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Westfälische Wilhelms Universität Münster

Institut für Erziehungswissenschaften


Abteilung Bildungstheorie und Bildungsforschung
Studiengruppe : Von der kritischen Theorie zur kritischen Bildungstheorie
Dozent: Kordes
Referenten: Stefan Jansen
WS 09

Sigmund Freud.
Das Unbehagen in der Kultur.

Der folgende kurze Essay soll versuchen, den Aufsatz Freuds „Das Unbehagen in der Kultur“
auf wenigen Seiten zusammenzufassen, die wichtigsten Thesen herauszustellen und zu
erläutern. Hierbei soll chronologisch dem Textaufbau Freuds gefolgt werden um seine
Argumentation nachvollziehen zu können. Schlussendlich soll die Verbindung zur kritischen
Theorie herausgestellt werden.

Freud beginnt seine Ausführungen mit dem wenig differenzierten Begriff des „ozeanischen
Gefühls“. Dieses rein subjektive Gefühl der Ewigkeit und Unendlichkeit, einem Gefühl der
unauflösbaren Verbundenheit mit der Gesamtheit der Welt, stellt für Freud eine Quelle der
Religion dar. Da er dieses Gefühl in sich selber nicht entdecken kann, versucht er mit Hilfe
der Psychoanalyse dieses Gefühl zu erklären. Die Hypthese, dass einem das Gefühl des
eigenen Ichs, sehr sicher erscheint und der Mensch leicht zwischen Ich und Außenwelt
unterscheiden kann, unterliegt so Freud einem schweren Irrtum. So ist die Persönlichekti ein
enorm komlexes Gebilde, von dem nur ein Teil von der Person wahrgenommen wird. So ist
beispeilsweise das ES ein essentieller Teil der Persönlichkeit, wird aber nur sporadische
wahrgenommen oder verdrängt. Nur zur Außenwelt kann man eine klare Grenzlinie ziehen,
nicht aber zu den innersten Trieben. Von diesem Ansatz ausgehend, versucht Freud dieses
„ozeanische Gefühl“ zu beschreiben. So ist die Entwicklung der Differenzierung zwischen Ich
und Außenwelt auf unterschiedlichste Faktoren zurückzuführen. Die erste Quelle des
Säuglings ist die Mutterbrust, die sich aber verweigern kann und nur durch bestimmte
Aktionen herbeigeholt werden kann. Objekt die Lust versprechen werden also herbeigeführt
und Objekt die ein Gefühl der Unlust hervorrufen werden gemieden. Das ursprünglich reine
Lust- Ich, welches alles als Teil seiner selbst empfunden hat, differenziert nun zwischen
Objekten der Lust und Unlust. So kommt es zu einer Trennung zwischen Ich und Außenwelt.
Das „ozeanische“ Gefühl, welches ihm ein Freund beschreibt, ist das Überbleibsel dieses
reinen Lust Ichs, welches alles in sich vereint. Das Ich ,welches der Erwachsene
herausgebildet hat, ist die verkümmerte oder geschrumpfte Ich Variante dieses ursprünglichen
Gefühls. Um dies zu verstehen, muss man sich bewusst machen, dass Freud davon ausgeht,
dass alle ursprünglichen Gefühle, Triebe, Erinnerungen, etc. erhalten bleiben, nur verdeckt
werden oder parallel zu neuen Gefühlen,etc. existieren. Sie können verschoben werden, sich
weiter entwickeln aber nie verschwinden.
Das religiöse Bedürfnis, welches Freud im Menschen zu entdecken glaubt, ist die
erhaltengeblieben infantile Hilflosigkeit, eine Art Vatersehnsucht, dieden Menschen vor der
rauen Welt beschützt. Nicht zu letzt sind alle Vorstellungen von Gott, die eines erhabenen
Mannes, der die Menschen beschützt.
Das „ozeanische Gefühl“ als Gefühl der Verbundenheit mit dem All, ist also nichts anderes
als eine hilflose Angst vor der Welt, eine Leugnung der Gefahren, und ein Schutzsuchen in
etwas Höherem.
Hier kommt Freud zum eigentlichen Knackpunkt seiner Abhandlung. Die Idee eines
Lebenszweckes ist an die Religion gebunden, jedoch lässt sich aus den Beobachtungen der
Verhaltensweisen der Menschen leicht ein anderer Zweck erkennen. Das erhalten von Glück.
Dies vollzieht auf zweierlei Wege: Einerseits durch das Vermeiden von Unlust, und
andererseits durch das Hervorrufen von starker Lust. So lässt sich nach Freud ein einfacher
aber logischer Lebenszweck bestimmen, nämlich das Lustprinzip.
Freud geht aber davon aus, dass die Welt nicht so beschaffen sit, dass sie den Menschen ein
glückliches Leben beschert. Er sagt sogar, dass dies „[...]im Plan der Schöpfung nicht
enthalten[...]“ sei.1 Der Mensch ist nur in der Lage den Kontrast zwischen Glück und Unglück
zu erleben, und ist nicht dazu in der Lage andauerndes Glück dauerhaft zu empfinden.
Außerdem gibt es bedeutend mehr Quellen der Unlust in der Welt zu finden als Quellen der
Lust. Unglück kann uns von unserem eigenen Körper, durch Krankheit, Alter, etc.
wiederfahren, durch die Außenwelt, durch Naturkatastrophen, wilde Tiere, etc. oder durch
andere Menschen zugefügt werden.
Durch diesen starken Druck der Leidensmöglichkeiten, die vor allem vom Menschen selber
ausgehen, wird das Individuum dazu veranlasst den Glücksanspruch in ein Realitätsprinzip zu
verwandeln. In der heutigen Gesellschaft, so schreibt er, hat die Leidvermeidung die
Lustgewinnung in den Hintergrund gedrängt. So ist die Religion als eine Art Massenwahn zu
verstehen, die dem Menschen vorgaukelt die Wirklichkeit verändern zu können und dem Leid
entgegenarbeitet.

1
Freud, Sigmund. Abriß der Psychoanalyse. Das Unbehagen in der Kultur. 1972. S. 75.
Nun lässt Freud entgültig von der Religion ab und widmet sich dem Begriff der Kultur, die er
als die „Summe der Leistungen und Einrichtungen, in denen sich unser Leben von dem
unserer tierischen Ahnen entfernt und die zwei Zwecken dienen: dem Schutz des Menschen
gegen die Natur und die Regelung der Beziehung der Menschen untereinander,“2 versteht.
Ausgehend von seiner Annahme, dass der Lebenszweck im Lustprinzip bestehe, stellt er die
These auf, dass es der Mensch ohne Kultur glücklicher sei, auch wenn viele Mittel der
Unlustvermeidung erst aus der Kultur entstanden sind. So ist eine kulturelle Leistung
beispeilsweise die Dienbarmachung der Natur für den Menschen, durch Werkzeuge,
Nutztiere, Telefon, Elektrizität, etc. Die Kulturideale, denen der Mensch durch Innovation
und Technik immer näher kommt, wurden frühen den Göttern zugeschrieben, die
Unmögliches möglich machten.
Als essentiellste Eigenschaft der Kultur führt Freud die Nützlichkeit dieser für die
Gemeinschaft an. So wird die Natur benutzt und geformt, ihr wird aber auch die Kultur
entgegengesetzt um sich vor ihr zu schützen. Ebenso sind Reinlichkeit, zum Schutze vor
Krankheiten und Ordnung als kulturelle Attribute zu nennen. Gleichzeitig attestiert Freud dem
Menschen aber einen unerklärbaren Drang zur Unordnung und Unregelmeßigkeit, die mit der
Kultur oft nicht in Einklang zu bringen sind. 3 Kulturell ist weiterhin die Pflege der
psychischen Kräfte, die Wissenschaft, Philosophie, Religion etc., aber vor allem die Regelung
des sozialen Zusammenlebens der Menschen.
Die Vorraussetzung für eine funktionierende Kultur ist, dass nicht das Recht des physisch
Stärkeren gilt, sondern, dass die sich zusammengeschlossene Gruppe stärker ist als jeder
Einzelne und jedes einzelne Mitglied der Gemeinschaft. Die „rohe“ Gewalt des Einzelnen
wird durch das „Recht“ der Gemeinschaft abgelöst. Soll heißen, dass die gewaltätige Macht
des Einzelnen durch die Macht der Gemeinschaft, die gemeinsame Gewalt unterdrückt wird.
Die Macht der Gemeinschaft kann nur aus der Beschränkung der Befriedigungsmöglichkeiten
entspringen, der alle Mitglieder unterliegen müssen. Das Bedeutet, das die Beschränkungen
für alle Mitglieder gelten müssen und nicht für Einzelne aufgehoben werden. „Das
Endergebnis soll ein Recht sein, zu dem alle [...] durch ihre Triebopfer beigetragen haben und
das keine [...] zum Opfer der rohen Gewalt werden läßt“4, aber auch keinem ermöglicht sich
über die Triebeinschränkunge hinweg zusetzen um einen persönlichen Vorteil zu erheischen.
Daraus folgert Freud, dass der Grad der individuellen Freiheit ohne Kultur am größten sei, da
niemand in seinen Möglichkeiten eingeschränkt würde. Eben dies ist für ihn auch die Wurzel
2
Freud, Sigmund. Abriß der Psychoanalyse. Das Unbehagen in der Kultur. 1972. S. 85.
3
Auch die Schönheit, die eigentlich keinen kulturellen Nutzen besitzt wird von Freud als ein Teil der Kultur
verstanden.
4
Freud, Sigmund. Abriß der Psychoanalyse. Das Unbehagen in der Kultur. 1972. S. 90.
eines Freiheitsdranges nach Individualität und freier Auslebung der Triebe, die sich in der
Auflehnung gegen Ungerechtigkeit5 oder einer gewissen Kulturfeindlichkeit überhaupt, durch
den Rest der ungebändigten Persönlichkeit, zeigen. Es wird also ein beständiger Kampf
zwischen den Individuellen- und den Massenansprüchen herrschen.
Doch welchen Einfluss hat die Kultur auf das Triebleben des einzelnen Individuums?
Freud führt hier erneut an, dass die Triebversagung die Grundlage des Zusammenlebens ist.
Außerdem müssen für höhere psychische Tätigkeiten die Triebe sublimiert werden, d.h. die
Libidoenergie wird von den primitven Es- Ansprüchen abgezogen und auf geistige
Tätigkeiten gelenkt. Weiterhin nimmt die Kutur Einfluss, indem die Triebe regelrecht
aufgezehrt oder umgewandelt werden und sich zu bestimmten Charaktereigenschafen
entwickeln. Ein starker Drang nach Ordnung und Hygiene beispielsweise lässt auf einen
analen Charakter schließen.

Im folgenden Abschnitt v ersucht der Autor die Entstehung der Kultur, bzw. die Motivation
des Menschen die dahinter steckt eine Gemeinschaft zu gründe, zu erleuchten.
Der andauernde sexuelle Drang des Mannes führt dazu sich an ein Weibchen zu binden, mit
dem er jederzeit diesem Bedürfnis nachkommen kann. Das Weibchen wiederum bleibt beim
physisch stärkeren Männchen, um für die Sicherheit des Nachwuchses zu sorgen. Dies ist die
Gruundlage des Verhältnisses, welches Freud als Liebe bezeichnet und welches zur
Familiengründung führt. Weiterhin wird der Begriff der zielgehemmten Liebe eingeführt.
Hierbei handelt es sich um eine ursprünglich ebenfalls genitale Liebe, deren Auslebung
jedoch (kulturell) gehemmt wird und die man gemeinhin als Freundschaften bezeichnet.
Nach Freud kommt es zu einem Konflikt zwischen Kultur und Liebe. So hat die Kultur das
ständige Bestreben die Menschen zu entindividualisieren und in immer größere
Gemeinschaften zu binden, was dem Bestreben der Familie entgegenwirkt, die ihre Mitglieder
ungern der Gemeinschaft preis gibt. Andererseits schränkt die Kultur die Auslebung der Liebe
stark ein.
Im folgenden stellt Freud die These auf, dass die Frauen kulturfeindlich seien, da sie die
Interessen der Familie, welche eigentlich der Ursprung der Kultur ist, und des Sexuallebens
vertreten. Die Libidoenergie muss, wie bereits angedeutet, vom familiären Sexualleben
abgezogen und auf höhere psychische bzw. kulturelle Aufgaben gelenkt werden.
Weiterhin glaubt Freud einen weiteren Widerspruch zwischen Kultur und Liebe darin zu
entdecken, dass die Gemeinschaft die Sexualität stark einschränkt. Polygamie, Perversionen
5
Ungerechtigkeit muss man in diesem Zusammenhang als die Hinwegsetzung eines Individuums über die
gemeinschaftlichn Triebeinschränkunge verstehen.
oder Homosexualität, Inzest oder wechselnde Geschlechtspartner werden tabuisiert um einen
Gewinn an Libidoenergie zu erzeugen um kulturelle Aufgaben zu bewältigen, führen aber
gleichzeitig zu einer starken Frustration.
Doch der Kultur stehen zahlreiche Mittel und Methoden zur Verfügung um dieser Frustration
entgegenzuwirken und den Aggressionstrieb zu drosseln. Die zielgehemmte Liebe, die
genitale Liebe, Ideale und Werte denen zu folgen ist und die Einschränkung des Sexuallebens.
Außerdem hat sie von ihrer Konstitution her das Gewaltmonopol über den Einzelnen inne.
Auch gemeinsame Feindbilder, wie beispielsweise die Judenverfolgung im 2 Weltkrieg,
können das Frustrationspotential der Mitgliedern der Gemeinschaft drosseln oder die
Einschränkungen erträglicher machen.
Das wichtigste Mittel besteht jedoch in der Konstitution eines Über –Ich.
Das Über- Ich wird von der Kultur als Mittel oder sogar Waffe benutzt das Individuum durch
Schuldbewusstsein zu kontrollieren. Somit wird der Aggressionstrieb durch das Über- Ich
gehemmt. Doch nicht nur die Tat lässt ein Schuldbewusstsein entstehen, sondern bereits die
Idee oder der Vorsatz. Hierbei stellt sich die Frag, was als eine „böse“ Tat zu definieren ist.
Freud reduziert diese Frage auf die Erkenntnis, dass das Böse etwas ist, was durch
Liebesentzug bestraft wird. Die Autorität der Eltern, die eine inadäquate Tat mit Liebesentzug
bestrafen wird durch die Kultur ersetzt, welche jetzt sanktioniert. Bei einer
gemeinschaftsschädigen Tat muss das Indivivuum beispielsweise mit dem Verlust des
Schutzes der Gemeinschaft rechnen. Somit ist das Schuldbewusstsein nichts anderes als
soziale Angst. Die Angst vor Sanktionen der Gesellschaft. Doch damit nicht genug. Da bereits
der Vorsatz etwas böses zu tun, beim Menschen ein schlechtes Gewissen hervorruft, kommt
zu der Angst vor der Gesellschaft auch die Angst vor dem Über- Ich und vor dessen Urteil.
Wird ein Triebverzicht nach der Realitätsprinzip, also aus Angst vor Sanktionen, vollzogen,
wird das Individuum durch die ausbleibende Bestrafung quasi „belohnt“. Wird eine
Triebverzicht jedoch aus Angst vor dem eigenen Über- Ich vollzogen, so entsteht durch den
Vorsatz ein schlechtes Gewissen und es entsteht nicht nur eine Art Strafbedürfnis für diese
„schmutzigen“ Gedanken, sonder auch Frustration durch die nicht durchgeführte
Triebauslebung.
Das sogenannte Gewissen, das uns dann plagt, ist ursprünglich also nichts anderes als Angst
vor der Gemeinschaft. Das Individuum übernimmt die Gebote und Verbote um sich vor ihr zu
schützen, und bildet somit ein Über- Ich. Mit jedem Triebverzicht also wird das Gewissen
immer stärker, die Angst vor ihm immer größer und seine Strenge und Intoleranz immer
stärker. „ Der [...] Triebverzicht schafft das Gewissen, das dann weitere Triebverzichte
fordert.“6
Es kommt somit zu einem Kreislauf, in welchem das Gewissen immer stärker wird, die
Triebauslebung immer schwächer und damit die Frustration immer größer. Nur durch die
immer weitere Stärkung der Schuldgefühle und die Triebverdrängung zu Gunsten der
Gemeinschaft, kommt es zu einer stärkeren Verbindung der Menschen, einer Stärkung der
Gesellschaft.
Doch die Angst vor dem Über- Ich geht nicht spurlos am Individuum vorbei. Sie äußert sich
häufig in Unbehagen oder Unzufriedenheit und kann sich auch in Aggressionen entladen.
Wenn man davon ausgeht, dass der grossteil der versagten Triebe, aggressiver Natur sind, wie
es Freud tut, muss man begreifen, dass diese versagte Aggression sich gegen das Objekt
richtet, welches die Auslbeung unterbindet. Da diese Aggression nicht ausgelebt werden kann
oder darf, muss der aggressive Impuls unterdrückt werden. Es kommt zu einer Identifizierung
bei der der aggressive Impuls in sich aufgenommen wird und das Über- Ich entstehen lässt.
In Freuds Worten: „Wenn eine Triebstrebung der Verdrängung unterliegt, so werden ihre
libidinösen Anteile in Symptome, ihre aggressiven Komponenten in Schuldgefühle
umgesetzt.“7
Festzuhalten bleibt, dass Freud von der Existenz eines gesellschaftlichen Über- Ichs ausgeht,
welches Vorschriften macht und Verbote ausspricht, die wir gemeinhin als Ethik bezeichnen
könnten. Diese Ehik, deren Existenz Freud auf einzelne einflussreiche Personen, wie
beispielsweise Jesus Christus, zurückführt, soll einerseits das Zusammenleben regeln, ist
andererseits aber einer der wundesten Punkte der Kultur. Dies versucht Freud an dem Gebot
„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ zu verdeutlichen. Der Anspruch dieses Satzes ist mit
der natürlichen Konstitution des Menschen und seiner Aggression nicht zuvereinabren. Im
Gegenteil widerspricht er ihr gerade zu. Ein handeln nach dergleichen Gesetzen und Verboten
würde zum Niedergang der Kultur führen, da durch ein zu starkes und mächtiges Über- Ich.
Zu viel Aggression freigesetzt würde.

Kernaussage des Aufsatzes von Freud ist, dass durch eine Stärkung der Kulur bzw. des Über-
Ichs, das Schuldbewusstsein des Individuums gesteigert wird, was wiederum zu einer
Stärkung des Über- Ichs führt, etc. Die immer stärker werdenden Schuldgefühle, die immer
häufiger und heftiger auftreten richten sich gegen die Gesellschaft, die diese
Triebversagungen verursacht hat und stellvertretend für die Familie steht. Die entstanden
6
Freud, Sigmund. Abriß der Psychoanalyse. Das Unbehagen in der Kultur. 1972. S. 115.
7
Freud, Sigmund. Abriß der Psychoanalyse. Das Unbehagen in der Kultur. 1972. S. 123.
Schuldgefühle und die soziale Angst äußern sich in Unzufriedenheit und Unbehagen in der
Kultur. Das Über Ich oder Schuldbewusstsein ist somit essentielle Grundlage der Kultur, aber
auch die größte Gefahr.
Dieser dialektische Ansatz wurde von den kritischen Theoretikern aufgegriffen um den
Rückfall in die Barbarei während des 2 Weltkrieges zu erläutern. Eine zu starke
Reglementierung führt zu subtiler Aggression, die sich in Schüben ausleben kann. Die Kultur
zerstört sich also in ihrer Art wie sie sich bildet gleichzeitig selbst. In ihrer Konstitution ist
ihre Vernichtung beinhaltet.

Literatur: Freud, Sigmund. Abriß der Psychoanalyse. Das Unbehagen in der Kultur.
1972.Frankfurt a.M.