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Kritik der Arbeit: Spazio, Materia e Tempo 1987

Uebersetzung: Bettina Geimueller


Nur selten ist es vorgekommen, dass ich dem Werk eines Kuenstlers begegnete,
fuer das eine derart strikte Interrelation zwischen menschlichen durchdrungnenen
kulturellen Faktoren und linguistisch-visuellen, technischen und chromatischen
Daten kennzeichnend ist, die zusammen eine ausegspochene Einheit bilden in der
Gesamtheit des Werkes zum Ausdruck kommen. Aus einer von Marcello Borioni geschr
iebenen
Erlaeuterung zu seiner Arbeit gewinnt man tieferen Einblick in die schmerzvolle
Wechselwirkung zwischen der menschlichen Erfahrung des Kuenstlers einerseits
und seines verantwortungsbewussten taetigen Schaffens andererseits.
Das Werk als Endresultat scheint im tiefsten Inneren geheime Konflikte zu bergen
,
die durch eine absolute und kulturell reife Senisbilitaet erfassbar waren,
zu erfassen waren und zu erfassen sind. Eine klare kompositive Struktur
kennzeichnet die Arbeiten von Borioni, die Materie stratifisziert und artikulier
t
sich in abgegrenzten Flaechen und mit grosser Autonomie um schliesslich in einer
strengen aber in sich aktiven und vitalen Realitaet zu resultieren.Borioni dista
nziert
sich sowohl von expressionistischen abstrakten Transgressionen , ohne dadurch se
ine
in geheime Flaeche verbannte emnotive intensitaet zu verlieren,
als auch von minimalen reduktionen und behaelt entschiedenen Willen zur Konzentr
ierung bei ;
die Arbeitsflaeche, reich was materie anbelangt und dennoch feinst ausgearbeitet
ohne
Zugestaendnisse , eindrucksvoll in einer ausgesprochen kompositiven Langschaft,
befindet sich an der Basis ausserst positiver expressiver Resultate.
Ich ordne die von Borioni verfolgte Kreativitaet in einer neue intelligente
Tendenz der zeitgenoessischen Kunst ein und fasse sie gemaes einer auf den heute
igen
Stand gebrachten Interpretation der "zeitgenoessischen Abstraktion"
zusammen in einem Dualismus der " gemalten Skulptur und der malerischen Struktur
";
diese Tendenz manifestiert sch international und wird von aussergewoehnlichen
und autonomen Persoenlichkeiten vertreten. Marcello Borioni befindet sich unter
ihnen.
Andrea del Guercio
Florenz, 20-03-1987