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07/04/2013

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zeitschrift des mittelschüler-kartell-verbandes

Preis: 2,-

couleur
>> politisch unabhängiges jugend- und mitgliedermagazin

01 | 11

Hat das Bundesheer noch Zukunft?
noch Zukunft?
> Your Social Network Wie Facebook dein Leben verändert > Interview mit Dr. Hannes Androsch

P.b.b.

GZ 02Z031286S

Verlagspostamt 1070 Wien

DVR: 0014958

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editorial

GR Gottfried Forsthuber v/o Michelangelo (BDB) Chefredakteur

Thema Politik

Wie geht's weiter mit dem Bundesheer? Die Wehrpflichtdiskussion ist voll entbrannt

.........4

Wird die Solidarität zum leeren Schlagwort? Notwendige Reformen werden nicht vorgenommen

...6

Und was sagst du dazu? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Interview mit den NR-Jugendsprechern Denken Sie ruhig multikulti . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Ein Brief von Dr. Spin an den Kanzler Minenfeld Ostasien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Obamas Besuch war nur die Spitze des Eisberges 23 Milliarden durch Privatisierungen Ist der Staat kein guter Unternehmer?
. . . . . . . . . . . . . . 15

Das Jahr der Veränderungen
2011 hat es in sich. Zuerst die Umbrüche in Nordafrika, dann das Beben (und die damit verbundene Veränderung der Erdrotation), der Tsunami und der Atom-Unfall in Japan: Angesichts dieser Ereignisse scheinen unsere alltäglichen Probleme bedeutungslos. Unser Mitgefühl gilt den vielen Opfern, Verletzten und ihren Familien. Vor allem wünschen wir unseren Kartellbrüdern in Japan Mag. Peter Schano (BDB), Mag. Michael Schano (BDB) und Mag. Peter Mathä (ASO) auf diesem Weg alles Gute und Gottes Segen. Ein Versager als Minister? Das politische Kalkül war für jeden auch nur vom Wegschauen zu erkennen: Die meisten Burschen mit 18 wollen alles, nur nicht zum Heer oder Zivildienst. Die meisten Burschen aus bildungsferneren Schichten wählen mit 18 den Heinz-Christian. Was tun also als SPÖ? Gib dem Affen ein Stück Zucker (frei nach Max Reinhardt) und versprich, was du noch vor kurzem abgelehnt hast. Aber – und das dürfte jedem, der regelmäßig bei seiner Verbindung auf BCs geht, klar sein – angesagte Revolutionen finden nicht statt. Entweder sie sind dilettantisch ausgeführt oder der Revolutionär stolpert über sich selbst. Im vorliegenden Fall trifft wohl beides zu. Wobei (und das muss man für die Nachwelt festhalten) sich ja inhaltlich einiges „getan“ hat. Der thematisch bis Redaktionsschluss bekannte dritte Sinneswandel des Herrn Ministers erschöpft sich in der Kopie des deutschen Vorgehens (Aussetzung der Wehrpflicht). Da muss ich als einfacher Staatsbürger sagen: Das hätten wir auch billiger haben können! Was bleibt ist ein angeschlagener Verteidigungsminister. Wird er daraus lernen? Wohl kaum. Mit seinen Mitarbeitern zu reden, kommt ihm ja nach wie vor nicht in den Sinn. Bildungsvolksbegehren & Schulenquete Für Diskussionen sorgt auch das von Dr. Hannes Androsch initiierte Bildungsvolksbegehren. Um der geneigten Leserschaft eine Entscheidungsfindung zu erleichtern, findet sich in dieser Ausgabe sowohl ein Interview mit dem Initiator, als auch ein kritischer Beitrag von Andreas Unterberger. Eines ist trotz aller Auffassungsunterschiede für den MKV klar: Das Thema Bildung wird uns nicht so schnell loslassen, denn am 12. April wird im Sitzungssaal der GÖD (Schenkenstraße 4, 1010 Wien) genau darüber diskutiert. Bei der Enquete „Die Zukunft der Schule – Wege zur Bildungsrepublik Österreich“, soll erörtert werden, was Kinder und Jugendliche heute lernen müssen, um morgen ein erfolgreiches und sinnerfülltes Leben führen zu können, wie die Schule der Zukunft aussehen soll und wie eine Reform der Höheren Schule (AHS, BHS und ihrer Oberstufenformen) durchgeführt werden könnte.

Verband

Wer kein Ziel hat, verläuft sich Kolumne des Kartellvorsitzenden

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Leserbriefe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 Die Ausgabe 04/10 stieß auf reges Interesse Perspektivengruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Ein Jahr Arbeit für den MKV

Bildung

„Österreich darf nicht sitzenbleiben“ Interview mit Dr. Hannes Androsch

. . . . . . . . . . . . . 20

Ad Fundum

Die knallroten Fäden in Androschs Volksbegehren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Gastkommentar von Dr. Andreas Unterberger Social Media verändert die Welt Möglichkeiten, Chancen und Risiken
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24

Die verkannte Gefahr von links . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Ist der Linksterrorismus salonfähig geworden? Austria: 12 Points! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Österreich ist im Songcontest-Fieber Von hockey moms und tigermothers . . . . . . . . . . . . . . 29 Alternative Erziehungsmethoden haben wieder Hochsaison Die Großen sind von uns gegangen . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Kolumne von Martin Meixner v/o Arminius (BDB)

Impressum
Herausgeber: Mittelschüler-Kartell-Verband der katholischen farbentragenden Studentenkorporationen Österreichs (MKV), Neubaugasse 25/21, 1070 Wien Telefon: +43/1/5237434, Fax: +43/1/5237434-9 E-Mail: kanzlei@mkv.at, Internet: www.mkv.at ZVR-Zahl: 646503058 ZVR-Zahl AHB: 750161558 Geschäftsführer: StS a.D. Mag. Helmut Kukacka (TGW) Vorstand: StS a.D. Mag. Helmut Kukacka (TGW), Michael Wilim (MDK), RA Dr. Alexander Kragora (VDW), Dr. Gregor Jansen (SOP) Chefredaktion: GR Gottfried Forsthuber (BDB) Telefon: +43/699/13300140, E-Mail: couleur@mkv.at Redaktion: Martin Meixner (BDB), Mag. Marc Vecsey (SOP), Mag. Axel Sonntag (MDK), Bernhard Sonntag (MDK), Christoph Steinacker (AUP) Fotos: MKV, Europäische Kommission (EK), flickr.com, zur Verfügung gestellt Konzeption, Produktion und Anzeigenverwaltung: Druckservice Muttenthaler GmbH, Ybbser Straße 14, 3252 Petzenkirchen, Telefon: 07416/504-0* Auflage: 25.000 Exemplare Verkaufspreis: € 2,-, Jahresabo: € 4,80 (exkl. Porto) Verkaufsstellen: MKV-Kanzlei, Adresse s.o.; WStV-Kanzlei, Wien 8. Laudongasse 16; Kamper Annemarie, Bruck/Mur, Herzog-Ernst-Gasse 23; Denkmayr Thomas, Hartberg, Herrengasse 22; Wacker Norbert, Hall/Tirol, Oberer Stadtplatz 9; Wacker Martin, Innsbruck, Museumstraße 38; Sezemsky Josef, Innsbruck, Bruneckstraße 162 Blattlinie: Das „couleur“ ist die österreichweite Verbandszeitung des Mittelschüler-Kartell-Verbandes und als solche politisch unabhängig. Ziel ist die Information aller Mitglieder und Interessenten im Rahmen eines kritischen, auf den Grundsätzen des MKV bauenden Jugend- und Mitgliedermagazins.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung des Herausgebers entsprechen.

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thema

Wie geht’s weiter mit
Ob es uns persönlich nun passt oder nicht: Die Wehrpflichtdiskussion ist entbrannt. Und im Sinne einer gelebten Demokratie gilt es, sich dieser zu stellen.
Feuerwehr (dann aber auch zum Sandsackschaufeln bei Hochwasser und Pistentreten in Kitzbühel), eine Garde für die Repräsentation („Fesch sind sie, unsere Burschen!“), 9 Militärmusikkapellen (zum Aufspielen beim jeweiligen Landeshauptmann) und dann aber auch eine nicht militärisch abgesicherte Neutralität (eben nicht nach Schweizer Muster und entgegen unserem Neutralitätsvertrag)? Dann benötigen wir aber auch eine Diplomatie, die dieses Modell der EU und der Welt verkaufen kann. Tatsache ist (und das zeigt uns auch die Umfrage), dass eine Vielzahl unserer Mitbürger mit dem derzeitigen Zustand des Bundesheeres unzufrieden ist. Wundern sollte uns das nicht, denn was erleben zurzeit unsere Wehrpflichtigen, wenn sie einrücken: Ausgedünnte Verbände mit einem Fehl an Gruppenkommandanten mit schlechter Altersstruktur, ungenügende Rahmenbedingungen für die Ausbildung (geringes Munitionskontingent, Kilometerbeschränkungen bei Einsatzfahrzeugen, 40-Stundenwoche mangels Überstunden für Ausbildungspersonal), daher auch fehlende Ausbildungsintensität der Rekruten (im Vergleich mit 18 Wochen Ausbildung in der Schweiz mit folgenden jährlichen Wiederholungsübungen), überhaltene Strukturen (unökonomisch kleine Kasernen mit halbvollen Verbänden), veralterte Logistik und vor allem zu viele Funktionssoldaten (Systemerhalter). Und was sieht der Kadersoldat: kopflastige Strukturen wie etwa die Zentralstelle oder die Militärkommanden, fehlende Zukunftsaussicht (keine Personalplanung auf Zeit = alle wollen Beamte werden). Reformen bis jetzt immer gescheitert Das Bundesheer der 2. Republik hat bereits viele Reformen, Strukturänderungen, Transformationen, Anpassungen (oder wie immer man diese Umgliederungen – sieben davon habe ich persönlich erlebt - genannt hat) überstanden, an zwei Dingen sind bisher alle Strukturreformen gescheitert: Am

Doch sollte diese Diskussion, deren Ausgang zu tiefgreifenden Veränderungen in der österreichischen Gesellschaft führen kann, dementsprechend sachlich und mit Vernunft geführt werden. Oftmals erscheint es uns als außenstehendem Beobachter so, als ob die Hauptakteure dieser Debatte nicht mehr Herr der Lage wären, sondern vielmehr Boulevardmedien konsequent den Marschtakt in Richtung Ende der Wehrpflicht vorgeben würden. Wie sonst konnte es dazu kommen, dass vom derzeitigen Bundesminister für Landesverteidigung und Sport, Mag. Norbert Darabos, bereits Modelle und Präferenzen präsentiert wurden, ohne dass sich die Politik zuvor Gedanken über die zukünftigen Aufgaben des Österreichischen Bundesheeres gemacht und alle Konsequenzen der Abschaffung der Wehrpflicht bedacht hat. Auch die ÖVP ist relativ spät auf einen bereits abgefahrenen Zug aufgesprungen. Wie sieht der Bür-

ger eigentlich heute das Bundesheer? In der Tageszeitung „Die Presse“ vom 15. Dezember 2010 sind diesbezüglich interessante Umfragedaten zu lesen (siehe Grafik).

Es geht in der Diskussion um die Substanz unseres Sicherheitsapparates Bundesheer.
Was erwarten sich die Österreicher?

Was erwartet sich also der Österreicher von seinem Heer? Reicht eigentlich eine Gliederung für eine stark verbesserte freiwillige

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thema

dem Bundesheer?

nötigen und von der Politik vorerst immer zugesagten Budget und am nötigen Personal; letztlich ist auch die Heeresreform 2010 daran gescheitert, die erst im Juni 2004 durch die Reformkommission unter dem Vorsitz des Altbürgermeisters Dr. Helmut Zilk einstimmig (also auch mit der Stimme eines Dr. Peter Pilz von den Grünen) beschlossen wurde. • die Möglichkeit der Auslagerung aller derzeit von Funktionssoldaten (Systemerhaltern) getätigten Arbeiten (und dazu gehören nicht die immer wieder angeführten Kellner für die Offiziere, sondern vor allem Kraftfahrer, Mechaniker, Köche, Wachsoldaten für unzählige Kasernen, aber auch Schreiber, Wirtschaftsgehilfen, Nachschubgehilfen, Wehrpflichtige in den Bekleidungskammern bis auf untere Führungsebene) ebenfalls mangels entsprechendem Budget zu Recht bezweifelt werden kann und • eine Verbesserung des Gesundheitszustandes unserer jungen Männer (viele für tauglich befundene Rekruten können nach der Einstellungsuntersuchung – bis zu 20% eines Einrückungsturnusses - ausschließlich im inneren Dienst eingesetzt werden, also eben als Systemerhalter) nicht zu erwarten ist. Wie soll sich der MKV verhalten? Also worauf sollen wir Bürger in den nächsten Monaten bei dieser bereits peinlichen und im Ausland belächelten Diskussion achten, und wenn es zur Volksbefragung kommen sollte, wie sollten wir uns als Couleurstudenten entscheiden? Darauf jetzt schon eine Antwort zu geben, wäre verfrüht. Ich bin allerdings der Ansicht: Eine Umstellung auf ein angedachtes Freiwilligensystem ist nur dann sinnvoll, wenn die Bezahlung aller Dienstgrade und Funktionen leistungsorientiert erfolgt, d.h., dass bei einem Einstiegsgehalt eines Schützen von etwa € 2.000,– (Umfrageergebnis unter den derzeitigen Präsenzdienern) ein Unteroffizier etwa € 5.000,– sowie ein höherrangiger Offizier mindestens € 8.000,– netto verdienen müsste. Dies ist aber in Österreich durch die Neidgenossenschaft und Auswirkungen auf das Besoldungssystem im öffentlichen Dienst sicher nicht erreichbar. Keine Systemerhalter mehr! Auch eine neue Dislozierung durch Auflösung von vielen Standorten wird realpolitisch nicht zu erreichen sein. Bleibt man allerdings bei der Wehrpflicht, so muss man alle Wehrpflichtigen aus der Systemerhaltung umgehend entfernen und die erforderlichen Leistungen am Markt zukaufen. In einer „Wehrpflicht neu“, wie sie jetzt auch von der ÖVP angedacht wird, darf es keine Systemerhalter in militärfremden Beschäftigungen (Küchen, Werkstätten, Kraftfahrer?, etc.) mehr geben. Zumindest das sollten wir uns doch leisten können! Ich bin der Ansicht, es geht bei dieser Diskussion gar nicht mehr ausschließlich um Wehrdienst oder Berufsarmee (alle Argumente aller Parteien genau lesen!), es geht bereits um die Substanz unseres Sicherheitsapparates Bundesheer, und dieses haben wir in den letzten Jahrzehnten leider oft benötigt, wenn auch Gottlob nicht zur Landesverteidigung im eigentlichen Sinn. Und

Tatsache ist, dass eine Vielzahl unserer Mitbürger mit dem derzeitigen Zustand des Bundesheeres unzufrieden ist.
Strukturänderung nicht in Sicht

Als gelernter Österreicher glaube ich daher nicht, dass eine wesentliche Änderung des derzeitigen Mischsystems (Berufssoldaten, wehrpflichtige Rekruten und Milizsoldaten) möglich sein wird, weil: • die dafür notwendigen gesetzmäßigen Voraussetzungen für eine derart massive Änderung unseres Sicherheitssystems vermutlich nicht geschaffen werden können (u.a. ist die Wehrpflicht immerhin in unserer Verfassung verankert; Artikel 9a Absatz 3 B-VG), • sich bei dem angedachten Salär für Berufssoldaten nicht genügend „Freiwillige“ melden werden (dies ist bereits in den 70er-Jahren mit der „Bereitschaftstruppe“ nicht gelungen und mit diesem Problem haben fast alle europäischen Staaten nach Abschaffung der Wehrpflicht auch heute zu kämpfen), • es durch die bereits vorgegebenen Budgetkürzungen in den nächsten drei Jahren um 550 Millionen Euro vermutlich nie wieder zu einer Erhöhung des Heeresbudget kommt (die derzeitigen Berechnungen im BMLVS gehen von jährlichen 2,2 Milliarden Euro aus; verschwiegen wird dabei aber das darin enthaltene „Sportbudget“ sowie die Ankaufrate für die Eurofighter),

Geben Boulevardmedien konsequent den Marschtakt in Richtung Ende der Wehrpflicht vor?
unser Vaterland sollte uns eine Versicherungspolizze „Sicherheit“ auch weiterhin etwas wert sein!

zur person
Obst iR Udo E. Liwa (OCW et mult.) war 37 Jahre Truppenoffizier, zuletzt langjähriger Kommandant der Garde; auch jetzt noch u.a. als Generalsekretär von AltNeustadt, Absolventenvereinigung der Theresianischen Militärakademie, und als Phx ev. Theresiana Wr. Neustadt eng mit Berufsoffizieren aller Führungsebenen verbunden.

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Wird die Solidarität zum
Ein jahrelanges politisches Führungsversagen hat das Bundesheer an den Rand seiner Funktionsfähigkeit gebracht. Anstatt die notwendigen Reformen endlich vorzunehmen, soll nun das Kind mit dem Bad ausgeschüttet werden.

Die Sicherheitspolitik eines jeden Landes gehört zu den primären Kernaufgaben jedes Staatswesens, die weder an Private auslagerbar, noch an wen auch immer delegierbar ist. Im Konkreten sind das die Landesverteidigung mit ihrem gesamten Aufgabenspektrum: Landesverteidigung im engeren Sinn, Schutz kritischer Infrastruktur, Helfen wo andere nicht mehr können, wie Katastrophenhilfe, Assistenzeinsätze oder auch Hilfeleistungen im Ausland. Weiters gehört dazu die innere Sicherheit sowie die Justiz; all das sind staatliche Pflichtaufgaben. Viele andere Aufgaben des Staates sind notwendig bzw. wünschenswert, aber im Falle einer ungenügenden Qualität, können Bürger entweder selbst vorsorgen (Kranken-, Unfall-, Altersversicherungen etc.) oder je nach Vermögenslage Alternativen (Erziehung, Ausbildung, Gesundheit etc.) in Anspruch nehmen. Faktum ist, dass unser Staat eine der höchsten Steuerquoten Europas vor-

sieht, um sich in allen möglichen Lebensbereichen der Bürger breitzumachen, aber genau die vom Bürger nicht selbst wahrnehmbaren Kernaufgaben zusehends vernachlässigt.

Darabos ist unfähig und kaltschnäuzig.
Miliz – was bedeutet das?

benötigten zusätzlichen Soldaten, Truppen und Verbände kommen aus der beorderten Miliz. Dies hat den Vorteil, dass immer nur so viel Bundesheer präsent ist und überdies bezahlt werden muss, wie man jeweils benötigt. Für ein neutrales Land, das nicht der NATO angehört, ist das ein kostengünstiges, zweckmäßiges, demokratisches und vernünftiges System. Bundeskanzler ist Wehrdienstverweigerer Die Realität sieht freilich anders aus, weil sich die „große Politik“ seit Jahren nicht mehr um das Bundesheer kümmert. Die Bundeskanzler der letzten Jahrzehnte waren befreit, untauglich oder, wie der derzeitige, gar Wehrdienstverweigerer und die fachliche Qualität der Verteidigungsminister war seit Otto Rösch und Robert Lichal durchwachsen. Höhepunkt ist freilich der Amtierende, der schon bei seiner Musterung vor der damals noch bestandenen Kommission glaubhaft machte, dass

Die Landesverteidigung kann ausschließlich der Staat wahrnehmen. Unsere Verfassung sieht die allgemeine Wehrpflicht vor und legt im Artikel 79 Absatz 1 fest, dass das Bundesheer nach den Grundsätzen eines Milizsystems einzurichten ist. Milizsystem heißt, präsente Kräfte für Ämter, Behörden, Stäbe, Kommanden und Spezialaufgaben wie Luftraumüberwachung, Geheimdienste und die jeweils

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leeren Schlagwort?
er es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren könne, seine Wehrpflicht beim Bundesheer abzuleisten. Jahre später war von diesem Gewissen keine Spur mehr vorhanden, als es darum ging, Verteidigungsminister zu werden, um als Befehlshaber die Köpfe anderer hinzuhalten.

Ein Ende der Wehrpflicht in Österreich würde de facto ein Ende des bisherigen Bundesheeres mit seinem Leistungsspektrum bedeuten.

sich diese in der Vergangenheit auch verhalten und damit wesentlich zur gegenwärtigen Misere beigetragen. Die einzigen, die in den letzten Jahren diese Fehlentwicklungen und Missstände immer wieder öffentlich aufgezeigt haben, waren die in Vereinsform organisierten Soldatenverbände: die lange Zeit ungehörten Rufer in der Wüste, überwiegend Milizoffiziere, die ihrer Sorge Ausdruck verliehen. Dem Populismus des Wiener Bürgermeisters drei Tage vor seiner Wahl und der Tollpatschigkeit des Verteidigungsministers ist es zu verdanken, dass es nun endlich eine breite Diskussion über den Zustand des Bundesheeres und die Landesverteidigung in Österreich gibt. Für uns Milizoffiziere, die wir uns zum Teil seit Jahrzehnten für eine positive Wehrgesinnung einsetzen, ist es natürlich schmerzlich, wenn die desaströsen Zustände ans Tageslicht kommen. Die letzte große Bundesheerreformkommission (Zilk-Kommission) hat in ihrem 180Seiten-Bericht richtungsweisend aufgezeigt, was notwendig wäre. Der im fünften Amtsjahr stehende Verteidigungsminister ist für die wesentlichen Fehlentwicklungen verantwortlich. Statt weniger Systemerhalter gibt es mehr, statt einem sinngebenden erlebnis- und abwechslungsreich gestalteten Ausbildungsdienst gibt es Sinnlosigkeitdebatten, die vielen vielen, vorgeschlagenen notwendigen Maßnahmen wurden nicht umgesetzt und die Abwärtsspirale ging weiter. Dennoch bezeichnet sich Darabos als „fortschrittlicher Reformminister“ und an den Missständen sind alle anderen schuld. Hier paart sich in erschreckender Weise Unvermögen mit Kaltschnäuzigkeit. Keine Söldner für Österreich Die Wehrpflicht in Österreich abschaffen heißt de facto das Bundesheer abschaffen. Österreich ist zu klein für ein Berufsheer. In Konkurrenz zum Arbeitsmarkt könnte die notwendige Anzahl von Berufssoldaten – mit Ausnahme der Offiziere - nicht gefunden werden bzw. ist es demokratiepolitisch absolut nicht wünschenswert, Söldner zu rekrutieren. Gerade die Revolutionen im arabischen Raum zeigen, wie wichtig es ist, dass das Heer im Volk verankert und kein willenloses Werkzeug von Machthabern ist.

Norbert Darabos kann wohl willkürlich einen General absetzen, aber es soll niemals ein Minister oder eine Regierung ein blindes Heer oder Soldaten gegen das eigene Volk einsetzen können. Ich will in keinem Land leben, in dem sich die bewaffnete Macht nicht aus Mitbürgern zusammensetzt, die ein Spiegelbild der Bevölkerung darstellen. All-inclusive-Gratisgesellschaft Die ganze derzeitige Debatte in Österreich entspringt keinem edlen, sondern einem schäbigen Motiv. Unser Land mit allen seinen demokratischen Grund- und Freiheitsrechten, seinen wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen Errungenschaften ist es auch wert, verteidigt zu werden. Wir leben zusehends in einer All-inclusive-Gratisgesellschaft, wo das Anspruchsdenken immer größer wird und jeder alles vom Staat haben will. Wenn es dann um persönliche Leistungen und Pflichten geht, soll nicht das Florianiprinzip mit einem Fingerzeig auf den anderen vorherrschen. Die Idee, den bisherigen Zivildienst nach Tariflohn zu bezahlen, ist besonders unverantwortlich, weil das geradezu ein Schlag ins Gesicht für über 400.000 Freiwillige darstellt,


Bundesheer ist heruntergewirtschaftet Faktum ist, dass das Bundesheer jedenfalls in den letzten 10 Jahren mangels politischer Führung und Umsetzung notwendiger Reformen massiv heruntergewirtschaftet wurde. Der bisherige Input des Staates sind 24.000 Planstellen, 2 Milliarden Euro Budget und die allgemeine Wehrpflicht. Der Output ist ein verbürokratisiertes Beamtenheer, ein jahrelanger Missbrauch der Wehrpflicht durch zweckwidrige Verwendung der Rekruten (viel zu viel Systemerhalter, Burgenlanddienst als regionale Wirtschaftsförderung etc.), die verfassungswidrige Aushöhlung des Milizsystems (keine Übungen, keine Nachwuchsbildung, Massenentorderungen, keine Zuweisung von Aufgaben etc.) und die Nichterfüllbarkeit der eigentlichen Aufgaben. Wirklich einsatzfähige Soldaten gibt es kaum mehr als 4.000: ein Armutszeugnis und eine Bankrotterklärung. Generalstab in der Verantwortung Als kleiner Staat im Staat hat sich ein Generalstab breitgemacht, der von seiner Anzahl her einer Großarmee voranstehen könnte. So manche der dortigen Herren wünschen sich ein Berufsheer, aber mit allgemeiner Wehrpflicht; genau so haben

Söldner zu rekrutieren ist demokratiepolitisch gefährlich.


die jahrein und jahraus Lebenszeit im Dienste des Nächsten unentgeltlich einbringen. Von dieser egoistischen gesellschaftlichen Entwicklung und ihren Urhebern kann man sich nur abwenden.

zur person
Brigadier Dr. jur. Michael Schaffer (*15.2.1954 in Großgmain) ist Präsident des Österreichischen Milizverbandes und bei der Salzburg AG in der Personalwirtschaft tätig.

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Und was sagst du dazu?
Couleur befragte die Bereichssprecher für Jugendangelegenheiten der Parlamentsparteien zur Wehrpflicht-Debatte.
INTERVIEWS: BA BERNHARD SONNTAG V/O ARNIE (MDK)

1. In einigen europäischen Ländern wurde jüngst die Wehrpflicht außer Kraft gesetzt. Ist die allgemeine Wehrpflicht nicht mehr zeitgemäß oder nur momentan unpopulär? Welches Modell würden Sie vorziehen? 2. Was halten Sie in diesem Bereich von einer verstärkten Kooperation mit EUNachbarländern? Wäre eine Koordination der Landesverteidigung mit anderen Unionsländern begrüßenswert? 3. Ist in Ländern wie Österreich, die die Gleichberechtigung der Geschlechter als erstrebenswert ansehen, die Einziehung ausschließlich männlicher Staatsbürger zum Wehrdienst nicht ein Verstoß gegen ebendiesen Wert? Müssten im gegenwärtigen Wehrmodel nicht auch Frauen an der Landesverteidigung partizipieren? 4. Was antworten Sie einem jungen österreichischen Rekruten, der Krieg nur aus Filmen und Geschichtsbüchern kennt, der Sie fragt, warum er die nächsten 6 Monate in einer Kaserne verbringen muss? 5. Haben Sie selbst den Wehrdienst oder eine ähnliche Leistung absolviert?

bitionierten Reformpläne von Norbert Darabos. Das Modell eines Freiwilligenheeres ist eine Variante, die im Rahmen einer gemeinsamen Sicherheitsstrategie für Österreich diskutiert werden muss. 2. Es erscheint mir eine verstärkte Kooperation mit EU-Nachbarländern – so wie es der Wiener Bürgermeister Michael Häupl gefordert hat, für sehr sinnvoll. 3. Solange es auch in anderen gesellschaftspolitisch relevanten Bereichen keine Gleichberechtigung gibt – wie zum Beispiel Einkommen – stellt sich diese Frage für mich nicht. 4. Er muss nicht. Er kann. Wenn er es für sinnvoll hält. Er kann auch Wehrersatzdienst leisten. 5. Nein.

verändert. Minister Darabos wäre gut beraten gewesen, eine solche neue Sicherheitsdoktrin zu entwickeln. Verstärkte Kooperation mit unseren EUNachbarländern ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen, es muss uns jedoch bewusst sein, was dies bedeutet. Denn wer A sagt muss auch B sagen… 3. Ich würde es beim Prinzip der Freiwilligkeit bei Frauen belassen. Sollte die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft werden, so muss man über einen alternativen Dienst an der Gesellschaft für Männer und Frauen diskutieren. Es gibt jedoch einige andere Berufs- und Praxisfelder, in denen die Gleichstellung von Mann und Frau Priorität hat. 4. John F. Kennedy sagte: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun wird - fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“ Die allgemeine Wehrpflicht stellt für einen jungen Mann die Möglichkeit dar, aktiv für seine Heimat einzutreten. Die Verteidigung der österreichischen Souveränität hat nicht an Bedeutung verloren. Unsere Werte, Rechte und Freiheiten müssen wir schützen und im Notfall auch bewaffnet verteidigen können. 5. Als Frau habe ich keinen Wehrdienst geleistet, ich habe mich jedoch abseits der Politik viele Jahre freiwillig und ehrenamtlich in der katholischen Kirche und in sozialen Vereinigungen engagiert.

Ksw. Mag. Silvia Fuhrmann (ÖVP) (VBN)
geb. 1981, Studentin

Angela Lueger (SPÖ)
geb. 1965, Beamtin

1. Es gibt in Wahrheit nur noch drei Länder in der EU, die an der Wehrpflicht festhalten. Die geopolitische Situation hat sich in den letzten Jahren stark verändert – daher muss man sich den neuen Herausforderungen stellen. Ich unterstütze die am-

1. Beide Modelle haben Vor- und Nachteile. Bevor in Österreich über die Abschaffung der Wehrpflicht entschieden werden kann, muss die Frage der Neutralität diskutiert werden. Man muss in Österreich nicht nur über die militärische Landesverteidigung diskutieren, sondern auch über die geistige und den Zivilschutz. Eine Reform des Bundesheeres ist mit Sicherheit notwendig. Österreichs Sicherheit eignet sich nicht als Wahlkampfgag! 2. Diese Fragen hängen unmittelbar mit der Sicherheitsdoktrin unseres Landes zusammen. Die Bedrohungsszenarien (Terrorismus, cyberwar, u.ä.) haben sich

Ing. Christian Höbart (FPÖ)
geb. 1975, Angestellter

1. Anfangs müssen die Sicherheitsinteressen Österreichs klar definiert werden („Sicherheitsdoktrin“) und an diesen

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Bedürfnissen die Streitkräfte ausgerichtet werden. Erst die Zielvorgaben klar definieren, danach die Festlegung der Organisationsform. Die FPÖ möchte an der Wehrpflicht festhalten. Das derzeitige System ist jedoch in Teilen reformbedürftig. Denkbar wäre etwa ein Wehr- und Milizsystem (Schweiz). 2. Österreich wäre gut beraten, sich nicht in fremde Kriege einzumischen. Das Bundesheer darf in keine Kampfeinsätze eingebunden werden, sondern soll nur echte humanitäre und friedensstiftende Einsätze unterstützen. Daran ist auch die Kooperation mit EU-Nachbarländern auszurichten. 3. Von einer Dienstpflicht für Frauen halten wir nichts. Das derzeitige System ist sinnvoll und sollte beibehalten werden. Man könnte aber immerhin über ein soziales Jahr für junge Frauen nachdenken, wenn man denn eine Dienstpflicht verlangen würde. 4. Abgesehen davon, dass junge Menschen lernen sollten, Vorzüge in einer Demokratie zu leben und diese auch mit dem Dienst am Vaterland und am Gemeinwohl verbunden sind, geht es nicht nur um die Frage der Landesverteidigung, sondern auch um den Erziehungsauftrag des Heeres. Man lernt Kameradschaft – auch mit Menschen aus anderen sozialen Schichten –, man lernt Ordnung, Disziplin, Regeln ... Alles „weiche Faktoren“, die man aber später im Berufsleben sehr gut gebrauchen kann. Und die jungen Rekruten betreiben regelmäßig Sport. Die Debatte um die Wehrpflicht erinnert immer an einen Hausbesitzer der seine Feuerversicherung kündigen möchte, nur weil es bei ihm seit Jahrzehnten nicht mehr gebrannt hat. Das Bundesheer ist sozusagen unsere Feuerversicherung, wenn es wirklich brennen sollte.

5. Ja, meinen 8-monatigen Wehrdienst habe ich mit einer EF-Ausbildung in Wöllersdorf und einer Funker-Ausbildung in St. Pölten absolviert.

Tanja Windbüchler-Souschill (GRÜNE)
geb. 1976, Dipl. Sozialarbeiterin

Stefan Markowitz (BZÖ)
geb. 1977, Unternehmer

1. Der Wehrdienst ist als Zwangsdienst für junge Menschen nicht mehr zeitgemäß. Jugendliche werden nach Abschluss ihrer Lehre einberufen – und so aus dem Arbeitsprozess herausgerissen und nach Beendigung der Grundwehrdienstzeit gestaltet es sich äußerst schwierig, wieder einen Arbeitsplatz zu finden. Das beim Bundesheer Gelernte ist auch nicht wirklich in der Arbeitswelt umsetzbar. Wir treten für ein einsatzfähiges und schlagkräftiges Berufsheer ein. Unser Ziel ist mehr Schutz bei Katastrophen und mehr Sicherheit für die Bevölkerung bei geringeren Kosten. 2. Das BZÖ strebt eine enge sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern an, denn gemeinsam sind wir stärker. 3. Das BZÖ steht für Gleichberechtigung auch in diesem gesellschaftlichen Bereich. Frauen sollen auch in einem zukünftigen Berufsheer eine wichtige Position innehaben. 4. Leider ist die derzeitige gesetzliche Lage so, dass der Grundwehrdienst von jungen Männern abgeleistet werden muss. Weil sich die Bedrohungsszenarien in den letzten zwei Jahrzehnten in Europa drastisch geändert haben, ist eine Bundesheerreform längst notwendig. 5. Ich habe meinen Grundwehrdienst in der Graf-Starhemberg-Kaserne in Wien abgeleistet.

1. Die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht ist dringend notwendig. Innerhalb der EU braucht es den verpflichtenden Wehrdienst nicht mehr. Junge Männer sollen selbstbestimmt entscheiden, welchen Weg sie gehen wollen, ohne Zwang und Drill. 2. Im Katastrophenschutz ist Kooperation selbstverständlich, beim Schutz unserer verfassungsmäßigen Einrichtungen schwer vorstellbar. Eine gewisse Koordination sehen die EU-Verträge schon vor, aber Österreich ist und bleibt neutral. Wir wollen keine Stationierung fremder Truppen in Österreich, kein Militärbündnis und keine Teilnahme an Kriegen. Wir wollen die europäischen Partner überzeugen, dass sich die EU nach diesen Vorgaben verhalten soll. 3. Die Wehrpflicht ist Teil eines veralteten Systems, das in einer Zeit des geteilten und nach dem Krieg traumatisierten Europas entstand. Im Jahr 2011 sollten junge Männer aus Gleichberechtigungsgründen nicht zum Wehrdienst einberufen werden! 4. Die allgemeine Wehrpflicht und der Zwang zur Systemerhaltung soll abgeschafft werden. Gleichzeitig wird das Bundesheer bei Verzicht auf Panzer und Artillerie auf 9.000 gut ausgebildete Personen verkleinert. Anstatt verpflichtender Zivildiener werden motivierte Menschen für die Arbeit im Gesundheits- und Sozialbereich adäquat entlohnt. 5. Nach der Matura habe ich mich in der Friedenspolitik als Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft für Wehrdienstverweigerung und Gewaltfreiheit engagiert. Dort gab es Zivildienerberatung und friedenspolitische Aktionen. Unter anderem habe ich die Anti-NATO-BürgerInnen-Initiative mitinitiiert.

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politik usw.

„Denken Sie ruhig multikulti“:
Vertrauliche Post aus Down Under. Doktor Spin ist mit der „Performance“ des Regierungschefs durchaus zufrieden.

Dear Mr. Chancellor! Zunächst möchten wir Ihnen dazu gratulieren, dass Sie Ihre zeitweiligen Unstimmigkeiten mit der Familie Dichand bereinigen konnten. Wie das bei Greisen manchmal so ist, war der Alte (Ihr Onkel Hans) in seinen letzten Monaten etwas launisch, doch sein Sohn und Nachfolger hat die Vorzüge Ihres Kooperationsmodells rasch erkannt: Die „Krone“ kassiert reichlich Geld von österreichischen Steuerzahlern in Form von Regierungsinseraten, und Sie machen dafür die Politik, die die „Krone“ Ihnen vorgibt.

Damit ist auch sichergestellt, dass Sie der Stimme des Volkes Rechnung tragen, denn die „Krone“ ist definitionsgemäß die Stimme des Volkes. Ihr treuer Parteisoldat, the Minister of Defense for the Burgenland, hat dieses Modell zudem auf den Personalsektor übertragen – die „Krone“ bestimmt, wer als Generalstabschef amtieren darf, und vor allem, wer nicht. Politologisch gesehen – was Sie weniger interessieren dürfte, aber möglicherweise Ihre(n) Biografen – handelt es sich dabei übrigens um eine innovative Weiterent-

wicklung des amerikanischen „spoils system“. Nur, dass dort die regierende Partei die Spitzen der Verwaltung besetzt, in Austria hingegen der Boulevard. Mr. Pandis Liste... Mehrere Medienzaren (darunter ein gewisser Murdoch, der auch zu unserem exklusiven Kundenkreis zählt) haben bereits Interesse an Ihrem System angemeldet – für die Lizenzgebühren schlagen wir Ihnen den bewährten 50:50Schlüssel (unsere Firma: SPÖ-Parteikasse) vor.

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Ein Brief an den Kanzler
Bei dieser Gelegenheit darf ich Ihnen im Auftrag von Mr. Pandi gleich eine Liste weiterleiten – Namen mit Krönchen darüber sind zu höherer Verwendung bestimmt, rot durchgestrichene zur Abschiebung beziehungsweise Entlassung. Öffentliche Proteste dürften sich auch weiterhin auf jene Publikationen beschränken, die ohnehin fast niemand liest, für eine breitere Öffentlichkeit wird sich sicher wieder ein Kommentator des Staatsfernsehens finden, der Meinungsäußerungen von Militärs zur Verteidigungspolitik als Kennzeichen von Militärdiktaturen denunziert. Ansonsten wird der ORF-Generalintendant schon bald für Ruhe sorgen, schließlich möchte er ja von Ihrem Freundeskreis wiedergewählt werden (Liste mit möglichen „schwarzen Schafen“ für Niko Pelinka im Anhang I). Tripsups Taktik-Lektionen Sehr erfreut sind wir zudem, dass Sie jene Taktik-Lektionen, die Ihnen unser Spezialist, Mr. Tripsup, erteilt hat, mit Erfolg angewendet haben. Wie Sie Ihren Regierungsvize mit seinen Strukturreformideen haben anrennen lassen, indem Sie sich hinter seinem Rücken aber vor laufender Kamera mit seinen Länder-governors verbündet haben, das war wirklich first class. Die Kirchturmmentalität von Regionalfürsten ist indeed eine wertvolle politische Ressource zur Verhinderung von change. Mr. Pröll wird auf absehbare Zeit so sehr mit seinem Unglück, seinen Parteigranden und seinen Beratern – die wir ihm undercover in Ihrem Auftrag vermittelt haben – beschäftigt sein, dass er keine Plage mehr für Sie darstellt. Natürlich gibt es noch ein paar offene Probleme. Die meisten davon sind nicht wirklich gravierend. Der Bundespräsident ist zwar a pain in the ass, aber alles in allem wird er es bei ein paar mahnenden Worten belassen, allzu kontroversielle Positionen waren noch nie seine Sache, wie schon Ihr länger verflossener Vorgänger, der Sonnenkönig Bruno der I., festgestellt hat. Das Spektakel, das Ihre Partei, die Medien und die „kritischen Intellektuellen“ zum Bruno-Gedenken veranstaltet haben, kam gerade zur richtigen Zeit. Speziell die Letzteren waren so sehr in ihrem Nostalgie- und Hagiografietaumel gefangen, dass sie keine Zeit hatten, sich mit dem neuen Demokratieverständnis der Sozialdemokratie zu befassen (gilt natürlich auch für die eingeschriebenen, aktiven wie pensionierten GenossInnen). Lernen von Nasarbajew Sollte da doch noch ungenützte Energie vorhanden sein, lässt sich diese leicht auf deren Lieblingsbeschäftigung, die Bekämpfung der „konservativen Reaktionäre“, der ewig dräuenden „rechten Gefahr“ und des „Neoliberalismus“ umleiten. Vergessen Sie bitte nicht, entsprechende Textbausteine (Anhang II) in Ihrer nächsten Grußbotschaft an das Projekt „Next Left“ zur Neuaufstellung der Sozialdemokratie einzubauen. Bleiben noch zwei Handicaps. Zum einen die sogenannte „Meinungsfreiheit“ (nein, nicht die der „Krone“, der müssen Sie natürlich gebührend Rechnung tragen – in jeder Bedeutung des Wortes). Zum anderen das wirkliche Ärgernis von Wahlen, weil das blöde Stimmvieh letztlich unberechenbar ist, selbst wenn man es von Zeit zu Zeit mit entsprechenden Formulierungen „volksbefragt“. Gedankenaustausch mit Gusenbauer Für die Lösung beider Probleme dürfen wir Ihnen einen intensiven Gedankenaustausch mit Ihrem Vorgänger Dr. Gusenbauer (zu irgendetwas muss er ja gut sein) ans Herz legen. Wie Sie wissen, berät er seit einem Jahr den kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew. Selbiger verfügt nicht nur über einen reichen Erfahrungsschatz (der weit in die kommunistische Zeit zurückreicht) hinsichtlich des richtigen Umgangs mit der Opposition und unbotmäßigen Vasallen, sondern hat sich auch vor Kurzem zum „Führer der Nation“ auf Lebenszeit ernennen lassen. Denken Sie ruhig „multikulti“, lernen Sie die politischen Vorteile der asiatischen Despotie kennen. Leider könnten bei der Übernahme Lizenzkosten anfallen, für die der 50:50-Schlüssel nicht gilt. Nach zwei sistierten Wahlen können Sie dann huldvoll an eine Verbreiterung Ihrer politischen Basis denken – Mr. Strache ist dann auch nicht mehr der Jüngste und sicher für eine Regierungskoalition reif. Ausgelastete Frau Rudas Zuletzt noch eine kleine Unannehmlichkeit. Bedauerlicherweise ist unsere letzte Honorarnote noch nicht beglichen – Frau Rudas war offensichtlich mit ORF-Personalien ausgelastet. Wir sind für alle Gestaltungsvorschläge offen – auch Inserateneinschaltungen, etwa des Bundeskanzleramtes, des Infrastrukturministeriums oder der Wiener Kommunalbetriebe in unserer Kundenpostille „All Your Money Can Buy“ sind durchaus willkommen. Yours sincerely, Doktor Spin (Redvally Consultation, A Special Branch of Greenberg Associates, Your Specialist for Abysmal Politics, Desolation Road, Down Under).

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Unterstützung der Tageszeitung „Die Presse“.

zur person
Dr. Peter A. Ulram ist Dozent für Politikwissenschaft an der Uni Wien sowie Bereichsleiter Politikforschung bei GfK Austria. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zur Wahlforschung und politischen Kultur im internationalen Vergleich. Arbeitet gerade an einem Buch über Politik und Psychologie der Wirtschaftskrise.

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Minenfeld Ostasien
Der Besuch des chinesischen Präsidenten Hu Jintao bei seinem US-Amtskollegen Obama ist nur die Spitze des Eisberges.

Nachrichtenkanäle wie CNN und EURONEWS wiesen auf eine Reihe von Problembereichen hin, nicht zuletzt die Spannungen um die Republik Taiwan und die Situation auf der koreanischen Halbinsel mit Nordkorea als Gefahrenherd. Dabei weisen betreffende Konflikte unabhängig von Einzelpersonen der heutigen politischen Szene auf ihre je eigene Geschichte zurück. Der Überfall des von Sowjetunion und dem inzwischen kommunistischen China unterstützten kommunistischen Nordkoreas auf das prowestliche Südkorea im Jahre 1950 wurde von den sonst meist nicht mit Entscheidungseffizenz glänzenden Vereinten Nationen mit der eindeutigen Verurteilung Nordkoreas beantwortet und dem Aufruf an die Mitgliedsstaaten, Südkorea als Opfer militärisch beizustehen. Zahlreiche der damaligen UN-Mitgliedsstaaten antworteten auf diesen Appell mit der Entsendung eige-

ner Kampf- bzw. Sanitätseinheiten. Unter maßgeblicher Beteiligung der USA und ihrer Streitkräfte gelang es, das angegriffene Südkorea vor der Vernichtung zu bewahren. Urheber des Koreakonflikts Dabei geht dieser Koreakonflikt – wie so vieles – auf die Politik der Hauptsiegermächte des II. Weltkrieges zurück. Hatten doch die Sowjetunion und die USA die Aufteilung Koreas vereinbart. Aus beiden Besatzungszonen entwickelten sich die kommunistische Volksrepublik Nordkorea und der südkoreanische Staat, beide mit dem Anspruch ganz Korea zu vertreten. Mit dem als Abschluss des Koreakrieges 1953 vereinbarten Waffenstillstandes wurde in etwa die (Besatzungs-)Grenze von 1945 wiederhergestellt, die Gesamtproblematik aber nicht gelöst. Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag für die koreanische Halbinsel. Das kom-

munistische Nordkorea schreckte nicht einmal vor Anschlägen auf die Zivilluftfahrt zurück, um Südkorea zu schädigen. Wie positiv sich dieses trotzdem entwickeln konnte, macht die Tatsache deutlich, dass Südkorea den jüngsten Gipfel der führenden Wirtschaftsmächte der Welt bei sich ausrichtete. Ban Ki-moon war bis zu seiner Wahl zum UN-Generalsekretär Außenminister Südkoreas. 1988 fanden in Südkorea glänzende Olympische Sommerspiele statt. In der kommunistischen Familiendiktatur Nordkoreas herrschen demgegenüber erschütternde Verhältnisse. Seit Jahren leidet die einfache Bevölkerung unter drastischer Lebensmittelknappheit. Jede Form politischer Opposition wird erbarmungslos verfolgt. Zugleich ist Religionsfreiheit in keiner Weise vorhanden. Vor allem werden Christen am stärksten verfolgt. Im Bericht für 2010 hielt Amnesty International

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(AI) fest: „Die Regierung verletzte systematisch die bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte von Millionen von Nordkoreanern. Nahezu das gesamte Land war von Nahrungsmittelknappheit betroffen“. Eigens wurden „willkürliche Inhaftierungen, Folter und andere Misshandlungen“ thematisiert. Menschenrechtsverletzer Nr. 1 Dinge die auch in anderen Staaten an der Tagesordnung sind: Nach Beurteilung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte/IGFM ist China „eine Welthandelsmacht und zugleich der Menschenrechtsverletzer Nr. 1“. Die IGFM hielt in einer Stellungnahme fest: „Ein Jahr vor Beginn der Olympischen Spiele ist China unangefochtener Weltmeister in Hinrichtungen, Folter, Überwachung seiner Bevölkerung, Unterdrückung der Meinungsfreiheit, Gehirnwäsche und vielen anderen Disziplinen der Unterdrükkung“. Mit seiner Kritik steht die IGFM nicht allein. Zu nennen sind hierzu etwa Amnesty International, die Gesellschaft für bedrohte Völker und Christian Solidarity International. Ein Blick auf den geschichtlichen Hintergrund kann die Problematik, Einzelkonflikte erhellen. Der letzte Kaiser Weite Teile des sog. heutigen Chinas gehörten über Jahrhunderte zum jeweiligen Tibetischen Großreich, Uiguren-Imperium und dann dem Reich der Kalmücken. Das eigentliche China wurde lange von nichtchinesischen Dynastien regiert. Die Mongolenherrschaft ist dank Marco Polos auch bei uns etwas in Erinnerung. Der Oscar-gekrönte Film „Der letzte Kaiser“ setzte ins Bild, dass die letzte Kaiserdynastie Chinas, ca. von der Mitte des 17. Jahrhunderts 1912, eine mandschurische Dynastie war. Deren Unbeliebtheit bei richtigen Chinesen ist Thema im Genre von Eastern Action-Filmen. Den Mandschu-Kaisern ist die Eroberung Taiwans wie anderer Gebiete zu „verdanken“, auf die die heutige Volksrepublik China Anspruch erhebt. War Taiwan von 1895 bis 1945 Teil des Kaiserreiches Japan, um dann erst den US-Amerikanern in die Hände zu fallen, so erhob sich 1948 die dortige Bevölkerung gegen die Herrschaft der bürgerlichen chinesischen Regierung Tschiang Kai-shek, dem die USA Taiwan überlassen hatte.

Kanonenboot am Yangste-Kiang Bemerkenswertes hatte sich inzwischen auch in der Mandschurei, dem Stammland der so lange über China herrschenden Mandschu-Kaiser ereignet. Der 1911 in Peking gestürzte letzte Mandschu-Kaiser PuYi konnte dort 1932 mit Hilfe Japans an die Spitze des für unabhängig erklärten Staates Manchukuo treten. Die Proklamation zum Kaiser von Manchukuo erfolgte 1934. Im Schatten des II. Weltkrieges und angetrieben durch die Sowjetunion erklärte 1944 die Volksrepublik Ostturkestan ihre Unabhängigkeit. Chinesische Gebietshoheit hatte in dem besonders von muslimischen Uiguren bewohnten Gebiet über weite Strecken eh nur noch auf dem Papier bestanden. Verfilmungen wie „Der bunte Schleier“ und „Kanonenboot am Yangste-Kiang“ weisen auf die komplizierten Verhältnisse der 20erund 30er-Jahre in China hin. Chinesischer Blitzkrieg Kam ab 1945 schrittweise das Gebiet Manchukuos mit Hilfe der Sowjetunion und der USA (wieder) zu China, so war Ostturkestan/Sinkijang 1949 fällig. Die sowjetische Führung unter Stalin lieferte ihre dortigen Genossen den im chinesischen Bürgerkrieg bereits erfolgreichen Rot-Chinesen unter Mao ans Messer. Als 1950 der chinesische Blitzkrieg zur Unterwerfung Tibets begann, wurde das tibetische Volk und der junge Dalai Lama in ihrem verzweifelten Abwehrkampf von der Weltgemeinschaft alleingelassen. Auch der spätere tibetische Volksaufstand konnte daran nichts ändern. Mancher mag an den Film „Sieben Jahre in Tibet“ mit Brad Pitt in der Hauptrolle denken. Demonstrationen zu verschiedenen Anlässen und Menschenrechtsorganisationen weisen immer wieder auf das Schicksal von Gebieten wie Tibet und Ostturkestan hin. In beiden Fällen gibt es eine

eigene Exilregierung. Die tibetische verdankt zwar erheblich dem Aushängeschild Dalai Lama ihre besondere weltweite Popularität, ist aber alles andere als ein Ein-Mann-Betrieb. Türkei kritisiert Völkermord In Hinblick auf Ostturkestan ist insbesondere der Weltkongress der Uiguren aktiv. Dieser vertritt als Mitgliedsorganisation u.a. in der „Unrepresented Nations and Peoples Organization“ (Organisation der nichtrepräsentierten Völker und Staaten) seine Volksgruppe. Ebenfalls in der UNPO sind die tibetische Exil-Regierung und die Republik Taiwan. Da sich die uigurische Bevölkerung meist zum Islam bekennt, verwundern Berichte über vielfältige Unterstützung aus der islamischen Welt keineswegs. Die türkische Regierung etwa warf China vor, Völkermord gegen die auch sprachlich-kulturell eng mit der Türkei verbundenen Uiguren zu betreiben. Die Bedeutung des Dalei Lama für den buddhistischen Kulturkreis und eine Pflege der Beziehungen in diese Richtung braucht nicht eigens betont werden. Taiwan und Vatikan Beachtlich auch, wie sehr das demokratische und religionsfreundliche Taiwan als eigener Staat der chinesischen Feindseligkeit trotzt. Chinas Drohungen und Provokationen sorgen immer wieder für ernste Besorgnis in der Weltöffentlichkeit. Demonstrativ pro-Taiwan sind Vatikan und Internationale Demokratische Union/IDU, mit der ÖVP als einer ihrer Gründerparteien. In diesen Kreisen gibt es große Sympathien gerade auch für Tibet. Es bleibt abzuwarten, ob es in Zukunft der Exil-Regierung für Manchkuo gelingt, stärkeres internationales Interesse für sich zu mobilisieren. Im Internet ist man schon.

zur person
Dr. MMMMag., cand. phil. fac. theol. Matthias Martin v/o Nepomuk (NKW, COT, TUT) ist Priester im Bistum St. Pölten, Verbindungsseelsorger der TUT und Autor dreier Bücher („Für Gott und gegen den Führer?“; „Der kath. Weg ins Reich“ und „Staat, Recht und Kirche“) sowie Autor zahlreicher Artikel in verschiedenen Medien.

Job-Wahl ist entscheidend für spätere Pension
Junge Menschen sollten sich bei ihrem Arbeitgeber über die betriebliche Vorsorgelösung erkundigen, empfiehlt Mag. Andreas Zakostelsky (NMG)
Müssen junge Menschen, die in den „Schlusslichter-Branchen“ arbeiten, besorgt in ihre Zukunft blicken? Zunächst empfehle ich, jenen Beruf zu wählen, für den man sich geboren fühlt. Niemand soll seine Berufsentscheidung bloß aufgrund späterer Pensionserwartungen treffen. Ich rechne damit, dass jene Branchen, die zurzeit noch Schlusslichter in der betrieblichen Vorsorge sind, in den kommenden Jahren enorm aufholen. Hat man als junger Arbeitnehmer überhaupt Einfluss darauf, ob der Chef sich für eine betriebliche Vorsorgelösung entscheidet und wie viel er dabei tatsächlich für seine Mitarbeiter einbezahlt? Ich rate allen jungen Menschen, eine anerkannte Berufsausbildung abzuschließen. Dazu gehört auch „lebenslanges Lernen“ (scientia!) – heute mehr denn je. Durch die demografischen Entwicklungen entstehen für die heutige Generation auch viele Chancen. Die Überalterung der Gesellschaft wird zu einem Mangel an hochqualifizierten Facharbeitern führen. Das „Highly Qualified Personnel“ ist dann in der beneidenswerten Lage, zwischen mehreren Arbeitgebern wählen zu können. Dabei empfehle ich dringend, nicht nur nach dem Gehalt zu fragen, sondern sich auch nach dem Niveau der betrieblichen Vorsorge zu erkundigen. „Zahlen Sie auch für meine Betriebspension ein?“ – ist eine häufig gestellte Frage von jungen Arbeitskräften an den Arbeitgeber. Jene Chefs, die sich aktiv um die Vorsorge ihrer Mitarbeiter kümmern, haben sehr gute Chancen, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden und sie langfristig zu behalten. Das gilt in allen Berufsbranchen. www.valida.at

Mag. Andreas Zakostelsky, Vorsitzender der Vorstandes der Valida Vorsorge Management

Welchen Job sollte ein junger Mensch wählen, um später in den Genuss einer möglichst hohen Betriebspension zu kommen? Vielen jungen Menschen ist nicht bewusst, dass sie bei der Wahl der Branche und des Arbeitgebers unter anderem auch bereits über die Höhe ihres Einkommens in der Pension entscheiden. Die Häufigkeit von betrieblichen Vorsorgelösungen ist derzeit

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in einzelnen Branchen unterschiedlich stark ausgeprägt, wie eine Studie des WIFO beweist. Nahezu jeder Arbeitnehmer im Unterrichtswesen kann sich darauf verlassen, dass er im Ruhestand neben seiner staatlichen Pension auch Leistungen aus einer Pensionskasse bekommen wird. In der Baubranche sind es hingegen nur 8 Prozent. Die Schlusslichter sind Hotellerie und das Gastgewerbe mit gerade einmal 4 Prozent.

Foto: Franz Helmreich

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23 Milliarden durch Privatisierungen
Der Staat ist kein guter Unternehmer – Das hat sich in der Vergangenheit oft bewahrheitet.
Ein Staat hat viele Aufgaben, unter anderem auch als Arbeitgeber. Allerdings sollte diese Aufgabe vor allem durch die Verpflichtung zur öffentlichen Verwaltung wahrgenommen werden und nicht in Form unternehmerischer Tätigkeit. Die Weisheit, dass der Staat kein guter Unternehmer ist, hat sich nämlich in der Vergangenheit oft bewahrheitet: Der Widerspruch zwischen politischen Interessen und betriebswirtschaftlich effizientem Management ist im Regelfall nicht lösbar und geht schlussendlich zu Lasten der Effizienz der Unternehmen. Dazu bekommen die Investoren – also die Österreicherinnen und Österreicher – kaum die Rendite zu spüren und erhalten selten eine Rechtfertigung bei Verlusten, die dann auch noch vom Steuerzahler abgedeckt werden müssen. Zusätzlich zeigen die Erfahrungen, dass der Einstieg privater Investoren immer einen Schub an zusätzlichem Know-how und Technologie bringt. Brisante Studie Anfang Februar 2011 wurde vom Economica Institut eine Studie präsentiert, die das Privatisierungspotential in Österreich aufzeigt. Dem Vorschlag von Economica nach eignen sich vor allem staatliche Beteiligungen an Infrastrukturunternehmen und Energieversorgern für Privatisierungen. Diese sollten allerdings nicht vollständig veräußert werden, sondern auf eine Kernaktionärsfunktion der Republik mit Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) zurückgefahren werden. Dadurch wird Stabilität in der österreichischen Eigentümerstruktur des Unternehmens garantiert: Für einen externen Investor würde eine vollständige Übernahme – und eine damit eventuell verbundene Verlegung des Unternehmens ins Ausland oder eine Zerschlagung – uninteressant werden, denn ein Kernaktionär mit einem Viertel der Anteile kann nahezu jede grundlegende Veränderung der Ausrichtung des Unternehmens verhindern. Jährliche Zinsersparnis von einer Milliarde Euro! Das in der Studie errechnete Privatisierungspotenzial von bis zu 23 Milliarden Euro soll über Teilverkäufe von öffentlichen Beteiligungen an Energieversorgern, an der Bundesimmobiliengesellschaft sowie an Regionalflughäfen verwirklicht werden (siehe Tabelle). Nicht im Economica Vorschlag enthalten sind die Sparpaketen und Steuererhöhungen fraglich erscheinen. Die dadurch freiwerdenden Mittel könnten für Pflege- und Pensionsvorsorge, für das Gesundheitssystem oder für die Finanzierung der Universitäten nachhaltig verwendet werden. Starker Kapitalmarkt schafft Arbeitsplätze Eine Privatisierung über die Wiener Börse ist nicht nur die transparenteste Form einer Entstaatlichung, sondern bedeutet auch eine Stärkung des österreichischen Kapitalmarktes. Ein starker und liquider Kapitalmarkt treibt das Wirtschaftswachstum an, schafft Arbeitsplätze und ist damit für die heimische Volkswirtschaft außerordentlich wichtig. Diese Wechselwirkung ist wenig überraschend, da Börsen eine wichtige Funktion in der Unternehmensfinanzierung haben und für die Eigenkapitalaufbringung eine wesentliche Rolle spielen. Finanzierungsvolumina für neue Investitionen sind für Fremdkapitalmärkte, auf denen Kredite vergeben werden, aufgrund der Höhe der erforderlichen Summen oft zu risikoreich. Ein funktionierender Markt für Eigenkapitalfinanzierung ist daher unerlässlich. Die Regierung täte also gut daran, Privatisierungen wieder aufzunehmen und den volkswirtschaftlichen wie auch den politischen Nutzen daraus zu ziehen.

Ein starker Kapitalmarkt schafft Arbeitsplätze.


in diesem Zusammenhang oft genannten ÖBB-Tochterunternehmen (zum Beispiel die Rail Cargo) oder der Autobahnbetreiber Asfinag, da diese Betriebe aufgrund zu hoher Schulden und zu geringer Rentabilität derzeit nicht als privatisierbar eingestuft werden. Allein die Privatisierungen von bis zu 75 Prozent der genannten Unternehmen könnten durch den Gesamterlös von knapp 23 Milliarden Euro bereits eine jährliche Zinsersparnis für den Staat von bis zu einer Milliarde Euro bringen. Dies ließe jedenfalls die Notwendigkeit von

zur person
Kbr. Dr. Bernhard Marckhgott (A-D, Kb) ist seit 2005 Leiter der Abteilung Public Affairs der Wiener Börse AG. Er war Büroleiter von MEP Mag. Othmar Karas (OLS), couleurstudentisch als EKV-Präsident aktiv und u.a. im KVHV (Brüssel) sowie bei den Kurien-Verbindungen Robert Schuman Argentorata Strasbourg und Merkenstein Wien im EKV.

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Wer kein Ziel hat, verläuft sich
Wer im Leben kein Ziel hat, verläuft sich. Das gilt auch für den MKV.
Deshalb hat sich die Verbandsführung klare Ziele gesetzt, versucht sie konsequent umzusetzen und sich dabei an unseren vier Prinzipien zu orientieren. Am letzten Pennälertag in Waidhofen haben wir ein Schulpolitisches Positionspapier „Das 30 Punkte-Schulprogramm des MKV“ beschlossen, dabei klare Eckpfeiler für die Weiterentwicklung unseres Schul- und Bildungssystems eingeschlagen und uns als Impulsgeber für die derzeitige schulpolitische Debatte erwiesen. Bildung ist nicht ohne Anstrengung zu erreichen! Zu unserem Prinzip „scientia“ haben wir auch zwei Enqueten veranstaltet, „Gymnasium für alle?“ (Oktober 2010) und „Die Zukunft der Höheren Schule“ (März 2011). Einen weiteren schulpolitischen Schwerpunkt werden wird mit unserer nächsten Veranstaltung „Die Zukunft der Schule – Wege zur Bildungsrepublik Österreich“ (12.4.2011) setzen. Die Schul- und Bildungspolitik bleibt auch in Zukunft ein ganz wesentliches Anliegen bei der Umsetzung unseres Prinzips „scientia“. Angesichts der Tatsache, dass die Einheits- und Gesamtschulen im internationalen Vergleich keines ihrer Versprechen eingelöst haben, wird sich der MKV weiterhin gegen eine Nivellierung des Bildungssystems nach unten wenden. Bildung ist nicht ohne Anstrengung zu erreichen und bestmögliche Bildung und Ausbildung muss vor allem auf die Förderung individueller Begabungen und Talente gerichtet sein. Das Prinzip „patria“ und die Wehrpflicht Am Pennälertag 2011 wird auch ein Positionspapier zur Umsetzung des Prinzips „patria“ vorgelegt, das auch die für uns wichtigen Fragen der Wehrpflicht und des Zivildienstes umfassen wird. Auch zu diesem Schwerpunkt haben wir bereits eine spannende Enquete „Brauchen wir noch eine Landesverteidigung – und welche?“ (November 2010) durchgeführt. Für uns gibt es derzeit auch keinen Grund, von der im MKV-Grundsatzprogramm vorgesehenen Unterstützung der allgemeinen für uns aber auch kein politisches Dogma oder ein ideologisches Prinzip. Eine Änderung des Wehrsystems hängt von der Entwicklung unseres geopolitischen Umfeldes und von der weiteren Eingliederung Österreichs in ein europäisches Sicherheitssystem ab. Vor allem muss aber zuerst die Frage eines funktionsfähigen Zivildienstes geklärt sein, bevor das Wehrsystem geändert wird. Im Fall einer Abschaffung der Wehrpflicht fordert der MKV – im Sinne unseres Prinzips „patria“ – eine umfassende Diskussion über die Einführung eines verpflichtenden allgemeinen Sozialdienstes für Männer und Frauen. Solidarität mit verfolgten Christen Zu unserer inhaltlichen Arbeit gehört auch die Auseinandersetzung mit der weiteren geistesgeschichtlichen Entwicklung Europas und des Islam. Der MKV hat sich deshalb bereits im April 2010 in einer hochkarätigen Podiumsdiskussion mit der „Zukunft Europas – Das Christliche Abendland zwischen Säkularisierung und Islamisierung“ beschäftigt. Auch diese Arbeit wird in einem Neuentwurf des Europakapitels unseres bisherigen Grundsatzprogrammes ihren Niederschlag finden. Am 8. April wird sich der MKV auch heuer wieder am „Schweigemarsch gegen die Christenverfolgung“ beteiligen. In vielen Ländern werden Christen als Menschen zweiter Klasse betrachtet, bedroht, ihrer Freiheit beraubt und sogar ermordet. Der MKV wird deshalb auch in Zukunft ein Zeichen für unsere verfolgten Glaubensgeschwister setzen. Wir ersuchen alle Kartellbrüder und Farbengeschwister dabei zu sein! Das öffentliche Eintreten für unser Prizip „religio“ und für das unveräußerliche Menschenrecht der freien Religionsausübung muss für alle Farbstudenten und jeden MKVer ein grundlegendes Anliegen sein.
MAG. HELMUT KUKACKA V/O ORPHEUS (TGW) KARTELLVORSITZENDER


Eine umfassende Bundesheer-Reform ist dringend notwendig.


Wehrpflicht abzugehen. Sie ist aus gutem Grund in der Bundesverfassung wie auch im derzeitigen Regierungsprogramm verankert (Verteidigungsminister Darabos noch am 3.7.2010 in der Tiroler Tageszeitung: „Die allgemeine Wehrpflicht ist für mich in Stein gemeißelt“). Selbst Bundespräsident Fischer hat – gegen seine SPÖ – deutliche Worte für die Erhaltung der Wehrpflicht gefunden. Selbstverständlich ist eine umfassende Reform des Bundesheeres notwendig. Wer diese in Abrede stellt, schadet dem Anliegen der umfassenden Landesverteidigung ganz massiv. Das Wehrsystem ist

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LESERBRIEFE
VfM-Artikel in Couleur 04/10 Sehr geehrte Redaktion! Vorerst beglückwünsche ich Euch zur gut gelungenen Ausgabe 04/10 des „Couleur“. Zum VfM-Artikel habe ich folgende Bemerkungen: Lieber „Verband farbentragender Mädchen“, bitte bleibt aufrecht, kämpferisch und standhaft in Zusammenhang mit eueren/unseren Prinzipien! Nur vermischt freundlicherweise nicht kritische Haltungen gegenüber „couleurstudentischen Verbindungen mit weiblichem Zugang“ sowie „fehlende Akzeptanz“ im Allgemeinen. Das erste ist historisch nicht zu begründen und demzufolge heutzutage etwas seltsam anmutend und nicht wirklich konstruktiv, das zweite ist schlicht engstirnig, unangebracht und abzulehnen. Volle Unterstützung einer „weiblichen Initiative“, wo unsere Grundsätze genauso hochgehalten und gelebt werden – aber bitte in einer zeitgemäßen Form. Wir leben inzwischen im 21. Jahrhundert, wo doch jeder durch Unverwechselbarkeit zu überzeugen sucht! Dipl.Ing. Thomas ECKER (BDB) Ad Couleur 04/10 Gratuliere zu einer interessanten Ausgabe! Prof. Dr. Herbert Kaspar (Am) ACADEMIA - Herausgeber Ad Interview mit Kbr. Dr Raidl Ich bin Familienvater von 4 Kindern, davon 3 in Ausbildung und halte es für eine Unverfrorenheit sondergleichen einen Multi Abcasher wie Hrn Raidl zu Wort kommen zu

lassen. Wenn er glaubt, dass die Proteste vor allem des katholischen Familienverbandes maßlos übertrieben sind, hat er keine Ahnung wie es einem einfachen Familienvater geht. Familie Rastl 8990 Bad Aussee MKV Enquete Landesverteidigung Im Couleur 04/10 wird über die MKV-Enquete „Brauchen wir noch eine Landesverteidigung - und welche?“ berichtet. Längere Zeit schon wollte ich mich zum Vorgang melden und empfehlen, es nicht mit dieser Enquete genug sein zu lassen. Dazu war das Ergebnis für die Nichtteilnehmenden vielleicht doch nicht ausreichend. So dachte ich mir, ich stelle einen in der „Kleinen Zeitung“ erschienenen Debattenbeitrag zur Verfügung, in der Hoffnung, dass er im Wege eines Leserbriefes in unserer Verbandszeitschrift weitere Verbreitung und damit Anstoß zur Fortführung der Diskussion geben kann: „Anmerkungen zur Wehrpflichdebatte“ Ein Hauptvorwurf, der im Zusammenhang mit der Debatte um eine Reform des Bundesheeres erhoben werden kann, gilt dem Argumentieren mit der Abschaffung der Wehrpflicht als Voraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft unseres Heeres. Die Zweifel daran, dass plötzlich alles besser wird, um ein „ganz anderes“ Bundesheer leistungsfähig aufzubauen, halten viele, darunter auch ich, für mehr als berechtigt. Dazu muss immer wieder betont werden, dass das Bundesheer mit seiner Mi-

schung aus Berufssoldaten, Längerdienenden, Rekruten und Milizsoldaten (auch Reservisten), unterstützt durch die Angehörigen der Heeresverwaltung, bisher jeden einzelnen Einsatzauftrag erfüllt hat. Auch das spricht für die Beibehaltung von Wehrpflicht und Milizsystem; und auch deswegen, weil es das verfassungsmäßig Gebotene ist (und daher auch nur mit Zweidrittelmehrheit im Parlament änderbar!). Die neue Sicherheitsdoktrin wird hoffentlich nicht dazu herhalten müssen, um einen Zusammenhang zwischen Erfüllbarkeit (angeblich) neuer Aufgaben und Abschaffung der Wehrpflicht als unvermeidbar darzustellen. Wird ernsthaft dargelegt und anhand von zumutbaren Alternativen einsichtig gemacht werden, ob eine echte Balance zwischen Inlands - und Auslandsaufgaben angesichts einer neuen Sicht von „Heimatschutz“ in einer Heeresstruktur nach „BH 2010“ überhaupt beabsichtigt ist? Es darf nicht zu einem „Todesstoß für das Bundesheer“ kommen, wie Claus REITAN unlängst einen Beitrag in der „Furche“ übertitelte. Seine Frage nach „dem Staats u. Gesellschaftsverständnis Österreichs“ ist daher nur zu berechtigt. Kann eine Antwort nach dem derzeit erkennbaren politischen Fahrplan überhaupt erwartet werden? Oder wird sie das Wahlvolk sich selber spätestens dann geben müssen, wenn es „befragt“ wird? Aus heutiger Sicht halte ich ein Nein zur automatischen Abschaffung der Wehrpflicht beim Angehen einer Heeresreform angebracht. Gen iR Karl Majcen (KRW)

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Perspektivengruppe:
Seit einem Jahr ist die Perspektivengruppe aktiv, die den MKV auf seinem Weg unterstützt, die attraktivste Jugendorganisation zu werden. Zeit also, eine Zwischenbilanz zu ziehen.
Diskussion mit den Verbänden und Verbindungen In den letzten Monaten wurden mit allen Landesverbänden und einzelnen Verbindungen Seminare abgehalten. Dabei wurden bis jetzt insgesamt etwa 150 Mitglieder, vor allem Funktionäre, angesprochen und motiviert, die spezifischen Problemstellungen und vor allem die Lösungsansätze für die positive Weiterentwicklung in Angriff zu nehmen. Die Kernthemen sind Keilung, die öffentliche Wahrnehmung, die verbesserte Realisierung des Prinzips Religio und die Rolle und die verbesserte Präsenz der Alten Herren. Auch für die Verbindungen, die das wünschen, wird es im Sommersemester derartige Seminare geben (Anfragen an das LFI Leopold-FiglInstitut). Im Frühjahr 2011 endet die Analysephase, in der sich die Gruppe mit folgenden Analysefeldern befasst hat: gesellschaftliches Umfeld, Jugendkultur und Jugendverhalten, Mitgliederstatistik und vor allem die Meinungen und Haltungen der Mitglieder. Die erfolgreiche Umfrage vom Sommer 2010, an der sich mit rund 2.700 Antworten etwa 18 Prozent des Mitgliederstandes beteiligt haben, gibt ein hervorragendes Bild des Zustandes und der Positionierung des Verbandes und der Zukunftsaufgaben – darüber wurde ja im „Couleur“ bereits berichtet. Es wird also eine Reihe von Aktivitäten ausgelöst, die die Perspektivengruppe gerne unterstützen wird und die auf allen Ebenen beitragen werden, das gesteckte Ziel zu erreichen, dem MKV eine glanzvolle Zukunft zu bescheren.

Erfolgsbeispiele

(‘Best Practices’) gesucht!

Die Perspektivengruppe wird bis zum Pennälertag 2012 Konzepte und Materialien erarbeiten und als „Masterplan MKV 2015“ vorlegen, die den Akteuren auf allen Ebenen das Leben erleichtern sollen und den MKV weit attraktiver machen sollen. Wir suchen daher dringend sogenannte ‘Best Practices’: Erfolgsbeispiele für die erfolgreiche Bewältigung typischer Aufgabenstellungen. Wir wollen aus positiven Erfahrungen lernen, diese verdichten und allen zur Verfügung stellen. Wir ersuchen alle Verbindungen und die Landesverbände positive Erfahrungen und Beispiele für Keilung (Konzepte, Veranstaltungen, Dokumente), für die Realisierung großer Stiftungsfeste, für die Öffentlichkeitsarbeit (Medienarbeit und öffentliches Auftreten) und für Programme und Betrieb (sowohl Inhalt und grafische Gestaltung, auch Chargenbehelfe etc.) der Perspektivengruppe zur Verfügung zu stellen. Lernen kann man nur von guten Beispielen und die permanente Neuerfindung des Rades wollen wir vermeiden. Selbstverständlich werden alle Quellen korrekt dokumentiert. Wir bitten, alle verfügbaren Unterlagen in Papier oder elektronischer Form möglichst bald an den Leiter der Perspektivengruppe zu übermitteln: E-Mail: ppg.mkv2015@chello.at • Post: Dipl.-Ing. Michael Sprinzl • Weyringergasse 11 / 26 • A-1040 Wien

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ad fundum

1 Jahr Arbeit für den MKV
„Couleurstudententum soll zukunftsfähig werden“
Wie wird man Leiter der Perspektivengruppe und was macht man da? Meine Verbindung Ostaricia Wien hat 2008 eine interne Perspektivengruppe eingesetzt, um nach dem großartigen 100. Stiftungsfest dafür zu sorgen, dass wir auch einmal ein 200. Stiftungsfest feiern können. Über diesen erfolgreichen Prozess habe ich dem h. KVors. Orpheus, anlässlich seines Besuchs bei OCW, erzählt – und schwupps, bald danach war ich „verhaftet“ und wurde um die Leitung der PPG ersucht. Meine Aufgaben sind das Uns motiviert, dass wir gerade die Grundlage für das Handeln von Menschen schaffen, die heute vielleicht noch gar nicht unserem Bund angehören, die aber berufen sind, seine Zukunft zu gestalten. Wie die zwei Alten aus der Muppets-Show dazusitzen und herumzumäkeln, was man besser machen könnte, ist kein Weg der Zukunftssicherung. Das Couleurstudententum kommt mit vielen Eigenschaften und Strukturen aus dem 19. Jahrhundert und muss befähigt werden, auch das 21. Jahrhundert zu bewältigen! – Ich vergleiche das gerne mit der Dampflok: seinerzeit unentbehrlich und Grundlage einer großartigen Entwicklung, heute ist sie höchstens noch eine museale Attraktion. Gefahren wird aber heute mit Strom und kommuniziert wird elektronisch. Wann ist mit den Ergebnissen zu rechnen und was wird der einzelne MKVer davon spüren? Wichtige Ergebnisse haben wir bereits erzielt: Die erstmalige Befragung aller Mitglieder hat ein sehr gutes Bild des Verbandes und der Verbindungen erbracht. Wir wissen über Stärken und Schwächen, unsere Chancen und Schwierigkeiten hervorragend Bescheid und können davon eine Menge weiterer Aktivitäten und Ansätze zur Problemlösung ableiten. Allein die Tatsache, dass wir mittlerweile in unseren Seminaren rund 150 Mitglieder, hauptsächlich Funktionäre und Aktivisten direkt ansprechen und motivieren konnten, ist ein großer Erfolg. Die Analyse-Ergebnisse werden wir am Pennälertag 2011 präsentieren. 2012 werden wir dann die Erfolgsgrundlagen für die Zukunft im „Masterplan MKV 2015“ vorstellen. Damit sollen den Verbindungen, den Landesverbänden, den Funktionären und jedem MKVer die notwendigen Handreichungen und Instrumente zur Verfügung stehen, dem MKV auf allen Ebenen eine erfolgreiche Zukunft zu sichern.

zur person
Dipl.-Ing. Michael Sprinzl v/o Zarathustra (OCW), seit 1970 MKVer; mehrfach Senior, 7 Jahre Phx, selbständiger Unternehmensberater für Public Affairs und Interessenvertretung. Lektor an der Uni Wien und an der FH des bfi Wien.

2012 werden wir die Erfolgsgrundlagen für die Zukunft im „Masterplan MKV 2015“ vorstellen.
Management des gesamten Projektes und die Leitung der Prozesse in laufender Abstimmung mit der Kartellführung und im Besonderem mit dem Kartellvorsitzenden. Du bist ja ein erfahrener Couleurstudent, was treibt Dich an, eine so komplexe Aufgabe anzugehen? Ist das nicht ziemlich aufwendig und anstrengend? Ja, es kostet Zeit und auch Hirnschmalz, aber es ist eine spannende Aufgabe für jemanden, der sich beruflich mit ähnlichen Projekten auseinandersetzt und der auch einmal ein Post Graduate Studium über Verbandsmanagement absolviert hat. Ich habe zwar fast die Hälfte meines Couleurlebens in Funktionen und Chargen verbracht, mich aber nie im Verband engagiert – so war es eine besondere Herausforderung und Motivation auch einmal etwas für die Gemeinschaft zu tun, ohne in „Verbandsmeierei“ zu verfallen. Aufgaben wie diese setzen geradezu voraus, über intime Kenntnisse zu verfügen ohne der Gefahr der Betriebsblindheit zu unterliegen.

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„Österreich da
nehmer-Länder. Natürlich können Tests immer noch verbessert werden – und das geschieht ja auch. Vor einem „Hintrainieren“ der Schülerinnen auf Tests braucht sich gerade Österreich nicht zu fürchten. Im Vergleich zu den meisten anderen Ländern gibt es bei uns immer noch keine „nationalen“ PISA-Tests. Sie werden allerdings sehr bald kommen, vermutlich dreimal im Verlauf der Schulzeit. Ebenso im Volksbegehren verankert ist „die Trennung der Kinder nach ihren Interessen und Begabungen erstmals am Ende der Schulpflicht“. Dies birgt wohl traditionell einen der größten großkoalitionären Konfliktpunkte. Ich vermute, dass Sie mit der konkreten Formulierung versuchen die Debatte auf ein sachliches Niveau zu heben …

Ex-Vizekanzler Hannes Androsch will mit seinem Bildungsvolksbegehren ein Zeichen für mehr Reformen setzen. Im Couleur-Interview spricht er über seine Beweggründe.
INTERVIEW: MAG. AXEL SONNTAG V/O GALILEO (MDK)*

Vor Kurzem haben Sie das Volksbegehren Bildungsinitiative mit dem auffordernden Titel „Österreich darf nicht sitzen bleiben“ initiiert und damit innenpolitisch viel Aufmerksamkeit erhalten. Was hat Sie dazu veranlasst? Die wachsende Bildungsarmut in unserem Land. Wenn jährlich 9.000 Schülerinnen ohne Abschluss die Schulen verlassen und sich weitere 15 % mit dem bloßen Pflichtschulabschluss begnügen, dann werden das zunächst einmal teure und traurige Fälle für die Sozialhilfe. Auf der anderen Seite fehlen uns qualifizierte Kräfte. Dazu kommt noch, dass 21% der 15-Jährigen nicht sinnerfassend lesen können und auch in Deutsch und Mathematik schwach sind. Das ist kein Ruhmesblatt für unser Bildungssystem. Da

muss dringend etwas geschehen. Dasselbe gilt für unsere Universitäten. Hier kommen jährlich rund 50.000 neue Studierende, aber nur 24.000 verlassen die Unis mit einem Abschluss. In manchen Massenfächern werden bis zu 80 % der Inskribierten im ersten Jahr wieder hinausgeprüft. Das sind alarmierende Zustände. Wird in Österreich vom Thema Bildung gesprochen, ist der Begriff PISA-Test nicht weit. Was halten Sie persönlich von derartigen Ratings und dem bereits aufkommenden „Hintrainieren“ der Schüler/-innen auf zukünftige PISA-Tests? Kein Staat weiß, wie leistungsfähig sein Bildungssystem ist, wenn er keine Vergleiche hat. Sie sind daher unentbehrlich. So empfinden das auch die 36 bis 41 Teil-

Sie haben recht, es geht uns um eine Versachlichung der Debatte. Dazu einige Fakten: Nur mehr in Österreich und Deutschland werden Schülerinnen bereits mit 10 Jahren getrennt. Sonst macht das kein Land mehr. Wie aus einer jüngsten Studie hervorgeht, führt diese Trennung dazu, dass Österreich einen Spitzenplatz bei der sozialen Diskriminierung im Bildungsbereich einnimmt und uns daher jährlich tausende von begabten Kindern aus bildungsfernen Schichten für eine höhere Qualifikation verloren gehen. An diesem dramatischen Verlust kann keine politische Partei in Zukunft mehr vorbeigehen. Weiters verbinden Sie die Kritik an der – im OECD-Vergleich – in Österreich unterdurchschnittlichen Akademiker/innen-Quote mit der Forderung, diese auf 40 % zu erhöhen. Wie stehen Sie aber zu dem Phänomen, dass früher viele Vorstände „nur“ Matura hatten und damit äußerst erfolgreich waren? Die Zeiten ändern sich. Früher hat es auch keine so komplexen Probleme gegeben wie heute, keine so engen internationalen Verflechtungen wie jetzt im Zuge der Glo-

*Mag. Axel Sonntag v/o Galileo (MDK) ist Dissertant und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Department für Volkswirtschaft der Wirtschaftsuniversität Wien.

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arf nicht sitzen bleiben“

balisierung. Zu deren Bewältigung bedarf es weltweit besserer Qualifikationen auf allen Ebenen. Daher wird immer mehr nicht nur das Schicksal der einzelnen Menschen von ihrer Bildung und KreatiBildungsniveau, steigen die Sozialkosten und es reduziert sich die wirtschaftliche Leistungskraft. Um das zu ändern, richtet sich das Volksbegehren nicht gegen die Regierung, sondern will als überparteiliche Initiative die beiden zuständigen Ministerinnen bei ihren Bemühungen unterstützen, die Verkrustungen aufzubrechen. Sie werden am 18. April bereits ihren 73. Geburtstag feiern und scheinen noch nicht daran zu denken „in Pension“ zu gehen. Hätten Sie für die ÖBB gearbeitete, wären Sie im Durchschnitt schon seit fast 24 Jahren im (Vor-)Ruhestand. Woher nehmen Sie die Energie, sich bis heute derart aktiv einzubringen? Ich schätze dieses Land und kenne es aufgrund meines Alters schon sehr lange. Daher weiß ich auch aus eigener Erfahrung, was früher war und in welche Richtung wir uns heute bewegen. Die rasante Talfahrt unserer Bildungsentwicklung ist für mich – und nicht nur für mich allein - im höchsten Maße alarmierend. Daher möchte ich sie mit aller

Bis 1. Juli, 8.032 Unterschriften notwendig.
Unterstützt wird Androschs Initiative derzeit von knapp 20 Organisationen. Ablehnung kommt von Wissenschaftsministerin Ksw. Dr. Beatrix Karl (VCS), die das Volksbegehren mangels Forderung als zu wenig mutig kritisiert. Unterstützungserklärungen liegen in allen Gemeindeämtern und Magistratischen Bezirksämtern noch bis 1. Juli auf. Das eigentliche Volksbegehren soll im September stattfinden.

Mir geht es um eine Versachlichung der Debatte.


vität abhängen, sondern auch das ganzer Staaten und Regionen. Freilich müssen auch wir uns in Österreich daran gewöhnen, dass z.B. ein Bachelor-Degree „nur“ eine bessere Qualifikation bedeutet und nicht etwa den Eintritt in einen „höheren Stand“, also den der Akademiker. Dieses altertümliche Standesdenken ist heute weltweit passé. Dem Vernehmen nach sind derzeit Volksbegehren zu weiteren Politikfeldern (etwa von Kbr. Claus Raidl zum Thema Föderalismus) in Planung. Ist die österreichische Bundesregierung alleine nicht dazu in der Lage, maßgeblich den Ton anzugeben? Nicht nur PISA, auch andere internationale Studien dokumentieren, dass wir mit unserem Bildungsstandard im Ländervergleich weit ins Hintertreffen geraten sind. Längst hätten bei allen Verantwortlichen die Alarmsirenen anschlagen müssen. Österreich befindet sich bezüglich seiner Bildungsergebnisse im freien Fall. Jährlich bleiben 9.000 Schüler ohne Abschluss. 25 % der 15-Jährigen können nicht sinnerfassend lesen, ein etwa gleich großer Prozentsatz kann nicht ordentlich rechnen. 30 % unserer Kinder sind laut PISA Problemschüler. D.h. sie haben keine vertretbaren Erfolge beim Lesen, in Mathematik und Naturwissenschaften. In Finnland sind das nur 5%. Die Folgen sind katastrophal. Wer keinen Schulabschluss erreicht, findet schwer Arbeit. Sinkt das

Das Bildungsvolksbegehren im O-Ton: Wir fordern mittels bundes(verfassungs)gesetzlicher Regelung ein faires, effizientes und weltoffenes Bildungssystem, das vom Kleinkind an alle Begabungen fördert und Schwächen ausgleicht, autonome Schulen unter Einbeziehung der SchulpartnerInnen und ohne Parteieneinfluss, eine leistungsdifferenzierte, hochwertige gemeinsame Schule bis zum Ende der Schulpflicht und ein Angebot von ganztägigen Bildungseinrichtungen, eine Aufwertung des LehrerInnenberufs und die stetige Erhöhung der staatlichen Finanzierung für Universitäten auf 2% des BIP bis 2020.


Die überparteiliche Initiative will die beiden zuständigen Ministerinnen unterstützen.


Kraft und allen zur Verfügung stehenden Mitteln aufhalten und umkehren. Das ist der einfache Grund meines Engagements in dieser Sache. Ich bin in meinem Selbstverständnis ein Citoyen und sehr froh darüber, gesund zu sein und mein Selbstverständnis auch aktiv umsetzen zu können, wie jetzt beim Bildungsvolksbegehren.

zur person
Dr. Hannes Androsch (* 18. April 1938 in Wien) ist Unternehmer, ehemaliger SP-Politiker und Steuerberater. Er war unter anderem CA-Generaldirektor, Finanzminister, Vizekanzler, Konsulent für die Weltbank und Regierungskommissär für die österreichische Beteiligung an der Expo 2010 in Shanghai.

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Die knallroten Fäden in An
Das, was Hannes Androsch nun als Text seines „Volks“-Begehrens präsentiert hat, ist noch schlimmer als erwartet: Es ist ein reines Partei-Begehren geworden. – Eine Bilanz von Andreas Unterberger.
Dieses sogenannte „Volks“-Begehren ist eines für den ganz linken Schmied-Flügel: Denn darin findet sich nicht einmal eine Andeutung der mutigen und klugen Ansätze, die einige SPÖ-Landeshauptleute vorgeschlagen haben. Das wird natürlich die von unseren Zwangsbeiträgen und korruptionär verschobenen Steuergeldern lebenden SPÖ-Medien nicht hindern, wie verrückt die Trommel dafür zu schlagen. Wie immer, wenn die Partei pfeift, marschiert das Zentralorgan ORF an der Spitze. Der ORF hat ja schon, bevor die Malaise schriftlich vorgelegen ist, für Androsch mehr Propaganda gemacht als jemals bisher für ein anderes Volksbegehren während dessen gesamter Laufzeit. Öffentlichrechtlich ist halt wie im Ostblock immer das, was der Partei nutzt. Genauso laut werden aber zweifellos auch alle FreimaurerFreunde Androsch Beifall klatschen. Aber gehen wir in die Details seines Papiers. Der dickste Rote Faden, der es von Anfang bis Ende durchzieht, ist die Forderung nach unglaublich viel mehr Geld für zahllose Dinge. Damit will man offenbar in bekannter sozialistischer Manier viele Gruppen bestechen, dem Papier zuzustimmen. Dabei würde eine Erfüllung all seiner Forderungen Österreich noch teurer kommen als das gesamte ÖBB-Defizit. Daher würde auch eine rein rot-grüne Regierung nicht einmal einen Bruchteil davon verwirklichen können. Denn dann würde längst niemand mehr Österreich Geld borgen. Sinnlose Geldverschwendung Was Androsch natürlich verschweigt: Im internationalen Vergleich gibt Österreich ja durchaus respektable Summen für das Bildungssystem aus. Interessant und mutig wäre es etwa aufzuzeigen, wo das Geld sinnlos und verschwenderisch ausgegeben wird (etwa im Wiener Schulsystem, wo nur die Hälfte der Lehrer auch wirklich in Klassen steht). Daher kommen solche Hinweise natürlich bei Androsch nicht vor. Die Forderung nach noch mehr Geld ist aber auch für jenen Ex-Finanzminister mehr als kühn, unter dem einst – nach den stabilen 50er- und 60er-Jahren – die Spirale der ständig steigenden Staatsverschuldung mit voller Kraft eingesetzt hatte. Diese nimmt heute Österreich jeden finanziellen Bewegungsspielraum. Der Kern des Androsch-Konzepts: Der blöde Mittelstand soll noch mehr zugunsten der linken Träume bluten – sowie alle jene, die so blöd sind, der Republik auch künftig langfristigen Kredit einzuräumen. Rote Phrasendrescherei Der zweite Rote Faden ist eine inhaltsarme Phrasendrescherei, die jedes Parteiprogramm und auch die meisten WahlkamDer dritte Rote Faden ist die absolute Leistungsfeindlichkeit des Androsch-Konzepts. Begabtenförderung kennt es nicht. Es will vor allem das Durchfallen verbieten. Dass Lernen auch mit Anstrengung zu tun hat, wird in der linken Traumwelt natürlich absolut verschwiegen. Lernen kommt höchstens mit einer weiteren LeerPhrase vor, als „kreatives Lernen“ vor. Parteipropaganda In Parteipropagandisten-Lyrik wird statt Leistung postuliert: „Die Schule muss eine faszinierende Welt werden“. Theaterspielen, Sport, soziale Fertigkeit, Freizeit, soziale Inklusion sind die Lieblingsvokabel der Konzeptschreiber. Sie erheben an vielen Stellen die Forderung, dass sozial Benachteiligte, „Kinder mit besonderen Bedürfnissen“ (also offensichtlich auch geistig Behinderte, aber das ist in der Androsch-Schule auch schon wurscht), und Migranten „bis zum Hochschulabschluss dieselben Bildungs- und Berufschancen haben wie alle“. Das heißt natürlich, dass man nie irgendwelche Konsequenzen daraus ziehen darf, ob ein Schüler, ein Student auch etwas kann, etwas leistet. Weder mit 10, noch mit 14, noch mit 18, noch mit 27 Jahren. Sonst hätten sie ja nicht mehr alle dieselben Berufschancen. Denn bei jeder noch so milden Auslese würden ja die sozial Benachteiligten automatisch wieder ins Hintertreffen geraten. Daher müssen zwangsläufig alle Selektionen unterbleiben. Verstaatlichte Kinder Völlig inhaltsleer ist auch der Satz: „Die Schnittstelle zwischen Kindergarten und Volksschule muss optimiert werden.“ Kein Wort findet sich jedoch davon, dass ein Kind wenigstens Deutsch können muss, bevor es in die Schule gehen darf. Dementsprechend fehlt auch jeder Hinweis auf Zugangstests und Ähnliches für

Eltern und Familien spielen in diesem Volksbegehren überhaupt keine Rolle.
pagnen übertrifft. Da wimmelt es nur so von schwammigen Formulierungen wie: „Wir fordern ein modernes, unbürokratisches und weitgehend autonomes Schulsystem“ (was heißt „weitgehend“?), „ohne parteipolitische Einflussnahme“ (in Wahrheit will Androsch die Macht seiner Parteifreundin Schmied gewaltig aufwerten, der er sogar die Kindergärten unterstellen will!), „Wir fordern ein sozial faires, inklusives Bildungssystem“, „Jedes Kind in Österreich hat Anspruch auf alle gebotenen Chancen“, „Wir fordern die Aufwertung des Lehrerberufs“, (dass sich ein „Bildungs“-Volksbegehren nicht an den Duden hält, fällt in dem Phrasensumpf kaum noch auf), „Wir fordern ein weltoffenes Bildungssystem“ und immer wieder „faire Bildungs- und Berufschancen“.

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droschs Volksbegehren
die Hochschulen. Von Studiengebühren ist natürlich schon gar keine Rede. Der vierte Rote Faden ist die Forderung nach umfassender Verstaatlichung der Kinder. Für die Eltern und Familien gibt es bei Androsch natürlich überhaupt keine Rolle (schließlich hat er zwei, also in Wahrheit gar keine); statt dessen will er das Land mit „Krabbelstuben“ überziehen; auch will er die Ganztagsschule zur Regelschule machen (also für alle verpflichtend). Das Papier scheut auch nicht vor offener Lüge zurück: „In anderen Pisa-Ländern kennt man Nachhilfe so gut wie nicht.“ Vielleicht setzen sich die Autoren einmal in ein Flugzeug ins aufstrebende Asien, um (neben den von Androsch exportierten Arbeitsplätzen) zu sehen, wie in den dortigen – extrem erfolgreichen – Pisa-Ländern die Eltern noch so teure Zusatz-Lernangebote wahrnehmen, damit ihre Kinder in die besten Schulen kommen. Versteckte Gesamtschule-Forderung? Natürlich wird auch die Gesamtschule gefordert. Aber auch dies geschieht mit einem unwahren und (noch dazu grammatikalisch wie vieles an dem „Bildungs“-Papier total verunglückten) Satz. Nämlich „dass man erst mit 14 oder 15 Jahren die eigentlichen beruflichen Begabungen und Interessen eines jungen Menschen erkennen kann“. Viele Begabungen erkennt man viel früher, viele andere deutlich später. Gerade Jugendliche wechseln oft auch alljährlich ihre Interessen. Und sie sind vor allem mit 14/15 in einem extrem schwierigen Entwicklungsalter. „Berufliche“ Begabungen erkennt man leider überhaupt erst am Arbeitsplatz. Wahr ist also, dass jedes Jahr vor dem 14. Lebensjahr, in dem man Kinder dem SPÖKonzept zufolge nicht ihren Begabungen entsprechend schulisch fordert, sondern in Einheitsschulen verkümmern lässt, ein verlorenes, ein gestohlenes Jahr ist. Und ebenso wäre es ein Verbrechen, wenn man Kindern nicht auch nach der von der Linken so hochstilisierten Entscheidung mit 14 die Möglichkeit gibt, die Ausbildungsrichtung zu ändern. Wenige „echte“ Unterstützer? Androsch hat trotz der Macht seiner Netzwerke und Parteiverbindungen erstaunlich wenig qualifizierte Unterstützer für seine Initiative gefunden. Diesbezüglich aufgefallen sind lediglich die Herren Taschner und Liessmann. Werden Sie ihre guten Namen weiter für so ein Machwerk hergeben? Nur um sich in den Strahlen der Mächtigen zu sonnen? Eine Realisierung des Konzepts würde die Staatskassen ruinieren und einen gewaltigen Run auf die Privatschulen auslösen. Dorthin werden viele jener Eltern vor der Schulnivellierung flüchten, die ihren Kindern noch eine ambitionierte und disziplinierte Ausbildung verschaffen wollen. Während die Superreichen (wie Androsch selbst!!!) ihre Kinder längst in Privatschulen haben, wird diese „Reform“ vor allem den Mittelstand treffen, der bisher noch staatliche AHS benutzen konnte. Im Grunde geht es nämlich um nichts anderes als einen Klassenkampf gegen den den linken Apparatschiks so verhassten Mittelstand. Wird die ÖVP diesmal klug genug sein, zu erkennen, dass ihr jeder Millimeter Konzession an Androsch und den roten Zwischenwahlkampf noch weitere Wähler kosten wird? Strache waits for them. PS: Einen positiven Punkt des Konzepts habe ich schließlich doch gefunden: die Forderung nach mehr Personalautonomie für die Schulen. Freilich auch das ohne nähere Definition. Aber immerhin geht wenigstens ein Punkt in die richtige Richtung.

der autor
Dr. Andreas Unterberger war u.a. Chefredakteur der Wiener Zeitung, ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien und betreibt den liberalkonservativen Internetblog www.andreas-unterberger.at

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Couleur-Serie „Das Phänomen Social Media“

Social Media verändert die
Möglichkeiten, Chancen und Risiken von Facebook, Twitter & Co.

Auch wer nicht täglich mit dem PC arbeitet, wer nicht dauernd im Internet surft, wer nicht seine gesamte Korrespondenz per E-Mail abwickelt, hat es schon mitbekommen: Das Phänomen „Social Media“ oder auch Web 2.0 hat die Kommunikation zwischen Menschen verändert. Es hat verändert was sie voneinander wissen, was sie über sich preisgeben und hat vor allem vieles, was bisher individuell war, öffentlich gemacht. Das Couleur widmet sich in den nächsten Ausgaben dem Thema Social Media und zeigt die Chancen und Risiken: für jeden Einzelnen aber auch für Verbindungen und Verband auf. Kommunikation 2.0: Die Interaktion wird öffentlich – und damit sozial Die Idee ist eigentlich so alt wie das Internet selbst: Vernetzung. Nicht einmal ein Jahrzehnt ist es her, dass dank immer schnelleren DSL-Verbindungen eine zweite Welle das Web erreichte: Fotos und Videos konnten leichter getauscht werden und die Bereitschaft und der Spaß zur Vernetzung mit Freunden, Bekannten oder auch Fremden nahm schlagartig zu – das Web 2.0 war geboren. „Vor dreieinhalb Jahren war es nicht einmal üblich, den echten Vor- und Nachnamen online zu benutzen. Doch die Leute

wollten sich mitteilen, und mehr als 25 Prozent hinterlegten sogar ungefragt ihre Handynummern“, wunderte sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg schon 2007. Vielmehr ist es jedoch der Austausch an Meinungen, neuen Informationen und Empfehlungen, die Social Media so dynamisch wachsen lässt. Gleichzeitig sollte man diesen Informationen auch nicht blind vertrauen. Wer heute etwas zu einem bestimmten Thema wissen will, „fragt“ zuerst Google und dann die Wikipedia. Die Beurteilung was Wahrheit und Wahrhaftigkeit dieser Medien betrifft, obliegt aber jedem Einzelnen. Facebook - Das Phänomen schlechthin Erst vor sieben Jahren gründete der USStudent Mark Zuckerberg (mittlerweile Multimilliardär) das Internet-Netzwerk Facebook – heute wächst keine andere Plattform so stark wie sie. Mehr als 600 Millionen Benutzer sind weltweit auf Facebook. In Österreich sind 2,3 Mio. „Facebooker“ registriert. Am beliebtesten ist das Online-Netzwerk bei den 20- bis 29Jährigen, gefolgt von den 13- bis 19-Jährigen. Am stärksten wächst jedoch die Gruppe der über 55-jährigen Frauen. Die Zahlen die Facebook umgeben sind astronomisch und faszinierend zugleich: In der Silvesternacht 2010/11 wurden von den

Facebook-Usern 750 Millionen (!) Fotos hochgeladen. Man schätzt, dass im Sommer 2011 100 Milliarden Fotos auf Facebook existieren. Doch was ist es, was die Menschen so fasziniert? Menschen, die mehrmals am Tag Facebook besuchen und sich dort solange aufhalten wie auf keiner anderen Internetseite. Es ist das menschliche Grundbedürfnis nach Kommunikation, aber auch das Bedürfnis nach „Auffallen“ und „Gehört werden“. Ganz normal Menschliches spielt sich Tag für Tag auf Facebook ab, nur eben etwas öffentlicher und schneller. Um es noch einfach zu sagen: Auf Facebook sagen Menschen was sie mögen, was ihnen gefällt, was sie tun und was sie tun werden. Sie teilen diese Informationen mit anderen Menschen, denen das wieder gefallen kann und die das wieder verbreiten können. Es geht auch um gute Produkte und schlechte Produkte, um interessante Botschaften und langweilige Botschaften, um Zufriedenheit und Unzufriedenheit, um Wünsche, Verbesserungsvorschläge, Kritik. Nicht die Technik, keine Strategie, keine Kampagne, sondern die Menschen machen das Social Web zu dem was es ist. Gleichzeitig ist Facebook natürlich ein mächtiges Marketinginstrument. TrendFirmen wie Red Bull sind z.B. schon seit

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Welt, wie wir sie kennen.
der Anfangsphase auf Facebook vertreten und über 15 Millionen Facebook-User sind Fan! In den USA sind 75% Prozent der Klein- und mittelständischen Unternehmen auf Facebook vertreten und geben an, dass sie Facebook als wichtiges Marketing-Tool nutzen. Wir in Europa stehen hier erst am Anfang. YouTube, Twitter, Flickr und die vielen anderen Facebook ist zwar die größte, aber natürlich nicht die einzige Plattform in der Web 2.0-Welt. Auf YouTube teilen Millionen Menschen Videos und treten damit oftmals einen Hype los, der in der Zeit vor Social Media nie denkbar gewesen wäre. Mit Twitter tauschen die Menschen überall und immer Kurznachrichten aus und sind so schneller als jede NachrichtenAgentur der Welt. Die aktuellen Krisenherde in der arabischen Welt zeigen uns das. Mit der Dichte der Twitter-Meldungen können z.B. auch Epizentren von Erdbeben gefunden werden. Auf Flickr werden Fotos hochgeladen, auf Linkedin und Xing Businesskontakte geknüpft und via Foursquare kann man jedermann seinen momentanen Aufenthaltsort mitteilen. Natürlich hat das alles nicht nur positive Begleiterscheinungen, doch die Geschichte der Massenmedien hat es uns gezeigt: Jedes neue Medium sei es das Radio, das Fernsehen, das Internet, das Mobiltelefon - erlebte eine Phase des Hypes, des verantwortungslosen Umgangs, um dann irgendwann seinen Platz in der zwischenmenschlichen Kommunikation zu finden. Lassen wir uns überraschen, welchen Platz die „Social Medias“ einnehmen werden. In der nächsten Ausgabe der CouleurSerie „Das Phänomen Social Media“ widmen wir uns ganz konkret Facebook und was man als individueller Nutzer hier so alles beachten sollte. Mag. Philipp Ploner v/o Nexus (GZL), Mag. Markus Cerenak v/o Cosmos (LIW) und Martin Reinelt v/o Frosch (LIW) haben 2010 die Agentur „YourSocialNetwork.eu“ gegründet, die sich auf Facebook-Marketing spezialisiert hat. Mehr Infos zum Thema auf: http://www.YourSocialNetwork.eu. Anfragen an: office@YourSocialNetwork.eu. Vorträge, Seminare & Workshops zum Thema auf: www.plonercommunication.com

Kolumne von „Mr. Facebook“ Mag. Philipp Ploner v/o Nexus (GZL)

Ich bin auf Facebook – also bin ich
Vor gerade mal 7 Jahren gründete Mark Zuckerberg mit Chris Hughes, Dustin Moskovitz und Eduardo Saverin das Unternehmen Facebook. Anfänglich nur als Internetplattform für die Studenten der Universität von Harvard gedacht, wuchs Facebook in rund 10 Jahren zum größten sozialen Netzwerk der Welt. Der Film „The Social Network“ hat - natürlich ein wenig hollywood-mäßig dramatisiert – beschrieben, wie Facebook vom Hinterhofprojekt zweier Computer-Freaks zum mächtigsten Kommunikationstool der Gegenwart wurde. Wenn einst der Satz, Ego cogito ergo sum galt, so kann man heute wohl von einem: Ich bin auf Facebook – also bin ich, sprechen. Auch dieses Jahr wird wieder ganz im Zeichen der neuen Art und Weise stehen, wie plötzlich die halbe Welt miteinander kommuniziert und sich befreundet. Facebook ermöglicht es Dir mit Deinen Liebsten, Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben. Neue Bekanntschaften zu schließen oder sich um Dein Unternehmen und Self Marketing zu kümmern. Für die einen ist Facebook die größte Kontakt- und Spaßmaschine der Welt. Für andere wiederum ein äußerst, effektives Marketing Tool. Neue Funktionen wie Facebook Places und Deals sind gerade erst am Start! Besonders für KMUs ergeben sich hier unglaublichen Chancen. Die Motive warum man auf, bei, im Facebook sein soll, sind so unterschiedlich wie die Interessen der einzelnen Benutzer. In dieser neuen Welt lauern jedoch auch Gefahren. In der nächsten Couleur-Ausgabe werden wir uns ein wenig mehr damit und dem verantwortungsvollen Umgang mit dem Social Media-Instrumenten beschäftigen. Ein Leitsatz bzw. eine Art Grundgedanken den man beim Nutzen von Facebook beherzigen sollte ist, Jonathan Postels Robustheitsgesetz: „be conservative in what you do, be liberal in what you accept from others. P.S. Gleich vorweg ein kleiner Tipp. Privatsphäre ist sehr wichtig. Wenn du z.B. nicht willst, dass Dein Facebook-Profil von Google gefunden wird kannst du Folgendes tun: Gehe einfach in deinem Facebook-Konto unter „Privatsphäre-Einstellungen“ auf „Anwendungen, Spiele und Webseiten“. Unter „Bearbeiten“ kannst Du die „Öffentliche Suche“ de-/aktivieren und dein FacebookProfil scheint in den Google Suchergebnisses schon nicht mehr auf!

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Die verkannte Gefahr von
Wenn in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum von Terrorismus berichtet wurde, war meistens von Islamisten oder von Neonazis die Rede. Der Linksterrorismus hingegen ist salonfähig geworden.

Wenn in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum von Terrorismus berichtet wurde, war meistens von Islamisten oder von Neonazis die Rede. Dabei scheint die öffentliche Meinung aber auf den linken Terror vergessen zu haben, der in den 70er- und 80er-Jahren in Europa allgegenwärtig war und nach wie vor nicht gebannt ist. Die Ursachen dafür sind verschieden; die „Dirigenten“ dieses gefährlichen Vergessens sind jedoch linke Organisationen und gealterte 68er, die heute an vielen Schalthebeln das Sagen haben. Der Begriff des Linksextremismus ist ja an sich schwierig zu erfassen. Das liegt zunächst daran, dass die Linke alles daran setzt, jeglichen Vergleich mit dem Rechtsextremismus zu verhindern. So hat die Jugendorganisation der SPÖ, die Sozialistische Jugend, demokratie- und freiheitsfeindliche Äußerungen von Neonazis zu Recht als Verbrechen bezeichnet. Kommen jedoch inhaltsgleiche Aussagen von linken

Organisationen, werden diese entweder ignoriert oder als (interessanter) Diskussionsbeitrag dargestellt. Ähnlich verhält es sich in der Wissenschaft. An vielen Universitäten des deutschsprachigen Raumes wirken – ideologisch mehr oder weniger geläuterte – alt-68er Professoren. So kommt es, dass beispielsweise viele geisteswissenschaftliche Einrichtungen die Behandlung des historischen National-Sozialismus oder des aktuellen Rechtsextremismus wohlwollend unterstützen, während sie ebendort viel Gegenwind verursachen, wenn man die Gräueltaten von Ceausescu, Guevara und Hoxha oder jene des „Schreibtischterroristen“ Marx aufarbeiten will. Linke Doppelmoral Ein weiteres Problem der komplizierten Definitionssuche besteht darin, dass die rote Gefahr auf das reduziert wird, was laut Verfassungsschutz linksextrem, linksradikal, linksfaschistisch oder – wie die betrof-

fenen Aktivisten sich zu umschreiben pflegen – „radikaldemokratisch“/ „antifaschistisch“ ist. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) ist zusammen mit den neun Landesämtern für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) das zivile Pendant der militärischen Geheimdienste Österreichs (offensives Heeresnachrichtenamt und defensives Abwehramt). Es überwacht gewissenhaft subversive Tätigkeiten, welche die verfassungsgemäße Ordnung in Österreich gefährden, und erstattet jährlich Bericht darüber. Bei seiner Analyse beschränkt sich das BVT allerdings fatalerweise bloß auf politisch motivierte, strafbare Handlungen. Da jedoch im Gegensatz zu anderen Ländern bloß die Neugründung von rechtsextremen Organisationen sowie die Leugnung, Verharmlosung, Gutheißung und Rechtfertigung von Naziverbrechen unter Strafe steht, sind viele Formen des Linksextremismus nicht ausgeleuchtet.

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Links
Staatsfeindliche Sozialismusseminare Die Gefahr von links wird somit zu eng ausgelegt: Potentiell demokratiegefährdende Personen, die bspw trotzkistische Vereine gründen, anarchistische Musik hören, rote Sterne auf ihren Homepages platzieren oder die Gulags schönreden, sind in Österreich straffrei. Aufgrund dieser mehr als großzügigen Freiheitsrechte für linke Gegner der Freiheit und der mangelnden Sensibilität in der Bevölkerung für diese Problematik kann auch angenommen werden, dass viele bloß sekundär linksextreme Straftaten (z.B. Bekleben von U-Bahnstationen mit Einladungen zu staatsfeindlichen Sozialismusseminaren) nicht als solche wahrgenommen werden. Ferner ist es allgemeinhin bekannt, dass die Verhetzung von Juden, Moslems oder anderen ethnischen/ religiösen Minderheiten in die jährliche BVT-Statistik über Extremismen aufgenommen wird, nicht jedoch die ebenfalls strafbare, (marxismusmotivierte) Verhetzung des Christentums oder „der Reichen“. Und dass im Falle von § 283 StGB (Verhetzung) überhaupt sehr kasuistisch geurteilt wird, bedarf keiner weiteren Darstellung. Freibrief für Extremisten? Wenn man diese Statistiken im Sinne der obigen Ausführungen vergleichbar macht, muss man feststellen, dass im vergangenen Jahrzehnt jährlich durchschnittlich 100 bis 250 Anzeigen gegen „rechte“ Straftaten (Sachbeschädigung, Körperverletzung, gefährliche Drohung, …) erstattet wurden, denen 90 bis 150 „linke“ Delikte gegenüberstehen. Im Jahr des Antritts der schwarz-blauen Bundesregierung waren es sogar 1.039 (!) strafbare Handlungen von linksaußen. Dabei muss man noch ergänzen, dass innerhalb der linksextremen Gruppierungen der marxistisch-leninistische Flügel mit der autonom-anarchistischen Szene und mit globalisierungskritischen Organisationen verfeindet ist. Somit ist – Gott sei Dank – ihr Bedrohungspotential einigermaßen gehemmt. Linksextreme im Sinne des deutschen Verfassungsschutzes bzw. der Politologen Ekkhard Jesse und Uwe Backe sind solche

Personen, die aufgrund linker Ideologien (z.B. Marxismus, Antikapitalismus, Anarchismus, Maoismus) die liberaldemokratische Grundordnung eines Staates durch die Bekämpfung des Meinungspluralismus zerstören wollen. Oft gesellt sich eine Geringschätzung von fremdem Eigentum oder gar von fremdem Leben dazu. Kampf der Meinungsfreiheit! Der dargestellte Begriff wirft jedoch nicht nur ein schlechtes Licht auf jene Gruppierungen, die bereits vom BVT überwacht werden: Sowohl die linken Jugend- und Studentenorganisationen der außerparlamentarischen KPÖ und der Sozialistischen Linkspartei (SLP) als auch jener der im Hohen Haus vertretenen linken Parteien (SPÖ, Grüne) haben Erklärungsbedarf hinsichtlich jener Umsturzgedanken, die sie beziehungsweise viele ihrer Mitglieder mehr oder weniger verblümt postulieren. Doch ihre Mutterparteien sowie verschiedene Seilschaften, die ihren Ursprung in der 68er-Bewegung haben und bedauerlicherweise viele Institutionen infiltrieren konnten, verhindern mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die kritische Auseinandersetzung mit linksextremem Gedankengut. Mehr noch, mancherorts versuchen diese Kreise in Österreich sogar aktiv linksfaschistisches Gedankengut etwa durch das Aufstellen einer Che-Guevara-Büste, durch das jüngste Logo des Wiener Volkstheaters (stilisierter Sowjetstern) oder durch nordkoreanische Propagandaausstellungen noch salonfähiger zu machen.

Salonfähiger Linksfaschismus Fazit: Die Definition des Linksextremismus ist schwierig, aber nicht unmöglich. Vor allem muss sie im Interesse der Demokratie genauso weit ausgelegt werden, wie bei Rechtsextremismus. Dieser Begriff verdeutlicht auch, dass nicht bloß Handlungen wie beispielsweise jene des prominenten Grünpolitikers Joschka Fischer, der bekanntlich Polizisten mit Steinen schwer verletzt hatte, die Gesellschaftsordnung gefährden können. Um Meinungsfreiheit und den Respekt vor Leben und Eigentum nachhaltig zu sichern, ist es nötig, auch für eine entsprechende Hygiene in der Wissenschaft, in den Medien bzw. in den Köpfen der Menschen zu sorgen. Man muss die rote Gefahr auch dann eindeutig verurteilen, wenn es in Österreich – im Gegensatz zu Deutschland – bisher nur wenige Opfer dieser Bedrohung gibt. Daher sind alle liberaldemokratisch denkenden Personen aufgefordert, über den Tellerrand des eigenen Landes zu blicken, die permanente Gutheißung bzw. Rechtfertigung des staatlich organisierten Linksfaschismus, der im ehemaligen Ostblock sowie (nach wie vor!) in Fernost zu suchen ist, zu bekämpfen, den von der RAF bzw. von ähnlichen Gruppen verwirklichten linken Terror der letzten Jahrzehnte entschieden zu verurteilen und Personen über die totalitaristischen Tendenzen vieler Linker zu warnen.
UNIV.-ASS. MAG. MARC VECSEY (SOP) IST AM FORSCHUNGSINSTITUT FÜR MITTEL- UND OSTEUROPÄISCHES WIRTSCHAFTSRECHT (WU WIEN) LANDESREFERENT FÜR UNGARN

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Austria: 12 Points!
Ein Satz, den wohl viele gerne am 14. Mai bei der Übertragung des Eurovision Song Contest 2011 hören würden. Ja, Österreich und seine Künstler sind wieder im Songcontest-Fieber. Aber warum eigentlich?
mania-Marionette Eric Papilaya zum Bewerb nach Helsinki geschickt, um mit seinem vorletzten Platz das schlechteste Ergebnis für Österreich seit Thomas Forstners 0-Punkte-Fiasko von 1991 einzufahren. Doch ab dann war der ORF standhaft in seinem Vorhaben. Bis eben Klein-Lena vergangenes Jahr ihren Satelliten in die Umlaufbahn geschossen hatte. Jetzt war der Songcontest auch in Österreich wieder cool und schnell hatte man sich im ORF-Zentrum dazu entschlossen 2011 auch endlich mal wieder am Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne teilzunehmen. Grund genug also dem österreichischen Vorentscheid live beizuwohnen und sich einen Abend lang am Küniglberg mit seichter Unterhaltung berieseln zu lassen. Volksphilosophen, Trinker und C-Promis Und was bekam man da geboten? Der schon zuvor erwähnte Eric Papilaya durfte den Einpeitscher spielen, bevor die Show losging und das Trio rund um das Porzellanpüppchen Mirjam Weichselbraun die Moderation übernahm. Alles schön, alles prächtig. Startnummer 1, die Band „WG“ aus Niederösterreich legte dann auch vielversprechend los, hatte allerdings bei der Übertragung technische Probleme und durfte zum Ende fairerweise noch einmal auf die Bühne. Startnummer 02 brachte dann aber gleich mit Patricia Kaiser & Leo Aberer und ihrer 08/15-Ballade die erste Belanglosigkeit des Abends auf die Bühne, während Oliver Wimmer (laut Wikipedia auch ein Starmania-Irgendwer) mit seinem Auftritt der vorläufige Tiefpunkt der Veranstaltung war. Rambazamba war dann bei den Meidlinger Volksphilosophen von Alkbottle angesagt. Von diesen Herren und ihren Texten kann man halten was man will (Motto: Besser tiaf, als seicht), von der Performance her boten sie allerdings einen der besten Auftritte des Abends. Ebenfalls auf der Bühne gut präsentiert hat sich eine gewisse Eva K. Anderson, deren Kommentar in der MAZ kurz zuvor, dass sie sich wie eine Elfe fühle, jedoch schon von vornherein disqualifizierte. Musikalischer Bodensatz Der absolute Bodensatz der Unverschämtheiten hörte dann auf den Namen Trackshittaz feat. „Held“ von Morgen Lukas Plöchl und war ein Schlag ins Gesicht für jeden normal denkenden Menschen. Aber was solls, „die“ Jugend steht drauf und Einschaltquoten sind ja nichts Schlechtes. Danach kam als Pausenfüller Charlee (wer?), bevor mit Klimmstein feat. Joe Sumner der Höhepunkt des kreativen Abends folgte. Mit „Paris, Paris“ spielten die Herren aus der Steiermark (verstärkt mit Stings Sohn) eine sehr eigenständige Nummer, die auch einen gewissen Wiedererkennungswert hatte. Kein Mut zum Risiko Nummer 9, Nadine Beiler, war StarmaniaGewinnerin und durfte sich bei ihrer „Ich geh mal auf Nummer sicher und probier mal Mariah Carey zu kopieren“-Ballade über Beifall von ihrem damaligen Castingkollegen Papilaya freuen. Den krönenden Abschluss unter den Abend setzte dann der von Stermann & Grissemann protegierte Richard Klein. Und für was haben sich Herr und Frau Österreicher dann schlussendlich entschieden? Nadine Beiler. Also kein Mut zum Risiko oder einem Vertreter mit einer eigenen Identität. Man konnte also nur mehr kopfschüttelnd das Studio verlassen und bei dem ein oder anderen Bier auf der Aftershowparty die österreichische Z-Prominenz (Sexy Dominik Heinzl inbegriffen) beim Sehen und Gesehen werden beobachten. Austria: 12 points? Forget it!
MANUEL DAUBÖCK V/O SCHNEEWEISSCHEN (COT) WAR BEIM SONCONTESTVORENTSCHEID AM KÜNIGLBERG.

Wir erinnern uns an den 29. Mai 2010 zurück: Das Voting war beendet und Stefan Raabs Castingstar Lena Meyer-Landrut hatte 246 Punkte erhalten und somit den ersten Sieg Deutschlands beim Song Contest seit 1982, als Nicole doch nur ein bisschen Frieden wollte, erreicht. Die vorangegangene und noch viel mehr die nachfolgende Hysterie in Deutschland um diesen Erfolg, dürfte wohl auch am Küniglberg nicht ganz unbemerkt geblieben sein. Peinliche Auftritte am laufenden Band Noch 2005 hatte der ORF nach dem katastrophalen Abschneiden seines Lieblings Global Kryner groß verkündet an dem Gesangeswettbewerb nicht mehr teilnehmen zu wollen, bis das Punktevergabesystem fairer werden würde. Nur 2007 wurde die Star-

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Von hockey moms und tiger mothers
Alternative Erziehungsmethoden haben wieder Hochsaison.
Am Jahresanfang sorgte eine Amerikanerin mit chinesischer Abstammung anlässlich des Staatsbesuchs Hu Jintao in den Vereinigten Staaten mit einer Buchpräsentation für Aufregung. Ihre Vorstellung von Erziehung steht der von den hockey moms, ebenfalls aus den USA stammend, diametral gegenüber und beanspruchen ebenfalls einen Namen für sich: tiger mothers. Keine Erholung Müttern mit hyperaktiven

Sie feuern laut schreiend ihre Kinder bei Sportveranstaltungen an, gehen, karren sie von einer Freizeitaktivität zur nächsten, sind, weil nicht arbeitend, ständig im Haushalt präsent und lassen sich schon mal als Präsidentschaftskandidatin aufstellen – hockey moms wie Sarah Palin. Auf der anderen Seite gibt es Mütter, die, wie es scheint, ihren Kindern schlichtweg keine Erholung gönnen. Mit rigiden Mitteln versuchen, ihre Zöglinge zu Höchstleistungen anzuspornen. Ein Kind, welches nicht erstklassig Violine spielen kann oder nicht zu den Jahrgangsbesten einer Schulstufe zählt, kann eigentlich abgeschrieben werden und ist zur zukünftigen Verelendung verdammt. Amy Chua versuchte dies durch ihr eben erschienenes Buch „Battle Hymn of he Tiger Mother“ (zu dt.: „Die Mutter des Erfolgs“) zu veranschaulichen. Let me entertain you Es klingt in vielen Ohren wie ein Hohn, wenn man zu hören bekommt, dass es die heutige Jugend schwer hat. Bei einem solchen Ausmaß an Freizeitvergnügungen, zur Verfügung stehender Technik oder den Möglichkeiten an unbeschränkten Ausbildungsmöglichkeiten, keimen schon manchmal Zweifel auf. Aber genau diese genannten Punkte sind es, die den Jugendlichen paradoxerweise auch gleichzeitig zu schaffen machen, so der Tenor vieler Pädagogen und Soziologen. Die Freizeitindustrie drängt uns dermaßen viele Möglichkeiten auf, dass man ob des Angebots schnell blind werden kann, für die wirklich fördernden und entspannenden Tätigkeiten, mit denen man sich in seinen Ruhephasen beschäftigt. Diese Quantität bringt viele Eltern auf den Plan, so viel wie möglich in Anspruch zu nehmen, um dem Spross alles Gute angedeihen zu lassen und so viele Reize zu stimulieren. Gerade diese geballte Fülle an auferlegten Verpflichtungen macht es den jungen Menschen schwer, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die ihnen Freude bereiten könnten. An diese Orientierungsschwäche fügt sich nahtlos die Berufsvorstellung an. Natürlich soll sich das Kind entfalten, aber bitte in einem elitären Metier. Schließlich darf man gewisse Anlagen nicht ungenützt lassen und immerhin möchte man ja auch ein wenig die eigene Eitelkeit pflegen. So kommt es vor, dass Menschen, die am liebsten Tierpfleger oder Krankenpfleger geworden wären, sich in einem Großraumbüro mit Depressionen wiederfinden. Zuviel Fürsorge erstickt All diese Fürsorge, die hockey moms ihren Kindern angedeihen lassen, erstickt diese irgendwann einmal und lassen die eigene Meinung verstummen. Hingegen versuchen tiger moms schon im Vorhinein die Entscheidungsfreiheit ihrer Kinder zu ersticken. Der Tag ist ebenso klar durchstrukturiert, wie das von dem von Fürsorge aufgefressenen Kind. Nur soll das Kind zu Höchstleistungen angespornt werden, um es „später“ einfacher zu haben. Der Hang zum Drill der eigenen Fähigkeiten wurde aus China in die USA transportiert, wo sich chinesische Migranten stärker anstrengen mussten, als die hiesige Bevölkerung. Hohe Selbstmordraten Der Beweis für den Erfolg dieser Methode lässt sich heute in den Vororten der amerikanischen Metropolen finden. Und auch in den Selbstmordstatistiken bezugnehmend auf junge Amerikaner. Junge Asiaten, die in Amerika aufwuchsen, fallen einer viel höheren Selbstmordrate anheim, als ihre Gegenüber in China. Beide Mütter mögen das Wohl ihrer Kinder im Auge haben, vergessen dabei aber, dass das höchste Gut eigentlich die Zufriedenheit und Glückseligkeit ihrer Sprösslinge ist. Bleibt nur zu hoffen, dass diese pädagogische Modeerscheinung auch nur eine Erscheinung bleibt und sich in Europa nicht verbreitet.
MARTIN MEIXNER V/O ARMINIUS (BDB)

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Die Großen sind von uns gegangen
Das neue Jahr beschert uns eine Fülle von Abgängen.
Alle sind sie weg. Hosni Mubarak, Muammar Al-Gaddafi, Peter Alexander und die Kartellbrüder Karl Theodor zu Guttenberg und Thomas Gottschalk (beide TVer). Das neue Jahr beschert uns eine Fülle von Abgängen, von denen wir nahezu überrollt werden und jede dieser Persönlichkeiten tut dies auf ihre eigene Art und Weise. Bei den beiden Erstgenannten wird der Abschied wohl leicht verkraftbar sein. Hosni war jetzt nicht gerade die schillernde Medienfigur, welche uns mit seinen Auftritten amüsiert hat, und auch nicht ein Zampano vom Formate eines kubanischen Revolutionsführers, aber immerhin hat er es geschafft, ein Land solange und soweit zusammenzuhalten und aufzubauen, dass es heute berühmt berüchtigt für Wenn bei jemandem selbst unter der Gluthitze Zentralasiens und Sandstürmen noch immer die Frisur sitzt, dann muss das ein Mensch mit echten Steherqualitäten sein. Mensch, Karl Theodor, wie konntest Du nur? Anstatt wie ein mit Schlafzimmerblicken lächelnder Finanzminister in den Medien präsent zu sein, hast du uns gezeigt, was echte – deutsche – Macherqualitäten sind. Obendrein hat er die wesentlich attraktivere Frau an seiner Seite, die vermutlich mehr als Glitzersteinchen und Alpenromantik in der Birne hat. Locken und Klamotten Ach Thomi! Du hast mir gewissermaßen gezeigt, wie man Menschen pflanzen und trotzdem noch als Fernsehliebling der Nation durchgehen kann. Es war mir immer ein Vergnügen, auf „den“ Samstag zu warten, um deine Lockenpracht und die totschicken „Klamotten“ zu bewundern. Dass nun einer aus der Reihe getanzt ist und sich seine Zukunft und dein Dasein als Moderator vermeintlich verbaut hat. Tja, immerhin bleibst du dem Goldbären erhalten - und uns eventuell eine hübsche Moderatorin mit ebenfalls schönem Haar. Bedrückt hat mich dann doch ein wenig der leise Abgang von Peter Alexander. So ähnlich wie bei Rudi Carell konnte ich es mir nicht verkneifen, eine stille Träne kullern zu lassen. Zufälligerweise fuhr ich am Tag der öffentlichen Kondolenz am Zentralfriedhof vorbei. Ambros hätte es nicht besser treffen können: „Am Zentralfriedhof ist‘ Stimmung, wia’s sei Lebtog no net woar …“. Im Grund genommen hat es in den letzten 3 Monaten die Besten der Besten getroffen. Tyrannen, Macher, Entertainer. Der Österreicher per se gilt ja als lernfähig. Wann werden eigentlich die Kasperln am Ring auf die Idee kommen, einmal zu gehen. Ach so, dazu muss man ja einmal einen ersten Schritt tun. Aber auf den warten wir ja jetzt schon seit 2008.
MARTIN MEIXNER V/O ARMINIUS (BDB)

Die Termine

Termine

08.04.2011 MKV gegen Christenverfolgung
TP 16:15 Uhr plen.col., Wiener Staatsoper (Herbert-von-Karajan-Platz). Anschl. Schweigemarsch und Wortgottesdienst im Dom zu St. Stephan


In den letzten drei Monaten hat es die Besten der Besten getroffen: Tyrannen, Macher, Entertainer

12.04.2011 19:00 Uhr plen.col: Enquete „Die Zukunft der Schule – Wege zur Bildungsrepublik Österreich“
(GÖD- Sitzungssaal, Schenkenstraße 4, 1010 Wien)

30.04.2011 Frühlingssoiree der christlichen Wiener Neustädter Studentenverbindungen (uA mit BBN) 10.05.2011 Redaktionsschluss Couleur 2/2011 10.-13.06.2011 69. Pennälertag des MKV
in Hartberg, Oststeiermark Weitere Termine: www.mkv.at

seinen Straßenverkehr und seine Korallenriffe ist. Liebe und Leidenschaft Ragazzo Silvio hat es wahrlich nicht leicht. Zum einen ist Schluss mit BungaBunga und zum anderen muss er dem Fall von Bruder Oberst zusehen, der dank seiner Öllieferungen auch zum geliebten Bruder Italiens wurde. Vermutlich richtete er auch seine Rede an sein geliebtes Volk eher an die Italiener, als an seine Landsleute. Denn eines haben Silvio und Muammar ganz gewiss: Ganz viel Liebe und Leidenschaft.

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