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Die Grundsihtation des Erzählens ist: Ein Ezähler ezählt seinen Zuhörern etwas, was gesche- und der
Die Grundsihtation des Erzählens ist: Ein Ezähler ezählt seinen Zuhörern etwas, was gesche-
und der Zuschauer soll Geschehendes miWollziehen, als wäre er selbst beteiligt; den Bühnenraum,
hen ist oder geschehen sein soll. Zwischen dem Zeitpunkt des tatsächlichen oder angeblichen Ge-
schehens und dem ZeiQunkt des Ezählens liegt also ein Abstand. Ein deutlicher spmchlicher Aus-
druck dieser Distanz zwischen dem Ezählten und dem Ezählen seitens des Autors ist das ImDeE
der ihm über die Handlung aufgeschlossen wird, bezeichnen manche Germanisten deshalb auch als
Raum der lllusion.
In den Vordergrund bitt jeEt das aufzudeckende
Selbst des Menschen, der in klarcm Bewusstsein
feK, in dem das Ezählte als Vergangenes, Unveränderliches,
Festliegendes vorgetragen wird: Es
war einmal
Gewöhnlich trägt der Ezähler nicht in erregter Ergriffenheit vor, sondern er breitet in ruhiger Ge-
lassenheit und distanzierter Überschau die Fülle, die Eigenart und Schönheit der geschehenen Dinge
aus; dies gilt vor allem für die Ezählkunst des 18. und 19. Jhdt.
nach der Bestimmung seiner Existenzfragt, nach dem, was er ist, was er sein könnte oder sein soll-
te. Im Zentrum steht damit nicht mehr die auktoriale Ausbreitung obiektiver Wirklichkeit - die der
tnditionelle Ezähler durch diese Ezählhaltung vorgibt zu vermitteln - und des in sie sinnvoll einge
gliederten Einzelnen, sondern der artifizielle (künstliche) Entwurf einer potentiellen. d.h. möglichen
Wittlichkeit und eines potentiellen Menschen, der ihr ausgesetrt wird. So soll sich die Wirklichkeit in
Der Zweck des epischen Dichters liegt schon in jedem Punk seiner Bewegung; darum eilen wir
ihrem So-Sein verantworten vor den in der Literatur aufgedeckten Möglichkeiten oder Unmöglichkei-
ten menschlicher Existenz, U.a. in der Kraft, Pespektiven auf utopische Daseinsformen zu öffnen,
nlcht ungeduldig zu einem Ziele, sondem verweilen uns mit Liebe beijedem Schritte. (Fr. Schiller)
liegt der Anspruch moderner Ezählkunst.
Das Auktoriale Erzählen
(auktorial: neugebildetes Adjektiv zu lat. auctor = Autor).
Bezelchnung für eine Ezählstruktur - man spricht auch von Ezählhaltung, Ezählstandpunkt oder
EzählperspeKive - aus der Perspektive einer allwissenden Überschau oder Sicht von oben, Der Er-
zähler berichtet über Innen- und Auflenwelt der Personen in der von ihm geschaffenen fiktiven (=
erfundenen) Welt; dieser Er-Eaähler mischt sich - bisweibn auch in lch-Form - in das Ezählte ein,
kommentiert es im Gespräch mit dem Leser oder erörtert mit ihm ezähltechnische (vgl. ,,Der äu-
Aus diesem kritischen Bewusstsein heraus werden etwa seit Beginn unseres Jahrhundefts neue
Ezähl- und Ausdrucksformen entwickelt, in denen die Fülle der gegenwäftigen, objeKiven Welt um-
gewandelt wird in eine vom Einzelnen unmittelbar erfahrene. an das erlebende Subjekt gebundene
Welt. Der unvermittelte, durch keinen auktorialen Ezähler gebrochene Einblick in den subiektiven
Erlebnisraum der entworfunen poetischen Figur soll es zulassen, Mensch und Welt in unmittelbarer,
lebendiger, auf den Augenblick reduzierter Konfrontation sichtbar werden zu lassen.
Das Zurücktreten oder gar Verschwinden des auktorialen Eaählers ist das gemeinsame KennzeF
berberg"), moralische und ähnliche Probleme, Dieser Ezähler ist im Grunde auch fiktiv, also nicht mit
chen der Textausschnitte, die personales Ezählen spiegeln :
dem Autor identlsch (vgl. das Verhältnis von lyrischem Ich und Autor in Gedichten), aber auch kein
IIL
Fnnz lGfka, Die Verwandlung.
Charakter der ezählten Geschichte; er ist - wenn man so sagen will - Herr der Lage.
ry.
Thomas Mann, Der äuberberg.
Der auktoriale Ezähler erscheint in der deutschen Literatur seit etwa 1750. Die VomusseEung
dieser Ezähleftradition liegt in dem Glauben an die Fähigkeit des Menschen, aus der Kraft seines
schöpferischen @istes der Welt und den in ihr sichtbaren Geschehnissen einen Sinn geben oder
V.
James Joyce, Ulysses.
einen ihr immanenten Sinn aufdecken zu können, der für den Leser als persönliche Erfahrung fass-
Der Eaähler tritt hier so weit hinter die Figuren des Romans zurück, dass seine Anwesenheit dem
Leser nur noch gelegentlich bewusst wird oder dass sie sich dem Bewusstsein des Lesers enEieht.
Der Leser gewinnt die Vorstellung, er trefinde sich selbst auf dem Schauplatz des Geschehens s6sy
bar wird. Diese Sinngebung des Geschehens und ihre veftraut-veftrauliche Weitergabe an den Leser
findet sich noch bis in die ezählende Dichtung der Gegenwaft hinein.
er betrachte die dargestellt Welt mit den Augen der Romanfigur, die jedoch nicht im herkömmlichen
Beispiele: L
Sinne ezählt, sondern in deren Bewusstsein sich das Geschehen gleichsam spiegelt. Damit wid
Annette von Droste-Hülshofi, Die Judenbuche.
diese Romanfigur zur persona, zur Rollenmaske (lat. personare: hindurchtönen), die der Leser an-
n. Thomas Mann, Der äuberberg.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts vediert das auKorial-persönliche Ezählen diese VorausseEung.
Die Undurchsichtigkeit und Undeutbarkeit der Geschehnisse wird als so stark, die Fnge nach ihrem
Sinngehalt als so unlösbar empfunden, dass es unmoglich zu sein scheint, vom entfernten Stand-
legt. Wir lrennen diese von der Romanfigur ausgehende Ezählhaltung deswegen die personale Ea-
ählhaltung. Da hier der fingiefte Eaähler aus der Ezählung verschwindet, ist der Autor nicht mehr
durch eine formal vorgeprägte Ezählfigur gezwungen, unfassbare Efahrungen als Sinnzusammen-
hänge deuten zu müssen.
punkt des auKorialen Ezählers aus einen alles verbindenden, zum Verstehen führenden Überblick zu
Das personale Erzählen
gewinnen. Die bisher vorherrschende Intention der Ezählkunst, Wir*lichkeit unter dem Wahrheitsan-
spruch des >So ist es< zu fingieren, im Ezählvorgang eine zweite, eigentliche Wirklichkeit zu erstel-
len, verfällt ndikaler Kritik. Die Intentionen modemer Ezählkunst haben ihren Ausgangspunkt in
dieser Kritik an der epischen Fiktion, d.h. an einer durch die Ezählung geschaffenen Wirklichkeit und
damit zugleich an der Vorstellung rron der Wirklichkeit als einem geschlossenen, überschaubaren und
deutbaren Sinngefüge.
(auch: einsinnige Ezählhaltung, einpersoniger PerspeKivismus) bezeichnet eine Eaählstruktur, bei
der das fiktionale Geschehen nur aus der Perspektive einer der am Geschehen beteiligten fiktiven
Personen berichtet wird, d,h,, statt einer allseitigen Darstellung der etzählten Welt erfährt der Leser
diese subjektiv gedeutet und je nach FunKion (Mittelpunkts- oder Randfigur), Charafter oder seeli-
scher Verfassung (klug, kombinierend, weitsichtig - naiv, unwissend) mehr oder weniger relativiert
oder fragmentarisch. Das personale Elzählen hat damit auch Einfluss auf die Rolle des Lesers, der -
Diese epische Fikion und ihrc zweite Wirklichkeit spiegelte sich im übrigen auch im klassischen
Drama wieder: Wie bei der Guckkastenbühne wird dort ein Vorhang - die viefte Wand - getiffnet,
je nach Bereitschaft - zum akiven Mitgestalten, zur Sinngebung gezwungen wird.
Miftel dieser eaählerischen Wrklichkeitsvermittlung und damit erweiterte Formen personalen Ez- Eine Sondeform des
Miftel dieser eaählerischen Wrklichkeitsvermittlung und damit erweiterte Formen personalen Ez-
Eine Sondeform des personalen Ezählens ist der sogenannte mehrpersonige PerspeKivismus, bei
ählens sind:
dem ein fikives Geschehen Konturen gewinnt durch die subjeKiven AspeKe und Bewusstseinsinhal-
te mehrerer fiktiver Personen. Ziel ist, im Anschluss an die philosophische Richtung des PerspektF
*
Der-EtzäilFrberif.ht
(Beispiel: Kafka, Die Verwandlung)
vismus, eine Annäherung an ein objektives Bild, den wahren Kern des Geschehens zu erreichen.
Bei ihm wird nicht mehr ein durch einen persönlichen Elzähler vermitteltes, gedeutetes oder kom-
Die Ich-Erzählsituation
mentiertes C'eschehen dargestellt, sondem die Romanfigur und die Romangeschehnisse kommen
hier für sich, losgelöst vom vermittelnden Ezähler, zur Spmche. In der Ezählung scheint sich die
Wirklichkeit selbst, aus sich heraus auszusprechen. Der Vorteil dieser Darstellungsform liegt darin,
dass die Welt nicht mehr in subjektiver Brechung vermittelt zu werden braucht sondem in objektiver
Gesüalt erscheinen kann. Der Eindruck der ObjeKivität sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen,
Sie unterscheidet sich von der auktorialen Ezählsituation zunächst darin, dass hier der Eaähler zur
Welt der Romancharaktere gehört. Er selbst hat das Geschehen erlebt, miterlebt oder beobachtet
oder unmittelbar von den eigentlichen Akteuren des Geschehens in Erfahrung gebracht.
dass es sich audt beim Ezähleöericht um fiktive, vom Dichter in bestimmter Aussageabsicht gestal-
tete Wirklichkeit handelt.
* Dle-ltrlctrtÄBcdg (Beispiel: Thomas Mann, Der Zauberberg. - ,,Hans Castorp träumte "))
Verglichen mit der auKorialen Ezählsituation ist die lch-Ezählsituation die umständlichere, da sie
den Autor auf den Standpunkt und die Erlebnisperspektive der lch-Gestalt festlegt. Was manchen
Autoren des 18. und 19. Jahrhundefts als unnötige Beschränkung ihrer Freizügigkeit im Hervorbrin-
gen von fiKiver Welt erschien, erweist sich dem modemen Autor, der die persönlich-intime Welt-
schau dem panoramahaften Ausblick auf die Fülle der Erscheinungen volzieht, als unschätzbarer
Bei ihr handelt es sich um eine Form monologischen Sprechens, ein Stilmittel, das für die modeme
Vorteil.
Ezählkunst überhaupt charakteristisch ist. In der Zwischenform der 3, Person Indikativ wird hier die
direKe und indireke Rede vermischt. Die erlebte Rede gibt Bewusstseinsregungen,
Vorstellungen,
Gedanken der dichterischen Figur in solcher Unmittelbarkeit wieder, dass der Leser den Eindruck
erhält, selbst daran teilzunehrnen. Der Chankter des Lebendigen, Spontanen, des im Augenblick
Ein weiteres CharalGeristikum ist, dass die Persönlichkeit des Ezählers, sein Standpunkt in der
dargestellten Welt, seine Haltung zu den eaählten Begebenheiten Gegenstand der Elzählung wer-
den. Seine Individualität, seine Typik, seine Pers<inlichkeit werfen ein eigentümliches Licht auf die
betnchtete Szene; durch ein Individuum wird Wirklichkeit vermittelt. Selbst wo die lch-Figur nicht im
Erlebten wlrd häufig durch Fagen oder Ausrufe noch verstärkt.
MittelpunK des Geschehens, sondern an dessen Rand steht, ist es die schafe Perspektivierung des
Der Unterschied zwischen dem Ezählerbericht und der erlebten Rede ist nicht grammatischer, son-
Geschehens, die durch die lch-Ezählsituation gefördert wird.
dern psychologischer Art. Beim Ezählerbericht schaut der Leser von außen, vom Standpunkt des -
wenn auch häufig nur noch gedachten - Ezählers auf die Romanfigur; bei der erlebten Rede gleitet
die Perspeftive jedoch unmerklich zur dichterischen Figur hin, aus deren Sicht jetzt innerseelische
Die dargestellt Welt des auKorialen Romans ist aus der Distanz betrachtete Welt, die des lch-Ro-
mans oft eine in der Erinnerung wiedererlebte Welt. (Text und Dialog, Bagel)
Erzählzeit
Vorgänge erfahren werden. Ein besonderer Reiz liegt in einem kuz aufbliEenden Perspektivenwech-
sel, indem der Ezähler durch plötzliches Heruoftreten die monologische Sprechrichtung durchbricht.
x Zeitrafürng
J. P. Hebel, Unverhofftes Wiedersehen)
,r, Zeitdeckung
Amo Holz / Johannes Schlaf, aus: Ein Tod
Der - aus der französischen Literaturwissenschaft
übernommene - Ausdruck erlebte Rede ist unge'
nicht um bewusst
*
nau, weil es sich ja hier um die Darstellung vorspnchlicher Gedankenabläufe,
formuliefte .Rede" handelt.
Zeitdehnung
Ezählzeit: der Begriff meint die zum Ezählen oder Lesen realer oder fiKiver Vorgänge benötigte
Zeit.
* Detjmere-Monolog (Beispiel: James Joyce, Ulysses)
Bei ihm ist der Ezähler völlig zurückgetreten,
so dass der Leser ohne jede Vermittlung an stummen
Im Unterschied zur Etzählzeit umhsst die eaählte Zeit alle Zeiträume, von denen erzählt wird. Das
Verhältnis der Ezählzeit zu der ezählten Zeit ist konstitutiv für die Gestaltung eines Werkes, u.a.
Selbstgesprächen der erzählten Figur teilnimmt, Er befindet sich bei dieser an keinen Zuhörer gerich-
auch für das Erkennen von Ezählphasen.
teten, nur im Innercn ablaufenden Rede gleichsam mitten im Bewusstseinszentrum
des Sprechen-
Am häufigsten ist zeitraff endes Erzä h len, d.h, derAufovand von relativ wenig Ezählzeit
den, ja, er wird in dessen Vorstellungswelt in dessen Bewustseinsstrom geradezu suggestiv hinein-
gezogen.
für die Darstellung längerer Ereignisfolgen, was zu Zeitsprüngen, Aussparungen, Raffungen
führt (vgl. ,,Michael Kohlhaas)
Während d're direke oder indirekte Rede, ja selbst noch die erlebte Rede, mehr oder weniger be
stimmte oder bewusste Aussagen und Überlegungen formulieren, in die unterschwellige, vorbewuss-
In der neueren Ezählkunst wird oft zeitdeckendes Erzählen (Übereinstimmung von
Ezählzeit und ezählter Zeit) angestrebt und durch szenische Darbietungsweisen oder Formen der
te Schichten des Erlebens, Denkens, Fühlens nur unzulänglich eingehen können, sprechen sich im
Bewusstseinsdarstellung wie Dialog, indirekter Rede, erlebter Rede und innerem Monolog realisiert,
inneren Monolog assoziative Einfälle, Erinnerungsfetzen, Außerungen von Angst- und WahnvorsteF
lungen, triebhafte Bedrängnisse und Wünsche intimster Art in oft fragmentarischen, noch nicht durch
die Mitteilungsabsichten bestimmten, bisweilen vorlogischen Ausdruckformen wie von selbst aus.
Ze it d e h n u n 9, d.h. der Fortgang der Ezählzeit unter gleichzeitigem Stillstand der ezählten Zeit,
dient der Einschaltung von Beschreibungen und Reflexionen.
Seite 1 von 3 . . des Weiteren, des Öfteren - Martin Luther, der Kohlhaas,die
Seite 1 von 3
.
.
des Weiteren, des Öfteren - Martin Luther, der Kohlhaas,die Leviten liesf
rechtschatfender
11213 der Erzähler bezeichnet die Tatsache, wie MK zu seinem Recht kommen wollte, im Nach-
.
hinein als'allzu raschen Versuch'
,,Michael Kohlhaas" (Titel mit Anführungszeichen)
+ eine Novelle, kein Reman
.
, aufs, ins, ans aber geht's noch, ich hab's gehöft
Tut's hier etwas zur Sache?
.
lnteressant ist die Rolle des Volkes hier, nachdem es sich aufgrund der Marktplatzszene von MK
abgewandt hatte (70/23tf). Doch ist hier sein Verhalten eindeutig: 115112i 113/6; 1'12139.
Tempus der Vorzeitlgkeit ist meistens das Plusquamperfekt:
Die Sympathien der Leute hatte er ja zu Beginn lange gehabt; vgl. den Hinweis von Luther, dass
- Der Rosshändler, der durch Martin Luther dazu bewegt worden war, seinen Rachefeldzug auf-
)
auf eine höchst gefährliche Weise auf dieses Mannes Seite (sei)'.
zugeben, begröt sich im Anschluss unter Zusicherung des freien Geleits nach Dresden
die "öffentliche Meinung (
(s3/2sft)
- Nagelschmidt biefet Kohlhaas seine Hilfe an; der Rosshändler war nämlich entgegen dem ihm
zugesicherten f reien Geleit arretiert worden.
.
Kohlhaas wird nicht von Graf Kallheim zum Tode verurteilt (vgl. S. 85 - 1. Todesudeil)
Apropos Volk: Von der Leipziger Bevölkerung heißt es, dass sie bestürzt war über das ,,Dasein des
Nachdem der Kurfürst den Antwortbrief gelesen hatte, wlrd Kohlhaas festgenommen.
.
rasenden Mordbrenners" (44 l28Il).
lnhaltsangabe im Präsens (s. Kursivdruck oben)
.
Anmerkung: Rolle dee Zufalls in der Novelle:
Brläutere, wie es zu dem Urteil, das hier an Mi"hn61 (6hlhaas vollstrecktwird,
kormnL
Zufällig wählt der Kämmerer in Berlin die Zigeunerin aus, damit sie des Zettels habhaft werde.
Denkbar ist, dass man nicht stilistisch wie bei einer lnhaltsangabe vorgeht, sondern z.B. folgen-
(106/14ff)
dermaßen formuliert:
Zutällig kennt das ,Trödelweib" die Mutter Herses und gelangt, weil letztere Zugang zu Kohl-
Als Leser hätte man a.nnehnen könneD, dass die Novelle mit der Interventlon Lu-
haas hat, auch ins Gefängnis.(107/7ff)
thers und Kohlraa,sens daraus resultlerender Reise naoh Dresden
einer er-
Zufällig befinden sich die beiden Kurfürsten in Jüterbock, als MK auch dort auf seinem Rachezug
Station macht.
"behufs
neuerten Untersuchul€l
hätto beend.et sein könneq denn
ihm
wax fteies
"(68/16)
Geieit zugesichert worden
und
Straffrelheit flrr den
FaIl, dass "seine(r) Kla4ge, der
Zufällig
B,appen wegen, (nicht) abgewiesen" (68/ 16) werden würde.
.
Erstaunlich im Übrigen ist, dass die Zigeunerin Kohlhaas rät, von dem Zettel Gebrauch zu ma-
chen, um in Freiheit zu gelangen. (108/28ft)
Dass setne Kla€le a,n€lenornmen wrirde, davon konate der Leser ausgeheD.
lUlerdings erfd.hrt die Handlulg eine neue, u!.erwaxtete Werrdung, da zun. einen der
Nicht der Rat an sich, dass er doch in Freiheit gelangen möge, ist erslaunlich; diesen wiederholt
Frei.herr von \Ienk als
der Polizei" (8O/5ö) - si.cherlich ganz im Silne der ge-
sie ja (109/3ff); es ist ihr also ein Anliegen, dass MK freikomme und dass also das Amulett ihm
das Leben rette; das sagte sieja auch voraus.
"Chef
sa.mten HoIka.marllla r:m
den Kurflirsten - Kohlhaa,s arretiert und dieger auf das
Aasinnen des Na4lelschmidt eiaSleht, der Anfübrer von d.essen I{aufen zu werden.
Erstaunlich jedoch ist, dass sie vorher davon spricht, dass der Zettel hier unter dem Schutz des
KFvBra sicher sei (108/21ff); gleichzeitig aber glaubt sie offensichtlich an die Möglichkeit, dass
MK durch den Zettelfreikomme (108/32ff)
Dass MK sich darauf nur auf dem llint€rgrund des Bruches der Zuea€le, deuss ihm
fleies Geleit gewilbrt werde, eidässt, steht außer Fra6e. Doah geht er einer List der
adligen Dra.htzieher auf den Leim, u-trwissend, dass der Brief des Na€el,schmldt a,n
.
109/40ff ,,wenn wir uns wiedertreff en" ?? -> 114114t1??
lhn 3!5lsfa14len worden war. Er wird verhaftet r:ad zum Tode verurtellt,
110/26 gemeint ist sein, also des Kämmerers Versuch mit dem Trödelweib (verständlicherweise
hatte sie sich nicht mehr bei ihm gemeldet; es war ja die Zigeunerin gewesen)
Ilier nun interveniert tlberraschend der Kurflirst von Bra.D.deuburg - rlberraschend,
weil er bzw. seine Hofirerwaltun6l in der Verga.p€ieDheit zweim.al Kohlhaaeens Bitte,
.
111/sff Der Erzähler weist darauf hin, dass die Chroniken sich widersprechen in Bezug darauf,
wohin sich der KFvSa wandte; er, also der Erzähler selbst lässt ihn allerdings wie selbst-
verständlich in Berlin auftauchen - ob diese Variante auch in einer Chronik stand?
ds,ss lhrn F,echt gescheb.e, nlde abgescbla€en hatte - und rettet sein La.ndeskiDd.
,aus den. Händen d.er Überma,chü und Willkirr" (86/I) des Dresdener llofes; der
Rosshä,ndler verdanl<t dies wohl auch dem in Fol€le dieses Geschehens zum. Erz-
.
1111321Woher weiß der Erzähler, dass der Brief merkwürdig ist, wenn er doch verloren gegan-
gen ist?
kanzler beforderten voD Geusau. (86/6ltf)
Kohlhaas wird nach Berlin überstellt, und ala der KFvSa sich außersta,nde sleht,
.
1111241 in Bezug auf Kohlhaas: ,,glich nichts der Ruhe und Zufriedenheit seiner letzten Tage".
Kohlbass selbet il. Berlin anzukla4len, bittet er den ka^lserlichen Hof zu Wien, den
vgl. auch 113/34tf: ,,ganz überwältigt von Gefühlen
er versicherte freudig
(
)
dass sein
Unruhestifter wegen Land-fuiedensbrucb. ,bei dem Hofgerlcht zu Berlin (
)
clurab
höchster Wunsch auf Erden erfüllt sei". - Wenzel von Tronka war zu einer zweijährigen Gefäng-
einen F,echtsa,nkläger zu.r Rechen-scha,ft zu ziehen."
(88/llff)
[1,2 S.] ---
nisstrafe verurteilt worden
Allerdings und etwas seltsam: Kohlhaas nimmt seinen Hut ab und wirft ihn auf die Erde (114/
25t)
Zusammenfassung des weiteren Vorgehens: Der KFvSa versucht später aus bekannten
Gründen (Geschehen in Dahme) den Prozess zu vereiteln; Brief an den Kaiser, Brief an
den KFvBra; missglückter Versuch des Kämmerers in Bezug auf das Trödelweib, Ziqeune-
Hinwelse zum Aspekt Zufall, Volk, Verhalten von Kohlhaas vor selnem Encle, Blttschriften Selte 2 von
Hinwelse zum Aspekt Zufall, Volk, Verhalten von Kohlhaas vor selnem Encle, Blttschriften
Selte 2 von 3
Bewertungsgrundlage Klausur Gestaltendes Interpretieren
rin im Gefängnis, Brief der Zigeunerin kurz vor der Hinrichtung, ausgehändigt durch den
Kastellan )
Brief von KFvSa an den Kaiser. Dieser antwortet u.a., dass bereits der Hof-Assessor Franz Müller
in der Eigenschaft als Anwalt nach Berlin gegangen sei, um MK wegen Verletzung des öffentlichen
Landfriedens zur Bechenschaft zu ziehen
Zitate sind in dieser Teilaufgabe im Rahmen der Abitur-Aufgabenstellung ll in aller Begel eher die
Ausnahme und oben an der Grenze des Akzeptablen; in Ausnahmefällen mag es aber durchaus
eine Aufgabenstellung geben, die diese Häufung oder noch mehr Zitate als angemessen erschei-
nen lassen kann. - Deshalb ist es notwendig, dass Du die Dimensionen der Aufgabenstellung im-
mer gründlich auslotest. Selten ist eine pure lnhaltsangabe von Anfang bis zur vorliegenden Text-
stelle enadnscht; auch oben setzen die Ausführungen gezielt an einem bestimmten Punkt ein; im
KtuSa bittet dann noch den KFvBra um das Leben von Kohlhaas.
Der KFvSBH verwies auf den ,,Nachdruck" des kaiserlichen Anwalts und die Statuierung eines
Exempels autgrund der Aktivitäten des Nagelschmidt; vielleicht ist das auch ein Grund, warum er
ihn am Schluss nicht begnadigt: Meines Erachtens ist der Hauptgrund aber, dass der KFvBr nicht
nach der Anklage im Auftrag des Kaisers und der daraus resultierenden Verurteilung Kohlhaas
begnadigen kann;das hätte der Kaiser als handfesten Affront autfassen müssen.
Zentrum der Textstelle stehen ganz otfensichtlich Kohlhaas und der KFvSa sowie das Amulett und
damit die Zigeunerin; dies gilt es zu beachten. Tronkenburg, Wittenberg, Leipzig, Luther usw. wer-
den somit höchstens kurz in drei bis vier Sätzen erfasst; ich habe diese Ereignisse sogar wegge-
Mögliche Schlusssätze von Teil l:
So kommt eB, dass das Juristische Enga€emeDt des Wener Hofes iD Berlln erfolSpeloh l,st
lassen.
Bitte also unterscheiden:
lm Rahmen der Texterörterung oder Textanalyse (Abitur-Aufgabenstellung 5) sind Zilale in der
Regel erwünscht, ja zwingend erforderlich, wenn es z.B. darum geht, zentrale Begriffe aus dem
Text herauszudestillieren
oder die Kernsätze des Zeitungsartikels zu erfassen; den ein oder ande-
ren Kernsatz oder Teile davon wird man aus dem Text zitieren. Die Abitur-Aufgabenstellungen 1
(Werk im Kontext) und 2 (Gest. lnterpretieren) unterscheiden sich also in Bezug auf das Zitieren
von 5, denn:
und bleibt. MK wird zum zweiten Mal zum Tode verurteilt, Dicht so Ea.rtla,li.sch wle belm
ersten Mal, dafib aber diesmal, wie wir aufgrund des Endee der Novelle w16seD, erfol1;-
reich.
Der vorliegende Textauszug lginha-1f,61 das Ende der Novelle, in der MK ein letztee Mal
mlt jenem Ma.n.n. zusnmmentrifft, desaen Hof ihm die erst€ gchmerzhafteJurlstieche Nie-
derla6le bereitet hatte und dem er ln der Fol6le zwelm&l begegnet. Daa drttto Mat nun eoII-
te d.as Ende deg MK bedeuten, allerdlngs sucb. das Ende des Kurfüreton von Bachsen,
von dem wir lesen: nDer KFvBa ka.rn bald darauf, zerrissen an Leib und Seele nach Sacb-
vor allem in der Abitur-Aufgabenstellung 5 (Erörterung an Hand eines Textes bzw. Textanalyse)
sen zurück, wo Era.rr das Weitere ln der Cleschlohte na,cbleseD mu3-"
sind in Teil I in aller Regel Zeilenverweise zwingend erforderlich!
Tnsefss111v41' MI{s Ansinnen mehr als erfol6peich: n[,
wiltrsl"
ich aber kann dllr weh tun, und lcb
],
mögliches Vorgehen:
EinseEen mit der Arretierung von MK (85) unter Hinweis in ein, zwei Sätzen, was bisher geschah;
dann in drei bis vier Sätzen bis Nagelschmidt-Affäre inclusive deren Ausgang. Betont werden muss
ln gewisser Weise ist die hier vorliegende Schlusspassage untypisch für diese Form der Aufga-
benstellung, da sie deutlich über eine Wiedergabe des lnhalts hinausgeht.
der vorausgehende Bruch derAmnestie.
Mit Nagelschmidt entwickelt sich eine neue Dynamik:
Sie leitet jedoch gut zum folgenden Teil über und erscheint dadurch in ihrem kommentierenden
Duktus nicht überzogen, sondern informativ und die Zusammenhänge gut herstellend.
Kohlhaas geht auf das Ansinnen des Nagelschmidt ein, gewiss allerdings mit dem Gedanken, dem
.
Was in diesem Teil nichts zu suchen hat, sind Passagen wie:
Ganzen eine eigene Wendung zu geben (Auswanderung). Doch fällt er einer List zum Opfer, inso-
"Es ist nicht die erste Stelle im Buch, an der der Zufall für den Rosskamm negative Folgen hat.
fern als der Brief Nagelschmidts abgefangen worden war. IDie Sache an sich, wie sie von Nagel-
schmidt geplant war, war keine List! - Vorsicht bei der Formulierungtr
Als er mit seinen Schergen im Kloster Erlabrunn stand (steht), um den Junker Wenzel von Tron-
ka zu finden, löscht(e) ein kuzer, starker Regenguss ihre Fackeln aus
Todesurteil in Sachsen (85)
Dieses Wissen müsstet ihr einbringen, indem ihr z.B. MK auf dem Schafott sich Gedanken ma-
lntervention des KFvBr; jener war von dem Stadthauptmann Heinrich von Geusau über das Ge-
chen lasst, wie viel Zufall ihm begegnet ist
Diese Gedanken müssen sich allerdings auch dort
schehen um MK informiert worden; so reklamiert er MK als brandenburgischen
Untertan (86/4)
aus der Situation - 2.8., dass MK an die Zigeunerin denkt, die zufällig die Mutter Herses kennt -
Der KFl6a erstattet jedoch dem Kaiser über den Landfriedensbruch Bericht und bittet um einen
ergeben; dass MK dann in Gedanken weiterschweift, ist in Ordnung.
kaiserlichen Rechtsankläger;
er schickt einen Gerichtsrat in Sachen MK nach Wien (Eibenmayer -
.
Es darf auch nicht sein, dass ihr ausführlich tiber Nagelschmidt schreibt, dann aber z.B. den
88), um gegen Kohlhaas wegen des gebrochenen Landfriedens aktiv zu werden.
Brief der Zigeunerin nicht erwähnt, den der Kastellan übergibt; ihr müsst dann nicht erwähnen,
Nach der Begegnung mit MK bei Dahme und vergeblichen Aktivitäten, in den Besitz des Amuletts
zu kommen, will er den Gerichtsrat Eibenmayer zurückziehen, doch der hatte schon eine Klage bei
der Wiener Staatskanzlei eingereicht (lnfo des KFvSa darüber durch den Kämmerer),
dass Kohlhaasens an den Kastellan gestellte Frage nicht beantwortet wird - das wäre unnötig
und unangemessen ausftihrlich. Aber in dem Brief werden doch die Federbüsche enrähnt, die in
dem Textiauszug eine Rolle spielen. Von daher ist das Geschehen wichtig. übrigens auch in 86r-.
Seite 3 von 3 zug aut die Rolle der Zigeunerin, über welche der bzw. die
Seite 3 von 3
zug aut die Rolle der Zigeunerin, über welche der bzw. die ein oder andere sich MK doch Ge-
danken machen lässt.
Name mit Respekt genannt wird; sie können stolz darauf sein, ein Kohlhaas zu sein. Du hättest
auch mich als Dein Landeskind (Vorsicht, zu ungenau) schützen müssen, Sorge tragen müssen
auch für mein Recht, Stattdessen hast Du zugelassen, dass Dein Hof treibt, was er möchte, allen
C'ehe von folgender Alnalme aus:
voran Dein Freund Hinz von Tronka.
AIs Michael Kohlhaas den ,,wohlbekarurten Mann" walrrnimrnt, wird er sich des gf,ruzeü Gesche-
hens, das mit dem Kurfürsten in Zusammenhmg steht, noch einmal bevrxst, und viele Gedanken
Wenn in Zukunft dieser Name fällt, werden in Brandenburg und Sachsen die Menschen ausspu-
cken. Hinz und Kunz, das werden Spottnamen sein. Hinz und Kunz waren es, d+e€erg€+rugen /
gehen ilrm durch den Kopf.
die dafür Sorge getragen haben, dass meiner ersten Petition kein Erfolg beschieden war
<
SchreibedieseninnerenMonologl
-
(
.
nt-
lmmer auch die aktuelle Situation mit einbeziehen:
1.1'.c.c-t\'?tg
Stimmung auf dem Platz
Als er des Federbusches ansichtig wird: MK denkt an den Brief Lisbeths
(112120ft), denkt an den
Volk - selbst Mutter von Herse - ist anwesend; Rolle des Volkesl -> gest. lnterpretierenl
Hinweis auf den Mann mit dem Federbusch, denkt an deren Warnung
Möglichkeit der Assoziationen zu Lisbeth;
MK könnte über so viel Menschen staunen, er könnte wahrnehmen, wie respektvoll sie ihn
.
ihr Auttauchen im Gefängnis, ihren mehrfachen (indirekten) Rat zu fliehen
Eingehen darauf, dass sich der KFvSa versteckt (Selina S.5)
.
ihr erstes Tretten kurz nach dem Tod seiner Frau - später wird er feststellen, wie sie ihr so ähnlich
Mögliche Leerstelle: Eingehen auf den verlorenen Brief Luthers
sieht, als ob sie deren Großmutter sei.
.
Vorsicht, Maria.E. ist es nicht korrekt zu sagen MK vernichte den KFvSa! Er zieht ihn nicht ein-
Erst ganz am Schluss erfährt er, dass ihr Name sogar im Grunde identisch ist mit dem seiner
verstorbenen Frau
mal ins Verderben. Höchstens insotern, als dieser durch MKs Verhalten vollends durchdreht.
.
MK macht ihm das Leben zur Hölle, im Grunde aber ist es der KFvSa selbst, der es sich zur
Zum KFvSa - mögliche Assoziationen
Hölle macht.
a) Zweimal bereits getroffen:Auf dem Weg nach Berlin (Dahme) und einst in Jüterbock
.
Stil innerer Monolog - unmittelbare Eindrücke vermitteln, nicht schreiben:
Ja, eigentlich dreimal: erste Petition
ich grolle / ich denke / Wenn ich mir vorstelle / Endlich hatte meine Seele Ruhe gefunden
> Meinen Bitten hast Du keine Beachtung geschenkt
o So denkt man nicht!
Für Deine habe ich nun Verachtung. <
.
Vorsicht: Brief und Zettel nicht verwechseln!!
b) Bruch der Amnestie
Mögliche Passage;
>iagt in der Gegend herum und verlustiert sich mit Frauen wie der Dame Heloise, während die, die
>Wieder einmal mehr hat die Zigeunerin Recht. So, wie sie ihn beschrieben hat, so steht der KF
ihm Steuern bringen, zu Tode kommen, weil sie vergeblich um ihr Recht gekämpft haben - dass
DU nicht zu schützen wusstest, dass DIR einerlei war
, <
da. Aber warum hat sie mir den Brief geschrieben? lch hätte doch keine Ahnung davon, dass der
KF seine Leute mich ausgraben lassen will - wär' mir das egal?
c) ggf, Eingehen auf die beiden Treffen (Jüterbock, Dahme)
Ah, sie möchte es nicht; sie steht auf meiner Seite. Aber hat sie auch ein lnteresse, dass er nichts
d) Auf die Willkür seines Machtapparates,
auf die Willkür seines Freundes Hinz von Tronka, auf die
efährt von der Weissagung? Was könnte sie noch wollen? Sollte
nein
, sollte es so sein, dass
Verletzung der Amnestie, auf das Todesurteil
sie mir aus einem ganz anderen Grund schreibt
wegen des letzten Wortes: Elisabethl
>in Ketten ,
wie ein Hund kam ich mir vor
und [da ihm die Jüterbock-Szene in den Sinn
Oh, wie mein Herz bei dem heiligen Namen pocht
Lisbeth
ja ich weiB, Du bist mir nahe auf
kommtl: Sie waren der Hund, ich der Rehbock. lm Grunde war ich auch tot wie das Vieh
<
meinem letzten Gang
nun spüre ich es.
ich weiß, die Toten sind unter uns, sie leben. Nie hat mich das interessiert
Es ist möglich, per Regieanweisung das Schlucken des Zettels einzubauen:
Lisbeth
Elisabeth
und dann diese Ahnlichkeit
>lch seh Dir in die Augen, ich seh, dass Du wieder fast ohnmächtig wirst, rieche Deinen Angst-
schweiß (steckt den Zettel in den Mund, zerkaut ihn, fast genussvoll) Noch nie hab ich so große
Pupillen gesehen. Du wirst keinen Rosshändler mehr misshandeln, missachten, verhöhnen. lch
verhöhne Dich, letztendlich bist auch Du nur, was ich bin, ein Mensch, aber ich habe meine Ehre,
ich habe gesagt: Sie sieht meiner Großmutter
ähnlich
jetzt getraue ich mich's zu sagen ,
die beiden verbindet etwas
ich spüre es
kann
es sein, dass Elisabeths Seele im Körper der Zigeunerin ist? Gibt es so etwas? Luther würde
wahrscheinlich das nächstbeste Tintenfass nach mir schleudern
so Magisches mag er ja, wie ich
ich habe mein Recht bekommen, der Junker, dieser versotfene Nichtsnutz - selbst auf dem Markt-
gehört habe, gar nicht
was interessiert er mich hier, dieser Sturkopf
(falsch, vgl. 111/30f)
platz war er betrunken - erhält die gerechte Strafe. Ja, ein Adliger geht ins Gefängnis und eigent-
lich müssten von euch noch viel mehr seinen Weg gehen. Doch da wird noch viel Wasser die Ha-
. Reihenfolge der Beschwerden / Suppliken von MK an die Regierungen:
1. ,,Beschwerde" (2015) bzw. ,,Klage" (2112)
vel hinabfließen müssen, bis es so weit ist, bis man euch so behandelt, wie ihr es verdient.
2. "Supplik" - KFvBr übergibt diese Kallheim (2911gf) - Antwort ,,Resolution,' (2415)
Ja, ich bin stolz auf meine fünf Kinder; sie verlieren ihren Vater, aber sie werden erleben, dass sein
3.,Klage.
(27 135) bzw.,,Bittschriff (29122)
MICHAEL KOHLHAAS. Aus einer alten Chronik. lKindler] eine Petition zu überreichen, wird sie von einem
MICHAEL KOHLHAAS. Aus einer alten Chronik. lKindler]
eine Petition zu überreichen, wird sie von einem Wachsoldaten
niedergestoßen - gelingt, Gerechtigkeit zu erlangen, und als sei-
Erzählung von Heinrich von kleist (1777-18111, erschienen 1810;
ne Frau an den Folgen der VerleEung gestorben ist, zögert
Kircheneingang stehen sehe, könne er den Zettel einlösen. Bei
dem Mann mit dem Federhut hatte es sich um niemand anders
als Kohlhaas gehandelt, dem die Alte den Zettel mit der Bemer-
einen Teil verötfentlichte Kleist schon 1808 in seiner Zeitschrift
Phöbus (darin sind alle Hinweise auf Sachsen als den Ort der
Handlung getilgt). - Kleists unmittelbare Quelle war die Diplom-
atische und curieuse Nachlese der Historie von Ober-Sachsen
und angrenEenden Ländem (1731) von Christian Schöttgen und
Kohlhaas nicht länger: Mit sieben Knechten überfällt er die Tron-
kung zugesteckt hatte, er werde ihm "dereinst das Leben ret-
kenburg und äschert sie ein. Der Junker soll angeblich nach Wit-
tenberg entflohen sein.
Kohlhaas zieht mit seinem ständig anwachsenden Kriegshaufen
vor die Stadt und verlangt die Auslieferung seines Feindes.
ten".)
Als Kohlhaas zum Schafott gelührt wird, erkennt er in der Menge
den Kurfürsten, der sich verkleidet und inkognito in Berlin aufhält,
tritt auf ihn zu und verschlingt, indem er den verhassten Souve-
Georg Christoph Kreysig, in der die "Nachricht von Hans Kohlha-
sen( aus dem Microchronologicum (ab 1e95) des Peter Hafftiz
mitgeteilt wird. Dem historischen Hans Kohlhasen, Kaufmann in
Mehrmals fällt er brandschatzend in Wiüenberg ein, um seiner
Forderung Nachdruck zu verleihen. Seine Kampftaktik ist so un-
konventionell und flexibel, dass es selbst einem 500 Mann star-
rän unverwandt anblickt, den ominösen Zettel, nicht ohne ihn
vorher gelesen zu haben. Dann lässt er sich widerstandslos ent-
haupten. Zuvor dart er noch seine wohlgenährten Rappen in Au-
Cölln an der Spree, wurden am 1. 10. 1532 auf Anordnung eines
ken Heer unter Führung Friedrichs von Meißen nicht gelingt, das
Junkers von Zaschwitz zwischen Wittenberg und Leipzig zwei
Pferde gestohlen. Nach langem, erfolglosem Rechtsstreit veröf-
fentlichte Kohlhase 1534 einen Fehdebrief, steckte Wittenberg in
Brand und ließ sich auch durch einen Appell Luthers nicht von
seinem Feldzug abbringen. Schließlich wurde er nach Berlin ge
genschein nehmen und zu seiner Genugtuung erfahren, dass
seiner Klage gegen den Junker stattgegeben worden ist. Der
Häuflein des, wie er sich pathetisch nennt, "Statthalters Michaels,
des Ezengels", zu besiegen. Während man in Dresden kopfscheu
Kurfürst von Brandenburg erweist dem rechtschaffenen
Verbrecher
nachträglich seine Reverenz: Er schlägt seine beiden kleinen
Söhne zu Rittern und gibt sie auf eine Pagenschule.
Dass Kohlhaas zu Beginn als "einer der rechtschaffensten zugleich
lockt und doft am 22.31540 hingerichtet. Seine Pferde hatte man
die nächsten Schritte berät, verfasst Martin Luther einen flam-
menden Aufruf an Kohlhaas, worin er ihn als einen Frevler wider
Gott und die Obrigkeit anprangert. Es kommt zu einem heimli-
chen Gespräch zwischen dem Reformator und dem Mordbren-
und entseElichsten Menschen seiner Zeit( apostrophiert wird,
ihm vorher zurückgegeben. Seine Frau überlebte ihn um mehre-
ner, mit dem Ergebnis, dass Luther beim Kurfürsten von Sachsen
re Jahre.
eine Amnestie für Kohlhaas erwirkt. Sofort entlässt dieser seine
Kleist hält sich nur zum Teil an diese historischen Fakten. Mit
Spießgesellen, begibt sich nach Dresden, wo nun endlich seiner
einer Koppel Plerde in Sachsen unterwegs, wird der im Branden'
Klage gegen den Junker stattgegeben werden soll. Beim Wieder-
burgischen ansässige Rosshändler Michael Kohlhaas bei der
Burg des Junkers Wenzel von Tronka widerrechtlich aulgehalten:
Unter dem Vorwand, er habe keinen Pass, nötigt der Burgvogt
Kohlhaas auf Befehl seines Herren, zwei Bappen als Pfand zu-
aulrollen seines Falles ergeben sich unvorhergesehene Schwie-
rigkeiten. Nach einer lür die Tronkas schmachvollen Szene auf
oftenem Marktplatz triumphieren diese und ihre einflussreichen
weist auf die paradoxe Thematik der Erzählung selbst hin, eine
Paradoxie, die am Schluss, wenn Kohlhaas kurz vor seiner Hin-
richtung die lang ersehnte Gerechtigkeit zuteil wird, besonders
eklatant hervortritt. Kohlhaas lehnt sich erst auf, als er die Willkür
nicht mehr nur als menschliche Schwäche, sondern als entschie-
dene Bosheit im Einzelnen und im System begreifen muss. Erst
das Zusammenspiel unterschiedlichster
Faktoren erzwingt die
Freunde bei Hof erneut mit einer Reihe von Wnkelzügen über
rückzulassen. ln Dresden darüber belehrt, dass die Passforde-
rung völlig willkürlich gewesen sei, will Kohlhaas seine Rappen
auf der Tronkenburg
abholen, muss aber feststellen, dass die
-Iiere durch Feldarbeit und schlechte Unterbringung völlig herun'
tergekommen sind, Seine Beschwerde wird höhnisch abgewiesen.
Seinen Knecht Herse, der gegen die missbräuchliche Verwen-
dung der Pferde protestiert hatte, findet er, von den Bedienten
des Junkers übel zugerichtet, zu Hause vor. Kohlhaas verklagt
das unbeirrbare Rechtsgefühl des Rosskamms: Er geht in eine
Falle und wird in den Kerker geworfen. Zwar setzt der Kurfürst
von Brandenburg, sein für ihn zuständiger Landesherr, seine
Auslieferung durch, doch da der sächsische Hof inzwischen den
Kaiser in Wien angerufen hat, erhält der Fall Kohlhaas auch für
die Obrigkeit in Berlin die Bedeutung eines mit Strenge zu statu-
Zuspitzung des Handlungsablaufs. Das verabsolutierte Rechts-
gefühl des Kohlhaas ist von seiner strikten Wahrheitsliebe dik-
tiert, aber diese Unbedingtheit des Gefühls führt zu Unrecht und
Unmenschlichkeit. Nicht die das Recht ga,vissenlos manipulieren-
den hohen Herren bei Hofe trifft der Rachefeldzug des Kohlhaas,
sondern das gemeine Volk. Kohlhaas versieht sich in der Wahl
des rechten Landesherrn, und dieser von der Doppelstaatlichkeit
bedingte Fehlgritf lässt sich im weiteren Verlauf des lawinenartig
ierenden Exempels.
anschwellenden Unheils nicht mehr korrigieren. (
)
Die Einfüh-
den Junker beim Gericht in Dresden auf Wiederauffütterung
der
Obwohl zum allgemeinen Erstaunen kein geringerer als der Kur-
fürst von Sachsen plötzlich alle Hebel in Bewegung setzt, um das
Rappen und Erstattung der Krankenkosten für Herse. Nahezu ein
Jahr vergeht, ehe er erfährt, dass seine Klage aufgrund der lntri-
Leben des Mannes zu retten, gegen den er wortbrüchig gewor-
den ist, wird Kohlhaas zum Tode verurteilt. Der Kurfürst hatte
ge zweier einflussreicher Verwandter des Junkers, Hinz und
Kunz von Tronka, niedergeschlagen worden ist, "Ein richtiges,
rung des Wunderbaren (präsent in der alten Zigeunerin) - kei-
neswegs ein entbehrliches Anhängsel, sondern ein Motiv das die
Doppelstaatlichkeit in ihrer Schlüsselfunktion für das Werk-
verständnis unterstreicht - stellt das letzte Glied einer Kette von
herausgefunden, dass Kohlhaas eine Kapsel bei sich trägt, in der
sich ein für die Geschicke seines Hauses hochbedeutsamer
Zet-
mit der gebrechlichen Einrichtung der Welt schon bekanntes Ge-
fühl" heißt Kohlhaas nichts unversucht zu lassen, um auf ordent-
tel befindet. (Einst hatte er sich in Begleitung vom Kurfürsten von
Brandenburg in einem Marktflecken (Jüterbock) von einer Zigeu-
lichem Wege Recht zu bekommen. Doch als es ihm weder mit
Hilfe der Unterstützung des ihm freundschaftlich zugetanen
Horizontausweitungen des lnhalts dar, die in der privaten Sphäre
beginnen und neben dem lokalpolitischen auch den theologi-
schen und staatspolitischen Bereich einbeziehen. Die Ereignisfol-
ge ist tro? der verwirrenden Detailfülle atemlos und denkbar ge-
nerin weissagen lassen. Diese hatte ihre Prophezeiung jedoch
radlinig. Retardation und Akzeleration bestimmen den Grund-
vor ihm verheimlicht, auf einen Zettel geschrieben und ihm bedeu-
Stadthauptmann
Geusau noch des pers<inlichen Einsatzes seiner
rhythmus von Kleists periodisch gegliederter Syntax. (
)
tet, nur von dem Mann mit dem Federhut, den er dort vor dem
Frau Lisbeth - beim Versuch, dem Kurfürsten von Brandenburg
Erzählstrategien, Blatt 1 Dle Erzählung trägt den Untertltel: Aus einer alten Chronik. Ganz offehsichtlich handelt
Erzählstrategien, Blatt 1
Dle Erzählung trägt den Untertltel: Aus einer alten Chronik. Ganz offehsichtlich handelt es
sich bei dem Berlqhterstatter nicht um einen Chronisten des 16. lahründerts, sondern um
elnen Zeltgenossen Klelsts (L777-I8LL). Denn am Ende der Erzählung berlchtet er von den
Nachfahren des Kohlhaas, die >noch lm vergangenen Jahrhundert< (115) gelebt hätten,
womlt nur das 18. Jahrhundert genleint seln kann. Der Erzähler stützt sich bei seinem Be-
rlcht auf eelne alte Chronik<, die wohl eher als Hauptquelle gemeint lst, insofern er aus-
drrjckllch vdie Chroniken<< erwähnt, >aus deren Vergleichung wir Bericht erstatten<.
Der Erzähler geht in mancher Hinsicht wie eln Geschichtsschrelber vorj er nimmt auf seine
Quellen Bezug, ve;gleicht selne Quellen, berichtet über Dokumente, diö leider verloren ge-
gehen unvermittelt aus der Handlung hervor oder quallfizieren vorausweisend eine Hand-
lung, so dass der Leser sle nachvollzieheh und beurteilen lqann, In diese Gruppe gehört z. B.
das tJrteil: >Diese Relse war aber von allen erfolglosen Schritten
[
]
der allerunglücklichs-
te< (-271 oder auch
wie >der ehrllche Kohlhaas< (-62), der >arme Kohl-
Qualiflzlerungen
haas< 1-59, -71), dle,Darglistlgen Ritter< (-71), >in Wendungen ärglistiger und rabulisti-
scher Art< (-75), >arglistige und winkelziehende Einwendungen der Gegenpart< (-76), der
(-
,nwackere Stadthauptrnann, Herr Heinrlch von Geusau(
86). Dtrrch diesen Typus von
Urteilen wird ein Einvepständnls zwischeh Erzähler und Leser hergestellt, das vor allem die
moraiische Bewertung yon Personen und Handlungen betrifft,
gangen slnd (wle den zwelten Lutherbrief), und gesteht offen, gewisse Hintergründe und
Zusammenhänge nlcht zu kennen: >um welchen Gegenstandes willen wissen wlr nicht<<
G86).
Der Erzähler führt seine Pelsonen mit Nameh und Titel ein, wie die Kurfürsten von Bran-
denburg uhd SachFen, Doktor Martih Luther, Prinz Christiern von Meißdn, Frelherr Siegfried
von Wenk, Kämmerer Kunz von Tronka, Meister Himboldt, den sächsi3chen Gerlchtsrat Ei-
benmayer, den br?ndenburglschen Rechtsgelehrten und Anwalt Anton Zäuner, den Weima-
ier Hof-Assessor und kalserllchen Anwalt Franz Müller, den Theologen Jakob Freislng, und
bezieht sich auf Herse nach desseh Tod stereotyp als auf den >bei Mühlberg gefalleqen
Knecht Herse<. Bei den mit Namen genannten Personen handelt es sich nun zum einen um
hlstorlsche oder zumindest im Nachnamen historlsche Personen wie Martin Luther, Kohl-
haas, Nagelschmiqt; zum anderen um Namen, die auf Personen aus Gdethes Götz von Ber'
Dle zt'rrelte Gruppe von Werturteilen dagegen lässt sich nicht mit vergleichbarer Eindeutig-
keit äus den geschllde;ten Handlungen ablesen, ja steht zum Teil ln offenem Widerspruch
zu ihnen. Dies gilt zurn einen für dle scharfe Verurteilung von Kohlhaas' Mandaten wle ge-
nerell seines gesamten Rachefeldzugs und zum anderen fiir die geurteilung des Verhaltens
des sächsischen Kurftirsten und zum Teii auch des Kämmerers Kun2 von Tronka. In beiden
Fällen fungieren die negativen bzw. positiven Werturteile nur scheinbar als rezeptionslen-
kend für den Leser. Denn der Erzähler hbt auf andere Weise Signale gesetzt, die seine bie-
dererl, systemkonformen, obrigkeitsgläubigen Werturtelle unübersehbar konterkarleren. So
haben dle blblischen Anspielungen Kohlhaas' Selbsterhöhung ausdrücklich in ihrer Ambigui-
tät dargestellt, so dass die Festlegung auf ein negatives Urteil nicht glaubwürdig nachvoll-
zogen werden kann. Andererseits ist dei Kurftirst bereits als wortbrüchig (durch den Bruch
der Amnestie) und verlogen (durch seinen bewusst falschen Hinweis auf Luther in der Sa-
llchingen verweisen, wie Llsbeth auf Elisabeth, Götz' Frau, Herse auf Lerse, den Helfer Göt-
che Eibenmayer
[-98])
entlarvt, wenn der Erzähler ihn verschiedentlich als >dieser un-
2ens, der sächsisqhe Astronom Oleärius auf den Olearlus, Doktor beider Rechte im Göa;
und zuletzt um frel von Klelst erfundene Namen, die durchaus in Anlehnung an bestimmte
Personen (wle Frapz Müller an Adam Müller) gebildet sein mögen. Durch die Art ihrer Ein-
ftihrung erhalten alle Personen quasi den Status historischer Personen.
Der Hinweis auf Goethes GöE erfüllt andererseits die flunktion, die Erzählung an die literari-
Sche Traditlon des >Sturm und Drahg< anzuschließen, von del das Recht des Individuups
auf Autonomle ausdrücklich gegen die Herrscherwlllkür des Absolutisnlus sowle gegen An-
passungsdruck und Außtlegsstreben der Bürger verteldigt wird,
glückliche Herr< (-199, -LL2) äpostrophiert, als wolle e;'den Leser zum Mitleld mit dem
Kurftirsten bewegen.
Der Erzähler greift also immer dann mit ungerechtfertigten Urtellen in seinen Berlcht ein,
Dem Anspruch auf geschichtliche Wahrheit, auf Authentizität [Echthelt, Zuverlässigkeit,
Glaubwtirdlgkeltl,
kommen äuch dle genauen Orts- upd Zeltangaben näch: Es werden Orte
Wle Berlin, Dresden, Leipzig, Wittenberg, Mtihlberg, Meißen, Dessaul Lützen, Hainichen,
Wilsdruf, Döbeln, lüterbock, Dahme, Kohlhaasenbrück genannt, Flüsse wie die Elbe und die
. Mulde, der heillge Abend vor Pfingsten, der Tag des Hl. Gervasius, der Montag nach Palm-
ärurn. Der Genaulgkeit solcher Angaben entspricht auch die Eigenart, dass der Erzähler
Qanze Passagen
des Geschehens seiner Chronologie entsprechend
komrnentarlos
wiedergibt
*
(so z. B. S,
37-42, * 57-59, - 85-88). Mit diesen l4itteln wird die etste E.zählebene Ee-
bildet, deren Funktlon es ist, beim L€ser die Illusion von Authentizltät hözustellen.
Auf einer zweiten Fnählebehe begegnen wir einem wertenden Erzählef, der ftir oder gegen
wenn das Verhältnis zwlschen Herrschenden und Bürgern sich für den Lesei zugunsten der
Bürger zu verschieben scheint, well die >Unziemlichkeiterl<, dle aWillkür<, die sich der re-
glerende Kurfiirst und seine Günstlinge im Junker-Staat erlauben, so ungeheuerlich sind,
dass er sie - auch als lqyaler Bürger eineS Obrigkeitsstaates - kaum mehr gutheißen kann.
Während auf der ersten Erzählebene durch die Wiedergabe der Ereignlsse implizit eine
scharfe Kritik an den ln Sachsen herrschenden Verhältnissen formuliert wird, veffolgt die
zweite Ebene elne Verschleierundsstrategie, indem hier den geschllderten Handlungen offen
widelsprechende explizite Wertunelle abgegeben werden. Es ist dem Leser überlassen, bei-
de Eizählebenen zueinander in Beziehung zu setzen, um zu seinem eigenen Urteil zu fin-
den. Dle Oppositlon zwischen beiden Erzählebenen fungiert insofern als Rezeptionssteue-
rung, die das eigenständige moralische tJrteil des Lesers herausfordert.
Darüber hinaus kann nicht ausgeschlossen werden, dass rnit solchen Erzählstrateglen auch
möglichen Zensurmaßqahmen begegnet werden sollte. Die Zensur grlff allerdings melst nur
bei Jdurnalpublikationen ein, während die besondere Form der WertUrteile erst ln der Buch-
fassung der Eaählung verfolgt wird. Kleist hatte vor allem während der Herausgabe der
>Berllner Abendblätter( mlt der preuBischen Zensur zu kämpfen. die lhn >belnahe gar
bestimmte handelnde Personen Partei ergreift, Handlqngen lobt oder verurteilt. Diese Wqrt-
nlcht$ mehr abdrucken< ließ (tsrief Arnims an Wllhelm Grimm). Entsprechend beklagte
urtelle lassen sich ln zwel verschiedene Arten systematisch zusammenfassen. Die einQn
' Erählstrategien, tslatt 2 Klelst slch ln einem Schrelben (vorh 20. Mai 1811) an den
'
Erählstrategien, tslatt 2
Klelst slch ln einem Schrelben (vorh 20. Mai 1811) an den Prinzen Wilhelm von Preußen,
dass >die Zensurbehörde, durch die willkürlichsten und unerhörtesten Maßregeln (woftir ich
mlr den Bewels zu ftihren getraue), das Blätt, dessen tägliche Erscheinung nur mit der
unterschiedlichsten Ge9ten. So erscheint Kohlhaas zu Beginn des Streitfalls >bleich im Ge-
sicht( (-16), ebenso wie nach dem Unfall seiner Frau (-2e1. Andererselts wlrd die Begeg-
nung mlt Luther von sginem Erröten eingerahmt. Nachdem Kohlhaas Luthers Plakat gelesen
größten Anstrengqng erzwungen werden konnte, ganz zu vernichten drohte<<, Wieweit die
Etzählstrateglen im Michaet Kohthaäs die Möglichkelt einer Zensur berücksichtigen, sei da-
hln gestellt.
Der Erzähler des 44ichael Kahlhaas ist nicht allwissend. Nur selten berichtet er dem Leser,
was in den Personen vor sich geht. Bemerkungen über Kohlhaas, wie, dass ihm >das Herz
hat, stieg >eine dunkle Röte
[
]
in sein Antlitz empor< (-45), und seine Weigerung, dem
Junker zu vergeben, trägt er Luther >errötend< (-50) vor. Während Kohlhaas auf der Tron-
kenburg Dominanzgebaren zeigt: >hob dieser plötzlich, mit einer ftirchterlichen Gebärde,
den Fuß< (-32), tritt er Luther mit allen Zeichen der Bescheidenheit gegenüber: >der Man-
n, dei seinen Hut ehrerbietig in der Hand hielt< (-46).
3chon von Ahnungen schwoll< (-8), oder >das Herz gegen den Wams [schlug]< (-9), >das
Mit jedem mimisch-gestischen Verhalteh, das der Erzähler schildert, entwirft er ein be-
Hez emporquoll< (-131, oder >mit klopfendem Herzen< (-80), stellen eher die Ausnahme
dar. Kenntnis über innere Vorgänge des Helden soll der Leser offensichtlich auf dem Wege
der Einfühlung erlangen. Zwar erwähnt der EIzähler >auch noch Gründe anderer Art< (für
Kohlhaas' Entschluss, nach Kohlhaasenbrück abzureisen), die er jedoch nicht erläutert, son-
dern >Jedem, der in selner Brust Bescheid weiß, zu erfaten überlassen< (-76) will'
Um so gtröBeres Gewicht gewinnen aufgrund dleses Verfahrens die weriigen Stellen, an de-
nen ausdrgckllch lnnere Vorgänge wiedergegeben werden, wie der oft zitierte Satz: >und
mltten durch den Schmerz, die Welt in einer so ungeheuren Unordnung zu erblicken, zuckte
stlmmtes Erscheinungsbild. Während die übrigen Figuren jeweils weitgehehd übereinstlm-
mende Erscheinungsbilder aufoveisen, divergieren dlejenlgen, die Kohlhaas in den verschie-
denen Situatlonen zeigt, erheblich.
In den seltensten Fällen wird das gestische Verhalten der Figuren in einem selbständigen
Satz wiedergegeben. Zu diesen Ausnahmen gehört die SchilderunQ von Lisbeths Reaktlon
auf Kbhlhaas' Kaufangebot an den Amtrnann: >Lisbeth, sein Weib, erblaßte bei diesen Wor-
te,n. Sie wandte sich, und hob ihr lüngstes auf, das hinter ihr auf dem Boden spielte, Blicke,
in welchen sich der Tqd malte, bei den roten Wangen des Knaben vorbel, der mit ihren
Halsbändern spielte, auf den Roßkamm, und ein Papier werfend, das er in der Hand hielt.<<
dle lnnerllche Zufriedenheit empoq seine eigne Brust nunmehr in Ordnung zu sehen<
(-22),Die hier aqsgesprochene Arlfhebung der Übereinstimmung zwlschen lch und Welt
(*22) - Übrigens: Dieses Erzählen ist ein neutrales Erzählen.
Meist erschelnt das mimisch-gestlsche Verhalten in einem Nebensatz oder in elner adverbia-
erhält dadurch ,elne besondere Marklerung.
Während der Ezähler also weitgehend darauf vezichtet, über Gedanken und Geftihle der
Flguren Berlcht zu erstattenr schildert er ausgiebig, minutiös und detailliert Gesichtsaus-
druck, physiologlsche Reaktionen und Gesten der Figuren, die jedem aufmerksamen Be-
obachter zugängliCh sind: es werdeh etwa 180 dera(ige mimisch-gestische Vorgänge wie-
dergegeben. Was der Leser über eine Figur in Erfahrung bringen kann, muss er, wenn er
dem Werturteil des Erzählers nicht traut, elnerseits aus ihren Handlung€n, andererseits aus
ihrem mlmisch-gestischen Verhalten schließen. Über Luther werden lhm das >verdrießlicfe<
len Bestimmung. Besopders häufig sind mit
eingeleitete Konstruktlonen: >indem
'indem<
ihm eine flüchtige Blässe ins Gesicht trat<< (-10),
>indern er den Stuhl
[
]
ln der Hand
hielt< 1-541, >>indem er sich eine Brille von der Nase nahm< (-65) usw. Dabei wird eine
spezifische Satzkonstruktion befolgt, in der die Wledergabe von Handlungeh und die Schil-
derurlg mimisch-gestischen Verhaltens unmlttelbar nebeneinander treten: >Kohlhaas, dem
sich, als er die Treppe vom Schloß niederstieg, die alte, von der Gicht geplagte Haushälte-
rin, die dem lunker die Wirtschaft ftihrte, zu Füßen warf, fragte sie, indem er auf der Stufe
Gesicht (-48), dep
>missvergnügte< Blick (-50) und die Geste mitgeteilt, mit der er >die
Papiere, dle auf
seinem Tlsch lagei, übereinanderu (-48) wirft; den Großkanzler Wrede
stehen blieb: wo der lunker Wenzel von Tronka sei? und da sie ihm, mit schwacher, zittern-
der Slimme, zur Antwort gab: sle glaube, er habe sich in die Kapelle geflüchtet; so rief er
zwei Knechte mit Fackeln, ließ, in Ermangelung der Schlüssel, den Eingang mit Brechstan-
betreffend wlrd gegchildert, dass er sich auf des Freiherrn von Wenk Bitte um eine Inspekti-
on der pferde hin >eine Brllle von der Nase nahm<, die er nach ablehnendem Bescheid
gen und Beilen eröffnen, kehrte Altäre und Bänke um, und fand gleichwohl, zu seinem
(-65). Der Prin2 von Meißen feftigt während der Staatsratssitzung (en
grimmigen Schmerz, den lunker nicht.< (-31 f.) - Übrigens: Beachte die Satzlänge .'
rwleder außetzte(
Kämmererab,
Dindem er den Stuhl, ohne sich zu setzen, in der Hand hielt( (-54).
Dle Blässe seines Gesichts wird beirh Junker Wenzel von Tronkä wie eine Art Leitmotiv eln-
geseEt: >Der Junker, indem ihm eine flilchtige Blässe ins Gesicht trat< (-10)' >als er [
]
plötzlich leichenblass< (-31); >doch da dieser mit bleichen, bebenden Lippen erwiderte<<
(-64). In ähnlicher Weise wird der Kurfürst von Sachsen durch häufigeb Erröten charakteri-
Erscheinungsbild der Figur und ihre Handlungen werden i;'t solchen Sätzen scharf nebenei-
nandergestellt. Das auf die im 19. Jahrhundert sich heraugbildende VorstellUng von der Per-
sönlichkeit verweisende Erscheinungsbild und die dem 18. lahrhundert zugehörige Vorstel-
lung Vom natürlichen Charakter, der durch sein Handeln kontrolliert wird, stoßen in einem
Satzgebilde unmittelbaf aufeinander und erscheinen so als gleichzettig (>indem<<).
Slert: während der StaatsratssiEung
wird er >über das ganze Gesicht rbt( (-54), dle zufäl-
ihn wieder >über pnd über rot< welden (-89), und auf
Ergänzung zu deh Erzählhaltungen:
llge Begegnung mlt Kohlhaas lässt
den Wunsch der Dame Heloise, den Kohlhaas unerkqnnt zu besuchen, reagiert er, >indem
neuträles Ezählen: Form der Er-Erzähllung, die von keiner Perspektive einer Figur geprägt ist; keine
lnnen$icht; ohne spürbare Erzähledigur und ohne Einmischungen iedweder Art durch den Erzähler bzw-
er errötend ihre Hand ergriff< (-90).
Während den meisten Flguren bestimmte Gesten zugeordnet sind, völlzieht Kohlhaas die
die ErZählinstanz (vgl. aukloriales und personales Erzählen - s. auqgeteilte Blätter)
Besprechung der HA Gestaltendes Interpretieren W Michael Kohlhaas g Brief an die Kufürsten Seite 1
Besprechung der HA Gestaltendes Interpretieren W Michael Kohlhaas g
Brief an die Kufürsten
Seite 1 von 2
Für zukünftiges Arbeiten ein Tipp: Handwerklich empfiehlt es sich im Rahmen eines Thea-
Denn: Die Lage hatte sich für den Kurfürsten zugespitzt, eine militärische Auseinander-
terstücks, die Redeankündigungen
(Karl Moor, Franz Moor, Vater) farblich zu kennzeich-
nen - das verhindert unnötiges Suchen.
Mit der Aufgabenstellung in Teil II leistest Du eine Tnterpretation der ausgewählten Szene,
zelgst Dein Verständnis für das Verhalten der vorkommenden Personen und lässt erken-
setzung mlt Polen drohte von außen dem Land, im Inneren war der Adel berelts in Verruf
geraten, militärisch und moralisch; dle spätere Marktplatzszene zwlschen dem Kämmerer
und Meister Himboldt gibt Aufschluss, wie aufgeheizt die Stimmung ln der Bevölkerung
war.
nen, ob es im Rahmen des bisher Gewohnten liegt oder neue Verhaltensweisen erkennbar
sind.
Die Ausführungen öffnen ausführlicher, je näher die Textstelle rückt, mit dem Hinweis auf
die Eskalation der militärischen Situation, dass also selbst ein Soo-Mann-Heer keinen
Im Rahmen der vorliegenden Aufgabenstellung ist weniger ein Eingehen auf die Textstelle
Erfolg gehabt hat, öffnen in Richtung auf das In-Brand-Stecken
Leipzigs, auf den Sitz der
provisorischen Weltregierung auf dem Schloss zu Lützen, auf die Frage, die slch der säch-
notwendig; vielmehr geht es darum, mittels der Brlefe ein Psychogramm der Person des
MK zu entwerfen: Inwleweit kann er slch differenziert ausdrücken einem jeweils anderen
Adressaten gegenüber, inwleweit ist er zu emotionalem Ausdruck fähig - soweit dles der
Rahmen des Schreibens und seine bisher gezeigte Persönlichkeit zulässt -, inwieweit weiB
er seine Sache zu vertreten, argumentativ und emotional, inwleweit bringt er persönliche
sische Adel und der Kurfürst samt seinen Beratern gestellt haben mag, ob sie es wohl
noch mlt elnem zurechnungsfähigen Menschen zu tun hätten und zu was MK noch zu tun
in der Lage sei, Offensichtllch war er ja unberechenbar.
und gesellschaftliche Aspekte gekonnt und angemessen ein.
Sind dabei die Gedankengänge (die Du schreibst) klar strukturiert?
Ebenfalls sollte seine Sprache Ausdruck seiner seelischen Verfassung sein
Natürlich gilt es, Leerstellen einzubringen.
Kurzes Eingehen auf das Plakat lst möglich, wenn auch durch die Themenstellung nicht
zwingend, Ggf. darauf verweisen, dass Luther trotz des Tenors seines plakates eine heim-
liche Sympathie für MKs Anliegen gehabt haben mag, denn es lst in selnem Sendschrei-
ben an den KfuSa nach dem Treffen beider von einem öitferen Seitenbtick auf die
Herren Hinz und Kunz die Rede (53/20ff). Dies kann man vorausverweisend enruähnen.
Erwähnenswert ist auf jeden Fall, dass Wittenberg eine Stadt war, die Luther am Herzen
gelegen haben muss. Mit dem Anschlag der Thesen trat ja im Grunde von hier aus der
Protestantismus selnen Siegeszug an. Luthers Erfahrungen im Bauernkrieg (Weinsberger
Bluttat) und mit Thomas Müntzer als Lutherschüler lieBen ihn zudem jeder Gewalttat ab-
[
]
Gleiches gilt für zentrale Begrifflichkeiten wie das Geschäft der Rache u.A.
Allerdlngs regt die Erzählweise Kleists nicht gerade zum Finden von Leerstellen an, da sie
nicht provozieft, Fragen zu stellen, weil das Seelische, auch das Emotionale sehr an der
Oberfläche bleiben.
hold sein; "Gebt des Kaisers, was des Kaisers ist" (Bibel),
Eine Leerstelle wäre belspielsweise, dass MK bekundet, warum er Erlabrunn verschonte,
nur: Das interessied im Zusammenhang mit der Themenstellung überhaupt nicht, es
MK war Protestant und es muss den Protestanten Luther betroffen gemacht haben, wie
hier jemand unter Berufung auf den Erzengel Michael operierte.
wäre ganz und gar unangemessen, darauf einzugehen.
Eine mögliche Leerstelle wäre auch, dass MK ausführt, was ihn ganz speziell mit dem
Namen Luther verbindet, Allerdings: Wie sehr mag das einen Kurfürsten interessieren und
inwieweit liegt solch eine Ausführung in der Intention des Schreibens?!
Schneiben an den Kurfürsten von Brandenburg.
MK bezieht sich z. B, darauf, dass er Landeskind ist, der KF sein LEtndesvater, dass er ein
Im Rahmen dieser Themenstellung ist das Ausgestalten von Leerstellen sicherllch nicht
ehrbarer Bürger sei, der sich nie etwas zuschulden habe kommen lassen und dass er brav
einfach.
seine Steuern gezahlt habe.
Die im Folgenden aufgezeigten interpretativen Hinweise beinhalten Möglichkeiten des
Schreibens; sie beinhalten eine mögliche Slchtweise, die Du nicht übernehmen musst,
eine Schreibmöglichkeit, die Du nicht nutzen musst - man muss ohnehin auswählen.
MK weist auf die erste Beschwerde an den Kfusa hin und deren Niederschlagung.
Einleitung (ggf. als Überleitung Hinweis auf den historischen Luther und sein Verhalten
in den Bauernkriegen - Thomas Müntzer); es folgt
MK wollte in der Folge (evtl. erwähnt er Geusau) die Hilfe seines Landesvaters erbitten,
Ergebnis: Er sei im eigenen Land schlimmer beleldigt worden als im Kurfürstentum Sach-
sen (unnützer Querulant, nichtsnutzige Stänkerei). Hinwels auf des Kanzlers, des Grafen
Kallheims Verhalten (der sich zuerst an den Junker gewandt habe - welch Hohn gegen-
über den Interessen eines Landeskindes)
Teil I
Hinwels auf den Verkauf seines Anwesens, weil er in einem Lande, in welchem man mich,
Der Name Maftin Luthers taucht unvermlttelt auf.
Luther mag von sächsischer Seite zum Elngreifen gedrängt worden sein.
in meinen Rechten, nicht schützen will, nicht bleiben mag. Lieber ein Hund sein, wenn ich
von Füßen getreten werden soll, als ein Menschl
Vorschlag Lisbeths, die Blttschrlft selbst zu überbringen. Ihr Tod.
) Besprechung der HA Gestaltendes Interpretieren W Michael Kohlhaas W Brief an die Kurfürsten Seite
)
Besprechung der HA Gestaltendes Interpretieren W Michael Kohlhaas W Brief an die Kurfürsten
Seite 2 von 2
Landesherrliche Resolution auf die Bittschrift während des Begräbnisses!
Er macht aber deutlich, dass das eigentliche Unrecht von einem Landeskind des KfuSa
Er soll die Pferde abholen und ihm wird Gefängnis angedroht, wenn er ln dieser Sache
weitermache - hier kann gekürzt werden.
ausgegangen sei und auf Grund der Intrigen durch dessen Familie seine Blttschrift an den
Hofzu Dresden und auch eine an den KFvBr niedergeschlagen worden sei.
Er verweist auf die Gefährdung seiner Existenz durch den Junker, auf dessen höhnlsches
MK verweist darauf, wie er sich nunmehr heimatlos gefühlt habe, wie er nun
Verhalten, auf seine Versuche, Recht zu bekommen.
Stelle besonders gut ausgestalten
Gewiss, er habe die Tronkenburg eingeäscheft, allerdings das Kloster Erlabrunn ver-
MK macht deutlich, dass er nun beschlossen habe, dass Gesclräft der Rache zu über-
schont, dreimal Wittenberg angezündet, das Fähnlein des Landvogtes Otto von Gorgas
nehmen,
vernichtet, dem Prinzen von MeiBen übel mltgespielt, Leipzig angezündet und das Lütze-
MK verweist auf sein mllltärisches Agieren ln Sachsen und dass er seinem Land gewiss
keine Schmach gebracht habe, dass er sogar den Prlnzen von Melßen aufgerieben habe -
ner Schloss besetzt.
Doch sei es ihm um die Errichtung einer besseren Ordnung gegangen, Er hoffe nun, sie
(das kann man durchaus weglassen
fragllch ist, ob MK sich als Krlegsheld darstellen
auf anderem Wege zu bekommen.
will, ob überhaupt und wie MK seine militärische Aktionen einbringt, stolz oder sich eher
entschuldlgend oder
?)
Wichtiger Punkt (o Textstelle): MK berichtet von seinem Vorhaben, zu Luther zu gehen
und jenen zu bltten, sich für ihn einzusetzen. Er werde keine Waffe mehr anrühren, wenn
Möglicherweise bringt er ein, dass er sich als Sfaftha/fer Michaels auf Erden fühle.
{
Aussicht bestehe
mögliche Leerstelle: MK berichtet von einem Traum, den er geträumt habe, indem ein
Engel vom Himmel niedergefahren sei und ihn beauftragt habe
Er verweist auf offensichtliche Falschaussagen Luthers, auf dessen Überspitzungen und
dass er hoffe, einem gerechten Richter gegenübeftreten zu können.
Gewiss habe seine Frau ihn gebeten
(3Ll2tf), doch es gehe lhm um die Eftlchtung
Appell an den KF.
einer besseren Ordnung der Dinge (5.44)
MK verwelst auf Plakat Luthers und seine Erschütterung, weil er doch selbst Protestant sei
und diesen Mann so schätze. Er verweist aber auch auf die Unlnformiertheit Luthers und
Mk weist auf seine tiefen Verletzungen hin, auf den Tod seiner Frau, auf den Verlust sei-
ner Ehre durch das Verhalten der Tronkas, dass sein militärisches Verhalten auf Verzweif-
lung basiere
dessen offenslchtlich falsche Aussagen,
Er bietet dem KF einen Waffenstillstand an, wenn ihm ein ordentliches Gerichtsverfahren
Dennoch sei sein einziges Ziel sein Recht zu bekommen und er werde sofort die Waffen
niederlegen, wenn er ein ordentliches Gerichtsverfahren bekomme mit der Aussicht auf
zugesichert werde.
MK stellt klare Forderungen und Bedingungen seinerseits auf (wie er das die ganze Novel-
Erfolg.
le über tut),
MK blttet um die Unterstützung seines Landesherren, um eine mögliche juristische und
eine moralische
Schrelben an den KurlFürsten von Sachsen
MK nimmt Bezug auf sein Haus in der Vorstadt Dresdens (25/f5) und seine zahlreichen
Handelsreisen durch Sachsen.
In beiden Briefen muss Bezug genommen werden auf Martin Luther, mehr oder weniger
ausführlich auf das mitgesandte Plakat - schließlich ist der Textauszug auch vorgegeben
und er muss elnbezogen werden - und auch auf das weitere Vorhaben Luthers. Vor allem
in dem Brief an den Kfvsa muss das eine Rolle spielen, denn das hat Ja MK vor, die waf-
fen niederzulegen zugunsten eines gerechten Verfahrens. Mlt diesem Vorsatz und um
Er betont, dass er sich als Erstes versucht habe, in Dresden Recht zu verschaffen. Er
seine Person reinzuwaschen geht er ja zu Luther. - Das wlll er ja wohl auch dem KF mlt-
weist darauf hin, dass die Klage auf eine höhere Insinuation hrn niedergeschlagen worden
tellen und ihn wohl auch bitten, lhm Gerechtigkeit zutell werden zu lassen.
sel.
.
Absätze
MK weist untertänigst auf den Tatbestand hin, dass der Junker von Tronka mit dem Käm-
.
merer Hinz und dem Mundschenk Kunz verwandt sei und es nicht unangemessen sei,
des Weiteren, der Einzige, der Erste, als Erste, der Erctere, jeder Einzelne, vor allem
.
Vetterleswirtschaft zu vermuten.
MK verwelst darauf, dass ihm zweimal von dem eigenen KF bitteres Unrecht widefahren
sei im Hinblick auf zwei Bittschriften, die er eingebracht habe. Er hoffe, von dem KfvSa
Zahlen werden bis lnclusive 12 ausgeschrieben.
.
GroBschreibung bei der Höfllchkeltsanrede - unbedlngt korrekt, vor allem im Abitur!
anders behandelt zu werden.
Mlchael Kohlhaasr Rachebegeh ren und Rechtsbegeh ren Seite 1 von [ ] Während die Staatsratssitzung,
Mlchael Kohlhaasr Rachebegeh ren und Rechtsbegeh ren
Seite 1 von
[
]
Während die Staatsratssitzung, das Gespräch Kohlhaasens mit dem Prinzen von Meißen
und dem Großkanzler des Tribunals, dem Grafen Wrede, sowie die Abfassung der Klage-
schrift in Innenräumen und insofern unter Ausschluss der Öffentlichkelt stattfinden, wech-
selt für die zweite Eplsode der Schauplatz auf den Marktplatz von Dresden. Die letzten Er-
eignisse haben sich zwar bereits unter großer Anteilnahme des ausgeschlossenen Volkes
Wertufteile (wie >der wohlgemeinte und redliche Versuch, dem Rosshändler wegen des Un-
rechts, das man ihm zugefügt, Genugtuung zu verschaffen< [69]) zu verschleiern sucht.
abgespielt ('Der Prinz von Meißen [
.fand [
]
eine unermessliche Menschenmenge versammelt<
[57];
Obwohl Kohlhaas an dieser Episode nur am Rand betelllgt lst, sind ihre Auswlrkungen auf
lhn sowie auf selne Stellung lm Staat verheerend. Ohne sein Zutun schlägt die >öffentliche
Meinung( gegen ihn um und betrachtet nun sein Rechtsbegehren als staatsgefährdend. Ob-
wohl dle heillosen Zustände im sächsischen Staat für den Tumult verantwortllch zu machen
>der Prinz<, der >mit großen Augen das Volk, das vor dem Hause versamrnelt war, überschaute< [58];
sind, nicht jedoch Kohlhaas, wird er ihm angelastet. Seine Stellung hängt demnach nicht
>unter dem Gefolge einer unabsehbaren Menge< [59]), durch die der Prinz von MelBen sich zur
Einsetzung der Wache veranlasst sah. Dle Vorgänge auf dem MarKplatz werden nun Jedoch
entscheidend durch dle Anwesenheit und Partizipation des Volkes bestlmmt. Hler geraten dle
>Volksbedrücker<, der Kämmerer Kunz von Tronka und seln Vetter Wenzel, und das von
ihnen bedrückte Volk aneinander (ein ,von Augenblick zu Augenblick sich vergrößernder Haufen
von lhm selbst und seinem Verhalten ab, sondern von unberechenbaren Umständen, Er hört
daher auf, ln seiner eigenen Angelegenheit als SubJeK zu agieren, und wlrd zum ObJekt für
und durch die Aktlonen anderer.
Mehr noch, der Tumult auf dem Marktplatz, an dem Kohlhaas selbst ln kelner Welse beteiligt
war, hat selnen >Willen [
.] ln der Tat gebrochen( Q0); er ist Jetzt berelt, ganz und gar
von Menschen" [62]; "von den Blicken der hohnlachenden Menge umstellt< [63]; uaus dem Haufen des
Volks" [64]; eine >Menge von Menschen<<, )>unter dem Volke" [66]; der >Andrang des Volks", >Wut der
auf dle Dlckfütterung der Rappen zu verzichten und sich mit elner Abflndung zufrleden zu
geben.
Menge" [58]).
Der Kämmerer paradiert mit den Abzeichen seines adligen Standes, (>indem er seinen Man-
tel, Orden und Kette entblöBend, zurückschlug" [63]; >indem er seln Schwert, mit Stolz
und Ansehen, unter dem Arm hlelt<, >mit einem raschen, seinen Helmbusch erschütternden
Der Selbsterhöhung im zwelten Abschnitt folgt im dritten die schrittweise Demontage Kohl-
haasens, für die unmissverständlich die chaotischen Verhältnlsse lm sächsischen Staat - dle
Schwäche des Kuffürsten sowie dle beherrschende Stellung der Tronka-Adelsslppe - verant-
Schritt< [66]), ohne dem Volk dadurch >Ehrfurcht und Gehorsam elnflößen< (38) zu können
wie seinerzeit in Wittenberg der )würdige Herr( Otto von Gorgas >durch seine bloBe Ge-
genwaft< (38). Die Bürger reagieren mit >unendllchem Gelächter< (62) und der >ehrlose<
wortllch zu machen sind.
Mlt der Nagelschmldt-Eplsode wlrd Kohlhaasens Dem
Abdecker gar mit >empfindungsloser(
(63) Nlchtachtung: er schüttet vor dem Kämmerer
den Eimer Wasser aus, schlägt am Wagen sein Wasser ab und lässt den Herrn Kunz von
Tronka stehen, um in einer Kneipe zu frühstücken.
Die Feindseligkeit zwischen dem Kämmerer und den Dresdner Bürgern eskaliert in Gewalt-
handlungen, als der Kämmerer in adelsstolzer Verblendung die Ehre der Bürger missachtet
und beleidigt. Wie in dem Streit zwischen Kohlhaas und Wenzel von Tronka ist es auch hier
der Adllge, der zuerst Gewalt anwendet: >der Kämmerer< folgte dem Knecht, der sich ge-
weigert hat, die )unehrlichen Pferde< zu berühren - was durch selne bürgerllchen Rechte
voll abgedeckt ist -)von hlnten, riss ihm den Hut ab, der mit seinem Hauszeichen ge-
schmückt war, zog, nachdem er den Hut mit Füßen getretenf von Leder, und jagte den
Knecht mit wütenden Hleben der Klinge augenblicklich vom Platz weg und aus seinen Diens-
oralisierung und öffentllche Herabsetzung weitergeführt und vollendet. Eine Reihe von Zufäl-
len (wie das Auftauchen Nagelschmidts, das Abfangen eines Brlefes an Kohlhaas, des Prin-
zen Christiern von Meißens Abreise auf seine Güter) wissen die Tronkas geschicK auszunut-
zen, um den Bruch der Amnestie Kohlhaas gegenüber zu veranlassen. Sie erweisen sich
dabei als die eigentlichen Herren im sächsischen Staat, die uneingeschränkt ihre persönli-
chen Interessen gegen geltendes Recht durchsetzen können. Der Kurfürst lässt sich bei all
diesen Vorgängen von lhnen bereitwlllig manlpuliercn (S. 70 f.), auch wenn der Erzähler ihn
sowohl ln der Bedeutung selner Rolle als auch hinsichtlich selner Integrltät aufzuwerten
sucht: >Der Kufürst welgefte sich standhaft, auf den Grund bloß dieses Brlefes, dem Kohl-
haas das freie Gelelt, das er ihm angelobt, zu brechen( (83). Aufgrund von Umständen,
welche die Betelllgten selbst als >zweldeutig und unklar< (88) bezeichnen, lst der Kurfürst
Jedenfalls sofort bereit, den Großkanzler Graf Wrede abzusetzen, den Schwager der Tron-
kas, den Grafen Kaliheim, an seiner Stelle zu berufen und einen Verhaftungsbefehl gegen
ten< (68). Er behandelt den Knecht nicht als Bürger, dessen Rechte es zu achten und zu
schützen gilt, sondern wie einen Leibeigenen. Meister Himboldt dagegen tut nlchts anderes,
als ihm Gleiches mit Gleichem zu vergelten, worauf die Parallelität der Schilderung implizit
hinweist: er warf >den Kämmerer von hinten nieder, riss ihm Mantel, Kragen und Helm ab,
wand ihm das Schweft aus der Hand, und schleuderte esf ln einem grimmigen Wurf, weit
über den Platz hinweg< (68), Der Tumult ist insofern auch eindeutig nicht als ein Volksauf-
stand zu bewerten, sondern als eln Versuch der Bürgeq ihre vom Kämmerer beleidigte Ehre
zu verteidlgen.
Kohlhaas zu erlassen.
Kohlhaas ist bei allen diesen Ereignissen zum bloßen Spielball in den Händen der Adelsclique
degradleft, Nicht er handelt mehr, sondem an ihm wird gehandelt. Sein eigenes Handlungs-
vermögen ist auf den Entschluss beschränkt, >dle Geslnnung der Regierung gegen lhn, sie
möge seln, welche man wolle, zur Sprache zu bringen< (77) und >der Regierung< auch
Diese Episode hat die Funktion, die chaotischen Verhältnisse lm sächslschen Staat offenzu-
nlcht >den Schein der Gerechtigkelt< zu belassen, <während sie ln der Tat dle Amnestle, die
sie lhm angelobt hatte, an ihm brach< (78). Den Wunsch, sich sein Recht zu verschaffen,
rhatte seine, von Gram sehr gebeugte Seele [,,.] aufgegeben< (85). Für sich und selne Kln-
der sleht Kohlhaas nur noch die Möglichkelt auszuwandern. Er greift also den Plan wleder
legen, deren Opfer Kohlhaas wird, auch wenn der Ezähler dies durch völlig unangemessene
Michael Kohlhaas: Rachebegehren und Rechtsbegehren Seite 2 von auf, den er nach der Rechtsverweigerung in
Michael Kohlhaas: Rachebegehren und Rechtsbegehren
Seite 2 von
auf, den er nach der Rechtsverweigerung
in Sachsen und Brandenburg zum ersten Mal ge-
fasst hatte.
Aber auch diese Mögllchkelt besteht jetzt nicht mehr. Kohlhaas wird vielmehr verhaftet und
schmählich abgeurteilt, Während seine elgenen Aktivitäten ihn zum >Statthalter Michaels<
dem Marktplatz in Dresden komponiert: Die >unermessliche Menschenmenge< (114) ist hler
in einem Halbkreis um den Rlchtblock angeordnet, ihr gegenüber zu Pferde der Kurfürst und
sein Gefolge, )lhm zur Rechten der kaiserllche Anwalt Franz Müller, eine Abschrift des To-
desurtells ln der Hand; ihm zur Linken, mit dem Konklusum des Dresdner Hofgerichts, sein
eigener Anwalt, der Rechtsgelehrte Anton Zäuner.r< (l 14 f.). So wie der Tumult in Dresden
erhöht hatten, denunzieren dle adllgen Intrigen und Machenschaften im sächsischen Staat
ihn als Verbrecher und erniedrigen ihn zum Ehrlosen. In den Augen der Welt lst Kohlhaas als
ein Spiegel der Unordnung lm sächsischen Staat war, verweist dle Ordnung hler, als >schöne
öffentlichkeit<, auf die Ordnung im Staate Brandenburg IKleists ,,Heimat"!I . Der Kurfürst,
Subjekt - als Mensch und als Bürger - ausgelöscht.
Vierter Abschnitt (S. 85-117)
der Kohlhaas als elnem Bürger selnes Staates sein Recht verschafft, stellt dessen Vedrauen
ln die Rechtsordnung des Staates wieder her. Der Herrscher, der Kohlhaas mlt der Frage, ob
er mlt lhm zufrleden sei, ausdrücklich als SubjeK anerkennt, restltuiert damit selne durch
Der vlerte Abschnitt greift sowohl Kohlhaas' Rechtsbegehren (erster und dritter Abschnitt)
als auch seln Rachebegehren (zwelter Abschnitt), dle bisher nur dlsJunktlv ln Erschelnung
getreten sind, wieder auf und führt zu belder Erfüllung.
die Rechtsverwelgerung ln Sachsen und Brandenburg sowle durch den Bruch der Amnestle
zutiefst gekränkte Menschenwürde. Für Kohlhaas lst auf dlese Welse >seln höchster Wunsch
auf Erden erfüllt( (115). Darüber hinaus legitlmlert der Kurfürst, indem er Kohlhaas ln ein
Der befrledlgende Ausgang des Rechtsbegehrens wird durch das Elngrelfen des Kurfürsten
von Brandenburg ermögllcht, der ln allen wesentllchen, Kohlhaas betreffenden Punkten Jetzt
zum Kurfürsten von Sachsen in scharfe Opposition trltt, Während in Sachsen der ln Vet-
>ritterllches Gefängnls< (106) brlngen lässt und nach selnem Tod selne Söhne >zu Rlttern(
schlägt (tL7), ganz ausdrückllch und öffentllch Kohlhaas'Selbsterhöhung,
die mit der Best-
attung seiner Frau als >Fürstin< ihren Ausgang nahm. Der öffentlichen Erniedrigung am
ternwirtschaft verstrickte Graf Kaliheim zum GroBkanzler des Tribunals aufsteigt, wird in
Ende des dritten Abschnlttes tritt so dle öffentliche Erhöhung am Schluss der Erzählung ge-
Brandenburg der Erzkanzler von Kallheim vom Kurfürsten >mit mehreren Zelchen selner
Ungnade entsetzt<, als ruchbar wlrd, >daß dle Verwandtschaft desselben mlt dem Hause
genüber.
derer von Tronka< an der Unterschlagung von Kohlhaas' Klage >schuldq (86) war. Während
Das Todesurtell gehört - so paradox dies zunächst scheinen mag - nicht ln den Kontext von
Kohlhaas' Rechtsbegehren, sondern erhält selne FunKlon aus dem Kontext selnes Rachebe-
ln Sachsen die vom Kufürsten geschützten persönlichen Interessen der Tronka-Sippe den
Tumult auf dem Marktplatz von Dresden verursacht, zum Bruch der Amnestie und zur un-
gehrens.
rechtmäßlgen Verufteilung des Kohlhaas geführt haben, ist es der ausdrückliche Wunsch des
Dle Erfüllung des Rachebegehrens wlrd durch die Zigeunerin ermöglicht. Die Zlgeunerin
Kurfürsten von Brandenburg, >dem Kohlhaas, es koste was es wolle, Gerechtigkeit zu ver-
schaffen< - allerdings >ohne die Ruhe des Ganzen auf eine misslichere Art, als die Rücksicht
auf einen einzelnen erlaubt, aufs Spiel zu setzen< (86).
taucht zwar in Kohlhaas' Leben bereits am Tag nach Lisbeths Begräbnis auf, die selbst ftlr
christliche Vergebung plädiert hatte, während ihr Tod Kohlhaas' Rachebegehren auslöst:
>warf er sich noch einmal vor ihrem, nun verödeten Bette nieder, und übernahm sodann das
Geschäft der Rache< (29). In der Erzählung wird sie jedoch - ebenso wie die Dame Helolse -
Diese Maxime wird nun in der Tat mit äußerster Konsequenz - bis zur Vollstreckung des To-
desurteils - befolgt. >Dem Wohlwollen das der Kurfürst für den Kohlhaas trug< (107) zum
erst im vlerten Abschnitt elngeführt, nachdem lm dritten mit der Amnestle und dem Bruch
der Amnestle eln dlrektes Verhältnis zwlschen Kohlhaas und dem Kurfürsten von Sachsen
Trotz, lst er wegen der Übergriffe Nagelschmidts auf brandenburgisches
Geblet zur >Statule-
etablleft lst. Dles Verhältnls, das von Seiten des Kurfürsten durch Vertrauens- und Wort-
rung elnes abschreckenden Beispiels< (101) entschlossen, während der Kurfürst von Sach-
sen, der die Klage gegen Kohlhaas wegen Landfriedensbruch
durch den Kaiser selbst veran-
lasst hat, aus rein persönlichen Motiven (nämlich um sich den Zettel verschaffen zu können)
bruch gekennzelchnet ist, begründet dle Transformatlon von Köhlhaas' Rachebegehren: es
richtet sich von nun an auf den sächslschen Kurfürsten, während die Genugtuung gegenüber
dem Junker von Tronka ihm der Rechtsweg verschafft.
nun um Kohlhaas'Leben blttet.
Kohlhaas' Rachebegehren wird in einem Prozess erfüllt, der sich ln elner gegenläufigen Be-
In dem Prozess, der Kohlhaas einerseits gegenüber dem Junker von Tronka sein Recht ver-
schafft und andererseits zu seiner Verurteilung wegen Landfriedensbruch führt, ist er zu-
nächst selbst eher Objekt als Subjekt. Er wird >geschlossen wle er war, auf einen Wagen
wegung vollzleht: einerseits als Niedergang des sächsischen Kurfürsten, andererselts als
Aufstleg des Kohlhaas.
geladen( (88) und nach Berlin transportiert; die Klage des Kaisers wegen Landfriedensbruch
lässt er sich, >da man ihm die Sache auseinander setzte<, >gefallen< (106), ohne ausdrück-
lich mit ihr einverstanden zu sein. Auf dem Richtplatz dagegen wird er vom Kurfürsten ex-
Der Niedergang des Kurfürsten ist Folge seiner elgenen Schwäche. Im Unterschled zum Kur-
fürsten von Brandenburg, der als aufgeklärter Mensch nlcht an die Welssagung glaubt - da-
rin Kohlhaas verglelchbar, der diese Aft von >Wlssenschaft Zeit selnes Lebens [nicht] be-
plizit als Subjekt und damit als gleichberechtigt anerkannt, wenn der Kurfürst ihn fragt:
gehrte< (92) -, sieht er sein Schicksal ln der Prophezelung der Zlgeunerin beschlossen und
>Bist du mit mir 2uft1sflqnlc (115)
macht sich damit selbst vom Besitzer des Zettels abhänglg. Dem Wunsch, in den Besltz des
Zettels zu gelangen, ordnet er alles andere unter: politische, jurlstlsche und morallsche Be-
Die Szene auf dem Richtplatz ist als deutliche Antlthese zur Abdeckerszene, zum Tumult auf
Michael Kohlhaas: Hachebegehren und Rechtsbegehren Seite 3 von denken werden vor ihm zunichte. Der Niedergang
Michael Kohlhaas: Hachebegehren und Rechtsbegehren
Seite 3 von
denken werden vor ihm zunichte.
Der Niedergang des Kurfürsten nimmt mit der Ohnmacht nach Kohlhaas' Erzählung seinen
Ausgang, setzt sich mit >zwei neuen Ohnmächten< und einem >Nervenfieber< (93) fort. Die
körperlichen Symptome symbolisieren dergestalt den Verfall seiner Persönlichkeit. Er schrei-
tet mit )dem Jammer und der Verzweiflung< (105), in die ihn Kohlhaas' Weigerung und
seine eigenen missglückten Versuche zu seiner Lebensrettung stürzen, weiter voran und
steiged sich in >Kummer und Reue<, die ihm nach Unterzeichnung des Todesurteils >das
Herz<< zerreißen (112), und kulmlniert endlich bzw. ist vollzogen, als er >ohnmächtig, ln
Krämpfen nieder[sinkt]< (117), nachdem Kohlhaas den Zettel verschlungen hat. Der Kur-
fürst kehrt >zerbissen an Leib und Seele< (117) nach Dresden zurück, und der Hinwels auf
Kurfürst von Sachsen und seinem Wort abhängig machen. Die Zigeunerin tritt insofern ih-
rerseits in elner gewissen Zweideutigkeit als >Versucherin( auf. Darauf verweist einerseits
Kohlhaas' Reaktion: Er lehnt ihren Vorschlag mlt den Worten ab: >nicht um die Welt, Müt-
terchen, nicht um die Welt!< (110). In ihrer Radikalität sind sie den Woden vergleichbar, mlt
denen Jesus der Versuchung des Teufels in der Wüste wldersteht (Matth. 4, 8). Andererseits
verweist darauf der Apfel, den die Zlgeunerln dem kleinen Jungen reicht, Symbol der Versu-
chung und des Sündenfalls: sie sucht Kohlhaas zu verführen, für ein friedliches bürgerllches
Leben mit seinen Kindern den Zettel und damit dle Mögllchkeit zur Rache aufzugeben. Auch
Llsbeth hatte um dleses Zleles willen Kohlhaas bewegen wollen, dem Junker zu vergeben
und auf seine Rache zu verzlchten.
die Geschichte, >wo man das Weitere< über den Untergang seines Geschlechtes >nachle-
sen( kann, setzt lhn ln einen scharfen Gegensatz zu Kohlhaas, von dem, wle der letzte Satz
der Erzählung berlchtet, >noch lm vergangenen Jahrhundert, lm Mecklenburgischen, einige
frohe und rüstige Nachkommen gelebt<< haben (l 17).
Kohlhaas wldersteht der Versuchung, und die Zlgeunerin gibt ihm nun selbst >in mancherlel
Hinsicht recht< (111). Die Rache, mlt der ihm Genugtuung für selne vom Kurfürsten zutiefst
gekränkte Menschenwürde wird, stellt einen weit höheren Weft dar als die bürgerliche Exis-
tenz als Familienvater.
Kohlhaas' Erhebung über den Kurfürsten von Sachsen beginnt mlt der >Entdeckung< von
Es ist die Gewissheit vom Wert dieser Rache, dier Kohlhaas nach dem Todesurteil mit der
>Rang und Namen dessen, der beim Anblickder [
]
Kapsel
[, ]
in Ohnmachtgefallen war<<
Welt versöhnt: >Demnach glich nichts der Ruhe und Zufriedenheit selner letzten Tage<
(96). Das Verhältnis zwischen ihnen beschreibt Kohlhaas mit den Worten: >du kannst mich
auf das Schafott bringen, ich aber kann dir weh tun, und ich will's!< (97). >Frelheit und Le-
ben< (97), die der Kurfürst ihm im Tausch für den Zettel anbietet, wertet Kohlhaas offen-
sichtllch als einen nicht zu hohen Preis, um sein Rachebegehren zu befriedigen,
(113), Dle Entscheidung für die Rache wird ausdriicklich von theologischer Seite bekräftigt.
Während Luther seinerzeit Belchte und Abendmahl dem Kohlhaas mit dem Hinweis auf dle
Notwendigkeit christllcher Vergebung verweigert hatte, wird lhm nun von einem >Abgesand-
ten Doktor Luthers< (113), dem Theologen Jakob Freising, )Ddie Wohltat der helllgen Kom-
munion< zuteil (l 13),
Wie im zwelten Abschnitt wird auch im vieften das Rachebegehren mlt Hilfe von biblischen
Anspielungen dargestellt. Zunächst werden die Bibelreminiszenzen wieder so eingesetzt,
dass Kohlhaas' Rachebegehren in einer gewissen Zweideutigkeit erscheint, Wenn es von
Kohlhaas heißt, er jauchzte >über die Macht [,
],
die ihm gegeben war, selnes Feindes Fer-
se, in dem Augenblick, da sie ihn ln den Staub trat, tödlich zu verwunden< (110), so wird
damit unüberhörbar auf die Worte cottes an die Schlange (1. Mose 3. 15) angespielt: >Der-
selbe soll dir den Kopf zeftreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen<, Damit wird eine
Aquivalenz zwischen Kohlhaas und der Schlange hergestellt. Im weiteren Verlauf dagegen
werden die Blbelreminiszenzen
ren elngesetzt.
zur ausdrücklichen Legitimation von Kohlhaas' Rachebegeh-
Mit dem Vollzug der Rache gelangt Kohlhaas'Aufstieg von dem Tiefpunkt am Ende des drit-
ten Aktes an seinen Höhepunkt, Das Verschlingen des Zettels ruft noch einmal die Apoka-
lypse auf, auf die Kohlhaas sich in seiner Selbsterhöhung im zweiten Abschnitt bezogen hat-
te. Johannes verschlingt das Büchlein auf Befehl dres Engels (Off. 10, 9), der schwört, >dass
hinfort kelne Zeit mehr seln soll; sondern in den Tagen der Stimme des siebenten Engels,
wenn er posaunen wird, soll vollendet werden da:; Geheimnis Gottes< (Off. 10, 6-7), Was
aber Johannes nach dem Verschlingen des Büchleins weissagen soll, betrifft die neue Welt,
das wiederhergestellte Reich cottes (Off. 21, 1).
Eine wlchtlge Funktion kommt in diesem Zusammenhang
der Zlgeunerln zu, Während Kohl-
haas bei ihrer ersten Begegnung keinerlei Ahnlichkeit mit seiner verstorbenen Frau bemerkt
hat, fällt sie ihm nun, da sie ihn im Gefängnis besucht, auf. Durch den Bericht weiterer
Merkwürdlgkeiten, wie des Schwanzwedelns des Hundes, der Verwirrung des Kastellans, der
Dem wiederhergestellten Reich Gottes ln der Offenbarung entspricht hier dle wiederherge-
stellte Menschenwürde des Michael Kohlhaas. Aus seiner Annahme des Todesurtells lässt
sich daher kaum der Schluss zlehen, er erkenne seinen Rachefeldzug als Unrecht an. Der
Tod gibt ihm vielmehr die Möglichkeit, seine Rache am Kurfürsten von Sachsen zu vollenden
und auf diese Weise seine von dlesem in den Staub getretene Menschenwürde selbst wieder
Lisbeth in ihrer Jugend den Hof gemacht hat, oder auch durch die Unterschrift >Elisabeth<
legt der Erzähler dem Leser den Schluss nahe, die Zigeunerin sei eine Inkarnation Llsbeths,
aufzurichten. Kohlhaas steigt damit in elnen Rang auf, der jenseits der Ständegesellschaft
ohne dass er an irgendeiner Stelle selbst diesen Schluss zieht. [
,
in Elisabeth trete ihm
liegt. Was der Kurfürst als Herrscher und Repräsentant des Staates leistet, indem er Kohl-
haas sein Recht verschafft, lelstet dieser durch selne Rache und insofern durch seinen Tod:
der Geist Lisbeths gegenübertr .
seine Anerkenntnis bzw. seine Setzung als ein autonomes Subjekt.
Auffällig ist in jedem Fall, dass Kohlhaas ihre Ahnlichkeit mit Lisbeth erst bemerkt, als sie zu
ihm ins Gefängnis kommt, um ihm zu raten, >den Zettel [
,]
für Freiheit und Leben an den
Kurfürsten von Sachsen auszuliefern< (110). Damit aber würde Kohlhaas sich erneut vom
l Michael Kohlhaas: Rachebegehren und Rochtsbegehren Seite 4 von Kohlhaas' Rechtsbegehren gen< (18). Die
l
Michael Kohlhaas: Rachebegehren und Rochtsbegehren
Seite 4 von
Kohlhaas' Rechtsbegehren
gen< (18). Die zweite Klage wird mit einer Resolution beantwortet, die lhn als >unnützen
Querulanten< (21) diffamiert. Auf die Bittschrift wird mlt einer )landesherrlichen Resoluti-
In der Forschung wird überwiegend die Rechtsfrage als Zentralproblem der Erzählung he-
rausgestellt und entsprechend intensiv diskutieft. An dieser Diskussion haben sich auch eine
Reihe von Juristen betelllgt, dle in ihrer Beurtellung zum Teil beträchtlich divergieren. Rudolf
von Ihering hat in seiner Schrift Der Kampf ums Recht (L874) Kohlhaas als Märtyrer des
on< (29) reaglert, die ihm unter Androhung elner Gefängnisstrafe alle weiteren rechtlichen
Schritte untersagt. Und dle zwelte Klage ln Dresden endlich wird von dem unrechtmäBigen
Prozess wegen Landfriedensbruch konterkarlert, der mit einem schändllchen Todesurteil
endet. Kohlhaas wird in keinem Fall als Rechtssubjekt anerkannt.
Rechtsgefühls gefeiert: >Er reiBt der feilen Gerechtigkeit das besudelte Schwert aus der
Hand und schwingt es ln einer Weise, dass Furcht und Entsetzen sich welt im Lande verbrei-
ten, das morsche Staatswesen in seinen Fugen erbebt, und der Fürst auf dem Thron erzlt-
tert< (ebd., S, 62). Dagegen deutet ihn der Präsident des Bundesverwaltungsgerlchts, Horst
Sendler, in einer 1985 vorgelegten Studie als einen >verbohrten Weltverbesserer* (ebd., S.
Wenn die Beachtung des geltenden Rechts als Minlmalanforderung angesehen wird, die zur
Sicherung und Aufrechterhaltung der Ordnung in Staat und Gesellschaft erfüllt seln muss,
um den Rückfall ln Barbarel und Chaos zu verhindern, dann zeugen Rechtsverwelgerung
und eklatanter Rechtsbruch nun ln der Tat von einer >ungeheuren Unordnung< (22) ln der
Welt. Dle Rechtsverweigerung
erzeugt elnen Zustand der Rechtsunsicherhelt, dle den Eln-
24) und >querulatorischen Terrorlstenc (ebd., S, 34). In beiden Fällen I,
1
betrifft der
Strelt um dle Rechtsfrage die Rechtsgrundlage für Kohlhaas' Rachefeldzug, selnen )gerech-
ten Krieg< (33) gegen den Junker Wenzel von Tronka,
Dagegen besteht weitgehend Einigkeit über die Legalität seines Rechtsbegehrens, wie er es
in der ersten Klage niedergelegt hat, auch wenn die Meinungen über die Bedeutung des zu
schützenden Rechtsgutes erheblich auseinandergehen. Der Erzähler lässt keinen Zweifel
zelnen an selne elgene moralische Autonomle zurückverweist, Er muss alleln entschelden,
wie er auf dle >ungeheure Unordnung( reagleren soll: mlt Wlderstand, d. h. dem Versuch,
eine neue Ordnung zu etablieren (wie mlt dem Rachefeldzug), oder mit Resignation, d. h,
Flucht (Auswanderung), oder Anpassung an den Zustand der Rechtloslgkeit (wie am Ende
des dritten Abschnitts). Da die bestehende Rechtsordnung als Maßstab und Beurteilungskrl-
terlum entfällt, muss der Betroffene autonom handeln.
daran, dass Kohlhaas' Rechtsbegehren gerechtfertigt lst: >Dle Rechtssache war ln der Tat
klar.< (17)
Der Zustand der Rechtsordnung - und damit dle Mögllchkelt, das Handeln an ihr zu orlentle-
ren oder nlcht - wird in der Erzählung durch den Zustand der belden Rappen symbollslert.
Kohlhaas geht keinesfalls von einem Idealzustand aus oder verlangt gar Ungeheuerllches.
Zu Beglnn der Erzählung werden sle als >wohlgenährt [
]
und glänzend< beschrleben (3).
Immer wieder wlrd darauf hingewlesen, dass er im Bewusstsein von der )allgemeinen Not
der Welt< (8) und der >gebrechllchen Einrichtung der Welt< (11) bereit ist, >im Gefühl sei-
Das Unrecht des Junkers von Tronka venrtandelt buchstäbllch die >glatten und wohlgenähr-
ten Rappen< in >ein Paar dürre, abgehärmte Mähren [
];
Knochen, denen man, wle Rie-
ner Ohnmacht< (9) ein Unrecht hinzunehmen, >falls nur wlrklich dem Knecht [,
]
elne Art
von Schuld beizumessen sei< (11). Kohlhaas erscheint gerade nlcht als ein >verbohrter
Weltverbesserer<, sondern geht ganz realistisch davon aus, dass man sich mit der Unvoll-
kommenheit der Welt bis zu einem gewissen Grade abzufinden hat.
Was er auf dem Rechtswege verlangt: >gesetzmäßige Bestrafung [des Junkers], Wiederher-
stellung der Pferde in den vorigen Stand, und [
]
Ersatz des Schadens< (17), ist nicht
geln, hätte Sachen aufhängen können; Mähnen und Haare, ohne Wartung und Pflege, zu-
sammengeknetet: das wahre Bild des Elends lm Tierreiche!< (8) Indem Kohlhaas auf die
>Wlederherstellung der Pferde in den vorigen Stand< (17) klagt, bezeugt er seln Vertrauen
in das Funktionieren, d. h. den guten Zustand der Rechtsordnung. Der traurige Zustand, in
dem slch die Pferde auf dem MarKplatz in Dresden präsentieren, fungieft als vollkommenes
Sinnbild der rechtllchen Verhältnlsse in Sachsen und wlrft noch vor dem Erzählerkommentar
mehr als recht und billig. Insofern können ihn sowohl sein Anwalt in Dresden als auch der
Stadthauptmann Heinrich von Geusau guten Gewissens >über den Ausgang seiner Rechts-
sache< (18) völlig beruhigen. Im Schreiben, das die Amnestie verkündet, helßt es entspre-
chend, dass eine Ablehnung seiner Klage beim Tribunal ln Dresden >nlcht zu erwaften< sei
(56). Und in der Tat sieht es auch hier zunächst so aus, als sei der Rechtsstreit >im besten
Fortgang begriffen< (74).
(69) selne düsteren Schatten auf den Fotgang der Kohlhaasischen Sache voraus.
Und wenn im Dresdner Kablnett spltzflndig festgestellt wird, die Pferde >srnd tot: sind in
staatsrechtllcher
Bedeutung tot, well sle keinen Wert haben< (71), so wlrd damit der
Rechtsordnung ln Sachsen das Urteil gesprochen. Entsprechend wird der Nachweis für die
IntaKheit der Rechtsordnung ln Brandenburg durch die Wiederherstellung der Pferde ge-
führt, die >von Wohlsein glänzendenl, die Erde mit ihren Hufen stampfendenl< (115). In-
Kohlhaas stellt eindeutig keine idealen Forderungen; er verlangt nur, was gang und gäbe ist,
und gibt sich insofern mit dem Normalfall zufrieden. Es versteht sich daher auch fast von
selbst, dass seine Klage, wie es dann auch letztendlich nach Eingreifen des Kurfürsten von
dem Kohlhaas >ihren feisten Hals< klopft (116) und sle seinen Söhnen Helnrlch und Leopold
schenkt, bezeugt er dle Wiederherstellung seines Vertrauens in die Rechtsordnung des
brandenburglschen Staates, der ihm sein Rechtsbegehren erfüllt hat.
Brandenburg geschieht, >Punkt für Punkt, und ohne die mindeste Einschränkung t,
1
durchgesetzt< (115) wird.
Ungeheuerlich ist also nicht Kohlhaas' Rechtsbegehren, sondern das Faktum, dass es trotz
mehrfacher Eingaben nlcht anerkannt und ihm das Recht vorenthalten wird. Die erste Klage
wird >auf eine höhere Insinuation, bei dem Dresdner Gerichtshofe, gänzlich niedergeschla-
Kohlhaas' Rachebegehren
Kohlhaas' Rachefeldzug gegen den Junker von Tronka wird in der Forschung übenruiegend
unter Bezugnahme auf das mittelalterliche Fehderecht dlskutlert und bewertet, Es wird lm-
Wie gelingt es Kohlhaas, Luther davon zu ilberzeugen, dass er kein ,,ungerechter tann" ist? ,Scrrn
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AA: Lest das Gespräch arischen Luther und Kohlhaas (S.48/2GS.53/18) und untersucht in
Partnerarbeit
1. wie Luther
argumentiert
und
2. wie Kohlhaas sich rechtfertigt.
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Das Gespräch arischen Luther und Kohlhaas - Wie gelingt es Kohlhaas, Luther davon zu überzeugen,
Das Gespräch arischen Luther und Kohlhaas -
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AA: Lest das Gespräch zwischen Luther und Kohlhaas (5.48/20-S.53/18) und untersucht in
Partneraöeit
1. wie Luther argumentiert
und
2. wie Kohlhaas sich rechtfertigt.

!\-------{ Das Amulett der Zigeunerin

Seite l von 2 der Ezählung (27 Seiten) beendet, eröffnet die Ezählung Kohlhaasens von der
Seite l von 2
der Ezählung (27 Seiten) beendet, eröffnet die Ezählung Kohlhaasens von der Begegnung
mit der Zigeunerin in Jüterbock das letzte Viertel (27 Seiten).
Die Geschichte mit der Zigeunerin, auf der der gesamte vierte Abschnitt, der sich in
Zu dieser Markierung durch die Eigenart der Distribution tritt eine aareite durch
vielfacher Hinsicht auf die ersten drei Abschnitte zurückbezieht, aufbaut, ist seit Erscheinen
Wiederholung: die Geschichte der Begegnung wird zweimal ezähl! und zwar das erste Mal
der Ezählung in ihrer vollstäindigen Form immer wieder als >>romantischer Schlussteil<, als
ein >>ins Übersinnliche spielender Ausgang<<, der im Verhältnis zu den bisherigen
von Kohlhaas (91 ff) und das zweite Mal vom Kurfürsten von Sachsen (101 ff).
>realistischen VorausseEungen<<
der Ezählung einen >Stilbruch< darstelle, kritisiert
worden. Ludwig Tieck (1773-1853), ein Dichter aus der Zeit der Romantik, nahm in seiner
Vonede zu den von ihm herausgegebenen Hinterlassenen Schriften (1821) die Geschichte
mit der Zigeunerin zum Anlass, um zum Vorwuf der Trivialität Stellung zu nehmen, der
Kleist vielfach gemacht wurde:
Entsprechend hat sie für beide eine grundsäElich andere Bedeutung: Kohlhaas gibt die
lGpsel, ohne dass er es zum ZeitpunK der Übergabe und ihrer Ezählung bereits wusste,
die Möglichkeit sich am Kufürsten um den Preis seines eigenen Lebens zu rächen und so
seine Menschenwürde als autonomes Individuum wieder hezustellen. Für den Kurfürsten
dagegen bedeutet die Kapsel das Wissen um seinen Untergang: um den Namen nämlich
des leEten Regenten
seines Hauses, um >die Jahreszahl, da er sein Reich verlieren<<, und
>Diese wunderbare Zigeunerin, [
]
diese grauende Achtung, die der Vefasser plötzlich
um >>den Namen
dessen, der es, durch die Gewalt der Waffen, an sich reißen wird< (
).
selber vor den Geschöpfen seiner Phantasie empfindet, alles dies erinneft an so manches
schwache PrcdulG unserer Tage und an die gewöhnten Bedüfnisse der Lesewelt, dass
Der Anblick des Rehbocks, mit dem das gefordefte >>Zeichen<< für die Wahrheit der
Weissagungen der Frau eintritt, trifft den Kufürsten daher so >vernichtend<< wie der >>BliE,
wir uns nicht ohne eine gewisse Wehmut davon übezeugen, dass selbst so
hervorragende Autorcn, wie Kleist (der sonst nichts mit diesen Krankheiten des Tages
gemein hat), dennoch der Zeit, die sie hervorgerufen hat, ihren Tribut abtragen müssen.<
der an einem Wintertag vom Himmel fällt< ( ). Im Zettel der Zigeunerin glaubt der
Kurfürst verlässlich den Untergang der Herrschaft seines Hauses verschlossen. Der Zettel
erscheint insofern unfehlbar auf das Ende dieser Herrschaft vorauszudeuten,
Ganz offtnsichtlich war Kleist sich des Risikos bewusst, welches die Einführung des
In diesem Zusammenhang gewinnt das Faktum, dass die Zigeunerin immer wieder zum
>Wunderbaren<< in der Ezählung barg. Denn in keinem der übrigen Abschnitte lässt er den
Volk in Beziehung gesetzt wird, eine große Bedeutung. Sowohl in Kohlhaas' Ezählung als
Ezähler so explizit auf seine Chronistenpflicht und damit sein Bewusstsein vom
auch in der des Kurfürsten wird sie als vom Volk umringt (
) eingefühft. Wie
Authentizitätsanspruch, dem es nachzukommen gilt, hinweisen wie hier. So kommentiert
Richard W. Müller aufgezeigt hat, wird in der ersten Ezählung >>das Volk< innerhalb von 27
der Ezähler den >Missgriff<< des Kämmerers, >>in dem alten Trödelweib
[
]
die
Zeilen viermal und in der zweiten innerhalb von 18 Zeilen dreimal und ein viertes Mal in
geheimnisreiche Zigeunerin selbst getroffen<< zu haben (
), mit den Worten: >>und wie
weiterem Abstand erwähnt. >Die Zigeunerin ist gleichsam das Zentrum der Volksmenge<,
denn die Wahrscheinlichkeit nicht immer auf Seiten der Wahrheit ist so traf es sich, dass
hier etwas geschehen war, das wir zwar berichten: die Freiheit aber, daran zu zweifeln,
Das Volk ist bisher in der Ezählung vor allem im zweiten und im driften Abschnitt
hervorgetreten.
Im zweiten Abschnitt fordert Kohlhaas >>das Volk auf, sich
zur Errichtung
demjenigen, dem es wohlgefällt, zugestehen müssen<< ( ). Die Abreise des Kurfürsten
einer besseren
Ordnung der Dinge, an ihn anzuschließen<< (
). Und obwohl das Volk unter
von Sachsen betreffend beruft sich der Ezähler gar auf >die Chroniken, aus deren
seinen Brandstiftungen zu leiden hat, geht es nicht gegen ihn, sondern gegen die
Vergleichung wir Bericht erstatten<, und hebt das Faktum, dass sie >an dieser Stelle, auf
>Volkbedrücker< vor: Es versammelt sich >zu Tausenden vor dem, mit Balken und ffählen
befremdende Weise, einander
widersprechen und auflreben< (
), ausdrücklich hervor,
verrammelten, Hause des Junkers<< (
), und die >öffentliche Meinung<< (
) ist >bei der
Das >Wunderbare<
wird auf diese Weise durch den auf seine Chronistenpflicht
und Sorgfalt
allgemeinen Unzufriedenheit, die wegen der Unziemlichkeiten des Kämmerers im Lande
(
pochenden Ezähler sozusagen neutralisiert.
henschte<<
), uauf eine hclchst
gefährliche Weise<< (
) auf Seiten des Kohlhaas, so
Wenn auch die Geschichte mit der Zigeunerin ganz sicher nicht einen >Stilbruch<<
dass seine Stärke von Tag zu Tag anwächst.
darstellt, so unterbricht sie doch die Chronologie der Erzählung in signifikanter Weise: die
Bei dem Tumult auf dem Markplatz zu Dresden kommt es zu einer direKen Konfrontation
Übergabe des >>Amuletts< hat am Tag nach Lisbeths Begräbnis stattgefunden, die erste
aruischen dem Volk und dem Kämmerer, >dem Volksbedrücker<<.
Aber obwohl Meister
Erwähnung der Zigeunerin geschieht jedoch erst beim zufälligen Zusammentreffen des
Himboldt gegen den Kämmerer vorgeht, der seine bürgerliche Ehre beleidigt hat, entstehen
Kufürsten von Sachsen mit Kohlhaas in der Meierei von Dahmen. Dieser Bruch der
aus dem Tumult genauso wenig wie durch Kohlhaas' Mandate revolutionäre Aktionen des
Chronologie erftihrt eine besondere Markierung: während der Begräbnistag das erste Viertel
Volkes. Das Volk wird zwar schwer bedrückt und äußert seine Unzufriedenheit mit den
herrschenden Verhältnissen immerhin so deutlich, dass Luther durchaus meint, Grund für
Das Amulett der Zigeunerln Seite 2von 2 die Befürchtung eines Volksaufstandes zu haben: >so könne
Das Amulett der Zigeunerln
Seite 2von 2
die Befürchtung eines Volksaufstandes
zu haben: >so könne dasselbe [das Volk] leicht in
dem Grade verführt werden, dass mit der Staatsgewalt gar nichts mehr gegen ihn
(
[Kohlhaas] auszurichten sei<<
)
.
Ergänzung zur Sproche Kleists im >Michoel Kohlhoos< und warum jemand so
Dennoch bricht der Volksaufstand nicht aus, R.W. Müller hat nun die These aufgestellt,
schreibt, wie er schreibt
dass >die lGpsel mit ihrem geheimnisvollen Kern die Funktion des Volksaufstandes
Kleist hat in seinem Aufsatz >Über die atlmähliche Verfertigung der Gedanken
übemimmt, nämlich das Urteil über den wertlosen (und daher unheilbringenden) Kurfürsten
beim Reden< Hinweise dozu gegeben, wcrum er so schreibt wie er schreibf.
zu vollstrecken.< [Vorsicht,
man muss nicht alles glauben, was Germanisten sagen!]
In der Tat schreibt die Zigeunerin >>vor den Augen allen Volks< (
), wie vorter laut
Ihm geht es nämlich um die Notwendigkeif auf Seiten des Sprechenden, sich
verkündet, die Daten zum Untergang seiner Herrschaft auf den Zettel, >fasst<, >>indem sie
eines Sochverholtes im Moment des ,,Dorüber-sprechend' klarer zu werden:
sich im Volk
umshht<,
Kohlhaas, der >hinter allem Volk<< auf einer Bank
steht,
>>ins
Wenn nämlich der Sprechende seine Gedonken ordnet um seine Sichtweise dem
Auge< (
), bescheidet den Kurfürsten, >>von jenem Mann dort, der, mit dem Federhut, auf
Hörenden zu erläutern, wird er sich der Dinge bewusster und gelongt dadurch
der Bank steht, hinter allem Volk, am Kircheneingang,
lösest du, wenn es dir beliebt, den
(
Zettel ein<
), und übergibt Kohlhaas, >>während sich alles Volk< zu ihm
>>umwendet<< (
), den Zettel,
zu einer tieferen Einsicht in die von ihm angesprochenen schwierigen
Sqchverhalte.
Dos iedoch mog nicht nur für sein Sprechen, sonder auch für sein Schreiben
Während Michael Kohlhaas die Zigeunerin
nie anders denn als >Mütterchen< anredet
gelten. Desholb äupert er in dieser Schrift:
(
) und spräter sogar in ihr eine Ahnlichkeit mit seiner verstorbenen Frau zu
entdecken
meintl!!|,
die ihn in
seinen Bemühungen, sich Recht zu verschaffen, stets
uneingeschränkt unterstütrt hat (
),
erfährt der Kurfürst
sie als bedrohlich, wenn sie ihn
>mit einem Blick, kalt und lebbs, wie aus marmomen Augen< (
) ansieht. Sie erscheint
so als eine Aft Todesbotin für ihn und seine Herrschaft.
Die Zigeunerin gehört zu den Standeslosen, zur untersten Schicht des Volkes. Sie ist mit
,,Aber weil ich doch irgendeine dunkle Vorstellung habe, die mit dem, was ich
suche, von fernher in Verbindung steht, so prägt, wenn ich nur dreist damit
denAnfang mache, das Gemüt, während die Rede fortschreitet, in der
Notwendigkeit, dem Anfang nun auch ein Ende zu findery jene verworrene
Vorstellung zur völligen Deutlichkeit aus, dergestalt, dass die Erkenntnis zu
der Mutter >des
bei Mühlberg
gefallenen
Knechts
Herse
[
]
seit
einigen
Monden her,
meinemErstaunenrmitderPeriode il:rr,i ,i 'rri !,rr,.r,L'iir;r,l fertigist."
bekannt<< (
), womit zwischen ihr und Herse, dem Helfer Kohlhaasens bei seinem
Rachefeldzug, eine au#rückliche Beziehung hergestellt wird. Andererseits venrveist ihr
Dieses relotiv kleine Kleistsche Satzungetüm beweist:
>>bleiemer Siegelring<< auf den >bleiernen Kamm<< des AMeckers und auf Kohlhaas'
>>bleieme lGpsel<<, in der er den Zettel
bewahrt, und tritt so zu
>>Gold<, >>Geld<. und
Von den zwei Möglichkeiten, die es für Kteist gibli Gedonken zum Ausdruck zu
bringen - die erste ist die, ,,wenn der Geist schon vor oller Rede mif dem
(
>>silbemem Klang<
), der die Herrschenden umgibt, in eine scharfe Opposition.
Gedanken fertig ist" - ziehl Kleist die zweile eindeutig von nämlich, dass der
Während die >Vernichtung<< des Kufürsten durch den Mann >>hinter allem Volk< bewirkt
wird, ist ihm das Mittel dazu erst von der Zigeunerin in die Hand gegeben, >die, auf einem
Gedanke sich überhaupt erst im erregten Fortgang der Rede entwickelt eine
Schemel sitzend, dem Volk, das sie umringte, [
]
wahrsagte<< (
).
Methode, die für Kleist der Mögtichkeil; Gedanken zu entwickeln vie[ mehr
entspricht. [Unwahrscheinlich auch, doss er bei seinen Schachtel-Sätzen zu
Insofern ist Müller zuzustimmen, wenn er zu dem Schluss kommt:
einem onderen Ergebnis kommt :-) ]
>>Wenn diese Botin des Jenseits den Zettel, der das Schickal des Staates enthält, statt in
die Hände des Herrschers, in die des Rebellen >>hinter allem Volk< leg! so mag damit
angedeutet sein, dass auch die vom unfähigen Herrscher verspielte Souveänität in die
Hände des \lblkes zurückgeht<<.