eltern für Stu-
anders aus als 2006 mit 662 €. dierende der Bezugsgruppe „Normalstu-
Aus den Angaben der Studierenden dent“ transferierte Finanzvolumen bei
der Bezugsgruppe „Normalstudent“ lässt monatlich rd. 446 Mio. €. Die zugrunde
sich berechnen, dass von allen Finanzie- liegende Berechnungsformel lautet: Fi-
rungsquellen zur Bestreitung der Lebens- nanzvolumen 2006 = [(arithm. Mittelwert
haltungskosten dieser Studierenden im der elterlichen Unterstützung 2006 x An-
Jahre 2009 rd. 10,9 Mrd. € zur Verfügung teil unterstützter Studierender 2006)/100]
gestellt wurden. Der entsprechende Be- x Zahl der Studierenden 2006. Bei ange-
trag lag 2006 bei 10,3 Mrd. €. An dem be- nommener konstanter Leistung der El-
schriebenen Finanzvolumen sind die ein- tern ist für 2009 unter Beachtung der ver-
zelnen Finanzierungsquellen mit folgen- änderten Studierendenzahl ein Finanzvo-
den Beträgen beteiligt (in Mrd. €): lumen in Höhe von rd. 449 Mio. € pro Mo-
Quelle 2009 2006 nat zu erwarten. Die Berechnung erfolgt
• Eltern 5,19 5,36 nach folgender Formel: Erwartetes Fi-
• BAföG 1,66 1,45 nanzvolumen 2009 = [(arithm. Mittelwert
• Verdienst 2,82 2,48 der elterlichen Unterstützung 2006 x An-
• Übrige 1,25 0,99 teil unterstützter Studierender 2006)/100]
Zur Finanzierung des Lebensunter- x Zahl der Studierenden 2009. Das 2009
halts steht den Studierenden der Bezugs- tatsächlich transferierte Finanzvolumen
gruppe „Normalstudent“ 2009 folglich liegt aber bei rd. 432 Mio. € pro Monat –
ein um rd. 6D% höheres Finanzvolumen berechnet nach der Formel: Finanzvolu-
zur Verfügung als 2006. Allerdings ist da- men 2009 = [(arithm. Mittelwert der elter-
bei zu berücksichtigen, dass 2009 die Zahl lichen Unterstützung 2009 x Anteil unter-
der Studierenden, die mit dem für dieses stützter Studierender 2009)/100] x Zahl
Jahr berechneten Finanzvolumen ihren der Studierenden 2009. Der Unterschied
Lebensunterhalt finanzieren, um knapp zwischen dem erwarteten Finanzvolu-
1D% höher liegt als 2006. men und dem tatsächlich transferierten
Um beurteilen zu können, wie sich Finanzvolumen zeigt die nominale Ver-
die Leistung der einzelnen Finanzie- änderung der Elternleistung an. Im Er-
rungsquellen von 2006 nach 2009 entwi- gebnis haben die Eltern ihr finanzielles
ckelt hat, wird im Folgenden das dafür Engagement 2009 gegenüber 2006 um
probate Verfahren am Beispiel der finan- nominal knapp 4 % verringert.
ziellen Unterstützung durch die Eltern er- Die Ergebnisse dieser Berechnung,
läutert. auch für die weiteren Finanzierungsquel-
200 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

len, sind in Bild 6.6 zusammengestellt. der Studierenden im Jahre 2003 um 4 %


Danach ist verglichen mit 2006 allein die geringer aus als im Jahre 2000 und war
finanzielle Unterstützung der Eltern rück- im Jahre 2006 sogar um 10’% geringer als
läufig. Das Förderungsvolumen nach im Jahre 2003. Die Entwicklung von 2006
dem BAföG und auch das Finanzvolumen, nach 2009 zeigt, dass sich dieser Trend
mit dem sich die Studierenden durch den nicht fortgesetzt hat, sondern bei einer
Verdienst aus eigener Erwerbstätigkeit fi- Steigerung des eingesetzten Verdienstes
nanzieren, ist hingegen gegenüber dem um nominal 12,8 % eine deutliche Trend-
bei höheren Studierendenzahlen erwar- wende zu konstatieren ist.
teten Finanzvolumen nominal jeweils um Auch das Finanzvolumen, welches die
rd. 13 % gestiegen. übrigen Quellen insgesamt zur Verfü-
Bezogen auf den eigenen Verdienst gung stellen, liegt deutlich über dem Er-
der Studierenden ist anzumerken, dass wartungswert (25 %). Dies ist vor allem da-
nach dem Erreichen des bisherigen Höhe- rauf zurückzuführen, dass das Finanzvo-
punkts der Selbstfinanzierung im Jahre lumen, welches aus der Aufnahme von
2000 (Selbstfinanzierungsquote: 31 %, vgl. Krediten für den Lebensunterhalt resul-
Bild 6.7), die Inanspruchnahme dieser Fi- tiert, sich mehr als verdoppelt hat. Bei ei-
nanzierungsquelle in den Jahren 2003 ner Fortschreibung des Ergebnisses von
und 2006 rückläufig war. Nominal fiel das 2006 unter Berücksichtigung der erhöh-
Volumen des eingesetzten Verdienstes ten Studierendenzahlen war für 2009 ein
Kreditvolumen von rd. 10 Mio. € pro Mo-
Bild 6.6 Leistungsentwicklung der Fi- nat zu erwarten, ermittelt wurde aber ein
nanzierungsquellen Volumen von rd. 22 Mio. € pro Monat.
Bezugsgruppe „Normalstudent“ Bleiben die Kredite zur Finanzierung
des Lebensunterhalts bei der Berechnung
1
Finanzierungs- nominale Veränderung der Leistungen der zusammengefassten
quelle 2009 vs. 2006 2006 vs 2003 übrigen Finanzierungsquellen unberück-
Eltern -3,9 % 3,3 % sichtigt, liegt die nominale Erhöhung des
von den verbleibenden Finanzierungs-
BAföG 13,8 % 7,7 %
quellen zur Verfügung gestellten Finanz-
Verdienst 12,8 % -9,7 %
volumens bei lediglich 14’%.
Übrige 25,2 % 3,7 %
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
Veränderung des Finanzvolumens gegenüber dem
erwarteten Volumen bei konstanter Leistung und
Beachtung der veränderten Studierendenzahl
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 201

Zusammensetzung der monatli- Anteil der verschiedenen Finanzierungs-


chen Einnahmen quellen am Gesamtbetrag der monatli-
chen Einnahmen (Bild 6.7).
Wie bereits dargelegt, ergeben sich die
Die aktuelle Zusammensetzung der
monatlichen Einnahmen des weitaus
monatlichen Einnahmen zeigt ein deut-
größten Teils der Studierenden durch die
lich verändertes Bild gegenüber der Situ-
Inanspruchnahme von zwei und mehr Fi-
ation im Jahre 2006. Während der Beitrag
nanzierungsquellen. Ein probates Mittel,
der Eltern zu den monatlichen Einnah-
um Veränderungen bei der Studienfinan-
men um vier Prozentpunkte geringer aus-
zierung aufzuzeigen, ist folglich, die Ent-
fällt, hat sich der Beitrag des BAföG um ei-
wicklung der Finanzierungsstruktur zu
nen und der Selbstfinanzierungsanteil
beobachten. Damit gemeint ist die durch-
durch eigenen Verdienst um zwei Pro-
schnittliche Zusammensetzung der mo-
zentpunkte erhöht. Ebenfalls gestiegen
natlichen Einnahmen, ausgewiesen als

Bild 6.7 Finanzierungsstruktur – Zusammensetzung der monatlichen Einnahmen


1
nach der Herkunft der Mittel
Bezugsgruppe „Normalstudent“, Anteil je Finanzierungsquelle in %

10 11 10 9 9 10 11 Finanzierungs-
quellen:
25 27 31 27 24 26
30 Übrige
Verdienst
13 14
20 14 11 11 15 BAföG
Eltern

48 49 49 51 52 48
45

1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009


Jahr

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
bis 2003 nur deutsche Studierende, ab 2006 einschl. Bildungsinländer/innen
202 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

ist der Anteil, mit dem die übrigen Finan- genen Verdienst beigebracht wird, we-
zierungsquellen zu den Einnahmen der sentlich höher (28 % vs. 23˜%).
Studierenden beitragen. Bei Männern und Frauen ist der An-
Insbesondere fällt auf, dass der seit teil, mit dem die Eltern zu den monatli-
1991 festzustellende Trend eines stetig chen Einnahmen beitragen, von 2006 auf
wachsenden finanziellen Engagements 2009 merklich zurückgegangen. Die ent-
der Eltern im Jahre 2006 seinen vorläufi- sprechenden Anteile der BAföG-Förde-
gen Höhepunkt erreicht hat. Ob mit der rung, des eigenen Verdienstes sowie der
rückläufigen Entwicklung von 2006 auf übrigen Quellen insgesamt haben sich
2009 eine Trendumkehr eingeleitet wur- hingegen erhöht.
de, wird die Zukunft zeigen. Als Reaktion Es fällt auf, dass gegenüber 2006 vor
auf die jüngste Entwicklung der Elternfi- allem der Anteil der Studenten geringer
nanzierung ist der merkliche Anstieg der geworden ist, der von den Eltern finan-
Selbstfinanzierungsquote zu sehen, die ziell unterstützt wird (85 % vs. 89 %). Der
im Jahre 2000 den bisher höchsten Stand Anteil der Eltern, die ihre studierenden
erreicht hatte und bis 2006 deutlich zu- Töchter finanziell unterstützen, ist dage-
rückgegangen war. gen weniger deutlich zurückgegangen
(88 % vs. 90 %). Die Beträge, die 2009 von
6.3 Einnahmensituation nach den Eltern für die unterstützten Söhne
ausgewählten Merkmalen und Töchter bereitgestellt werden, sind
hingegen, verglichen mit denen im Jahre
6.3.1 Einnahmen und Geschlecht 2006, konstant geblieben (Bild 6.9).
Die monatlichen Einnahmen der Studen- Der leichte Anstieg des BAföG-Anteils
tinnen und Studenten liegen, wie bereits an den monatlichen Einnahmen ist, bei
2006, auf gleichem Niveau, allerdings konstantem Gefördertenanteil unter den
2009 auf einem insgesamt höheren (Bild Frauen und Männern, damit zu erklären,
6.8, linke Grafik). Unterschiedlich ist hin- dass der durchschnittliche Förderungsbe-
gegen die Herkunft der Einnahmen (Bild trag für die geförderten Männer und
6.8, rechte Grafik). Studentinnen bestrei- Frauen 2009 jeweils deutlich höher aus-
ten im Vergleich zu den Studenten einen fällt als 2006 (Bild 6.9).
höheren Anteil ihrer Einnahmen durch fi- Bei den Männern ist der Anteil, der ei-
nanzielle Zuwendungen der Eltern (49 % genen Verdienst zur Bestreitung des Le-
vs. 46 %) und durch die Förderung nach bensunterhalts einsetzt, von 61 % (2006)
dem BAföG (16 % vs. 14 %). Bei den Studen- auf 65 % (2009) spürbar gestiegen. Auch
ten hingegen ist der Anteil, der durch ei- der durchschnittliche Verdienst der Män-
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 203

Bild 6.8 Höhe und Zusammensetzung der monatlichen Einnahmen nach dem Ge-
schlecht der Studierenden
Bezugsgruppe „Normalstudent“, Einnahmen in €, Quellenanteil in %

Monatliche Einnahmen Zusammensetzung nach Quellen


Männer Frauen
Männer Frauen
Arithm. Mittelwert Median
10 12 10 11
817 807 26 22 23
774 767 767 770 28
727 725
13 15 16
14

51 46 53 49

2006 2009 2006 2009

Eltern Verdienst
2006 2009 2006 2009
BAföG Übrige
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

ner hat sich erhöht – von 330 € auf 354 €. gefassten Finanzierungsquellen (Bild 6.9)
Noch deutlicher gestiegen ist allerdings ist u. a. auch darauf zurückzuführen, dass
der Anteil der Frauen mit eigenem Ver- die seit wenigen Jahren offerierten Mög-
dienst, von 60 % auf 65 %. Der durch- lichkeiten, zur Bestreitung des Lebensun-
schnittliche Verdienst der Frauen, der zu- terhalts während des Studiums einen Kre-
dem geringer ausfällt als bei den Män- dit aufzunehmen, von der aktuellen Stu-
nern, hat sich hingegen kaum verändert dierendengeneration im messbaren Um-
(Bild 6.9). Der 2009 um 62 € pro Monat hö- fang in Anspruch genommen wird. Dies
here Verdienst der Männer ist auch die Er- gilt im Jahre 2009 für 5 % der Männer und
klärung dafür, dass diese einen deutlich 4 % der Frauen (einschl. dem von der KfW-
größeren Anteil ihrer Einnahmen mit ei- Bankengruppe angebotenen Bildungs-
genem Verdienst bestreiten. kredit). Diesen Männern und Frauen ste-
Die steigende Inanspruchnahme der hen durch Kredite monatlich im Durch-
unter der Kategorie „Übrige“ zusammen- schnitt 388 € bzw. 397 € zur Verfügung.
204 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Bild 6.9 Inanspruchnahme der Finanzierungsquellen differenziert nach dem Ge-


schlecht der Studierenden
Bezugsgruppe „Normalstudent“

Geschlecht Studierende, die die jeweilige Betrag, der diesen Studierenden


1
Quelle in Anspruch nehmen zur Verfügung steht
Finanzierungs- in % arithm. Mittelwert in €
quelle
2003 2006 2009 2003 2006 2009
männlich
Eltern 88 89 85 437 444 442
BAföG 26 27 27 364 380 429
Verdienst 63 61 65 359 330 354
Übrige 40 42 47 183 180 207
weiblich
Eltern 91 90 88 432 451 448
BAföG 29 31 31 369 374 430
Verdienst 63 60 65 292 286 292
Übrige 37 41 45 188 181 199
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
2003 deutsche Studierenden, ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen

6.3.2 Einnahmen und Alter renden. Im Durchschnitt verfügen die


Erstmals 1982 und durch jede folgende jüngsten Studierenden damit über mo-
Sozialerhebung erneut bestätigt, wurde natliche Einnahmen, die um 26 % bzw.
festgestellt, dass die Höhe der monatli- 261¡€ geringer ausfallen als die der ältes-
chen Einnahmen vor allem vom Alter der ten Studierenden. Der Einnahmenunter-
Studierenden abhängt. Mit steigendem schied zwischen den jüngsten und ältes-
Lebensalter verfügen Studierende über ten Studierenden, der 2006 noch bei 30 %
höhere Einnahmen. Wie Bild 6.10 zu ent- bzw. 296 € lag, hat sich folglich verrin-
nehmen ist, gilt diese Feststellung auch gert. Dies erklärt sich dadurch, dass die
im Jahre 2009. jüngsten Studierenden 2009 über rd. 7 %
Die Spannweite der durchschnittli- höhere Einnahmen verfügen als 2006,
chen monatlichen Einnahmen liegt 2009 während die Einnahmen der ältesten Stu-
zwischen 731 € bei den jüngsten Studie- dierenden 2009 lediglich um gut 1 % hö-
renden und 992 € bei den ältesten Studie- her ausfallen.
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 205

Bild 6.10 Höhe der monatlichen Einnahmen nach dem Alter der Studierenden
Bezugsgruppe „Normalstudent“, arithm. Mittelwert in €

2006 2009
977 992
915
874 860
821 836
779 781
731 727
681

bis 21 22/23 24/25 26/27 28/29 30 u. älter


Alter in Jahren

DSW/HIS 19. Sozialerhebung

Finanzierungsstruktur den Altersgruppen zwischen 12 % und


Mit zunehmendem Alter der Studieren- 20–%. Es ist nachzuvollziehen, dass dieser
den steigen nicht nur die monatlichen Anteil bei den jüngeren Studierenden, bei
Einnahmen; auch die Finanzierungs- denen in der Regel noch keine BAföG-
struktur verändert sich erheblich. So sinkt Ausschlussgründe (Fachwechsel, Fehlen
der Elternbeitrag von 58 % bei den jüngs- eines Leistungsnachweises, Überschrei-
ten bis auf 18 % bei den ältesten Studieren- ten der Förderungshöchstdauer) vorlie-
den (Bild 6.11). Umgekehrt entwickelt sich gen, am höchsten ausfällt. Aber auch bei
die Rolle des eigenen Verdienstes: Wäh- den älteren Studierenden (28 Jahre und
rend bei den jüngsten Studierenden die älter) ist an der durchschnittlichen Zu-
Selbstfinanzierungsquote durch eigenen sammensetzung der monatlichen Ein-
Verdienst bei 12 % der monatlichen Ein- nahmen das BAföG mit einem nicht uner-
nahmen liegt, erhöht sich diese Quote heblichen Anteil beteiligt. Dies ist vor al-
mit dem Alter bis auf 50 % bei den ältes- lem auf die elternunabhängige Förde-
ten. rung eines Teils der älteren Studierenden
Der Anteil der BAföG-Förderung an zurückzuführen (vgl. Kap. 8.4).
den monatlichen Einnahmen variiert bei
206 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Bild 6.11 Zusammensetzung der monatlichen Einnahmen nach dem Alter der Stu-
dierenden
Bezugsgruppe „Normalstudent“, in %

10 10 11 13 14 18
12
20
26
20 36 40
16
13 50
12
14
58 55 49 14
38 32
18

bis 21 22-23 24-25 26-27 28-29 30 u. älter


Alter in Jahren

Eltern BAföG Verdienst Übrige Quellen


DSW/HIS 19. Sozialerhebung

Der gegenüber 2006 zu beobachten- dienstes an den monatlichen Einnahmen


de deutliche Rückgang des Beitrags der (wie bereits von 2000 nach 2003) zurück-
Eltern zu den monatlichen Einnahmen gegangen – bei den älteren Studierenden
betrifft alle Altersgruppen. Bei den jünge- etwas deutlicher als bei den jüngeren.
ren Studierenden ist dieser Rückgang Diese Entwicklung hat sich 2009 umge-
stärker ausgeprägt als bei den älteren. kehrt in einen Anstieg der Selbstfinanzie-
Der insgesamt leicht erhöhte Anteil rungsquote bei den Studierenden fast je-
des BAföG an den monatlichen Einnah- der Altersgruppe, ausgenommen den äl-
men macht sich in Abhängigkeit vom Al- testen Studierenden.
ter der Studierenden praktisch nur bei
den jüngsten und ältesten Studierenden Finanzierungsquellen
bemerkbar. Wie bereits in den Vorjahren ist auch für
Noch 2006 wurde berichtet: Vergli- 2009 festzustellen, dass von den jüngeren
chen mit der Situation im Jahre 2003 ist Studierenden fast alle eine finanzielle Un-
in allen Altersgruppen der Anteil des Ver- terstützung durch die Eltern erfahren.
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 207

Die entsprechende Unterstützungsquote ser Trend fort und erreicht in der – wenn
liegt 2009 unter den jüngsten Studieren- auch relativ kleinen – Gruppe der 30-Jäh-
den bei 95 %. Mit steigendem Alter verrin- rigen und älteren Studierenden einen An-
gert sich diese Quote, zunächst nur mä- teil von 81 % mit einem Monatsverdienst
ßig, um dann, beginnend bei den 26-Jäh- von 617 €.
rigen, deutlich geringer zu werden und Aus nahe liegenden Gründen (vgl. die
bis auf 52 % bei den ältesten Studierenden Ausführungen zur Finanzierungsstruk-
zu fallen. Die Beträge, die den unterstütz- tur) ist die Quote der BAföG-Empfänger/
ten Studierenden von den Eltern zuflie- -Empfängerinnen unter den jüngeren
ßen, liegen bei den drei jüngeren Alters- Studierenden höher als unter den älteren.
gruppen im Durchschnitt auf gleichem Die dafür angeführten Erklärungen gel-
Niveau (450 €, 456 € bzw. 458 €). Erst bei ten allerdings nur unter der Vorausset-
den Altersgruppen der 26/27- und 28/29- zung, dass die Quote der nach dem BAföG
Jährigen fallen sie etwas geringer aus bedürftigen Studierenden in den jeweili-
(424 € bzw. 421 €), deutlich geringer hin- gen Altersjahrgängen konstant bleibt.
gegen bei den ältesten Studierenden Wenn bei steigendem Alter der Studie-
(341‹€, vgl. Bild 6.12). renden die BAföG-Quote geringer wird,
Eine gegenläufige Entwicklung, die kann dies letztlich vier Ursachen haben.
ebenfalls bereits in den Vorjahren zu be- Mit dem Alter steigt der Anteil der bedürf-
obachten war und als Kompensation der tigen Studierenden:
mit dem Alter der Studierenden zurück- • die den BAföG-Anspruch verwirkt,
gehenden Unterstützung durch die El- • die ihr Studium bereits abgeschlossen,
tern zu sehen ist, liefert die altersabhän- • die ihr Studium vorzeitig aufgegeben
gige Betrachtung der Finanzierung durch haben oder
eigenen Verdienst. Die Bedeutung dieser • der Anteil der bedürftigen Studieren-
Finanzierungsquelle ist um so größer, je den ist in den jüngeren Altersjahrgän-
älter die Studierenden sind. Bei den gen von vornherein höher. D. h. in den
jüngsten Studierenden (bis 21 Jahre) sind nachrückenden Altersjahrgängen ist
es beachtliche 46 %, die eigenen Verdienst eine Zunahme des Anteils der bedürfti-
in durchschnittlicher Höhe von 190 € zur gen Studierenden zu unterstellen.
Bestreitung der monatlichen Lebenshal- Bei den bis 21-Jährigen beläuft sich die
tungskosten einsetzen. Bereits in der Al- BAföG-Quote auf 37 % und verringert sich
tersgruppe der 22/23-Jährigen liegen die bis auf 21 % bei den 26/27-Jährigen. Bei
entsprechenden Werte bei 62 % und den älteren Studierenden liegt die BAföG-
246‹€. Mit steigendem Alter setzt sich die- Quote bei 22 %. Die Förderungsbeträge,
208 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Bild 6.12 Inanspruchnahme der Finanzierungsquellen differenziert nach dem


Alter der Studierenden
Bezugsgruppe „Normalstudent“

Alter Studierende, die die jeweilige Betrag, der diesen Studierenden


Quelle in Anspruch nehmen1 zur Verfügung steht
Finanzierungs- in % arithm. Mittelwert in €
quelle
2003 2006 2009 2003 2006 2009
bis 21 Jahre
Eltern 96 96 95 440 450 450
BAföG 38 36 37 334 346 396
Verdienst 45 42 46 180 171 191
Übrige 42 42 48 126 123 150
22-23 Jahre
Eltern 95 94 94 445 453 455
BAföG 32 33 32 347 343 390
Verdienst 60 57 62 233 220 248
Übrige 37 42 45 147 146 164
24-25 Jahre
Eltern 93 93 88 440 455 458
BAföG 25 25 25 355 367 432
Verdienst 66 65 70 296 296 305
Übrige 38 40 46 177 179 203
26-27 Jahre
Eltern 89 88 79 437 453 423
BAföG 19 23 21 419 441 491
Verdienst 74 70 79 365 360 403
Übrige 40 42 46 217 202 253
28-29 Jahre
Eltern 76 72 70 414 390 421
BAföG 19 28 22 507 502 575
Verdienst 75 76 78 472 428 472
Übrige 35 40 44 258 287 287
30 Jahre und älter
Eltern 52 53 52 322 392 342
BAföG 15 19 22 532 527 610
Verdienst 84 79 81 670 651 618
Übrige 38 37 43 401 404 416
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
2003 deutsche Studierende, ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 209

die 2009 an die Geförderten ausbezahlt Während insgesamt der Anteil der
werden, liegen in den beiden jüngsten Al- BAföG-Empfänger/innen unter den Stu-
tersgruppen (bis 21 Jahre und 22-23 Jahre) dierenden der Bezugsgruppe „Normal-
mit 396 € bzw. 390D€ auf dem gleichen Ni- student“ 2009 im Vergleich zu 2006 kon-
veau. Bei den übrigen Geförderten fällt stant blieb, ist die Entwicklung in Abhän-
der durchschnittliche BAföG-Betrag um- gigkeit vom Alter unterschiedlich: Eine
so höher aus, je älter die Geförderten sind konstante BAföG-Quote ist für die bis zu
(Bild 6.12). Nach den Regelungen des 25 Jahre alten Studierenden festzustellen,
BAföG kann dafür nur die Erklärung gel- für die 26- bis 29-Jährigen ist hingegen
ten, dass die festgestellte Bedürftigkeit ein Rückgang zu konstatieren (26/27-Jäh-
der älteren Studierenden, die zudem rige: um zwei Prozentpunkte, 28/29-Jähri-
auch häufiger eine elternunabhängige ge: um sechs Prozentpunkte), während
Förderung erhalten, jeweils höher ist als bei den ältesten Studierenden eine Erhö-
die der jüngeren Studierenden. hung dieser Quote von 19 % auf 22 % zu be-
Der 2009 festgestellte Rückgang des obachten ist. Die nach dem BAföG ausbe-
Anteils, der von den Eltern finanziell un- zahlten Förderungsbeträge liegen bei
terstützt wird, ist vor allem auf die Ent- den Geförderten jeder Altersgruppe 2009
wicklung bei den Altersgruppen der 24/ deutlich höher als 2006 – variierend zwi-
25-Jährigen und 26/27-Jährigen zurück- schen 11 % und 18 % bzw. 47 € und 83 € (vgl.
zuführen. Die Unterstützungsquote die- Bild 6.12).
ser Altersgruppen liegt 2009 um fünf Bezogen auf den eigenen Verdienst
bzw. neun Prozentpunkte niedriger als sind in Abhängigkeit vom Alter der Stu-
2006 (Bild 6.12). Da anders als 2006 den dierenden folgende Entwicklungen im
unterhaltspflichtigen Eltern für studie- Vergleich mit 2006 zu beobachten (Bild
rende Kinder nach Vollendung des 25. Le- 6.12): In jeder Altersgruppe ist 2009 der
bensjahres i. d. R. kein Kindergeld mehr Anteil der Studierenden, die eigenen Ver-
gewährt wird, liegt es nahe, dies als eine dienst zur Bestreitung des Lebensunter-
Erklärung für den weit überdurchschnitt- halts einsetzen, höher als 2006. Während
lichen Rückgang des Anteils der 26/27- bei den jüngeren Studierenden (bis 27
Jährigen zu vermuten, der von den Eltern Jahre) durchgängig in jeder Altersgruppe
finanziell unterstützt wird. Hinzu kommt, ein deutlicher Anstieg dieser Quote zu
dass bei dieser Altersgruppe 2009 auch verzeichnen ist (zwischen vier bis neun
der durchschnittlich von den Eltern trans- Prozentpunkten), ist sie bei den älteren
ferierte Betrag geringer ausfällt (423 € vs. Studierenden nur moderat gestiegen (um
453 €). zwei Prozentpunkte). Auch der durch-
210 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

schnittliche Betrag des von den erwerbs- die höchsten monatlichen Einnahmen
tätigen Studierenden eingesetzten Ver- (Bild 6.13). Die Studierenden der drei übri-
dienstes liegt, abgesehen von zwei Aus- gen Herkunftsgruppen verfügen über
nahmen, in jeder Altersgruppe um min- durchschnittliche monatliche Einnah-
destens 10 % höher als 2006. Ausgenom- men auf gleichem Niveau, die aber statis-
men sind hier die 24/25-Jährigen, bei de- tisch signifikant geringer ausfallen als die
nen der Betrag konstant geblieben ist, Einnahmen der Studierenden der Her-
und die 30-Jährigen und älteren, die im kunftsgruppe „hoch“.
Durchschnitt einen geringeren Verdienst Die Differenz zwischen den Einnah-
einsetzen als 2006. men der Studierenden der Herkunfts-
Abschließend ist anzumerken, dass gruppe „hoch“ und denen der Herkunfts-
die Notwendigkeit, mit einem Kredit den gruppe „niedrig“ liegt 2009 bei 50 € und
Lebensunterhalt während des Studiums hat sich damit gegenüber 2006, als sie
zu finanzieren, offensichtlich mit zuneh- 48’€ betrug, nur geringfügig erhöht.
mendem Alter der Studierenden steigt. Verglichen mit 2006 verfügen die Stu-
Wie die nachfolgende Übersicht zeigt, dierenden jeder Herkunftsgruppe 2009
verfünffacht sich der Anteil der Kredit- über höhere monatliche Einnahmen. Die
nehmer von den jüngsten bis zu den 28/ jeweilige Erhöhung der Einnahmen er-
29-Jährigen. Bei den ältesten Studieren- gibt sich rechnerisch durch folgende Ver-
den hingegen geht diese Quote wieder et- änderungen der Leistungen der verschie-
was zurück: denen Finanzierungsquellen:
Alter Anteil Ø Betrag • Herkunftsgruppe „niedrig“:
• bis 21 Jahre 2,0 % 329 € 13 € weniger von den Eltern, 15 € mehr
• 22-23 Jahre 3,5 % 333 € BAföG, 17 € mehr Verdienst und 22 €
• 24-25 Jahre 4,8 % 412 € mehr aus den übrigen Quellen.
• 26-27 Jahre 8,0 % 444 € Fazit: um 41 € höhere Einnahmen.
• 28-29 Jahre 10,0 % 394 € • Herkunftsgruppe „mittel“:
• 30 Jahre u. älter 7,3 % 405 € 12 € weniger von den Eltern, 11 € mehr
BAföG, 36 € mehr Verdienst und 21 €
6.3.3 Einnahmen und soziale mehr aus den übrigen Quellen.
Herkunft Fazit: um 56 € höhere Einnahmen.
Den Erwartungen entsprechend lässt sich • Herkunftsgruppe „gehoben“:
auch für 2009 feststellen: Die Studieren- 22 € weniger von den Eltern, 13 € mehr
den der sozialen Herkunftsgruppe „hoch“ BAföG, 23 € mehr Verdienst und 16 €
verfügen mit durchschnittlich 833 € über mehr aus den übrigen Quellen.
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 211

Bild 6.13 Höhe der monatlichen Einnahmen nach der sozialen Herkunftsgruppe
der Studierenden
Bezugsgruppe „Normalstudent“, Mittelwerte in €

Arithm. Mittelwert Median

833
790 783 809 797 800
742 753 767 749 744 770 750
700 711 727

2006 2009 2006 2009

Soziale Herkunftsgruppe: niedrig mittel gehoben hoch


DSW/HIS 19. Sozialerhebung

Fazit: um 30 € höhere Einnahmen. dierende der Herkunftsgruppe „niedrig“


• Herkunftsgruppe „hoch“: bei der Bestreitung der Lebenshaltungs-
3 € mehr von den Eltern, 7 € mehr kosten während des Studiums jeweils in
BAföG, 16 € mehr Verdienst und 17 € ähnlicher Größenordnung sowohl auf die
mehr aus den übrigen Quellen. finanzielle Unterstützung durch die El-
Fazit: um 43 € höhere Einnahmen. tern als auch auf das BAföG und den eige-
nen Verdienst angewiesen. Mit höherer
Finanzierungsstruktur sozialer Herkunft und damit auch höhe-
Während die Unterschiede bei der Höhe rer finanzieller Leistungsfähigkeit der El-
der monatlichen Einnahmen zwischen ternhäuser verringert sich die Abhängig-
den Studierenden der verschiedenen so- keit vom BAföG und eigenem Verdienst
zialen Herkunftsgruppen eher als mode- erheblich (Bild 6.14).
rat zu bezeichnen sind, zeigen sich bei Die durchschnittliche Zusammenset-
der Herkunft der Mittel gravierende Un- zung der monatlichen Einnahmen hat
terschiede. Auch im Jahre 2009 sind Stu- sich gegenüber 2006 bei den Studieren-
212 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

den der einzelnen Herkunftsgruppen tes an den monatlichen Einnahmen im


ähnlich verändert. Der Anteil, mit dem Vergleich zu 2003 deutlich verringert
die Eltern zu den monatlichen Einnah- hatte, ist 2009 eine Erhöhung der Selbstfi-
men beitragen, hat sich jeweils verringert nanzierungsquote durch eigenen Ver-
– zwischen zwei und fünf Prozentpunk- dienst bei den Studierenden aller Her-
ten. Der Anteil des BAföG an den monatli- kunftsgruppen zu beobachten. Bei den
chen Einnahmen hat sich bei den Studie- Studierenden der beiden mittleren Her-
renden der Herkunftsgruppe „gehoben“ kunftsgruppen ist dieser Anstieg ausge-
leicht erhöht (um einen Prozentpunkt), prägter (zwei Prozentpunkte) als bei de-
bei den Studierenden der anderen Her- nen der unteren und oberen Herkunfts-
kunftsgruppen ist er konstant geblieben. gruppe (ein Prozentpunkt).
Während 2006 noch berichtet wer- Auffällig ist auch, dass der Anteil, mit
den konnte, dass sich in allen Herkunfts- dem die übrigen Finanzierungsquellen
gruppen der Anteil des eigenen Verdiens- insgesamt zu den monatlichen Einnah-

Bild 6.14 Zuammensetzung der monatlichen Einnahmen nach sozialer Herkunft


Bezugsgruppe „Normalstudent“, Anteile in %

Zusammensetzung nach Quellen


2006 2009

10 11 10 9 12 13 12 10
20 21
29 28 25 27
30 30
6 6
13
14
22
32 22
32
65 63
52 47
39 35
29 26

niedrig mittel gehoben hoch niedrig mittel gehoben hoch

Eltern BAföG Verdienst übrige Quellen

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 213

men beitragen, bei den Studierenden je- förderte der Herkunftsgruppe „niedrig“
der einzelnen Herkunftsgruppe höher mit 472 € am höchsten aus und verrin-
ausfällt (Bild 6.14). gern sich mit steigender sozialer Her-
kunft bis auf 384 € bei den Geförderten
Finanzierungsquellen der Herkunftsgruppe „hoch“ (Bild 6.15).
Der Anteil der Eltern, die 2009 ihre stu- Bei der Finanzierung durch die Eltern
dierenden Kinder finanziell unterstützen, und der Förderung nach dem BAföG wird
fällt erwartungsgemäß bei den Studie- die unterschiedliche Inanspruchnahme
renden der Herkunftsgruppe „niedrig“ dieser Finanzierungsquellen offensicht-
mit 74 % am geringsten aus. Mit der sozia- lich durch die soziale Herkunft der Stu-
len Herkunft steigt dieser Anteil bis auf dierenden bestimmt. Bei der Finanzie-
93˜% bei den Studierenden der Herkunfts- rung durch eigenen Verdienst ist dies we-
gruppe „hoch“ (Bild 6.15). Ebenso steigen niger ausgeprägt. Der Anteil der Studie-
die Beträge, die von den Eltern den unter- renden, die eigenen Verdienst zur Be-
stützten Studierenden monatlich zur Ver- streitung des Lebensunterhalts einsetzen,
fügung gestellt werden, mit der sozialen liegt in allen Herkunftsgruppen auf ähn-
Herkunft von 271 € (Herkunftsgruppe lich hohem Niveau und variiert zwischen
„niedrig“) bis auf 557 € (Herkunftsgruppe 63 % und 68 % (Bild 6.15).
„hoch“). Aus den Beträgen, die von den er-
Mit der subsidiären Förderung nach werbstätigen Studierenden durchschnitt-
dem BAföG soll es Kindern aus finanziell lich verdient werden, lässt sich allerdings
schwächeren Elternhäusern ermöglicht ableiten, dass die Studierenden der bei-
werden, ein Studium zu finanzieren. Fol- den unteren Herkunftsgruppen mit ei-
gerichtig wird die höchste Geförderten- nen höheren Verdienst zum Lebensunter-
quote mit 53 % auch 2009 unter den Stu- halt beitragen (358 € bzw. 361 €) als die
dierenden der Herkunftsgruppe „nied- Studierenden der beiden oberen Her-
rig“ gemessen. Mit steigender sozialer kunftsgruppen (329 € bzw. 280 €).
Herkunft verringert sich diese Quote über Auffällig ist, dass sowohl der Anteil
40 % bei den Studierenden der Herkunfts- der Studierenden, der sich mit eigenem
gruppe „mittel“ und 27 % bei denen der Verdienst finanziert, als auch der dabei
Herkunftsgruppe „gehoben“ bis auf 14 % eingesetzte Betrag mit 68 % und 361 € im
unter den Studierenden der Herkunfts- Jahre 2009 in der Herkunftsgruppe „mit-
gruppe „hoch“. Auch die durchschnittli- tel“ am höchsten liegen.
chen Beträge, die nach dem BAföG zur Verglichen mit der Situation im Jahre
Verfügung gestellt werden, fallen für Ge- 2006 sind die Beträge, die von den Eltern
214 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Bild 6.15 Inanspruchnahme der Finanzierungsquellen differenziert nach der sozi-


alen Herkunft der Studierenden
Bezugsgruppe „Normalstudent“

Soziale Herkunft Studierende, die die jeweilige Betrag, der diesen Studierenden
1
Quelle in Anspruch nehmen zur Verfügung steht
Finanzierungs-
in % arithm. Mittelwert in €
quelle
2003 2006 2009 2003 2006 2009
niedrig
Eltern 78 77 74 263 276 271
BAföG 54 58 53 409 411 472
Verdienst 65 62 65 371 351 358
Übrige 38 38 41 214 197 240
mittel
Eltern 85 85 82 341 347 348
BAföG 41 42 40 376 387 435
Verdienst 67 64 68 346 328 361
Übrige 39 44 48 200 191 216
gehoben
Eltern 90 90 88 427 445 430
BAföG 25 27 27 355 365 409
Verdienst 65 61 65 338 314 329
Übrige 39 42 47 177 182 197
hoch
Eltern 95 95 93 530 543 557
BAföG 13 14 14 316 329 384
Verdienst 60 57 63 288 279 280
Übrige 39 40 45 173 168 187
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
2003 deutsche Studierenden, ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen

transferiert werden, bei den unterstütz- zurückgegangen, bei den Studierenden


ten Studierenden der beiden unteren der Herkunftsgruppe „hoch“ hingegen
Herkunftsgruppen konstant geblieben leicht gestiegen.
(Bild 6.15). Bei den Studierenden der Her- Die Anteile der von den Eltern finan-
kunftsgruppe „gehoben“ sind sie leicht ziell unterstützten Studierenden sind al-
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 215

lerdings durchgängig zurückgegangen – den der Herkunftsgruppen „mittel“ und


bei den Studierenden der beiden unteren „gehoben“ um jeweils vier Prozentpunkte
sozialen Herkunftsgruppen um drei, bei und bei denen der Herkunftsgruppe
denen der beiden oberen Herkunftsgrup- „hoch“ um sechs Prozentpunkte.
pen um zwei Prozentpunkte. Die Beträge, die von den erwerbstäti-
Auch die Quote der BAföG-Empfän- gen Studierenden der vier Herkunfts-
ger/innen ist gegenüber 2006 bei den Stu- gruppen verdient werden, haben sich
dierenden aus den sozial schwächeren hingegen gegenüber 2006 kaum verän-
Herkunftsgruppen zurückgegangen – dert. Lediglich bei den erwerbstätigen
um fünf Prozentpunkte bezogen auf die Studierenden der Herkunftsgruppe „mit-
Herkunftsgruppe „niedrig“ und zwei Pro- tel“ liegt der durchschnittliche Verdienst
zentpunkte bei der Herkunftsgruppe 2009 deutlich höher als 2006. Dies ist
„mittel“. In den beiden höheren Her- auch die hautsächliche Erklärung dafür,
kunftsgruppen ist sie hingegen konstant dass sich die monatlichen Einnahmen der
geblieben. Studierenden der Herkunftsgruppe „mit-
Während folglich bei den BAföG-Quo- tel“ insgesamt etwas stärker erhöht ha-
ten eine unterschiedliche Entwicklung in ben als die der Studierenden der übrigen
Abhängigkeit von der sozialen Herkunft Herkunftsgruppen.
zu konstatieren ist, fallen die nach dem Abschließend wird auch in diesem
BAföG zur Verfügung gestellten Beträge Teilkapitel dargelegt, in welchem Um-
für die Geförderten jeder Herkunftsgrup- fang, differenziert nach der sozialen Her-
pe deutlich höher aus als 2006 (Bild 6.15). kunft, Studierende das Angebot ange-
Die beschriebene Entwicklung des fi- nommen haben, den Lebensunterhalt
nanziellen Engagements der Eltern dürf- während des Studiums mit einem Kredit
te die hauptsächliche Erklärung dafür zu finanzieren. Wie die nachfolgende
sein, dass sich der Anteil der Studieren- Übersicht zeigt, ist der Anteil der Kredit-
den, die mit eigenem Verdienst zur Fi- nehmer in der sozial schwächsten Her-
nanzierung ihres Lebensunterhalts bei- kunftsgruppe am höchsten und nimmt
tragen, in jeder Herkunftsgruppe deut- mit steigender sozialer Herkunft ab:
lich erhöht hat. Wie Bild 6.15 zu entneh- Herkunftsgruppe Anteil Ø Betrag
men ist, liegt der Anteil, der mit eigenem • niedrig 6,7 % 412 €
Verdienst zur Finanzierung des Studiums • mittel 5,5 % 402 €
beiträgt, bei den Studierenden der Her- • gehoben 4,8 % 368 €
kunftsgruppe „niedrig“ um drei Prozent- • hoch 3,5 % 388 €
punkte höher als 2006, bei den Studieren-
216 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Auch in Abhängigkeit von der sozia- Einkommenssituation der Eltern entspre-


len Herkunft ist nicht zu übersehen, dass chend verbessert hat, sondern weil diese
das Alter der Studierenden bei der Ent- Studierenden die Förderungshöchstdau-
scheidung einen Kredit aufzunehmen, er überschritten haben, das Studienfach
eine wesentliche Rolle spielt. Die Kredit- ohne nach den Regeln des BAföG aner-
nehmer sind in jeder Herkunftsgruppe kannten Grund gewechselt haben oder
deutlich älter als die übrigen Studieren- einen Leistungsnachweis nicht erbringen
den mit entsprechendem sozialen Hinter- konnten. Die Studierenden der dritten
grund. Der Altersunterschied variiert zwi- Gruppe, nämlich diejenigen, deren Erst-
schen einem Jahr (Herkunftsgruppe „ge- antrag auf Förderung abgelehnt wurde,
hoben“) und zwei Jahren (Herkunftsgrup- dürften sich ökonomisch so einordnen
pe „niedrig“). lassen, dass der größte Teil von ihnen aus
Familien stammt, für die nach ihrer finan-
6.3.4 Einnahmen und BAföG- ziellen Leistungsfähigkeit die Finanzie-
Status rung eines Studiums grenzwertig ist. Bei
Werden die Studierenden danach diffe- der vierten Gruppe hingegen, also denen,
renziert, ob sie aktuelle oder ehemalige die sich bisher nicht veranlasst sahen, ei-
BAföG-Empfänger/innen sind, ihr Erstan- nen BAföG-Antrag zu stellen, liegt die
trag auf BAföG abgelehnt wurde oder sie Vermutung nahe, dass diese Studieren-
bisher keinen Antrag gestellt haben, re- den vor allem aus Elternhäusern stam-
sultieren vier Gruppen, deren familiäre men, bei denen die Finanzierung des stu-
Herkunft nach ökonomischen Aspekten dierenden Kindes keine Frage der finan-
relativ klar abzugrenzen ist. Bei aktuellen ziellen Leistungsfähigkeit ist.
BAföG-Empfängern/innen ist für den Werden die Studierenden wie be-
weitaus größten Teil, nämlich denen, die schrieben differenziert, ergeben sich be-
in Abhängigkeit vom Einkommen der El- merkenswerte Unterschiede im Hinblick
tern gefördert werden, quasi amtlich ge- auf die Finanzierungssituation (Bild 6.16).
prüft, dass sie aus Familien stammen, de- Die Summe der monatlichen Einnah-
ren finanzielle Leistungsfähigkeit nach men aus den jeweils zur Verfügung ste-
den Regeln des BAföG nicht ausreicht, um henden Finanzierungsquellen (vgl. Bild
den Lebensunterhalt des studierenden 6.17) liegt 2009 bei den elternabhängig
Kindes zu finanzieren. Entsprechendes Geförderten mit 780 € (2006: 720 €), den
gilt für ehemalige BAföG-Empfänger/in- ehemaligen BAföG-Empfängern/Empfän-
nen, bei denen der größere Teil nicht des- gerinnen mit 777 € (2006: 745 €) sowie de-
halb aus der Förderung fällt, weil sich die nen, deren Erstantrag abgelehnt wurde,
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 217

Bild 6.16 Höhe und Zusammensetzung der monatlichen Einnahmen nach dem
BAföG-Status
Bezugsgruppe „Normalstudent“

Monatliche Einnahmen, in € Zusammensetzung nach Quellen, in %



892
Gruppengröße in %

849 7 8 13 12
16 19
780 777 785 19
25
31
43
52
63
43
56 63
25
38
14 14 25
4 10
A B C D E

A B C D E
Eltern Verdienst
BAföG-Status
BAföG übrige Quellen
A = elternabhängiges BAföG C = ehemalige BAföG-Empfänger/innen
B = elternunabhängiges BAföG D = kein BAföG - Erstantrag abgelehnt
E = kein BAföG - keinen Antrag gestellt
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

mit 785 € (2006: 747 €) auf dem gleichen nahmen (2006: 815 €). Zu dieser Gruppe
Niveau. Damit ist das Einnahmenniveau gehören 43‘% der Studierenden. Die ver-
von 53 % der Studierenden der Bezugs- bleibenden 4 % der Studierenden, näm-
gruppe „Normalstudent“ beschrieben. lich derjenigen, die staatlicherseits durch
Mit 849 € verfügen die Studierenden, bei eine von der Einkommenssituation der
denen davon auszugehen ist, dass ihre Eltern unabhängige BAföG-Förderung
adäquate finanzielle Unterstützung unterstützt werden, verfügen mit 892 €
durch die Eltern, zumindest nach den über die höchsten monatlichen Einnah-
Maßstäben des BAföG, keine Frage der fi- men (2006: 826 €).
nanziellen Leistungsfähigkeit ist, im Ausgenommen die wenigen Studie-
Durchschnitt über deutlich höhere Ein- renden, die elternunabhängig nach dem
218 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

BAföG gefördert werden, ist zu konstatie- um erwirtschaftet (2006: 41 %). Hier liegt
ren: Die finanzielle Situation der Mehr- der Schluss nahe, dass der größte Teil die-
heit der Studierenden (53 %), nämlich der- ser Gruppe, nämlich die 81 %, die monat-
jenigen, die aus Elternhäusern mit einer lich im Durchschnitt 415 € verdienen (Bild
unzureichenden bzw. gerade ausreichen- 6.17), ohne eigenen Verdienst das Studi-
den finanziellen Leistungsfähigkeit stam- um wahrscheinlich nicht fortsetzen
men, wird erwartungsgemäß durch deut- könnte. Mit 19 % ist der Anteil an den mo-
lich geringere monatliche Einnahmen natlichen Einnahmen, der durch die übri-
bestimmt als die finanzielle Situation der gen Finanzierungsquellen gedeckt wird,
Studierenden, deren Eltern nach ihrer bei den ehemaligen BAföG-Empfänger/
Einkommenssituation keine Probleme innen ebenfalls vergleichsweise hoch.
mit der Alimentation der studierenden Die zweithöchste Selbstfinanzie-
Kinder haben sollten. rungsquote durch eigenen Verdienst ist
Bei den aktuellen BAföG-Empfän- mit 31 % bei den Studierenden zu konsta-
gern/innen wird der bei weitem größte tieren, die aus Familien stammen, deren
Teil der monatlichen Einnahmen durch Einkommenssituation zu einem BAföG-
die staatliche Förderung ermöglicht. Antrag veranlasste, die aber letztlich
Beim weitaus größten Teil der nach dem doch nicht so ist, dass eine Förderung ge-
BAföG geförderten Studierenden, den el- boten war (2006: 27 %). Der Beitrag der El-
ternabhängig Geförderten, liegt der Bei- tern zu den monatlichen Einnahmen die-
trag der Eltern zu den monatlichen Ein- ser Studierenden ist mit 56 % die deutlich
nahmen bei 25 %. Aber auch bei den elter- wichtigste Finanzierungsquelle (2006:
nunabhängig geförderten Studierenden 62“%).
tragen die Eltern noch mit 10 % zu den Aber auch bei den Studierenden, bei
monatlichen Einnahmen bei. Ein deutlich denen die Einkommenssituation des El-
kleinerer Anteil der Einnahmen als bei ternhauses so ist, das ein BAföG-Antrag
den übrigen Studierenden, wird von den bisher nicht infrage kam, liegt die Selbst-
BAföG- Empfängern/innen mit eigenem finanzierungsquote durch eigenen Ver-
Verdienst bestritten (Bild 6.16, rechte Gra- dienst mit 25 % auf einem beachtlichen
fik). Niveau (2006: 24 %). Der Beitrag der Eltern
Die höchste Selbstfinanzierungsquote fällt bei diesen Studierenden erwartungs-
durch eigenen Verdienst haben ehemali- gemäß mit 63 % am höchsten aus (2006:
ge BAföG-Empfänger/innen. 43 % ihrer 66 %).
Einnahmen werden von ihnen selbst
durch Erwerbstätigkeit neben dem Studi-
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 219

Finanzierungsquellen der sich u. a. mit eigenem Verdienst fi-


Von den Studierenden, für die bisher kein nanziert (74—% vs. 67 %). Auch der Betrag
BAföG-Antrag infrage kam, werden 94 % des Verdienstes liegt 2009 etwas höher
von den Eltern mit durchschnittlich 570 € (327 € vs. 306 €). Bei diesen Studierenden
unterstützt. 2006 wurde diese Gruppe hat sich der Anteil, der sich mit Einnah-
der Studierenden in entsprechendem men von den übrigen Quellen finanziert,
Umfang durch die Eltern finanziert (Bild überdurchschnittlich erhöht (52 % vs.
6.17). Immerhin 63 % dieser Studierenden, 42—%). Der Betrag, der von diesen Quellen
damit vier Prozentpunkte mehr als 2006, durchschnittlich bereitgestellt wird, ist
setzen zur Finanzierung des Lebensunter- hingegen nur leicht gestiegen (von 187 €
halts eigenen Verdienst ein. Der Betrag auf 196 €). Die 2009 um 39 € höheren ge-
des Verdienstes liegt durchschnittlich bei samten monatlichen Einnahmen dieser
339 € und hat sich damit gegenüber 2006 Studierenden ergeben sich rechnerisch
kaum verändert. Erhöht hat sich bei die- durch folgende Veränderung bei den ver-
sen Studierenden der Anteil, der sich mit schiedenen Finanzierungsquellen: 23 €
Einnahmen aus den übrigen Quellen fi- weniger von den Eltern, 38 € mehr durch
nanziert (47 % vs. 43 %). Auch der Betrag, Verdienst und 24 € mehr durch die übri-
der aus den übrigen Quellen im Durch- gen Quellen.
schnitt zur Verfügung steht, fällt 2009 hö- Bei den ehemaligen BAföG-Empfän-
her aus als 2006 (212 € vs. 185 €). Die 2009 ger/innen hat sich der Anteil, der von den
um 34 € höheren gesamten Einnahmen Eltern alimentiert wird, von 86 % im Jahre
dieser Studierenden ergeben sich rechne- 2006 auf 81 % im Jahre 2009 reduziert.
risch durch folgende Veränderung bei Ebenfalls verringert haben sich die Beträ-
den Leistungen der verschiedenen Finan- ge, die den unterstützten Studierenden
zierungsquellen: 3 € weniger von den El- von den Eltern durchschnittlich zur Ver-
tern, 17 € mehr durch Verdienst und 20 € fügung gestellt werden – von 384—€ auf
mehr durch die übrigen Quellen. 365 €. Erhöht hingegen hat sich der An-
Von den Studierenden, deren BAföG- teil, der eigenen Verdienst einsetzt (von
Antrag abgelehnt wurde, werden 93 % 76 % auf 81 %), und ebenso der Anteil, der
von den Eltern mit durchschnittlich 476 € sich durch die übrigen Quellen finanziert
unterstützt. Gegenüber 2006 sind dieser (von 48 % auf 52 %). Die erwerbstätigen
Anteil und auch der von den Eltern bereit- Studierenden unter den ehemaligen
gestellte Betrag etwas zurückgegangen BAföG-Empfänger/innen haben 2009 ge-
(Bild 6.17). Deutlich erhöht hat sich bei genüber 2006 ihren durchschnittlichen
diesen Studierenden hingegen der Anteil, Verdienst leicht erhöht (415—€ vs. 399 €).
220 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Bild 6.17 Inanspruchnahme der Finanzierungsquellen differenziert nach dem


BAföG-Status der Studierenden
Bezugsgruppe „Normalstudent“

BAföG-Status Studierende, die die jeweilige Betrag, der diesen Studierenden


1
Quelle in Anspruch nehmen zur Verfügung steht
Finanzierungs-
in % arithm. Mittelwert in €
quelle
2003 2006 2009 2003 2006 2009
elternabhängige Förderung
Eltern 89 87 79 255 258 246
BAföG 100 100 100 345 355 409
Verdienst 53 50 56 345 200 223
Übrige 33 35 39 119 119 133
elternunabhängige Förderung
Eltern 58 63 48 175 185 185
BAföG 100 100 100 512 504 562
Verdienst 57 61 63 243 237 277
Übrige 33 33 33 185 179 202
ehemalige BAföG-Empfänger
Eltern 80 86 81 361 384 365
Verdienst 77 76 81 448 399 415
Übrige 44 48 52 243 234 279
nie BAföG erhalten – Erstantrag abgelehnt
Eltern 94 94 93 469 493 476
Verdienst 72 67 74 320 306 327
Übrige 41 42 52 170 187 196
nie BAföG erhalten – keinen Antrag gestellt
Eltern 94 94 94 555 575 570
Verdienst 63 59 63 345 333 339
Übrige 39 43 47 198 185 212
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
2003 deutsche Studierende, ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen

Diejenigen hingegen, denen Einnahmen (279 € vs. 234 €). Die 2009 um 32 € höhe-
aus den übrigen Quellen zufließen, erhal- ren gesamten monatlichen Einnahmen
ten 2009 einen deutlich höheren Betrag der ehemaligen BAföG-Empfänger/innen
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 221

ergeben sich rechnerisch durch folgende hängig Geförderten der Anteil, der 2009
Veränderung bei den verschiedenen Fi- Einnahmen aus den übrigen Quellen er-
nanzierungsquellen: 34 € weniger von zielt (39 % vs. 35 %). Auch die Beträge, die
den Eltern, 32 € mehr durch Verdienst durch Erwerbstätigkeit neben dem Studi-
und 34 € mehr durch die übrigen Quel- um und durch die übrigen Quellen erzielt
len. werden, liegen 2009 im Durchschnitt et-
Bei den Studierenden, die elternunab- was höher als 2006 (Bild 6.17). Die 2009
hängig nach dem BAföG gefördert wer- um 60 € höheren gesamten monatlichen
den, fällt auf, dass der Anteil, der finan- Einnahmen der elternabhängig geförder-
ziell auch von den Eltern unterstützt ten BAföG-Empfänger/innen ergeben
wird, 2009 erheblich geringer ist als 2006 sich rechnerisch durch folgende Verän-
(48 % vs. 63 %). Der Anteil, der über eige- derung bei den verschiedenen Finanzie-
nen Verdienst verfügt, ist hingegen leicht rungsquellen: 29 € weniger von den El-
gestiegen (Bild 6.17). Die 2009 um 66 € hö- tern, 54 € mehr durch BAföG, 24 € mehr
heren gesamten monatlichen Einnah- durch Verdienst und 10 € mehr durch die
men der elternunabhängig geförderten übrigen Quellen.
BAföG-Empfänger/innen ergeben sich Wird untersucht, in welchem Um-
rechnerisch durch folgende Veränderung fang, differenziert nach dem BAföG-Sta-
bei den verschiedenen Finanzierungs- tus, Studierende das Angebot angenom-
quellen: 27 € weniger von den Eltern, 58 € men haben, den Lebensunterhalt wäh-
mehr durch BAföG, 29 € mehr durch Ver- rend des Studiums mit einem Kredit zu fi-
dienst und 6 € mehr durch die übrigen nanzieren, ergeben sich bemerkenswerte
Quellen. Unterschiede. Der weitaus höchste Anteil
Auch bei den Studierenden, deren von Kreditnehmer/innen ist mit 11 % unter
Förderung nach dem BAföG in Abhängig- den ehemaligen BAföG-Empfänger/innen
keit vom Elterneinkommen nach dem zu finden. Vergleichsweise häufig haben
Subsidiaritätsprinzip erfolgt, hat sich der auch die Studierenden einen Kredit auf-
Anteil, der außerdem noch von den Eltern genommen, deren BAföG-Antrag abge-
finanziell unterstützt wird, gegenüber lehnt wurde. Etwas über dem Durch-
2006 erheblich verringert – von 87 % auf schnitt liegt der Anteil der Kreditnehmer
79 %. Höher fällt 2009 hingegen der Anteil auch unter den elternunabhängig nach
derjenigen aus, der sich auch mit eige- dem BAföG geförderten Studierenden.
nem Verdienst finanziert (56 % vs. 50 %). Elternabhängig Geförderte und noch
Ebenfalls höher liegt unter den elternab- deutlicher Studierende, für die ein BAföG-
222 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Antrag bisher nicht infrage kam, sind an- nanzierungsquellen, ausgenommen der
teilig unterdurchschnittlich häufig Kre- eigene Verdienst der Studierenden, als El-
ditnehmer/innen: ternersatzleistungen verstanden und zu
BAföG-Status Anteil Ø Betrag den Elternleistungen addiert. Das Ergeb-
• elternabhängig 3,8 % 316 € nis dieser Addition wird im Folgenden als
• elternunabhängig 6,1 % 276 € Sockelfinanzierung bezeichnet.
• Ehemalige 11,0 % 426 € In Bild 6.18 ist dargestellt, in welchem
• Antrag abgelehnt 6,8 % 415 € Umfang diese Studierenden in Abhängig-
• nie Antrag gestellt 2,4 % 418 € keit von der Höhe der finanziellen Unter-
stützung durch die Eltern (linke Grafik)
Angewiesen auf die Eltern bzw. in Abhängigkeit von der Höhe der
Für die Studierenden, die bisher keinen Sockelfinanzierung (rechte Grafik) eige-
BAföG-Antrag gestellt haben bzw. deren nen Verdienst einsetzen. Nach dieser Dar-
BAföG-Erstantrag abgelehnt wurde, wird stellung ist der Zusammenhang zwischen
zunächst unterstellt, dass sie bei der Fi- der Höhe des eigenen Verdienstes und
nanzierung des Studiums vor allem auf der Höhe der Elternleistung bzw. der So-
die finanzielle Unterstützung der Eltern ckelfinanzierung offensichtlich. Umso
angewiesen sind. Dabei handelt es sich geringer die Alimentation durch die El-
um 57 % der Studierenden der Bezugs- tern bzw. die Sockelfinanzierung ausfällt,
gruppe „Normalstudent“; in absoluten desto höher und notwendiger wird der ei-
Zahlen geht es dabei um rd. 675.000 Stu- gene Verdienst.
dierende. Im Folgenden wird dargestellt, Wird die Betrachtung auf die Sockelfi-
in welchem Umfang diese Studierenden nanzierung fokussiert, ergibt sich die fol-
bei der Finanzierung des Lebensunter- gende Verteilung dieser Studierenden in
halts auf eigenen Verdienst zurückgrei- Abhängigkeit von der Höhe des durch die
fen. Sockelfinanzierung zur Verfügung ge-
Zu diesem Zweck wird zunächst er- stellten Betrags:
mittelt, welcher Anteil der Studierenden Betrag der Anteil der
mit welchen Beträgen durch die Eltern Sockelfinanzierung Betroffenen
unterstützt wird. Um zu berücksichtigen, •0€ 3%
dass die Leistung der Eltern auch davon • bis 300 € 9%
beeinflusst wird, ob das studierende Kind • 301-500 € 20 %
z. B. ein Stipendium erhält, werden der • 501-700 € 37 %
Einfachheit halber die Leistungen der • 701-900 € 20 %
weiteren in Anspruch genommenen Fi- • über 900 € 11 %
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 223

Es liegt nahe davon auszugehen, dass Unterhaltsanspruch mehr geltend ma-


die gut 32 % dieser Studierenden, die kei- chen können. Es ist zu unterstellen, dass
ne bzw. nur eine geringe Sockelfinanzie- Studierende, die bei der Studienaufnah-
rung (bis 500 €) erhalten, darauf ange- me das 25. Lebensjahr bereits vollendet
wiesen sind, das Studium ganz oder teil- hatten, und/oder Studierende, die sich
weise durch eigenen Verdienst zu finan- erst fünf Jahre und später nach dem Er-
zieren. Hochgerechnet handelt es sich da- werb der Hochschulreife immatrikuliert
bei um rd. 219.000 Studierende. haben, wahrscheinlich nicht mehr unter-
Unter den Studierenden, die keine haltsberechtigt sind. Wird dies berück-
oder nur eine geringe Sockelfinanzierung sichtigt, ist von rd. 200.000 Studierenden
erhalten, werden sich auch solche befin- mit einem Unterhaltsanspruch gegen-
den, die gegenüber ihren Eltern keinen über den Eltern auszugehen, die keine

Bild 6.18 Eigener Verdienst in Abhängigkeit von der Höhe der finanziellen Unter-
1
stützung durch die Eltern bzw. der Sockelfinanzierung
2
Bezugsgruppe „Normalstudent“ – Teilgruppe „kein BAföG“ , Mittelwerte in €

1105

340
übrige Quellen
eigener Verdienst

547
199
733 86
263
47
42 49 142
366 101 95
210
135 98 89
e

00

00

00

00

0
e

00

00

00

00

in

90
in

90

s3

1-5

1-7

1-9
ke
s3

1-5

1-7

1-9
ke

>
>

50
bi

30

70
50
bi

30

70

Elternleistung in € Sockelfinanzierung in €

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
Summe aus Elternleistung und übrigen Quellen
2
Studierende, deren Erstantrag abgelehnt wurde und solche, die keinen Antrag gestellt haben
224 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

bzw. nur eine unzureichende Sockelfi- Auch diese Antworten sind als Indiz
nanzierung erhalten. Rechnerisch verfü- dafür zu werten, dass ein nicht unerhebli-
gen diese Studierenden über eine durch- cher Teil der Studierenden von den Eltern
schnittliche Sockelfinanzierung von keine angemessene finanzielle Unterstüt-
324’€, die mit 448’€ eigenem Verdienst zu zung erfährt. Die bereits 2006 in diesem
monatlichen Einnahmen von 772 € auf- Zusammenhang aufgeworfene Frage, ob
gestockt werden. 2006 wurde ermittelt, die Eltern zu einer adäquaten Alimentati-
dass rd. 190.000 Studierende trotz Unter- on nicht fähig sind oder diese nicht leis-
haltsanspruch gegenüber den Eltern mit ten wollen, lässt sich auch 2009 mit den
einer Sockelfinanzierung in durchschnitt- Daten der Sozialerhebung nicht beant-
licher Höhe von lediglich 355 € unter- worten.
stützt wurden, zu denen 319 € eigener
Verdienst hinzukam, so dass diese Studie- Angewiesen auf das BAföG
renden im Monat über durchschnittliche Der sich nach dem BAföG ergebende Be-
Einnahmen von 674 € verfügten. Die An- darf elternabhängig geförderter Studie-
zahl der Studierenden in der beschriebe- render wird nur dann vollständig vom
nen Situation liegt folglich 2009 um rd. Staat übernommen, wenn festgestellt
5’%, der Betrag, der von diesen Studieren- wird, dass nach den Regelungen des
den durchschnittlich hinzuverdient wird, BAföG die Einkommenssituation der El-
um rd. 40 % höher als 2006. tern keine Unterhaltsleistungen an das
Wird der Frage nachgegangen, war- studierende Kind zulässt. Wird für die El-
um diese Studierenden davon ausgehen, tern eine teilweise Leistungsfähigkeit at-
dass eine BAföG-Förderung für sie nicht testiert, verringert sich die staatlicher-
infrage kommt, ergibt sich die folgende seits gewährte Förderung auf den Betrag,
Verteilung auf die angegebenen Gründe der sich ergibt, wenn vom berechneten
(Mehrfachnennungen waren möglich): Bedarfssatz die von den Eltern erwartete
Leistung subtrahiert wird. In diesen Fäl-
• Einkommen der Eltern ist zu hoch 74 %
len sind die Geförderten folglich darauf
• eigenes Einkommen/Vermögen
angewiesen, dass die Eltern sie auch im
ist zu hoch 31 %
entsprechenden Umfang unterstützen.
• will keine Schulden machen 28 %
Zur Untersuchung der Fragestellung,
• der zu erwartende Förderungs-
ob elternabhängig geförderte BAföG-
betrag ist so gering, dass es sich
Empfänger/innen von den Eltern in dem
nicht lohnt 16 %
zu erwartenden Umfang unterstützt wer-
den, wird für jeden Fall der individuelle
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 225

Förderungshöchstsatz berechnet. In diese BAföG-Empfänger/innen, die nicht im er-


Berechnung fließt zunächst der Grundbe- wartenden Umfang von den Eltern finan-
darf von 366 € und der Wohnbedarf von ziell unterstützt werden, von rd. 70.000
146 € ein. Darüber hinaus wird berück- im Jahre 2006 auf nunmehr rd. 107.000
sichtigt, ob Studierende angaben, einen erhöht.
höheren Wohnbedarf geltend zu ma- Schon 2006 wurde festgestellt, dass
chen. Falls ja, wird in Abhängigkeit von bei den Geförderten, die mit BAföG-Beträ-
den tatsächlichen Ausgaben für Miete gen über 400 € gefördert werden, der An-
und Nebenkosten der höhere Wohnbe- teil, der von den Eltern finanziell nicht an-
darf, der maximal 72 € betragen kann, be- gemessen unterstützt wird, deutlich ge-
rechnet. Ebenfalls wird berücksichtigt, ob ringer ausfällt als unter den Geförderten
die Studierenden angaben, einen Zu- mit niedrigeren Förderungsbeträgen und
schlag für die Kranken- und Pflegeversi- damit leistungsfähigeren Eltern. Dieser
cherung zu erhalten (zusammen 64 €). Befund gilt auch für 2009 (Bild 6.19). Der
Von dem sich ergebenden individuel- berechnete Fehlbetrag, mit dem die Leis-
len Förderungshöchstsatz wird der tat- tung der Eltern im Durchschnitt hinter
sächlich gewährte Förderungsbetrag sub- den Erwartungen zurückbleibt, verrin-
trahiert. Nach der Logik des BAföG wird gert sich mit steigender BAföG-Förde-
unterstellt, dass die Eltern so leistungsfä- rung deutlich.
hig sind, dass sie den Differenzbetrag tra- Abschließend ist anzumerken, dass
gen können. Soweit Studierende über El- die soziale Herkunft der Studierenden,
ternersatzleistungen wie Waisengeld deren Eltern die erwartete finanzielle Un-
oder finanzielle Zuwendungen anderer terstützung nicht gewähren, sich kaum
Verwandter verfügen, werden diese zu von der sozialen Herkunft der Gesamt-
Gunsten der Eltern berücksichtigt. gruppe der hier untersuchten elternab-
Das unter den beschriebenen Voraus- hängig Geförderten unterscheidet. Die zu
setzungen ermittelte Ergebnis lautet: Die geringe Unterstützung durch die Eltern
Mehrheit der Eltern verhält sich so, wie es ist folglich nicht von der sozialen Her-
der Gesetzgeber erwartet, und unter- kunft der Studierenden, so wie diese in
stützt die studierenden Kinder mindes- der Sozialerhebung definiert wird, ab-
tens im erwarteten Umfang (2009: 65 %, hängig. Offensichtlich ist aber, dass es ei-
2006: 70 %). Ein gegenüber 2006 größerer nen Zusammenhang mit der nach den
Teil der Eltern genügt dieser Erwartung Regelungen des BAföG festgestellten Ein-
allerdings nicht (35 % vs. 30 %). Absolut ge- kommenssituation im Elternhaus gibt.
sehen hat sich damit die Anzahl der
226 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Bild 6.19 Finanzielle Unterstützung durch die Eltern nach Höhe der BAföG-Förde-
rung bei elternabhängiger Förderung
Bezugsgruppe „Normalstudent“, geförderte Studierende in %

finanzielle Unterstützung durch falls nein:


BAföG-Förderung die Eltern „erwartungsgemäß“ durchschnittlicher
in €
ja nein Fehlbetrag (in €)

2006 2009 2006 2009 2006 2009


bis 100 51 48 49 52 138 220
101-200 51 52 49 48 113 140
201-300 57 48 43 52 93 123
301-400 63 53 37 47 79 92
über 400 86 76 14 24 42 54
insgesamt 70 65 30 35 90 101
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

6.3.5 Regionale Unterschiede Auch die durchschnittliche Zusam-


mensetzung der monatlichen Einnah-
Alte Länder – neue Länder men der Studierenden in den alten und
Studierende in den alten Ländern verfü- neuen Ländern unterscheidet sich erheb-
gen auch im Jahre 2009 mit durchschnitt- lich. Während der Beitrag der Eltern zu
lich 832 € über monatliche Einnahmen, den monatlichen Einnahmen nur wenig
die weit höher liegen als bei den Studie- differiert (Bild 6.21), gibt es erhebliche Un-
renden in den neuen Ländern mit monat- terschiede bei der Inanspruchnahme des
lich 722 €. Die monatlichen Einnahmen BAföG und des eigenen Verdienstes. Für
fallen 2009 in beiden Regionen um gut Studierende in den alten Ländern spielt
5—% höher aus als 2006. Der Abstand zwi- der eigene Verdienst als Finanzierungs-
schen den monatlichen Einnahmen der quelle des Lebensunterhalts eine weit
Studierenden in den alten und neuen größere Rolle als das BAföG: 27 % der mo-
Ländern hat sich, anders als in den vor- natlichen Einnahmen sind eigener Ver-
hergehenden Beobachtungszeiträumen, dienst und 14 % stammen aus der BAföG-
von 2006 auf 2009 nicht mehr verringert Förderung. Bei den Studierenden in den
(Bild 6.20). neuen Ländern hingegen ist das BAföG
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 227

Bild 6.20 Entwicklung der monatlichen Einnahmen in den alten und neuen Ländern
Bezugsgruppe „Normalstudent“ 1, arithm. Mittelwert in €

alte Länder2 neue Länder


832
786 788
727 722
687 712 666 685
586 570 583
488

338
91

94

97

00

03

06

09

91

94

97

00

03

06

09
19

19
19

19
20

20
19

19
20

20

20

20
20

20

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
bis 2003 deutsche Studierende, ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen
² ab 2000 Berlin insgesamt zugeordnet, vorher nur Berlin (West)

mit Abstand die zweitwichtigste Finan- sen, dass 2009 in beiden Regionen der An-
zierungsquelle: 24 % der monatlichen Ein- teil der von den Eltern finanziell unter-
nahmen werden durch die BAföG-Förde- stützten Studierenden um jeweils 3 Pro-
rung bereitgestellt und 18 % durch eige- zentpunkte geringer ausfällt als 2006
nen Verdienst. (Bild 6.22).
Während sowohl in den alten als auch Trotz konstant gebliebener BAföG-
in den neuen Ländern der Beitrag der El- Quote in den alten Ländern und eines in
tern zu den monatlichen Einnahmen im den neuen Ländern zu beobachtenden
Jahre 2009 deutlich geringer ausfällt als Rückgangs, fällt der Beitrag des BAföG zu
2006 (um jeweils vier Prozentpunkte), hat den monatlichen Einnahmen der Studie-
sich bei den Studierenden beider Regio- renden 2009 höher aus als 2006, weil der
nen die Selbstfinanzierungsquote durch durchschnittliche Förderungsbetrag in
eigenen Verdienst und der Beitrag des den alten Ländern um 50 € und den neu-
BAföG erhöht (Bild 6.21). en Ländern um 65 € gestiegen ist.
Der Rückgang des finanziellen Enga- Der Anteil der Studierenden, der eige-
gements der Eltern ist auch daran abzule- nen Verdienst zur Bestreitung des Lebens-
228 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Bild 6.21 Zusammensetzung der monatlichen Einnahmen der Studierenden in den


alten und neuen Ländern
Bezugsgruppe „Normalstudent“ 1, Quellenanteil in %

alte Länder2 neue Länder

11 11 10 9 9 10 11 11 9 9 11 10 11 12
6
25 17 21 18 17 17
26 28 31 32 28 27 18

28 17 19 22 22
12 13 24
17 13 10 10 14 60

48 49 49 51 52 48 53 52 51 50
46 46 46
23
91

94

97

00

03

9
91

94

97

00

03

06

09

0
19

19
19

20
19

20

20
19

20
20
19

20

20
20

Eltern BAföG Verdienst Übrige Quellen


DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
bis 2003 deutsche Studierende, ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen
² ab 2000 Berlin insgesamt zugeordnet, vorher nur Berlin (West)

unterhalts einsetzt, hat sich hingegen bei dings ist der Durchschnittsbetrag des Ver-
den Studierenden in den alten Ländern dienstes konstant geblieben (Bild 6.22).
von 63 % auf 67 % erhöht und der Durch- Einen Kredit zur Bestreitung des Le-
schnittsbetrag des Verdienstes liegt nun- bensunterhalts haben 2009 in den alten
mehr bei 337 € anstatt 319 €. In den neuen Ländern knapp 5 % der Studierenden auf-
Ländern wird 2009 ebenfalls eine höhere genommen, denen dadurch durch-
Quote von Studierenden mit eigenem schnittlich im Monat 394 € zur Verfügung
Verdienst gemessen, die mit 54 % um stehen. In den neuen Ländern liegt der
sechs Prozentpunkte höher liegt als 2006 entsprechende Anteil bei knapp 4 % und
und damit ein bisher in dieser Region der Durchschnittsbetrag bei 381 €.
nicht gekanntes Niveau erreicht. Aller-
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 229

Bild 6.22 Inanspruchnahme der Finanzierungsquellen differenziert nach alten


und neuen Ländern
Bezugsgruppe „Normalstudent“

Region Studierende, die die jeweilige Betrag, der diesen Studierenden


1
Quelle in Anspruch nehmen zur Verfügung steht
Finanzierungs-
in % arithm. Mittelwert in €
quelle
2003 2006 2009 2003 2006 2009
alte Länder
Eltern 89 90 87 448 461 459
BAföG 25 26 27 372 378 428
Verdienst 66 63 67 338 319 337
Übrige 38 40 45 192 184 207
neue Länder
Eltern 92 90 87 368 381 381
BAföG 41 41 39 352 370 435
Verdienst 50 48 54 234 240 242
Übrige 43 46 48 154 163 184
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
2003 deutsche Studierenden, ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen

Länder Ergänzend ist anzumerken, dass Stu-


Die durchschnittliche Einnahmenhöhe dierende in Hochschulstädten mit einer
differiert nicht nur zwischen den alten Wohnbevölkerung über 700.000 Einwoh-
und neuen Ländern, auch bei einem Ver- nern generell über höhere monatliche
gleich der sechzehn Einzelländer sind Einnahmen verfügen als Studierende in
zum Teil erhebliche Unterschiede festzu- den kleineren Städten (897 € vs. 792 €).
stellen (Bild 6.23). Das Spektrum reicht Ausschlaggebend dafür dürften Unter-
von den Studierenden in Sachsen mit mo- schiede bei den Lebenshaltungskosten,
natlichen Einnahmen in durchschnittli- insbesondere der Miete sein (vgl. Kap.
cher Höhe von 706 € bis zu den Studieren- 7.2.1).
den in Hamburg, denen zur Bestreitung
des Lebensunterhalts monatlich 969 € zur
Verfügung stehen.
230 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Bild 6.23 Höhe der monatlichen Einnahmen nach Ländern


Bezugsgruppe „Normalstudent“, in €

1
Vertrauensintervall des Mittelwertes Arithm. Mittelwert

Sachsen 689 722 706

Thüringen 687 736 712

Sachsen-Anhalt 690 735 713

Mecklenburg-Vorpommern 716 792 754

Brandenburg 721 788 755

Schleswig-Holstein 758 830 794

Hessen 787 820 803


Saarland 741 875 808

Baden-Württemberg 794 823 809

Bundesgebiet 807 817 812

Niedersachsen 794 830 812

Bremen 776 851 813

Rheinland-Pfalz 793 846 820

Nordrhein-Westfalen 820 846 833


Bayern 825 853 839

Berlin 852 900 876

Hamburg 901 1038 969

600 700 800 900 1000 1100

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
Bei 5%iger Irrtumswahrscheinlichkeit. Von statistisch signifikanten Unterschieden ist dann auszuge-
hen, wenn keine Überschneidung der Vertrauensintervalle festzustellen ist.
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 231

6.3.6 Studienspezifische Einnah- Ein deutlicher Unterschied besteht


menunterschiede zwischen den Studierenden der Universi-
täten und Fachhochschulen aber nach
Hochschulart wie vor hinsichtlich der Struktur der Ein-
nahmen. Während 2009 bei den Studie-
Studierende an Universitäten und Studie-
renden der Universitäten der Beitrag der
rende an Fachhochschulen verfügen
Eltern zu den monatlichen Einnahmen
2009 über etwa gleich hohe monatliche
wesentlich höher ausfällt ( 51 % vs. 37 %),
Einnahmen (808 € bzw. 821 €). Gegenüber
haben bei den Studierenden der Fach-
2006, als die Einnahmen der Studieren-
hochschulen der Anteil des BAföG (19 % vs.
den an Fachhochschulen statistisch signi-
14 %) und die Selbstfinanzierung durch ei-
fikant höher lagen (Bild 6.24), hat sich der
genen Verdienst (31 % vs. 24 %) einen deut-
Durchschnittsbetrag der monatlichen
lich höheren Stellenwert.
Einnahmen der Studierenden beider
Die Veränderungen gegenüber 2006
Hochschularten tendenziell wieder ange-
sind für die Studierenden beider Hoch-
glichen.

Bild 6.24 Höhe und Zusammensetzung der monatlichen Einnahmen nach Hoch-
schulart
Bezugsgruppe „Normalstudent“, Einnahmen in €, Quellenanteil in %

Monatliche Einnahmen Zusammensetzung nach Quellen


Uni FH Uni FH
Arithm. Mittelwert Median
9 11 10 13
808 821
762 792 767 775 22
720 743 24 31 31
13
14
18 19
56 51
41 37

2006 2009 2006 2009

Eltern Verdienst
2006 2009 2006 2009
BAföG übrige Quellen
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
232 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

schularten durch einen spürbaren Rück- darauf zurückzuführen, dass 2009 deut-
gang des Elternbeitrags, einen leichten lich mehr Studierende als 2006 eigenen
Anstieg des BAföG-Beitrags und einen An- Verdienst zur Bestreitung des Lebensun-
stieg des Beitrags, den die übrigen Quel- terhalts einsetzen (65•% vs. 59 %) und auch
len (ohne eigenen Verdienst) zusammen der Betrag des Verdienstes leicht gestie-
beisteuern, beschrieben. Die Selbstfinan- gen ist (299 € vs. 281 €). Im Fachhoch-
zierungsquote durch eigenen Verdienst schulbereich hat sich hingegen der Anteil
ist hingegen lediglich bei den Studieren- der Studierenden mit eigenem Verdienst
den der Universitäten gestiegen, wäh- und ebenso der eingesetzte Betrag nur
rend sie bei den Studierenden der Fach- marginal erhöht (Bild 6.25).
hochschulen konstant geblieben ist (Bild Der Anteil der BAföG-Empfänger/in-
6.24). nen ist im Vergleich der Hochschularten
Die gestiegene Selbstfinanzierungs- auf dem 2006 erreichten Niveau stehen
quote im Universitätsbereich ist vor allem geblieben. Allerdings ist auch hier zu

Bild 6.25 Inanspruchnahme der Finanzierungsquellen differenziert nach Hoch-


schulart
Bezugsgruppe „Normalstudent“

Hochschulart Studierende, die die jeweilige Betrag, der diesen Studierenden


1
Quelle in Anspruch nehmen zur Verfügung steht
Finanzierungs-
in % arithm. Mittelwert in €
quelle
2003 2006 2009 2003 2006 2009
Universität
Eltern 91 92 89 449 468 463
BAföG 25 27 27 362 363 420
Verdienst 63 59 65 304 281 299
Übrige 39 42 46 182 171 193
Fachhochschule
Eltern 84 84 79 387 387 389
BAföG 35 35 35 379 404 450
Verdienst 65 65 66 387 377 385
Übrige 38 39 45 195 207 231
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
2003 deutsche Studierenden, ab 2006 einschließlich Bildungsinländer/innen
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 233

konstatieren, dass 2009 der durchschnitt- ten Bachelor-Studiengänge weniger häu-


liche Förderungsbetrag für die Geförder- fig eine Erwerbstätigkeit neben dem Stu-
ten beider Hochschularten erheblich hö- dium zulassen, sich dies folglich auf die
her ausfällt als 2006 (um monatlich 57 € Selbstfinanzierung durch eigenen Ver-
bzw. 46 €). dienst auswirken müsste. Um den erhebli-
Die Quote der von den Eltern finan- chen Einfluss des Alters auf die Finanzie-
ziell unterstützten Studierenden ist an rungssituation konstant zu halten (vgl.
beiden Hochschularten zurückgegangen, Kap. 6.2.3), wurde 2006 diese Hypothese
unter den Studierenden der Fachhoch- auf der Basis gleichaltriger Studierender
schulen etwas stärker als an den Universi- (bis 23 Jahre) untersucht. Es zeigte sich,
täten (Bild 6.25). Die von den Eltern be- dass Studierende in den neuen Bachelor-
reitgestellten Beträge haben sich gegen- Studiengängen signifikant weniger häu-
über 2006 kaum verändert. fig eigenen Verdienst zur Bestreitung des
Ein Kredit zur Finanzierung des Le- Lebensunterhalts einsetzten als diejeni-
bensunterhalts wird 2009 von den Studie- gen in den traditionellen Diplom/Magis-
renden im Fachhochschulbereich etwas ter-Studiengängen (43 % vs. 54 %).
häufiger aufgenommen als von denen im Auch 2009 wird dieser Fragestellung
Universitätsbereich (6 % vs. 4 %). Der da- nachgegangen, indem wiederum die fi-
durch monatlich im Durchschnitt zur nanzielle Situation gleichaltriger Studie-
Verfügung stehende Betrag liegt bei render in neuen und alten Studiengän-
407˜€ bzw. 384 €. Damit hat sich der An- gen untersucht wird. Dabei wird unter-
teil der durch Kredite realisierten Einnah- schieden zwischen Studiengängen, die
men an den gesamten monatlichen Ein- mit dem Diplom/Magister, mit dem
nahmen für den Lebensunterhalt bei den Staatsexamen oder mit dem Bachelor ab-
Studierenden der Universitäten von 2006 schließen.
nach 2009 von 1 % auf 2 %, bei den Studie- Zunächst wird die Höhe der monatli-
renden der Fachhochschulen von 1 % auf chen Einnahmen dieser Studierenden-
knapp 3 % erhöht. gruppen betrachtet. Dabei ist zu konsta-
tieren, dass Studierende in Bachelor-Stu-
Neue vs. alte Studiengänge diengängen über statistisch signifikant
Bereits 2006 wurde untersucht, ob die geringere monatliche Einnahmen verfü-
Einführung der neuen Studiengänge gen als die gleichaltrigen Studierenden in
auch zu Veränderungen bei der Studien- den traditionellen Studiengängen (Bild
finanzierung geführt hat. Die Hypothese 6.26, linke Grafik). Als relativ gering lässt
war, dass die zeitlich straffer organisier- sich der Einnahmenunterschied zwischen
234 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

den Studierenden in Bachelor-Studien- gen finanzieren sich ähnlich. Den Haupt-


gängen und denen der Diplom/Magister- beitrag leisten die Eltern mit 55 % bzw.
Studiengänge beschreiben (746 € vs. 54•%. Der Beitrag des BAföG liegt bei den
760•€). Deutlicher hingegen ist der Unter- Studierenden der Bachelor-Studiengänge
schied zu den Einnahmen der Studieren- etwas höher (19 % vs. 17 %), während die
den in Studiengängen, die mit dem Selbstfinanzierungsquote durch eigenen
Staatsexamen abschließen (746 € vs. Verdienst bei den Studierenden der Dip-
781•€). lom/Magister-Studiengänge etwas höher
Die Analyse der durchschnittlichen ausfällt (19 % vs. 17 %). Wird hier nach der
Zusammensetzung der monatlichen Ein- Hochschulart differenziert, ergeben sich
nahmen erbringt folgende Befunde (Bild im Universitätsbereich wesentlich deutli-
6.26, rechte Grafik): Studierende in Bache- chere Unterschiede zwischen den alten
lor- und in Diplom/Magister-Studiengän- und neuen Studiengängen (Bild 6.27).

Bild 6.26 Höhe und Zusammensetzung der monatlichen Einnahmen 2009 gleich-
altriger Studierender in neuen und alten Studiengängen
Bezugsgruppe „Normalstudent“ – bis 23 Jahre, Einnahmen in €, Quellenanteil in %

Monatliche Einnahmen Zusammensetzung nach Quellen


Arithm. Mittelwert Median Diplom/ Staats- Bachelor
Magister examen

760 781 746 10 10 9


735 740 720
19 13 17
14
17 19

63
55 54

Diplom/ Staats- Eltern Verdienst


Bachelor
Magister examen BAföG übrige Quellen
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 235

Studierende in den neuen Bachelor- Stu- Einnahmen durch die BAföG-Förderung


diengängen finanzieren mit 19 % einen gedeckt (20 % vs. 22 %) und ein entspre-
höheren Anteil ihrer monatlichen Ein- chend höherer durch eigenen Verdienst
nahmen durch die Förderung nach dem (22 % vs. 20 %).
BAföG als Studierende in den Diplom/Ma- Die finanzielle Situation der Studie-
gister-Studiengängen mit 16 %. Demge- renden in den allein im Universitätsbe-
genüber steht eine in den Diplom/Magis- reich angebotenen Studiengängen, die
ter-Studiengängen höhere Selbstfinanzie- mit einem Staatsexamen abschließen,
rungsquote durch eigenen Verdienst als stellt sich demgegenüber deutlich anders
in den Bachelor-Studiengängen (18 % vs. dar (Bild 6.26): 63 % der monatlichen Ein-
14 %). nahmen werden durch die Eltern bereit-
Im Fachhochschulbereich wird hinge- gestellt und folglich deutlich weniger
gen von den Studierenden der Bachelor- durch BAföG (14 %) und eigenen Verdienst
Studiengänge im Vergleich zu denen in (13 %). Die erheblich abweichende Zusam-
den alten Diplom-Studiengängen ein et- mensetzung der monatlichen Einnah-
was geringerer Anteil der monatlichen men der Studierenden in den Studien-

Bild 6.27 Zusammensetzung der monatlichen Einnahmen 2009 gleichaltriger Stu-


dierender differenziert nach Abschlussart und Hochschulart
Bezugsgruppe „Normalstudent“ – bis 23 Jahre, Quellenanteil in %

Diplom/Magister Bachelor
Uni FH Uni FH
765 € 739 € 748 € 742 € Höhe der Einnahmen
10 9 9 9
14 Finanzierungs-
18 20 22 quellen:
16 19 Übrige
22 20
Verdienst
BAföG
56 57 Eltern
49 49

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


236 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

gängen, die mit einem Staatsexamen ab- festzustellen, dass sich die finanzielle Un-
schließen, ist vor allem damit zu erklären, terstützung durch die Eltern für Studie-
dass sie von den Eltern mit deutlich höhe- rende in Diplom/Magister-Studiengängen
ren Beträgen alimentiert werden als die nicht von der für diejenigen in den neuen
Studierenden in den anderen Studien- Bachelor-Studiengängen unterscheidet.
gängen (Bild 6.28). Ein gleich hoher Anteil (jeweils 95 %) wird
Bei den Studierenden der Universitä- mit im Durchschnitt gleichen Beträgen
ten, die kein Staatsexamen anstreben, ist von den Eltern unterstützt (jeweils 451 €).

Bild 6.28 Inanspruchnahme der Finanzierungsquellen durch gleichaltrige Studie-


rende in neuen und alten Studiengängen
Bezugsgruppe „Normalstudent“ – bis 23 Jahre

Studierende, die die jeweilige Betrag, der diesen Studierenden


1
Abschlussart Quelle in Anspruch nehmen zur Verfügung steht
in % arithm. Mittelwert in €
Finanzierungs-
2006 2009 2006 2009
quelle
insg insg. Uni FH insg. insg. Uni FH
Diplom, Magister
Eltern 95 94 95 91 431 441 451 395
BAföG 35 34 32 41 345 380 377 394
Verdienst 54 62 62 59 219 232 227 254
Übrige 43 45 46 41 138 165 166 157
Staatsexamen
Eltern 96 95 95 - 500 513 513 -
BAföG 29 29 29 - 331 385 385 -
Verdienst 48 56 56 - 174 180 180 -
Übrige 43 50 50 - 132 159 159 -
Bachelor
Eltern 94 94 95 91 447 433 451 400
BAföG 37 36 35 38 361 398 399 397
Verdienst 43 52 50 55 189 242 215 290
Übrige 40 46 46 45 141 153 150 157
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 237

Der Anteil der bis 23 Jahre alten Stu- rungsbetrag hingegen unterscheidet sich
dierenden, der nach dem BAföG geför- nicht (397 € vs. 394—€).
dert wird, fällt im Universitätsbereich in Zusammenfassend lässt sich feststel-
Bachelor-Studiengängen höher aus als in len, dass im Universitätsbereich der eige-
den Diplom/Magister- Studiengängen ne Verdienst für Studierende in den Bach-
(35—% vs. 32—%), ebenso der Förderungsbe- elor-Studiengängen eine geringere Rolle
trag, mit dem diese Studierenden unter- spielt als für die in den Diplom/Magister-
stützt werden (399—€ vs. 377 €). Studiengängen. Dies dürfte auch mit dem
Am deutlichsten unterscheiden sich höheren Anteil des BAföG an den monat-
die gleichaltrigen Studierenden in den lichen Einnahmen der Bachelor-Studie-
neuen und alten Studiengängen im Uni- renden zu erklären sein (vgl. Bild 6.27). Im
versitätsbereich durch den Anteil, der ei- Fachhochschulbereich hingegen spielt
genen Verdienst zur Finanzierung des Le- der eigene Verdienst bei den Studieren-
bensunterhalts einsetzt. Dies gilt mit 50 % den in den neuen Studiengängen eine et-
für deutlich weniger Studierende in den was größere Rolle als bei denen in den al-
Bachelor-Studiengängen verglichen mit ten Studiengängen.
62 % in den Diplom/Magister-Studiengän-
gen. Auch der durchschnittliche Ver- 6.3.7 Einnahmen und allgemei-
dienst der erwerbstätigen Bachelor-Stu- ne Studiengebühren
dierenden fällt etwas geringer aus (215 € Im Sommersemester 2006, dem Zeit-
vs. 227 €). punkt der 18. Sozialerhebung, wurden an
Im Fachhochschulbereich ist hinge- den staatlichen Hochschulen in Deutsch-
gen der Unterschied beim Anteil der er- land keine allgemeinen Studiengebüh-
werbstätigen Studierenden in den Bach- ren verlangt. Zum Zeitpunkt der 19. Sozi-
elor- und den Diplom-Studiengängen alerhebung, dem Sommersemester 2009,
wesentlich geringer (55 % vs. 59 %). Hier wurden hingegen in sechs Ländern allge-
fällt auf, dass die Erwerbstätigen der neu- meine Studiengebühren erhoben.
en Studiengänge im Durchschnitt höhere Im Folgenden wird untersucht, ob sich
Beträge verdienen (290 € vs. 254 €). die Gebührenpflicht auf die finanzielle Si-
Anders als im Universitätsbereich ist tuation der Studierenden auswirkt. Dabei
im Fachhochschulbereich die Quote der bleiben die Studierenden in den neuen
nach dem BAföG geförderten Studieren- Ländern unberücksichtigt, weil die Unter-
den in den neuen Studiengängen gerin- schiede bei der Studienfinanzierung in
ger als in den alten Studiengängen (38 % den alten und neuen Ländern den hier in-
vs. 41 %). Der durchschnittliche Förde- teressierenden Effekt überlagern könnten.
238 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Grundlegendes Differenzierungskri- Höhe der Einnahmen und Finan-


terium für die Gebührenpflicht sind die zierungsstruktur
Antworten der Studierenden auf die Fra-
Wie Bild 6.29 zu entnehmen ist, ste-
ge: „Werden an Ihrer Hochschule neben
hen 2009 den Studierenden, die allgemei-
dem obligatorischen Semesterbeitrag
ne Studiengebühren zu entrichten ha-
auch allgemeine Studiengebühren erho-
ben, im Durchschnitt gleich hohe monat-
ben?“. Sowohl 2009 als auch bei der Ver-
liche Einnahmen zur Verfügung wie den
gleichsrechnung für 2006 blieben Studie-
Studierenden, die an einer Hochschule
rende an privaten Hochschulen unbe-
ohne Beitragspflicht eingeschrieben sind
rücksichtigt.
(8329€ vs. 828 €). Bereits im Jahre 2006 lag
das Einnahmenniveau der Studierenden

Bild 6.29 Höhe und Zusammensetzung der monatlichen Einnahmen in Abhängig-


keit von allgemeinen Studiengebühren an der besuchten Hochschule1
Bezugsgruppe „Normalstudent“ – alte Länder, Einnahmen in €, Quellenanteil in %

Monatliche Einnahmen, in € Zusammensetzung nach Quellen, in %

Studiengebühren: Studiengebühren:
ja nein ja nein
9 12 9 10

25 26 27 31
Finanzierungs-
quellen:
12 14 Übrige
13
14
785 833 788 827
Verdienst
BAföG
54 49 50 45
Eltern

2006 2009 2006 2009 2006 2009 2006 2009

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


1
Bei der Vergleichsrechnung 2006 wurden die Studierenden nach der Gebührenpflicht im jeweiligen
Land nach dem Stand von 2009 zugeordnet
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 239

in den Ländern, die heute Studiengebüh- Bild 6.30 Finanzierungsstruktur –


ren erheben, gleich hoch wie in den alten Gebührenzahler und von der
Ländern, die auch 2009 keine Gebühren Zahlung Befreite
erheben (788 € vs. 785 €). Bezugsgruppe „Normalstudent“
Unterschiede zwischen den Studie-
Zusammensetzung nach Quellen, in %
renden mit und ohne Gebührenpflicht
sind allerdings bei der durchschnittli- 831 € 833 € Höhe der
Einnahmen
chen Zusammensetzung der monatli-
11 14
chen Einnahmen festzustellen. Bei den Finanzierungs-
Studierenden mit Gebührenpflicht wird 26 23 quellen:
Verdienst
ein höherer Anteil der monatlichen Ein- Übrige
nahmen von den Eltern bereitgestellt 13 17 Verdienst
(49•% vs. 45 %). Bei den Studierenden ohne BAföG
Gebührenpflicht ist hingegen die Selbstfi- Eltern
50 46
nanzierungsquote durch eigenen Ver-
dienst wesentlich höher (31 % vs. 26 %). Al-
lerdings ist festzuhalten, dass diese Unter-
Zahler Befreite
schiede zwischen den Studierenden in
den entsprechenden Ländern in ähnli- DSW/HIS 19. Sozialerhebung

cher Deutlichkeit bereits vor Einführung


der Gebührenpflicht zu beobachten wa- tragen mit eigenen Verdienst in höherem
ren (Bild 6.29, rechte Grafik). Umfang zu ihrer Finanzierung bei als die
Wird bei denjenigen, die an einer von den Gebühren befreiten (26 % vs.
Hochschule mit Gebührenpflicht studie- 23•%). Letztere erhalten dagegen einen
ren, danach differenziert, ob sie von der höheren Anteil ihrer Einnahmen durch
Gebührenpflicht befreit wurden oder die die BAföG-Förderung.
Studiengebühren bezahlen mussten, ist
Finanzierungsquellen
festzustellen, dass sich die Höhe der mo-
Welche Anteile der Studierenden die ein-
natlichen Einnahmen dieser beiden
zelnen Finanzierungsquellen in An-
Gruppen nicht unterscheidet (Bild 6.30).
spruch nehmen und welche Beträge die-
Bei den Gebührenzahlern liegt aller-
sen Studierenden durchschnittlich zur
dings der Beitrag der Eltern zu den mo-
Verfügung stehen, ist in Bild 6.31 darge-
natlichen Einnahmen höher als bei denje-
stellt. Danach werden gebührenpflichti-
nigen, die von der Gebührenpflicht be-
ge Studierende deutlich häufiger und mit
freit sind (50 % vs. 46 %). Gebührenzahler
240 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Bild 6.31 Inanspruchnahme der Finanzierungsquellen 2006 und 2009 differen-


1
ziert nach allgemeinen Studiengebühren
Bezugsgruppe „Normalstudent“ - alte Länder

Studierende, die die jeweilige Betrag, der diesen Studierenden


Quelle in Anspruch nehmen zur Verfügung steht
in % arithm. Mittelwert in €
Finanzierungs-
quelle Studiengebühren Studiengebühren
ja nein ja nein
2006 2009 2006 2009 2006 2009 2006 2009
Eltern 90 88 88 84 467 466 445 443
BAföG 26 27 29 26 371 422 393 443
Verdienst 63 66 63 69 309 322 335 367
Übrige 40 47 40 43 184 210 180 195
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
Bei der Vergleichsrechnung 2006 wurden die Studierenden nach der Gebührenpflicht im jeweiligen
Land nach dem Stand von 2009 zugeordnet

im Durchschnitt höheren Beträgen von Ergänzend ist darauf aufmerksam zu


den Eltern unterstützt als die Studieren- machen, dass gebührenpflichtige Studie-
den, die an einer gebührenfreien Hoch- rende tendenziell etwas häufiger einen
schule immatrikuliert sind. Unter den Ge- Kredit zur Finanzierung des Lebensunter-
bührenpflichtigen liegt die BAföG-Quote halts aufgenommen haben als Studieren-
marginal höher (um 0,3 Prozentpunkte), de an einer gebührenfreien Hochschule
der durchschnittliche Förderungsbetrag (5 % vs. 4 %). Mit knapp 4 % ist unter den ge-
fällt bei diesen allerdings geringer aus bührenpflichtigen Studierenden auch
(422 € vs. 443 €). Vor allem wohl aufgrund der Anteil der Stipendiaten/innen etwas
des höheren finanziellen Engagements höher als unter denen, für die keine Ge-
der Eltern ist von den gebührenpflichti- bührenpflicht besteht (knapp 3 %).
gen Studierenden ein geringerer Anteil Zum Vergleich sind die Ergebnisse
erwerbstätig (66 % vs. 69 %) Auch wird von von 2006 differenziert nach dem Stand
ihnen ein durchschnittlich deutlich nied- der Gebührenpflicht im Jahre 2009 eben-
riger Verdienst zur Bestreitung des Le- falls in Bild 6.31 dargestellt. Auch aus die-
bensunterhalts eingesetzt (322 € vs. 367˜€). sem Vergleich ist keine Entwicklung er-
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 241

kennbar, die sich auf die Einführung der monatlichen Einnahmen auch der Betrag
Studiengebühren zurückführen lässt. eingerechnet wurde, der zur Begleichung
Die dargestellten Ergebnisse legen der Studiengebühren vorgesehen ist. Bei-
den Schluss nahe, dass die Einnahmensi- spielsweise in den Fällen, wo die Eltern
tuation der Studierenden in den alten die monatliche Überweisung an das stu-
Ländern ein vergleichbares Lebenshal- dierende Kind angepasst haben, damit
tungsniveau für Studierende mit und davon auch die semesterweise anfallende
ohne Gebührenpflicht erlaubt. Dies ist al- Zahlung der Studiengebühren beglichen
lerdings nur dann richtig, wenn auch für werden kann (bei 500 € pro Semester rd.
die Gebührenzahler der ermittelte Ein- 83 € pro Monat). Aber auch der Hinweis
nahmenbetrag ausschließlich für den Le- bei der Frage nach den Einnahmen: „Soll-
bensunterhalt zur Verfügung steht. ten Sie Ihren Lebensunterhalt auch mit
unregelmäßigen Einnahmen (z. B. Ver-
Unterschiede bei den Gebühren- dienst aus Ferienarbeit) ... bestreiten, ge-
zahlern ben Sie bitte nur den Betrag an, den Sie
Bei der Mehrheit der Gebührenzahler davon monatlich im Durchschnitt einset-
kann nicht ausgeschlossen werden, dass zen“, könnte einige Befragte dazu veran-
der Betrag, mit dem die Studiengebühren lasst haben, bei der Finanzierungsquelle,
bezahlt werden, bei der Beantwortung die zur Begleichung der Studiengebüh-
der Frage nach dem durchschnittlich pro ren in Anspruch genommen wird, diesen
Monat zur Verfügung stehendem Geld Betrag einzurechnen. Immer dann, wenn
eingerechnet wurde. der Befragte den Begriff Lebensunterhalt
Auszuschließen ist dies aufgrund der nicht so eng versteht wie es mit der gege-
Fragestellung lediglich bei den 11 % der benen Erläuterung intendiert war, könn-
Gebührenzahler, die einen speziell zur Fi- te dies der Fall sein.
nanzierung der Studiengebühren ange- Unterschieden nach den Finanzie-
botenen Kredit aufgenommen haben. Bei rungsquellen, durch die die Studienge-
diesen ist davon auszugehen, dass die er- bühren beglichen werden, lassen sich fol-
mittelten monatlichen Einnahmen in gende Feststellungen treffen: Die Gebüh-
Höhe von 821 € allein zur Bestreitung der renzahler (41 %), die erklärten, dass die
Lebenshaltungskosten zur Verfügung ste- Studiengebühren allein von den Eltern
hen. beglichen werden, verfügen über monat-
Bei den übrigen Gebührenzahlern liche Einnahmen in durchschnittlicher
sind hingegen Konstellationen denkbar, Höhe von 816 €. Gebührenzahler, die er-
die dazu führten, dass bei der Angabe der klärten, die Studiengebühren allein mit
242 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

eigenem Verdienst (9 %) oder ausschließ- wurden im Fragebogen einige Aussagen


lich mit Ersparnissen (8 %) zu begleichen, vorgegeben, die anhand einer Fünfer-
verfügen über monatliche Einnahmen Skala von „trifft gar nicht zu“ bis „trifft
von 934 € bzw. 772 €. Außerdem finanzie- völlig zu“ zu bewerten waren. Im Vorder-
ren 3 % der Gebührenzahler die Studien- grund der Betrachtung steht zunächst die
gebühren durch eine andere Quelle, die- Einschätzung der Aussage: „Die Finanzie-
sen stehen im Durchschnitt monatliche rung meines Lebensunterhalts während
Einnahmen von 928 € zur Verfügung. Die des Studiums ist sichergestellt“.
verbleibenden 28 % der Gebührenzahler Nahezu zwei Fünftel der Studieren-
nutzen zur Begleichung der Studienge- den (38 %) stimmt dieser Aussage unein-
bühren Einnahmen aus mehreren Quel- geschränkt zu (Bild 6.32). Ein weiteres
len, vor allem folgende Kombinationen: Viertel hält diese Aussage immerhin für
Eltern und eigener Verdienst: 9 % mit zutreffend. Insgesamt gehen somit rd.
ؒ876 €, Eltern und Ersparnisse: 7 % mit 63’% der Studierenden im Sommer 2009
ؒ745 € sowie eigener Verdienst und Er- von einer gesicherten Finanzierung des
sparnisse: 8 % mit Ø 816 €. Studiums aus. Verglichen mit dem ent-
Falls bei diesen Einnahmenbeträgen sprechenden Ergebnis von 2006 ist eine
der durchschnittliche Monatsbetrag für Erhöhung dieses Anteil um drei Prozent-
Studiengebühren (bei 500 € pro Semester
rd. 83 € pro Monat) von den befragten Bild 6.32 Einschätzung der Finanzie-
Studierenden eingerechnet wurde, dürf- rungssicherheit
ten zumindest die Gebührenzahler, die Bezugsgruppe „Normalstudent“,
die Studiengebühren allein mit eigenen in %,
Ersparnissen oder in Kombination mit fi-
Finanzierung
nanziellen Zuwendungen der Eltern bzw. 2000 2003 2006 2009
sichergestellt1
eigenem Verdienst begleichen (23 % der
Gebührenzahler), in einer relativ ange- trifft gar nicht zu 7 5 7 5
trifft nicht zu 11 10 11 11
spannten finanziellen Situation leben.
unentschieden 19 20 22 21
6.4 Einschätzung der finan- trifft zu 22 26 26 25
ziellen Situation trifft völlig zu 41 39 34 38

Mit der Frage zur Einschätzung der finan- insgesamt 100 100 100 100
ziellen Situation wurde den Befragten die DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
Möglichkeit gegeben, auch ihre subjekti- Die Finanzierung meines Lebensunterhalts
während des Studiums ist sichergestellt.
ve Sicht zu vermitteln. Zu diesem Zweck
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 243

punkte zu konstatieren. Der Anteil, für ten Finanzierung aus, während von den
den folglich die Finanzierung des Studi- Studierenden der Herkunftsgruppe
ums unsicher ist, liegt 2009 bei 16 % und „hoch“ drei Viertel diese Einschätzung
ist damit gegenüber 2006 um zwei Pro- teilen.
zentpunkte zurückgegangen. Immerhin Verglichen mit den entsprechenden
gut ein Fünftel der Studierenden (21 %) äu- Ergebnissen des Jahres 2006 hat sich der
ßert sich zur Sicherheit der Studienfinan- Anteil der Studierenden, die von einer ge-
zierung unentschieden. sicherten Finanzierung des Studiums aus-
Der Anteil der Studierenden, die ihre gehen, in jeder sozialen Herkunftsgruppe
Studienfinanzierung als sicher einschät- erhöht. Bei den Studierenden der Her-
zen, differiert erheblich, wenn die Studie- kunftsgruppe „niedrig“ ist dieser Anteil
renden nach ihrer sozialen Herkunft un- am deutlichsten gestiegen – von 39 % auf
terschieden werden (Bild 6.33). Knapp die 47 %. Der 2006 gegenüber 2003 festge-
Hälfte der Studierenden der Herkunfts- stellte Rückgang dieser Anteilswerte hat
gruppe „niedrig“ geht von einer gesicher- sich folglich umgekehrt, so dass die An-

Bild 6.33 Finanzierungssicherheit nach der sozialen Herkunft der Studierenden –


Zustimmung zur Aussage: Die Finanzierung meines Lebensunterhalts
während des Studiums ist sichergestellt.
Bezugsgruppe „Normalstudent“, in % je Herkunftsgruppe

trifft völlig zu trifft zu

hoch 51 24
gehoben 35 27 2009

mittel 28 27
niedrig 22 25

hoch 45 27
2006
gehoben 33 27
mittel 24 26
niedrig 19 20

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


244 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

teile bezogen auf die Herkunftsgruppen gesichert an, wenn sie von der Gebühren-
„niedrig“ und „hoch“ heute wieder auf pflicht ausgenommen bzw. befreit sind,
dem Niveau von 2003 liegen. Bei den Stu- verglichen mit denen, die die Studienge-
dierenden der Herkunftsgruppen „mit- bühren zu bezahlen haben (66 % vs. 63 %).
tel“ und „gehoben“ lag der Anteil derjeni- Erheblichere Unterschiede sind fest-
gen, die von einer gesicherten Finanzie- zustellen, werden die Gebührenzahler
rung ausgingen, 2003 aber noch um zwei nach der Finanzierungsquelle differen-
bzw. vier Prozentpunkte höher als heute. ziert, welche die Studiengebühren be-
gleicht (Bild 6.34). Bei den Studierenden,
Einschätzung der finanziellen Si- die angaben, dass allein die Eltern die Fi-
tuation und Studiengebühren nanzierung der Gebühren übernommen
Wird untersucht, inwieweit die Pflicht all- haben, findet sich auch der weitaus größ-
gemeine Studiengebühren zu zahlen, die te Anteil, der generell die Finanzierung
Einschätzung der finanziellen Situation des Studiums als gesichert ansieht (78 %,
beeinflusst, ist es zweckmäßig, sich auf Anteil Unentschiedene: 15 %). Studierende
die Studierenden in den alten Ländern zu hingegen, die die Studiengebühren al-
beschränken. lein mit eigenem Verdienst finanzieren,
Studierende in den alten Ländern, die gehen deutlich seltener von einer gesi-
an einer Hochschule eingeschrieben sind, cherten Finanzierung des Studiums aus
die allgemeine Studiengebühren erhebt, (53 %, Anteil Unentschiedene: 20 %). Noch
gehen etwas häufiger von einer gesicher- seltener wird diese Einschätzung der fi-
ten Studienfinanzierung aus als die Stu- nanziellen Situation von den Studieren-
dierenden an Hochschulen ohne Studien- den geteilt, die zur Finanzierung der Stu-
gebühren (64 % vs. 61 %). Verglichen mit diengebühren einen dafür angebotenen
dem Ergebnis von 2006 hat sich der An- Kredit aufgenommen haben (46˜%, Anteil
teil der Studierenden, der die Studienfi- Unentschiedene: 28˜%).
nanzierung als gesichert einschätzt, so-
Finanzierungssicherheit nach
wohl in den Ländern die zwischenzeitlich
Studiengebühren eingeführt haben als weiteren Merkmalen
auch in den alten Ländern ohne Studien- Die Sicherheit der Studienfinanzierung
gebühren jeweils um drei Prozentpunkte wird von Studentinnen nicht wesentlich
erhöht (Bild 6.34). anders eingeschätzt als von Studenten
Studierende an den Hochschulen, die (Bild 6.35). In Abhängigkeit vom Alter der
Studiengebühren erheben, sehen ihre Studierenden gibt es hingegen deutliche
Studienfinanzierung noch häufiger als Unterschiede. Mit dem Alter verringert
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 245

Bild 6.34 Finanzierungssicherheit differenziert nach allgemeinen Studiengebühren


– Zustimmung zur Aussage: Die Finanzierung meines Lebensunterhalts
während des Studiums ist sichergestellt.
Bezugsgruppe „Normalstudent“ – alte Länder, ohne private Hochschulen, in %

trifft völlig zu trifft zu


Gebühren eingeführt:

2009 38 26
2006 36 25
keine Gebühren:
2009 37 24
2006 32 26

Gebührenpflichtige nach:

Zahler 38 25

Befreite 39 27

Gebührenzahler nach der Finanzierungsquelle der Studiengebühren:

Eltern 53 25

Verdienst 30 23

Kredit 19 27

DSW/HIS 19. Sozialerhebung

sich der Anteil derjenigen, die von einer dierenden ist hingegen in der Fächer-
gesicherten Studienfinanzierung ausge- gruppe Sozialwissenschaften, Psycholo-
hen. gie und Pädagogik zu finden (60 %). Bei
Differenziert nach Fächergruppen den Studierenden der übrigen Fächer-
sind es die Studierenden der Fächergrup- gruppen entspricht der Anteil derjeni-
pe Medizin, Gesundheitswissenschaften, gen, die die Finanzierung als gesichert se-
die am häufigsten von einer sicheren Stu- hen, dem Durchschnitt (63 %).
dienfinanzierung ausgehen (72 %). Ein un- Studierende an Universitäten gehen
terdurchschnittlicher Anteil solcher Stu- deutlich häufiger von einer gesicherten
246 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

Studienfinanzierung aus als die Studie- den Studierenden eine Antwort erwartet,
renden an Fachhochschulen (65 % vs. die mit der jeweiligen Aussage einen Be-
57•%). zug zur eigenen Situation herstellen
Werden die Einschätzungen der Stu- konnten. In Bild 6.36 wird deshalb zu-
dierenden getrennt nach dem so genann- nächst der Anteil der Studierenden aus-
ten BAföG-Status betrachtet, zeigt sich, gewiesen, der die jeweilige Aussage be-
dass bei den ehemaligen BAföG-Empfän- wertet, und dann die Bewertung selbst.
gern/innen der weitaus geringste Anteil Nach dem Urteil der antwortenden
zu finden ist, der die Finanzierung des Studierenden (89 %) sind vier Fünftel da-
Studiums als gesichert betrachtet. Aber von überzeugt, dass ihre Eltern sie finan-
auch bei den aktuellen BAföG-Empfän- ziell unterstützen, so gut sie können. Um-
gern/innen und denen, deren Erstantrag gekehrt geht ein Zehntel davon aus, dass
abgelehnt wurde, liegt der Anteil, der von die finanzielle Unterstützung nicht der
einer sicheren Finanzierung ausgeht, aus ihrer Sicht vorhandenen finanziellen
deutlich unter dem Durchschnitt (Bild Leistungsfähigkeit der Eltern entspricht,
6.35). Weit höher als bei den übrigen Stu- und ein weiteres Zehntel nimmt hier eine
dierendengruppen liegt dieser Anteil mit unentschiedene Position ein. Mehr als ein
80 % bei denen, für die aufgrund der fi- Viertel der antwortenden Studierenden
nanziellen Situation im Elternhaus bisher (86 %) hat den Eindruck, die Eltern finan-
kein BAföG-Antrag infrage kam. ziell zu überfordern. Wenn dann auch
Zwischen den Studierenden der alten noch zwei Drittel sich in dem Sinne äu-
und neuen Länder gibt es keinen bemer- ßern (von 93 %), dass sie finanziell nicht
kenswerten Unterschied bei der Beurtei- auf ihre Eltern angewiesen sein wollen,
lung der Finanzierungssicherheit. zeigt dies deutlich die ambivalente Situa-
tion der Studierenden. Auf der einen Seite
Einschätzung weiterer Finanzie- sind sie auf die finanzielle Unterstützung
rungsaspekte der Eltern angewiesen und kritisieren
Neben der generellen Frage zur Sicher- zum Teil die aus ihrer Sicht nicht ange-
heit der Studienfinanzierung wurden den messene Alimentation. Auf der anderen
Befragten auch einige Aussagen vorge- Seite steht der Wunsch, als volljähriger
legt, um ihre Sicht zu weiteren Aspekten Mensch unabhängig von den Eltern zu
der Studienfinanzierung zu erfahren. Da sein.
nicht jede dieser Aussagen für die Situati- Knapp der Hälfte der antwortenden
on aller Studierenden zutreffend ist (vgl. Studierenden (86 %) macht es nichts aus,
Auflistung in Bild 6.36), wurde nur von neben dem Studium Geld verdienen zu
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 247

Bild 6.35 Einschätzung der Finanzierungssicherheit nach ausgewählten Merkmalen


Bezugsgruppe „Normalstudent“, in % je Merkmalsausprägung

Die Finanzierung meines Lebensunterhalts


Merkmal während des Studiums ist sichergestellt.
trifft nicht zu unentschieden trifft zu
1. Geschlecht
- männlich 15 20 64
- weiblich 17 22 62
2. Alter in Jahren
- bis 21 10 19 71
- 22/23 12 20 69
- 24/25 16 20 63
- 26/27 23 23 54
- 28/29 26 30 45
- 30 und älter 33 25 42
3. Fächergruppe
- Ingenieurwissenschaften 16 21 63
- Sprach- und Kulturwiss. 16 21 62
- Mathematik/Naturwiss. 16 23 62
- Medizin, Gesundheitswiss. 14 14 72
- Rechts- u. Wirtschaftsw. 15 22 63
- Sozialwiss./Psy./Päd. 19 21 60
4. Hochschulart
- Universität o. ä. 15 20 65
- Fachhochschule 19 24 57
5. BAföG-Status
- elternabhängige Förderung 20 26 54
- elternunabhängige Förderung 20 30 50
- ehemalige BAföG-Empfänger 30 28 42
- kein BAföG -Antrag abgelehnt 21 26 53
- kein BAföG - nicht beantragt 7 13 79
6. Region
- alte Länder 17 21 63
- neue Länder 14 23 63

insgesamt 16 21 63
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
248 STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN

müssen. 43 % der sich dazu äußernden Es ist nahe liegend, dass Aussagen
Studierenden (75 %) macht aber darauf zum BAföG nur von einem Teil der Studie-
aufmerksam, dass sich durch das Jobben renden bewertet wurde (Bild 6.36). Be-
die Studienzeit verlängern wird. schränkt auf die Studierenden, die im

Bild 6.36 Einschätzung verschiedener Aussagen zur Studienfinanzierung aus der


Sicht der Studierenden
Bezugsgruppe „Normalstudent“, Stud. in % je Aussage

Bewertungsskala
Aussage 1 2 3 4 5
Aussage 1 (= trifft (= trifft
bewertet
gar nicht völlig zu)
zu)
Meine Eltern unterstützen mich
finanziell so gut sie können. 89 5 5 9 19 62
Ich habe den Eindruck, meine El-
tern finanziell zu überfordern. 86 26 25 24 17 10
Ich will finanziell nicht auf mei-
ne Eltern angewiesen sein. 93 4 8 21 25 42
Es macht mir nichts aus, neben
dem Studium Geld verdienen
zu müssen. 86 13 19 24 23 22
Durch das Jobben wird sich die
Studienzeit verlängern. 77 28 15 14 17 26
Ohne BAföG-Förderung könnte
ich nicht studieren. 50 33 8 7 9 44
Die BAföG-Förderung ist
angemessen. 41 24 14 17 21 24
Die BAföG-Förderung gibt eine
sichere Planungsperspektive. 38 24 13 18 21 24

nur BAföG-Geförderte zur Aussage: Ohne BAföG-Förderung könnte ich nicht studieren.
- elternabhängige Förderung 98 5 7 8 14 66
- elternunabhängige Förderung 99 2 3 3 8 84
- insgesamt 98 5 7 7 13 68
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
Anteil der Studierenden, der die Aussage bewertete
STUDIENFINANZIERUNG – EINNAHMEN DER STUDIERENDEN 249

Sommersemester 2009 tatsächlich geför-


dert wurden, liegt der Anteil derer, die
davon ausgehen ohne BAföG nicht studie-
ren zu können bei 81 % (2006: 80 %). Eltern-
unabhängig Geförderte teilen diese An-
sicht häufiger als elternabhängig Geför-
derte (92 % vs. 80 %, 2006: 93 % vs. 78 %).
7. Lebenshaltungs- und Studienkosten
– ausgewählte Ausgabenpositionen
252 LEBENSHALTUNGS- UND STUDIENKOSTEN

Ausgewählte Ergebnisse im Überblick


Monatliche Ausgaben für ... (arithm. Mittelwerte, in €)
2006 2009
Bezugsgruppe „Normalstudent“

Miete einschließlich Nebenkosten 266 281

Ernährung 147 159

Kleidung 50 51

Lernmittel 35 33

Auto und/oder öffentliche Verkehrsmittel 82 81

Krankenversicherung, Arztkosten, Medikamente 54 59

Telefon, Internet, Rundfunk- und Fernsehgebühren 43 35

Freizeit, Kultur und Sport 62 63


Ausgaben für Miete nach der Wohnform, in €
2006 2009
Bezugsgruppe „Normalstudent“
Wohnheim 201 222
Untermiete 234 237
Wohngemeinschaft 246 264
Wohnung mit Partner/in 292 302
Wohnung allein 316 341
Allgemeine Studiengebühren
2009
Studierende im Erststudium, in %
Anteil, der an gebührenpflichtigen Hochschulen studiert 59
darunter: von der Gebührenpflicht ausgenommen oder befreit 18

Finanzierung der Studiengebühren (ganz oder teilweise, Mehrfachnennung)


- durch die Eltern 59
- durch eigenen Verdienst 30
- durch einen Kredit 11
- durch Ersparnisse/Vermögen 24
LEBENSHALTUNGS- UND STUDIENKOSTEN 253

Technische Hinweise

Definitionen: für die abgefragten Positionen der Le-


Bezugsgruppe „Normalstudent“ benshaltung),
Ledige Studierende, die außerhalb des • 1-50 € monatlich verfügbar
Elternhauses wohnen und sich im (für Ausgabenpositionen, die nicht ab-
Erststudium befinden. gefragt wurden),
• 51-100 € monatlich verfügbar,
Ausgabenbeträge in € • 101-200 € monatlich verfügbar und
Ausgabenbeträge werden in der Regel • über 200 € monatlich verfügbar.
als arithmetische Mittelwerte ausgewie-
sen. Bezugsgruppen
Ergänzend wird der Median der Ausga- Bezugsgruppe „Normalstudent“
benverteilung angegeben. Der Median Diese Teilgruppe (Definition s.o.) umfasst
ist zu verstehen als der Betrag, den die 65‘% aller Studierenden.
eine Hälfte der Studierenden unter- und
die andere Hälfte überschreitet. Studierende im Erststudium
DM-Beträge aus vorangehenden Sozial- Studierende, die noch keinen Studienab-
erhebungen wurden nach der Formel: schluss erworben haben. Einschließlich
€ =DM/1,95583 umgerechnet. Studierende in konsekutiven Master-
studiengängen, die bereits den Bachelor
Einnahmen/Ausgaben-Bilanzierung erworben haben.
Bei der Bilanzierung werden nur Studie-
rende berücksichtigt, die neben ihren Datenquellen
Einnahmen zumindest die Ausgaben für Daten der Sozialerhebung (vor allem die
Miete und Ernährung sowie die Ausga- Fragen 20 und 21)
ben für weitere vier Positionen angege- Statistisches Bundesamt, Verbraucher-
ben haben. preisindex für Deutschland (früher:
Entsprechend dem Bilanzergebnis wer- Preisindex für die Lebenshaltung):
den folgende fünf Gruppen gebildet: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/
• keine Mittel verfügbar cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/
(d. h. die verfügbaren Einnahmen, sind Statistik... 24.09.09
geringer als die Summe der Ausgaben
254 LEBENSHALTUNGS- UND STUDIENKOSTEN

7.1 Vorbemerkung • Telefon, Internet, Rundfunk- und Fern-


Im Folgenden werden zunächst die Aus- sehgebühren, Porto
gaben – in Ergänzung zum Einnahmen- • Freizeit, Kultur und Sport.
kapitel – der ledigen Studierenden im Die Ergebnisse werden in Kap. 7.2 ab-
Erststudium, die nicht im Elternhaus gehandelt. Entsprechend der Fragestel-
wohnen (Bezugsgruppe „Normalstu- lung ergeben sich die Ausgaben für jede
dent“), für verschiedene Positionen der einzelne Position durch Addition des Be-
Lebenshaltung beschrieben. Im Weiteren trags, den die Studierenden selbst auf-
wird auf die allgemeinen Studiengebüh- wenden, und ggf. den Aufwendungen,
ren eingegangen, deren Begleichung die die Eltern bzw. der Partner/die Partne-
2009 als regelmäßige Ausgabe zum Aus- rin unmittelbar zu Gunsten der Studie-
gabenbudget der Mehrheit der Studie- renden tätigen (vgl. Frage 20, Fragebo-
renden gehört. Bei der Beschreibung der gen im Anhang).
Ergebnisse zur Frage nach den Studienge- Es ist offensichtlich, dass es sich bei
bühren werden, anders als bei den Ausga- den aufgeführten Ausgabenpositionen
ben für die Lebenshaltung, die Antwor- lediglich um eine Auswahl handelt. Eine
ten aller Studierenden im Erststudium zu- vollständige Erfassung aller Positionen,
grunde gelegt. zu denen dann neben weiteren regelmä-
Bei der Erfassung der regelmäßigen ßig wiederkehrenden auch die unregel-
Ausgaben der Studierenden beschränkt mäßigen Ausgaben gehören müssten,
sich die Sozialerhebung auf monatliche wird damit nicht beabsichtigt. Ein solcher
Aufwendungen für die nachfolgenden Anspruch kann methodisch nicht einge-
Positionen der studentischen Lebensfüh- löst werden.
rung: Im Kapitel 7.3 wird durch eine Bilan-
• Miete einschließlich Nebenkosten zierung der monatlichen Einnahmen und
• Ernährung der Summe der erfragten Einzelausgaben
• Kleidung ermittelt, wie viel Geld den Studierenden
• Lernmittel für die sonstigen Positionen der Lebens-
• laufende Ausgaben für ein Auto führung verbleibt. Das abschließende Ka-
• öffentliche Verkehrsmittel pitel 7.4 befasst sich ausführlicher mit
• eigene Krankenversicherung sowie dem Umfang und der Finanzierung der
Arztkosten und Medikamente Studiengebühren.
LEBENSHALTUNGS- UND STUDIENKOSTEN 255

7.2 Ausgewählte Ausgabenpo- Die Ausgaben für Miete und Neben-


sitionen kosten belasten das studentische Budget
weitaus am stärksten. Im Durchschnitt
7.2.1 Ausgaben für Miete ein- geben Studierende rd. 35 % ihrer monatli-
chen Einnahmen für das Wohnen aus.
schließlich Nebenkosten
Die ganze Spannweite der studenti-
Mit 281 € pro Monat liegt der Durch- schen Mietausgaben wird deutlich, wenn
schnittsbetrag der Mietausgaben im Jah- die Verteilung der Studierenden entspre-
re 2009 nominal um rd. 6 % höher als chend der Höhe ihrer Mietausgaben dar-
2006 (Bild 7.1). Die Steigerung der Miet- gestellt wird (Bild 7.2). Danach haben rd.
ausgaben entspricht annähernd der Ent- 4:% der Studierenden Mietausgaben, die
wicklung des Verbraucherpreisindexes nicht über 150:€ hinausgehen. Demge-
für Wohnungsmiete, Wasser, Strom, Gas genüber stehen knapp 4 %, deren Miet-
und andere Brennstoffe im Zeitraum ausgaben über 450 € liegen. Gut die Hälf-
2006 bis 2009. Die generell für den Woh- te der Studierenden gibt für Miete mehr
nungsmarkt zu beobachtende Entwick- als 200 € bis 300 € aus. Verglichen mit
lung der Mietpreise gilt folglich auch für 2006 ist insbesondere der Anteil mit rela-
den studentische Wohnungsmarkt. tiv geringen Ausgaben für Miete und Ne-

Bild 7.1 Entwicklung der monatlichen Ausgaben für Miete und Nebenkosten –
Mittelwerte
Bezugsgruppe „Normalstudent“, Mittelwerte in €

Arithm. Mittelwert Median


281
250 266 240 250
266
222 227 212
201 187 205
162 153
91

94

97

00

03

06

09

91

94

97

00

03

06

09
19

19
19

19
20

20
19

19
20

20

20

20
20

20

Jahr Jahr

DSW/HIS 19. Sozialerhebung


256 LEBENSHALTUNGS- UND STUDIENKOSTEN

Bild 7.2 Studierende nach der Höhe der monatlichen Ausgaben für Miete und Ne-
benkosten
Bezugsgruppe „Normalstudent“, in %

25 26 25 2006
22 2009
21

15 14
12
8
7
5
3 3 4 2
1 1 2 2 2

0
00

50

50
15

20

25

30

35

40

45
s1

1-

1-

1-
1-

1-
1-

1-

er
1-
bi

10

20

30
15

40
25

45
35

üb
Ausgaben in €

DSW/HIS 19. Sozialerhebung

benkosten (bis 200 €) zurückgegangen. nal 10 % mehr als 2006 (Bild 7.3).1 Relativ
Erhöht hat sich hingegen vor allem der kostengünstig sind auch das Wohnen zur
Anteil Studierender, deren Mietausgaben Untermiete oder in einer Wohngemein-
zwischen 251 € und 350 € liegen. schaft. Die Ausgaben für die Untermiete
belaufen sich auf 237˜€ und sind damit
Einflussfaktoren verglichen mit 2006 relativ stabil geblie-
Die Höhe der Mietausgaben hängt u. a. ben. Für das Wohnen in einer Wohnge-
davon ab, welche der studentischen meinschaft werden im Durchschnitt
Wohnformen genutzt wird (vgl. Kap. 11). 264˜€ ausgegeben, damit rd. 8 % mehr als
Für Studierende, die nicht mehr im El- 2006. Deutlich teuerer ist es, wenn Studie-
ternhaus wohnen, ist unter Kostenaspek- rende eine eigene Wohnung angemietet
ten auch im Jahre 2009 das Wohnen im haben: Wer eine Wohnung mit dem Part-
Wohnheim die günstigste Wohnform.
Für den Wohnheimplatz werden im 1
Dies gilt für Wohnheime aller Träger. Nach An-
Durchschnitt 222 € ausgegeben – nomi- gaben des Deutschen Studentenwerks liegt
2009 die Warmmiete für einen Wohnheimplatz
in Trägerschaft der Studentenwerke bei durch-
schnittlich 196 € (2006: 182 €).
LEBENSHALTUNGS- UND STUDIENKOSTEN 257

Bild 7.3 Monatliche Ausgaben für Miete einschl. Nebenkosten in Abhängigkeit


von der Wohnform
Bezugsgruppe „Normalstudent“, arithm. Mittelwert in €
Ausgaben Veränderung 2009 werden
Wohnform 2009 vs. 2006 für Miete ... %
2006 2009 der Einnahmen
in %
ausgegeben
Wohnheim 201 222 10,3 31
Untermiete 234 237 1,0 31
Wohngemeinschaft 246 264 7,7 34
Wohnung mit Partner/-in 292 302 3,2 34
Wohnung allein 316 341 8,0 38
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

ner/der Partnerin teilt, hat Mietausgaben Offensichtlich besteht ein Zusam-


in durchschnittlicher Höhe von 302 €, 3 % menhang zwischen der Höhe der Miet-
mehr als 2006. Wird die Wohnung hinge- ausgaben und der Höhe der monatlich
gen allein bewohnt, fallen mit 341 € die zur Verfügung stehenden Einnahmen
höchsten monatlichen Aufwendungen (Bild 7.4). Das Viertel der Studierenden
für Miete einschließlich Nebenkosten an, mit den geringsten Einnahmen hat Miet-
8 % mehr als 2006. ausgaben in durchschnittlicher Höhe von

Bild 7.4 Studierende je Wohnform nach der Höhe der Einnahmen in Quartilen
Bezugsgruppe „Normalstudent“, in % je Wohnform
Einnahmenquartile, in €
Wohnform über 640 über 770 insgesamt
bis 640 bis 770 bis 944 über 944
Wohnheim 42 25 19 14 100
Untermiete 28 23 29 20 100
Wohngemeinschaft 28 29 25 18 100
Wohnung mit Partner/-in 17 22 26 35 100
Wohnung allein 16 21 26 37 100
Ausgaben für Miete, in € 228 260 288 349 281
Anteil an den Einnahmen, in % 42 37 34 30 35
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
258 LEBENSHALTUNGS- UND STUDIENKOSTEN

228 € und benötigt zur Begleichung der schnittlichen Mietausgaben gegenüber


Mietkosten rd. 42—% seiner Einnahmen. 2006 nominal um knapp 8 % gestiegen
Studierende hingegen, die zum Viertel sind, lag die Steigerungsrate in den alten
mit den höchsten Einnahmen gehören, Ländern bei knapp 6—%. Der Unterschied
geben davon lediglich 30 % für Miete aus. zwischen den Aufwendungen für Miete
Die durchschnittlichen Mietausgaben in den alten und neuen Ländern hat sich
dieser Studierenden liegen mit 349 € al- dadurch von 2006 nach 2009 nicht verän-
lerdings erheblich höher. dert (Bild 7.5).
Es ist naheliegend, dass die kosten- Höhere Mietausgaben in den alten
günstigeren Wohnformen vor allem von Ländern lassen sich für jede Wohnform
Studierenden mit geringeren Einnahmen nachweisen (Bild 7.6). Darüber hinaus
genutzt werden (Bild 7.4). So leben im trägt zu den insgesamt höheren Mietaus-
Wohnheim oder in einer Wohngemein- gaben in den alten Ländern bei, dass die
schaft vor allem Studierende, die mit ge- kostengünstigeren Wohnformen Wohn-
ringeren Einnahmen ausgestattet sind. heim und Wohngemeinschaft, bei den
Unter denen hingegen, die eine eigene Wohnheimen auch als Folge eines gerin-
Wohnung angemietet haben, überwiegt geren Angebots, weniger häufig genutzt
deutlich der Anteil der Studierenden mit werden als in den neuen Ländern (vgl.
höheren Einnahmen. Kap. 11).
Die durchschnittlichen Mietausgaben Gegenüber 2006 sind in den alten
der Studentinnen liegen 2009 mit 283 € Ländern die Mietausgaben der Wohn-
nur unwesentlich höher als die der Stu- heimbewohner/innen mit 11 % überdurch-
denten mit 279 €. Auch 2006 gab es bezo- schnittlich gestiegen, in den neuen Län-
gen auf die Ausgaben für das Wohnen dern hingegen die Mietausgaben für das
keinen auffälligen Unterschied zwischen Wohnen in einer Wohngemeinschaft
Studentinnen und Studenten (2006: 269 € (9—%) und für die Wohnung, die allein be-
vs. 263 €). wohnt wird (10 %).
Differenziert nach den einzelnen Län-
Regionale Unterschiede dern liegen die Ausgaben für Miete außer
Wer in den neuen Ländern studiert, gibt in den fünf neuen Ländern auch in Nie-
für Miete und Nebenkosten mit 238 € im dersachsen unter dem bundesweiten
Durchschnitt 53 € weniger aus als die Stu- Durchschnittsbetrag. Die Mietausgaben
dierenden in den alten Ländern. Wäh- der Studierenden in Schleswig-Holstein
rend in den neuen Ländern die durch- und im Saarland entsprechen in etwa
dem Bundesdurchschnitt, während die
LEBENSHALTUNGS- UND STUDIENKOSTEN 259

Bild 7.5 Entwicklung der monatlichen Ausgaben für Miete einschließlich Neben-
kosten in den alten und neuen Ländern
Bezugsgruppe „Normalstudent“, Mittelwerte in €
alte Länder1 neue Länder
Jahr arithm. arithm.
Median Median
Mittelwert Mittelwert
1991 176 164 33 26
1994 212 199 110 87
1997 231 215 164 153
2000 237 230 174 163
2003 260 250 200 189
2006 275 260 221 200
2009 291 280 238 220
DSW/HIS 19. Sozialerhebung
1
ab 2000 Berlin insgesamt den alten Ländern zugeordnet

Bild 7.6 Monatliche Ausgaben für Miete einsc