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Tag 1

Schon die Ankunft im Frauengefängnis Lynwood war kein Zuckerschlecken.


Während der Fahrt - mein Vater meinte, es wäre ratsamer, diesmal den Wagen nicht selbst zu
benutzen und einen Chauffeur zu nehmen - habe ich mir wieder und wieder den Antwortbrief
von Gouverneur Schwarzenegger durchgelesen. Ich hatte ihn um Gnade gebeten, habe ihm
nahe gelegt, dass eine Frau wie Paris Hilton nicht in ein Frauengefängnis gehört und seine
künstlerischen Darbietungen in den Rockyfilmen in höchsten Tönen gelobt.
Alles was ich von ihm als Antwort bekam, war ein auf Regierungspapier fett gedrucktes
"Hasta la Vista, Baby", ich schätze mal, dass das eine Ablehnung ist, aber wie kommt der
Gouverneur darauf, dass ich die französische Sprache beherrsche? Ich habe mir für die erste
Besuchswoche einen Dolmetscher bestellt, der das hoffentlich klären wird.
Dann waren wir endlich da, ich stieg aus dem Auto, wie immer verharrte ich einen Moment in
der - wie man in Promikreisen sagt - beinscherenartigen Position und wartete augenschonend
sonnenbebrillt auf das übliche Blitzlichtgewitter, welches aber ausblieb. An dessen Stelle
stand Gefängnisdirektor Barnes, ein schmieriger Mittvierziger mit widerwärtig
zurückgegeelten Haaren und einer Warze auf der Wange, der nach einem langen Blick auf
meine Beine nur süffisant bemerkte, dass er ganz erfreut sei, einen so außerordentlich netten
Gast in seinem Frauengefängnis begrüßen zu dürfen.
Keine zwei Minuten später stand bereits der erste Ärger ins Haus, wir hatten das Gefängnis
noch gar nicht betreten, da hielten bereits mehrere zornige Beamte mir und meinem Chauffeur
geladene Schrotflinten unter die Nase.
"Miss Hilton, ich werde in dieser Sache keine Diskussionen dulden, mehr als einen Koffer
werden sie in dieses Gefängnis nicht mit hineinbringen. Die restlichen 26 darf Ihr Chauffeur
wieder mitnehmen!"
Hatte ich schon erwähnt, dass der Gefängnisdirektor ein Lackaffe ist? Nun, das wird noch
häufiger passieren. Die Leibesvisitation war nicht viel angenehmer. Die rektale Entfernung
von Tinkerbell, das Gemecker über das Fehlen eines Slips, das Diskutieren über das Tragen
des kratzigen Baumwolltangas und die Beförderung sämtlicher Kosmetika in den
Gefängnismülleimer, über den seltsamerweise ein Basketballkorb hing, verhagelten mir die
Laune bereits ordentlich.
Meine Enttäuschung darüber, dass mein Wunsch nach einer rosa gestrichenen Zelle nicht
erfüllt wurde, wurde durch den Zorn überlagert, nicht die einzige in der Behausung zu sein.
"Aber, aber Frau Hilton. Dies ist keins Ihrer Hotels, wo wir Zimmer mit Meerblick vergeben.
Wir waren schon froh, sie nicht bei den wütenden Mexikanerinnen unterbringen zu müssen.
Die haben schon Chili für die Dusche gekocht. Das sagten sie zumindest, eigentlich ist das
Kochen in der Zelle verboten. Können Sie kochen, Frau Hilton? Ah, darf ich Ihnen Olga
vorstellen?"
Der Direktor ist ein Lackaffe, erwähnte ich das schon? Auf unerklärliche Weise juckte der
Baumwolltanga fürchterlich, als ich Olga die Hand gab. Zuerst hab ich ja gedacht, dies wär
doch ein Männergefängnis, Olgas Damenbart sowie ihre gesamte Gestalt waren einfach zu
borstig, hinzu kam eine baritone Stimme, die nicht gerade den Liebreiz Louis-Vuitton-
Taschentragender Damen des Boulevards zu bieten hatte.
Ihr erster Satz war eigentlich schon der letzte, den ich hören wollte:
"Na Schnecke, kommste rein, kannste rausgucken, narhar!"
Ich drehte mich zum Direktor, um ihm mit einem bedeutungsvollen Augenaufschlag
mitzuteilen, dass ich jetzt nicht glaube, dass das sein Ernst ist, doch er antwortete mit ruhiger
Stimme.
"Doch lieber die Mexikanerinnen?"
Zum Glück war Olga eher einfach gestrickt und brummte mehr, als dass sie redete.
So verging mein erster Tag in Haft, während ich diese Zeilen schreibe, schnarcht Olga die
Decke an, ein quälender und unterbewusster Ausbruchsversuch mit Schallwellen. Gern würde
ich mir fest einbilden, dass das tropfende Geräusch vom Wasserhahn stammt, den ich schon
zugedreht habe, bis mir ein Fingernagel unter lauten Karacho abgebrochen ist. Ich werde mich
an den Gedanken gewöhnen müssen, dass das feuchte Geräusch ihren Ursprung in Olgas
Mundwinkeln hat und die anderthalb Meter vom Hochbett zum Gefängnisboden einen
Wet-Surround-Sound in dieser Zelle auslöst.
In mir keimt ein wenig die Angst, dass wenn man mich im Gefängnis nicht meuchelt, ich hier
jämmerlich ersaufen werde. Morgen werde ich vom Direktor verlangen, dass er mir eine neue
Zelle gibt.

Tag 2

Die ständige und unterschwellige Angst, gnadenlos zu ertrinken, ließ mich die ganze Nacht
kein Auge zutun. Olgas Mundwinkel wollten und wollten einfach nicht aufhören zu tropfen.
Feucht durchwischen musste hier niemand, obwohl ich langsam das Gefühl bekam, dass der
Zimmerservice hier eh nicht der allerbeste ist.
Dann mein erstes Frühstück. Hanna Sanchez muss eine direkte Verwandte von Olga sein,
auch hier tropft es im Mundwinkel, zum Leidwesen meiner Selbst ist Hannah Sanchez aber in
der Gefängnisküche bei der Essensausgabe angestellt und Ihr Speichel tropft mittig auf mein
trockenes Fleisch nebst Kartoffelpü. Ich weiß nicht ob das Absicht ist, aber das Mürrische hat
sie auf jeden Fall von Ihrer Schwester Olga, denn auf meine Frage nach einem Mousse au
Chocolat zum Nachtisch ernte ich nur ein grunzendes und näselndes Grölen, welches in Ihrem
Kulturkreis bei 3 Promille als "herzhaft Lachen" durchgehen mag, mich aber für einen
Moment vergessen lässt wo ich bin, weil ich mir für einen kurzen Moment einbilde, auf einer
humorbefreiten Schweinezuchtfarm gelandet zu sein.
"Mädchen, sieh zu, dass du mit deinem Tablett Land gewinnst, sonst verpass ich dir mit
meiner Kelle einen Nachtisch, den du dein ganzes Leben nicht mehr vergessen wirst. Und
noch was! Du hast deinen Baumwolltanga nicht an."
Ich werde mich beim Direktor beschweren müssen. Tropfende Mundwinkel und ein
Gouverneur, der mir die Ablehnung meines Gnadengesuchs auf Französisch beantwortet, was
für ein Land! Als ich den ausgestreckten Beinen auf dem Essensgang geschickt ausweiche -
eine Technik, die ich gegen Grabschhände in Diskotheken erlernen musste - kam ich am
Mexikannerinnentisch vorbei. Die Einladung auf ein deftiges Chili lehnte ich trotz
Speichelschnitzel mit Rotzepüree getrost ab.
Nachmittags dann der erste Hofgang. Ich war überrascht. Keine Boutiquen auf dem Hof, das
wird ne harte Zeit für mich. Drogen aller Art hätte ich wohl kaufen können, aber der Club der
Hantelamzonen meinte, das Lesegerät für goldene Kreditkarten sei in der Gefängniswerkstatt
zur Reparatur. Funktioniert hier überhaupt irgendetwas? Dabei würden mir Schlafmittel schon
rechen, um das Getropfe nicht mehr hören zu müssen.

Tag 3

Hatte ich eigentlich erwähnt, dass der Gefängnisdirektor ein Lackaffe ist? Ich bin nicht sicher,
deswegen tu ich es noch mal. Er hält sich auf jeden fall scheinbar für einen echten Witzbold.
Auf meine Frage, ob ich meine Haftstrafe von 45 Tagen aufgrund guter Führung um ein paar
Jahre verkürzen könnte, hat er nur unverständlich und nachdenklich geguckt und als ich ihm
den Brief von Gouverneur Schwarzenegger gezeigt habe, da hat er nur blöd gelacht. Scheint
so ne Art französischer Insiderwitz unter Männern zu sein, ich will endlich, dass mein
Dolmetscher mich besuchen kommt. Nun, eine Verlegung in eine roas gestrichene und
durchgeplüschte Einzelzelle wurde von Direktor Barnes trotz mehrmaligem Hinweis auf
Olgas Mundwinkelproblem abgelehnt.
"Kein Platz, Frau Hilton!" Und dann hat der Spinner mir einen Rasierapparat in die Hand
gedrückt und mir nahe gelegt, doch mal in der Nacht an Olgas Gesichtsbehaarung
herumzumanipulieren. Doch vorher sollte ich doch mal die Gefängnisintensivstation
anschauen, was Olga mit meiner Vorgängerin gemacht hat, die dasselbe probierte. Dann nahm
der Gefängnisdirektor mir den Rasierer wieder weg und tauschte ihn gegen einen Eimer aus.
"Der hier müsste eigentlich fürs erste reichen."
Am Schluss beugte sich er Gelackte nach vorn, um mir mitzuteilen, dass er wegen der
Haftverkürzung gerne bei einer Runde Geschlechtsverkehr in der Gefängnisbücherei
nachdenken würde, worauf ich verwirrt aufgestanden und aus seinem Zimmer gestürmt
bin...was zur Hölle ist eine Bücherei? Schon zwei Sachen, die ich den Dolmetscher fragen
muss.

Der Rest ist nachzulesen auf

www.pennys-wochenrueckblicke.de