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Anton Wagner - Los Angeles: Werden, Leben and Gestalt der Zweimillionenstadt in Südkalifornien

Anton Wagner - Los Angeles: Werden, Leben and Gestalt der Zweimillionenstadt in Südkalifornien

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LOS ANGELES

WERDEN, LEBEN UND GESTALT
DER ZWEIMILLIONENSTADT IN SÜDKALIFORNIEN
VON
ANTON WAGNER
193 5
BIBLIOGRAPHISCHES INSTITUT AG. IN LEIPZIG
r
Sto.
2 3. JUHI 1978
Alle Rechte vom Verleger vorbehalten
Copyright 1935 by BibliogIaphisches Institut AG., Leipzig:
Druck: Institut. AG., Leipzig
Printed in Germany
\' .
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I
MEINEM LIEBEN VATER
ZUM VOLLENDETEN SIEBZIGSTEN LEBENSJAHRE
UND DEM ANDENKEN
MEINES ONKELS ADOLPH PETSCH
IN KALIFO RNIEN
IN DANKBARKEIT GEWIDMET
7
VORWORT
Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde Südkalifornien erschlossen und
dann ein Jahrhundert lang allmählich kolonisiert. Vor Ausgang des 19.Jahr-
hunderts setzte eine erstaunlich schnelle städtische Entwicklung ein, deren
Ausmaß bei den Nachteilen der geographischen Lage gar nicht verständlich
ist. In dem Jahrzehnt nach dem Weltkriege sind Los Angeles und die Sied-
lungen,rnit denen es verwächst, zur Zweimillionenstadt geworden. Das Pro-
blem lockt zu geographischer Untersuchung.
Die Anregung zu dem Thema gab mir mein verehrter Lehrer Herr Professor
Schrnieder im Friihjahr 1932. Ich ging um so lieber darauf ein, als ich
schon während früherer dreijähriger Tätigkeit in Industrie und Handel in den
Vereinigten Staaten mit amerikanischem Leben vertraut geworden war und
von San Francisco aus 1925 und 1926 Los Angeles kennengelernt hatte, als
dort die für die Stadt so bedeutsame Nachkriegsentwicklung noch im Gange
war. Außerdem hatte ich in Mexiko, . Spanien und Südamerika Verständnis
für spanische Kultur und Kolonisation gewonnen. Eine neue Studienreise
nach Kalifornien sollte mir Gelegenheit geben, der Arbeit eigene gründliche
Beobachtung in Los Angeles zugrunde zu legen.
In der kalifornischen Staatshauptstadt Sacramento, in den Bibliotheken und
einzelnen Instituten der Staatsuniversität in Berkeley, in San Francisco und
in der Bundeshauptstadt Washington sammelte ich Material verschiedenster
Art. Von Ende August 1932 bis Ende Februar 1933 arbeitete ich in Los An-
geles selbst. Von meinem Onkel in Santa Monica, der seit 1878 in Südkali-
fornien lebte,selbst kolonisiert hatte und ein scharfer Beobachter war, erfuhr
ich noch sehr viel mehr über den früheren Zustan<;l der Landschaft und ihres
städtischen Mittelpunktes, als er mir bereits bei meinen früheren Besuchen er-
zählt hatte.
Mein Aufenthalt in Los Angeles galt in erster Linie der Begehung der Stadt,
die an Ausdehnung Berlin weit übertrifft. Nur durch äußerste Ausnutzung
der Zeit war es möglich, sämtliche Stadtteile zu Fuß abzuwandern.
VII
Daneben besuchte ich alle in Frage kommenden Behörden von Los Angeles
und mehr als ein Dutzend angrenzenden Städten, ferner die Hochschulen und
Bibliotheken und eine große Zahl privater Unternehmen, Institute und Firmen.
Auch eine Reihe von Geologen, Architekten, Rechtsanwälten, zahlreiche
Kaufleute und Angehörige anderer Berufe gaben mir wertvolle Auskünfte.
Überall zeigte man lebendiges Interesse für die Sache. Nirgends wurde ich
abgewiesen. Jeder einzelne ging auf meine Fragen und Wünsche auf das ent-
gegenkommendste ein, und manche opferten einen erheblichen Teil ihrer Zeit,
um mir behilflich zu sein. Am Schlusse dieses Buches (S. 287/89) sind die wich-
tigeren der besuchten öffentlichen und privaten Stellen aufgeführt; ihren Lei-
tern und Mitgliedern, die sich mir als so außerordentlich hilfsbereit erwiesen,
danke ich hiermit aufrichtig.
Zu großem Dank bin ich den verschiedenen Herren der Handelskammer
von Los Angeles verpflichtet, die mir trotz Arbeitsüberlastung viel Zeit wid-
meten. Auch dort wurde mir ebenso wie an vielen anderen Stellen mannig-
faltiges Material bereitwillig und unentgeltlich überlassen. Der Security-First
National Bank, die mir über IOO Photographien aus ihrem historischen
Bildarchiv nach Kiel entlieh, und der Historischen Gesellschaft von Südkali-
fornien, welche mir auf gleich lange Zeit fast die ganze Serie ihrer in Europa
unzugänglichen Veröffentlichungen zur Verfügung stellte, danke ich für diese·
besonders großzügige Unterstützung.
Allen denen, die mich gastlich aufnahmen und mich in hilfsbereiter Weise
im eigenen Automobil durch Gebiete fuhren, die zu Fuß schwer zu erreichen
sind, spreche ich an dieser Stelle ebenfalls meinen herzlichen Dank aus.
Leider ist es mir nicht möglich, allen, die das Zustandekommen der Arbeit
durch ihr Entgegenkommen förderten, einzeln zu danken. Besonderen Dank
schulde ich Herrn Professor Frank Adams, Herrn Professor Herbert E. Bolton,
Herrn Professor J. P. Buwalda, Miss Laura C. Cooley, Herrn Professor Owen
C. Coy, dem verstorbenen Herrn Professor W. M. Davis, Mr .. Chas. H. Diggs,
Dr. Carl Epling, dem Bruder meiner Tante Mr. Carl J. Frese, Dr. Jona-
than Garst, dessen Edinburger Dissertation über die Physiographie des
Südkalifornischen Beckens mir eine wertvolle Hilfe war, Mr. Ross H. Gast,
Mr. D. E. Hughes, Mr. D. A. Lane,Mr. A. A. Miller von der Handelskammer
in Long Beach, Mr. J. Marshall Miller, Miss Marion Parks,Mr. William
C. Putnam, Mr. H. F. Raup, Herrn Professor Carl O. Sauer, Herrn Professor
Chas. F. Shaw, Mr. EIden Smith, Herrn Professor Paul S. Taylor, der Familie
Tegner in Santa Monica, Herrn Professor Weatherhead und nicht zuletzt
VIII
Herrn Dr. von Hentig, dem damaligen deutschen Generalkonsul in San Fran-
cisco, dessen Empfehlungsschreiben mir viel nützte.
Meinem verehrten Lehrer Herrn Professor Schmieder bin ich größten Dank
schuldig für dIe Anregung zu der Arbeit. Ihm und auch Herrn Dr. Wenzel
bin ich für manchen wertvollen Hinweis bestens dankbar. Meine erste
Pflicht ist es, meinem verstorbenen Onkel und meiner Tante in Süd-
kalifornien allzeit herzlichsten Dank zu bewahren. Sie luden mich ein, ermög-
lichten mir die Arbeit und gaben mir die persönliche Beziehung zu dem
Gegenstand der Untersuchung.
Kiel, im April 1934 An ton Wagner
INHALT
Vorwort .......................... ' ...................................... ; VII
Einlei tung:
Landschaftsüberblick .................. ' ........... : •. ' ...........•........
Fragestellung und Arbeitsmethode ........................................ 8
Die Natur:
Bau und Formen •.•......................................................
Klima ••..........•....................................................
Hydrographie •................•...•.. ' ...•. ; ........................... .
Böden •••...•..•....................•..................•...............
Vegetation •.....••..•..•.......•........•. '.' ........................... .
Landschaftswandlung vor d e ~ ersten Boom;
Indianerlandschaft •....................................................
Spanische .Missionsherrschaft ........................ : ................... .
Extensive Weidewirtschaft •.................... '.' .•.......... '" '.' ....... .
Acker- und Gartenlandschaft .......•...................•.. '.' ........... .
Siedlungsanfänge:
Das "Pueblo" Los Angeles •. ; ...... '.' ....................•..............
Die Siedlungen im Umkreis ............................................. .
Siedlungstypen ••....................................................•..
Großstadtbildung:
Anfänge des Fremdenverkehrs ...............• , ........................... .
Erster Boom und Stadtentwicklung .•.. ; ......... , ...•....................
Zweiter Boom und Großstadtentwicklung •................................
Dritter Boom und Millionenstadtentwicklung .......... ~ ................... .
Leben und Erscheinungsformen der heutigen Landschaft:
Die Bewohner .•......•..••...................•......•..................
Namengebung und Aufteilungsgeschäft ... , ......................•.........
Grundriß und Aufriß .................................................... .
Verkehr, Wirtschaft, Hafen ...........................•..................
Die Wasserfragen ••..........•..•...................••............•.....
Schluß .....•..........•............•..................•.........•.•.........
Li tera turverzeichnis •.•.........••....................•...................
Anhang:
Verzeichnis der Behörden und Institute .................................. .
II
23
29
34
36 .
76
86
98
99
102
115
131
Statistische übersichten . • • • • • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 290
Bildteil •••....•............ ;.......................................... 297
Tafel-Beilagen ........................................ am Schluß des Buches
KARTEN
Im Text:
Fig. I. Los Angeles, Berlin und Rheinhessen im gleichen MaBstab . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Fig. 2. Stadterweiterungen und Randstädte von Los Angeles ................ - . . . . 7
Fig. 3. Die Böden der Südhälfte des tos Angeles County. . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . .. 18
Fig. 4. Die Klimagebiete von Los Angeles .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • . . . . . . . .. 24
Fig. 5. Die ehemaligen Überschwemmungsgebiete von Los Angeles. . . . . . . . . . . . . . .. 32
Fig. 6. Stätten der Gabrielino-Indianer im heutigen Stadtgebiet ...... . . . . . . . . . . .. 42
Fig. 7. Das Pueblo "La Reina de los Angeles" 1786. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 50
Fig. 8. Die spanischen und mexikanischen Lehensbesitzungen um Los Angeles ...... 59
Fig. 9. Die Landaufteilung der Indiana Colony 1874 (später: Pasadena) . .. . . . . . . .. 94
Fig. 10. Der Rückgang der Bewässerung im Owens-Tal infolge des Wasserentführung
nach Los Angeles ................................................... , 120
Fig. I I. Der Hafen von Los Angeles ........................................... 125
Fig. 12. Die Erdölfelder des Los Angeles-Beckens .................... , ....... ; ... 139
Fig. 13. Grundriß der Häuserblocks ...................... ' .•.................... 183
Fig. 14. Die Innenstadt von Los Angeles ........................................ 213
Fig. 15. Der Rückgang des Grundwasservorrats von Los Angeles ................... 242
Am Schlusse des Buches:
Taf. I. Übersichtsskizze
Taf. 2. Die natürlichen Kleinlandschaften von Los Angeles
Taf'. 3. Die städtische Ausbreitung von Los Angeles
Taf. 4. Das Straßennetz von Groß-Los Angeles (nördlicher Teil)
Taf. 5. Plan von Los Angeles aus dem Jahre 1857
EINLEITUNG
Der pazifische Küstensaum zwischen Alaska und Mexiko mitseinem Hinter-
land erscheint noch auf Weltkarten aus der 2. Hälfte des 18.Jahrhundertsals
weißer Fleck. Unter den menschlichen Ansiedlungen, die seit 165 Jahren in
diesem Raum entstanden sind, ist Los Angeles heute mit über 2 Millionen
Bewohnern bei weitem die größte. Die jungen Kulturkräfte des Fernen
Westens offenbaren sich in dieser Stadtlandschaft Südkaliforniens am mannig-
faltigsten. Aber nicht nur der Mensch ist hier am Werke, sondern auch die
Kräfte der Natur zeigen sich besonders lebendig. So ist es das Ziel der Arbeit,
an dieser Stelle das Treiben des Menschen zu beobachten und zu sehen, wie
die Natur sich ihm entgegensetzt und er gegen sie angeht, bis er sie bezwingt.
-Zuvor müssen die Lagefaktoren und der Lebensraum mit seinen Zugangswegen
betrachtet und das Objekt selbst, die städtische Landschaft, überblickt wer-
den. Dann erst kann das Problem von Los Angeles genauer formuliert und
die Arbeitsmethode, die wir wählen, bestimmt werden.
LANDSCHAFTSÜBERBLICK
Vorzüge und Nach teile der Lage
Innerhalb des Bereichs der kalifornischen Küstenketten erscheint das Süd-
kalifornische Becken als der größte besiedlungsfähige Raum. Keine andere
der Alluviallandschaften, die dem Küstengebirge eingebettet sind, öffnet sich
mit so breiter Front zum Meere und seinen klimatischen Einflüssen. Keine ist
gegen Nordwesten so geschützt wie sie mit ihrer vorwiegend südwestlichen
Orientierung. Nirgends biegen die Küstenketten so weit landeinwärts aus wie
gerade hier, und nirgends erreichen sie solche Höhen, 2000-3000 mund
darüber, dadurch noch genügend Regenmengen auffangend, um das Wüsten-
klima auf ihrer seewärtigen Seite zum Steppenklima,ja teilweise zum Etesien-
klima zu modifizieren und hohen Grundwasserstand zu ermöglichen. Zugleich
I Wagner, Los Angeles
I
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stellt das Gebirge für den Zugang von der Küste zum Innern des Kontinents
gerade hier ein geringeres Hindernis dar als an irgend einer anderen Stelle,
denn es bildet nur ein e Hauptkette. Trotz der Höhe des Gebirges sind seine
Pässe - in erster Linie Cajon und San Gorgonio - stets schneefrei, gleich-."
zeitig bequemer zu queren und niedriger als die nördlicheren, steileren der
Sierra Nevada.
Doch die geschilderten Vorteile der Lage lassen menschliche Besiedlung nur
bis zu einer mittleren Größe zu. Darüber hinaus sind ihr starke Schranken
gesetzt, die eine Großstadt an dieser Stelle gegenüber anderen Großstädten
des Westens konkurrenzunfähig zu machen scheinen. Denn an der Pazifischen
Küste der Vereinigten Staaten liegt Los Angeles exzentrisch im Süden. Die
Stadt ist schon damit benachteiligt gegenüber dem zentral gelegenen San
Francisco. Zum anderen tritt gerade hier im Süden das
Große Becken näher an die Küste heran als in irgend einem anderen Teil
des pazifischen Westens der Union lmd engt damit den Lebensraum von Los
Angeles ganz erheblich ein, während San Francisco und die Städte des pazi-
fischen Nordwestens ein sehr' viel größeres Hinterland besitzen. ist Los
Angeles dadurch benachteiligt, daß es schon an der Grenze des semiariden
Klimas liegt. Es verfügt über Grundwassermengen, zwar zunächst reich-
lich erscheinen, weil sie vom Gebirge her nachgefUllt werden, die aber für
eine Millionenbevölkerung keinesfalls genügen. Auch besitzt die Küste des
Südkalifornischen Beckens von Natur aus keinen Hafen, und schließlich ist
die Stelle, an der Los Angeles sich entwickelt hat, eine Erdbebengefahrzone
erster Ordnung, wie die Erdheben von 1769, 1812 und erst das jüngste vom
10. März 1933 gelehrt haben.
Lebensraum und Zugangswege
Allseits gebirgsumschlossen, bildet das Südkalifornische Becken eine land-
schaftliche Einheit. In sich ist es in Teillandschaften gegliedert. Zwischen den
Angeles- und den niedrigeren Cahuenga-Ketten liegt das dreigekammerte
Interior Valley mit den San Fernando-, San Gabriel- und San Bernardino-
Teilbecken. Vor den Zug der Cahuenga-Ketten legt sich seewärts die Coastal
Plain, die das eigentliche Los Angeles-Becken ausmacht. Der Höhenzug der
Dominguez-Kette trennt das nordwestliche Ende des' Los Angeles-Beckens
von dem vorgelagerten Santa Monica-Long Beach-Küstenvorland, und dieses
macht das bis zu 450 m aufragende San Pedr6-Vorgebirge landfest.
2
Zwischen den Teillandschaften besteht mannigfache Verbindung; während
nur 6 Pässe und 2 Küstenwege das Gesamtbecken mit den umliegenden Teilen
des nordamerikanischen Westens verbinden. Den Zugang von See her er-
'," ,möglichten an der 125 km langen Küste lange Zeit nur ein paar schlechte
Landungsplätze, von denen der bei San Pedro, durch das San Pedro-Vor-
gebirge vor Westwinden geschützt, am meisten benutzt wurde. Hier liegt
heute der Hafen von Los Angeles und Long Beach.
Von den insgesamt acht Landwegen, die aus der Landschaft hinauslühren, gehen drei nach
Südosten. Der südlichste von diesen verläuft über die gehobenen Strandterrassen, die so-
genannten "Mesas", entlang der Küste nach San Diego. Die beiden anderen verlassen das
San Bernardino-Becken an den äußeren Flanken der Perris Plain und des SanJacinto-Gebirges.
Sie stellen die Verbindung mit dem Salton Sink und der Colorado-Wüste her. Die südliche
Temecula-San Felipe-Route ist der schwierigere der beiden Wege, während der San Gorgoriio-
Paß, der zwischen dem SanJacinto- und dem San Bernardino-Gebirge hindurchgeht, ganz von
Alluvium erfüllt ist und die bessere Öffnung darstellt. Aus dem San Bernardino-Becken f'ührt
ein dritter Weg, der Cajon-Paß, nach Norden zur Mohave-Wüste hinauf. Der San' Andreas-
Bruch, der San Bernardino- und San GabrieI-Gebirge voneinander trennt, hat ihn geschaffen.
Das mächtige San Gabriel-Gebirge, der zentrale Block der Angeles-Ketten, erstreckt sich
100 km lang in ostwestliclier Richtung, ohne eirien Durchlaß zu bieten. Erst am Westende
des San Gabriel-Gebirges f'ührt zwischen ihm und seiner Fortsetzung, dem Santa Susana-
Gebirge, der San Fernando-Paß (auch Fremont-Paß genannt) nach Norden aus dem San
Fernando-Becken hinaus. J\m Nordende des Passes verzweigt sich 'der Weg nach Osten und
Westen, talaufwärts zur Mohave-Wüste, über sie nördlich hinweg und über den Tehachapi-
Paß zum Sari Joaquin-Tal - talabwärts zur Küste. Geradeaus nach Norden in der Ver-
längerung des San Fernan.do-Passes windet sich die "Ridge Route" über die Berge als kürzeste
Verbindung zum San Joaquin-Tal. Ebenso wie die drei Wege nach Südosten verlaufen auch
die drei Wege, die nach Westen aus dem Südkalifornischen Becken hinausführen, p'arallel zur
Gebirgs- und Küstenrichtung. Zwischen Santa Susana-Gebirge im Norden und den Simi-
Bergen im Süden führt der Simi Valley-Santa Susana-Paß hindurch und im Einschnitt zwischen
den Simi-Bergen und dem Santa Monica-Gebirge der schwierigere Conejo-Calabasas-Paß.
Beide Pässe verbinden das San Fernando-Becken mit der Oxnard Plain. Der Küstenweg nach
Westen entlang dem Südabhang des Santa Monica-Gebirges ist der schwierigste, weil die
Gebirgsflanke auf eine Etstreckung von 50 km hart bis an das Meer heranreicht.
Die ersten Europäer, die von San Diego zu Lande kamen, betraten das Südkalifornische
Becken auf dem Küstenweg von Südosten her, querten die Cahuenga-Ketten dreimal und'
verließen die Landschaft auf dem Weg, der über den San Fernando-Paß und talabwärts durch
das Tal des Santa Clara-Flusses führ:t. Von den Spaniern, die von Sonora und Neumexiko
kamen, benutzten die einen die Temecula-San Felipe-Route oder den San Gorgonio-Paß,
die anderen den Cajon-Paß. Ebenso wie die erste Erkundungsexpedition, folgte auch der
spanische Missionspfad, gern "Camino Real" genannt, dem Küstenweg von San Diego her,
ging al;ler vom San gleich nach Westen durch den Conejo-Calabasas-Paß
weiter in direkter Richtung auf Ventura und Santa Barbara, anstatt erst zum Tal des Santa
Clara-Flusses nach Norden auszubiegen.
In derZeit der U. S.-amerikanischen gelangte die Butterfield-Post von San Fran-
cisco durch den sÜdlichen Teil des San Joaquin-Tales und über den San Fernando-Paß in das
1*
3
Südkalifornische Becken. Über die Temecula-San Felipe-Route und Fort Yuma fuhr sie weiter
bis zum Mississippi. Die erste Eisenbahn, die heutige "Valley Line" der Southern Pacific-Bahn,
kam durch das Große Tal Kaliforniens und erreichte vonMohave her durch den San Fernando-
Paß die Landschaft. Die Hauptlinie der Southern Pacific-Bahn führt von New Orleans über
Yuma nach Kalifornien. Ihre Schienen wurden durch den San Gorgonio-Paß gelegt, während
die Santa Fe-Bahn, deren Geleise in diesem Teile der Strecke auch von der von Salt Lake
City herkommenden Union Pacific-Bahn benutzt werden, durch den Cajon-Paß in das Süd-
kalifornische Becken eintritt. Die Southern Pacific "Coast Line" nach San Francisco benutzt
den Simi Valley-Santa Susana-Paß. Eine Stichbahn der Santa Fe-Bahn verläuft entlang der
Küstenroute von Los Angeles nach San Diego. So führen auf nur fünf Paßwegen die Bahnen
aus der Landschaft hinaus, während alle acht Routen heute zu asphaltierten Autostraßen aus-
gebaut sind, zuletzt der schwierige Küstenweg nach Westen. Er wurde von den Spaniern nicht
benutzt. Das Land geriet deshalb frühzeitig in Privatbesitz, so daß das Durchgangsrecht später
erkauft werden mußte. Die Straße, "Roosevelt Highway" genaIlIlt, wurde erst 1929 dem Ver-
kehr übergeben (Lit. 123).
Die scharfumrissene Landschaft, die nur der Hafen und die 8 Paßwege mit
der Außenwelt verbinden, i ~ t d e r eigentliche Lebensraum von Los Angeles.
Alle ihre Teile gravitieren zur Metropole hin. Sie sind nicht nur Hinterland
im engsten Sinne, sondern Teile ihres Produktionsgebietes. Die Stadt selbst
dehnt sich in vier Teilbecken hinein aus, nur das fünfte, das San Bernardino-
Becken, wird von ihr nicht erreicht.
Das Stadtbild
Das zusammenhängend städtisch bebaute Gebiet, das den westlichen Teil
des Südkalifornischen Beckens ausmacht, ist die Stadtlandschaft von Los
Angeles. Das alte Zentrum der Stadt, die ursprünglich spanische Plaza, die
ganz in der Unmenge der Häuser verschwindet, liegt dort, wo der Fort Hili,
ein niedriger Ausläufer der Cahuenga-Ketten, bis auf 200 m an den Rand der
Niederterrasse des Los Angeles-Flusses herantritt. Drei Kilometer oberhalb tritt
der Fluß, der im San Fernando-Becken entspringt, aus den Cahuenga-Ketten
aus und nimmt das Trockenbett des Arroyo Seco, seines ehemaligen Neben-
flusses aus dem San Gabriel-Becken, auf. Behördenzentrum und Geschäfts-
zentrum mit ihren Hochhäusern beginnen erst in einigem Abstand südwestlich
des ältesten Stadtviertels. Die Plaza ist der mathematische Mittelpunkt der
Innenstadt, deren alte quadratische Grenzen mit den Himmelsrichtungen
verlaufen und deren diagonal dazu gerichtetes Straßenschachbrett sich mar-
kant aus dem Grundriß der übrigen Stadtlandschaft heraushebt. Die Stadt-
mitte innerhalb des alten Gebietsquadrats bedeckt allein eine Fläche von
70 qkm. Darüber hinaus dehnt sich die äußere Stadt unübersehbar über die
4
Landschaft aus. Im Westen hat sie das Meer erreicht. Im Süden wachsen ihr
die Hafenstädte entgegen. Die vorherrschenden, in Gartengrundstücken
stehenden Einfamilienhäuser, fast jedes mit eigener Autogarage, und die
Breite der Straßen bringen eine Weitläufigkeit mit sich, die keine Rücksicht
Fig. I. Los Angeles, Berlin und Rheinhessen im gleichen Maßstab'
Schwarze Fläche = _Los Angeles, weiße Linie = Berlin, punktierte Linie = Rheinhessen
5
aufVerkehrsnähe und Orientierung zur Stadtmittehin kennt. Sie ist nur in
einem winterlosen Klima möglich, welches das Autofahren das ganze Jahr
hindurch ohne Einschränkung gestattet.
In . das unermeßliche Häusermeer schiebt sich keine Bucht, kein breiter
Fluß oder Meeresarm. Dadurch fehlt die Gliederung, die die Stadtlandschaften
vün San Francisco, New Orleans und New York so. übersichtlich macht.
Lüs Angeles kennt keine solchen Grenzen. Die Küste ist vüm Mittelpunkt zu
weit entfernt, um als Orientierung zu dienen. Nur die Cahuenga-Ketten teilen
die Stadt. Düch werden auch ihre Hänge und Höhen schün vün städtischer
Besiedlung erfaßt. Diese Bergketten erreichen ihre höchsten Erhebungen im
Santa Münica-Gebirge, das sich vün Westen her bis zum Nürdrand der
Innenstadt . ausdehnt. Hier erhebt sich der Müunt Hollywoüd, der an drei
Seiten vüm Stadtgebiet umgeben ist, und gewährt ebenso. wie der nahe, 550. m
hühe Cahuenga Peak einen Run d bl i c k über den größten Teil der Stadt-
landschaft. Endlüs dehnen sich die Häusermassen wie ein ausgeschütteter
Riesenbaukasten über die Landschaft aus. Von' der Innenstadt flutet das
Häusermeer über die langen Nürdsüd-Arterien Vermünt Avenue u n ~ Western
Avenue nach Westen hinaus bis an die entfernte Küste bei Santa Münica.
Nüch breiter schiebt sich die Südvürstadt gegen den Hürizünt vür, und
durch die Täler und Pässe und über die Hügel im Osten dringen die Wohn-
vürstädtein die San Fernando-Ebene und weiter noch in das San Gabriel-
Becken ein. Aus der Unzahl der Kleinhäuser und Villen ragt das Hüchhaus-
. zentrum der Stadtmitte heraus. Bunker Hill läßt gerade noch die Turm-
spitze des Rathauses erkennen. Lücker verteilte Mietshüchhäuser setzen das
Geschäftszentrum nach Westen entlang der Westlake-Terrasse fürt, um
sich am mittleren WilshireBüulevard zu der Hüchhauszüne eines neuen
äußeren Geschäftszentrums zu verdichten. Unmittelbar vür uns liegt ·die
ausgedehnte Hüchhausanhäufung von Hüllywoüd, in weiterer Entfernung
die kleinere vünBeverly Hills, Santa Münicas Geschäftshochhäuser nur
schwach erkennbar im Dunst der Ferne. Am anderen Ende heben sich
die Hüchhäuser des Pasadena-Zentrums aus der schwachgeneigten, von
Bäumen überragten Villenfläche des westlichen San Gabriel-Beckens heraus.
Unter uns im Nordüsten liegt das Hüchhauszentrum vün Glendale, von der Klein-
hausstadt wie von einem Heere ausgerichteter Streichholzschachteln umgeben.
Die zusammenhängende Stadt mißt in ihrer Längserstreckung vün Burbank
bis Alamitüs Beach 54 km, in ihrer Quererstreckung vün Castellammare bis
Lamanda Park 48 km. Sie würde das Dreieck Neumünster-Lübeck-Hamburg
6
NICIfT ElNGEMl!INDS
STADTGEBIET 1895
HINZU 1895-1900
1901-1910
1911 -1920
1921 -1931
SEIT 1931·
SELBSTÄNDIGE RANDSTADTE
Fig. 2. Stadterweiterungen und Randstädte von Los Angeles. Die Randstädte :
cl San Fernando 10 Monterey Park 19 Signal Hill 28 Hawthorne
2 Tujunga 1 1 MontebelIo 20 Seal Beach 29 Inglewood
3 Burbank 12 Vernon 21 Long Beach 30 Culver City
4 Glendale 13 Maywood 22 Torrance 31 Santa Monica
5 Pasadena 14 Bell 23 Gardena 32 Beverly Hills
6 South Pasadena 15 Huntington Park 24 Redondo Beach 33 Sierra Madre
7 San Marino 16 South Gate 25 Hermosa Beach 34 Monrovia
8 Alhambra 17 Lynwood 26 Manhattan Beach 35 Arcadia
9 San Gabriel 18 Compton 27 EI Segundo 36 EI Monte
37 Whittier
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voll ausfüllen. So wird es verständlich, daß der Besucher weder ADfang noch
Ende der Stadt sieht. Um die Millionenstadt Los Angeles drängen sich un,.
gezählte städtische Siedlungen. Allein über 600000 Menschen wohnen in 37
selbständigen Städten (s. Fig. 2,.S.7), darunter 13 Mittelstädten und einer
Großstadt. Zwischen ihnen schiebt das unersättliche Los Angeles sein seltsam
verzweigtes eingemeindetes Gebiet gebirgs- und seewärts vor und erreicht an
vier Stellen die Küste. Trotz aller Eingemeindungen leben noch 300000
Menschen in Siedlungen, die vom Stadtgebiet der Riesenstadt und den
übrigen Städten umklammert werden oder sich an den Rand schmiegen und
weder ·zu Los Angeles noch zu den 37 Randstädten gehören (Lit. 528).
Die städtischb.ebaute Fläche entspricht etwa derjenigen Rheinhessens und
ist drei- bis viermai so groß wie Berlirt (s. Fig.I). Die riesige Villen- und Klein-
hausstadt, von über 2 Millionen Menschen bewohnt wird, ist schlag-
artig hidie Landschaft hineingesetzt worden, denn vor 50 Jahren war von
der Stadt nur ein dürftiger Ansatz, vor 150 Jahren so gut wie nichts vor-
1880 stand Los Angeles mit li 000 Einwohnern an der 135. Stelle
unter den U.S.-amerikanischen Städten, 1930 an 5. Stelle. Detroit, dessen
Wachstum gern mit dem Wachstum von Los Angeles verglichen wird und das
heute die 4. Großstadt ist, hat 1870 und 1880 vor seiner neueren Entwicklung
schon an der If Stelle gestanden, während das entlegene Los Angeles eine
unbekannte Kleinstadt war (Lit.102).
FRAGESTELLUNG UND ARBEITSMETHODE .
Aus den Tatsachen, die wir beim Betrachten der Lage, des Gesamtsta:dt-
bildes und der gestrigen und heutigen Bevölkerungszahl von Los Angeles
erkannt haben, schält sich eine dreifache Fragestellung heraus:
I. Wie konnte in scheinbar großstadtfeindlicher geographischer Lage eine
Millionenstadtentstehen, die zugleich Industriestadt ist und der Tonnage
nach unter den Häfen Amerikas den zweiten Platz einnimmt?
2. Welche Kräfte haben das schnelle Wachstum bewirkt, das Los Angeles
sowohl in der Bevölkerungszahl als auch räumlich zur größten Stadt des
, .
amerikanischen Westens gemacht hat, was bei der kurzen Entwicklungszeit
unverständlich erscheint?
3. Welches sind schließlich die Ursachen der, mit anderen amerikanischen
Städten verglichen, so viel größeren Ausdehnung der Stadt der auf-
fallend viel weitständigeren Bebauung?
a
I'
!
ii
'I
!"
1\
I,:
!,I
-,'I
So ergibt sich die Aufgabe, an der Untersuchung der Landschaftswandlung
die in ihr erkennbaren entwicklungsfördernden und -hemmenden Kräfte
zu analysieren. Erst mit Kenntnis dieser Kräfte können die' Erscheinungs-
formen der heutigen Stadtlandschaft-erklärt und die Besonderheiten, die Los
Angeles von den anderen amerikanischen Großstädten unterscheiden, heraus ..
gestellt werden.
Eine moderne geographisch-entWicklungsgeschichtliche Untersuchung einer
typischen amerikanischen Großstadt liegt noch nicht vor. Die amerikanischen
soziologischen Arbeiten verfolgen weitgehend andere Ziele. Eine sich rasch
wandelnde Landschaft und eine Großstadt, deren Bildung schneller vor sich
girig als jede normale Stadtentwicklung und dabei größere Raumeinheiten
erfaßte, verlangt Betonung des umwälzenden Geschehens, der Bewegung, der
. Kräfte. Gerade auch für das von Los Angeles ist das Werden
charakteristischer als das Sein. Das besthnmt die Methode der Darstellung.
Die Untersuchung fußt in erster Linie auf gründlicher Beobachtung und Er-
kundung im Gelände, den wichtigsten Vorbedingungen jeder geographischen
Arbeit. Hinzu kam das Studium alter und neuer Pläne" Abbildungen und
Karten, von Dokumenten und des Schrifttums. Eine lebendige Synthese der
Landschaft ist aber erst möglich, wenn man ihre Einzelheiten nicht nur beob-
achtet .und auf Grund mündlicher und schriftlicher Quellen versteht, sondern
wenn man ihren Wandlungsprozeß auch miterlebt. Dazu ist ein längerer
Aufenthalt im Lande erforderlich, als allein für· die Beobachtung nötig wäre,
ein längeres Mitarbeiten im Geschäftsgetriebe des fremden Landes und ein
persönliches Verhältnis zur Landschaft, nicht der gegenwärtigen allein,
sondern auch der vergangenen. Erst so konnte die mündliche Erkundung
voll nutzbar gemacht werden.
Schon der frÜhere mehrjährige Aufenthalt im Lande hatte mir einen Begriff
von den Vorgängen in Los Angeles gegeben. Während der 6 Monate, die ich
zum Zwecke dieser Untersuchung in Los Angeles arbeitete, habe ich mich
- nicht nur mit allen Teilen der Stadtlandschaft, sondern auch mit den Be-
wohnern vertraut gemacht. Durch regen Umgang mit Menschen der ver-
schiedensten Altersstufen, Berufe, Stellungen und Herkunft habe ich ver-
sucht, den Geist von Los Angeles so weit wie möglich zu erfassen. In der
Landschaft Geborene, Angehörige und Nachkommen der alten einheimischen
Aristokratie, Zuwanderer aus acht Jahrzehnten, von denen viele an den
Wandlungsprozessen der verschiedenen Perioden selbst mitgewirkt haben,
habe ich befragt. Zur Beurteilung wichtiger Erscheinungen und Vorgänge
9
die sich dokumentarisch oder statistisch nicht oder nur durch Wochen oder
Monate erfordernde Spezialuntersuchung erfassen lassen, wurden möglichst
mehrere BeteiHgte oder zuverlässige Beobachter herangezogen in dem Be-
streben, ein einseitiges, übertriebenes oder schiefes Bild auszuschließen. Um
bei der gleichförmigen Bebauung und Nutzung weiter Teile der städtischen
Landschaft doch die Unterschiede erkennen zu können, wurde auf das übliche
Verkehrsmittel, das Automobil, verzichtet und die Begehung des Gebietes
trotz seines Umfanges zu Fuß durchgeführt unter Benutzung der öffentlichen
Verkehrsmittel für den Anmarsch. Nur in wenigen Fällen, und dann nur in
randlichen, leichter zu übersehenden Teilen, wurde vom privaten Automobil
hilfsbereiter Freunde für Beobachtungsfahrten Gebrauch gemacht.
Die mündlichen Auskünfte, die ich auf meinen Begehungen von Menschen
erhielt, die mir vertrauenswürdig erschienen, gaben mir den lebendigen
Hintergrund des Entwicklungsganges der Stadtteile und ergänzten dadurch
die übrigen Quellen, aus denen ich schöpfte. Die Erscheinungsformen der
Städte und Viertel hielt ich in zahlreichen photographischen Aufnahmen
fest, die mir die Einzelheiten der Stadtlandschaft noch nach größerer räum-
licher und zeitlicher Entfernung vergegenwärtigten.
Bei der Fülle der Erscheinungen und der Größe des Raums mag vieles der
Beobachtung entgangen sein, auch das umfangreiche Material konnte im
Rahmen dieser Arbeit nicht entfernt so vollständig ausgewertet werden, wie
es ein Gegenstand von solcher Problemfülle erheischt.
DIE NATUR
BAU UND FORMEN
Dynamik des Untergrundes
Das Gebiet, das heute vom Südkalifornischen Becken, seinen Gebirgs- und
Höhenzügen eingenommen wird, ist seit dem mittleren Tertiär meist küsten-
naher Sedimentationsraum. Es ist Mittelstück des südkalifornischen Geo-
synklinalbogens, der die später absinkende jurassisch konsolidierte Masse
Catalinia umsäumt, seine Sedimente dagegen vorwiegend vom alten Hoch-
gebiet Mohavia aus dem Nordosten empfing (Lit. 143)' Ausdehnung und
Tiefe der miozänen und pliozänen Meere wechselten vielfach. Orogene und
epirogene Bewegungen schufen Unterbrechungen und Erosionsintervalle.
Konglomerate, grobgebankte und feingeschichtete Sandsteine und sandige
Schiefer sind die typischen Ablagerungen jener Zeiträume. Die jungtertiären
Sedimente erreichen 3-7000 m Mächtigkeit. Im spätmiozänen Meere wurden
Diatomeenschiefer abgelagert, die als ÖI-Ursprungsgestein angesehen werden.
Das Öl wandert in darüber abgesetzte Sande irgendeiner späteren
die es bei entsprechender Tektonik speichern. Gegen Ende des Pliozäns wurden
die L inneren Teile des Gebietes landfest. Bei Beginn des Pleistozäns war das
San Gabriel-Gebirge zur Fastebene abgetragen. Ein Relikt der alten Land-
oberfläche ist in der Perris Plain im südöstlichen San Bernardino-Becken er-
halten. Erst durch die pleistozäne Orogenese, die gewaltige Ausmaße annahm
-und noch fortdauert, erhielt die Landschaft ihre heutige Gliederung. Der feste
Untergrund wurde zerblockt. Wo er aufsteigt, schiebt er sich zum Teil auf
sein absinkendes Vorland, dessen Deckschichten dabei überfaltet wurden, wie
im südwestlichen San Gabriel-Gebirge. Die heutige Kulturlandschaft verdankt
dem Aufsteigen der zu ihrer heutigen Höhe das Dasein. Sie
riegeln das Südkalifornische Becken von der Wüste ab, halten deren Winde
fern, fangen die Regen' auf und beeinflussen damit das Klima. Sie liefern
den Schutt der Becken, deren Alluvialböden intensive Land- und Garten-
II
wirtschaft möglich machen. Schuttanhäufung und Niederschläge schaffen die
Grundwasserbecken, damit die Vorbedingung für künstliche Bewässerung und
Wasserversorgung zu allen Jahreszeiten, die es dem Spanier, später dem
Amerikaner, möglich machte, hier zu siedeln. Selbst der Hafen ist ohne den
Westwindschutz des aufsteigenden San Pedro-Vorgebirges nicht denkbar.
Aber die junge Orogenese kann der Stadtlandschaft, der sie alle Lebens-
bedingungen schenkt, auch das Leben wieder nehmen. Man denke sich nur
das Epizentrum eines neuen Erdbebens unter den zentralen Teilen von Los
Angeles!
In den aufsteigenden Gebirgsblöcken wurden präkretazische Intrusiva, vor-
wiegend Granite, und metamorphe Gesteine weitgehend freigelegt. Gefaltete
triassische, oberkretazische und eozäne Sedimente sind zum Teil erhalten.
Jungtertiäre Basalte stehen im Santa Monica-Gebirge an. Die Angeles-Ketten
wurden am stärksten herausgehoben, so daß sich hier die südlichsten diluvialen
Vereisungsgebiete Nordamerikas finden. Die Angeles-Ketten stteichen von
Westen in mehreren parallelen Gebirgssystemen heran, die die Nordwest-
Südost streichenden Küstenketten Mittelkaliforniens abschneiden. Die Santa
Ynez Mountains, SulphurMountain, South Mountain, Oak Ridge und Santa
Susana Mountains bilden die Südflanke der Angeles-Ketten. Die Gebirgszüge
vereinigen sich zu einer mächtigen Kette im San Gabriel-Gebirge, das über
die Enden der mittelkalifornischen Küstenketten östlich hinausragt. Der Nord-
abfall des San Gabriel-Gebirges bildet die Südbegrenzung der Mohave-Wüste,
von ihr durch den San Andreas-Bruch abgetrennt. Mit dem San Bernardino-
Gebitge biegt das Gebirgssystem nach Ost-Südost um. Die einzelnen Teile
der Angeles-Ketten unterscheiden sich voneinander sowohl in ihrem Aufbau
als auch in ihren heutigen Oberflächenformen. Während das Santa Susana-
Gebirge aus Sedimenten besteht, ist der Granit des San Gabriel-Gebirges
schon fast vollständig der Deckschichten entblößt. Der San Gabriel-
Gebirgsblock ist heute weitgehend zertalt im Gegensatz zum östlich an-
schließenden San Bernardino-Gebirge. An die Angeles-Ketten bauen sich
nach Südwesten jüngere parallele Hebungsbögen an, von denen der Bogen
der Cahuenga-Ketten
1
) am weitesten herausgehoben ist. Bei Eagle Rock und
San Dimas nähert er sich den Angeles-Ketten, gliedert so das Südkalifornische
Becken in die drei inneren: San Fernando-, San Gabriel- und San Bernardino-
I) Die Hebungszone, für die bisher kein einheitlicher Name bestand, so genannt nach
dem Cahuenga-Paß, dem während der spanischen und mexikanischen Besiedlung wichtig-
sten Übergang über die Kette bei dem heutigen Hollywood.
12
Teilbecken und ein äußeres seewärtiges, das Los Angeles-Becken. Die innere
Beckenzone wird im Südosten durch die San Jacinto-und Perris-Blöcke, im
Westen durch den Simi-Block abgeriegelt. Jenseits der Simi Hills ist der Santa
Barbara-Kaual ihre Fortsetzung, dessen östliches Ende von· Flußmaterial zu-
geschüttet ist (Oxnard Plain). Die Hebungszone der Cahuenga-Kettenstreicht
von den Kanal-Inseln über das Santa Monica-Gebirge, Elysische, Highland-
und Repetto-Höhen, die Puente-Berge, das Santa Ana-Gebirge in die Penin-
sular Range hinein. Präkretazisch gefaltete, tertiär mehrfach verbogene Sedi-
mente, kretazische Tonschiefer und tertiäre Sandsteine und sandige Schiefer
bauen das Santa Monica-Gebirge auf, in dessen östlichem Teile sie den Granit,..
kern des Gebirges und jungtertiäre Basaltintrusionen - zum Teil scheinen es
auch Ergüsse zu sein - weitgehend freigeben. Erst in jüngerer Zeit baute sich
das Santa Monica-Gebirge östlich zum Santa Ana-Gebirge hin fort. Zum Teil
noch jünger als dieses Mittelstück der Cahuenga-Kette sind die Hebungszonen,
die sich weiter seewärts anbauen, Dominguez-Kette und San Pedro-Vor-
gebirge.
Zu den großen Horst- und Halbhorst-Blöcken gehört das San Gabriel-
Gebirge, das im Süden von den Sierra Madre- und Burbank-Brüchen, im
Nordwesten vom Soledad-Bruch und im Nordosten vom San Andreas-Bruch
begrenzt wird, die San Betnardino-, San Jacinto-, Santa Ana-Gebirge und
das Santa Monica-Gebirge, wenigstens in seinem östlichen granitischen Teil.
Westlich von Beverly Hills in seinem vorwiegend sedimentären Teil wird· es
neu aufgewölbt.
Die Blöcke werden von Brüchen in zahlreiche kleinere Schollen zerlegt.
So sind das Verdugo-Gebirge und die San Rafael-Berge Teilblöcke des San
Gabriel-Gebirges. Wo der Untergrund abgesunken ist, sind seine Decksedimente
an den Bruchzonen schräg gestellt und in Falten gelegt worden. Vom San Ga-
briel-Gebirge bis zur Los Angeles-Ebene fällt der Untergrund staffelförmig ab,
wobeijeweils der nördlichere Block auf den südlich angrenzenden aufgeschoben
oder wenigstens ihm gegenüber weiter herausgehoben ist. Das San Gabriel-
Gebirge ist auf den auf den Raymond-Block, der
wieder auf den Repetto-Block aufgeschoben, der Repetto-Block auf das Los
Angeles-Becken.Auch die westliche Verlängerung der Puente-Berge und
Repetto-Höhen, die Elysischen Höhen, sind auf ihr Vorland, das Westliche
Los Angeles-Hügelland, die Randzone des Los Angeles-Beckens, aufgeschoben.
Das pleistozäne Schuttfächermaterial, das unter den Überschiebungsflächen
in größerer Mächtigkeit erhalten ist, dünntmit der Entfernung von der
Überschiebung aus. Am Monk Hill tritt Granit zutage, am Raymond HilI
Sandstein, in den Repetto-Höhen die tertiären Sedimente, die in Falten gelegt
wurden. Diese Lagerungsverhältnisse gliedern den westlichen Teil des San
Gabriel-Beckens in drei treppenförmig angeordnete Grundwasserbecken, welche
die Besiedlung beeinflußten. Von diesen Schollen sind die Repetto-Höhen
und Puente-Berge als Glieder der Cahuenga-Kette am stärksten hochbewegt,
An ihnen ist das Los Angeles-Becken abgesunken. Auch der Südflügel des
östlichen Santa Monica-Gebirges ist mit dem Block des Los Angeles-Beckens
in die Tiefe gegangen. Sein Nordflügel wird am Hollywood-Bruch zu beträcht-
licher Höhe herausgehoben. Die ihm anlagernden tertiären Deckschichten
tauchen nach Norden unter das Alluvium der San Fernando-Ebene. In der
Gipfelflur des Santa Monica-Gebirges sieht Hoots eine wahrscheinlich früh-
pleistozäne Rumpffläche (Lit. 126, S. 129), die also gleichaltrig wäre mit der
früher erwähnten Fastebene, deren Relikt die Perris Plain darstellt (s. S. I I).
Auch das Westliche Los Angeles-Hügelland, an das sich das Geschäftszentrum
der Stadt unmittelbar anlehnt, ist eine zertalte frühpleistozäne Peneplain.
Steilgestellte obermiozäne bis oberpliozäne marine Sedimente werden von
einer pleistozänen Terrasse gekappt (Lit. 147, S. 1049). Die Zertalung ist
jünger. Den östlichen Teil des hemmenden Hügellandes, Fort Hill und Bunker·
Hill, hat man durchtunnelt, und jetzt durchschneidet man seine Ränder und
trägt sie künstlich ab, um den Verwaltungs- und Geschäftszentrenmehr
Lebensraum. zu geben und den Verkehr zu erleichtern.
Vor dem Bogen der Cahuenga-Kette lag noch im Spätpleistozän der Strand.
Erst seitdem konnte die Senkung der vermehrten Schuttanhäufung, die durch
Klimaverschlechterung oder erneute Hebung der Abtragungsgebiete oder
beides zusammen bedingt sein kann, nicht mehr die Waage halten. Das Los
Angeles-Becken wurde dem Lande angegliedert. Die Dominguez-Kette wurde
zuerst im Frühquartär aufgewölbt und hat wahrscheinlich als Inselkette aus
der flachen Meeresbucht von Los Aitgeles aufgeragt. Die vonjungpleistozänen
Sanden und Kiesen gekappte Antiklinale pliozäner Schichten legt davon
Zeugnis ab (Lit. 173, S.639), ebenso die Form der Signal-Höhe, die eine
doppelte Aufwölbung erkennen läßt. Damit ist schon gesagt, daß die Domin-
guez-Kette später, und zwar in rezenter Zeit, noch einmal auf gewölbt wurde.
Diese Kette ganz junger Aufwölbungen wird vom heute wiederholt aktiven
Dominguez-Bruch (auch Inglewood-Bruch genannt) längs durchzogen. An
ihm hebt sich der Block des Los Angeles-Beckens. Seine Deckschichten bis
zum rezenten Alluvium wölben sich. Die nach Westen fallende Bruchstufe
ist an der Potrero-Athens-Platte und an der Signal-Höhe deutlich an der
Oberfläche. ausgeprägt. Die Bewegung am Dominguez-Bruch verläuft vor-
wiegend horizontal. Sie war die Ursache des Inglewood-Erdbebens vom
21.Juni 1920 und des Long Beach-Compton-Bebens vom 10. März 1933·
Relativ zum Küstenvorland-Block wird der Untergrund des Los Angeles-
Beckens nach Südosten geschoben. Damit reißt er die Aufwölbung seiner
Decksedimente fiederförmig auseinander. Es wurde eine Kette ovaler Kuppeln
geschaffen, geradezu ideale "Erdölfallen", die seit 1921 erschlossen wurden
und zu einer unerhörten Petroleumproduktion geführt haben (s. Fig. 12, S. 139)·
Die kuppelartigen Aufwölbungen sind so jung, daß der Ölgeologe ihren Bau
von denOberflächenformen ablesen kann. Ist mehrmalige Aufwölbung er-
folgt, spiegelt die Anordnung der konsequenten Entwässerung die ältere Auf-
wölbung wider (Lit. 152 u. 153). Auch am gegenüberliegenden Rande des
Los Angeles-Beckens gegen die Repetto-Höhen und Puente-Berge kam es zur
Bildung von Erdölsätteln. In Spalten konnte das Öl an die Oberfläche
dringen, wo die schwerflüchtigen Bestandteile zurückblieben. Im La Brea
Calion ("brea" spanisch = Pech) in den Puente-Bergen wurde Asphalt schon
von den Spaniern gewonnen und für die Hausdächer des Pueblos Los Angeles
verwandt. So kam es, daß man die Puente- und Whittier-Ölfelder schon 1886
erschloß (s. Fig. 12, S. 139). Auch am Nordwestende des Los Angeles-Beckens
gegen Santa Monica-Gebirge und Elysische Höhen hin kam es zu Sattel-
bildung und Petroleumaufstieg. Die ölführenden Schichten kamen hier näher
an die Oberfläche heran als in der Dominguez-Antiklinale. Die Lagerstätten
sind seichter, der Druck geringer. Die Zone erstreckt sich vom alten Los
Angeles nördlich der Plaza westlich bis nach Beverly Hills, 14 km lang. An
Brüchen schafft sich das Bitumen den Weg zur Oberfläche. Daraus erklären
sich die früheren vielen Asphaltvorkommen im Westlichen Los Angeles-Hügel-
land, wo 1890 nach Petroleum bohrte, und auf der Hollywood-
Platte. Hier kam es in den Rancho La Brea-Tümpeln zur Bildung von regel-
rechten Asphaltseen, die im späten Pleistozän als vermeintliche Tränke Tiere
aller Art bis zu den größten Säugern anzogen. Sie wurde zur Falle, besqnders
VOl1 Raubtieren, die in großer Zahl dem einzelnen versinkenden Beutetier
folgten. Reste von allein annähernd 4000 Karnivoren (9 I Prozent der ge-
fundenen Individuen) aus dem Rancho La Brea befinden sich im Los Angeles-
Museum (Lit. 148, S. 30). Nicht nur am Rande, auch im Beckeninnern. kam
es zur Antiklinalbildung tertiärer Schichten, wodurch Öllagerstätten ent-
standen (Santa Fe Springs-, Coyote-Ölfelder).
15
Der Küstenvorland-Block grenzt an den Dominguez-Bruch seewärts an.
Auf Absinken am südöstlichen Ende weist die ertrunkene Mündung des Los
Angeles-Flusses und die Haffbildung. Bei Playa del Rey bricht der Block
gegen die Ballona.,Niederung scharf ab. Wahrscheinlich ist derSteilabfall,
der sich unter dem Meeresspiegel nach Westen fortsetzt, eine Bruchstufe.
Dieser Teilblock wäre also nach Süden gekippt. Der nördliche Teilblock des
Küstenvorlandes läßt Kippung im gleichen Sinne vermuten. Der untere Teil
der Ballona-Niederung mit der Lagunenbildung zeigt die ertrunkene-Fluß-
mündung. Nördlich anschließend hebt sich die Santa Monica-Platte heraus.
Sie scheint die Aufwölbung des Santa Monica-Gebirges mitzumachen. Zwei
Petroleumlagerstätten sind im Küstenvorland erschlossen worden (Venice-
Playa del Rey und Torrance-Redondo Ölfelder, s. Fig. 12, S. 139).
Seewärts steigt vor dem Küstenvorland das San Pedro-Vorgebirge auf.
Um den Kern des inselartigen Blockes legen sich Iniozäne, pliozäne und zwei
pleistozäne marine Sedimentfolgen, die alle durch Winkeldiskordanzen von-
einander getrennt si:nd. Die Flachwasser- und Strandbildungen des jüngeren
Pleistozäns liegen 'nahezu horizontal.' Sieben bis neun marine Terrassen -
Ashley spricht von 18 Terrassen (Lit. 156, S. 59) - sind zu unterscheiden,
davon vier schön ausgebildete Hau.ptterrassen. Die jüngste bildet die Ober-
fläche eines 30-5° m hohen Kliffs. Über dem Pleistozän des Deadman Island,
das der Erweiterung der Hafeneinfahrt zum Opfer fiel, und der San Pedro-
Terrasse wurden im Alluvialboden Anhäufungen von Muscheln
Herkunft zusammen Init Resten verkohlten Holzes, Säugetierknochen und
anderen Küchenresten, die als Kjökkenmöddinger früherer Indianerkultur an-
zusehen sind, gefunden (Lit. 107, S. 33). Der gehobene Strand von Deadman
Island enthielt nur Muscheln in unversehrtem Zustand und mit erhaltener
Farbe. Das zeigt, daß die Aufwärtsbewegung noch im Gange ist (Lit. 107, S. 33).
Der Landschaft vorgelagert sind Catalina Islandund weiter draußen San
Clemente Island. Beide Inseln sind dem Schelf aufgesetzt. Die eine Insel sinkt
ab, wie die ertrunkenen Tält:r zeigen. Dagegen ist San Clemente Island, wie
das SanPedto-Vorgebirge, ein aufsteigender Block mit jungen, noch kaum
zerschnittenen Terrassen. Beide Inseln, von denen San Clemente typische
Basin Range-Struktur besitzt, sind die höchsten Aufragungen breiter sub-
mariner Rücken, die Init kalifornischem Streichen ebenso an den westost-
streichenden Kanal-Inseln ansetzen wie die Dominguez-Kette an deren öst-
licher Fortsetzung, dem Santa Monica-Gebirge. Die genaue Auslötung des
Schelfmeeres läßt darauf schließen, daß sich die Bruchtektonik Südkaliforniens
bis zum Schelfrande fortsetzt (Lit. 135). Die Gesteine der Inseln lassen ver-
muten, daß der breite Schelf südlich Point Conception eine vulkanische
Provinz ist. Seine Physiographie scheint zu beweisen, daß er im ganzen ab-
sinkt (Lit. 135).
Aufschüttung
Seit dem Einsetzen der Orogenese im Posttertiär wurden über die ab-
sinkenden Räume mächtige, oft fanglomeratähnliche Schuttdecken gebreitet.
Das Pleistozän geht hier unmerklich ins Alluvium über. Zeitliche Gliederungen
des Quartärs sind lokal versucht worden. Die Korrelation über das ganze
Gebiet noch. Die Art der Schuttführung wechselt Init den Phasen;
stärkerer Gebirgsheraushebung und Perioden relativer Ruhe. Dazukommen
Klimaschwankungen, auf welche die Zusammensetzung der Molluskenfaunen
des marinen Quartärs von San Pedro und der Baldwin-:Höhen uIld der Säuge-
tierfaunen des Rancho La Brea hinweist. Die eingehenden Bodenkartierungen
des U. S. Department ofAgriculture und der University ofCalifornia ermög-
lichen es, zwei Schuttserien zu unterscheiden, eine ältere, deren Böden ein
Profil zeigen, und eine jüngere, erst in der Verwitterung
begriffen9(s. Fig. 3, S. 18). Dazu kommt ein ältester Schuttfächer in der Nähe
des, Ge,hirgsrandes. Weitgehend weggeräumt und zum Teil vom nächst-
jüngeren Schuttfächer überlagert; ist er nur noch ani Monk Hill und un-
Inittelbar am Gebirgsfuß nördlich Pasadena erhalten. Hier ist er am Bruch-
rande des San Gabx:iel-Gebirges zum Teil 60-100 m hochgehoben und ragt
als Bruchstufe über den jüngeren Schuttfächer auf, deutlich erkennbar am
Austritt des Arroyo Seco aus dem Gebirge (Lk 140). Sonst ist von dieser
ältesten Schuttdecke oberflächlich so gut wie nichts erhalten. Die nächst-
hier als ältere Schuttdecke bezeichnet, weit hina'us
das Vorland, durch die Durchlässe der flutet sie über das
Los Angeles-Becken bis zur See, wo sie in der gehobenenStrandterrasse von
Long Beach und auf der DoIninguez-Kette erhalten ist (s. Fig.3, S. 18).
Hinzu kommt die Schuttführung vom Santa Monita-Gebirge, die das Material
liefert, das die Hollywood-Platte und die Santa Monita-Platten aufbaut.
Für den Schuttfächer von Santa MoniqJ. steht das Alter als spätpleistozän
fest: Er überlagert horizontale oberpleistozäne Meeresbildungen (Lit. 126,
S. 130). Die Mächtigkeit der älteren Schuttdecke beträgt hier bis 60 mund
darüber 1 Die Höhe des ganz aus diesem Material zusammengesetzten
"Palisades"-Kliffs beträgt 52-60 m (Lit. 126, S. 130).
2 Wagner, Los Angele.
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Die Reste des· älteren Schuttmantels bilden überall dort" wo sie nicht zer-
furcht sirid, wohl das beste Siedlungsgelände der Landschaft. Schon früh sind
Randstädte von Los Angeles auf ihnen entstanden: Pasadena, Santa Monica.
Fig. 3. Die Böden der Südhälfte des Los Angeles Count}>' nach Alter und Herkunft
(Auf Grund der Soil Surveys des U. S. Dept. of Agriculture und der University of California)
Long Beach und die Vorläufer von Hollywood. Alle vier sind bevorzugte
Wohnstädte geworden.
Auf diese Periode der Aufschüttung ist verstärkte Erosion gefolgt, die in grö-
ßerer Wasserführung der Flüsse (Klimaänderung?),neubelebter Tektonik und
Senkung der Erosionsbasis (Absinken der Ballona Creek- und Los
Flußmündungen?) ihre Ursache haben mag. Die neue Erosionslandschaft
entspricht wohl der Dominguez surface Vickerys. Die Landschaft, die von
18
der älteren Schuttserie überdeckt wurde, wäre dann seine Cahuenga sur-
face (Lit. 153). Die erste Aufwölbung der Dominguez-Kette wurde zur Zeit
der Dominguez surface denudiert. Die Signal':Höhe ist ein Relikt jener
altenOberfiäche. Die Hollywood- und Santa Monica-Platten wurden von
einem älteren Los Angeles-Fluß unternagt, wohl vom Arroyo Seco her-
kommend (Lit. 149), um die Südseite des westlichenLQs Angeles-Hügellandes
westlich herumfioß und durch die heutige Ballona-Niederung bei Playa del
Rey mündete. Wo der Los heute seine Mündung hat, unter-
schnitt er oder Vorgänger, vielleicht ein Mündungsarm des San Gabriel-
Flusses (ein älterer Rio Hondo), die. Ostseite der Dominguez-Höhe· und die
Westseite der Long Beach-Platte. Der. Los' Angeles-Fluß wurde von seinem
westlichen Lauf nach Osten abgelenkt, möglicherweise durch seine eigene
Schuttanhäufung. Die versumpfte, wie die bis zu 10 m
mächtigen Torfablagerungen über den groben Flußgeröllen beweisen. Noch
.)
heute ist diese. Gegend schlecht dräniert und siedlungsfeindlich. Die jüngere
Schuttdecke legte sich weitgehend über die ältere. Die neuaufsteigende
Dominguez-Kette hält sie aber landwärts zurück. Die Dominguez-Kette
nun vom Ballona Creek und Los Angeles-Fluß antezedent durchschnitten,
soweit man bei dem fiederfönnigen Auseinanderreißen der Antiklinale von
Antezedenz sprechen kann. Cerritos-Höhe und .Bixby-Platte wurden auf-
gewölbt und mit ihnen nochmals die Signal-Höhe.
Die vereinigten Schuttfächer des Los Angeles .. und des San Gabriel-Flusses
füllen das westliche Los Angeles-Becken. Der westliche Mündungsarm des
San Gabriel-Flusses mündet heute in den Los Angeles-Fluß. Wo sich ihre
Schuttfächer südwestlich Montebello vereinen, hat der stark aufschüttende
Los Angeles-Fluß einen kleinen Zufluß abgedämmt. und die Bildung eines
heute ausgetrockneten Sees veranlaßt, den die Spanier "Laguna" nannten,zum
Unterschied von den "Cienegas", Seen aufsteigenden Grundwassers. Sie gab
der Laguna: Ranch den Namen. Dieser Teil des Los Angeles-Beckens sei
daher "Laguna-Ebene" genannt (s. Tafel·2), auch wenn sie vorwiegend aus
älterem Schuttmaterial ;:tufgebaut ist, das hier aber tief liegt und fast un-
merklich unter diejüngeren Schuttfächer untertaucht. Im San Gabriel-Becken
legen San Gabriel-Fluß und Rio Hondo ihrejunge Schuttdecke über die ältere
der San Gabriel-Platte, in die sie unmerklich übergeht. Die San Gabriel-Platte
ist das V örland der Pasadena- und der Sierra Madre-Platte, von ihnen ge-
trennt durch die Staffel der Raymond-Kette, die sich vom Arroyo Seco im
Bogen nach Nordosten bis zum Fuß des San Gabriel-Gebirges him;ieht.
,,*
19
Vom Gebirge kominen junge Schuttkegel herunter, die sich mit steilerem
Gefälle auf die älteren Schuttplatten legen. Altadena ist auf dem Schuttkegel
erbaut, der sich über die nordöstlichePasadena-Platte legt, Beverly Hills auf
dem, der den westlichen Teil der Hollywood-Platte überdeckt. Auch das
neuere Hollywood liegt auf solch jungem Schuttfuß. Die ganze San Fernando-
Ebene ist eine junge Schuttdecke, die ihr Material von Norden, von dem
Santa Susana- und vor allem· dem San Gabriel-Gebirge erhält. Das GeIalle
beträgt in den Teilen der Ehene 8-g m pro Kilometer. Am östlichen
Ende der San Fernando-Ebene kommen vom Verdugo-Gebirge und den San
Rafael-Bergen schön ausgebildete Schuttkegel herunter, die zur Anlage der
Siedlungen Burbank und Glendale Anlaß gaben.
Oberflächenformung
Die junge Aufwölbung der Ketten innerhalb des Südkaliförnischen Beckens
hat an vielen Stellen antezedente Durchbruchstäler entstehen lassen. Schon
der in frühgeschichtlicher Zeit und noch heute so wichtige Cahuenga-Paß
läßt Antezedenz erkenneIl. Aufseiner heutigen Wasserscheide liegen Schotter.
Aus dem San Fernando- und dem westlichen San Gabriel-Becken brechen
die Korridore des Los Angeles-Flusses und des Arroyo Seco :durch die
Cahuenga-Kette in die Los Angeles-Ebene durch, wahrscheinlich antezedent,
von denen wenigstens das Tal des Los Angeles-Flusses tektonisch begünstigt
erscheint, wie der gradlinige Verlauf des Nordostabfalles der Elysischen Höhen
vermuten läßt. Der Coyote-Paß, der die San Gabriel-Platte mit dem östlichen
Hügelland verbindet, wird von V ickery als antezedentes Tal angesehen
(Lit. 151). DerPaso d.e Bartolo (Bartolo-Pforte), an dem San Gabriel-Fluß und
Rio Hondo die Cahuenga-Kette passieren, ist ein Synklinal-Tal (Lit. 121, S. 61).
Der Durchbruch des mit dem Rio Hondo vereinigten Los Angeles-Flusses
am "Paso de Dominguez" "(Dominguez-Pforte) wird durch eine Unter-
brechung in der Reihe der Antiklinalen der Dominguez-Kette erleichtert
worden sein. Eine ebensolche Begünstigung mag beim Ballona Creek-Durch ..
bruch vorliegen, während der kleine Paß zwischen Cerritos- und Signal-Höhe
mehr als das Werk rückschreitender Erosion. anzusehen ist (Lit. 151).
In die Schuttmäntel graben die aus dem Gebirge austretenden episodischen
Flüsse und Bäche verkehrshindernde Schluchten ein (Pacoima Wash, Tujunga
Wash, Arroyo Seco, Eaton Wash). Ihre:; Wände sind so steil, daß sie land-
schaftsteilend wirken. Oer Boden des Arroyo Seco-Einschnitts liegt 25-30 m
20
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unter der Linda Vista-Pasadena-Platte. Der langgezogene, über die Pasadena-
Platte aufragende Orange Grove Avenue-Rücken wird als Erosionsrest eines
,ehemaligen, erst östlich, dann westlich davon fließenden Arroyo Seco an-
gesehen, sofern es sich nicht um einen Grundgebirgshorst längs einer Nord-
nordwest.Südsiidost verlaufenden Bruchzone handeln sollte (Lit. 129,S. 92).
Südlich des Vorsprungs der Elysischen Höhen hat der Los Angeles-Fluß
nach Aufnahme des Arroyo Seco im jungen Alluvium erodiert und am Fuß
des westlichen Los Angeles-Hügellandes die Niederterrasse geschaffen, auf der
das Pueblo Los Angeles entstehen konnte. Auf der Überschwemmungsterrasse
konnten. die ersten, leicht berieselbaren Gärten angelegt werden. Die Über-
schwemmungsterrasse (River flat) reicht östlich des Flusses bis an den Fuß
der ungleich höheren altalluvialen Terrasse. Diese haben junge Kerbtäler von
Süden her zerschnitten und damit das Östliche Los Angeles-Hügelland ge-
schaffen. Seine Taleinschnitte waren der frühen Besiedlung ungünstig, so daß
hier ärmliche Wohnviertel und Mexikanerviertel entstanden. Die ältere
pleistozäne Rumpffläche westlich des Flusses ist vielfach zerschnitten, sie ist
zum Westlichen Los Angeles-Hügelland geworden. Es hat sich zwar zum
Wohnviertel der Stadt entwickelt, aber nur langsam, und ist nie ganz bebaut
worden. Noch viel mehr gilt das von den höheren Elysischen Höhen, die
nördlich angrenzen,aber auch innerhalb der alten Stadtgrenze liegen. Wegen
seiner großen Reliefunterschiede hat man das Land früher als wertlos für
Siedlungszwecke angesehen und den östlichen Teil zum städtischen Elysian
Park gemacht. Die typischen, wohl durch Bodenbewegung begünstigten,
gut abgerundeten Formen dieses Teiles der Cahuenga-Kette treten uns mehr
poch in den Highland- und Repetto-Höhen entgegen, soweit sie von der Be-
siedlung noch nicht ergriffen sind. Ganz anders als an den miozänen und
pliozänen Sedimenten greift die Erosion den Granit an, der im östlichen Teil
des Santa Monica-Gebirges ansteht. Allenthalben tiefgründig verwittert,
leistet er der Auswaschung keinen Widerstand. Ähnlich zerfurcht wird der
Granit des Verdugo-Gebirges, der San Rafael-Berge und des San Gabriel-
Gebirges, soweit der Chaparral nicht dicht genug ist, um ihn zu schützen.
Gelegentlichen Wolkenbrüchen kann selbst die Gebirgsvegetation nicht stand-
halten, sie wird -dann samt der Bodenkrume weggespült (Lit.225).
Die geringeren Erhebungen der Dominguez- und der Raymond-Kette
werden von Kerbtälern von ihrem Vorland aus angeschnitten. Die Potrero-
Athens-Platte wird dadurch in eine Potrero-, Belleview- und Athens-Höhe
zerteilt. Ein Kerbtal trennt Cerritos- und Signal-Höhe. An der Raymond-
21
Kette ist die Erosion weit genug zurückgeschritten, um das Grundwasser-
becken der' Pasadena-Platte anzuzapfen. Die Bäche konnten daher das ganze
Jahr Wasser führen und dadurch jene welligen Formen schaffen, die für
immerfeuchte Gegenden charakteristisch . sind. Auch das Nordende der
Dominguez-Kette und die höheren Teile der Santa Monica-Platte werden
von Kerbtälern zerschnitten, die das Buenos Aytes- und San Vicente-Hügel-
land schufen (so benannt nach den Ranchos' San Jose de Buenos Ayres und
San Vicente y Santa Monica). Beide Hügelländer entwässern zur Ballona-
Niederung, in ihrem westlichen Teil durch die Sawtelle-Ebene. Seitdem man
von dem Schachbrett-Straßensystem abgeht, entstehen in diesen zertalten
Gebieten vornehme WohnViertel: Oak Knoll an der Raymond-Kette, West-
wood und HolmbyHills auf dem Buenos Ayres-Hügelland und Brent-
wood-Heights auf dem San Vicente-Hügelland. Die höchste Erhebung der
Dominguez-Kettesind die Baldwin-Höhen. Sie beginnen schon die runden
Formen auszubilden, die für die etwas älteren Highland- und Repetto-Höhen
typisch sind.
Das San Vicente-Hügelland geht allmählich in die Santa Monica-Platten
über, deren westlicher Teil, die Palisades-Platte, von mehreren Oafions zer-
schnitten wird. Bis zu vier Terrassen können in diesen Schluchten unter-
schieden werden, deren Entstehung noch problematisch ist. Als Ursachen
kommen nach Hoots vor allem in Betracht: postpleistozäne Hebungen mit
Stillstandspausen, Verkürzung und des Gefälles durch marine
Abrasion, wechselnde Erosionskraft infolge von Niederschlagsschwankungen.
Die Santa Monica-Platte im engeren Sinne ist unzertalt. Nur ein Einschnitt,
den die' Bahn benutzt, trennt sie von ihrem südlichen Teil, der Ocean
Park-Platte.
Das Küstenvorland von Playa del Rey bis Redondo ist eine gehobene
Dünenlandschaft (s. Fig. 3, S. 18). Vom Fuß'des küstennahen Santa Monica-
Gebirges her konnte durch Strandversetzung reichlich Sand zur Dünenbildung
geliefert werden. Für diese gehobene Landschaft, das Hinteriand vom Playa
del Rey-Steilabfall bis Redondo Beach sind zahlreiche, zum Teil beträchtlich
tiefe abflußlose Hohlformen charakteristisch. Hier liegen fünf und mehr alte
parallele Dünenzüge hintereinander. Aufschüttung im Mündungsbereichdes
Los Angeles-Flusses und Hebung des Dünenvorlandes dämmen das Altwasser
des Nigger Slough vor der Dominguez'-Kette zurück. Auffallend ist das unter-
seeische Tal, das auf Redondo Beach hinweist. Es setzt sich landeinwärts
nicht fort •.
22
Die .Küste selbst ist eine Ausgleichsküste. An den in steilem Kliff ab-
brechenden Santa Monica-Platten "greift Meer an. Vor der Ballona-Senke
baut es auf, dann setzt sich die KüsteDlinie in leichtem Bogen bis zum San
Pedro-Vorgebirge.fort, an dem dieSee wieder heftig angreift. Am Südost-
vorsprung des San Pedro-Kliffs ist der Wellenangriff so stark, daß im Sommer
1929 dasSchichtpaket am Point Fermin. zum Meere hin absank und die
geräumt werden mußten.
Im Lee von Point Fermin kann sich ein Küstengegenstromentwickeln, der
an der LongBeach.,Terrasse ein Kliff bildet, mit dessen Material er die
Nehrung, heute Terminal lsland (früher Ratdesnake Island), vor der alten
Mündung des LosAngeles-Flusses aufbaut. Damitist ein Wellenschutz für die
seichte, innere Bucht· gegeben, der neben dem Windsch:i.ttz die Vorbedingung
für q.en Hafen sein mußte.
Die Zerfurchung des San Pedro-Vorgebirges ist an seiner landwärtigen
Seite, wo es sich am langsamsten hebt; am' weitesten fortgeschritten. Dort
lassen sich die Terrassen auch ain wenigsten deudich erkennen. Es kommt
zur Ausbildung gerundeter Oberflächenformen.·
KLIMA
. Unter den Vorzügen der Landschaft, die seit den 1?7oer Jahren von der
uneingeschränkt ausgenützt werden, um Menschen anzulocken,
steht das Klima an erster Stelle. Früher zog in erster Linie der milde Winter
die Menschen nat;h Los Angeles und Pasadena. Seit 1920 preist man das
"all-year-round"-Klima, an und schließt die Vorzüge des Sommers in die
Propaganda ein. Auf Nachteile des Klimas hinzuweisen, wäre in den Augen
des Angelefio ebenso frevelhaft, wie von einer Erdbebengefahr zu sprechen.
Das Klima wird schlechthin als mediterran bezeichnet. Es ist aber keineswegs
einheidich. Höhenunterschiede, Gebirge, Meereseinfluß und Küstenform be-
I
dingen eine starke Gliederung.
Das normale Klima des Tiefla'ndes von Südkalifornien ist das Steppenklima,
Köppens BS-Typus. Die Hochbewegung der Angeles- und Oahuenga-Ketten
und des Küstenvorlandes hat das Klima modifiziert und differenziert. Los
Angeles liegt heute ·auf der Grenze zwischen Os- und BS-Klima (s. Fig. 4).
Die Beobachtungsstation Los Angeles befindet sich auf dem Dach eines viel-
stöckigen Gebäudes im' Geschäftsviertel. Sie empfängt. genug Niederschlag
(jährliches Mittel 379,7 mm), um bei einer mittleren Jahrestemperaturvon
17,1° C nicht mehr in den Bereich des BS-Klimas zu fallen. Die Temperatur
des wärmsten Monats ist 21,8°. Somit liegt das Zentrum der Stadt gerade an
der Grenze des Csa-Klimas, aber noch in Csb. Santa Monica hat mit 19,1°
im wärmsten Monat besser ausgeprägtes Csb-Klima. San Pedro und Long

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.. HÖHf:N UNO FLÜSSE • BEOBACHTUNGSSTATIONEN
Fig. 4. 'Die Klimagebiete von Los Angeles
Beach, im Regenschutz des San Pedro-Vorgebirges gelegen, empfangen-
weniger Niederschlag. Sie fallen in das BS-Klima, ebenso die Stationen im
südöstlichen Teile des Los Angeles-Beckens. Die Cahuenga-Kette und die
höheren Teile ihrer Schuttfacher empfangen wieder mehr Niederschläge. Die
Höhe ermöglicht hier größere Einstrahlung, die die Temperatur des wärmsten
Monats auf über 22 °erhöht. Sie haben Csa-Klima, das sich im Interior
Valley und an der Südabdachung der Angeles-Ketten fortsetzt. Nur der
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tiefere südliche Teil des San Bernardino-Beckens, der im Regenschutz des bis
1650 m ansteigenden Santa Ana-Gebirges liegt, empfangt nicht genug Nieder,.
schläge. Er hat BS-Klima. Dasselbe ist für den südlichen des San Fer-
nando-Beckens anzunehmen, der durch das Santa Monica-Gebirge geschützt
ist (Lit. 218, Klimakarte).
Im südlichen Teil des San Gabriel-Beckens wiederholt sich das BS-Klima .
nicht. Er liegt nicht so tief, und die Repetto-Höhen sind nicht hoch genug,
um einen Schutz zu bieten.'
Man muß sich vor Augen halten, daß die Köppensehen Klimabezeich-
nungen nicht die richtige Vorstellung des Klimas von Los Angeles geben,
denn hier bestimmt gerade das periodische An- und Abschwellen der Nieder-
schlagsp1enge den Klimacharakter. Das jährliche Mittel von 379,7 mm be,.
steht nur in der Theorie. In den elf Wintern von 1893/94 bis 1903/04 betrug
das Mittel 286 mm, in den darauffolgenden acht Wintern dagegen 409 mm
(Lit. 272, S. 32). So hat die BeobachtungsstationLos Angeles in Wirklichkeit
periodisch abwechselnd' BS- und Cs-Klima. Der Schluß, daß das Klima zeit-
lich gefaßt werden muß, wenn man den wahren Klimacharakter erkennen
will, ergibt sich aus der Betrachtung der Beobachtungsstatistiken von Los
Angeles. In diesem Sinne hat auch R.J. Russell jüngst allgemein die ;Be-
trachtung des. Klimas in kurzen Zeitabschnitten gefordert (Lit. 219). Nur so
können übergangsklimate richtig erfaßt werden.
Das Klima der kalifornischen Landschaften wird von den niedrigen sommer-
lichen, Wassertemperaturen, die in der küstennahen Zone des Ozeans auf-
treten, eigenartig beeinflußt. Um Kap Mendocino, nördlich von San Francisco,
erreicht das kalte Küstc::nwasser, das als aufsteigeI,1des Tiefenwasser angesehen
wird, seine niedrigsten Temperaturen. Die Anomalie nimmt nach Norden
und Süden ab. Immerhin sind auf der Breite von Los Angeles die Unter-
schiede zwischen Wasser- und Lufttemperatur im Frühsommer groß genug,
Um zu Nebelbildung Anlaß zu geben, wenn auch lange nicht so stark wie an
der mittelkalifornischen Küste. Die westlichen Winde treiben die Nebel als
Dunstschleier (high fogs) über die Beckenlandschaft. Das Maximum der
sommerlichen Einstrahlung verspätet sich. Der wärmste Monat ist der August.
Der Einfluß des Nebels kommt im San Bernardino-Becken zum Ausklingen.
Hier ist Juli der wärmste Monat. Ebenso im Gebirge, das über den Dunst-
schleier hinausragt.
Santa Monica hat ausgesprochen maritimes Klima mit einer mittleren
jährlichen Temperaturschwankung von 7,8° C und einem mittleren
25

Augustmaximum von 20,5 ° C. Bei Santa Monica tritt die Seebrise auf das
Festland über. Los Angeles erhält von hier dauernd Westwinde, die das
mittlere Maximum des heißesten Monats noch im Geschäftsviertel auf 27,8° C
halten. Das entspricht einer Zunahme von etwa 3 ° pro IO km. Im San
Fernando- und San Gabriel-Becken ist das· durchschnittliche Augustmaximum
4 ° bis 5 ° C höher, im San Bernardino-Becken noch mehr. Die Differenz der
mittleren August-Tagesmaxima zwischen' Küste (San Pedro) und Interior
Valley (San Fernando) beträgt 9,5° C, die der nächtlichen Augustminima
nur 2,9° C, wobei sich das Verhältnis zwischen Küste und Interior Valley
umkehrt.
Im Winter ge,hen die Temperaturen von Los Angeles nur selten unter 7,5 °
(Januar-Mittel 12,8°, mittleres Januar-Minimum 7,5°), etwas niedriger im
Interior Valley (mittleres Januar-Minimum von Pasadena 4,1°). Die mit
dem Regen kommende Abkühlung macht, wenn auch nur wenige Tage
dauernd, Heizung der dünngebauten Häuser nötig. Fröste sind selten. Sie
betreffen am meisten die tieferen Teile des Interior Valley, vor allem nach
dem Auftreten föhnartiger Wüstenwinde, den sogenannten Santa Anas, die
aus dem winterlichen Hoch, das über der Möhave-Wüste steht, heraus wehen
(Lit. 211, S. 163). Zum Schutz gegen Frost und die beträchtlichen Temperatur-
veränderungen innerhalb weniger Stunden werden die gefährdeten Agrumen-
kulturen allgemein durch billige Petroleumöfen geheizt. Die Frostgefahr hat
in der amerikanischen Besiedlungsperiode der 70er Jahre, als man einerseits
anfing, Gartenkulturen anzulegen, andererseits Rücksicht aufLungenleidende
nahm, einen entscheidenden Einfluß auf die Siedlung ausgeübt. Während für
die Lokalisierung der vorherigen amerikanischen landwirtschaftlichen Sied-
lungen (EI Monte, Compton) Boden und Wasser ausschlaggebend war, suchte
man jetzt frostärmere Stellen auf. Es entstand eine Kette von Siedlungs-
anfängen auf dem oberen Teil der Schuttfächer des San Gabriel-Gebirges.
Auch die Anfänge von Hollywood gehen aufKlimaeinflüsse zurück. In den
höheren Lagen am Gebirgsfuß haben sich seitdem stets vornehme Wohn-
viertel entwickelt, denn hier können nicht nur Agrumen,. sondern jetzt vor
allem empfindliche, nicht einheimische Zierpflanzen aller Art angepflanzt
werden. Schon der Bewohner des südlichen Hollywood ist darin benachteiligt
gegenüber dem Villenbesitzer ein oder zwei Kilometer weiter nördlich.
Die Ausläufer der winterlichen Zyklonen der feuchtgemäßigten Zone er-
reichen Südkalifornien nur gelegentlich. Das bedingt von Jahr zu Jahr und
innerhalb der Jahreszeit eine auffallende Niederschlagsschwankung.
Daher ist auch der Eintritt der Regenzeit schwankend. Sie kann im September
beginnen, sie kann sich auch bis November oder Dezember verspäten.
Der Niederschlag ist von so überragender Wichtigkeit für die Landschaft,
daß die Zeitungen nach jedem Regen auf ihrer ersten Seite eine ausführliche
Statistik darüber bringen. Darin führen sie für alle Stationen der Landschaft
Regenmenge, Summe des bisherigen Niederschlags der betreffenden "season"
und einen Vergleich mit der durchschnittlichen Regenmenge bis zu demselben
Tage auf. Die Eigenart des Regenfalls bringt es mit sich, daß in der Mehrzahl
der Jahre der Durchschnitt der Regenmenge nicht erreicht wird.
Der meist periodische Wechsel in· der Niederschlagsmenge mehrerer Jahre
hat ein Schwanken des Grundwasserstandes mit entsprechenden Perioden zur
Folge. Bei weniger als 250 IIlm jährlichen Niederschlags fließt kaum mehr
Wasser aus dem Gebirge ab (Lit.272, S.32).
In der Entwicklung der Landschaft spielen "droughts" und "floods" eine
entscheidende Rolle. So haben mehrere aufeinanderfolgende Trockenjahre
Ende der 1 850er Jahre und Anfang der 1 860er Jahre das Ende der extensiven
Weidewirtschaft veranlaßt und in den 1870er Jahren die Schaf zucht zum
Erliegen gebracht.
Zahlenmäßig können wir die Niederschlagsschwankungen erst seit 1877,
dem ersten Beobachtungsjahr der Meteorologischen Station von Los Angeles,
verfolgen. Während einer 53jährigen Beobachtungsperiode hat Los Angeles
in 15 Wintern mehr als 456 mm und in 9 Wintern weniger als 228 mm Nieder-
schlag empfangen mit Extremen von 970 mm im Winter 1883/84 und 142 mm
im Winter 1898/99. Nur an durchschnittlich 37 Tagen des Jahres regnet es
mehr als 0.25mm. Die Monate Dezember bis März haben im Mittel nur je
6 Regentage, die anderen Monate weniger. Der durchschnittliche monatliche
Niederschlag beträgt von Dezember bis März 66,5 mm und darüber, in den
anderen Monaten 30,5 mm und darunter. Selbst innerhalb der Monate De-
zember bis März ist die Schwankung beträchtlich. Innerhalb dieser 4 Monate
sind Schwankungen um mehr als die zehnfache Regenmenge von einem
Monat zum andern in 55 Jahren 36mal aufgetreten. Mehrtägige Bewölkung
kündigt die Regen an, die dann einige Tage anhalten. Heftige Regengüsse
sind dabei nicht ungewöhnlich. Während 34 Jahren ist in Los Angeles 20mal
mehr als 63,5 mm Niederschlag in 24 Stunden niedergegangen mit 173 mm
als Extrem (Lit. 222, S. 8). Der Schaden, den solch heftige Regengüsse
anrichten, ist meist beträchtlich. Die Entwässerungskanäle können solche
plötzlich niedergehenden Wassermassen nicht fassen, und die Straßen werden
überschwemmt. Das Tiefbauamt legt unentwegt neue, größere Entwässerungs-
röhren, die nur für den vielleicht einmal im Jahr auftretenden heftigen Regen-
guß berechnet sind. Nur dann erreicht der Los Angeles-Fluß seine Ufer. Um
der schadenstiftenden Geröllführung der Wildbäche, die selbst Baumstämme
mitführen, zu begegnen, werden vom "County Flood Control District" x) in
den Cafions des San Gabriel- und Verdugo-Gebirges sogenannte "check dams"
und "debris dams" errichtet, denn die Siedlungen auf den jungen Schutt-
fächern werden nicht nur von den Wasserrnassen, sondern fast noch mehr
von den Schuttmassen gefährdet. Die geologischen Veränderungen, die ge-
legentliche Wolkenbrüche im Gebirge hervorrufen, hat J. E. Wolff am Bei-
spiel des Wolkenbruchs vom 4. April 1926 beschrieben. Blöcke bis zu 17 t
wurden mehrere hundert Meter transportiert (Lit.225).
Gewitter sind selten. Sie treten im März oder April (Lit. 222, S. 3) im Gefolge
lokaler Zyklonen auf, die sich in dieser Jahreszeit über den Wüsten und Gebirgen
des südöstlichen Kalifornien undArizona bilden. Als sogenannte Sonoras sind sie
berüchtigt. Sie bringen wolkenbruchartige Regengüsse, die vielfach Schienen-
wege, Landstraßen und Brücken zerstören (Lit.224, S. 69 u. S. 328). Blake
beschränkt den Begriff Sonoras auf die plötzlichen Gewitter, die im Juli
und August über der Mohave- oder Colorado-Wüste als Folge örtlicher
Konvektion auftreten (Lit. 203, S. 585/88).
Hohe relative Feuchtigkeit und Frühjahrs- und Sommernebel machen
die Küstenorte ungeeignet für Hals- und Lungenleidende (Lit. 224, S. 46917 1).
Los Angeles selbst hat mit 63 Prozent noch eine unerwartet hohe relative
Feuchtigkeit. Sie geht allein auf ozeanischen Einfluß zurück, sinkt daher rasch
mit zunehmender Tagestemperatur und läßt es fast nie zu Schwüle kommen.
Nächtliche Feuchtigkeit ist am spürbarsten in der Ballona-Niederung, durch
welche die kalte Nachtluft zur See zurückfließt. Hier schreitet daher auch die
Besiedlung nur sehr langsam fort.
Von Juli bis Dezember empfängt Los Angeles über 70 Prozent des
möglichen Sonnenscheins. Dasbeeinflußte anfangs' die Niederlassung
der Filmindustrie. Vom monatelang wolkenlosen Himmel strahlt die Sonne
erbarmungslos nieder. Sie wirkt bei dem Fehlen jeglicher Abkühlung durch
Regen nervenerschlaffend auf den Menschen. .
Die vorwiegende Windrichtung ist westlich. Nur im Winter erhält Los
Angeles nordöstliche Winde. Die Seebrise ist hinter dem Buenos Ayres-Hügel-
land nur noch schwach. Die Nächte sind windstill.
X) Kreis-Wasserbauamt.
J
Nur die Angeles-Ketten erhalten Niederschlag in Form von Schnee, der
im San Bernardino-Gebirge Wintersport ermöglicht. Die Schneedecke schmilzt
im Sommer wieder ab.
HYDROGRAPHIE
Das Wasser der heftigen Regengüsse fließt zum.großen Teil zum Ozean ab.
Die Niederschlagsmenge, die im Boden versickert, wird dauernd verringert
mit der Ausdehnung des gepflasterten Straßennetzes und dem Rückgang der
künstlichen Bewässerung infolge städtischer Bebauung. Ein weitverzweigtes
System von Entwässerungskanälen führt die Wasserrnassen den Trockenbetten
der Flüsse zu. Das Grundwasser, dessen Spiegel ohnehin infolge zu starken
Pumpens sinkt, wird nicht nachgefüllt. Auch dem Los Angeles-Fluß und dem
Arroyo Seco wird das unterirdische Wasser künstlich entzogen, ehe es das
Los Angeles-Becken erreicht.
Am aufnahmefähigsten sind die gebirgsnahen Teile der Schuttfächer, die
hier ihren größten Porenraum haben. Weiter unterhalb bleiben die Flußbetten
als washes (Geröllbetten) während des größten Teiles des Jahres trocken.
In ihnen tritt Wasser nur dort zutage, wo es an Untergrundaufragungen zur
Oberfläche gedrängt wird.
Das San Gabriel-Becken besteht aus drei Grundwasserbecken, dem unteren
eigentlichen San Gabriel-Becken und zwei höheren Teilbecken, Pasadena-
und Altadena-Becken (s. S. 14). An der Nordostecke der San Rafael-Berge
setzt die Monk Hill-Aufragung an, durch die sich der Arroyo Seco am Devils
Gate hindurchgenagt hat. Das Altadena-Becken ist die östliche Fortsetzung
des La Cafiada-Beckens (Lit. 284, S. 51). Die Granitaufragung, die vom Devils
Gate 1,3 km südsüdöstlich verläuft, um dann erst nach Ostsüdosten umzu-
biegen, bewirkt, daß das. Grundwasser nach Osten in die Tributärbecken des
San Gabriel-Beckens abgelenkt wird, anstatt mit dem Arroyo Seco oder unter
dessen Geröllbett dem Los Angeles-Fluß zugeführt zu werden. Schon die ersten
Siedler entnahmen ihr Wasser am Devils Gate. Noch zur Zeit der Entdeckung
war der Arroyo Seco wasserführend ; nur so konnte das Trockenbett zu seiner
heutigen Tiefe eingeschnitten werden; mit dem Sinken des Grundwassers
und der Abdämmung des Devils Gate ist er in dem an Pasadena angrenzenden
Teil gänzlich trocken, so daß auf seiner "Flußaue" ein öffentlicher Park und
das große Rose Bowl-Stadion angelegt werden konnten. Erst vor seinem
Eintritt in die Highland- und Repetto-Höhen wird der Arroyo Seco wieder
29
wasserführend. Hier pumpt die Stadt South Pasadena ihr Wasser, so daß
praktisch alles Arroyo dem San Gabriel-Becken erhalten
bleibt. Früher trat das Wasser außer am Devils Gate auch etwa 4 km weiter
südlich am Sheep Corral in Quellen zutage. Die Raymond-Kette kann vom
Arroyo Seco bis zum Santa Anita-Cafion verfolgt werden. Wo sie die Ober-
fläche nicht erreicht, ist ihr Vorhandensein am Unterschied des Grundwasser-
standes zu erkennen, der nördlich etwa 75-90m höher liegt als unmittelbar
südlich der Aufragung (Lit. 241, S. 44). Die Westbegrenzung des Beckens ist
eine Bruchlinie, die, ungefähr parallel mit dem Arroyo Seco, an der Ober-
fläche durch einen Steilhang deutlich wird. Dieser erreicht zwischen Orange
Grove Avenue und Arroyo Boulevard 22 m Höhe und ist vonSouth Pasadena
bis Altadena auf einer Strecke von 8 km zu verfolgen.
Bei Ankunft der Spanier stand das Grundwasser im Pasadena-Becken noch
so hoch, daß es das ganze Jahr hindurch in einer Reihe von Bächen an
der Oberfläche in das eigentliche San Gabriel-Becken übertreten konnte
(s. S. 22). Das veranlaßte die frühzeitige Besiedlung der San Gabriel-Platte.
Mit dem Sinken des Grundwasserspiegels (s. Fig. 15, S. 242) mußte das Wasser
für die Städte der San Gabriel-Platte mehr und mehr erbohrt werden. Man
pumpt es imhöherliegenden Pasadena-Becken, von wo es in Reservoire ge-
leitet wird. Auf diese Weise stieg der jährliche "Wasserexport" vom Pasadena-
Becken zur San Gabriel-Platte von 1913 bis 1925 um 72 Prozent (Lit. 241,
S. 22). Die ersten U.S.-amerikanischen Siedler der Pasadena-Platte faßten
das Wasser am bequemsten in den Arroyo Seco-, Millard-, Las Flores- und
Rubio Cafions vor deren Austritt aus dem San Gabriel-Gebirge und an den
Quellen des Devils Gate und Sheep Corral. Heute ist Pasadena genötigt,
imPasadena-Becken selbst zu bohren, South Pasadena, Alhambra und San
Gabriel müssen bereits südlich der Raymond-Kette pumpen.
Das Material des Hauptbeckens ist so durchlässig, daß bei einer Ober-
flächenabdachung von 9,4 m pro km der Gradient des Grundwasserspiegels
nur 75 cm pro km beträgt (Lit.241, S. Nach Austritt aus dem San
Gabriel-Gebirge sinkt der San Gabriel-Fluß sehr rasch unter sein breites
Geröllbett, das sich in Rio Hondo und San Gabriel-Fluß teilt. Von Nord-
westen münden inden Rio Hondo eine Reihe von Trockenbetten, die heute
als künstliche Entwässerungskanäle der San Gabriel- und Pasadena-Platten
ausgebaut sind. Rio Hondo und San Gabriel-Fluß treten aber unter dem
Einfluß einer wasserundurchlässigen Untergrundaufragung im Alluvium erst
wieder an der Bartolo-Pforte zutage. Dazu kommt, daß hier die tiefste Stelle

des San Gabriel-Beckens ist, so daß alles Grundwasser an diesen Durchlaß
derCahuenga-Kette gedrängt wird. Es ist schon bei EI Monte dicht unter
der Oberfläche, was hier frühe U.S.-amerikanische Besiedlung veranlaßte.
Die erste Mission San Gabriel war an der Westseite der Bartolo-Pforte an-
gelegt worden, mußte aber wegen Überschwemmungsgefahr schon nach
wenigen Jahren verlegt werden. Südlich der Bartolo-Pforte versickert das
Wasser beider Flußarme und bleibt im Untergrund bis in die Nähe des ehe-
maligen artesischen Gebietes des Los Angeles-Beckens.
Im San Fernando-Becken empfängt die sandigere östliche Hälfte(s. S. 34)
die größeren Zuflüsse. Pacoima, Little Tujunga und Tujunga Creeks sind die
Hauptzuflüsse des Los Angeles-Flusses. Vom San Gabriel-Gebirge bringen sie
gewaltige Geröllmengen herunter, die zum Teil zur Betonherstellung genutzt
werden. Im breiten Geröllbett des Tujunga Creek, ebenso wie in dem des
oberen San Gabriel-Flusses stehen heute riesige Geröllbrecher ..
Die winterlichen Wassermassen, die aus den Angeles-Ketten austreten,
breiten sich über die flach nach Süden geneigte Oberfläche des San Fernando-
Beckens. In dessen östlicher, aus groben Sanden und Kiesen aufgebauten
Hälfte sinken sie rasch ein. Infolgedessen ändert sich der Neigungswinkel
des mit der periodisch wechselnden Niederschlagsmenge.
Am Südrande des Beckens ist die Höhe des Grundwassers ziemlich konstant.
Hier tritt es in Quellen an die Oberfläche, die den Ursprung des Los Angeles-
Flusses bilden. Er allein entwässert das Becken. Alles innerhalb des Beckens
genutzte Wasser, das nicht durch Verdunstung oder Pflanzentranspiration ver-
lorengeht, kommt ihm zugute. Die Konstanz seiner Wasserführung, die im
Gegensatz zu der des San Gabriel-Flusses steht, der unmittelbar aus dem Ge-
birge austritt, gewann größte Bedeutung für die städtische Wasserversorgung.
Sie wird nicht unmittelbar von den Trockenperiodengefährdet. Am Ausgang
des Beckens, wo eine Untergrund-Barre den Los Angeles-Fluß ohnehin an
die Oberfläche zwingt, kann das Wasser leicht gefaßt und ohne weiteres zur
, tiefer liegenden Stadt geleitet werden. Ein Teil wird in die hochgelegenen
Reservoire der Highland-Höhen und des Santa Monica-Gebirges gepumpt.
Die Bedeutung des seit 1915 eingemeindeten San Fernando-Beckens für die
städtische Wasserversorgung erhellt daraus, daß noch heute ein Drittel des
gesamten Wasserbedarfs von Los Angeles von hier gedeckt wird'). Jetzt geht
man auch daran, dem Becken das von außen zugeführte Owens River-Wasser,
1) Mitteilung von Mr. D.A. Lane, Los Angeles Dept. ofWater and Power.
das bisher in großen künstlichen, der Verdunstung ausgesetzten Reservoiren
angesammelt wurde, in das Becken auf groß angelegten "spreading grounds"
versickern zu lassen. Man läßt heute auch die Abwässer von San Fernando
HÖHEN UND GEBIRGE.
IN HISTORISCHER ZEIT
ÜBERSCHWEMMT.
UND GEFÄHRDET.
Fig·5· Die ehemaligen Überschwemmungsgebiete von Los Angeles (nach J. W. Reagan)
im Untergrund versickern und ist dabei, das Trockenbett des Pacoima in ein
System von Kanälen aufzuteilen, die das Versickern des sonst oberflächlich
abfließenden Wassers der winterlichen Regengüsse ermöglichen sollen.
Der Los Angeles-Fluß war in seinem Mittellauf zur Zeit der Entdeckung
32
auch im Sommer wasserführend. Er gab Anlaß zu Indianeransiedlung an
seinen Ufern. Damals führte auch der Arroyo Seco noch Wasser und gab unter-
halb seiner Einmündung dem im Unterlauf mäandrierenden Los Angeles-
Fluß für eine kurze Strecke feste Richtung. Am Fuß der Elysischen Höhen war
die bequemste Wasserentnahme für die Plaza-Terrasse. Beides führte zur
Gründung von. Los Angeles an· dieser. Stelle.
Der Unterlauf des Los Angeles-Flusses, der früher stark mäandrierte und
sich vor Eintritt in die See in der Ebene verlor (Lit. 345, IV, S. 244, Lit 358,
H, S. 563, Lit. 489, S. 10), ist heute in einem künstlichen Bett festgelegt.
Ais der Europäer die Landschaft betrat, haben Los Angeles-Fluß und Arroyo
Seco genügend Wasser geführt, um in der Los Angeles-Ebene einen sehr
hohen Grundwasserstand zu erzeugen. Das Grundwasser trat in zahlreichen
"cienegas" an die Oberfläche. Auf den Hollywood- und· Santa Monica-
Platten trat eine Reihe von Cienegas in 1-3 Meilen Entfernung vom Gebirge
auf; der Name des Ranchos Rodeo de las Aguas (heute Beverly HiIIs) er-
innert daran. Ein zweiter Gürtel solcher Grundwasseraustritte zog sich am
Nordrande der Baldwin-Höhen entlang (Rancho La Cienega!). Ballona Creek
ist heute zum wichtigsten Entwässerungskanal der Westvorstädte von Los
Angeles ausgebaut.
Die Bruchzone derDominguez-Kette wirkt grundwasseraufstauend. Sie ließ
ein großes artesisches Gebiet entstehen, das heute verschwunden ist (s. Fig. 15
S. 242). So litten die tieferen Teile der Hollywood-Platte, die obere Ballona-
Niederung und das große Gebiet der heutigen Südvorstadt noch bis vor wenigen
Jahren unter schlechter Entwässerung (s. Fig. 5). In früheren Jahren war das
Gebiet südlich Watts zur Regenzeit stets von Überschwemmungen gefährdet.
Ein alter Lokalitätsname "Green Meadows" weist noch darauf hin. Compton
Creek ist von der County Flood Control zum Entwässerungskanal der Süd-:
vorstadt ausgebaut worden. Das Grundwasser, das zum großen Teil noch
von privaten Wassergesellschaften erbohrt und gepumpt wird, tritt schicht-
weise unter Tonlinsen auf. In den tieferen Lagen steht es unter natürlichem
Druck, der die Wasserentnahme erleichtert.
Das Grundwasser des Küstenvorlandes ist zum Teil unter Meeresniveau ge-
sunken. Salzwasser dringt ein und verdirbt die Trinkwasserversorgung mancher
Randstädte an der Küste (s. Fig. 15). Auch die Abwässer der Petroleum-
raffinerien erhöhen den Salzgehalt des Grundwassers. Die Umgebung des
Nigger Slough-Altwassers ist stets zur Regenzeit überschwemmt. Sie wird
nach Watson und zum Hafen hin entwässert.
3 Wagner, Los Angeles
33
BÖDEN
Die Böden des Südkalifornischen Beckens sind up.ter Zusammenarbeit des
United States Department of Agriculture und der University of California
1915/16 kartiert worden. Die mit den Bodenkarten herausgegebenen Er-
läuterungen bringen Beschreibungen von Oberflächenformen, Klima, Wasser-
versorgung und Anbau außer der genauen Untersuchung der Bodenarten.'
Die Möglichkeit landwirtschaftlicher Nutzung steht dabei im Vordergrunde.
C. F. Shaw hat die Böden in 6 Hauptgruppen eingeteilt. Ursprungsgestein,
chemische Zusammensetzung, Profilcharakter im Endstadium,
Alter (Stadium der Profilentwicklung) und Farbe bestimmen die Boden-
serien, deren es ip. Kalifornien über 170 gibt .. Sie werden nach der Lokalität
ihres typischen Vorkommens benannt und zerfallen weiter nach der Textur
des obersten Horizonts in Bodentypen. Unter den ariden und semiariden
Klimaverhältnissen kommt es selten zur Ausbleichung, so daß die chemische
Zusammensetzung der des Ursprungsgesteins entspricht. Auch der physi-,
kalische Charakter des Ursprungsgesteins ist bei der geringen Entfernung vom
Abtragungsgebiet im unteren Bodenhorizont erhalten. Die Menge der Boden-
typen verwirrt 9,as geographische Bild. Nach ihrem Alter zusammengefaßt,
lassen sie deutlich die großen morphologischen Einheiten der Landschaft er-
kennen, die Gebirgs- und Höhenzüge, die älteren Schutt-Terrassen und die
jungen Schuttkegel. Dazu kommen Dünen und Marsch. So wird die Boden-
karte zur morphologischen Karte (s. Fig. 3). Nach ihrer Herkunft getrennt,
weisen die Böden auf den Gesteinscharakter des Abtragungsgebietes hin:
Granit im San Gabriel- und Verdugo-Gebirge, in den San Rafael-Bergen und
im östlichen Santa Monica-Gebirge, Sedimente im Santa Susana-Gebirge, im
westlichen Teil des Santa Monica-Gebirges und in den Highland- und Re-
petto-Höhen. Das Alluvium der San Fernando-Ebene, das nur von Norden
zugeführt wird, ist daher deutlich in eine West- und Osthälfte geschieden.
Das beeinflußt Anbau und Wasserhaushalt. Die größere Durchlässigkeit des
granitischen Materials macht den östlichen Teil des San Fernando-Beckens zu
einem geradezu idealen natürlichen Wasserreservoir, das seit jüngster Zeit auch
der Mensch nützt., Die Karte (Fig. 3) zeigt, daß im ganzen Gebiet granitisches
Material vorherrscht. Daraus erhellt die Bedeutung des San Gabriel-Gebirges
als Hauptmaterialquelle. In den oberen Teilen der Schuttkegel herrschen
grobe Gerölle vor, die die Hausfundamentierung erschweren. Auch der
34
'I
Nachschub, den heftige Gewittergüsse bringen, gefährdet immer wieder die
Häuser. Trotzdem schieben sich die Villenviertel von Sierra Madre, Alta-
dena und die Siedlungen des La Cafiada-Korridors in diese Zone vor. Mit
der Entfernung vom Gebirgsfuß gehen die groben Schuttböden in kiesige,
sandige und feinsandige Böden über. Bei den älteren Böden dieser Art ist es
zur Ausbildung eines festenB-Horizonts gekommen, der an Wegeinschnitten
gesimsartig hervorragt. Am verbreitetsten unter den älteren Schuttböden ist
die Ramona-Serie. Auf den kleinen Resten der ältesten Schutt-Terrasse, die am
Bruchrand des San Gabriel-Gebirges hochbewegt wurde, ist die Placentia-
Serie ausgebildet. Auf ihr fortgeschritteneres Alter weist die stärkere Rotfär-
bung hin (s. S. 17r Unter den jungen Böden granitischen Ursprungs nimmt
die Hanford-Serie den weitesten Raum ein, vor allem in der Los Angeles- und
Los Nietos-Ebene.
Unter den Böden sedimentären Ursprungs ist die Pleasonton-Serie zu
nennen, die vor allem auf dem alten Santa Monica-Schuttfächer auftritt,
und die besonders fruchtbaren jungen Yolo-Böden. Zu den Böden dieser Art
gehören auch solche, die sich auf sekundär verfrachtetem Beckenmaterial
entwickeln.
Wo der Untergrund wenig durchlässig ist, bilden sich vielfach schwere
dunkle Adobe-Böden.
Die Dünensand-Böden im Hinterland der Küste von Playa del Rey bis
Redondo eignen sich schlecht für Bewässerungskulturen. Mit der Entfernung
von der Küste nimmt dieWasserdurchlässigkeit ab. Hier sind die Sandböden
vorwiegend zum Anbau von Weizen, Heu, Lima-Bohnen und Mais nutzbar
gemacht (Lit. 317, S. 70). Infolge der Bearbeitung wird der Boden aufgelockert
und der Sand der Verdriftung durch den Wind preisgegeben. Windschutz hat
man in Gestalt von Eukalyptus-Baumreihen angelegt, die dem Inglewood-
Redondo-Vorland das Gepräge geben.
Überall, wo anstehendes Gestein freigelegt wird, kommt es zur Bildung von
Primär-Böden, sofern das Relief eine Bodenbildung überhaupt gestattet. Wir
finden sie im Bereich der gefalteten tertiären Deckschichten, im Westlichen
Los Angeles-Hügelland, den Elysischen, Highland- und Repetto-Höhen und
zum Teil am Fuß der höheren Gebirge. Das Relief begünstigt die Bodenab-
tragung (soil erosion), die durch Abbrennen der Vegetation und zu starke
Bestockung noch verstärkt wird.
Marschen finden sich im Mündungsbereich des Ballona Creek und 9,es Los
Angeles-Flusses.Sie sind heute weitgehend drainiert. Außer in den relativ
3*
35
kleinen Marschgebieten kam es zur Salzanreicherung vor dem Nordosthang
der Dominguez-Kette, in einem Streifen, der sich von Culver City bis in die
Los Nietos-Ebene hinzieht, am stärksten in einer Zone nordöstlich und östlich
der Baldwin-Höhen bis Florence Avenue, dem Gebiet der Wasserscheide
zwischen Ballona Creek und Los Angeles-Fluß, - ferner um Compton und im
südwestlichen Teil der Los Nietos-Ebene. Hier entstanden Zuckerrübenkul-
turen. Die Salzkonzentration hat sich im Bereich hohen Grundwasserstandes
und schlechten Abflusses gebildet. Mit dem Sinken des Grundwassers und mit
der künstlichen Bewässerung und modernen Entwässerung hat der Salzgehalt
stetig abgenommen. Wo sich nicht die städtische Besiedlung darüber ausgedehnt
hat, wird in den Gebieten ehemaliger Salzböden an Stelle der Zuckerrübe und
der Luzerne heute vorwiegend Gemüse und Beerenobst angebaut. Wo Groß-
grundbesitz vorhanden ist, finden wir noch extensive Landwirtschaft, Gersten-
anbau auf Regen in der Ballona-Niederung östlich Culver City (Baldwin
Estate) und Weideland nordöstlich der Signal-Höhe (Montana Ranch). Im
Bereich der Salzböden der Hafen-Ebene finden sich keine Kulturen. Mitder
Entwicklung der Häfen von Los Angeles und Long Beach wird das Land zum
Industriegelände.
VEGETATION
Die natürliche Vegetation Südkaliforniens ist der Coastal Chaparral
(Lit.337a), eine hartblättrige Krummholzvegetation, 1-2.m hoch, und je
näher der Küste, desto undurchdringlicher unter dem Einfluß des Nebels.
Im Bereich von Los Angeles bedeckt der Chaparral heute die Gebirge: Santa
Monica- und Verdugo-Gebirge, San Rafael-Berge und den Hang des San
Gabriel-Gebirges .. Bei der Ankunft der Europäer hat er die höheren Teile
der Schuttfächer weithin eingenommen, wo er in isolierten Resten noch zu
finden ist - wahrscheinlich bis nahe an den Bereich hohen Grundwasser-
standes. Jenseits der Angeles-Ketten geht er bei 400-500 m Meereshöhe in
Zwergstrauchsteppe über (Lit.337a). Im Gebirge reicht der Chaparral bis
zu 1500 m Höhe.
Die höheren Teile der Angeles-Kettenwerden von Ausläufern des Sierra
Nevada-Bergwaldes bedeckt mit Big ConeSpruce (Pseudotsuga macrocarpa),
Yellow Pine (Pinus ponderosa), White Fir (Abies concolor), Sugar Pine
(Pinus lambertiana) und Incense Cedar (Libocedrus decurrens). Er muß
früher allgemein tiefer heruntergereicht haben, da die spanischen Missionare
(Kiefer-?) Baumstämme aus dem Gebirge bei der Errichtung der Missions-
gebäude verwandten.
Die Hauptvertreter des Chaparral sind (etwa nach dem Feuchtigkeits-
bedürfnis geordnet):
Live oak .......•........•......• Querclls agrifolia
California walnut ................... Juglans californica
Laurel sumac ..................... Rhus laurina
Buck brush (California lilac) •.......... Ceanothus cuneatus
Manzanita ....................... Arctostaphylus pungens
California sage brush. . . . . . . . . . . . . • . . Artemisia californica
Chamise (greasewood). ...........•... Adenostoma fasciculatum
Black sage ...........•........... Salvia mollifera
White sage (buckwheat) .............. Salvia apiana,
von denen Coast Live Oak der meisten Feuchtigkeit und besten Böden bedarf,
während White Sage, schon ein typischer Zwergsteppenstrauch, die Trocken-
heit am meisten bevorzugt. Dementsprechend verarmt die Zusammensetzung
des Chaparral mit zunehmender Boden- und Lufttrockenheit. Die Coast Live
Oak bevorzugt Stellen hohen Grundwasserstandes - sie tritt heute noch in
verhältnismäßig dichten Beständen auf der Raymond-Kette auf (Oak Knoll
und Baldwin Ranch). Sie findet sich ferner an den Nordhängen, an denen auch
die California Walnut auftritt. Auffallend ist der Unterschied gegenüber den
Südhängen, an denen Ceanothus, Artemisia, Chamise und Sage vorherrschen,
im Tiefland in die Coastal Sage-Formation übergehend. Bienen lieben die
Blüte des Sage. Das zog schon in den 1860er Jahren Bienenzüchter an, die die
ersten Ansiedler am Gebirgsfuß waren. Mit dem Agrumen-Anbau und der
Besiedlung wurde der Chaparral von den Schuttfächern bis zum Gebirgsfuß
weitgehend verdrängt.
Manzanita zieht die höheren Teile der Gebirgshängevor . Zum besseren Schutz
vor Waldbränden, die während des trockenen Sommers große Zerstörungen
anrichten können, sind die Angeles-Ketten und das Santa Ana-Gebirge als
National Forests unveräußerliches Regierungsland, in denen der U. S.
Forest Service zahlreiche Beobachtungsstationen unterhält. Die Gebirge um
Los Angeles sind zur Erleichterung der Brandbekämpfung von zahlreichen
"fire breaks" von 6-30 m Breite überzogen. Nur in der Nähe der Stadt kann
an Wiederaufforstung gedacht werden. Bei der kürzeren Entfernung vom Ge-
birgskamm zum Gebirgsfuß hat die Erhaltung der dichten Chaparralbe-
deckung überragende Bedeutung für die Verhinderung allzu starken Regen-
abflusses. Oberflächlicher Abfluß und Erosion werden nach großen Bränden
verhängnisvoll gesteigert.
37
Die Pflanzendeckebraucht etwa 25 Jahre, um sich voll zu regenerieren. Es
treten zuerst Gräser und Unkräuter sowie Sprossen von halb abgebrannten
Stämmen auf. Der kalifornische Mohn (Eschscholtzia), der zur Zeit der
Ankunft der Spanier den Schuttkegelvon Altadena bedeckte, konnte sich nach
Abbrennen des Chaparral in auffallender Menge breitmachen. Dann folgen
Sage und Chamise, deren Samen im Boden erhalten bleiben, wenn das Feuer
keine allzu hohen Temperaturen entwickelt. Diese Vorstufe des Chaparral-
Endstadiums wird als Chamisal bezeichnet. Er liebt arme Böden, tritt daher
meist an den Südhängen auf. Erst später kommen die größeren Formen, Eichen-
kratt, Ceanothus usw., die nach und nach den Chamisal verdrängen, es sei
denn, daß die Erosion den Boden schon zu s·tark ausgewaschen hat. Am Gebirgs-
fuß ist der Chamisal die Sukzessionsform des Chaparral, der seinerseits in den
höheren Teilen des Gebirges die Sukzession des Koniferenwaldes darstellt.
Die aus wenig konsolidierten jungtertiären Sedimenten aufgebauten Teile
der Cahuenga-Kette, auf denen sich ein tieferer Boden entwickeln kann,
unterscheiden sich von den aus älteren Sedimenten oder Intrusiven auf-
gebauten Teilen der Gebirge nicht nur durch ihre gerundete Oberflächenform,
sondern auch durch das Fehlen der Ohaparral-Decke. Sie sind kahl, nur von
Gräsern bestanden, vorwiegend wildem Hafer (Avena fatua). Während des
größten Teiles des Jahres bieten diese runden Hügel einen öden Anblick. Nur
vereinzelt treten an ihren Nordhängen die schwarze Walnuß und die imIller-
grüne Eiche auf.
Die sommerliche Trockenruhe der Pflanzenwelt dauert oft -bis in den
Dezember und Januar hinein. Erst nach mehrmaligem Regenfall kommt Leben
in die Vegetation. Die Grasdecke der Hügel ergrünt. Die hartlaubigen immer-
grünen Büsche und Bäume des Chaparral, die vorher grau erschienen, zeigen
auf einmal frisches, dunkles Grün. So erhalten die Höhen und Gebirgszüge
im Winter ein ganz neues Aussehen. Aber auch auf dem Land
der Ebene, das viele Monate öde _aussah, und auf den vielen unbebauten
Grundstücken sprießen jetzt wilder Hafer und andere Gräser. Die einzelnen
Vertreter des Gebirgs-Chaparrals blühen zu verschiedenen Zeiten der Vege-
tationsperiode. Ceanothus erst im April, Adenostoma sogar erst im Juni.
Sobald die trockene Hitze des Sommers einsetzt, verschwindet das Grün. Das
Grasland sieht bald wieder braun aus. Das Blätterwerk des Chaparrals ver-
staubt, wird dadurch graugrün und schließlich mehr oder weniger. grau.
Nur die künstlich bewässerte Vegetation der städtischen Anlagen und Gärten
behält auch den Sommer hindurch ihr frisches; grünes Aussehen.
38
Die wenigen Untersuchungen über die ursprüngliche Vegetation, die in
Tallandschaften der kalifornischen Küstenketten gemacht wurden, die Er-
innerungen der ältesten: Bew.ohner und die Beschreibungen der ersten Spanier
und U. S.-Amerikaner lassen darauf schließen, daß wenigstens die tieferen
Teile der Alluvialbecken ursprünglich Grasland waren. Wir wissen allerdings
nicht, wie weit die Indianer die Entwicklung der Pflanzendecke beeinflußt
haben. Die einheimischen Gräser, wie Leilica, Stipa und andere sind so gut
wie ausgerottet, d. h. sie sind den von Südeuropa eingeführten Gräsern und
vor allem dem wilden Hafer erlegen.
Vereinzelte immergrüne Eichen und einheimische Walnußbäume müssen
wir an den Stellen hohen Grundwasserstandes annehmen. Eicheln und Nüsse
boten den Indianern Nahrung. Dazu kommen an den Wasserläufen die ameri-
kanischen Platanen und Pappeln: Sycamore (Platanus racemosus) und Cot-
tonwood (Populus monolifera) und Erlen, die auch in den Cafions der Ge-
birge zu finden sind. Cienegas waren von Weiden (Salix lasiolepis) bestanden
und an den Trockenbetten der Flüsse, soweit sie nicht reguliert sind, bilden
alle diese Bäume heute noch einen niedrigen Galeriewald.
Den Unterlauf des Los Angeles-Flusses begleitete früher ein dichter Weiden-
wald, der Wildkatzen, nordamerikanischen Waschbären, Dachsen, Wieseln und
"Gophers" Unterschlupf gewährte. An die Koyoten, die noch in den I 880er
Jahren gejagt wurden, erinnert heute nur noch ein Rancho-Name. Der
Weidenwald fiel bald den ersten amerikanischen Ansiedlern zum Opfer.
Die vereinzelten Baumbestände des Tieflandes wurden stets auf den Rancho-
Skizzen vermerkt, die die spanischen und mexikanischen Rancheros vor Besitz-
ergreifung ihres Landes der Regierung einreichten. Rancho-Namen, wie
Encino (encina = immergrüne Eiche) und Sausal Redondo (sauce = Weide)
zeugen von früherem Baumbestand. Ob auch der Name Palos Verdes von
ehemaligem der Palos Verdes Hills (= San Pedro-Vorgebirge) her-
geleitet ist, ist nicht erwiesen.
In der Stadtlandschaft fällt das völlige Fehlen alter einheimischer Bäume
auf. Sie finden sich nur an ganz wenigen Stellen, wie im Santa Monica Cafion
und im Oak Knoll-Distrikt von Pasadena.
Der wilde Hafer, dessenÜberhandnehmen Clements aufÜberbestockung
zurückführt, tritt heute alljährlich an den ungenützten Stellen der Landschaft
auf. Burclover (Medicago hispida) und Alfilerilla (Erodium cicutarium) sind
eingeführte mediterrane Futterpflanzen, die ausgezeichnete Weiden geben.
Auffallend ist die Verbreitung des gelb blühenden wilden Senfes (Brassica
39
nigra oder campestris), der besonders stark nach Regen auftritt und die
schweren Adobeböden bevorzugt.
Von den Sukkulenten wurden die Opuntien früher von den Missionen ihrer
Frucht wegen und als Hecke angebaut. Die Rancho-Skizzen lassen erkennen,
daß sie auch an anderen Stellen der Schuttfächer in Dickichten (nopaleros)
vorkamen.
Seit der Besitzergreifung des Landes durch die U.S.-Amerikaner, besonders
seit der Stadtentwicklung, ist eine solche Vielzahl von Nutz- undZierpflanzen
aus allen Erdteilen eingeführt worden, daß diese heute dem Fremden viel typi-
scher für die Landschaft erscheinen als die einfache einheimische Vegetation.
LANDSCHAFTSWANDLUNG
VOR DEM ERSTEN "BOOM"')
INDIANERLANDSCHAFT
Die Entwicklung, die die Landschaft bis zur späten Ankunft der Spanier
imJahre 1769 durchgemacht hat, verbleibt im Dunkel. Die Indianer, die das
Südkalifornische Becken bewohnten, gehören zur Sprachgruppe der Shoshonen,
die zur uto-aztekischen Völkerfamilie rechnen. Außer dem mittleren und
östlichen Südkalifornien wurden nur die Teile des Staates Kalifornien von
Shoshonen bewohnt, die zur Mohave-Wüste und zum Großen Becken gehören.
Um San Diego und um Ventura und Santa Barbara lebten Indianer anderer
Herkunft und Sprachzugehörigkeit. Im Los Angeles-, San Gabriel- und San
Fernando-Becken sowie auf den Inseln Santa Catalina und San Clemente
wohnten Gabrielinos, die sich nach ihrem Dialekt von den anderen Shoshonen
Südkaliforniens unterscheiden. Font berichtet in seinem Tagebuch, die
Indianer der Mission San Gabriel gehörten den Beneme und den J eneguechi
an, beides Stämme der Serrano-Shoshonen (Lit.345, IV, S. 178). Charak-
teristisch für die südkalifornischen Shoshonen ist die Ortsnamenendung -nga
oder -gna, in Namen wie Cahuenga, Cucamonga, Topanga, Tujunga.
Kulturell unterschieden sich die kalifornischen Shoshonen von ihren Nach-
barn weniger. Trotz verschiedenen Ursprungs waren sie alle Sammler und
Jäger und an der Küste Fischer. Die Gabrielinos jagten fast alle Tiere,
Antilopen, Koyoten, Hunde u. a., die sie mit dem Bogen erlegten. Zur Hasen-
und Vogeljagd hatten sie ebenso wie ihre östlichen und südöstlichen Nachbarn
eine Art Bumerang. Ihre Hauptnahrung bestand indes aus Eicheln und Gras-
samen, die sie in Mörsern zerkleinerten, ferner aus Wurzeln und eingehandelten
Fischen der Küstenindianer (Lit. 358, I, S. 202). Sie wohnten in Dorfgemein-
schaften, die einem Häuptling unterstanden. Ihre transportable geräumige
,) Erklärung des Begriffes Boom auf S. 96.
Kegeldachhütte bestand aus einem Gerüst von Holzpfahlen, um die Binsen-
decken herumgelegt und befestigt wurden (Lit.342 u. Lit. 357, S. 35I). Nur
das kleine Schwitzhaus, das mit Feuer und Rauch erhitzt wurde, hatte ein
Dach aus Erde. Jedes Dorf hatte eine Weideneinfriedigung, Yoba, für reli-
giöse Zeremonien unter freiem Himmel. Die Korbflechterei der Gabrielinos
war dieselbe wie bei fast. allen südkalifornischen Indianern. Töpferei, welche
die südöstlich benachbarten Indianer betrieben, kam bei den Gabrieli,nos erst /

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Fig.6. Stätten der Gabrielino-Indianer im
heutigen Stadtgebiet (nach Kroeber)
"Wenot" ist wahrscheinlich mit "Yabit" und .Hugo
Reid'. "Yang-na" identisch
in der späten spanischen Missions-
periode auf. Dagegen benutzten sie
zum Kochen und zum religiösen Zere-
moniell Specksteingefaße, die auf ein
Steatitvorkommenauf Santa Catalina
L.A. = Los Angeles S.F. = San Femando .
Island zurückgehen und über die. Dör-
fer bei Redondo und San Pedro nach
dem Inneren der Beckenlandschaft ge-
langten. Überhaupt bestand zwischen
Küste und Innerem ein reger Austausch.
Muschelperlen, getrockneter Fisch,
Seeotterfelle und Steatitgefaße wurden
gegen Rehhäute, Samen und wahr-
scheinlich Eicheln eingetauscht. Die
Scheibenperle (der Venusmuschel) war
das allgemeingültige Geldstück. Die
Insel- und Küstenindianer besaßen
Flöße, die aus zusammengebundenen
und mit Asphalt verpichten Holzbret-
tern bestanden. Auf den Lagunen be-
nutzten sie wahrscheinlich "balsas"
aus Binsen.
L.B. = Long Beach S.G. = San Gabrie1
.R.B. = Redondo Beach S.M. = Santa Monica
San Gabriel- und Los Angeles-
Becken waren im Vergleich mit den anderen Teilen Kaliforniens verhältnis-
mäßig dicht bevölkert (Lit. 358, I, S. 202). Die Zahl der Gabrielinos bei Ankunft
der Spanier wird auf 5000 geschätzt. Vorteilhafte Wasserverhältnisse und
reichliche Eichenbestände (Oak KnolI) begünstigten die Niederlassung von
Indianern im südwestlichen San Gabriel-Becken. Nach der Schätzung betrug
die durchschnittliche Bevölkerungsdichte etwa I,O pro qkm im Gegensatz zu
. etwa 0,5 für den Staat.
42
..
Es ist anzunehmen, daß die Gabrielinos ebenso wie die anderen kaliforni-
schen Indianer durch Abbrennen des Chaparrals zur Erleichterung der Jagd
die natürliche Vegetation zugunsten der Ausbreitung des Graslandes verändert
haben. Von der Indianerbesiedlung der· Landschaft sind heute so gut wie
keine Relikte mehr vorhanden. Nur ein paar Muschelhaufen wurden bei San
Pedro gefunden (Lit. I07, S. 33). Auch die Indianer selbst sind verschwunden.
Sie setzten der Kolonisation keinen Widerstand entgegen, und bei der Ankunft
der U.S.-Amerikaner waren sie bereits so gering an Zahl, daß die spätere
Kulturentwicklung uni so ungehinderter sich entfalten konnte. Direkt be-
einftußt wurde wohl nur die Lage der Mission San Gabriel, die im Gebiet
größter indianischer Bevölkerungsdichte gegründet wurde.
Am Westufer des Flußbettes des Los Angeles-Flusses, auf der Flußterrasse
zwischen Aliso- und First Street soll das IndianerdorfYa-ngna gelegen haben,
das der Schotte H ugo Reid in seiner I852 erschienenen Schrift über die
Indianer des Los Angeles County erwähnt. Reid kam I834 nach Kalifornien,
heiratete die Tochter des Gabrielino-Häuptlings und siedelte sich in San
Gabriel an. Auf die spätere Anlage von Los Angeles auf der nahen Nieder-
terrasse hat Ya-ngna sicherlich keinen Einfluß .gehabt.
SPANISCHE MISSIONSfIERRSCHAFT
Die Indianerlandschaft des Südkalifornischen blieb unberührt bis
..
I 77 1. In diesem Jahre gründeten die spanischen Franziskanermönche die Vor-
läufige Mission San Gabriel, nachdem sie zwei Jahre vorher unter dem
spanischen Statthalter PortoIa von San Diego aus auf der. Suche nach der
Bucht von Monterey eine erste Erkundungsreise durch die Landschaft gemacht
hatten. Zwar hatten schon I542 Cabrillo und I602/I603 Vizcaino die
kaliforIJische Küste befahren und dabei Catalina Island und die Buchten von
San Pedro und Santa Monica berührt (Lit. 357, S.47 und 349ff.). Beide
Fahrten galten der Erkundung eines geeigneten Verpftegungshafens für die
alljährlich von den Philippinen zurückkehrende Galeone. Denn um den Passat
auszunutzen, querte diese den Pazifischen Ozean auf der Breite von San
Francisco und bog erst vor der kalifornischen Küste nach Acapulco ab. Auch
wurde Niederkalifornien bereits seit dem Ende des I7.Jahrhunderts koloni-
siert. Aber es bedurfte erst der Bedrohung durch die von Nordwesten heran-
rückenden Russen in der 2. Hälfte des I8. Jahrhunderts, um Spanien zu ver-
anlassen, die oberkalifornischen Küstenlandschaften zu -besetzen. Spanien
43
/
machte so Kalifornien zum Glacis seines mexikanisehen Reiches. Außerdem"
erwachte die Furcht vor England, das auf der erneut angeregten Suche nach
der Nordwestdurchfahrt die Westküste zu besetzen drohte. Die Gefahr winter-
licher Unwetter an der mittelkalifornischen Küste und die ununterbrochenen
Nordwestwinde während des Sommers verzögerten die Erschließung Ober-
kaliforniens von See her um mehr als zwei Jahrhunderte (Lit.419, S. 170).
Dazu kam, daß mit dem Verfall der spanischen Kolonialverwaltung bis zu
den Reformen Karls 111. der Vizekönig über kein .geeignetes Seefahrzeug
mehr verfügte (Lit. 348, S. 353)' Colorado-Wüste und Großes Becken isolierten
die Landschaft von der Landseite und verhinderten das Vordringen der
Spanier von Sonora oder Santa Fe aus. Nach der militärischen Besetzung
Oberkaliforniens durch die Spanier in den 70er Jahren des IB.Jahrhunderts
sorgte das merkantilistische System Spaniens dafür, daß die Landschaft ein
weiteres halbes Jahrhundert der Außenwelt für Handel und Siedlung völlig
verschlossen blieb. Die spanische Krone hatte ?on. der Landschaft nur ein
militärisches Interesse, und die Missionare hielten Siedler grundsätzlich fern,
da diese ihrem Bekehrungswerk nur hinderlich waren.
Die Expedition, die unter Portola, dem Statthalter von Niederkalifornien
. - ,
ausgesandt wurde, zur Aufgabe, in den Buchten -von San Diego und
Monterey militärische Stützpunkte zu errichten. König Karl 111., der mehr
Verständnis für Kolonialfragen hatte als seine -Vorgänger, gab den Franzill-
kanermönchen des Colegio de San Fernando in Mexiko die Erlaubnis zur
Missionstätigkeit im neu zu besetzenden Land. Sie waren die Nachfolger der
ausgetriebenen Jesuiten in Niederkalifornien, und ein Teil von ihnen unter
Serra begleitete von hier aus PortoUts Land- und See-Expeditionen. 1769
wurde die Mission San Diego gegründet. Ende Juli bis Anfang August des-
selben Jahres durchquerte Portohis Landexpedition das Südkalifornische
Becken, im Januar 1770 nochmals auf dem Rückweg. Das Tagebuch des
Franziskanerbruders Crespi gibt eine lebendige Schilderung der Landschaft
(Lit. 343, S. 59-273), die er besonders auf die Möglichkeit ihrer landwirtschaft-
lichen Nutzung und Besiedlung hin betr;:tchtete. Auffallend in der Beschreibung
sind die sich an mehreren Tagen wiederholenden Erdstöße und die:im Hoch-
sommer beobachtete starke Wasserführung der heute trockenen Flüsse Santa
Ana, San Gabriel und Los Angeles. Nur der Arroyo Seco war schon trocken.
Crespi hielt die Ebene am Mittellauf des von Galeriewald bestandenen Los
Angeles-Flusses für geeignet zum Anbau aller Arten von Getreide und Fruchten
und für das beste auf der bisherigen Reise beobachtete Missionsgelände, das
44
alle Vorbedingungen auch für eine größere Ansiedelungzu erfüllen schien. Er
rühmt die Fruchtbarkeit des des Santa und er-
wähnt die ausgedehnten Asphaltvorkommen im Hinblick auf deren mögliche
Nutzung. Daß die Mission San GabrielzweiJ ahre später trotzdem nicht inder Los
Angeles-Ebene, sondern an der Westseite der Bartolo-Pforte angelegt wurde,
ist wahrscheinlich in der Entfernung vom nächsten Halteplatz begründet.
Denn die Missionen sollten je eine Tagereise voneinander entfernt sein. Ferner
war von der Bartolo-pforte aus die Beherrschung beider Teillandschaften, des
Los Angeles- und San Gabriel-Beckens, möglich. Es mag auch die Nähe zur
dichteren indianischen Besiedlung der San Gabriel-Platte maßgebend gewesen
sein. Ohne Zweifel erkannten die· Missionare bei der Wahl des Ortes die
durch Grundwasserstauung an der Bartolo-pfoi'te hervorgerufene oberfläch-
liche Wasserführung der beiden Flüsse Rio Hondo und San Gabriel
Nicht erkannten sie die winterliche überschwemmungsgefahr an dieser Stelle.
So kommt es, daß die Mission fünf Jahre nach ihrer Gründung verlegt werden
mußte. Heute ist von der "Misi6n Vieja" nichts mehr erhalten. Die neue Lage
der Mission in der Mitte der San Gabriel-Platte zwischen Alhambra Wash
und Rubio Wash und 3 km unterhalb der Raymond-Kette war weit günstiger.
Wasserversorgung während des ganzen Jahres war vorhanden (s. S. 30) und
damit die Bewässerungsmöglichkeit gegeben. Die höhere Lage verhinderte,
daß die Ernten durch überschwemmungen gefährdet wurden. Die -Mission
war nun auch den Indianerdörfern bei den Eichenhainen des San Gabriel-
Beckens nahegeruckt, die für die Eingeborenen die Grundlage der Ernährung
bildeten. Für die Überwachung großer Herden war die zentrale Lage im San
Gabriel-Becken ebenfalls günstiger als die Paßlage.
Die starkeIndianerbevölkerung der Landschaft (schätzungsweise 5000)
machte von vornherein eine zweite Mission erforderlich. Allerdings kam es
erst 1797 zur Gründung der Mission San Fernando. Sie Wurde im höheren
nördlichen Teil der San Fernando-Ebene, außerhalb des überschwemmungs-
bereiches angelegt. Ein naher Grundwasseraustritt gewährleistete die Wasser-
versorgung auch den Sommer hindurch. Der Tonboden in der Nähe bot
das Material zur Adobeherstellung
I
) für die Gebäude. Die beherrschende
zentrale Lage der Mission begünstigte ebenso wie bei San Gabriel ausgedehnte
Viehhaltung.
Die Regierungsinstruktionen sahen außer der Anlage von Militärstütz-
punkten an der Küste und von Missionen zur Unterwerfung und Bekehrung
I) Adobe = an der Luft getroCkneter Ziegel.
45
der Eingeborenen die Anlage von Kolonistensiedlungen (pueblos de gente
de raz6n) vor, die den Presidios Lebensmittel liefern sollten. Die Presidios
waren abhängig von den unsicheren Transporten von San Blas an der West-
küste Mexikos. Auch die Missionen hatten bei der großen Zahl derBekehrun-
gen nichts abzugeben, im Gegenteil, sie mußten in den ersten Jahren noch
von San Diego aus mitversorgt werden. Nach der Verordnung des Statthalters
N eve sollte die Zahl der Garnisonen von zwei auf vier erhöht werden. Das
machte die Schaffung von Kolonistensiedlungen, die den Presidios zu unter-
stellen waren, erst recht notwendig. Pensionierte Soldaten und Zuwanderer'
aus Alt-Mexiko sollten in Pueblos angesiedelt werden. Mit der Zeit sollten
die Pueblos den Rekrutenriachwuchs für die Garnisonen abgeben. Der Begriff
Pueblo ist nicht an die Größe der Siedlung geknüpft - sie kann Dorf von
mindestens zehn verheirateten Einwohnern oder Stadt sein -, sondern .an die
Rechte, das Landlehen und die Verwaltung, die sie erhält (Lit. 366, S.48/49).
Der Vizekönig beauftragte Neve, im Lande nach den günstigsten Stellen
für den Anbau von Getreide Umschau zu halten und die Pueblos dort an-
zulegen. Die erste planmäßige Kolonistensiedlung San Jose wurde: 1777 im
Norden des Landes angelegt. Nach demselben von Kar! III. bestätigten Plane
gründete N eve 1781' das Pueblo Los Angeles von San Gabriel aus. Die
Missionare waren darauf bedacht, daß die Siedlungen in genügender Ent-
fernung von der Mission entstanden. Denn Missionssoldaten vergriffen sich
bereits an den Indianern und brachten Unruhe in das Bekehrungs- und
Kolonisationswerk der Franziskaner. Ähnliches fürchtete man Init Recht von
den Siedlern. Trotzdem mußte die Siedlung nahe genug sein, um unter
weltlicher .und geistlicher Aufsicht stehen zu können. Los Angeles wurde
13 km westsüdwestlich von San Gabrielan der von Crespi ursprünglich für
die Mission empfohlenen Stelle angelegt. Der Los wurde vom
Grundwasser des San Fernando-Beckens, dessen einzigen Ausfluß er bildet,
reichlich genährt und führte deshalb auch im Sommer genügend Wasser.
Die Vorbedingung zu stetiger Wasserversorgung und Bewässerung war dort
gegeben, wo der Schuttkegel des einmündenden Arroyo Seco den Los Angeles-
Fluß am Mäandrieren hindert. Hier konnte der Fluß abgedämmt werden,
ohne daß die Gefahr seitlichen Ausbrechens bestand. Hier, wo der Los Angeles-
Fluß in südliche Richtung einbiegt, war das Wa:;;ser leicht auf die westliche
Niederterrasse zu leiten, die eine überschwemmungsfreie Siedlungslage bietet,
während die südwärts breiter werdende überschwemmungsterrasse sich als
gutes, bewässerbares Anbauland zwischen Fluß und Siedlung schiebt. Der
r
Streifen der sich auf eine Erstreckung von 3 km an das west-
liche Los Angeles-Hügelland anlehnt, wird bis zu 1/2 km breit und bietet
Raum genug für eine ländliche Siedlung, bei der es in .erster Linie auf die
Nähe ausgedehnter Anbauflächen mit gutem Boden arikam. Die Einengung
des Siedlungszentrums durch das Hügelland wirkte sich .natürlich später bei
der modernen Großstadt verhängnisvoll auf die Verkehrsentwicklung aus.
Wohl hat bei Ankunft der Spanier ein Indianerdorf, wahrscheinlich das
erwähnte Ya-ngna, am Galeriewald des Los Angeles-Flusses an dessen Mittel-
lauf bestanden. Doch kann von einer Siedlungskontinuität im Sinne absicht-
licher Anknüpfung an das Indianerdorf nicht gesprochen werden.
Die Portola-Expedition von 1769 passierte diese Stelle am 2. August,
nachdem am Tage zuvor die Franziskaner das Fest der Engelsmutter von
Porciuncula (Ortschaft in Italien) gefeiert hatten. Sie nannten daher den
Fluß "Rio' Porciuncula de Nuestra Senora de los Angeles" . Hieraus wurde
der Name für die Siedlung und deren Kirche abgeleitet. Der Siedlungskern
um die Plaza besitzt die Vorteile der Schutz- und Verkehrslage. Er liegt
an der schmalsten Stelle der Niederterrasse unter dem Schutz des Buriker
HilI-Vorsprungs, auf dem, allerdings erst in mexikanischer Zeit, eine Be-
festigung angelegt wurde. Zugleich liegt die Plaza am nächsten zupJ. Fluß-
übergang, dessen Lage ein Vorsprung des östlichen Los Angeles-Hügellandes
bestimmt. Hier an der Plaza bog der über San Gabriel von Osten kommende
Missionsweg nach Südwesten um in Richtung auf den Cahuenga-Paß unter
Umgehung des Westlichen Los Angeles-Hügellandes. Die Siedlung lag so, daß
der Landungsplatz San Pedro ohne Flußüberquerung erreicht werden konnte.
N eves Verordnung von 1779'), nach der Los Angeles gegründet wurde,
sah vor, daß Kolonisten in den älteren Provinzen Sonora und Sinaloa
für Kalifornien geworben wurden. Jedem Siedler sollte ein Wohngrundstück
(solar) im Dörfe und ein Stück Anbauland (suerte) außerhalb zugewiesen
werden. Die Suertes sind die Sortes des altröInischen Kolonialsystems
(Lit. 366, S. 18). Den Kolonisten, nur solchen, die ihre Heimat ver-
ließen, um in Kalifornien zu siedeln - nicht pensionierten Soldaten -, sollten
Vieh, Geräte und Samen zur Verfügung gestellt werden, die sie vom Ertrag
ihres Landes innerhalb von fünf Jahren an die Regierung zurückzuzahlen
hatten. Jedem Kolonisten dieser Art sollten ferner während der ersten beiden
') Abgedruckt in Ann. Publ. of the Hist. Soc. of SQuth. Calif., Bd. XV, Teil I, Lit 427,
S. Englische übersetzung ebenda S.' 180-185, auch bei Dwinelle, Li!. 395, addenda
S.3-8. Die wesentlichen Punkte bei Bancroft, Lit.358, Bd. I. S.336-337'
47
Jahre Kleidung und andere ßedarfsgegenstände im Werte von 116,40Pesos
jährlich, in den folgenden dreijahren im Werte von 60,- Pesos jährlich ge-
g ~ b e n werden. Die Dorfgemeinde hatte das Recht, Regierungsland als Weide
zu benützen und sich Holz und ·Wasser von dort zu beschaffen. Das Pueblo
sollte eine Schmiede erhalten, Als Gegenleistung sollten die Kolonisten ihr
Getreide und ihre FrUchte und Pferde zu Preisen, die von Zeit zu Zeit von der
Regierung den Marktpreisen der südlichen Provinzen entsprechend festgesetzt
wurden, an die Presidios verkaufen. Sie hatten mit zwei Pferden und Gewehr
in militärischer Dienstbereitschaft zu sein. Nach spanischem Brauche mußten
ihre Felder innerhalb der Pueblogrenzen von 4 Quadratleguen (= etwa 72 qkm)
liegen. Ihr Land durften sie weder veräußern noch Schulden darauf auf-
nehmen. Sie waren verpflichtet, Häuser zu bauen, Bewässerungskanäle an-
zulegen, ihre Geräte in Ordnung zu haben und eine bestimmte Zahl Vieh zu
halten. Das Abschlachten des Viehs hatte in gewissen Grenzen zu bleiben,
damit die Vermehrung sichergestellt würde. Andererseits wurde Anhäufung
des Viehbesitzes in einer Hand durch die Vorschrift 'verhindert, daß keinem
Kolonisten mehr als 50 Stück gehören durften. Außerdem hatten sich die
Siedler zu bestimmten Gemeindearbeiten beim Bau und bei der Instandhaltung
von Staudämmen, Bewässerungskanälen, Wegen, öffentlichen Gebäuden und
der Kirche zu verpflichten. Sie sollten die Gemeindefelder (propios) gegen
eine Pacht bestellen, von der die öffentlichen Ausgaben zu bestreiten waren.
Im dritten Jahr war ein öffentlichesVorratshaus zu errichten und im 'vierten
Jahr die Verwaltungsgebäude. Während der ersten fünf Jahre sollten die Siedler
frei von Zehntabgaben und Steuern sein.
Mit Mühe wurden elf Familien in Sinaloa und Sonora zusaIIimengebracht,
sämtlich des Lesens und Schreibens unkundig, von denen neun in San Gabriel
ankamen. Der Plan wurde ausgeführt und 1786,5 Jahre nach der Siedlungs-
gründung, wurden die neun Kolonisten in deri Besitz ihrer Ländereien gesetzt.
An der Lässigkeit der Kolonisten scheiterte zunächst der Zweck des gut aus-
gedachten und für die Kolonisten vorteilhaften Siedlungsplanes, denn einen
Überschußertrag für die Presidios konnten sie nicht erzielen. Dazu kam, daß
die Missionare von San Gabriel an einem Aufblühen der benachbarten 'o/elt-
lichen Siedlung nicht interessiert waren. Die Franziskanermissionen behielten
während der ganzen spanischen Kolonisationsepoche die wirtschaftliche Füh-
rung des Landes in ihren Händen. Schließlich wurden die Garnisonen nicht von
den Pueblos sondern von den Missionen unterstützt. Die Erleichterungen, die den . ,
spanischen Kolonisten gewährt wurden, standen im Gegensatz zu den harten
I
I
./
I
I
Bedingungen, l,lnter denen die Nordeuropäer ohne Regierungshilfe im Osten
des Kontinents siedeln mußten. Beim Ausscheiden der Franziskaner war daher
keine wirtschaftlich widerstandsfähige Bevölkerung vorhanden, die sich gegen.
über den langsam eindringenden, an härteres Leben gewöhnten britisch':' und
deutschstämmigen U.S.-Amerikanern behaupten konnte.
Entsprechend dem Befehl N eves (Lit.358; I, S. 345; Anm. 23) wurde bei
der Pueblo-Anlage zuerst die günstigste Stelle für Staudamm und Bewässe-
rungskanal ausgesucht, so daß ein möglichst großes Gebiet bewässert werden
konnte. Die Siedlung wurde in der Nähe der Felder am Bewässerungsgraben
auf der Niederterrasse angelegt, wobei beobachtet wurde, daß sie den "Nord-
und Südwinden" ausgesetzt sei. Nach den Erfahrungen yon San Jose wurde
ausdrücklich darauf hingewiesen; daß die Ortschaft außerhalb des Über-
schwemmungsgebiets liegen sollte. Von der 200 x 300 Fuß großen Plaza, die
diagonal zu den Himmelsrichtungen angelegt wurde, gingen die Straßen aus,
rechtwinklig zu den Seiten der Plaza mit Rücksicht auf die Winde (I). Die
4. Seite der Plaza war für die Kirche und öffentliche Gebäude bestimmt.
Die Hausgrundstücke (solares) waren20X40 spanische Ellen (varas) groß
(16
1
/ 2 x33 m). Es wurden so viele ausgemessen, wie Feldstücke (suertes) ver-
fügbar waren, also gleich für später kommende Siedler. Das Pueblo-Land
umfaßt 4 Quadrat-Leguen (etwa 7200 ha), ein Quadrat, dessen Seiten von
je 2 Leguen (etwa 8,5 km) Länge mit den Himmelsrichtungen laufen und
das im Abstan:d von 1 Legua (4,25 km) um den Mittelpunkt der Plaza gelegt
wurde. Auf das Bodenrelief wurde keine Rücksicht genommen.
Von den vermessenen Feldstücken (suertes), von denen jedes 200 varas
(166 m) im Quadrat groß war - für den Ertrag von einer "fanega" Mais
berechnet -, sollte jeder Siedter je 2 bewässerbare und 2 nicht bewässerte durch
das Los erhalten - oder 4 bewässerte Sliertes, wenn genügend davon vor-
handen wären, was bei der Verteilung 1786 der Fall war (Lit. 427, S. 220).
Damit erhielt jeder Kolonist etwa II ha Land. Die übrigen vermessenen Fluren
waren Königsland (realengas) ; einen Teil davon erhielt das Pueblo als Ge-
meindeflur (propios), aus deren Verpachtung es Einnahmen erzielen konnte.
Der Rest der Realengas und der Hausgrundstücke (solares) konnte vom
Statthalter an später Kommende, - Kolonisten, pensionierte Soldaten oder
Hinterbliebene von Kolonisten -, verliehen werden, die keine Regierungs-
:zuschüsse mehr erhielten.
Am Rande der Niederterrasse verlief der Hauptbewässerungskanal (s. Fig. 7,
S.50). 1786 wurde das Land zwischen ihm und dem Fluß bis zu 2200 Varas
4 Wagner, Los Angeles
49
VorteIlung der Grundstücke
und Felder:
I
PablO ROd'(gu". INDIANER
Jose Sanegas, INDIANER
Jos. Moreno. MULATIE
::::::: .' SPANIER
BosiUo Rosas, INDIANER
Alejandro Rosas, INDIANER
Antonlo Nil.VarrO, MESTIZE
Manuel Camero, MULATTE
EJ I DOS
Fig.7. Das Pueblo "La Reina de los 'Angeles" 1786
P ROPIOS
I
südlich des Staudamms als Propios vermessen. Südlich daran schlossen sich
die 36 suertes. Ein über 2000 Varas lap.ges Stück Flußaue jenseits des
Flusses verblieb als Realengas (Lit. 427, S. 220).
An den Ausgängen (lateinisch exitus) der Siedlung wurden unverkäuf-
liche Bezirke von 1/2- 1 Legua Ausdehnung als "ejidos" reserviert, die zur
Auf teilung in Hausgrundstücke für spätere Siedler bestimmt waren. Solange
die Ejidos nicht aufgeteilt und· bebaut waren, konnte die Bevölkerqng darin
ein paar Milchkühe und Pferde für eigenen Gebrauch halten. Die spanischen
Kolonialgesetze schreiben vor, daß Solares in den Ejidos erst verliehen
werden dürfen, wenn das Pueblo voll ausgebaut ist. Es ist charakteristisch
für die spanische Kolonialstadt, daß absichtlich eine Siedlungsauflockerung
verhindert wird. Außerhalb der Siedlung, der Ejidos und der Fluren (suertes,
propios und realengas) lagen die "dehesasC<I), (Gemeindeweiden, "prado
boyal"), die verkäuflich waren. Dagegen waren die Solares und Suertes zwar
unverkäuflich und unteilbar, wohl aber vererblieh; Bei Verlassen, Vernach-
lässigung des Landes oder Nichterfüllung der Bedingungen war der Besitz
verwirkt. Aus spanischen Dokumenten der mexikanischen Zeit geht hervor,
daß auch die außerhalb des Pueblo-Gebietes gelegenen Weiden als Ejidos
im Sinne von Gemeindeweiden bezeichnet werden.
2
) Wälder und Gewässer
waren Gemeindeeigentum.
Von der ursprünglichen Einteilung der 4 Quadrat-Leguen ist heute nicht
mehr viel sichtbar. Auf der Niederterrasse hebt sich der Siedlungskern mit den
Ejidos in seiner Straßenführung von der umgebenden Stadt ab. Auf der Fluß-
aue lassen die etwas gewundenen Straßen erkennen, daß hier einst Garten-
land oder Fluren waren. Die ursprünglich quadratischen Suertes sind früh-
zeitig verwischt worden, wahrscheinlich durch Überschwemmungen. Eine
Fluraufteilung mit unregelmäßigeren Grenzen hat sie ersetzt. Während die
I) ."dehesas" ("dehensas", "defensas") vom lateinischen "defendere", verbieten. Es ist
fremden Anwohnern verboten, ihre Herden in den "dehesas" zu weiden. .
2) Vgl. Entscheidung der "Comision de Terrenos Valdios" vom 14. März 1837 über das
Anrecht, das Antonio Ignacio Abila, der Ranchero des Ranchos Sausal Redondo, auf
den Rancho Aguaje de la Centinela zu haben glaubte: " ... N oriega cuando concedio
Sausal redondo ... tubo en consideracion que 10 dara como en calidad de egidos que
reconocia eran de aquella ciudad y franquio que podrian hacerlo los demas vecinos del
Pueblo que quisieran agregarse al mismo paraje. " (MS. unter den Originalen der 580 voll-
ständigen "expedientes", die nach dem Erdbeben von San Francisco 1906 nicht mitve:r:-
brannten und heute im U. S. Public Survey Office in Glendale, California, verwahrt
werden.) - über die Vermessung der "ejidos" von Los Angeles 1846 vgl. Bancroft, Hist.
of Cal., S.627.
4*
51
ersten Kolonisten in der Hauptsache mexikanische Indianer und Mischlinge
waren, bestand der Bevölkerungsnachschub aus Presidiö-Soldaten, die vielfach
aus dem spanischen Mutterlande stammten. Dadurch gewann die Bewohner-
schaft zum Teil mehr spanischen als mexikanischen Charakter.
Seit 1784' wurden grÖßere Landlehen, sogenannte Ranchos oder Sitios
als Weidegebiete (Lit. 395, S. 33/34) ,an Offiziere oder verdiente Soldaten
vergeben, ähnlich wie im Römerreich. Sie sollteri nicht größer sein 'als 3 Leguen
(54 qkm), mußten außerhalb des ,4 Leguen-Bereiches der Pueblos, des
Missionsgebiets und der Indianerdörfer (rancherias) liegen. Ein "Steinhaus"
war auf dem Rancho zu errichten, und es mußten mindestens 2000 Stück
Vieh gehalten werden (Lit.443, S. 347). Als erster erhielt" J ose Maria
V erd ugo 1784 den Rancho San Rafael, der nördlich an Los Angeles grenzte.
Gleichzeitig wurde an Manuel Nieto ein Landbezirk in der "Los Nietos"-
Ebene verliehen. Trotzdem das Land kaum besiedelt war, fanden vorläufig
keine weiteren Belehnungen statt. Bei der Zunahme der Bekehrungen brauch.
ten die Missionen zusehends mehr Land zum Anbau als für Weiden und für
Indianersiedlungen. So wurde Nieto 1796 ein Teil seines Ranchos, für den
er noch keinen beglaubigten Titel' erhalten hatte, wieder entzogen. Die
Mission San Gabriel gab vor, es für ihre Indianer zu benötigen, und Niet<>
mußte alles Land abgeben, das er nicht als Feld oder Weide nützte (Lit. 358, I,
S. 662). Man fürchtete auch, daß das Vieh der RanChos die Indianerfelder
beschädigte und es überhaupt zu Reibereien zwischen Siedlern und Ein-
geborenen käme. Andererseits wäre bei größerer Entfernung der Ranchos von
den Missionen aiIzeitigegeistHche Fürsorge nicht mehr möglich gewesen. In
der spärlichen Vermehrung der Ranchos während der spanischen Koloni-
sationsperiode kommt ebenso wie in der Niederhaltung der Pueblos der sied-
hingshemmende Einfluß der Franziskanerherrschaft zum Ausdruck. Es kommt
noch dazu, daß man beim Fehlen jeglicher Ausfuhr infolge der handelsfeind-
lichen spanischen Kolonialpolitik wenig' Interesse daran hatte, den Vieh-
bestarid zu vermehren (Lit. 358, I, S; 6II). Die Statthalter zogen es vor, Sied-
lern die vorläufige Niederlassung auf dem von ihnen erbetenen Stück Land
unter Vermeidung der Verleihung zu erlauben. Für den "ranchero" hatte das
den Vorteil, daß er nicht zur Erfüllung von Lehensbedingungen verpflichtet
war. Die Kirche konnte die Landentziehung veraillassen. So finden wir am
Ende des Jahrhunderts um Los Angeles ein paar vorläufige, unbestimmt
begrenzte Weidebesitzungen in Händen einiger' Rancheros. Nur zum Teil
erhielten sie oder ihre Nachkommen später den Lehenstitel für ihr Land.
52
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I.
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Der AlcaldeFrancisco Reyes, der sein und anderer Kolonisten Vieh in der
San Fernando-Ebene hielt, verlor seinen Encino Rancho mitsamt dem Haus
1797 an die Mission San Fernando, die in diesem Jahre gegründet wurde.
Weit wichtiger als die Anfange der Weidewirtschaft im San Fernando-·und
Los Angeles-Becken ist die Entwicklung, zu der es im San Gabriel-Becken
unter dem Einfluß der Mission San Gabriel kam. Das Missionssystem
hatte seinen Ursprung in den "Leyes de las Indias" und war zuerst von den
Jesuiten erfolgreich angewandt worden (Lit. 366, S. 33/34). Die Mission er-
hielt das Land nicht als Lehen, sondern hatte nur das Nutzungsrecht bis zur
V<?llendung des Bekehrungs- und Kolonisationswerkes. Die anfängliche mili-
tärische Aufsicht der Missionen führte zu unerwünschten Zwischenfällen in
San Gabriel, welche die sonst bekehrungswilligen Indianer aufwiegelten.
Darauf ent;zog der Vizekönig den militärischen Machthabern die Rechte über
die Indianer, über die von nun an die Missionare unumschränkte Vollmacht
hatten. Eine Soldatenbedeckung blieb bei der Mission.
Die Eingeborenen der weiteren Umgebung wurden durch die materiellen
Vorteile, die ihnen die Mönche boten, vor allem durch die bessere, zubereitete
Nahrung angezogen. Morgens gab es "atoie" , Maisgrütze, mittags "pozole",
ein dickes Suppengericht aus Gerste, Gemüse und Fleisch. Die Eingeborenen
ließen sich freiwillig bekehren und errichteten sich dann außerhalb der
Mission Hüttensiedlungen, sogenannte Rancherias, von denen sie sich nur
mit Erlaubnis der Missionare auf eine bestimmte Zeit entfernen durften.
Anfangs wurden die Häuser der Mission ebenso wie die des Pueblos aus
Holzpfosten errichtet, zum Teil außen und innen mit Lehm verschmiert und
mit einem Dach aus Binsengeflecht versehen. Infolge dieser wenig dauerhaften
Bauweise ist von der "Misieln Vieja" heute nichts mehr erhalten. Die Holz-
häuser der neuen Mission wurden nach ein paar Jahren durch Adobe-Gebäude
ersetzt. Erst 20 Jahre später wurde die heutige Missionskirche aus Stein er-
richtet (Lit. 488, S. 58). Bauholz und Brennholz ~ a r reichlich vorhanden,
denn die San Gabriel-Platte war reichlicher mit immergrünen Eichen be-
standen als heute. Man schlug auch die Bäume in den Cafions des San Gabriel-
Gebirges.
Die erste Weizenernte an der Bartolo-Pforte wurde durch eine Überschwem-
mung vernichtet. Nach Überwindung der Schwierigkeiten, mit denen in den
ersten Jahren gekämpft wurde, übertraf San Gabriel bald alle kalifornischen
Missionen in ~ e r Anzahl der Bekehrungen und dem Umfang der landwirt-
schaftlichen Produktion. Die Mission hatte 1776 bereits 500 bekehrte Indianer
53
(Lit. 345, IV, S. 177178). Pferde, Maultiere, Rinder, Schweine, Schafe und
Hühner hatten die Missionare eingeführt, ebenso Kulturgewächse. Mais
wurde auf bewässerten Feldern angebaut. Der Ertrag an Weizen und Bohnen
wuchs ebenfalls rasch. Die Weizenernte übertraf bald die Produktion des
gewohnten Maises, was bei dessen sommerlichem Regenbedürfnis erklärlich ist
(s.Tabelle 1, S. 291). Die starken Schwankungen der Ernteerträge von Jahr
zu Jahr erklären sich aus der verschieden großen Aussaat und den großen
jährlichen Unterschieden der Niederschlagsmenge. Aus den Erntestatistiken
der Missionen hat Lynch versucht, Niederschlagsstatistiken zu rekonstruieren
(Lit. 209)' Über die Frucht- und Traubenernten sind keine Aufstellungen ge-
führt worden. Der Anbau war aber ebenfalls beträchtlich. So wurde ein Teil
der San Gabriel-Platte in Garten- und Ackerland, der Rest des San Gabriel-
Beckens in eine Weidelandschaft verwandelt. Ähnlich ging die Ep.twicklung
im San
San Gabriel, später auch San Fernando, betrieben Weidewirtschaft in immer
steigendem Maße (s. Tabelle 2, S. 291). Die Viehzucht lieferte Fleisch, Talg
für Kerzen, Leder, Wolle, Milch, Käse und Butter. Zu all den Arbeiten,
sowohl im Felde als auch in der Missionsbewirtschaftung und zu handwerk-
licher Beschäftigung, wurden die bekehrten Eingeborenen unter einem "mayor-
domo" angehalten. Arbeitsungewohnt, wurden sie durch die nun von ihnen
geforderten Anstrengungen geschwächt und starben bei der ersten Krankheit.
Trotz der großen Zahl der Todesfälle nahm die Zahl der bekehrten Indianer
durch Neubekehrungen stetig zu (s. Tabelle 3, S. 292). Die Zahl der ständig
bei der Mission lebenden Indianer überschritt im zweiten Jahrzehnt des
19.Jahrhunderts 1500 bei San Gabriel, 1000 bei San Fernando. 1820 waren
die bekehrten Indianer von San Gabriel in 15 Ranchos um die Mission
verteilt.
Von den industriellen Arbeiten, die die Indianer in San Gabriel verrichteten,
legen die. erst jüngst ausgegrabenen steinernen Anlagen Zeugnis ab. Große
Gerberbecken, Becken als Behälter der Kessel zur Seifenherstellung, Riesen-
backöfen und Reste von Entwässerungskanälen sind freigelegt worden. Über
die Deutung mancher jetzt ausgegrabenen Anlagen dieser Art, die kaum über
100 Jahre alt sind, sind sich die Archäologen ebenso im unklaren wie in Europa
über Jahrtausende alte Funde. 1810/11 wurde am Ausgang des Kewen
Cafion am Fuß eine Getreidemühle errichtet, die jüngst
renoviert wurde. Eine neue Getreidemühle wurde einige Jahre später näher
an der Mission erbaut. Der Aufschwung der Missionsindustrien von San
54
Gabriel zu Beginn des 19. Jahrhunderts geht vor allem auf die
des Mönches Zalvidea zurück, der von 1806 bis 1827 in San Gabriel statio-
niert war.
Auch vom Standpunkt des Verkehrs war San Gabriel die wichtigste der
kalifornischen Missionen. Hier trafen sich die Routen von San Diego und die
beiden vom Colorado und von Santa Fe, von denen die eine über den San Felipe-
Paß, die andere über den Cajon-Paß in das Südkalifornische Becken eintrat
(Lit.443, Karte). Zwischen 1770 und 1780 wurde diese Landverbindung
von Sonora her durch mehrere Expeditionen erforscht. Die Kolonisten, die
im nordwestlichen Mexiko für Los Angeles geworben wurden, kamen noch auf
dieser Landroute. 1781 wurde die Expedition des Rivera von den Yuma-
Indianern niedergemetzelt, die auch die am unteren Colorado errichteten
beiden Missionen zerstörten, und die Landverbindung wurde nicht mehr be-
nutzt. Der Plan, eine Kette von Missionen von Sonora bis San Gabriel zu er-
richten (Lit.345, I, S. 168/69), mußte aufgegeben werden. Damit blieb die
Landschaft für ein weiteres halbes Jahrhundert isoliert und auf den Seeweg
angewiesen.
Während der Unabhängigkeitsbewegung in Mexiko wurde Kalifornien mehr
und mehr auf sich selbst gestellt. So wurden die Garnisonen immer stärker
von Missionen abhängig, von denen sie sich versorgen mußten. Die
Missionen, unter denen San Gabriel an erster Stelle stand, waren die In-
dustrie- und Handelszentren des Landes. Was San Gabriel nicht selbst her-
stellen kOI).nte, handelte es gegen Getreide, Häute und Talg von Kauffahrtei-
ein (Lit. 397, S. 119), die jetzt anfingen, die Küste anzulaufen.
Mit dem Anwachsen der Missionsbevölkerung und der Herden beanspruchte
San Gabriel die Laguna- und Los Nietos-Ebenen <;tls Weideland. 1820 weideten
bereits 800 Pferde von Los Angeles in der Laguna-Ebene (Lit. 397, S. 113).
Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Bevölkerung von Los Angeles und
dem Statthalter in Monterey. In dem Streit berufen sich die Missionare auf die
Anforderungen, die an sie gestellt werden und denen sie nur gerecht werden
könnten, wenn ihnen das Weideland der Ebene zur Verfiigung stehe. Eine
Ausdehnung der Schafweiden gegen das San Gabriel-Gebirge sei nicht möglich,
weil von dort her die noch heidnischen oder entlaufenen Indianer die Herden
beraubten. Außerdem würden die Schafe im Dorngestrüpp des Chaparrals und
am halb abgebrannten Holzbestand ihre Wolle abstreifen (Lit. 397, S. 115).
Die Missionare sollten die Indianer selbständig machen. Danach sollten die
Missionen in Pueblos umgewandelt werden. Das war der Gedanke, der dem
55
Missiortssystem ursprünglich zugrunde lag (Lit. 395, S. Anstatt dessen
gewannen die Missionen immer mehr an Macht, hinderten die Entwicklung
des Pueblos Los Angeles und 'nahmen den Einzelsiedlungen den Raum. Als
die Säkularisierungsbestrebungen nach der mexikanisehen Unabhängigkeit
Erfolg hatten, hatte das Missionssystem zur Folge, daß die an dauernde Be-
vormundung gewohnten Indianer restlos und widerstandslos den spanischen
Siedlern preisgegeben wurden und rascher untergingen, als es bei größerer
Selbständigkeit der Fall gewesen wäre. Dabei sollten durch Enteignung der
Kirche .gerade die Indianer in den Besitz ihres Landes und der Herden gesetzt
werden (Lit. 369, S. 283).
Unter der mexikanischen Regierung wurde das Land rasch in Lehen auf-
geteilt (s. Fig. 8). Seit der Säkularisierung, die 1834 durchgeführt wurde, be-
warben sich die Siedler um Verleihung von Ranchos im San Gabriel-Becken.
Es blieb schließlich nur ein Bezirk um die Mission übrig, der nach der Säku-
larisierungsvorschrift in unveräußerlichen kleinen Stücken an einzelneMis-
sionsindianer vergeben wurde (Lit. 366, S. 46). Die Indianer versäumten aber,
sich Titel für diese Landstücke geben zu lassen, wodurch sie bei der
Besetzung des Landes durch die U.S.-Amerikaner ihren Besitz endgültig ver-
loren. Die Mission San Gabriel besteht nach der Säkularisierung als einfache
Kirche bis heute weiter. San Fernando wurde 1846 aufgegeben, mitsamt dem
Missionsland als Rancho vergeben, und das Gebäude verfiel. Heute wird die
Mission als Sehenswürdigkeit erhalten. Sonst sind aus der Periode der Mis-
sionsherrschaft in der heutigen Landschaft keine Relikte mehr vorhanden.
EXTENSIVE WEIDEWIRTSCHAFT
Das 'Völlige Fehlen einer Überlandverbindung seit 1781, die koloniale Ab-
schließungspolitik Spaniens und die Missionsherrschaft hatten für Los Angeles
Isolierung und Stagnation zur Folge. Geeignete nichtspanische Siedler konnten
l1icht zuwandern, eine auf Ausfuhr gestellte Produktion konnte sich nicht ent-
wickeln und der Handel, soweit er überhaupt möglich war, lag in Händen der
Mission. Mit der mexikanischen Unabhängigkeit, die 1822 erklärt wurde,
änderten sich diese Bedingungen. Schon vorher liefen fremde Handelsschiffe
gelegentlich den Landungsplatz bei San Pedro an, 1820 kam von einem dieser
Schiffe der nach Los Angeles, 1826 wurde
die Überlandverbindung vom Mississippi her gefunden, und 1834 wurden San
Gabriel und San Fernando Init den übrigen kalifornischen Missionen unter
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weltliche Verwaltung gestellt. 1805 landete das erste U.S.-amerikanische
Schiff bei San Pedro. Kalifornien wurde dadurch dem Welthandel geöffnet .
. Die mexikanische Regierung erließ 1824 ein Gesetz zur Begünstigung von
Siedlern. Kalifornien wurde erneut als Strafkolonie benutzt. Daneben nahm
die Vergebung von Ranchos zu, besonders seit der Säkularisierung der Mis-
sionen. 'Gm Los Angeles entstanden auf Weidewirtschaft gestellte Einzel-
siedlungen. Der Viehbestand wuchs rasch. Häute und Fett waren die
Produkte, die jetzt bei der zunehmenden Berührung San Pedros durch
Handelsschiffe ausgeführt werden konnten. Bedarfsgegenstände wurden da-
für eingehandelt. Erst jetzt, da die Produkte der Viehzucht Handelswert be-
kamen, konnte die extensive Viehwirtschaft sich voll entwickeln und 40 Jahre
lang das Landschaftsbild beherrschen. Vorher, unter spanischer Herrschaft,
konnte die private Weidewirtschaft nicht recht blühen, denn der. Ranchero
hatte keine Möglichkeit, mit den Produkten seines Viehs Tauschhandel zu
treiben. Seine Rinder und Schafe lieferten ihm lediglich Nahrung und Klei-
dung (Lit.443, S. 348).
Die Ranchos waren eine bis elf Quadrat-Leguen (18-200 qkm) groß,
durchschnittlich 50 qkm. Sie erhielten eigene Namen, die sich bis heute viel-
fach in den Namen von Vorstädten, Bezirken und Straßen erhalten haben.
Mit der Bewilligung von Ranchos, die unentgeltlich von der Regierung ver-
geben wurden, war die Bedingung verknüpft, daß ein Haus darauf errichtet
werde und mehrere Hundert Stück Hornvieh gehalten würden. Das Vieh ver-
mehrte sich sehr rasch, und es kam oft vor, daß ein Ranchero 5000 Stück
besaß. Die Tiere, die durch Brandzeichen markiert waren, verliefen sich beim
Fehlen jeder Umzäunung bis. zu 60 und 80 km Sie wurden mehr-
mals im Jahr auf dem Rancho gesammelt, und jeder Ranchero war gesetzlich
verpflichtet, da das Kalben im allgemeinen am Anfang des Jahres stattfand,
im Frühjahr einen "rodeo" abzuhalten, bei dem die anwesenden benachbarten
Vieheigentümer ihr Vieh heraussuchten. Die noch nicht tnarkierten Kälber
folgten ihren Mutterkühen, sobald diese herausgetriebenwurden. Bei einem
Rodeo waren oft 5-8000 Stück Vieh auf einer Quadratmeile zusammen-
gedrängt. Die Herde wurde von berittenen Hirten, "vaqueros", die auch das
Vieh herbeitrieben, zusammengehalten. Die großen Frühjahrs-Rodeos, die
vielfach mehrere Tage dauerten, waren die gesellschaftlichen Ereignisse des
Jahres. Die Vaqueros zeigten dabei gern ihre Geschicklichkeit in der Reit-
kunst und im Werfen des Lassos (riata). Auf jedem Rancho befand sich eine
Hürde (corral), etwa 30-5° m im Durchmesser, in der Pferde und Rinder
57
und besonders nach dem Rodeo die Kälber gebrannt wurden. Dann folgte die
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"matanza", das Schlachten, das von den Vaqueros auf freiem Feld besorgt
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wurde (Lit. 443, S. 349). Das Fleisch der spanischen Kühe-ist und fast
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trocken (Lit. 461, 64). Es war in solchem Überfluß vorhanden, daß man
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Trotz der Menge der Rinder herrschte Mangel an Milch, Butter und Käse,
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denn der Ranchero kümmerte sich nicht um das Melken. Auch hat die spanische
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Kuh nur ein kleines Euter und gibt wenig Milch, sie ist zu lebhaft und eignet
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sich nicht zur Meiereiwirtschaft, die erst mit den Kühen der später zu-
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wandernden U.S.-Amerikaner möglich wurde.

Die Weiden, die von März bis Juli sind, bieten noch bis lS
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Oktober, trotzdem sie trocken uJ!d braun werden, Nahrung genug. Von Ok-
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tober bis Januar magerte aber das Vieh rasch ab, und jährlich verhungerte eine
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große Zahl. Ställe und Stallfütterung gab es nicht. Boden und Klima gestatten l!I'
das (Lit. 461, S. 195).
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Die Rinderzucht wurde nur der Häute und des Fettes wegen betrieben,
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Produkte, die ausgeführt wurden. Es ist klar, daß sich bei der
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wirtschaft, die zur Monokultur wurde, die Lebenshaltung und die gesell-
schaftlichen Verhältnisse der· Rancheros entsprechend großzügig gestalteten.
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16. Jahrhundert von Spanien nach Mexiko exportierten ab. Sie waren klein, 'B
leicht und zäh. Zum Reiten eigneten sie sich ausgezeichnet, was für den Beruf
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der Vaqueros von Wichtigkeit war. Zur Arbeit vor dem Pflug oder Lastwagen
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zuwandernden U.S.-Amerikaner Pferde aus dem Osten mitbringen. Zur

spanischen und mexikanischen Zeit fand der gesamte Verkehr nur zu Pferde
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statt, nicht mit dem Wagen. Wenn die Zahl der pferde zu groß wurde, trieb
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U. S. Public Survey Office, Glendale). Rancho La Brea war ursprünglich ein
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Teil des Ranchos Rodeo de las Aguas. San Jose de Buenos Ayres, genau eine
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Quadrat-Legua groß, und Boca de Santa Monica schneiden winkelförmig in
den Rancho San Vicente y Santa Monica ein, so daß auch für sie eine nach-
trägliche Abtrennung anzunehmen ist.
Das Ranchhaus _lag meistens auf einer Anhöhe vor überschwemmungs-
gefahr geschützt so, daß von ihm aus der Rancho überblickt werden
konnte. Die noch heute erhaltenen Häuser der Ranchos San Pedro, Los
Cerritos und Los Alamitos lassen die Vorzüge dieser Lage deutlich erkennen.
In der Nähe der Ranchhäuser wurden ein paar künstlich bewässerte Gärten
und Felder angelegt. Daraufwurde Getreide, Gemüse und Obst für den eige-
nen Bedarf gezogen. Lortzings Angabe, daß Bewässerung außerhalb der
Mission nicht angewandt wurde, stimmt nicht, wenigstens nicht für die
mexikanische Periode (Lit.426, S.56; vgl. dagegen die Expedientes über
Rancho Sausal Redondo und Aguaje de la Centinela im U. S. Public Survey
Office, Glendale). Trotz des reichen Vieh- und Landbesitzes der Rancheros
war ihr Wohnhaus einfach, einstöckig aus Adobe errichtet, mit einer Veranda
gegen den auf zwei oder drei Seiten vom Hause umschlossenen Garten. Die
Außenwände waren meist gekalkt, und das Dach wurde mit den gewohnten
spanischen roten Ziegeln gedeckt, sofern nicht der bei Los Angelesreichlich
vorhandene Asphalt die Ziegelbedeckung ersetzte. Die Inneneinrichtung war
einfach. Was an Möbeln vorhanden war, stammte vielfach aus Ostasien. Alle
Arbeit um das Ranchhaus wurde von den reichlich vorhandenen Indianern
verrichtet. Bekannt war die Gastfreiheit der Rancheros. Soweit ihr Besitz im
SüdkalifornischenBecken lag, unterhielten sie in der Regel neben ihrem Ranch-
haus auch ein Stadthaus in Los Angeles, dort an den politischen Ereignissen
teilnehmend. Die Ranchobesitzer waren jetzt die eigentlichen Herren der ent-
legenen mexikanischen Provinz, so wie es zur Zeit der spanischen Oberhoheit
die Missionare gewesen· waren.
Wie früher der Missionar, so gewährte jetzt der Ranchero Reisenden Gast-
freiheit in der großzügigsten Weise. Noch 1846 gab es im ganzen Lande kein
Hotel oder Restaurant (Lit.389, S. 36). Zu Mexiko bestanden sehr geringe
Beziehungen, wozu die vorwiegend spanische Herkunft der Ranchobesitzer
beitrug (Lit. 369, S.294).
Bei dem schwachen Einfluß, den die Zentralregierung in Mexiko auf das
entlegene Departamento hatte und bei den fortgesetzten Bürgerkriegen der
kalifornisehen Machthaber, die Los AngeIes mehrmals vorübergehend zum
Regierungssitz machten, wurde das Land immer mehr von Fremden friedlich
durchdrungen. Die meisten kamen zunächst aus Boston, denn der gesamte
60
Handel wurde von 1825 bis 1834 von den Bostoner Kauffahrteischiffen
besorgt, die Konserven und.Baumwollwaren brachten. Da es weder
Telegraphen noch Postwagen gab, die die gelegentliche Ankunft eines solchen
Schiffes hätten melden können, reiste die amerikanische Besatzung selbst durch
das Land, um die Ladung abzusetzen. Gegen Ende der Saison konnten dann
Häute und Fett und bis zur Ausrottung der Otter imJahre 1840 Otterfelle
(Lit. 389, S. 62) eingehandelt werden. Die so bedingte lange Liegezeit des
Schiffes und der Aufenthalt im Lande gab vielen U .s.-Amerikanern Ge-
legenheit, das Land, die freizügige Lebensweise und die Zukunftsmöglichkeiten
kennenzulernen, so daß mancher desertierte und blieb. Einzelne ließen sieh
in Boston schon mit dieser Absicht anwerben (Lit. 389, S. 35). Die Entwick-
lung führte ganz natürlich zur Annektierung Kaliforniens durch die Ver-
einigten Staaten, die im Frieden von Guadalupe Hidalgo 1848 bestätigt wurde.
Die in mexikanischer Zeit mit den Handelsschiffen kommenden Ausländer,
dazu einige Pelz jäger, die sich in Kalifornien ansässig machten, gewannen
rasch an Einfluß und heirateten vielfach in die wohlhabenden spanischen
Familien ein. Damit entstand jene sogenannte spanisch-kalifornische Ge-
sellschaftsschicht, eine auf großen Vieh- und Landbesitz basierte Aristokratie,.
die sich von den nach 1848 kommenden amerikanischen Zuwanderern ab-
hebt. Zu mexikanischer Zeit finden wir in Südkalifornien bereits 100 U.S.-
Amerikaner, 33 Briten, 21 Franzosen, 13 Iren und 4 Deutsche (Lit. 544,
S.237)·
Neben der Verbindung auf dem Seewege festigte sich auch die überland-
verbindung mit den Vereinigten Staaten im Osten immer mehr. Die
beiden wichtigsten Wege vom Mississippi über Santa Fe nach Südkalifornien
waren die Gila-Route, die dem Gila, einem Nebenfluß des Colorado, folgend
über Yuma zum Warner's Paß führte, und der sogenannte Spanish trail,
der durch den Cajon-Paß in das Südkalifornische Becken eintrat. Auf beiden
drangen zuerst Pelzjäger nach dem Südwesten vor, auf dem einen die Pa tties
1827/28, auf dem anderen William Wolfskill 1830/31 (Lit. 349, S. 167/68).
Wahrscheinlich hatte schon J edediah S. Smith, der 1826 vom Großen
Salzsee kommend, in San Gabriel eintraf, den Spanish trail und den Cajon-
Paß' benutzt (Lit.349, S. 137). Weitere Pelzjäger folgten auf beiden Wegen.
Von 1833 bis 1846 bestand ein eifriger Handelsverkehr zwischen Santa Fe
und Los Angeles. Neumexikanische Decken und Wollgewebe wurden gegen
die geschätzten Maultiere von Los Angeles eingetauscht. Der Cajon-Paß war
aber auch die beliebte Einfallspforte der indianischen, mexikanischen und
61
U.S.-amerikanischen Pferdediebe dieser Zeit (Lit.443, S. 289/90). Nach und
nach benutzten den Spanish- und Gila trail auch Emigranten, die sich in Santa
Fe für die überlandexpedition ausrüsteten. 1849 sollen allein 9000 Goldsucher
auf den Südwestrouten nach Kalifornien gekommen sein (Lit. 349, S. 168).
ACKER- UND GARTENLANDSCHAFT
Um die Mitte der 60er Jahre trat die Landschaft um Los Angeles in eine
neue Entwicklungsphase ein. Der bestimmende Faktor dieser Änderung war
die Zuwanderung einer neuartigen Bevölkerungsgruppe, die neue Wirtschafts-
formen in die Landschaft trug. Wohl haben klimatische Ursachen, die Trocken-
jahre 1856/58 und 1862/64 und die Überschwemmungswinter 1859/60 und
1861/62, der Rinderzucht das Ende bereitet. Doch hätte sich diese erholt,
wenn sie sich nicht jetzt unter den veränderten Wirtschaftsvoraussetzungen als
überholt erwiesen hätte.
Die neue Bevölkerungsklasse, die das Goldfieber von 1849 und den
folgenden Jahren in den Norden des Landes gebracht hatte, war eine Aus-
lese von Abenteurern und Leuten von Unternehmungsgeist aus allen Ländern
der Erde. Ende der 50er Jahre begann die Ausbeute der Minen nachzulassen.
Nun war ein großer Teil der Bergleute bereit, sich in andere Unternehmungen,
sei es Handel, Landwirtschaft oder Industrie, spekulativ einzulassen. Diese
Menschen von Unternehmergeist, die bereit waren, alles aufs Spiel Zu setzen
und sich nicht scheuten, immer wieder ganz von neuem anzufangen, brachten
San Francisco hoch und bildeten in diesen Jahrzehnten dessen einheitliche
Gesellschaftsschicht trotz ihrer verschiedenen Herkunft. Naturgemäß wurden
bald die landwirtschaftlichen Möglichkeiten des Südkalifornischen Beckens
erkannt. Die neue Bevölkerung drückte der Landschaft in der Zeitspanne von
1865-1885 den Charakter der stetigen Wandlung auf. In dieser Übergangs-
periode unterschied sich das Landschaftsbild sowohl von der Weidelandschaft
der vorausgehenden 40 Jahre als auch von der Landschaft des folgendeI).
Zeitabschnitts, der die städtische Entwicklung das Gepräge gibt.
Dem rücksichtslosen Unternehmergeist, den die von den Minen her kom-
menden Menschen, vor allem U.S.-Amerikaner, Engländer, Iren und·
Deutsche, mitbrachten, war die an bequemes Leben auf ihren Ranchos ge-
wohnte Bevölkerung des Südens nicht gewachsen. In-
folge der Gewöhnung an den Tauschhandel, der in der spanisch-mexikanischen
Ära üblich gewesen war, konnten diese Rancheros mit Geld nicht umgehen.
Die ersten Jahre nach der Zuwanderung der Goldsucher im Norden hatten den
Viehbesitzern zunehmenden Wohlstand gebracht. Als dieser nachließ, be-
hielten sie ihre großzügigen Lebensgewohnheiten bei, indem sie sorglos sich
Geld borgten. Der hohe Zinsfuß, den der Charakter der Wirtschaft seit Beginn
der Bergbautätigkeit und die Entfernung von den Geldmärkten mit sich
brachten - 2 Prozent monatlich waren nicht ungewöhnlich, 11/2 Prozent per
Monat auf 1. Hypothek auflange Dauer, 2-2
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/2 Prozent auf kurze Dauer und
bei geringster Zweifelhaftigkeit (Lit.461, S. 144) -, ließ sie rasch zu Fall
kommen. Mit der Trockenperiode von 1856/58 setzte diese Entwicklungein.
Im ersten Trockenjahr 1856 starben im Los Angeles County allein 75000 Stück
Vieh (Lit. 389, S. 371) oder mußten geschlachtet werden. In den über':
schwemmungswintern konnte sich das Vieh nicht retten, denn Ställe gab es
nicht. Es ging an Schutzlosigkeit und Kälte ein, und nach der 2. Trocken-
periode boten noch jahrelang die Mengen von Rinderskeletten, die sich
die Cienegas häuften, wo die letzten Vegetationsspuren zu finden waren,
einen trostlosen Anblick (Lit.488, I, S.290). 1856/57 erlebte das besonders
hart getroffene Los Angeles Zinssätze von 5 und 10, ja 15 Prozent monatlich
(Lit·488, I, S.274). Die Rancheros waren gezwungen, Teile ihres Land-
besitzes zu verpfänden oder zu den unerhörten Zinssätzen Hypotheken auf-
zunehmen, die sie nicht zurückzahlen konnten. Damit begann die Aufteil ung
der Ranchos, welche die folgenden Jahrzehnte charakterisiert. Hand in
Hand damit ging die Landspekulation, deren Träger das neue geschäfts-
tüchtigere Bevölkerungselement wurde. Die Auf teilung der großen Land-
komplexe, die 1868 anfing, brachte eine neue U.S.-amerikanische Zu-
wanderung. Die Siedler kamen jetzt unmittelbar- auf dem überlandweg oder
mit dem Dampfer nach Los Angeles (Lit. 488, I, S. 276). Der geschäfts-
gewandte Zuwanderer verstand es nicht nur, die wirtschaftliche Notlage des
spanisch-kalifornischen Großgrundbesitzers, sondern auch dessen Unkenntnis
in den Kniffen der Landgesetze auszunutzen. Im Frieden von Guadalupe
Hidalgo ist der mexikanische Grundbesitz von den Vereinigten Staaten an-
erkannt worden. Im Hinblick auf den kommenden Frieden hatte aber der
letzte mexikanische Statthalter Pio Pico noch rasch zahlreiche Ranchos an
seine Freunde vergeben. Diese Verleihungen wurden nicht anerkannt. Wer
einen Freund bei der Landkommission hatte, welche die Rechtmäßigkeit der
"grants" vor Bestätigung der Besitztitel untersuchte, konnte die Nichtaner-
kennung auch in anderen Fällen zuungunsten des Spanisch-Kaliforniers be-
wirken. Weder der englischen Sprache mächtig, noch mit den amerikanischen
Gerichtsverhältnissen vertraut, war dieser stets im Nachteil. Auch die Grenz-
ziehung fiel häufig zu. seinem Schaden aus. Die mexikanischen Ranchos
waren nur nach natürlichen auffallenden Stellen in der Landschaft begrenzt.
Die U.S.-amerikanische Landkommission schreibt Vermessung vor, ehe Be-
stätigung erteilt werden kann. Bei der Vermessung verlor der Spanier oft
einen großen Teil seines Landes. Die. U.S.-Amerikaner verstanden es oben-
drein, die Vermessung und die Verhandlungen vor der Landkommission
hinauszuzögern, so daß der Ranchero aus wirtschaftlicher Not, um überhaupt
seinen Besitz, den er schon verpfändet hatte, veräußern zu können, mit jeder
Entscheidung sich zufrieden gab. Die Verspätung der Bestätigung, die sich
in der Umgebung von Los Angeles von 1858 (Rancho San Pedro) bis 1882
(Ranchos San Rafael und Boca de Santa Monica) hinzogen, verzögerte Auf-
teilung und Besiedlung, denn nichts ist weniger wünschenswert für den Land-
käufer, als ein unsicherer Besitztitel. Trotzdem siedelten sich auf den Ranchos
vielfach "squatters" an, ohne.Vermessung oder Bestätigung des Ranchobesitzes
abzuwarten.
Nur wenige Ranchos, die sich in Händen geschickter Spekulanten befanden,
haben sich bis in jüngste Zeit gehalten und bildeten Inseln oder Buchten in
der großstädtischen Rancho San Jose de Buenos Ayres wurde erst
nach 1922 aufgeteilt und hat bis dahin, die Siedlungsverbindung von Santa
Monica nach Los Angeles aufgehalten.
Nach der Vermessung der Ranchos wurde gegen 1870 und später das Re-
gierungsland, das zwischen dem Pueblo-Gebiet und den Ranchos und um die
Mission San Gabriel freigeblieberi war, nach dem quadratischen Sections-
System des General Land Survey vermessen. Es konnte danach zum Preise
von $ 1,25 für den acre (0,4 ha) erworben werden (cash sale). Vielfach
hatten sich auf dem Regierungsland schon vorher während der 60er Jahre
Siedler niedergelassen, die 33 Monate nach der Vermessung ihr Stück Land
von verschiedener Größe bis zu 160 acres (64 ha) unter dem Vorkaufsrecht
(preemption law) zu $ 1,25 für den acre erhalten konnten, sofern sie drei
Monate nach registrierter Vermessung ein "declaratory statement" eingereicht
hatten. Sie mußten beweisen, daß sie ihr Land bewohnten und unter Kultur
genommen hatten. An Stelle der Barbezahlung wurde vielfach mit Schuld-
verschreibungen, die einzelne Staaten für Errichtung landwirtschaftlicher
Hochschulen herausgaben (Agricultural College scrips), bezahlt. Ein Teil
des Regierungslandes wurde in Stücken von derselben Größe unter dem
Heimstättengesetz (homestead law) kostenlos an Siedler vergeben, die sich
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verpflichteten, mindestens fünf Jahre auf dem Lande zu wohnen. Unter dem
Einfluß der raschen Wertsteigerung des Landes warteten die Siedler vielfach
nicht die fünf Jahre ab, sondern erwarben das Land vorher zu $ 2,50 für den
acre (commuted homestead), um es zu höherem Preis verkaufen zu können.
Wenn der Boden bereits kultiviert war, stieg sein Wert auf $20,- für den
acre (Lit. 461, S. 197) oder darüber hinaus auf das Zehn- bis Fünfzigfache.
Zu dieser Entwicklung trugen die Landverkäufe der Eisenbahn und des Staates
bei. Dem Staat steht jede 16. und 3.6. Section als "schoolland" zu, also der
18. Teil des Landes, dessen Erlös er zum Bau von Schulen verwenden soll.
Für die "school sectioris", die in meXikanischen Ranchos liegen, konnte er
sich an anderer Stelle im Regierungsland Ersatz aussuchen (State Lieu
se1ection). So erwarb der Staat Kalifornien bereits 1868 südlich und 1873
östlich des Pueblo-Landes von Los Angeles zwei größere zusammenhängende
Gebiete, die er in kleineren Stücken innerhalb weniger Jahre zum vor-
geschriebenen Preis von $ 2,- für den acre verkaufte. Ein Käufer darf nicht
mehr als 640 acres kaufen und muß erklären, daß das Land für dauernde
Besiedlung bestimmt .ist. Das Regierungsland um Los Angeles befindet sich
außerdem innerhalb des Zwanzigmeilenbereiches . beiderseits der beabsich-
tigten Bahnlinie, fällt damit unter die Landschenkung, die der Southern
Pacific-Eisenbahn 1871 von der Regierung gemacht wurde. Innerhalb der
Schenkungszone suchte sich die Eisenbahn die ungeraden Sections aus, so-
fern diese noch nicht besiedelt und vergeben waren. Infolge der raschen
Besiedlung konnte der Landagent der 1876 in der
Umgebllng von Los Angeles nur noch einen Bruchteil der ungeraden Sections
für die Eisenbahn in Besitz nehmen, die nun ihre Landstücke schneHzu hohen
Preisen verkftufte.
Die Verkleinerung oder völlige Veräußerung mancher Ranchos und der
Verkauf von Staatsland, Eisenbahn-, Heimstätten- und Vorkaufsland ermög-
lichten die Vereinigung größerer zusammenhängender Gebiete in einer Hand.
Wildy und Stahlbergs Karte des Los Angeles County von 1877 zeigt
Besitzverhiiltnisse, die erheblich von den früheren· abweichen. Keiner· der
Ranchos um Los Angeles ist mehr unberührt außer Los Palos Verdes, der
unter die Erben aufgeteilt ist, die allerdings Squatter-Prozesse führen müssen
(Lit.555). Andere sind teilweise unter die Erben des ehemaligen Besitzers,
teilweise unter neue Besitzer aufgeteilt, wie Tajauta, La Ballona, San Rafael.
Rancho San Pedro ist am Rande beschnitten, San Jose de Buenos Ayres, La
Brea, Paso de la Tijera, Los Cerritos und Los Alamitos sind unaufgeteilt in
5 Wagner, Los Angeles
fremden Besitz übergegangen. San Jose de Buenos Ayres konnte so bis in d i ~
jüngste Zeit (1923) der Auf teilung widerstehen, was in Händen des ursprüng-
lichen Besitzers oder dessen Erben nicht möglich gewesen wäre. Die beiden
Ranchos Centinela und Sausal Redondo ,zusammen sind Besitz von Free-
man. Von dem großen Rancho San Antonio gehört den Lugo-Erben nur
noch ein verschwindend kleiner Teil. Durch Aufkauf von Staatsland südlich
von Los Angeles konnte trotz Anfechtung (Lit.460) der "Rosecrans T:ract"
als großer zusammenhängender Besitz entstehen, ebenso östlich von Los
Angeles der Rancho Repetto und der Besitz von Temple. Auf dem Gebiet
des Rancho San Antonio erscheinen die Laguna-, Nadeau-und Tweedy-
Ranches und andere große Besitzungen. Als neue Teile des ehemaligen
Rancho San Rafaelsind die Ländereien von Beaudry, Burbank, Dreyfus,
Glasell und Hunter nennenswerte Besitze. Seinen kleinen Rancho aufder
San Gabriel-Platte hat B. D. Wilson durch Landzukaufvergrößert. Daneben
finden wir 1877 besonders westliCh und südwestlich des Stadtgebiets zahlreiche
Farmen von 80 und 160 acres Größe (32 und 64 ha),
Das neue Bevölkerungselement brachte neuartige Formen d.er Land-
wirtschaft in das Südkalifornische Becken. Die Pferde- und Rinderhaltung,
die, an großen Ranchobesitz gebunden ist, kam nach der zweiten Trocken-
periQqe von 1862 bis 1864 nicht mehr hoch. Mit der Auf teilung der Ranchos
rentierte sie sich nicht mehr auf den verIdeinerten Landbesitzungen. Das Land
wurde zu wertvoll. AnihreStelletratdieSchafzucht,dienichtaufdie Alluvial-
böden angewiesen war, sondern in den für Ackerbau weniger geeigneten Teilen
der Landschaft und im Gebirge betrieben werden konnte. In den Gebirgen
Kaliforniens beförderten die Schafe die Ausdehnung des Chaparrals gegen den
Wald, ähi:llich wie in Südeuropa (Lit.358, VII, S. 78). Die Transhumance
wurde in den 50er Jahren von Basken in Südkalifornien eingeführt. Leonis,
Qxarart, Amestoy, Bastanchury u. a. betrieben bereits Ende der 50er
Jahre Schaf zucht in größerem Maßstabe (Lit.5Io, S.3IO). Sie brachten
spanische und französische Merinoschafe nach Südkalifornien. Im Los Angeles
County übertraf 1860 bereits die Zahl der Schafe (95000) die der Rinder
(71000). 1870 wurden hier rund 250000 Schafe gezählt, während die Rinder
auf weniger als 20000 Stück zurückgegangen waren (Lit. 102). Da der Schaf-
besitz nicht ortsgebunden ist, eignet sich diese Art der Viehzucht für Gebiete
und Zeiten, in denen die Landbesitzverhältnisse nicht stabil sind. Erleichtert
wurde die Schafhaltung dadurch, daß die Tiere nie unter Obdach gehalten
wurden, nur nachts trieb man sie in einen Pferch (corral), um sie vor
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Koyoten und vor dem Verlaufen zu schützen. Mit der Zeit griff der Ackerbau
auf die Schafweiden über und drängte die Schafzucht mehr und mehr auf
die Randgebiete der Landschaft zurück. Die meisten großen Ranchos in der
Umgebung von Los Angeles wurden, sofern man sie nicht gleich aufteilte;
bei Besitzwechsel zunächst mit Schafen bestockt. In der Zeit der Geldnot nach
dem großen Rindersterben wurde 1866 der Rancho Los Cerritos anJ. Bixby
und seine Partner, bereits erfahrene Schafzüchter aus dem Norden, verkauft,
die d.en Besitz von 27000 acres (10800 ha) sogleich als Schafweide nutzten
(Lit. 488, II, S. 18). Die Brüder Garnier betrieben in den I 860er und 1870er
Jahren Schaf zucht auf dem Rancho EI Encino in der San Fernando-Ebene
(Lit. 504, S. 221). Sie waren im WolleXport von Los Angeles führend (Lit.5IO,
S.421 u.438). Lankershim erwarb 1869 die Hälfte des San Fernando-
Rancho, mit anderen Interessenten gründete er, die "San Fernando Farm
Association" und bestockte den Besitz von annähernd 60000 acres (24000 ha)
ebenfalls mit Schafen. Wenige Jahre darauf wurde hier bereits mit Weizen-
anbau begonnen (Lit. 510, S. 381 u. Lit. 504, S. 220). Ähnlich im Südwesten
von Los Angeles, wo der Kanadier Daniel Freeman 1873 die Ranchos
Aguaje de ·la Centinela und Sausal Redondo von zusammen 25000 acres
(10000 ha), die er mit Schafen bestockte, zunächst pachtete, dann erwarb
(Lit. 5 I 0, S. 445 u. Lit. 358, VII, S.37). Erst nach dem Verlust von 22 000 Schafen
im regenarmen Winter 1875/76 begann er Gerste und Weizen anzubauen
(Lit.51O, S. 445, u. Lit. 358, VII, S. 37). Nach einer Reihe solcher für die
Schaf zucht verhängnisvoller Trockenjahre ist die Zahl der Schafe, die 1874
482000 betrug (Lit. 456, S.204), bis 1880 auf 330000 zurückgegangen. In
der Verzweiflung, die der Winter 1876/77 brachte, begannen viele Schaf-
züchter, ihre Schafe nach Arizona, Neumexiko oder Utah zu treiben, doch
kamen die meisten Tiereunterw-egs um (Lit. 510, S.507).
Einzelne Versuche mit Bienenzuch t im Norden des Staates hatten Erfolg.
Bald wurde erkannt, daß die Blüten des wilden Salbei (Lit.389, S. 373) im
südkalifornischen Gebirgs-Chaparral von den Bienen bevorzugt werden. Wir
finden Bienenzüchter als erste Siedler an den Hängen der Santa Monica- und
San Gabriel-Gebirge. 1870 produzierte Los Angeles Coun'ty bereits 66000
Pfund Honig, die exportiert wurden.
Der Seidenraupenzucht, für die das Klima geeignet ist, waren die
hohen Arbeitslöhne hinderlich (Lit.461, S. 74). Die Staatsregierung setzte
1867 Prämien aus für Pflanzung von Maulbeerbäumen und Produktion von
Kokons. Das hatte zur Folge, daß in Los Angeles und' Umgebung über
5*
2 Millionen Maulbeerbäume gepflanzt wurden, was zunächst zu großen
Gewinnen, dann zu Überproduktion und· schließlich zum Preissturz und
zum Ende der Industrie führte (Lit.488, I, S.292/93). Cronise war 1868
von dem kommenden Erfolg der Seidenraupenzucht im Südkalifornischen
Becken noch voll überzeugt,. weil er das Klima für sehr geeignet hielt
(Lit. 389, S. 109)'
Auch mit dem Baumwollanbau, der ebenso vom Staat subventioniert
wurde, machte man in Los Angeles vergebliche Versuche. Die Baumwolle
gedeiht zwar sehr gut, war aber konkurrenzunfähig, weil zu weit von den
Märkten entfernt (Lit. 488, I, S. 293/94).
Der Tabakanbau mißlang aus klimatischen Gründen. Immerhin pro-
duzierte das Los Angeles County 1874 100000 Pfund (Lit. 358, VII, S.35).
Seit 1854 wurde chinesisches Zuckerrohr in Los Angeles ohne be-
. deutenden Erfolg angebaut. Man benutzte es zur Herstellung von Sirup
(Lit. 358, VII, S. 36).
Die Senf-Pflanze, die heute allenthalben auf den unbebauten Grund-
stücken wild gedeiht, wurde in der frühen U.S.-amerikanischen Kolonisa-
tionsperiode als Gewürz- und Öllieferant geschätzt (Lit. 358, VII, S. 3'.5).
Zur ÖI- und Fasergewinnung wurde Flachs angebaut. 1879 waren 160 ha
mit Flachs bestanden (Lit. 358, VII, S.31).
Die Hopfen-Produktion in Los Angeles County stieg von 1870 bis 1879
von 17000 auf 56000 Pfund (Lit. 102).
Getreide wurde mit dem Rückgang der Weidewirtschaft in zunehmendem
Maße angebaut, vor allem Mais (Indian corn), Gerste und Weizen. Der
durchschnittliche Ertrag eines Getreidefeldes in Kalifornien ist höher als im
Osten der Vereinigten Staaten (Lit.461, S.55) und in Los Angeles County
höher als im übrigen Kalifornien. Die Trockenheit des Bodens erlaubt das
Pflügen erst, nachdem die ersten starken Regen den Boden etwa 15 cm tief
erweicht haben. Dann folgt die Aussaat. Die Zeit der Ernte fällt in die
Trockenzeit, so daß Scheunen nicht benötigt wurden. Das Dreschen geschah
maschinell auf dem Felde (Lit. 389, S. 353)' Im August und September wurde
das gedroschene Getreide in Säcken verpackt in viereckigen Haufen auf dem
Stoppelfelde aufgespeichert, wo es bis zum Verkaufe blieb. Das Stroh wurde
vielfach verbrannt (Lit. 461, S. 57). Das amerikanische no-fence-Iaw schrieb
dem Farmer Umzäunung seines Ackers vor, wenn er bei Flurschaden infolge
Viehs Ersatz beanspruchen wollte, doch wurde in Kalifornien
die Durchführung dieser Bestimmung bei den hohen Herstellungskosten der
68
Umzäunungen erschwert. An Stelle der vorgeschriebenen Umzäunungsart
entstanden vielfach Weiden- und Kakteenhecken (Lit.461, S. 58), die eine
Art Knicklandschaft schufen. 1873 begann Lankershim in der San Fernando-
Ebene Weizen in großem Maßstabe anzubauen, und 1877 wurde das Ingle-
wood-Redondo-Küstenvorland von Freeman unter Getreidekultur ge-
nommen (Weizen und Gerste, Lit.358, VII, S. 37). So stieg die Weizen-
produktion des Los Angeles County von 1860 bis 1880 von 55000 auf 316000
Scheffel, die Gerstenproduktion von 46000 auf 153000 (1870) und weiter
auf 406000 Scheffel (Lit. 102). Der Weizenexport von Wilmington gewann
an Bedeutung.
Daß neben dem Anbau der Getreidesorten, die im Mittelmeergebiet hei-
misch sind, auch der Anbau von Mais, der doch sommerliche Feuchtigkeit
benötigt, zunahm, ja an der Spitze stand t1860: 85000,1870: 455000,1880:
752000 Scheffel, Lit. 102), ist auf die Herkunft der Siedler dieser Periode
zurückzuführen. Von den U.S.-Amerikanern waren diejenigen, die aus dem
Mittleren Westen kamen, an Maisbau gewöhnt. Dementsprechend wurden
auch die ersten amerikanischen Siedlungen im Gebiet höchsten Grundwasser-
standes, in der San Gabriel-Rio Hondo-Ebene, angelegt. EI Monte besteht
noch heute, während Savannah einging. Beide Siedlungen kamen nicht recht
voran. Trotzdem war die Maisproduktion des Los Angeles County die größte
des Staates. Sie trat nach 1880 hinter die Weizen- und Gersteproduktion
zurück. Das Getreideanbauland des Los Angeles County war 188037000 ha groß,
davon entfielen auf Gerste 16000ha, Weizen 12000ha, Mais 9000 ha (Lit. 102).
Im Gegensatz zur raschen Ausdehnung des Getreideanbaus stimd Las lang-
samere Anwachsen der Obst- und Gemüsezucht, deren Ertrag sich von
1860 bis 1880 etwas mehr als verdoppelte. Die Gartenkultur blieb in dieser Zeit
noch durchaus im Versuchsstadium und nahm erst nach 1880 sprunghatt zu.
Bei den unentwickelten Verkehrsverhältnissen war die Gemüseversorgung der
Bevölkerungszentren des Staates von Los Angeles aus unmöglich. Der Obst-
anbau konnte sich ohne Versandmöglichkeit per Bahn nach dem Osten nicht
rentieren. V cr allem aber konnte die Fruchtkultur erst nach der Entwicklung
der Bewässerung hochkommen. Selbst dann ging die Entwicklung langsam
voran, bis das vielfach strittige Wasserrecht geklärt war und die ersten Jahre
überwunden waren, die der junge Baum braucht, bis er zum Ertrag kommt.
Bereits in den 50er Jahren brachten einzelne Pflanzungsunternehmer junge
Apfelsinenbäume und Samen aus Mittelamerika und Hawaii nach Los
Angeles (Lit. 488, I, S. 295/96). Es ist nicht anzunehmen, daß vor 1857 ein
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I
Apfelsinenversand von Los Angeles nach San Francisco stattfand (Lit. 488, I,
S. 296). In den60erJahren wurde nur aufderÜberschwemmungsterrassevon
Los Angeles bewässert. Neben den Agrumen wurden aus dem Osten und aus
Europa eingeführte Früchte angebaut, in erster Linie Aprikosen, Pfirsiche,
Äpfel, Birnen und Pflaumen, außerdem Oliven. Die Obstbäume wurden
niedrig gehalten, da man ihre frühe Tragfähigkeit nützen wollte. Man
pflanzte sie dicht, um sie vor ,Wind zu schützen und den Boden in ihrem
Schatten nicht zu sehr austrocknen zu lassen (Lit.461, S. 60/61). Die von
den Missionaren eingeführten Obstarten eigneten sich nicht zum Anbau in
größerem Maßstabe. Sie wurden durch Pfropfen mit eingeführten Sorten
veredelt. Schnellerer und kräftigerer Wuchs der Obstbäume im Vergleich
mit dem Osten, frühes Tragen, geringe Wetterschäden und auffallende
Größe der Früchte machten die Veredelungskultur trotz hoher Arbeitslöhne
und sinkender Preise rentabel. Dazu kam, daß der Apfelsinenbau nicht in
dem Maße wie etwa die Baumwollzucht unter der Konkurrenz näherer
Märkte in New York zu leiden hatte. Nachdem Wolfskill in Los Angeles
einen großzügigen Anfang gemacht hatte (s. S. 81), wurde in den 70er und
80er Jahren das San Gabriel-Becken in seinem westlichen, heute städtischen
Teil, und entlang dem Gebirgsrand in eine Apfelsinenpflanzungslandschaft
verwandelt. Diese Wandlung, die mit einzelnen großen Pflanzungsbesitzen in
den 60er Jahren begann, vollzog sich schlagartig, seitdem die 70er Jahre eine
neue Siedlerklasse brachten, die primär vom Klima angezogen wurde. Außer
dem Baumobst wurden Beerenfrüchte (Erdbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren)
um Los Angeles in Menge auf Feldern angepflanzt.
Weinbau wurde bis 1853 nur um die Missionen und zum Selbstverbrauch
getrieben. Die Los Angeles-Traube, welche die spanischen Missionare ins Land
gebracht hatten, lieferte einen dicken, sehr süßen Saft, aus dem ein portwein-
artiges Getränk hergestellt wurde. Mit der Erkenntnis der kommerziellen
Möglichkeiten des Weinbaus, der ja im mediterranen Klima zu Hause ist,
wurden bereits in den 50er Jahren größere Anbauversuche bei Los Angeles
gemacht und andere für die Weinbereitung besser geeignete Trauben aus
Europa importiert. Die Reben wurden nicht an Stöcken gezogen, was eine
erhebliche Arbeitsersparnis bedeutete. Frost-, Hagel- und Sturmgefahr sind ".
gering, wodurch der Weinbau Südkaliforniens gegenüber dem Norden be-
günstigt wurde. Dem Rebenbau im Südkalifornischen Becken stand im Norden
des Staates nur der von Sonoma gegenüber, der aber zunächst erheblich ge-
ringer war (Lit. 461, S. 75ff.). Es bestanden bereits einige Weingärten auf der
Überschwemmungsterrasse von Los Angeles, als 1857 Anaheim im südöstlichen
Los Angeles-Becken als Weinbausiedlung von Deutschen gegründet wurde und
dieser Form der Landwirtschaft im SüdkalifornischenBecken einen starken Im-
puls gab. Die Weinproduktion im Los Angeles County stieg von 1850 bis 1870
von 57000 (etwa 2280001) auf 530000 Gallonen (etwa 2120000 1). Nach
Cronise lieferte die Ernte von 1867 in Los Angeles County 1500000 Gallonen
(etwa 6 Mill.l) Wein und 100000 Gallonen (etwa 400000 1) Branntwein, außer
den nach San Francisco versandten frischen Trauben (Lit'389, S. 106). Damit
wurde der Handel von der Weinausfuhr beherrscht, die 1875 über 1,3 Millionen
Gallonen (Lit.524, S. 316) erreichte. In zweiter Linie kam die Wollausfuhr.
1880 waren über 4000 acres (Iqoo ha) des Countys in Weingärten angelegt.
In der Zeit der Weinernte, September bis Oktober, war Los Angeles bereits
in dieser frühen Periode der Ausflugsort Kaliforniens (Lit. 461, S. 166). Nur
die Sonoma und Napa Counties des Nordens hattt;n eine größere Anbaufläche.
Zunächst blühte dort der Weinbau auf, um San Francisco und die rasch zu-
nehmende Bevölkerung im Norden Kaliforniens zu versorgen. Noch 1867 gab
es in San Frandsco nur ein Haus, das regelmäßig größere Sendungen nach
New York und Boston machte (Lit. 461, S. 79). Wegen der noch ungenutzten
Weinexportmöglichkeiten wies Wimme! seine Landsleute in Deutschland auf
die günstigen Aussichten des Weinbaus und die niedrigen Landpreise und
Pflanzungsunkosten in Kalifornien ausdrücklich hin (Lit.461, S. 79).
Die Zuwanderer aus dem Osten und aus Europa erkannten bereits in den
60er Jahren, welch große Möglichkeiten für die Entwicklung der Kunst-
gärtnerei bestehen (Lit. 461, S. 62/63). Es gibt fast das ganze Jahr hindurch
irgendwelche Blumen, die gerade blühen. Die Blumen behalten ihre Blätter
während des Winters, was einen besonderen Anreiz für die Pflege des eigenen
Gartens bildet und später als Vorzug gegenüber dem Osten von den Grund-
stücksmaklern in ihrer Reklame ausgenutzt wird. Die Möglichkeit, Gärtnerei
ohne Treibhäuser zu betreiben, reizte zum Import aller möglichen seltenen
und empfindlichen Pflanzen. Die geschäftsmäßige Ausnutzung der Garten-
kultur setzte mit der stärkeren Bevölkerungszuwanderung der 80er Jahre
in größerem Maße ein, wodurch nach und nach die Flora der Landschaft
von Los Angeles grundlegend geändert wurde. Schon frühzeitig begann man
auch, viele Arten von Bäumen einzuführen, an erster Stelle den rasch wach-
senden Eukalyptus aus Australien, der zum Windschutz angepflanzt wurde, als
Brennholzlieferant diente und heute der Charakterbaum der Landschaft ist,
zahlreiche Akazienarten und noch viele andere.
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Fischerei wurde noch nicht in Südkalifornien betrieben. Sie begann sich
im Norden des Staates zu entwickeln (Lit.461, S. 131).
Mit der Ausdehnung des Ackerbaues und besonders der Obstpflanzungen
verringerte sich der Bestand anJ agd tieren, besonders der schadenstiftenden,
wie der amerikanischen Antilope und des Bären, sehr rasch. Die Antilope
wurde in den 8rier Jahren trotz Jagdverbotsvon den Pflanzern ausgerottet.
Jagd auf wilde Enten wurde in den Cienegas um Los Angeles noch bei
beginnender .8tadtausbreitung betrieben.
Bei den hohen Arbeitslöhnen, den hohen Zinssätzen, die nur langsam
niedriger wurden, .und dem Mangel eines Massenabsatzes konnten sich
I nd us t ri en vorläufig nicht entwickeln. Das meiste wurde über San Franciscö
importiert (Lit. 461, S. 128/129). Große Mengen des Asphalts von Los Angeles
wurden nach San Rrancisco versandt, wo man seine Eignung als Brennstoff
experimentell festgestellt hatte. Gleichzeitig wurden in den 60er Jahren die
ersten Petroleumbohrungen in Kalifornien bei Newhall nördlich San Fernando
fündig (Lit. 389, S. 1 10).
Der Holzbedarfwurde aus der Sierra Nevada gedeckt. Er war sehr groß,
da die Häuser nach der Gewohnheit der amerikanischen Zuwand.erer aus Holz
errichtet wurden. Die Straßen wurden mit Holz belegt, das no-fence-law
schrieb Holzumzäunung für die Felder vor, wie Wimmel, der in den 50er
und 60er Jahren in Kalifornien ansässig 'war, berichtete, und "flumes" und
"sluices"I) wurden aus Holz hergestellt (Lit. 461, S. 129).
Die AufteiIung des Landes in Farmen und kleinere Ranchos brachte eine
Vermehrung der Einzelsiedlungen nach U.S.-amerikanischem Gepräge :mit
sich. Die Adobe-Bauweise verschwand. Die Farm- und Ranchhäuser wurden
aus Holz gebaut und mit Schindeln gedeckt. Es sind Rahmenhäuser
2
)
nach Muster des Mittleren Westens. Tür- und Fensterrahmen wurden
meist fertig importiert. Sofern noch gebaut wurden, waren
sie jetzt nicht mehr wie in spanisch-mexikanischer Zeit mit Ziegeln gedeckt,
sondern mit Schindeln. Der Adobe wurde in der Nähe des zu errichtenden
Hauses gestochen, um den Transport zu ersparen. Dabei darf Lehm und Ton
nicht rein, sondern muß sandig sein, damit er beim Trocknen nicht springt.
I) Wasserrinnen und -schleusen, die im Bergbau und für Bewässerungs-
anlagen gebraucht wurden.
2) Das (frame house) besteht aus einem Holzgerüst (Rahmen, frame), das
außen und innen mit Latten verkleidet ist. Die Latten der Außenseite liegen meistens waage-
recht übereinander und überdecken sich dachziegelförmig.
.,1. .
Der sandige Lehm wurde mit Wasser und Stroh zu einer kompakten Masse
gemengt. Die Mauern wurden außen wiederum mit Lehm verschmiert. Um
das Zerfließen des Adobes in der Regenzeit zu verhindern, stand das Dach
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mehr als 2 m über. In Los Angeles und in der Umgebung waren die Dächer
aus Asphalt, der aus den Asphaltseen der Nachbarschaft gewonnen wurde.
Das Dach mußte daher flach sein. Über den Dachstuhl wurden Bretter oder
Rohr gelegt, darauf Erde geworfen und Asphalt darüber gestrichen. Bei Frost
sprang er, wurde regendurchlässig, dehnte sich aber wieder aus, sdbald die
Sonne darauf schien. Bei großer Hitze schmolz der Asphalt und tröpfelte auf
die Straße herunter. Die Häuser in der Stadt und ihrer Umgegend waren
zunächst noch einstöckig, von überdachten Gängen umgeben, im Innern war
vielfach nach spanischem Brauche ein offener viereckiger Raum, der mit
Bäumen bepflanzt wurde. Die Arbeit der Adobe-Herstellung wurde in
amerikanischer Zeit zu teuer, seitdem der indianische Arbeiter immer mehr
verschwand. Auch war der amerikanische Handwerker nicht gewohnt, im
Freien in der Sonnenhitze zu arbeiten. Geschäftshäuser wurden bereits häufig
aus Backsteinen errichtet.
Da der Verkehr früher beinahe ausschließlich zu Pferde bewältigt wurde,
gab es fast keine Landstraßen. Wo solche existierten, waren sie schlecht, nach
dem Regen morastig und im Sommer staubig. Der aufkommende Wagen-
verkehr kam Los Angeles zu statten, denn die Schneepässe der Sierra Nevada
bedeuteten für ihn ein Hindernis. So benutzte die Butterfield Stage, die
San Francisco mit dem Mississippi verband, den Weg über Los Angeles und
Yuma. Auf diese Weise an den Verkehr angeschlossen, trat die Landschaft
seitdem aus ihrer Isolierung heraus. In den 60er Jahren bestand bereits
zweimal wöchentlich Omnibusverbindung nach San Francisco. Daneben
fuhr der Dampfer ebenfalls zweimal in der Woche (Lit. 461, S. 193). Außer-
dem ermöglichte der verhältnismäßig leicht zu überwindende Cajon-Paß
einen stärkeren Verkehr zwischen Los Angeles und Utah (Lit. 461, S. 141).
Der Handel war bis in die 70er Jahre noch durchweg nach San Francisco
orientiert, über dessen Hafen alle Ausfuhr und Einfuhr des Staates ging.
San Francisco hatte alle 14 Tage direkte Dampferverbindung nach Panama
und New York oder Boston, während die Waren, die von Südkalifornien
kamen oder für Los Angeles bestimmt waren, umgeladen werden mußten.
Die Kaufleute dieser Zeit, fast durchweg junge Menschen, standen noch unter
dem ,Einflusse der Erregung des Goldfiebers. Sie drückten dem Handel den
spekulativen Charakter auf. Es waren Menschen, denen in Europa und im
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Osten der Vereinigten Staaten die Entwicklung zu langsam ging und die nach
Kalifornien kamen, um rascher Geld zu verdienen. Bei der UnsIcherheit des
Geschäftes und den großen Marktschwankungen war der Zinsfuß ungewöhn-
lich hoch (s. S. 63), wozu zum Teil der unsiehere Wohnsitz des Schuldners
beitrug. Der Getreide-, Woll- und Weinexport war infolge der großen Ent-
fernung Kaliforniens von den Märkten und der teuren Fracht dorthin ebenfalls
mit großen Risiken verbunden, weshalb die Landwirtschaft noch nieht im
Großen betrieben werden konnte. Bis zur Ankunft der Ware im atlantischen
oder europäischen Bestimmungshafen konnte ein erheblicher Preissturz ein-
getreten sein, Rücksendung war bei der hohen Fracht äußerst verlustreich
(Lit.461, S. 147/48). So warteten Landwirtschaft, Handel und Industrie in
Kalifornien im allgemeinen, in Los Angeles im besonderen, auf die Eisenbahn-
verbindung nach dem Osten.
Die Bewohner, die aus den Goldminen nach SüdkaIifornien kamen, brachten
recht lockere Sitten mit. In den 50erJahren war das Spiel noch erlaubt. Das
Temperament und der Dünkel vieler dieser vom Gold ins Land gelockten
Zuwanderer sowie der reichliche Alkoholgenuß trugen dazu bei, daß Er-
mordungen und Totschläge eine alltägliche Erscheinung wurden, denen vor
allem die Indianer zum Opfer fielen. 1855 wurden in Kalifotnien 538 Per-
sonen ermordet (Lit. 461, S. 170). In deri 60er und 70er Jahren ließ die Ro-
heit der Sitten etwas . nach. Die Möglichkeit schnellen Gelderwerbs in jedem
Berufe brachte eine luxuriöse Lebenshaltung mit sich, die sich in Essen,
Kleidung und vornehmer Wohnungseinrichtung ausdrückte.
Die Periode U.S.-amerikanischer Kolonisation war die Zeit des Untergangs
der Indianer. Nach der Säkularisierung der Missionen wurden sie entweder
auf den Ranchos als Arbeiter verwandt, oder sie zogen sich in die Randgebiete
zurück, wo sie wieder verwilderten und Diebstahl Von Vieh und anderen
Dingen betrieben. Inder Umgebung von Los Angeles war die Mohave-Wüste
ihr Rückzugsgebiet, von wo aus sie durch den Cajon-Paß die Mormonen ..
siedlung San Bernardino bedrohten, nachdem eine frühere Zweigmission von
San Gabriel an dieser Stelle bereits den Indianereinfällen zum Opfer gefallen
war. Nur noch wenige Indianer konnten sich in ihren Rancherfas, die aus
Adobehäusern bestanden (Lit. 461, S. 187), um die alte Mission San Gabriel
halten. Hier trieben sie Viehzucht und bauten Obst und Wein an. Zum großen
Teil versklavten sie_aber und gingen im Kontakt mit der rauhen Bevölkerungs-
klasse, die für das Los Angeles der 50er Jahre charakteristisch war, unter.
Der Alkohol, ansteckende Krankheiten und die Feuerwaffen der Amerikanet
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und Europäer gaben ihrien deri Rest. Im Los Angeles County gab es 1852
noch mehr Indianer (4200) als Weiße (4100). Ihre Zahl war 1860 auf die
Hälfte zurückgegangen, und 1870 gab es nur noch 200.
An die Stelle der Indianer trat in dieser Zeit eine neue Bevölkerungsklasse
von größerer Arbeitsausdauer, die Chinesen. Die Nachricht von der Ent-
deckung des Goldes erreichte China, gerade als das Land unter einer der
häufigen Hungersnöte litt, und gab Anstoß zur Auswanderung nach K.ali-
fornien (Lit. 388), vorwiegend aus dem südlichen China (Lit. 461). So sehen
wir viele Chinesen in den beschäftigt. Die fünf oder sechs chinesi-
schen . Gesellschaften, die für sie die Arbeit vermittelten, brachten weitere
Chinesen zum Bahnbau ins Land, mit dem sie in den 7öer Jahren auch
nach dem Süden des Staates gelangten. Im Los Angeles County lebten 1860
nur 11 Chinesen. Ihre Zahl wuchs bis 1870 auf 234. 1880 waren es 1169 und
1890 über 4400 (Lit. 102). Der Chinese ist arbeitsam, genügsam, zuverlässig,
nicht spekulativ und betrinkt sich !licht. Er ist mit niedrigem Lohn zufrieden
und erregte dadurch die Mißgunst der Weißen, was zum Federal Exclusion
Act von 1882 führte (Lit. 461, Lit. 388 u. 504). Die Chinesen, die im Lande
. waren, durften bleiben. Sie fühlten sich nur als vorübergehende Bewohner
des Landes, was ganz natürlich ist, da sie von vornherein das Bürgerrecht nicht
erwerben konnten, und nahmen keine amerikanischen Gewohnheiten an.
Chinesische Frauen gab es nur wenige (Lit.461). Ebenso wie in San
Francisco lebten die Chinesen in Los Angeles abgesondert. Sie waren Arbeiter,
Wäscher, Köche oder hatten einen kleinen Laden. Von ihren Gesellschaften
wurden sie als Landarbeiter zur Kontraktarbeit auf Pflanzungen der Um-
gebungverdingt.
SIEDLUNGSANFÄNGE
In den 1880er Jahren setzte die Periode städtischer Entwicklung ein. Bisher
. haben wir die Kulturlandschaft nacheinander als spanische Missionskolonie
gesehen, als mehr oder weniger unabhängige extensive Weidelandschaft und
schließlich als U.S.-amerikanische Kolonisationslandschaft, in der die Wand-
lung zum Ackerbau vor sich ging. Nun begann der Prozeß der Ausfüllung
dieses Raumes durch die Großstadt und ihre Vorläufer, die Herausbildung
der Stadtlandschaft. Die Umwandlung der Landschaft knüpfte an das Pueblo
Los Angeles an, dessen bisherige Entwicklung innerhalb der geschilderten
aufeinanderfolgenden Kulturlandschaften wir zuvor kurz verfolgen wollen,
um dann die randlichen Siedlungsgründungen der V.S.-amerikanischen Kolo-
nisationszeit kennenzulernen, die zusammen mit Alt-Los Angeles die ältesten
Siedlungskerne der späteren Großstadtlandschaft bilden.
DAS "PUEBLO" LOS ANGELES
Die Kolonistensiedlung von 178 I behielt ihrer Bestimmung gemäß während
der Zeit der Missionsherrschaft den Charakter der Veteranenkolonie.
Trotz eigener stand das Pueblo") praktisch unter dauernder
Militärkontrolle. der Bevölkerung, die benachbarte Mission und
die Entfernung von Mexiko wirkten entwicklungshindernd.
Den' Gründungsbedingungen entsprechend erhielten die aus Sonora und
Sinaloa herbeigeholten neun Kolonistenfamilien 1786 ihre unveräußerlichen
Titel für Wohngrundstück, Felder und Brandeisen zur Markierung des Viehes.
Dabei bleibt dahingestellt, ob die Kolonisten ihrerseits die Bedingungen er-
füllt haben. Jeder sollte innerhalb der ersten 5 Jahre ein Adobehaus errichten,
ein paar Hühner und landwirtschaftliches Gerät besitzen und über eine an-
gemessene Mais-und Weizenernte verfügen.
Die I I Kolonisten von 1781 waren ein Gemisch von Spaniern, Mestizen,
") über den Begriff Pueblo s. S. 46.
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Mulatten, Indianern und Negern. Drei von ihnen, ein Spanier und die beiden
Neger, erwiesen sich als völlig unfähig. Sie wurden mit ihren Familien 1782
ausgewiesen. Mit einem neu aufgenommenen Kolonisten waren es 1786 9 Fa-
milien. Bis 1790 war die Zahl bereits auf 139 (30 Familien) angestiegen, 1800
waren es 315 (70 Familien). Neben der natürlichen Bevölkerungsvermehrung
ist das Anwachsen auf die Zuwanderung der ausgedienten Soldaten von den
Presidios zurückzuführen, die sich mit den Töchtern der ursprünglichen Siedler
verheirateten. Da die Soldaten vorwiegend aus Spanien stammten, gewann die
Bevölkerung von Los Angeles mehr spanischen als mexikanischen Mischlings-
charakter. Von außen kam so gut wie kein Zuwachs. Zwischen 1792 und 1795
kamen ein paar Handwerker von Mexiko, zum großen Teil deportierte Ver-
brecher. Es konnte deshalb den Missionaren von San Gabriel nur willkommen
sein, daß das Pueblo so entfernt lag, daß es den Missionsindianern nicht
schaden konnte. Wer die Messe hören wollte, mußte dazu 14 km bis San
Gabriel zurücklegen.
Zum Zwecke der Verleihung von 1786 wurde eine Art Vermessung vor-
(s. Fig. 7, S. 50). Die Häuser der ersten neun Familien standen an
drei Seiten der Plaza, deren Südwestseite für öffentliche Gebäude und lür die
Kirche reserviert blieb. Von den Ecken und Mitten der drei Seiten gingen
sieben Straßen rechtwinklig aus. Mit der Zunahme der Bevölkerung wurden
weitere Häuser ziemlich unregelmäßig auf den anschließenden Teilen der
Niederterrasse, vor allem nördlich der Plaza errichtet. Die Plaza selbst ist
auf dem nächsten Plan, der 1849 vermessen wurde, nicht mehr an ihrer alten
Stelle (s. Tafel 5). Sie ist nach Süden verschoben, so, daß die Nordecke der
neuen Plaza mit der Südecke der alten zusammenfällt, und zwar-gerade dort,
wo die Kirche steht, die 1818 errichtet wurde. Überschwemmungen können
nicht der Anlaß der Plazaverlegung gewesen sein, denn die neue Plaza liegt
niedriger als die alte. Begründeter scheint die Vermutung Willards (Lit. 524)
zu sein. Er nahm an, daß in den ersten Jahrzehnten vor Errichtung der neuen
Kirche die Plaza allmählich zugebaut wurde, während man später vor der
Kirche von 1818 einen freien Platz ließ, der dann zur neuen Plaza wurde.
Die Häuser waren einstöckig und enthielten vielfach nur einen Innenraum.
Das flache Dach bestand aus Balken von Binsen überdeckt, die anfangs mit
Lehm verschmiert wurden. Später wurde anstatt des Lehms Asphalt vom
benachbarten Rancho La Brea verwandt. Um die Jahrhundertwende bestand
das Pueblo aus etwa 30 Häusern, die ZUm Schutz gegen Indianerdiebe eng
zusammengebaut waren.
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Mit der Zunahme der Bevölkerung nahmen auch die Getreideernten zu.
1800 überschritten sie den Eigenbedarf, so daß der Vorschlag gemacht
wurde, alljährlich 3400 Scheffel Weizen zu 1,66 Pesos der Scheffel an den Markt
von San Blas zu liefern. 20 Jahre vorher waren die Soldaten Kaliforniens noch
von San Blas versorgt worden. Die Arbeit in den Feldern von Los Angeles wurde
in der Hauptsache von ehemaligen Missionsindianern verrichtet, die einen An ...
teil am Ertrag erhielten. Für die Indianer war das bequemer, als das Leben
unter ständiger Beaufsichtigung der Mission, während sich die Pueblo-Be-
wohner auf die faule Haut legen konnten. Um der Zerstörung der Felder durch
das rasch zunehmende Vieh zu begegnen, mußten Umzäunungen errichtet
werden. Die Zahl der Rinder und Pferde stieg von 3000 imJahre r790 auf
r2500 im Jahre r800, beir700 Schafen (Lit. 524, S. 1Or). Die Zunahme muß
auf natürliche Vermehrung zurückzuführen sein. Denn ein Handel war nicht
möglich. Dementsprechend war das Vieh so gut wie wertlos. Es diente nur zur
Fleischversorgung. Hinter den Häusern wurde geschlachtet, und das Gerippe
blieb liegen. Die Wege des Pueblos waren in schmutzigem und staubigem Zu-
stand. Auch der Bewässerungsgraben wurde vernachlässigt und mußte auf
Regierungsbefehl erneuert werden. Auf Anordnung des Statthalters Borica
(r794- r800) wurden Obstbäume und Reben gepflanzt und diese Grundstücke
mit Umzäunungen und Mauern umgeben. Daraus hat sich der Weinbau von
Los Angeles entwickelt. Der sich damit ergebende starke lokale Weinverbrauch
führte zu Trunksucht,worüber sich um r820 die Missionare beschwerten. Zum
Handel irgendwelcher Art konnte es in spanischer Zeit nicht kommen. Ihre über-
schüssige Produktion mußten die Pueblos zu Preisen, die von der Regierung fest-
gesetzt wurden, an die Presidios verkaufen (s. S. 48). Die Postverbindung nach
Mexiko, die einmal im Monat bestand,konntevon den Einwohnern nicht benutzt
werden, denn keiner konnte lesen und schreiben. Die wenigen Reisenden,
die, den Camino Real benutzend, Los Angeles berührten, machten hier
nicht halt, sondern in San Gabriel, wo sie Unterkunftshäuser vorfanden,
Fremde Schiffe durften die Küste nicht anlaufen. Der geringe Handel, der mit
spanischen Schiffen, die in San Pedro ankerten, möglich war, lag in Händen
der Mission San Gabriel, die am Anfang des Jahrhunderts dort ein Lagerhaus
errichtete. r805 wurde das erste Yankee-Schiff anscheinend zufällig nach
San Pedro verschlagen, wo es im Tausch gegen amerikanische Fabrikations ..
artikel mit Schweinen und Schafen versorgt wurde. Trotz des Verbots kamen
seitdem öfters U.S.-amerikanische Handelsschiffe nach San Pedro, anfangs
auf der Suche nach Otterpelzen, später um Rinderfelle und Fett einzuhandeln.
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Seit Beginn der mexikanischenRevolution kamen keine spanischen Schiffe mehr,
so daß seitdem das Land auf die U.S.-amerikanischen Schiffe angewiesen war.
Jetzt blieben Gehaltszahlungen und Proviant für Soldaten, Missionare, den
Statthalter und seine Beamten aus. Damit wurde das Land auf sich gestellt,
und die Missionen mußten es versorgen, was ihre Stellung nur stärkte. Der
Machtzuwachs, den die Missionen in den ersten 20 Jahren des r9.Jahrhunderts
gewannen, drückte sich andeterseits in einer Stagnation der Entwicklung
des Pueblos aus. In San Gabriel blühte Handwerk, Acker- und Gartenbau
mehr als zuvor. Nach dem verhältnismäßig raschen Anwachsen der Pueblo-
Bevölkerung bis r800 stieg ihre Zahl bis r8ro nur von 3r5 auf 365. Rinder
und Schafe nahmen an Zahl ab, und der Ertrag der Ernten wuchs nicht weiter
(Lit. 524, S. rr7). Seit r806 wurde Hanf in größerem Stil für den spanischen
Markt angebaut, doch wurde durch den Ausbruch der Revolution in Mexiko
r8r r die Verbindung mit dem Mutterland unterbrochen und der Hanfanbau
aufgegeben. Im Gegensatz zur Aktivität von San Gabriel stand die Passivität
von Los Angeles. r8r6 waren von 9rFamilienoberhäuptern 7 Ranchobesitzer
in der Umgebung, 20 Landbesitzer im Pueblo; 24 arbeiteten auf dem Ge-
meindeland, das im Laufe der Zeit in ihren Besitz überging; 40 waren landlos,
von diesen arbeiteten 25 für andere, die übrigenr5 lebten, ohne zu arbeiten.
In diesem Jahre, 35Jahre nach der Gründung, war von den ursprünglichen
Siedlern nur noch einer vorhanden und nur je ein Nachkomme von zwei
anderen.
Nach der mexikanischen Unabhängigkeit wurde Los Angeles dasZentrum
derWeidelandschaft. Die Bevölkerung nahm durch natürlichen Zuwachs
weiter zu. r830 hatte ihre Zahl r200 überschritten. Von außen war nur ein
neuer Verbrechertransport aus Mexiko dazu gekommen, der das ohnehin
niedrige moralische Niveau des Pueblos weiter herabdrückte.
Wie die Karte von r 849 zeigt, war die ursprüngliche Abgrenzung der
Felder längst verwischt (s. Tafel 5). Überschwemmungen sind in erster Linie
dafür verantwortlich zu machen. Willard berichtet,daß r8r5 der Fluß
seinen Lauf an den Fuß der Niederterrasse verlegte, um bei einer noch
größeren Überschwemmung r825 wieder in sein altes Bett zurückzukehren.
Diese Überschwemmung vernichtete das "Waldland" (wahrscheinlich Weide ..
gebüsch, Erlen und Platanen) zwischen Los Angeles und San Pedro und schuf
dem Fluß ein Bett bis zur See, wodurch das Überschwemmungsland, in dem
die Bäume wuchsen, dräniert wurde. Zweifellos sind in der spanischen Kolonial-
zeit die Baumbestände im unteren Teil der Angeles-Ketten zu Bauzwecken
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(s. S.53) weitgehend abgeschlagen worden. Die dadurch verursachte Ver-
nichtung der Bodenkrume im Gebirge mußte für die Tallandschaft größere
Heftigkeit der Überschwemmungen zur Folge haben. Mangels Beweismaterials
über die Ausdehnung der Abholzung muß dahingestellt bleiben, ob erst da-
durch, also erstmalig 1825, der Los Angeles-Fluß Kraft genug erhielt, sein
Bett bis zum Meere zu verlängern.
In mexikanischer Zeit verlagerte sich das Kulturzentrum von der Mission
zum Pueblo. Los Angeles trat wirtschaftlich das Erbe von San Gabriel an,
Der Reichtum der Landschaft hatte San Gabriel zur blühendsten der kali-
fornischen Missionen gemacht. Nach Ausschluß dieser Konkurrenz wurde
Los Angeles der natürliche Siedlungsmittelpunkt der besten Ranchos der
Provinz. Boden und Klima machen Los Angeles seit seiner Gründung zur
größten Siedlung Kaliforniens mit Ausnahme einer Zwischenperiode von
6oJahren, in denen San Francisco durch das Goldfieber von 1849, das die
Entwicklung nach dem Norden verlagerte, einen Vorsprung hatte. Es kommt
dazu, daß das Gold gerade bei Beginn der Verkehrsentwicklung gefunden
wurde, so daß sich diese nicht nach den natürlichen Bedingungen richtete,
sondern nach dem vorübergehenden wirtschaftlichen Vorsprung des Nordens.
Der Vorsprung wurde geringer, der Norden konnte aber erst vom Süden
überholt werden, als die Verkehrsbedingungen sich änderten und die natür-
lichen Vorteile des Südens in der neuen Verkehrsentwicklung zum Ausdruck
kommen. Diese Änderung tritt ein, seitdem das Automobil die Vormacht-
stellung der Eisenbahn immer mehr einschränkt. Heute steht Los Angeles
wieder an der Spitze.
Mit dem Beginn nichtspanischer Zuwanderung setzte in der EntwiCklung
des Pueblos die Einzelinitiative ein. Die Gartenkultur von San Gabriel wurde
auf die Fluß aue von Los Angeles verlegt. Einzelne Reben und Fruchtbäume
wurden von dort hierher verpflanzt. Die Bewässerungskanäle (zanjas) des
Pueblos und die bewässerte Fläche wurden nach Süden ausgedehnt. Händler
von Neumexiko fingen an, nach Los Angeles zu kommen, um ihre Webwaren
(sarapes) gegen Maultiere einzutauschen, die auf dem Pfad zwischen Santa Fe
und dem Missouri gebraucht wurden (Lit. 232, S. 19)' Von den vereinzelten
Pelzjägern, die vom Norden und Nordosten kamen, blieben einige in Los
Angeles. Die Mehrzahl der Ausländer kam zur See auf englischen oder ameri-
kanischen Schiffen.
1835. wurde Los Angeles vom Pueblo zur Ciudad erhoben. In dieser Zeit
beginnen die Dokumente des Stadtarchivs. Im Siedlungsbild hatte sich nicht
80
viel geändert. 1817 wurde eine Schule eröffnet, 1818 die Kirche fertiggestellt,
vor der sich die neue Plaza herausbildete. Vngenaue Landtitel erschwerten
den Landverkauf. Erst von den V.S.-Amerikanern wurde 1849 Leutnant
Ord beauftragt, das Pueblo und alle seine bebauten Felder zu vermessen.
Die damaligen Feldwege erkennen wir noch im . heutigen Stadtbild. in
North Main Street, AIameda Street, Weller Street, SanPedro Street, quer
dazu AIiso-Lyon-Macy Streets, East Ist Street, East 7th Street und East
8 th Street. Der Rand des Hügellandes schrieb dem Camino Real die Richtung
vor, der schwach gekrümmt diagonal zum geplanten Straßennetz führte, um
dort, wo heute West 8th Street verläuft, nach Westen zum Cahuenga-Paß
auszubiegen.
Los Angeles war in dieser Zeit eine ländliche Wein ba usiedl ung. Die
Ausländer waren es, die dem Pueblo diesen Charakter aufprägten. 1829 kam der
Franzose Vignes nach Los Angeles und legte auf der Flußterrasse einen
Weingarten von 104 acres (42 ha) an, der später von seinem Neffen Sainse-
vain weitergeführt wurde. Vignes Street erinnert heute daran. Ein Deutsch-
stämmiger, Wolfskill, aus Kentucky pflanzte 1838 seine erste Rebe. In den
50er Jahren stand er im Weinbau und Traubenexport an der Spitze, später in
der Baumobstzucht. Zu den Weingartenbesitzern der 30er Jahre gehörten
ferner der Deutsche Groningen. (umgetauft in Domingo) und der Franzose
Bouchette. Wolfskill und Groningen heirateten in die wohlhabenden
spanischen Ranchero-Familien Lugo und Feliz ein. Als 1853 Neumark aus
Ostpreußen nach Los Angeles kam, gab es um Los Angeles bereits "hundert
oder mehr Weingärten, von denen 75 oder 80 innerhalb des Stadtgebiets"
lagen (Lit. 510, S. 199), während der "Mutterweingarten" der San Gabriel-
Mission in "malerischem Verfall" war. In der Nähe von San Gabriel besaß
1855 W. M. Stocktorreine große Rebenpflanzschule (Lit.478, S. 345). Der
Traubenversand von Wilmington nach San Francisco,'der 1857 21000 Pack-
körbe erreichte (Lit.478, S. 345), ließ bald nach, seitdem im Norden Wein-
gärten entstanden. Dafür nahm jetzt die Weinbereitung und der Weinexport
zu. Ein Deutsch-Schweizer, Dr. Huber, der 1849 nach Los Angeles kam,
gehörte zu den ersten, die sich auf die kommerzielle Weinbereitung warfen.
1856 pflanzte der Thüringer Julius Weyse einen Weingarten von 20 acres
(8 ha) an der San Pedro Road (Ecke 8th Street). Schon 1857 exportierte
Los Angeles 250000 Gallonen (etwa 1000000 Liter) Wein. Viele V.S.-Ameri-
kaner widmeten sich dem ertragreichen Weinbau. Dem Beispiel der Fremden
folgten auch einzelne einheimische Spanier. In diesem Wirtschaftszweig, der
<6 Wagner, Los Angeles
81
w
I' 1,1
:1
mit Grundbesitz verbunden ist, treffen wir die Mitglieder der spanisch-kali-
fornisthen Gesellschaftsschicht. Sie hatte sich durch Einheirat der Ausländer
in die reichen spanischen Ranchero-Familien herausgebildet. Aus dieser noch
zum Teil spanisch sprechenden Aristokratie entstand durch Vermischung mit
einzelnen später kommenden Zuwanderern eine Gruppe "alter Familien",
die aber bei dem raschen Wachstum der Stadt keine entwicklungshemmende
Clique bilden konnten wie in San Francisco. Unter den späterenWeinprodu-
zenten standen Fröhling und Kohler, die den größten Teil der Trauben-
ernte von Anaheim aufkauften (Lit. 510, S. 213), und der Ire (Lit. 456, S. 28)
Ma tthew Keller an erster Stelle. Zum Pressen der Trauben wurden all-
jährlich im Frühherbst Indianer angestellt. Die Zahl der Weinkellereien im
Los Angeles County stieg von 8 im Jahre 1860 auf 43 im Jahre 1870, von
29 Angestellten auf 438 (Lit. 102).
Anfang der 50er Jahre suchte man auch das Hinterland von Los Angeles
mit mäßigem Erfolg nach Vorkommen von Edelmetallen ab. Die Ausbeutung
der Goldseifen, die schon 1842 nordwestlich der Mission San Fernando auf
dem Rancho San Francisco entdeckt worden waren, lebte wieder auf. Die
(
Goldfunde des Hinterlandes haben aber Los Angeles nur ganz vorüber-
gehend belebt. Bleibender als der episodische Zustrom von Goldsuchern war
das Verbrechertum, das in den Minenstädten des Nordens durch die Käuf-
lichkeit der Beamtenstellen gefördert wurde (Lit. 358, VI, S. 434). 1853 waren
in Los Angeles 20-30 Morde im Monat das Übliche (Lit. 510, S. 31). Schnaps-
bars, Spielhöllen und Tanzhöhlen, die gesetzlich nicht beschränkt wurden
(Lit. 510, S. 30), beherrschten das Bild der städtisch-dörflichen Siedlung.
Die Trockenjahre der 50er und 60er Jahre brachten nicht nur die mexi-
kanischen Ranchobesitzer in finanzielle Not, sondern auch die Stadtverwal-
tung. Die von Ord 1849 vermessenen Grundstücke (s. Tafel 5) an Main,
Spring, Fort (Broadway) und Hill Street, dem heutigen Geschäftszentrum,
wurden Anfang der 50er Jahre für $ 50,- zum Verkauf angeboten. Das
regte die Bautätigkeit an. Jetzt wurden die Häuser nicht mehr aus Adobe er-
richtet. Man begann Backstein und geripptes Eisen zu verwenden und fertige
Rahmenhäuser aus New York zu importieren (Lit. 488, I, S. 274). Die Gren-
zen des Stadtgebietes, die nach der spanischen Belehnung im Abstande von
einer Legua (4,25 km) von der Plaza verlaufen sollten, waren bei Beginn der
amerikanischen /Herrschaft so unbestimmt, daß man glaubte, 4 Leguen im
Quadrat (290 qkm) beanspruchen zu müssen,. die aber von der Regierung
auf 4 Quadrat-Leguen (72qkm) reduziert wurden. Dieses Quadrat wurde
r
1853, soweit es noch nicht von Ord aufgenommen war, bis zu seinen Grenzen
von Hancock vermessen. Die geplanten Straßen laufen annähernd diagonal
zu den Himmelsrichtungen (s. Tafel 5). Sie folgen etwa der Hauptabdachungs-
richtung des Schuttkegels. Darüber hinaus wurden sie ohne Rücksicht auf das
Gelände in das westliche Hügelland verlängert, ebenso wie auf der Ostseite
des Flusses. Die Straßen schließen rechteckige nummerierte Blocks ein, die in
je 8 Grundstücke von 35 acres (14 ha) aufgeteilt wurden. Die Stadt erließ
alsbald ein Gesetz, wonach jeder ein Hancock-Vermessungsgrundstück von
35 acres umsonst erh,alten konnte, sofern er darauf baute oder andere Ver-
besserungen im Werte von mindestens 100 $ anbrachte. Es war die Geldnot,
die die Stadt zum Erlaß dieser Verordnung veranlaßte. Denn sobald ein
Grundstück in private Hände überging, wurde es steuerpflichtig. Mit der
zunehmenden Geldnot am Ende der 50er und in den 60er Jahren versteigerte
die Stadt nach und nach fast alle Grundstücke für $ 2,50-7,50 den acre.
Die Grundstücke, die für irgendwelchen Anbau wertlos erschienen, fanden
keinen Käufer. Auf ihnen wurden später Parks angelegt. Auf diese Weise ent-
standen Westlake Park und Elysian Park. Selbst unmittelbar am Rande der
damaligen Stadt, inmitten des heutigen Geschäftszentrums, wurde ein großes
Stück Land, 16 Häuserblocks umfassend, umsonst vergeben mit der einzigen
Bedingung, eine Abzweigung des Hauptbewässerungskanals hindurchzulegen
(Lit. 488, I, S. 275)' Der Verlauf dieses Bewässerungskanals war es, der der
späteren Anlage des vornehmen Wohnviertels entlang Figueroa Street die Rich-
tung wies. In der frühen und billigen Vergebung städtischen Landes, durch
die Geldnot bedingt, und in der Größe der Grundstücke erkennen wir die Vor-
bedingungen für die Entwicklung zur Gartenstadt in den 70er Jahren und zur
späteren weitläufigen Anlage.
In der Zeit, in der die Weidelandschaft sich zur Ackerbaulandschaft wan-
delte, wurde das Pueblo, das immer noch den Charakter der ländlichen
Weinbausiedlung bewahrte, zur Gartenstadt. Außer den Weingärten finden
wir in der 2. Hälfte der 1860er Jahre auf der Übetschwemmungsterrasse von
Los Angeles Anpflanzungen von Apfelsinen, Zitronen, Limonen, Oliven,
Feigen, Granatäpfeln, Pfirsichen, Äpfeln und Birnen - eine Huerta, wie sie
sonst zu dieser Zeit nirgends in Kalifornien begegnet -, dazwischen Getreide-
felder von dichtem Kaktuszaun umgeben (Lit.389, S. 105/106). William
Wolfs ki 11 hatte 1868 bereits 2000 Apfelsinenbäume, durchschnittlich 16 Jahre
alt, von denen ein jeder im Jahr etwa 1500 Apfelsinen lieferte. Mit dem be-
ginnenden Zustrom der u..S.-amerikanischen Kolonisten in den 60er Jahren
6*
nahm die Bautätigkeit rasch zu. Im Geschäftsviertel der Stadt, das an die
Plazasüdlich anschließt,. ersetzten zum Teil. mehrstöckige Backsteingebäude
die alten einstöckigen Adobehäuser. Im neuen Wohnviertel, das 1870 bereits
bis zur 6. Straße nach Süden sich vorschob, wurden amerikanische Rahmen-
häuser '. errichtet, während die vornehmeren Villen auch aus Backstein
bestanden.
Das Stadtbild von 1876 hat Erzherzog Ludwig Salvator vonToscana
in deutscher Sprache anschaUlich geschildert (Lit. 504). Nach seiner Beob-
achtung war das Aussehen der Stadt noch halb mexikanisch, obwohl das
amerikanische Element vorwog. Die Straßen waren ungepflastert, vielfach Init
pfeffer- und Eukalyptusbäumen bepflanzt. Die Gärten der Huerta waren
zum Teil mit Adobemauern gegen die Ausläufer der Straßen abgeschlossen,
die Bewässerungskanäle (zanjas), die die Huerta durchflossen, waren von
Weidenhecken oder Agaven eingefaßt. Die meisten Adobehäuser waren
im Chinesenviertel am oberen' Ende der San Pedro Streetund in Sonora
Town zu finden. Sie waren mit Asphalt, einzelne mit Ziegeln oder Schindeln
gedeckt! Die amerikanischen Wohnhäuser(im Südwesten standen vielfach von
der Straße zurück Init einem selbst im Hochsommer bewässerten Rasenplatz
davor. In den Ziergärten, in denen diese Villen standen, und die gegen die
Straße abgezäunt waren, wuchsen vielfach Eukalyptus, Zypressen,Mandel-
und Apfelsinenbäume, auch Araukarien (A. excelsa) und Feigen (F. elas-
tica). Windgetriebene Wasserpumpen fanden sich in den entlegeneren Gär-
ten, die abseits der Villen lagen und nicht 'mehr von den zanjas bewässert
werden konnten. Neben den vornehmen Häusern fielen die zahlreichen ärm-
lichen amerikanischen Bretterhäuser und die leeren Grundstücke auf. Die
stehung eines Wohnviertels im Südwesten bis zur 6. Straße bewirkte, daß
die Kaufkraft der Bewohner dieses neuen Stadtteils dem Geschäftsviertel
die Entwicklung in gleicher Richtung vorschrieb. So hatte sich das Geschäfts-
zentrum von der Plaza entlang der Main Street bis zur I. Straße verlegt
(Lit.488, I, S. 280). An der Main Street lagen die meisten Läden, die Bank,
das Rathaus und die 1876 vollendete' katholische Kathedrale. Neben Main
Street waren Spring Street,an .der die deutsche Turnhalle lag, und San
Pedro Street die Hauptstraßen. Durch 4th Street, Main Street, San Pedro
Street und durch Sonora Townbis East Los Angeles führte bereits die Straßen-
bahn. Zwei Bahnhöfe hatte die Stadt für die Bahn, die nach Santa Monica
führte (Los Angeles and Independence Railroad), und für dieSouthern Pacific
Railroad.
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I

i .
J
Die Weingärten, die den Stadtplan von 1849 beherrschen, waren bereits
weitgehend in Apfelsinenpflanzungen verwandelt, von denen die schönsten
zwischen San Pedro Street und Main Street lagen.
Die Stadt fing an, sich auf das westliche Hügelland auszudehnen, auf das
zum Teil bereits Wasser hinaufgepumpt wurde. Private Initiative sorgte für
Bau des Straßennetzes und Wasserversorgung, so daß sich entlang Temple
Street· und 2nd Street eines der besten Wohnviertel in den 70er und 80er
Jahren entwickelte, das indes bereits in den 90er Jahren durch die Petroleum-
funde herunterkam (Lit.524, S. 318). AmSüdende des Bunker Hilllag die
vornehme "Bellevue des Bürgermeisters Beaudry, 6
1
/ 2
acres groß,· mit mehreren hundert Apfelsinen-, Zitronen- und anderen Obst-
bäumen sowie Weinstöcken bepflanzt und von Eukalyptusbäumen eingefaßt.
Jenseits des Los Angeles-Flußbettes war East Los Angeles im Entstehen. Das
Land gehörte zu dem 2000 acres großen Landbesitz eines V.S.-Amerikaners,
Dr. Griffin, der es 1863 zu geringem Preis als Schafweide von der Stadt
gekauft hatte (Lit.5IO, S.322). 1875 teilte er zusammen mit einem Iren
(Statthalter Downey) 170 acres von seinem Besitz auf als "East Los Angeles"-
Auf teilung, für deren Wasserversorgung erstmalig eine kostspielige eiserne
Röhrenleitung gelegt die man an das städtische Wasserwerk anschloß.
Die beiden Vnternehmer legten breite Straßen an,Downey Avenue (heute
North Broadway), 30 m breit, und Griffin Avenue als die wichtigsten. Griffin
selbst wohnte in einem 30 acres großen Pflanzungspark (estate) Init drei
Bewässerungsreservoirs, die von zwei Mühlen bewässert wurden. Jeden Käufer
verpflichtete er, seine . Parzelle zu umzäunen und eine bestimmte Anzahl
. Bäume zu pflanzen (Lit. 504, S. 185/86). Die Entwicklung von Los Angeles
zur Gartenstadt mit weitständigen Häusern wurde auf diese Weise durch
Privatinitiative planmäßig'gefordert.1876 begann eine ähnliche Entwicklung
wie in East .Los Angeles auf dem östlichen Hügelland von Los Angeles
(Boyle Heights), das ebenfalls durch eine Brücke mit der Stadt verbunden
wurde.
Die Bewohner der Stadt waren etwa zuje einem Drittel V.S.-Amerikaner,
Europäer und Spanisch-Kalifornier. Trotz des Sprachengemisches und der
verschiedenen Bekenntnisse bildeten sie eine geschlossene Bürgerschaft. Land
und Häuser gehörten meistens den V.S.-Amerikanern. Der Handel war vor-
wiegend in Händen der Europäer, vOn denen die Deutschen und Iren am
rührigsten waren. Die Kalifornier waren Init Viehzucht, Hüten der Schafe
und in Wein- und Apfelsinengärten beschäftigt.
Die Stadt hatte bereits zehn Kirchen und ein jüdisches Gotteshaus, ver-
schiedene Logen, mehrere Schulen und seit 1873 eine öffentliche Bibliothek
mit 2000 Bänden. Das katholische St. Vincent's College am Südwestrande der
Wohnstadt bildete den Ansatz zu einer Universität. Aus ihm hat sich die Loyola-
Universität entwickelt, die zweimal mit der Peripherie der Stadt nach Süd-
westen rückte. Heute liegt sie auf der Playa del Rey-Anllöhe. Die kommende
Entwicklung der Wohnstadt nach Südwesten war bereits durch drei Parks
angedeutet, die sich in dieser Richtung vorschoben: City Park (heute Pershing
Square), Washington Garden und am Rande des ursprünglichen Pueblolcmdes
Agricultural Park mit einer Rennbahn, an deren Stelle heute das Olympische
Stadion getreten ist. Die zahlreichen Nutz- und Ziergärten, die die Maisfelder
mexikanischer Zeit weitgehend verdrängt hatten und neben die reinen
Weingärten getreten waren, verliehen der Stadt denneuen Charakter. Obst-
baum-, Zierbaum- und Blumengärtnereien, die Import fremder Gewächse
und Samen betrieben, förderten diese Entwicklung, deren Nutzen für die
Wertsteigerung des Landes die U.S.-AmerikaIier erkannt hatten (s. S. 71).
DIE SIEDLUNGEN IM UMKREIS
Gleichzeitig mit der Entwicklung von Los Angeles zur Gartenstadt finden
wir an anderen Stellen des Südkalifornischen Beckens im kleinen ähnliche
Ansätze zu städtischer Entwicklung. Die ersten von ihnen sind auf Ackerbau,
die späteren auf Veredlungskultur gestützt, daneben finden sich zwei Ansätze
zu Hafensiedlungen. Sie alle unterscheiden sich von Los Angeles grundsätzlich.
Sie knüpfen nicht an spanisch-mexikanische Siedlung an, finden kein erwei-
terungsfähiges Bewässerungssystem vor, sondern müssen damit neu anfangen.
Die erste Randsiedlung ist der Landeplatz Wilmington. Die Missions-
väter von San Gabriel hatten bereits vor 1820 ein Lagerhaus zum Lagern
von Häuten auf dem Kliff von San Pedro, das zur Zeit der Säkularisation
in den Besitz eines der frühen anglo-kalifornischen Unternehmer, Abel
Stearns, überging. Doch blieb es bis zur U.S.-amerikanischen Besetzung
des Landes bei einem Haus. Der Landeplatz, vor dem die Schiffe ankerten,
lag zu dieser Zeit etwa 1200 m westlich der heutigen Hafeneinfahrt. Hier war
infolge eines Einschnitts im Kliff, der gleichzeitig den Zugang von Land her
ermöglichte, ein Strand vorhanden. Die Einfahrt zur inneren Bucht,
die aus Marsch und Watt und l'!inem System von verzweigten Prielen bestand,
lag etwa 2
1
/2 km nördlich der Hafeneinfahrt (s. Fig. II, S. 125). Einer
86
der Priele reichte von der damaligen Einfahrt noch über 2
1
/2 km weiter in
nordöstlicher Richtung landeinwärts mit genügender Wassertiefe für die da-
maligen Schiffe. Trotzdem wurde zu spanischer und mexikanischer Zeit die
weiter seewärts gelegene· Landungsstelle vorgezogen. Für die Landtransport-
mittel dieser Zeit, Ochsenkarren und Lastpferd, waren die Geländeuneben-
heiten, die sie am Ostabhang des San Pedro-Vorgebirges passieren mußten,
kein Hindernis. Außerdem war sowohl zu spanischer Zeit als auch von 1826
bis 1846 der Handel offiziell verboten, so daß das Tauschgeschäft vielfach
heimlich und nachts vor sich gehen mußte (Lit. 659). Von dem Ankerplatz
südlich des heutigen San Pedro konnten sich die Schiffe unter diesen Verhält-
nissen natürlich leichter nachCatalina Island zurückziehen als von einem
Prielende der inneren Bucht. Anders zu amerikanischer Zeit. Der Hafen stand
offiziell dem Handel offen. Schiffsverkehr mit San Francisco wurde auf-
genommen. Es entwickelte sich ein Wettbewerb von verschiedenen amerikani-
schen Unternehmern, die zwei konkurrierende Postkutschen von San Pedro
nach Los Angelesunterhielten (Lit. 510, S. 23)' Banning, dem Timms Point,
der eine der beiden Landungsplätze von San Pedro, gehörte, kaufte 1857
einen Teil des Ranchos San Pedro, legte einen Landungssteg an einem der
Prielenden an, errichtete Lagerhäuser und eröffnete 1858 die neue Siedlung
New San Pedro, 1863 nach der Hauptstadt seines Heimatstaates Wihnington
genannt (Lit. 510, S. 236, und Lit. 389, S. 106). Für Schiffe normaler Größe,
die wegen des seichten Wassers draußen ankern mußten, richtete er einen
Leichterdienstein (Lit.51O, S.237). Für die neuen Landtransportmittel,
Frachtwagen und Postkutsche, lag die Landungsstelle an der inneren Bucht
günstiger als San Pedro. Der Weg von Wilmington nach Los Angeles ist etwa
10 km kürzer, und die Hügellandschaft von San J>edro wird vermieden.
Sturmschaden anTimms Point war ein weiterer Grund für Banning, seine
Landegelegenheit nach der geschützteren inneren Bucht zu verlegen. So
wurde San Pedro vorläufig ausgeschaltet. Mit der Bohrung eines Brunnens
und der Errichtung einer Pumpe stellte Banning die Wasserversorgung der
Siedlung sicher und hatte damit auch die Wasserversorgung der Schiffe
in der Hand. Hier wurde zum erstenmal in Südkalifornien eine Stadt
durch private Initiative gegründet. Diese Art der Stadtgründung ist als Ge-
schäftsform aufzufassen. Die Gründung hängt nicht primär von natürlichen
Gegebenheiten ab, sie wird nur bestimmt von der Geschäftstüchtigkeit des
Gründers, kann deshalb überall erfolgen, wie wir noch sehen werden. Das
Gründungsgeschäft hängt ebenso wie jedes andere Geschäft von der Konjunktur
ab. Der Bestand der Gründung ist der Auslese unterworfen, und erst hier,
also sekundär, wirken sich die natürlichen Verhältnisse, die sonst schon
bei der Gründung maßgebend sind, aus, wenn es auch mit zur Geschäfts-
tüchtigkeit des Gründers gehört, den Gang des Ausleseprozesses vorauszusehen
und dementsprechend auf natürliche Bedingungen zu achten. Im Falle von
Wilmington haben wir gesehen, wie Banning seinem Siedlungsplan durch
Anlage eines Brunnens, mit dem er Ackerbau auf Bewässerung ermöglichte,
Aussicht auf Entwicklung gab. Brunnen und Anlage von Getreidefeldern und
Fruchtgärten dienten gleichzeitig dazu, dem Landkäufer zu zeigen, was hier
möglich ist. 1876 hatten bereits fast alle Häuser ihre eigenen Brunnen (Lit. 504,
S. 252). Banning machte Wilmington zum ersten Badeplatz von Los Angeles;
mit seinen Leichtern hatte er den Badeverkehr zum offenen Badestrand von
Timms Point inder Hand (Lit.51O, S.237). Mit dem Bürgerkrieg nahm
Wilmington einen weiteren erheblichen Aufschwung. Die Regierung errichtete
hier eine Militärstation mit einem Warendepot (Drum Barracks) für die Ver-
sorgung der Truppen in Südkalifornien, Vtah, Arizona und Neumexiko. Seit
dem Bau einer Eisenbahn von Wilmingtonnach Los Angeles 1869 gewann Wil-
mington endgültig den Vorsprung vor San Diego als Ein- und Ausgangsstelle
für Handel- und Reiseverkehr des ganzen Südwestens (Lit. 488, I, S. 453)'
Die Bedeutung des Hafens stieg mit der Zunahme des Wollexports beträchtlich
(Lit. 504, S. 252). 1880 hatte Wilmingtonannähernd IOooEinwohner (Lit. I02).
MitIO Prozent der Bevölkerung von Los Angeles war es die zweitgrößte
Siedlung der Landschaft. Die Häuser, durchweg amerikanische Rahmen-
häuser, waren über das weitläufige rechtwinklige Straßennetz einzeln zer-
streut (Lit.504, S. 251). Noch heute sind die großen Lücken der Bebauung
erhalten.
Die zweite geschäftsmäßige Siedlungsgründung ist Santa Monica. 1872
verkauften die Erben des Spaniers Sepulveda ihren Rancho San Vicente
y Santa Monica an einen amerikanischen Wollproduzenten, Oberst Baker,
der kurz darauf den Senator J ones von Nevada mit drei Vierteln an dem
Besitz beteiligte. Die beiden Amerikaner faßten zusammen qen Plan einer
Hafengründung an der Küste ihres Ranchos.· Sie bauten eine Eisenbahn von
hier nach Los Angeles, errichteten eine Anlegemole, legten ein rechtwinkliges
Straßennetz parallel zum Kliffrand an und teilten Hausgrundstücke ab. 1875
verkauften sie unter großem ReklameaufWand einen Teil der Grundstücke
ihrer "Zenitstadt an der Sonnenuntergangssee" an willige Käufer. Zum ersten
/
Verkaufstag fuhr ein Extradampfer von San Francisco nach Santa Monica,
88
dessen Fahrtteilnehmer sich naturgemäß in besonders kauflustiger Stimmung
befanden. Neun Monate später hatte die Stadt bereits 160 Häuser und 1000
Einwohner (Lit. 488, I, S. 454). Der Plan,Santa Monica zum Endpunkt einer
transkontinentalen Eisenbahn zu machen, mißglückte, die Bahn nach Los
Angeles kam in den Besitz der Southern Pacific Railroad, die Landungssteg
und Lagerhaus niederriß und Handel und Schiffsverkehr nach Wilmington
zurückverlegte. 1880 hatte Santa Monica nur noch 350 Einwohner. Von nun
an setzte die unnatürlich gegründete Hafenstadt die natürliche Entwicklung
zur Badestadt fort, die bereits 1855 (Lit. 358, VI, S. 521) weiter nördlich am
Santa Monica Cafion angefangen hatte. Dort war, begünstigt durch den Schutz
der höheren Bäume (s. S. 39), eine Zeltsiedlung mit Badehaus entstanden,
,-'-?
die jeden Sonntag Postkutschenverbindung mit Los Angeles und dadurch oft
Hunderte von Sonntagsbesuchern hatte. 1876 wurden in dieser Badesiedlung
Alt-Santa Monica etwa 45 Familien angetroffen, von denen viele mehrere
Monate dort lebten (Lit.504, S. 247/48). Die Vorzüge dieses Badestrandes
gegenüber allen anderen bestehen darin, daß er unmittelbar nach Westen
exponiert ist und infolge der vorwiegenden Westwinde den stärksten Wellen-
schlag hat, dabei gegen Norden und Osten durch das Santa Monica-Gebirge
und das Kliff geschützt ist. Infolge der Eisenbahnverbindung, die Neu-Santa
Monica erhielt, verlegte sich der Badeverkehr von selbst dorthin, nachdem
hier der erste Versuch einer Hafengründung an diesem Teile der Küste miß-
lungen war.
Neben den Hafensiedlungen entstanden in der Zeit amerikanischer Koloni-
sation eine Reihe von Ackerbausiedlungen. Hier können wir zweierlei
Formen unterscheiden:
a) solche, die als geschlossene Siedlungen gegründet wurden, und
b) solche,· die aus Einzelsiedlungen zusammenwuchsen.
Es istverständlich, daß die ersten V.S.-amerikanischen Siedlungen, die auf
Ackerbau gestellt waren, dort gegründet wurden, wo künstliche Bewässerung
sich erübrigte. In der San Gabriel-Rio Hondo-Ebene oberhalb der Bartolo-
Pforte war diese Bedingung erfüllt. So entstand hier die erste amerikanische
Siedlung EI Monte, nach dem Weidengebüsch (Wald spanisch = monte)
benannt. Die Siedler waren Emigranten, vorwiegend aus Texas und den an-
grenzenden Staaten des Südens und Südwestens, die, der Anziehungskraft
des Goldes folgend, mit ihren Familien über den Santa Fe-Trail nach Süd-
kalifornien gekommen waren. Nach den Strapazen der Überlandexpedition
setzten sie ihre Reise nicht weiter fort, sondern gründeten 1851 EI Monte.
89
Den ersten zehn Familien (Lit. 460, S. 132) folgten im nächsten Jahre 40-50
weitere (Lit. 510, S. 91), die dem beginnenden Ackerbau der Landschaft den
ersten Impuls gaben. Zustrom dauerte noch einige Jahre an (Lit. 459,
S.63), und 1860 hatte EI Monte 900 weiße Einwohner (Lit. 102), die vor-
. wiegend Mais und Kartoffeln anbauten und Schweinezucht trieben (Lit. 504,
S. 223). Sie versahen einen weiten Umkreis mit Speck und Schmalz. Infolge
der ungeklärten Landtitel, wahrscheinlich auch infolge der Überschwem-
mungsgefahr, konnte die Siedlung in den 60er Jahren nicht recht weiier-
wachsen (Lit.460, S. 132).
Nachdem der Rancho Santa Gertrudis unterhalb der Bartolo-Pforte in
amerikanische Hände übergegangen war, wurde er 1865 (Lit. 510, S.340
und 362) von Downey in Parzellen von durchschnittlich 10-40 acres Größe
aufgeteilt (Lit.504, S. 224). Wegen des hohen Grundwasserstandes der Los
Nietos-Ebene und der ständigen Wasserführung des San Gabriel-Flusses und
des Rio Hondo am Paso de Bartolo, welche die Bewässerung, wenn nötig,
sicherstellte, war das Land von amerikanischen Farmern begehrt. Durch Er-
richtung einzelstehender Schulen, Kirchen und Läden an Wegekreuzungen
inmitten der ländlichen Einzelsiedlungen entstanden Siedlungskerne, die zu
Landstädten heranwuchsen. Im Gebiet des Ranchos Santa Gertrudis waren
SOInit in den 70er Jahren bereits zwei Einzelsiedlungsgruppen vorhanden,
Downey City und Los Nietos. Der Maisanbau stand im Vordergrund
(Lit·504, S. 224). Den Anstoß zur Gründung des "Geschäftszentrums" von
Downey City 1874 bildete die Eisenbahn von Los Angeles nach Anaheim,
die durch den Farmdistrikt gelegt wurde (Lit. 488, I, S.444).
Florence, 5 km südlich der alten Gebietsgrenze von Los Angeles, war
auch nichts weiter als der regionale Sammelname einer Anzahl Einzelfarmen,
die gemeinsame Schule und Kirche hatten. Auch hier finden wir frühzeitig
Anbau von Getreide (außer Weizen, s. Lit.504, S. 250), daneben Obst- und
Weingewinnung (Lit. 5°4, S. 250).
State of M aine war eine weitere Gruppe von Einzelfarmen südlich
Florence im ehemaligen Rancho Tajauta, der im "artesian belt" lag. Die
Siedler stammten vorwiegend aus Maine. Sie betrieben Schweinezucht. Be-
wässerung der Felder war nicht erforderlich. Fast jede Farm hatte einen
artesischen Brunnen (Lit. 460, S. 138).
Südlich anschließend liegt Co m pt on, ebenfalls im artesischen Gebiet,
eine typische Unternehmergründung. Anfang der 60er Jahre gehörte das
Land noch dem spanischen des Rancho San Pedro und diente nach

r
wie vor als Weideland für Rinder und Pferde. 1865 gingen 4000 acres für 36
Cents der acre in die Hände amerikanischer Landspekulanten über. Einen
Teil des Landes kaufte 1867 ein ehemaliger Pastor Comp'ton für $ 5,- den
acre. Sechs Monate später nach seiner ersten Ernte, die zeigte, was das an-
scheinend wertlose Land produzieren kann, begann er Parzellen zu verkaufen,
zuerst für $ 20,-, kurz darauf für $ 5°,- den acre und darüber. Teile seines
von ihm selbst bebauten 80 acres großen Farmlandes verkaufte Compton
für $ 100,- bis $ 150,- den acre! (Lit'460, S. 141). Die Farmer, die er anzog,
waren Methodisten wie er selbst. 1869 gründeten sie Compton, indem
sie ein Geschäftszentrum planten, das 10 Jahre später aus 4 Läden,
2 SchInieden,einer Sc;husterei, einer Sattlerei, einem Postamt, einem Bahnhof,
einer Käsefabrik, einem Restaurant und einer Logenhalle, dem einzigen Back-
. steingebäude, bestand (Lit. 460, S. 140). 1871 wurde die Kirche, 1874 die
Schule errichtet, beides hölzerne Rahmengebäude. Von den vier Bars (sa-
loons), die nacheinander gegründet wurden, konnte sich keine in der streng
methodistischen Gemeinde halten.
Größeren Vorbedacht als die Ackerbausiedlungen verlangten die Grün-
dungen der Wein- und Obstbausiedlungen. Wegen der Frostgefahr, die
in den Ebenen besteht, müssen sie höher liegen. Die Bewässerung ist dem-
entsprechend schwieriger sicherzustellen als in den Niederungen mit hohem
Grundwasserstand. Auf den höhergelegenen Schuttkegeln finden wir deshalb
keine Einzelsiedlungen, höchstens Wohnplätze der Bienenzüchter, die keine
Bewässerung benötigen, oder auf Viehzucht eingestellte Ranchos. Die Her-
stellung kostspieliger Bewässerungskanäle würde sich bei Getreideanbau nicht
rentieren. Deshalb löste in diesen höheren Teilen die Veredlungskultur die
Bienen- uI).d Viehzucht ab. Dabei zwang die Wasserversorgung die, Siedler
zum so daß hier die Form der Gemeinschaftsgründungen
entstand.
Anaheim ist die erste aller Pflanzungskolonien und Gemeinschafts-
gründungen. 1857 wurde die Siedlung von einer Gruppe von Deutschen aus
mit Hilfe des deutschen Vermessers von Los Angeles, Hansen,
geplant, aufgeteilt und bewässert. Im Gegensatz zu den späteren und vOn
Amerikanern gegründeten südkalifornischen Siedlungskolonien wurden in
Anaheim 50 kleine Wohngrundstücke in der Mitte der Siedlung angelegt und
außen herum die 50 größeren Pflanzungsgrundstücke (Lit.389, S. 107). Die
Bedeutung von Anaheim liegt in dem Ansporn, den diese Gründung für die
neue Form kultureller Entwicklung in Südkalifornien gab. Diese Kolonie
91
1'1
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zeigte den Weg, der zur Auf teilung _der großen Ranchos und mit Hilfe der
-Bewässerung zur intensiven Landwirtschaft führen mußte (Lit. 292, S. 96/97).\
In Anaheim stand der Weinbau am Anfang.
Die nächste Obstbaukolonie gemeinschaftlicher Gründung ist Riverside
im: San Bernadino-Becken. Auch hier hatten sich die Kolonisten bereits vorher
unter Führung einesJ udge N orth aus Tennessee zusammengetan. 1870 kauften
sie 4000 acres (1600 ha) Schafweide von der "Silk Culture Association", nach-
dem deren Seidenraupenzucht nach kleinen Anfangen aufgegeben war. Auf
gemeinsame Kosten wurde ein Bewässerungskanal vom Santa Ana-Fluß ge-
baut. Es wurde eine Gesellschaft gegründet, die Land- und WasseranrecIit
an die Kolonisten verkaufte. Für das Wasser wurde eine jährliche Miete er-
hoben, die mit der Nachfrage und dem Ausbau des Zuleitungssystems im
Laufe der Jahre sich erhöhte (Lit.292, S. 99/100). In Riverside entwickelte
sich die Agrumenzucht.
Ähnlich wurde 1874 die Indiana Colony gegründet, später Pasa- -
dena genannt. Diese Siedlung ist eine der wichtigsten Siedlungsverdich-
tungen derStadtlandschaft, deren Gesamtcharakter sie bis 1920 mit--
bestimmte.
Vor der Gründung der Indiana Colony wurden die höheren Teile des San
Gabriel-Beckens für die Veredlungskulturin der Form von Einzelland-
sitzen erschlossen. Die Indiana Colony war es erst, die den Gang der Ent-
wicklung auf die städtische Besiedlung des San Gabriel-Beckens lenkte. Wir
sahen, daß-sich mit dem Kommen der Nichtspanier besonders in den 50er
Jahren die Weingärten auf der Flußterrasse von Los Angeles zusehends ver-
mehrten. Der erste, der mit der Anlage seines Wein- und Obstgartens davon
abwich und ins San Gabriel-Becken ging, war ein Deutscher, Leonhard
J ohann Rose. Er erwarb 1861 nördlich der alten Mission ein Stück Land
von 160 acres (64 ha), in das er durch Benutzung eines für eine ehemalige
Missionsmühle errichteten Dammes einen Bewässerungskanal leiten konnte.
Auch jetzt floß das Wasser noch während aller Jahreszeiten. Ros.es Erfolg
in der Wein- und Weinbrandbereitung, die er mit deutschen Angestellten
betrieb, ermöglichten ihm, seinen Besitz, Sunny Slope, bald auf über 2000
acres zu erweitern,den er zur Muster-Reben- und Apfelsinenpflanzung des
Countys machte (Lit. 510, S. 200 u. 286). Die meisten Reben führte e; vom
Rhein ein. die Berieselung der Obstgärten benutzte er die Becken.;.
-bewässerung. Um jeden Baum wird im Durchmesser von 4 m ein kleiner
Erdwall aufgeworfen, und in )fas so hergestellte Becken, in dem der Stamm
steht, wird alle sechs Wochen das Wasser hineingeleitet und dann das Erdreich
umgehackt. Neben Reben, Apfelsinen, Zitronen und Walnüssen pflanzte er
vielerlei andere Früchte an, betrieb außerdem Vieh- Und Pferdezucht, für
die er Heu und Hafer selbst zog (Lit. 504, S. 208ff.). Die geschmackvolle An-
lage des Besitzes,dessen Obstgärten gleichzeitig Nutz- und Zierpflanzungen
darstellten, wurde zum Vörbild aller späteren auf Obstbau gestellten Land-
sitze. Bei der späteren städtischen Auf teilung wird der Apfelsinenbaum vom
Nutzbaum schließlich zum reinen Zierbaum, wie wir das heute in San MarinO-
und anderen Teilen der Stadtlandschaft sehen. Der Begriff "Estate" erlebt
in der Umgeburig von Los Angeles innerhalb 50 Jahren eine Wandlung. Aus
der Pflanzung, in der das Wohnhaus Nebensache ist, wird der Landsitz, in
dem die-Pflanzung Nebensache ist. Nutzpflanzungeri können sich beim hohen
Steuerwert städtischen Landes nicht mehr rentieren. Sie sind heute an die
Peripherie gerückt. Im heutigen Stadtgebiet des San Gabriel-Beckens sind
die Relikte, deren Bewirtschaftung zum Luxus wurde, noch zu sehen. Zum Teil
werden in Zeiten schlechter Konjurikturaus Steuerersparnis die Obstbäume
niedergelegt und das Land zum Getreideanbau verpachtet, bis bessere Land-
preise die Auf teilung lohnend machen. Der Wohlhabende kommt aus dem
Osten der Vereinigten Staaten nach Los Angeles, um zwischen Apfelsinen-
bäumen zu wohnen. Ohne diese Derikart des wohlhabenden Bewohners des
Ostens die städtische Entwicklung großer Teile des San Gabriel-Beckens
nicht denkbar.
Dem Beispiel Roses folgten andere. Es entstand in den Jahren bis 1875
eine Reihe von größeren und kleineren Estates westlich von RosesBesitz, die
alle mit der an die Wasserläufe der Raymond-Kette anknüpften.
Den größten Besitz, der sich über Teile der Pasadena- und San Gabriel-
Platte ausdehnte, hatteB. D. Wilson, zum Teil zusammen mit seinem
Schwiegersohn Shorb. Die beiden gründeten die "Lake Vineyard Land and
Water Association", leiteten Wasser von der Raymond-Kette in Reservoire
im südlichen Teil ihres den sie 1873 parzellierten und nach und nach
verkauften (Lit. 510, S. 445, u. Lit. 515). Dort hat sich Alhambraentwickelt.
Andere Teile von Wilsons und Shorbs Besitz und die anderen Pflanzungs.,
landsitze blieben noch lange ungeteilt.
Im westlichsten Teil des San Gabriel-Beckens ging die Entwicklung anders.
Nachdem der San Pascual-Rancho, der die Pasadena-Platte umfaßte und als
Schafweide diente, in wenige große Teile aufgeteilt war, entstand 1870 unter
den Besitzern der Plan, eine Pflanzungskolonie auf geschäftsmäßigem
93
I
Fig. 9. Die der Indiana Colony 1874-
(später: Pasadena)
Größe der Grundstüte :
rund 15, 30, 45 und· 60 acres
(= 6, 12, 18 und 24 ha)
94
Wege hier ins Leben zu
rufen. Der Gedanke konnte
erst verwicklicht werden,
als er drei Jahre später
mit dem Wunsche einer
Gruppe von Leuten aus
Indianapolis zusammen-
traf, die, des harten Win-
ters im Mittleren Westen
überdrüssig, eine Kolonie
in Südkalifornien gründen
wollten. Es ist das erste
Mal, daß das Klima die Ein-
wanderer angelockt hat.
Das Risiko machte die Ge-
meinschaftsgründung' zur
Bedingung. Die Kolonisten
schlossen sich in India-
napolis zur "California
Colony of Indiana" zu-
sammen und schickten.
1873 vier Beauftragte nach
Los Angeles voraus, die
das Land für die Siedlung
aussuchen sollten. Geeig-
neter Boden und die Mög:-
lichkeit der Wasser- und
Holzversorgungwaren aus-
. schlaggebend die Wahl. .
Sie kauften rund 4000
acres (etwa 1600 ha) des
ehemaligen Rancho San
Pascual mit dem Wasser-
recht, von denen im süd-
westlichen Teil der Pasa-
dena-Platte die besten
1500 acres (600 ha) in
I
1
!
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I
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Parzellen,von 15, 30,45 und 60 acres (6, 12, 18 und 24 ha) aufgeteilt wurden
(s. Fig. 9, S.94). Es wurde eine Gesellschaft "San Gabriel Orange Grove
Association" auf 10 Jahre gebildet, die an die Kolonisten 100 Anteile ver-
kaufte. Jeder Anteil berechtigte zu 15 acres. Nachdem die Kolonisten an-
gekommen waren, wurde Anfang 1874 die Verteilung des Landes unter die
27 "Aktionäre" vorgenommen. Wer nur eln oder zwei Anteile hatte, durfte
sein Land zuerst wählen (Lit. 515). Unter Benutzung eines vorhandenen
Bewässerungskanals, der durch Röhren ersetzt wurde, entnahm man das
Wasser dem Arroyo Seco am Devils Gate (so S. 29 f.), sammelte es in einem
Reservoir, von wo aus auf jedes Grundstück Röhrenleitungen gelegt wurden
(Lit. 510, S. 445, und Lit. 515). Der baumbestandene Arroyo Seco, an dessen
Rand Inan siedelte, ermöglichte die Holzversorgung. Er wurde in "wood lots"
unter die Siedler. aufgeteilt. Die Nordsüdlängsachse der Kolonie war die
Orange Grove Avenue, von der aus nach Westen und Osten die parallelen
30-acres-Parzellen ausgingen, die an der Arroyo Drive im Westen und an der
Fair Oaks Avenue im Osten ihre Begrenzung fanden. Drei Hauptquerstraßen
waren vorgesehen, Columbia, California und Colorado Street, an deren Kreu-
zungen mit Orange Grove Avenue Schulen, Kirche und Laden errichtet werden
sollten. Auffallend ist die Abweichung vom quadratischen Aufteilungssystem
des Mittleren Westens und die Anpassung an das Relief (s. Fig. 9, S.94).
Die Orange, Grove Avenue verläuft auf dem gleichnamigen Rücken (s. S. 21).
Dem Plane lag wahrscheinlich der Gedanke zugrunde, daß alle Parzellen
gleichwertig sein sollen, mit einem Stück hohen Landes, das an die Haupt-
straße stößt, ux;td einem Stück· niedrigen Landes östlich oder westlich
Die Anlagen der Haup.tstraße, die der Siedlungsplan vorsah, und die beab-
sichtigten Parks e,rkennen, daß die Siedlung von vornherein keineswegs
als rein ländliche Farmersiedlung gedacht war, sondern von Anfang an der
Gedanke angenehmen Lebens in diesem KliIna damit verbunden war, ein
Gedanke, der für die, städtische Besiedlung der Landschaft leitend wurde .
Die Kolonisten, die sich zur Indiana Colony zusammenschlossen, waren
auch nicht eine geschlossene Gruppe von Farmern, sondern Leute aus den
verschiedensten Berufen, Kaufleute, Handwerker, Ärzte, Rechtsanwälte, die
wenig Erfahrung in der Landwirtschaft hatten, aber entschlossen waren,
etwas Neues zu um im besseren Klima leben zu können. Das ist
der Menschentyp, der später einen großen Teil der Zuwanderer stellte. Die
meisten der ersten Siedler kamen aus dem Mittleren Westen, dem Gebiet der
strengsten Winter.
95
Die Herkunft der ersten Siedler von Pasadena (nach H. A. Reid):
Mittlerer Westen ........ .
Neu-England ........... .
Mittlere Atlantische Staaten •
Süden " ........... .
Utah •.............
Kanada ..•.
Großbritannien
Davon Angehörige
1873-1880 insgesamt der ursprünglichen
Indiana Colony
84 21
27 2
13
3 2
4
8
4
143 26 I)
Die geplanten Parks und Anlagen wurden nicht ausgeführt, da die ganze
Siedlung ohnehin ein gartenartiges Aussehen annahm. Die Apfelsinen- und
Weingärten begannen 1880 zu tragen. So nahm eine große Fläche schlagartig
einen neuen Charakter an. Solch sprunghafte Entwicklung pflegt der D.S.-
Amerikaner Boom zu nennen, in diesem Falle "Orange Boom". Das Wort
schließt den Begriff des überstürzten Fortschritts ein, der über das Ziel hinaus-
schießt, und der Krankheit, die ansteckend, also als Epidemie wirkt. Von
dem Rest des Landes, der nordöstlich der Kolonie auf dem oberen Teile des
Schuttkegels liegt, wurden nach und nach etwa 1400 acres (560 ha) in Par-
zellen verkauft, und 1882 die letzten 900 acres (360 ha) ohne Wasser an die
Brüder W ood bury aus Iowa, die schon vorher das Wasserrecht des Rubio
Cafions erworben hatten. Mit diesem Wasser bewässerten sie ihren Piedmont
Ranch und verwandelten ihn in ein Doppel-Estate mit Wein- und Obst-
gärten. Nach der späteren Auf teilung entstand hier der heutige Villenvorort
Altadena (Lit. 515, S. 347). Das Land der San Gabriel Orange Grove Asso-
ciation zwischen dem Arroyo Seco und der Fair Oaks Avenue wurde so rasch
besiedelt, daß das östlich an die Fair Oaks Avenue angrenzende Land, 2500 acres
(1000 ha) umfassend, von seinem Besitzer B. D. Wilson 1876 ebenfalls auf-
geteilt wurde. Die Grundstücke, die 5 und 10 acres (2 und 4 ha) groß sind,
wurden verhältnismäßig schnell verkauft, so daß der erste Laden und damit
das kommende Geschäftszentrum beinahe in diesem Teil der Siedlung er-
richtet worden wäre. Es gelang den "Westsiders" gerade noch, zu bewirken,
daß die" Colony village" , wie man das Geschäftszentrum einer solchen Locker-
siedlung nannte,' auf die Grenze der beiden Siedlungsteile gelegt wurde, an
I) Mit dem schon vor 1873 im (San Gabriel-Becken lebenden Gründer der San Gabriel
Orange Grove Association waren es 27 Aktionäre.
96
r
I
die Kreuzung der Fair Oaks Avenue mit der Colorado Street. Die Größe der
ursprünglichen Grundstücke, die als Pflanzungen gedacht waren, ist für die
Weitständigkeit der Häuser verantwortlich, die bis heute für die weiten Wohn-
teile der Stadtlandtsc4aft typisch ist. Selbst bei Auf teilung der ursprünglichen
Pflanzungsgrundstücke bleibt der Gartenstadtcharakter erhalten. Solange die
Siedlung Pflanzungscharakter hatte, bewirkte die Bevölkerungszunahme, daß
die Auf teilung unter Beibehaltung derselben geringen Wohndichte radial fort-
schritt. Die Siedlung blieb Lockersiedlung. Zuerst wurden die Pflanzungs-
grundstücke, auf denen die Wohnhäuser stehen, festgelegt, dann erst mit der
Errichtung eines Ladens das Siedlungszentrum I).
Antrieb zur Iliründung der Indiana Colony (Pasadena) war der Wunsch
einer Kolonistengruppe in Indianapolis. Die Gründung entsprang also der
Gruppen-Initiative. Sekundär erst war die Bildung der San Gabriel Orange
Grove Association, die die Auf teilung des Landes, unter die Kolonisten
organisierte. Nach diesem Vorbilä haben' sich später andere "Associations"
gebildet, wobei aber umgekehrt verfahren wurde, d. h. die Association be-
stand, ehe die Kolonisten vorhanden waren. So wurde bereits bei der
Gründung von Pomona 1875 verfahren (Lit. 488, I, S. 436). Diese Art
der Gründung entsprang der Einzel-Initiative. Allen Siedlungen dieser
Art ist der Gartenstadtcharakter gemeinsam. Die Straßen wurden mit
Schattenbäumen bepflanzt. Kirchen und Schulen entstanden frühzeitig
(Lit. 426, S. 82).
I) Der europäiscp.e Begriff "Siedlungskern" ändert damit seine genetische Bedeutung. In
Pasadena, das den südkalifoI:,nischen Siedlungstyp darstellt, befindet sich der "Siedlungskern"
außerhalb der ursprünglichen Siedlung. Hier wurde sogar die älteste Hauptstraße, Orange
Grove Avenue, zur vornehmsten Wohnstraße der Stadt, der späteren Millionärs-Allee. In
dem Augenblick, in dem eine Bevölkerungsklasse zuwanderte, die nicht mehr auf Pflanzungs-
ertrag angewiesen war, änderte sich das Siedlungsbild. Die Aufteilung schritt kaum mehr
über die erreichte Peripherie hinaus fort, sie ergriff nunmehr die vorhandenen Pflanzungs-
grundstücke, die zu Garten-Wohngrundstücken verkleinert wurden. Der Wunsch, den park-
artigen Charakter der Siedlung bestehen zu lassen, verhinderte die Auf teilung in rein städtische
Wohngrundstücke, wie etwa in San Francisco. Die Beibehaltung des Gartengrundstücks
setzt der Wohndichte die Grenze. Ist diese erreicht, schreitet die Auf teilung über die
Peripherie hinaus fort. In Wirklichkeit tut sie das s ~ h o n früher, da innerhalb der
Peripherie stets einige Pflanzungsgrundstücke aus Tradition oder Spekulation ungeteilt
gehalten werden. Proportional mit der Wandlung von Pflanzungs- zu Wohnsiedlung wächst
der "Siedlungskern" zum Geschäftsviertel an. Nur hier kommt es zur Auf teilung in rein
städtische Grundstücke, zum späteren "Subzentrum" der Stadtlandschaft. Der Begriff des
Subzentrums wird mit den übrigen Erscheinungsformen der heutigen Landschaft zu er-
klären sein (s. S. 217f.).
7 Wagner, Los Angeles
97
Die Vorbedingung für die Umwandlung der südkalifornischen Siedlungen
zu Wohnstädten, die später zur Stadtlandschaft zusammenwuchsen, war die
Entwicklung der transkontinentalen Eisenbahnverbindung.
SIEDLUNGSTYPEN
Nach dem bisher Gesagten ergibt sich folgende Gliederung der Siedlungen
des Südkalifornischen Beckens:
A. Nach den Triebkräften· der Entstehung in Gründungen durch:
1. Obrigkeits-Initiative (spanische Missionen und Pueblo);
2. Einzel-Initiative (spanische Ranchos, U.S.-amerikanische Farmen,
Estates und geschäftsmäßige Siedlungsgründungen) ;
3. Gruppen-Initiative (Farmgruppen und Pflanzungskolonien) ;
dazwischen Übergänge (mexikanische Ranchos durch Obrigkeits- und
Einzel-Initiative, Pasadena durch Einzel- und Gruppen-Initiative).
B. Nach ihrer Form in:
I. Städtische Siedlungen (Los Angeles, Landstädtchen Anaheim);
2. Lockersiedlungen (Farmgruppen, Pflanzungskolonien, geschäftsmäßige
"Tract"-Aufteilungen) ;
3. Einzel-Siedlungen (spanische Ranchos, U.S.-amerikanische Farmen
und Estates);
die eine Form kann aus der anderen hervorgehen; die Lockersiedlung
durch Zusammenfassung von Einzelsiedlungen (Farmgruppen, Estate-
Aufteilung); die städtische Siedlung aus der Lockersiedlung (zu--
nehmende Wohndichte mit fortschreitender Auf teilung und Funktions-
änderung der Farm- und Pflanzungskolonien).
C. Nach ihrer Wirtschaftsgrundlage in:
I. Zentrale Marktsiedlung (Los Angeles-Geschäftsviertel) ;
2.. Gartenbesitzungen = städtische Estates ( GartenvorstadtvonLos Angeles) ;
3. Pflanzungslandsitze = ländliche Estates (Einzelpflanzungen im San
Gabriel-Becken) ;
4. Pflanzungskolonien (Anaheim, Riverside, Pasadena) ;
5. Ackerbausiedlungen (Einzelfarmen und Farmgruppen) ;
6. Hafensiedlungen (Wilmington, Santa Monica).
Erst mit' der transkontinentalen Eisenbahnverbindung kam der Typ der
Wohn- und hinzu, womit Santa Monica den An-
fang machte, nachdem es als Hafensiedlung gescheitert war.
98

GROSST ADTBILDUNG
>ot
ANFÄNGE DES FREMDENVERKEHRS
1869 wurde die Central Pacific Railroad fertiggestellt, die San Francisco
mit dem Osten verbindet. Von San Francisco aus bestanden Zweigbahnen nach.
einzelnen Punkten der Umgebung. Aber noch immer stand die wirtschaft-
liche Bedeutung Südkaliforniens in keinem Verhältnis zu Nordkalifornien.
Los Angeles als Zentrum des Südens blieb mit 5700 Einwohnern 1870 be-
trächtlich hinter Sacramento und Stockton im Norden des Staates, selbst
hinter San Jose zurück, das 9000 Einwohner zählte (Lit. 102). Eine Bahnver-
bindung mit Los Angeles erschien gar nicht erforderlich, denn der geringe
Reise- und Güterverkehr wurde ja durch die Schiffsverbindung mit San
Francisco bewältigt. Zwar baute die Southern Pacific Railroad, eine Zweig-
gesellschaft der Central Pacific-Eisenbahn, in den 70er Jahren eine Bahn-
linie im SanJoaquin-Tal südwärts, doch erschien es wahrscheinlicher, daß sie
von Bakersfield der ebenen Route längs 35. Parallels ostwärts über die
Mohave-Wüste folgen würde, anstatt einen Umweg über Los Angeles zu
machen, der mit der Überwindung mehrert;r zum Teil schwieriger Pässe
(Soledad- und San Ferhando-Paß) ist. Als die Bahnlinie entlang
dem 32. Breitengrad gebaut werden sollte, wurde ernstlich erwogen, die Bahn
von Mohave in gerader Richtung entlang der Nordseite des San Gabriel-
Gebirges und durch die bequemen Cajon- und San Gorgonio-Pässe nach
Yuma durchzuführen. Man wollte höchstens von San Bernardino eine Stich-
bahn nach Los Angeles legen (Lit.639). Im San Joaquin-Tal war es die
Politik der Bahn, sobald ihr Bau sich einer Siedlung näherte, diese um freies
Wegerecht und um eine Prämie zu bitten. Wurde ihr das versagt, so legte sie
ihre Linie in einiger Entfernung an der Siedlung vorbei, so daß sich an der
Eisenbahn ein neues Siedlungszentrum bildete, während das alte einging. So
war es auch für Los Angeles in der Hauptsache eine Geldfrage, ob die Stadt
Eisenbahnverbindung erhielt oder übergangen wurde. Trotz langer Opposition
überwog die Angst vor dem Übergangenwerden, so daß die Abstimmung über
7*
99
!'II
I'
die Prämienumlage positiv ausfiel. Mittlerweile kamen zu der Bahnverbindung
mit Wilmington, die seit 1869 bestand, solche mit Anaheim, dem San Bernar-
dino-Becken und San Fernando, alle in Händen der Southern Pacific Railroad,
bis 1876 der Anschluß an deren "Valley Line" fertiggestellt war. Der
Bau einer konkurrierenden Bahnlinie, die von Santa Monica über Los Angeles
und Independence (Iriyo County) nach Salt Lake City gebaut werden sollte, .
kam nicht über Los Angeles hinaus. Überhaupt verwirklichten sich die
großen Hoffnungen, die an die Bahnverbindung geknüpft wurden, noch lange
nicht. Dazu kamen die nationale Depression, die sich fühlbar machte, und
ein paar Trockenjahre, welche Schafzucht und Wollhandel ruinierten. Eine
1873 errichtete Handelskammer wurde nach 4 Jahren wieder aufgegeben,
nachdem sie wenigstens bei der Bundesregierung eine Geldbewilligung ;-:;ur
Vertiefung des Fahrwassers von San Pedro erreicht hatte.
In den 70er Jahren lockte das Klima zum ersten Male einzelne neuartige
Zuwanderer an. Später brachte es, wie wir sehen werden, eine ganz neue domi-
nierende Bevölkerungsklasse in die Landschaft. C h a r I e s No r d hoff schilderte
in einem 1873 erschienenen, in den Oststaaten viel gelesenen Buche (Lit.435)
die Vorzüge des südkalifornischen Klimas und seine für Schwindsüchtige heil-
samen Kräfte. Zur gleichen Zeit schrieben Zeitungskorrespondenten, die Süd-
kalifornien besucht hatten, über die Vorteile eines Erholungsaufenthaltes in
dieser Landschaft. So kamen, trotz der ungenügenden Hospitäler und wenig
komfortablen Hotels, die nicht einmal geheizt werden konnten, schon einzelne
Lungenkranke nach Los Angeles, Santa Barbara und San Diego (Lit. 524,
S. 327). Seit Bestehen der Eisenbahnverbindung 1876 kamen sie in größerer
Zahl, meist auf ärztliche Verordnung. Ein großer Prozentsatz der "one
lungers", bei denen die Krankheit noch nicht zu weit fortgeschritten war,
erlangte in der Tat die Gesundheit wieder. Die Briefe dieser Geheilten brachten
einen weiteren Zustrom nicht nur Leidender, sondern auch ihrer gesunden
Verwandten. Viele von ihnen erwarben ein Grundstück im San Gabriel-Becken,
wo sie sich dem Obstbau widmeten und gesund wurden. Die trockene Luft
und die Frostfreiheit der höheren Schuttkegel hatten die gesuchte heilsame
Wirkung, so daß wir entlang dem sogenannten "foothill belt" in den 80er
Jahren eine Reihe von Siedlungen entstehen sehen. Pasadena verdankt zum
großen Teil diesem Zustrom sein rasches Wachstum in den ersten Jahren nach
der Gründung.
Nachdem die Überlegenheit des südkalifornischen Klimas gegenüber
Flo,rida, der Golfküste und Kuba erkannt war, kam nun neben dem Gesund-
100
r
heitsbedürftigen und dessen Verwandten, die hier siedelten, der Tourist. Hier
wirkte wieder die Einzel-Initiative. organisierte den Fremdenverkehr,
indem sie Hotels baute, die den Bedürfnissen der wohlhabenden Yankees ent-
sprachen, für Reklame sorgte und die "personally conducted tour" einrichtete.
Walter Raymond, dessen Reiseagentur als Raymond-Whitcomb& Co.
noch heute besteht, begann die "Raymond Excursions" von Boston nach
Kalifornien zu organisieren. Unter den Ortschaften Südkaliforniens wählte er
1883 Pasadena zur Anlage eines Luxushotels, das als Winteraufenthalt den
verwöhnten Touristen aus Neuengland, der bisher nach Florida, New Orleans
oder Havanna gegangen war, anlocken sollte (Lit. 515, S. 467). Der Gipfel
des Raymond Hill, der die San Gabriel-Platte im Süden überragt und nach
Norden eine umfassende Aussicht auf und San Gabriel-
Gebirge gewährt, wurde planiert und darauf ein Hotel mit bisher in Süd-
kalifornien unbekannten Ausmaßen und unerhörtem Luxus errichtet. Es
bestimmte den. Charakter der kommenden Entwicklung Pasadenas.
Seit den 70er Jahren wurden auch die ersten Reklameversuche von Los
Angeles selbst unternommen. hin sandte die erste
Handelskammer ein ganzes Jahr lang jede Woche 50 Exemplare der 3 Zei-
tungen von Los Angeles an die führenden Hotels und Bibliotheken im ganzen
Lande. 1875 ließ sie durch eine Reihe von aufallen Gebieten des Geschäfts und
der Landwirtschaft führenden erfahrenen Unternehmern von Los Angeles eine
Schrift zusammenstellen, die für die wirtschaftlichen und klimatischen Vor-
züge der Landschaft Reklame machte. Die Schrift war für die Jahrhundert-
feier in Philadelphia bestimmt, an deren Besucher sie verteilt wurde (Lit. 510,
S.482/83 und498). die erste organisierte Reklameaktion, die eine Gruppe
führender Bürger von Los Angeles zur Beförderung der Zuwanderung unter-
nahm. Den Unternehmer und Touristen, der die Jahrhundertausstellung in
Philadelphia 1876 besuchte, bestachen die südkalifornischen Ansichten die . ,
Payne im Projektionsverfahren vorführte und die vielen zum erstenmal
einen anschaulichen Begriff von der reizvollen Landschaft gaben. Die
Reklameversuche hatten zunächst bescheidenen Erfolg; denn es folgte ihnen
ein aufsehenerregender Bankzusammenbruch, das Ende der Schafzucht
und eine jahrelange Wirtschaftsdepression.Die Reklame half immerhin,
den .Fremdenverkehr zu fördern, vor allem aber machte sie die Boden-
spekulanten des ganzen Landes darauf aufinerksam, daß sich in Südkalifornien
etwas vorbereitete.
101
ERSTER BOOM UND STADTENTWICKLUNG
Die Eisenbahnen und das große südkalifornische Landfieber
Die Wirtschaftsdepression dauerte noch bis in die 80er Jahre. Die Land-
schaft litt unter landwirtschaftlicher Überproduktion, hohen Frachtsätzen und
Mangel an Absatzmärkten. 1882 war endlich die südliche Transkontinental-
route der Southern Pacific-Eisenbahn fertiggestellt. Damit wurde den Produkten
Südkaliforniens, das jetzt mit Nordkalifornien konkurrieren konnte, der öst-
liche Markt eröffnet. Außerdem konnten nun die Minengebiete von Arizona
und Neumexiko Von Los Angeles aus versorgt werden. Während die bisher
einzige Transkontinental-Verbindung, die Central PacificRailroad, vielfach im
Winter durch Schneefall Unterbrechungen erlitt, ist die neue südliche Route
schneefrei. Sie wurde deshalb bald zur bevorzugten Winterroute nach Kali-
fornien, wodurch natürlich Los Angeles, das an dieser Strecke liegt, bekannt
wurde. Darauf ist es zurückzuführen, daß jetzt Einwanderer und Kapitalisten
die Zukunftsmöglichkeiten des südkalifornischenBeckens erkannten (Lit.488, I,
S. 279). Dazu kam ein wichtiges Ereignis. Auf der Baumwollausstellung von
New Orleans trugen zum ersten Male 1884 die südkalifornischen Apfelsinen
einen höheren Preis als die Früchte Floridas davon. Das öffnete mit einem
Schlage Kalifornien und dem Osten die Augen, wurde zum Anlaß gesteiger-
ten Agrumenanbaues (Lit. 524, S. 326) und war die beste Reklame für die
wirtschaftlichen Möglichkeiten der Landschaft.
1885 stellte dann die mit der Southern Pacific-Bahn konkurrierende Atchi-
son, Topeka and Santa Fe Railroad die Verbindung mit Los Angeles durch
den Cajon-Paß und über San Bernardino her und begann für Südkalifornien
Reklame zu machen. Dem folgte die Southern Pacific Railroad (Lit. 524,
S. 326). Schon im Winter 1885/86 war die Landschaft mit Touristen angefüllt
wie nie zuvor. Bisher waren es immer nur einzelne gewesen, die als Touristen
kamen und von denen der eine oder andere dablieb. Jetzt war es eine ganze
Bevölkerungsklasse, die zum Träger der kommenden Entwicklung wurde. Es
waren bemittelte Menschen, die einen Wohnort suchten, an dem sie den Härten
des östlichen Winters entgingen. Im Gebiet der späteren Südwestvorstadt und
Oberstadt kauften sie zu hohen Preisen Grundstücke, die sie, indem sie darauf
hübsche ViJlen er:r:ichteten und Gärten mit Schatten bäumen, Blumenbeeten
und Rasenflächen anlegten, in städtische Parkbesitzungen verwandelten
(Lit. 524, S. 326/27). (
102
Die Santa Fe-Eisenbahn, die ebenso wie an tier Bahn maßgebend Beteiligte
entlang ihrer Strecke in Südkalifornien großen Besitz an Land während des
Bahnbaues erworben hatte, benötigte Siedler und Fra€ht (Lit. 524, S. 327/28
und 76). Sie begann einen Konkurrenzkampf mit der Southern Pacific-Eisen-
bahn,der zu unerhörter Schärfe führte (Lit. 524, S. 328). Bereits 1886 sank
der Preis für Hin- und Rückreisefahrkarte vom Missouri nach Los Angeles,
der 1884 noch $ 150,- betragen hatte (Lit. 524, S. 325), bis auf $ 15,- (Lit'488,
I, S. 279)' Das verlockte Tausende von Menschen im Osten, Los Angeles kennen-
zulernen (Lit.488, I, S. 279)' Dem Bewohner des Ostens, der nur die nüch-
ternen Städte der östlichen und mittleren Staaten kannte, erschien die Garten-
stadt Los Angeles und die Pflanzungslandschaft des San Gabriel-Beckens als
Paradies. Wer nicht gleich dablieb, fuhr nach Hause, um seinen Besitz zu ver-
kaufen und nach Los Angeles zurückzukehren. Die rasch wachsende Nachfrage
. nach Grundstücken und Häusern, die einem wirklichen Bedürfnis entsprang.
hatte zur Folge, daß der Wert von Grund und Boden sprunghaft anstieg,
was nun über das Bedürfnis hinaus zur fieberhaften Landspekulation führte,
von der weniger die vorhandene Bevölkerung als die neuen Zuwanderer und
gerade die weniger Bemittelten unter ihnen und viele im Immobiliengeschäft
Unerfahrene ergriffen wurden (Lit. 524, S. 324).
Der Fahrpreiskrieg der Eisenbahnen ging weiter. Für kurze Zeit betrug der
Fahrpreis vom Missouri nach Los Angeles $ 5,-, ja an einem Tage sogar nur
$ 1,-. Außer den fahrplanmäßigen Zügen, die in mehreren Abteilungen
fahren mußten, liefen jeden Tag 3-5 Sonderexkursionen in Los Angeles ein.
Alle Unterkunftsmöglichkeiten der Stadt waren überfüllt. Schlagartig wurde
das innerhalb der Stadtgrenzen in städtische Grund-
stücke aufgeteilt. Über Nacht wurde ein Teil des bisherigen Wohnviertels
zum Geschäftsviertel, und wasdaran grenzte, erfuhr eine Wertsteigerung um
das Vielfache im Hinblick auf die kommende Ausdehnung des Geschäfts-
zentrums. Der Land-Boom von Los Angeles der Jahre 1886 und 1887 steht
in der Entwicklung amerikanischer Städte einzig da; in seinen bevölkerungs-
anziehendenWirkungen kann er nur mit dem Goldfieber von 1849 ver-
glichen werden.
Das Landfieber brachte naturgemäß auch eine andere Klasse Menschen
nach Los Angeles, den reinen Spekulanten, darunter den verantwortungs-
losen Grundstücksmakler, der von kleineren Booms in Iowa und Kansas Er-
fahrung mitbrachte. Weniger die städtischen Grundstücke als die weitere süd-
kalifornische Landschaft wurde zum Objekt dieser skrupellosen Profitgier.
1°3
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Farrilland wurde auf Grund seiner Eisenbahnverbindung und der Möglichkeit -'
des Apfelsinenbaues oder wegen seiner schönen Aussicht zum. Zehnfachen des
Preises verkauft, den es eigentlich bei Berücksichtigung aller dieser Vorteile
wert war. Der geschickteste Trick des Spekulanten war die Stadtgründung
auf dem Papier. Auf der Strecke von Los Angeles bis zur Grenze gegen das
San Bernardino County, entlang der Bahnlinie eine Entfernung von 58 km,
wurden allein in den Monaten März bis Mai 1887 13, im ganzen 25 "town-
sites" angelegt und aufgeteilt. Die Auf teilungen waren so groß, daß eine "Stadt"
unmittelbar an die nächste grenzte. Dazu kamen die " Städte" , die entlang
der zur Santa Fe-Bahn parallel laufenden Southern Pacific-Bahn gegründet
wurden, so daß im San Gabriel-Becken allein plötzlich 36 "Städte" entstanden.
Ebenso rasch ging es an anderen Stellen, wo eine projektierte Eisenbahn, ein
zukünftiger Hafen wie Port Ballona, ein umliegender Farmdistrikt oder eine
geplante Hochschule als Reklame für die verheißungsvolle Entwicklung her-
halten mußte. Auf teilungen, für deren "water privileges" Reklame gemacht
wurde, erwiesen sich dann als nicht dräniertes Land oder sie lagen in einem
Trockenbett ! (Lit. 5 I 0,. S. 573). "Städte", deren Grundstücke auf Grund ihrer
schönen Aussicht verkauft wurden, lagen meist, im Gebirge oder auf völlig un-
brauchbarem wasserlosen Gelände. Azusa wurde von den Spekulanten als die
kommende Rivalinvon Los Angeles hingestellt (Lit. 512, s. 63). Vor Eröffnung
des Grundstücksverkaufs, bis zu· der die Aufteilungspläne geheim gehalten
wurden, standen die ganze Nacht hindurch die Käufer vor dem Maklerbüro.
Für gute Plätze in der Schlange wurden hohe Summen bezahlt. Denn wer zu-
erst kam, . konnte sich die besten Eckgrundstücke aussuchen. So erhielt der
Dritte in der Reihe $ 500,- und selbst der wollte seinen Platz
für nicht unter $ 100,- hergeben. Allein am erstenVerkaufstag wurden Grund-
stücke im Gesamtwert von $ 280000,- verkauft (Lit. 488, I, S. 260/61). Der
Verkauf dauerte 3 Tage an, obwohl.kaum 10 Prozent der Käufer die Auf-
teilung gesehen hatten. Sie wollten ja nicht da wohnen, sondern nur ihre
Grundstücke mit Gewinn weiterverkaufen (Lit.488, I, S.260/61). In, einem
anderen Falle kam es vor, daß die Spekulanten schon Sonntag abend Schlange
standen, wenn der Verkauf Mittwoch früh beginnen sollte. Manch einer stellte
einen Vertreter in die Schlange, den er von Zeit ZU Zeit besuchte, und später
wurden sogar Nummern ausgegeben, so daß man in der Wartezeit seinem
Geschäft nachgehen konnte. Irgendwie wurde jeder vom FIeber gepackt und
- ""-
spekulierte so lange, bis er hereingefallen Alles andere spielte keine Rolle
mehr, überall wurden Grundstücke verkauft und Kontrakte abgeschlossen,
j-
auf der Straße, in der Schankstätte, oder wo man s1ch gerade begegnete. Oft
wurde ein Grundstück am. selben Tage mehrmals zu immer höherem Preise
weiterverkauft. Die Grundstücksmakler schossen wie Pilze aus dem Boden
(Lit. 510, S. 570). Der gewissenloseste der Spekulanten, Simon Homberg,
erwarb 2 Viertelsektionen Regierungsland auf der Nordseite des San Gabriel-
Gebirges am Rande der Mohave-Wüste. Hier gründete er 2 "Städte", Border
City und Manchester, ohne sie überhaupt zu vermessen. Auf den Karten des
Katasteramtes bezeichnete er die Grundstücke und sah breite Straßen vor
(Lit.488, I, S.262). Schlauerweise bot er die Grundstücke nur außerhalb
Südkaliforniens an, im Nordwesten, im Osten, selbst in Europa (Lit. 488, I,
S. 262), und machte derartige Reklame, daß er die Mehrzahl seiner über 3000
Grundstücke in der Tat an den Mann brachte. Dabei richtete sich der Preis
einzig nach dem; was der gebluffte Käufer bot, bis zu $ für das Grund-
stück, das ihn selbst durchschnittlich 10 Cents gekostet hatte (Lit.488, I,
S. 262), sofern man den Zahlen Guinns, der die Katasterbücher eingesehen
hat und als der zuverlässigste zeitgenössische Lokalhistoriker neben Willard
anzusehen ist, Glauben schenken darf. Wer ganz schlau sein wollte, kaufte sich
ein Grundstück in den "Geschäftsblocks" von Border City. Im Südkali-
fornischen Becken selbst konnte man soweit doch nicht gehen. Hier mußte
man wenigstens etwas von der kommenden Entwicklung zu zeigen haben.
So 'wurde oft inmitten der Aufteilung in aller Eile ein hölzernes Hotel im viel-
verzierten viktorianischen Stile dieser Zeit errichtet. Es wurden unentgeltliche
Exkursionen mit freiem Mittagessen veranstaltet. Santa Monica und Redondo
Beach erhielten in Zeit ihre großen Hotels, und Long Beach vergrößerte
und verbesserte das seine. Es genügte aber auch die Abbildung eines in der
Entstehung begriffenen Hotels, wenn nur die Reklame vielversprechend und
der Name wohlklingend war. Musikkapellen verkündeten neue Aufteilungen.
Die Unternehmer kamen auf die eigenartigsten Einfälle. Es gab genug Fremde,
in Los Angeles, die auf den Schwindel hereinfielen,. und es ist erstaunlich, zu
sehen, daß mit Ausnahme der letzten "Gründungen" fast alle Grundstücke
dieser unzähligen Phantasiestädte verkauft waren, als der Boom 1888 zu-
Wenn auch in den meisten Fällen nach der Anzahlung keine
weiteren Zahlungen mehr folgten, so waren doch unter den Tausenden von
Grundstücken meist ein paar bezahlt, so daß der ursprüngliche Besitzer sein
Land mit fremden Besitzinseln darin zurück erhielt, die er nur schwer ent-
fernen konnte (Lit. 510, S. 571). Manchmal blieben kleine Anfänge übrig und
manche spätere Stadt geht auf eine ursprüngliche Boom-Aufteilung zurück.,
1°5
.1
I
So sind Glendora, Azusa, Arcadia, Lordsburg (heute La Verne), San Dimas,
Ontario, Lamanda Park, Santa Anita, Monrovia, Duarte, Alhambra, Glen-
dale, Burbank, Hollywood, Inglewood, Redondo Beach, Rivera, Santa Fe
Springs und manche andere in der Boom-Periode erstmalig aufgeteilt
worden. Long Beach hat in der Boom-Psychose seinen heutigen Namen
gegen den fr9:heren Willmore City von r884 eingetauscht. Selbst das in
dieser Zeit von Quäkern gegründete Whittier nahm den Vor'teil der Boom-
Psychose wahr. Von vielen anderen jener Städte aber mit ihren phantasie-
vollen Namen zeugen heute nur noch die Register des Katasteramtes, ja
in vielen Fällen ist es in der Überstürzung von Verkauf und Weiterver-
kauf r887 gar nicht mehr zur Eintragung gekommen. Mit dem Ende des
Booms vers.chwand auch der unsaubere Spekulant und Schmarotzer als
Bevölkerungselement (Lit. 524, S.329ff.), das während des Booms domi-
niert hatte (Lit.524, S. 34r). Einige der Schwindler konnte man noch fassen
und festsetzen. r 88g wurden die Spielhöllen geschlossen, und 2 Jahre darauf
wurde ein Sonntags-Öffnungsverbot für Trinkstuben erlassen (Lit. 524, S. 34 r).
Los Angeles trat in die Periode geordneterer Entwicklung ein. Manches groß-
artige Boom-Hotel blieb als Zeuge einer seltsamen Periode verlassen stehen,
vielfach halbfertig, diente als Heuschober oder wurde sonst einem Zwecke,
zugeführt, bis es früher oder später abbrannte.
Während des Booms schritt die Ausdehnung des Geschäftsviertels nach
Südwesten rasch fort. Anfang der r880er Jahre war das Geschäftsviertel von
der Plaza aus entlang Main- und Spring Street über die erste Straße hinaus
zum Teil bis an die zweite Straße gelangt (Lit.488, I, S. 280). Noch r882
wurde die Lage des neuerbauten Nadeau-Hotels an der E c k ~ Spring und First
Street als zu weit entfernt vom Zentrum empfunden. Man glaubte das Gebäude
an dieser Stelle-nicht als Hotel verwenden zu können und vermietete es für Büro-
zwecke und Wohnungen (Lit. 524, S. 325). Nun mit einem Male wurden
Maklerbüros in großer Zahl benötigt. Den Maklern, die gewillt waren, hohe
Mieten zu zahlen, mußten die Ladenbesitzer weichen. Die Läden wurden in
viele kleine Verkaufsstände aufgeteilt, von denen jeder einzelne mehr Miete
brachte als vorher der ganze Raum. Das hatte zur 'Folge, daß die Geschäfts-
leute ihre Läden weiter nach Südwesten verlegten (Lit.488, I, S.280). Für
das Gesamtstadtgebiet hatte der Boom selbst nur eine gewaltige Wert-
steigerung von Grund und Boden gebracht, aber kaum eine wesentliche Aus-
dehnung der Bebauung. Auf unbebauten Grundstücken in der Nähe des
l
Stadtzentrums konnte man 'noch wiederkäuenden Kühen begegnen und
106
dörfliches Hühnergackerri vernehmen. Dem machte erst eine Stadtverord-
nung r88g ein Ende (Lit.5IO, S. 572). '"
Auf den Land-Boom von r886/87 folgte erst r888/8g ein "Building-Boom".
Die Grundstücke in der Nähe des Geschäftsviertels, die während des Booms
mehrfach den Besitzer gewechselt hatten, waren jetzt zu wertvoll, um un-
benützt zu bleiben. Die Grundstücksbesitzer sahen sich genötigt, Gebäude
darauf zu errichten, um Einkünfte aus ihrem Besitz zu erhalten. Die Obst-
gärten im Gebiete der heutigen Industrie- und Unterstadt, die für das Los
Angeles der 70er Jahre so charakteristisch waren, wurden in den 80er Jahren
von einem durch Sämlingimport von Australien mit eingeschleppten Obst-
baumparasiten (Icerya Purchasi) vernichtet. Hier entstand in der Nähe der
Eisenbahn das Großhandelsviertel llf!.d in der Unterstadt ein Wohnviertel,
dessen bescheidene Rahmenhäuser heute als Relikte erhalten sind.
Zur räumlichen Ausdehnung der Stadt trug die Erweiterung des Straßen-
bahnnetzes bei, wobei der Bau der Straßenbahn in den Dienst der Land-
spekulation gestellt wurde. So veranlaßten die Grundstücksbesitzer der Ober-
stadt r884 den Bau der ersten Kabel-Straßenbahn entlang der 2. und r.Straße
nach Westen durch Zahlung einer hohen Prämie. Das bewirkte die frühe Be-
siedlung der Oberstadt (Lit.488, I, S.280/8r). In den kommenden Jahr-
zehnten sehen wir immer wieder, daß der Bau von Straßenbahnen nicht auf
städtische, sondern auf Einzel- oder Gruppen-Initiative zurückgeht und
primär dem Zweck des Grundstücksverkaufs dient. Die Straßenbahn geht der
Besiedlung voraus, sie dient erst sekundär dem Lokalverkehr. Nur so ist die
rasche städtische Auftei,lung auf großem Raum möglich. Die Ausnutzung dieser
Möglichkeit bringt von vornherein die weitläufige Anlage der Stadt mit sich.
Bereits 1885 baute eine Gesellschaft, die ein Stück Land von 320 acres (r28 ha)
an Pico Street, außerhalbder westlichen Stadtgrenze, erworben hatte, die
erste elektrische Straßenbahn dorthin, um ihre Auf teilung verkaufen zu können.
Dabei wandte sie die in dieser Zeit mehrfach befolgte Methode des "Tract"-
Verkaufs an, die darin bestand, daß der Verkäufer erst etwa ein halbes
Dutzend billiger Häuser auf ein paar Grundstücken errichtete, sozusagen als
Köder. Dann verkaufte er seine Grundstücke, ohne deren Lage zu bestimmen.
Sobald er alle an den Mann gebracht hatte, wurden sie durch Verlosung ver-
teilt, so daß der Gewinn eines Hauses dem Zufall überlassen blieb. Ein Grund-
stück mit Haus kostete nicht mehr als ein solches ohne Haus (Lit. 488, I, S. 28 r).
Die englische Bezeichnung "lot" (Los) für Grundstück hat hier ihren wört-
lichen Sinn.
r07
Die Grundlage zU der ruhigeren Entwicklung der 1890er Jahre hatte der
Boom gelegt. Ein ausgedehnter Raum um das Pueblo der 187ber Jahre war
aufgeteilt und hatte trotz des Rückschlags einen Bodenwert erreicht, der ihn
nur durch städtische Nutzung rentabel machte. Der Ausbau eines Straßen-
bahnnetzes - 1888 gab es schon 9 Straßenbahngesellschaften - machte die Be-
siedlung des weiten Raumes möglich, ein Prozeß, der sich im Laufe der 90er
Jahre vollzog. Wohl war der Boom zusammengebrochen, aber er hatte die
entlegene, unbekannte, mexikanisch anmutende Siedlung Los Angeles in der
Welt bekanntgemacht. Man wußte von keiner Kleinstadt der Vereinigten
Staaten so viel wie von Los Angeles. Journalisten waren unter den Besuchern,
deren in den 90er Jahren erscheinende und immer wieder neu aufgelegte
Bücher über Südkalifornien den Fremdenverkehr nach und nach für dauernd
nach Los Angeles lenkten. Dazu kam jetzt die Tätigkeit der Handelskammer.
Die Handelskammer und ihr Einfluß auf Fruchtvertrieb und
Fremdenverkehr
Los Angeles, das noch vor kurzem als altes ländliches Siedlungszentrum
erschien, ging aus dem Boom als junge Stadt hervor. In 10 Jahren hatte
sich seine Bevölkerung verfünffacht, von 11000 auf 50000! Daneben hatten
sich aus der Fülle der Eintagsstädte, die nur auf dem Papier bestanden, immer-
hin eine Reihe von Wohnstädten, Pflanzungszentren und Kurorten im Um-
kreis herauskristallisiert.
Für den wohlhabenden Touristen aus den Oststaaten war es vorübergehend
Mode geworden, den Winter in Südkalifornien zu verbringen. In den Wintern
1886/87 und 1887/88 war erin großer Zahl gekommen und hatte den Boom mit-
gemacht. Nachdem das aber nichts Neues mehr für ihn war, und Los Angeles
außer dem Klima nichts, vor allem keine guten Hotels zu bieten hatte, blieb
er im nächsten Winter völlig aus. Man hatte sich zwar schon für einen neuen
Massenbesuch vorbereitet und an allen möglichen Stellen der Landschaft
riesige hölzerne Hotels errichtet. Vergebens. Südkalifornien war zum Auf-
enthalt für "jedermann" geworden. Das stieß den verwöhnten Besucher aus
dem Osten ab. Er folgte anderswo einer neuen Attraktion und vergaß die
letzte (Lit.524, S. 334/35). Damit war die Kontinuität des Fremdenverkehrs
unterbrochen außer in Pasadena, wo ja 1887 das Raymond Hotel eröffnet
werden konnte und am I. J;jmuar 1888 der erste Rosenumzug stattfand, der
seither ununterbrochen bis h e ~ t e am Neujahrstag unter großem Kostenaufwand
108
und unter Beteiligung vieler südkalifornischer Städte abgehalten wird.
Die fortdauernde Anziehung, diePasadena auf vermögende Touristen aus
dem Osten ausübt, von denen mancher sich ankaufte, ließ hier eine .. vornehme
Wohnstadt von neuenglischer Stabilität entstehen, die sich noch heute aus
der labilen Großstadtlandschaft abhebt. Anders war es mit den Zuwanderern,
die bereits mit dem festen Vorsatz kamen, sich in Südkalifornien niederzu-
lassen. Zum Teil waren sie angelockt durch das Klima, zum Teil durch die
Möglichkeiten der Obstwirtschaft (Lit. 524, S. 335)·
Trotz der starken Abwanderung nach dem Zusammenbruch des Booms
erfuhren die sudkalifornischen Landkreise zwischen 1880 und 1890 einen Be-
völkerungszuwachs von 137000 Menschen, von denen 40000 in Los Angeles
blieben. Die übrigen siedelten zum großen Teile auf dem Lande, entschlossen
die Halbwüste zu bewässern, um Pflanzungen von Agrumen und laubab-
werfenden Obstbäumen anlegen zu können. Daneben warfen sie sich auf
Oliven- und Rebenanbau und in der Küstenebene aufWeizen-, Gersten- und
Zuckerrübenbau. Los Angeles wurde das wirtschaftliche Zentrum, und hier
wurde das neue Bevölkerungselement, in dem das alte völlig untertauchte,
zum Träger der Entwicklung, als ob vorher. nichts dagewesen wäre, ebenso
wie früher der Spanier den Indianer und dann die erste amerikanische Zu-
wandererwelle den Spanier abgelöst hatte.
Von 1893 bis 1896 herrschte in den Vereinigten Staaten eine wirtschaft-
liche Depression, deren Einsetzen 1893 mehrere Banken in Los Angeles zum
Schließen zwang, davon 2 für dauernd (Lit. 524, S. 344 u. Lit. 488, I, S. 369).
Sonst hatte Los Angeles infolge seiner isolierten Lage in den auf die allgemeine
Panik von 1893 folgenden Jahren weniger zu leiden als der Osten. Zwar
war der Absatz südkalifornischer Produkte und der Touristenverkehr geringer.
Dem wirkte aber jetzt die neue Handelskammer entgegen. Die Gründung
der Handelskammer 1888 - eine Folge des Selbsterhaltungstriebes nach dem
Zusammenbruch des Booms - markiert den Anfang der neuen Entwick-
lungsepoche, die sich von der überstürzt ungeregelten Entwicklung der Boom-
Periode abhebt. Die Zeit von der ersten Eisenbahnverbindung 1876 bis zum
Zusammenbruch des Booms 1888 war eine Übergangsperiode, ein Präludium
zur städtischen Entwicklung, die erst jetzt mit der Tätigkeit der Handels-
kammer einsetzte.
. Die überragende Bedeutung der Los Angeles Chamber of Commerce
als Faktor in der kommenden Entwicklung zwingt zur Charakterisierung
dieser Einrichtung, die sich von Handelskammern anderer Städte weitgehend
109
unterscheidet. In Los Angeles ist die Handelskammer Angelegenheit der ganzen
Bevölkerung, nicht nur der Geschäftswelt. Ladenbesitzer aller Geschäftszweige,
Fabrikanten, Kaufleute, Pflanzer, Rechtsanwälte, Ärzte, Verleger, behörd-
liche Beamte, Eisen- und Straßenbahn-Unternehmer, Bankiers, Ingenieure,
selbst Pfarrer, Lehrer und Schriftsteller (Lit. 523, S. II) schließen sich in der
Handelskammer zu gegenseitiger Hilfsbereitschaft und gemeinsamem Wirken
nach außen zusammen, denn ein jeder hat Interesse daran, daß die Stadt wirt-
schaftlich aufblüht und eine fortgesetzte Bevölkerungsvermehrung erhält, von,
der die berufliche Entfaltungsmöglichkeit jedes Einzelnen abhängt. Gemein-'
sam erkennen sie, daß, wenn man Menschenzustrom erhalten will, man
Reklame machen muß und dieses, bei der großen Entfernung von den Sied-
lungszentren des Landes, überlegter und viel intensiver als anderswo. Das ist
nur durch straffe, tätige, private Organisation möglich. Männer, denen das
südkalifornische Klima die fehlende Gesundheit wiedergegeben hat, stellen
sich in den Dienst der gemeinsamen Sache, mit um so überzeugterer Begeiste-
rung mitarbeitend. Das Gelingen ihrer Reklameaktionen verdankt die Handels-
kammer weitgehend dem unermüdlichen Frank Wiggins, der als Leiter
der Ausstellungen von Los Angeles in den Städten des Ostens und Nordwestens
bald im ganzen Lande bekannt war (Lit. 488, II, S. 94/97; Lit. 523, S. 262
u. Lit. 510, S. 647). Die Erfolge der Initiative dieses Mannes gehen nicht
zuletzt auf die Originalität seines Wesens zurück. Vor allem entsprang aus
dem eigenen Erlebnis der Genesung Wiggins' aufrichtige Überzeugung, dazu
gab ihm Quäkertradition und -erziehung die erforderliche innere Energie und
werbende Wärme der Persönlichkeit.
Viele wohlhabende Zuwanderer aus dem Osten sind in der Handelskammer
vertreten, gerade solche, die sich in Los Angeles zur Ruhe setzen. Statt un-
tätig zu· sein, investieren sie ihr mitgebrachtes Kapital in Landbesitz und
geschäftlichen Unternehmungen. Aus dem Geschäftsgeist dieser Rentner ist es
erklärlich, daß sie sich in der Handelskammer zusammentun, um in ihr ein
Mittel zu haben, die Entwicklung, an der sie ja selbst finanziell interessiert sind,
vorauszusehen, zu kontrollieren und künstlich zu fördern. Noch heute läßt
die Handelskammer die Mitglieder, die zur· Sitzung nicht kommen können,
kurzerhand fallen. So hat jeder ein Interesse daran, nicht nur Mitglied zu
sein, sondern auch tätig mitzuarbeiten.
Während waren große Teile des Südkalifornischen Beckens in
städtische Grundstücke aufgetEilt worden und befanden sich mit einem Male
in Händen von ortsfremden Städtern (Lit. 523, S.66), die das Land nur als'
110
Spekulationsobjekt gekauft hatten. Neben den Stellen, die sich in festen Hän-
den befanden, besiedelt waren und unter Anbau standen, hatte sich während
des Booms vielerorts eine Spekulationslandschaft herausgebildet, besonders
dort, wo Stadtgründungen auf dem Papier entstanden waren. Flächen, die
bisher als Weiden oder bereits als Ackerland gedient hatten, lagen ungenutzt
als Ödland. Die meisten, denen bei Zusammenbruch des Booms plötzlich
solch ein Spekulationsbesitz, den sie schon mehrfach weiter verkauft wähnten,
zufiel, hatten keine Ahnung von Landwirtschaft. Selbst diejenigen Neulinge
in der Landschaft, die sich ernstlich niederließen und ihr land landwirt-
schaftlich nützen wollten, kamen damit nicht voran, weil sie mit den örtlichen
Voraussetzungen, Boden und Klima, nicht vertraut waren. Hier half die neue
Handelskammer, indem sie die Erfahrungen und Erfolge des einen dem
anderen weniger Erfahrenen zugänglich machte. Da jeder glaubte, Apfelsinen
und Zitronen züchten zu müssen, stellte die Handelskammer die Produkte
der Züchter aus, so daß jeder Neuling für seinen Anbau hier Vergleichsobjekte
fand, an denen er lernen konnte. Zum gleichen Zwecke richtete die Handels-
kammer von 1890 bis 1895 jedes Jahr Agrumen-Messen und Ausstellungen
ein und beschickte die Columbische Ausstellung in Chicago.Die großartige
südkalifornische Schaustellung und die kostenlos unter das Publikum verteil-
ten frischen Blumen und Früchte; die über 3000 km weit herkamen, erregten
Aufsehen auf der Weltausstellung. Die Agrumenzucht erfuhr durch die Hilfe
der Handelskammer einmal einen neuen gewaltigen AufSchwung, zum anderen
kam sie jetzt aus dem Versuchsstadium heraus.
Der Aufschwung, den die Apfelsinenkultur nahm, beruht vornehmlich
auf dem Erfolg, der mit dem Anbau von 2 gepfropften Apfelsinensorten erzielt
wurde, der "Washington Navel"-Apfelsine, die 1870' aus Bahia, Brasilien,
(ursprünglich aus Goa stammend) importiert wurde, und der "Valencia"-
Apfelsine, die über England aus den Azoren ins Land gebracht wurde (Lit. 710,
S. 4/5). Die eine reift im Winter, die andere im Sommer, so daß der Apfelsinen-
markt im Osten der Vereinigten das ganze Jahr hindurch von Süd-
kalifornien beliefert werden kann. der 80er Jahre waren die Schuttkegel
der inneren Becken Südkaliforniens in Apfelsinenpflanzungen verwandelt.
Allenthalben hatten sich Land-, 'Bewässerungs- und Pflanzungsgesellschaften
gebildet nach dem Vorbild der Indiana Colony. Die Industrie konnte aber
erst gedeihen, nachdem der Absatz des Pflanzers durch Bildung von Frucht-
vertriebsgesellschaften aufkooperativer Basis geschützt und garantiert und nicht
mehr der Willkür von Kommissionären unterworfen war. Die kooperativen
111
Gesellschaften wurden später alle in der "California Fruit Growers
Exchange" in Los Angeles vereinigt, die für die Apfelsinen aller kalifornischen
Pflanzer einheitlich unter dem Namen "Sunkist" Reklame macht. Sie unter-
hält Verpackungshäuser in allen Pflanzungsdistrikten, ja es gehören ihr
70000 acres (28000 ha) Waldland in Nordkalifornien, aus dem sie das Holz
für die Kisten gewinnt. Diese Entwicklung begann mit den 90er Jahren unter
tätiger Mithilfe der Handelskammer. Zur selben Zeit fing man an, der Frost-
gefahr erfolgreich zu begegnen durch Heizen der Pflanzungen vermittels
Petroleumöfen, die mit der beginnenden Erdölindustrie aufkamen (Lit. 679,
S. 100/11). Nicht z,u unterschätzen ist die Förderung, die der Agrumenanbau
von seiten der Eisenbahn erhält. Jene Fahrpreispolitik.von 1885/87 war letzten
Endes mit darauf berechnet, die Frachten zu schaffen, die der Eisenbahn ein
dauerndes Geschäft neben, dem Personenverkehr sichern. Die Bahn ist infolge-
dessen in erster Linie am Anbau solcher Produkte interessiert, die der Osten
nicht besitzt und die einen Schiffstransportnicht vertragen. Das sind die
Agrumen. Für sie führte die Bahn Kühlwagen ein,die den Absatz der "Va,.
lencia"-Apfelsine im Sommer im Osten der Vereinigten Stalitten möglich
macht. Das bewirkte naturgemäß eine Erweiterung der Pflanzungslandschaft
in Südkalifornien. Wie sehr noch nach dem Weltkriege die Eisenbahnen an'den
südkalifornischen Agrumenkulturen interessiert sind, erhellt aus der Be-
mühung der Bahnen nach den großen Frostschäden vom Januar 1922 (während
zwei Nächten, 19./20. und 20./2I.Januar); die Frachtsätze für Pflanzungsöfen
von der Fabrik in Toledo, Ohio, nach Südkalifornien um 57 Prozent zu er-
mäßigen. Mit anderen Worten, die Bahnen waren bereit, 40000 $ zu opfern,
um das Beheizen der Pflanzungskulturen populärer zu machen, sie dadurch
in ihrer Ausdehnung zu erhalten. Der Agrumentransport war infolge
des Frostes um beinahe 20000 Wagenladungen zurückgegangen (Lit. 227,
S·584)·
Die beratende Unterstützung der Handelskammer half nun auch anderen
Zweigen der Landwirtschaft und den Industrien, die aus ihr entspringen,
wie der Rübenzuckerindustrie, der Obstkonservenindustrie und der Röhren-
industrie für Bewässerungszwecke. Das zwischen parzellicrrtem
städtischen und ländlichen Grundbesitz und vorhandenen Bewohnern, das
der Boom geschliffen zwang zu einer Aktion, welche die künstliche
Zuwanderungssteigerung zum Ziel hatte. Die "Rentner" drangen daraufhin;
Pläne wurden von einzelnen für deren Verwirklichung die Handels-
kammer das Organ war. Zu der Ausstellung in Chicago kamen Ausstellungen
112
"Jl.
in anderen Städten Amerikas und Europas. Neben der Verteilung von Propa-
gandaschriften wurden die Zeitungen und Zeitschriften des Ostens in den
Dienst der Reklame für Südkalifornien gestellt. Der Boom war ein Ziel der
Neugierde gewesen. Man mußte ihn gesehen haben, bis er nichts mehr Neues
war. Jetzt galt es, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Landschaft im
Osten Amerikas systematisch bekannt zu machen, bis man durch Schaffung
der anfangs noch fehlenden Bequemlichkeiten und Attraktionen auch dem
verwöhnten Touristen etwas bieten konnte. Es galt, diesen durch geschickte
Reklame dazu zu verlocken, daß er dabliebe und sich ein Estate anlege
und gleichzeitig bei ihm die Begier zu erregen, an der wirtschaftlichen Ent-
wicklung des Neulandes teilzunehmen. Dank eines geschickten Einfalls, der
auf einen gebürtigen Deutschen, den Frankfurter Adolph Petsch, Oheim
des Verfassers, zurückgeht, nutzte man unter psychologischer Berechnung die
wirtschaftliche Depression des Landes aus. In der Zeit des Tiefstandes der
Wirtschaft im Osten kündigte Los Angeles 1894 einen Karneval an; für den
der Lokalpatriotismus große finanzielle Opfer aufbrachte. Der Plan verdankt
seine Verwirklichung dem einheitlichen Willen der Bevölkerung, die keine
Cliquen kennt, wie sie für langsamer gewachsene Städte charakteristisch sind.
Die Reklame, die nun im Osten gemacht wurde, hatte zur Folge, daß sich der
Geschäftsmann sagte: "Wenn Los Angeles es sich leisten kann, in dieser Not-
zeit einen Karneval anzukündigen, dann muß da etwas los und etwas zu holen
sein." "La Fiesta de Los Angeles" , wie man den Karneval bezeichnenderweise
nannte, gipfelte in einem kostümierten UIllZug. Der Erfolg bewirkte, daß der
einheitliche Wille der Bevölkerung nur noch mehr gestärkt wurde. Die Fiesta,
für deren mühevolle Vorbereitung die Rentner die erforderliche Zeit zur
Verfügung hatten, wurde in den nächsten Jahren wiederholt, wobei man auf
die reiche Blumenausschmückung des Umzugs viel Gewicht legte, und wurde
während 20 Jahren zur ständigen Institution. Sie bildete eine der Hauptattrak-
tionen des Fremdenverkehrs, dessen Saison Winter und Frühjahr waren. Man
berechnete: viele, die mitten im östlichen Winter mit seinen Unbilden vom
Neujahrs-"Tournament of Roses" von Pasadena lesen oder Bilder vom Blu-
menkarneval in Los Angeles sehen, werden sich fragen: "Warum soll ich
nicht auch in 'einem solchen Klima leben können, anstatt in der Kälte Schnee
schaufeln zu müssen?" So wird mancher, der die Mittel dazu hat, früher oder
später eine Reise nacH Los Angeles unternehmen und wenn er nicht dableibt,
wenigstens anfangen, Geld dort zu investieren. Viele, die nicht sofort dableiben
können oder wollen, werden wiederkehren.
8 Wagner, Los Angeles
113
Beginn der Erdölerschließung
Agrumenanbau und Touristenverkehr, beide durch Klima und Reklame
bedingt, charakterisieren den Anfang der städtischen Entwicklung. Los
Angeles Kurort und Pflanzungszentrum. Die Industrie fehlte. Erst mit der
Erdölerschließung der goer Jahre, die die Versorgung mit Brennstoff gewähr-
leistete, entfaltete sie sich. Wohl war schon in den 60er Jahren im nahen Santa
Clara-Tal Erdöl erbohrt worden, aber die Asphaltvorkommen in der' Um';"
gebung von Los Angeles führten erst Ende der 1880er Jahre zur Petroleurri-
erschließung von Puente östlich von Los Angeles (s. 12, S. 139)· Die
Petroleumfunde von Puente bewirkten,' daß auch im Anschluß an die
Asphaltvorkommen im westlichen Teil des Stadtgebiets nach Erdöl gesucht
wurde. 18g2 wurden Doheny und ein Partner im neuen Wohnviertel der
Oberstadt in geringer Tiefe fündig, was bei der fortgeschrittenen Aufteilung
'und teilweisen Bebauung des Stadtteils eine große Zahl Grundstücksbesitzer
ebenfalls zum Bohren trieb. Bereits Ende 18g5 wurden 308 produzierende
Petroleumbohrtürme von diesem "Centralfield" oder "Old field" gemeldet
(Lit. 175, S. 201). Die städtische Entwicklung geriet damit in diesem Gebiet
ins Stocken. Die Grundstücke gewannen an Wert, verloren aber an Güte'.
Die besseren Bewohner zogen in die vornehmen Viertel am Südrand der
Oberstadt und in' der Südwestvorstadt; Daran änderte auch der Rückgang
der Ölproduktion nichts. Bei einer Lebensdauer des einzelnen Bohrturms von
etwa 6 Jahren wurden anfangs etwa 7 Faß pro Tag und pro Bohrturm ge-
fördert. Ig11 betrug die durchschnittliche Tagesproduktion nur noch 3 Faß,
die Lebensdauer eines Bohrturms 18 Jahre (Lit. 175, S.203)· Ig03 waren '
von den 537 Bohrtürmen 80 aufgegeben und Ig12 von 522 bereits 352 (Lit. 175,
S. 2Ö2). Noch heute sind in der Nachbarschaft von Colton Street und Glendale
Boulevard eine Reihe jener alten kleinen hölzernen Bohrtürme in Betrieb.
Die Straßen sind mittelmäßige Wohnstraßen, deren große Zahl unbebauter,
Grundstücke auffällt. Von Südosten her schiebt sich eine ostjüdische Be-
völkerungsinsel bis in diese Gebiete vor, die nicht gegen minderwertige
Ausländer geschützt sind.
18g6 wurde das östlich anschließende "East field" zuerst im nördlichen
Teil von Sonora Town erschlossen (Lit. 175,S. Ig8), das sich ähnlich wie
das "Ceritral nur mit dem Unterschied, daß hier von vorn-
herein ein dürftigerer Stadtteil betroffen wurde. Hier erscheinen die alten
Bohrtürme heute noch zahlreicher im Stadtbild als im "Central field".
II4
Die erfolgreiche Bohrtätigkeit gritr 18ggnach Westen über. Zwischen Coronado
Street und bis jenseits der alten Gemarkungsgrenze an VermontStreet heran ent-
wickelte sich das "West field", dessen Bohrtürme schon Ig12 weitgehend ver-
schwundenwaren (Lit. 175, S. 204/05). Nur noch ein paar im Winkel zwischen
Third Street und Ocean View Avenue sind heutevorhanden. Hier im Westeri ließ
die Entwicklung des vornehmen Wilshire Boulevard-Wohnviertels am West Lake
Park die Grundstückswerte erheblich so sehr, daß schon um Ig10
der Grundstücksverkauf und die Nutzung für Wohnzwecke ertragreicher waren
als die Petroleumförderung. Daraus erklärt es sich, daß die 331 Bohrtürme,
die Ig03 zwischen Coronado Street und Vermont Avenue vorhanden waren,
Ig12 bis auf eine Gruppe von 21 verschwunden waren (Lit. 175, S. 203/04).
In der westlichen Verlängerung des beschriebenen Ölgürtels und zwar in
der Nähe des Asphaltsees des Rancho La Brea wurden schon seit 1885 Tiefbohr-
versuche gemacht, die endlich Ig02 zum Erfolg führten. Aber erst zwischen
Ig05 und Ig10 wurde dieses nach einer der Ölgesellschaften benannte "Salt
Lake (s. Fig. 1.2,' S. 139) in seiner ganzen Ausdehnung in Tiefen von
250-goo m erschlossen (Lit. 175, S. 227/28). Außerhalb der Stadt gelegen,
wurden hier die Bohrpachten rechtzeitig von yerhältnismäßig wenigen Öl-
gesellschaften erworben, so daß es nicht zum "townlot drilling" I) kam. Die
Nachkriegsstadtentwicklung ging schnell über dieses Ölfeld hinweg, so daß
die Bohrtürme seitdem mit dem Ablauf der Pachten verschwinden müssen.
ZWEIIJ'ER BO,OM UND GROSSSTADTENTWICKLUNG
Schnellbahnnetz und neues Landfieber
Während sich die Bewohnerzahl von Los Angeles zwischen 1880 und 18go
verfünffacht hatte, konnte sie sich von 18gö bis zur Jahrhundertwende nur
verdoppeln. Immerhin erreichte siejetzt 100000. Räumlich hat sich die Stadt
in den 18goer Jahren wenig verändert. Man beschränkte sich darauf, die
Grundstücke, die während des Booms in der Oberstadt, in der Südwest-
vorstadt und auf der Oberen Ostseite aufgeteilt zu bebauen, meist den
vorhandenen Straßenbahnlinien folgend. Wo die Bebauung bereits über die
alte quadratische Stadtgrenze hinausreichte, kam es nach 1895, zu den
ersten Eingemeindqngen (s. Taf. 3 u. Fig. 2, S. 7). Die Erinnerung an den
I) Unter "townlot drilling" versteht man die Erbohrung von Petroleum auf eng benach-
barten städtischen Grundstücken in unwirtschaftlichem fieberhaftem Wettbewerb.
8*
II5
Boom und seine Folgen hinderte neue Landaufteilung für städtische Zwecke.
Ohne die Möglichkeiten raschen Umsatzes ist der Besitz von Grundstücken
eine teure Sache, besonders wenn Hypotheken darauf lasten. Auch in der
Art der Nutzung des städtisch aufgeteilten Landes hatte sich seit dem Boom
wenig geändert. Das Geschäftsviertel war kaum etwas weiter nach Süden
wandert, ja es befanden sich noch einzelne der großen Detailgeschäfte nördlich
der Plaza an der North Spring Street. Das Großhandelsviertel zog sich parallel
dem unteren Niederterrassenrand an der Los Angeles Street entlang von der
Plaza bis zur 2. Straße. Neuer Impuls zu beschleunigter Landaufteilung war
erst gegeben, nachdem genügend neue Bevölkerung sich angesammelt hatte
und diese die alte, welche die Lehre des Booms durchgemacht hatte,
wog. Wiederum ist das neue Bevölkerungselementder Träger der Entwicklung,
die älteren Bewohner mitreißend. Das Charakteristikum der Zeit von etwa
1902-1914 ist die Auf teilung von Ackerland in städtische Grundstücke und
die bauliche Ausdehnung von Wohnvierteln und Geschäftszentrum.
Die räumliche Ausdehnung der Stadt in dieser Periode ist der Erfolg der
Einzelinitiative von Henry E. Huntington, der mit reicher Erfahrung im
Straßenbahnbau 1902 von San Francisco nach Los Angeles übersiedelte."
Während 'eines Jahrzehntes kaufte er ausgedehnten Landbesitz in allen Teilen
der Umgebung von Los Angeles auf. Gleichzeitig beteiligte er sich mit 50
an den vorhandenen Straßenbahnen, die er 191 I vereinigte, - baute
außerdem neue Schnellbahnlinien I) über die Stadtgrenzen hinaus durch seinen
Landbesitz hindurch und verband alle bestehenden Randstädte und die von
ihm gegründeten Ausflugsorte im Innern der Landschaft und am Strande
nach und nach mit Los Angeles. Auf diese geschickte Weise brachte er seine
Ländereien, die in städtische Grundstücke aufgeteilt wurden, an den Mann
zu Preisen, die den Bahnbau mehrfach wettmachten. Am Ende der Periode
dehnte sich die Stadt fingerförmig nach allen Seiten in die Landschaft hinein
(s. Taf. 3), wobei die Entwicklung gerade umgekehrt gegangen ist als in
anderen Städten. Es sind nicht die vorhandenen Vorstädte, die den Bahnbau
nach sich ziehen, sondern die vorhandene Bahn bedingt die Vorstädte. Dabei
ist die Bahn Mittel zum Zweck des Grundstücksverkaufs. Das ist im großen
dieselbe Methode, die im kleinen während der ersten
. "
halb des damaligen Stadtgebietes angewandt wurde. Die Vorstädte, in
dieser Weise entStehen, sehen von vornherein anders aus als primär vorhandene
I)" Besonders große schnellfahrende Straßenbahnen, die in den Außenbezirken meist einen
eigenen Bahnkörper haben.
II6
die einen Siedlungskern darstellen. Ist die B.hn primär vorhanden,
so wird die Vorstadt naturgemäß weitständig sein, denn es ist ja einerlei, an"
welcher Stelle der Bewohner die Bahn besteigt, wenn er nur die
möglichkeit mit dem Stadtzentrum hat. Die räumliche Ausdehnung, die das
Schnellbahnnetz bewirkte, hatte naturgemäß eine Verdichtung des
zentrums zur Folge. Der Bodenwert der Wohnviertel, die an das alte
viertel angrenzten, stieg innerhalb von 5 Jahren um das Zehnfache und darüber.
Damit wurden dielle Bezirke als Wohnviertel unrentabel, das Geschäftszentrum
dehnte sich hierhin aus, der Hauptausdehnungsrichtung der Stadt, also nach
Südwesten, folgend. Mit der Steigerung des Bodenwertes wuchs die Höhe der
schäftshäuser. 1902 wurde der erste Wolkenkratzer mit 14 Stockwerken errichtet,
eine Höhe, die seitdem nicht mehr überschritten wird außer vom Rathausneubau
von 1927. Am Ende dieser zweiten spekulativen Entwicklungsperiode war das
Hochhausgeschäftsviertelvorhanden. Damit gewann die Stadt der']
wende innerhalb eines Jahrzehnts den Charakter der amerikanischen
-stadt. Die Bewohnerzahl verdreifachte sich, von 102000 auf 320000, wobei etwa
13000 auf Eingemeindungen zurückzuführen sind. Was die Handelskammer
während der 90er Jahre durch systematische Reklame vorbereitet hatte, wirkte
sich nach der Jahrhundertwende aus, allerdings nicht so überstürzt
wie im ersten Boom, dafür dauerte er jetzt mehr als 12 Jahre und eilte der
Bebauung nicht in dem Maße voraus, wie es das erste Mal der Fall gewesen
war. Jetzt wurde die Landschaft, die 1887 fast nur Stadtgründungen auf dem
Papier gesehen hatte, durch wirkliche Siedlungsansätze belebt (s. Tafel 3).
Das Schnellbahnnetz und die zahlreichen Ausflugsorte, die gleichzeitig
v "
standen und erreichbar förderten den Fremdenverkehr gewaltig.
Nun waren, auch genügend komfortable Hotels vorhanden, die den
wöhnten Touristen jeden Winter wieder anlockten, bis er sich schließlich
selbst ankaufte. Gerade die Neulinge sind die eifrigsten Verkünder des Heils
von Los Angeles. Kaum sind sie selbst bekehrt, so fördern gerade sie die
wicklung am energischsten (Lit. 292, S. 157). Eine Auf teilung nach der anderen
wurde :vörgenommer>; und verkauft. Durch das Erdbeben von San Francisco
1906 erfuhr" das Landfieber einen Rückschlag, lebte aber nach 2 Jahren wieder
auf und dauerte bis 1914 fort.
Im Stadtbild wirkte sich der Boom von 1902-1914 dadurch aus, daß er
das Bungalow brachte, das einstöckige leichte Sommerhaus mit großer
Veranda, das ursprüJ;lglich den Schweizer Chaletstil nachahmte. Die Mode,
im Bungalow wohnen zu" können und damit den Freunden und Verwandten
II7
im Osten zu imponieren, griff wie eine Epidemie um sich. Der Kauf wurde
durch das Teilzahlungssystem erleichtert. Zehn oder zwanzig Dollar im
Monat kann jeder leicht aufbringen, auch wenn es zehn Jahre dauert, bis man
sein Bungalow besitzt.
1905 wurde eine direkte Bahnlinie zwischen Salt Lake City und Los Angeles
eröffnet, die dem Fremdenverkehr und damit dem Boom neuen Antrieb
gab, der noch dadurch verstärkt wurde, daß im westlichen Nevada kurz
darauf unweit der Bahnlinie erneutes Bergbaufieber herrschte. Das Bergbau-
fieber belebte den Zuzug Neureicher nach Los Angeles in ähnlicher Weise
wie die kalifornischen Erdöl-Booms von 1900 und 191 r.
Neben dem wohlhabenden Manne aus dem Osten zogen sich viele derer nach
Los Angeles zurück, die als große Viehbesitzer oder in den Minen der be-
nachbarten Staaten des Südwestens reich geworden waren und die vor der
großstädtischen Entwicklung von Los Angeles nach San Francisco gegangen
waren. Aber auch im Touristehverkehr spielte neben dem winterlichen Be-
sucher aus dem Osten der Sommer tourist aus dem,ariden Südwesten eine
fast ebenso große Rolle.
Wasserversorgung und Bau des Aquädukts
Für die Bewässerungskulturen, die in der Zeit amerikanischer Kolonisation
über die Stadtgrenzen des Pueblos immer weiter südwärts sich ausdehnten ,
reichte in den 1870er Jahren das Wasser des Los Angeles-Flusses nicht mehr
aus. Man begann das Grundwasser des Arroyo Seco zu erfassen und für die
Trockenmonate aufzuspeichern. Das ermöglichte die Verlängerung der
zanjas und die Bewässerung von Obstgärten bis über Vernon hinaus (Lit.
488, I, S. 300). Mit dem Boom verschwanden die Obstgärten. Das Wasser
wurde jetzt ganz für städtische Zwecke benötigt und konnte nicht mehr über
die Stadtgrenze llinaus geliefert werden. Damit begann die rasch zunehmende
Anlage von Brunnen, die das Grundwasser der Los Angeles-Ebene so sehr
beanspruchten, daß die winterliche Wasserzufuhr hinter der Entnahme zurück-
blieb. 1904 war das artesische Gebiet (s. Fig. 15, S. 242) auf2fg der Ausdehnu:rJ.g
zusammengeschrumpft, die es 1888 noch gehabt hatte (Lit. 272, S. 35). Ur-·
sprünglich hatte der Grundwasserspiegel überall hoch genug gestanden, so daß
Bewäss,erung erst nach dem Juni und nur während 2-3 Monaten nötig war.
Mit der Entnahme von Grundwasser zur Bewässerung während dieser 2-3
Monate begann bei Erreichen einer bestimmten Bewässerungsintensität der
II8
Spiegel zu sinken. Von diesem Zeitpunkt an wuchs die Zahl der Monate,
die künstliche Bewässerung erfordern, so daß selbst bei "-ortan gleicher Be-
wässerungsintensität das Sinken des Grundwasserspiegels fortschritt. Bei weiter
zunehmender Bewässerungsintensität sank der Spiegel um das entsprechende
Vielfache. Für die Stadt war der kritische Punkt in dem Augenblick erreicht,
in dem die Wasserentnahme der städtischen Reservoirs den Zufluß überstieg.
Das war 1904 der Fall (Lit. 488, I, S. 306). Bei dem konstanten Bevölkerungs-
zustrom mußte mit einem von Sommer zu Sommer abnehmenden Wasservorrat
. gerechnet werden. Los Angeles stand in dieser Zeit vor der Wahl, Kur- und
Ausflugsort von konstanter Größe zu bleiben, entsprechend europäischen
Städten an der Riviera, oder zur Großstadt weiter zu wachsen. Im ersten
Falle würde der Fremdenverkehr zum Erill,zweck werden. Fur die Bewohner,
die ja nicht Rentner im europäischen Sinne sind, kann er aber nur Mittel
zum Zweck sein. Nicht eine zünftige Klasse von Grundstücksmaklern - nein,
sie alle sind an der Wertsteigerung und dem Verkauf ihres Land- und Grund-
stücksbesitzes, der ohne Wasser wertlos sein würde, mehr interessiert als an
irgend etwas anderem. Nur so ist es zu erklären, daß einem phantastischen
Projekt, das 25 Millionen Dollar kosten sollte, mit einer Stimmenmehrheit
von 10 zu 1 zugestimmt wurde (Lit. 488, I, S. 307). Europäische Geldgeber,
bei denen sich Los Angeles vergeblich um Anleihen bemühte, schüttelten zu
dem Unternehmen ungläubig den Kopf.
Die Wassereinzugsgebiete Südkaliforniens, die für die zusätzliche Versorgung
für Los Angeles in Frage kamen, waren entweder zu unbedeutend oder hätten
die Stadt in rechtlichen Konflikt mit den schon vorhandenen Nutzern gebracht,
denn zu Beginn des Jahrhunderts hatten die Bewässerungskulturen bereits alle
dafür in Frage kommenden Teile 'des Staates diesseits der Sierra N e v a d ~ er-
griffen. So war man gezwungen, in das 360 km entfernte Owens-Tal zu gehen,
das die reichlichen Schneeschmelzwässer vom steilen Osthang der Sierra
Nevada empfängt, die vom Owens-Fluß in den abflußlosen Owens-See ge-
führt werden und hier verdunsten. 1905 wurden Land und die entsprechenden
Wasserrechte im Owens-Tal gekauft. Was zunächst nicht gebraucht wurde,
verpachtete man für Bewässerungskulturen. Bezeichnend für den allgegen-
wärtigen Spekulationsgeist ist es, daß kurz vor der Entscheidung hellhörige
"Landhaie" großen Landbesitz im Owens-Tal aufkauften, wodurch sie die
Stadt nötigten, es ihnen zu Wucherpreisen abzunehmen.
per Kanal- und Röhrenbau wurde in 5 Jahren von 1908-1913 durch-
geführt. Er ging durch unerschlossenes Gebiet und erforderte den Bau einer
119
Eisenbahn, von Landstraßen und Wegen zum Heranbringen des Materials sowie
zur Lebensmittelversorgung der Arbeiter und die Anlage von Telegraphen-
und Telephonlinien - das alles auf einer Entfernung, die etwa so lang ist wie
• Nach 1922 der Bewässerung
entzogen
~ Noch 1 9 ~ 2 bewässertes
~ Weide- und Anbauland
Nalurweiden
10 '5 ZO Z.S 3,0 Kilometer
,'z 1& i. Meilen
Fig. 10. Der Rückgang der Bewässerung im Owens-Tal
infolge der Wasserentführung nach Los AngeIes
die Strecke von Frankfurt
am Main bis Amsterdam.
Der Aquädukt ist zum Teil
. ein offener Kanal, zum
Teil eine Röhrenleitung,
die Gebirge durchtunnelt
und als Druckröhre in Tal-
einschnitten hinunter- und
jenseits wieder hochführt.
Der Höhenunterschied, der
zwischen dem Reservoir am
oberen Ende des Aquädukts
und dem untersten Reser-
voir in der San Fernando-
Ebene 800 m beträgt, wird
nahe dem unteren Ende in
3 Steilstrecken zur Kraft-
gewinnung genutzt. Damit
wird der Aquädukt gleich-
zeitig zur Kraftquelle, was
bei der fehlenden Kohle
für die Industrieentwick-
lung von Los Angeles be-
deutsam ist.
Die großräumige Wasser-
übertragung hat die land-
schaftliche Entwicklung des
Owens-Tales eigenartig be-
einflußt und in Wechsel-
wirkung dazu die des San
Fernando-Tales am anderen Ende des Aquäduktes. Die plötzliche Land-
spekulatioJ1 im.Owens-Tal und die Bahnverbindung, welche die entlegene
Landschaft durch den Bau des Aquädukts erhielt, brachten zunächst eine auf-
fällige Bevölkerungszunahme. Bewässerte Weiden und die Gartenlandschaft
120
,
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I.
dehnten sich auf Kosten der Naturweiden aus. Die B'ljln ermöglichte den Ab-
satz der Produkte. Das war möglich, solange nicht alles Wasser in Los Angeles
gebraucht wurde. 1915 wurde die San Fernando-Ebene, bis dahin vorwiegend
Getreideland, eingemeindet. Die Stadt sicherte sich dadurch alle Wasserrechte.
Nun begann die Stadt ihr überflüssiges Wasser an diesem Ende'<les Aquädukts
zu vermieten, denn dadurch wurde ja eine intensivere Nutzung des Landes
möglich; es konnte aufgeteilt werden, sein Wert stieg und damit auch die
städtische Steuereinnahme. Auf diese Weise wird seit 1915 die intensiv be-
stellte Landschaft des Owens-Tales, die sich wieder zur reinen Weidelandschaft
zurückentwickelt, in die San Fernando-Ebene übertragen (s. Fig. 10, S. 120).
Auch der Luzerne- und Getreideversand des Owens-Tales, der nach 1910
begann, hat in den 1920er Jahren wieder aufhören müssen. Die bewässerte
Fläche im Flußgebiet des Owens-Flusses ging von 1919-1929 von 57610 ha
auf 11922 ha zurück, während sie im Bereich des Los Angeles-Flusses trotz
rasch zunehmender städtischer Bebauung von 23629 ha auf 33363 ha sich aus-
dehnte (Lit. 102). Das hieße in Deutschland, man entzieht den Feldern
und Gärten des unteren Maintales das Wasser, um damit auf den Sand-
böden der Mark Brandenburg dieselbe intensive Kultur künstlich zu schaffen.
Die Bevölkerungszahlen des Inyo County spiegeln den Einfluß des Aquäduktes
deutlich wider. In der südlichen Hälfte des Countys stieg die Bewohner-
zahl zwischen 1900 und 1910 von 478 auf2517, ging dann, nachdem der Bau
vollendet war, bis 1920 auf 1927 Bewohner zurück. In der nördlichen Hälfte
lebten 19003899 Menschen, 191,04457, 19205104. Von da ab macht sich der
Rückgang der Bewasserung bemerkbar. 1930 treffen wir hier nur noch 4015
Bewohner. Derselbe Rückgang ist bei der Bevölkerupg von Bishop City zu
beobachten (Lit. 102).
Hafenbau und Panamakanal
Der Bau des Panamakanals, der 1903 von den Vereinigten Staaten über-
nommen wurde, löste in Los Angeles den Wunsch aus, einen Hafen zu be-
sitzen, um an der erwarteten Entwicklung der Pazifischen Küste teilhaben zu
können (Lit.488, I, S. 343). Ja man war gezwungen, sich einen Hafen zu
sichern, denn es war zu befürchten, daß bei Vollendung des Panamakanals
viele Rentnerkapitalisten aus geschäftlichen Gründen dorthin abwanderten,
. wo sie an der Handelsentwicklung teilhaben könnten, etwa nach San Diego
oder San Francisco. Ohne den Hafen würde ja die Anziehung, die das
121
Spekulationsgeschäft bietet, zurücktreten müssen gegenüber den konkurrieren-
den Städten, wo sich dann mehr Geschäftsmöglichkeiten bieten würden als in
Los Angeles. Letzten Endes konnte das Landfieber nur aufrechterhalten bleiben,
wenn die Landwerte durch Handels- und Industrieentwicklung neuen An-
trieb erhielten, und dieses war ohne Hafen nicht möglich. Die Erdölfunde der
I 890er Jahre und die Aussicht auf die Kraftquelle des Aquädukts bewiesen,
daß eine industrielle Entwicklung auch ohne nahe Kohlenvorkommen gewähr-
leistet war. Die vorhandene Wasserversorgung zusammen mit dem Wasser aus
dem Owens-Tal würde für eine Bevölkerung von 2 Millionen ausreichen. Das
wäre eineVerbraucherzahl, die schon allein einer örtlichen Industrie Lebens-
möglichkeit geben könnte.
Um einen Hafen bauen zu können, mußte Los Angeles die Städte Wilming-
ton und San Pedro, wo Anfänge zu einem Hafenausbau gemacht worden
waren, eingemeinden. Der Ausbau der ungeschützten Landeplätze von Re-
dondo Beach und Santa Monica, der von den dort endigenden Eisenbahn-
gesellschaften eifrig verfochten wurde, kam bei der Überlegenheit der Wilming-
ton-Lagune längst nicht mehr in Frage. Auch der Hafenbau in den Marschen
an der Mündung des Ballona Creek, wofür zur Boom-Zeit der 80er Jahre
bereits $ 300000 ausgegeben worden waren, war frühzeitig eingeschlafen. So
knüpfte man wieder an San Pedro an.
Die Konkurrenzgründung Wilmington hatte den Landverkehr bei San
Pedro 1858 zum Erliegen gebracht. Der Wagentransport der U. S.-Ameri-
kaner, der den Ochsenkarren der Mexikaner ersetzte, ließ das von Los Angeles
viel leichter zu erreichende Wilmington als Landeplatz hochkommen, während
San Pedro aufgegeben wurde. Wilmington erhielt 1869 Eisenbahnverbindung
mit Los Angeles und blühte dadurch noch mehr auf. In U.S.-amerikanischer
Zeit spielt von Anfang an der Import von Bauholz eine große Rolle. Wilming-
ton wurde zum Umschlagsplatz für ein großes Hinterland im Südwesten der
Vereinigten Staaten, das der Wagentransport von Los Angeles besser erreichen
konnte als vom Hafen San Diego aus. Mit dem Größerwerden der Schiffe
erwies sich aber San Pedro, am tieferen Wasser gelegen, wieder als günstiger.
Nachdem einmal der Schienenstrang bis San Pedro gelegt war, boten jetzt
für den Landtransport die Zertalung der San Pedro-Terrasse und die größere
Entfernung kein Hindernis mehr, wie das mit dem Aufkommen des Wagen-
verkehrs der war. 1881 wurde die Eisenbahn von Wilmington
nach San Pedro verlängert, wo sie die ganze Hafenfront erwerben konnte,
weil niemand da war, der sich wehrte (Lit. 659, VII). Wilmington ging zurück
122
(1880: 91 I; 1890 nur noch 687 Einwohner). Noch heute bezeugen die vielen
unbebauten Grundstücke und die zerstreut darin liegetden amerikanischen
Rahmenhäuser alten Baustils, daß das Wachstum Wilmingtons um 1880 stehen-
blieb. San Pedro dagegen blühte auf und war schon 1890 doppelt so groß
wie die Konkurrenzsiedlung (1890: 1240; 1900: 1787; 1905: 5600 Einwohner;
Lit. 659, XXV). Die Verlegung der Landungsstelle wurde dadurch noch
begünstigt, daß die Bundesregierung seit i87I Schutzbauten vor San Pedro
anlegte, da es an Zufluchtshäfen nördlich von San Diego mangelte. Eine vor
dem Hafen gelegene Insel anstehenden Gesteins, Deadmans Island, wurde
durch den Bau einer Mole mit der Dünenbarre Rattlesnake Island, die die
Wilmington Lagune vom Meere abschnürte, verbunden. Vorher war zwischen
den beiden Inseln nur eine 2
1
/2 km lange Strecke Niedrigwasser, die San Pedro
den Verheerungen der Südoststürme aussetzte. Die Mole schützte gleichzeitig
die Hafeneinfahrt vor Versandung, indem der Ebbstrom in engere Bahn ge:-
zwungen wurde und die vorhandene Sand barre mitnahm. Durch Baggern
wurde nachgeholfen. So wurde die Hafeneinfahrt, . die ursprünglich bei mitt-
lerem Hochwasser weniger als 60 cm tief war, auf über 4 m vertieft.
1874 ging die Eisenbahn, die Los Angeles mit Wilmington verbindet, in die
Hände der Southern Pacific R.ailroad über. Trotz der gegen den Privaterwerb
von Marsch- und Wattland von der Bundesregierung erlassenen Bestim-
mungen und der gesetzlichen Ansprüche, welche die Stadt Wilmington erhob,
verstand es die einflußreiche Eisenbahngesellschaft, ihre im stillen erworbenen
Hafenfronten zu behaupten. Die Arbeiten am Strand von San Pedro riefen
1877 die Siedlung Linville, ungefähr 2
1
/2 km nördlich des alten Landeplatzes
ins Leben, in der 1879 bereits 3 Läden bestanden bei einer Bevölkerung von
7 Familien. Linville in der Mitte und am neueninneren Hafen von San Pedro,
, Alt-San Pedro im Süden am alten äußeren Landeplatz und eine kleine
Siedlung, Fayal, im Norden bildeten die Siedlungskerne von San Pedro
(Lit. 488, I, S. 337).
Holzeinfuhr und Weizenexport nach Europa, der mit der Ackerbauent-
wicklung des Hinterlandes, vor allem mit dem Weizenanbau in der San
Fernando-Ebene rasch zunahm, bestimmten den wachsenden Verkehr des
neuen Hafens von San Pedro. Es blieb aber immer noch eine Ausnahme,
daß mehr als 10 Schiffe auf einmal in diesem Hafen ankerten, der kein Dock,
sondern nur eine Anlegefront längs San Pedro besaß.
Einen Gegensatz zu dem raschen Fortschritt, den die Stadt Los Angeles
dank der Willensbildung ihrer Bürger nahm, bildete der
123
c' ;'
Stillstand der Hafenentwicklung bis zur Jahrhundertwende. 25 Jahre lang
verteidigte sich ein mächtiges Einzelinteresse energisch gegen jeden auf-
kommenden Wettbewerb und hemmte die Gesamtentwicklung. Um das
Hafenmonopol der Southern Pacific-Eisenbahn in San Pedro zu brechen,
wurde
18
75 Santa Monica als Konkurrenzhafen gegründet. Die Los Angeles
and Independence Railroad, die gleichzeitig gebaut wurde, sollte dem neuen
Landungsplatz den transkontinentalen Frachtverkehr sichern. Schon. im
folgenden Jahre hatte aber die Southern Pacific ihre Zweigbahn San Pedro-
Los Angeles an ihr bestehendes kalifornisches Bahnnetz und ihre Trans-
kontinentallinie angeschlossen, so daß kein Umladen der Frachten in Los
Angeles nötig wurde. Dagegen konnte die Konkurrenzbahn, deren Bau von
Santa Monica nur bis Los Angeles fortgeschritten war, nicht an. Sie wurde
notgedrungen 1878 an die Southern Pacific verkauft, welche die Anlegemole
von Santa Monica wieder verfallen ließ.
Ein neuer Anlegeplatz von Bedeutung für den Holzempfang erstand 1888 in
Redondo Beach, das 1887 als typische Boom-Stadt mit einem großen Hotel
gegründet und im darauffolgenden Jahr durch eine Schmalspurbahn mit Los
Angeles verbunden wurde. Eine Salzlagune bei Redondo Beach ermöglichte
seit den 1830er Jahren die Herstellung von Salz, das, soweit es nicht nach
San Gabriel und Los Angeles geliefert ward, unmittelbar von hier verschifft
wurde. An diesen alten Anlegeplatz konnte angeknüpft werden. Infolge des
nahe an die Küste heranreichenden unterseeischen Tales erforderte er keine·
lange Mole.
Weit schlimmer war indes die Konkurrenz, die der Southern Pacific-Eisen-
bahn 18g1 in San Pedro selbst erstand. Eine Gruppe von Kapitalisten aus dem
Osten spekulierte mit der Idee einer neuen Transkontinental-Eisenbahn, um
an, deren pazifischem Ende Zugang zu einem Tiefwasserhafen verkaufen oder
verpachten zu können. Sie kauften die zwischen Pasadena und Los Angeles
und Glendale und Los Angeles bestehenden Bahnen, erwarben heimlich die
Düneninsel Rattlesnake Island gegenüber von San Pedro und damit eine
mehrere Kilometer lange Hafenfront an der Westseite der Insel, die sie
durch den Bau der Terminal Railroad über Long Beach mit Los Angeles und
Pasadena verbanden (Lit.665, S.65/66, u.488, I, 338). Das Monopol der
Southern Pacific in San Pedro schien gebrochen zu sein. Nun verließ sie San
Pedro und baute am Ausgang des Santa Monica Calions, etwa 4 km nord-
westlich der alten Mole von Santa Monica, eine neue große Mole, 11/2 km
lang, die sie Port Los Angeles nannte und auf die sie die Eisenbahn von
124
u
SANDBANK}
OÜN[N,ANO 859
MARSCH 1
KlifF
I I HAFEN 1931
Fig.1 Der Hafen von Los Angeles 1859 und 1931 (ohne den Hafen von Long Beach)
Santa Monica aus hinaus verlängerte. Während 20 Jahre lang die Southern
Pacific aus den Arbeiten, welche die Bundesregierung in San Pedro unter-
nahm, Gewinnfür ihr Hafenmonopol zog, suchte sie jetzt die Regierungzum
Ausbau des Hafens bei Santa Monica zu veranlassen. Zu diesem Zweck gab
sie auf einmal vor, der Untergrund der Bucht von San Pedro sei felsig, gestatte
deshalb weder sicheres Ankern noch die Gründung von Molenpfeilern. Die
Bürger von Los Angeles setzten sich durch ihre Handelskammer gegen die
SouthernPacific und für einen monopolfreien Hafen bei San Pedro ein. Nach
langen Kämpfen, die der Einfluß der mächtigen Eisenbahngesellschaft in
,Washington geschickt hinauszuziehen verstand, entschied sich endlich die
Regierung für San Pedro. 1899 begann sie den Bau einer neuen Hafenmauer.
die die Hafeneinfahrt gegen Süden schützen sollte. 1910 war sie vollendet.
Wiederum verfiel die Mole bei Santa Monica. Die Terminal RaiIroad von
San Pedro nach Pasadena wurde zur San Pedro, Los Angeles & Salt Lake
Railroad. 1905 erhielt sie Anschluß an die Union Pacific Railroad durch den
Cajon-Paß, wodurch die neue Transkontinentalverbindung über Salt Lake
City hergestellt war. Wie bei der Stadtentwicklung von Los Arigeles ist auch
bei der Hafenentwicklung nicht die transkontinentale "Eisenbahnverbindung
an sich, sondern erst die Konkurrenzeisenbahn das wirklich entwicklungs-
fördernde Moment. Gesteigert wurde diese Entwicklung durch die Aktion von
Los Angeles, die der Bau des Panamakanals auslöste.
Um den Hafen ausbauen zu können und Kontrolle über die Hafengebühren
zu erhalten, mußte Los Angeles die beiden Hafenstädte WiImington und San
Pedro eingemeinden. Nur an die Stadt angrenzende Gebiete können ein-
gemeindet werden. So mußte Los Angeles 1906.erst einen schmalen, 30 km
langen Streifen eingemeinden, den sogenannten Schnürriemen, der an die
Hafenstädte heranreicht (s. Fig.2, S. 7). Um auch diese eingemeinden zu
können, bedurfte es der Abänderung der Eingemeindungsgesetze, die man
eigens zu diesem Zwecke durchsetzte. Obendrein galt es, den Widerstand,
der in den Hafenstädten selbst bestand, zu überwinden. Los Angeles ver-
kündete, die "Saloon"-Plage'), unter der SanPedro litt, abstellen zu wollen,
während man im geheimen den "Saloon"-Leuten und den Interessen der
Eisenbahn Schonung zusicherte. So war San Pedro gewonnen. Wilmington
drohte man mit dem Bau eines Schiffskanals entlang dem "Schnürriemen",.
der die Schiffe ~ n ä h e r an Los, Angeles heranbringen würde, wodurch
') "Saloons" waren Schankstätten, in denen in erster Linie' Schnaps und andere starke'
alkoholische Getränke verabreicht wurden.
LJ
Wilmington umgangen würde (Lit.659, XXVII). So stimmten 1909 beide
Hafenstädte für Eingemeindung. Schön im folgenden Jahr 1910 beschloß
Los Angeles, 3 Millionen Dollar für Hafenverbesserungen auszugeben, auf die
immer 'höhere Bewilligungen folgten. 1906 liefen 1417 Schiffe den Hafen
. an, 191 I bereits doppelt so viele. Von 1902-1913 verdreifachte sich der
jährliche Holzempfang.
Am Hafeneingang wurde ein städtisches Dock gebaut, während das Kliff
von San Pedro den Bau von Docks entlang der Westseite des Hafenkanals
hindert (s. Fig. II, S. 125). Dazu kommt, daß die ganze Front von San Pedro
der Southern· Pacific-Eisenbann gehört, die bei dem Fehlen stimulierend
wirkenden Wettbewerbs nur ein Dock baute. So kamen die Hafenver-
besserungen in erster Linie Wilmington und East San Pedro zustatten. Der
innere Hafen wurde verbreitert und vertieft, vor Wilmington wurde das
Wendebecken ausgebaggert, von dem aus West- und Ostbecken abzweigen
(s. Fig. I I, S. 125)' Zwischen beiden entstanden zwei große Docks. Terminal
Island, das frühere Rattlesnake Island, wurde auf der Seeseite künstlich ver-
breitert. Hier entstand der Fischereihafen (s. Fig. I I, S. 125)'
In der Zeit des Hafenbaus erlebte San Pedro seinen' Boom. Es erhielt
einen starken Zuwachs von Bewohnern, die mit den Hafenarbeiten zu tun
haben. Für den vermehrten Verbraucherkreisentstanden zahlreiche neue
Geschäfte. Die Wohnviertel von San Pedro dehnten sich gegen Point Fermin
nach Süden und über die Pacific Avenue am Hange hinauf nach Westen aus.
19.1 I verlieh der Staat der Stadt Los Angeles alles Wattland, das sich inner-
halb der eingemeindeten Zone befand, mit der Bestimmung, es zum Nutzen
von Handel, Schiffahrt und Fischerei zu verwenden. Zwischendurch vermag
die Stadt Teile dieses Landes auf 30 Jahre zu vergeben (Lit.659, XXXVII.).
Auch dadurch wird Wilmington, das mehr verfügbares Industrieland als San
. Pedro hat, begünstigt. So wächst San Pedro mi t dem Hafenbau, WiImington
nach dem Hafenbau und in dem Maße, in dem sich hier Industrien ansiedeln.
Bei Eröffnung des Panamakanals 1914 und erst recht bei Beendigung des
Krieges war Los Angeles imstande, Handel und Industrie in seinen künstlich
geschaffenen Hafen zu ziehen und mit den anderen Häfen der Pazifischen
Küste in Wettbewerb zu treten. Dem Frachtverkehr im Südwesten der Ver-
einigten Staaten gab der Hafen von Los Angeles mit einem Male eine neue Rich-
tung. Die eigenartige Nachkriegsentwicklung von Los Angeles ließ den Hafen
unerwartet zu erstem Rang aufschnellen und im Verkehr zwischen der Ost- und
Westküste der Union sämtliche Häfen einschließlich New York überflügeln.
127
Filmind us trie
Bei Kriegsbeginn war Los Angeles vorbereitet, eine große Bevölkerung
aufzunehmen. Der Hafen machte Handels- und Industrieentwicklung mög-
lich. Der Aquädukt stellte dieWasserversorgung von 1-2 Millionen Menschen
sicher. Noch war Los Angeles Winterkurort und Wohnstadt des wohlhabenden
Amerikaners, und es fehlte eine neuartige Reklame, welche die Massen des
Ostens, auf die man sich vorbereitet hatte, anzog. Diese Aufgabe erfüllte die
Filmindustrie. "
Nachdem 1893 das erste Filmatelier von Edison in Orange, New Jersey,
eingerichtet worden war, entwickelte sich die Filmindustrie zunächst im Osten.
Sie war in ihren Anfängen an die Fabrikationszentren gebunden, damit
Kamera und Projektionsapparate fortlaufend verbessert werden konnten.
Dazu mußte man die Filmideen und technischen Verbesserungen in Europa
verfolgen können. Außerdem spielte der unmittelbare Kontakt mit einer
dichten Provinzbevölkerung eine Rolle, deren Reaktion auf neue Filme man
aus der Nähe beobachten muß, um sogleich daraus zu lernen.
Am Ende des ersten Jahrzehntes des neuen Jahrhunderts gelangten die
Wildwestfilme nach Europa, wo sie solche Popularität erlangten, daß 1912
amerikanische Ateliers solche Filme wöchentlich in Kilometerlängen herüber- •
schickten. Unter diesen Umständen genügte es nicht mehr, vorübergehende.
Aufnahmeexpeditionen nach dem Westen zu entsenden. Es mußten die Ateliers
selbst dorthin verlegt werden. Dazu war man jetzt in der Lage, künstliche
Kulissendörfer zu errichten, welche die Industrie unabhängig machten von
den natürlichen Kulissen, die bisher die Städte des Ostens boten. Daneben
verlor der Kontakt mit der europäischen Produktion an Bedeutung. Schließ-
lich war der Regisseur nicht mehr wie anfangs auf den Bühnenschauspieler
angewiesen. Der Filmschauspieler brauchte nicht mehr nebenbei in den,
großen Städten des Ostens' aufzutreten, so daß mit der Selbständigkeit dieses
Berufes der dauernde Aufenthalt im Westen möglich wurde. Erst nachdem
so die mannigfachen Faktoren der Abhängigkeit vom Osten überwunden
waren, konnte der Filmunternehmer die klimatischen Vorteile des Westens-
Helligkeit, weite Sicht und Regensicherheit während des größten Teiles des
Jahres - voll wahrnehmen und die Produktion ganz dorthin verlegen. Aus
Gründen der Notwendigkeit der Großstadtnähe, wo Gewähr für rasche Be-
friedigung der vielfältigen Bedürfnisse der Industrie gewährleistet ist und wo
rasch Statistenheere zu haben sind, konnte die Industrie weder in Colorado
noch in Arizona bleiben. Sie setzte sich in Los Angeles in größerem Maße
in dem Augenblick fest, in dem hier die für die kommende
Entwicklung durch den Bau des Aquädukts sichergestellt war (Lit.677).
Obendrein wirkte sich hier die Gunst der Lage aus. Der Wechsel des Land-
schaftsbildes, der im Umkreis von 120 km vorhanden ist, kommt der Film-
aufnahme zustatten.
Von' vornherein wurde die Lage am landschaftlich abwechslungsreichen
Stadtrande bevorzugt. So legte Selig das erste dauernde Atelier 1909 in
Edendale in einem Einschnitt in den Elysischen Höhen an. In unmittelbarer
Nähe sind das Flußbett des Los Angeles-Flusses, der eukalyptusbestandene
Elysische Park, die kahlen Elysischen Höhen und die Chaparral-Hänge und
Caiions Griffith-Park erreichbar. Die nächsten drei Filmateliers, die dem
ersten bis 1911 nach Los Angeles folgten, blieben alle in der Nähe guter lokaler
Transportmöglichkeiten und gleichzeitig in der Nähe freien Geländes auf der
Ostseite des Los Angeles-Flußbettes. Die zahlreichen Ateliers, die 1911 und
seitdem hinzugekommen sind, blieben zum Teil in der Nähe der vorhandenen
Produktionsplätze, zum Teil suchten sie neues Gelände auf. Mit dem Abflauen
der Nachfrage nach Wildwestfilmen verlor die Lage in den vegetationsarmen
Teilen der Cahuenga-Ketten beiderseits des Los Angeles-Flusses an Be-
deutung; Auf der Hollywood-Platte konnte billigeres Land erworben werden,
dessen Wasserversorgung seit der 1910 erfolgten Eingemeindung der Agrumen-
pflanzungs-Siedlung Hollywood gesichert war. Die Lasky-Gesellschaft
(Paramount) mietete zunächst einen Teil einer Apfelsinenpflanzungmit einer
Scheune an der Ecke Vine und Selma Streetund vergrößerte sich nach und
nach. Auch die anderen Ateliers blieben von vornherein des Wohn-
viertels von Hollywood,' mit dessen Südausdehnung sie ebenfalls südwärts
wanderten über die Hauptostwest-Verbindungen Sunset Boulevard, Santa
Monica Boulevard und Melrose Avenue und an ihnen entlang westwärts
gegen das noch offene Gelände hin, das in der Nachkriegs-Boom-Periode
rasch dräniert und' in vornehme Wohnviertel verwandelt wurde. Das
Anwachsen des Bodenwertes und die einsetzende städtische Planung, die
der Filmindustrie den Raum, in dem sie sich ansiedeln darf, vorschreibt,
bewirken, daß keine Ateliers mehr in Hollywood entstehen, und die modernen
Kulissenstägte, die große Bodenflächen benötigen, randlichere Teile der
Stadtlandschaft aufsuchen.
Die Bedeutung der Filmindustrie für die gesamtstädtische Entwicklung liegt
in der Massenreklame, die jeder Film, der aus Hollywood kommt, für Los
9 Wagner, Los Angeles
129
! I
I
Angeles macht. Der amerikanisehe Film, der im Krieg, während dessen die
Einflüsse europäischer Filme waren, hochkam, gewann nach dem
Krieg eine so wichtige Stellung im amerikanischen Leben, daß
in erster Linie den jungen Mä4chen des unteren Mittelstandes, der Beruf des
Filmschauspielers als das höchste zu erstrebende Ziel erscheint. Zweifellos
liegt darin eine nicht zu unterschätzende psychologische Voraussetzung für
die Massenzuwanderung aus den Kleinstädten des Mittleren Westens, die ein-
setzte, als die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Abwandetung aus dem
Heimatort gegeben Waren. Die 'Filmreklame steht somit in scharfem Gegen .. ",
satz zu der Handelskammer- und Eisenbahnreklame, die den sich vom Ge-
schäftsleben zurückziehenden Kapitalisten in erster Linie anziehen neben dem
Touristen. Los Angeles war infolgedessen um die Jahrhundertwende keines-
wegs eine "westliche" Stadt. Es war nach dem Charakter seiner Bewohner
eine europäisch anmutende Wohnstadt wohlhabender, vornehmer, zum Teil
intellektueller, vielfach untätiger leidender älterer Menschen aus dem
die' über die Kunst zu leben verfügten, - eine Stadt vornehmer Villen ohne
Übertreibung, konservativ trotz allen Fortschritts. Teile von Pasadena gewähren
noch heute diesen Eindruck. Gewiß, auch in Los Angeles gibt es noch diese
Menschenklasse, aber die Werbekraft Hollywoods hat es ermöglicht, daß die
Bewohnermasse, die zum großen Teil aus dem kulturärmeren Mittleren Westen'
der Filmresidenz zuströmte, den Charakter der Stadt seit dem Kriege mehr.
und mehr bestimmt. Ohne den Film wäre Los Angeles die Hochburg des
kulturell höher stehenden "Easterners" geblieben, den der "Middlewesterner"
aus erklärlichen Gefühlen sonst meidet, wie die Touristenstädte Floridas zeigen.
So ändert sich die Zusammensetzung des weniger mitarbeitenden. Be-
völkerungselementes, das den äußeren Charakter der Stadt bestimmen mag.
Die treibende Kraft dagegen, die zuerst ihren gemeinsamen Ausdruck in der
Handelskammer der 1 890er Jahre gefunden hat, bleibt durch allejahrzehnte
hindurch bis heute dieselbe. Es ist das lebendige Unternehmertum der aus-
schlaggebenden Bewohner, das den Geist von Los Angeles bestimmt,
ob die Stadt vorwiegend wirtschaftliches Zentrum einer
Gartenwohnstadt, Hafen- lind Handelsstadt oder Industriestadt ist, - einerlei
auch, ob die Bewohner aus New York, dem Mittleren Westen
oder anderen Teilen des Landes kommen.· Wer von ihnen Betätigilngsdrang .
besitzt und 'wirtSChaftliche Möglichkeiten sieht, arbeitet bald mit.
DRITTER BOOM UND MILLIONENSTJ\DTENTWICKLUNG
Nachkriegs-Laridfieber und Automobil
Der Bevölkerungszustrom, der seit Beginn des zweiten Booms, d. h. seit
1902, vom Osten kam, dauerte ziemlich gleichmäßig bis 1914 an, mit einer
vorübergehenden Unterbrechung anschließend an das Erdbeben von Sari
Francisco 1906 und während der allgemeinen Wirtschaftsdepression 1907. Der
Zustrom setzte sich zum großen Teil aus älteren Leuten zusammen oder, so-
weit es mittlere Altersklassen waren, doch aus Menschen, die im Osten ge-
nügend Vermögen erworben hatten, um ihr Geschäft zu verpachten oder ganz
aufzugeben, um im Westen leben zu können. DIeser Strom versiegte mit dem
Kriegsbeginn 1914. Die infolge des Krieges stärker beschäftigte Industrie des
Ostens, die entstehenden neuartigen Industrien und die mit Kriegslieferungen
verbundenen Gewinnmöglichkeiten verringerten den Prozentsatz der Men-
schen, die sich normalerweise vom Geschäftsleben zurückgezogen hätten, 'er-
heblich. Auch der Farmer blieb auf seiner Farm, die er intensiver als zuvor
bewirtschaftete. Außerdem kehrten viele, die sich schon zurückgezogen hatten,
wieder in den Beruf zurück, um am Kiiegsgewinn teilzunehmen. Die Ge-
schäftshausse, die das ganze Land während des Krieges erlebte, wirkte sich
in Los Angeles, das außer mit ein paar Schiffsbauten seiner Werften nicht
daran teilnehmen konnte, katastrophal aus. Das Ausbleiben der "normalen"
Bevölkerungsvermehrung traf den Nerv der Stadt, das Baugewerbe, auf das
empfindlichste. Die Zahl der Baugenehmigungen, -die in den beiden letzten
Vorkriegsjahren jährlich 16'500 betragen hatte, sank 1914 auf weniger als
10000 herab, 1918 ,waren es nur noch 6400. Die zahlreichen entlassenen
Bauhandwerker und Mechaniker wanderten nach den Industriezentren des
Ostens ab, wo sie für hohe Löhne Anstellung fanden. Ebenso wie die Bautä.tig-
keit litt das Grundstücks- und Maklergeschäft. Häuser und Büros standen leer,
und die Mieten sanken. Dafür erlebte Los Angeles nach Kriegsende nicht die
Deflation der Jahre 1920-1922.Jetzt kehrte sich das wirtschaftliche Verhä.lt-
nis zwischen Los Angeles und dem Rest des Landes um. Jetzt zogen sich mit
einem Male die Kriegsgewinnler und alle die vom Berufe zurück, die das
normalerweise während der Kriegsjahre getan hätten, Fabrikanten,
leute und Angehörige der freien Berufe aus allen Teilen des Landes. Davon:
gingen nicht alle nach Los Angeles, denn auch Florida, die Südstaaten an
9"
der atlantischen Küste" die Bundeshauptstadt Washington und New York
nahmen Rentner auf. Die meisten blieben in ihrer Heimatstadt, und manche
zogen sich in die Hauptstadt ihres Staates oder eine Nachbarstadt zurück.
Trotzdem folgte ein erheblicher Prozentsatz der Reklame von Los Angeles.
Dazu kam eine große Menge Farmer des Mittleren Westens, die bei den hohen
Preisen, die für Farmland nach dem Kriege gezahlt wurden, ihre Farm mit
Gewinn verkauften oder ihren Söhnen zur Bewirtschaftung überließen. Der
Krieg hatte somit wirtschaftliche Voraussetzungen geschaffen, die 1919/20
schlagartig eine neue Bevölkerungsmenge von in Europa unvorstellbarem
Ausmaße nach Los Angeles brachten, welche den Vorkriegszuzug um das Viel-
fache übertraf. Die 1922/23 einsetzende "prosperity" des Landes bewirkte,
daß der Zustrom nicht ein einmaliges Ereignis blieb, sondern jahrelang an-
hielt. Der Aquädukt war gerade rechtzeitig vor dem Kriege fertiggestellt
worden, um die Wasserversorgung, ohne welche die Aufnahme solcher
Menschenmassen nicht möglich wäre, zu gewährleisten. Der ebenso recht-
zeitig ausgebaute Hafen ermöglicht den Großempfang von Holz, der für die
plötzlich einsetzende Bautätigkeit erforderlich wurde. Zusammen mit dem
vollendeten Panamakanal schafft er auch die Vonrussetzung vorteilhafter
direkter Einfuhr von Rohstoffen, die für eine den Bevölkerungsmengen
folgende absatzorientierte Industrie von Bedeutung ist.
Die Bevölkerungsaufnahmefähigkeit von Los Angeles bedingte, daß das neu,
und weit stärker als zuvor auflebende Aufteilungsgeschäft das gesamte Leben
auf viele Jahre hinaus beherrschte und ihm, anders als während des ersten
Booms von 1885/88, in der Tat eine entsprechende Bautätigkeit folgte. In-
folgedessen erfuhr die Landschaft zwischen 1920 und 1930 eine gründlichere
Wandlung als jemals vorher in so kurzer Zeit. Während die städtische Auf-
teilung und Bebauung sich bis zum Kriege linienhaft an das Schnellbahnnetz
hielt, macht das Automobil, das seitdem Kriege als örtliches Transportmittel
vorherrscht, die Bebauung von der Nähe der Bahnverbindung unabhängig. Da-
mit wird die flächenhafte Entwicklung zur Großstadtlandschaft möglich. So-
weit es Entwässerung und Relief zulassen, aber auch vielfach, ohne auf sie
Rücksicht zu nehmen,. werden die bisher landwirtschaftlich genutzten Räume
den fingerförmigen Vorsprüngen'der Stadt und die Flächen zwischen
Los Angeles und den Randstädten ausgefüllt. Das Automobil begünstigt erst
recht die weistäildige Bebauung und die rasche Auf teilung außerhalb der
bisherigen Randstadtperipherie liegender Gebiete. Girard am Südwestrand
der San Fernando-Ebene, die Städte des La Canada-Korridors, Pacific
Palisades und Palos Verdes Estates sind Beispiele dafür. Die Bevölkerungsver ..
mehrung ist derartig, daß es heute in Los Angeles etwa ebensowenig Menschen
gibt, die das Aussehen der Landschaft um 1920 beschreiben können, wie in
einer deutschen Großstadt solche, die sich an das Leben in ihrer Stadt, wie
es, um die Jahrhundertwende war, noch erinnern. Dementsprechend ist die
Landschaft von 1920 durchaus eine historische Landschaft, eine Vorstellung,
die dem Europäer fremd sein muß. Es bereitet heute Schwierigkeiten, jene
Landschaft zu rekonstruieren, wenn nicht ein paar Flugbilder von damals
und die Feldkarten des Irrigation Census von 1910/12 vorlägen.
Heute wird eine Landschaft von der Ausdehnung Rheinhessens städtisch
genutzt. Daraus mag man das Landfieber ermessen, das die Nachkriegsjahre
über Los Angeles brachten. Die Stadt rückte von der zehnten Stelle, die sie
1920 mit 580000 Einwohnern einnahm, zur fünften Stelle der Union auf mit
1,23 Millionen 1930. Der Zuzug kam in höherem Maße den Randstädten
zugute. So hatte Los Angeles County 1920 940000 Einwohner, 1930 2,2 Mil-
lionen. Das bedeutet einen durchschnittlichen Zuzug von 125000 Menschen
in jedem Jahr. Das rascheste Wachstum zeigen, wie gesagt, die Randstädte.
So schwoll von 1920'-1930 die Bevölkerung von Alhambra von 9000 auf 30000
an, die von Glendale von 14000 auf 63000, Huntington Park von 4500 auf
25000, Inglewood von 3300 auf 20000. Beverly Hills macht den Rekord
mit dem Anwachsen seiner Einwohnerzahl auf das Fünfundzwanzigfache
innerhalb 1 0 Jahren, von 700 auf 17500! In Gesamt-Südkalifornien be-
trug der jährliche Durchschnitt der Zunahme 163000. Im großen Rest des
Staates nur 60000.
Die anziehenden Kräfte sind in erster Linie die langerprobten Methoden
der Handelskammer-Reklame, die von neuem, mit den Schlagworten
vom" Orange Empire" und der Mannigfaltigkeit der südkalifornischen Szenerie
arbeitet, vom Badestrand bis zum nahen Wintersport alle Vorzüge der Land-
schaft und die das ganze Jahr über mögliche Abwechselung auf das geschick-
teste darstellend. Das Klima wird dabei so verlockend geschildert, daß dem
Amerikaner des Ostens, der alljährlich unter den Extremen winterlicher und
sommerlicher Temperaturen leiden muß, Los Angeles als ein Paradies auf
Erden erscheint. Während die ersten Touristen der 80er Jahre und auch noch
die Amerikaner, die während des zweiten Booms vor dem Kriege nach
Los Angeles kamen, nichts von der spanischen Vergangenheit der Landschaft
wissen wollten, versteht man es jetzt, auch aus ihr Kapital zu schlagen. Schon
vor dem Krieg begann man, größere Gebäude im schlecht imitierten "Mission
133
Style" zu Jetzt auf einmal kann gar nicht genug Reklame für die
Romantik der "spanish days ofCalifornia" gemacht werden. Es wird Mode
die Missionen Kaliforniens zu besichtigen. Der Amerikaner des Ostens braucht
nicht nach Italien zu gehen. Er hat die Ruinen alter südländischer Kir<;hen
im eigenen Lande, obwohl es eigentlich nur provisorische Bauten sind, zum
Teil aus Adobe errichtet, kaum 150 Jahre alt. Es wurde entdeckt, daß Los
Angeles, das dem Neuengländer als Stadt ohne Vergangenheit langweilig
fast so alt ist wie die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten.
kann sich nun mit Boston messen. Reklame machen heißt jetzt, die Geschichte
Südkaliforniens verbreiten. Auf der Bank, im Automobilklub, aus anderem
Grunde auch bei den Titelversicherungsgesellschaften, trifft man eigene
historische Mitarbeiter, Abteilungen mit vollständigen Bibliotheken und er-
hält in vielem bessere historische Auskünfte als auf dem Stadtarchiv, was den
Außenstehenden seltsam anmutet. In dem Augenblick, in dem ein Architekt
für. seine wohlhabenden Auftraggeber Villen im spanischen und spanisch-
kolonialen Wohnhausstil baute, erfaßte die Masse der Bauunternehmer den
Gedanken und baute quadratmeilenweise spanisch. Nun wurde erst recht im
Middlewesterner der Wunsch lebendig, auch in s.o einem südlich anmuten-
den Hause zu wohnen wie sein Vetter oder Freund, der ihm.ein Bild seines
"spanish bungalow" gesandt hatte. Die Reklame für Landschaft, Klima
und spanische Romantik wirkt auf den U.S.-Amerikaner so, daß wohl in.
den meisten Bewohnern des Ostens die Sehnsucht mehr oder weniger lebendig
ist, früher oder später nach Südkalifornien zu um das Land wenigstens
einmal zu sehen. Der Verfasser hat das von vielen Seiten erfahren,als er 1924
im Osten der Vereinigten Staaten lebte und die Absicht äußerte., nach Kali-
fornien überzusiedeln. Daneben wirkt weniger auf den "homeseeker" als auf
die junge Generation Amerikas die Macht der Filmreklame Hollywoods
(s. S. 130). Der Strom "zukünftiger Filmstars" bildet schließlich ein Heer
billig arbeitender Angestellter in Läden, Gaststätten und Schönheitssalons.
Trotz der enttäuschten Hoffnung zieht mancher von ihnen seine Angehörigen
nach sich. Daß der Reiz des Film1andes auch den Touristen und
besucher weitgehend anzuziehen vermag, beweist die große Zahl Hotels,
ApartmeE;t-Hotels und Mietshäuser Hollywoods. Ebenfalls bevölkerungs-
anziehend wirkt die Reklame, mit der die Handelskammer systematisch auf
die Vorteile hinweist, die für die Niederlassung der Industrie in Los Angeles
bestehen im Gegensatz zu San Francisco und den Städten des Nordwestens.
Das ist ein neues ReklameInittel, das erst angewandt wird, seitdem Aquädukt;
134
I
I
Hafen und ein vermehrter Bevölkerungszustromexistieren. Ebenso neu ist
die Reklame, die der "All Year Club" seit 1920 macht. Während früher Süd-
kalifornien dem Touristen als Winteraufenthalt gepriesen wurde, hat man
jetzt herausgefunden, daß man auch für den südkalifornischen Sommer und
seine. Vorzüge Reklame machen kann. Seitdem kennt Los Angeles keine
. "season" mehr. Der "all year tourist" tritt von nun ab in Erscheinung neben
dem "winter tourist". Daneben vermehren die erheblich ermäßigten sommer-
lichen Hin- und Rückfahrkarten der transkontinentalen Eisenbahnen die Zahl
der Sommerbesucher.
Neben den vielen Zuwanderern aller Schichten, die kommen, um den Rest
ihrer Tage in schöner Gegend golfspielend zu verbringen, kommt eine große Zahl
rein aus Gesundheitsrücksichten, besonders wenn der Arzt es ihnen empfohlen
hat. Sehr oft zieht gleich die ganze FaInilie nach Los Angeles, wenn auch nur
einem der Aufenthalt im Inilden Klima verordnet ist. In. einem der folgenden
Jahre kommen dann vielfach Freunde oder Verwandte aus der Heimatstadt
zu Besuch, und es ist fast die Regel, daß nach der Rückkehr der eine oder der
. andere aus solcher Gruppe sich entschließt, auch nach Los Angeles überzu-
siedeln, und da man die Familie nicht spalten will, kommen Eltern und Ge-
schwister mit oder folgen bald. Die Möglichkeit, im eigenen Auto den Kontinent
zu queren, erleichtert das Übersiedeln. So zieht einer den anderen nach, und
jeder bringt etwas Geld Init, - die einen, die Init der Absicht kommen, sich
vom Geschäft zurückzuziehen, viel, die anderen, die sich nicht zur Ruhe setzen
wollell, weniger. Sie kommen alle mit dem Wunsch, ein eigenes Heim und
Garten unter kalifornischen Palmen und immerblauem Himmel zu besitzen,
und fallen prompt, nachdem sie sich kaum im Hotel eingetragen haben, in
die Hände des Maklers. Jeder kauft sich als erstes ein Grundstück, baut sich
ein Haus, 'meist ein einstöckiges Bungalow darauf - die zweistöckigen Mehr ..
faInilienhäuser nehmen erst nach und nach zu - und beschäftigt sich in seinem
Garten. Wer Vermögen mitbringt, verwahrt es in der Bank. In der Provinz-
stadt seiner Heimat hätte er daInit eine erste Rolle gespielt, wäre im Aufsichts-
rat der L()kalbank und wäre Stadtrat und im Vereins- und Kirchenleben
führend. In Los Angeles ist er ein Unbekannter unter vielen. Vielleicht wird
er Mitglied eines und der nächsten Kirche seiner Sekte. Im Auto
Iahrt er Sonntags nach San Diego oder Santa Barbara. Nach und nach
schwindet aber die Lust am Rentnerleben, und die dem U.S.-Amerikaner
innewohnende BetriebsaInkeit wird lebendig. Das fieberhafte Spekulations-
treiben der Stadt, das ih,m anfangs fremd war und das er für Schwindel hielt,
135
. ;1
beginnt ihn zu interessieren, um so mehr, sobald er sieht, daß Grundbesitz,
den er bei seiner Ankunft hätte kaufen können, innerhalb kurzer Zeit für den
doppelten Preis verkauft wird. Nach 6 Monaten, spätestens nach 2-3 Jahren
merkt er, daß das doch alles Dauer hat, und wer in seiner Heimat gewohnt
war, sein Geld in anderen Dingen anzulegen und an der Börse zu spekulieren,
gewöhnt sich daran, daß man hier Grundstücke kauft und verkauft und sich
an AufteilungenbeteiIigt. So wird in Los Angeles fast jeder früher oder später
zum Grundstücksspekulanten. Das geht Arbeitern, Angestellten, Dienstboten'
und anderen ebenso wie dem Rentner. Dieser wird bald ermutigt, den Rest
seines Vermögens aus dem Osten nach Los Angeles zu transferieren, und schon
besitzt er außer einer Auf teilung auch eine Beteiligung an einem Geschäfts-
haus. Er erkennt obendrein, daß in der Branche, in der er im Mittleren Westen
oder Osten ein Geschäft betrieb, auch hier Geld zu verdienen ist. Wer
händler war, besitzt bald ein FiIialsystem von Holzverkaufslagern. Wer eine
Fabrik hatte, die in irgendeiner Form das Baugewerbe belieferte, versucht,
damit am neuen Wohnsitz wieder anzufangen. Das erklärt die Existenz so
vieler kleiner Industrieunternehmen, die von Leuten ins Leben gerufen
werden, die damit in einem anderen Teile des Landes schon erfolgreich waren
und vielfach jahrzehntelange Erfahrung besitzen. Mit darauf ist es zurück·
zuführen, daß alle diese Unternehmungen, die die alten Wohnhäuser rings um
das Geschäftsviertel und der Unterstadt verdrängen und sich in allen Ver-
kehrsstraßenentlangziehen, lebensfähig sind. Unter den ankommenden
Rentnern ist mancher unbekannte Millionär, der sich, nachdem er sein
Rentnerdasein aufgegeben hat, in entsprechend größere Unternehmungen
einläßt. Bei den vielen großen und kleinen Rentnervermögen, die die Zu-
wanderer mitbringen, spielt naturgemäß das Bankgewerbeeine große Rolle.
An den Verkehrskreuzungenjener ausgedehnten neuen Wohnviertel entstehen
Zweigbanken, vielfach gleich zwei konkurrierende, während die anderen beiden
Ecken meist von zwei konkurrierenden Tankstellen oder zwei konkurrierenden
Drug stores (s. S. 165 Anm.) eingenommen werden. So entstehen allenthalben
Siedlungszentren an Stelle der ursprünglichen Grundstücksmakler-Baracke.
Diese bleibt entsprechend dem Fortgang der Bebauung beweglich.
Das Grundstücksgeschäft ist ohne das Automobil nicht denkbar. Beliebt
war die ride, free lunch, free lecture" -Methode des Maklers. Am Per-
shing Square odex: in der Nähe des Zentrums ließ er morgens einen Omnibus
parken, von dem aus die Passanten mit geschäftstüchtigen Worten zur freien'
Fahrt in dieses oder jenes "schönste" Viertel der Umgebung eingeladen
136
.. '
wurden. In der "subdivision " angelangt, wurde ihnen unter einem Zelt
das versprochene Lunch verabreicht, danach ein Muster-Bungalow gezeigt
und dann, von allgemeinen Bemerkungen über die schöne Lage, Aussicht,
rasche Entwicklung und Wertsteigerung gerade dieser Auf teilung ausgehend,
auf die armen und vielfach völlig ahnungslosen Neulinge eine immer indi-
vidueller werdende Hochdruck-Verkaufstechnik losgelassen. Sie fand ihre
Opfer, denn man konnte ihnen ja die Beispiele der vielen über Nacht empor-
geschossenen neuen Stadtteile zeigen. Manche treugläubige alte Frau, mancher
geschäftsunerfahrene Schullehrer gab da seine· paar Ersparnisse als An-
zahlung für ein oder mehrere Grundstücke hin in der vollen Überzeugung,
"auch so wie die anderen" mit seinem Land schnell reich zu werden. Um so
größer war ihre Enttäuschung, wenn dann die verheißene Verkehrsentwicklung
in der Stadt nicht gerade diese Auf teilung berührte und die Wertsteigerung
ausblieb. Dann konnten die Ratenzahlungen nicht mehr geleistet werden,
die Anzahlung verfiel, und das Grundstück fiel zurück an den Unternehmer.
Oft kam die Ernüchterung schon gleich nach der Rückkehr zur Stadt. Doch
wenn der Betroffene dann zur Bank eilte, um die Auszahlung seines Schecks
zu verhindern, war ihm der Makler schon zuvorgekommen. Mancher kaufte
auch sein Grundstück in der ernsten Absicht, darauf zu bauen, und wenn er
einzog, und die Entwicklung war in anderer Richtung gegangen, so fand er
sich mit ein paar verstreuten anderen Häusern allein zwischen leeren Bau-
plätzen in der ins Stocken geratenen Auf teilung und mußte in einem Torso
seiner erträumten "Paradise Heights"- oder "Vista de los Cerros"-Vorstadt
leben 1). Die beschriebene Art des Grundstücksverkaufs trägt weitgehend dazu
bei, daß eine viel größere Fläche in die städtische Auf teilung einbezogen wird,
als es dem vorhandenen Bedürfnis entspricht, und führt eine verschwenderische
Weitständigkeit der Bebauung herbei. Dadurch gewährt die Stadtlandschaft
in vielen ihrer Teile ein Bild der Unfertigkeit, für Los Angeles so typisch und
ohne den geschilderten Vorgang schwer zu verstehen. Natürlich wird auch
von den vielen, die im eigenen Auto durch die werdende Stadtlandschaft
fahren, mancher von der allgegenwärtigen Maklerreklame oder durch ein
neuartiges, an der Autostraße stehendes Musterwohnhaus im "spanischen" Stil
bald neugierig gemacht, bis er früher oder später ebenfalls sein Grundstück
hat und seine Ratenzahlungen leisten muß. Viele betrachten den Grund-
stückskauf als reine Spekulation und hören auf, weitere Raten zu zahlen, so-
bald sie erkennen, daß die Auf teilung nicht die erwartete Entwicklung nimmt.
I) Diese beiden Namen sind in Analogie zu wirklich bestehenden Namen gebildet.
137
1
1
Die Menge nach dem Kriege zugezogener reiner Spekulanten, von denen
viele aus dem Mittleren Westen kommen, stellt den Typ des schrankenlosen
"Boomers" und "Promoters", für den alle konservativeren Elemente und vor
allem die Bewohner von San Francisco nur ein Lächeln haben, und der doch
so charakteristisch für das junge Los Angeles ist.
Petroleumfie ber
Die erstaunlich rasche Entstehung der heutigen Kulturlandschaft, die ganz
in die Zeit nach dem Kriege fällt, hat ihre zweite Hauptursache in der plötz-
lichen Erschließung der reichen Erdöllagerstätten im Untergrunde des Los
Angeles-Beckens, die in derselben Zeit, in der das Landfieber immer mehr
anstieg, zu einem Ölfieber von ebenso erstaunlichen Ausmaßen führte. Die
Petroleumerschließung des Los Angeles-Beckens unterscheidet sich von anderen
Erdöl-Booms dadurch, daß sie vor den Toren einer Großstadt vor sich ging,
unter den Augen einer gerade zuwandernden Massenbevölkerung, mit der
gleichzeitig ebensolche Massen flüssigen Geldes in die Landschaft strömten,
das ohne weiteres in die beiden Hauptspekulationsobjekte, Grundstücke und
Erdölaktien, zu fließen vermochte. Das" townlot drilling"'), zu dem es bei der
schon bestehenden Landaufteilung im Bereiche verschiedener Ölfelder auch
sonst gekommen wäre, konnte nur so jenes Höchstmaß von Geschwindigkeit '
erlangen und seine zwiefache landschaftliche Auswirkung so schlagartig er-
reichen. Unmittelbar entstanden Bohrturm- und "Tankfarm"-Landschaften.
Mittelbar wurde der rasche Fortgang der Hafenerweiterung, Vermehrung
der Industrieansiedlung und die großstädtische Entwicklung der Strandwohn-
stadt Long Beach bewirkt.
Wir haben gesehen, daß es in Los Angeles mit der Entdeckung des City-
Ölfeldes schon in den 90er Jahren zum townlot drilling gekommen war.:.
Das war wirtschaftlich berechtigt, weil das Erdöl hier nahe an die Oberfläche
kommt und unter geringerem Druck steht. Die Produktion der erstenkaliforni-
schen Ölfelder nahm stetig zu, nachdem sich größere kapitalkräftige Öl-
gesellschaften, vor allem die Union Oil Company, gebildet hatten und auch
die Standard Oil Company ofNew Jersey nach Kalifornien gekommen war.
Weiter angeregt wurde die kalifornische Erdölförderung durch die erfolgreiche
Verwendung als Brennstoff für die Lokomotiven, ein wichtiger
I) Erklärung des Begriffes auf S. 115 Anm.
138
r
I
Faktor bei der Kohlenarmut des Westens, ebenso für industrielle Zwecke als
Ersatz für Kohle.
Mit den anderen vorhandenen Ölfeldern Kaliforniens Schritt haltend, er-
reichte das Los Angeles & Salt Lake-Ölfeld 1908 seine Maximalproduktion.
Der Fortschritt, den die Ölgeologie, die Tiefbohrtechnik und die Bohrapparatur
machten, und die größeren Kapitalien der großen Erdölgesellschaften ermög-
111
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JAIiRESZAHL J:ZEITPUNKT DER ENTDECKUNü tri 1 f
Fig. 12. Die Erdölfelder des Los Angeles-Beckens
PuENTE
_1886




lichten die Erschließung neuer Felder. Es bestand ein wirtschaftliches Bedürfnis
nach der Vermehrung der kalifornischen Pr04uktion aus verschiedenen
Gründen. Die Bedeutung des Petroleums für die Lokomotivenfeuerung im
Westen wurde schon erwähnt. Die Vermehrung der Industrieansiedlung an
der pazifischen Küste verlangte nach mehr Brennstoff. Vor allem trat das
Automobil, das im Westen eine noch größere Rolle spielt als im Osten,
als örtlicher Großabnehmer an erste Stelle. Hand in Hand mit der
139
Automobilentwicklung geht der Ausbau des Netzes von Landstraßen, für
deren Asphaltierung, die bei der Frostarmut des Westens möglich ist, große
Mengen Öl gebraucht werden. Schließlich hat die Eröffnung des Panama-
kanals die kalifornische Produktion beträchtlich angeregt, da sie seitdem die
Raffinerien und Absatzmärkte an der atlantischen Küste der Vereinigten
Staaten vorteilhafter beliefern kann, als es bei dem teureren Eisenbahn-
transport die Ölfelder im Innern des Landes vermögen.
Das 1917 erbohrte Montebello-Ölfeld produzierte zwei Jahre später bereits
12 Millionen Faß'), neunmal soviel wie das Los Angeles & Salt Lake-Ölfeld zu
dieser Zeit. Im selben Jahre 1919 wurde die Union Oil Company in den
Richfield- und Santa Fe Springs-Ölfeldern fündig, 1920 die Standard Oil Co.
im Huntington Beach-Feld, 1921 die Shell on Co. im Long Beach-Feld. Mit
den beiden letztgenannten Feldern war die Öl-Antiklinale der Dominguez-
Kette entdeckt, was in den nächsten Jahren zur Erschließung der gesamten
Ölzone von Inglewood bis Newport führte (s. Fig. 12).
Schon die mit dem Ölvorkommen im Zusammenhang stehenden Schwefel-
quellen von Santa Fe Springs, ursprünglich Fulton Wells, ließen hier 1887
einen Boom-Kurort entstehen mit dem üblichen großen Hotel. Das Land
wurde damals aufgeteilt, zur Siedlung kam es nicht. Signal Hill und Huntingo:-
ton Beach waren im Anschluß an den Bau der 1904 eröffneten Newport
Line der Pacific Electric-Bahn aufgeteilt worden. Die Entdeckung von Öl
in diesen drei Bezirken durch die großen Ölgesellschaften mußte augenblick-
lich zu fieberhafter Bohrtätigkeit in den benachbarten, in Grundstücke par-
zellierten Gebieten führen, was die großen Gesellschaften wiederum zwang, mit
derselberi Hast weitere Bohrungen niederzubringen, wenn ihnen nicht das
Petroleum von den anderen weggepumpt werden sollte. Das auf die Spitze
getriebene townlot drilling ließ die Erdölproduktion im Los Angeles-Becken
in zwei Jahren von 1920-1922 von 30 Millionen auf 70 Millionen Faß an-
steigen. Schon im nächsten Jahre 1923 wurden 205 Millionen Faß gefördert.
Das Maximum war erreicht. Damit lieferte das Los Angeles-Becken 79 Prozent
der gesamtkalifornischen Produktion, 1928 noch 68 Prozent. 1923 WUrden in
Santa Fe Springs täglich 332000 Faß gefördert, in Long Beach (Signal Hill)
244000 Faß. Bei dem fieberhaften Grundstücksgeschäft war der Spekulations-
trieb der nahen Großstadt in viel größerem Maße vorhanden als anderswo
oder zu Zeiten. Nur er ermöglichte das townlot drilling in dieser
Intensität. Vor allem waren die kleinen Unternehmer, die sich von kleinen
'} I Faß = 1,5 Hektoliter.
Grundstücksbesitzerndas Bohrrecht erwarben, in der Lage, die Anteile an
ihrem Unternehmen auf dem Ölfeld selbst zu verkaufen. Sie wandten dabei
dieselben Verkaufstricks an wie die Grundstücksmakler. Jeden Morgen waren
die Omnibusse, die in den Diensten der "Öl-Haie" standen, nahe den Zentren
von LOS Angeles, Long Beach, Pasadena und der anderen Geschäftsviertel
der Stadtlandschaft aufgereiht, um die Passanten zur "free sight-seeing ride"
einzuladen, deren Nebenzweck der Besuch eines Ölfeldes war. einer
war schon gewitzigt, setzte sich aus diesem Grunde in einen Wagen, der voll-
besetzt erschien, in der Meinung, in der Menge besser durchschlüpfen zu
können. Um so größer das Erstaunen, wenn dann bei der Abfahrt eine Schar
Insassen ausstieg, die nur gemietet war, um Menge vorzutäuschen. Wer nicht
im Omnibus fahren wollte, wurde bereitwilligst imPrivatwagen vom Hotel
abgeholt. Ebenso wie beim Grundstücksgeschäft waren diese Verkaufs-
methoden möglich und erfolgreich, weil die Stadt angefüllt war mitMenschen,
die nicht nur über flüssige Mittel, sondern auch über freie Zeit reichlich ver-
fügten und schon aus Langeweile bereit waren, an solchen Freifahrten teil-
zunehmen. Darunter waren aber auch gerade viele kleine Existenzen, die es
verlockte, eine Mahlzeit umsonst zu erhalten. Ebenso wie im Grundstücks-
geschäft war es der kleine Mann, den man am leichtesten übertölpeln konnte.
Unter dem Eindruck der nahen Bohrtürme gaben unzählige ihre paar Dollars,
die sie in der Tasche hatten, als Anzahlung hin, weil ihnen der Verkäufer
vormalte, daß es die "letzte Chance" sei, auch reich zu werden" wie die da
drüben", wobei natürlich totgeschwiegen wurde, daß man sich gar nicht mehr
auf erwiesenem Ölgelände befand. Vielfach war es noch nicht einmal sicher,
ob die "Ölgesellschaft" .das Bohrrecht erworben hatte. Auf der Quittung steht
in ganz kleinem Druck ein Satz, der besagt, daß die Ölerschließung- auf dem
betreffenden Stück Land rein spekulativ ist. Dadurch bleibt der Verstoß gegen
die staatlichen Vorschriften vermieden. Der vortragende Verkäufer kann seiner
gutgläubigen Menge Dinge vorerzählen, die nur mit Gefahr in Rundschreiben
oder als Zeitungsreklame gedruckt werden könnten. Vom Spekulanten wird
meist übersehen, daß sein Kapital in der Bank durch Zins und Zinseszins sich
mit größerer Sicherheit in einer bestimmten Zeit verdoppelt, als wenn er es
in Ölanteilen anlegt. Denn die Öldividenden fangen erst dann an, wirkliche
Dividenden zu sein, nachdem sie das angelegte Kapital wieder herausgeholt
haben. Bis es dazukommt, läßt die Ölförderung des betreffenden Bohrturms
meist schon erheblich nach. So sank die Produktion von Santa Fe Springs von
80 Millionen Faß 1923 auf 26 Millionen Faß 1924, die von Long Beach von
60 Millionen Faß 1924 auf 40 Millionen Faß 1925. Die großen Gesellschaften
wissen, daß sie ihren Aktionären mindestens 200 Prozent zurückzahlen müssen,
um mehr zu geben, als eine Sparkasse es vermag. Sie sind daher viel vorsich-
tiger mit Bohren. Eine 800-m-Bohrung kostet etwa RM. 100000 bis 600000,
doch sind viele der Bohrungen 1500 bis 2000 m tief.
Trotz des "wiIdcat drilling's" (d. h. Bohren auf gut Glück) sind die kleinen
Unternehmer zum Erstaunen der großen, die die Ölfelder für nicht so aus-
gedehnt hielten, in erheblichem Maße tatsächlich fündig geworden. Ihre
Verkaufsmethoden wurden deshalb geschildert, weil sie in erster Linie die
Landschaftsumgestaltung in dem Umfang, der heute so auffällig und bei der
Überproduktion unerklärlich scheint, möglich machten. Das Ölfieber wirkt
auf das Landfieber zurück, weil der Grundstücksspekulant jetzt hofft, daß
unter seinem Lande Öl gefunden wird. Im Randgebiet der Stadt preist man
die Grundstücke als "oillots" an. Wenn auf gepachtetem Lande in der Nähe
eines Ölfeldes eine Bohrung nicht fündig wird, zweifelt der Grundbesitzer
fast stets die Richtigkeit des Befundes an. Er ist überzeugt, daß die Bohr-
unternehmer ihn hintergehen, um das Land hintenherum vorteilhaft zu er-
werben, damit sie bei· Ausbeutung keine· Abgaben an den Landeigentümer
zahlen müssen. Denn warum soll hier kein Öl sein, wenn man es auf dem
Lande des Nachbarn doch gefunden hat? (Lit. 176.)
Der Öl-Boom hat \lnmittelbar zwei Klassen von Menschen angezogen:
1. deli hochbezahlten gelernten Bohrmechaniker, der, nachdem die eigent-
liche Bohrtätigkeit abnimmt, zum großen Teil wieder abwandert,
2. den Unternehmer, der wegen seines rasch wechselnden Wohnsitzes am
liebsten im bequemen Hotel oder in der Mietwohnung (apartment) wohnt.
Der vornehme Charakter der Wasserseite von Long Beach und die Hochhaus-
entwicklung gehen auf diese keine Unkosten scheuende Menschenklasse zurück.
Hier kann die Familie in der Nähe des Badestrandes angenehm leben, während
die Bohrstellen der Ölfelder von Signal Hill bis Newport leicht erreichbar sind.
Den größten Teil von Long Beach machen aber die mittelmäßigen Einfamilien-
häuser der Farmer aus dem Mittleren Westen aus, während das Viertel in der
Nähe der Signal-Höhe weitgehend von Bohrmechanikern bezogen wurde.
Die plötzlich ansteigende Verschiffung von Rohöl, für das an Ort und Stelle
zunächst" weder Lager- noch genügend Raffiniermöglichkeiten bestanden,
und der gleichzeitig einsetzende Großempfang von Bauholz bringen gewaltige
Einnahmen an Hafengebühren, die sich von 1920 bis 1924 beinahe versechs-
fachten (1920: $307000,1924: $ 1810000; Lit.652, 1931) und den Ausbau
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des Hafens zu seiner heutigen Größe und weitere Vertiefung des Fahrwassers
ermöglichen. Hinzu kommen die Pachten für das plötzlich benötigte Stapel-
gelände im Hafenbereich. 1922 gingen 6,5 Millionen Tonnen Ladung durch
den Hafen von Los Angeles, 1923 springt die Tonnage auf 18,9 Millionen an.
Das ist ein Anschwellen, das den Hafen mit einem Schlage an die zweite
Stelle aller Häfen der Vereinigten Staaten bringt, in der Tonnage des
Küstenverkehrs der Union ihn sogar N ew York überflügeln läßt (Lit. 655,
S. 433). Zieht man allerdings das Petroleum ab, so rückt er an fünfte Stelle
(Lit. 661). Als normale Folge der Bau- und Bohrtätigkeit siedeln sich auf sie
gestellte Belieferungsindustrien in großer Zahl an, die unter den Zuwanderern
gelernte Arbeiter genug finden, die froh sind, ihr bescheidenes Rentnerdasein
wieder aufzugeben.
Ehe die Ursachen der heutigen Bedeutung von Los Angeles zusammen-
fassend betrachtet werden,· sollen die Erscheinungsformen der Stadt im
folgenden letzten Hauptabschnitt analysiert werden.
LEBEN UND ERSCHEINUNGSFORMEN
DER HEUTIGEN LANDSCHAFT
DIE BEWOHNER
Wir haben die Kräfte kennengelernt, welche die Stadtlandschaft geschaffen
haben. Gehen wir jetzt an die Einzelanalyse jenes Stadtbildes heran, so soll
diese beginnen mit ihrem lebendigen Gestalter, dem Menschen. Einmal ist zu
untersuchen, wie sich die Zusammensetzung der Bewohner nach ihrer Her-
kunft herausgebildet hat und wie sie nach Alter und Berufen gegliedert sind,
zum andern ist zu betrachten, wie sie sich über die Fläche verteilen und welchen
Ausdruck ihre nach Herkunft und Beruf verschiedene Zusammensetzung im
Stadtlandschaftsbilde findet, also ihre Wohndichte und Wohnverhältnisse.
Die Gruppen der Bevölkerung, die, von der Masse abgesondert, mehr oder
weniger für sich in geschlossenen Quartieren oder ganzen Stadtvierteln wohnen
und dadurch zunächst ins Auge fallen, interessieren den Geographen in erster
Linie. Zu ihnen gehören die amerikanischen Neger sowie die eingewanderten
Angehörigen fremder Rassen und die Südeuropäer, während die übrigen euro-
päischen Zuwanderer, außer ein paar Sektierern, rasch in der amerikanischen
weißen Bevölkerung aufgehen und vor allem in der Stadtlandschaft nicht in
Erscheinung treten. So sind die 34000 Deutschen des Los Angeles County,
erst recht die 99000 Amerikaner von deutschen Eltern, deutschem Vater oder
deutscher Mutter, völlig verstreut, obwohl viele von ihnen irgendeiner der
28 deutschen Organisationen angehören. Im frühen U .S.-amerikanischen Los
Angeles trat das deutsche Element auffälliger hervor. Schon um 1860 hatten
die Deutschen ihre eigene deutsche Schule, bald darauf eine deutsche Loge
und einen Turnverein. Noch in den 70er Jahren konnte man neben'
Spaniscli," Epglisch und Französisch viel Deutsch in Los Angeles sprechen
hören (Lit. 456;'S. 21). Mancher Deutsche hat die Entwicklung der Stadt
und Landschaft tätig gefördert. Vnter den heutigen Deutschen von Los Angeles
bewahren viele ihr Stammesgefühl, trotzdem sie sonst gute Amerikaner
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werden und nicht mehr in der alten Heimat leben möchten, auch wenn sie
es könnten. Es gibt einen Tiroler-, Bayern-, Schwaben-, Sachsen- und Rhein-
länderverein, einen deutschen Turnverein, verschiedene deutsche Chöre und
in Pasadena einen Goetheklub, daneben eine Vnmenge deutsche Logen, eine
deutsche Kirche und eine deutsche Zeitung. Zahlenmäßig viel geringer, aber
geschlossener sind die Franzosen, die ein eigenes Hospital haben.
Die wichtigste der Fremdgruppen bilden die Mexikaner, von denen
1930 allein 170000 im Los Angeles County lebten. Diese Mexikaner sind nicht
die Nachkommen der spanisch-mexikanischen Bevölkerung Kaliforniens zu
mexikanischer Zeit. Jene "Kalifornier" wurden von der V.S.-amerika-
nischen Zuwandererwelle, hauptsächlich schon in der amerikanischen Kolo-
nisationsperiode bis in die 1880er Jahre hinein assimiliert. Wie wir gesehen
haben, verheirateten schon frühzeitig die kalifornisehen Ranchobesitzer ihre
Töchter an V.S.-Amerikaner. So entstand die kalifornisch-amerikanische
Aristokratie, deren Nachkommen heute eine verschwindend kleine Gruppe
unter der Millionenbevölkerung der Nachkriegszeit bildet. Auf die spanischen
Traditionen auf die heute die meisten Bewohner so stolz sind, hat nur sie An- , .
recht, und gerade deshalb muß sie herhalten, die Reklame zu verkörpern.· Ihre
Namen kennt fast jeder. Bei allen historischen Reklameveranstaltungen müssen
ein paar Nachkommen jener Aristokratie vertreten sein, möglichst in historischer
Tra<:ht. Die Nachkommen der spanischen Rancheros im Mannesstamme konn-
ten Init den amerikanischen Männern ihrer Schwestern nicht wetteifern. Sie
gerieten deshalb vielfach in ungünstigere Verhältnisse, stehenaber gesellschaft ..
lieh und wirtschaftlich höher als die neu zugewanderten Mexikaner. An ihrer
Sprache und' ihren Gewohnheiten wie den mexikanischen halten sie
fest. Trotzdem gelten sie als V.f:i-Amerikaner. Sie erhielten Posten in der
Stadtverwaltung, wo wir einige heute noch finden, und bekleiden Ämter, in
denen ihre Doppelsprachigkeit von Vorteil ist.
Die heu tigen Mexikanersind ungelernte Arbeiter, die seit Beginn desJahr-
hunderts aus Mexiko herüberkommen. Die Eisenbahnen, die anfangs chinesische
Arbeiter, später Japaner und Griechen verwandten, stellen seit 1910, und be-
sonders seit dem Weltkriege, fast ausschließlich Mexikaner ein. Mit dem An-
steigen der Löhne und nach dem Kriege waren V.S.-amerikanische Arbeiter
für ungelernte Arbeit nicht zu gewinnen. Noch heute, in der Zeit der Arbeits-
losigkeit, ist der V.S.-amerikanische Arbeiter so anspruchsvoll, daß er sich
für diese Arbeit nicht. verwenden läßt. Der Mexikaner ist gewillt, für niedrigen
Lohn zu arbeiten, der immer noch höher ist als die Verdienstmöglichkeiten,
10 Wagner, Los Angele.
145
11
die er in seinem Heimatlande hat. So besteht ein beiderseitiges Interesse an der
mexikanischen Einwanderung. Es entstanden auf der U .S.-amerikanischenSeite
der Grenze mit den Eisenbahn-, Baumwoll- und Fruchtgesellschaften in Ver-
bindung stehende Arbeitsvermittlungsagenturen, die den Mexikanern 6 Monate
Arbeit garantierten (vgI. auch Lit. 548). Dadurch, daß man die Mexikaner erst
auf amerikanischem Böden anwarb, verstieß man nicht gegen das Contract
Labor Law, das nur vorübergehend während des Krieges außer Kraft war.
Die Folge war, daß 15 Jahre lang 10000-15000 mexikanische Arbeiter jährlich
"freiwillig" die Grenze überschritten. Sie werden nicht nur von den Eisen-
bahnen und elektrischen Bahnen als Streckenarbeiter verwandt, sondern finden
auch als Saisonarbeiter Beschäftigung in den kalifornischen Obstpflanzungen
und Weinbaugebieten. 1927 lebten 50,9 Prozent der mexikanischen Volks-
schulkinder Kaliforniens in Los Angeles County, 80,3 Prozent in Südkali-
(Lit. 548), was auf ein ähnliches, vielleicht nicht ganz so starkes Prozent-
unter den Erwachsenen schließen läßt. Die Volkszählung von 1930
registriert außer 3800 in Mexiko geborenen "Weißen" 167000 im
Los Angeles County, 7,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Bereits 1922 stellte
die Mexikanerbevölkerung 8,8 Prozent der. Schulkinder von Los' Angeles,
1931: 14,9 Prozent (Lit.535), ein Prozentverhältnis, das den Kinderreichtum
ausdrückt trotz der drehnal größeren Kindersterblichkeit hn Vergleich mit
demStadtdurchschnitt (Lit.53Ia). Die holle Wohndichte der Mexikaner,
wohl die höchste überhaupt außerhalb der wenigen Großstädte Mexikos, ist
darauf zurückzuführen, daß in Los Angeles zu der Arbeitsgelegenheit in den
nahen Agrumen-, Nußbaum.., und Rebenpflanzungen und bei der Eisenbahn
die Anstellungsmöglichkeit bei städtischen Arbeiten kam, für die ungelernte
Arbeiter gesucht wurden. Diese Möglichkeit war reichlich vorhanden in der
Zeit des fieberhaften Straßenbaues und der intensiven Bautätigkeit nach dem
Kriege. Dazu kam die Anziehungskraft, die eine Fremdenverkehrsstadt auf den
Nichtstuer ausübt, der sich hier mit allerlei kleinem Gewerbe,. als Schuhputzer
oder Kuriositätenverkäufer ein paar Groschen verdienen kann, die zur Be-
friedigung seiner bescheidenen Lebensansprüche genügen. In San Francisco
und Oakland, wo 1927 nur 2 Prozent der mexikanischen Schulkinder Kali-
forniens registriert wurden, läßt sich wegen des kälteren und feuchteren
Klimas der Mexikaner nur ungern nieder. Deshalb ist für viele mexikanisehe
Saisonarbclter des San Joaquin-Tales Los Angeles das städtische Zentrum,
in das sie sich hi Zeiten vorübergehender Arbeitslosigkeit zurückziehen.
In Los Angeles haben sie ihr eigenes Gemeinwesen in Belvedere Gardens
auf der Oberen Ostseite gerade außerhalb der alten quadratischen Gemar-
kungsgrenze. Nach dieser Richtung hat Los Angeles keine Eingemeindungen
vorgenommen. So fanden die Mexikaner in relativer Nähe der Plaza Sied-
lungsgelände vor, das von anderen wegen seiner starken Zertalung und
schlechten Entwässerung nicht begehrt wurde, aber den Vorteil hat,.daß hier
nicht die hohen städtischen Steuern gezahlt werden müssen; Die damit
bundenen Nachteile des schlechteren Polizei- und Feuerwehrdienstes und der
schlechteren Unterhaltung der Straßen nimmt .der Mexikaner gerne in Kauf.
Hier kann er sich ein eigenes Heim leisten und kann einen kleinen
Laden aufmachen. Das Grundstück kauft er auf Abzahlung. Die Bauweise
seines Wohnhauses ist aber nicht die mexikanische, sondern das einfache ameri-
kanische. Rahmenhaus mit dem üblichen Verandaeingang auf der Vorderseite
des Erdgeschosses, sofern das Haus überhaupt zweistöckig ist. Von ameri-:-
kanischen Arbeiterwohnvierteln unterscheiden sich diese Stadtteile nur durch
den größeren Wechsel der Hausformen, dazwischen auftretende Bretterhäuser,
die' geringere Sauberkeit und Pflege der Häuser, den Mangel an Straßen-
pflasterung, den unregelmäßigeren Baumbestand, das häufige Vorhandensein
von Staketenzäunen und die fast an keinem Hause fehlenden Kakteen und
anderen Topfgewächse, an denen das Herz des Mexikaners hängt. Es kommt
noch hinzu, daß die Mexikanerwohnviertel sich nicht' nur hier, sondern auch
in anderen Teilen der Stadtlandschaft vielfach in Geländefurehen finden. Das
bedingt oft krumme und steile Straßenführung, weniger regelmäßige Häuser-.
anordnung und unterschiedlichen Häuserabstand, wodurch sich diese, Aus-
länderviettel, auch manche japanisclt!!, von amerikanischen Wohnvierteln
ähclicher Güte abheben. Denn diese ebenes Gelände, ·auf dem die
normale Auf teilung: möglich ist. Besonders häßlich wirken die ungepflegten,
unregelmäßig Häuser dei Mexikaner ariden Hängen der Repetto-
und südlichen Elysischen Höhen, wo sie von weit her ins Auge fallen. An ein-
zelnen Straßenecken in Belvedere Gardens haben die Mexikaner ihre" tiendas".
Auch ein "Teatro Azteca" und ein paar kapellenartig aussehende Missions-
häuser amerikanischer Sekten sind vorhanden. Das Geschäftsviertel ist der stadt-
')
nächste Teil der Vorstadt mit einer Erstreckung über 8 Straßen auf ebenem
Gelände zwischen der Stadtgrenze und dem ersten Terrasseneinschnitt gelegen.
Die Hauptgeschäftsstraße ist die von der Straßenbahn durchfahrene East First
Street von der Stelle ab, an der sie aus der Diagonalrichtung innerhalb des
alten Quadrats in die geradeWestostrichtung umbiegt. Die Läden unterschei-
den sich außer in ihren spanischen oder zweisprachigen Reklameschildern
10*
147
durch nichts von amerikanischen Läden. Ein zweites, kleineres Geschäfts-
viertel liegt weiter nordösdich, sein Zentrum ist die Kreuzung von Brooklyn
Avenue und Ford Boulevard. Es mutet mexikanischer an, wohl weil es zentraler
in der Mexikanersiedlung liegt.
Am liebsten wohnt der Mexikaner in der Nähe seiner Arbeitsstätte. Deshalb
finden wir ähnliche kleinere Mexikanerviertel in stadtnäheren Teilen der
Ostseite, in der Unteren Ostseite und in East Los Angeles, StadtViertel,
die alle nahe am Industriegelände und den Eisenbahnwerkstätten liegen. Aber
auch in der Industriestadt selbst westlich des Trockenbettes sind zahlreiche,
zum Teil recht ärmliche Mexikanerwohnviertel eingestreut zusammen mit
anderen Ausländervierteln. Am Nordende der Industriestadt zu beiden Seiten
der North Main Street ist eine ziemlich zusammenhängende Siedlung von
Mexikanern, die zum Teil in den nahen Schlachthäusern beschäftigt werden.
In der alten Sonora Town, in die sie sich mit den Italienern teilen, sind sie die
Nachfolger ihrer längst im U.S.-amerikanischen Los Angeles aufgesogenen
Volksgenossen. Die Plaza und die südlich anschließenden Häuserblocks. der
Main Street bis First Street ist der eigendiche Sammelpunkt der Mexikaner,
der ihnen einen gewissen Ersatz für die Plaza ihrer Heimatstadt in Mexiko
bietet. Hier den Tag über herumsitzend oder stehend sind 'Sie die unfreiwilligen
Statisten einer Szene, die· den Förderern der Fremdenindustrie . als Reklame
Iur das historische Plazaviertel willkommen ist. Eine von der Plaza abgehende·
Nebengasse, in der man ein Haus mit historischer Erinnerung "entdeckte",
wurde IUr die Touristen in einen mexikanischen Töpfer- und Kuriositäten-
markt verwandelt. Da gibt es mexikanische "fondas" mit Laubensitzen da:-
vor, in denen man bei Gesang und Gitarrenspiel mexikanisch
essen kann.
Auch in randlicheren Teilen der Staddandschaft treffen wir den Mexikaner,
in der San Fernando-Ebene, wo er Beschäftigung in der Landwirtschaft findet,
in Pasadena, im Negervorort Watts in der Los. Angeles-Ebene, wo er die
Möglichkeit hat, bei der elektrischen Bahn oder auf japanischen Gemüse-
farmen Arbeit zu finden und gleichzeitig ein billiges Grundstück und eigenes
Heim zu erwerben, - auch in Long Beach und in Santa Monica begegnen wir
Mexikanern. In San Pedro gibt es eine größere Zahl Mexikaner, die hier in der
Fischereündustrie oder als Packer bei Schiffahrtsgesellschaften Arbeitsgelegen-
heit haben:'Die Eisenbahngesellschaften unterhalten vielfach Siedlungshäqser
für ihre mexikanischeri Arbeiter, denen sie freie Miete, Wasser und Brennholz
gewähren.
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Der Mexikaner erwirbt, im Gegensatz zum europäischen Einwanderer, in
den seltensten Fällen das amerikanische Bürgerrecht. Vom U.S.-Amerikaner
verachtet, bleibt er Mexikaner, behält seine Gewohnheiten - höchstens seine
Kinder lernen in der Schule die englische Sprache - und hat den Wunsch,
einmal in seine· Heimat wieder zurückzukehren. Um diesen Wunsch zu er-
füllen, fehlt es ihm aber oft entweder an Mitteln oder an Energie. Viel-
fach verletzt er aus Unkenntnis die amerikanischen Gesetze, vor allem das
Prohibitionsgesetz, bis es abgeschafft wurde. Die Anpassungsfähigkeit der
mexikanischen Zuwanderer ist besonders gering, weil ihre Mehrzahl aus den
ländlichen Bezirken mittelmexikanischer Staaten, wie Guanajuato, Michoacan
undJalisco, stammt und fast rein indianischer Abstammung ise).
Mit der Wirtschaftsdepression begannen die erwerbslosen Mexikaner mit
ihren Angehörigen in zunehmendem Maße der öffendichen Wohlfahrt zur
Last zu fallen, für die es schließlich billiger wurde, den Familien, die in ihre
Heimat zurückzukehren wünschten, freie Fahrt bis zur Grenze zu gewähren,
von wo ab die mexikanische Regierung die Kosten der Weiterbeförderung
trägt. In ihrer Heimat angekommen, sind sie aber unglücklicher als zuvor,
finden keine bessere Wirtschaftslage vor und sehnen sich nach Kalifornien,
wo sie sich doch an einige Annehmlichkeiten der amerikanischen Zivi,lisatiori
gewöhnt hatten, zurück. In der Zeit vom März 1931 (erste "repatriation")
bis Juli 1932 wurden von der Los Angeles County Welfare Division 7849
Mexikaner zurückbefärdert. Dazu kommen viele, die mit Hilfe des mexikani-
schen Konsuls oder ohne jede Unterstützung mit der Eisenbahn oder in ihrem
Automobil zurückkehrten, so daß Ende 1932 die Gesamtzahl der aus dem Los
Angeles County bereits auf 35 000 geschätzt wurde,. also
auf etwa 20 Prozent ihrer Gesamtzahr
Z
);
Im Gegensatz zum gutmütigen, willensschwachen Mexikaner steht der ziel-
sichere Ostasiate, vOr allem der Japaner und Philippino, die weniger verachtet
als gehaßt werden. Die Chinesen, die ursprünglich mit dem Goldfieber ins
Land gekommen waren, wurden beim Nachlassen des Bergbaues vorwiegend
beim Eisenbahnbau beschäftigt. Damit kamen sie auch nach dem Süden, und
es entstand gegen 1870 die "Chinatown" von Los Angeles zwischen Plaza
und Alameda Street und ostwärts darüber hinaus, wo viele von ihnen kleine
Läden unterhielten und auch ihre Gesellschaften, denen sie unterstanden und
%) Laut Mitteilung des mexikanischen Konsuls in Los Angeles.
Auf Grund von Angaben der Los Angeles County Welfare Division, der Cal. State
Division of Immigration and Housing und des mexikanischen Konsulats in Los Angeleli.
149
die mit den amerikanischen Arbeitgebern den Arbeitskontrakt abschlossen,
ihren Sitz hatten. Ebenso wie der Chinese ein geschickter Kaunminn ist,
schätzte man ihn als guten'und billigen Arbeiter; Durch seine Genügsamkeit
war er aber unter der Bevölkerung allgemein so verhaßt, daß nur ein Streit
zwischen zwei jener chinesischen Gesellschaften in der berüchtigten Nigger
Alley nahe der Plaza (heute Los AngelesStreet) genügte, um das "Chinese
Massacre" vom 24. Oktober 1871 herbeizuftihren, bei dem 19 Chinesen aufdie
greulichsfeWeise gelyncht und beraubt wurden. Seit dem "Chineseexclusion
act" vom 6. Mai J882 und 5. Juli 1884 und weiteren Einwanderungsverboten,
die den chinesischen Arbeiter ausschlossen, erhielten die Chinesen keinen
Nachschub mehr. Während sie 1880 5,4 Prozent der Bevölkerung ,von Los
Angeles City ausmachen, nahm ihre Zahl relativ zur Gesamtbevölkerung seit
1890 schnell ab bis auf 0,3 Prozent 1930. Bis in die letzten Jahrzehnte lag die
Gemüsezucht in der bewässerten Zone am damaligen südlichen und südwest-
lichen Stadtsaum in ihren Händen, einWirtschaftszweig, aus dem sie seither
von denjapanern verdrängt wurden. Gern wurden die Chinesen zum Frucb,t-
pflücken in den Agrumenpflanzungen des San Gabriel- und San Bernardino-
Beckens wie heute die weniger guten mexikanischen Arbeiter angestellt, und
in der Stadt waren sie von den vielen wohlhabenden FaInilien als beste Köche
gesucht. Noch heute bewohnen diejetit lieber als die Japaner und PhiIippinos
gesehenen Chinesen ihre Chinatown, wo sie sich als' Importeure chinesi-
scher Waren und Ladenbesitzer betätigen und chinesische Gaststätten und
Wäschereien betreiben. Mit der Chinatown von San Francisco läßt sich das
Chinesenviertel von Los Angeles allerdings nicht vergleichen. Die Häuser, der
Chinesen sind zweistöckige, aneinandergereihte stillose Backsteingebäude, die
nur durch ihre die ganze Fassade des ersten Stockes entlanglaufenden über-
deckten hölzernen Balkons die AunnerkSamkeit auf sich lenken.
Viel mehr als die Chinesen treten heute im Stadt- und Landschaftsbilde die
Japaner hervor, deren Zahl im County von 1890-1930 von 36 auf mehr als
35000 angewachsen ist, ein stetiges Anwachsen, das die amerikanische Be-
völkerung Init Beunruhigung erfüllt. Obwohl sie nur 1,6 Prozent (County)
bis 1,7 Prozent (City) der Gesamtbevölkerung stellen, ist das Prozentverhältnis
bei den Schulkindern von 1,7 Prozent (1922) auf 3,3 Prozent (193 I) der Ge-
$amtschulkin?erzahl angestiegen (Lit.538). Streng organisiert und beruflich
zumeist auf sidl'selbst gestellt, sind sie ein viel weniger schwankendes' Be-
völkerungselement als die Mexikaner. 1907 wurden die Arbeiter,
die an Stelle der Chinesen von den Eisenbahnen verwandt wurden, von der
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Einwanderung ausgeschlossen und an ihre Stelle traten die Mexikaner. Aber
auch als Feldarbeiter wurden sie gebraucht. Als sie sich selbständig im Obst-
und Gemüsebau beschäftigen wollten, trieb sie der italienische und chinesische
Wettbewerb, der um die Bucht und im Deltagebiet bei San Francisco vor-
handen war, nach dem Süden. 1924 wurde jede Einwanderung der asiatischen
Rassen, also auch der Japaner, abgedämmt und ihnen der Erwerb von Grund
und Boden versagt. Das wurde 'aber dadurch umgangen, daß ihre in den
Vereinigten Staaten geborenen Kinder das Land erwarben und ihre Eltern
darauf anstellten, was später verboten wurde. Auch das Pachten wurde ihnen
bald versagt; trotzdem treiben sie heute auch unter Umgehung dieses Verbots
auf noch nicht städtisch aufgeteilten Landstücken, die großen Grundbesitzern
gehören, ihren Feldbau. Sie arbeiten mit Frau und Kindern zusammen im
Felde, was ihnen der anspruchsvollere U .S.-Amerikaner nicht nachzumachen
vermag, dem ohnehin die Landwirtschaft im kleinen, (las Rüben- und Kohl-
ausmachen, nicht Die japanischen Gemüsefelder sind heute die typische
Erscheinungsform des bewässerten Landes am Stadtsaum, ih erster Linie in der
unteren Ballona-Niederung, in der Los Angeles-Ebene und angrenzenden
Teilen des Küstenvorlandes, ferner in der Los Nietos-, Laguna-, der San
Gabriel-Rio Hondo- und im stadtnahen Teil der San Fernando-Ebene. Auf
den feuchteren Terrassen und Hängen des San Pedro-Vorgebirges ist ihr Ge-
müsebau ohne Bewässerung möglich. Sofern sie aufdem Gemüseland selbst
wohnen, ist ihre Wohnstätte mit Garage, Lager- und Geräteraum eine Gruppe
kümmerlicher Holzhütten trotz ihrer Wohlhabenheit. Ein besseres Haus lohnt
sich nicht, qa ihnen das Land nicht gehört und siejederzeit bei fortschreitender
städtischer Auf teilung davon vertrieben werden können. Dafür ist das Auto,
das zwischen diesen Baracken hervorHihrt, um so vornehmer. Viele wohnen
, ,
auch in älteren Wohnvierteln der nächsten Randstadt, wie in Venice, Sawtelle,
Palms, Gardena, Moneta u. a. Nicht nur der Anbau von Gemüse und Beeren-
obst, sondern auch der Vertrieb ist weitgehend in ihren Händen. Sogenannte
"collectors" sammeln im Auto das abends bereitgestellte frische Gemüse auf
den Farmen ein. Bis um 23 Uhr ist es auf dem Gemüsemarkt (9th Street Market'
an San Pedro Street - hier befindet sich auch die JapaneseFarmers Associa-
tion), wo sie es bis gegen 5 Uhr morgens an die ebenfalls japanischen "distri-
butors" verkauft haben, so daß der Kleinkaufinann, der in manchen Stadt-
teilen auch Japaner ist, oder der Kettenladen bei Geschäftsbeginn versorgt ist.
In East San Pedro ist eine ganz regelmäßig angelegte japanische Fischer-
siedlung entstanden, deren Bewohner das Hauptelement dieses Hafenviertels
bilden. Den Fang des Thunfisches kennt der Japaner von seiner-Heimat her.
So konnte es nicht ausbleiben, daß er zum Fischereihafen von San Pedro an-
gelockt wurde, als hier die Thunfischerei aufblühte. In randlichen Teilen des
Haupt-Stadtkomplexes von Los Angeles finden wir mehrere japanische Wohn-
viertel, meist ältere Distrikte, in denen der übliche 20- oder 30jährige Vor-
behalt abgelaufen ist, der beim ersten Verkauf der frischaufgeteilten Grund-
stückegegen Weiterverkauf oder Vermietung an Fremdrassige festgelegt Wird.
Deshalb ist das Wohnhaus desJapaners das alte ein- oder zweistöckige Rahmen-
haus oder der älteste Typ des Bungalows. Ist einmal eine Japaner- oder
Negerfamilie in ein Wohnviertel, dessen "restriction" abgelaufen ist, einge:.
zogen, dann dauert es nicht lange, bis die amerikanischen Bewohner dieses
Viertels ausgezogen sind und die fremde Rasse ziemlich vollständig nachgerückt
ist. Die Flucht vor dem Japaner oder Neger macht da halt, wo eine bauliche
oder morphologische Grenze (Geländehang) vorhanden ist.
Dieser Vorgang läßt sich sowohl in der Südwestvorstadt gegen dieWestvorstadt
hin (nordwestlieh Jefferson Boulevard und Western Avenue) als auch in der
Oberstadt gegen Hollywöod hin (Hoover und Clinton Streets) beobachten.
Viele der hier wohnenden Japaner arbeiten als Gärtner in den vornehmen
Gartenbesitzungender westlichen Vorstädte, oder sie haben ihre eigene Kunst;'
gärtnerei und Baumschule an eine; nahen Verkehrsstraße. Auch auf
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Oberen Ostseite gesellt sich seit wenigen Jahren zu den anderen Ausländer-
gruppen auch eine japanische. In der Unter- und Industriestadt finden wir
ein paar japanische Wohngegenden, zum Teil bedingt durch die Nähe der
drei Gemüse- und Fruchtmärkte, während die eigentliche Japanerstadt mit
den japanischen Banken, japanischen Geschäften, HO,tels und der japanischen
Handelskammer sich am Nordende des Großhandelsviertels befindet, zwischen
Los Angeles Street, Ducommun Street, Third Street und gegen das Trocken ..
bett hin in ein von Industriegebäuden durchsetztes japanisches Wohnviertel
mit kleinen alten Rahmenhäusern übergehend. Die zahlreichen ärmlichen
japanischen "Boardinghouses" dienen als Arbeitsvermittlungsbüros. Ihre
Hauptgeschäftsstraße, die erste Straße beiderseits der Kreuzung mit San Pedro
Street, unterscheidet sich in der Bauweise nicht von einer älteren ameri-
kanischen Geschäfustraße. Nur die Menschen, die Auslagen und die Ge-
schäftsnamen erscheinen exotisch.
Die Nachbarschaft der Japanerstadt im Umkreis von Los Angeles Street
und erster Straße ist die Szene der nächtlichen Unterwelt von Los Angeles,
für deren Leben das Phili ppino -Element weitgehend verantwortlich gemacht
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wird. Überhaupt bildet der Philippino, gegen den der Amerikaner eine tiefe
Abneigung empfindet, ein soziales Problem. Jlnter den 3000-4000 oder
mehr Philippinos des Los Angeles County sind nur etwa 100 Frauen. Es sind
meist junge Leute, die von den hawaiischen Zuckerpflanzungen herüber-
kommen, um amerikanische Landwirtschaftsmethoden kennenzulernen. Tags-
über arbeiten sie in den Agrumenpflanzungen des San Fernando- und San
Gabriel-Beckens, und viele von ihnen besuchen abends die Fortbildungsschule.
Den Philippino findet man auch als Hotelkoch und Kellner. Sie alle hoffen,
in ihre Heimat zurückzukehren, sobald sie die Unabhängigkeit erlangt hat.
Im Stadtbild tritt der Philippip.o im Stadtviertei zwischen der J apanerstadt und
Main Street, der Straße billiger Vergnügungen, in sowie im
citynahen heruntergekommenen Wohnviertel der Oberstadt, heute "Möblierte-
stubenviertel" nahe Temple Street und Beaudry Avenue.
In demselben alten Wohnviertel, das sich zwischen First und Temple Street
bis zum Glendale Boulevard hin erstreckt und dessen Entwicklung seit der
Petroleumerbohrung in den goer Jahren ins Stocken geriet, wohnt eine Gruppe
Ost juden, von denen es in Los Angeles schätzungsweise 50000-60000 gibt.
Die meisten von ihnen sind lange im Osten der Vereinigten Staaten,ansässig
gewesen, und weim einer aus Krankheitsgründen ein besseres Klima aufsuchen
mußte, ist die ganze Familie gefolgt (Lit.53Ia). Einzelne von ihnen haben
noch auf ihrem Grundstück vor dem Hause einen alten Bohrturm stehen,
dessen, heute bescheidene Produktion einen gerngesehenen Nebengewinn ab-
wirft. Geschlossener tritt der Ost jude im Stadtbilde in Erscheinung auf der
Oberen Ostseite, wo er in Brooklyn Heights dichtergedrängt wohnt und die
Westost-Durchgangsverkehrsstraße Brooklyn-Avenue mit seinen Geschäften
beherrscht. Sie haben sich in den letzten Jahren so vermehrt, daß sie ihr Wohn-
viertel, in dem gelegentliCh eine Synagoge oder ein hebräisches Schild den Be-
wohner verrät, südlich bis zur East 4th Street ausgedehnt haben. Juden, Mexi-
kaner und J apaner beherrschen heute den westlichen Teil der Oberen Ostseite,
die in den80er Jahren anfing, ein Wohnviertel der Wohlhabenden zu werden.
Von Mexikanern, Russen und Armeniern·werden die ärmlichen Quartiere
der Unteren Ostseite bewohnt, die auf der lange Zeit unbebauten östlichen
Überschwemmungsterrasse entstanden sind. Die Russen der Unteren Ost-
seite sind die einzige Gruppe der 24000 Russen des Countys, die geschlossen
wohnt, als Sekte ihre Gewohnheiten beibehält - sie tragen Vollbärte - und
deshalb in Erscheinung. tritt. Während des Russisch-Japanischen Krieges
verweigerten diese protestantischen Molokaner (= Milchtrinker, weil sie nicht
153
die strengen Fasten wie die russischen Orthodoxen einhielten) den Kriegsdienst
und kamen auf der Landsuche über New York nach dem ariden Südwesten,
wo sie Baumwolle und Rosinen zogen. Um ihr Land betrogen, ließen sie sich
schließlich in Los Angeles nieder, wo sie als ungelernte Arbeiter auf den Holz.,.
stapelplätzen, auch in Industriebetrieben, ihr Brot verdienen, obwohl sie jetzt
von mexikanischen Arbeitern unterboten werden.
Die sogenannte russische Intelligenz, die nach dem Weltkriege wie nach
New York und San Francisco auch nach Los Angeles kam, lebt vorwiegend in
Hollywood, wo sie meist ungewohnte Arbeit verrichtet, zum Teil in den
Filmwerkstätten, und einen harten Kampf ums Dasein führt.
Von den etwa 6000 Armeniern ,- die Census-Zahlen sind geringer, weil
sie zum Teil als Russen oder Türken zählen - ist nur die Gruppe wesentlich,
die ein eigenes Viertel bildet, einen Teil der Unteren Ostseite. Ihre Mehrzahl
arbeitet in einem Berufe, dem Müllabfuhrgeschäft.
Über einen viel größeren Teil der Stadt haben sich die I taliener ver-
breitet. Sie wohnen, vermischt mit Mexikanern, in der alten Sonora To-wn,
im ärmlichen Wohnviertel der nördlichen Industriestadt und in East Los
Angeles. Entlang den Geschäftsstraßen dieser Bezirke bieten ihre Läden
dasselbe Bild wie in den der anderen Großstädte der Ver-
einigten Staaten.
(
Ebenso bietet die Neger-Bevölkerung ähnliche Probleme wie in vielen
Großstädten des Mittleren Westens und Ostens der Vereinigten Staaten, nicht
des Südens. Sie ist weniger über die Stadt und den Stadtsaum verstreut als
die Mexikaner und Japaner, sondern in ihrer Hauptmasse auf ein Stadtviertel,
die Unterstadt beiderseits der Central Avenue (südlich der 8. Straße) be-
schränkt. Die Vorstadt Watts wird weitgehend von Negern bewohnt. In
Pasadena finden wir sie in ehemals guter Wohngegend.
Weniger stark als die fremdrassige Bevölkerung tritt die unterschiedliche
Herkunft der U.S. -Amerikaner im Stadtbilde hervor, denn für sie ist Los
Angeles der Schmelztiegel, so wie die Vereinigten Staaten im ganzen der "melt-
ingpot" für die Europäer sind. Die große Mehrzahl derU.S.-amerikanischen
Bewohner hat die gleiche Anziehungskraft, das Klima, nach Los Angeles ge-
bracht. So sind sie alle geistig verwandt - das konservative Element, das es
auch in Amerika gibt, ist im Osten geblieben - und die Unterschiede der Her-
kunft werden ausgeglichen dadurch, daß ein jeder vom Geist des Grundstücks-
unternehmers erfaßt und bald zu einem besseren Angelefio und Verkünder der
Vorzüge von Los Angeles wird als viele der länger Ansässigen.
154
In der Bevölkerungszusammensetzung nach der Herkunft hat sich das Ver-
hältnis vom Anteil der nördlichen atlantischen Staaten zu dem des Mittleren
Westens von 1890-1920 nicht so wesentlich geändert, wie allgemein angenom.,.
men wird. Der vorwiegend viktorianische Baustil der Wohnhäuser der 1890er
Jahre, der sich ebenso in Städten wie Detroit, Cincinnati, St. Louis oder
Minneapolis findet, läßt erkennen, daß der Mittlere Westen schon bei Beginn
der eigentlichen städtischen Entwicklung weit stärker vertreten war und mehr
zum Gepräge der Stadt beitrug als Neu-England. Der Unterschied in der
Zusammensetzung der Bewohner vor und nach dem Kriege ist
regional als sozial. Vor dem Kriege stellte eben der Mittlere Westen eine vot-
wiegend großstädtische Bevölkerung, ebenso wie die atlantischen Staaten,
während er nach dem Kriege neben den reich gewordenen Großstädtern eine
auffallend große Menge plötzlich in mittleren Wohlstand versetzter Farmer
und Kleinstädter nach Südkalifornien entsandte. Es ist nicht der Mittlere
Westen an sich, sondern seine Kleinbürger und Bauern, die für den Ruf ver-
antwortlich sind, den Los Angeles seit dem Kriege im ganzen Lande genießt.
Dem Stadtbilde drückt jene wenig· anspruchsvolle Bewohnergruppe mit zahl-
losen mittelmäßigen Kleinwohnhäusern den Stempel des Monotonen auf, sei
es, daß diese Wohnviertel sich unabsehbar über die Süd- und äußere Südwest-
vorstadt ausbreiten, nur von ebenso monotonen Geschäftsstraßen im Meilen-
oder Halbmeilen-Abstand(I,6 oder 0,8 km) unterbrochen, oder über die
Plateaus Von Long Beach, Alhambra oder Glendale, sei es, daß sie stillos-
häßlich, neuerdings mit spanischen Ziegeln gedeckt, an den kahlen Hängen
der Elysischen, Highland- oder Repetto-Höhen hinaufklimmen. Menschen aus
anderen Teilen des Landes passen sich, soweit sie in diesen Stadtvierteln
wohnen, 'der herrschenden Monotonie des Mittleren Westens an.
Der Middlewesterner, der aus seiner kleinstädtischen Umgebung und
seiner gefestigten Gesellschaftsordnung gerissen ist, bedarf in der Großstadt
eines neuen Angelpunktes. So begünstigt das Vorhandensein einer Menge
solcher entwurzelter Kleinstädter eine größere Vielheit kirchlicher Sekten als
in anderen Großstädten mit anderer Bevölkerungsgruppierung. Eine ganze
Stadt, wie Long Beach, beschränkt sich schon seit langem bewußt auf nur
diese eine Klasse von "Kundschaft", den Kleinstädter und Farmer aus dem
Mittleren Westen und dem anschließenden Kanada. Auf ihn ist die Reklame
der Handelskammer von Long Beach zugeschnitten. So wurde diese Stadt
zum ruhigen Alterswohnort des sparsamen weltfernen Mannes, der ängstlich
vermeidet, sich. als Einwohner von Long Beach zu melden aus Furcht vor
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Besteuerung. Er zahlt nach wie vor die Steuern in seiner schläfrigen Heimat-
stadt. Dort hat er auch sein Geld noch in der Lokalbank investiert oder bleibt
am Warenladen der Ortschaft beteiligt. Mit einfachen Vergnügungen ist er
zufrieden. Erst nach langer Zeit läßt er sich zum Golfspiel bewegen. Die
Petroleumerschließung hat diese Entwicklung gestört und Geschäftsbelebung
gebracht. Der reiche Petroleumunternehmer kam. Für ihn entstanden Luxus-
hotels und Mietshochhäuser. Der Zustrom wöchentlich entlohnterBohr-
arbeiter hat Long Beach zum Arbeiterparadies gemacht und die vielerlei
Vergnügungsstätten jeden Samstagabend besonders stark belebt.
Gegenüber der einheitlichen und ausgeglichenen Bevölkerungszusammen-
setzung der zuvor beschriebenen Amerikaner-Stadtviertel spiegelt Hollywood
die differenzierte Herkunft seiner Bewohner mit Absicht wider. Gegen die
Gefahr des amerikanischen Ausgleichsvorgangs wird in Hollywood ange.,. .
kämpft. Man will hier das Paris des Fernen Westens schaffen. Der Abendverkehr
auf dem HollywoodBoulevard versucht das Pariser Boulevard-Leben nachzu-
ahmen, wenn auch der Boulevard längst vor Mitternacht ausgestorben ist und
die Sitze vor den Cafes, von denen man in Paris das Straßenleben in Muße
beobachtet, fehlen. Filmtheater - darunter das berühmte Graumann-Theater
im chinesischen Baustil, in dem die der großen Filme statt-
finden -, Läden aller Art bis zu den und Schönheits-Salons flankieren
die Straße. Man speist und tanzt in Nachtklubs oder sitzt zur Mahlzeit im'
exotischen oder intimen Restaurant. Bilder mit den Köpfen der beliebten
Filmgrößen leuchten abends von den Laternenpfählen auf Menschen herunter,
unter denen übertriebene Eleganz, künstlerisch-sein-wollende Kleidung oder
europäisch nachgeahmtes Aussehen erkennen läßt, daß hier U. S.-Amerika
nicht amerikanisch sein möchte. Deshalb ist Hollywood die Stadt der Touristen,
die in Hotel- und Mietshochhäusern, in Pensionen oder in der gemieteten
Villa wohnen. Wer das Exotische sucht, zieht in das "Garden of Allah Villas"-
Hotel. Den Französling zieht die amerikanisierte, dörflich-europäische Um-
gebung des "Normandy Village" an, in dem Bananenbäume auf dem "Dorf ..
platz" die angepriesene "typical Normandy atmosphere" nicht beeinträch-
tigen. Kunst-Ateliers, Tanz-Akademien sowie Stimm- und Singschulen, viel-
fach an den Verkehrsstraßen liegend, die vom Hollywood Boulevard abzweigen,
verraten einen weiteren hier lebenden Menschentyp. Aber trotz der Künstler,
Schriftsteller und vermeintlichen Filmanwärter kann etwas wie ein Montmartre
oder Soho, selbst ein "Greenwich Village" hier nicht entdeckt werden. Das
Automobil ist gegen eine solche Entwicklung, und auch die Häuser sind
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dafür zu neu. Es. fehlt ihnen die Alters-Patina. Eine große Zahl Ausländer,
Deutsche, Russen u. a. haben Hollywood als Wohnort gewählt und tragen
zum gemischten Gepräge der Bewohner dieses Stadtteils bei.
Die Filmschauspieler sind mit dem Vorgang der Stadtwerdung Hollywoods
. gewichen und haben sich die jüngere, westlicher gelegene Randstadt Beverly
Hills als Wohnort gewählt, wo sie in ähnlichen parkartigen Besitzungen und
vom besten Architekten erbauten Villen leben wie der wohlhabende Geschäfts-
mann. Wenn nicht an einer Durchgangsverkehrsstraße, die das Wohnviertel
quert, ein Privatauto stünde mit der Aufschrift "Will show you famous movie
stars' homes for 50 cents", wüßte man nicht"daß dies die Stadt der Berühmt-
heiten ist. Es ist nicht die Filmschauspieler-Bevölkerung an sich, die in Los
Angeles in Erscheinung tritt, sondern die Reklame" die um jeden einzelnen
von ihnen gemacht wird. Die vom Filmunternehmer aus Geschäftstaktik er-
fundene Filmschauspieler-Scheidung rückt die Filmgröße in das Licht der
Öffentlichkeit und treibt den Lebenspuls Hollywoods, das so zum Mekka der
Filmneugierigen ganz Amerikas wird.
Wegen des schlechten Rufes, in dem das Leben der Filmgrößen in gesitteten
Kreisen steht, ist die heutige Geschäfts-Aristokratie von Los Angeles von ihnen
bewußt abgerückt. Den Beweis sehen wir in dem Verbot, das in der modernen
Auf teilung Bel-Air gegen den Zuzug von Juden' und Filmschauspielern besteht,
und in ihrem Ausschluß von der Mitgliedschaft im Los Angeles Country Club.
Die modernen, vereinzelt in jungen Parkanlagen stehenden Villen der
Millionäre geben den Hängen des Santa Monica-Gebirges westlich Beverly
Hills und den oberen Teilen der zertalten Schuttkegel heute das Gepräge.
Schon ist der Wilshire-Distrikt mit seinen nach dem Kriege erbauten, fast
ebenso kostbaren Villen, deren Stil kaum veraltet ist, nicht mehr der vor-
nehmste, ganz abgesehen von dem besten Vorkriegswohnviertel West Adams
Street Heights oder den repräsentativen holzverkleideten Villen des St. James
Park, die um die Jahrhundertwende entstanden, und den reichen viktoriani-
schen Einfamilienhäusern an der Figueroa Street. Innerhalb 40 Jahren fünf zeit-
lich einander ablösende Wohnviertel der Bank- und Geschäftsmagnaten sind
eine Leistung, die kaum eine andere Stadt der Vereinigten Staaten aufWeisen
dürfte. Sie legen Zeugnis ab von der Modepsychose, der die Bewohner von Los
Angelesmehr als die anderer Städte unterworfen sind, ein Geist, der es dem
Reichen verbietet, in einem etwas veralteten Haus oder etwas zu nah an einer
Durchgangsverkehrsstraße zu wohnen, und ein Beweis, wie wenig eingesessen
selbst die führenden Familien sind, und wie wenig beheimatet sie sich auf ihrem
157
Besitz in Los Angeles fühlen. Im Kontrast dazu steht Pasadena, das von dem
instabilen Geist von Los Angeles verschont ist. Die 25 und mehr Jahre alten
Villen der mit alten Pfefferbäumen bestandenen Orange Grove Avenue, die
noch heute von Millionären und Industriekönigen des Ostens im Winter
bewohnt werden, atmen den Geist neuenglischer Beständigkeit. Zwischen dem
entwicklungshemmenden Arroyo Seco und dem Geschäftsviertel gelegen, war
Orange Grove Avenue von vornherein gegen eine Westausdehnung des Zen-
trums von Pasadena geschützt. Es hat den Anschein, als ob die verkehrsgeschützte
Eichenpark-Aufteilung von Oak Knoll am Südrande des Pasadena-Plateaus,
die in jüngster Zeit bebaut wurde, einen ebenso beständigen Charakter
erlange.
Die Mietsstubenviertel, zu denen die altbebauten citynahen Teile der Ober-
stadt, Südwestvorstadt und Vnterstadt 'geworden sind, zusammen mit der
großen Zahl von Dauerwohnhotels (residential hotels) und Kleinmietswoh-
nungen (apartments) des Bunker Hill und der West Lake-Terrasse sind
Wohnstätten von zahllosenDauerbesuchern, die eine besondere Bevölkerungs-
gruppe darstellen, und von Einzelpersonen, die, ohne den Besitz eines Autos,
darauf angewiesen sind, in der Nähe ihrer Arbeitsstätte und im Bereich deS
Straßenbahnnetzes zu wohnen. Der "rooming house"-Gürtel ist eine Er-
scheinung aller V .S.-amerikanischertGroßstädte. Bezeichnend für Los Angeles
ist nur die Menge der Einzelgäste der Dauerwohnhotels dieses Gürtels, unter
denen die Nichtstuer - vorwiegend ältere kälteempfindliche Frauen des
Mittleren Westens - das Charakterelement bilden.
Manche dieser für Los Angeles typischen Existenzen leben schon Jahrzehnte
in demselben Hotelzimmer, ohne selbst das Frühstück in dem Hotel einnehmen
zu können. Sofern sie ihre Zeit nicht mit Herumsitzen in der Hotelhalle und
Gesprächen über das Wetter, den jüngsten Zeitungsskandal oder die Absicht,
einen Besuch ,;back East" zu machen, totschlagen, füllt eine Bridge-Gesell-
schaft oder eine Veranstaltung ihrer Sekte oder ihres Frauenklubs den Tag
für sie aus. Die im Stadtbild hervortretende Vielheit der Kirchen verschiedener
Sekten deutet nicht nur auf den auffallenden Anteil hin, den der Mittlere
Westen an der Bevölkerungszusammensetzung hat, sondern auch auf die An-
wesenheit einer beträchtlichen Menge älterer alleinstehender Frauen, die das
Publikum für die Sektenveranstaltungen bilden. Vnter den Bewohnern im
Alter von 55 Jahren und darüber hat Los Angeles County einen Überschuß
von über 25000 Frauen gegenüber der Zahl der Männer gleiche.n Alters,wäh-
rend in San Francisco und Alameda County (mit Oakland und Berkeley) die
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Männer dieser Altersklasse über die Frauen mit 700 überwiegen (Lit. 102).
In Pasadena verhielt sich 1930 die Zahl der Frauen im Alter von 30 Jahren
und darüber zu der gleichaltriger Männer wie 3 zu 2. Nur aus der Wurzel-
losigkeit so vieler Bewohner ist es zu erklären, daß eine "Four Square Gospel"-
Sekte teure zeitungsfüllende Skandalaffären inszenieren kann, sich einen
"Angelus-Tempel" von Schauspielhausgröße mit eigener Rundfunkanlage zu
leisten vermag und eine Menge zugleich neugieriger, gläubiger und urteilsloser
Hörer findet. Aimee Sempie Mc Pherson, die das "Geschäft" des Angelus-
Tempels betreibt, zieht in ähnlicher Weise ältere Kleinstädterinnen des Mitt-
leren Westens nach Los Angeles, wie der Zaubername "Hollywood" die Welt
filmfreudiger junger Mädchen anlockt.
Weniger als die beschriebenen Bevölkerungsgruppen fällt das wichtigste
Bewohnerelement im Stadtlandschaftsbilde 'auf: der geschäftstätige, führende
Bürger von Los Angeles. Er ist der Träger der Wirtschaft, der Entwicklung.
Von ihm geht der "Geist von Los Angeles" aus, der das möglich macht, was
dem Außenstehenden unmöglich erscheint. Seine Eigenart ist der Schlüssel zu
der Lösung des Rätsels von Los Angeles. Die Analyse seines Wesens und seines
Wirkens bleibt deshalb dem Schlußkapitel vorbehalten.
NAMENGEBVNG VND AVFTEILVNGSGESCHÄFT
An den Mündungen des Hudson und Mississippi, am Zusammenfluß des
Alleghany und Monongahela, am Michigan-See und an der Bucht von San
Franciscohätte auch eine andere Nation große Städte entstehen sehen. Wohl
wäre auch dann die Ortslage von Los Angeles' oder Hollywood zu einer städti-
schen Siedlung genützt worden, aber es wäre eine Stadt entstanden, deren
Bewohnerzahl im Verhältnis zu der landwirtschaftlichen Produktion des Süd-
kalifornischen Beckens und der dann weniger hastig sich vollziehenden Pe-
troleumförderung gestanden hätte: Die Millionenstadt Los Angeles dagegen
ist ein künstliches Produkt, das V.S.-amerikanische Psyche zur Voraus-
setzung hat.
Reklame hat die Menschen' weit über das normale Maß in Massen nach
Los Angeles getrieben. Die Stadt hatte sich weitgehend vorbereitet für die
Aufnahme des Millionenzustroms, der erst im Zeitalter des Automobils ein-
setzte. Das erklärt die wahllose Zerstreuung der städtischen Siedlung über die
Landschaft, eine Weitläufigkeit der Bebauung, die sich in keiner anderen
langsamer gewachsenen V.S.-amerikanischen Stadt in diesem Maße findet.,
159
Um dieses Besondere des Phänomens Los Angeles zu verstehen, müssen wir
den Vorgang der räumlichen Ausdehnung, der Aneinanderreihung einer
Vielheit von Siedlungen und Auf teilungen zur GroßstadtIandschaft im ein-
zelnen betrachten. Er setzt wohl, wie wir sahen, die Popularität des Auto-
mobils voraus, war aber nur möglich infolge erstaunlicher Geschäftstüchtig-
keit unter Ausnutzung einer auf Reklame reagierenden menschlichen Seele.
Eine Straße, eine neue Auf teilung, eine Vorstadt "entwickelt" sich um.,so
besser, je anziehender ihr Name wirkt. Von diesem Gesichtspunkt aus ent-
stehen Orts- und Lokalitätsnamen, welche. die spätere Ortsnamenforschung
ohne Kenntnis jener Psychologie zu geographischen Fehlschlüssen führen
müßten. Deutet nicht der Name Pasadena auf ortsgebundenen indianischen
Ursprung? Die Siedlungen Venice und Naples auf italienische, Athens auf
griechische Kolonistengründung? Sollte nicht das auf einem Schuttfächer-
plateau gelegene Beverly "Hills" eine verlegte Siedlung sein, ursprünglich
vielleicht auf dem westlich benachbarten Hügelland gegründet? Weist nicht
der Ortsname "Westwood" auf ehemaligen Waldbestand und Rodung hin?
"Palms" auf früheren Palmenhain, "Hollywood" auf ursprüngliches Vor-
handensein von Stechpalmen (Ilex)? Und ist nicht die Vermutung berechtigt,
daß Playa del Rey, EI Segundo, Lomita, Alhambra und San Marino aufspani-
sche oder mexikanische Lokalitätstlamen zurückgehen? Mit um so größerem
Recht könnten jene Schlüsse gezogen werden, als in der Tat eine Reihe von
Ortsnamen sich im Zusammenhang mit ihrer Gründung oder Umgebung
bringen lassen. So istWilmington nach der Heimat des Gründers benannt,
Compton und Culver City nach den Gründern selbst, Van Nuys und Lanker-
shim nach den ehemaligen Besitzern des Landes, Holmby Hills nach Holmby
in England, dem Geburtsort des ehemaligen Landbesitzers Letts (s. S. 167),
Strawberry Park nach der Erdbeerzucht, Oak Knoll nach der eichenbestan-
denen Geländeerhebung und Artesia nach dem Gebiet artesischen Wassers,
in dem die Siedlung gegründet wurde. Mit Recht lassen sich die Ortsnamen
Santa Monica, Redondo Beach, Los Palos Verdes und Verdugo City auf
spanische Ortsbezeichnungen oder den spanischen Landeigentümer zurück-
führen. Los Angeles selbst, San Gabriel und San Fernando erinnern an den
Tag der Entdeckung oder Gründung, während Topanga Beach und Tujunga
über das Spanische auf indianische Lokalitätsnamen zurückgehen.
Der Ortsname ist Reklame. Er muß daher leicht auszusprechen, wohl-
klingend und gut zu behalten sein, so daß er ortsfremde Grundstückskäufer
·anzieht. Dabei wird der Name meistens so gewählt, daß er eine Beziehung
160
hat zu der Geschichte, Lage oder dem zukünftigen Charakter der Siedlung.
So beschlossen schon 1875 die Kolonisten der Indiana Colony, ihre Siedlung
"Pasadena" zu nennen, das im Dialekt der Chippewa-Indianer des Ostens
Krone oder Schlüssel des Tales heißen soll, nachdem sie sich vorher sorg-
fältig erkundigt hatten (Lit. 510, S. 463, Lit. 515 u. a.). Für die höhergelegene
Nachbarsiedlung entstand daraus "Altadena" unter Verquickung mit dem
Spanischen. Die andere in jener Zeit begonnene Obstbausiedlung des San
Gabriel-Beckens nannten die beiden Unternehmer nach der römischen Göttin
der Gartenfrüchte "Pomona". Ähnliche Gedankengänge führten in modernerer
Zeit zur Schaffung des Ortsnamens "Gardena", der zu den Gartenkulturen
dieser Siedlung Beziehung hat. Die junge Auf teilung am Hange des Santa
Monica-Gebirges, die sich jetzt zur exklusiven Villenkolonie des Westens ent-
wickelt, erhielt den Namen "Bel-Air", da sie den frischen Seewinden von
Südwesten her ausgesetzt ist.
Gern greift man auch den Ortsnamen völlig aus der Luft. Die Wahl des
Namens folgt dann dem Vorschlag eines Einwohners der betreffenden Sied-
lung, der den Namen einmal auf der Reise gehört oder frei erfunden hat.
So entstand in den 1880er Jahren "Hollywood" und "Glendale". Ebenso
willkürlich erscheinen "Happy Valley", "Hollydale", "Lawndale" und ähn-
liche Namen. Schon frühzeitig erkennt der Grundstücksunternehmer den
Wohlklang des Spanischen und nennt seine Auf teilung entweder echt maurisch
"Alhambra" oder spanisch anklingend "Moneta" oder nur mit spanischer
Endung "Walteria". Ohne sich des Widerspruchs bewußt zu werden, ver-
knüpft man das Spanische mit dem Englischen, wie in "Hermosa Beach",
ist dagegen bei der Namengebung von "Playa del Rey" logischer. Der
moderne Auf teiler, der die Mode der plötzlich erwachten spanischen Tradi-
tion wahrnimmt, nennt "Mar Vista", was er früher "Ocean View" genannt
hätte, und "Linda Vista", was anderorts "Bellevue" heißen würde.
Für gute Wohnlage machen die vielen Namen Reklame, die mit Park,
Wood, Hills, Heights, Mont, Crest, KnolI, Terrace oder View endigen, auch
wenn der Park nicht zu sehen ist, der Wald aus einem dürftigen Eukalyptus-
gehölz besteht und die Hügel nur in der Nachbarschaft liegen. Diese Be-
zeichnungen lassen sich beliebig mit spanischen Namen verknüpfen, wie in
"Ramona Park" oder "Montecito Park", so daß sie einerseits den Reiz der
spanisch-kalifornischen Romantik haben, andererseits dem Neuling aus dem
Osten, der das Spanische vielfach nicht gleich deuten kann, sagen, in welch
reizvoller Umgebung die angepriesene Auf teilung liegt.
XI Wagner, Los Angeles
\
1904 kam ein geschickter Unternehmer, Ab botKinney, auf den Gedanken,
in der siedlungsfeindlichen Marsch der unteren Ballona-Niederung Kanäle
anzulegen, dazu den Marcus-Platz und einige venezianische Straßen zu
imitieren. Die Siedlung "Venice" hatte in erster Linie als Vergnügungsort
solchen Erfolg, daß im folgenden Jahre zwei Unternehmer ein Stück Land
in der Alamitos-Niederung an der Mündung des San Gabriel-Flusses er-
warben, wo sie eine Konkurrenzsiedlung "Napies" gründeten. Der Name
hinderte nicht, eine Reproduktion des Dogenpalastes zu errichten und für ihr
Dreamland of Southern California" Reklainezu machen mit dem Satz:
" .
"Through the canals and under the high arching bridges gay gondoliers will
propel their crafts like those in the waters of the Adriatic (!) under the blue
skies ofItaly" (Lit.488, I). Der beliebte Vergleich Südkaliforniens mit Italien
führte während des Nachkriegs-Booms zu den Namen "Riviera" und
"
Castellammare" für zwei exklusive Auf teilungen nördlich und westlich von
Santa Monica.
Nur in wenigen Fällen haben sich die Ortsnamen natürlich herausgebildet.
Als Beispiel dafür sei "Westgate" genannt, ein Siedlungskern, der sich vor
dem westlichen Tor des Geländes der Veteranen-Heimstätte Soldiers' Home
entwickelte.
Die geringe Bindung an Tradition und die reine Geschäftseinstellung der
Bevölkerung drücken sich auch in der Schnelligkeit aus, mit der sich eine
Mehrheit für Änderungen alter Orts- oder Straßennamen findet. Wo der
Ortsname keinen Reklamewert mehr besitzt, weil der Bezirk einen weniger
guten Ruf hat als ein benachbarter, wählt man gern dessen Namen, dem
man dann die Himmelsrichtung hinzufügt. Sherman wurde ursprünglich
nach General Sherman benannt, der sich frühzeitig um die elektrischen
Bahnen verdient gemacht hatte. Das Straßenbahndepot, an das eine zum
Teil mexikanische Arbeitersiedlung geknüpft war, gab dem Namen einen
so wenig anziehenden Klang für neue Bewohner, daß sie ihn 1927 in "West
Hollywood" umänderten. Ähnlich glaubten die Bewohner von Lankershim in
der San Fernando-Ebene ihren Grundstücksverkaufzu fördern, indem sie den
Ort in "North Hollywood" umbenannten. Die Siedlung Sawtelle, in der sich
seit Ende des letzten Jahrhunderts die Familien vieler Veteranen des nahen
Soldiers' Home ansiedelten, wurde in jüngster Zeit weitgehend von J!ipanern
besetzt, welche die Gemüsefelder der südlichen Sawtelle-Ebene bewirtschaften.
So änderten die Bewohner bei der Eingenteindung 1927 gerne den Orts-
namen in "West Los Angeles" um.
Ebenso geht die Umbenennung von Straßen auf das Geschäftsinteresse der
anliegenden Geschäfte oder Grundstücksbesitzer zurück. Ähnlich wie andere
Städte, mußte auch Los Angeles nach New Yorker Vorbild seinen Broadway
haben. Die alte Fort Street, die ihren Namen von einer früheren Befestigung
herleitet, wurde mit ihrer Umänderung in "Broadway" 1889 (Lit. 510, S. 592)
zur Hauptgeschäftsstraße prädestiniert. Dagegen vermochte der Broadway,
den zwölf von den Randstädten erhielten, nicht immer gegen eine schon be-
stehende Hauptgeschäftsstraße anzukommen, wie das Beispiel des Broadway
von Santa Monica zeigt. In einer Zeit, in welcher die spanische Lokaltradition
noch nicht erwacht war, konnte Los Angeles seine Buena Vista Street in North
Broadway umtaufen. Das geschah 1909 (Lit. 510, S.681). Seit der Ent-
wicklung eines Verwaltungszentrums beantragen die Grundstücksbesitzer an
der historischen Temple Street Umbenennung ihrer Straße in "Civic Center
Boulevard", was die Historische Gesellschaft nur mit Mühe verhindern kann.
Die Reklamekraft spanischen Wohlklangs alter Lokalitätsnamen ist in jüngerer
Zeit maßgebend für die Benennung künftiger Geschäftsstraßen. "La Brea"-
und "La Cienega"-Boulevard sind daher besonders anlockend, während sie
mit gleichbedeutenden englischen Namen ("Pitch"- und "Slough"-Boulevard)
das Gegenteil bewirken würden. Einer früheren Epoche, aber aus derselben
Mentalität, entsprang der Name "Sunset Boulevard" (Sonnenuntergangs-
Boulevard).
Ebenso wie die zahlreichen, aus Auf teilungs namen hervorgehenden Orts-
namen sind der Grundriß in vielen Außenbezirken, Aufriß und Nutzung,
der Bebauungsabstand und die Wohndichte erst aus der Freiheit heraus zu
verstehen, die der indivi<;luellen Willkür des Aufteilungsunternehmers gelassen
ist. Das vorhandene Schnellbahnsystem und erst recht die Unabhängigkeit des
Automobils von einem an Schienen gebundenen Verkehrsnetz ermöglichen
es dem freien Willen des einzelnen, an ganz beliebiger Stelle der Land..,
schaft eine Entwicklung von bestimmtem Typ einzuleiten. Der eine Auf-
teilungsunternehmer gründet eine Industriesiedlung mitten im Ackerbau-
distrikt, wie Torrance, das abseits vom Industriegelände der Stadt und des
Hafens liegt, - der andere zieht Arbeiter und Mexikaner in seine Auf teilung
wie in Belvedere Gardens, - ein Dritter teilt sein Land in "poultry tracts"
auf, in deren Grundstücken man hinter dem Wohnhaus ein paar Hühner
halten kann; Teile von Inglewood sind für diese Entwicklung bezeichnend.
Die Industriesiedlung Vernon wird fast ganz von einem einzelnen Unter.,
nehmer kontrolliert, der keine Wohnhäuser in seinem Stadtviertel duldet.
II*
Große Aufteilungsgesellschaften haben ihre Interessen über weite Teile der
Landschaft verteilt und können alle Bedürfnisse befriedigen. So verfügt die
Los Angeles Investment Company sowohl über Industrieaufteilungen als auch
über vornehme Wohnviertel.
Eine eigenartige Methode der Bevölkerungsanziehung wurde während des
Vorkriegs-Booms von der Gesellschaft angewandt, die Hawthorne auf-
teilte. Nachdem sie das Land vom ehemaligen Großgrundbesitzer erworben
hatte, wurde 1902 die elektrische Bahn hindurchgelegt. Dann errichtete man
mehrere Fabriken, eine Möbel-, eine Handschuh-, eine Addiermaschinen-
fabrik, "fake industries", die alle wieder verschwanden, nachdem sie ihren
Zweck erfüllt hatten, Siedler heranzuziehen. In Hawthorne und Lennox
wurde auch ähnlich wie in Teilen Inglewoods die Methode der Auf teilung
in "acre and half acre lots" angewandt, Grundstücke von 0,4 und 0,2 ha
Größe. Wer in Los Angeles arbeitet, kann hier in küstennaher Sommerkühle
leben und nebenbei ein paar Hühner, Kaninchen, eine Kuh oder ein Schwein
halten, die einen Nebenverdienst abwerfen. Zum Teil sind diese großen Grund-
stücke nach und nach weiter aufgeteilt worden. Das größte Wachstum hat
auch Hawthorne wie die meisten Randstädte erst während des Nachkriegs-
Booms erfahren. Man bot kleine ,,25 foot lots" an, die einen billigen Grund-
stückspreis ermöglichten. Wer auf die Reklame hin sich ankaufen wollte ,
sah sich dann genötigt, zwei nebeneinanderliegende Grundstücke zu kaufen,
um ein Grundstück von,Normalgröße zu erhalten. Heute ist das gesetzlich
verboten, und Aufteilungspläne mit ,,25 foot lots" können nicht eingetragen
werden.
Anders ging die Entwicklung in Culver City. Mr. Culver kam 1914
aus Nebraska, geriet ins Aufteilungsgeschäft, kaufte den Erben der spanischen
Lehensbesitzer in der Ballona-Niederung ein Stück Ackerland ab, teilte es auf
und verkaufte die Grundstücke an Touristen aus dem Osten, die Geld in Süd-
kalifornien investieren wollten. Daneben zog er eigentliche Rentner heran
und schließlich die Filmindustrie, der er die meteorologischen Vorteile von
"Culver City" bewies (Lit.677). Die Filmateliers machten wiederum die
Zuwanderer neugierig, da diese so etwas an ihrem Wohnsitz im Osten nicht
kannten. So hat die nun in Culver City vorhandene Filmindustrie auch den
Verkauf der Wohngrundstücke belebt.
Die Wohnsiedlung Waln u t Park war mit Southgate noch 1920 ein länd-
licher Bezirk weit im Südosten der Stadt und noch wenige Jahre vorher in der
Hand eines einzelnen Landbesitzers, Cudahy. Ganz verstreut waren ein paar
I
Häuser vorhanden. Das übrige war Weideland, und zum Teil Nuß-, Birnen-
und Apfelbaumpflanzung. Cudahys Land war ein paar Jahre vorher von
einem Unternehmer übernommen worden, der aufzuteilen anfing, aber ohne
Erfolg, weil niemand so weit vor die Stadt zog. Nachdem er bankerott gemacht
hatte, änderte er seinen Namen, stiftete der eine
Geldsumme, um sie zu bewegen, eine Bahnlinie zu seiner Auf teilung zu bauen
und gründete eine Wasser- und Land-Gesellschaft, die mit jedem Grund-
stück einen Gesellschaftsanteil verkaufte. Jetzt, da es möglich war, für 5 Cents
vor die Stadt hinauszufahren, kamen die Menschen. Mit dem Automobil
waren sie nicht gekommen. Der Geruch der Schlachthäuser, die unterwegs
passiert werden mußten, hatte sie abgelenkt. Nun aber begann der Verkauf,
während dazwischen und auf dem bisher nicht aufgeteilten Gebiet noch meh-
rere Jahre Walnüsse geerntet wurden. In dem Maße, in dem die verstreut'
errichteten Häuser sich mehrten, rentierte die Walnußernte nicht mehr, denn
das Furchensystem der Bewässerung war unterbrochen. Die neuen Grund-
stücksbesitzer, die wohl der landschaftliche Reiz der Walnußpflanzung an-
lockte, pflegen die Bäume nicht mehr mit der erforderlichen Regelmäßigkeit, die
Bewässerung läßt nach, und die Bäume werden nicht mehr zum Schutz gegen
Insekten bestäubt. Strenge Bebauungsvorschriften erlauben nur bestimmte
Haustypen, und es ist verboten, alte Häuser von einem anderen Stadtteil
auf die Auf teilung zu transportieren. So entsteht in der alten Walnußpflan-
zung eine anmutige Kleinhaus-Siedlung. Bald zogen die Geschäftsleute der
benachbarten Randstadt Huntington Park nach Walnut Park und später,
nachdem eine der großen Reifenfabriken sich in der Nähe angesiedelt hatte,
begannen auch Arbeiter zu kommen, um hier zu wohnen. 1933 erloschen die
Bebauungsvorschriften. Der junge Stadtteil tritt somit schon in: die zweite Pe-
riode seiner Entwicklung ein. ,;Noch heute leben in der Gegend einige Mexi-
kaner, die seiner Zeit auf der "Ranch" des Mr. Cudahy angestellt waren,
sozusagen als Reliktbevölkerung einer verschwundenen Landschaft. Die
Wassergesellschaft, die 1920 hauptsächlich Wasser für die Bewässerung der
Pflanzung pumpte, beliefert heute die Hauswasserleitungen. Um die Mitte
der 1920er Jahre waren bereits so viele Wohnhäuser in Walnut Park ent-
standen, daß der Unt\'!rnehmer ein an einer zentralen Straßenkreuzung ge-
legenes Geschäftshaus mit einem "drug store"I), einem Spekulanten aus Chi-
cago für $ 33000 verkaufen konnte. Bei der raschen Bevölkerungsvermehrung
I) Ein Drug store ist nicht nur Drogerie im deutschen Sinne, sondern zugleich allge-
meiner Warenladen und Erfrischungsrestaurant.
und entsprechenden Wertsteigerung der Geschäftsecke konnte der Käufer
dasselbe Gebäude schon nach drei Monaten aufgg Jahre gegen eine An-
zahlUng von $ 50000 und $ 1000 monatlicherMiete verpachten.· Selbst der Auf-
teilungsunternehmer konnte das nicht voraussehen!
Beverly Hills, am Westendeder Hollywood-Platte gelegen, hat sich im
Anschluß an ein vornehmes Touristenhotel entwickelt, das hier schon vor dem
Kriege im "Mission Style" errichtet und mit kostspieligen Gartenanlagen um-
geben wurde. Es begann sich eine vornehme Wohnsiedlung daran anzuschlie-
ßen, die Ig20 674 Einwohner zählte. Ig21 übernahm eine große Auf teilungs-
gesellschaft den Grundstücksverkauf, setzte seitengroße Reklameanzeigen in
die Zeitung und stellte die Filmtheater in den Dienst ihrer Propaganda.
Den Bewohnern von Los Angeles wurde klar, daß Beverly Hills, in dessen
Richtung die natürliche Westausdehnung der Stadt wies, die kommende vor-
nehme Wohnstadt sein werde. So zogen viele, die schon westlich der Vermont
Avenue oder in Hollywood wohnten, noch weiter westlich. Manch einen be-
stachen die gewundenen Straßen von Beverly Hills, die eine Neuheitgegen-:-
über der bisher üblichen Stra%nführurig darstellten. Schließlich
die Filmschauspieler aus Hollywood nach Beverly Hills zu ziehen. Die ge-
schickte und konsequente Verkaufspolitik der Aufteilungsgesellschaft, die
nur geschlossene Bebauung zuließ, hat es möglich gemacht, daß der gute
Charakter, den die Wohnstadt hatte, als sie sich in kleinen Anfängen befand, _
bis heute bewahrt blieb, trotzdem sich die Bewohnerzahl innerhalb von
IO Jahren verfünfundzwanzigfachte. Beverly Hills ist heute eine der schönsten
Wohnstädte der Landschaft. Sämtliche Straßen sind mit Bäumen bestanden.
Da keine Architektur vorgeschrieben ist, finden wir abwechslungsvolle Be-
bauung mit guten Typen aller Stile. Villen im spanischen, neomediterranen,
normannischen, englischen und im Phantasiestil wechseln miteinander ab.
Derselben Abwechselung begegnen wir in den Teilen der· Siedlung, .die statt
mit Villen ausschließlich mit Kleiilhäusern bebaut sind. Nach dem
Vorbild von Los Angeles beginnt auch BeverIy Hills sich sein Verwaltungs-
zentrum zu schaffen. Ein prachtvolles Barock-Rathaus, das dem von Pasadena
ähnelt, kündet mit weithin leuchtender Kuppel den Wohlstand dieser Stadt.
Die Erwartung, daß der. südkalifornische Zweig der Staatsuniversität, die
"University of California at Los Angeles", sich ein neues größeres Gelände
suchen werde, hat an verschiedenen Stellen der Landschaft das AufteiluIigs-
geschäft belebt. Pasadena kam für die Universität in Betracht; dann der
Abhang des San Pedro-Vorgebirges, so daß plötzlich die Grundstücke der
166
.,ll
Auf teilung Palos Verdes Estates Aussicht auf gesteigerten Absatz erlangten.
Aber schon hatte die alterfahrene Aufteilungsgesellschaft, die den ehemaligen
Rancho San Jose de Buenos Ayres seit 1923 besaß, von den umliegenden
Städten Santa Monica, Vemce und Los Angeles mehrere Millionen Dollars er-
halten, um der Universität den Landkauf zu billigerem Preise zu ermög-
lichen. So erhielt denn die Universität einen großen Geländekomplex· für
eine weit unter dem Marktpreis liegende Summe. Die kommende Universität
konnte man nun geschickt zur Reklame ausnutzen. Denn wer etwas auf
Kultur hält, will das zum Ausdruck bringen, indem er in der Nähe des neueIi
geistigen Mittelpunktes von Los Angeles wohnt. So hat Westwood Hills als
jüngste allerrVorstädte erst mehrere Jahre nach dem Höhepunkt des Nach-
kriegs-Booms ziemlich schlagartig die letzte größere Lücke zwischen Los
Angeles und Santa Monica ausgefüllt. Der Rancho San Jose de Buenos Ayres
ist der letzte innerhalb der Stadtlandschaft, der sich noch bis in die zweite
Hälfte der Ig20er Jahre so gut wie ungeteilt erhalten hatte. Von den Nach-
folgern des mexikanischen Besitzers hatte ihn "Don Benito" WiIson, ein
ehemaliger Pelzjäger, der 1841 nach Los Angeles gekommen war und bereits
1844 die Tochter eines spanischen Großgrundbesitzers geheiratet hatte
(Lit. 488, 11), 1852 erst mit halbem Interessenanteil und 1858 ganz erworben.
Kurz darauf-es waren die Katastrophenjahre der Viehwirtschaft-veräußerte
er den Rancho. 1884 kaufte ihnJ ohn WolfskiII. Schon drei Jahre danach
während der großen Boom-Psychose, verkaufte er ihn zum zehnfachen
Preise an die Santa Monica Land & Water Co., die eine Bahn hindurch-
baute und die Stadt Sunset ("Sonnenuntergang") darauf gründete. Wie bei
manchen solcher kurz. vor dem Zusammenbruch des ersten Booms gegrün-
deten"Städte" wurden nur ;wenige Grundstücke verkauft, so daß das Land
18g1 an Wolfskill zurückfiel und die Grundstücke der "Stadt" wieder
überpflügt wurden. Iglg erwarb Arthur Letts, ein weitblickender Kauf-
mann von Los Angeles, den Rancho als Kapitalanlage (Lit. 555). Letts
. hatte schon im Geschäftszentrum Erfahrung im Vorausfühlen kommender
Entwicklungstendenzen . während vieler Jahre gesammelt. Seine Tochter
'heiratete den Aufteilungsunternehmer Janss, dessen Vater schon seit An-
fang des Jahrhunderts das Aufteilungsgeschäft betrieb, das :von ihm und
seinem Bruder fortgeführt wird. Die Gesellschaft hatte Übung in den ver-
schiedensten Arten des Immobilienverkaufs. In der San Fernando-Ebene
hat sie -Landbesitzungen verkauft, westlich vor dem Los Felis-Paß hat sie
vornehme Wohngrundstücke aufgeteilt. Kurz nach dem Kriege und noch
vor dem Boom hat sie außerhalb der Ostgrenze der Innenstadt ein ganzes
Arbeiterstadtviertel innerhalb von zwei Jahren fast vollständig verkauft
- trotz Wirtschaftsstockung - und hatte mit Kontrakten, die Zahlung inner-
halb von 5 Jahren vorschrieben, Erfolg. Die Gesellschaft übernahm 1922 die
Auf teilung des Ranchos San Jose de Buenos Ayres, auf dessen 13 qkm noch
bis dahin Gerste, Bohnen und Walnüsse von Pächtern geerntet wurden und
zum Teil noch umzäunte Weiden bestanden. Die einzigen Häuser waren die
Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Pächter, die von Eukalyptusbäumen als
Windschutz umstanden waren. Eine solche Eukalyptusgruppe war der" wood",
von dem die Berechtigung zum Namen "W&twood" abgeleitet wird. Dank
ihrer Erfahrung und Kapitalkraft konnten die Unternehmer die Auf teilung .
vorsichtig und schrittweise betreiben und das Geschäft auf 15jährige Sicht
berechnen. So blieb der ländliche Charakter des Landes in den Teilen, die
erst nach und nach aufgeteilt wurden, noch weitere Jahre erhalten. Der süd-
liche Teil des Ranchos ist vorwiegend eben (Teil der Sawtelle-Ebene), der
nördliche zertalt (Buenos Ayres-Hügelland). Das bestimmte den Charakter der
Entwicklung. So liegt im nordöstlichen Teil, an Bel-Air grenzend, der vor-
nehm-exklusive Bezirk Holmby Hills, der in Parkbesitzungen aufgeteilt wurde.
Das kleinste Grundstück ist hier 0,3 ha groß (Lit. 534, S. 178). Im ebenen
Süden konnte man viel billiger aufteilen und mit geringeren Kosten Straßen
anlegen. Das drückt sich im Grundstückspreis aus. Deshalb sind die Bau-
vorschriften südlich des Wilshire Boulevard, wo mit der Auf teilung begonnen
wurde, weniger scharf als nördlich dieser Hauptverkehrsstraße. Nördlich des
Wilshire Boulevard legte der Aufteilungsunternehmer die Kanalisation und
unterirdische Röhren für die Telephon- und Lichtdrähte, die sonst aufhäß-
lichem Stangenwerk, das von der Stadt errichtet wird, oberirdisch verlaufen.
Eine vierfache, von Süden nach Norden fortschreitende Abstufung der Grund-
stückspreise und Baukostengrenzen wird jedem Anspruch gerecht. "Kinder-
gartens", Volksschulen, Privatschulen und Mädchenschulen in verschiedenen
Teilen der Auf teilung, eine "highschool" und eine Universitäts-Vorschule,
dazu die Universität selbst mit den Verbindungshäusern der "fraternities"
und "sororities" sollen jedem die Erziehung und Ausbildung seiner Kinder
bis zum Ende der gesellschaftlich so wichtigen Universitätsjahre an Ort und
Stelle ermöglichen. Auch die Kirchen fehlen nicht.
Das Grundstücksgeschäft wird hier anders betrieben als in den meisten
Fällen. Es werden zuverlässige Bauunternehmer gewonnen. Die Auf teilungs-
gesellschaft, der sie die Grundstücke abkaufen, benutzen sie als Verkaufs-
168
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~ ) .
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agenten. So hat der Bauunternehmer heute das Risiko. Natürlich wurden
viele Grundstücke an reine Spekulanten verkauft. Dadurch wechselten in
der Zeit der guten Konjunktur die Grundstücke rasch und oft den Besitzer,
einige bis zu zwölf mal, was den yerkauf der übrigen Grundstücke, die noch
in der Hand der Aufteilungsgesellschaft waren, nur beschleunigte. Als
dann der Erfolg einsetzte, die Universität sich zum Landkauf entschloß
und tatsächlich gut aussehende Häuser auf den unbebauten Grundstücken
entstanden, kam mancher Spekulant, um auf seinem Spekulationsgrundstück
sich selbst ein Heim zu bauen, die Zeit niedrigerer Baukosten nach Abflauen
des Booms ausnutzend. Anders ging es bei der Auf teilung um die Loyola-
Universität, der über dem Playa del Rey-Steilhang ein Gelände gestiftet
wurde, das ganz abseits vom Durchgangs-Automobilverkehr liegt. Hier
hörte der Spekulant auf, weitere Ratenzahlungen für sein Spekulations-
grundstück zu leisten und verzichtete, sobald er sah, daß die Auf teilung
nicht einschlug. So breitet sich heute vor dem weithin sichtbaren einsamen
Gebäude der Loyola-Universität ein Straßennetz aus, dessen Häuserblocks
brachliegen.
Der Erfolg der Entwicklung von Westwood Hills und die Wertsteigerung
des Landes, welche die städtische Bebauung des Rancho San Jose de Buenos
Ayres bringt, bewirkt, daß auf einmal ein Nachkomme des mexikanischen
Lehensbesitzers, dem 1843 der Rancho verliehen wurde, auftaucht, behauptet,
daß seiner Familie ein ungeteilter halber Anteil am Rancho gehöre, und die
Aufteilungsgesellschaft auf Herauszahlung der Hälfte der Verkaufsgewinne
und Einkünfte verklagt. Geschickterweise beschränkt sich die Anklage zu-
nächst auf 9 genau spezifizierte Grundstücke innerhalb des Ranchos, für die
man eine genaue Summe errechnen kann. Gewinnt der Kläger den Prozeß,
dann wird er ihn sofort auf den seiner Familie angeblich zustehenden halben
Anteil am gesamten Rancho ausdehnen und Herauszahlung von Riesen-
summen fordern .. Die Gefahr solch unerwarteter Anfechtung von Land-
titeln ist so groß, daß· es für jeden Landbesitzer und Aufteilungsunternehmer
erforderlich ist, sich dagegen zu versichern. In vielen Teilen der Landschaft
hat Grund und Boden seinen Besitzer seit der Verleihung durch den
König von Spanien oder den mexikanischen Statthalter durch die Zeiten
der frühen U.S-amerikanischen Kolonisation und die drei Booms hindurch
. so oft gewechselt, daß es für den Landkäufer heute unmöglich ist, die Kette
der Titel bis zur ersten Belehnung zurückzuverfolgen. Daraus erhellt die ge-
waltige Bedeutung der Titelversicherungsgesellschaften. Zwei von ihnen sind
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zu Rieseninstitutionen angewachsen mit eigenen Büro-Hochhäusern, fast den
größten und modernsten des Geschäftszentrums. Sie besitzen vollständige
Kopien der Karten und Auszüge der Akten des Katasterarchivs von den
ältesten Zeiten an, registrieren laufend sämtliche Grundstücksverkäufe der
Landschaft, und jede unterhält einen Stab archivalisch geübter Titelforscher.
Ein solcher Prozeß, wie er im Falle des Rancho San Jose de Buenos Ayres
heute angestrengt wird, ist für die Titelgesellschaften ein schwerer Schlag.
Nachdem die Universität sich für das Gelände in Westwood Hillsent-
schlossen hatte, war die Aufteilungsgesellschaft verpflichtet, ein Geschäfts-
viertel zu schaffen. Auch darin hat sie größte Vorsicht und Geschick walten
lassen. Ehe man das Straßensystem plante, befragte man zahlreiche Planungs-
fachleute. So weicht die Anlage vom üblichen Schachbrettsystem ab. Es ist
möglich, die vielen Automobile so zu parken, daß sie nicht alle in einer Reihe
stehen. Das Viertel wurde so kompakt geplant, daß die vielen, die nicht
gewohnt sind, mehr als wenige Schritte zu Fuß zu gehen, es zu Fuß durch-
messen können. Die Durchgangsverkehrsstraße führt auch nicht durch das
Geschäftsviertel hindurch, sondern an ihm vorbei. Dadurch bleibt der
etwas intimere Charakter, den die Einkaufsstraßen des Universitätsviertels
annehmen sollen, gewahrt. Um die Bebauung kompakt und einheitlich gut
·zu gestalten und zu bewirken, daß sie sofort eintritt, werden reine Speku-
lanten zurückgewiesen. Eine bis zwei Wochen vor der Eröffnung der A u f ~
teilung 1929 machten deshalb die Verkäufer eine Reihe zuverlässiger Käufer
dingfest. Bei Eröffnung hatte man dann schon die verkauften Grundstücke
auf dem Plan in Rot eingetragen, so daß das Publikum sich eilte, sich soviel
als möglich vom Rest zu sichern. Denn keiner wollte der letzte sein und nehmen
müssen, was übrigblieb. Da man etwas Neues, Besonderes schaffen wollte,
was sich von anderen neuen Stadtvierteln unterscheidet, ist man ganz beson-
ders wählerisch in der Architektur, die nicht so einförmig ist wie sonst, sondern
vielerlei geschmackvolle Variationen zeigt, die der spanische, neomediterrane
und Monterey-Stil und das spanische Barock gestatten Die Büromieten sind
teilweise so hoch wie im Geschäftszentrum der Innenstadt, obwohl gleich da-
neben noch die Gemüsefelder des Regierungspachtlandes bestellt werden.
Den intimen und besonderen Charakter betont man noch, indem man diesem
kleinen Geschäftszentrum den Namen "Westwood Village" oder kurz "The
Village" gibt in Anlehnung an Greenwich Village in New York. Man will
so ein Künstlerelement heranziehen, das schon beginnt, die mannigfaltigen
spanischen Apartments, die in der Village errichtet werden, zu bewohnen.
Die Bauunternehmer, die ja ihres Gewinnes in dieser gutgehenden Auf teilung
sicher sind, scheuen keine Mühe in der äußeren und inneren Ausstattung ihrer
mediterranen Häuser. Denn der Artikel "charm" ist heute, und gerade hier,
gesucht. Fast jedes dieser reizvoll winkelig gebauten Apartment-Häuser
bekommt einen schönen spanischen Namen. Eines heißt "EI Encanto", ein
anderes "EI Lugar", womit man "The Village" übersetzen will. Ein weiteres
dieser Häuser, das in einem italienischen Stil errichtet wird, erhält von vorn-
herein ein Aussehen, das 50jähriges Alter vortäuschen soll. Die Dachziegel,
das Holz der Türen und jede Einzelheit wird mit besonderer Sorgfalt aus-
gewählt. In den vom Hause umschlossenen südländischen Garten (patio)
hat man einen 12m hohen, über 200 Jahre alten Kaktus gesetzt, den man
trotz seines Gewichtes von 80 taus Arizona herbeischaffte. Über diese Selten-
heit erschien sofort in führender e:eitschrift und Zeitung ein Leitartikel,
dessen Nebenwirkung natürlich Reklame für die 'reizvollen Kleinwohnungen
des Gebäudes ist, - in Wirklichkeit der Hauptzweck. Geschick und Vorsicht
der Aufteilungsgesellschaft haben es verstanden, hier etwas zu entwickeln,
was von vornherein Dauer verspricht. Aus diesem Grunde gelang es, meh-
rere große Warenhäuser des Geschäftszentrums der Innenstadt zur Ein-
richtung von Zweiggeschäften hier draußen zu veranlassen. In anderen
rasch gewachsenen Teilen der Stadtlandschaft zog man die Geschäfte heran,
indem man den ersten von ihnen billige Pachten oder 2-3Jahre freie Miete
gewährte. Sobald dann einmal ein paar gute Geschäfte da sind, folgen weitere,
und die erwünschte Wertsteigerung des Landes ist da.
Das Aufteilungsgeschäft drückt der Stadt, die sonst eine Großstadt wie
manche andere wäre, das Gepräge auf. Es beherrscht sie und seine Bewohner.
Dafür ist Los Angeles im ganzen Lande bekannt. Denn kaum ein Besucher
kommt aus Los Angeles davon, ohne daß man ihm nicht ein Grundstück
verkauft hätte. Während in Europa das Iroroobiliengeschäft kaum auffälliger
betrieben wird als irgendein anderes Geschäft, beschäftigt es in Los Angeles
die Öffentlichkeit um so mehr, als es bei Gefängnisstrafe verboten ist, Aktien-
und Grundstücksreklame durch die Post zu versenden. Eine der vornehmsten
Auf teilungen der Landschaft kam ins Stocken, seitdem der Makler auf diese
Weise ins Zuchthaus geriet. So muß der Unternehmer auffällige Reklame
in den Zeitungen machen und große Schilder auf den Straßen aufbauen,
die der Automobilfahrer von weitem lesen kann. Reklame an Litfaßsäulen,
wenn es solche gäbe, hätte da gar keinen Zweck. Ein Makler darf sich auch
nicht mit einem Büro im soundsovielten Stockwerk in einem Hochhaus des
Geschäftszentrums begnügen. Wohl haben die größeren Aufteilungsgesell-
schaften ihre zentralen Büros, aber sie müssen vor allem draußen auf der Auf-
teilung selbst möglichst nicht nur ein, sondern mehrere auffällige Büro-
häuschen und möglichst auch ein oder mehrere Musterhäuser unterhalten.
Wenn die Auf teilung abseits vom Durchgangsverkehr liegt, dann muß eine
Abfangbürobude an der Verkehrsstraße liegen oder wenigstens ein markanter
Reklamefinger, der den Automobilfahrer in die Richtung weist, in der er ein .
epochemachendes Zukunftsstadtviertel zu sehen bekommt. Die Auf teilungs-
gesellschaft, die den Rancho San Jose de Buenos Ayres abschnittweise auf-
teilte, besaß den Vorteil, daß drei Ostwest-Durchgangsstraßen durch ihr Land
hindurchgehen und eine vierte auf der Südbegrenzung entlangläuft. Jedes-
mal, wenn ein Aufteilungsabschnitt auf den Markt geworfen wurde, machte
man in der Sonntagsausgabe der Zeitungen große Reklame, worauf viele
ihre Sonntagsautofahrt dort hinaus machten. Daneben konnte man viele
von denen abfassen, die auf einer der Ostwest-Straßen zum Strande fuhren
und Westwood-Gelände durchqueren mußten. So dauerte es nicht lange, bis
der Abschnitt verkauft war und man schon an den nächsten denken konnte.
Kaum war ein Abschnitt verkauft, dann flog binnen einer Woche das Erd-.
reich, die Dampfschaufel War am Werke, es wurde planiert, man
Kanalisationsrohre in den Untergrund ein, Asphaltstraßen und Bürgersteige-
entstanden, bald kam die Dampfwalze, und ein geschäftiges Heer von
Arbeitern belebte plötzlich das Brachland.
GRUNDRISS UND AUFRISS
Die Analyse des Siedlungsgrundrisses muß ihn in seine zwei Elemente
zerlegen, das Straßennetz und die bebaute Fläche. Dabei rechne ich zur Be-
bauung sämtliche Gebäude, Gärten, Parks, Kirchhöfe und industriell ge-
nutztes und dem Verkehr dienendes Gelände, sofern es nicht linienhaft als
Straße und Schienenstrang über den Außenrand des städtischen Straßen-
netzes hinausgeht. Abweichend von Bobek (Innsbruck S. 102) schließe
ich den unbebauten Raum innerhalb der natürlichen Stadtgrenze nicht in
den Begriff Bebauung ein. Ich nenne ihn "städtisches Brachland", wenn
von bebauter Fläche umgeben "inneres städtisches Brachland". Ich fasse
also den Begriff "bebaute Fläche" enger als Bo bek, aber weiter als Kappe,
der die Grünfläche von der bebauten Fläche scheidet (Die Unterweser
S. 96). In der Regel eilt das Straßennetz der Bebauung voraus, greift dem-
entsprechend über den Gesamtraum der bebauten Fläche, für die es die
Maschen liefert, hinaus, wodurch ein Gürtel städtischen Brach-
landes entsteht, der außerdem über den Außenrand des städtischen Straßen-
netzes bis an die Grenze ländlich genutzten Landes heranreicht. Am
wenigsten eilt das Straßennetz bei der gewordenen Siedlung voraus, bei
der die Bebauung, wenn sie den bestehenden Kern überschreitet, sich
zunächst an die außerhalb der Siedlung vorhandenen größeren Maschen
hält, die durch Ausfallstraßen und Feldwege gegeben sind. Erst nachdem
die Bebauung ihre Vorposten in Gestalt vereinzelter Häuser in den Außen-
raum entsandt hat, folgt das Straßennetz mit seinen kleineren Maschen.
Dabei tritt die vorhandene Bebauung als weiterer richtunggebender Faktor
zu den vorhandenen Besitzgrenzen und den natürlichen Richtunggebern :
Relief, Gewässern und Vegetation. Das Straßennetz langsam gewordener
Städte reagiert empfindlich auf alle diese Faktoren. Die planmäßig an-
gelegte Stadt wird die richtunggebenden Faktoren um so weniger berück-
sichtigen, einen je größeren Raum der Plan erfaßt und je rascher die
Bebauung dem geplanten Straßennetze folgt. Im extremen Fall wird der
Straßenbau und die ihr folgende Bebauung nur dann an morphologischen
oder Hemmnissen haltmachen, wenn ihre· überwindung
technisch oder finanziell unmöglich ist.
Das Bild des Straßennetzes unserer Großstadtlandschaft läßt 7 Elemente
erkennen:
I. das Gewordene,
2. den älteren U.S.-amerikanischen Plan,
3. das ortsfremde U.S.-amerikanische Schema,
4. Einfluß alter Besitzgrenzen und Wege auf das Schema,
5. individuelle geschäftsbedingte Willkür,
6. Anpassung an hügeliges und gebirgiges Gelände,
7. den nachträglichen regulierenden Plan.
Vom ursprünglichen spanischen Anlageplan von 1781 mit Plaza und von
ihr ausgehendem Straßenkreuz (s. Abb. 7, S.50) ist nichts mehr zu sehen.
Bereits 50 Jahre nach der Gründung war die alte Anlage völlig verwischt.
Die erste Plaza wurde, wahrscheinlich weil sie zugebaut war (s. S.77),
verlegt und 1834 die neue als Mittelpunkt des Quadrates des städtischen
Weichbildes bestimmt (Lit.486, S.216). Trotz der Versuche der m(!Xika-
nischen Stadtverwaltung, in das unregelmäßige System der Gassen und
Grundstücke Ordnung zu bringen, ist es erst nach der Besetzung des Landes
durch die Amerikaner dazu gekommen. Auf Befehl des Statthalters vermaß
1849 Leutnant Ord für $ 3000 einen Plan der Stadt (s. Tafel 5; künftig als
Ords Plan bezeichnet). Im Bereich der damals vorhandenen Häuser mußte
er an das Gewordene anknüpfen, das sich noch im heutigen Stadtgrundriß
an der verschiedenen Richtung der Ordschen Straßengitter südlich und
nördlich der Plaza kundtut (s. Tafel4)' Auch die diagonale Richtung des
beim Bau des neuen Rathauses 1927 verschwundenen ersten Abschnittes der
Spring Street wurde durch vorhandene Bebauung bedingt, die dem alten
Wege zu den Asphaltseen des Rancho La Brea folgte. Immerhin hat der
Niederterrassenrand Init dem ihm mehr oder weniger parallellaufenden
Wassergraben die Bebauungsgelände und damit mittelbar auch die Richtung
der Main Street vorgeschrieben. Ebenso wie die Siedlungsanlage auf der
Niederterrasse waren die in der Gründungsakte von 1781 vorgeschriebenen
quadratischen Feldgrenzen auf der Überschwemmungsterrasse frühzeitig
verwischt worden, wozu auch Flußverlegungen beigetragen haben mögen.
Der unregelmäßige Gartenbesitz und die Feldwege, die der Ordsche Plan
zeigt (s. Tafel 5), haben das heutige Straßennetz des Großhandelsviertels
(s. Fig. 14, S. 213 und Tafel 4) vorgeschrieben. Wenn wir von den wenigen
durch Wege beeinflußten Straßen absehen, treten uns im Straßennetz der'
gesamten Stadtlandschaft gewordene, nicht geplante, Straßen nur noch in
einigen randlichen mexikanischen Elendsquartieren entgegen, und auch nur
d ~ , wo Geländefurchen das gradlinige Weiterbauen hindern. Im scharfen
Gegensatz zum gewordenen Grundriß des Großhandelsviertels steht das
rechteckige Straßennetz des Geschäftszentrumsund der alten Sonora Town
bis über CollegeStreet hinaus, das derOrdsche Plan geschaffen hat (s. Tafeln 4
und 5 und Fig. 14). Das westliche Abbiegen der Main Street an der 6.
und 7. Straße wurde durch zwei schon 1849 hier stehende Adobe-Häuser
verursacht. Die an der Plaza im stumpfen Winkel gebrochene Längserstreckung
des alten Pueblos, die der Main Street die Richtung gegeben hat, hat ebenso
. die dazu parallele Längserstreckung der rechteckigen Häuserblocks bedingt,
damit die Gliederung des Straßengitters in Nordost-Südwest gerichtete Längs-
und rechtwinkelig dazu laufende Querstraßen bewirkt.
Mit der Bevölkerungszunahme der 1850er Jahre begann die Stadt Par-
zellen von 35 acres (14 ha) im Südwesten außerhalb des Ordschen Straßen-
netzes zu vergeben, was weitere Vermessung nötig machte. Wer sich bereit
erklärte, für Verbesserung zu sorgen, konnte eine Parzelle von 35 acres er-
halten (Lit.524, S. 293)' So wurde 1853 und 1857 von Hancock und dem
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f
Deutschen Hansen, der auch den Plan von Anaheim entwarf, das gesamte
rechtwinklige Straßengitter geplant, das innerhalb des alten quadratischen
Weichbildes diagonal gerichtet erscheint. Im 'heutigen Grundriß fällt auf,
. daß das diagonale Rechtecksystem im Südwesten über die alte Stadtgrenze
hinausgeht. Die Stadt glaubte nämlich, auf vier Leguen im Quadrat, also
16 Quadrat-Leguen, Anspruch zu haben, während ihr nach Prüfung der
spanischen Kolonialgesetze von der U. S. Land Commission 1856 nur die ihr
wirklich zustehenden vier Quadrat-Leguen, 72 qkm, bestätigt wurden (Lit.592).
Das Straßennetz war aber zu jener Zeit nach Südwesten schon über die
bestätigte Stadtgrenze geplant worden. Auffallend ist, daß das Hancock-
Hansensche Straßengitter dem Ordschen nicht parallel verläuft, sondern
aus der Nordost-Richtung um einen Winkel von 10° nach Norden gedreht ist
(s. Tafel 4)· Allem Anschein nach haben sich Hancock und Hansen
nach der Abflußrichtung des Regenwassers gerichtet, das nach heftigen
Regengüssen die Längsstraßen auf dem Schuttfächer in unpassierbare
Wasserläufe umgestaltete. Davon wurde am meisten Figueroa Street betroffen,
welche die Wassermassen empfing, die sich in der Echo Park-Erosionsfurche
der Oberstadt sammelten. Man mußte also wahrscheinlich vermeiden, daß
der Wasserabfluß die auf der Südostseite der Längsstraßen liegenden Grund-
stücke bedrohte. Nach dem Hancock-Hansenschen Schema hat man
dann auch die Straßen auf dem Westlichen und Östlichen Hügelland
angelegt, ohne Rücksicht auf die Bodenplastik zu nehmen. Nur wo die
Steigung das Maß des Möglichen überstieg, hat man die Straße unter-
brochen. So ist noch heute Reservoir Street zwischen Occident.al Avenue
und Silver Lake Boulevard nicht durchgeführt, um nur ein Beispiel
zu nennen. Mit der Bedeutung, die später Hollywood und die West-
vorstadt gewannen, wuchs der Nachteil, den die unmögliche Straßen-
führung auf dem Westlichen Hügelland darstellte. Sie wurde Zum Verkehrs ...
hindernis. Man war genötigt, Durchbruchsstraßen zu schaffen. Sunset Bou-
levard sollte die Verbindung von der Plaza nach Hollywoo.<l darstellen und
wurde so durch das Hügelland in Windungen hindurchgelegt, daß mÖglichst
wenig Einschneiden und Aufschütten nötig wurde. Zur Verbindung mit
Glendale wurde Glendale Boulevard im Echo Lake-Einschnitt angelegt.
Da die 7· Straße, die den Verkehr über den verhältnismäßig ebenen Südrand
des Hügellandes, die Westlake-Terrasse, zur Westvorstadt führt, dem steigen-
den Verkehr nicht mehr gewachsen ist, legt man in neuerer Zeit immer mehr
Straßen der Oberstadt tiefer, vor allem der Südost-Nordwest verlaufenden.
175
,I
. So gräbt man in den natürlich zertalten Rumpf einen künstlichen
brett-Rost ein, der auf der topographischen Karte, auf der die Bebauung
weggelassen ist, eine ganz eigenartige Morphologie wiedergibt. Silver Lake-
und Echo Lake-Einschnitt werden vom· Sunset Boulevard gequert, wodurch
der Eindruck sich kreuzender Täler entsteht. San Francisco, das sich vor der
Zeit des Automobils entwickelte, hat dasselbe Problem mittels der sogenannten
cable cars überwunden, Straßenbahnen, die von in Rillen laufenden Seilen
auf den Berg hinaufgezogen werden. Als das Geschäftszentrum von Los
Angeles die Einengung gegen Norden und Westen zu empfinden begann,
spielte das Automobil schon eine Rolle als Verkehrsmittel, so daß man
zur Durchtunnelung griff. Die 3. und 2. Straße und HilI Street untertunneln
den Bunker Hill, Broadway den Fort Hill.· Neuerdings trägt man die beiden
hemmenden Vorsprünge des Hügellandes randlich einfach ab. Die grad-
linige Verlängerung der Spring Street schneidet Fort Hill ab, der Durch-
. führung der 5. Straße mußte das Südende des Bunker Hill weichen. Ja, man
trägt sich mit dem Gedanken, den Bunker Hill vollständig abzutragen. Eine
Landtitel-Versicherungsgesellschaft kauft bereits die darauf liegenden Grund'-
stücke und Häuser auf. Die naturwidrigen Ordschen und Hancock-Han-
senschen Straßengitter, die wohl auf dem Schuttkegel Berechtigung haben,
werden gewaltsam unter immer weitergehender Veränderung der Boden-
plastik durchgeführt. Das nach dem Hancock-Hansenschen Schema an-
gelegte Straßensystem des Östlichen Hügellandes ist von dem westlichen'
Hauptteil der Stadt weit getrennt durch Flußbett, Eisenbahn- und Industrie-
anlagen (s. Tafel4). Die Straßenführung von East Los Angeles zeigt zwei
verschieden gerichtete Straßengitter, deren Anlage auf eine private Auftei-
lung, die 1875 gemacht wurde, zurückgeht. Auch die Straßengitter der Korri-
dore widersprechen dem Hancock-Hansenschen System. Hier wurde das
Land so parzelliert, daß jeder eine Front am Flußbett oder an dem durch die
Länge des Korridors verlaufenden Verkehrsweg hatte. Danach hat sich
später die Straßenführung gerichtet.
Ganz unvermittelt ("diskordaI}.t") setzt außerhalb der alten quadratischen
Stadtgrenze an ihrer ganzen West- und Südseite und im Südosten das den
Himmelsrichtungen folgende Straßengitter an (s. Tafel4), das dem Land-
aufteilungssystem der General Land Survey seinen Ursprung verdankt.
Die Sektionsgrenzen, die nach diesem System als öffentliche Wege zu reser-
vieren waren, bilden zusammen mit den Viertelsektionsgrenzen den Rost
der Hauptstraßen in diesem Gebiet. So entstanden an den Sektionsgrenzen,
.'J ..... " .
. t"

also im Abstand von je einer Meile (1,6 km), die Haupt-Nordsüd-Straßen
VermontAvenue und Western Avenue, -die längsten geraden
Straßen der Welt, da sie bis zum Hafen verlängert(wurden, --:und die Haupt-Ost-
west-Straßen: Franklin Avenue, Santa MonicaBoulevard, Beverly Boulevard,
Wilshire Boulevard, Pico Street, West Adams Boulevard, Exposition Boule-
vard, Vernon Avenue, Slauson Avenue, Florence Avenue, Manchester Ave-
nue usw. Bei dem starken Ostwest-Verkehr haben sich auch viele Straßen,
die den Viertelsektionsgrenzen folgen, wie die Verlängerung des Sunset Bou-
levard und Melrose Avenue, auch Washington Boulevard und Santa Barbara
Avenue, zu wichtigen Verkehrsstraßen herausgebildet. An der Grenze von
Sechzehntelsektionen ist Hollywood Boulevard zwischen Franklin Avenue
und Sunset Boulevard entstanden und zur Hauptverkehrsstraße geworden.
Der Schnittpunkt dieser Straßen mit der quadratischen Grenze von Los
Angeles hing ab von der Lage des Mount San Bernardino, dem Ausgangs-
punkt des U .S. -amerikanischen Vermessungssystexns in Südkalifornien. Da die
Hancock-Hansenschen Straßen der Innenstadt naturgemäß an anderer'
Stelle auf die Stadtgrenze treffen, hatten die Hauptverkehrswege außerhalb
der Stadt keinen Anschluß und die Straßen der Innenstadt keine Fortsetzung
über die Stadtgrenze hinaus. Im Süden, wo die Straßen der Innenstadt die
Grenze überschritten, war das nicht so schlimm wie im Westen. Hier mußten
entweder die Außenstraßen in die Innenstadt hinein verlängert werden oder
die Straßen der Innenstadt nach außen, bis der Anschluß erreicht war. Na-
türlich geschah das nur bei den wichtigeren Ostwest-Straßen wie Pico, Venice,
Washington, Adaxns und Jefferson Boulevard. Die dazwischenliegenden Wohn-
viertel der Außenstadt wurden aber durch mangelnden Anschluß ihrer zu
den Hauptstraßen parallellaufenden Straßen so benachteiligt, daß der Grund-
stücksverkauf erheblich erschwert wurde. So ist z. B. die I I. Straße der Innen-
stadt so sehr gegen ihre Fortsetzung in der Außenstadt versetzt, daß der Auto-
mobilist, sobald er an der Stadtgrenze angelangt ist, nicht weiß, ob er nach
Norden oder Süden wenden soll, um auf die Verlängerung zu treffen. Daraus
erklärt sich, daß niemand gern in dieser Verlängerung wohnt, wo man ihn
nicht finden kann. Der Komplex unbebauter Grundstücke zwischen IO th
u.nd Pico Street und EIden und Vermont Avenue und das Brachland zwischen
17th Place rind Washington Boulevard, Orchard und Menlo Avenue legen
beredtes Zeugnis von dem Schaden ab, den das dem Zufall überlassene Zu-
sammentreffen zweier ganz verschiedener Straßenroste bewirken kann. Selbst
der Verkehr der wichtigsten Ausfallstraße aus dem Geschäftszentrum nach
:IZ, Wagner, Los Angeles
177
Westen, der 7. Straße, muß noch immer einen doppelten rechten Winkel über-
winden, um die wichtigste Ostwest-Straße der Westvorstadt, Wilshire Bou-
levard, der die natürliche Fortsetzung der 7. Straße sein könnte, zu erreichen .
. Einen Anschluß wie bei den erwähnten Ostwest-Straßen hat man früher nicht
hergestellt, denn der Wilshire Boulevard hat seine überragende Bedeutung
erst in jüngster Zeit mit der Entwicklung von Beverly Hills erlangt. Da heute
die Winkelzone hohen Bodenwert besitzt und bebaut ist, wäre eine Änderung
der Straßenführung mit erheblichen Kosten verbunden. Neuerdings hat man
durch Straßenerweiterung einen östlichen Teil des Wilshire Boulevard bis
zum Geschäftszentrum geschaffen, den aber der Westlake Park von dem west-
lichen Hauptteil des Boulevards trennt, bis schließlich auch der Westlake
dem Verkehrsbedürfnis zum Opfer fallen wird.
Das den Himmelsrichtungen folgende amerikanische Normalschema der
Straßenanlage findet sich nicht nur in den Gebieten, die außerhalb der be-
. stätigten Grenzen der spanischen und mexikanischen Ranchos liegen. Viel-
fach schloß sich die Auf teilung der Ranchos an das U.S.-amerikanische Ver-
messungsnetz an. Es war das den Zuwanderern geläufige bequeme Schema.
Die meisten Städte, die in den r870er Jahren und während des Booms der
r880er Jahre am Fuß des San Gabriel-Gebirges gegründet wurden, von
Pasadena bis San Bernardino, weisen dieses Straßenschema auf. Die Anlage
der ursprünglichen Indiana Colony weicht etwas davon ab (s. S. 95)' Die
Auf teilung nach den Himmelsrichtungen mit entsprechendem Straßenschema
findet sich auch im gesamten südlichen und westlichen Teil der San Fernando-
Ebene (Rancho Ex-Misi6n San Fernando) sowie in LongBeach, San Pedro,
EI Segundo, Inglewood, Glendale und anderen in ehemaligen Ranchos ge-
legenen Städten, während Burbank und San Fernando ebenso wie Downey
und Norwalk ihr Straßenschachbrett rechtwinklig zur Eisenbahnlinie orientiert
haben. Ganz eigenartig wird das Normalschema von Long Beach von einer ein-
zigen schräg dazu verlaufenden Straße, Alamitos Avenue, durchschnitten. Sie
verläuft auf der alten Grenze der Ranchos Los Cerritos und Los Alamitos.
Parallel zu den bestätigten Grenzen wurde der Rancho Providencia süd-
westlich von Burbank aufgeteilt, so daß in diesem Teil der San Fernando-
Ebene drei verschieden gerichtete Straßenroste in scharfer Diskordanz an-
einanderstoßen. Der eine (Lankershim) richtet sich nach den Sektionsgrenzen,
der andere wird von den Ranchogrenzen bestimint, während für die Richtung
des dritten (Burbank) der Verlauf der Eisenbahn maßgebend wurde. Oft hat
sich die Auf teilung undStraßenanlage innerhalb eines alten Ranchos nur in
178
dessen randlichen Teilen zum Verlauf der Grenze parallel gerichtet, während
die zentralen Teile des Ranchos nach anderen Gesichtspunkten aufgeteilt
wurdyn. So steht das Straßenschachbrett von Santa M ~ n i c a auf einer Tangente
zum Küstenbogen, während am Ostrande des Rancho Santa Monica y San
Vicente sich der Straßenrost von Sawtelle rechtwinkiig an die Grenzlinie
anlehnt und einen Winkel mit dem Schema von Santa Monica bildet. Auch
in West Hollywood laufen nur wenige Straßen beiderseits der Grenze zwischen
den Ranchos Rodeo de las Aguas und La Brea parallel oder rechtwinklig zu
ihr. Über ein größeres Gebiet wirkt sich die nordnordost-südsüdwest laufende
Westgrenze des Rancho Las Cienegas aus, obwohl gerade hier das Straßen-
netz nach europäischen Begriffen Rücksicht auf Erosionsfurchen und den
Terrassenrand der Hollywood-Platte zu nehmen hätte. Die Parallelität der
Straßen mit der alten Besitzgrenze ist nicht genau gewahrt, was auf ungenaue
Vermessung der ersten Auf teilung des Besitzes zurückgeht. Die Krümmungen,
welche Wilshire, Pico und Washington Boulevard aufweisen, zeigen, daß diese
Ostwest-Verkehrsstraße, in Teilen wenigstens, aus den alten Feldwegen ent-
standen sind, die um r890 Santa Monica und die Ballona-Mündung mit
. Los Angeles verbanden, während der Santa Monica Boulevard der alten
Pasadena & Pacific Railroad folgt.
Die Windungen der neuen nördlichsten Ausfallstraße nach Westen, welche,
hart am Gebirgsfuß verlaufend, die exklusiven Wohnviertel von Beverly Hills bis
Castellammaresäumt, sind geländebedingt. Immerhin mußte man bei derstarken
Zertalung der obersten Schuttkegel vielfach künstlich auffüllen. Infolgedessen
bricht nach heftigen Niederschlägen die Straße leicht an diesen Stellen ein,
wie es bei den Regengüssen vom Silvester- und Neujahrstage r 933/34 gerade vor
der Villa des höchstbezahlten Filmschauspielers W i 11 R 0 g ers sichereignet hat.
Schon während der Aufteilungsperiode, die an den Boom der r 880 er
Jahre geknüpft ist, weicht man gelegentlich vom überkommenen Rechteck-
schema ab, um durch neuartige Straßenanordnung die Aufmerksamkeit auf
die neue Auf teilung zu ziehen, was den Grundstücksverkauf erleichtern soll.
So ist das Amphitheater der Straßen von Redondo Beach zu erklären. Um
r9IO entstanden die ersten Straßen von Beverly Hills im Anschluß an ein
hier errichtetes Hotel. Sie wurden in leicht geschwungener Form angelegt.
Später führte man diesen Plan fort, so daß heute ganz Beverly Hills nord-
westlich des Santa Monica Boulevard diesen für ein elegantes Villenviertel beson-
ders reizvollen Grundriß aufweist. Die anziehende Kraft dieses Planes,der aller-
dings schwieriger anzulegen und deshalb kostspieliger ist als das Schachbrett,
12*
179
wurde bald von anderen Unternehmern erkannt. Heute finden wir Aufteilun-
gen mit regelmäßig, neuerdings auch unregelmäßig gewundenen Straßen in
verschiedenen Gegenden der Stadtlandschaft. Eine allgemeine Anwendung
des gewundenen Straßensystems kann sich nicht durchsetzen, weil bei der Auf-
teilung eines neuen Stadtteils als Villenviertel von vornherein daraufspekuliert
wird, daß später der Verkehr hindurchgeht und den Bodenwert steigert. Der
Verkehr wird aber stets die gerade Straße vorziehen. Aus diesem Grunde können
Auf teilungen mit gewundenen Straßen nur für ganz vornehme Wohnviertel in
Frage kommen, die von Anfang an mit einer etwas längeren Lebensdauer
rechnen. Die gewundene Straße ist Verkehrsbarre, verbürgt deshalb den pri-
vaten Charakter des Wohnviertels. Sie vermittelt einen ländlich-parkartigen
Eindruck. Wir finden sie mit Erfolg angewandt in Oak Knoll, in den Auftei-
lungen von Westwood Hills nördlich von Wilshire Boulevard und in den Palos
Verdes Estates an der Nordwestseite des San Pedro-Vorgebirges, weitgehend
unter Ausnutzung der Geländeformen. Früher stellte man den privaten Cha-
rakter einer exklusiven Villenaufteilung her, indem man die Straßen der Auf-
teilung mit nur ein oder zwei als Toreinfahrten gekennzeichneten Zugängen
an das umgebende Stadtviertel anschloß. Auf diese Weise hat sich bis heute
die Auf teilung St. James Park an der West Adams Street unweit der Figueroa
Street als exklusives Villenviertel erhalten können.
In der Nachkriegszeit wurden die Hänge des Santa Monica-Gebirges, be-
sonders oberhalb Hollywood, und die Highland- und Repetto-Höhen auf-
geteilt. Hier zwingt das Gelände zu gewundener Straßenanlage. Es entstehen
Anstiegsstraßen und Isohypsen-Straßen (s. Taf. 4). Im Santa Monica-Gebirge
hat das quadratische Aufteilungssystem der General Land Survey zur Folge,
daß der Besitzer einer Sektion sein Land zum Grundstücksverkauf vorbereitet·
und asphaltierte Isohypsen-Straßen anlegt, während die Fortsetzung dieser
Straßen in der benachbarten Sektion entweder völlig fehlt oder nur als schlecht
unterhaltener Gebirgsweg vorhanden ist. Dieser Zustand führt zu schwierigen
Zugangsverhältnissen, sobald der Verkauf beginnt und ein Villenviertel im
Gebirge entsteht, wie westlich des Laurel Canon. Das Vermessungssystem,
das den Bedürfnissen des flachen Landes in Teilen des Mittleren Westens
entsprach, hat im städtisch aufgeteilten Gebirge seinen Sinn völlig verloren.
Es wurde bereits am Beispiel des Sunset Boulevard und der westlichen
Ausfallsstraßen gezeigt, daß nachträgliche Planung eingreifen mußte, um
naturwidrige Folgen schematisch durchgeführter Straßenanlagen zu beheben,
Die dem einzelnen Unternehmer überlassene, meist dem Schema folgende
r80
Auf teilung, die allein im Jahre 1923 ein Gebiet von etwa 260 qkm erfaßte
(Lit. 615, S. I I), mußte das vorhandene Netz von Verkehrsstraßen innerhalb
kürzester Zeit als völlig ungeeignet angelegt sowie unzureichend und die
Straßenbreite als durchweg zu gering erscheinen lassen. Denn in den neu-
aufgeteilten, bisher der Landwirtschaft dienenden Gebieten wohnten sehr bald
Hunderttausende von Menschen. Vom I. März 1922 bis I. März 1923 ent-
standen in Los Angeles County 81000 neue Grundstücke und 102000 neue
Häuser, und innerhalb der nächsten 12 Monate weitere 84000 neue Grund-
stücke und 125000 neue Häuser (Lit. 615, S. 11). Wenn man bedenkt, daß
der Straßenbau private Sache des Unternehmers ist, der nur für den Plan
seiner Auf teilung eine Genehmigung einholen muß, so kann man verstehen,
daß die Behörde beim raschen Gang der Entwicklung keinerlei Überblick
über das Ganze und die Auswirkung haben konnte. Sie wurde erst aufmerk-
sam, als es schon zu spät war. Aus den entstehenden Ausgaben für Straßen-
durchbrüche und -erweiterungen wurde ersichtlich, daß es billiger ist, Kom-
missionen zu unterhalten, die den Grundriß und seine Nutzung vorher mit
Rücksicht auf die kommende Entwicklung genau planen und seinen Ausbau
entsprechend dirigieren. Aus dieser Einsicht entstand am 18. Dezember 1922
die Kreis-Planungs-Kommission (Regional Planning Commission) als erste
Planungskommission der Vereinigten Staaten, die über die städtischen Ver-
waltungsgrenzen hinausgeht. Die Kommission entwirft für die gesamte Stadt-
landschaft Bebauungspläne, deren Sinn es ist, bei fortdauernder Entwicklung
kostspielige nachträgliche Planung zu vermeiden.
Aus der privaten Aufteilungspraxis hat sich eine Straßendifferenzierung
herausgebildet, die 1923 von der öffentlichen Planung übernommen und ge-
norrnt wurde. So können wir außerhalb des Geschäftszentrums, des Groß-
handelsviertels und der Industriestadt die Straßen in folgende Typen einteilen:
I
a) Hauptverkehrsstraßen (major highway
I 0 d
oder major through traffie way) .....
. r nung
b) Nebenverkehrsstraßen (parallel highway
oder seeondary highway) . . . . . . . . .
[
a) Lokalverkehrsstraßen (loeal distributor
11. Ordnung street oder by-pass street) ........ .
b) Wohnstraßen (Ioeal frontage street) .. .
111. Ordnung: Ga,ssen (alley) ................ .
r8r
Genormte Breite
mit ohne
Bürgersteig Bürgersteig
30m
24 m
18m
g-18m
6m
22m
17 m
10m
6m
6m
Es erhellt daraus die den gänzlich anderen Verkehrsverhältnissen ent-
sprechende bedeutend größere Breite der Straßen als in europäischen Groß:"
städten. Selbst für die breitesten Straßen sind in Berlin nur zwei Parallelfahr-
dämme von je 81/ 2 m vorgesehen, zusammen 17m, gegen 22 m in Los Angeles.
Dagegen läßt gerade die Straßenführung und relative Straßenenge des Ge-
schäftszentrums erkennen, daß bei seiner Anlage nicht an großstädtische
I
Entwicklung gedacht war. So fehlt Los Angeles die breite Hauptstraße, die
San Francisco in der Market Street, New Orleans in der Canal Street, Cleve-
land in seiner Euclid Avenue besitzt. Die Normung ist so gewählt, daß ein
Fahrdamm von 10-1 I m Breite in jeder Richtung eine Reihe parkender und
zwei Reihen fahrender Automobile gestattet, d. h. im ganzen sechs Automobil-
reihen, also auf der Hauptverkehrsstraße zwölf Automobilreihen!
Im Idealfall verlaufen die Straßen I. Ordnung in Abständen von einer
(Sektionslinien) oder einer halben (Viertelsektionslinien) Meile (1,6 bzw.
0,8 km). Die Straßen 2. Ordnung füllen das Quadrat von 1/2 Meile Seiten-
länge als Rechteck-Gitter aus. Dabei verlaufen die Lokalverkehrsstraßen
senkrecht zu den Wohnstraßen. Wie sich die Straßendifferenzierung im Stadt-
grundriß auswirkt, zeigt die beigegebene Karte des Straßennetzes (s. Taf. 4).
In ihr sind die Straßen 1. Ordnung dick, die Straßen 2. Ordnung dünn aus-
gezogen. Die Gassen treten als Straßen nicht in Erscheinung. Sie verlaufen
parallel zu den Wohnstraßen, jeweils einen Block halbierend (s. Fig.13)'
Sie dienen dem Garagenzugang, der hinteren Anfahrt z. B. für Lieferanten,
und der Müllabfuhr. Entlang der Gasse stehen die Telephon- und Elektrizitäts-
Leitungspfosten, und unter ihr liegen die Überschwemmungswasser- und
Kanalisationsröhren.
Wir kommen zum zweiten Element des Stadtgrundrisses, der bebauten
Fläche. Die Einheit der bebauten Fläche ist der Häuserblock. In ihm ist zu
unterscheiden zwischen Hausfläche und Hof- oder Gartenfläche. Die Gasse
ist zur Hoffläche zu rechnen, denn sie ist keine Straße. Die charakteristische
Form des Häuserblocks im Gittersystem ist nicht das Quadrat, sondern das
Rechteck. Seine Länge ist 600 Fuß (180 m), die Breite 260-320 Fuß (78---:96 m),
wenn die Straße 60 Fuß (18 m) breit ist. Mit zunehmender Straßenbreite
wird der Häuserblock entsprechend schmäler.
Haus- und Hoffläche bedecken den Geschäftshäuserblock in ganz anderer
Form als in deutschen Städten,. entsprechend dem grundverschiedenen Ge-
schäftshaustyp. Das amerikanische Geschäftshaus hat im allgemeinen bis zur
Hühe von drei Stockwerken die Kastenform. Sein Grundriß ist ein Quadrat
oder ein Rechteck, dessen Schmalseite an die Längsstraße stößt. Nur Schächte
gestatten den Lichtzutritt im Innern. Der Grundriß des deutschen Geschäfts-
hauses hat L-, vielleicht manchmal auch T -Form oder beschreibt ein Viereck
um einen geschlossenen Hof. Wenn der Grundriß rechteckig ist, liegt die
Längsseite an der Straße. In diesem Falle ist vielfach ein Hinterhaus von
ebenfalls rechteckigem, dem Vorderhaus parallelen Grundriß vorhanden. Die
Fläche eines amerikanischen Geschäftshäuserblocks ist im Extrem eine einheit-
liche Hausfläche, die nur von der Gasse in zwei Hausflächenstreifen der Länge
nach halbiert wird (s. Fig. 13)' DieserBebauungstyp ist im Geschäftszentrum
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Fig. 13. Los Angeles. Grundriß der Häuserblocks:
a) Geschäftshäuser b) Mietshäuser c) Einfamilienhäuser
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und im Großhandelsviertel von Los Angeles verwirklicht. In den Vorstadt-
Geschäftsvierteln haben die Geschäftshäuser, die hier als vorläufige Geschäfts-
häuser zu betrachten sind, keine einheitliche Tiefe. Dementsprechend springt
in einem vorstädtischen Geschäftshäuserblock von der Gasse aus Hofraum
von unregelmäßiger Tiefe gegen die Hausfläche vor, im Idealfall nirgends
bis zur Straße durchstoßend (s. Fig. 13)'
Im Bereich der Mietshäuser, bis zu den dreistöckigen, ist die bebaute Fläche
in Einzelhausflächen mit umgebenden schmalen Garten- und Hofflächen
aufgelöst (s. Fig. 13). Garagen stehen entlang den Gassen. Haus- und Garagen-
fläche nimmt fast die Hälfte des Häuserblocks ein. Der mit Mietshochhäusern
bestandene Häuserblock stellt eine geschlossene Hausfläche mit schmalen
Innenhöfen dar. Hier ist das Maximum der Wohndichte erreicht.
183
,I
, I
11
Im Wohnviertel mit Einfamilienhäusern tritt die Hausfläche ganz gegen
die Gartenfläche zurück (s. Fig. 13). Haus- und Garagenfläche nehmen nur"
20-25 % der Gesamtfläche des Häuserblocks ein. Die Häuser stehen in zwei
aufgelockerten Reihen parallel zu den beiden Längsstraßen mit der Front zu
diesen gerichtet. Wo keine Gasse vorhanden ist, stehen die zu den Eckhäusern
gehörigen Garagen so, daß die Ausfahrt nicht wie bei den anderen Häusern
zur Längsstraße (Wohnstraße), sondern zur Querstraße
erfolgt. Gelegentlich stoßen statt der beiden zur Längsstraße gerichteten Eck-
gruJ;ldstücke vier oder sechs Grundstücke an die Querstraße, mit ihrer Schmal-
seite zu dieser gerichtet. In dem Falle braucht die Gasse nicht auf die Quer-
straße auszumünden, sondern kann T-förmig hinter den QuergrundstüGken
auf die beiden Längsstraßen ausmünden. Das ist meist zu beobachten, wenn
die Querstraße eine Geschäftsstraße ist. Wo Quergrundstücke an beiden Enden
des Häuserblocks vorhanden sind, kann die Gasse H-Form annehmen. Im
Gebirge richten sich die Grundstücke nach den Krümmungen der Straße.
Die Anlage von Gassen ist meistens nicht möglich.
Wir haben gesehen, daß im Normalfall die Gasse, die in Gegenden schmaler
Wohnstraßen nicht vorhanden zu sein braucht, den Häuserblock in zwei
600 Fuß (180 m) lange Streifen mit je 12 GrundstÜcken teilt. Aus der sich
ergebenden Grundstücksbreite von 50 Fuß (15 m), die früher von selbst ein-
gehalten wurde, jetzt als Minimum vorgeschrieben ist, erklärt sich die weit-
ständige Bebauung und geringere Wohndichte von Los Angeles gegen-
über den anderen amerikanischen Großstädten. Die Grundstücke im raum-
beschränkten San Francisco sind nur halb so breit (25 Fuß = 7
1
/2 m). So ist
es zu verstehen, daß in Los Angdes City die Bevölkerungsdichte nur 1080
auf den Quadratkilometer beträgt, gegenüber 2040 in Oakland, 5770 in
San Francisco, 6540 in Chicago und 8850 in New York (Lit. 528). Die
Zahl für Los Angeles ist übertrieben niedrig, weil das eingemeindete Santa
Monica-Gebirge und die noch zum Teil ländliche San Fernando-Ebene in
der Stadtfläche, von der die Berechnung mit enthalten sind.
Schätzungsweise dürfte die Dichte 1900 betragen.
In einem Häuserblock mit Einfamilienhäusern, wie er in Los Angeles vor-
herrscht, kommen 163 Bewohner auf den Hektar Hausfläche, wenn sämtliche
24 Grundstücke bebaut sind (Lit. 608, 2 E, S. 21), und etwas mehr, wenn
man die Garagenfläche abzieht. Im Mietshäuserblock, der weit weniger ve,r-
treten ist, erhöht sich diese Zahl auf 744 (Lit.608, 2 E, S. 21). Die Zahlen
werden anschaulicher durch einen Vergleich mit einer deutschen Stadt wie
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ßremen, wo das Kleinhaus vorherrscht und wo auf I ha Hausfläche 241 Be-
wohner kommen (Kappe, Die Unterweser,S. 96). Es erhellt daraus, daß
für die geringe Wohndichte von Los Angeles nicht das Vorherrschen des Ein-
, familienhauses an sich, sondern die aufgelockerte Bebauung -jedes Einfamilien-
haus und die meisten Mietshäuser stehen für sich und die Grundstücksgröße
verantwortlich sind. Weitergehende Auflockerungen finden wir in vielen rand-
lichen Teilen der städtischen Landschaft, wo man die Häuserblocks in große
acre- und half acre lots aufgeteilt hat. Sie gestatten dem einfachen Manne,
der hier wohnt, nebenbei ein paar Hühner oder Kaninchen zu halten oder
Landwirtschaft in kleinstem Maßstabe zu treiben. In Lennox und Hawthorne
ist, wie wir gesehen haben, diese Entwicklung besonders typisch ausgebildet
(s. S. 164).
Die Wohndichte wird in Los Angeles insofern noch ganz erheblich herab-
gedrückt, als die meisten Häuserblocks nicht voll bebaut sind. Das städ tische
Brachland macht während der letzten 10 Jahre dauernd mehr oder weniger
die Hälfte des städtisch aufgeteilten Landes aus. Am I. Juli 1924 waren von
sämtlichen vermessenen Grundstücken in Los Angeles County 55, I Prozent
unbebaut, am I. Januar 1932 noch 45,5 Prozent, d. h. 499382. Im ganzen
gab es Anfang 1932 1096817 vermessene Grundstücke, d. h. es kamen auf
je 100 Einwohner 48 Grundstücke (Lit. 106, IX, letter 13, S. 51/52). Außer
dem Broadway, an dem zwischen 3. und 9. Straße kein unbebautes Grund-
stück liegt, gibt es wohl keine Straße in Los Angeles, an der auf einer Er-
streckung von sechs Blocks kein Brachland läge, ohne Unterschied, ob in der
Innen- oder Außenstadt. Gerade in der altbebauten Oberstadt gibt es ganze
Häuserblocks, deren Fläche unbebaut oder nur mit ein oder zwei Häusern
bestanden ist. Hier ist das townIot drilling der 1890er Jahre und das für.das
wellige Gelände ungeeignete Straßenschachbrett verantwortlich. Dazu kommt,
daß manche der unbebauten Häuserblocks noch vor kurzem mit Ölbohr-
türmen bestanden waren und erst jetzt bebaubar werden. Einen noch größeren
Anteil an der städtisch aufgeteilten Fläche haben die unbebauten Grund-
stücke in den jüngeren Stadtteilen der höheren Oberstadt auf den Elysischen
Höhen, "ähnlich wie auf den Highland- und Repetto-Höhen. Mit Ausnahme
einiger Teile der Elysischen Höhen sind es Stadtviertel mittelmäßiger Güte,
vorwiegend nach dem Kriege aufgeteilt. Hier wandte der Aufteilungsunter-
nehmer die Methode der verstreut liegenden Musterhäuser als Lockmittel
an, denen sich aber nur wenige andere Häuser zugesellten, so daß man Von
steckengebliebenen Auf teilungen spricht. Kärgliche Vegetation, Gefahr der
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Auswaschung, schwierige Zufahrtswege und die Nähe dürftiger Durchgangs-
viertel mögen diese Wohnlage wenig wünschenswert erscheinen lassen. Wo auf·
diesen Höhen ein Villenbesitzer um sein einzelstehendes Haus einen Garten an-
gelegt hat, entsteht das eigenartige Bild der rechteckig abgegrenzten Wohnoase
inmitten verdorrter Graslandschaft. Auf die Gründe für die Existenz der Brach-
land-Komplexe vor dem Westrande der Innenstadt wurde schon hingewiesen
(s. S. 177). Hier am Westrand gab es aber bis injüngste Zeit Gebiete schlechter
Entwässerung. So wirkt der Einschnitt des Arroyo de la Sacatela zwischen
Hoover Street und Vermont Avenue südlich Beverly Boulevard bis heute
bebauungsfeindlich. Soweit dieses Gebiet nicht brachliegt, haben sich nur
leichte Industrie und Lagerhäuser hier angesiedelt. Zum Teil ist der Ein-
schnitt aufgeschüttet worden, um den neuen, durch die Oberstadt durch-
geführten Ostwest-Verkehrsstraßen, wie Beverly Boulevard, I. Straße, 3. Straße .
und 4. Straße den Anschluß nach Westen zu geben. Doch besteht bei solchen
Auffüllungen immer die Gefahr des Absackens bei heftigen Regengüssen; wie
die Erfahrungen des Winters 1933/34 gezeigt haben. Auch die quadratische
Brachfläche zwischen 8. Straße und San Marino Street, Western Avenue und
Harvard Boulevard litt bis in jüngste Zeit unter schlechtem Wasserabfluß.
Nachdem die Entwässerung in den letzten Jahren durchgeführt wurde, ent-
steht hier unter Überspringung d ~ r Periode der Villen- oder Mietshaus-
bebauung gleich ein Mietshochhaus-Komplex, der inselartig über die älter und
vorwiegend niedriger bebaute Umgebung herausragt. Mit der Wirtschafts-
krise und dem Abflauen der Bautätigkeit kam die Entwicklung ins Stocken,
so daß zwischen den Mietshochhäusern die brachliegenden Grundstücke noch
vorherrschen.
Während der Nachkriegsentwicklung blieben in den Wohnvierteln be-
sonders die Eckgrundstücke unbebaut. Wegen ihrer Front an zwei Straßen
hatten sie höheren Wert, waren höherer Besteuerung ausgesetzt und bildeten
bessere Spekulationsobjekte. Die Möglichkeit, daß das Haus nach einer Seite
an eine künftige Durchgangsverkehrsstraße zu liegen kommt, ist bei diesen
Grundstücken in Rechnung zu ziehen. Ganz auffallend ist die Erscheinung
der unbebauten Eckgrundstücke in den Randstädten, besonders in Santa
.Monica. Sie werden meist von diagonalen Abschneidepfaden gequert, während
der Rest des Grundstücks, wie meistens das Brachland, von wildem Senf oder
wildem Hafer bestanden ist. Bei einer durchschnittlich nur 55 prozentigen
Bebauung der städtischen Grundstücke im Los Angeles County ist es ver-
ständlich, daß in vielen Vorstadtzonen außer den Eckgrundstücken auch ein
186
J
hoher Prozentsatz der übrigen Grundstücke unbebaut ist. Daraus ergibt sich
der Typ der aufgelockerten Vorstadt, der Teile der Pacific Palisades, des
nördlichen lind östlichen Santa Monica, der unteren Ballona-Niederung, der
äußeren West- und Südwestvorstadt beherrscht. Er findet sich ebenso in der
äußeren Südvorstadt, im Küstenvorland, in der Hafenebene, in randlichen
Teilen von Long Beach, in der Laguna-Ebene, auf der San Gabriel-Platte,
im nördlichen und östlichen Pasadena und in Teilen von Glendale und
Burbank.
Die Gefahr des Steckenbleibens einer Auf teilung wirkt naturgemäß ent-
wertend auf die Grundstücke und beeinflußt die Güte der Bebauung, sofern
der' Aufteilungsunternehmer nicht kapitalkräftig genug ist, durch:z:uhalten
und den Charakter, den die begonnene Bebauung seiner Auf teilung angl;!nom-
men hat, weiter durchzusetzen. Das geschlossen bebaute "fertige" Villen-
viertel von Beverly Hills auf der Nordwestseite des Santa Monica Boulevard
ist der Ausdruck vorsichtigen Vorgehens der Unternehmer. Hier wurde vom
Zentrum des Villenviertels nach Südwesten und Nordosten fortschreitend nur
dann ein neues Stück Land aufgeteilt und verkauft, wenn das vorherige voll
bebaut war. Dadurch ist hier Gewähr für Permanenz des Wohnstadtcharakters
gegeben, wie sie s ~ i t dem Ende des vergangenen Jahrhunderts nur die Orange
Grove Avenue in Pasadena besitzt. Die meisten übrigen Stadtteile bieten
Gegenbeispiele dafür, weil der großen Mehrzahl der Unternehmer am raschen
Verkauf ihres gesamten Landkomplexes gelegen ist. Die Folge dieser Me-
thode, die naturgemäß unbebaute Grundstücke übrigläßt, zeigt z.· B. das
älter bebaute Bungalow-Viertel zwischen Wilshire Boulevard und Montana
Avenue in Santa Monica. Hier bestand ein in den kaufverträgen festgesetztes,
mehrere Jahrzehnte währendes Verbot gegen den B;:I.U anderer als Einfami-
lienhäuser. In dem Augeriblick, in dem die Verbotsdauer ablief, wurden
plötzlich Mietshäuser auf den unbebauten Grundstücken dieses Viertels er-
richtet. Nur ein Mietshaus, das die bisher übliche Vorgartentiefe und Haus-
höhe nicht mehr einzuhalten brauchte, dazu mit flachem Dach und kahlen,
fensterlosen Seitenwänden, genügte, um mit einem Schlag den vornehmen
Kleinhauscharakter der palmenbestam;lenen 4. Straße zunichte zu machen,
ohne daß die Notwendigkeit einer Mietshausentwicklung in Richtung dieses
Stadtviertels vorlag.
Ebenso wie die Eckgrundstücke am ehesten Brachland bleiben, fehlt in
fast allen erst in der Entwicklung begriffenen Stadtvierteln die Bebauung
entlang den Verkehrsstraßen völlig, während vielfach der Rest der Auf teilung
voll bebaut ist. Die an den Verkehrsstraßen liegenden Grundstücke waren
früher vom Unternehmer für Geschäftsansiedlung vorgesehen, wurden daher
im höheren Maße Spekulationsobjekt. Neuerdings bestimmen die Planungs-
kommissionen das Land entlang den Hauptverkehrsstraßen im voraus für
Geschäfte. Das hat zur Folge, daß die Zahl der vorgesehenen Grundstücke
die Zahl der möglichen Geschäfte weit übersteigt und die Brachlandstreifen
zu beiden Seiten der Landstraßen unbebaut bleiben. Sie geben dann die Aus-
sicht auf die meist wenig schöne Rückseite der an der ersten Parallelstraße
stehende Häuserreihe frei, soweit nicht häßliche Kleingeschäftsbuden und
schreiende Reklameschilder, beides verkehrsbedingt, auf ihnen errichtet
werden. Diese Art der Landstraßen-"Bebauung" überwiegt schließlich in
den randlichen Zonen der Stadtlandschaft, in denen die Auf teilungen zum
Teil ganz brachliegen. Hier kann man nicht mehr von aufgelockerter Vor;.
stadt, sondern nur noch von Brachland mit städtischer Einzelbebauung
sprechen.
Am stärksten herrscht das Brachland in der San Fernando-Ebene vor, in
der 1925 nur 21,5% der aufgeteilten Grundstücke bebaut waren (Lit.106,
Vol. II, Letter 10, Mch.9, 1925). Trotz der geringen Bebauung ging man
hier dazu über, die Verkehrsstraßen, die schachbrettartig an den Viertel-
sektionslinien, also im Halbmeilenabstand, angelegt wurden, zu asphaltieren.
Vielfach haben das Vertreter von Zementfirmen in aller Eile durchgesetzt,
ehe die übrigen Bewohner sich einigen konnten. Die Umlage, die für den
Straßenbau von den Anwohnern erhoben wurde, wirkte sich bei der dünnen
Besiedlung auf den einzelnen so verhängnisvoll aus, daß sie in einzelnen Fällen
Konfiszierung des Grundstücks bedeutete. Es kam hier und in anderen Teilen
der Stadtlandschaft vor, daß ein Grundstücksbesitzer $ 8000 für sein Grund-
stück bezahlte, zugleich eine Hypothek von $ 3000 aufnahm und dann mit
$ 6000 für die Straßenasphaltierung veranlagt wurde. Der Klimacharakter ~
der San Fernando-Ebene macht den Hauptteil dieser Teillandschaft unge-
eignet als städtisches Wohnviertel. So mußte der hohe Wert, den die Grund-
stücke nach Anlage eines dichten Straßennetzes und Asphaltierung annahmen,
den Fortgang der kaum begonnenen städtischen Bebauung ins Stocken kom-
men lassen. Es trat eine Rückentwicklung zu landwirtschaftlicher Nutzung
größerer Teile der San Fernando-Ebene ein.
Brachland vom Typ randlicher Zonen treffen wir auch in der Innenstadt
selbst an (Fig. 14, S. 2 I 3). Der südlich an den Elysischen Park anschließende
kahle Teil der Elysischen Höhen ist außer einer isolierten, rechteckig absetzenden
188
Mexikanersiedlung so gut wie unbebaut. Er trägt nur verstreut an den Hängen
ein paar dürftige Einzelhäuser, die vorwiegend von Mexikanern bewohnt
werden.· Selbst der nordöstliche Teil von Sonora Town zwischen College und
Bernard Street ist zum größten Teil Brachland. Die Fabrikgebäude der Baker
Iron Works, die hier beiderseits des Broadway standen, wurden niedergerissen
nach der Vereinigung mit der Consolidated Steel Corporation, die sich im näher
zum Hafen gelegenen Industriegelände der Laguna-Ebene an der East
Slauson Avenue ansiedelte. Ebenso wie hier von Norden der Stadtrandcharak-
ter bis nahe an das Herz von Los Angeles heranreicht, schiebt sich von Süd-
osten der Brachlandkeil von der Laguna-Ebene auf der östlichen Fluß terrasse
weit nach Norden vor, die Geschäfts- und Industriestadt der Westseite von
der Oberen Ostseite trennend. Die geringe Bebauung des östlichen Industrie-
geländes erklärt sich daraus, daß wegen der größeren Nähe des Geschäfts-
zentrums und im Anschluß an die Gleise der Southern Pacific-Bahn die In-
dustrieansiedlungen zunächst die westliche Überschwemmungs terrasse bevor-
zugten. Als diese bebaut war und normalerweise ein Übergreifen der Industrie
auf das Ostufer, wo die Gleise der Union Pacific-Bahn lagen, zu erwarten
war, machte sich die industrieanziehende Kraft der selbständigen, als Indu-
striestadt gegründeten Gemeinde Vernon im Süden bemerkbar. Die Ge-
schäftsleute, die Vernon aufteilten, sorgten dafür, daß hier ein erheblich
niedrigerer Steuersatz als in Los Angeles erhoben wurde. Das lockte die In-
dustrien an. Außerdem kam Vernon die Nähe des Hafens zugute, besonders
seitdem das Automobil immer mehr den Frachtentransport übernahm. Auf
die unvollständige Bebauung des Hafengeländes von Wilmington und der öst-
lich anschließenden Marsch wird an späterer Stelle noch eingegangen werden.
In der Innenstadt sind in den letzten Jahren weitere BrachHächen: durch
die Straßendurchbrüche des verlängerten Broadway und der Olive Street ent-
standen. Solange die Stadt vorwiegend nach Südwesten und Westen wuchs,
war von der 13. Straße ab die Ostwest-Verbindung wichtiger als die Nord-
süd-Verbindung. Dementsprechend wurden bei den Auf teilungen südlich
der 13. Straße zwischen Main Street und Grand Avenue und südlich Wa-
shington Boulevard zwischen Main Street und Figueroa Street die Häuser-
blocks in ihrer Längserstreckung ostwestlich orientiert. Mit der Entwicklung
der Süd-Vorstadt und des Hafens gewann der Nordsüd-Verkehr so sehr an
Bedeutung, daß der Durchbruch von Broadway und Olive Street über Pico
Boulevard (13. Straße) hinaus zur Entlastung der Parallelstraßen notwendig
wurde. Die Wunden dieser Durchbrüche klaffen noch.
18g
Der Eindruck des Unfertigen, den die in allen Teilen der Stadtlandschaft
ins Auge fallenden unbebauten Grundstücke vermitteln, wird durch ihre
gelegentliche Nutzung kaum gemildert. Im Geschäftszentrum und in den Sub-
zentren dienen die freien Flächen als Autoparks. In der Zeit der Wirtschafts-
depression ist es vorteilhafter, ein nur halbbesetztes Geschäftshaus nieder-
zureißen und aus dem Grundstück als Autopark eine Einnahme zu erzielen,
als die hohen Gebäudesteuern zu zahlen. In den intermediären Stadtteilen
und Vorstädten werden auf den unbebauten Grundstücken, sofern sie an Ver-
kehrsstraßen liegen, Reklametafeln und mehr oder weniger primitive Verkaufs-
baracken, kleine Restaurants und Immobilienbüros errichtet, die meist in
größeren oder kleineren Abständen voneinander stehen und die Aufmerksam-
keit des Autofahrers auf sich lenken sollen. Inden Jahren 1930 und 1931
herrschte die Mode des Miniaturgolfs, das zahllose unbebaute Grundstücke
einer vorübergehenden Nutzung zuführte. Während der beginnenden Wirt-
schaftsdepression verschaffte das Spiel vielen Arbeitslosen Zeitvertreib, an-
deren Erwerbsmöglichkeit und dem Grundstücksbesitzer eine kleine Miete.
1932 waren nur noch wenige Miniaturgolfplätze in Betrieb. Von einigen sind
noch die Überreste zu sehen.
In Long Beach setzte 1932 unter dem Einfluß der lokalen Handelskammer
die Bestrebung ein, die unbebauten Grundstücke als "Gemeinde-Sparsam-
keitsgärten" dem Gemüseanbau zuzuführen, um auf diese Weise den Arbeits-
losen Beschäftigung und selbstgezüchtete Lebensmittel zu verschaffen. Gleich-
zeitig wird die öffentliche Wohlfahrt entlastet. Die Mehrzahl der unbebauten
Grundstücke der Stadtlandschaft bleibt jedoch völlig ungenutzt und macht
manche vorstädtische Auf teilung nach wie vor zum Torso.
Ähnlich wie das städtische Brachland nur aus dem individuellen Speku-
lationsgeist heraus zu verstehen ist, sind mit nur wenigen Ausnahmen ge-
schäftliche Rücksichten für die Verteilung der Grünflächen innerhalb der
Stadtlandschaft verantwortlich. Während die kleine Plaza auf den spanischen
Gründungsplan zurückgeht, fehlt in der Innenstadt wie in den meisten nord-
amerikanischen Großstädten eine der Größe der Stadt angemessene baum-
bestandene Promenade, wie sie in europäischen Großstädten oft einem
Herrscherwillen entsprungen sind. Man denke an "Unter den Linden" in
Berlin, die "Champs Elysees" in Paris, den "Paseo del Prado" und seine Ver-
längerungen in M a d ~ i d , d i e "Avenida da Liberdade" in Lissabon. Der Innen-
stadt von Los Angeles fehlen auch die breiten Anlagen, die dem Bedürfnis
südlicher Städte entsprechen, wie die "Alameda" und der "Paseo" latein-
190
amerikanischer Großstädte oder die "Ramblas" Barcelonas. Um so mehr wird
das Fehlen einer solchen lang ausgezogenen Grünanlage im belebten Teile
der -Innenstadt von den heutigen Planungskommissionen empfunden, als ja
auch der Promenadengürtel nicht vorhanden ist, der inenggebauten euro-
päischen Handelsstädten meist an die Stelle der alten Befestigungen getreten
ist. So versucht man denn, einen Ersatz für das Fehlende zu schaffen, indem
man für das neue Verwaltungszentrum, das unter großen Kosten zwischen
Geschäftszentrum und Plaza angelegt wird, größere Grünplätze vorsieht. Ein
Plan schlägt vor, den ganzen Bunker und Fort HilI in eine Grünanlage zu
verwandeln. Das eigentliche Geschäftszentrum hingegen wird nach wie vor
nur eine Grünfläche besitzen, den Pershing Square, früher Central Park,
einen ausgesparten Häuserblock zwischen Hill und Olive, 5th und 6th Street.
Die Entstehung des Grünplatzes an dieser Stelle ist weniger auf das primäre
Bedürfnis nach einer Grünfläche zurückzuführen als auf den ursprünglich
geringen Verkaufswert des Geländes. Der Arroyo de los Reyes, der unweit
westlich aus dem Hügelland austritt, pflegte zur Regenzeit den Block in
sumpfiges Gelände zu verwandeln, was eine Frosch- und Moskito-Plage
zur Folge hatte (Lit. 619). Dazu kam der Wunsch einiger Grundstücks-
besitzer der umliegenden Blocks, durch Anlage einer zweiten Plaza die
Entwicklung der Stadt in diese Richtung zu lenken, um so ihrem Grund-
stück höheren Wert zu verschaffen. So wird 1866 der Block von der
öffentlichen Versteigerung, der alles vermessene städtische Land damals
unterworfen war, ausgenommen und zum öffentlichen Park bestimmt (Lit.594).
Die nahe dem Westrande der Innenstadt zwischen 6. und 7. Straße aus-
gesparten Häuserblocks waren als Salzsumpf jahrzehntelang völlig unver-
käuflich. Für die Grundstücksbesitzer der Nachbarschaft wurde Ende der
1880er Jahre das Vorhandensein jener wüsten quadratischen Fläche von
400 m Seitenlänge so unerträglich, daß sie allein schon zur Hebung des
Grundstückswertes dieses Stadtviertels dem Bürgermeister anboten, die Hälfte
der Kosten für Anlage eines Sees und Parks zu tragen (Lit. 510, S. 349). Dar-
aus entstand Westlake Park, dessen Umgebung eines der vornehmsten Wohn-
viertel wurde, der Ansatzpunkt zum weiter westlich gelegenen Wilshire-
Distrikt.
Das Gelände des Elysischen Parks blieb wegen seines ungünstigen Zugangs
und seiner schwierigen Wasserversorgung unverkäuflich. Als 1886 fast das
gesamte Land der Innenstadt schon in Privathänden war, beschloß man die
unverkauften Blocks der Elysischen Höhen als Parkgelände zurückzustellen
191
(Lit.488, I). Dem Deutschen Hansen ist der Beschluß zu danken (Lit. 510,
S. 37). So wurde denn hier 1896 unter Verwendung von Arbeitslosen der Park
angelegt, der den Bewohnern der Oberstadt eine willkommene Erholungs-
stätte sein mußte. Trotz seiner Nähe zum Stadtzentrum geht der Verkehr
westlich oder östlich an ihm vorbei. Neuerdings führen die Figueroa Street-
Tunnels unter ihm durch. So kommt dem Elysischen Park nicht zentrale;
sondern nur randliche Bedeutung zu, im Gegensatz zum Berliner Tiergarten.
Bei der Versteigerung städtischen Landes war auch ein Stück Land im
oberen Teil des Arroyo de los Reyes übriggeblieben, das nach alten Karten
für ein Wasserreservoir (Reservoir Nr. 4) vorgesehen war. Hier entstand
der Echo Park mit Echo Lake (Lit. 488, I).
Das Gelände des heutigen "Exposition Parks" am Südwestrande der
Innenstadt wurde 1872 von einem Syndikat als landwirtschaftliches Aus-
stellungsgelände gekauft und gelangte 1899 in den Besitz des Staates, der
es der Stadt und dem Kreis Los Angeles für Park- und Ausstellungszwecke
verpachtete (Lit. 488, I, S.360). Seit 1910 entstand in diesem Park, der
unmittelbar an das geistige Zentrum von Los Angeles, das Gelände der
Universityof Southern California angrenzt, das Historische, Naturwissen-
schaftliche und Kunstmuseum, das und schließlich
das Stadion, in dem die Olympischen Spiele des Jahres 1932 stattfanden.
Am Ostrande von East Los Angeles gab die Southern Pacific-Bahn ein
Stück Land der Stadt mit der Bestimmung zurück, daß darauf ein Park
angelegt werde. Das führte zur Entstehung von East Lake Park (Lit. 488, I,
S. 357). Hollenbeck Park auf der Oberen Ostseite wurde der Stadt geschenkt.
Ebenso Griffith Park, der aber nicht als städtischer Park gelten kann. Das
Ostende des Santa Monica-Gebirges mit Mount Hollywood umfassend, stellt
er ein der Bebauung entzogenes Stück Chaparral-Landschaft dar.
Schließlich verdanken auch die meisten Golfplätze in den Vorstädten und
am Rande der Stadtlandschaft ebenso wie die Parks und "Plazas" der mo-
dernen Auf teilungen privater Initiative ihre Entstehung, wie beispielsweise
in Beverly Hills und in den Palos Verdes Estates.
Erst in den letzten Jahren entstehen auf behördliche Initiative hin Grün-
flächen, meist im Zusammenhang mit der Anlage von Verwaltungszentren
wie in Pasadena und Beverly Hills.
Im Mangel einer größeren Grünfläche nahe den verkehrsbelebten Teilen
von Los Angeles sehen wir die Folge des pilzartigen Wachstums der Stadt,
dem aUGh die privaten Parks der früheren städtischen Estates weichen
mußten. Aus demselben Grunde fehlen den Straßen der Geschäftsstadt selbst
die Bäume völlig, in den inneren Vorstädten sind sie spärlich, nur z. B. im
St. James Park und entlang der angrenzenden Adams Street vollständig er-
halten, während wir sie in den Wohnstraßen der Außenstadt und der Rand-
städte selten missen. Eine moderne Auf teilung ist ohne baum- oder palmen-
bestandene Straßen nicht denkbar. Selbst die Hauptstraße des modernen,
planmäßig angelegten Industrieviertels "Central Manufacturing District"
entbehrt nicht der heiden Baumreihen indischer Zedern. Ja, in einer Vor-
stadt wie Beverly Hills gibt es gar keine Straße ohne Bäume oder Palmen.
Pasadena und Altadena stehen in dieser Hinsicht kaum nach. Wo die un-
bebauten Grundstücke und auch die Geschäfts- und Mietshochhäuser zurück-
treten wie auf der Pasadena- und Teilen der Hollywood-Platte, nimmt die
Stadtlandschaft den Charakter einer Villen-Parklandschaft an. Dazu tragen
nicht nur die baumbestandenen Straßen, sondern auch die im Vergleich zur
Hausfläche ungleich größeren Gartenflächen bei.
Die einheimischen Bäume, wie die kalifornische Platane, Weide und Eiche
treten in der heutigen Stadtlandschaft ganz zurück (s. S: 39f). Viel ver-
breiteter ist heute der frühzeitig von den Amerikanern aus Australien ein-
geführte Eukalyptus. Ursprünglich wurde er als Holzlieferant und als Wind-
brecher verwandt, heute ist er Straßenbaum und Parkbaum. Als schnellwach-
sender anspruchsloser Baum findet er sich meist in den ärmeren Stadtvierteln
und in den Ausländerquartieren, durch sein unregelmäßiges Wachstum und
sein graugrünes Laubwerk den ungeordneten und staubigen Eindruck jener
Wohngegenden noch verstärkend. So treffen wir ihn auch allenthalben im
Bereich des alten Erdölgürtels in der äußeren Sonora-Stadt und in der Ober-
stadt. Gern werden Eukalyptusbäume von Grundstücksunternehmern auf
den grasbestandenen Highland- und Repetto-Höhen angepflanzt, um den
häßlich-kahlen Anblick ihrer Auf teilung zu mildern, was besonders not-
wendig erscheint, sobald die ersten verstreuten Häuser auf den weithin
sichtbaren Höhen errichtet werden.
Viel mehr als die vielen Eukalyptusarten, von denen sich der rotblühende
"Eucalyptus ficifolia" am besten für Straßenbepflanzung eignet, werden heute
andere immergrüne Bäume neben blattabwerfenden Bäumen und drei be-
liebten Palmenarten für die Straßenbepflanzung verwandt. Noch viel mehr
als die Bäume sind die kleineren Zierpflanzen der Gärten und die Nutz-
pflanzen der Plantagen aus allen Erdteilen zusammengetragen. Der Samen-
import und die Züchtungsversuche werden seit langem von zahlreichen
13 Wagner, Los Angeles
193
Kunstgärtnereien betrieben (s.S. 71 und 86), die ein Interesse daran haben,
dem Villenbesitzer stets etwas Neues für seinen Garten zu liefern. Auf die
vielen japanischen Lohngärtner und Gärtnereibesitzer wurde schon hin-
gewiesen (s. S.152).
Die typischen Straßenpalmen der Vor-. und Randstädte sind die hoch-
wüchsige kalifornische Fächerpalme "Washingtonia filifera", die dickstäm-
mige plumpe "Phoenix canariensis", die, wie der Name sagt, auf den Kana-
rischen Inseln beheimatet ist, und die kleinere graziöse "Cocos plumosa"
aus Brasilien.
Unter den immergrünen Straßenbäumen stehen an erster Stelle der
weidenähnliche südamerikanische Pfefferbaum (Schinus molle und Schinus
terebinthifolius), schon in den 80er Jahren als schattenspendender Straßen-
baum beliebt, die dunkelgrüne australische "Acacia. melanoxylon" und die in
jüngster Zeit gern gepflanzte indische Zeder "Cedrus deodora" aus dem
Himalaya. Kurz nach 1882 hat F. J. Woodbury den Samen des "Deodar
Tree" aus Indien importiert, weil er etwas Neues auf seinem Landbesitzim
heutigen Altadena haben wollte (Lit. 328). Die aus jener Zeit stammenderi
beiden Zedern-Reihen entlang der Santa Rosa
J
Avenue werden alljährlich
mit elektrischen Weihnachtskerzen geschmückt. Diese "Mile of Christmas
Trees" ist heute das Schmuck- und Reklamestück Altadenas, das um die
Jahreswende zahllose Automobilisten anlockt. Von den vielen weiteren
immergrünen Straßenbäumen seien noch genannt der asiatische Kampfer-
baum "Camphora officinalis" aus Formosa, "Casuarina stricta" aus Austra-
lien, die spanische Korkeiche "Quercus suber", "Magnolia grandiflora" aus
den Südstaaten, der Johannisbrotbaum "Ceratonia siliqua", der in Arabien
zu Hause ist, die brasilianische "Jacaranda mimosaefolia" und das kleine
"Pittosporum rhombifolium" aus Australien.
Von den blattabwerfenden Bäumen werden Ahorn (Acer platanoides),
Platane (Platanus orientalis), Ulme (Ulmus americana) und neuerdings die
Silberpappel (Populus alba nivea) gern als Straßenbäume angepflanze).
Mit den Zierbäumen ist bereits ein Element des Aufrisses beschrieben
worden. Der wichtigste Formbestandteil des Aufrisses aber ist das Hau s, das
zusammen mit der städtischen Vegetation und den anderen Nutzungsformen
der städtischen Fläche, die nicht unter den Begriff "Haus" fallen, wie Tank-
stellen, Autoschlachthöfe, Holzstapelplätze, Tankanlagen usw., den stadt-
I) Auf Grund eigener Beobachtungen, Mitteilungen des County Foresters und Angaben der
Großgärtnerei Paul]. Howard, sowie deren Katalog "Flowerland" von 1930.
194
landschaftlichen Gesamteindruck bestimmt. Die Differenzierung der Haus-
typen, die zeit-, material- und nutzungsbedingt sein kann, bringt je nach dem
Vorwiegen des einen oder anderen Typs eine Gliederung der Stadt in Stadt-
viertel mit sich, die herauszuschälen das Ziel einer Stadtlandschaftskunde
sein muß.
Im Gesamtstadtbilde springen zunächst die Unterschiede in der Haushöhe
ins Auge. Aus der Masse der vorwiegend ein- und zweistöckigen Häuser treten
das zentrale Hochhausviertel und die Hochhausgruppen im Wilshire-Distrikt,
in Hollywood, Beverly Hills, Santa Monica, Long Beach, Pasadena und
Glendale scharf heraus.Punktförmig greifen die Hochhäuser vom zentralen
Hochhausviertel in das Großhandelsviertel vor, in die Südwestvorstadt uAd
mehr linienhaft über die Westlake-Terrasse und randliehe Teile der Oberstadt
zum Wilshire-Distrikt hin. Ebenso klingt das Hochhausviertel von Hollywood
puriktförmig inmitten der Masse mittelhoher und niedriger Häuser aus.
So ergibt sich eine Gliederung der Häuser nach Höhe, Nutzung, Material
und Zeit (Stil).
13*
Nach der Höhe lassen sich die Häuser gliedern in:
I. Hochhäuser, über 5 Stockwerke,
2. Mittelhochhäuser, 3-5 Stockwerke,
3· Zweistockhäuser,
4· Kleinhäuser, 1 und 11/ 2 Stockwerke,
5· Buden, d. h. Ein- oder Zwei-Raumhäuser.
Nach der Nutzung in:
I. Industrie- und Lagerraum-Gebäude,
2. Geschäftshäuser,
. 3· behördliche, öffentliche und halböffentliche Gebäude,
4. Hotels,
5· Miets- und Möblierte-Stuben-Häuser, Pensionen, Mehrfamilien-
häuser,
6. Eigenheime.
Nach Material und Konstruktion in:
I. Adobehäuser,
2. Bretterhäuser,
3· Rahmenholzhäuser,
4· beworfene Rahmenhäuser,
5· Backsteinhäuser,
6. Eisenbeton-Gebäude.
195
ImS tillassen sich nach den Hauptperioden drei Bau weis e nunterscheiden:
I. die spanisch-koloniale Bauweise,
2. die U.S.-amerikarrlsche Bauweise des Ostens und Mittleren Westens,
3. die kalifornische, bewußt imitierende Bauweise.
Aus dem innerhalb eines Stadtviertels auftretenden ältesten St!1 kann man
nicht immer, wie in Europa, auf die Periode der ersten Bebauung zwingend
schließen. Denn unter den bodenständigen Häusern der Vorstädte treffen
wir auch verfrachtete. Die leichte Bauweise des Rahmenhauses läßt den
Haustransport zu. Bei Neubauten oder Straßendurchbrüchen in der Innen-
stadt ist es billiger, vorhandene Häuser in die Vorstadt abzutransportieren
als sie niederzureißen. Nur bei nichttransportierbaren Backsteinhäusern und
bei serienweisem Auftreten eines bestimmten Rahmenhaustyps sind aus dem
Stil abgeleitete Rückschlüsse auf die Bebauungsperiode gerechtfertigt ..
Aus den auf Grund der Gliederungen nach Höhe, Nutzung, Material und
Stil möglichen Kombinationen ergibt sich eine Mannigfaltigkeit des Haus-
typs, dessen Wandlung wir versuchen wollen, genetisch zu erklären, um dann,
räumlich zusammenfassend, zu Nutzungseinheiten innerhalb der Stadt-
landschaft zu gelangenI) .
Die primitive Bauweise der Indianer - strohgedeckte Hütten -, die auch
provisorisch von den ersten spanischen Siedlern angewandt wurde, hat schon
in den ersten Jahren europäischen Besiedlung den dauerhafteren s:pa-
nisch-kolonialen Häusern weichen müssen. Diese weißgetünchten
Ado bege bä ude2 ) , von denen sich noch wenige in der Sonora-Stadt erhalten
haben, sind vorwiegend einstöckig, von rechteckigem oder L-förmigem
Grundriß und hatten meist eine die ganze Straßenfront des Hauses ein-
nehmende überdeckte Veranda. An Stelle der üblichen Bedeckung mit
roten Ziegeln bestrich man in Los Angeles und San Gabriel das Dach
mit Asphalt aus den nahen Asphaltvorkommen (s. S. 73). Während das
Stadtbild in den 1860er Jahren noch ganz vom Flachdach-Adobehaus
beherrscht wurde, kam diese Bauweise sehr bald mit dem Verschwinden
des einheimischen Handwerkers außer Übung. 1870 waren noch 20 bis
25 Prozent der Häuser von Los Angeles "Adobes" (Lit. 38). Die 'Adobe-
I) Für Einzelheiten über die Entwicklung der Hausstile bin ich dem Leiter der School
of Architeciure der University of Southern Ca1ifornia Dean Weatherhead besonders
dankbar, ferner dem Bauunternehmer Fritz Ruppel in Pasadena, dem ersten Immobilien-
makler in Santa Monica Chas. Tegner, der seit 1887 dort ansässig ist, und dem Archi-
tekten J os e p h Wes t on in EI Monte. Ferner schöpfte ich aus Cl ar k (Lit. 589).
2) s. S. 41 Anm. und S. 66.
196
'4•• ;
'I· ."
häuser, die rasch unter den Witterungseinflüssen verfallen, wurden seitdem
mehr lind mehr durch Rahmenhäuser ersetzt oder, soweit man sie er-
neuerte, erhielten sie an Stelle des flachen Asphalt-Daches ein Satteldach
mit Schindelbedeckung. Schon nach der Jahrhundertwende fing man an,
die alten Missionen zu restaurieren. Dagegen "entdeckte" man die Adobes
von Los Angeles erst in den Nachkriegsjahren, als man sich auf einmal für
das "Adobe-Zeitalter" zu interessieren begann, während die Bewohner vorher
von den "alten spanischen Lehmhütten" meist nur mit Verachtung sprachen.
So sucht man heute die wenigen noch vorhandenen vor dem fortschreitenden
Abbruch zu bewahren. Auch in San Gabriel und San Fernando sind noch
einige Adobebauten erhalten. Das Rancho-Haus unterscheidet sich vom
städtischen Adobegebäude nur durch seinen größeren Grundriß, entsprechend
der größeren Wohlhabenheit des Bewohners. Neben der L-Form finden wir
hier auch den U-förmigen Grundriß, der einen Innenhof umschließt wie in
Los Cerritos, oder die T -Form wie in La Brea. Die Adobe-Bauweise wurde
beibehalten, solange indianische Arbeiter vorhanden waren, die das Bau-
handwerk von den Missionaren erlernt hatten. Der U.S.-amerikanische Hand-
werker ist nicht dazu zu bewegen, bei der Hitze im Freien Adobeziegel zu
schneiden und zu trocknen. An seine amerikanischen Werkzeuge gewöhnt,
hält er· an der Rahmenbauweise des Ostens fest, trotzdem das semiaride
Klima und das Fehlen des Baumaterials eine andere Bauweise zweckmäßiger
erscheinen lassen. Dazu kam der Stolz der neuen Zuwanderer auf ihre
höhere Kultur, der sie erst recht an ihrer hergebrachten Bauweise festhalten
ließ. Anfangs, in der Zeit des Handwerkermangels und der hohen Löhne,
scheute man es nicht, ganze Häuser um das Kap Horn herum nach Kali-
fornien zu (vgI. Broek, The Santa Clara Valley, S. 156). So ent-
stehen seit etwa 1860 hölzerne Rahmenhä user I) , welche bis etwa zur Jahr-
hundertwende die Stilentwicklung des Mittleren Westens mitmachten. Da
das städtische Wohnhaus ein Einzelhaus ist, unterscheidet es sich nicht vom
Landhaus. Bis in die 70er Jahre hinein wurde in der Stadt und auf dem Lande
das einfache ein- oder zweistöckige koloniale Rahmenhaus des Mittleren
Westens gebaut mit·rechteckigem, L- oder T.förmigem Grundriß und schindel-
gedecktem Satteldach. Seit etwa 1870 fing man an, daran zu verzieren,
größere Veranden zu bauen und das Dach oft allseitig mit Giebeln zu versehen
unter Bevorzugung des "Hohen und Schmalen". Dieser gotische Holzbau-
Stil ist typisch für die Häuser der ländlichen und städtischen Estates. Bei
I) Erklärung auf S. 72 Anm. 2.
197
der Weiterentwicklung der Verzierungen in den 1880er Jahren verschwand
die strenge Linienführung des gotischen Stils. Veranden, Erker, Türmchen,
Giebel, Mansardfenster, verzierende Leisten, Simse und Friese erschienen
jetzt wahllos, wo irgend möglich, und in allen Formen an den Rahmen-
häusern. Der viktorianische Stil wirkt dadurch unerträglich üppig und
geschmacklos. Die zahlreichen Hotels der Boom-Zeit wurden in ihm erbaut.
Nach dem Zusammenbruch des Booms standen sie verlassen da wie in Glen-
dale, landschaftsverunzierend, teils brannten sie später wurden ab-,
gerissen oder anderen Zwecken zugeführt. Die Menge viktorianischer Häuser,
die heute noch die Südwestvorstadt innerhalb der alten quadratischen Stadt-
grenze durchsetzen, legen Zeugnis ab von der Bautätigkeit, die dem Boom
in diesem Teile von Los Angeles,folgte. Als Wohnhäuser der Rentner und
wohlhabenden Geschäftsleute erbaut, dienen sie heute als Pensionen, oder
es werden nur möblierte Stuben in ihnen vermietet. In den 1 890er Jahren ver-
einfachte sich der viktorianische Stil etwas, indem keine durchbrochenen
Verzierungen mehr angewandt wurden.
Neben dem zweistöckigen viktorianischen Wohnhaus finden wir schon seit
Beginn der 1880er Jahre das einstöckige Haus vom ausgesprpchenen Land-
haustyp (cottage) mit quadratischem Grundriß und Pyramidendach oder
rechteckigem Grundriß mit Giebeldach, das vom geringer Bemittelten be'-
vorzugt wird. In seinen Verzierungen machte es die Stilwandlungen mit vom
viktorianischen Stil über die Jahrhundertwende bis in die Nachkriegszeit.
,Der Einfluß der neuenglischen Bevölkerung drückt sich nach der Jahr-
hundertwende im Stil der zweistöckigen Wohnhäuser aus. Etwa 8-10 Jahre
lang gingen der neuenglische Kolonialstil mit hohem Satteldach und
vielfach schindelverkleideten Hauswänden, braun- oder grüngestrichen, und
der Königin-Elisabeth-Stil nebeneinander her. Beide Stile finden sich
in der Südwest-Vorstadt, auch in der West-Vorstadt beiderseits der Innen-
stadtgrenze, sind aber weniger verbreitet als der viktorianische Stil, denn
gleichzeitig sind das Schweizerhaus und das Bungalow Mode geworden.
Im Schweizer Chaletstil, dem wir am 1
1
/2- und 2stöckigen Wohnhaus
begegnen, wird das grobe Balkenwerk und das weite Überhängen des flach-
geneigten Daches betont. Daraus entstand unter stärkerer Betonung der hori-
zontalen Linie das niedrige Bungalow, das an japanische Bauweise er-
innert. Typisch für das Bungalow sind neben dem flachen Hauptgiebel die
ebenso flachen kleineren Giebel,die von zwei kurzen dicken, nach oben sich
verjüngenden Pfeilern getragen, die breiten Veranden überdachen. Auch die
198
Schornsteine sind kurz und verjüngen sich nach oben. Für das Fundament
nahm man gern grobe Flußgerölle, um den Landhauscharakter ZU betonen.
In dem Korridorviertel am Rande des Arroyo Seco-Geröllbettes sehen wir
Gerölle mit Vorliebe verwandt. Allenthalben verrät das serienweise ent-
standene Bungalow die Bebauungszonen des Vorkriegs-Booms.
Ebenso wie das Bungalow sich aus Stilen ableitet, die nicht in Amerika
heimisch sind, finden wir um das Jahrzehnt von 1910-1920 auch im zwei-
stöckigen Wohnhaus der Wohlhabendsten ein Abweichen vom Üblichen. Es
tritt das beworfen'e Backs teinha us auf, dessen Stil sich an italienische und
spanische Muster anlehnt. In der gelegentlichen Betonung des flachen über-
hängenden Daches mag man eine Anlehnung an den von Chicagoer Archi-
tekten entwickelten "Western Plains-Stil" (Lit. 589, S. 51/52) erblicken, der
die horizontale Linie betont. Der dieses "Stils" wird verwischt,
sobald ein Walmdach mit roten Ziegeln darauf sitzt. Im billigeren bewor-
fenen Rahmenhaus, das als Vierfamilien-Mietshaus erbaut wird, erblicken
wir hier oder dort Anklänge an diese Stile.
Mit der AufmerksaInkeit, die man den alten spanischen Missionen zu
schenken begann, fing man schon vor deIn Kriege an, repräsentative Ge-
bäude wie Rathäuser, auch Hotels und Geschäftshäuser mit Vorliebe im
Missions-Stil zu J?auen. Es ist wahrscheinlich, daß ihn zuerst die Santa Fe-
Eisenbahn beim Bau ihrer Bahnhöfe anwandte. Man begnügte sich dabei,
die an das Barock anklingenden Linien der Kirchenfronten, besonders im
Giebel, zu imitieren und spanische rote Dachziegel zu verwenden. Da der
Stil am beworfenen Rahmenhaus angewandt wurde, ist die Wirkung verfehlt.
Etwa mit Kriegsbeginn kam allgemein das stillose beworfene Rah-
menhaus und das koloniale Bungalow auf. Das so vereinfachte Bunga-
low nähert sich dem Landhaustyp. An den Kolonialstil der Südstaaten
erinnern die beiden einfachen Eingangssäulen, denen wir nun auch am
zweistöckigen Haus begegnen. Vielfach erinnert das beworfene Rahmen-
haus mit Kastenform und flachem Dach mehr oder weniger absichtlich an
den Pueblo-Stil.
In derZeit des Nachkriegs-Booms, in der vom Grundstücks- und Bau-
unternehmer der Reklamewert der spanischen Vergangenheit erkannt wurde,
begann die Mode der spanischen Bauweise des beworfenen Rahmen-
hauses. Besonders seit 1925 wird fast ausschließlich "spanisch" gebaut, so daß
bei der gewaltigen Bautätigkeit, die erst 1929 abnahm, ganze Stadtviertel
im gleichen Stile entstanden. Meistens zeigt nur die Hausfront den spanischen
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Stil und die roten Dachziegel, während das übrige ein Kastenhaus mit billi-
gem flachem Dach ist. Der Anblick eines solchen Hauses von der Seite oder
von hinten ist wenig schön. Stadtviertel, deren Häuser spanische Fronten
haben, wirken daher besonders unfertig, solange nicht alle Grundstücke be-
baut sind. In jüngster Zeit wird mit Vorliebe im Monterey-Stil gebaut,
bei dem Grundriß und Linienführung einfacher und regelmäßiger sind als
beim spanischen Stil. Das charakteristische Merkmal des Monterey-Stils ist
der schmale, meist lange Balkon des Obergeschosses mit einfachem Stab-
gitter. Man knüpft dabei an die wenigen, aus mexikanischer Zeit stammen-.
den Häuser Montereys an, die in ihrer Konstruktion gewisse Einflüsse fran-
zösischen und englischen Kolonialstils erkennen lassen. Zwischen spanischem
und Monterey-Stil gibt es die vielfaltigsten Übergänge, die unter dem Begriff
"N eo-Mediterran-Stil" (Broek, The Santa Clara Valley, S. 156, Abb. 22)
zusammenzufassen sind. In Anlehnung an Vorbilder aus den Mittelmeer-
ländern wird neuerdings gern ein kleiner Hof, Halb-Patio, angelegt. Er wird
auf zwei Seiten vom Hause, den beiden anderen Seiten von einer Mauer um-
schlossen und erzielt so eine wirkungsvolle Abgeschlossenheit.
In denselben Stilen wird auch in den exkl usi ven Wohnvierteln gebaut,
aber nicht vom Bauunternehmer serienweise, sondern vom Architekten. Denn
Architektur und Baumaterial werden hier aufs schärfste überwacht. In West-
wood Hills, Holmby Hills, Bel-Air, Pacific Palisades, Palos Verdes Estates,
Altadena und anderen modernen Villenvierteln finden wir spanische und
Monterey-Häuser in höchster architektonischer Vollendung. Der weiß-
getünchte Backsteinunterbau mit weißer Holzverkleidung im Obergeschoß
verleiht den besseren "Monterey"-Häusern eine besonders geschmackvolle
Note. Wer ganz echt alt-"kalifornisch" und entsprechend teuer will,
läßt sich seine Villa aus Adobe-Ziegeln bauen, Erste Architekten und Bau-
unternehmer studieren die Bautechnik der spanischen Missionare wie deren
Methoden der Holzkonservierung und das dem Adobe beigemischte Prozent-
verhältnis von Stroh und Pferdedung. Auch der spanische Barock-Stil mit
seinem Kontrast einfach-glatter Wände und fein ausgeführter Verzierungen
einer einzelnen Tür oder eines Fensters ist vertreten, daneben der französische
Landhaus-Stil mit normannischen Dachformen, das englische Landhaus, der
klassische amerikanische Kolonialstil und das Landhaus vom Kap Cod-Typ.
Der Amerikaner lernte in Europa, wo er sich nach dem Kriege mehr als
zuvor aufhielt, die Bequemlichkeit des Wohnens im Mietshause oder in
der Pension kennen. Daraus erklärt sich die Zunahme der Mietshäuser im
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Verhältnis zu den Einzelwohnhäusern. Gerade viele der vorübergehenden
Bewohner von Los Angeles ziehen das Wohnen in der kleinen Mietswohnung,
in der Pension oder im Wohnhotel dem Haushalte im Einzelhause vor. Die
Mietshochhäuser Hollywoods, des Wilshire-Distrikts und Long Beachs lassen
in ihrem Dache im Stile Heinrichs IV. den französischen Einfluß erkennen.
Eine bevölkerungsverdichtende Wirkung hat auch der "Bungalow-
Court", eine Gruppe von sechs oder acht mietbaren Bungalows auf einem
Grundstück mit gemeinsamem Zugang von der Straße zum Hofe. Eine Weiter-
entwicklung des Bungalow-Courts ist der "Auto-Court", der die großen
Ausfallstraßen des Fernverkehrs bevorzugt. Acht oder mehr Zweizimmer-
häuschen, jedes durch einen offenen A.utostall vom nächsten getrennt, stehen
um einen Hofmit Einfahrt von der Straße; das Ganze wird von einem Pfört-
ner überwacht. Viele Auto-Touristen und im Auto reisende Geschäftsleute
ziehen diese Art des Logierens 4em teureren Hotel vor. Als primitivster
Auto-Oourt ist das "Auto-Camp" anzusprechen, das. sich auf unbebauten
Grundstücken der Stadtrandgebiete findet.
Neben der Entwicklung des Wohn- und Mietshaus-Stils geht die des Ge-
schäftshaus-Stils her. Anfangs wurde das einfache koloniale Rahmenhaus
d,es Mittleren Westens zum Geschäftshaus, indem einfach eine Ladenfront
aus derselben Hauskonstruktion davorgesetzt wurd,e, so daß sie den Giebel des
übrigen Hauses verdeckte. Die große rechteckige oder quadratische Bretter-
front ermöglichte in ihrem nicht von Türen und Fenstern durchbrochenen
oberen Teile das Anbringen des Geschäftsnamens und der Reklame. Wo
das Haus von vornherein nur Geschäftszwecken diente, "\o\(Urde das -Giebel-
dach überflüssig, und es entstand' das einfache Kastenhaus, oft nur einen
Raum enthaltend, mit hoch darüber emporragender Bretterfront. Die" western
store front" ist typisch für alle Minenstädte des Westens. Rahmenhäuser mit
der großen Ladenfront repräsentieren den Typ des vorläufigen Geschäfts-
hauses. Bei Ausbleiben der erhofften Geschäftsentwicklung der Stadt, des
Stadtviertels oder -der Straße mögen sie Jahrzehnte überdauern.
Neben dem Rahmenbau führten die Amerikaner den Backsteinbau ein,
der aber nur selten bei Wohnhäusern, dagegen in erster Linie bei Geschäfts-
häusern, behördlichen Gebäuden und Hotels angewandt wird. Dement-
sprechend finden sich Backsteinhäuser hauptsächlich im Stadtzentrum, in
den vor- und randstädtischen Subzentren und entlang den Verkehrsstraßen,
die zugleich Geschäftsstraßen sind. In der Stilentwicklung, die an den alten
Geschäftshäusern der Main Street und in den ersten Blocks der Spring Street
201
und des Broadway zu beobachten ist, macht das Backsteinhaus die Wand-
lung des mit, nur mit materialbedingten Abweichungen.
Die vielen ein- und zweistöckigen Geschäftshäuser und Geschäftsbuden
der vorstädtischen Verkehrsstraßen werden auch heute noch vielfach aus
Backstein errichtet oder haben eine Backsteinfront. Soweit man die Haus-
front nicht tüncht 09-er bewirft, werden die Backsteine an der sichtbaren
Seite glasiert oder aufgerauht, - Verfahren, die seit 1910 angewandt werden
und der Mode unterworfen sind. Zeitlos ist der flache "römische Backstein",
der etwa seit dem Kriege im Zusammenhang· mit der spanischen Bauweise.
auftaucht, und der hohle Backstein (terra cotta).
Um diejahrhundertwende kam in Los Angeles wie überall inNordamerika
der Standard-Stil der Geschäftshäuser auf, der seitdem beim Mittelhochhaus
J.llld dem eigentlichen Hochhaus angewandt wird. Seine Gestalt ist ein
Groß-Kasten. Als reiner Zweck-Stil ist er nicht auf eine kurze Periode
beschränkt. Das Eisengerüst der Mittelhoch- und Hochhäuser trägt entweder
Wände aus Backstein, dessen Außenseite oft nach einer der beschriebenen
Moden bearbeitet wird, oder Betonwände. Das moderne Geschäftshochhaus
trägt manchmal den Ansatz zu einem flachgeneigten, mit spanischen roten
gedeckten Dach. Im übrigen ist das Dach' des Geschäftshauses stets
flach. Die Geschäftsräume des Erdgeschosses durchdringen gewöhnlich zwei
oder drei Stockwerke. Banken und große Versicherungsgesellschaften betonen
das Repräsentative. Sie bringen an den Untergeschossen ihrer Hochhäuser
oft römische Rundbogen und Säulen an und sparen auch in der inneren Aus-
gestaltung ihrer nicht an Marmor oder Granit. Die Stärke
und Unabhängigkeit der großen Geldinstitute wird auch gern dadurch be-
tont, daß ihre Hallengebäude' für sich errichtet werden, ohne ein Bürohoch-
haus zu tragen. Anklänge an klassischen Stil zeigen auch gern die behörd-
lichen Hochhäuser, wie das Gerichtsgebäude von Los Angeles, während das
State Building und das neue Rathaus, das 1927 errichtet wurde, moderne
Linien bevorzugen, ebenso wie die neuen Gebäude der beiden großen Titel-
Dieselbe moderne Linie, welche die glatte
Fläche und die vertikale Gliederung der Gebäudefront betont, hat man bei
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den Hochhäusern der "Wundermeile" des Wilshire-Distrikts angewandt,
- eine wohltuende Abwechselung im neuen, fast durchweg "spanischen"
Häusermee'r. Trotz der "spanischen" Mode setzt sich die Abwandlung des
Großkasten-Hochhauses im "modernistischen" Stile durch, denn er ge-
stattet größere Glasflächen l:J.ls der spanische und mediterrane Stil.
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Den mediterranen Stil und den spanischen Barock-Stil verwendet man da-
egen gern bei Bibliotheken, Schulen, Kirchen und anderen öffentlichen
und halböffentlichen Gebäuden, einerlei ob Backstein-, Beton- oder
Rahmenkonstruktion. Gerade diese Gebäude, bei denen mehr auf archi-
tektonische Wirkung und künstlerische Verzierung als auf Güte des Bau-
materials urid der Konstruktion gesehen wurde,haben während des Erd-
bebens vom 10. März 1933 am meisten gelitten (Lit. 198). Wie weit bei
den Baukontrakten persönliche Beziehung eines Mitglieds der auftraggeben-
den Behörde zum Bauunternehmer mitspielt,' muß dahingestellt bleiben.
Nur dem Zufall, daß das Erdbeben sich erst am Spätnachmittag ereignete,
ist es zu danken, daß nicht Tausende von Kindern in den 85 Schulen von
Long Beach, die zu 75 Prozent beschädigt oder zerstört wurden, den Tod
fanden. Während das vom Eisengerüst getragene ,Hochhaus als Einheit
schwingend auf die Bewegung des Untergrundes reagiert und höchstens die
Wände aus ihren Rahmen herausfallen, sind der Backsteinbau und der Rah-
menbau mit Backsteinfront für das erdbebengefahrdete Gebiet völlig un-
geeignete Bautypen. Das hölzerne Rahmenhaus, . das wegen seines leichten
Gewichtes relativ widerstandsfähig ist, hält dem Stoß stand, sofern der Rah-
men in seiner Gesamtheit genügend querverklammert ist. Als völlig un-
geeignet haben sich die überhängenden Verzierungen und Dachsimse erwiesen,
die den Straßenverkehr unnötig gefahrden und deren Schutt die Ausgänge
der Gebäude gerade in dem Augenblick versperrt, in dem die Bewohner
vor dem nächsten Stoß auf die Straße flüchten wollen. Das Leben eines so
künstlichen Stadtorganismus hängt in viel höherem Grade davon ab, wie
es gegen Katastrophen gesichert ist, als das natürlich gewachsener
und Handelsstädte. Der Rückgang des Touristenverkehrs und
eine gewisse Rückwanderung nach dem Mittleren Westen nach dem Erd-
beben sind alarmierende Zeichen. Das weitere Wachstum von Los Angeles
wird deshalb weitgehend davon abhängen, ob es gelingt, die Stadt vor
dem Schaden, den Erdbeben anrichten können, zu schützen. Möglich ist das
nur durch sichere Bauweise, die sich in einer Modifizierung der üblichen
Baustile ausdrücken muß. Damit wird der Aufriß der Stadt ebenso eine
Funktion des künstlichen Großstadtwachstums werden wie die Entstehung
des Hafens, die Eingemeindung der San Fernando-Ebene und der Wasser-
entzug im Owens-Tal und am Colorado. Bei der Eigenart der Handels-
kammer von Los Angeles, deren energisches Verhalten in den Fragen des
Fruchtvertriebs, der Wasserversorgung, des Hafenbaus und der Heranziehung
(
von Industrien zum Erfolg von Los Angeles ausschlug, ist auch in der
Frage rigoroser Baurevision ähnliches Durchgreifen zu erwarten. Die Bau-
revision ist geradezu zwingend, auch wenn sie viele Millionen verschlingen
wird. Nur so wird Südkalifornien in den Stand gesetzt, erneut nicht nur für
sein Klima, sondern auch für seine Sicherung gegen Erdbeben Reklame zu
machen. Dann braucht man die Erdstöße nicht mehr grundsätzlich wie
bisher zu verschweigen, allein schon um das konkurrierende Florida zu über-
trumpfen, das sich gegen die Wirbelsturmgefahr viel weniger zu schützen
vermag. Bauunternehmer und Hausbesitzer werden erkennen müssen, daß
die Ersparnis an Versicherung bei erdbebensicherer Bauweise größer ist als
die bei billiger Konstruktion eingesparten Baukosten. Obwohl die Gefahr
schon immer bestand, hat erst das jüngste Erdbeben die neue Aufgabe,
der Los Angeles gegenübersteht, aufgedeckt, denn die früheren großen
Erdbeben von 1769, 1812 und 1857 trafen eine kaum besiedelte Landschaft,
in· der es vorwiegend einstöckige Adobehäuser gab, die keine Gefahr dar-
stellten. Los Angeles wird sich fortan nicht den Leichtsinn von San Francisco
leisten können, dessen Bauvorschrift, die nach dem großen Erdbeben 190 7
erlassen wurde, nicht einmal das Wort Erdbeben erwähnt. So konnte
es kommen, daß man in San Francisco mit dem Einhalten der Bauvorschrift
immer lässiger wird, je mehr die Erinnerung an das Erdbeben und den da-
durch hervorgerufenen viertägigen Brand schwindet. Für die Hochhäuser
von Los Angeles besteht im Falle eines stärkeren Erdbebens insofern eine
Gefahr, als sie in lockerem Medium fundiert sind, steilgestelltem Pliozän
oder noch lockererem Alluvium, dessen Bewegung im Falle eines Erdbebens
nicht mit der des festeren Untergrundes und des als Einheit reagierenden Ge-
bäudes übereinstimmt. In San Francisco ist die zerstörende Wirkung des
Erdbebens im Bereich quartärer Talfüllungen infolge der schlingernden Be-
wegung um ein Vielfaches größer gewesen als in Gebieten älterer G e s t e i n ~
(Lit. 26, Map 18). Die in Los Angeles vorgeschriebene Grenze der Bauhöhe
für Eisenbeton-Hochhäuser - 45 m, durchschnittlich 13 Stockwerke (Lit. 603,
General Building Ordinance ofL. A., Section 8) ist auf diese Sicherheitsgründe
zurückzuführen. Den Beweis für die Richtigkeit in der Vorschrift hat die
Beschädigung geliefert, die das einzige Gebäude, das sie überschritt, das Rat-
haus, erlitten hat.
Die Bauweise der Industrie- und Lagerhausgebäude ist vorwiegend
rein zweckbedingt. Einige der in den letzten Jahren errichteten Fabriken
wenden die spanische Bauweise mit den gewölbten roten Dachziegeln an, wie
2°4
das Gebäude der Pacific Goodrich-Gummifabrik oder den modernistischen
Stil, der im Falle der U. S. Rubber Co. stark und bewußt an altbabylonische
Vorbilder knüpft. Von anderen Industriestädten unterscheiden sich die In-
dustrieviertel von Los Angeles durch das Fehlen der Fabrikschlote und durch
die damit zusammenhängende Sauberkeit der Gebäude, denn Elektrizität
und Petroleum ersetzen hier die Kohle. Infolgedessen wirkt sich auch die
Dezentralisation der leichten Industrie nicht nachteilig für die umgebenden
Stadtviertel aus. Ein Muster an Sauberkeit und Zweckmäßigkeit der Gebäude
ist das Industrieviertel des dank privater Initiative planmäßig angelegten
"Central Manufacturing District".
Die Filmaufnahmestätten von Hollywood und Culver City sind große
fensterlose Hallen, vielfach von nichtüberdecktem Kulissengelände um-
geben. Kleinere langgestreckte Büro- oder Werkstättengebäude oder hohe
Mauern schließen stets das Gelände der Filmgesellschaften von der Straße
wohl ab. Nur die gewaltigen Hallen ragen darüber empor. Das Bürogebäude
der Warner Bros.-Filmgesellschaft am Sunset Boulevard ist im repräsen-
tativen klassischen Stil erbaut. Hinter der breiten Säulenfront würde der
Europäer eher ein Museum vermuten.
Aufnahmestätten und Gelände der größeren Filmgesellschaften bilden be-
sondere eingezäunte Stadtteile. Ich nenne sie Kulissenstädte. Zwei sind
auf billigem Land in der San Fernando-Ebene hart am Nordfuß des Santa
Monica-Gebirges angelegt worden, während die Fox Film Corporation des
Bodenreliefs wegen ein größeres Gelände im Buenos Ayres-Hügelland an-
kaufte zu einer Zeit, als Westwood Hills noch nicht bestand und das Land
noch billiger war. Diese "Movietone City" der Fox-Gesellschaft würde in
Berlin das Rechteck zwischen Schloß, Brandenburger Tor, Dorotheenstraße
und Französischer Straße ausfüllen. Die Kulissenstadt unterhält einen eigenen
Omnibus, der zwischen ihren beiden Enden, eine Entfernung von 1,5 km,
alle fünf Minuten verkehrt. Nahe dem Südende steht der Komplex der Büro-
und Werkstättengebäude, mit Arsenal, Entwicklungslaboratorien, Projek-
tions-, Filmzuschneide- und Zusammenstellwerkstätten, Film-Prüf theater,
Redaktionsbüro und feuersicherem Filmarchiv. Einen weit größeren Raum
nehmen die neun Tonaufnahmehallen ein. Vierfache Wände machen sie
schalldicht. Pumpwerke besorgen den Luftaustausch, leiten gekühlte Luft
in die Tonbühnenräume. In der Südwestecke des Geländes hat ein japanischer
Architekt das "writers' building" erbaut, umgeben von geschmackvoll an-
gelegter Grünfläche. 43 Filmschriftsteller arbeiten darin. Verstreut über
2°5
die Kulissenstadt liegen eigene Villen einzelner Filmschauspieler, die sie nur
während der Tage oder Wochen ihrer Schauspieltätigkeit bewohnen, während
deren sie sich von den Vergnügungen und gesellschaftlichen Ablenkungen
des Schauspielerlebens fernhalten müssen. Für sie und die Filmdirektoren
unterhält die Kulissenstadt ein eigenes Luxusrestaurant "Cafe de Paris",
das ebensogut in Piccadilly oder am Kurfürstendamm stehen könnte und den
Speisesälen Pariser Luxushotels nicht nachsteht. Unweit davon überragt eine
größengetreue Nachbildung der"Bremen" das Gelände. Gleich daneben
betritt den Trafalgar Square, aus wetterfestem Papiermache in seinen
wahren Größenverhältnissen nachgeahmt. 2600 Menschen konnten sich dar-
auf versammeln, als die Waffenstillstandspsychose gefilmt wurde. Zum Mittel-
und Nordteil des Geländes winden sich die Straßen zwischen mannigfaltigen
Kulissengruppen hindurch, hier eine verschneite Tallandschart, dort die
Rias-Küste Cornwalls. Neben der Wildwest-"Mining Town" steht ein be-
kanntes Viertel von Montmartre oder dem "Quartier latin". Ein französisches
Schloß mit Parkanlage fehlt nicht und erst recht nicht die 47. Straße .von
New York mit der Hochbahn der 9. Avenue. So ist die eigentliche Kulissen-
stadt ein wirres Durcheinander von Papiermache-Fassaderi.
Unvermittelt grenzt die Kulissenstadt auf.der einen Seite an ein modernes
vorwiegend "spanisches" Kleinhaus-Wohnviertel, das die übliche Auflocke-
rungserscheinung zeigt. Auf dem östlich angrenzenden Golfplatz stehen
neben der Kulissenstadt gleich die Vertreter der anderen charakteristischen
Industrie von Los Angeles, die Petroleum-Bohrtürme. Hier auf dem
Wolfskill- oder Beverly Hills-Ölfeld stehen sie in von durchschnitt-
lich 150 m, also etwa 40 Bohrtürme auf den Quadratkilometer. Das ist
bei der Tiefe _ von mehr als 1000 m schon mehr als der nonnale Abstand,
mit dem die Bohrtürme angesetzt werden, wenn sich das Gelände über dem
Ölfeld in der Kontrolle einer Petroleum-Gesellschaft befindet. Bei den.hohen
Kosten einer Bohrung (etwa RM. 300-400 pro Meter) wird ein zu. dichtes
Ansetzen der Bohrtürme in dem Augenblick unwirtschaftlich, in dem das
natürliche. Öl-Einzugsgebiet eines Turms von mehr als einem erfaßt wird. Im
allgemeinen nimmt mit zunehmender Tiefe der natürliche Druck zu, so daß
der Bereich, der von einem Bohrturm ausgepumpt werden kann, mit der
Tiefe größer wird. Dementsprechend ist das townlot drilling nur bei ganz
seichten Ölfeldern wie etwa bei dem alten City field von Los Angeles ge-
rechtfertigt. Di(,! Ölfelder von Dominguez und Long Beach zeigen den Kon-
trast zwischen wirtschaftlicher Ausbeutung und spekulativem townlot
206
drilling deutlich. Beide Felder liegen benachbart über derselben Antiklinale.
Noch auffälliger ist der Gegensatz, wo ein Ölfeld zur Hälfte in der Hand
der großen Gesellschaften ist, zur anderen Hälfte in wilder "townlot"-Kon-
kurrenz erbohrt und erschöpft wird. Ende 1931 standen die Wochenendhäuser
am schmalen Strandsaum zwischen Venice und Playa del Rey in einem
Bohrturmwald, in dem auf eine Fläche von 62 ha 218 Bohrtürme kamen.
In der Marschumnittelbar hinter dem Strand standen auf einer Fläche von
160 ha desselben Ölfeldes nur 29 Bohrtürme! (Lit. 163). Ein ähnliches Bild
finden wir im Ölfeld von Huntington Beach (s. Fig. 12, S.139). .
Der Kulturlandschaftstyp des Ölfeldes zerfällt so entsprechend der Bohr-
turmdichte in zwei Gattungen: den Bohrturmpark und den Bohrturm-
wald. Der Bohrturmpark gestattet zwischen den einzelnen Bohrtürmen die
normale Geländenutzung, sei sie städtisch oder landwirtschaftlich. So stehen
die Bohrtürme im Los Angeles City-Felde in einem Wohnviertel, im Wolfs-
kill-Felde in einem Golfgelände, bei Torrance-Redondo in Gemüsefeldern
und bei Montebello in Agrumenpflanzungen. Im Grundriß des Bohrturm-
parks bedeckt die städtische oder landwirtschaftliche Nutzungseinheit die
Fläche, während die Bohrtürme mit den dazugehörigen Pumphäuschen
punktförmig darin verteilt sind. Erst im Aufriß tritt die Gesamtheit der Bohr-
türme geländebeherrschend in die Erscheinung. Solange der Bohrturmpark
besteht, kann die Nutzungseinheit, die er vorfindet, sich nicht zu einer höheren
Stufe der Entwicklung fortbilden. Er hält die Entwicklung auf oder setzt die
Güte deI' Nutzung herab, wie am Beispiele des Los Angeles City-Feldes ge-
zeigt wurde (s. S. 114).· Befindet sich der Bohrtunnpark in· einem .Fann-
distrikt, so erhält der Landbesitzer so· hohe Pachten oder Ausbeutungs-
abgaben, daß er die Bewirtschaftung seines Landes aufgibt und in die Stadt
zieht. Vielfach verpachtet er seinen Landwirtschaftsbetrieb. Daneben kommt
es vor, daß die Bewirtschaftung ganz aufhört und die Felder dem Unkraut
preisgegeben werden (Lit. 176, S. 189).
Bei einer Bohrtunndichte von über 60 Bohrtünnen pro Quadratkilometer
können wir von einem Bohrturmwald sprechen. Hier bestimmt die eigen-
artige Forin des Bergbaus völlig den Charakter des Landschaftsbildes, be-
herrscht Grundriß und Aufriß. Die vorherigen Nutzungsformen des Geländes
müssen weichen oder können nur an lichteren Stellen des Bohrturmwaldes als
Relikte verkümmert fortbestehen. So muten die "spanischen" Wohnhäuser, die
am Strande südlich Venice während des jüngsten "Building Booms" errichtet
wurden, ganz seltsam inmitten des dichten Bohrturmwaldes an, der hier erst
2°7
seit 1929 entstanden ist. Auf der Signal-Höhe ist noch ein Friedhof mitten im
Bohrturmwalde erhalten und hier und dort vereinzelte Rahmenhäuser, deren
Baustil einen Rückschluß auf den Zeitpunkt der Entdeckung des Ölfeldes er-
möglicht. Im übrigen ist der Bohrturmwald eine reine Industrielandschaft.
Zu den Bohrtürmen und den kleinen Pumphäusern aus Wellblech gesellen
sich die Gaskompressoren und Dampfkessel-Anlagen, die beide zum Pump-
betrieb gehören, - die Gasfallen, Öltanks und ein Durcheinander.von
Röhren, - dann Entgasungswerke (auf dem Long Beach-Ölfeld gibt es
annähernd 100 solcher Anlagen) mit dem typischen Wasserkühlturm, viel-
fältigen metallenen Dampfschloten verschiedener Höhe und Tanks von un-
gleichen Formen. Die Wege, die durch die Vielheit von Bohrtürmen, Well-
blechhäuschen, Kesselanlagen und Tanks hindurchführen, und auf denen
gelegentlich noch ein paar Palmen erhalten sind, weiten sich hier und dort
zu Brachflächen, auf denen manchmal ein Aufseherbüro steht. In den Hohl-
formen des Geländes sind Öl-Lachen und -Tümpel entstanden, oder es werden
Metallreste und Schutt darin abgeladen. Es ist Vorschrift, solche Hohlformen,
wo sie nicht von Natur vorhanden sind, künstlich anzulegen als Öl-Sümpfe
(sump holes)" damit das überschüssige und verdorbene Petroleum nicht
auf die Straßen oder anderes benachbartes öffentliches oder privates Ge-
lände abfließt (Lit. 189)' Nirgends sieht man Menschen. Nur in den Pump-
häusern sind gelegentlich ein oder zwei Mann anzutreffen .. Das langsame
Knarren des auf und nieder gehendenStangenwerks, das vom Pumprade
bewegt wird, der Kurztakt des Dampfpuffens und der durchdringende
Petroleumgeruch beherrschen die Szene.
Die Bohrturmlandschaft ist infolge der vollständigen Erschließung und
Ausbeutung der Erdölvorräte des Los Angeles-Beckens nur eine vorüber-
gehende Erscheinung. Schon nach einem Menschenalter mag sich das Bild der
Kulturlandschaft, dort, wo es heute von dem Bergbau auf Erdöl beperrscht wird,
vollständig geändert haben. Bergbaurelikte wie Halden oder alte Schächte
werden nicht mehr vorhanden sein. Die Lizenzen schreiben vor, daß 30 Tage
nach Aufhören des Pumpens der Bohrturm abgeräumt sein muß. Das Ge-
lände muß in den Zustand zurückversetzt werden, in dem es sich bei Ertei-
lung der Bohrlizenz befand (Lit. 189). Den Typ des sterbenden Ölfeldes
repräsentiert das Salt Lake field. Das Vordringen der Stadt in den Bereich
des Ölfeldes hat verhindert, daß bei Nachlassen der vorhandenenÖlquellen
neue, tiefere, erbohrt wurden. So ist die Zahl der Bohrtürme dieses Feldes
von 1920 bis 1927 von 267 auf 98 zurückgegangen (Lit. 126, S. 132). 1933
waten nur noch etwa ein Dutzend vorhanden. Das städtische Straßennetz
ist bereits hindurchgelegt worden, ohne deh Bohrtürmen auszuweichen.
Ein Bohrturm mit Pumphaus steht' mitten in der fertig betonierten Haupt-
verkehrsstraße, dem La Cienega Boulevard, und der starke städtische Auto-
verkehr benutzt sie bereits. Auf dem Brachland-Rest nQrdlich des Hancock-
Park werden die Pump- und Dampfkessel-Anlagen abtransportiert, die Öl.
sümpfe abgebrannt;
Vom Ölfelde wird das Rohpetroleum zur Tankanlage oder gleich zu den
Raffinerien gepumpt, deren Lage von der Nähe zur Eisenbahn oder zum
Hafen bestimmt wird. Die Standard Oil Company hat ihre großen Raffinerie-
Anlagen im Bereich der alten: Dünen des Inglewood Redondo-Küstenvor-
landes angelegt. Hier konnte sie in der Nähe des Hauptabwässerkanals von
Los Angeles billiges Land erwerben und ihren eigenen Verladepier errichten.
Nach Richmond bei San Francisco ist die südkalifornischeRaffinerie die
:zweite der Gesellschaft, daher der Name der Industriesiedlung "EI Segundo",
heute eine saubere kleine Arbeiterstadt von 3500 Einwohnern. Die Raffinerie
nimmt allein 520 ha Fläche ein (Lit.764, 1931). Die Mehrzahl der Raffi-
neriendagegen liegt in der Hafen-Ebene, 'entweder am Hafen selbst oder
gerade zwischen der Dominguez-Antiklinale und Wilmington. Hier ist beider-
seits des Schienenbündels der Southern Pacific und Pacific Electric-Bahn
die Raffinerie-Siedlung Watson entstanden und in dem Maße angewachsen,
in die Petroleumförderung der benachbarten . Ölfelder Die Asso-
ciated, Pan Arnerican, Shell, Texas und Union-Öl-Gesellschaften haben das
Industriegelände von Watson besiedelt.
Der' schlagartigen Erschließung der Erdölfelder ist die Errichtung von
(tank farms) gefolgt, die en.tweder bei den
Raffinerien oder in . ihrer Nähe entstanden sind. Sie sind die notwendige
Folge der überproduktion. Der frühere kleine hölzerne Tank, der 5000 Faß
(7500 hl) aufnahm, ist ganz vom modernen Metalltank mit 80000 bis
180000 Faß (125000 bis 280000 hl; Lit. 159, S. IIO/III) und von
50 m Durchmesser verdrängt. Der Tank tritt selten allein
auf. Bis zu 20, 30 oder mehr Tanks stehen zusammen in Reihen zu 2, 3 oder
4 ausgerichtet, oft im Quadrat oder Rechteck. Jeder Tank steht, aus Gründen
der Sicherheit gegen' Feuer, in der Mitte eines quadratischen von Dämmen
umrahmten Feldes. Noch eigenartiger wirken die versenkten Riesentanks aus
:Beton, die bis 4 Millionen Faß halten (6,2 Mill. hl.; Lit. 159, S. IIO/III).
Sie' werden bis zu 360 m lang und 180 m breit. Im Landschaftsbilde
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erscheinen sie als einzelne bis zu 1/2 ha große Betonflächen, von breitem
Damm umgeben und im Kreis oder Oval von Blitzableitern umstanden.
Nach Behandlung der wichtigsten und für Los Angeles typischen Formen
der Wohnhäuser, Geschäftshäuser und Industrieanlagen bleibt noch eine weite
Teile des Aufrisses beherrschende Erscheinung zu betrachten: die Geschäfts-
reklame. Abgesehen von der üblichen Reklame in den Hauptstraßen',des
Hochhausviertels der Innenstadt und der größeren Randstädte tritt sie überall
dort beherrschend auf, wo das Geschäftshaus oder die Industrieanlage nur vor-
läufigen oder vorübergehenden Charakter haben, wo das Geschäftshaus ein
veraltetes Gebäude ist, und erst recht da, wo gar kein Gebäude vorhanden ist,
sondern sich das Geschäft auf unbebautem Grundstück abspielt., So betont
gerade das Reklameschild das Unfertige der Stadtlandschaft. Seine beherr-
schende Stellung wird mitbedingt durch die Menge der unbebauten Grund-
stücke einerseits, durch die Intensität des Verkehrs andererseits. Jeder Ge-
schäftsmann läßt sein Reklameschild so malen, daß der rasch vorbeifahrende
Automobilist es mit einem Blick lesen und in der Erinnerung von den vielen
anderen Schildern unterscheiden kann. Daher rührt einmal die Größe der
Schilder und, die schreiende Schrift und zum andern die Originalität der
Ausführung und die eigenartigen Formen der Reklame. Die Riesen-Reklame-
tafel welche die Breite eines Grundstücks einnehmen kann und die nachts
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beleuchtet wird, ist sozusagen die Standard-Form der Reklame. Ganze Reihen
solcher Tafeln können entlang den Hauptverkehrsstraßen stehen. Die Reklame.;
tafel preist in der Regel einen Markenartikel an, vom Kaugummi bis zum
Automobil, oder eines der erstklassigen Geschäfte der Innenstadt.' Andere
können sich diese teure Propaganda, die von einer Reklametafel-Gesellschaft
besorgt wird, nicht leisten.
Viele Kettengeschäfte geben ihren Filialläden, die sie an den Verkehrs-
straßen in allen Teilen der Stadtlandschaft unterhalten, eine bestimmte Er-
kennungsform. So haben die Van de Kamp Holland-Dutch Bakers sämtliche
90 Zweiggeschäfte als blau und weiß gescheckte holländische Windmühlen
gebaut und die Verkäuferinnen in holländische Tracht eingekleidet. Jede
Petroleumgesellschaft hat für ihre Tankstellen, von denen es in der Stadtland-
schaft 1929 mindestens 2500 gab (s. S. 223), eine bestimmte möglichst schreiende
Farbe gewählt, manche, wie die Standard Oil Co. auch einen geschmackvollen
Streifen. Die vielen Frühstücksbüfetts, die in der Nachkriegszeit plötzlich a u f ~
gekommen sind, können den Automobilisten nur dadurch zum Halten bringen>
daß sie ihn neugierig machen. Deshalb geben sie ihrem Büfett:"Stand eine
210
I
!
(
i
möglichst groteske Form. So kann man im Zeppelin, im Eisberg, im braunen
Derby-Hut oder anderen "einmaligen Budenformen" die Tasse Kaffee oder
das eilige Mittagessen einnehmen. Auch das allgegenwärtige Grundstücks-
maklerbüro wählt vielfach eine vom Üblichen abweichende Kleinhausform.
Dort, wo die Verkehrsstraßen aus dem Geschäftszentrum heraustreten oder
weruger gute Vorstadtwohnviertel durchqueren, reiht sich eine unscheinbare
Geschäftshütte neben die andere, alle mit' Reklameaufschriften übersät.
'Drogerien, Schusterläden, Hut- und Kleiderreinigungs-Werkstätten und
Färbereien, Billardhallen, kleine Restaurants, Limonadenbüfetts, Althändler-
läden, Schuhputzstände, Barbiere, Mechanikerwerkstätten und billige Kinos
wechseln miteinander ab. Unterbrochen werden sie von Autoparks, Altauto-
verkaufsständen, Reifenverkaufsständen und Tankstellen. Autoschlachthöfe
treten in der Stadt meist zu mehreren auf oder nutzen am Stadtrande Hohl-
formen des Geländes entlang den Ausfallstraßen. Zu der Mannigfaltigkeit aller
dieser geschäftlichen Nutzungserscheinungen und den Reklameüberschriften
in allen Farben und Formen kommen die unförmigen Pfosten und das Draht-
werk der Telephon- und Lichtleitungen. Das Gesamtbild der Verkehrsstraßen
dieser Gegenden, wohl die unerfreulichste Erscheinung der amerikanischen
Großstädte, tut dem Auge ebenso weh wie der unausgesetzte Straßenlärm der
Verkehrsstraßen, das Schellen der Verkehrssignale und das Schreien der Zei-
tungsjungen dem Ohre, der Automobilauspuff dem Geruchsinne. Die Be-
bauung entlang den Hauptverkehrsstraßen bleibt auch dort von der Reklame
beherrscht, wo sie gegen den Stadtrand hin lockerer wird. Schließlich be-
gleitet die Reklame die Autostraßen über das freie Land hinweg. Mit Unter-
brechungen erscheinen immer wieder' Tankstellen, Mechanikerwerkstätten,
Frühstücks- und Limonadenbüfetts.
Zu einer Gliederung der Stadt in Stadtviertel gelangen wir, wenn wir
Aufriß und Nutzung flächenhaft betrachten und vorwiegend Gleiches zu-
sammenfassen. Eine Stadt ist stets ein lebender, unfertiger Organismus, Los
Angeles ganz besonders. Die Nutzungseinheiten durchdringen sich. Die jungen
Planungskommissionen vermögen nur den Augenblicksstand der Durchdrin-
gung zu fixieren, für neue Stadtteile den Grad der Durchdringung im Voraus
festzulegen und die als Einfamilien-, Mehrfamilien- oder Mietshaus-Wohn-
viertel festgelegten Gebiete vor dem vorzeitigen Eindringen von Mehrfamilien-,
Miets- oder Geschäftshäusern zu schützen.
Die Entwicklung der idealen amerikanischen Stadt ist einer radikal fort-
schreitenden Wellenbewegung vergleichbar. Burgess unterscheidet 5 Zonen:
2II
1. Das Geschäftszentrum (die "City'" in Amerika "Downtown" genannt),
um das sich 4 Wellenkreise legen.
2. Eine Übergangszone, in die zweitklassige Geschäfte, Großhandel, Garagen
und leichte Industrie und Gewerbe eindringen, ehemaliges Wohnviertel mit
Wohnhaus-Relikten.
3. Zone der inneren Arbeiter- und Angestellten-Wohnviertel, soweit diese
Einwohnergruppen nicht in der 2. Zone wohnen; zugleich Mietsstubenzone.
4. Die Zone der besseren Wohnviertel, mit Mietshaus- und Einfamilienhaus-
Bezirken.
5. Die Zone der vor- und randstädtischen Arbeiter-, Angestellten- und besseren
Wohnviertel.
Mit dem Anwachsen des Geschäftszentrums rücken die Wellenkreise radial
vor, gleichzeitig breiter werdend. Es entsteht eine Zonensukzession (Lit.616,
S. 50). In dem Maße, in dem die 2. und 3. Zone in die nach außen benach-
barte Zone eindringen, kommt die vorha.ndene Bebauung herunter. Nur teil-
weise treten an ihre Stelle Gebäude, die den neuen Nutzungen von vornherein
entsprechen. Ehemalige Villen werden zu Mietsstubenhäusern, Arbeitetwohrt- '
häuser zu Schneider- und anderen gewerblichen Werkstätten. Das Geschäfts-
zentrum dagegen duldet keine ehemaligen Wohnhäuser, so daß sich hier
Relikte alter Bebauung nicht erhalten. Das führt dazu, daß die Zone alter
Bebauung, die das Geschäftszentrum und die Geschäftshäuser der angrenzen-
den Übergangszone umgibt, zur Zone des Bebauungsverfalls wird, zum Spe-
lunkenviertel. Es ist das Viertel des mittellosen Zuwanderers. Mit der Besserung
seiner wirtschaftlichen Lage verlegt er seinen Wohnsitz immer weiter nach außen.
Innerhalb der einzelnen Zonen bilden sich lokale Differenzierungen heraus.
In derÜbergangszone läßt sich ein Gebiet billiger Mietsstuben der "Unter-
welt" herausschälen, Italiener-, Juden-, Chinesen- und Negerviertel. Das
Negerviertel setzt sich radial über die beiden nächsten Zonengrenzen fort. In
der 3. Zone, dem inneren Arbeiter- und Angestellten-Wohnviertel, werden wir
etwas bessere Fremdenviertel antreffen. Mittelmäßige Hotels, Pensionen, Miets-
stubenhäuser und "flats" (Zweifamilienhäuser) haben Anteil an dieser Zone.
Am inneren Rande der 4. Zone, der Zone der besseren Wohnviertel, werden sich
bessere Mietshäuser anreichern, die in die Villenviertel, zonar von Wohnhotels
durchsetzt, übergehen, an die sich nach außen die Kleinhauszone anschließt.
In Wirklichkeit modifizieren Bodenrelief, Lage der Eisenbahnen und der
Industrie sowie Dichte der Ausfallstra.ßen die Zonenanordnung. Die Zusam-
mensetzung der Bewohner entspricht nicht dem Idealfalle, deshalb weichen
212
-
'.
0 .. , ---., ....... __ MILOMETER
o 1.
"ml"" Morphologische Grenzen •
-- Grenun dIr vorwiegenden
----- Grenzen der Güte oder des der Bebauung
""'JI,."" TrQckeni>ellen der Flüsse
P 'Plaza
Verwaltungshochhausvierte.l im EntSotehe:n
uRSchäftshochhäuser vorwiegend mOder vertinnlt 4lJ)
Guchäft. - und Lagerhäuser vorherrschend
Industrie vorherrschend
WOhnviertel. randlich m, Od. durchsetzt
Wohn viertel. m.Oeschäit,n u. halböf(,nfllchen Oebäuaen durChsetzt
.... • Heutiger Stadlmillelpunkl
WOhnvierte.I" von,ue.sthäften nur linea.r durchq,uert
'Verwaltungs.enlrum und }_ UR-LOS AtlliELES F="'="l,
$üdl. Tri! der Sonora -Town (1850 -18bO ) Wobn vi er tel • L Umwancilung Z. Miet$haus .. u. Dur,hgangsvqrkehrs:cne
.--·····Bebauungsrcllld VDn ALT-LOS AN6ELES (UmISSO) Park
o
Brachland vorherrschind
Fig. 14. Die Innenstadt von Los Ange1es (Gliederung in Stadtviertel)
21 3
auch die Differenzierungen innerhalb der einzelnen Zonen davon ab. So läßt
sich in der Innenstadt von Los Angeles nur hier und dort die Zonen-
entwjcklung des Idealfalls feststellen (s. Fig. 14, S.213)·
Überschwemmungsgefahr auf der Flußterrasse und morphologisch be-
dingte Einengung im Norden und Nordwesten haben dem Wachstum des
alten Los Angeles ganz einseitig südwestliche Richtung vorgeschrieben.
Das hatte zur Folge, daß sich auch das Zentrum nach Südwesten vorschob.
Als auch die höheren Teile des Stadtgebiets mit Wasser versorgt werden
konnten, entwickelten sich auf dem westlichen und östlichen Hügellande
bessere Wohnviertel. Einen Schnitt in der normalen Entwicklung der Stadt-
viertel bedeutete aber die Anlage der Eisenbahnen auf beiden Ufern des
Trockenbettes des Los Angeles-Flusses, an die sich, besonders auf dem Westufer
zwischen Bahnkörper und Flußbett die Industrie anlehnte. So haben sich
Schlachthäuser, Brauereien, Eisenbahnwerkstätten, Gasanstalt und schwere
Industrie frühzeitig im Anschluß an das Eisenbahngelände auf der Über-
schwemmungsterrasse zwischen Alameda Street im Westen und Oberer Ost-
seite im Osten angesiedelt. Die langgestreckte Industriestadt verstärkt die .
Trennung von Ost- und Westseite, die schon das Trockenbett hervorruft. Die
Wohnviertel, die nun im Lee der Industrie lagen, mußten notwendig zum Ar-
beiter- und Angestellten-Wohnviertel herabsinken, in dem das fremde Element
vorherrscht, Italiener und Mexikaner in East Los Angeles, Juden, Mexikaner,
Japaner und Italiener auf der Oberen Ostseite. Auch die Korridorstadtviertel,
die im Lee der Stadtentwicklung liegen und die von Eisenbahn und Ausfall-
straßen durchzogen werden, gehören in diese Zone, wenn auch Italiener und
Mexikaner hier weniger vorherrschen. Industriestadt und Geschäftsstadt
konvergieren zum Scheitel des Schuttkegels hin und treffen sich nahe der
Plaza. In den Winkel zwischen Niederterrassenrand und Alameda Street
schiebt sich die Übergangszone, die zwischen dem Southern Pacific-Bahnhof,
der am Westrande der Industriestadt liegt, und dem Geschäftszentrum zum
Viertel billiger Hotels, Mietsstuben und Althändler wird. Die Spitze des Keils
ist schon weitgehend vom Großhandel, Lagerhäusern und leichter Industrie
eingenommen, die südwärts fortschreitend zunächst flächenhaft, dann linien-
haft und schließlich punktförmig mit einzelnen Garagen, Wäschereien oder
Werkstätten in das im Verfall begriffene Wohnviertel, den nördlichsten Teil
der Unterstadt, vordringen. So vollzieht sich allmählich der Übergang zum
Wohnviertel der Unterstadt, das in die nächstbessere Zonenstufe einzuordnen
ist. Durch die Unterstadt zieht sich beiderseits der Central Avenue das
2 14
Negerwohnviertel, dessen Rahmenhäuser nach Süden fortschreitend einen
immer besseren Charakter annehmen.
Im Lee des südwestlich sich fortentwickelnden Geschäftszentrums ist sozu-
sagen ein Vakuum entstanden. In das ehemalige Geschäftszentrum zwischen
Plaza und 1. Straße sind mit dem mexikanischen Element Großhandel,
billige Geschäfte und billige Vergnügungsstätten nachgerückt. Vor dem Süd-
ausgang des Broadway-Tunnels stand das Rathaus und das Gebäude der Kreis-
behörden (Hall ofRecords). Die Millionenstadt bedarf heute eines viel größeren
Behördenapparates. Man legt daher einfach das Stadtviertel nieder, trägt den
Rand des einengenden Hügellandes ab und schafft ein ganz neues Straßennetz.
Das moderne Streben der amerikanischen Städte nach einem planmäßig an-
gelegten Verwaltungszentrum mit repräsentativen Behördenhochhäusern auf
weiter Grünfläche wird hier in großzügiger Weise erfüllt. Ein achtundzwanzig-
stöckiges neues Rathaus, ein Gebäude der kalifornischen Staatsbehörden und
ein Gerichtsgebäude stehen bereits. Von alten Gebäuden dieses Stadtviertels
soll nur die kleine Plazakirche erhalten bleiben. Zu dem Plane gehört die
Anlage eines Zentralbahnhofs, dem am Ostrande der Plaza das Chinesenviertel
weichen muß. Im Lee des Geschäftszentrums gelegen, hat die Sonora Town
seit 1880 nur insofern eine Wandlung durchgemacht, als ein Teil der Adobe-
häuser durch Rahmenhäuser ersetzt wurde, entlang dem North Broadway, der
eine "Verdichtung der Läden eingetreten und an der
North Spring Street leichte Industrie eingedrungen ist. Seitdem die Industrie-
gebäude am Nordrande der Sonora Town niedergerissen sind, ist der alte
Stadtrand gegen das Brachland der Elysischen Höhen fast wieder unverändert
vorhanden. Die südlichen Elysischen Höhen sind noch heute Stadtrandzone,
obwohl sie mitten in der Innenstadt liegen. An ihren Hängen und in einer
Talweitungdes Innern sind dürftige Mexikanersiedlungen entstanden. Im
Norden bildet der Elysische Park den Abschluß dieser Leeseite. Das westliche
Hügelland ist bis in die Gegenwart ein Hemmnis für die Ausdehnung des
Geschäftszentrums gewesen. Die Oberstadt hat deshalb erst sehr spät und
nur randlich ihren Villencharakter geändert. Nur in der Zone des "oil belt",
der ostwestlich durch die Oberstadt zieht, ist frühzeitig das vorhandene
Wohnviertel verkommen und die weitere Bebauung gehemmt worden. Nördlich
der Ölzone hat sich der gute Wohncharakter des Stadtviertels um so mehr
erhalten, je höher die Wohnstraße liegt und je geringer die Möglichkeit des
Zuganges zur nächsten Verkehrsstraße ist, auch wenn diese unmittelbar
parallel läuft. In den höheren Lagen der Elysischen Höhen entwickelt sich
2 15
die Oberstadt noch heute als besseres Wohnviertel. Anders am Südrande.
Hier ist auf dem Bunker Hill, der unmittelbar über dem Geschäftszentrum
liegt, das ehemalige vornehme Wohnviertel zum Mietshaus- und Wohnhotel-
viertel geworden, dessen Güte von Süden nach Norden abnimmt, um schließlich
in ein Mietsstuben- und Ausländerviertel überzugehen. Seitdem man eine
Reihe von Tunnels in ostwestlicher Richtung durch den Bunker Hill gebaut
und die Anschlußstraßen nach Westen erniedrigt hat, wird heute die süd-
liche Oberstadt auch westlich des Arroyo de los Reyes zum Angestellten-
und Mietshausviertel etwas besseren Charakters. Der Grad der Veränderungen
des ehemaligen Villenviertels nimmt nach Süden immer mehr zu, bis auf der
Westlake-Terrasse die ehemalige Villa ganz zurücktritt. Hier drängt sich der
Hauptverkehr nach dem Westen zusammen. Mietshochhäuser, deren Zahl nach
Westen zunimmt, Wohnhotels und eine intensivere Geschäftsentwicklung an
der 6. und 7. Straße kennzeichnen dieses Stadtviertel. Die Westlake-Terrasse
ist das Verbindungsstück zwischen dem Hochhauszentrum der Innenstadt
und den neuen Geschäftszentren, die entlang dem Wilshire Boulevard in
der westlichen Außenstadt entstanden sind. Die südlich anschließende
Westvorstadt ist wieder weniger verändert. Sie hat ihren ursprünglichen
Charakter vielerorts noch vollständig bewahrt. In der Außenstadt westlich
der Normandie Avenue bildet der Terrassenrand der Hollywood-Platte eine
auffallend markante Scheide zwischen Westvorstadt und Südwestvorstadt.
Oben liegen große Grundstücke, vornehme Villen, herrscht dünne Besiedlung,
unten kleine Grundstücke, einfache Kleinhäuser, dichte Besiedlung, zum Teil
Japanerviertel. Die Südwestvorstadt hat in ihrem altbebauten Teil in der
Innenstadt um die West Adams Street noch ihren alten vornehmen Charakter
bewahrt, während sie in ihrem übrigen, in der Innenstadt gelegenen Teil
zur Zone des Angestellten- und Arbeiter-Wohnviertels geworden ist mit den
zu dieser Zone gehörigen Pensionen. Im allgemeinen nimmt die Güte von
Westen nach Osten und von Süden nach Norden ab. Die Grenze gegen das
Hochhausgeschäftszentrum wird durch den breiten Gürtel des intermediären
Geschäftsviertels gebildet, in dem zweitklassige Geschäfte, Großhandel,
leichte Industrie, Automobilzubehörläden, Garagen und Autoparks vorwiegen.
Ein- und zweistöckige Häuser herrschen vor, so daß der Schnitt im Aufriß
an der Grenze des Hochhausviertels fast ebenso markant ist wie im eigent-
lichen Großhandels-und Lagerhausviertel, das sich nördlich an die Unter-
stadt anschließt. Charakteristisch für die Südwestvorstadt innerhalb der
Innenstadt sind die halböffentlichen Gebäude, die hier in größerer Dichte
216
I
auftreten als in anderen Stadtvierteln. Dazu gehören in erster Linie Kirchen,
Vereinshallen, Theater, und Begräbnisinstitute.
Am Südwestrande der Innenstadt liegt in der Südwestvorstadt der Exposi-
tion Park mit den Museen und dem Olympischen Stadion und nördlich davon
das Universitätsviertel der University of Southern California, die 1880
an dieser Stelle, die damals weit vor der Stadt lag, gegründet wurde. Eine
Reihe stattlicher Universitätsgebäude und eine Bibliothek sind hier zum
Teil im neuen mediterran-romanischen "Universitätsstil" der Nachkriegszeit
erbaut worden., Viel größer ist das neue Universitätsviertel der University
of California at Los Angeles im Buenos Ayres-Hügelland. Noch qrei
weitere Hochschulen mit eigenem Gelände liegen im Bereiche der Stadt-
landschaft. Wenn man von der Pomona-Universität in Claremont absieht: die
Loyola University auf dem Playa del Rey-Steilhang, das Occidental College
am Rande der Highland-Höhen unweit Eagle Rock und das Pasadena In-
stitute of Technology in Pasadena. Auch die bekannte Huntington Library,
und die ebenfalls von Huntington gestiftete Bildergalerie liegen in eigenem
Gelände, dem Parke des Huntington Estates' in San Marino.
Die gesamte Außenstadt, d. h. die Stadtlandschaft außerhalb der Innen-
stadt, ist in erster Linie Wohnstadt, aus der acht kleinere oder größere Hoch-
haus-Subzentren herausragen. Die Stadtlandschaft ist so ausgedehnt, daß sich
trotz der überragenden Bedeutung des Zentrums der Innenstadt auch in der
Außenstadt an vielen Punkten, zum Teil an Stellen alter Siedlungskerne Zonen
auffallender Siedlungsverdichtung herausgebildet haben, die ich als Subzentren
bezeichne. Das Kennzeichen eines Subzentrums (subcenter) ist lokale An-
häufung von Geschäften, im vorgeschrittenen Stadium Hochhausentwicklung,
also örtliche Citybildung. Man könnte das Subzentrum auch "City zweiter
Ordnung" nennen. Der Begriff "City'<, der aus dem englischen, speziell
Londoner Sprachgebrauch in die deutsche stadtgeographische Nomeri.k1atur
übernommen wurde, ruft bei amerikanischen Städten Uri.k1arheit hervor.
Was in England "City" genannt wird, heißt in Amerika "Downtown". Da-
gegen bezeichnet in Amerika das Wort "City" einen Bezirk mit selbständiger
städtischer Verwaltung und darf nicht daneben eine zweite Bedeutung er-
halten. Denn nicht jedes städtische Subzentrum ("City" nach britischem
Sprachgebrauch) liegt in einer verwaltungsmäßig selbständigen Stadt ("City"
nach amerikanischem Sprachgebrauch). Umgekehrt hat auch nicht jede Stadt
mit selbständiger Verwaltung (amerikanisch: "City") ein Geschäftszentrum
oder -subzentrum. In der Stadtlandschaft von Los Angeles sind heute 38
2 I 7
"Cities" (nach amerikanischem Sprachgebrauch) enthalten. Manche von ihnen,
wie die "City of Signal HilI" und die "City of Vernon", haben aber kein
Subzentrum. Manche Subzentren dagegen wie West Hollywood und Altadena
sind noch heute keine "Cities". Das Beispiel von Pasadena zeigt, daß der
Begriff Subzentrum sich auch nicht mit dem Begriff "Siedlungskern" deckt,
solange diesem ein bestimmter genetischer Sinn zukommt (s. S. 97).
Außerhalb der Subzentren ist die Außenstadt meist weitständig gebaut,
aufgelockert, hier und dort von unbebautem Gebirge, Höhen, brachliegen-
dem oder landwirtschaftlich genutztem Flachland, Industrievierteln oder.
Bohrturmwäldern unterbrochen. In der Innenstadt ansetzend legt sich über
die ein Netz von Haupt- und Nebenverkehrsstraßen, die Ge-
schäftsstraßen in allen Stadien der Entwicklung darstellen. Bei dem raschen
Wachstum der Stadt sind viele ehemalige Wohnstraßen zu Verkehrsstraßen
geworden und machen einen Prozeß der Umbildung zur Geschäftsstraße
durch. Die Umbildung beginntan der Kreuzung von zwei Verkehrsstraßen.
Wenn hier Wohnhäuser stehen, werden sie niedergerissen oder abtransportiert,
und die vier Ecken werden bald von zwei konkurrierenden Tankstellen und .
zwei konkurrierenden Drug stores I) eingenommen. Manchmal tritt auch eine .
Lebensmittelverkaufshalle, Frühstücksbüfett, Tabakladen oder Maklerbüro
an die Stelle der einen Tankstelle oder "Drogerie". Die seitlich anschließenden
Wohnhäuser treten langsamer in den Prozeß der Umbildung ein. Vom Eckladen
aus fortschreitend erscheinen allmählich vor den Bungalows Schilder, die dem
Vorüberfahrenden sagen, daß er hier Kanarienvögel, Antiquitäten oder Auto-
reifen kaufen kann, daß hier ein Spiritistertprediger wohnt, ein Chiropraktiker
seinen Berufausübt, Musik- oderTanzunterricht erteilt wird, oder der Bewohner
des Bungalows sich auf das Zubereiten von Hühnergerichten besonders gut
versteht. Mit Vorliebe baut man die alten Möbel, Autoreifen oder sonstigen
Verkaufsgegenstände vor dem Hause auf. Allmählich werden diese Geschäfte,
die vom Privathaus aus betrieben werden, gegen die Mitte des Straßen-
abschnitts gedrängt. Denn von den Ecken her rücken jetzt einstöckige
aus Backstein errichtete Geschäftshäuser vor und ersetzen die Wohnhäuser.
Da siedeln sich Zweigläden von Lebensmittelkettengeschäften an, Milch-
geschäfte, Barbiere, Radioläden, Schusterwerkstätten, Cafes, Schneiderläden,
Eisenwarenläden, Restaurants, Bäckereien und Automobilzubehörgeschäfte.
Ist die Geschäftsentwicklung einmal soweit fortgeschritten, dann suchen
die Tankstellen eine vorläufig noch weniger von Geschäften umsiedelte
I) Erklärung s. S. 165 Anm.
218
.
Kreuzung auf. An ihre Stelle treten zwei konkurrierende Bankfilialen.
Damit werden die Geschäftseckhäuser zweistöckig, manchmal auch drei-
stöckig. In den Obergeschossen unterhalten Zahnärzte und Ärzte ihre Büros
und Sprechzimmer. Bald erscheint auch ein Kino in der Nähe. Dann ist
das "Neighborhood Business Center" fertig. In einer selbständigen Randstadt
kann sich daraus ihr Geschäftszentrum mit Hochhäusern an den Ecken
herausbilden. Im eingemeindeten Stadtgebiet von Los Angeles konnte solch
ein Hochhauszentrum an der Kreuzung der beiden verkehrsreichen Straßen
der Westvorstadt,Wilshire Boulevard und La Brea Avenue, entstehen. Rings
um das so entstehende lokale Geschäftsviertel tritt eine Bevölkerungsverdich-
tung ein, die sich in dem Erscheinen von Mietshäusern und, bei Hochhaus-
entwicklung des Geschäftsviertels, Mietshochhäusern ausdrückt. Die so
automatisch vor sich gehende Entwicklung wird in neuen Stadtvierteln von
den städtischen Zonungskommissionen von vornherein festgelegt, so daß
nicht erst Wohnhäuser entlang den künftigen Geschäftsstraßen entstehen,
sondern die Grundstücke brachliegen bleiben, bis die Besiedlung im Umkreis
soweit fortgeschritten ist, daß sie eine Geschäftsentwicklung über die Ge-
schäftsecke hinaus rechtfertigt. Dann entstehen gleich zweckentsprechende
Geschäftshäuser, und die geschäftliche Nutzung ehemaliger Wohnhäuser
unterbleibt.
In Gebieten intensiven Durchgangsverkehrs wie in . Hollywood ist eine
zonare Sonderung dadurch. eingetreten, daß die drei belebtesten Ostwest-
Verkehrsstraßen verschiedenen Verkehrscharakter besitzen. Hollywood Boule-
vard, dessen Anwohnern es gelang, die Straßenbahn zu erhalten, die sonst
vielleicht durch Sunset Boulevard gegangen wäre, ist auf Fußgänger eingestellt,
ist die Bummelstraße mit Cafes, Restaurants, vornehmen Detailgeschäften und
den Banken. Sunset Boulevard, der die Hauptmasse des Durchgangs-Automobil-
verkehrs durch Hollywood mich Westen hindurcheilen läßt, hat dagegen mehr
Autoparks, Automobil-, Autovorschuß-, Reifen-, Zubehörgeschäfte, die Han-
delskammer von Hollywood, Klubs, Kirchen und andere halböffentliche Ge-
bäude. Am Santa Monica Boulevard, durch den die elektrische Schnellbahn
fährt, hat sich außer einer Reihe von Filmgesellschaften die leichte Industrie
von Hollywood angesiedelt mit Werkstätten verschiedener Art, Zweigstellen
größerer Fabriken, Holzstapelplätzen und kleineren Fabriken, die Anschluß-
gleise an die elektrische Schnellbahn haben. Während der Nachtstunden
besorgt die elektrische Bahn den Güterverkehr und bringt die Güterwagen
der Eisenbahn heran.
219
Die Wohnstraßen der Stadtlandschaft unterscheiden sich von den Wohn-
straßen europäischer Städte nicht nur durch die Bauweise der Häuser, son-
dern auch durch das Fehlen der Gartengitter. Die Straße macht einen breite-
ren, freieren Eindruck, denn unwillkürlich bezieht man die Rasenfläche vor
den Häusern mit in das Straßenprofil ein. Dazu kommt, daß sich vielfach
am Außenrande des Bürgersteigs ein zweiter baumbestandener Grünstreifen
entlang zieht. Der freiere Eindruck wird erhöht durch die geringe Höhe der
meisten Wohnhäuser.
Am Strande von Santa Monica, Ocean Park, Venice, Manhattan Beach,
Hermosa Beach, Redondo Beach und Long Beach haben sich Strandver-
gnügungsviertel vor den landeinwärts auf höherem Gelände gelegenen
Geschäftsvierteln dieser Küstenstädte entwickelt. Der Vergnügungssteg mit der
Achterbahn und die mannigfaltigen von Reklame übersäten Verkaufs-, Ver-
gnügungs- und Büfettbuden geben diesen Vergnügungsvierteln ein buntes un-
ruhiges Gepräge. Ein großer Teil des Sonntagsverkehrs der Stadtlandschaft
ergießt sich in diese Strandviertel. An diesen Tagen liegen die Menschen am
Strande dicht gedrängt. Die Strandstädte erfahren allsommerlich eine Be-
völkerungsvermehrung, da viele Bewohner der Stadt während "der Bade":
saison in mietbarenBungalows am Strande wohnen. So sind Manhattan
Beach, Hermosa Beach und Seal Beach charakteristische
Ganz aus dem Stadtbilde heraus fällt der Hafen, der 30 km vom Stadt-
mittelpunkt entfernt liegt. Obwohl Los Angeles der Tonnage nach der zweite
Hafen Nordamerikas ist, macht die Stadt den Eindruck einer Binnenstadt.
Los Angeles hat nicht das Gepräge der typischen Hafenstädte wie San Fran-
cisco, New Orleans oder New York. Die Siedlungen des Hafengeländes von
Los Angeles bilden eine Kleinlandschaft für sich. Die künstlich ausgebaute
und begradigte Mündung des Los Angeles-Flusses trennt sie von den
Geschäfts-, Strand- und Wohnvierteln von Long Beach, die Dominguez-
Antiklinale von den Ausläufern der Südvorstadt von Los Angeles. Um den
Hauptkanal des Hafens, von dem verschieden geformte Becken ausgehen,
sich die vier San Pedro, Wilmington, Long
Beach westlich des Los Angeles-Flusses und Terminal Island mit East San
Pedro. San Pedro ist Hafenarbeiterstadt, Wilmington Industriearbeiterstadt.
Auf Terminal Island hat der Badeort Brighton Beach, der um die Jahrhundert-
wende gern besucht wurde, seinen Strand verloren, denn in dem Maße
.. "
In dem das Hafeninnere ausgebaggert wurde, ist auf der Seeseite der Insel
aufgefüllt worden (s. Fig. 11, S. 125). Am Südwestende von Terminal !sland,
220
wo der Fischereihafen liegt, ist die japanische Fischersiedlung East San Pedro
entstanden. Alle vier Hafensiedlungen beherbergen' auf ihrer dem Hafen
zugekehrten Seite Lagerhäuser, Holzstapelplätze und Tankanlagen. Dazu
kommen zwei Yachtklubs, Regierungsbüros, ein paar Werften, Eisenbahn-
gelände und Industrieanlagen, in erster Linie leichte Industrie. Im Hafen-
gelände von San .Pedro steht die Baumwollpreßanlage von Los Angeles,
am Hafen von Wihnington die Anlage der Pacific Coast Borax
an der Grenze von Wilmington und Long Beach die Zweigfabrik der Ford-
Automobilgesellschaft und am Hafen von Long Beach die Seifenfabrik von
Proctor & Gamble. San Pedro kann kaum mehr Industrien aufnehmen;
sein Hafengelände ist zu schmal. Neuerdings wird es darum verbreitert,
indem man das Kliff zurückverlegt. Man hat . bereits das Straßennetz
nördlich der Vierten Straße in die San Pedro-Terrasse eingeschnitten
und auf Hafenniveau gebracht und dadurch eine ganz eigenartige
künstliche Zeugenberglandschaft geschaffen. Wilmington hat mehr flaches
für Industrieansiedlung geeignetes Land zur Verfügung. Das Gebiet
zwischen Anaheim Street und Hafen ist für Industrien vorgesehen. In dem
weiten vom Schachbrettstraßennetz durchquerten Brachland stehen hier und
dort ein paar Lagerhäuser und Gebäude der Leichtindustrie. Ebenso verstreut
finden sich noch ein paar alte Rahmenhäuser aus der ersten Blütezeit Wil-
mingtons der 1 860er Jahre. Das Wohnviertel von Wilmington liegt, weitstän-
dig gebaut, nördlich der Anaheim Street, der Haupt-Ostwest-Arterie von
Long Beach und Wilmington. Zwischen Wilmington und Long Beach liegt
noch völlig ungenutztes Brachland (alte Marsch und künstlich aufgefülltes
Land), während das Gelände um die beiden Stichkanäle von Long Beach
schon fast ganz von Industrieanlagen eingenommen wird. Terminal Island
ist in seinem östlichen Teil noch vorwiegend Brachland. Der dem Haupthafen
anliegende Streifen des westlichen Teils der Insel wird ganz von Holzstapel-
plätzen, Lagerhäusern und Tankanlagen eingenommen, während sich am
seewärtsliegenden Fischereihafen die Fischkonservenfabriken auf engem
Raum zusammendrängen.
VERKEHR, WIRTSCHAFT, HAFEN
Die Eisenbahn tritt heute im Stadtlandschaftsbilde völlig zurück. Man
kann jahrelang im Südkalifornischen Becken leben und. im Berufe stehen,
ohne jemals eine Eisenbahn benutzen zu müssen. Die elektrische Schnellbahn
. . ,
221
die sich rühmt, das ausgedehnteste elektrische Bahnnetz der Welt zu sein,
bedient das gesamte Südkalifornische Becken mit allen seinen Teilbeckem
Dazu kommen die zahllosen Nah- und Fern-Omnibuslinien, Fracht- und
Personenautomobile, so daß sowohl im Personen- wie im Frachtverkehr die
Eisenbahn überflüssig wird. Ihre eigentliche Bedeutung liegt heute nur noch
im Transkontinentalverkehr, in dem ihr allerdings auch der Omnibus und
das private Fracht- und Personenautomobil scharfe Konkurrenz machen.
Auf beiden Uferri des Los Angeles-Flusses in der Innenstadt haben die drei
Eisenbahnen ihre Gleisanlagen und Rangiergelände. Ganz unscheinbar sind
die Bahnhöfe der Union Pacific und der Santa Fe-Eisenbahn. Die Southern
Pacific besitzt ein größeres Bahnhofsgebäude, das auch näher am Geschäfts-
zentrum gelegen ist. Südlich des Güterbahnhofs am Nordende der Industrie-
stadt besitzt die Southern Pacific-Bahn keinen von der Straße abgetrennten
Bahnkörper. Seltsam mutet es an, dem transkontinentalen ;,Sonnenuntergangs-
Expreß" mitten auf der Alameda Street zu begegnen, auf der er ganz langsam
durch die "China town" fährt und sein Kommen durch altmodisches Klingeln
ankündigt. Die Santa Fe-Eisenbahn quert die Hauptgeschäftsstraße von
Pasadena in ihrem belebtesten Teile ohne Schranke. Vom Industriegelände
der Innenstadt von Los Angeles aus zweigen die Bahnen durch die Korridore
und Pässe der Cahuenga-Kette nach Nordwesten und Nordosten auseinander.
Zum Teil dieselben und noch andere Pässe benutzt die Elektrische Schnell-
um vom Geschäftszentrum aus die verschiedenen Teile der Inneren
Beckens zu erreichen. Sie fährt bis in die entlegenen Teile des San Bernardino-
und des südöstlichen Los Angeles-Beckens, und in allen Küstenstädten von
Santa Monica bis Redondo Beach und von San Pedro bis Balboa begegnen wir
denselben großen roten Wagen des Pacific Electric Railway-Systems. Ihre
Bahnlinien konvergieren zur Innenstadt hin, wo sie am West- und Ostrande
des Geschäftszentrums an der Hill und Main Street in den Untergeschossen
großer Biirohochhäuser ihre Endbahnhöfe haben. Der westliche dieser Bahn-
höfe nennt sich Subway Terminal, weil von ihm aus ein Teil der Oberstadt
untertunnelt ist. Die Anlage einer Untergrundbahn wird sich in Los Angeles
bei dem Vorsprung, den das Automobil besitzt, nicht mehr rentieren. Dazu
bietet die Durchtunnelung des lockeren Alluvialmaterials über große Strecken
hin technische Schwierigkeiten. Während die elektrische Schnellbahn bei
Nacht den Frachtverkehr zu den lokalen Industrievierteln der Vor- und
Randstädtebesorgt, dient die elektrische Straßenbahn ausschließlich
1) S. S. 116 Anm.
222
dem Personenverkehr. Sie wird in den besseren Mietshausvierteln am stärksten
benutzt. Jeder Handwerker und Arbeiter dagegen besitzt ein AutomobiL
Die Straßenbahn reicht im Westen, Süden und Osten nur wenig über die
Innenstadt hinaus, am weitesten im Südwesten bis Hawthorne und im Nord-
osten bis Eagle Rock. Randlich wird sie durch Omnibuslinien ergänzt.
Außerdem gibt es in den Randstädten zahllose lokale Omnibuslinien. Am
Ostrande des Geschäftszentrums der Innenstadt befindet sich der Autobahn-
hof, von dem aus die Fernomnibusse in die randlichen Teile der Stadtland-
schaft und darüber hinaus auslaufen. Bei weitem das wichtigste Verkehrs-
mittel aber ist das privlilte Personenautomobil.
Wir hatten gesehen, daß das Automobil die weiträumige Bebauung der
Stadtlandschaft ermöglicht hat, ganz unabhängig von dem bestehenden Netz
von elektrischen Bahnen. In den Städten des Ostens der Vereinigten Staaten
kann man sich nicht in diesem Maße von den Bahnen unabhängig machen,
weil die kalten Wintermonate die Benutzung des Automobils einschränken.
Daraus erhellt, daß weitständige Bebauung von Los Angeles nicht nur
an sich automobilbedingt ist, sondern mit auf das Klima zurückgeht, das
die Automobilbenutzung während des ganzen Jahres uneingeschränkt ge-
stattet. In der Reklame, die Los Angeles macht, um neue Bevölkerung heran-
zuziehen, spielt auch dieses Argument eine wichtige Rolle. Der billige Benzin-
preis, ermöglicht durch die reiche Erdölproduktion, kommt noch dazu. So
wird denn Los Angeles noch mehr als die übrigen Städte Nordamerikas von
diesem Verkehrsmittel beherrscht. 1929 gab es allein in Los Angeles und
den 14 wichtigsten Randstädten 2353 Tankstellen, in San Francisco mit Oak-
land und den übrigen Randstädten dage,gen nur 770 (Lit. 103, Nr. 40.
1930/31). Im Los Angeles County kamen 1920 5,2 Menschen auf ein Auto-
mobil. 1930 nur noch 2,6 auf ein Auto 1
1
). Die Zahlen lauten für die gesamten
Vereinigten Staaten: 11,3 für 1921, 6 für 1926 und 5,3 für 1933. Damit
kommt praktisch auf jede Familie in Los Angeles mindestens ein Wagen,
wenn nicht zwei. Jedes neuere Haus hat seine Garage. Wenn man bedenkt,
daß ein verhältnismäßig großer Teil der Menschen, seine Arbeitsstätte im
Hochhauszentrum hat, kann man sich von der Verkehrsfülle des binnen-
städtischen Geschäftsviertels und von den Automobilmengen eine Vorstellung
machen, die auf den unbebauten Grundstücken in der Nähe des Zentrums
während der Bürostunden parken I Während sechsmonatigen Begehungen
habe ich kaum je einen Straßenabschnitt gesehen, auf dem nicht Automobile
1) Mitteilung des Auto-Clubs von Südkalifornien.
223
fuhren oder parkten. Selbst die University of California at Los Angeles ist
ganz abseits von der elektrischen Bahn angelegt worden, obwohl ihre Stu-
denten in der ganzen Stadtlandschaft verteilt wohnen. Um die Universität
liegen riesige Autoparks: Von den annähernd 6000 Studenten kommt etwa
die Hälfte täglich im eigenen Wligen! Naturgemäß ist der sonntägliche
Ausflugsverkehr zum Gebirgsfuß und zu den Seebädern, der früher ganz
von den elektrischen Schnellbahnen bewältigt wurde, völlig revolutioniert
worden. Das Seebad Venice, das 1904 nach dem Vorbild Venedigs angelegt
wurde, mußte seine Kanäle zuschütten und in' Straßen verwandeln, um
auch den Automobilisten anziehen zu können.
1931 gab es in Los Angeles County 843556 Automobile'), 128 Prozent der
gesamten Kraftwagenzahl Deutschlands! So ist es verständlich, daß nicht
nur das Automobil selbst, sondern auch die Geschäfte, die vom Automobil
abhängen, die Geschäfts- und Verkehrsstraßen in allen Teilen der Stadt-
landschaft beherrschen. Tankstellen, Garagen, Automobilläden, Verkaufs-
stellen gebrauchter Wagen, Geschäfte, die Reifen, Batterien, Automobil-
teile und -zubehör führen, oder Automechanikerwerkstätten treten überall
auf, wo ein paar Läden stehen. Vielfach schließen sie sogar andere Läden
völlig aus und beherrschen ganze Straßen wie die Figueroa Street.
Das Automobil belebt naturgemäß auch die Industrie in hohem Maße.
Los Angeles wird zum Automobil- und Reifenfabrikationszentrum des ge;..
samten Westens. Ford, Chrysler und andere Automobilfabriken haben
sich bereits angesiedelt, daneben Zubehörindustrien. Die Zweigfabriken der
vier größten amerikanischen Gummireifenfabriken mit 5100 Arbeitern
machen Los Angeles zu einem zweiten Akron; Dem Werte nach machte
Rohgummi 1928/29 bereits 22,9 Prozent des Importes aus, Kaffee als zweit-
wichtigster Importartikel kam mit 8,8 Prozent in weitem Abstand dahinter.
Es kommt hinzu, daß der' Rohgummi weniger als früher aus Südamerika,
sondern heute in erster Linie aus den Straits Settlements und Niederländisch-
Ostindien bezogen wird, so daß der Import über Kalifornien eine erhebliche
Zeitersparnis bedeutet. Vielfach entstehen Industrien da, wo See- und Land-
transport zusammentreffen. Daß in diesem Falle die Industrie sich nicht bei
SanFrancisco angesiedelt hat, liegt in erster Linie an dem stärkeren lokalen
Absatzmarkt von Los Angeles.
Aus den Zahlen der Bevölkerungsvermehrung von 1920-1930 (Zunahme in
Südkalifornien 1,63 Millionen, in allen drei pazifischen Staaten 2,60 Millionen)
I) Mitteilung des Auto-Clubs von Südkalifornien.
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erhellt, daß alle Industrien, die unmittelbar oder mittelbar die Bedürf-
nisse neuer Haushaltungen befriedigen oder von der Bautätigkeit abhängen,
und die sich im pazifischen Westen erstmalig niederlassen, Los Angeles als
günstigsten Standort wählen müssen.
Die Möbelindustrie fand besonders gute Lebensmöglichkeit. 1929 be-
schäftigte sie 5904 Arbeiter (San Francisco-Oakland nur 1900) (Lit. 102).
In erster Linie absatz- und arbeitsorientiert ist vor allem auch die Beklei ..
dungsindustrie, die 19296945 Arbeiter beschäftigte. Die Bautätigkeit gibt
der Zementindustrie des Hinterlandes und der lokalen Ziegeleiindu-
strie Bedeutung und macht das Bauholz zum wichtigsten Empfangsgut des
Hafens. Der Bautätigkeit von Los Angeles verdankt Bad Nauheim sein groß-
artiges Herzforschungsinstitut, das aus einem Millionenvermächtnis des Holz-
großhändlers Kerckhoff aus Los Angeles erbaut und aufs modernste ein-
gerichtet werden konnte.
Die rapide Zunahme der Bohrtätigkeit und der Petroleumförderung seit
dem Kriege hat nicht nur eine große Zahl Raffinerien entstehen lassen,
sondern vor allem auch eine Menge vielfach kleiner Unternehmen der
Metallindustrie ins Leben gerufen. Zu der Belieferungsindustrie der Bohr-
tätigkeit gehören in erster Linie die Pumpen- und Röhrenfabriken.
Gießereien, Maschinenwerkstätten und Walzwerke haben einen
reichen lokalen Absatzmarkt. Die Metallindustrien beschäftigen weitaus die
meisten Arbeiter in Los Angeles. Das Roheisen wird vorzugsweise vom Osten
der Vereinigten Staaten bezogen, 1931132 wurde es zu annähernd 20 Prozent
aus Vorderindien importiert.
In der Druckereiindustrie sind 5715 Menschen beschäftigt, und in den
Brot- und Zucker bäckerei - und Speiseeisfa briken arbeiten 6549 Leute.
Das Fehlen der Kohle bewirkt, daß die Industrien von Los Angeles
rußfrei sind. Schlote, die Kennzeichen der Industriestädte, sind nur spär-
lich vorhanden. Billigen Brennstoff liefern Erdöl und Naturgas, Wasser-
kraft die dem Aquädukt angeschlossenen fünf Elektrizitätswerke, die den
Höhenunterschied von 900 m zwischen Owens-Tal und San Fernando-
Ebene' ausnutzen. Die Röhrenleitung ist natürlich so angelegt, daß auf der
350 km langen Strecke der Gesamtgradient in der Hauptsache auf einzelne
kurze Steilstrecken am Südende konzentriert ist, an denen die Kraftwerke
liegen. Diese sind aber nicht die einzigen Kraftlieferanten für Los Angeles.
Zu den städtischen Kraftwerken d ~ s Aquädukts kommen zwei große private
Gesellschaften, von .denen die eine, die Southern California Edison Company,
15 Wagner, Los Angeles
225
einen Teil der Kraft als Wasserkraft am Westhang der Sierra Nevada im
Fresno County gewinnt, einen anderen Teil als Dampfkraft unter Verwendung
des Meereswassers am Hafen von Long Beach. Wesentlich ist, daß die Kraft
erheblich billiger ist als in allen anderen amerikanischen Industriestädten,
außer Buffalo. Erst mit dem Anwachsen der Dauer der Kraftstoffbeanspru-
chung innerhalb gegebener Zeit vermögen einzelne andere Städte wie Port-
land, Ore., San Francisco-Oakland und Pittsburg, Pa., billigeren Kraftstrom
zu liefern (Lit. 678).
An Bedeutung in der Gesamtindustrie des pazifischen Westens übertrifft
Los Angeles San Francisco, wie die Zensuszahlen zeigen.
Durch- Lohnemp-I Durch-
Lohn-
sehn. Zahl fänger auf schn.Jah-
Industriegebiet
Bevölke- Zahl der
der Lohn- 1000 Men- reslohn
rung Betriebe empfän-
empfän- sehen der eines
von
193° 1929 ger 1929
ger pro Bevölke- Lohnemp-
Betrieb rung fängers
Los Angeles. • . . • 2208492 4908 II 448o 23,3 51,8 $ 1535,-
San Francisco-Oak-
land ........ - 1306 938 39°3 93797 24,2 71,8 $ 1472,-
Innerhalb der Stadtlandschaft tritt aber die Bedeutung der Industrie gegen-
über der Wohnstadt zurück. Auf 1000 Menschen kamen 1929 in Lös
Angeles nur 52 Lohnempfänger, in San Francisc072. Die Handelskammer
betont in ihrer Reklame, die Zweigwerke der Industrien des Ostens
nach Los Angeles ziehen soll, neben dem vorhandenen größeren lokalen
Absatzmarkt die billigeren Löhne, die die günstigeren Lebensbedingungen
möglich machen und das "open shop"-System von Los Angeles, d. h. das
Nichtgebundensein an Gewerkschaften. Bei genauer Berechnung sind aber
doch die Löhne im Durchschnitt ebenso hoch, wenn nicht höher als in San
Francisco ($ 1535,- Durchschnittsjahreslohn in Los Angeles gegen $ 1472,-
in San Francisco-Oakland). Der weitere Grund, der für Los Angeles als
Standort sprechen soll, nämlich die bei dem milden Klima mögliche leichtere
und billigere Konstruktion der Fabrikgebäude wird wegfallen, wenn erdbeben-
sicher gebaut werden muß. Dazu kommt die Erdbebenversicherung. Schließ-
lich wird als Grund angegeben, daß der Arbeiter bei dem angenehmeren
Leben, das Südkalifornien ermöglicht, und den vielen Abwechslungen -
Seebäder, Gebirge -, die er haben kann, zufriedener ist. Es bleibt als wich-
tigster Faktor der Industrieanziehung der erheblich größere lokale Absatz-
I
!
markt innerhalb eines gegebenen Radius im Vergleich mit anderen Siedlungs-
zentren des Westens. In den 14 südkalifornischen Counties wohnten 1930
55,6 Prozent der Bevölkerung Kaliforniens und 38,5 Prozent der Bevölkerung
der drei pazifischen Staaten. Dazu kommt noch, daß die Absatzmärkte der
atlantischen Küste von Los Angeles aus auf dem Wasserwege billiger beliefert
werden können als vorn Mittleren Westen mit der Eisenbahn. Solche Indu-
strien, die den Osten beliefern, siedeln sich natürlich lieber in Los Angeles
an als in San Francisco oder den Städten des Nordwestens, die auf dem
Wasserwege weiter vom Osten entfernt sind. So ist die Industrie in erster
Linie absatz-, aber auch arbeits-, kraftstoff- und brennstoff orientiert.
Eine weiter zunehmende Industrialisierung der Landschaft ist vorauszusehen.
Einerseits. wird die Bautätigkeit abflauen, mehr noch die Ölproduktion und
beides wird die Hafentonnage erheblich verringern. Schon um den Hafen in
seiner jetzigen Größe weiterhin voll nutzen zu können, muß die Handels-
kammer alles tun, um weitere Industrieunternehmer anzulocken. Diese
werden dazu beitragen, den Wohncharakter der Stadt weiter einzuschränken.
Die Filmindustrie, die über 8000 Arbeiter und über 7000 Angestellte
beschäftigt, fällt aus dem Rahmen der übrigen Industrien heraus. Sie hat
ein anderes Gepräge. Abgesehen von den Riesengagen der Schauspieler stehen
auch die Löhne und Gehälter im Durchschnitt weit über den Durchschnitts-
löhnen und -gehältern, die in den übrigen Industrien gezahlt. werden. Bei
dem Fortschritt, den die Aufnahmetechnik gemacht hat, ist Los Angeles
kein zwingender Standort mehr für den Film. Die Aufnahmen werden im
allgemeinen draußen im freien Gelände gedreht, in Europa, auf See oder in
der Wüste, je nach der Szenerie, die der Film verlangt. Für die hoch-
bezahlten Schauspieler treten dabei Ersatzmänner ein. Wo der eigentliche
Schauspieler erscheinen muß, wird seine Aufnahme später hineinmontiert.
So werden in erster Linie die Großaufnahmen auf dem Filmgrundstück
aufgenommen. Der Tonfilm, der in schalldichten Bühnenhallen gedreht
wird, ist in keiner Weise .an Klima und Tageslicht gebunden, es sei denn,
daß das Klima von Los Angeles leichtere Bauweise der Gebäude gestattet
als im feuchteren und kälteren Klima und das Heizen der großen Hallen
vermieden wird.
Die Filmindustrie bleibt in Los Angeles in erster. Linie aus Beharrungsver-
mögen. Der Name Hollywood ist bekannt. Die Filmschauspieler lieben den
Wohnsitz. Man weiß, wo man im plötzlichen Bedarfsfall große Mengen Sta-
tisten zusammenbekommt, und kennt die Wohnsitze der Ausländergruppen,
15*
227
/
Japaner, Mexikaner, Russen u. a., innerhalb der Stadtlandschaft, Die Film-
belieferungsindustrien sind vorhanden, wie Kamera-, Scheinwerferwerk-
stätten, Entwicklungslaboratorien, Kostümlager usw. Von den 52 Film-
gesellschaften kann eine einzelne nicht ihren Standort wechseln, denn die
Gesellschaften sind alle aufeinander angewiesen, indem sie sich bei der
Mannigfaltigkeit der Bedürfnisse mit Fehlendem aushelfen. Einzelne Film-
gesellschaften vermieten vorübergehend ihr Aufnahmegelände ganZ oder
teilweise. Schließlich ist die Finanzierung des Films ein besonderer Zweig
des Bankgeschäfts, auf den einige Großbanken von Los Angeles eingestellt
sind. Einzelne Filme kosten bis zu einer und mehreren Millionen Dollar.
Dafür muß sofort eine große Geldsumme aus dem Osten nach Los Angeles
gebracht werden, und die Bank überwacht selbst durch eigene Sachver-
ständige den Fortgang der Aufnahmen, um zu kontrollieren, ob der Film
Aussicht hat, sich bezahlt zu machen.
Das Bankgeschäft ist n i ~ t nur auf die Filmfinanzierung, sondern auch
auf das Beleihen von Aufteilungen spezialisiert. Das Grundstücksgeschäft von
Los Angeles wird vom New Yorker Finanzzentrum aus beobachtet und je nach
der Lage des .Geldmarktesbeliehen. Bei Geldfülle dehnen sich die Auf teilungs- .
kredite, undd.as Aufteilungsgeschäft belebt sich. Solch eine Kreditinflation
war von 1927-1929 zu beobachten. Dann werden plötzlich die Kredite wieder
str,enger gefaßt und die Grundstückskäufer, die ihre Zahlungen nicht laufend
leisten können, verlieren Grundstücke und Anzahlungen.
Bei der Weitläufigkeit der Stadtlandschaft finden wir das Ketten-Bank-
system in Südkalifornien besser entwickelt als in irgendeinem anderen Teile
des Landes. In allen Teilen der Landschaft, wo die Bevölkerung sich bis zu
einem gewissen Grad verdichtet hat, treffen wir an den Hauptverkehrsecken
die Filialen immer derselben wenigen Banken. Die von den Großbanken
herausgegebenen Stadtpläne, auf denen ihre Filialen markiert sind, zeigen so
ohne weiteres die Lage sämtlicher bestehender und beginnender Geschäfts-
zentren der Stadtlandschaft an.
Trotz seines Umfangs hat das Bankgeschäft VOn' Los Angeles nur lokale
Bedeutung. San Francisco hat seinen Vorrang als Finanzzentrum des Westens
von den Tagen des Goldfiebers bis heute bewahrt.
Ähnlich ist es mit der Bedeutung des Hafens von Los Angeles als Emp-
fangshafen.Denn etwa 85 Prozent des Imports bleibt in Los AngelesI). Jen;.
seits des Südkalifornischen Beckens liegt ein wenig aufnahmefahiges Hinter-
I) Laut Angabe der Handelskammer.
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land. Überhaupt tritt der Güterempfang mit 5,9 Millionen Tonnen (1931)
gegen den Güterausgang mit 17,5 Millionen Tonnen in der Tonnage weit
zurück, nicht dagegen im Werte. Darin übertrifft sogar der Gütereingang
mit $ 672000000 (1931) den Ausgang, der sich im gleichen Jahre nur auf
$ 448000000 belief. Das Mißverhältnis ist auf den überragenden Anteil zurück-
zuführen, den das Petroleum am Güterausgang hat. Der Hafen hat einen
stattlichen Personenverkehr. Als Ölbunkerhafen ist er wohl der bedeutendste
.derWelt.
Im Eingap.gsverkehr kamen 1931 von der Pazifischen Küste der
Vereinigten Staaten 4 Millionen Tonnen, woran das Bauholz mit .I,t Mil-
lionenTonnen als wichtigstes Empfangsgut beteiligt war. Von der atlanti-
schen Küste kamen 1 Million Tonnen, vom Auslande 0,7 Millionen Tonnen.
Nach dem ostiildischen Rohgummi kommep. als wichtigste Importgüter
Rohseide aus Japan, Kaffee in erster Linie und zu gleichen Teilen aus
Brasilien und Kolumbien, Kopra zumeist von den Philippinen, Bananen
aus Zentralamerika, Zucker von den Philippinen und Kuba, Harthölzer
von den Philippinen, Eisen- und Stahlrohre in erster Linie aus Deutsch-
land und Zeitungspapier aus Kanada und Skandinavien.
Deutschland ist am Import vor allem mit Eisen- und Stahlwaren be-
teiligt, wie Röhren, Platten, Maschinen, Werkzeugen, Feilen, Nägeln, Stäben,
Baustahl, Draht usw., ferner mit Chemikalien, Porzellan- und Steingut,
Spielzeug und einer Anzahl anderer Artikel in kleineren Mengen.
Im Ausgangsverkehr gingen 19318,2 Millionen Tonnen nach der pazifischen
Küste der Vereinigten Staaten, 2,6 Mi11ionen Tonnen nach der atlantischen
Küste und 6,4 Millionen Tonnen wurden nach allen Kontinenten außer
Afrika exportiert. Benzin, Brennöl, Leuchtöl, Rohöl und Dieselöl stehen
an der Spitze. Unter den Exportgütern folgt nach Erdöl und Erdöl-
produkten in weitem Abstande Rohbaumwolle aus den Anbaugebieten
des südlichen San Joaquin-Ta1es, des Salton Sink, aus Arizona, Neumexiko
und dem westlichsten Texas. Die Baumwolle wird in großen Preßanlagen in
San Pedro komprimiert. Sie geht zu mehr als 50 Prozent nach Japan. Deutsch-
land und England sind die nächstbesten Baumwol1käufer. Erst nach größerem
Zwischenraum folgen die nächsten Exportgüter. Unter den südkalifornischen
Agrumen stehen die Apfelsinen an erster Stelle. Fast zu 75 Prozent gehen
sie nach England, ebenso die Grape fruits. Büchsensardinen sind ein
ebenso wichtiger Exportartikel. Die Philippinen, Niederländisch Indien, Straits
Settlements, Afrika, England und Frankreich sind die Hauptaufnahmeländer
dafür. Fast gleichbedeutend mit Agrumen und Sardinen ist die Ausfuhr
von Borax, der im Großen Becken gewonnen und in einer großen Raf-
finerie in Wilmington raffiniert wird. Kalifornien liefert über 90 Prozent
des Weltbedarfs an natürlichem Borax, von dem Deutschland die größte
Menge abnimmt. England, Frankreich, Holland und Japan folgen in einigem
Abstand. Der Autoreifenexport steht an Bedeutung nicht nach. So gehen
die Fertigfabrikate der Reifenindustrie von Los Angeles wieder in die Roh-
gummilieferländer, Niederländisch - Indien und Straits Settlements, zurück.
Japan und die Philippinen kaufen die meisten Rdfen. Auch China ist zu
nennen. Auf gleicher Stufe steht die Ausfuhr von Erdöl-Bohrmaschinen,
Werkzeugen und Bedarfsartikeln des Petroleumbergbaus und Raffinerie-
maschinen, die naturgemäß in erster Linie von den Erdölförderländern gekauft
werden. Ihrer Wichtigkeit nach sind die Hauptempfangsländer : Nieder-
ländisch Indien, Venezuela, Persien, Kolumbien, Argentinien, Japan,
Vorderindien, Straits Settlements und Rumänien. England kauft nur Raf-
fineriemaschinen.
Hinter den eben genannten fünf Warengattungen folgt der Export von
Eisen- und Stahl trommeln, die zu annähernd 75 Prozent nach Australien
und Neuseeland gehen. China und Japan stehen an per Spitze der kleineren Ab-
nehmer. Gleichbedeutend ist die Ausfuhr von Büchsenfrüchten, für die
ebenso wie für die frischen Agrumen England der weitaus größte Aufnahme ...
markt ist. Zuletzt sei noch die annähernd so große Chemikalienausfuhr
genannt, die zum weitaus größten Teile nach Japan geht.
Unter den Produkten, die Deutschland von Los Angeles erhält, sind
Borax, Rohbaumwolle, Apfelsinen, Benzin und Kupfer die wichtigsten.
Wenn man nicht die Tonnage, sondern den Wert ins Auge faßt, steht nicht
nur im Import, sondern auch im heimischen Güterausgang und Export
der Hafen von Los Angeles hinter dem von San Francisco zurück. Auch
hieraus erhellt wieder der überragende Anteil des Petroleums an der Schiffs-
fracht. Schon dieweite Entfernung des Hafens von der Innenstadt läßt seine
Bedeutung innerhalb der Stadtlandschaft zurücktreten. Dazu kommt, daß die
Ölverschiffung, die ja mengenmäßig wdtaus den bedeutendsten Teil des
Hafenbetriebs ausmacht, viel weniger Zeit und Raum in Anspruch nimmt als
der übrige Ladeverkehr. Ein Tankschiff, das 75000 Faß (II5000 hl) Öl faßt,
ist in 12-15 Stunden mit Laden fertig, während zum Aufnehmen von Misch-
gut ein Ioobo-Tonnen-Dampfer eine Woche braucht. So sieht man dem
Hafen nicht an, daß er mit New York auf dner Stufe steht.
Der zu erwartende Rückgang der Petroleumverschiffung muß, wie wir sahen,
durch Ansiedlung von Industrien, die den Hafen beleben, wettgemacht werden.
Das bedingt einen weiteren Ausbau des Hafens,derja dann mehr Laderaum.
als heute benötigen wird. So hat man große Pläne für den weiteren Hafen-
ausbau ausgearbeitet. Einige Industrien haben sich schon im Hafengelände
niedergelassen. Für weitere Fabrikanlagen ist viel Platz in und um Wilmington
bereitgestellt. Long Beach macht ebenso große Anstrengungen, um Indu-
strien heranzuziehen, vielleicht mit mehr Erfolg.
Wir hatten früher gesehen, daß mit der Wandlung der Verkehrsmittel dne
Wandlung der Bedeutung der verschiedenen Teile des Hafens einhergeht.
Zur Zeit der "carreta" lud man weit draußen in Alt-San Pedro, zur Zeit
des Wagens in Wilmington; denn der längere und beschwerlichere Fahrweg
nach San Pedro würde die Frachtkosten unnötig steigern. Dagegen läßt die
Eisenbahn, in deren Frachtsätzen kein Unterschied zwischen den verschie-
denen Teilen des Hafens zu bestehen braucht, San Pedro wieder aufleben.
Das Lastautomobil aber muß den um 8 km längeren Weg nach San Pedro in
der Frachtberechnung wieder berücksichtigen, und so ist Wilmington heute
wieder die bevorzugte Ladestelle. Dazu kommt noch, daß in Wilmington
sich Industrien ansiedeln können, für die in San Pedro kdn Platz mehr ist.
Ja, in jüngster Zeit, in der die Industrien sich immer mehr in der Laguna-
Ebene südöstlich von Los Angeles ansiedeln, und der Agrumenexport in
erster Linie aus der östlichen 'Hälfte des Südkalifornischen Beckens beliefert
wird, liegt Long Beach noch besser erreichbar. Die Frachtautomobile, die
aus d,em Hinterlande über den Cajon- und San Gorgonio-Paß herankommen,
sparen 5 km gegenüber Wilmington und 13 km gegenüber San Pedro. Auch
werden sich die Industrien lieber in Long Beach a.nsiedeln als in den übrigen
Teilen des Hafens, die zu Los Angeles gehören, denn am inneren Hafen 'von
Long Beach kann das Gelände käuflich erworben werden, während Los
Angeles das Land in Wilmington, San Pedro und East San Pedro nur auf
dreißig Jahre verpachtet. Das städtische und staatliche Land am Außenhafen
von Long Beach kaIln dagegen aufvierzigjahre verpachtet werden. Die Fabri-
ken können am Innenhafen von Long Beach ihre dgenen Schiffsladeplätze
besitzen. Von den 23 Docks in Long Beach sind nur 6 städtisch. Dagegen sind
von den 101 Ladestellen im Hafen von Los Angeles 95 Prozent in städtischer
Hand (Lit. 664). Das muß natürlich die Industrien nach Long Beach ziehen.
Aber auch die Kapitäne ziehen Long Beach vor, denn das Wasser im
Hafen von Los Angeles ist vielfach vom Öle verunreinigt. Auch ist man in
/
Long Beach gleich am modernen Seebad mit guten Hotels, Vergnügungs-
stätten und Geschäften. In Wilmington ist man 6 km weiter davon entfernt,
und das Zentrum von Los Angeles liegt 30 km weit ab.
Schließlich mußte Los Angeles bei seinem großen Verwaltungsapparat
die Hafengebühren erhöhen, während das kleinere Long Beach mit den
alten niedrigeren Gebühren weiter auskommt. So herrscht ein scharfer
Konkurrenzkampf zwischen Los Angeles und Long Beach. Man könnte ihn
beilegen, wenn, wie in Hamburg, ein einheitlicher Hafendistrikt geschaffen
wÜrde. Dagegen wehrt sich aber Los Angeles, weil dann erst recht die Kapitäne
Long Beach bevorzugen würden.
Am südwestlichen Ende von Terminal Island hat sich seewärts der Fische-
reihafen mit der Fischkonservenindustrie entwickelt. Noch 1910 war
Terminal Island ein gern besuchter Badestrand mit guten Hotels ohne jegliche
Industrie. Erst infolge der Eingemeindung imJahre 1909 begann langsam die
Industrialisierung. Dalmatiner und Italiener, die von San Pedro aus Fischerei
betrieben, kamen auch nach Terminal Island herüber. Eine Fischeinmach-
fabrik nach der anderen siedelte sich an. 1931 waren es ihrer sieben. Mit
noch drei in Long Beach und einer in Wilmington beschäftigten sie 1929
1910 Arbeiter (Lit.l02). Dazu kommen zahllose Fischer, die meist eigene
Boote besitzen und kontraktlich für die Fabriken fischen.
Als Fischereizentrum muß Los Angeles heute zusammen mit den bedeutend-
sten Fischhäfen der Welt, Grimsby, Hull und anderen in England, Monterey
in Kalifornien und Boston, Mass., genannt werden (Lit. 666 und 675).
Los Angeles hat Monterey, das als Frischfischmarkt bedeutender ist, als
Zentrum der Fischkonserven-, Räucher- und Verarbeitungsindustrie über-
flügelt.
Sardinen, verschiedene Arten des Thunfisches, der vorwiegend an der
mexikanischen Westküste gefischt wird, und Makrelen sind die wichtigsten
Büchsenfische (Lit.672). Von frischen Fischen sind außerdem Skipjack,
Barracuda, Bonito und Rockfisch zu nennen. In Zeiten des Fischüberschusses
bilden die Nebenprodukte, in erster Linie Fischdünger, der auch exportiert
wird, das einträglichere Geschäft.
Die reichen Fischgründe scheinen an das küstennahe aufquellende Tiefen':
wasser gebunden zu sein. Den Thunfisch sucht man vor der mexikanischen
und mittelamerikanischen Westküste bis in den Bereich der Gahlpagosinseln
(Lit. 670). Selbst aus den japanischen Gewässern wird er herbeigebracht
(Lit. 652, 1930, S. 22).
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Die meisten Fischer sind wohl Japaner, die in der Fischersiedlung wohnen,
die sich in East San Pedro an die Konservenfabriken des Fischerhafens
anschließt. Auch Dalmatiner,Italiener, Portugiesen und Vertreter anderer
Nationalitäten arbeiten als Fischer. Sie wohnen auf der Festlandseite, in
San Pedro.
Nicht nur dem Fischereigewerbe geben die Japaner das Gepräge, sondern
auch der intensiven Landwirtschaft um Los Angeles.
Die Landwirtschaft hat sich im Großstadtgebiet in Relikten erhalten.
Der Getreide-, vorwiegend Gerstenanbau, beschränkt sich heute in der
Hauptsache auf die Sandböden des Inglewood-Redondo-Küstenvorlandes
und auf Teile der westlichen San Fernando-Ebene.
Die Schweinezucht, die früher im Gebiet des heutigen Vernon betrieben
wurde, ist nach Watts, wo sie in den ärmlichen Kleingartenheimen möglich ist,
und darüber hinaus nach Südosten verdrängt worden. Die Schweinefarmen sind
ein wichtiger Faktor im Verbrauch städtischen Abfalls, der verfüttert wird.
Auch die Meiereien befinden sich seit 20 Jahren in stetigem Rückzug
vor der intensiveren Landnutzung. Ursprünglich befanden sie sich am west-
lichen Rande der Oberstadt und in der Westvorstadt, mußten dann in das
Gebiet der heutigen Südvorstadt und in die südliche Los Angeles-Ebene
weichen. Mit der Ausdehnung der Gemüsefarmen in dieser Richtung wurden
sie nach Osten abgedrängt. So finden wir sie heute in der Hauptsache in der
Los Nietos-Ebene.
Gemüsegärten wurden ursprünglich von Chinesen in Teilen der heutigen
Südwest-Vorstadt angelegt, wo die städtischen Abwässer zu Bewässerungs-
zwecken zur Verfügung standen. Von hier wurden sie nach Süden abgedrängt
und werden heute so gut wie ausschließlich von Japanern bewirtschaftet.
Sie beherrschen das Landschaftsbild der südlichen Los Angeles-Ebene,
soweit hier nicht städtische Entwicklung vorgreift. Über die Dominguez-
Kette setzen sie sich bis in die Hafenebene und in- das Inglewood-Redondo-
Küstenvorland fort. In der südlichen Sawtelle-Ebene und der unteren Ballona-
Niederung, wo vor allem Sellerie angebaut wird, ist der Gemüsebau ebenfalls
landschaftsbestimmend. In der Laguna-Ebene findet er sich noch am Rande
der Repetto-Höhen und vor allem südlich der Schienen der Union Pacific-
Bahn. Die Industrie von Vernon dringt von Westen her gegen ihn vor. Loka-
litätsnamen wie "Fruitland" und "Vegala" deuten auf seine ehemalige Ver-
breitung im heutigen Industrieviertel. Bei Glendale nimmt der Gemüseanbau
Teile des Raumes zwischen Bahnlinie und Flußbett ein und verbreitert sich
233
westlich Burbank in die San Fernando-Ebene hinein. Auch hier ist er in
japanischen Händen.
Der Gemüsebau versorgt in erster Linie die Stadt, Mit dem Wachstum der
Stadt vergrößert sich die Fläche des Gemüselandes und nimmt Besitz von
Getreide-, Frucht- und Brachland. Gemüsegärten bedeckten 1925 eine Fläche
von 1300 ha, 1931 annähernd 2000 ha (Lit.708).
Anders der Obstbau und vor allem die Agrumenkulturen, die früher das
Stadtbild von Los Angeles, Pasadena, Alhambra, Glendale und Hollywood
so hervorragend beherrschten. Der Agrumenanbau istin erster Linie für ferne
Märkte bestimmt. Mit der Wandlung der Transportmittel ist er nicht mehr
an die Nähe der städtischen Siedlung gebunden. Er ist heute auf die rand-
lichen Gebiete des Südkalifornischen Beckens beschränkt. Die höheren west-
lichen und nordwestlichen Teile der San Fernando-Ebene beherrscht er,
ebenso Teile des östlichen San Gabriel-Beckens und randliche Gebiete im
südöstlichen Los Angeles-Becken. Das Hauptanbaugebiet ist indessen das San
Bernardino-Becken. Sofern die Agrumen naGh Übersee verschifft
erreichen sie den Hafen unter Umgehung der Stadt, Nur noch diC1 finanzielle
Abwicklung des Agrumengeschäfts liegt in Los Angeles. In Alhambra ist das
genossenschaftliche Apfelsinenverpackungshaus jüngst abgerissen worden und
in Pasadena erfüllt es nur nOch in Maße seinen ursprünglichen
Zweck. Die Walnußpflanzungen von Walnut Park sind während der Nach-
kriegs-BooIns aufgeteilt worden und die Walnußhaine bei EI Monte werden
heute in sogenannte acre lots aufgeteilt. W Burbank in der San Fernando-
Ebene sind einzelne Walnußpflanzungen noch erhalten.
Die Landwirtschaft im Kleinen wird heute von der Handelskammer
energisch befürwortet. In der Zeit der Arbeitslosigkeit und der Halbzeitarbeit
greift sie ein, indem sie städtische Aussiedlung in landwirtschaftlich nutzbare
Großgrundstücke am Stadtrande tatkräftig fördert. Das "small farm home
movement" gibt dem Fortgang aufgelockerter Bebauung erneuten Impuls.
Die Bewässerungskultur der Stadtlandschaft hat innerhalb eines Jahr-
hunderts zweimal ihren Charakter geändert. Aus den bewässerten Wein-
gärten wurden Apfelsinengärten, die in den 70er Jahren auf das östliche
Flußufer übergriffen und auf der westlichen Überschwemmungsterrasse nach
Süden und Südwesten wanderten und zu Gemüsegärten wurden. Als solche .
wanderten sie in den beiden eingeschlagenen Richtungen weiter.
Die Gemüse;;' und Beerenfarmen der Japaner werden ebenso wie ehedem
die Apfelsinengärten.mit der Furchenmethode bewässert, die sich fUr poröse
234
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Böden am besten eignet. Bei ihr ist der Wasserverlust durch Verdunstung
auf ein Minimum beschränkt. Außerdem ist diese Methode für Gemüse und
Beerenobst die einzig mögliche. An Stelle der Hauptfurche wird vielfach eine
hölzerne Rinne verwandt Init verschließbaren Löchern an entsprechenden
Stellen, aus denen das Wasser in die Seitenfurchen abfließt. Zuweilen werden
auch Zementrinnen verwandt, auch unterirdische Eisenröhren. Hier gibt
es zwar keinen Verlust durch Verdunstung, doch werden die Auslaßlöcher
der Röhren vielfach durch hineinwachsende Wurzeln verstopft.
In den vereinzelten Apfelsinenpflanzungen des westlichen San Gabriel-
Beckens werden zum Teil an Stelle' der geraden Furchen um die Bäume
mäandrierende Furchen gezogen. Auf diese Weise wird jedem Baum von
drei Seiten Wasser zugeführt, bei den geraden Furchen nur von zwei Seiten.
Gelegentlich wird noch die Beckenmethode angewandt, die für tonige Böden
am besten geeignet ist. Das Wasser läuft von einer Längsfurche zwischen
den Baumreihen in die Becken hinein und umgibt auf diese Weise den
Obstbaum völlig (s. S. 92). Schachbrett- und Borderverfahren kommen im
untersuchten Gebiet nicht zur Anwendung.
Das mexikanische Überflutungsverfahren wurde noch in früher amerikani-
scher Zeit angewandt. Man leitete an bestimmten Tagen und zu festgesetzten
Stunden das Wasser der "zanjas" auf die vielfach leicht künstlich terrassierten
Grundstücke·an deren höchste Stelle und däIiunte nach Ablauf der bestimm-
ten Stundenzahl den Zufluß wieder ab. Ein "zanjero" hatte darüber zu wachen.
He1,lte b\,!wässert man nur noch, die Luzerne im Überflutungsverfahren.
Die vielfältigen Früchte und Gemüse, die in Südkalifornien angebaut
werden, machen Los Angeles zum zentralen Obst-, Gemüse- uhd Blumen-
markt für den gesamten Südwesten der Vereinigten Staaten., Los Angeles
County selbst hat den größten Anteil an der Produktion Südkaliforniens. Von
den umliegenden neun südkalifornischen Counties folgt an erster Stelle das
Imperial County Init seinen wertvollen, ganz. auf künstliche Bewässerung ge-
stellten Ernten, die zum großen Teil in die Jahreszeit fallen, in der die anderen
Liefergebiete aussetzen. Im Imperial Valley, mehr noch am anderen, nord-
westlichen Ende des Salton Sinks, im Coachella Valley, das zum Riverside
County gehört, kann die Dattel gedeihen.
Die wichtigsten Obst- und Gemüseprodukte, welche die verschiedenen
Teile Südkaliforniens einschließlich San Luis Obispo und Kern County hervor-
bringen, sind Apfelsinen, Zitronen, Grape fruit, Avocados, Äpfel, Aprikosen,
Pfirsiche, Birnen, Pflaumen, Trauben, Beerenobst, Oliven, Walnüsse,
235
Mandeln, Lima- und andere Bohnen, Gurken, Melonen, Salat, Sellerie, Kohl,
Spargel, Blumenkohl, Tomaten, Karotten, Erbsen, Kartoffeln und Zwiebeln.
Dazu kommen die Kunstgärtnereierzeugnisse, Zierpflanzen, Blumen, Knollen
und Samen, die um Los Angeles, San Diego und Santa Barbara in erstaun-
licher Mannigfaltigkeit gezüchtet werden.
Nicht nur die große Auswahl der Erzeugnisse macht Los Angeles zum
Obst- und Gemüsezentrum des Südwestens, sondern auch die günstige Ver-
kehrslage, die es mit der Wandlung der Transportmittel erhalten hat. Als
die Eisenbahn das einzige Verkehrsmittel war, konnte man von den Gebirgs-
straßen und vom Osten die mittel- und nordkalifornischen Zentren ebenso
leicht erreichen wie Südkalifornien. Denn nachdem die Eisenbahn einmal
gebaut war und die Schneeschutzanlagen da waren, bildeten die Schheepässe
der Sierra Nevada kein Verkehrshindernis mehr. Erst nach dem Kriege, als
das Automobil der Konkurrent der Eisenbahn wurde und man gute Auto-
straßen quer durch den Kontinent baute, gewann· die Südroute wieder den
Vorzug vor den Paßwegen der Sierra Nevada, den sie besessen hatte,ehe die
zentrale Eisenbahn 1869 eröffnet wurde. Hatten doch die Gilaroute und der
"spanish trail" von Santa Fe her alte Bedeutung, und war doch auch der von
der Bundesregierung subventionierte Postwagendienst, der bis zum Bürger-
krieg den Überlandreiseverkehr bewältigte, über Los Angeles und Yuma
gelegt worden. So zieht a ~ c h heute wieder das Frachtautomobil die schnee-
freien Südrouten, die das ganze Jahr befahren werden können, vor. Außerdem
sind die Pässe des Südens niedriger und besonders der Cajon-Paß und San
Gorgonio-Paß wegen ihres geringeren Gefälles für den Automobilverkehr viel
geeigneter als die steileren Paßstraßen der Sierra Nevada. So gehen die Auto-
frachten des Ostens, die der Eisenbahn immer mehr Konkurrenz machen,
mit Vorliebe den südlichen Weg.
Aus Arizona, Utah, sogar aus Idaho kommen Lastwagen mit Lebens-
mitteln nach Los Angeles. Sie bringen, was gerade in Südkalifornien fehlt,
und fahren mit Apfelsinenladungen zurück. Auch die beträchtlichen Butter-
lieferungen Idahos kommen zum Teil im Frachtauto. Weitaus die meisten
Frachtautomobile kommen natürlich aus den Hauptanbaugebieten Kalifor-
niens: Südkalifornien mit dem Salton Sink, von der mittelkalifornischen Küste
und aus dem großen Binnental. Aus einem U Inkreis von 500 km kommt fast alles
mit dem Frachtauto herein. Ja selbst aus Entfernungen bis zu 800 km fahren
die Frachtwagen zum Markt von Los Angeles. 1931 kamen sämtliche Milch- und
64 Prozent aller Frucht- und Gemüselieferungen mit dem Auto an (Lit. 708).
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Auch die Touristenindustrie hat durch den Wandel des Verkehrsmittels
ein anderes Gesicht erhalten. Vor dem Kriege war es in erster Linie. der
Wohlhabende, der sich die teure Eisenbahnreise hin und zurück quer durch
den Kontinent leisten konnte. Das Automobil hat es auch dem Manne mit
bescheideneren Mitteln ermöglicht, eine Fahrt nach dem Fernen Westen zu
unternehmen. Heute reisen mehr als 75 Prozent der Besucher im eigenen
Auto. Die übrigen benutzen Eisenbahn, Dampfschiff, Flugzeug und
Omnibus. Die wohlhabenden Touristen kamen zur Wintersaison. Früher
war der Sommer für die vielen Geschäftszweige, die auf den Touristenverkehr
angewiesen sind, eine schlechte Zeit. Sie wurde noch verschärft dadurch, daß
während der ruhigen Sommermonate viele Einheimische auf Reisen gingen.
Als die Nachkriegsdepression des Ostens auch Südkalifornien berührte, er-
kannte eine Gruppe führender Geschäftsleute von Los Angeles, daß auch der
südkalifornische Sommer seine Vorzüge besitzt.
So schlossen sich diese Kaufleute 1921 im "AlI-Year Club of Southern
California" zusammen, der im ganzen Lande für Südkalifornien als Ferien-
ziel Reklame macht. In den führenden Zeitungen und Zeitschriften Amerikas
erscheinen wirkungsvolle Anzeigen, die in Wort und Bild über die Vorzüge
des südkalifornischen Sommers aufklären. Die Reklame bringt gleich geschickt
ausgearbeitete Reisepläne, die auf den üblichen auf 14 Tage beschränkten
Sommerurlaub zugeschnitten sind. Damit werden die Bedenken zerstreut,
die viele vor der langen Reisedauer haben.
Aber auch die Werbung, die auf den Wintertouristen zugeschnitten ist und
sich an den Wohlhabenden richtet, wird gesteigert. Der spezifisch südkali-
fornischen Reklame hilft zudem noch die nationale Werbung "See America
first", die doch schließlich manchen darauf aufmerksam werden läßt,daß
nicht nur Europa, sondern auch das eigene Land eine "Riviera" besitzt.
Aus Rundfragen, die der All-Year Club an Hotels und Apartmenthouses
sendet, ergab sich 1931, daß mehr als 10 Prozent der Besucher über drei
Monate blieben. Zählposten, die an den Haupteinfallsstraßen nach Südkali-
fornien an der Grenze aufgestellt wurden, stellten durch Beobachtung der
Wagenmodelle und durch Befragen der Insassen fest, daß die große Mehr-
zahl gut situierte Touristen waren. Die anderen, die mit der Absicht
kamen, Arbeit zu finden, gaben zumeist an, daß sie auf unmittelbare An-
regung ihrer in Südkalifornien lebenden Verwandten oder Freunde kämen.
Die Zahl der Besucher geht alljährlich in die Hunderttausende, so
daß der Fremdenverkehr für Los Angeles nayh Fabrikindustrie und
237
.....
Petroleumverschiffung eine wichtige Verdienstquelle darstellt, deren Bedeu-
tungnach 1921 bald wichtiger wurde als der Versand landwirtschaftlicher
Erzeugnisse.
Aber der Tourist bringt nicht nur dadurch wirtschaftlichen Gewinn, daß
er neues Geld nach Los Angeles trägt, Menschen in allen Geschäftszweigen
Beschäftigung gibt, sein Geld noch obendrein in Südkalifornien investiert
und Grundstücke kauft; - das Bedeutsame für den Fortgang der Entwicklung
ist, daß diese unzähligen Touristen bei ihrer Rückkehr nach dem Osten selbst
Reklame für Los Angeles machen, die beste Reklame, die Südkalifornien
überhaupt besitzt. So wächst die Menge der Besucher stetig an.
Die Touristen sind aber gerade auch entscheidend verantwortlich für die
fortgesetzte Vermehrung der ansässigen Bevölkerung, denn es kehrt schät-
zungsweise jeder zehnte Tourist zuruck, um sich in Südkalifornien dauernd
niederzulassen.
DIE WASSERFRAGEN
Mit dem. dritten Boom, dem größten, den Los Angeles erlebt hat, sind
dieWasserfragen, die der semiaride Charakter des Klimas mit sich bringt,
auf einmal in anderes Licht gerückt worden, denn es galt das unerwünschte
Wasser der Unwetter abzuwehren, andererseits für den zunehmenden Mangel
an Grundwasser Abhilfe zu schaffen. Das stellte neue große Aufgaben.
In den altbebauten Teilen der Innenstadt war bis zu einem gewissen Grade
für Entwässerung gesorgt. Die Ausbreitung der Bebauung ging aber dann
so schlagartig vor sich, daß gar nicht lange überlegt wurde, ob man auf über-
schwemmungsgefährdetem Gelände aufteilte und baute, sofern es ,einiger ..
maßen ebenes oder hohes Land war. Was wußte schließlich der Spekulant
und Neuling, der aus einem ganz anderen Klima kam, über, die Tücken
der südkalifornischen Regenzeiten! War ihm doch Kalifornien als das Land
ewigen Frühlings geschildert worden, in dem in der Tat selbst in den Winter-
monaten die Sonne im Durchschnitt mehr als 7 Stunden am Tage scheintI) •
Gerade in den Jahren 1922-1925, in denen der Bevölkerungszustrom und
die Auf teilungs- und Bautätigkeit ihren Höhepunkt erreichten, blieben die
Niederschlagsmengen mit 243, 169 und 200 mm weit hinter dem Durchschnitt
zurück, der während der 18 vorhergehenden Jahre 404 mm betragen hatte.
Vor allem kam es in den drei Wintern zu keinen überdurchschnittlichen
X) u. S. Weather Bureau, L. A., Cal., Record ror I897-I9I4.
Regenintensitäten. Im Winter 1925/26 fielen dann gleich 444 mm Regen,
mehr als das Doppelte der beiden vorhergehenden Winter. Der April 1926
brachte auf einmal eine Niederschlagsintensität, wie sie während der drei
regsten Boom-Jahre nie erlebt worden war, In dem einen Monat gingen
größere Wassermengen nieder (191 mm) als in dem ganzen Winter 1923/24
und im, Februar 1927 allein 228 mm. So standen plötzlich ganze Stadtviertel,
die in den Boom-Jahren erbaut worden waren, unter Wasser, besonders in der
Südvorstadt (s. Fig. 5, S. 32). Glendale, "the fastest growing city in the
world", lag mit einem Male einem durch den Verdugo Caiion tosenden
Wildbach im Wege, auf dessen Schuttkegel es sich ausgebreitet hatte. Nun
mußten Regenwasserkanäle in großem Maßstab angelegt werden. Südlich des
alten Los Angeles setzte der Bau dieser Anlagen, der dem Stadt-Ingenieur
untersteht, mit dem , ~ M a i n Street Storm Drain System" ein, das im September
1925 fertiggestellt wurde. Selbst Teile der Innenstadt hatten keine zureichen-
den Entwässerungskanäle und erhielten sie erst in den Jahren 1926-1930. In
der Außenstadt hinkt die Anlage zureichender Abzugsgräben und -kanäle
erst langsam der Bebauung nach. Eine Ahnung von den Dimensionen dieses
künstlichen unterirdischen Flußnetzes erhält man erst, wenn man dort, wo
das Tiefbauamt am Werke ist, die bereitgestellten Zementrohre oberirdisch
liegen sieht. Mit einem Durchmesser von über Mannshöhe sind sie mehr als
halb so hoch wie die kleinen Bungalows dahinter. Zum Teil ist der Quer-
schnitt der Abzugskanäle so groß, daß Automobile in ihnen bequem fahren
könnten. Die unterirdischen Kanäle gehen in offene auszementierte Gräben
über und münden schließlich in die Trockenbetten der Flüsse selbst ein. Vor
'allem werden die gebirgsnahen Randstädte von solchen betonierten Graben-
anlagen durchzogen, die auszementierten Hohlwegen gleichen oder, wie
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in Glendale, wie Straßen anmuten, die in den Boden eingelassen sind.
Der Bau' der Entwässerungskanalsysteme hat annähernd hundert Millionen
Mark· gekostet. Da die heftigen Regengüsse, wenn überhaupt, meist nur ein-
oder zweimal innerhalb der Regenzeit auftreten, erscheinen die gewaltigen
Röhren- und Grabensysteme dem Fremden unverständlich. Trotz der kost-
spieligen Anlagen sind aber noch heute bei niedergehendem Regenguß selbst
die Straßen des Geschäftszentrums kaum zu überqueren. Die Straße wird zum
Fluß, der Kanalschacht zum Springbrunnen und der Verkehr stockt.
Der County Flood Control (s. S. 28 und 33) liegt es ob, die Trockenbetten
der Flüsse, die bei starkem Regen infolge der einmündenden Kanalsysteme
überlastet werden, zu regulieren und zu befestigen. Das ist bis heute erst zum
239
Teil geschehen. In den großen Torrenten der San Fernando-Ebene ist die
Seitenerosion besonders stark. Um ihr zu begegnen; hat man am Pacoima Wash
unterhalb San Fernando eine neuartige Methode des Uferschutzes angewandt.
Die Uferbänke des Trockenbettes sind künstlich abgeschrägt und mit Maschen-
draht, Erde und einem verfestigenden Bindemittel einheitlich überdeckt und
befestigt. Um ein Unterhöhlen dieser schrägen Uferwände zu verhüten,
schließt an sie am Rande des eigentlichen Geröllbettes ein biegsamer Platten-
belag an, der aus einzelnen quadratischen Blöcken besteht. Dadurch,
diese Blöcke miteinander verbunden und nur an der Uferbank veranke:rt smd,
vermögen sie in dem Maße abzusinken, in dem sie unterhöhlt werden, so daß
die Unterhöhlung niemals die Uferbank erreichen kann. Der Belag bildet
einfach eine Fortsetzung der Uferbank mit veränderlichem Neigungswinkel.
Die andere Aufgabe der County Flood Control besteht darin, die Schutt-
massen der Gebirgsbäche zurückzudämmen. Wir begegnen verschiedenen
Typen von Geröllschutzdämmen. Der einfachste Typ ist der "check dam".
Er besteht aus rohbehauenen Blöcken, die in Reihen nebeneinander- und
übereinandergelegt werden, von der Basis nach oben immer eine' Reihe
weniger. Damit erhält der Damm einen rechtwinkligen dessen
rechter Winkel an der talaufwärts gerichteten Seite der Basis hegt. Das
Ganze wird mit Drahtgeflecht überzogen. Im Haines Cafion oberhalb,
Tujunga liegen eine ganze' . Reihe solcher Schutzdämme in gewissen
Abständen hintereinander. Der Raum hinter den Dämmen füllt sich rasch
mit Geröll, so daß der Cafion ein treppenförnnges Längsprofil erhält.
Vegetation siedelt sich an und verfestigt das System der Geröllstufen.
Am Ausgange des Haines Cafion hat eine größere Dammanlage ein mächtiges
Geröllbecken aufgestaut, dessen Inhalt gleich von der Zerkleinerungsmaschine
mit daran befestigtem Kran und Raupe gefördert und zur Betonfabrikation
vorbereitet wird. An Stelle der Serie kleiner Schutzdämme hat man im
Sunset Cafion im Verdugo-Gebirge oberhalb Burbank einen anderen Damm-
typ angewandt, einen Betondamm, der in Richtung des Talgefälles faßartig
ausgebaucht ist. Hier wurde der Dammbau nötig, nachdem einer der in
Südkalifornien häufigen Chaparral-Brände den Bodenschutz, den die Vege-
tation bildete, genommen hatte, und dadurch der Schuttransport gefährlich
vermehrt wurde.
Schließlich baut die County FloodControl vor und im Gebirge große
Abflußregulierdämme. Sie haben den Zweck, die plötzlich niedergehenden
Wassermassen aufzuhalten, damit nicht alles oberflächlich abfließt und dem.
,
. :'.
"";:'.
Grundwasser verlorengeht. Der Devils 'wurde in erster Linie
erbaut, um den unteren Ä.rroyo Seco vor der zerstörenden Wirkung zu
schützen, welche die Geschwindigkeit der Unwetterwässer besitzt. Zum andern
ermöglicht er das Einsickern des Arroyo Seco-Wassers in die Geröllfüllung des
natürIichenAltadena-Beckens. Ein Regulierdamm staut den Tujunga im
Gebirge selbst auf und ein weiterer, 114 m hoher den Pacoima. Das Wasser
wird allmählich freigegeben, um den unterhalb im BaubefindIichen Sicker-
anlagen zugeführt . zu werden. Damit kommt es dem Grundwasser des San
Fermmdo-Beckens 'zugute. Eine Reihe weiterer Dämme ist im östlichen Teil
des San Gabriel-Gebirges noch im Bau.
. Nicht nur des Schuttes und der Unwettergewässermuß man Herr werden,'
sondern auch der städtischen Abwässer. Nach primitiven Anfängen reiehte
die KanaIisa tion von Los Angeles in den I 880er Jahren zunächst bis vor den:
Südrand der Innenstadt, wo in 'der Gegend von Florence mit den Abwässern
künstlich bewässert wurde (Lit. 71). Später wurde die städtische Kloake in
südwestlicher Richtung zum Meere hin durchgeführt und 1890 die erste
Kotschleuse bei Hyperion zwischen Playa del Rey und Manhattan Beach
in Betrieb genommen .. Von 1'900-1909 wurden erneut zwei an dem Kanal
liegende Gebiete von je 1000 ha mit den Abwässern wenigste:ns im Sommer
bewässert, das eine bei Inglewood, das andere, auf dem Luzerne und vielerlei
Gemüse angebaut wurde, in der Niederung vordem Südrand der Hollywood-
Platte. Der Dung der Abwässer bewirkte, daß die Ernten besonders. reich
wurden. Die Luzerne konnte viermal in Abständen von 17 Tagen geschnitten
werden. Mit Hilfe der AbW:ässer wurde ein Salzbodengebiet von etwa 60 ha
anbaufähig gemacht. Später verbot man es, Gemüseland mit Kloakenwasser
zu bewässern. 1907 und 1924 wurden zwei neue Abwässerkanäle nach Hy-
perion gebaut, die heute nur einen Teil des Gesamtstadtgebietes abwässern.
Der Ausbau des Kanalisationssystems konnte natürlich auch nicht mit dem
raschen Aufteilungstempo Schritt halten. Die Entwicklung der "Wunder-
meile" , jener in kürzester Zeit entstandenen Hochhauszone am Wilshire
Boulevard, hat sich aus diesem Grunde um vier Jahre verzögert:
Im San Gabriel-Becken haben sich Pasadena, South Pasadena, Alhambra
und San Marino zum Bau einer modernen Kläranlage zusammengetan, in der
Dünger hergestellt wird, wobei man das überschüssige Wasser in die Regen.;;
wasser-Abzugsgräben leitet. Dagegen führt die Stadt San Fernando ihr
überschüssiges Kloakenwasser durch eine Versickerungsanlage dem Grund-
wasser zu.
16 Wagner, Los Angeles
Die künstliche Auffüllung der Grundwasserbecken ist ein verhältnismäßig
einfaches Hilfsmittel zur Sicherstellung der Wasserversorgung. Deshalb
schenken die Wasserbehörden dieser Frage heute viel Aufmerksamkeit. Der
Grundwasservorrat des Küstenvorlandes, des Los Angeles-Beckens und des
Pasadena-Beckens ist durch übermäßiges Pumpen bedenklich verringert
worden. Von See her dringt Salzwasser ein und bedroht die Wasser-
i---'--"Ti ..;o,p,--...;'...,f,.--2:;;p_T'/.c"--_ .... ,o.." Kilometer
o 5 10 16 2.0 Nl!ilen
Höhenzüge und Gebirge
Salzwasser -Jntrusion
Grundwasserspiegel im
Meeresniveau oder darunter
Grundwasser vorrat durch
Überpumpen stark verringert
Frühere artesische Gebiete
GrandwassermO
Fig, 15, Der Rückgang des Grundwasservorrats von Los Angeles
(Nach Sonderegger und Karten des Los Angeles County Flood Control District)
versorgung der Küstenstädte. Der letzte Rest des großen artesischen Ge-
bietes, das einst weite Teile der Los Nietos- und Los Angeles-Ebene
umfaßte und sich in die Hollywood-Platte fortsetzte, ist seit wenigen Jahren
ganz verschwunden (s. Fig. 15). Die artesischen Brunnen mußten durch
Pumpen ersetzt, die Röhren der Pumpen müssen immer weiter verlängert
werden, man verbraucht mehr Kraftstrom für das Pumpen, und die Be-
wirtschaftung von Bewässerungskulturen wird immer kostspieliger, Um am
Wasser des Owens-Tales teilhaben zu können, haben sich manche Bezirke
genötigt gesehen, auf selbständige Verwaltung zu verzichten und sich von
Los Angeles eingemeinden zu lassen. Da Los Angeles selbst mit Wasser-
knappheit rechnen muß, wird die Stadt heute solche Eingemeindungen nur
noch vornehmen, wenn der betreffende Bezirk oder die Randstadt über
ausreichende eigene Wasserversorgung verfügt.
Über sämtliche höheren Teile des Stadtgebiets sind Wasserreservoire
verteilt, Betontanks oder große überdeckte Becken. Nur die größten als
Stauseen angelegten Becken wie' das Hollywoodreservoir im Santa Monica-
Gebirge sind' nicht überdeckt. Das Wasser aus dem Owens-Tal wird
in mehreren Stauseen an den Rändern der San Fernando-Ebene gespeichert.
Anstatt oberirdische Voiratsbecken zu bauen und um den
lichen Verdunstungsverlust zu vermeiden, geht man neuerdings daran,das
überschüssige Wasser des Owens-Tales im Untergrunde des San FernaIido-
Beckens selbst zu speichern. Dafür ist seit 1931 auf dem unteren etwa 1,3 km
breiten Trockenbett des Tujunga eine Versickerungsanlage mit 25 Einzel-
becken geschaffen worden. Man lockert den Boden auf, ehe das Wasser in die
flachen Becken hineingelassen wird. Schon nach 14 Tagen ist die Aufnahme-
fähigkeit des Bodens infolge der Zuschlickung erschöpft, und er wird neu
auf gerecht. Die nächsten städtischen Pumpen liegen so, daß das Sickerwasser
sie nach etwa acht Monaten erreicht. Man berechnet, daß das Wasser etwa
7 oder 8 Jahre brauchen wird, um den Ausgang des San Fernando-Beckens
am Griffith Park zu erreichen. Von der Versickerungsanlagedes städtischen
Wasserwerks unterscheidet sich die andere, welche die County Flood Control
nordwestlich davon im Trockenbett des Pacoima anlegt, denn hier soll
fließendes trübeführendes Wasser zum Versickern gebracht werden. Einmal
will man das Unwetterwasser, das die Siedlung Van Nuys
bisher bedrohte, soweit wie möglich versickern lassen, ehe es die Ortschaft
erreicht. Zum andern soll das Wasser, das der regulierende Pacoima-
Staudamm im Gebirge 'zurückhält, langsam in das Trockenbett freigegeben
und auf diese Weise 9 km unterhalb des Dammes dem Untergrund zugeführt
werden. Diese Versickerungsanlage ähnelt einem System von Bewässerungs-
gräben. Aus dem Hauptbett nehmen zunächst zwei Seitenkanäle einen Teil
des Wassers auf. Mit der Abdachung des Schuttfächers verzweigen und
verästeln sich die Kanäle immer weiter. Dadurch wird das Wasser in kleine
Rinnsale verteilt und versickert leichter. Seitliche Uferdämme schützen die
benachbarten Felder. Überschüssiges Wasser fließt in einen Sammelgraben,
der unterhalb der Versickerungsanlage quer zu ihr verläuft, und wird auf
16*
243
diesem Wege de.m flauptbett wieder zugeführt. Von Zeit zu Zeit muß ein
Spülstrom durch das Grabensystem gejagt werden, der· den verstopfenden
Schlick mitnimmt.
Wenn die Becken-Versickerungsanlage des städtischen Wasserwerks sich
bewährt, wird man noch mehr Owens River-Wasser als bisher im San Fer-
nando-Becken speichern. Die künstlich bewässerte Fläche ist im Owens-Tal
innerhalb von zehn Jahren schon auf weniger als ein Viertel ihrer ursprüng-
lichen Ausdehnung zurückgegangen. So wird das Wasser des Owens';Tales
für die Sicherstellung der städtischen Wasserversorgung bald nicht mehr aus"
reichen. Deshalb hat sich Los Angelesentschlossen, einen' Anteil am
Wasser des Coloradoflusses zu gewinnen, den der riesige, seit 1930 im Bau
befindliche Hoover-Damm an der Grenze zwischen Nevada und' Arizona
aufsta:uen·wird. Los Ange1es hat sich mit 14 weiteren Städten des Südkali-
fornischen Beckens zum ,;Metropolitan Water District" zusammengetan.
Dieser "District" wird der südkalifornische Großabnehmer des Colorado-
Wassers sein. Ihm wird es obliegen, das Wasser anteilmäßig an die
habenden Städte zu verteilen. Es ist schon fraglich, ob er die Aufnahme-
bewerbungen weiterer südkalifornischer Städte berücksichtigen kann.
Der neue Colorado-Aquädukt, für den verschiedene Projekte ausgearbeitet
wurden, wird erst 250 km südlich des Hoover-Dammes' am Parker-Damm
das Flußwasser aufnehmen und es durch die Colorado-Wüstedem südkali-
fornischen Becken zuführen. Die Wasserfernleitungwird 400 km lang. Auf
dieser Strecke sind 46 Tunnels mit einet Gesamtlänge von 175 km geplant
(Lit.302). Der Kraftanteil. von 36 Prozent, den man sich am Hoover-
Damm ebenfalls gesichert hat, wird teilweise dazu verwandt werden, das
Wasser über die ansteigenden Strecken des Aquädukts 450 m herauf Zu-
pumpen. Neue Kraft wird auf abfallenden Steilstrecken wieder gewonnen
werden. Wenn man den Aquädukt unmittelbar vom Hoover-Damm aUs zum
Südkalifornischen Becken unter Ausnutzung größeren natürlichen Gefälles
bauen würde, müßten aktive Brüche an ungünstiger Stelle gequert werden.
Die Route wäre länger und der Anfangsanstieg größer (Lit. 272 S. 147 und 148).
So zieht man die südliche Route vor. Sie tritt nicht wie die nördliche durch
den Cajon-, sondern durch den San Gorgonio-Paß in das Südkalifornische
Becken ein.
Schon ehe der Colorado-Aquädukt vollendet ist, wird vielleicht Wasser-
knappheit eintreten. Deshalb denkt man in Los Angeles daran, vorher den.
Owens-Aquäduki noch weiter nach Norden zu verlängern und sich das Wasser
244
I,
des Moti.o-Beckens, das bereits auf der Breite von San Francisco liegt, 'zu
siehern. Auch Pasadena, das mit zum "Metropolitan Water District" gehört,
kann nicht bis zur Fertigstellung des Aquädukts warten und baut sich des-
halb einstweilen einen Staudamm im San dessen Kosten
viele Millionen betragen. Der "Metropolitan Water District,-;"Süll ihn später
käufen, um einen Teil des Colorado-Wassers darin zu speichern.
Wenn der zweite große Aquädukt fertiggestellt ist, wird die Wasser-
versorgung von Los Angeles IDit gleichen Winkel- und Entfernungsmaßen auf
Deutschland übertragen so aussehen, wie wenn Köln den einen Teil seines
Wassers aus der Gegendvon Emden, den anderen aus Leipzig pezöge. Man
muß sich das dazwischenliegende Gebiet als Wüste vorstellen. Der Kosten-
überschlag für den Bau des Colorado-Aquädukts ergibt die phantastische
Summe von einer Milliarde Mark. Das ist rund 10 Prozent des be-
steuerten Vermögens von Los Angeles und den 14 Trabantenstädten (Lit. 306
S. 29). Trotzdem hat die Bevölkerung für 'die Finanzierung gestimmt, denn
das Wachstum von Los Angeles darf nicht zum Stillstand kommen.
SCHLUSS
Die Eigenart der Menschen, die in die Landschaft kamen, und die Ent-
wicklung der Verkehrsmittel bewirkten, daß Südkalifornien erst sehr spät er-
schlossen wurde, daß es ein weiteres Jahrhundert dauerte, bis Los Angeles
als Stadt aufzublühen begann, und daß die städtische Siedlung sich in den
drei jüngsten Jahrzehnten über den weiten Raum, den sie heute beansprucht,
ausdehnte. Edelmetalle, die die Spanier suchten, schienen nicht vorhanden zu
sein, so daß diese lange Zeit an der Landschaft kein Interesse hatten. Von den
Missionaren abgesehen, kolonisierten sie nicht. Die extensive Viehwirtschaft des
Spaniers mußte der intensiveren Landschaftsnutzung und dem lebendigeren
Wirtschaftsgeist des nordischen Bevölkerungselementes weichen, das schließ-
lich eine fieberhafte Entwicklung einleitete. Mit den alten Verkehrsmitteln
war die Landschaft schwer zu erreichen. Die nordwestlichen Seewinde hielten
die Schiffe fern, und die Wüsten des Innern versperrten den Zugang auf dem
Landwege. So konnte die Stadt erst dann anfangen sich zu entwickeln, als
der Eis,enbahnbau den ariden Südwesten überwunden hatte und damit der
Wert des Landes stieg. Industrien konnten sich in größerem Maße erst zu
einer Zeit ansiedeln, als ein Absatz- und Arbeitsmarkt vorhanden war, als die
zentralamerikanische Landenge die Seeschiffahrt nicht mehr hinderte, die Bohr-
methoden so weit fortgeschritten waren, daß man die reichen Lagerstätten
flüssigen Brennstoffs zu erschließen vermochte, und Wasserdampf oder -gefälle
den elektrischen Kraftstoff liefern konnten. Erst die elektrische Schnellbahn
und später das Automobil ermöglichten die weitläufige städtische Ausbreitung.
Aber die Überwindung der starken Hemmnisse, die nicht in den unzu-
reichenden Verkehrsmitteln oder der rückständigen Technik, sondern im Cha-
rakter der Landschaft selbst begründet sind, ist nur aus der Eigenart und dem
Geiste ihrer Bewohner, des besonderen Amerikanertyps von Los Angeles, zu
erklären. Im Amerikaner sind deutsche Arbeitsausdauer und puritanischer,
aufs Praktische gerichteter Unternehmergeist gepaart. Der kalvinische, die
Einzelinitiative fördernde Geist kommt im Puritanismus zu reinster Entfal-
tung. Aber ist nicht Kalvins Wirken durch das Werk unserer großen deutschen
Reformatoren ausgelöst worden? Hat nicht Kalvin von ihnen seine An-
regungen empfangen und Luthers Lehre zwar nicht im Dogma übernommen,
sie aber dem Sinne nach so recht für das praktische und den einzelnen
auf sich gestellten Menschen fortgestaltet ? Es ist daß nicht das
friedfertige "Luthertum" der Epigonen, sondern der kampfbereite kalvinische
Geist den Organismus und die militärische Basis schuf, auf der allein sich ein
Preußen und damit ein Deutsches Reich entwickeln konnte. Preußens Aufstieg
und das Werk seiner großen Könige wäre nicht möglich gewesen ohne die Kraft
des Handelns, die kalvinische Überzeugung dem ersten der großen Hohen-
zollern, dem tief im Kalvinismus wurzelnden Großen Kurfürsten, zu geben ver-
mochte. So muß man sich in einer Zeit, in der der Protestantismus einer Er-
neuerung bedarf, der Kraft erinnern, die dem echten Kalvinismus innewohnt,
dem in erster Linie das politische Deutschland so großen Dank schuldig ist.
Gewiß hat der kalvinische Puritanismus, da wo nicht mehr sein Wesen,
sondern nur noch seine Form erhalten blieb, auch in Los Angeles Auswüchse
gezeitigt. Der all-lebendige amerikanische Geschäftsgeist, der sich aus der kaI ..
vinisch-puritanischen Berufs- und Erfolgsauffassung herleitet, hat schließlich
auch oft zu Übertreibungen geführt, und in Los Angeles finden wir manches
davon. Aber Negatives treffen wir überall, wo Menschen am Werke sind, um
so mehr, je größer ihre Zahl und je größer ihre Kraftanstrengung. Wesent.,
licher als das Negative erscheint uns das Positive, denn an ihm wollen wir lernen.
Das Amerikanertum, in dem sich schon in Neu-England Geschäftstüchtig-
keit auf Grund puritanischen Betätigungsdranges entwickeln konnte, kommt
westlich der Alleghanies zu noch typischerer Entfaltung. Wer beweglich ist,
wer Mut zu neuen Unternehmungen hat, wandert westwärts. Konservative
Elemente, die sich von Altem nicht freimachen können, bleiben zurück. Doch
das bewegliche und unternehmende Arnerikanertum schließt auch ein gut Teil
Abenteurernaturen mit ein, die besonders der Bergbau des Westens anzieht.
Auch in Los Angeles erscheint das Abenteurerelement, tritt aber nur in Boom-
Zeiten stärker in Erscheinung. Das dauerndere Bewohnerelement stellt der
Tourist, der sich in Los Angeles ansiedelt. So sehr auch die modernen Ver-
kehrsmittel ein Umsiedeln nach dem Fernen Westen erleichtern, werden doch
nur die Beweglicheren ihren Wohnsitz um 3000 oder mehr Kilometer ver-
legen. Sie kommen in der Absicht, sich vom Geschäftsleben zurückzuziehen.
So besteht der stetige Zuzug, den Los Angeles seit den 1870er Jahren emp-
fängt, in erster Linie nicht aus armen, erst ihr Glück versuchenden Zuwan-
derern, sondern aus bemittelten Menschen. Die Bewohnerschaft ist daher eine
247
Auslese nicht nur von Beweglichen, sondern zugleich von Erfolgreichen, - nicht
Menschen, die in Bequemlichkeit aufgewachsen sind und auch nicht solchen,
die nicht zum Ziele kamen. Es sind Menschen, die an anderer Stelle der Ver-
einigten Staaten berufliche Erfolge hatten, so daß sie es sich leisten können, an
der kalifornischen "Riviera" von ihren Zinsen zu leben. Das beschauliche Ge-
nießen paßt aber nicht zum Amerikaner, erst recht nicht zu denen, die im Leben
erfolgreich waren und beweglich sind. So beginnen sie in Los Angeles bald, sich
wieder zu betätigen. Daß sie ihre neuen Unternehmungen mit erstaunlicher Ener-
gie durchführen, erklärt sich aus ihrer auf Erfolg gegründeten Berufserfahrung,
ihrem vorausblickenden Geschäftssinn, der auf Reklame reagiert, den Mitteln,
über die sie verfügen, und ihrem Wagemut. Das Unternehmenjedeseinzelnen von
ihnen hängt vom Andauern der Bevölkerungsvermehrung ab. Sie haben alle das-
selbe Interesse am Wachstum von Los Angeles, und da ihre Zahl stets die der am
Orte gebürtigen Einwohner beträchtlich übersteigt, reißen sie diese mit sich.
Solange dieses ungleiche Zahlenverhältnis von Zuwanderern zu Einheimischen
besteht, kann sich keine Clique bilden, werden die maßgebenden Bewohner alle
nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten. Das Farmerelement aus
dem Mittleren Westen, das die Nachkriegszeit gebracht hat, arbeitet zwar wenig
mit, stemmt sich aber auch nicht gegen die Entwicklung. Ihre zweite Generation
wird den Geist von Los Angeles erfassen und mitgerissen werden. Dieser auf-
geschlossene, aktive, hilfsbereite Sinn öffnet dem Fremden, wie es der Verfasser
selbst überall erlebte, ohne langes Fragen Tür und Tor.
Amerikanische Städte sind als traditionslos bezeichnet worden. Das ist richtig,
sofern man Tradition als Festhalten an überliefertem Zustand oder festgefügter
Ordnung auffaßt. Für Los Angeles aber bedeutet Tradition Bewegung. Die pri-
vate Handelskammer verkörpert diesen lebendigen tatkräftigen Geist der maß-
gebenden Bürgerschaft, deren gemeinschaftliches Vorwärtsstreben von der
Einzelinitiative gefördert wird.
Immer wieder finden sich Männer, die hinausgehen und zum Besten des
Gemeinwesens rastlos und erfolgreich werben, heute ebenso wie vor 40 Jahren.
Der Initiative eines Einzelnen ist es zu danken, daß die Olympischen Spiele, die
man sich bisher nur in europäischen Hauptstädten oder NewYork, allenfalls noch
in Chicago denken konnte, 1932 in Los Angeles abgehalten wurden, so daß mit
einemmal über Amerika hinaus die ganze Welt, die von der Bedeutung von
Los Angeles wenig Ahnung besaß, auf die Stadt aufmerksam wurde, und die
Teilnehmer und Besucher, bei denen die Gastfreiheit und das Klima bleiben-
den Eindruck hinterließen, nunmehr in allen Teilen der Erde Reklame für
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1
Südkalifornien machen. Der aktive Geist der Bürgerschaft hat Los Angeles ge-
schaffen, in der Erkenntnis, daß das Wohl des Einzelnen vom Aufblühen und
der Bedeutung des Gemeinwesens abhängt. Schon in den 1890er Jahren hat
dieser Geist in einem Manne wie Wiggins seinen Exponenten gefunden.
Um den Lebensnerv, den Bevölkerungszustrom, zu erhalten, haben sich
die Menschen angesichts gemeinsamer Gefahr zusammengetan. Gemeinsam
vermögen sie die größten naturbezwingenden Aufgaben zu lösen. Erst haben
sie sich - und Deutsche waren die ersten - im Kleinen zusammengeschlossen,
Um die künstliche Bewässerung zu ermöglichen. Später haben sie sich zu
Aktionen vereinigt, die Los Angeles im ganzen Lande bekannt machen sollten,
auf daß die Landschaft aus ihrer Isolierung heraustrete und sie mehr Menschen
und mehr Kapital anlocke. Dann haben sie die Erfahrungen des Fruchtbaus aus-
getauscht und sich zu erfolgreicher gemeinsamer Werbe- und Verkaufsorgani-
sation zusammengetan. Als der Sättigungspunkt der Bevölkerungsaufnahme-
fähigkeit nahte, einte man sich zu einem großen Projekt, um Trinkwasser für eine
weitere Million Menschen 350 km weit über unerschlossenes Gelände herzuleiten.
Die Gefahr, daß Los Angeles keinen Anteil am Seehandel haben würde, nach-
dem der Panamakanal vollendet ist, führte mit einem Schlage zur Durchführung
des Hafenbaus an der sonst schiffahrtsfeindlichen Küste. Da weiterer Millionen-
zuwanderung erneut Wasserknappheit droht, sann man auf ein neues Wasser-
leitungsprojekt, w e l c h ~ s das frühere an Kühnheit noch übertrifft. Werden sich die
Bürger von Los Angeles auch zur großzügigen Baurevision zusammenschließen,
um den Erdbeben, die die Landschaft bedrohen, ihre Gefahr zu nehmen?
Gerade weil seine Entwicklung kurz und klar ist, zeigt das Beispiel von
Los Angeles, daß die Bedeutung einer Stadt weniger durch die geographische
Lage, die nur denAnsatzpunkt gibt, sondern in erster Linie durch die Menschen
bestimmtwird. Die Voraussetzungen für das Aufblühen der Stadt sind lebendige
Initiative des Einzelnen, die auch die finanziellen Mittel schafft, und gemein-
samer Wagemut.
So sollte aus dieser Stadtgeographie nicht nur der Städtebauer, Statistiker
und Volkswirtschaftler Lehren ziehen, sondern jeder, der Mitglied eines städ-
tischen Gemeinwesens ist. Wenn der Einzelne an seiner Stelle größtmögliche
Energie und ideenreiche Initiative entfaltet, zugleich überall für seine Stadt
wirbt, sich nicht abschließt, sondern mit der übrigen Bürgerschaft dauernd
zusammensteht, dann kann es keinen Rückgang geben. Anders ist städtisches
Aufblühen auch in unserem deutschen Vaterlande nicht möglich. Diese
Erkenntnis fordert uns alle zu tatkräftiger Begeisterung auf.
249
LITERATUR VERZEICHNIS
Allgemeines S. 250 - Südkalifornien S. 251 - Karten und Pläne S. 251 - Photographien-
Sammlungen S. 255 - Die wichtigsten Statistiken S. 256 - Erdgeschichte, Bau und Ober-
Hächengestaltung S. 256 - Erdölvorkommen- und -erschließung S.258 - Erdbeben S. 260 -
Klima S. 260 - Natürlicher und künstlicher Wasserhaushalt S. 261 - Böden S. 265 -
Vegetation S. 266 - Indianerlandschaft S. 267 - Entdeckung und Erkundung S. 267 -
Spanische und amerikanische Kolonisation S. 267 - Entwicklung der Stadt und ihrer Teile
S. 272 - Die Bewohner S. 275 - Landaufteilung S. 276 -.:. Grundriß, Aufriß, Verkehr S. 277 -
Fernverkehr S. 279· - Hafen S. 280 - Fischerei S. 281 - Industrie und Handel S. 281 -
Landwirtschaft S. 282 - Zeitgenössische Aufsätze in Zeitschriften S. 282 - Verschiedenes S. 285.
ABKÜRZUNGEN
A. A. P. G. = Americall Assoeiation of Pe-
troleum Geologists
Acad. = Academy
Am. (Amer.) = American, America
Ann. = Annual
Bd. = Band
BuH. = Bulletin
Ca!. = California
Ed. = Edition
Geo!.
Hrsg.
H.S.S.C.
Jour.
L.A.
Mem.
= Geological
= Herausgeber
= Historical Soeiety of Sou-
thern California
= Journal
= Los Angeles
= Memorial
MIM.
MS.
Pap.
Proc.
Pub!.
Rev.
Sei.
Sero
Soc.
= Mimeogramm
= Manuskript(e)
= Paper
= Proceedings
= Publication(s)
= Review
= Science(s)
= Series
= Society
Surv. = Survey
übrs. = Übersetzer
U. C. = University of California
U. S. = United States
U. S. C. = University ofSouthern California
Wash. = Washington. D. C.
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mittee (Hrsg.): Nature and Seience on The Pacific Coast. A Guide-Book for Seientific
Travelers in the West. San Francisco 1915. (Beiträge aus zahlreichen Wissenschafts-
zweigen.)
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3. Dickinson, R. E.: The Metropolitan Regions of the United States. Geogr. Review,
Bd. XXIV, S. 278-291, New York 1934.
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5. Fenneman, N. M.: Physiography ofWestern United States. New York und London 1931.
6. GIey, W.: Die Großstädte Nordamerikas. Frankfurter Geogr. Hefte I, 2, Frankfurt a. M.
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Trink- und Brauchwasser. Geogr. Zeitsehr. 1920.
8. Niklason, C. R.: Commercial Survey of the Pacific Southwest. Washington 1930.
9. Oberhummer, E.: Amerikanische und europäische Städte. Mem. Vol. Transcont.
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10. Penck, A.: Amerikanische Städte. Österr. Rundschau, 1905, S. 375-390.
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New York 1918 ..
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S. 579-588, New York 1905.
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15. Fairbanks, H. W.: The Geography ofSouthern California.JournalofGeography, Bd. 20,
S. 281-293, 1921.
KARTEN UND PLÄNE
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logical Survey, 1922ff., 39 Blätter, den südlichen Teil des Countys umfassend. Einzelne
Blätter, auch ohne Kultureindruck mit nur Höhenlinien und Gewässern erhältlich.
17. Topographie Maps of California, 1 :62500. U. S. Geological Survey, 1893ff. Blätter
Santa Susana, San Fernando, Tujunga, Calabasas, Santa Monica, Pasadena, Pomona,
Cucamonga, San Bernardino, Redlands, Redondo, Downey, Anaheim, Riverside, San
Pedro, Las Bolsas,. Santa Ana und Doppelblatt Los Angeles.
18. Topographie Maps of California, 1: 125000. U. S. Geological Survey, I893ff.
Blätter Camulos, Corona, Eisinore.
19. Topographie Map of Southern California, 1:250000. U. S. Geological Survey,
I893ff. She.ets No. I and No. 2.
20., Chart of Los Angeles Harbor and Vicinity, 1:40000. U. S. Coast and Geodetie
Survey 1929. Chart No. 5143.
21. Chart ofSanta Monica Bay, 1:40000. U. S. Coast and Geodetic Survey, 1930. Chart.
No. 5144.
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Survey, 1932. Chart No. 5146.
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Survey 1859.
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25. U. S. Navy Dept., Hydrographie Office (Hrsg.): Contoured and colored bathy-
metric chart of the sea Hoor off the coast of Southern California, prepared at the request
of the California Earthquake Commission, Wash. 1923. .
26. Lawson, A. C. und Mitarbeiter: Atlas of Maps and Seismograms accompanying the
Report ofthe State Earthquake Investigation Commission upon the California Earthquake
of April 18, 1906. Hrsg.: Carnegie Inst., Wash. 1908.
27. Fault Map of the State of California, 1:506880. Hrsg.: Seismo!. Soc. of America,
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Hydr. Office and Navy Dept., U. S. Geol. Survey; Carnegie Inst. of Wash., Univ. of
Calif. and Stanford Univ., Ig22.
28. Irrigation Map of Southern California, IgI2. To Accompany Report on the
Irrigation Resources of Southern California. U. S. Dept. of Agriculture, Office of Ex-
periment Stations, Irrigation Investigations, in Cooperation with the Conservation Com-
mission of California. (Beilage zu Adams, F.: Irrig. Resources of Cal. and their U tilization,
Wash. IgI3.) Ohne Maßstab.
2g. Irrigation Map of Southern California, Ig22. U. S. Dept. of Agriculture, Bureau
of Public Roads, Irrigation Investigations, in Cooperation with Cal. State Dept. of
Engineering, U.C. College of Agric. u.Cal. State Water Commission. Ohne Maßstab.
30. Soil Map of California, 1:62500. Soil Surveys of U. S. Dept. of Agriculture, Bureau
of Soils, in Cooperation with the University of California Agricultural Experiment Station.
Aufgenommen IgI5 und IgI6. Erschienen: Washington D. C., IgI7-IgIg. Blätter:
Anaheini, Los Angeles, San Fernando, Pasadena und Riverside.
31. Soil Map of California, I: 125000. Reconnoissance Soil Survey of U. S. Dept. of
Agriculture, Bureau of Soils, in Cooperation with the University of California Agricultural
Experiment Station. Aufgenommen IgI7. Erschienen: Washington, D. C., Ig2I. Blatt:
Central Southern Area, Western Sheet.
32. Plano de el Pueblode la Reyna de Los Angeles, y tierras de Labor que se han
medido en numero de 30 suertes de 200 varas de Largo, y las mismas de anch<>, cabida
de una fanega de sembradura de Maiz, en cada una, las cuatro primerasson de tres cientas
varas de Largo y ciento de ancho, los Marjenes Divisorios son de tres varas de ancho.
Kopie unter den Abschriften der State Papers, MS., Missions and Colonization, I, S. 103.
In der Bancroft Library, Berkeley. (Wahrscheinlich vor 1786; vgl. Bancroft, Hist. ofCal., I.
S.349, Anm.)
33· Estado que comprende las suertes de tierras correspondientes al Pueblo
de la Reina de los Angelesmedidaspor orden del Seiior Coronel y Gobernador Don
Felipe de Neve. Kopie unter den Abschriften der StatePapers, MS., Missions and Coloni-
zation, I, S. 307.1n der Bancroft Library, Berkeley. (Wahrscheinlich vor 1786; vgl. Ban-
croft, Hist. of Cal., I, S. 349, Anm.)
34. Karte der Grundstücke und Felder des Pueblo La Reina de los Angeles,
nach der Vermessung 1786, unterzeichnet von Arguello I793. Kopie unter den Abschriften
der Provincial State Papers, MS., I1I, S. 55. In der Bancroft Library, Berkeley.
35. "Diseiios" der Mexikanischen Ranchos in U.S.Public Survey Office, Glendale,
Kopien in U. S. District Court's Office, San Francisco, im Archiv des Secretary of
State im Keller des Cal. State Capitol, Sacramento, und in der U. S. General Land
Office, Washington, D. C.
36. Plan de la Ci udad de los Angeles. Surveyed and drawn by E. O. C. Ord, Lt. U. S. A.
and Wm .. R. Hutton, Asst., August 2gth I849. Los Angeles City Map No. I. Original in
L. A. City Hall. .
37. Map of the City of Los Angeles, showing the Confirmed Limits. Surveyed in August
1857 by Henry Hancock, mit: Plan de la Ciudad de los Angeles, Surveyed by Ord and
Hutton I849, und: Donation Lots, Surveyed by H. Hancock in August and April 1853,
Geo. Hansen, Asst. Scale 3/'6 inile to I inch (I: 12000). (Published byBancroft & Thayer,
Real Estate Brokers and W. H.J. Brooks, Searcher of Records, Los Angeles, Ca!.) In
Bancroft Library, Berkeley.
38. Grading Map ofLos Angeles City, California, showing the Topography onJanuary
Ist, 1870, surveyed by order of the Honorable the Mayor and Common Council of Los
Angeles City by Frank Lecouvreur, County Surveyor, Los Angeles, April 20th 1870.
Scale of 80 Feet per Inch. Die Bauweise eines jeden einzelnen Hauses der Stadt ist auf
dieser Karte kenntlich gemacht.
3g. Map of the City ofLos Angeles, California, by H. J. Stevenson, U. S. Dept. Sur-
veyor, 1884. Scale: 700 Feet per Inch. Mit den Bewässerungskanälen.
252
1
I
40. Lecouvreur-Collection of Maps. Sammlung von Vermessungsplänen aus dem
Los Angeles der I860er und I870er Jahre. In L. A. County Surveyor's Office, Hall of
Records, Los Angeles.
41. Map Books .. L. A. City Archives. In City Clerk's Office, L. A. City Hall. Geben Auf-
schluß über qie, Entwicklung der Bebauung, der Bewässerungskanäle usw. (Besonders:
Maps and Surveys I86g-I8g8.)
42 .. Atlas ofL. A. County Surveyor's Sheets ofLos Angeles County, I Inch = 1200,
1333,2000 Feetund ähnliche Maßstäbe. Rapid Blue Print Co., Los Angeles, um 1930/32.
Blätter 1-6 und 21-61. Verkleinerte lithographische Wiedergaben der Originale des
Katasteramts .. Die Karten zeigen sämtliche Auf teilungen.
43. Reeve's Collection of Maps. Sammlung alter Karten und Pläne von Los Angeles
und Umgebung, z. T. in der Los Angeles Public Library.
44. Rancho-Vermessungskarten in L. A. Recorder's Office, Hall ofRecords, Los Angeles.
Kopien in Patent Books 1-3 der Title Insurance and Trust,Co., Los Angeles.
45. Atlanten der U. S. General Land Office mit den Vermessungen des Regierungs-
landes um Los Angeles 1853-1888. Townships 2, I North, I, 2, 3 South, Ranges 11,12,
13, 14, 15 West, San Bernardino Meridian. Im Büro der U. S. General Land Office, Los
Angeles. Die Karten zeigen die damaligen Wege, Häuser, Sümpfe, Gewässer usw.
46. Map of San Gabriel Orange Grove Association Lands, Los Angeles County,
1874. Original in Collection of Pasadena Historical Society.
47. Map ofPart ofLos Angeles County, compiled by Hoffinann Brothers, Showing the
. position of Rancho Santa Gertrudis, for Sale by McLean & Hardy, San Francisco, E. B.
Frink, Los Angeles. I870? (In Bancroft Library, Berkeley.)
48. Map of a Portion of Los Angeles County, Showing the Abel Stearns' Ranchos;
5 Ranchos, 200 square miIes in blocks of I miIe square with road on each side. For saIe
in sections or fractions by Alfred Robinson, Trustee at the Los AngeIes & San Bernardino
Land Office, San Francisco, Agency Los Angeles or Anaheim. Edition May 1873. (In
Bancroft Library, Berkeley.)
4g. Map ofthe County ofLos Angeles, CaIifornia, compiles from U. S. Land Surveys,
records ofprivate surveys and other reliabIe sources by J. H. Wildy, Dep. County Surveyor
and A.J. Stahlberg, C. E.,I877. ScaIe: 2 Miles to I Inch.
50. Map of the County of Los AngeIes, California, by H.J. Stevenson, U. S. Dept.
Surveyor. ScaIe 6 Miles to I Inch. 1880. (In Bancroft Library, Berkeley.)
51. Mapofa Part ofSouthern California accurately compiled from pIats ofU. S. Land
surveys, county records and other reliable sources by Howland & Koeberle, surveyors
and draughtsmen, Los Angeles, California. 1886. ScaIe: 4 Miles to I Inch.
52. Official Map of Los Angeles County, California, compiled und instructions
and by order of the Boardof SuperVisors of Los Angeles County, by V.J. Rowan, Sur-
veyor, 1888.
53. Official Map of the County of Los Angeles, California, I8g8. Compiled by
E. T. Wright, County surveyor, C. N. Perry, draughtsman. ScaIe: 11/'6 of Inch = I Mile.
54. Rueger's Township and Sectional Map ofLos Angeles County and Vicinity,
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Angeles. California. Scale: land '/. MiIes equal I Inch.
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253
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i
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dichte von Los Angeles und Umgebung), The Regional PIanning Commission, Los Angeles,
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61. Relief Map of Territory Served by Lines of Pacific Electric Railway in
Southern California. Copyrighted 1920 by O. A. Smith.
62. Gillespie's Guide, for the Automobile Driver, showing 12750 Streets and Boulevards.
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Harbor Department of the City ofLong Beach and the Industrial Division of Long Beach
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70. Map of Los Angeles Harbor and Vicinity, published by the Harbor Dept. of the
City of Los Angeles, August 1931.
71. Set ofMaps ofthe Irrigation Region ofLos Angeles and San Bernardino Counties,
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Bureau of Agricultural Engineering, Post Office Bldg., Los Angeles. Auf den Karten
I : 62 500 sind bewässertes und nicht bewässertes Kulturland um Los Angeles und die
wichtigsten Wassergesellschaften eingetragen, in einzelnen Fällen auch die Namen der
Besitzungen und die angebauten Produkte.
·73. Map ofCounty ofLos Angeles, Showing Areas Occupied byVarious Uses (Industrial
Areas, Oil Fields, Tree Crops, Hog Farms, Dairies). The Regional Planning ComInission,
Los Angeles, Februar 1928.
74. Kartenentwurf: Land Utilization of a Portion of the South Coastel Plains. College
of Agriculture (Giannini Foundation), Berkeley (1933).
75. Isohyetose Maps: Coastal Plain, San Fernando Valley, San Gabriel Valley. Season
1928--1929. Los Angeles County Flood Control District, Los Angeles.
76. Grundwasser·karten und -profile des Los Angeles County Flood Control Distriet,
254
,
Los Angeles (besonders aufschlußreich sind die Karten, die die Veränderung des Grund-
wasserspiegels 1904-1931 veranschauli<;hen).
77. Map and Profile Showing Tentative Location of the Metropolitan Water
District Aqueduct and Main Distribution Lines. F. E.Weymouth, Chief Engineer.
Und: Map. of Southern CaIifornia and Lower Colorado River, August 1931, showing
. Conduits, Tunnels, Pressure Lines and Cities in Distriet. .
78. Map Showing Principal Areas in which Storm Drains Have Been Constructed in
the City ofLos Angeles. Hrsg.:J.J.Jessup, L. A. City Engineer.
79. Map Showing GeneralFeatures ofComprehensive Plan for Flood Control and
Conservation, March 25, 1931. Los Angeles County Flood Control Distriet, Los Angeles.
80. Ältere und neuere Karten von Los Angeles in der Division of Maps der Library
of Congress, Washington, D. C.
81. Karten-Sammlung der California State Library, Division ofDocuments, Sacra-
mento.
82. Sammlung älterer und neuerer kaliforniseher Karten und Pläne in der Ban-
croft Library, Berkeley.
83. Karten und Pläne des Historical Dept. der Los Angeles Public Library. (Besonders
. die Sammlung alter Karten der Ranchos und von Los Angeles.)
84. Karten und Pläne der Henry E. Huntington Library, San Marino, Cal.
85. Karten und Pläne der L. A. County Surveyor's Office, Hall of Records, Los Angeles.
86. Karten und Pläne der L. A. County Recorder's Office, Hall of Records, Los Angeles.
87. Karten und Pläne des L. A. City Engineer, City Hall, Los Angeles.
88. Karten und Pläne der L. A. CityPlanning Commission, City Hall, Los Angeles.
89. Sammlung von Karten und Kartenentwürfen der Regional Planning Commission,
Los Angeles. .
90. Zonungskarten von Los Angeles und verschiedenen Städten des Umkreises.
91. Auf teilungs- und Bebauungspläne privater Aufteilungsgesellschaften.
PHOTOGRAPHIEN-SAMMLUNGEN
92. Photographien-Sammlung der Los Angeles Chamber ofCommerce. In erster Linie
Bilder der Industrie und Landwirtschaft von Los Angeles und Uxngebung.
93. Photographien-Sammlung der Long Beaeh Chamber of Commerce.
94. Sammlung "Los Angeles Vic:ws", des History Dept. der Los Angeles Public Library.
95. "Luther A. Ingersoll Historical Collection", Sammlung alter Bilder und Pläne
von Los Angeles und' Uxngebung, des History Dept. der Los Angeles Public Library.
96. Photographien-Sammlung des Publicity Dept. der Security-First National Bank
of Los Angeles. Reichhaltige Sammlung von Bildern des alten und neuen Los Angeles.
97. Sammlung von Photographien des Pasadena der 1880er Jahre, aufgenommen von
den Photographen T. G. Norton und Geo. Weingarth, Pasadena.
98. Flugzeug-Aufnahmen der "Fairchild Aerial Surveys, Inc.", Los Angeles.
99. Flugzeug-Aufnahmen der "Spence Air Photos", Los Angeles. Besonders aufschluß-
reich sind alte und neue Aufnahmen derselben Teilgebiete der Stadtlandschaft.
100. Sammlung photographischer Aufnahmen des Bureau of Engineering, Dept. of
Public Works, City of Los Angeles. Photographien der Entwässerungsarbeiten, des
Straßen-, Brücken- und Tunnelbaues, von Straßendurchbrüchen usw.
101. Photographische Aufnahmen des Verfassers aus allen Teilen der Stadt, der Vor-
städte, der Randstädte und der Umgebung.
255
\
DIE WICHTIGSTEN STATISTIKEN
102. U. S. Dept. of Commerce, Bureau of the Census: 7th-15th Census of the United
States. 1850-193°' Population, Agriculture (Crops, Livestock, Farms, Drainage, Irri-
gation), Manufactures, Mining, Summaries, Bulletins, State Series.
103. Cal. State Chamber of Commerce, Research Dept.: Econornic Survey Reports,
Series 1929-1930, 1930-1931, 1931-1932. San Francisco. (Vergleichende Statistiken
der verschiedenen Teile Kaliforniens auf allen Gebieten der Wirtschaft.)
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und Abbildungen zur Entdeckung und Kolonisation Kaliforniens, vor allem Südkali-
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488. Guinn, J. M.: A History of California and an Extended History of Los Angeles and
Environs, also COfltaining Biographies of weIl Kziown Citizens of the Past and Present.
3 Bde. Los Angeles 1915. (Von allen ähnlich umfangreichen "Histories orLos Angeles"
anderer Verfasser weitaus die zuverlässigste. Die Kapitel 1-35 des I. Bandes enthalten
eine Geschichte Kaliforniens, weitgehend auf Bancroft fußend,' ergänzt durch Benutzung
der Akten des Ayuntamiento von Los Angeles I 82a-:1 850. Die. Geschichte von Los
Angeles und Umgebung ist in den Kapiteln 36-66 enthalten; sie ist zum Teil eine Zu-
sammenfassung zahlreicher Einzelaufsätze Guinns, die er seit den 1 880er Jahren in den
von ihm herausgegebenen "Annual Publications of the Historical Society of Southern
California" veröffentlichte. Guinn lebte seit 1869 in Südkalifornien, war Schuldirektor
in Anaheim, später Schulrat in Los Angeles. In den 1880er Jahren besaß er 3 Jahre
ein Warengeschäft, ging dann ins Grundstücks- und Vorschußgeschäft, in dem er die
Boom-Jahre mitmachte und .überstand. Aus den Biographien, die in Band 2 und 3
enthalten sind, ist manche aufschlußreiche Einzelheit über die Schicksale und Unter-
nehmungen einzelner zu entnehmen.)
489. Hayes, Warner und Widney: An Historical Sketch ofLos Angeles County, Cal.
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und Chicago 1900. In 12 Teilen. (Reichhaltige Zusammenstellung photographischer
Wiedergaben, die das Aussehen der südkaliforruschen Städte und Landschaften um die
Jahrhundertwende veranschaillichen.)
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dena, Cal. (Besonders: Special Pasadena Number, April 1928.)
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Reklameheft.) ,
759. Long Beach Chamber of Comm'erce: Verschiedene Aufsätze über Long Beach;
, darunter besonders "Amusement" und "Community Thrift Gardens".
760. Long Beach Municipal Convention and Publicity Bureau: Long Beach
50th Anniversary, Xth Olympiad Souvenir. (Abbildungen des alten und neuen Long
Beach.)
761. Los Angeles. The Metropolis of the West. Statistische Zusammenstellung Init
Karten und Abbildungen. Hrsg.: The Frank Meline Co., Los Angeles 1929.
762. Los Angeles 1931 Year-Book.60th Anniversary Edition. L. A. Evening Express.
(Mit Statistiken, Kontrastbildern und Abbildungen des früheren und heutigen Los
Angeles).
763. L. A. Chamber of Commerce (Hrsg.): Facts and Figures concerning Southern Cali-
fornia and Los Angeles City and County. Dec. 1888. L. A. Evening Express Co. 1888
(Pamphlets of Southern California in L. A. Public Library).
764. L. A. Chamber of Commerce: Los Angeles County, California, Today. Los An-
geles 1929. (Mit zahlreichen typischen Abbildungen und Luftaufnahmen.) Dasselbe als
,,150th Anniversary"-Ausgabe weitgehend abgeändert und Init anderen Abbildungen.
Neu aufgelegt unter dem Titel "Los Angeles County, California" mit Ausgaben für die
Randstädte: Beverly Hills, Hawthorne, Pasadena, Redondo Beach, San Gabriel, San
Pedro, South Gate, Venice, Watts u. a.
765. Broschüren, Pläne und verschiedenes Material der Chambers ofCommerce
von Los Angeles, Long Beach, Pasadena, Beverly Hills, West Los Angeles, Venice.
Santa Monica, Culver City, Redondo Beach, San Pedro, Lynwood, San Gabriel und
EI Monte. . .
766. I50th Birthday of Los Angeles City and County. A Pre-Olympiad Feature.
1781-1931. Los Angeles Saturday Night, L. A. 1931. (Reich illustrierte Festschrift.)
767. L. A. County: Tax Payer's Guide. Schedule of Tax Rates and Legal Requirements.
Los Angeles 1932.
768. Bildersammlung des "Los Angeles Examiner". (L. A. Miscellaneous, Early
Days.)
769. L. A. Illustrated Herald. August 1888. (Pamphlets of Southern California in L. A.
Public Library.)
770. L. A. Times 50th Anniversary Edition: The Story of 50 Years. Part 1-3. Los
Angeles Dec.4, 1931. (Zahlreiche Abbildungen des alten und neuen Los Angeles.)
771. L. A. Times: Annual Midwinter Numbers. (Erscheinen alljährlich Anfang Januar
mit vielen Abbildungen, die den Fortschritt von Los Angeles veranschaulichen.)
772. Pictorial California and the Pacific: Monatlich. Los Angeles und San Francisco,
seit 1926. (Gut 'ausgeführte photographische Bildwiedergaben kalifornischer Land-
schaften.)
773. Security Trust and Savings Bank, Dept. of Research and Service: Statistical
Summary of Los Angeles 1925. Los Angeles 1926.
774. Southern California Banker. Monatlich. Hrsg.: Los Angeles Chapter ofthe Ameri-
can Institute of Banking, Los Angeles. (Mit Aufsätzen, Abbildungen und gelegentlichen
Statistiken zur Wirtschaft und Landaufteilung.)
775. Southern California Telephone Co.: Los Angeles Exchange Telephone Directory
and Buyer's Guide. Los Angeles 1932.
776. Southern California Telephone Co.: County of Los Angeles (except the Los
Angeles Exchange), Telephone Directory. Los Angeles 1932.
777. Wilshire Topics (of Los Angeles, Wilshire, Beverly Hills, Westwood, Bel-Air, Santa
Monica). Monatlich. Los Angeles, San Francisco und New York seit 1927. (Bd. IV,
No. I, Jan. 1930: Presenting the "Mirade Mile", Wilshire Boulevard.) Die Zeitschrift
bringt Aufsätze und Photographien zur Geschichte und modernen Entwicklung des
Wilshire Boulevard und der anliegenden Stadtteile.
778. Veröffentlichungen, Bebauungspläne und verschiedenes Material der
städtischen Behörden (City Clerk, City Engineer, City Water Dept., City Traffic
Dept., City Planning and Zoning Commission usw.) von Los Angeles, Alhambra,
Beverly Hills, Compton, Culver City, Glendale, Hawthorne, Huntington Park, Ingle-
wood, Long Beach, Pasadena, San Marino, Santa Monica, South Gate und Vernon.
VERZEICHNIS DER BEHÖRDEN UND INSTITUTE
sowie der Firmen, denen der Verfasser für ihre bereitwilligen Aus-
künfte zu großem Dank verpflichtet ist, die ihm zum Teil reich-
haltiges Schrift- und Bildmaterial sowie Karten und Statistiken
zur Verfügung stellten oder ihn in ihren Räumen arbeiten ließen:
Städtische Behörden:
City Clerks (Stadtarchive)
Stadtingenieure (Hoch- und Tiefbauämter)
Städtische Wasserbauabteilungen
Städtische Verkehrsbehörden
von Los Angeles und zahlreichen
angrenzenden Städten.
Städtische Zonungskommissionen
Harbor Department von Los Angeles in San Pedro.
Harbor Department von Long Beach.
Städtische Schulverwaltung (Board of Education) von Los Angeles.
Kreisbehörden des Los Angeles County:
L. A. County Sur:eyor's Offi:e . . in Los Angeles.
L. A. County Recorder's Office (Katasteramt) I
L. A. County RegIOnal Plannmg CommlssIOn
L. A. County Flood Control District
Staa tsbehörden von Kalifornien:
Cal. State Division of Water Resources }
Cal. State Highway Commission
Cal. State Division of Immigration and Housing
Cal. State Division of Lands
Cal. State Library
Cal. State Department of Public Health
Cal. State Engineer's Office
Cal. State Division of Natural Resources
in Los Angeles.
in Sacramento.
Bundesbehörden der Vereinigten Staaten, Zweigstellen und Institute:
u. S. Geological Survey in Los Angeles und Washington.
U. S. Weather Bureau
U. S. Forest Service
U. S. Bureau of Foreign and Domestic Commerce
U. S. Immigration Service
U. S. Irrigation Division
U. S. Land Office
Public Survey Office in Glendale und Washington.
in Los Angeles.
U. S. District Court in San Francisco.
U. S. Bureau of Agricultural Engineering in Berkeley.
U. S. Bureau of Chemistry and Soils
U. S. Bureau of Agricultural Economics
U. S. Bureau of the Census in Washington.
U. S. General Land Office
Library of Congress
Stadtbibliothek (Public Library) von Los Angeles.
Kalifornische Staatsuniversität in Berkeley:
Bancroft-Bibliothek,
Allgemeine Universitätsbibliothek,
Geographische Abteilung,
Bewässerungs-, Landnutzungs-, Bodenkundliche und andere Abteilungen des Land-
wirtschaftlichen Instituts (Giannini-Stiftung).
Kalifornische Staatsuniversität in Los Angeles:
Geographische Abteilung,
Wirtschaftswissenschaftliche Abteilung,
Botanische Abteilung.
Universität von Südkalifornien in Los Angeles:
Historische Abteilung,
Soziologische Abteilung,
School of Architecture,
Universitätsbibliothek.
Pasadena Institute ofTechnology in Pasadena:
Geologisches Institut.
Pomona College in Claremont:
Geologische Abteilung,
Botanische Abteilung,
Staatswissenschaftliche Abteilung.
Huntington-Bibliothek in San Marino.
Historical Society of Southern California in Los Angeles.
Los Angeles Chamber of Commerce (Landwirtschafts-, Forst- und Wasser-, Verkehrs-,
Hafen-, Industrie-, Städtebau-, Touristen- und Forschungs-Abteilungen).
Handelskammern der Vor- und Randstädte von Los Angeles.
California State .Chamber of Commerce in San Francisco und Los Angeles.
Security-First National Bank ofLos Angeles (Publicity und
Research and Service Departments)
Southern California Telephone Company (Statistisches Büro)
Rapid Blue Print Company
Title Guarantee & Trust Company
Title Insurance & Trust Company
Automobile Club of Southern California (Redaktion der Zeit- in Los Angeles.
schrift "Touring Topics")
All - Year CI u b of S ou thern California
Los Angeles Railway Corporation
Pacific Electric Railway Company
Atchison TopeJea & Santa Fe Railway Company (Koloni- J
sationsagent)
Southern Pacific Company (Landabteilung) in San Francisco und Los Angeles.
Metropolitan Water District ofSouthern California
California Fruit Growers Exchange
California Oil & Gas Association
} in Los Angeles.
Standard Oil Company
Eberle Economic Service
Threlkeld Commissary Company (Arbeitsvermittlung)
In.ternational Institute (Wohltätige Anstalt zur Betreuung der
bedürftigen Mexikaner, Japaner, Russen, Armenier und
anderer Fremdgruppen)
Mexikanisches Konsulat
Los Angeles Times (älteste Zeitung der Stadt)
Los Angeles Realty Board
J. B. Ransom Corporation.
Frank Meline Company.
Southwestern Investment Corporation.
Central Manufacturing District Ine.
in Los Angeles.
Janss Investment Corporation und weitere Aufteilungsfirmen und private Wasser-
gesellschaften.
STATISTISCHE ÜBERSICHTEN
Niederschläge (in mm) (nach U.S. Weather Bureau "Climatic Summary")
Beob- Jahres- Jahres- Jahres-
Mittel Mo-
Beobachtungs- Meeres- des regen-
achtete zeitliches zeitliches zeitliches
nats-
station höhe
Jahre Mittel Maximum Minimum
reichsten maxi-
Monats I) mum
San Pedro .......•.
3ml
18
I
270,8 4111,6
I
116,8 55,6F 187,7
Long Beach •....•. 15 m 10 253,5 414,3 143,0 47,5 162,3
Santa Monica .....
34 m 38 375,4 626,9 119,6 89,2 373,1
Los Angeles .•..••. 103m 53 379,7 969,8 142,0 77,7 4°1,3
Pasadena ........... 245 m 31 461,5 866,6 168,7 107,2 417,8
Sierra Madre ......
335 m 34
601,2 987,0 242,3 125,0 476,0
Lowe Observatory .• 1022 m 23 679,2 II 04, I 272,3 153,7 5°4,4
Mount Wilson •.••• 1769 m 27 792,5 1537;0 443,2 17°,4F .746,8
San Fernando •••.• I 325 m I 53 390 ,1 866,1
Temperaturen (in Celsius) (nach U. S. Weather Bureau "Climatic Summary")
Beobach- Mittlere
Mittl. Temp. Mittl. Temp.
Beobachtungs-
Meereshöhe tungs- Jahres-
des kältesten des wärmsten
station Monats Monats
jahre temperatur
(Januar) (August)
San pedro ..•....••
I
3 m 18 16,3
I
13,3
I
19,6
Long Beach •....•• 15 m 10 16,4 II,7 21,3
Santa Monica ..•..
34 m 38 15,3 1I,4 19,1
Los Angeles ., ..... 103 m 53 17,1 12,8 21,8
Pasadena ......••.. 245 m 31 16,5 II,2 22,6
Sierra Madre ••.... 335 m 34 16,9 11,8 22,8
MountWilson ..... 1769 m 27 13,2 6,1 22,8 2)
San Fernando ••... I 325 m 53 16,9 11,8
I) F. = Februar, sonst Januar. 2) Juli.
Mittlere Vegetationsperiode
zwischen letztem und erstem Schadenfrost
(nach U. S. Weather Bureau "Climatic Summary")
Beobachtungsstation Meereshöhe
Beobach- Mittlere jährliche
tungsjahre Vegetationsperiode
Long Beach ..................... 15 m 10 329 Tage
Santa Monica •..................
34 m II 353
Los Angeles ..................... 103 m 53 359
Pasadena ....................... 245 m 20 312
Sierra Madre ................... 335 m 14 360
Mount Wilson ................... 1769 m 9
166
San Fernando ........... ' ........ 325 m 13 3°7
MISSIONS·STATISTIKEN (nach Engelhardt)
Tabelle l.
Ern ten in Durchschni ttsj ahren (in "fanegas")
San Gabriel San Fernando
Jahr
Mais Weizen
I
Bohnen Mais Weizen
1776
44° 48 7
1786 700 173°
106
1800 2000
4°°0 274 4°° 7°° '
1820 3200 4°°0 255 9°0
I
2382
1830 2200 23°0 3°0 3°0
800
Tabelle 2.
Viehbestand in Durchschnittsjahren
San Gabriel San Fernando
Jahr
Rinder Schafe Pferde Rinder
I
Schafe
1776 102 94 23
1786 1540 24°0 156
1800
59°0
12100 1100
4°°
600
1820 1500Q 12000
I
904
12000
7600
1830 23500 14400 2100 6000 3000
19*
291
"
"
"
"
"
"
Bohnen
13°
100
30
Pferde
120
429
500
Tabelle 3.
Taufen und IIidianerbestand
San Gabriel San Fernando
Jahr
Taufen
Bekehrte Indianer bei
der Mission lebend
Taufen
Bekehrte Indianer bei
der Mission lebend
1785
1800
18\10
1840
Insgesamt •.•....
Weiße ....•....•
Indianer 2) ••••••
Neger .•.....•...
Chinesen ..••...•
J
apaner .........
Mexikaner ....•.
Gebürt. Armenier
Gebürt. Italiener.
Gebürtige Russen
Gebürt. Deutsche.
Im Auslande ge-
bürtige Weiße ..
1287
3220
6589
8421
353
2439
3°01
EINWOHNER-STATISTIKEN
Bevölkerung von Los Angeles County
(nach dem Census)
186.0 1870 I 1880 189°
I
19°0 I 1910 1920
II 333 153°9 33381 1011454
1
) 170298 504 13i 936455
9221 14720 317°7 95°33 163975 483478 894507
2014 219 316 144 69 91 281
87 134 188 1817 2841 9424 18738
II 234 II 69 4424 32°9
2602 2591
2 I
36 2°4 8461 199II
1886 1721 1293 1613 II 793 33644
608
60 683 1062
4565 9650
142
3°5 5 193 10906
635 1°75 4358 5677 13568 19 149 3)
I
19406 88436 166519
I
193°
2208492
194:9882
991
46425
3572
3539°
170832
24°4
16851
239II
343954)
282655
1850: 3530 Weiße. 1852: insgesamt 8329 (4°91 Weiße, 4193 Indianer, 45 Neger).
I) Zwischen 1880 und 1890 Orange County abgetrennt, hat 1890: 13589 Einw.
2) "domesticated" Indians.
3) Einschließlich 2877 in Deutsch-Österreich Gebürtige.
4) Eins<;hließlich 5459 in Deutsch-Österreich Gebürtige.
Bevölkerung, von Los Angeles City
(nach dem Census)
1850 11860 1870 I 1880 1890
19°0 I
1910
I
Insgesamt •.....•
4385 5728 II 183 5°395 102479 319 198
Weiße ........•. 1598 3854 5349 1°379 472°5 98082 3°53°7
Indianer I) ..•... ?
456 II4 97 35 5
81
Neger .......... 12 66
93
102 1258 2131 7599
Chinesen ..•..•..
9 172 605 1871 21II 1954
Japaner .•....... 26
15° 4 238
Mexikaner ......
493 81 7 . 5632
Gebürt. Armenier
Gebürt. Italiener.
447 763 3802
Gebürtige Russen
73 293 4758
Gebürt. Deutsche 2767 4°32 9684
Im Auslande ge-
bürtige Weiße,
insgesamt ..•... 10851 60584
Philippinos . . . . .. I
I I
7914}
I) "domesticated" Indians.
2) einschließlich 2089 in Deutsch-Österreich gebürtige.
3) einschließlich 3885 in Deutsch-Österreich gebürtige.
4) "born in outlying possessions", also nicht nur Philippinos
1920
576673
546864
189
15579
2062
II 618
21598
452
793°
9691
126522)
II2057
24564)
Der Rang von Los Angeles 1860-1930
I
193°
1238 048
1073584
616
38894
3°°9
21081
99919
1760
12685
19744
21 9793)
181848
3245
die Zahl gibt die Stelle an, welche die ausgewählten Städte unter .ilämtlichen jeweils nach
der Bevölkerungszahl geordneten Städten der Vereinigten Staaten einnehmen
(nach dem Census)
1860 1870
I
1880 1890 19°0
I
1910
I
1920 193°
Chicago ......• 8
4 3 2 2 2 2 2
Detroit ..•.... 18 17 17 14 13 9 4 4
Los Angeles ... lI3 139 135 56 36 17 10
5
San Francisco . 14 9 8
7 9
II 12 II
Denver .•....• IIO 141
49 25 25 27 25 29
Oakland .•.... 135 II3
5° 59 56 32 31

Omaha .......
13°
81 62 20
35 41 34 39
Des Moines .•. II8 101
79 57 59 52 56
San Francisco IJ
mit Oakland . 14
9 7 7 7
6
9
6
293
Die regionale Zusammensetzung der Zuwanderer von Los
Angeles aus den Staaten östlich des Felsengebirges, 1890 und 1920
(nach dem Census)
Gesamtbevölkerung von Los Angeles ................... .
Davon in den Vereinigten Staaten geboren ............. .
Davon östlich des Felsengebirges geboren ............... .
In Prozenten: östlich des Felsengebirges geboren ......... .
Davon in Neu-England geboren ....................... .
Davon in Mittleren Atlantischen Staaten geboren ........ .
Davon im Mittleren Westen geboren .•..................
Davon in Südlichen Atlantischen Staaten geboren ....... .
Davon in Golfküsten- und Südlichen Mittelstaaten geboren
1890
100,0%
10,8%
19,6%
53,5%
4>4%
II,7%
1920
576673
454542
301669
100,0%
5,6%
16,7%
60,3%
4,2%
13,2%
DieBedeu tung der höherenAl terss tufen inLosAngeles (nachdemCensus)
Das Vorherrschen des "Rentners" gegenüber anderen Städten kommt im prozentualen An-
teil der Altersstufen an der Gesamtbevölkerung zum Ausdmck. Mehr noch als in Los An-
geles selbst dominiert der Rentner in den Randstädten.
Los Angeles
I
Census von 1930 Detroit
City
I Long Beach
Prozent der Bewohner unter 5 Jahre alt 9,3 6,4 5,8
Prozent der Bewohner 25-34 Jahre alt ...... 21, I 19,3 17,7
Prozent der Bewohner 55 Jahre alt und darüber 7,1 14,5 18,7
Das Überwiegen der weiblichen Bevölkerung innerhalb der
höheren Al tersstufen in Los Angeles (nach dem Census)
Bewohner 55 Jahre alt und darüber Davon mehr Frauen
(1930) als Männer
Gesamt Männlich Weiblich In Zahlen
I
In Proz.
Los Angeles City ..... 180314
I
82 334 97980 15646 + 19,0
Pasadena .......... , .. 18351 7093 I 1258 4 165 + 58,7
Beverly Hills ......... 2068 832 1236 404 + 48,6
Santa Monica ....... 6861 2963 3898 935 + 35,0
Long Beach ......... 26544
II 680 14864 3 184
I
+ 27,3
Los Angeles County ..
3311 77 152978 178199 25221 + 16,5
San Francisco mit Ala-
llleda County ..... .
- 1,6
294
Das Wachstum der selbständigen Randstädte von Los Angeles
(nach dem Census)
Nummer auf Fig. 2 1870
I
1880 1890
1
1900
I
1910
I
1920
I
1930
18 Compton ........ 160 - 636 - 922 1478 12 516
5 Pasadena .•.....•
I
{
4882 9II 7 30291 45354 76086
- 391
6 South Pasadena .. 623 1001
4 649 7652 13730
31 Santa Monica •... -
'P7 1580
3057 7847 15 252 37 146
34 Monrovia ....•.•. - - 907 1205 3576 5480 10890
37 Whittier •.......• - - 585 1590 4550 7997 14822
2 I Long Beach ...... - -
564 2252 17 809 55593 142032
24 Redondo Beach " - - 603 855 2935 4913 9347
8 Alhambra ..•.... - - 808
- 5021 9096 29472
9 San Gabriel ..... - -
737 - - 2640 7224
4 Glendale •....... - - - - 2746 13536 62 736
33 Sierra Madre ..... - -
I
- - 1303 2026
3550
35 Arcadia ..•...... - - - - 696 2239 5216
12 Vernon ..•....... - - - - 772 1005 1269
15 Huntington Park. - - - - 1299 4513 24591
29 Inglewood ....... - - - - 1536
3286 19480
25 Hermosa Beach ..• - - - - 679 2327 4796
I San Fernando . ; .. - - - - -
3204 7567
3 Burbank •........ - - '- - - 2913 16662
7 San Marino ...••• - - - - - 584 3730
36 EI Monte .......• - - - - - 1283 3479
10 Monterey Park •... - - - - - 4 108 6406
20 Seal Beach ..••.•. - - - - - 669 II 56
26 Manhattan Beach. - - - - - 859 1891
27 EI Segundo .•...• - - -
~
- 1563 3503
30 Culver City ...•.. - - - - - 503 5669
32 Beverly Hills ..... - - - - - 674 17429
2 Tujunga ......... - - - - • - - 23II
II Montebello ...... - - - - - - 5498
13 Maywood .....•.• - - - - - - 6794
14 Bell .....•......• - - - - - - 7884
16 South Gate ...... - - - - - - 19632
17 Lynwood ........ - - - - - - 7323
19 Signal HilI ....... - - - - - - 2932
22 Torrance ..•..... ' - - - - - - 7271
28 Hawthorne •....• - - - - - - 6596
23 Gardena .•..•.... - - - - - - -
295
'
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-

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::;-
-
....

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Abb, 6, Das Zentrum von Hollywood IgOI, Hollywood war damals eine Pflanzungskolonie,
Im Vordergrund der Holzrahmen eines "Rahmenhauses" .
Durc'll Vermittlung der Fl'tlnk Meline Co.
Abb. 7. Das Zentrum von Hollywood Ig30
T\fit Erlaubni s der Security -Firs t N,ttiQna,1 Bank
Abb. 8. Die Hauptverkehrsstraße der westlichen Außenstadt
(Wilshire Boulevard Ecke Western Avenue)
Durch Vermittlung der L. A. CllambeL' 01' CommArcp
Abb. g. Der städtische Durchgangsverkehr geht mitten durch das Ölfeld von Long Beach
(Signal Hili) hindurch
nnreh Vermi ttlung der L. A. CIHtlllbcl' of COlllrnol'CO
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Abb.12. Ein 35 bis 45 Jahre
altes Wohnhaus vom Cottage-
Typ als Relikt zwischen Ge-
schäfts- und Mietshäusern der
Innenstadt. Davor zwei übrig -
gebliebene alte Washingtonia-
Palmen
Aufl l. /\ ntoll "Vagner
Abb. 13. In Teilen der Innen-
stad t , besonders in der 0 ber-
stadt, pumpen noch heute die
alten Petroleum bohrtürme, die
vielfach in denVorgärten stehen
A IIfll . .A nton " Ta. gnel
Abb. 14. Hauptstraße der
Strandvergnügungssiedlung
Venice. Imitiertes Venedig
Durch Ve rmittlu ll g de r Voni ee Hnlncil
der L. A. Chambol' of Cornmerce
Abb. 15. Dieses Grundstücks-
maklerbüro, dessen auffällige
Form anziehend wirkt, stammt
aus der Zeit des letzten Booms.
Daneben rechts sogenannte
Schwitzkästen für Verhand-
lungen unter vier Augen.
Aufn. Anton ' Vagner
Abb. 16. Der Holzrahmen des
modernen Wohnhauses wird
innen mit Latten, außen mit
Pappe, Drahtnetz und Bewurf
verkleidet. Auf das Dach kom-
men spanische runde Ziegel
Al1fn. Anton " Tagll er
Abb. 17. Das fertige Bungalow
im spanischen Baustil
:Aufn . Anton "\'agner
Abb. 18. Vornehme Wohnstraße der Westvorstadt mit Villen aus der Vorkriegszeit, der
Periode des zweiten Booms
A ufn. Anton \V<1gner
Abb. 19. Einfache Wohnstraße. Die schlichten einstöckigen Häuser sind vOm Grün um-
rahmt. Kein Gitter trennt sie vom baumbestandenen Bürgersteig. Hier herrscht wohltuende
Ruhe in scharfem Gegensatz zu den belebten unschönen Geschäfts- und Verkehrsstraßen,
die in regelmäßigen Abständen diese Wohnviertel durchziehen
Anfn. Anion \ \ Tagllcr
.l
Abb. 20. Geschäfte an einer Durchgangsverkehrsstraße in Long Beach. Reklameschilder und
wahllos gestaltete Hausfronten bewirken d'!s disharmonische Bild
.A ufn . Anton "Vagner
Abb. 2 I. Stangen und Drähte beherrschen die außenstädtischen Verkehrsstraßen und ver-
ursachen den Eindruck der Unruhe
Aufn . Anton " ' agner
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Abb. 24. Im Chinesenviertel nahe der alten Plaza
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Abb. 25. Ungeordnete Bebauung kennzeichnet die Viertel der Mexikaner, denen man m
vielen siedlungsfeindlichen Teilen der Stadtlandschaft begegnet
Aufn. Anton ' Vagner
Abb. 26. Japanische Fischersiedlung in East San Pedro auf Terminal lsland
Aufn. Anton " Tagner
Abb. 27. Japanische Gemüsefarm am Stadtrande
Aufn. Antun "Vagner
Abb. 28. Die Industrieviertel von Los Angeles sind zum großen Teil rauchlos
Aufn. Anton \Vagnel'
Abb. 29. Das Hügelland, welches das Geschäfts- und Verwaltungszentrum einengt, wird
großzügig abgetragen, damit eine der Hauptstraßen geradlinig verlängert werden kann. -
Die endlosen Reihen parkender Kraftwagen bestätigen die Statistik, nach der die Zahl der
Automobile im Kreis Los Angeles gräßer ist als in ganz Deutschland. - Der baumbestande ne
Platz in der Mitte rechts ist die alte Plaza
Anfn. Anton 'Vagner
Tafel 5
Pl an von Los Angeles aus dem Jahre 185 7, der von Ha n co c kund Ha n sen vermessen wurde. In der Mitte der
Ord ' sche Plan von 1849. Die wenigen Häuser, aus denen Los Angeles bestand, sind schwa rz ausgefüllt.

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