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Fight Back!

Antifaschistisches (Jugend) Info Braunschweig

Performance von

Nr. 34 juli/August 2006


Seite 2 Fight Back!
Die Braunschweiger Polizei deckt auf:
Linke verantwortlich für Nazi-Überfälle - Falken schüren
„Angst“ und „Unsicherheit“
Wer die Zeitung aufschlägt, oder Vorwurf an Leute, die sich persön-
die Nachrichten im Radio oder Fern- lich engagieren, die dann auch
sehen verfolgt, dem kann es gar handfest intervenieren, dass dies
nicht entgehen: Wieder einmal ist aber auch völlig unangemessen
das Thema „Rechtsextremismus“ sei, dass das im übrigen wenn Auf-
in aller Munde. Ein ehemaliger Re- gabe der Polizei sei, dass das aber
gierungssprecher erklärt plötzlich, nicht durch individuelle Aktivitäten
dass es so etwas wie „No go areas“ gelöst werden könnte ... Ein Teil
gibt (also Gegenden, die man als der jetzt auch in unserem Gespräch
Linker, Punk, oder mit dunkler Haut- eingeforderten Zivilcourage be-
farbe besser meiden sollte - weil ginnt damit, Sachverhalte als Sach-
man dort in Gefahr gerät von Nazis verhalte zur Kenntnis zu nehmen,
überfallen zu werden). Eine nicht unangenehme Tatsachen zu
Tasache, die AntifaschistInnen überdecken, weil sie einem unan-
schon lange bekannt ist, die bisher genehm sind. “ (Interview auf
aber von bürgerlichen Politikern Deutschlandfunk am 23.05.2006).
meist verleugnet wurde.
Haben die Politiker plötzlich ihr an-
Selbst der Bundestagspräsident tifaschistisches Herz entdeckt?
zeigt für ein CDU-Mitglied ganz un- Wohl kaum. Im Vordergrund steht
vermutete Einsichten: „Wir haben wieder einmal die Sorge um das
hier diese merkwürdige Diskrepanz „Ansehen Deutschlands im Aus-
zwischen dem Entsetzen Über sol- land“. Schließlich steht die WM mit
che Ereignisse [gemeint sind Nazi- dem schönen Motto „Zu Gast bei
Überfälle] und dem gleichzeitigen Freunden in Deutschland“ vor der

Impressum: Fight Back!, Cyriaksring 55, 38118 Braunschweig


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Tür. Man fürchtet, dass der eine tiert? Es sind also nicht die
oder andere Gast von Nazis durch Nazis, die mit ihren Angriffen
die Straßen gejagt werden könnte „Angst und Unsicherheit“ schü-
- und damit schlechte Schlagzeilen ren, sondern diejenigen, die
in der ausländischen Presse. Und das öffentlich machen? Es sind
so kommen die Aufforderungen, also „Linke“ von denen die Nazi-
angesichts faschistischer Gewalt Überfälle ausgingen? Noch al-
nicht wegzusehen und „Zivilcoura- les klar, Herr Kommissar?
ge“ zu leisten, derzeit quer durch
alle allen politischen Richtungen. Dass viele der von den Falken
geschilderten Nazi-Überfälle der
Und in Braunschweig? Polizei nicht bekannt sind, weil die
Betroffenen keine Anzeige gestellt
Hier ermittelt der Staatsschutz un- haben, verwundert nicht. Das heißt
terdessen gegen die Jugendorga- noch lange nicht, dass es sie nicht
nisation „Die Falken“. Diese hatte gegeben hat. Es gibt viele gute
neine Chronologie von Nazi-Über- Gründe keine Anzeige zu erstat-
fällen in Braunschweig seit Febru- ten. Es ist schon häufiger vorge-
ar 2006 veröffentlicht (siehe kommen, dass Betroffenen zum
www.de.indymedia.org/2006/05/ einen von der Polizei ganz einfach
146020.shtml). Ermittlungen der nicht geglaubt wurde, oder sie sich
Polizei hätten ergeben, „dass von ganz plötzlich selbst als Angeklag-
den zwei Dutzend geschilderten te vor Gericht wiedersahen. Dann
Fällen bislang lediglich sieben an- nämlich, wenn die Nazis gleichzei-
gezeigt wurden. Davon könnten tig ebenfalls Anzeige erstattet ha-
nur in drei Fällen rechtsextreme ben und einfach behaupten, sie
Motive nicht ausgeschlossen wer- wären angegriffen worden. (Das
den. Bei den anderen vier Strafta- erklärt auch, warum die Polizei da-
ten handele es sich um Fälle, die, von spricht, dass ein Teil der Vor-
so die Polizei, eher dem ‘linken fälle angeblich der „linke Szene“
Spektrum zuzuordnen’ seien “ zuzuordnen seien. Die Nazis ha-
(Braunschweiger Zeitung vom ben Anzeige gestellt, nachdem sie
20.05.06). Dies sei, so der Staats- bei ihren Überfällen auf Gegen-
schutz „Vortäuschen von Strafta- wehr gestoßen waren).
ten“. Die Falken würden „mit ihren Wenn jemand eine Anzeige erstat-
Äußerungen und durch ihr Verhal- tet, dann kommen außerdem die
ten Angst und Unsicherheit schü- Nazis ganz einfach an Namen und
ren“, so Polizeisprecher Grande. Adresse des Anzeigenden. Es wäre
nicht das erste Mal, das Zeugen
Es ist also eine Straftat, wenn dann von Nazis massiv bedroht
man Naziüberfälle dokumen- werden.
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„Man kennt sich, trifft sich, trinkt, lich sind.
dann kommt es zu Übergriffen“
Dass die meisten Nazis schon lan-
Alles erlogen und erfunden was ge nicht mehr dem Klischeebild
die Falken dokumentiert haben? des dumpfen, kahlgeschorenen
Die Polizei weiß von nichts, hat nix Skinheads mit Bomberjacke,
mitbekommen, oder ist ganz ein- Springerstiefel und Hakenkreuz-
fach etwas blind auf dem rechten armbinde entsprechen, sollte sich
Auge? eigentlich inzwischen auch bis zum
letzten Dorfpolizisten herumge-
Schauen wir mal, was der Herr sprochen haben (und dass nicht
Polizeisprecher kurz zuvor in der alle Skinheads Nazis sind eigent-
Braunschweiger Zeitung geäußert lich auch). Vielleicht sollte Polizei-
hat: „Tatsächlich gebe es neuer- sprecher Grande mal die Presse-
dings eine kleine Gruppe junger
Erwachsener (sie sei der Polizei
weitestgehend bekannt), die Aus-
einandersetzungen suche. Ein po-
litischer Hintergrund sei nicht aus-
zuschließen. Polizeisprecher Joa-
chim Grande auf Anfrage: ‘Sie ge-
ben sich aber nicht als Nazis zu
erkennen, tragen keine Bomber-
jacken und Springerstiefel ‘ Es gebe
keinen harten Kern, Alkohol spiele
eine große Rolle. ‘Man kennt sich,
trifft sich, trinkt, dann kommt es zu
übergriffen gegen Leute, die nicht
ihren Vorstellungen entsprechen,
meist Farbige und Punker.’ Vor-
kommnisse gebe es regelmäßig
vor einer Diskothek. Die jungen
Leute seien Überall in der City un-
terwegs, auch beim Fußball.“

So, so. Was Grande hier äußert,


ist eigentlich genau das, was die
Falken dokumentiert haben. Denn
Matthies Müller (Pfeil) bei einer NPD-
es ist genau diese Gruppe „junger
Kundgebung am 13.05.06 in Göttin-
Leute“, die für die meisten der ge-
gen
schilderten Überfälle verantwort-
Fight Back! Seite 5
mitteilungen aus seinem eigenen ten „Freien Nationalisten“ ist (die
Hause lesen: „Rechtsextreme ha- sich unabhängig von Parteien wie
ben eine neue Masche: Sie geben der NPD in „Kameradschaften“ or-
sich harmlos und nett. Das ist nicht ganisieren), will er die NPD im
immer leicht zu durchschauen ... Kommunalwahlkampf in der Regi-
Gegen den Rechtsextremismus on aktiv unterstützen. Ein weiterer
vorzugehen ist sehr wichtig ... Ge- „junger Mann“ ist z.B. Jörg Sie-
fährlich sind dabei meist vor allem mens, der zusammen mit anderen
die, die am wenigsten gefährlich Nazis der „Okerfront
aussehen. Sie geben sich harmlos Wolfenbüttel“ im Herbst 2002 eine
und hilfsbereit. In Wahrheit jedoch Moschee in Wolfenbüttel mit Brand-
sind sie die geistigen Brandstifter“ sätzen bewarf. Bei den „jungen
(Pressemitteilung der Polizei Leuten“ wurde auch ein Sohn des
Braunschweig zur Aufklärungs- Meinhardt-Clans gesichtet: Die
kampagne „Wölfe im Schafspelz“ Familie Meinhardt wohnte lange
an Schulen / Quelle: Zeit im Madamenweg 156. Die Söh-
www.polizeipresse.de) ne gehörten fast allesamt zur Nazi-
Bande vom Madamenweg, die dort
„Junge Leute“ oder ganz ein- vor ein paar Jahren ihr Unwesen
fach Nazis? trieb. Der Spielplatz vor ihrem Haus
und die Straße erklärte diese Nazi-
Die erwähnten „jungen Leute“ sind Bande zur „national befreiten
nicht nur „überall in
der City“ unterwegs,
sondern fahren
auch mal gern in
andere Städte. Im-
mer dann, wenn dort
ein NPD-Aufmarsch
stattfindet. So war
z.B. Matthies Mül-
ler - einer dieser
„jungen Leute“ - so-
wohl beim NPD-Auf-
marsch am 29.10.05
als auch am
13.05.06 bei einer
NPD-Kundgebung
in in Göttingen. Ob-
Müller (Pfeil) und „Kameraden“ bei einem NPD-
wohl er eher Anhän- Aufmarsch am 29.10.05 in Göttingen
ger der sogenann-
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Zone“. Regelmäßig kam es dort zu wuchs-Nazis“. In Wolfsburg existiert
Hakenkreuzschmierereien, Abspie- seit einiger Zeit ein Ableger der
len faschistischer Lieder, „Sieg „Bürgerinitiative für Zivilcoura-
Heil“-Rufen und Überfällen. Nach ge“, für die der Nazikader Christi-
mehreren antifaschistischen Aktio- an Worch aus Hamburg verant-
nen und Protesten von Anwohner, wortlich zeichnet. Auch in Braun-
musste die Familie ausziehen (das schweig gibt es Versuche, Kame-
Haus gehörte der Stadt). radschaften auf die Beine zu stel-
len. So trat beim NPD-Aufmarsch
Neben diesen „jungen Leuten“ tum- der „Widerstand Braunschweig“
meln sich in der Region noch ein auf. Dessen diversen Internetauft-
paar weitere Nazis. So z.B. die ritte unter verschiedenen Namen
Braunschweiger Sektion von sind inzwischen alle abgeschaltet
„Honour & Pride Niedersach- und der „Kameradschaftsführer“
sen“, die bisher hauptächlich durch Daniel Gerecke will jetzt nach
die Organisation von Konzerten, Spanien auswandern. Anfang des
Partys und einem Fußballturnier Jahres wurde eine Internetseite
aufgefallen ist. einer „Kameradschaft Braun-
schweig“ ins Netz gestellt, die aber
ebenfalls inzwischen vom Provider
abgeschaltet wurde.

Immer wieder gibt es Nazi-Kon-


zerte in der Region, wie z.B. An-
fang des Jahres in Wenden oder
vor ein paar Wochen in Gifhorn.

Kleidung der Marke „Thor


Steinar“, die von Faschisten für
Mitglieder von „Honour & Pride Braun- Faschisten produziert wird, kann
schweig“ beim NPD-Aufmarsch am man inzwischen ganz offen in Braun-
18.6.05 in Braunschweig schweig kaufen. Von Cremlingen
aus vertreibt Marc Stange - der
Die DVU lädt zu Stammtischen und früher zum Umfeld der inzwischen
organisiert Busfahrten von Braun- verbotenen Nazipartei FAP gehör-
schweig zu Großveranstaltungen te und mehrmals an Überfällen
der Partei. Es gibt verschiedene beteiligt war - eine eigene rechte
Kameradschaften in der Region, Modemarke. Stange unterhält gute
z.B. den „Widerstand Gifhorn“, Kontakte zur „Kameradschaft Cel-
die „Kameradschaft Salzgitter“ le“ und ist häufig auf Aufmärschen
und diverse Cliquen von „Nach- anzutreffen.
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Bei Salzmann und anderen Ge- Wasser auf die Mühlen der Fa-
schäften wird die NPD-Zeitung schisten
„Deutsche Stimme“ und die neu-
rechte „Junge Freiheit“ trotz meh- Um so mehr freuen sich nun NPD
rerer Protestaktionen weiter ver- und andere Nazis Über die Ermitt-
kauft. lungen der Polizei gegen die Fal-
ken. Diese sind geradezu Wasser
Und dann wäre da noch die NPD zu auf die Mühlen der Faschisten, die
nennen, die gerade dabei ist ihre sich nach außen hin gerne brav
Strukturen in der ganzen Region und bieder geben und jede Ver-
weiter auszubauen. Regelmäßig antwortung für faschistische Ge-
findet in Braunschweig ein NPD- walttaten weit von sich weisen.
Stammtisch statt, im Internet ist
der NPD-Unterbezirk mit einer ei- So beschwert sich Andreas
genen Seite und einem Molau (ehemaliger Lehrer der
Diskussionsforum vertreten. Immer Waldorfschule Braunschweig, Stell-
wieder wird an Schulen Propagan- vertretender Chefredakteur der
damaterial verteilt, wie z.B. auch NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“
die kostenlose „Schulhof-CD“ mit und Pressesprecher der NPD UB
Rechtsrock. Während die NPD in Braunschweig) in einer Pressemit-
den ländlichen Gegenden rund um teilung, dass der NPD vorgeworfen
Braunschweig inzwischen ganz of- würde, sie hätte etwas mit „rech-
fen und selbstbewusst auftritt und ten“ Schlägern zu tun. Dabei tum-
auch mit einigen Kandidaten zur meln sich im NPD-Forum bekannte
Kommunalwahl antritt, ist Braun- „rechte Schläger“, bei Stammti-
schweig noch das Sorgenkind der schen der NPD sitzt man Seite an
NPD. So wird sie hier nicht zur Wahl Seite, zu Aufmärschen fährt man
stehen, weil sie keine geeigneten gemeinsam und marschiert neben-
Kandidaten finden konnte. Man einander her. Und dass NPD-Mit-
traut sich hier (noch) nicht, Info- glieder immer wieder an Überfällen
tische durchzuführen und offen beteiligt sind, ist auch nichts neu-
aufzutreten. Das ist so, weil sie es.
genau wissen, dass es hier - an-
ders als auf dem Lande - Gruppen Was bezweckt die Polizei nun
gibt, wie z.B. die Falken, oder die mit dem bewussten Leugnen
Jugend Antifa Aktion (JAA), und der gestiegen Zahl von Nazi-
viele andere Menschen, die sich Übergriffen und Aktivitäten in
ihnen in den Weg stellen (man Braunschweig und mit der
denke nur an die Tausende die am Kriminalisierung derjenigen,
18. Juni 2005 gegen die NPD auf die das öffentlich machen?
die Straße gegangen sind).
Seite 8 Fight Back!
Der Polizei ist sicher nicht entgan- tervenieren“ wenn Nazis versuchen
gen, dass auch der Widerstand wieder einen ihrer Angriffe zu star-
gegen Nazis in Braunschweig ten.
wächst. Schon der 18. Juni 2005
hat gezeigt, dass hier viele Men- Das passt der Polizei als Vertreter
schen auf die Straße gehen, um des staatlichen Gewaltmonopols
einen NPD-Aufmarsch zu verhin- natürlich nicht. Es passt ihnen nicht,
dern. Er hat gezeigt, dass Tausen- dass Menschen, die Opfer der Nazis
de es nicht einfach hinnehmen, werden, sich lieber an die Falken
dass die NPD - geschützt von der oder an andere Gruppen wenden,
Polizei - durch die Straße mar- als an die Polizei. Es passt ihnen
schieren darf. Die Polizei hat auch nicht, wenn immer mehr Leute nicht
mitbekommen, dass rund 600 Men- die Polizei rufen, sondern sich selbst
schen sich am „Spaziergang ge- einfach zu Wehr setzen. Deshalb
gen Rechts“ beteiligten, zu dem versuchen sie mit allen Mitteln, an-
unterschiedliche Gruppen von der tifaschistische Gruppen zu krimi-
DGB-Jugend, den Falken bis hin nalisieren und behaupten, es gäbe
zur Antifa aufgerufen hatten. Sie fast gar keine Naziüberfälle, dahin-
hat sicher mitbekommen, dass vie- ter würden sogar die „Linken“ selbst
le Leute die Schnauze voll haben stecken und diese wollten nur
und sich gegen die Nazi-Überfälle „Angst und Unsicherheit“ schüren.
zu Wehr setzen. Sie hat mitbekom- Und es ist nicht nur die Polizei die
men, dass die unterschiedlichsten sich den Kopf zerbricht. Schon jetzt
Leute sich „persönlich engagieren“ machen sich einige Damen und
und durchaus auch „handfest in- Herren aus Politik und Gesellschaft

Der „Widerstand Braunschweig“ beim NPD-Aufmarsch am 18.6.05 in


Braunschweig
Fight Back! Seite 9
Gedanken darüber, wie man beim Wohlgemerkt: Sie überlegen nicht
nächsten NPD-Aufmarsch in Braun- nicht, wie man die Polizei zurück-
schweig verhindert, dass die Poli- hält, sondern wie die Leute davon
zei wieder Tausende mit Wasser- abgehalten werden können, auf
werfern und Knüppeln von der Stra- die Straße zu gehen und sich den
ße holen muss. Nazis direkt in den Weg zu stellen!

Zweimal gegen Nazis spaziert...


„Wir wollen dafür sorgen, dass sich zugte er den Rückzug in die hinter-
alle ohne Angst vor Nazi-Überfäl- ste Ecke des türkischen Imbiss.
len frei in der Stadt bewegen kön- Auch vor der Diskothek „Tango“,
nen“ sagte eine Teilnehmerin des von der ein Teil der Überfälle aus-
ersten Spaziergang gegen Rechts ging, stand eine Gruppe Nazis, die
Ende April. Rund 600 Menschen sich allerdings sofort zurückzog als
waren an diesem Abend unterwegs, die Spitze des Spaziergangs auf
um gegen Nazis zu pro-
testieren. Anlass wa-
ren die zahlreichen An-
griffe von Nazis gegen
Jugendliche in letzter
Zeit. Mit einbrechender
Dunkelheit zog der
Abendspaziergang los.
Der Weg führte quer
durch die Innenstadt,
entlang der Punkte, an
denen es in der Ver-
gangenheit zu Übergrif-
fen kam. Der bekannte Nazi Jörg sie zulief. Die Nazi-Gäste des un-
Siemens, der an einem Brandan- gemütlichen Tanzpalastes wurden
schlag auf eine Moschee in daraufhin mit lauten Rufen und
Wolfenbüttel beteiligt war, provo- Hämmern auf die Scheiben zum
zierte skurilerweise ausgerechnet Rauskommen aufgefordert.
aus einer Dönerbude heraus die Beim zweiten Spaziergang am 17.
TeilnehmerInnen des Spazier- Juni postierte die Polizei sich des-
gangs. Als er bemerkte, um wie halb auch mit mehreren Hunden
viele Leute es sich handelt und vor den Eingängen zum „Tango“.
nach einer unmissverständlichen Auch an diesem Freitagabend spa-
körperlichen Ermahnung, bevor- zierten erneut ca. 300 Menschen
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gegen Rechts. Diesmal wendeten zurückgedrängt werden konnten
sie sich nicht nur gegen die Nazi- und bei weitem nicht mehr derart
Angriffe, sondern auch gegen das massiv auftreten wie zuvor, müs-
Vorgehen der Polizei, die Nazi- sen wir dennoch in diesem Som-
aktivitäten leugnet
und herunterspielt
und stattdessen
gegen Linke ermit-
telt, welche die fa-
schistischen Über-
griffe öffentlich ma-
chen.
Insgesamt war die
Stimmung bei bei-
den Spaziergängen
sehr gut. Fast ununterbrochen mer (und natürlich darüber hin-
schallten lautstark antifaschistische aus) besonders aufmerksam sein.
Parolen durch die Innenstadt und Wo immer die Nazis auftauchen
Hunderte, vor allem Jugendliche, muss ihnen entschlossen entge-
machten deutlich, dass sie den gengetreten werden, die Spazier-
Nazi-Überfällen nicht tatenlos zu- gänge waren ein mehr als gelun-
sehen. Obwohl die Faschisten in gener Anfang!
den letzten Monaten ein gutes Stück

Soli-Konzert für das Bündnis gegen Rechts


Wow, das war ein Abend. An die celona die Bühne, die den Leuten
1000 Leute feierten am 29. April in schnellen Oi-Punk mit deutlichen
der Skatehalle „Walhalla“ zu Ska antifaschistischen Texten um die
und Punk-Musik für einen guten Ohren hauten. Eine wahre Freude
Zweck. Zur Unterstützung des für alle Freunde des Streetpunk
Bündnis gegen Rechts wurde ein der härteren Gangart! Für die gut
Soli-Konzert organisiert. Das erst- gelaunte und tanzfreudige Menge
klassige musikalische Programm war der Abend noch lange nicht
des Abends wurde mit Boxing Fox vorbei, denn Obrint Pas aus Va-
aus der Region eröffnet, die mit lencia brachten die Skatehalle zum
Offbeats, Punkriffs und gekonnten beben. Mit ihrer Mischung aus Ska,
Bläsereinsätzen einheizten. Nach Latin, Reggae, Hardcore, Punk und
ihnen betrat Opcio K-95 aus Bar- wohl noch vielem mehr verhalf die
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sechsköpfige Band selbst notori- möglich ist. Am Ende des Konzerts
schen Nichttänzern zu der einen verließen Obrint Pas die Bühne,
oder anderen Bewegung. Nicht nur spielten mit ein paar Instrumenten
ihre Musik ist ein Genuss für die im Publikum weiter und sangen
Ohren, sondern auch ihre meist zusammen mit den mittlerweile
auf katalanisch gesungenen Lied- sichtlich erschöpften, aber nach
texte. Sie beschäftigen sich mit Ras- wie vor super gelaunten
sismus, Krieg und den Auswirkun- ZuschauerInnen alte Widerstands-
gen des Kapitalismus und verkör- lieder. Ein gelungener Abschluss
pern zugleich die Hoffnung, dass für eine mehr als gelungene Ver-
eine andere, solidarische Welt anstaltung!

Ein Stich ins Wespennest...


In wohl kaum einer anderen Regi- und der Region angekündigt hat-
on der BRD gibt es eine so starke ten die Demo anzugreifen, konn-
organisierte Nazi-Szene wie im ten die AntifaschistInnen ihre Ver-
Harzer Raum Wernigerode, Halber- anstaltung ungestört durchführen.
stadt und Quedlinburg. Regelmä- Die Nazis schafften es lediglich
ßig werden linke Jugendliche über- knapp fünfzig Personen zu einer
fallen, ein unabhängiges Jugend- Gegenkundgebung zu mobilisieren.
zentrum wurde ebenso wie eine Bis auf einen kläglichen Versuch,
Antifa-Demo in Halberstadt ange- die Demo mit einer Wasserbombe
griffen. Doch jetzt wächst der Wi- und einem Böller zu stören, war
derstand. Am 27. Mai fand in Wer- von den Nazis trotz der großspuri-
nigerode eine antifaschistische gen Ankündigung an diesem Tag
Demonstration mit rund 800 Teil- nicht viel zu sehen.
nehmern un-
ter dem Mot-
to „Den Nazis
auf die Pelle
rücken - anti-
faschistische
Jugendkultur
stärken“ statt.
Obwohl die
NPD, JN und
Kamerad-
schaften aus
Wernigerode
Seite 12 Fight Back!
Erneut Tausende gegen Nazis in Göttingen
Beim Nazi-Aufmarsch im Oktober fangreichen Kontrollen alle, die zur
letzten Jahres in Göttingen gab es Demo gegen die Nazikundgebung
noch einige Freiräume für das Agie- wollten. An nahezu jeder Ecke des
ren von kleineren und größeren ansonsten so idyllischen
Gruppen von AntifaschistInnen. Studentenstädtchens belagerten
Damals gelang es
durch Barrikaden und
Blockaden auf der
Nazi-Demo-Route und
durch direkte Aktionen
gegen die Nazis, die
Polizei zum Abbruch
des Aufmarsches nach
nur knapp 200 Metern
zu zwingen. Die Nazis
kündigten an wieder-
zukommen und das
taten die 150 Nazis,
welche die NPD und
Kameradschaften für
ihren Wanderzirkus in
der Region zusam-
menkriegen, am 13. Mai dann auch. Scharen von Polizisten den Geh-
Für ihre Kundgebung auf dem weg und durchsuchten akribisch
Bahnhofsvorplatz konnten sie sich genau die Leute. Trotz der polizei-
des entsprechenden Schutzes der lichen Schikanen beteiligten sich
Polizei sicher sein. Diese erhöhte rund 6000 (andere Schätzungen
aufgrund der Ereignisse vom letz- sagen 8000) Menschen an der
ten Mal ihr Aufgebot auf rund 6000 Demo des Göttinger „Bündnis ge-
Beamte und drangsalierte mit um- gen Rechts“. Ein Versuch der Po-
lizei, den
Antifa-Block
vom Rest der
Demo zu
trennen,
konnte auf-
grund des
solidari-
schen Ver-
Fight Back! Seite 13
haltens der Bündnisdemo verhin- Reden auch schon wieder ab. Tau-
dert werden. Die Kundgebung der sende Polizisten hielten dabei den
Nazis war ein einziges Trauerspiel. Nazis den Rücken frei und sorgten
Nachdem sie am Bahnhof anka- dafür, dass so gut wie keine
men und von ca. 100 Leuten mit AntifaschistInnen auch nur in die
„Nazis-Raus“-Rufen und fliegenden Nähe der Nazis kamen. Wie ein-
Kaffeebechern empfangen wurden, fach wäre alles ohne diesen riesi-
fuhren sie nach einigen kurzen gen Polizeiaufmarsch gewesen.

„Kein Geschäft mit faschistischer Hetze


- Stoppt den Verkauf von Nazi-Zeitungen!“...
...war auf Flugblättern und einem zwanzig Minuten erschien die von
Transparent vor dem Zeitschriften- Salzmann gerufene Polizei und er-
handel Salzmann in der Burg- teilte den AntifaschistInnen Platz-
passage zu lesen. Es war das zwei- verweise und schmiss diese aus
te Mal in diesem Jahr, dass dort der Burgpassage. Seit den Prote-
gegen den Verkauf der Zeitungen sten sind die besagten Zeitungen
„Deutsche Stimme“ (das Parteior- bei Salzmann nicht mehr gesehen
gan der NPD) und der „Junge Frei- worden, dennoch bleibt abzuwar-
heit“ protestiert wurde. Die „Junge ten, ob Salzmann die Nazi-Zeitun-
Freiheit“ ist eine parteiübergrei- gen dauerhaft aus dem Programm
fende Zeitung der sogenannten genommen hat, oder doch wieder
neuen Rechten. Sie versucht durch versuchen wird, mit menschen-
vermeintlich seriöses und intellek- verachtender Hetze Geschäft zu
tuelles Auftreten faschistische In- machen...
halte salonfähig zu machen
und bedient dabei die kon-
servative „Braunzone“ bis
hin zu offensichtlichen Na-
zis. Nach einer ersten Pro-
testaktion Ende März hat-
te Salzmann die Zeitungen
vorübergehend aus dem
Programm genommen. Da
sie aber schon nach weni-
gen Wochen wieder auf-
tauchten, wurde erneut vor
Salzmann protestiert. Nach
Seite 14 Fight Back!
Was die Franzosen auf die Straße treibt
- Proteste gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes in Frank-
reich und Deutschland
Dienstagmorgen, 7:26 Uhr - irgend- ganze 24 Monate ohne Angabe
was ist komisch: schon beim Ver- von Gründen gekündigt werden
lassen der Haustür schlägt dir können. Klingt wie das, wogegen
Brandgeruch entgegen, die Stra- meine französischen (Traum)Kol-
ßenbahn kommt auch nach 20 Mi- legen demonstrieren wollten...
nuten nicht - also zu Fuß zur Schu- „Na, mir doch egal, ich geh ja
le. Dort hängen Transparente aus noch´n Jahr zur Schule.. erstmal
den Fenstern, deine Mitschülerin- Frühstücken...“
nen sammeln sich auf dem Schul-
hof (sieht fast aus wie ne Demo);
währenddessen rotten sich auf der
anderen Straßenseite mehrere
Hunderschaften Polizei zusammen.
Voll unheimlich. Endlich erblickst
du deine Kumpels „Man, was’n
los?!“ „Tu n´as pas encore
entendu? Ceux veulent détacher
la protection contre le
licenciement... Cést nous ne faisons
pas là !!“* („Hast du noch nicht
gehört? Die wollen den Kündi-
gungsschutz lockern... da machen
wir nicht mit!!“ )

Moment mal?! Was redet der? ..


Wo bin ich ? Frankreich? Kündi-
gungsschutz? Demo? Streik?
..schnell aufgewacht..ah, Gott sei
dank, doch Deutschland.. Und so ist es immer das selbe:
Gerade sagt der Radiosprecher, Schicke Autos bauen, die elektro-
die große Koalition habe beschlos- nische MPEG Datenkomprimierung
sen, dass Angestellte mit Zeit- erfinden, gutes Bier brauen oder
vertrag nun nicht sechs, sondern Fußball zur absurdesten Wichtig-

*Anmerkung der Redaktion: das ist sicher nicht komplett richtig übersetzt.. aber bitte habt
Nachsicht, wir haben Franz nach der 10ten abgewählt ;-)
Fight Back! Seite 15
keit machen - alles kein Problem... ber ausgesetzt. Zusätzlich sind je-
Doch wenn es mal um wichtige derzeit rausschmeißbare Arbeiter-
Dinge geht, dann besser erst mal Innen ein Mittel zur Lohndrückerei.
Frühstücken. Man kann sie jederzeit durch billi-
gere ersetzen oder erpressen.
Während in Frankreich
SchülerInnen, Auszubildende, Doch die Franzosen sagten
StudentInnen und ArbeiterInnen unmissverständlich: „Non!“ zum
gemeinsam gegen den von Pre- CPE. Streiks, Besetzungen von Unis
mierminister Dominique de Villepin und Schulen, Demonstrationen mit
eingeführten „Contrat Premiere TeilnehmerInnenzahlen in
Embauche“ (CPE) rebellierten, lok- Millionenhöhe - fast schien es, ganz
kert die Bundesregierung den Kün- Frankreich sei auf den Beinen. Die
digungsschutz, ohne dass auch nur Franzosen mäkelten an dem Ge-
ein Hahn danach krähte. setz nicht mit dem hierzulande ein-
zig salonfähigen Einwand herum,
Nach dem CPE (und auch den neu- damit würden keine Arbeitsplätze
en Gesetzen in Deutschland) kön- geschaffen, als sei eine Ver-
nen 18 bis 26-Jährige (in Deutsch- schlechterung schon hinzuneh-
land sogar alle Altersgruppen) men, wenn sie nur Arbeitsplätze
während der ersten zwei Jahre des brächte. Es war ihnen schnuppe,
Arbeitsverhältnisses ohne Begrün- dass das französische Verfas-
dung und ohne Vorwarnung ent- sungsgericht das Gesetz als
lassen werden. Die Berufs- verfassungskonform bestätigte. Mit
anfängerInnen sind damit der völ- dem Regierungsangebot, das Ge-
ligen Willkür potenzieller Arbeitge- setz zu „entschärfen“, wollten sie
Seite 16 Fight Back!
sich nicht zufrieden geben und mit alitionsvereinbarung Sturm gelau-
dem eingebildeten Trost in Unis fen wurde, wie es beim Nachbarn
und Schulen zurückkehren, mit ih- der Fall war, wissen die Götter...
rem Kampf auf der Straße hätten Hat wohl mal wieder keinen inter-
sie „immerhin das Schlimmste“ ver- essiert. Hätte es sollen? Was pas-
hindert. Sie hielten vielmehr radi- siert denn, wenn ich nach dem
kal an der Forderung nach Ab- Schulabschluss endlich nen Job
schaffung des Gesetzes fest. ergattert habe? Muß ich dann stän-
Und mit Erfolg! - Nach wochenlan- dig fürchten, dass mein Chef mich
gen Protesten gab die französi- nen paar Monate malochen lässt
sche Regierung schließlich auf: Die und mich wenn ihm meine Nase
Lockerung des Kündigungschutzes nicht mehr passt rauswirft.. Klingt
wurde vollständig rückgängig ge- irgendwie gar nicht gut.
macht. Vielleicht hätt´ man da doch mal
was dazu sagen sollen.. denn dass
In Deutschland ist das Gesetz ohne sich was bewegen lässt, wenn man
viel Widerspruch einfach so durch- nur will und viele mitmachen, hat
gegangen. Warum hierzulande Frankreich ja gezeigt.
nicht ähnlich heftig gegen die Ko-

Jeden Freitag ab 20 Uhr


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www.antifacafe.de.vu
Antifaschistische Aktionen, Informationen, Diskussionen,
Veranstaltungen, Filme, Flugblätter, Zeitschriften, Bücher,
Plakate, Aufkleber, T-Shirts, Anstecker, Aufnäher ...
Fight Back! Seite 17
Schule nervt!
Das frühe Aufstehen, der ständige ßig bis wenig (aus)gebildeten, da-
Leistungsdruck durch die Noten, für billige, Arbeitskräfte benötigt
die vielen Stunden und der lang- werden. Das es einige leistungs-
weilige Unterricht, in dem nur allzu starke SchülerInnen gibt und wel-
oft irgendein Zeug durchgekaut che die es weniger sind, ist nicht
wird, was uns nicht im Ansatz inter- einfach eine Tatsache, sondern
essiert. All das geht wohl den mei- gesellschaftlich gewollt. Es sollen
sten von uns gehörig auf die Ner- eben nicht alle auf ein Bildungsni-
ven! Das Bildung an sich nichts veau gebracht werden, wieso sonst
verkehrtes ist, sondern im Gegen- scheiden die SchülerInnen früh-
teil, etwas was uns die Welt verste- zeitig aus dem Lernprozess aus,
hen lässt, ist klar. Doch was Bil- die schlechte Noten abliefern und
dung in dieser Gesellschaft mit dem gerade die Besseren dürfen noch
unabhängigen Aneignen von Wis- länger zur Schule gehen? Darüber
sen zu tun hat und für wen die hinaus vermittelt die Schule natür-
Bildung überhaupt ihren Zweck lich noch all die Inhalte und Verhal-
erfüllt, lohnt sich genauer anzuse- tensregeln, die für die Berufswelt
hen. Denn durch so etwas wie die wichtig sind, wie dass Unterordnen
„Eigenverantwortliche Schule“ wird unter fremde Verfügungsgewalt,
der Schulalltag noch etwas das Einhalten von mehr oder weni-
beschissener und zugleich deutli- ger logischen Regeln und die Tat-
cher um wessen Bildung es hier sache das wir uns die Welt in der
geht. Doch zunächst werfen wir wir leben nicht aussuchen können,
einen Blick auf die allgemeine Auf- es zwar viele Probleme gibt, aber
gabe von Schule. eine Kritik doch bitte konstruktiv
ausfallen soll. Für den Gedanken
Schule, wozu überhaupt? das vielleicht alles grundsätzlich
falsch ist und anders sein müsste
Schule hat schon immer die Funk- ist dabei nur selten Platz. Schließ-
tion erfüllt, uns bereits nach der 4. lich sollen wir ja kein kritisches
Klasse durch die Unterteilung in Bewusstsein entwickeln, sondern
Hauptschule, Realschule und Gym- unseren Platz als arbeitswilliger und
nasium als zukünftige Arbeitskräf- mündiger Staatsbürger einnehmen
te für den Arbeitsmarkt zu selektie- und die ganze Scheiße am Laufen
ren. Damit wird den Ansprüchen halten, ob als bestverdienender
der kapitalistischen Wirtschafts- Manager oder verarmter Tagelöh-
weise gefolgt, in der wenige (stu- ner. Vorausgesetzt, dass wir über-
dierte) Führungskräfte, einige hö- haupt einen Job finden und nicht
her qualifizierte und viele mittelmä- durch unsere schulische Laufbahn
Seite 18 Fight Back!
von vornherein klar ist, dass wir eh die Selbstverwaltung des gesam-
erwerbslos werden und vom ten schulischen Etats vorgesehen.
Jobcenter von einer Umschulung Getreu dem Motto, wer zuerst
oder Qualifizierungsmaßnahme in kommt, mahlt zuerst, wird an der
die Nächste gesteckt werden. Also IGS FF in Braunschweig die „Ei-
Schule ist alles andere als eine genverantwortliche Schule“ bereits
unabhängige, interessenlose In- fleißig erprobt und die meisten
stanz. anderen Schulen werden wohl fol-
gen. Erklärtes Ziel der Landesre-
Mehr Eigenverantwortung? gierung ist es, durch mehr Wettbe-
werb unter den Schulen und
Klingt erst einmal toll, so wie dass angepasste Standards die Quali-
bei den meisten Gesetzesreformen tät des Unterrichts und der Schule
der Fall ist. Irgendwie nach mehr zu steigern. Ganz wie in der freien
Freiheit und weniger Bevormun- Wirtschaft sollen nun die Schulen
dung. Doch wer den Begriff der zur Aufstockung ihrer knapp be-
„Eigenverant-
wortung“ aus
d e n
„sozial“politischen
Diskursen der
Unternehmen,
Regierung und
Medien kennt,
kann ahnen,
dass es sich
auch hier um
nichts Gutes
handelt, son-
dern den Leu-
ten zusätzliche
Lasten auf gebrummt werden. Mit messen Finanzmittel auf der Su-
dem Entwurf des neuen Schulge- che nach privaten Sponsoren ge-
setzes und der „Eigenverantwortli- geneinander konkurrieren. Durch
che Schule“ werden eine Reihe die Abhängigkeit von Sponsoren-
Befugnisse, die vorher Erlasse bzw. geldern steigt der Einfluss der Wirt-
die Gesamtkonferenz geregelt ha- schaft auf die Lehrinhalte, denn
ben, an die Schulleitung überge- welches Unternehmen hat schon
ben. Also Direktoren als Chefs. ein Interesse an einer Schule die
Außerdem sind häufigere „Quali- z.B. herrvorragende Ergebnisse in
tätskontrollen“ des Unterrichts und freier Kunst und kritischen
Fight Back! Seite 19
(Gesellschafts-)Wissenschaften Als „Eigenverantwortliche Schule“
abliefert? Im großen Stil gespon- gibt es nun einen formellen Rah-
sert werden die Schulen, von de- men, der die Funktion von Schule
nen sich die Unternehmen eine als Instanz zur Selektion und zur
bestmögliche Ausbildung in ihrem Anpassung an die gesellschaftli-
Sinne und positive Werbewirkung chen Verhältnisse weiter zuspitzt.
erwarten, was eine Entwicklung hin Für uns Schülerinnen und Schüler
zu Eliteschulen und (finanzschwa- heißt das auf jeden Fall, dass das
chen) „Massenschulen“ beschleu- Schulleben immer ätzender wird.
nigt. Dass die Idee der „Eigenver- Höchste Zeit also, die Sachen
antwortlichen Schule“ nicht allein selbst in die Hand zu nehmen, den
auf dem Mist der Landesregierung, Mund aufzumachen und mal zu
sondern in enger Kooperation mit sagen was die SchülerInnen ei-
der Stiftung des Medienkonzerns gentlich wollen und nicht den Un-
Bertelsmann entstand, verwundert ternehmen, Politikern, Direktoren
da kaum. Nicht die Vermittlung von und Sozialarbeitern unser (Schul-
Wissen an die SchülerInnen und )Leben zu überlassen. Fragt doch
deren Bedürfnisse stehen im Mit- mal in der Schule eure LehrerInnen
telpunkt, sondern die weitere An- was Sache ist, hakt bei euren SVen
passung der Schule an die Erfor- nach was sie wissen und wie sie
dernisse der Wirtschaft. dazu stehen. Verweigert das Aus-
füllen von Fragebögen in denen
Was schon immer Scheiße war, statistische Daten über euch ge-
wird noch beschissener - doch so sammelt werden usw.. Es gibt eine
wie es ist, muss es nicht bleiben! Menge Möglichkeiten den alltägli-
chen Wahnsinn nicht einfach so
hinzunehmen!

Kommt zur Jugend Antifa Aktion (JAA)


Aktiv werden gegen Krieg,
Nazis und staatlichen
Rassismus!
Jeden Montag ab 19 Uhr
im Antifaschistischen Café
Cyriaksring 55 - 38118 Braunschweig
Donnerstag 20. Juli
Nazis wegrocken! Konzert gegen Rechts
mit Employee Of The Month (Skapunk), Milo (Punkrock),
The Villains (Skapunk) und Boxing Fox (Ska)
Einlass 20 Uhr • Eintritt 3 Euro • B 58 • Bültenweg 58

Freitag 21. Juli


Film: „Zwischen Asyl und Abschiebung“
Was heißt es als Flüchtling in Deutschland zu leben? Wie gehen die Menschen damit um,
nicht zu wissen, ob sie abgeschoben werden oder Asyl bekommen? Und was heißt
eigentlich „Lagerleben“? Das sind die Themen mit denen sich der Film beschäftigt. Die
Dokumentation lässt die Flüchtlinge zu Wort kommen und ihre Situation aus eigener Sicht
erzählen.
20 Uhr • Antifaschistisches Café

Freitag 4. August
Lecker Essen + Dessert (für 2 Euro)
20 Uhr • Antifaschistisches Café

Freitag 18. August


Film: „36. Breitengrad“
Der 36. Breitengrad ist die geografische Grenze zwischen Europa und Afrika, an der die
Meerenge „Straße von Gibraltar“ verläuft Diese unsichtbare Grenze trennt die Welt des
relativen Überfluss im Norden von der Armut und dem Elend des afrikanischen Kontinents.
Auf der Suche nach einem sicheren und besseren Leben machen sich dort tausende von
Menschen jedes Jahr auf den unsicheren Weg die Meerenge zu überwinden. Der Film
erzählt davon, was die Flüchtlinge erwartet, wenn sie an der spanischen Küste
ankommen. Dabei stellt er den Weg bis zu ihrer Abschiebung dem Tourismus-Idylle des
Mittelmeers entgegen.
20 Uhr • Antifaschistisches Café

http://www.antifacafe.de.vu