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05.11.2009 Von: Thorsten Dentges Erschienen in: 24/2009


Unterwegs

Italian Legendary Tour 2009


Bekleider Dainese lud zur "Italian Legendary Tour" mit drei Weltmeistern ein. Das
Los entschied, welche Kunden und Händler auf Firmenkosten das Beste
italienischer Motorradkultur so der nicht gerade bescheidene Anspruch erleben
durften.

Mit allerlei Leihmaschinen von MV Agusta und Moto Morini lädt


Dainese zur Rundfahrt ein.

Darf man eigentlich auf italienischen Landstraßen Tempo 150 fahren? Legenden wie Giacomo
Agostini dürfen. Unvermittelt jedoch verlangsamt der mehrfache Grand-Prix-Weltmeister
seine Maschine und tuckert mit 80 km/h über die Bergstrecke. Und keiner traut sich so recht,
die Rennlegende zu überholen. Immer wieder nimmt er eine Hand vom Lenker, beugt sich
nach vorn, gibt Gas, bremst, beschleunigt, beugt sich erneut nach vorn. Der seltsame Fahrstil
erledigt sich nach ein paar Minuten - die eingegangene SMS auf seinem Mobiltelefon scheint
offenbar einhändig und unfallfrei beantwortet, und Ago gibt wieder Gas.

Agostini ist eines der Aushängeschilder für die Italian Legendary Tour, ausgedacht vom
Motorrad-Bekleidungsspezialisten Dainese aus Vicenza mit dem Ansinnen, Kunden und
Premium-Händlern etwas Schönes zu bescheren, vielmehr: das Schönste und Beste, was
Italien Motorradfahrern bieten kann. Der 67-jährige Agostini zeigt sich jedenfalls nur von der
besten Seite und setzt bei jedem Stopp seinen Helm ab, schaut in den Rückspiegel und legt
sich mit den Fingern zunächst jede einzelne Strähne seiner Haare sorg-fältig zurecht. Eine
Gewinnerin aus Frankreich, die mit ihrem Mann angereist ist, kommt auf Agostini zu und
fragt, ob sie einmal als Sozia mitfahren dürfe. Nonchalant bejaht der Ex-Rennfahrer, bietet
ihr das Sitzbrötchen der MV Agusta Brutale an und swingt mit der aufgeregten Dame von
Kurve zu Kurve.

1 von 5 20.02.2010 17:48


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Auch Marco Lucchinelli, 500er-Weltmeister von 1981,


dient gern als Chauffeur. Einmal für seinen kleinen
Pinscher-Mischling namens „Mami“, der im Tankrucksack
der Ducati ST 3 mitreist, und außerdem für eine
Reporterin einer italienischen Frauenzeitschrift, die von
der Tour Wind bekommen hat. Der große Ohrring, die
polternde Stimme und verwaschene Tätowierungen
verleihen Lucchinelli die Aura eines Freibeuters. Der
Ex-Weltmeister Marco Lucchinelli liebt illustre Weltmeister ist tatsächlich kein Kind von
Frauen, Rockmusik, Motorräder (in
Traurigkeit, verbrachte in der Vergangenheit einige Zeit
dieser Reihenfolge) sowie den
Pinscher-Mischling „Mami“, der auch hinter Gittern (Drogenhandel), konnte in Spanien nie ein
dann mit im Tankrucksack mitfährt, Rennen gewinnen (?Zu viel Fiesta vor den Rennen") und
wenn man eigentlich keinen Hund vor
die Tür jagen würde .
ist Vater von zweieinhalb Kindern (zwei bereits
erwachsene, die Geburt des dritten steht kurz bevor).
Sein Gesicht ist selbst jüngeren (italienischen)
Motorradfahrern bekannt, so wundert es kaum, dass an einer Tankstelle ein Sportmotorrad-
Fahrer in den Zwanzigern begeistert herübergelaufen kommt und dem 55-jährigen Lucchinelli
wie ein Gangmitglied mit eingedrehtem Handschlag überschwänglich begrüßt.

Tour-Teilnehmer Florian aus Berlin kannte Lucchinelli


bisher nicht. Agostini auch nicht, ebenso wenig MV Agusta
und Moto Morini. Alles Neuland. „Weeste, ick kenn' gerade
mal den Max Biaggi und Ducati, dit andere sagt mir jetzt
nicht so viel“, erklärt er fast schon entschuldigend. Wie
Alice im Wunderland lässt er die Eindrücke auf sich
einwirken. Sein Glück kann er noch gar nicht fassen. Vor
einiger Zeit hat er sich von seinem kargen
Motorrad-Urgestein Giacomo Agostini Studentenjobgehalt eine neue Dainese-Jacke abgespart,
(links) mit Gewinner Florian aus
dann kam eine Mail: „Sie haben gewonnen. Die er gleich
Berlin. Agos alte Liebe heißt MV
Agusta. Florian mag die auch. Und mal als Spam klassifiziert und gelöscht hat, denn im
norditalienische Passstraßen. Und heutigen Internetzeitalter ist ja jeder dauernd Gewinner.
Edel-Grappa...
Erst nachdem ein Dainese-Mitarbeiter direkt aus Italien
angerufen hat, um ihm mitzuteilen, dass der Gewinn keine
Internetfalle ist, wurde ihm bewusst, welch ein Glück er hat. Tagsüber sitzt er nun auf
absoluten Traummotorrädern von Ducati, MV Agusta und Moto Morini, abends bei Pasta und
Grappa zusammen mit Weltmeistern zum Anfassen. Lucchinelli offeriert der Frauenzeitschrift-
Reporterin wahrscheinlich noch ganz andere Möglichkeiten, die sie allerdings höflich ablehnt.
Lucchinelli fährt also lieber mit seinen zotigen Witzen fort, faltet ein Streichholz wie
gespreizte Frauenbeine und erzählt Anekdoten aus seiner wilden Zeit als aktiver Rennfahrer.

2 von 5 20.02.2010 17:48


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Der Superbike-Pilot und mehrfache Grand-


Prix-Weltmeister Max Biaggi, ebenfalls vom Sponsor auf
Tour geschickt - kaut währenddessen lieber an seinen
Fingernägeln. Beinahe schon schüchtern verkriecht er sich
im Hintergrund, gibt aber brav Autogramme, posiert fürs
Foto und hört zu, was die Tourguides zu berichten haben.
Eher selten ergreift er das Wort. Wenn aber doch, dann
kommt ein kaum enden wollender Schwall schnelles
Regen-Taktik: Superbike-Star Max Italienisch aus seinem Mund. Es geht um Motorräder,
Biaggi kämpft (vergeblich) mit Latex-
Rennen und Motoren und Fahrwerksabstimmungen und
Unterziehern gegen kalte Finger.
Rennen und... um die Geburt seines ersten Kindes.
Hoppla, der 39-Jährige wird in den nächsten Tagen Vater,
deshalb sitzt er während der Italian Legendary Tour auch auf heißen Kohlen und
verabschiedet sich immer schnell nach Pflichterfüllung.

Zweiter Tag, die Königsetappe: Auf der Sella-Passhöhe,


2240 Meter Höhe, Mitte September, italienischer
Spätsommer: Es ist extrem kalt und außerordentlich
unwirtlich. Um null Grad, Schneeflocken bleiben auf dem
leicht vereisten Asphalt liegen, dunkelgraue Wolken
verhüllen wie ein schwerer Vorhang die wenigen
Lichtstrahlen eines Tages, der vermutlich mit dem
übelsten Wetter dieses Jahrhunderts in die
Über 50 Teilnehmer aus Europa und Aufzeichnungen eingehen wird. Bewusst, gewollt, mit
Amerika gingen auf Tour. Höhepunkt:
Ansage. Wenn jemand zu einer Tour ein-lädt, die eine
die Fahrt zur Sella-Gruppe in den
Dolomiten. Legende werden soll, dann ist alles Extreme und
Außerordentliche gerade-zu die Maßgabe. Ob sich
Tour-Veranstalter Dainese das allerdings so vorgestellt
hat?

Florian bekommt jedenfalls Muffensausen. Erstens, weil er


außer ein paar Kurven rund um Berlin (welche eigentlich?)
keine richtigen Motorradstrecken kennt. Zweitens, weil
sich die italienische Leihmaschine in den Alpen eben doch
etwas brutaler benimmt als seine vergleichsweise zahme
Kawasaki Z 1000 daheim. Und drittens, weil seine Finger
in den komplett durchnässten Lederhandschuhen sich wie
zehn Eis am Stil anfühlen. Die Passabfahrt liegt noch vor
Seekrank werden beim Surfen in den ihm, insgesamt sind es rund 20 Kilometer bis zum Hotel.
Bergen.
20 Kilometer, die wie eine Antarktis-Durchquerung,
Weltumsegelung und Everest-Besteigung zugleich
anmuten. Im Schritttempo eiern Florian und seine tapferen Mitstreiter den Berg hinunter -
alle auf hochemotionalen und typisch kapriziösen italienischen Maschinen. Einige Fahrer
tragen Rennkleidung aus perforiertem Leder, umhüllt lediglich von dünnen Regenkombis.
Durch die Bank weg sind alle für dieses Wetter zu dünn angezogen.

3 von 5 20.02.2010 17:48


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Die geplante Traumrunde gerät kurzzeitig also zum


Alptraum. Schmerzen in den Fingern statt Knie am Boden,
Bibbern statt Heizen. Florian ist trotzdem Gewinner.
Ex-Weltmeister Max Biaggi hat unter diesen Bedingungen
nämlich schon längst das Handtuch geschmissen.
Beziehungsweise haben die Verantwortlichen von Dainese
die Reißleine gezogen, schließlich ist das Fahren in dieser
Mischung aus Schnee und Regen auf höchst
Leider war das Wetter für die Tour anspruchsvollen Strecken nicht nur Wahnsinn, sondern
nicht immer das beste.
auch gefährlich. Die Gruppe rund um Florian, dem
26-jährigen Berliner, hat vom Tourabbruch allerdings
nichts mitbekommen und ist in Richtung Sella-Höhe weitergerauscht.

Runter kommen sie alle - und sogar ohne größere Verluste. Und diese Helden haben den
Tourabbrechern, die bei Espresso, Gnocchi und Saunabad im beheizten Hotel auf die
Vermissten warten, nun eines voraus: Dieser Tag wird für jeden von ihnen zur Legende.
Markus, ein anderer deutscher Gewinner aus Dortmund, erzählt mit wiedergewonnener
Freude und nach halbstündiger Warmwasser-Behandlung seiner Hände: „Davon werde ich
noch meinen Enkeln berichten, so was hab' ich noch nicht erlebt." Diego, italienischer
Barkeeper in München, ebenfalls Passbezwinger, schlottert zwar noch am ganzen Leib,
schwärmt aber wie ein Tourismus-Direktor der Region.

Keine Frage: Der eigentliche Plan, an diesem Tag 300


Kilometer über feinste Passstraßen zu kurven (bei diesen
Strecken im wahrsten Sinne, denn gerade Abschnitte
finden sich hier kaum), hätte den Teilnehmern sicherlich
mehr zugesagt. Der Stopp in Cortina mit Empfang durch
Bürgermeister und Musikkapelle musste eben-falls
storniert werden. Wie auch eine exklusive Seilbahnfahrt
zum Panoramapunkt Lagazuoi auf fast 3000 Metern.
Traumhafte Maschinen, von Sonne Schade, denn alles bei der Italian Legendary Tour war
träumen.
liebevoll vorbereitet worden, und am ersten Tag ließ es
sich mit vielen tollen Abschnitten zwischen Vicenza und
San Pellegrino auch gut angehen.

Jetzt aber kommt die Sonne raus, und beim nächsten Halt nutzt Florian die Gelegenheit für
ein Foto: der junge Snowboarder, Rock-Fan und Großstadt-Hipster neben dem
altehrwürdigen Grand-Prix-Star. Eine auf jpg-Format gebrannte Erinnerung an große
Momente in Italien, an eine einmalige Tour und daran, dass man manchmal einfach Glück im
Leben hat. Schnee und Regen sind vergessen. Und Florian hätte nichts dagegen, irgendwann
mal wieder ein Gewinner zu sein.

Dainese plant zumindest schon jetzt die nächste Italian Legendary Tour. Toskana, Sardinien,
Sizilien? Zusammen mit Valentino Rossi? Würde als lebende Legende auch gut dazu passen...
Transitalia Reise 2009
Zu den Alpen-Angeboten des MOTORRAD action teams

4 von 5 20.02.2010 17:48


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Reiseberichte aus Italien

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05.11.2009 Von: Thorsten Dentges Erschienen in: 24/2009


Unterwegs (Teil 2)

Infos

Einmal durch die Dolomiten mit Dainese.

Wer sich während des Aktionszeitraums (Tour übrigens auch für 2010 wieder geplant) mit
Dainese-Artikeln im Wert von mindestens 250 Euro ausgestattet und sich im Internet unter
www.dainese.com (D-Club) angemeldet hatte, besaß die Chance, mit dabei zu sein.
Unabhängig von der Auslosung steht es jedem Fan italienischer Motorrad-Kultur natürlich frei,
auf eigene Faust seine eigene Legendary Tour zu fahren. Von Mai bis Ende September sind
die Chancen am besten, in den Dolomiten auch die über 2000 Meter hohen Pässe bei
Sonnenschein zu überqueren. MOTORRAD hat das Roadbook der diesjährigen Italian
Legendary Tour gemopst und stellt an dieser Stelle die komplette Streckenführung zur
Verfügung. Viel Spaß in Italien!

1 von 3 20.02.2010 17:48


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Tag 1: Durchs Grappa-Land - von Vicenza nach San


Pellegrino
Tourbeschreibung: Vicenza (hübsche Altstadt) -
Caldongo-Schio - Valli del Pasubio - auf SP 46 weiter nach
Rovereto (ab hier sehr kurvenreich) - Umweg über
Nagoredo (Grappa-Destillerie Marzadro) - weiter auf SS 12
bis zur SS 350 bei Calliano - Passo di Sommo - bei
Carbonare auf SS 349-Passo della Fricca - über SP 1 und
SS 47 nach Levico-Roncegno/Borgo Valsugana - auf SP 31
zum Passo Manghen (wunderschöner, schmaler Pass über
2000 Meter, fahrtechnisch anspruchsvoll, uriger Gasthof
auf Passhöhe) - in Molina auf SS 48 nach Predazzo - in
Moena auf SS 346-Passo San Pellegrino (1918 Meter)
Tageskilometer: 216 km
Reine Fahrtzeit: 4-5 h
Fahrtechnik: überwiegend leicht bis mittel (Passo
Kleine Überblickshilfe.
Manghen schwer)

Tag 2: Die Königsetappe - große Dolomiten-Runde nach Canazei


Tourbeschreibung: San Pellegrino-Moena - auf SS 48 in Richtung Pozza di Fassa - in Vigo
di Fassa auf SS 241 - über Passo Costalunga (1752 Meter) und Passo (Via) Nigra (1690
Meter) nach Tires – Sciliar – Siusi - über Passo (Via) Pinei nach Ortisei-weiter auf SS 242
nach Selva-Passo Gardena (2137 Meter) - auf SS 243 nach Corvara - auf SS 244 nach La
Villa-auf SP 37 und SP 24 über Passo Valparola (2191 Meter, beeindruckendes
Militärmuseum) und Passo Falzarego (2117 Meter) - auf SR 48 nach Pocol - ab Cortina
d’Ampezzo optional eine Passrunde über SS 51, SS48/49, SP 49 und SR48 (hinter Misurina
mit Passo Cimanbanche, 1530 Meter) und Passo Tre Croci (1809 Meter) - Cortina
d’Ampezzohinter Pocol auf SP 638 zum Passo Giau (2236 Meter) - Selva di Cadore-auf SP 251
über Pescul und Dont zum Passo Duran (1601 Meter) – Agordo - auf SR 203 nach Alleghe
und Caprile - abbiegen auf Passo Fedaia (2057 Meter) – Canazei
Tageskilometer: 310 km
Reine Fahrtzeit: 8-10 h
Fahrtechnik: mittel bis schwer

Tag 3: Ciao, ciao, Dolomiti Sella Ronda und zurück nach Vicenza
Tourbeschreibung: Canazei - auf SS/SR 48 über Passo Podoi (2057 Meter) nach Arraba-auf
SS 244 über Passo Campolongo (2057 Meter) nach Corvara - auf SS 243 über Passo Gardena
(2137 Meter), weiter auf SS 242 zum Sella-Joch und nach Canazei - auf SS 48 über Moena
nach Predazzo - auf SS 50 über den Passo Rolle (1981 Meter) nach Fiera di Primieroweiter bis
Pove di Grappa (Besuch der Brauerei Ai Trenti) - ab Bassano del Grappa auf SS 248 bis zum
Start/Ziel Vicenza
Tageskilometer: 258 km
Reine Fahrtzeit: 6-8 h
Fahrtechnik: mittel

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