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P o r t r ä t Burkina Faso: Luc Zio – ein Mann, der

Porträt

Burkina Faso:

Luc Zio – ein Mann, der seine Wurzeln nicht vergisst

viele auch keine Grundaus- stattung wie Hefte oder Stifte. Manche Kinder kamen dann einfach eines Tages nicht mehr, weil den Eltern die fi- nanziellen Erfordernisse für einen Schulbesuch zu hoch waren. Lucs Klassenkamerad Joseph erging es ebenso, sein Vater konnte die Kosten für die weiterführende Schule nicht mehr aufbringen. Was in Europa vielleicht zu einem Freudentanz des Schülers ge- führt hätte, nahm ein hier

«Das Problem in Afrika ist, dass die verantwortlichen Po- litiker außer in Wahlkampf- zeiten nicht in die Dörfer ge- hen. Obwohl sie selbst oftmals von dorther stammen, schnei- den sie die Nabelschnur durch, kümmern sich nicht um die ländliche Entwick- lung, werden zu geldversesse- nen Egoisten und vergessen ihre Wurzeln. Im Ausland ent- steht so leider oft der Ein- druck, unsere Dorfbevölke- rung sei arm, weil sie arbeits- scheu sei – dabei wird sie nur vernachlässigt», sagt Luc Zio (43) aus einem kleinen Dorf in Burkina Faso, der den umge- kehrten Weg gegangen ist. Nach einem Studium in der Hauptstadt und den USA kehr- te er ins Dorf zurück und ver- sucht mit nun seinem Verein «OuagaNet» der Bevölkerung zu helfen.

ner schoben all diese Vor- kommnisse bösem Zauber zu. Dass dieser «Zauber» nichts als nackte Armut war, habe ich erst viel später verstan- den», erklärt Luc, in dessen Heimatdorf es nicht einmal eine Grundschule gab, so dass

Heimatdorf es nicht einmal eine Grundschule gab, so dass Luc wurde in einem kleinen Dorf geboren,

Luc wurde in einem kleinen Dorf geboren, in dem es we- der einen Trinkwasserbrun- nen noch sonstige überle- benswichtige Infrastrukturen gab. «Ich habe viele Kinder sterben sehen an Hirnhau- tentzündung und anderen Krankheiten, die durch Imp- fungen oder sauberes Trink- wasser hätten vermieden wer- den können. Die Dorfbewoh-

er mit sechs Jahren täglich barfuss zehn Kilometer bei je- dem Wetter zur nächst gele- genen Schule laufen musste. Manchmal im Eiltempo, denn der Lehrer wartete nicht auf die Auswärtigen, wer etwas verpasst hatte, hatte Pech ge- habt. Die Lehrer waren unge- duldig und überfordert durch völlig überfüllte Klassen, Strom gab es nicht und für

Luc Zio, Initiator von «OuagaNet»

eintrauriges Ende: Joseph er- hängte sich. Sein freiwilliger Tod war für Luc der Auslöser, sich im Erwachsenenalter für die verarmte Dorfbevölkerung zu engagieren.

Schon mit 17 Jahren baute er zusammen mit anderen Frei- willigen ein Geburtenhaus im Dorf Pouni. Sie stellten die

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Ziegel selbst her, transportie- ren Sand und Zement, arbei- teten einen Monat lang jeden Tag außer sonntags und wa- ren stolz und glücklich, als dann die Frauen des Dorfes ihre Kinder unter hygieni- scheren Bedingungen und im Beisein von wenigstens einer Krankenschwester zur Welt bringen konnten.

OuagaNet – Lichtblick für die Landbevölkerung

Nach Fertigstellung dieses Projekts fasste Luc den Ent- schluss, in späteren Jahren eine Nichtregierungsorganisa- tion zu gründen, die sich der Landbevölkerung annehmen sollte. «Das war eine morali- sche Pflicht für mich, denn ich war genauso mittellos, be- kam jedoch die große Chan- ce, in den USA zu studieren», erklärt er sein Engagement. «Es gibt sehr wohl Afrikaner, die ihr Schicksal in die Hand nehmen, aber die Entwick- lungshilfe läuft fast immer über die Regierungen, und nur NGOs können wirklich helfen, weil sie Zugang haben zu der bedürftigen Landbevöl- kerung, die sie zur Selbsthilfe mobilisieren können».

Luc hielt Wort : Er kehrte zurück und gründete den Ver- ein OuagaNet, der derzeit überwiegend im Dorf Na- poné, ca. 120 km von der

Hauptstadt Ouagadougou ent- fernt, arbeitet. Naponé ist ein völlig mittelloses Dorf, über 96% der Bevölkerung sind Analphabe- ten, es gibt keine

Gesundheitsver-

sorgung, kein Trinkwasser und keine Schule. Die extreme Armut führt dazu, dass die Bewohner im-

mer mehr ver- zweifeln und sich vermehrt dem Genuss von «Pa- tassi» hingeben, einem sehr ge-

sundheitsgefähr-

denden selbstge- brauten alkoholi- schen Getränk, das sie ihre Sor-

Nachschub für die selbst- verwaltete Dorfapotheke

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gen zumindest vorüberge- hend vergessen lässt. Luc be- zieht diese Menschen ein in seine Aktivitäten und zeigt ihnen den Weg zu einem ver- hältnismäßig besseren Leben.

Das beginnt mit der Gesund- heitsvorsorge: Ouaganet orga- nisiert Moskitonetze, klärt auf über die Gefahren von Aids, sammelt Medikamente und verteilt sie an die Bevöl- kerung bzw. richtet kleine Dorfapotheken ein, die von den Dorfbewohnern selbst verwaltet werden. So wurden z.B. im vergangenen Oktober 300 Moskitonetze an Schwan- gere und stillende Mütter übergeben, Blutdruckmessun- gen bei den Dorfbewohnern durchgeführt, die ergaben, dass 10% von ihnen unwis- sentlich hoch gefährdet sind und medizinische Betreuung brauchen. OuagaNet braucht dringend Spenden, nicht nur Moskitonetze sondern auch Medikamente gegen Malaria, Durchfall, Diabetes, Bluthoch- druck und Wurmerkrankun- gen. Mit Hilfe von Brunnenbau

Moskitonetze für Schwangere und stillen- de Mütter

soll ein Teil dieser Erkrankun- gen von vornherein vermie- den werden.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bildung: Ouaganet baut Schulen und unterstützt mit- tellose Schüler mit Lehrmate- rial. In Naponé gibt es derzeit noch keine Grundschule, die dringend notwendig ist. Des- halb hat Luc auf der sehr gut gestalteten, zwecks besseren internationalen Verständnis- ses auf englisch verfassten Webseite des Vereins www.ouaganet.com einen Notruf gestartet: «SOS, eine Schule für Naponé!», um die notwendigen finanziellen Mittel aufzutreiben. Diese Schule wäre nicht nur ein Ort der Bildung für Kinder, in den Abendstunden und an den Wochenenden könnte sie zur Erwachsenenbildung und –aufklärung genutzt werden.

Lucs größtes Projekt : Die Er- richtung einer kleinen Schweinezucht, die den Men-

: Die Er- richtung einer kleinen Schweinezucht, die den Men- Aidsaufklärung und Geburtenkontrolle schen Arbeitsplätze

Aidsaufklärung und Geburtenkontrolle

schen Arbeitsplätze brächte und zugleich eine Verbesse- rung der Ernährungssituati- on.

Es wäre wünschenswert, wenn sich auch in Deutsch- land Menschen und/oder Or- ganisation, Schulen o.a. fän- den, die Luc bei seiner wichti- gen Arbeit unterstützen. Luc dokumentiert übrigens alle Aktionen mit Fotos und Pro- jektberichten – damit sich je-

der Spender davon überzeu- gen kann, was mit seinem Geld geschieht. Und: nicht nur finanzielle Hilfe wird benötigt, auch helfende Hän- de – warum also nicht einmal eine Art soziales Jahr in Bur- kina Faso verbringen?

(Ingrid Aouane, Fotos: ouaganet)

Kontakt: Luc Zio, E-Mail:

ouaganet@gmail.com, Web:

http://www.ouaganet.com/

verbringen? (Ingrid Aouane, Fotos: ouaganet) Kontakt: Luc Zio, E-Mail: ouaganet@gmail.com, Web: http://www.ouaganet.com/
verbringen? (Ingrid Aouane, Fotos: ouaganet) Kontakt: Luc Zio, E-Mail: ouaganet@gmail.com, Web: http://www.ouaganet.com/