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Prüfungsangst - was tun?

Prüfungsangst kann sehr eklig sein. Ganz hilflos ausgesetzt sind Sie ihr jedoch nicht - es gibt
einige Punkte, auf die Sie achten können.

1.
Keine Angst vor der Prüfungsangst

So gut wie alle Leute nehmen an, dass die Leistung an der Prüfung und die Prüfungsangst
direkt zusammenhängen: Je stärker die Angst, desto schlechter die Leistung, heisst es.

Dies ist jedoch falsch. Prüfungsangst und Prüfungsleistung hängen nicht direkt zusammen.

Natürlich trifft man Leute, die an einer Prüfung Angst gehabt haben und denen die Prüfung
missraten ist. Aber man trifft auch Leute, die an der Prüfung ungeheuer aufgeregt waren und
die trotzdem gut abgeschnitten haben. Und schliesslich begegnet man verblüffend vielen
Leuten, die an der Prüfung absolut ruhig waren und die dann trotzdem versagten.

Daran sollten Sie denken, wenn Sie während der Prüfung von Angst befallen werden: Reden
Sie sich auf keinen Fall ein, dass nun alles verloren ist. Wenn Sie Prüfungsangst haben, heisst
das nur, dass Sie Prüfungsangst haben - mehr nicht. Vor allem heisst es nicht, dass die
Prüfung schlecht ausfallen muss.

Ob die Prüfung schlecht ausfällt oder nicht, hängt von verschiedenen Dingen ab, so auch von
der Prüfungsvorbereitung. Sollten Sie zu Prüfungsangst neigen, gibt es eine Regel, die Sie
bei der Vorbereitung ganz besonders beachten müssen.
2.
Wie Sie sich vorbereiten müssen, wenn Sie zu Prüfungsangst neigen: Die
Goldene Regel der Vorbereitung

Wenn Sie zu Prüfungsangst neigen, sollten Sie sich eine Frage stellen, die man oft ver-
nachlässigt:

Fragen Sie sich, was Sie an der Prüfung tun müssen!

Müssen Sie an der Prüfung zum Beispiel einen Text vom Deutschen ins Französische über-
tragen, hilft alles nichts: Sie müssen zu Hause üben, indem Sie einen Text ins Französische
übertragen. Und müssen Sie Mathematikaufgaben lösen, kommen Sie nicht darum herum, als
Vorbereitung jede Menge von Mathematikaufgaben zu lösen.

Dabei gilt dann aber: Sie sollten alles genau so tun, wie Sie es später an der Prüfung tun
müssen - was zum Beispiel heisst: Müssen Sie an der Prüfung innerhalb einer bestimmten
Zeit Mathematikaufgaben lösen, die Sie vorher noch nie gelöst haben, sollten Sie dies auch zu
Hause so halten: Als Vorbereitung sollten Sie üben, unter Zeitdruck mit Mathematik-aufgaben
zurecht zu kommen, die Sie vorher noch nie gesehen haben. Andächtig ins Mathe-matikbuch
zu schauen, hilft Ihnen nichts.

Die Regel, dass Sie zu Hause exakt das tun müssen, was Ihnen später an der Prüfung
bevorsteht - diese Regel ist die Goldene Regel der Prüfungsvorbereitung. Und Gold wert ist
sie allemal, weil sie wirklich sehr nützlich ist.

Wenn Sie auf diese Weise üben, sind Sie nicht unbedingt vor der Angst gefeit - es kann Ihnen
auch dann noch passieren, dass Sie während der Prüfung Angst verspüren. Doch wenn Sie die
Goldene Regel beachten, können Sie der Angst gelassen entgegen blicken: Diese spüren Sie
zwar, doch die Chancen stehen gut, dass sie sich nicht auswirkt und dass Ihre Prüfung
trotzdem gut ausfällt.

Natürlich können Sie auch versuchen, der Prüfungsangst auf eine andere Art und Weise Herr
zu werden. Dazu gibt es verschiedene Mittel; ganz grob kann man diese in psychologische
Mittel und in medizinische Mittel unterteilen.
3.
Psychologische Mittel

Dazu gehören Entspannungsübungen ebenso wie Beratungen und Psychotherapien, die zu den
Ursachen Ihrer Prüfungsängste vordringen.

Wie auch immer die psychologischen Mittel aussehen - einen Punkt sollten Sie dabei
beachten:

Psychologische Hilfsmittel helfen wirklich. Damit sie aber helfen können, brauchen sie Zeit.
Das heisst für Sie: Suchen Sie rechtzeitig Leute auf, die Ihnen helfen können – rund ein
halbes Jahr vor der Prüfung ist nicht zu früh.

4.
Medikamente

Sollen Sie es mit Medikamente versuchen? Eine eindeutige Antwort kann Ihnen nicht geben,
denn der Entscheid hängt von Ihrer persönlichen Situation ab.

Haben Sie sich für Medikamente entschieden, gilt unbedingt:

Das Internet ist tabu.

Nehmen Sie nie Medikamente, die Sie übers Internet bestellt haben.

Onkel Alfred ist tabu.

Nehmen Sie nie Medikamente von Onkeln, Tanten, Freunden oder Bekannten. Es mag sein,
dass diese von einem Medikament begeistert sind. Doch das muss Sie kühl lassen: Me-
dikamente verschreibt Ihnen eine Ärztin oder ein Arzt, und sonst niemand.
Denken Sie bei alledem aber immer an die Grenzen, die die Medikamente und die psycho-
logischen Mittel haben:

Sie sind beide kein Ersatz für Ihre fachliche Vorbereitung.

Im Klartext heisst das:

Auch wenn Sie ein noch so wirksames Medikament verschrieben bekommen oder eine noch
so gute psychologische Unterstützung erhalten: Es führt nichts daran vorbei, dass Sie sich
seriös auf Ihre Prüfung vorbereiten.

Und dass Sie dabei immer die Goldene Regel im Auge behalten, ist dabei selbstverständlich.

Hanspeter Weiss

Zur Prüfungsangst siehe auch:

Hanspeter Weiss

Bessere Noten. Mit 10 Regeln zum Erfolg in der Berufsschule. Sauerländer Verlage 2005.

Hanspeter Weiss

Ihr Gedächtnis – eine kleine Pannenhilfe. Wie Sie dafür sorgen können, dass Sie Ihr
Gedächtnis während der Prüfung nicht im Stich lässt (in Vorbereitung)