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Dr.

Martin Lätzel, Kiel

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrte Damen und Herren!

Wenn wir heute über Substanz und Struktur von Bildung sprechen, dann ist das für uns eine
Herausforderung. Es ist mittlerweile wohl gesellschaftlicher Konsens, dass Bildung die zentrale
Ressource unseres Landes ist. Dies aus zwei Gründen. Zum einen, weil wir ein rohstoff- und
industriearmes Land sind und Bildung damit der zentrale Wertstoff auch für unsere Wirtschaft in
Zukunft sein wird. Zum anderen, weil wir bereits eine gutes Bildungsstruktur haben, auf der wir
aufbauen können, auch, um die globalen Probleme lösen zu können.

Die OECD zeigte in verschiedenen Studien auf, dass wir nicht nachlassen dürfen, in Bildung zu
investieren. Zu ähnlichen Ergebnisse kommen Folgekostenrechnungen mangelnder Bildung, die die
Bertelsmann-Stiftung angestellt hat.

Die Analyse scheint klar zu sein; ihr wird niemand wiedersprechen. Doch halt! Wir reden von Geld,
das – wie wir wissen – eben gerade nicht im Überschuss vorhanden ist. Wir müssen gut haushalten,
um der Schuldenfalle zu entkommen.

Was wir also brauchen, sind Konzepte. Und zwar Konzepte, die sowohl die Qualität der Bildung im
o.g. Sinne steigern und gleichzeitig berücksichtigen, dass die finanziellen Spielräume begrenzt sind.
Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass wir – gerade in Schleswig-Holstein – auch vor
demographischen Herausforderungen stehen. Für einige Landesteile wird eine gravierende
Veränderung der Altersstruktur prognostiziert. Das macht die Bildungsplanung nicht einfacher: Mehr
Qualität, weniger Geld, weniger jungen Menschen, weitere Wege, gleichzeitig aber auch die Vorsicht,
Gegenden nicht aufzugeben. Gerade Weiterbildungseinrichtungen stellen einen stabilisierenden
Faktor im ländlichen Raum dar. Hier müssen Standorte gehalten werden, ohne
Strukturveränderungen aus dem Blick zu nehmen.

Wenn wir heute über regionale Bildungslandschaft sprechen, dann tun wird das aus dieser
Perspektive. Der Aufbau regionaler Bildungslandschaft lokalisiert die Bildungsstruktur. Er bedeutet,
vor Ort zu schauen wie effizient und effektiv Bildungsstruktur gestaltet werden kann, um
lebenslanges Lernen für alle zu ermöglichen. Gleichzeitig wird ein Teil der Bildungsverantwortung
regionalisiert, denn gerade die Kommunen haben die Kosten mangelnder Bildungsangebote zu
tragen – finanziell und demographisch.

Regionale Bildungslandschaft ermöglichen eine Verbesserung der Bildungsqualität und eine Präsenz
der Bildung vor Ort. Sicherlich unter veränderten Strukturen, aber dies erfordern die oben genannten
Herausforderungen.

Der Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins versucht diesen Weg schon jetzt zu
gehen. Wir haben das Projekt VHS 2020 ins Leben gerufen. Das Ziel ist es Strukturen zu entwickeln,
die auch in Zukunft non Weiterbildungsangebote an den vorhandenen Standorten der
Volkshochschulen möglich macht. Was wir wollen, ist qualitativ mehr Volkshochschule, was
gleichzeitig aber quantitativ weniger Volkshochschulen bedeutet. Denn auch für dieses System gilt:
Die Gelder sind begrenzt, die Bereitschaft zu ehrenamtlichen Engagement wandelt sich. Gleichzeitig
dürfen wir uns nicht aus der Fläche zurückziehen, sollen Standorte der Bildung bewahrt werden. Hier
liegen die Schnittstellen zu den anderen Bildungseinrichtungen. Das Ernstnehmen lebenslangen
Lernens erfordert aus qualitativer Sicht eine Zusammenarbeit der unterschiedlichen
Bildungsinstitutionen, um Übergänge zu gestalten und Komplementär auch vorhandene Defizite
auszugleichen. Die Kooperation und Zusammenarbeit aus quantitativer Sicht ist ressourcenschonend
und ermöglicht durch die Nutzung von Synergien Effizienz und Effektivität.

Vier Begriffe fallen mir ein, die diesen Ansatz aus meiner Sicht auch auf abstrakter Ebene füllen:
Bildung – Gemeinsinn – Zusammenhalt – Daseinsvorsorge.

Natürlich bieten Bildungseinrichtungen Bildung an: Aber sie tragen auch zum Gemeinsinn bei.
Menschen, die sich gemeinsam bilden, jung oder alt, erleben Gemeinschaft und unterschiedliche
Talente, die sich gegenseitig ergänzen können. Bildung, die regional verantwortet ist, fördert den
Zusammenhalt, denn das ist es, wofür sich Menschen einsetzen wollen: Für ihren Ort und ihre
Umgebung. Insofern kann der Aufbau regionaler Bildungslandschaften als eine Form
bürgerschaftlichen Engagements, ja, wenn sie so wollen als eine Art Bürgerinitiative gesehen werden,
die die Identität steigert.

Nicht zuletzt stellt sie einen wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge dar.

Regionale Bildungslandschaften sind für mich ein Konzept, mit denen wir den Herausforderungen
begegnen können. Und ich spreche hier nicht pro domo, weil ich für Bildungseinrichtungen arbeite.
Ich spreche hier im Sinne des Landes Schleswig-Holstein, dem ich, dem wir alle, eine gute Zukunft
wünschen. Insofern sprechen wir über Bildung als eine Art von Heimatpflege – und das ist ein Thema,
dass uns alle in die Verantwortung nimmt.