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Das Magazin der Studierenden der Universität St.

Gallen
April 2011 Nummer 333

Stil
Präsidentin
Charlotte Claesson

Editorial
Ressorts
Tristan Swysen
Ressortleiter Aktuell

Katrin Stutz
Ressortleiterin Campus Pfauen jagen
Vladimir Mijatovic
Ressortleiter Thema
W ie Pfauen stolzieren sie auf dem Campus der Universität,
kleiden ihre Eitelkeit in bunte Polohemden, überteuerte
Sonnenbrillen und Segelschuhe. Erfolglos versuchen sie, ihre
fahlen Gedanken mit dem Glanz der Armbanduhr zu kaschieren.
Gabriel Schmid Sie pflegen einen Stil, der diesen Namen kaum verdient, geprägt
Ressortleiter 360° von Überheblichkeit und Dekadenz. Typisch HSG!

Alles nur Klischee? Es wäre unangebracht, allen HSG-Studie-


renden pauschal eine solche Stilrichtung zuschreiben zu wollen.
Annegret Funke
Trotzdem würde niemand behaupten, dass die Studienjahre in
Ressortleiterin Menschen
St. Gallen keinen einschneidenden Einfluss auf den persönlichen
ausüben. Die HSG färbt ab – nicht nur auf die Kleidung, die sich
proportional zur Anzahl Semester verteuert. Bereits im Assess-
ment erliegen wir der St. Galler Dialektik und sprechen mit einer
alltäglichen Selbstverständlichkeit von Effizienzsteigerung, Ren-
diteerwartung und Prozessoptimierung.
Layout
Aber das Studium an der HSG prägt vor allem unsere Werte:
Michael Pum
Alles wird monetarisiert. Jede Handlung muss einem profitbrin-
Layoutchef
genden Zweck dienen. Man trifft keine Entscheidung mehr, ohne
vorher Kosten und Nutzen abgewogen zu haben. Diesem Diktat
der ökonomischen Rationalität unterwerfen wir uns ein Leben
Pascal Fischer lang.
Layouter
In jedem von uns steckt ein Pfau. Stil ist, wenn man solches
Federvieh fortjagt und mehr Eigenständigkeit wagt. Nichts ist stil-
voller, als vorsätzlich auf wirtschaftliches Kalkül zu verzichten:
Raphael Güller
einem Strassenmusikanten eine Weile zuzuhören, einen Brief
Layouter
von Hand zu schreiben oder in der Vorlesung prisma zu lesen…

Lisa Jaeggli Viel Spass bei der Lektüre!


Layouterin

Luc-Etienne Fauquex
Chefredaktor
Titelblatt: Von Lisa Jaeggli mit Unter-
stützung von Raffael Hirt und Melanie
Frick aufgenommen in St. Gallen am
28. März 2011.

April 2011 – prisma 3


Inhaltsverzeichnis

«Stil ist immer etwas Eigenes» HSG eröffnet Niederlassung in Deutschland

Seite 34 Amanda Ammann, die Miss Sch-


weiz aus 2007 und IA-Studentin im
7. Semester, spricht mit prisma über guten Stil. Seid gespannt
Seite 45 In Zusammenarbeit mit dem En-
thüllungsportal Wikileaks hat pris-
ma im Rahmen einer investigativen Recherche die Expansion
auf das Urteil eines Medien- udn Modeprofis und lest was die der HSG in den grossen Kanton aufgedeckt. Bei einem Be-
stilistischen Unterscheid zwischen Studenten aus St. Gallen such vor Ort in Rastatt (D) wurde das neue Campus-Gebäude,
udn Genf sind. welches als Autolackiererei getarnt ist, entlarvt. Noch ist unk-
lar, ob es sich um ein Praxisprojekt oder lediglich ein neues
wirtschaftliches Standbein der Uni handelt.

Meinung Studentenschaft
3 Editorial 14 Executive School für Studierende:
60 Das Oster-Gewinnspiel Die Student Leaders Workshops
Heftvorschau 15 Sich stillvoll engangieren
61 Cartoon 16 Kommentar des SHSG-Präsidenten:
62 Das Gerücht Gründen, gründen, gründen
Bilderrätsel
63 Zuckerbrot & Peitsche

Aktuell Campus
8 Agenda
10 Kurzmeldungen 18 Bachelor-Reform: Was ändert sich für dich?
20 «Mein Freund Harvey» im Studententheater
22 «Im deutschsprachigen Raum gibt es noch
keine vergleichbare Plattform»
24 Challenge the Patience
26 Wenn ich gross bin, werd ich Chef
27 …denn sie wissen nicht, was sie tun
28 Rock die HSG mit UniMusic!

4 prisma – April 2011


Impressum
Ausgabe 333, April 2011
Studentenschaft Universität St. Gallen
Redaktion prisma
Oberer Graben 3, 9000 St. Gallen,
redaktion@prisma-hsg.ch, 076 579 92 21

Präsidentin: Charlotte Claesson


Chefredaktor: Luc-Etienne Fauquex
Finanzen: Tristan Swysen
Layoutleitung: Michael Pum
Online-Chefredaktor: Simone Steiner

Cartoon: Moritz Runge

Anzeigenregie: Metrocomm AG,


St. Gallen, 071 272 80 50
Druck: dfmedia, Flawil, 058 344 96 96
Lektorat: Monika Künzi
Profs privat: Monika Kritzmöller
Wiedergabe von Artikeln und Bildern,

Seite 52 Aus allem, was schön und eitel


ist – daraus besteht das Forschun-
gsinteresse und die private Welt von Dr. Monika Kritzmöller,
auch auszugsweise, nur mit Genehmigung
der Redaktion.

Privatdozentin für Soziologie. In ihrer Jugenstil-Wohnung erk- Die Redaktoren sind unabhängig. Die
lärt sie prisma die Faszination für ihr Orchideenfach und wid- in den Texten vertretenen Meinungen
erspricht der Aussage, dass der Mensch nur auf sein Äusseres repräsentieren folglich nicht unbedingt
reduziert werde. die Meinung des Herausgebers oder der
gesamten prisma-Redaktion.

Thema Menschen
30 Home Sweet Home 50 Umfrage: Was macht guten Stil für dich aus?
32 Der HSG Style-Check 52 Profs privat: Monika Kritzmöller
34 «Stil ist immer etwas Eigenes» 55 Herausgepickt: Marius Geiker &
35 Der Antistil Kassian Pause
36 FührungsStil !? 56 «Man sollte die Party verlassen, wenn sie am
38 Stil und Gehorsam schönsten ist»
58 Partypics: Semester Break Party

360°
42
44
prisma empfiehlt
Wohin wir gehen
prisma-hsg.ch @
45 HSG eröffnet Niederlassung in Deutschland • Sieh dir das aktuelle Heft – und alle vor-
46 Maastricht ist nicht St. Gallen hergehenden Ausgaben – auch online an!
• Auf unserem Blog informieren wir dich über
das Welt- und Webgeschehen.
• Ob Buch, Verein oder Dozenten – bei uns
findest du zu allem was …

April 2011 – prisma 5


Heftvorschau

die grosse

t
s Lich
Umfrage t an 1
m m 201
— i t o
k Mai
e
a hrh g, 16.
i e W nta
D Mo
In der nächsten Ausgabe ist es so weit: am
In der Auswertung unserer grossen Umfrage neh-
men wir kein Blatt vor den Mund und offenbaren,
wie die HSG tickt.

Sex oder Liebe?


Geld oder Moral?
Ritalin oder RedBull?

Alle Antworten findet ihr im nächsten prisma.

Zudem freuen wir uns wie immer über eure Beiträ- Zuschriften an
ge und Meinungen. Schreibt einfach an redaktion@
prisma-hsg.ch oder kommt am besten gleich zur redaktion@prisma-hsg.ch
wöchentlichen Redaktionssitzung jeden Dienstag
um 20:15 Uhr im prisma-Büro (Oberer Graben 3).

6 prisma – April 2011


A ktuell
8 Terminkalender
10 Kurzmeldungen

Foto: Andrin Buchli


Agenda
April
DO AIESEC St. Gallen
MI SHSG / Red Bull
28 AIESEC Latin American Day
20 Red Bull Tum Tum Pa
Meeting Point – ab 20.00
HSG – 10.00 - 18.00
Beteilige dich am Latin American Day, der jähr-
Finde drei Mitdrummer und mach dich bereit lichen Konferenz über Lateinamerika. Dieses
für die einzigartige Trommel-Challenge, die dich Jahr findet die Konferenz unter dem Titel «Op-
am Ende bis nach Rio de Janeiro bringen kann. portunities for the coming decade» statt. Anmel-
JUST BEAT IT! dung unter: www.aiesec.ch/st-gallen/lad.

Marketing Club
marketing @ pub Unisport
US-Mex Bar – ab 21.00 Unihockey Night
Seid ihr an Marketing interessiert oder habt ihr Sporthalle HSG – 22.30 - 03.00
euch schon gewundert, wer hinter dem marke- In Teams bestehend aus mindestens sechs
ting.club steckt? Dann seid ihr herzlich willkom- FeldspielerInnen, davon mindestens eine Frau
men zu einem gemütlichen Kennenlernen und auf dem Feld, wird um Ruhm, Ehre und Prei-
lockeren Austausch im US-Mex! se gespielt. Anmeldungen bis am 21. Aril an
unisport@unisg.ch.

DO AV Emporia The Students Consulting Club


21 Paintball
Tuggen – 20.00
Bain & Company: PE Workshop
– Investing Solar Energy
Anmeldung und Infos unter info@emporia.ch.
Learn how to invest into the growing solar energy
industry in the view of Private Equity Companies.
Get in touch with Bain & Company and make a
FR St. Gallen Sailing first step in order to become a „Bainie“.

22 Freizeitsegeln
Kreuzlingen – Nachmittags
In diesem Jahr wollen wir mit den Lacustre ge- UniGay
mütliche Stunden auf dem Wasser fernab von UniGay goes LeSchwu
Büchern und Skripten verbringen. Weitere Ter- Kugl – 21.00
mine, wie beispielsweise unser Stamm am 26.
April im Restaurant Marktplatz, sowie Informa-
tionen auf www.stgallen-sailing.org.

Aktuell 8 prisma – April 2011


Mai
DI Unisport
MI Universa
10 Beachvolleyball Turnier Fun/Pro
04 Women's Day 2011
HSG – 11.30 - 19.00

MI
Beachfeld HSG
Lust im Sand zu wühlen? Dann melde dich für
Willst du an unserem Women‘s Day am 4. Mai
2011 teilnehmen? Oder hast du eine Frage be-
11 das Beachvollyball-Turnier von Unisport an. Am
Dienstag steht der Spass im Vordergrund und
züglich unseres Women‘s Days 2011? Dann am Mittwoch die Ambitionen. Gespielt wird
schreib uns eine Mail an universa@unisg.ch. Bei in 2er-Teams. Anmeldung bis am 27. April an
Anmeldung bitte CV mitschicken. unisport@unisg.ch.

UniGay
UniGay Info-Event MO prisma
HSG – 19.00
Rauminfo auf www.unigay.ch.
16 Das neue prisma mit den
Ergebnissen der grossen
UMFRAGE liegt auf
Holt euch das druckfrische prisma-Magazin mit
MI Universität Maastricht, Niederlande den Wahrheiten über die HSG in der Haupthalle

04 EuroMUN 2011 des A-Gebäudes oder beim Eingang des B-Ge-



SO
MECC Maastricht
Die grösste Model United Nations Konferenz
bäudes.

08 in Kontinentaleuropa. Mehr Infos gibts auf


www.euromun.org.

DO Unisport
05 Volleynight
AZSG – 23.00 - 04.00
In Teams bestehend aus mindestens sechs Feld-
spielerInnen, davon zwei Frauen auf dem Feld,
wird um Ruhm, Ehre und Preise gespielt. Anmel-
dung bis am 28. April an unisport@unisg.ch.

prisma-hsg.ch @
Kurzfristige Änderungen und die neusten Termine
findest du auf unserer Online-Seite!

www.prisma-hsg.ch/

April 2011 – prisma 9 Aktuell


mit Freude der Zukunft entgegen se-
hen. Wir rufen die Angebote selbst ins
Leben. Es wird bewegt, gehandelt und
es besteht der Anspruch, dass wir einen
Beitrag zur Lösung sozialer Probleme,
– regional wie international – leisten.
Hier werden Ideen verwirklicht. Wir ge-
Tipps & Tricks für ben anderen Menschen Hoffnung, Wis- Rein in die Medienwelt mit
IA-Studierende sen und Freude. Gleichzeitig sammeln toxic.fm!
Am 3. Mai führt die Community of wir Erfahrungen im Umgang mit Men- Lass dich von toxic.fm während 13
International Politics (CIP) zum wieder- schen, die in schwierigen Lebenssitua- Monaten zum Redaktor oder Moderator
holten Mal eine informelle Einführung tionen stehen, lernen andere Kulturen ausbilden. Du wirst von erfahrenen Ra-
in den Bachelor of International Affairs kennen und erweitern den persönlichen diomachern begleitet und kannst dein
durch. Hast du dich entschieden, im Horizont. Zudem stehen uns nationale Können schon nach wenigen Wochen
nächsten Semester in den BIA einzustei- und internationale Veranstaltung offen, on air unter Beweis stellen. Die Ausbil-
gen? Weisst du aber noch nicht so recht, bei denen wir mitwirken können. Ideen dung von toxic.fm bietet die ideale Basis
was auf dich zukommt? Fragst du dich, zur Lösung sind gefragt: Hier diskutie- für deine Medienkarriere.
wie das Bidding funktioniert? Willst du ren wir, klären ab und realisieren. Die 13-monatige Ausbildung «Me-
wissen, welche Kurse sich wirklich loh- Interessiert, den persönlichen Ho- dienpraxis und Medienmanagement»
nen? Dann komm am 3. Mai um 10:15 rizont zu erweitern und etwas zu bewe- verknüpft die Medien-Praxis mit der
Uhr (gleich nach der Assessment-Vor- gen? Dann kontaktiere uns entweder te- Theorie. Die etablierte praxisorientierte
lesung) in den Raum 09-114. IA-Studie- lefonisch (Tel. +41 71 227 99 66) oder per Ausbildung vom Ausbildungsradio toxic.
rende stellen dir den BIA aus ihrer Sicht Mail (jugendrotkreuz@srk-sg.ch)! fm wird mit den akademischen Aspekten
dar und beantworten deine Fragen! der Universität St. Gallen ergänzt. Diese
Am 19. April führt die CIP eine Ver- Kombination vermittelt fundierte theo-
anstaltung zum Thema Studienfinan- retische und praktische journalistische
zierung/Stipendien durch. Das Thema Fähigkeiten, signalisiert aber auch ge-
hat an der HSG durch die kommende genüber zukünftigen Arbeitgebern ge-
Erhöhung der Studiengebühren an Bri- wichtige Erfahrungen im Bereich PR
sanz gewonnen. Interessante Infos er- und Kommunikation.
halten wir von zwei Expertinnen der Wenn Radio dich begeistert, du ta-
Stipendien-Initiative des Verbands der lentiert und neugierig bist, dann bewirb
Schweizer Studierendenschaften. Die dich jetzt für das Ausbildungsprogramm
Veranstaltung findet voraussichtlich um Verkuppelt im marketing.club von toxic.fm. Der nächste Kurs beginnt
18.00 Uhr im Restaurant Dufour statt. Wir sind der marketing.club - der am 5. September 2011, Bewerbungs-
Nähere Infos zu allen Veranstal- Verein für Kommunikation und Mar- schluss ist der 30. April 2011. Alle Infos
tungen und zur CIP allgemein findest du keting der Universität St. Gallen. Stu- zur Ausbildung und Bewerbung findet
immer auf www.cip-sg.ch. dierende, dem Marketing und der ihr unter www.toxic.fm.
Kommunikation verschrieben, kreativ,
weltoffen und gewillt, mit Vorurteilen
aufzuräumen. Wir zeigen, dass Mar-
keting und Kommunikation eine viel-
seitige und fundierte Wissenschaft ist,
greifen Trends auf und diskutieren aktu-
elle Themen. Wir sind Kuppler, bringen
zusammen, was gut zusammen passt: Für stilvolles Auftreten
spannende Unternehmungen und mo- Der HSG Shop lanciert diesen
tivierte, begeisterungsfähige Studieren- Frühling (zirka Mitte Mai) eine neue
Erweiterung des persönlichen de. Wir bieten eine Austauschplattform Produktlinie Poloshirts für Damen und
Horizonts mit Jugendrotkreuz in lockerer Atmosphäre, organisieren Herren. Neben einer exklusiven Version
Du bist Veränderung! Wir, das Ju- Workshops, Exkursionen, Social-Events der Marke Tommy Hilfiger werden auch
gendrotkreuz St. Gallen, bieten dir eine und Vorträge mit namhaften Partnern. Poloshirts für das kleinere Budget an-
Plattform, um dein soziales Engagement In Zusammenarbeit mit dem Marketing- geboten. Passend zum Frühling wurde
in die Tat umzusetzen. institut der HSG wird die Verbindung zudem ein sportliches Frühlingsshirt für
Unser Jugendrotkreuz setzt sich zu interessanten Unternehmen durch Damen entworfen, das ab dem 19. April
aus einer Gruppe von jungen Leuten Praktika- und Jobausschreibungen auf im HSG Shop erhältlich ist.
zusammen, die sich freiwillig und im unserer Homepage gefördert. Der HSG Shop befindet sich im
Rahmen der Rotkreuz-Grundsätze für Bei marketing.club sind Assess- Hauptgebäude, Raum 01-007. Öffnungs-
andere Menschen engagieren. So un- ment-, Bachelor- sowie Masterstudie- zeiten im FS 2011: dienstags 10-14 Uhr,
terstützen wir jene Personen, die durch rende aus allen Studienrichtungen herz- donnerstags 12:30 - 16 Uhr. Onlineshop:
bestehende soziale Auffangnetze fallen lich willkommen. Wir freuen uns auf www.hsgshop.ch.
und deine Hilfe brauchen, damit alle euer Mitwirken!

Aktuell 10 prisma – April 2011


cation stellt besonders bedürftigen  und
leistungsstarken Schülern in Kenia ein
Gymnasialstipendium zur Verfügung.
Und das Wichtigste ist: 100% der gespen-
deten Gelder fliessen direkt in Schulge-
Setz dich für Menschrechte ein bühren! Interessiert? Dann komm doch
bei Amnesty International einfach an unser Gründungsevent, das Latin American Day
Weltweit wird tagtäglich gegen die am 07. oder 08. Mai stattfinden wird (den Der Latin American Day ist eine
Menschenrechte verstossen. Amnesty genauen Termin könnt ihr in wenigen Konferenz, die jährlich an der Universi-
International hat sich zur Aufgabe ge- Tagen per Mail erfragen), vorbei.  Neben tät St. Gallen stattfindet. Der diesjährige
macht, Missachtungen von Menschen- einer Präsentation unserer Aktivitäten Kongress wird am 28. April von 10 bis18
rechten zu verhindern und ans Licht und weiteren Highlights erwartet dich Uhr stattfinden. Er widmet sich poli-
zu bringen. Menschenrechte gehen alle dort auch ein spannender Vortrag eines tischen und wirtschaftlichen Vorträgen,
etwas an. Ihre Zukunft hängt davon ab, Professors der Universität St. Gallen. Debatten und Workshops unter dem
ob und wie die Entscheidungsträger von Wir sind beispielsweise gerade mit Motto «Opportunities for the coming
morgen ihre gesellschaftliche Verant- Professor Christoph Frei im Gespräch. decade». Die Teilnehmenden erhalten
wortung wahrnehmen. Ausserdem suchen wir noch engagierte die einzigartige Möglichkeit, durch in-
Die Amnesty International Students Teammitglieder, die Lust haben, sich in teraktive Diskussionen mit Experten ein
St. Gallen organisieren fortlaufend Vor- einem tollen Team einzubringen. Wenn vertieftes Verständnis für die Chancen
träge, Diskussionen und Filmabende, du unternehmerisch denkst und Spass, und Herausforderungen im lateiname-
sowie Briefaktionen und spontane Teamgeist und soziales Engagement rikanischen Markt zu erlangen.
Events, um Studierende in spezifischen verbinden möchtest oder dich einfach Anmeldung unter: www.aiesec.ch/
Menschenrechtsbereichen zu sensibili- nur für uns interessierst, dann komm st-gallen/lad.
sieren. vorbei. Wir freuen uns auf dich! Weitere
Setze auch du dich für die Men- Infos zum Event unter stephan.maier@
schenrechte ein. Besuche unsere Ver- student.unisg.ch.
Inserat Prisma HSG St. Gallen 19.8.2010_Layout 1 20.08.10 10:40 Seite 1
anstaltungen oder werde Mitglied und
melde Dich unter amnesty@myunisg.
ch an!

www.molino.ch
Neue Sporthalle eröffnet
Mit der Eröffnung der Dreifachsport-
halle können wir das Sportangebot wie
oft gewünscht und nötig ausbauen: In
Sportarten, die massiv überbelegt wa-
ren (zum Beispiel im Fussballtraining
50 Personen in einem Training, viel zu
wenig Bodypump Lektionen, etc.) kön-
nen wir die Lektionenzahl erhöhen. Zu-
dem hat es Platz, um ab dem 28. März

Studentenrabatt
mit neuen Angeboten zu starten: Boot
Camp Kondi, Core Power Yoga, Power
Step, Speedball Fitness sowie Unihockey
Damen. SchülerInnen, StudentInnen und Lehrbeauftragte
essen gegen Vorweisung ihrer Legi

20% günstiger
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Bohl 1, 9000 St. Gallen
Telefon 071/ 223 45 03
Gründungsevent Aiducation
Sankt Gallen 7 Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr offen
Wie ihr vielleicht schon mitbekom-
Montag bis Samstag 08.00 bis 24.00 Uhr
men habt, gibt es mittlerweile auch an
Sonntag 09.00 bis 23.30 Uhr
der Universität St. Gallen ein Regional
Chapter der non-profit Bildungsorgani- Durchgehend warme Küche
sation Aiducation International.  Aidu-

April 2011 – prisma 11 Aktuell


prisma-Lektion #1
Die vier P's
Spass

PRISMA

PARTY

PRÜFUNG

PAUKEN

Glückseligkeit

braucht dich!
Mach mit beim Studentenmagazin der HSG

Wir sind immer auf der Suche nach frischen


— Redaktoren
— Autoren
— Layoutern
— Fotografen
Komm doch gleich mal an einer Redaktionssitzung (jeden Dienstag
um 20:15 am Oberer Graben 3) vorbei oder schreib eine E-Mail an
redaktion@prisma-hsg.ch.
Wir freuen uns auf dich!
S tudentenschaft
14 Executive School für Studierende:
Die Student Leaders Workshops
15 Sich stillvoll engangieren
16 Kommentar des SHSG-Präsidenten:
Gründen, gründen, gründen

Foto: David Weidmann


Executive School für Studierende:
Die Student Leaders Workshops
Bist du in einem Verein an der HSG ehrenamtlich tätig?
Dann wirst du dich sicherlich schon einmal gefragt haben,
wie du deinen Verein weiterentwickeln kannst. Was macht
gutes Vereinsmanagement aus und wie führst du deine
Kommilitonen verantwortungsbewusst und zielgerichtet?
E ine aktuelle Bachelor-Arbeit zeigt,
dass du mit diesen Fragen nicht al-
lein bist. Qualitative Interviews mit Ver-
einspräsidenten und Teamleitern von
HSG-Vereinen zeigen, dass es sich um

Vereinsführung
eine typische Fragestellung handelt. Auf
Basis dieser Ergebnisse hat sich die Stu-
dentenschaft in Kooperation mit dem
1x1 Verein «Civic - Students for Societal De-
velopment» das Ziel gesetzt, einen Bei-
trag zu wirkungsvollem Vereinsmanage-
ment zu leisten.

Konkreter Output dieses Vorhabens


sind die sogenannten Student Leaders
Workshops, eine einjährige Workshop-
reihe. Deren primäres Ziel ist die Refle-
xion der in der Vereinsführung gewon-
nenen Erfahrungen. Die Workshops
werden im nächsten akademischen
Jahr von September 2011 bis Mai 2012
zum ersten Mal durchgeführt. Zielgrup-
pe sind zehn bis zwölf Studierende, die
eine Führungsposition in einem Verein
(Präsident, Vorstand, Teamleiter) ein-
nehmen und Interesse haben, während
ihrer Amtszeit professionelle Begleitung
zu erfahren. Um das Commitment der
Teilnehmer sicherzustellen wird ein
Teilnehmerbeitrag erhoben.

Aufbau der Student Leaders


Workshops
Über das Jahr hinweg werden vier
ganztägige Kontaktveranstaltungen
durchgeführt, die das Thema «Führung
im ehrenamtlichen Kontext» behandeln.
Die konkreten Workshop-Themen sind
Leadership, Self-Leadership, Leadership
von Einzelnen sowie Leadership von und
innerhalb von Gruppen. In den Perioden
zwischen den Veranstaltungen finden ak-
tionsbasierte Übungen sowie Reflexions-
aufgaben alleine und in der Gruppe statt.

SHSG 14 prisma – April 2011


Die inhaltlich-didaktische Leitung Zusammenbringen von Führungsper-
der Workshops obliegt Jessica Ascha- sonen unterschiedlicher Vereine wird Idee:
ri-Lincoln, Partnerin bei ASG Strategy der Wissenstransfer und somit die Ver- Reflexion der im Vereinskontext ge-
Group. Sie ist Begleiterin von lernbasier- einskultur an der Universiät St. Gallen wonnenen Führungserfahrungen
ten Entwicklungsprozessen mit langjäh- aktiv weiterentwickelt. und damit ein Beitrag zu wirksamem
riger Vereinserfahrung in leitenden Posi- Next Steps Vereinsmanagement, Schaffung von
tionen. Dabei werden für die Workshops Ab Anfang Mai wird die Teilnahme zentralen Mehrwerten für die Teil-
themenadäquate Fachpersonen aus Wis- an den Student Leaders Workshops in- nehmer und die jeweiligen Vereine
senschaft und Praxis eingeladen. tensiv beworben. Über verschiedene
Die Student Leaders Workshops Kanäle wird euch die Studentenschaft Workshop-Leiterin:
werden vom Rektorat und von der Exe- über die Bewerbungsmöglichkeiten in- Jessica Aschari-Lincoln,
cutive School offiziell unterstützt. Für formieren. Gleichzeitig ist es wichtig, Int’l. Mag. BA
die erfolgreiche Teilnahme an den Stu- diese Initiative innerhalb eurer Vereins-
dent Leaders Workshops wird Rektor strukturen, insbesondere auch an eure Teilnahmebestätigung:
Thomas Bieger eine persönliche Teil- Nachfolger, zu kommunizieren und euch Zum Abschluss ausgehändigt durch
nahmebestätigung ausstellen. bei Interesse zu melden. Für Fragen ste- Rektor Thomas Bieger
hen euch Marcel Feurer (Gründer und
Zentrale Mehrwerte der Initia- ehemaliger Vereinspräsident Civic) und Zeitraum:
tive Malte Otremba (Vorstand Universitäts- September 2011 – Mai 2012
Durch diese Initiative sollen sowohl Entwicklung der SHSG) jederzeit zur
für die einzelnen Teilnehmer als auch Verfügung. Kosten für Studierende:
für den jeweiligen Verein Mehrwerte ge- Felix Leopold CHF 300
schaffen werden. Auf individueller Ebe- Vorstand Marketing & HR
ne geht es zudem um einen Beitrag zur Kontakt:
persönlichen Weiterentwicklung und Marcel Feurer (Marcel.Feurer@stu-
zur Ausbildung eines verantwortungs- dent.unisg.ch) & Malte Otremba (uni-
bewussten Führungsstils. Durch das entwicklung@myunisg.ch)

Sich stilvoll engagieren


Die neuen Statuten der Studentenschaft sind verabschie-
det. Damit werden ganz neue Beteiligungsmöglichkeiten
geschaffen.

W ie kann man unsere Universität


stilvoll mitgestalten? Diese Fra-
ge stellt sich die SHSG täglich. Aber was
eines neuen Masterprogramms disku-
tiert. Zusammengearbeitet wird direkt
mit den Professoren, die der jeweiligen
Auch das Studentenparlament wird
von den Veränderungen nicht unbe-
rührt bleiben: In Zukunft werden die
bedeutet stilvoll in diesem Kontext? Es School angehören. Darüber hinaus ist studentischen Gremienvertreter zusätz-
bedeutet, Anliegen und Interessen der der Senat weiterhin das höchste uni- lich im Studentenparlament einsitzen.
Studierenden zu vertreten und sich so versitäre Gremium. Ihm gehören alle Dort können wichtige Themen vor-
gezielt an universitären Entscheidungs- Professoren der Universität sowie einige oder nachdiskutiert werden, sodass die
prozessen zu beteiligen. studentische Vertreter an. Sie können Studierenden direkt bei den Entschei-
bei wichtigen strategischen Themen di- dungsträgern die Interessen aller Kom-
Mit dem neuen Universitätsstatut rekt mitentscheiden. Eine weitere inte- militonen vertreten können.
wurde die Abteilungsstruktur der HSG ressante Möglichkeit über die Zukunft
neu geregelt. So gibt es nun die School of der Forschung und Lehre unserer Uni- Hast du Interesse, dich als Gremien-
Management, School of Finance, School versität zu entscheiden, sind die Beru- vertreter zu engagieren und die Anlie-
of Humanities und Social Sciences, fungskommissionen. Ihr Ziel ist es, neu gen deiner Kommilitonen zu vertreten?
School of Law und School of Economics geschaffene oder frei gewordene Lehr- Dann bewirb dich jetzt mit dem Bewer-
and Political Sciences. In all diesen Or- stühle zu besetzen. Von der Auswahl der bungsformular von www.myunisg.ch
ganen gestalten studentische Vertreter Bewerbungen über Probevorträge bis per Mail an studentenschaft@myunisg.
die Universität direkt mit. So wird bei- hin zur endgültigen Entscheidung ist die ch.
spielsweise über neue Bachelorkurse studentische Stimme gefordert. Max Hesse
abgestimmt oder über die Einrichtung Vorstand Campus

April 2011 – prisma 15 SHSG


Kommentar des Präsidenten
Gründen, gründen, gründen
W er in letzter Zeit die Mitteilungen,
News und Medienberichte der
Universität verfolgt hat oder auch nur
zu positionieren. So beschäftigen sich die
unterschiedlichsten Gremien – von den
operativsten zu den strategischsten – mit
ab und zu aufmerksam durchs Haupt- dem Unternehmertum als zentralen Teil
gebäude läuft, wird feststellen, dass die der Kultur der HSG und wie man es stär-
Universität von einer ganzen Welle an ken könnte. Teilweise sogar soweit das
neuen Veranstaltungen und Initiativen manch einer eine inflationäre Benutzung
zur Stärkung des Unternehmertums er- des Wortes «unternehmerisch» erkennen
fasst worden ist. mag, dass immer mehr und mehr in allen
Papieren und Vorschlägen zur Entwick- SHSG Präsident Christian Funk
Die Gründergarage, der Preis des lung der HSG auftritt.
«Gründer des Jahres», das Center for auch immer damit zu tun, einen Beitrag
Entrepreneurial Excellence bis hin zum So begrüssenswert diese Entwick- zur Gesellschaft zu leisten und nicht nur
Entrepreneurship Programm mit allen lung ist, so klar sollte man aber auch se- Profit zu erwirtschaften.
daraus resultierenden Projekten oder hen, dass Unternehmertum – wenn falsch
den zahlreichen Vereinsgründungen, die verstanden – seine Schattenseiten haben Interessanter Weise finden aber gera-
seit der Inkraftsetzung des neuen Akkre- kann. Wenn es bei Gründungen oder de immer die Gründungen, hinter denen
ditierungsreglements der Uni am 1. April Start-Ups nur noch darum geht, Ängste mehr als Gewinnstreben steht, an der
wieder anlaufen. An der HSG wird ge- auszunutzen oder Gemeingüter, wie den HSG alle Unterstützung, die sie brauchen,
gründet. eigentlich vor kommerzieller Werbung ge- und sind damit auch erfolgreich. Auch im
schützten Ort einer öffentlichen Universi- Sinne erfolgreicher Gründens sollte es da-
Ganz offensichtlich ist die Universität tät, für private Zwecke auszunutzen und her nicht einfach ums Gründen per se ge-
bemüht, vom alten Klischee der HSG als daraus Profit zu schlagen, so stellt sich die hen, sondern immer um ein Gründen mit
«Kaderschmiede» weg zu kommen und Frage nach der Ethik dieser Gründungen. einem Zweck, der auch der Gesellschaft
die HSG neu als «Unternehmerschmiede» Wahres Unternehmertum hat schliesslich dient.

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SHSG
23307_abc.indd 1 16 prisma – April 2011 19.01.11 09:18
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18 Bachelor-Reform: Was ändert sich für dich?
20 «Mein Freund Harvey» im Studententheater
22 «Im deutschsprachigen Raum gibt es noch keine vergleich-
bare Plattform»
24 Challenge the Patience
26 Wenn ich gross bin, werd ich Chef
27 …denn sie wissen nicht, was sie tun
28 Rock die HSG mit UniMusic!

Foto: Andrin Buchli


Bachelor-Reform:
Was ändert sich für dich?
Eine umfassende Reform hat in fast allen Bachelorstudi-
engängen stattgefunden. prisma wirft einen Blick auf die
Änderungen und schaut, was sie im Einzelnen bedeuten.
Fabian.Fechner@student.unisg.ch Michael.Pum@student.unisg.ch
Redaktor Redaktor

A ls Jan Metzger, Studiensekretär der


HSG und damit Mitverantwort-
licher der Bachelorreform, Fehler in der
Managementlehre I und II» wurden
gestrichen, was seit Langem überfällig
war: Warum wurden IAler und VWLer
bei den Studierenden stossen werden.
Um so mehr Anlass zur Freude dürfte
die Tatsache geben, dass der unter den
Kommunikation derselben einräumte, gezwungen, eine abgespeckte Version IA-Studierenden sehr beliebte Prof. Dr.
konnte und wollte ihm wohl keiner der der BWL-Pflichfächer Marketing und Christoph Frei mit «Recht und Staat»
Adressaten widersprechen. Doch lassen Controlling zu belegen, wenn sie die nun endlich auch ein Pflichtfach im BIA
wir die administrativen Erstellungs- und Vollversion problemlos im Wahlbereich erhält.
Kommunikationsmängel einmal kurz belegen können? Während aber Marke-
beiseite und fragen uns, was die Reform ting zu eben diesem Wahlbereich wird, Neben der inhaltlichen Konzeptio-
für uns Studierende bedeutet. werden sich IAler in Zukunft in Con- nierung hat sich auch hinter der Kurs-
trolling mit den «BWL-Profis» in einem Fassade methodisch einiges getan, was
Wenn du im Bachelor BWL stu- Kurs im Zahlen-Hin-Und-Her-Schieben dem Charakter des Studiengangs gerecht
dierst, kannst du dich zurücklehnen und üben. So wird der BIA, langsam aber si- wird. Man setzt nun an der HSG, sowohl
an deinen bisherigen Studienplanungen cher, den wirtschaftsorientierten HSG- bei den verbliebenen, als auch bei den
festhalten. Für diesen Major sind mo- Schatten los und entwickelt sich weiter neuen Fächern, auf weniger zentrale
mentan keine Änderungen vorgesehen. zu einem wirklich eigenständigen Studi- Prüfungen und mehr schriftliche Haus-
Alle anderen Bachelor-Studierende er- engang. Dies ist auch in der neuen Aus- arbeiten. Das entlastet die Studierenden
fahren im Folgenden, was sich für sie richtung, weg von volkswirtschaftlichen in der Prüfungsphase und motiviert zu-
ändert. Fächern wie «Finanzwissenschaft», hin sätzlich zum eigenständigen, auf wert-
zu politischen Fächern, wie «Politische volle Transferleistung ausgerichteten,
Major Volkswirtschaftslehre Ideengeschichte», sichtbar. Studieren.
Im VWL-Bachelor ist es kaum zu
entscheidenden Veränderungen ge- Aber nicht nur im betriebswirt- Die Neukonzeptionierung des BIA
kommen. Der Pflichtbereich ist in seiner schaftlichen Bereich passt man den Ma- scheint somit eine durchweg runde Sache
Zusammensetzung und der Gewichtung jor zunehmend den Bedürfnissen seiner zu sein und wird hoffentlich dazu führen,
gleich geblieben. Lediglich eine Umge- Studierenden an. Auch im juristischen dass der Studiengang den Namen Inter-
wichtung von je zwei Credits zwischen Segment hat man mit den nun speziell nationale Beziehung auch wirklich ver-
juristischer Sektion und Wahlbereich für den BIA umkonzeptionierten Kursen dient.
hin zur betriebswirtschaftlichen Sekti- «Europarecht» und «Völkerrecht» dem
on und zum Pflichtwahlbereich ist vor- Umstand Rechnung getragen, dass IAler Majors Law und Law & Econo-
gesehen. Zwingend ist nun ausserdem anders an internationale rechtliche Fra- mics
die Prüfung in Englisch II, so dass hier gestellungen heran gehen, als Jus-Stu- Die grössten Veränderungen sind in
keine andere Sprache als Ersatz dienen dierende. den juristischen Programmen vorgese-
kann. Wenn man aber bedenkt, dass der hen. Sowohl der neubenannte Bachelor
Grossteil der Fachliteratur ohnehin auf Zudem wird auch die internationale of Arts in Law (BLaw) als auch der Bache-
Englisch ist, erscheint diese Anpassung Komponente gestärkt. Mit «Multilevel lor of Arts in Law and Economics (BLE)
logisch und konsequent. Governance» öffnet man sich zumin- werden durch die Reform wesentlich
dest an der Uni zunehmend der Euro- übersichtlicher, indem klare Strukturen
Major International Affairs päischen Union, was die Handschrift geschaffen werden. Hierfür werden zum
Grundsätzlich ist auch die Umstruk- des BIA-Leiters Prof. Dr. Dirk Lehmkuhl Beispiel Kurselemente zusammengelegt,
turierung des BIA an sich eine sinnvolle vermuten lässt. Selbigem ist wohl auch sodass Kurse mit höheren Credit-Zahlen
Sache. Praktisch jede Neuerung ist nach- die Einführung zweier weiterer Kurse angeboten und somit auch die Anzahl
vollziehbar und schafft eine Verbesse- zum Methodentraining zuzuschreiben, der Prüfungen reduziert werden. Der
rung für die konzeptionelle Ausrichtung die nach dem stressigen LWA im As- BLE und der BLaw beinhalten darüber
des Majors. Die Kurse «Grundlagen der sessment wohl auf wenig Begeisterung hinaus die Einführung eines neuen, Jus-

Campus 18 prisma – April 2011


bezogenen Kontextstudiums. Dadurch
werden auch die Grenzen zwischen Re-
flexions-, Kultureller- und Handlungs-
kompetenz aufgelöst. Auf diese Weise
wird die juristische Fachkompetenz

Universität St. Gallen (HSG)


wiederum gestärkt. Insgesamt sind die
Veränderungen positiv zu bewerten und
machen den Studiengang wertvoller.

Fazit
Wie sich zeigt, ist die Reform selbst
am Ende besser gelungen, als die Heran-
gehensweise vermuten liess und gleich-
sam erfolgreicher als die anschliessende
Als Studiensekretär war Kerstin Odendahl arbei- Christoph Frei wird nun
Kommunikation. Für die Studierenden, Jan Metzger für die Re- tete die Reform in den auch im IA-Pflichtbereich
die von Anfang an auf dieser Grundla- form mitverantwortlich. juristischen Program- eingesetzt.
ge ihren Major beginnen, wird es eine men mit aus.
gute Veränderung gewesen sein. Für alle
anderen, die unter der Zäsur ihrer Pla-
nungen leiden, kann man nur hoffen,
dass sich die Probleme mit der Zeit und
reichlichem Umplanen im Rahmen der
Übergangsregelungen schliesslich ver-
gessen lassen.
Tristan.Swysen@student.unisg.ch

K
Ressortleiter Aktuell

Fabian.Fechner@student.unisg.ch
Redaktor

Kommentar

D ie Umstrukturierung der vier Ba-


chelorstudiengänge VWL, IA, Jus
und Law & Economics ist gut. Und trotz-
frühere Umfrage hätte gleich zwei posi-
tive Effekte gehabt: Einerseits wäre die
Umstrukturierung demokratisch legiti-
dies nicht nur ärgerlich, sondern wird
auch richtig teuer. Die individuellen
Mehrkosten der «Zwangsumbuchung»
dem ist sie ein Schlag ins Gesicht für all miert gewesen und von Beginn an nahe ab Herbst 2011 dürften, besonders im
jene, die auf die mahnende Stimme der am Studierenden. Als Nebeneffekt wäre BLE & BLS, aber auch im BIA, im Ein-
HSG-Verantwortlichen gehört haben. jedem bewusst gewesen, dass eine Um- zelfall exorbitant sein, wenn man den
Stets wurde davon gesprochen, man strukturierung im Gange ist. Beides war finanziellen Zusatzaufwand berück-
solle sein Studium doch bitte besonnen nun nicht der Fall, ein Umstand, den die sichtigt: Neben den bereits genannten
und mit Weitblick planen. SHSG auch in ihrem Info-Shot vor Weih- zusätzlichen Studiengebühren, müssten
nachten stark kritisierte (siehe: www. die länger anfallenden Kosten für Miete
Im letzten Herbst wurde deutlich, myunisg.ch/infoshot-dezember201) und Verpflegung sowie die Opportuni-
dass eine offensichtlich seit Längerem tätskosten des verpassten Gehalts ein-
in der Planung befindliche Reform am Ein halbes Jahr Vorlaufzeit bei der kalkuliert werden.
Ende kurzerhand durch die verantwort- weitgreifenden Umstellung eines Cur-
lichen Gremien geboxt wurde, ohne dass riculums in Verbindung mit der Neu- Das alles hätte man verhindern
die betroffenen Studierenden ansatzwei- gewichtung von Kursen ist definitiv können, wenn doch nur eher kommu-
se genügend einbezogen worden waren. deutlich zu kurz. Wer das vergangene niziert worden wäre. Für eine Univer-
Zwar seien bestimmte Organisationen und/oder das laufende Semester an sität, die von ihren Absolventen als zu-
wie beispielsweise der IA-nahe Verein einer ausländischen Uni verbrachte künftige Führungskräfte verlangt, klar
VIAS zu Rate gezogen worden, aber die beziehungsweise verbringt oder auch kommunizieren zu können, ist eine sol-
breite Masse wurde ganz offensichtlich schon den kommenden Austausch ge- che Kommunikationspolitik und eine
nicht involviert. Und das, obwohl es ein plant hatte, dessen Planung wurde von derart mangelhafte Berücksichtigung
Leichtes gewesen wäre, über entspre- heute auf morgen über den Haufen ge- relevanter Anspruchsgruppen bei der
chende Informationskanäle Umfragen worfen und was bis dato ausgeklügelt Produktgestaltung – und nichts anderes
durchzuführen und auszuwerten. Eine und abgestimmt war, kann jetzt eines, ist die Konzeptionierung eines Studien-
Umfrage nach der Umstrukturierung im unglücklichen Extremfall sogar zwei gangs für die Uni – ein regelrechtes Ar-
war im vergangenen Januar ja offen- zusätzliche Semester an der HSG nötig mutszeugnis. Hin und wieder sollte man
bar auch möglich, obgleich selbst diese machen. Nach den kürzlich erlassenen seinen eigenen Massstäben gerecht wer-
Idee von der Studentenschaft kam. Eine Erhöhungen der Studiengebühren, ist den.

April 2011 – prisma 19 Campus


«Mein Freund Harvey»
im Studententheater
Die normalen Menschen sind ein schäbiges Gesindel.
Elwood P. Dowd, der Protagonist des Theaterstückes «Mein
Freund Harvey» von Mary Chase, aus dem Jahr 1944, ist
aber ganz anders.

I ch habe mich vierzig Jahre lang mit der


Wirklichkeit herumgeschlagen, Doktor.
Aber ich bin glücklich festzustellen, dass
treibt Dowd mit seinen Spinnereien be-
züglich Harvey seine Familie förmlich
die Wände hoch. Nach einem erneuten
«Mein Freund Harvey» ist das wohl
erfolgreichste Stück von Mary Chase.
1944 wurde es am Broadway uraufge-
ich sie schliesslich untergekriegt habe», Eklat, den sich Elwood in Anwesenheit führt und mit über 1‘700 Aufführungen
resümiert Elwood P. Dowd, die Haupt- geladener Gäste leistet, beschliesst Veta zu einem überwältigenden Erfolg. Ein
figur des Theaterstückes «Mein Freund ihn einweisen zu lassen. Schnell ent- Jahr später gewann Chase für diese Ko-
Harvey», sein Leben. Ein Kunststück, puppen sich die Psychologen aber als mödie, welche die Poesie über den All-
das dem gutmütigen Dowd mit Hilfe Quacksalber – versehentlich wird sogar tag und die Konventionen siegen lässt,
seines Freundes Harvey gelingt – einem Veta vorübergehend interniert. Es be- den Pulitzerpreis. Das Stück wird in
zwei Meter grossen Hasen, den ausser ginnt eine spannende, witzige und tief- diesem Semester vom Studententheater
Elwood niemand sehen kann. Der un- gründige Jagd nach Elwood und seinem aufgeführt.
sichtbare Harvey «lebt» mit Elwood, mysteriösen Freund Harvey, der bei al- Marc A. Iseli & Marc A. Mounier
dessen Schwester Veta und dessen Nich- len Geschehnissen stets seine Pfoten im Mitglieder der Studententheater-Crew
te Myrtle Mae unter einem Dach. Dort Spiel zu haben scheint.

Campus 20 prisma – April 2011


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April 2011 – prisma 21


«Im deutschsprachi- R esponsible Corporate Competitive-
ness», kurz RoCC genannt, ist ein

gen Raum gibt es


Profilbereich der School of Manage-
ment, bei welchem die Herausforde-
rungen einer verantwortungsvollen Un-

noch keine vergleich- ternehmensführung und -strategie im


Fokus stehen. Unter akademischer Lei-
tung von Professor Christoph Lechner

bare Plattform» beteiligen sich bereits 30 Professoren


und Wissenschaftler an diesem Profilbe-
reich. Einer von ihnen ist Markus Kreut-
zer, Assistenzprofessor für strategisches

Mit «RoCC Management Insights» star- Management an der HSG. Er ist für die
Konzeption, Planung und Koordinie-
tet die HSG demnächst eine neue inter- rung der so genannten «RoCC Manage-
ment Insights» verantwortlich.
aktive Wissenschaftsplattform. Doch Was verstehen Sie unter «Responsible
was hat es mit RoCC auf sich? prisma Corporate Competitiveness»?
Die Idee des Profilbereichs ist es,
geht für euch der Sache auf den Grund. lehrstuhl- und institutsübergreifend
laufende Projekte zu bündeln, die in-
terne Zusammenarbeit zu fördern und
ganz neue Projekte zu lancieren, die
keinen limitierten Blickwinkel aus einer
Strategieperspektive vorweisen. Im Pro-

Campus 22 prisma – April 2011


filbereich RoCC steht die Frage im Vor- tern ist Interaktion ein zentrales Anlie- schaft und ihre Forschungsschwer-
dergrund, wie Konzernführungskräfte gen – wir möchten einen Austausch zu punkte näher kennen zu lernen. Zusätz-
verschiedenste Ansprüche von Inve- diesen Themen ermöglichen. Wir bieten lich erhalten Studierende zu Themen,
storen, Kunden, Wettbewerbern und dem Leser zwei Möglichkeiten, mit uns die sie interessieren, eine kurze und ver-
der Gesellschaft balancieren und aus- in Kontakt zu treten: Er kann Insights ständliche Einsicht. Unsere Forschungs-
gleichen, um Mehrwert zu generieren, kommentieren und bewerten. ergebnisse helfen Managern wie auch
der über einzelne Geschäftseinheiten Studierenden, die Herausforderungen
hinausgeht. Das heisst wir stellen uns An welche Zielgruppen richten sich die einer verantwortungsvollen Unterneh-
die Frage: Wie können Konzerne verant- Management Insights? mensführung erfolgreich zu bewältigen.
wortungsvoll gesteuert und koordiniert Wir wollen uns an einen weit ge-
werden? streuten Personenkreis wenden, der In- Mit welcher Frequenz werden die Insights
teresse an unseren Ergebnissen haben ins Netz gestellt?
Wie kam es zur Entstehung von «RoCC könnte und sollte. Neben der breiten Wir werden zunächst mit ungefähr
Management Insights»? Öffentlichkeit richten wir uns an Ma- zehn Videos online gehen. Danach pla-
Die Idee kam dadurch auf, dass wir nager und darunter natürlich zentral an nen wir, kontinuierlich im Schnitt jeden
von unterschiedlichen Seiten darauf unsere HSG Alumni. Gleichzeitig wollen Monat eine neue Management Insight
hingewiesen wurden, dass die verschie- wir aber auch Studierende der HSG auf hochzuschalten. Es lohnt sich also,
denen Einsichten, die hier an der HSG bestimmte Managementherausforde- regelmässig auf unsere Plattform zu
generiert werden, nicht ausreichend in rungen aufmerksam machen und spezi- schauen.
der Öffentlichkeit oder von Studieren- fische Aspekte beleuchten. Zanet Zabarac
denseite wahrgenommen werden. Das
wollen wir ändern. Darum haben wir uns Gibt es andere Universitäten, die derar- RoCC für euch
zum Ziel gesetzt, diese Brücke zu schla- tige Medien nutzen?
gen und unsere Forschungsergebnisse Solche Plattformen rücken momen- Interessiert? Die Plattform erreicht
einer breiten Öffentlichkeit zugänglich tan vor allem an führenden internatio- ihr unter www.rocc.unisg.ch.
zu machen. Um das Ganze transparent nalen Business Schools stärker in den
und gut erreichbar zu machen, hatten Fokus. Im deutschsprachigen Raum
wir die Überlegung, neue Medien zu gibt es unseres Wissens noch keine ver-
nutzen. Dabei gelangten wir zum Ent- gleichbare Plattform. Auch haben wir
schluss, mittels einer Onlineplattform über eine starke Praxisorientierung,
und zwei zentralen Informationsgefäs- die aber gleichzeitig auf verlässlicher
sen, eines kurzen Interviews sowie einer Forschung basiert, den typischen HSG-
Präsentation zu arbeiten. Touch integriert, was dieses Angebot
nicht vergleichbar macht.
Was soll mit diesen Management Insights
Videos erreicht werden? Worin sehen Sie Vorteile für die Studie- Prof. Dr. Markus Kreutzer ist für die
In erster Linie erhoffe ich mir eine renden? Konzeption, Planung und Koordinie-
höhere Transparenz und Visualisierung «RoCC Management Insights» bietet rung der so genannten «RoCC Ma-
unserer Forschung zu zentralen Ma- zum einen die Chance, die Professoren- nagement Insights» verantwortlich.
nagementherausforderungen. Des Wei-

Unsere Kunden informieren


und direkt an ihr Ziel bringen.
Das begeistert mich.

Gemeinsam täglich eine Meisterleistung.


April 2011sbb.ch/jobs
– prisma 23 Campus
Challenge the Patience
Am Ende der sicherlich bereichernden Konferenz «Chal-
lenge the Best» fand am 28. Februar eine einschläfernde
und ihrem Namen nicht gerecht werdende Panel-Debatte
statt. Drohen Veranstaltungen an unserer Uni am ureige-
nen Elitegehabe der HSG zu scheitern?
Tristan.Swysen@student.unisg.ch
Ressortleiter Aktuell

V oranstellen möchte ich aller Kritik,


dass ich Studierenden meiner Uni-
versität dankbar bin für jedes zusätzliche
haben, einlädt, der muss sich nicht wun-
dern, wenn sie in einer Diskussion, die ja
teils auch nur bedingt mit ihrem jewei-
solche Veranstaltung zum Problem und
geht leider völlig am Ziel vorbei. Anstatt
einer BBC-Angestellten hätte es wohl
Engagement, das sie neben dem Studi- ligen Fachgebiet zu tun hatte, profillos auch eine engagierte Studentin an die-
um erbringen. Ich bin mir bewusst, wel- erscheinen. Eine solche Veranstaltung ser Stelle getan. Überhaupt liegt hier der
che Arbeit die Organisation einer gros- braucht Menschen mit einer Vision und Hund begraben: Warum müssen die so
sen Konferenz wie Challenge the Best Mitteilungsbedürfnis. Die Teilnehmer genannten Besten denn immer einen
mit sich bringt. Umso frustrierender ist der Diskussion haben beides bisweilen überragenden Namen haben oder von
es, wenn die eigentlich öffentlichkeits- vermissen lassen. Mit Ausnahme der Po- einer überragenden Institution kom-
wirksame Abschlussveranstaltung der litikerin, die wenigstens hin und wieder men? Was bringt mir der Vize des Club
geleisteten Arbeit nicht gerecht wird. etwas Enthusiasmus und Anteilnahme of Rome, wenn er am Ende die Aussa-
zeigte, waren die Aussagen der weiteren gen eines beliebigen Geschäftsmannes
Ausrangiert oder schlicht Teilnehmer entweder nahezu inhaltsleer macht? Wozu einen Nobelpreisträger in
keinen Bock? oder so unpersönlich, dass sie jeder an- Physik, der zwar bisweilen unterhaltsam
Jeder der Teilnehmer an der «De- dere in der Runde hätte von sich geben war, aber sonst nicht viel beizutragen
batte» hatte seine Berechtigung zur können. Ich habe es sehr bedauert, dass vermochte und am Thema vorbeiredete?
Anwesenheit. Sie haben für unsere Ge- – bis auf wenige Ausnahmen – der Geist Auch auf die Gefahr, mich zu wiederho-
sellschaft jeweils einen wichtigen (aka- einer packenden und belebten Diskussi- len: Wozu die BBC?
demischen) Dienst erwiesen. Und ver- on ausblieb.
mutlich liegt es genau an dieser einen Sensationsgeilheit an der HSG
Tatsache, dass diese Debatte so wenig Wer sind denn die Besten? Die Antwort auf diese Fragen kommt
mit Debattieren zu tun hatte, wie die Ge- Wenn diese profillosen Redner direkt aus unserer Mitte. Der Ursprung
nossenschaft mit Genossen. Wer Men- dann noch mit einer übereifrigen Mo- dieses Übels liegt mitten in der unend-
schen im rentenfähigen Alter, die in ih- deratorin gepaart sind, die gegensätz- lichen Arroganz und dem elitären Selbst-
rem Leben die grössten Auszeichnungen lich zu ihnen alles tut, um sich selbst verständnis von uns HSG-Studierenden.
und Errungenschaften bereits erreicht in den Mittelpunkt zu stellen, wird eine Frei nach dem Motto «Für die Elite bitte

Campus 24 prisma – April 2011


Raphael Güller
Die Panel-Diskussion am Challenge the Best.

nur das Beste» müssen Veranstalter sol- tiertesten Studenten zu feiern, ernsthaft Challenge the Best
cher Konferenzen um Publikum bangen, Zustände.
wenn No-Names geladen werden. Dass «Challenge the Best» is an initiative
engagierte und aufstrebende Forscher Eine neue Bescheidenheit by the Student Union of the Universi-
und Publizisten aber möglicherweise Trotz allem würde ich mich persön- ty of St. Gallen. It is a forum, bringing
besser geeignet wären, scheint den mei- lich sehr freuen, wenn Challenge the together the most talented European
sten egal zu sein. Hauptsache man kann Best auch im nächsten Jahr wieder an students with scholars and experts
am Ende des Tages behaupten, zwei No- der HSG stattfinden würde. Ich glaube of utmost excellence, in short: the
belpreisträger und eine Handvoll ande- nach wie vor daran, dass die Veranstal- Best. Allowing thoroughly prepared
rer Berühmtheiten getroffen zu haben. tung eine Bereicherung für die Uni dar- students to challenge accomplished
Da fühlt man sich gleich noch ein biss- stellt und habe auch durchaus gehört, guest experts leads to amazingly pro-
chen elitärer. dass das Panel unrepräsentativ für den ductive and rewarding intergenerati-
Output der restlichen Konferenztage onal workshops – unparalleled by any
Unser Selbstverständnis war. Dennoch kann es, glaube ich, nicht other student forum. These eclectic
Wie weit unsere Selbstbeweihräu- schaden, die Definition der «Besten» workshop teams draft specific Lines
cherung bisweilen reicht, war schon der für das nächste Mal zu hinterfragen und of Action, addressing sustainable so-
Einladung zur Panel-Debatte zu ent- auch bei der Einladung von Gästen we- lutions for global challenges.
nehmen. Dort heisst es «we welcome niger nach der Marke und mehr nach Übernommen von: www.challenget-
[...] 42 of Europe’s most talented stu- dem Inhalt zu gehen. Ich wäre erfreut, hebest.org
dents». Egal, wer am Ende dabei gewe- wenn die nächstjährige Veranstaltung
sen ist: Der Superlativ in diesem Satz ist
völlig vermessen. Und wenn ich dann
mehr den Intellekt als die Geduld der
Zuschauer herausfordern würde. @
in dem Review-Video noch eine über-
Wie fandest du die Panel-
proportionale Präsenz von HSGlern an Diskussion? Sag uns deine
der Konferenz feststelle, bekomme ich Meinung unter
www.prisma-hsg.ch/heft
bei der Hybris, sich selbst als die talen-

April 2011 – prisma 25 Campus


Wenn ich gross bin, werd ich Chef

Die HSG steht im Ruf, die künftigen Führungskräfte dieses


Landes hervorzubringen. Dennoch gibt es hier kein Master-
programm in Unternehmensführung, das allen Bachelorab-
solventen offenstehen würde. Die Universitätsleitung hat das
Problem erkannt.

weltweit viertbesten Masterprogramm


in Management gekürt – eine Auszeich-
nung für die Anstrengungen der HSG in
der Managementforschung und -lehre,
wie es die Verantwortlichen formulieren.
Doch warum dürfen nicht alle Bachelor-
absolventen von diesen Anstrengungen
profitieren?

Ab kommendem Herbst hätte der


Master in Organisation und Kultur für die
oben beschriebenen Allrounder-Talente
eine wertvolle Alternative darstellen
können. Doch auch dieser steht nur je-
nen offen, die mindestens einen Schnitt
von 5.0 aus dem Bachelor mitbringen
und noch weitere Aufnahmekriterien
erfüllen. Können diese Programme nur
Auch Unternehmungsführung muss gelernt sein. Zulassungsbeschränkungen zu den dann genügend Gewicht im CV eines
HSG-Master-Progammen können dies jedoch erschweren. HSG-Absolventen erzielen, wenn sie di-
ese Exklusivität wahren? Ganz falsch ist

D ie Anmeldefrist für den Master-


eintritt im Herbst steht kurz bevor.
Praktisch ein ganzer BWL-Jahrgang wird
gieren zu können, die Dinge am liebsten
gesamthaft betrachtet und man auch
keine bestimmte Branche anstrebt?
dieser Verdacht wohl nicht, denn eine
nicht repräsentative Umfrage unter Un-
ternehmensvertretern an der HSG Ta-
sich in diesen Tagen entscheiden müs- Wenn man zwar schon ein bisschen kre- lents Conference macht deutlich, dass
sen, in welcher Richtung es auf der Ma- ativ ist, aber durchaus auch gerne mal besonders die Spezialisten gefragt sind,
sterstufe weitergehen soll. Doch welche etwas analytisch angeht, Technologie nicht die Allrounder.
Optionen stehen überhaupt zur Wahl? zwar kein Fremdwort ist, man sich aber
Da sind auf der einen Seite die mathe- nicht immer gleich als Erster für die neu- Die HSG hat das Problem er-
matiklastigen Programme wie Banking esten Entwicklungen begeistert? fasst
& Finance und Accounting & Finance, Nichtsdestotrotz hat die Universi-
auf der anderen Seite der Marketingma- Exklusivität als Verkaufsargu- tätsleitung offenbar verstanden, dass ein
ster für die «Kreativen» und nicht zuletzt ment? gewisses Bedürfnis nach einem offenen
der IMT-Master für die «Techies», die in Es gibt zwar den SIM-Master, doch Masterprogramm in Unternehmens-
der Vorlesung mit iPad und iPhone jon- dafür sind die Zulassungsbedingungen führung besteht. Aus diesem Grund
glieren und ihre Gruppendiskussionen ziemlich hoch, wie es prisma im letzten wird zurzeit unter der Federführung
über Twitter abwickeln. Heft vorgerechnet hat. Kritische Stim- der School of Management (SoM) ein
men behaupten, diese Zulassungsbe- entsprechendes Programm erarbeitet.
Natürlich ist das ein wenig übertrie- schränkungen zu den Masterprogram- Wenn alles optimal verläuft, können be-
ben – doch was, wenn man tatsächlich men zielten nur darauf ab, die HSG in reits ab dem Herbstsemester 2012 erste
in keine dieser Kategorien passt? Was, den internationalen Rankings besserzu- Bachelorabsolventen von diesem neuen
wenn man sein Talent effektiv darin stellen. Und tatsächlich wurde der SIM Angebot profitieren.
sieht, gut planen, organisieren und dele- letztes Jahr von der Financial Times zum Fiona Hostettler

Campus 26 prisma – April 2011


…denn sie wissen nicht,
was sie tun
Im Reko-Kurs Wirtschaftsethik werden Fragen zum Sinn
und Zweck der Wirtschaft untersucht. Eine Kursempfehlung
für HSGler, die ihren Kopf benutzen und eine verhängnisvolle
Bildungslücke schliessen wollen.

E s gibt eine Sache, die Finanzanaly-


sten niemals verstehen werden, und
das ist die Wirtschaft. Finanzanalysten
ologischen Hintergrund entstanden und
von einer subjektiven Werthaltung ge-
prägt.
und keine isolierte Disziplin der Wirt-
schaft, sondern eine Prozesskompetenz
und Querschnittsfunktion, die (bereits
glauben, dass Unternehmen Geld ma- implizit) als integrativer Bestandteil je-
chen. «Unternehmen machen Schuhe», Als aufgeklärte, kritische Studieren- der ökonomischen Analyse und Tätig-
erklärt Peter Drucker. Wir sind uns wohl den wissen wir eigentlich, dass implizite keit jeden Handelnden betrifft. Die Ethik
einig darüber, dass die Wirtschaft kein Annahmen und Werturteile nicht unre- muss aber explizit, nicht passiv oder zu-
Selbstzweck ist, also nicht um ihrer selbst flektiert wiedergegeben werden dürfen: fällig betrieben werden.
willen existiert. Ihre Existenz beruht auf Was, wenn sie sich als unvollständig,
menschlichem Handeln, sie soll dem verkürzt oder nicht anwendbar heraus- «Pfff... Wirtschaftsethik ist un-
Menschen dienen und ein gutes Leben stellen? Die Wirtschaftsethik deckt ide- rentabel und irrelevant»
ermöglichen. «Wirtschaften heisst Werte ologische Paradigmen auf und betrach- Auch wenn dich ethische Fragen
schaffen – aber welche Werte für wen?», tet Modelle aus einer ganzheitlichen nicht interessieren, du wirst – unabhän-
fragt Peter Ulrich, emeritierter Professor Perspektive, was für ein umfassendes gig vom Label «ethisch» – während dei-
für Wirtschaftsethik an der HSG. Diese Verständnis unabdingbar ist. Wenn wir ner beruflichen Laufbahn zwangsläufig
grundsätzliche Frage müsste eigentlich zum Beispiel von Wettbewerb und Win- und ständig damit konfrontiert werden.
jeden Wirtschaftler brennend interessie- win-Tauschverhältnissen sprechen, Kein Unternehmen kommt darum he-
ren, da sie den Kernbereich seiner Tätig- wieso nicht auch von Wettbewerbsver- rum, sei es in der Diskussion um Löhne
keit betrifft. Geld oder Schuhe? Was ist lierern? Wenn wir von Wertschöpfung der Unternehmensleitung oder bei der
der Sinn des Wirtschaftens und wie wird und Gewinn sprechen, wieso fragen Debatte um Arbeitsbedingungen in der
es legitimiert? wir nicht, wie viel Gewinn unter wel- Zuliefererkette. Man ist also gut bera-
chen Bedingungen legitim ist? Gibt es ten, sich früh genug mit diesen Themen
Wirtschaften ist nicht Photo- zu viel Gewinn, und wenn ja, wann? In auseinanderzusetzen. Wie soll man die
synthese der Wirtschaftsethik geht es um beide richtige Entscheidung treffen, ohne zu
Wirtschaft als Sozialwissenschaft Seiten der Medaille, weshalb sie essen- wissen, was man tut, wieso und für wen?
unterscheidet sich von den Naturwis- zieller Bestandteil jeder wirtschaftlichen Viele von uns streben eine führende Po-
senschaften unter anderem durch ihre Grundausbildung ist oder es zumindest sition an. Nur wer umfassend über die
Normativität. Niemand fragt nach der sein sollte. Herausforderungen, Dimensionen und
moralischen Qualität der Photosynthe- Konsequenzen seines Handelns infor-
se. Sobald es aber, wie in der Wirtschaft, Wirtschaftsethik ist nicht nur ein miert ist, kann die Verantwortung wahr-
um menschliches Handeln geht, ver- Inhalt, sondern auch eine Methode: Es nehmen, die eine solche Position mit
lassen wir das Gebiet der naturwissen- geht um Aufklärung und Reflektion, da- sich bringt.
schaftlichen Tatsachen. Diese Erkennt- rum, die richtigen Fragen zu stellen. Da-
nis ist wichtig, weil alle ökonomischen bei bleibt jedem selbst überlassen, wie In diesem Sinne, wenn es das näch-
Theorien und Konzepte, die wir lernen, er im jeweiligen Fall argumentiert und ste Mal ans Bidding geht: Denk an Wirt-
von Menschen entwickelt wurden. Da- urteilt und welche Konsequenzen er da- schaftsethik!
mit sind sie vor einem bestimmten ide- raus zieht. Damit ist Ethik kein Teilgebiet Regula Meng

April 2011 – prisma 27 Campus


Rock die HSG mit UniMusic!
Endlich mehr Kultur an der HSG? Von den düsteren
Zeiten der ersten (unfreiwilligen) musikalischen Gehver-
suche hin zu einer neuen Herausforderung.
UniMusic – hier wird dir geholfen.

B evor du mit deinen Freunden raus gehen kannst, spielst


du noch dreimal das schöne Lied von Clayderman, mor-
gen ist schliesslich Klavierstunde!» Solche Situationen ha-
ben die meisten in den frühen Tagen ihrer Musikerziehung
erlebt. Wütend setzt man sich ans Klavier und natürlich will

UniMusic
das Lied genau dann nicht gelingen, innerlich (oder auch
lautstark) verflucht man jeden und alles und schwört sich,
nie mehr einen Finger auf die Tasten zu legen, wenn man
erst alt genug ist, selbst da-
rüber zu bestimmen. Doch
kommt es meist anders. Frü- tet die ideale Plattform für
her oder später kommt die Musikinteressierte, die ihr
Erkenntnis: Ob als Ausgleich Können vertiefen oder neu
zu Studium und Beruf, als entdecken wollen. In Ergän-
neue Herausforderung oder zung zum Kernangebot Musi-
weil es einfach Spass macht – kunterricht werden Konzerte
Musikunterricht bereichert. und weitere Musikevents or-
ganisiert. Dank freundlicher
Wohin mit deiner Unterstützung von Helvetia
Kreativität? und Raiffeisen können wir
UniMusic

UniMusic, der Verein renommierte und erfahrene


der Musikfreunde an der Lehrpersonen zu absoluten
Universität St. Gallen, bie- Top-Konditionen anbieten
– und als Ergebnis unserer
neuesten Kooperation erhalten Mitglieder des Uni-Orchesters
einen zusätzlichen Rabatt.

Interessiert? Dann besuche uns auf www.unimusic.ch.vu


oder schreib eine Mail an unimusic@myunisg.ch. Natürlich
freuen wir uns auch über neue musikalische Ideen – wie wäre
es zum Beispiel mit der Gründung einer HSG-Rockband?
Stefania Dermont & Marcel Höke
Präsidentin & Vizepräsident Unimusic
UniMusic

Lust auch neben dem Studium zu rocken? Hier bist du richtig!

Campus 28 prisma – April 2011


T hema
30 Home Sweet Home
32 Der HSG Style-Check
34 «Stil ist immer etwas Eigenes»
35 Der Antistil
36 FührungsStil !?
38 Stil und Gehorsam

Foto: Lisa Jaeggli


Home Sweet Home
prisma liess die Einrichtung von vier Studenten-Wohnun-
gen durch einen Experten bewerten. Hier ist sein Urteil:

Steffi
Fotos: Lisa Jaeggli

Sofort sieht man, dass die Dame sehr


England-affin ist und zudem einen
offensichtlichen Schuhfetisch hat.
In Anbetracht dessen, dass sie
diesen nicht in einem Schuh-
schrank zu verstecken versucht,
kann man annehmen, dass sie
ihre Neigungen offen zugibt
und sich nicht scheut, zu
ihren Wünschen und
Träumen zu stehen. Die
verlassene Topfpflanze
im Wohnzimmer zeigt,
wie die volle Tasche,
dass sie wohl kaum ein
Heimmütterchen ist
und jederzeit für einen
spontanen Kurztrip
zur Verfügung steht.

Long
Der Eiffelturm und das Grossstadt-
bild deuten auf einen offenen Geist
hin. Die gestapelten Schuh-
schachteln wirken hingegen
inszeniert und gekünstelt. Sie
könnten aber auch Überreste
einer frühkindlichen Prägung
durch den Spieleklassiker
TETRIS darstellen. Der
rote Kürbis ist ähnlich
wie der Granatapfel
ein Zeichen für Lei-
denschaft und Krea-
tivität. Als Korrektiv
wirkt das schwarze
und schwere Holz
des Bettes. Das Bett
ist der sprichwört-
liche Fels in der
Brandung, der un-
verrückbar seine Stel-
lung hält – auch wenn
es emotional hoch her
geht.

Thema 30 prisma – April 2011


Unser Experte:
Professor Dr. Carlos de Bien Montagna
Aufgewachsen in Mexiko und promoviert an der Kunstuniversität von Kabul ist
Professor de Bien Montagna ein gesuchter Psychologe, der sich besonders auf die
Analyse von Wohnungen spezialisiert hat. Er selbst lebt in einem weissen Rund-
zelt, das überall hin mitreist.

Samuel
Stil ist für diesen jungen Mann kein
Fremdwort: Beginnend beim Uni-
on Jack, der ausgeblichenen Welt-
karte und endend bei den farblich
abgestimmten Schuhen. Auch die
Gitarre wirkt auf den ersten Blick
hip. Doch könnte sie genauso
gut an einem Nagel befestigt
von der Wand hängen. Da-
durch würde sie ihrer Rolle
als Stilelement ebenfalls
gerecht werden. Die Fa-
milienfotos weisen auf
eine starke familiäre Ver-
bundenheit hin. Die Fami-
lie gleich neben der Welt-
karte dient metaphorisch als
Ausgangspunkt für die Ent-
deckung der Welt.

Simone
Willkommen im IKEA Wohnungs-
katalog, Unterkategorie moderne
Singlefrauen in der (Gross)-Stadt.
Die bis in den letzten Winkel
aufgeräumte und durchge-
plante Wohnung zeugt von einer
selbstbewussten Frau, die ihr Le-
ben voll unter Kontrolle hat. Den-
noch sucht sie die Kälte eines
stringenten Lebens durch
die flauschige Wärme
einer Kuscheldecke zu
mildern. Hinzu kommt
ein ausgeprägter Sinn
für Mode, der sich
durch die Frauen- und
Modezeitschriften
und den grossen Spie-
gel äussert. Sie ist die
junge Carrie Bradshaw
St. Gallens: Mit beiden
Beinen im Leben und
auf der Suche nach ihrem
Mr. Big.

April 2011 – prisma 31 Thema


Der HSG Style-Check
An Selbstbewusstsein mangelt es HSG-Studierenden
nicht. Aber beinhaltet ein grosses Selbstbewusstsein
auch guten Stil? Lassen wir die Experten entscheiden.

Olivia
Amanda Ammann:
Super! Die Fliegerbrille, die lange
Kette, das blaue Shirt – stimmig und
chic.

Amanda Ammann: Christine Kaufmann:


Amanda war 2007 Miss Schweiz. Sie war Das perfekte Frühlingoutfit, chic und casu-
in zahlreichen Kampagnen, unter ande- al zugleich. Eine gelungene Kombination für
rem von Jelmoli und Vögele Shoes, zu einen entspannten Tag an der frischen Luft.
sehen. Sie arbeitet neben ihrem Studi-
um an der HSG immer noch im Mode- Clifford Lilley:
und Showbusiness. Ich liebe Olivias Outfit. Dieses Blau fin-
de ich klasse und den Mantel sowieso.
Cooles outfit, gut und stylish
kombiniert!

Christine Kaufmann:
Christine studiert im zweiten Semester
an der HSG und arbeitet seit einigen Jürg
Jahren nebenbei als Modeberaterin, ak-
tuell für Vero Moda. Nach dem Studium Amanda Ammann:
würde sie gerne in der Branche bleiben Ein sehr legerer Look, aber passend zum Typ.
und im Marketing tätig sein. Nur der Schal fällt irgendwie aus dem Rahmen,
meiner Meinung nach ein zu grosser Stilbruch.

Christine Kaufmann:
Schlicht und einfach, doch der Schal verleiht dem
ganzen noch ein bisschen Farbe und wer solche Au-
gen hat, braucht auch unbedingt solch einen Schal!

Clifford Lilley:
Simone Steiner und Zanet Zabarac

Jürgs Outfit ist ganz okay, aber der Schal ist sehr
feminin, vor allem so, wie er ihn trägt...
Clifford Lilley:
Clifford ist Stylist, Fashion Consultant
und Imageberater. Er hat unter anderem
schon bei Produktionen von Sat1 und
Redaktion und Foto:

Pro7 mitgearbeitet und ist auch regel-


mässig im Radio zu hören. Zudem ist er,
zusammen mit Jeroen van Rooijen, Au-
tor des Buches «Der Dresscode».
Matthias
Amanda Ammann:
Kann es sein, dass das Hemd etwas zu gross ist? Zumindest sind
die Ärmel sicher zu lang. Aber ich mag die Schuhe, gebrauchte
Converse haben etwas für sich.

Christine Kaufmann:
Der Junge von Nebenan. So wie man die Männerwelt
kennt; schnell, bequem und funktional muss es sein und
solange die Schuhe keine Klettverschlüsse haben, ist
alles Uni-tauglich.

Clifford Lilley:
Matthias Outfit erinnert mich an einen Compu-
ternerd. Abercrombie ist aber eine gute Marke
für Studenten, wie ich finde. Das Hemd und die
Schuhe gefallen mir sehr gut, aber er kommt
nicht sehr gestylt rüber. Hemdärmel
aufrollen, einen Knopf am Hals auf- Rafael
machen: Ein bisschen lockerer
muss es sein. Amanda Ammann:
Man sieht, dass er sich bei dem
Styling etwas überlegt hat, es sieht
sehr stimmig aus. Aber wieder stören mich
die Schuhe, ich hätte sie zur Tasche passend
gewählt.

Christine Kaufmann:
Mutige Männer braucht das Land! Warum dürfen
sich nur Mädels bunte Kleidchen überziehen, wenn
auch Jungs geheime Schätze in ihren Schränken
hüten?

Clifford Lilley:
Da gibt es nichts zu meckern. Das
Outfit ist gut kombiniert, insbe-
sondere mit dem schwar-
Annette zen Schal.

Amanda Ammann:
Das ist eine schöne Kombination
und wirkt sehr natürlich. Ausserdem
hat sie tolle Beine. Allerdings hätte ich
andere Schuhe angezogen, zum Beispiel
Stiefel, so würde es noch etwas peppiger wir-
ken.

Christine Kaufmann:
Wer solch feuriges Haar hat, kann auch mit einem ausgelatschten
Schlabberpulli rumlaufen und fällt trotzdem auf. Ein kurz geschnitte-
ner Jupe mit einem lässigen Printshirt ist jedoch definitiv die attraktivere
Variante.

Clifford Lilley:
Annettes Outfit ist trendig, aber ein bisschen langweilig kombiniert. Zudem
sehen die Ballerinas nicht schön aus.
Amanda Ammann:
Alter: 24 Jahre

Charlotte Claesson
Liebesleben: Leider schon vergeben
Interessen: Reisen, Tauchen, Motor-
rad fahren, Tennis, Fitness, Lesen

«Stil ist immer etwas Eigenes»


A manda Ammann wurde 2007 zur
Miss Schweiz gekürt und studiert
im 7. Semester Internationale Bezie-
Ganz einfach aus dem Grund, dass die
Leute, die mich für den Auftritt buchen,
etwas von mir erwarten. Sie wollen nun
Was würdest du jemandem raten, der
noch seinen eigenen Stil sucht?
Sehr wichtig finde ich, dass man kei-
hungen. prisma hat nachgefragt, was sie mal etwas Schönes sehen! nem bestimmten Trend hinterherläuft.
zum Thema Stil zu sagen hat. Man sollte einfach auf sich selbst hören
Du hast deinen Bachelor in Genf gemacht und auch darauf achten, welche Farben
Amanda, was ist für dich persönlich Stil? und bist jetzt für den Master hierher ge- einem gefallen. Es gibt Menschen, die
Nicht nur die Kleider, sondern die kommen. Gibt es denn Unterschiede be- haben es einfach im Blut und wissen,
ganze Einstellung und Ausstrahlung züglich des Stils zwischen den Studieren- was zusammenpasst. Andere wiederum
einer Person machen für mich den Stil den hier und denjenigen der Uni Genf? können die teuersten Kleider kaufen,
aus. Das Verhalten einer Person, und Die Unterschiede sind schon extrem. wissen sie aber nicht zu kombinieren.
wie sie sich gibt, zeigt, ob sie stilvoll ist Genf war farbiger, es gab viele Studenten Auf der Suche nach dem eigenen Stil
oder nicht. Es gibt einfach Menschen, die etwas ausprobiert haben, flippig wa- kann es auch hilfreich sein, wenn man
die haben Stil, und man merkt es sofort ren. Das ist vermutlich auch darauf zu- sich von einer Ikone ein wenig inspi-
an ihrer Ausstrahlung und an ihrem Er- rückzuführen, dass die Universität Genf rieren lässt. Vermutlich hat jeder in sei-
scheinungsbild. Und natürlich ist Stil sehr international ist und Studenten aus nem Kleiderschrank tolle Stücke hängen
auch immer etwas Eigenes. Jeden Trend allen Teilen der Welt dort studieren. Der und weiss nur nicht, wie man sie richtig
mitzumachen, nur um «in» zu sein, hat Stil ist multikultureller geprägt. Hier an kombinieren könnte. Da empfehle ich,
nichts mit «eigen» oder «stilvoll» zu tun. der HSG ist der Stil der Studenten mehr- einfach mal in Magazine zu blicken oder
heitlich sehr klassisch. Viele tragen Bal- im Internet zu recherchieren; das mache
Die Miss-Schweiz-Wahl hat dein Leben ja lerinas, Jeans, einen Pullover oder ein ich auch relativ oft. Bei Startschwierig-
recht umgekrempelt. Hat der Titel auch Hemd. Ich muss für mich auch zugeben, keiten sind dies gute Möglichkeiten, um
dein Stilempfinden verändert? dass ich an der HSG mehr Mühe damit sich inspirieren zu lassen.
Ich denke, es liegt nicht an der Miss- habe, knallige Farben anzuziehen als da- Simone Steiner & Zanet Zabarac
Schweiz-Wahl, dass sich mein Stilemp-
finden verändert hat, sondern eher da-
ran, dass ich älter geworden bin. Es ist
mals in Genf. Wenn ich hier in meinem
gelben T-Shirt herumlaufe, schaut ein-
fach jeder rüber. Man passt sich also au-
@
schon so, dass ich mich eleganter klei- tomatisch an, wobei man das ja eigent- Das ganze Interview mit
de als vor der Wahl. Am Anfang bin ich lich nicht tun sollte. Amanda Ammann findet sich
in der Online-Heftausgabe auf
manchmal in Jeans zu Auftritten gegan- www.prisma-hsg.ch/heft
gen, das mache ich heute nicht mehr.

Thema 34 prisma – April 2011


Der Antistil
Kann eine schlechte Sache guten Stil aufweisen? Grund-
sätzlich schon, denn nicht immer ist guter Stil nur bei den
Guten zu finden, auch «das Böse» setzt ihn ein.
Gabriel.Schmid@student.unisg.ch
Ressortleiter 360°
Angestellten, sich auf den Boden zu le-
gen, fordert den Filialleiter zum Öffnen
des Tresors auf und verschwindet mit
der Beute.

Ein weiterer Gentleman-Räuber


schickte nach einem Raubüberfall die
Schlüssel des gestohlenen Fluchtfahr-
zeuges an den Besitzer zurück und ent-
schuldigte sich für den Überfall und die
entstandenen Unannehmlichkeiten.
Ein drittes Beispiel eines solchen Falles
stammt aus Australien, wo ein Bank-
räuber sich jeweils schon während des
Überfalls bei den Angestellten entschul-
digte und immer nur so viel Geld mit-
nahm, wie er gerade dringend benötigte.

Die Mär vom freundlichen Mör-


der
Auch von Gentleman-Mördern wird
berichtet. Allerdings ist es höchst frag-
lich, ob sich ein guter Stil und Leichen
vertragen. Schliesslich ist auch tot, wer

I m Jahr 1931 trat der Schneider und


Unternehmer Hugo Ferdinand Boss
der Nationalsozialistischen Deutschen
für den Krieg, und dieser ist unabhängig
von bestimmten Werthaltungen selten
ein Heilsbringer. Trotzdem – oder viel-
höchst freundlich und zuvorkommend
um die Ecke gebracht wird. Allenfalls ist
das Vorgehen kurz und schmerzlos, was
Arbeiterpartei (NSDAP) bei. Bereits ein leicht gerade deshalb – üben Uniformen jedoch kaum reicht, um einem Mörder
Jahr später erhielt er den Auftrag, für auf viele (vor allem Frauen) eine gewisse einen guten Stil zu attestieren.
die SS eine Uniform zu entwerfen und Faszination aus, und oft werden sie so-
zu produzieren. Später belieferte Boss gar als schnittig und elegant wahrge- Hingegen werden die materiellen
auch die Wehrmacht, die SA und die nommen. Verluste nach einem Gentleman-Raub
Hitlerjugend mit Uniformen. Heute ist in der Regel durch eine Versicherung
Hugo Boss ein international bekanntes Nicht nur in der Mode, auch im Ver- gedeckt, und so sollte zumindest nie-
Modeunternehmen, welches unter an- halten eines Menschen drückt sich Stil mand physisch oder psychisch zu Scha-
derem Herrenanzüge und Rasierwasser aus. Und auch hier gibt es Beispiele, in den kommen. Dies soll natürlich keine
herstellt und für viele der Inbegriff für welchen sich Menschen mit unrühm- Aufforderung sein, sich das Studium in
guten Stil ist. lichen Zielen eines tadellosen Stils be- Zukunft als Gentle(wo)man-Räuber zu
dienen – oft ermöglicht dieser ihnen finanzieren.
Uniformen: schrecklich schön? sogar, ihrem Ziel näher zu kommen oder
Überhaupt sind Uniformen ein zen- es zu erreichen. Beispielhaft ist hier der Es bleibt festzuhalten, dass ein guter
trales Thema, wenn von gutem Stil in Fall des Gentleman-Räubers, nach wel- Stil nicht zwingend mit einem hehren
schlechter Sache die Rede ist. Natürlich chem in Deutschland aktuell gefahndet Ziel einhergehen muss. Aber auch der
basiert das Urteil «guter Stil» immer auf wird. Der gut gekleidete und selbstbe- gute Stil kennt eine Grenze: Dort, wo
individuellem Geschmack, und auch wusst auftretende Mann betritt jeweils Ziele und Taten zu grausam und ver-
beim Terminus «schlechte Sache» gibt nach Ladenschluss Filialen der Netto- werflich sind, kann unabhängig von der
es keineswegs eine völlige Trennschärfe, Kette, stellt sich in bestem Hochdeutsch Vorgehensweise nicht mehr von einem
schliesslich gibt es durchaus friedens- als Mitarbeiter der Firmenzentrale vor guten Stil gesprochen werden. Mord
fördernde Kriegshandlungen. Doch und erläutert, er müsse eine Überfall- bleibt Mord.
insgesamt sind Uniformen ein Symbol Übung durchführen. Dann bittet er die

April 2011 – prisma 35 Thema


FührungsStil !?
Vergesst, was ihr bisher über Führungsstile
gelernt habt! Was es braucht, um ein stilvoller
Leader zu werden, erfahrt ihr exklusiv bei prisma.

K leidungsstil, Lebensstil, Redestil,


Unterrichtsstil, Denkstil – man
möchte meinen, es sei heutzutage gar
genossen. Die damals vorherrschende
Männergesellschaft ist von Hierarchie
geprägt – ein Führungsstil, den auch Alt-
nicht mehr möglich, ein stilfreies Leben Bundesrat Blocher zu schätzen weiss.
zu führen. Das gilt auch für die Welt der
Führungspersönlichkeiten: Ohne einen Mag diese Art der Führung der Zeit
authentischen Führungsstil ist der Weg entsprechend als stilvoll gegolten haben,
nach oben steinig. Dass nicht jeder Füh- so erfordert es von einer Führungskraft
rungsstil aus einer Führungskraft einen heute deutlich mehr, um das Prädikat
stilvollen Leader macht, ist offensicht- «Führen mit Stil» zu erlangen. Beispiels-
lich. Jeder, der schon in den Genuss ei- weise kann sich Silvio Berlusconi zwar
ner Veranstaltung aus dem Bereich der kaum nachsagen lassen, es würde ihm
Unternehmensführung kam, weiss, dass an Charisma oder Modebewusstsein
die Palette an Führungsstilen gross ist Christoph Blocher fehlen; man müsste sich aber doch sehr
und von sehr autoritären Praktiken bis weit aus dem Fenster lehnen, Korruption
hin zur absoluten Autonomie der Mitar- Beruf: und «Bunga-Bunga-Partys» als stilvoll
beiter reicht. Doch welcher Führungsstil Alt-Bundesrat, Industrieller zu bezeichnen. Der amerikanische Hi-
trägt nun zu Recht das Wörtchen «Stil» Kleidungsstil: storiker David McCullough bezeichnet
im Namen? zwischen Bauern-Tracht und Anzug Bodenständigkeit als eine Grundvoraus-
Vorbilder: setzung für die moderne Führungskraft.
Napoleon, Winston Churchill, Erwin Nur wer es nicht nötig hat, im Rampen-
Rommel

«Von menschenorientierter Führung


halte ich nichts.»

Das Konzept der patriarchalen


Führung
In den USA werden die Protago-
nisten der mehrfach prämierten Fern-
sehserie «Mad Men» derzeit von vielen
Silvio Berlusconi als Stilikonen der amerikanischen Wirt-
schaft gefeiert. Die kreativen Köpfe einer
Beruf: Marketingfirma im New York der 60er- Angela Merkel
Unternehmer, Ministerpräsident Jahre weisen viele Eigenschaften auf,
Kleidungsstil: die man vom Geschäftsmann mit Klasse Beruf:
«Wenn ich mich im Spiegel anschaue, erwartet: Eloquenz, Überzeugungskraft Bundeskanzlerin, CDU-Vorsitzende
erwarte ich, dass mein Äusseres mei- und einen stets makellos sitzenden An- Kleidungsstil:
ner inneren Jugend entspricht, und zug mit farblich abgestimmtem Ein- konservativ, dem Amt entsprechend
die ist absolut.» stecktuch. Trotz des veralteten Werte- (siehe Bild)
Beziehungsstatus: konsenses, besonders bezüglich ihres
Bunga -Bunga-Party weiblichen Pendants, gelten die «Mad «Jeder hat seine Art, zurück-
Men» als Erinnerung an ein Zeitalter, in zuschlagen. Schweigen kann‘s
«Ich bin der Jesus Christus der Politik» dem Erziehung, Umgangsformen und auch mal sein.»
Attitüde noch einen höheren Stellenwert

Thema 36 prisma – April 2011


licht zu stehen, mit dem grössten Auto ge zulassen, gleichzeitig aber auch nicht Inneres? Wir sind uns sicher, dass das
vorzufahren oder nach mehr Macht und jeden Mitarbeiter machen lassen, was er Erscheinungsbild wichtig ist, um den
Einfluss zu eifern, der erfüllt die Bedin- will. Der Weg zum stilvollen Miteinan- eigenen Charakter im wahrsten Sinne
gungen, die stilvolles Führungsverhal- der liegt demnach in der Mitte. Wer von des Wortes nach aussen zu tragen. Beim
ten mit sich bringen. Man erkennt, dass seinen Ideen überzeugt ist, sollte diese stilvollen Geschäftsmann reflektieren
neben einem modischen Erscheinungs- nicht einfach kommentarlos durchfüh- der elegante Anzug und das Einsteck-
bild vor allem kultivierte Umgangs- ren, sondern seinen Charme und seine tuch also die hohe Qualität seiner inne-
formen und Persönlichkeitsmerkmale Wortgewandtheit einsetzen, um seine ren Werte. Ein Spezial-Team des prisma
eine wichtige Rolle spielen. Auch Angela Mitstreiter zu überzeugen. Der Leader wollte in diesem Zusammenhang he-
Merkel nimmt sich dies zu Herzen und mit Klasse hat ein Näschen für Talente rausfinden, ob sich der Führungs-/Un-
versucht, mit Zurückhaltung (siehe Bild) und schreckt nicht davor zurück, je- terrichtsstil unserer Professoren auch
die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche manden einzustellen, der möglicher- in ihrem Auftreten widerspiegelt. Als
zu lenken. weise mehr Potenzial hat, als er selbst. modischen Ratgeber stützt sich unse-
re Spezialeinheit auf die Styling-Bibel
Die goldene Mitte Ganz besonders stilvoll gibt sich «Dresscode Man» aus der Universitäts-
Da es zu einfach ist, sich schlicht eine Führungskraft jedoch nur, wenn bibliothek.
selbst als stilvoll zu bezeichnen, ist der sie im Wettbewerb auch moralisch auf- Manuela Frey,
Umgang mit den Mitarbeitern ebenfalls tritt und nicht auf Kosten Dritter die Ge- Melanie Frick &
ausschlaggebend. Ein Chef darf nicht winne maximiert. Aber in welchem Zu- Sebastian Greulich
ausschliesslich seine eigenen Vorschlä- sammenhang stehen nun Äusseres und

Führung und Stil an der HSG: Professoren auf dem Prüfstand


Prof. Dr. Sascha Spoun Prof. Dr. Thomas Geiser Prof. Dr. Philippe Mastronardi
Herr Spoun Herr Gei- Viele fragen
ist für seinen ser sucht den sich, was die

Universität St. Gallen (HSG)


Universität St. Gallen (HSG)

2 4 h -St u n d e n - f re u n d s c h a f t- sechs staatslei-


plan bekannt lichen Draht zu tenden Prin-
und lässt den Mitarbeitern zipien mit Recht
Studenten ne- (Vito Roberto), zu tun haben,
ben den Mor- scheut aber das und kommen
genaktivitäten, Streitgespräch zum Schluss,
dem Mittages- nicht (mit Vito dass die Vor-
sen mit der BWL Roberto). Im lesungen von
Gruppe und der Nachtlektüre nur wenig Bereich der Didaktik setzt er auf mo- Herrn Mastronardi eher im Bereich der
Raum, sich zu finden und den eigenen derne Unterrichtsmethoden wie Vide- Philosophie anzusiedeln sind. Dies zeigt
Stil zu entwickeln. Diese strenge Linie ovorlesungen. Auch modisch ist unser sich auch in seiner Bekleidung. Während
spiegelt sich auch in seiner Bekleidung Privatrechtsprofessor ein Vorreiter – der man von Juristen einen langweiligen
wider. Stets im Anzug wirkt er seriös und letzte lebende Fashionista an der HSG. Kleidungsstil, welcher meistens aus
strahle eine gewisse Autorität aus. einem schwarzen Anzug und weissem
Aufgrund seines rosigen Hauttons Hemd besteht, erwartet, bevorzugt un-
Mit seinem hellen Hautton, der kann man ihn als Sommertyp beschrei- ser Bundesstaatsrechtsprofessor einen
von Porzellan bis Pfirsich geht, und den ben. Vorzugsweise sollte er Kirschrot, lässigeren Kleiderstil. Mit den Studenten
goldbraunen Haaren gehört Herr Spoun Himbeerrot und Puderblau tragen. Die pflegt er einen kollegialen Umgang und
zu den Frühlingstypen. Gemäss dem knalligen Fliegen von Herrn Geiser ste- gibt auch Details aus seinem Privatleben
anerkannten «Dresscode Man» sollte er chen besonders hervor. Obwohl dem preis.
sich auf klare, warme und frische Farben Sommertyp von Kontrasten eher abgera-
beschränken. Beispiele dafür sind: Ko- ten wird, finden wir es toll, dass er dem Auffällig bei Herrn Mastronardi ist
ralle, Orangerot, mittleres Veilchenblau Trend der Krawatte mit der Fliege entge- der Vollbart, der zurzeit sehr in Mode
und helles Rot. Weiss, Schwarz, Weinrot genwirkt. Schade, dass die Fliege heute ist. Dieser wirkt männlich und mysteri-
und allgemein dunkle Farben sollten fast nur noch an Festtagen zu finden ist. ös. Aufgrund seines dunkelbeigen Haut-
unbedingt vermieden werden. Herr Geiser setzt auf Individualität und tones ist Herr Mastronardi den Herbst-
wir finden: Das hat Stil! typen zuzuordnen. Tragen sollte er Rost,
Wir finden dennoch, dass man mit Kürbisgelb, Moosgrün und Petrolblau.
dem klassischen schwarzen Anzug gar Schwarz und Schneeweiss sollten ver-
nie falsch liegen kann. Trotzdem wür- mieden werden.
den wir es begrüssen, wenn Herr Spoun
modisch mehr wagen würde.

April 2011 – prisma 37 Thema


Stil und Gehorsam
Man hat ihn, oder man hat ihn
nicht – den einen Stil, der Erfolg
garantiert, einzigartig macht oder
Elite-Zugehörigkeit verspricht.
Trotzdem investieren wir in unsere
Unverwechselbarkeit oder in
gewinnbringende Stilratgeber, um
nicht auf der falschen Seite dieser Annegret.Funke@student.unisg.ch
Ressortleiterin Menschen
Gleichung zu landen.
D as Bemühen der Ellenbeuge oder
der Hände zum Schnäuzen galt im
Mittelalter als die genau richtige Verhal-
man daran, dass sie vor einer Frau die
Gaststätte betraten – und sie somit vor
torkelnden Trunkenbolden schützten.
tensweise, sich seines Naseninhalts zu Ähnlich zeugt es heute von Stil, wenn
entledigen. Erst langsam etablierte sich das Handy nicht auf dem Tisch liegt und
eine neue Mode: Man definierte die lin- der Mensch nicht mit der Elektronik um
ke Hand zum Schnäuzen und die Rechte die Gunst des Gesprächspartners buh-
zum Essen – aus Rücksichtnahme den len muss.
anderen Tischgästen gegenüber. Bei
den Snobs und Neureichen der Renais- «Der ästhetische Lösungsver-
sance verzierten Tücher den Gürtel, mit such des grossen Lebenspro-
denen man sich zum ersten Mal stilvoll blems»
die Nase putzen konnte. Dieses Ver- Für Soziologen wie Georg Simmel
halten verbreitete sich dann in den un- (1858–1918) kann man die Stilfrage aber
teren Gesellschaftsschichten und ist ein bei Weitem nicht nur mit blossem Nach-
frühes Beispiel dafür, warum Stil auch ahmen oder Rücksichtnahme beantwor-
heute noch als Elitephänomen oder ten. Sie sei der «ästhetische Lösungs-
Geldfrage interpretiert wird – bestand versuch des grossen Lebensproblems».
Stil doch lange Zeit in der Imitation der Eines Lebensproblems, das zwischen
Moden der Oberen. Überreste dieser Identitätsfindung und sozialer Anpas-
Anlehnung zeigen sich bei einem Blick sung im Naturzustand allgemeiner Un-
auf die Bestsellerlisten: So scheinen die sicherheit verortet ist. Der Mensch ist
Verkaufszahlen eines Stilratgebers im- ein hochsensibles Wesen und registriert
mer noch mit der Länge des Adelstitels natürlich ganz genau, wie er auf andere
oder zumindest Doppelnamens auf dem wirkt. Das geht über die oben genannten
Buchrücken zu korrelieren. Manieren hinaus: Wer von uns hat sich
nicht schon einmal dabei ertappt, seine
Dabei liegt der Ursprung von Stil Kleidung, Sprache oder sein Verhalten
häufig in der Vermeidung von Unan- geringfügig zu modifizieren, um eine
nehmlichkeiten für das Gegenüber. Un- bestimmte Wirkung auf ein Publikum
derstatement bedeutet auch im Falle des zu erzielen. «Hey, das passt aber gut zu
Schnäuzens Rücksichtnahme, und diese dir!» kann eine Reaktion der kritischen
wurde zuerst von der Noblesse zur Not- Öffentlichkeit auf die von uns erzeugte
wendigkeit erklärt. Gentlemen erkannte Aussenwirkung sein. Genauso kann es

Thema 38 prisma – April 2011


Lisa Jaeggli

aber auch zur Nichtbeachtung kommen, Vollkommen daneben im gesell- schwerer Fauxpas. Auch wenn uns die
wenn wir uns andauernd völlig daneben schaftlichen Kontext sind laut dem Werbung für Chips mit Essiggeschmack
benehmen. NZZ-Experten Jeroen van Rooijen zum glauben machen will, dass jeder Eng-
Beispiel Krawatten mit Verzierungen länder auf diese abgewinkelte Eitelkeit
Wir sind nun mal soziale Wesen, aus dem bunten Reich der Flora und bestehen würde. Ebenso lag es in den
und das menschliche Ordnungssy- Fauna. Auch drei offene Knöpfe am Adelshäusern des Barock im Trend,
stem besitzt, wie jedes andere auch, Herrenhemd seien nicht vorteilhaft, sich möglichst weit von der arbeitenden
feste Codes und Normen, nach denen schliesslich wolle man ja nicht mit Da- Bauernschicht abzugrenzen und seinen
es funktioniert. Da wir Teil der Gesell- vid Hasselhoff verwechselt werden. Bei Wohlstand zu zeigen. Man trug Eisen-
schaft sein wollen, gehorchen wir dem den Damen hingegen solle man bei korsetts, meterhohe Frisuren und war
allgemeinen Empfinden über guten Stil drei offenen Blusenknöpfen und einem somit bewegungs- und arbeitsunfähig.
im menschlichen Miteinander. Wir pas- fehlenden Unterhemd eine mögliche Die feine Gesellschaft konnte es sich
sen uns einer Anstandsordnung an und Namensänderung, beispielsweise in Tif- auch leisten, den Nagel des kleinen Fin-
werden im Gegenzug dafür akzeptiert. fany oder Chantal, in Erwägung ziehen. gers sehr viel länger als den der anderen
Ein «Hey, das passt aber gut zu dir!» hei- Es gilt aber nicht nur Untiefen in Bezug wachsen zu lassen. Beim Tee konnte
sst oft nicht viel mehr als «Hey, das passt auf das Äussere zu umgehen. Der HSG- man mit dem exponierten kleinen Fin-
aber gut zu uns». Dieser Automatismus Alumnus und Philosoph Philipp Tengler ger seinen Status dann noch viel besser
bietet Sicherheit – und genau hier setzt rät beispielsweise dringend, beim Small zur Schau tragen. Dieses Statussymbol
die gesamte «Mit Stil zum Erfolg»-Lite- Talk von «PRIKK»-Themen Abstand zu haben wir heute beerdigt, beziehungs-
ratur an. nehmen: Politik, Religion, Implantate, weise überwiegend kurz manikürt. Kol-
Krankheiten oder Karriere seien dem- legen von Django Reinhardt oder Jimi
Die Sache mit dem kleinen nach Mittel für den sozialen Selbstmord. Hendrix könnten ja noch mal drüber
Finger Obwohl man sich bei der beschränkten nachdenken.
Auf die Frage, was Stil denn sei, Themenauswahl schon wieder fragen
konnte mir eine Kollegin nur eines ant- muss, für wen solche Stilregeln ge- Der Stil ist unsere Waffe im
worten: «Ich weiss ganz genau, was ich schrieben, beziehungsweise an wen sie Ringen um Identität
nicht stilvoll finde.» Ohne es zu wissen, verkauft werden. Aber wer Stil hat, der folgt nicht nur
hatte sie mit dieser Antwort eine der Konventionen oder schwimmt mit dem
Kernaussagen der literarischen Stilrat- Aber was heute noch so sicher er- gesellschaftlichen Mainstream. Natür-
geber getroffen: No-gos. In solcher Li- scheint, kann morgen schon als gestrig lich wünschen wir uns, gesellschaftlich
teratur herrscht ein allgemeines Über- gelten. Kenner des Knigge negieren akzeptiert zu werden; trotzdem wollen
angebot an Formeln und Tabus, Safe heute sogar frühere Eliteverhalten: Die wir keinesfalls in einer grauen Masse
Conversation Topics und endlosen Li- Sache mit dem kleinen abgespreizten untergehen. Wir bewundern Menschen
sten mit Verboten und Fauxpas. Finger gilt im 21. Jahrhundert als mittel- für ihren Stil, der sie in irgendeiner Art

April 2011 – prisma 39 Thema


Lisa Jaeggli

und Weise einzigartig macht. Neh- grenzt und Anerkennung verschafft. Die aussehen, sei an dieser Stelle nicht ein-
men wir die Filmdiven Rita Hayworth Betriebswirtschaftslehre nennt diesen mal eingegangen. Pragmatisch, wie wir
oder Marilyn Monroe: In der Karnevals- Hang zur Individualisierung einen Me- sind, lässt es sich häufig nicht vermei-
saison braucht es kaum mehr als die gatrend unserer Zeit. Der Mensch will den, dass wir Vielfalt eintauschen, um
richtigen Wellen im Haar und die rich- gestalten, kreativ sein und seine eige- uns aneinander zu orientieren. Es ist
tige Lippenstift-Farbe, um an den einzig- nen Regeln aufstellen. Selbst wenn diese nicht von der Hand zu weisen, dass die
artigen Stil dieser Damen zu erinnern. «Mein Aussehen ist mir egal» und «Ich freie Marktwirtschaft, bildhaft in den
Marlon Brando hat genauso mit gesell- hasse alle Menschen» lauten. verschiedenen Kleidungs- und Konsum-
schaftlichen Konventionen gebrochen marken, die sie hervorbringt, sich genau
und seinen Oberkörper nur mit einem Der Kapitalismus hat schön dieses Phänomens bedient: Denn was
zeitgemässen Unterhemd bekleidet. Ein und hässlich vernichtet gestern noch dein Stil war, kann heute
paar Jahrzehnte später war das so ge- So genau bestimmbar, wie die Aus- schon auch meiner sein. Und übermor-
nannte Unterhemd als T-Shirt ein fester schlussregel – entweder man ist glück- gen kauf ich mir wieder neue Stilobjekte.
Bestandteil der Gesellschaft. Selbst der licher Besitzer oder eben nicht – sug- Dabei die richtige Prise Authentizität
gefallene Baron zu Guttenberg hat sich gerieren will, ist Stil also keinesfalls. dabei zu finden, bleibt eine Lebensauf-
rein äusserlich und durch die Verkör- Johannes Gaulke hat sich im letzten gabe.
perung von Integrität in Berlin lange Jahrhundert an einem ökonomischen
Zeit erfolgreich von der Classe politique Erklärungsansatz für das Phänomen Eine Lebensaufgabe, der viele mit
abgegrenzt. Man spricht bei all den Bei- versucht. Seiner Meinung nach hat die einfachen Antworten zu begegnen ver-
spielen auch vom charakteristischen Stil Industrialisierung die Werte «schön» suchen. Ein Schuhgeschäft in St. Gallen
Friedrich Schillers oder Giuseppe Ver- und «hässlich» vernichtet und ist der wirbt beispielsweise mit der stilistischen
dis, weil diese etwas geschaffen haben, Kapitalismus schuld an der Stillosigkeit Relativitätstheorie im Schaufenster: «Für
das sich signifikant von allem bisher Da- unserer Epoche. Moderne Herstellungs- Albert Einstein ist alles relativ. Und alles
gewesenen unterschieden hat. verfahren wie die Massenproduktion andere eine Frage des Stils.» Wir haben
führten zu einer Vereinheitlichung der gesehen, dass es so simpel nicht ist. Stil
Diese Abgrenzung fällt aber zuneh- Güter und des Stils, welcher heute höch- ist eine ständige Auseinandersetzung,
mend schwer. In der Mode wechseln stens eine Sammlung von Konsument- ein ständiges Abwägen und Entschei-
die Trends mittlerweile so häufig, dass scheidungen darstellt und nicht mehr den und keine Ausschlussregel. Täglich
die Durchsetzung eines einzigartigen als Ausdruck der persönlichen Authen- treffen wir Entscheidungen oder zei-
Stils immer unwahrscheinlicher wird. tizität gilt. gen in Haltung, Aussehen und Umgang
Gelingt es uns aber doch, einen Stil unseren individuellen Stil und unsere
zu etablieren, pflegen wir genau dann Kapital möchte angelegt und der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft. Und
unsere persönlichen Eigenheiten ab- Volkswirtschaft zugeführt werden – der diese Mischung, so bestätigt auch Sören
zulegen, wenn diese Abweichung zur HSGlerIn rationalste Shopping-Ausrede Kierkegaard, ist ganz sicher unverwech-
Normalität wird: wenn auf einmal alle – und laut Gaulke das Todesurteil für die selbar: «Denn das Grosse ist nicht, dass
eine bestimmte Band hören oder Prep- Stilgesellschaft. Auf das banale Klischee, einer dies oder jenes ist, sondern dass er
py-Style allgegenwärtig ist. Wir suchen wir HSG-Studenten würden ohnehin es selbst ist; und das kann jeder Mensch
nach einem Stil, der uns beständig ab- nach dem zweiten Semester alle gleich sein, wenn er will.»

Thema 40 prisma – April 2011


3 60°
42 prisma empfiehlt
44 Wohin wir gehen
45 HSG eröffnet Niederlassung in Deutschland
46 Maastricht ist nicht St. Gallen

Foto: Melanie Frick


prisma empfiehlt
Classy versus Tramp

«You might not have been born a lady. But there‘s no rea-
son you can‘t learn to be one.»

K urz gesagt geht es im Buch «Classy»


vom New Yorker Vogue-Journalist
Derek Blasberg darum, ob eine Frau
Ein weiteres Thema, das Blasberg
aufgreift, sind Zigaretten, und was sie
über jemanden aussagen. Marlboro
thing you took out of this book was that
smart girls don’t show their boobies on
webcams, that’s enough for me.»
sich «classy» verhält oder den «Tramp Ultra Lights: «You’re a poser who only Alles in allem ist das Buch eine ge-
Stamp» verdient. In Kapiteln wie «A Lady smokes to look cool», Marlboro Reds: lungene Lektüre für eine Zugfahrt wäh-
Gets Dressed», «A Lady Faces Temptati- «You just don’t give an F about anyone rend der Stosszeit. Denn oftmals erkennt
on» oder «A Lady Looks for Love» gibt or anything», Virginia Slims: «You are man die vom Autor beschriebenen Ste-
Blasberg Ratschläge für die moderne not skinny, and you will never be» und reotypen in der Masse der Pendler wie-
Frau. Durch jahrelanges Beobachten der Camels: «You identify with cool cow- der, was beim Leser unweigerlich ein
Modeszene und dank vielen Bekannt- boys, but deep down you know you’re Schmunzeln hervorruft.
schaften mit schicken jungen Frauen just another chick from the suburbs of Melanie Frick
hat er viele positive, aber auch negative New Jersey.» Wenn man nicht Kate Moss
Stilvorbilder kennen gelernt und will mit heisst, die sogar auf dem Catwalk raucht,
seinem Erstlingswerk sein Wissen über sollte man in manchen Situationen sei-
Stil mit der «normalen» Frau teilen. ne Sucht unterdrücken, um Stil zu be-
weisen.
Wie erkenne ich, ob er
schwul ist? Trotz der vielen Klischees gestalten
Stil bezieht sich dabei nicht nur auf amüsante Illustrationen, wie man alltäg-
den Kleiderschrank. Es wird zum Bei- liche Situationen meistern soll und wie
spiel erklärt, wie Frau schon von Wei- eben nicht, die Lektüre unterhaltsam.
tem erkennen kann, ob ihr Angebeteter Zitate von verschiedenen Ikonen wie
schwul oder hetero ist. Oft ist dies nicht Coco Chanel und diverse Psychotests
schwer zu erkennen, doch in manchen unterstreichen die Aussagen des Au-
Fällen ist es nicht so eindeutig. Dafür hat tors. Auch Hollywoodstars und deren
Blasberg eine Checkliste aufgestellt: Stylisten bleiben nicht von der Kritik
verschont. Allerdings macht er in Hol-
1. Er zeigt mehr Bein als du. lywood auch Hoffnungsträger in Sachen
2. Er trägt mehr Accessoires als du. Stil aus: beispielsweise die Olsen-Zwil-
3. Er trägt engere Hosen als du. linge oder Emma Watson, welche des
4. Er trägt Animal Print. Öfteren im Buch erwähnt werden. Zur
Akte Olsen-Zwillinge: Ob Magersucht,
Wenn man diese Frage geklärt hat, Drogenexzesse oder ein «wasted look»
geht es zum nächsten Schritt: gekonntes als stilvoll durchgehen können, ist si-
Flirten. Das Internet hat viele Bereiche cher ein Thema für sich.
unseres Lebens revolutioniert und er-
möglicht unter anderem die Online- Classy
Partnersuche. Dadurch haben sich die Guter Stil ist Geschmackssache
Dating-Regeln verändert. Aber aufge- Das Buch zeigt, dass man sich offen- Autor: Derek Blasberg
passt: Private Bilder und Daten können sichtlich über Stilfragen streiten kann. 230 Seiten
im schlimmsten Fall von der ach so Obwohl es heisst, Kleider machen Leu- Erschienen bei: Razorbill, 2010.
vertrauenswürdigen Person an die Öf- te, ist eine der wichtigsten Erkenntnisse,
fentlichkeit gegeben werden und zu al- dass man sich Stil weder mit teuren
lerlei peinlichen Momenten führen. Aus
diesem Grund sollte man nur bedingt
Modelabels erkaufen noch durch einen
Ratgeber erlernen kann. Stil umfasst
@
private Informationen im Netz austau- mehr. Deshalb erwähnt der Autor im Mehr zu prisma empfiehlt
schen und im Zweifelsfall lieber auf das Epilog, dass er nicht konforme konser- sowie den Trailer zum Film
altbewährte Date IRL (in real life) zu- vative Frauen schaffen wolle, sondern «Coco Chanel» findest du
online auf:
rückgreifen. mit seinem Ratgeber nur grundlegende www.prisma-hsg.ch/heft
Verhaltenstipps geben will: «If the one

360° 42 prisma – April 2011


«Der Stil, das heisst, alle Stile vergessen»
Der Film «Coco Chanel – der Beginn einer Leidenschaft» erzählt die Geschichte der
legendären Designerin Coco Chanel, gespielt von Audrey Tautou.
Simone.Steiner@student.unisg.ch
Online-Chefredaktorin

F rankreich, um die Jahrhundertwen-


de: Gabrielle, genannt Coco, und
ihre Schwester schlagen sich nach ihrer
alleine zu bleiben, und geht nach Paris,
um dort ein Hutgeschäft zu eröffnen.

schweren Kindheit in einem Waisen- Audrey Tautou, bekannt aus «Die


haus als Näherinnen durch. Abends ar- fabelhafte Welt der Amélie», spielt ihre
beiten sie als Sängerinnen in einem klei- Rolle als Gabrielle überzeugend. Leider
nen Lokal. Der grosse Traum der beiden wird man aber das Bild der verträumten
ist es, nach Paris zu kommen. Gabrielle Amélie trotz der äusseren Veränderung
lernt im Lokal den hochmütigen Baron der Actrice zu Coco nicht los. Vielleicht
Balsan kennen. Sie beginnt eine Affäre ist ihr Spiel aber gerade deswegen so
mit ihm und nistet sich auf seinem Gut charmant, weil man trotz der Härte, die
ein. Dadurch erhält sie Zugang zu den sie als Coco ausstrahlt, immer im Hinter-
oberen Kreisen und kann zudem ihr Ta- kopf hat, wie zart sie eigentlich ist. «Coco
lent ausleben, Hüte zu entwerfen. Bei Chanel – der Beginn einer Leidenschaft»
einer Party des Barons lernt sie den eng- ist vieles: eine Geschichte über den Weg
lischen Geschäftsmann Arthur Capel von Coco Chanel, einer Designerin, die
kennen und verliebt sich in ihn. Doch die Modewelt entscheidend mitgeprägt
zu gemeinsamem Glück finden sie sich hat; eine Liebesgeschichte mit einem
nicht: «Ich werde nie jemandes Frau echten Ende – und eine Geschichte über
sein, nicht einmal deine. Doch manch- eine Frau, die ihren eigenen Weg geht.
mal vergesse ich das.» Sie beschliesst,

Everything Everything – alles, alles


Eine neue Band gibt den Briten Hoffnung, dass ihre Musik zu alter Stärke zurückfindet.
Raffael.Hirt@student.unisg.ch
Redaktor

E s passiert ungefähr alle Schaltjahre


einmal, dass eine Platte im Tages-
Anzeiger eine positive Kritik erhält. Im
letzten Jahres erschien dann das erwähnte
Album. Momentan befindet sich das Quar-
tett auf Europa-Tour.
letzten Herbst passierte es jedoch zwei
Mal in kurzer Folge. Den einen Tipp – das Sowohl beim Hören ab Platte als
neue Album von Sufjan Stevens – kann auch live begeistert bei Everything Every-
man meiner Meinung nach getrost igno- thing das Gesamtpaket. Markante Beats
rieren, aber «Man Alive», der Erstling der und Riffs mit Wiedererkennungseffekt
britischen Alt-Rock-Band Everything Eve- reichen zwar heute nicht mehr aus, um
rything, hat die Lorbeeren definitiv ver- aus dem Einheitsbrei der modernen Pop-
dient. musik herauszuragen. Die freien Wechsel
von Frontmann Jonathan Higgs zwischen
Die junge Band besteht aus vier aus Kopf- und Bruststimme und die genialen,
allen Ecken Englands stammenden Mit- von Apokalypse, Erbsünde sowie Selbst-
gliedern und gibt als Sitz die Metropole findung und -verlust im Internetzeitalter
Manchester an. Von dort machte sie sich sprechenden Texte hingegen grenzen die auf iTunes Ping, die Band mehr als ihre
auf der ganzen Insel einen Namen. So Band von jeglichem Mainstream ab und 1441 Followers. Es bleibt zu hoffen, dass
wurde die Band Ende 2009 von der BBC als geben ihr ein Element, das heutzutage Bands wie Everything Everything ihr
«Sound of 2010» empfohlen – zusammen vielen Pop-Acts fehlt: Stil. Potenzial umsetzen können, um die bri-
mit Acts wie Ellie Gould oder The Drums. tische Musik aus dem Loch zu befreien,
Im darauffolgenden Sommer spielte die Die Kurzlebigkeit der Songs macht in das sie nach der Auflösung von Oasis
Band erstmals am dauerausverkauften Laune, die Poetik der Lyrics lädt zu und dem Kollaps der Brit-Indie-Welle
Glastonbury Festival – eine Performance, mehrmaligem Durchhören ein. Das Al- um Franz Ferdinand, Arctic Monkeys
die dieses Jahr wiederholt wird. Im Herbst bum verdient viel mehr als die 419 Likes und Kaiser Chiefs fiel.

April 2011 – prisma 43 360°


Wohin wir gehen
Das neue Jahrtausend hält zahlreiche Herausforderungen
für uns bereit. Diese können wir nur bewältigen, wenn wir
uns aktiv an der Gestaltung des Gemeinwesens beteiligen.
Dabei fällt der jungen Generation eine Schlüsselrolle zu.

W enn einer von den Staatsgeschäf-


ten sagt, was geht mich das an,
muss man davon ausgehen, dass die
in den Sozialstaat, die globale Erwärmung
und eine internationale Machtverschie-
bung zu Ungunsten der westlichen De-
strakten Problemen ihrer Zeit befassen.

Die Situation in St. Gallen ist dies-


Nation verloren ist», sprach einst Rous- mokratien seien hier als prominenteste bezüglich sicherlich entspannter. Keine
seau. Hoffen wir, dass es nicht ganz so Problemstellungen genannt. Universität in Europa hat eine höhere
schlimm ist. Denn noch nie hat sich eine Dichte an Initiativen und Vereinen als
Generation so wenig für die Gestaltung …und handeln entsprechend die HSG. Doch auch hier ist es ein Wer-
ihres Gemeinwesens interessiert wie die In der jährlich erhobenen Shell-Ju- mutstropfen, dass sich gerade einmal
unsrige. gendstudie gaben im Jahr 2006 lediglich fünf Prozent der Studierenden an der
39 Prozent der repräsentativ befragten jüngsten Abstimmung über die Statuten
Wir sehen darüber hinweg 12- bis 25-Jährigen an, «politisch inte- der Studentenschaft beteiligt haben.
Nicht nur schaffen es die 18- bis ressiert» zu sein. Die «Option einer poli- Sicherlich ist dies keine staatstragende
25-Jährigen in Deutschland und der tischen Betätigung» wurde überwiegend Angelegenheit. Aber auch von einer
Schweiz es regelmässig, die ohnehin skeptisch bis distanziert bewertet: So ha- Studentenschaft, von der ein nicht ge-
schon geringe Wahlbeteiligung der ben nur rund fünf Prozent der Befragten ringer Anteil schon heute auf hohe Ein-
Gesamtbevölkerung noch einmal im zum jetzigen Zeitpunkt die Mitarbeit stiegsgehälter und verantwortungsvolle
zweistelligen Bereich zu unterbieten in einer Gewerkschaft, Bürgerinitiative Berufe schielen dürfte, würde man sich
– so geschehen bei der vergangenen oder Partei in Betracht gezogen. schon manchmal ein wenig mehr An-
Bundestagswahl und den Wahlen der teilnahme über den eigenen Nahbereich
Schweizer Bundesversammlung. Auch hinaus wünschen.
aus den politischen Parteien und Bürger
-initiativen zieht sich unsere Genera- Notwendigkeit zum Umdenken
tion weitgehend zurück. Seit 1990 Die ganze Thematik könnte man
haben diese 40 Prozent ihrer Mit- lapidar als Problem einer politischen
glieder verloren, zum einen ist dies Klasse abstempeln, die so lang-
äusserst kontraproduktiv für den weilig ist, dass sie kein anderes
politischen Willensbildungspro- Schicksal als Nichtbeachtung ver-
zess. Zum anderen gehen durch dient hat. Die Wahrheit aber ist,
diesen Rückzug der Parteien aus dass wir mit dieser (teilweisen)
der gesellschaftlichen Breite An- Verweigerungsmentalität an den
knüpfungspunkte der Bürger mit Grundfesten unserer freiheitlich-
dem demokratischen Staat verlo- demokratischen Gesellschafts-
ren. ordnung rütteln. Denn diese kann
nur funktionieren, wenn ein Gros-
Während es nahezu schon zur steil der Menschen partizipiert. Und
gesellschaftlichen Erwartung für einen wir als die heranwachsende Generation
Studenten gehört, am Freitagabend ge- haben einen erheblichen Einfluss da-
sellschaftlichen Aktivitäten nachzuge- rauf, wie unsere Länder in den nächsten
hen, erscheint politisches Engagement Jahrzehnten aussehen werden.
tendenziell eher verdächtig. Diskussi- Manch einer macht demgegenüber
onen zu gesellschaftlichen Fragestel- gerne geltend, dass es keinesfalls legitim Ein ehemaliger Bundesminister hat
lungen, welche die Generation vor uns wäre, unsere Generation als unengagiert es einmal auf den Punkt gebracht: «Frei-
prägten, sind bei uns eher selten. zu bezeichnen, denn anders als in den heit und Demokratie mahnen uns: Wenn
vorangegangenen Jahrzehnten stünden du dich nicht um uns kümmerst, verlas-
Das ist umso problematischer, als heute «Aktivitäten mit greifbaren Resul- sen wir dich.» Dies sollte sich jede und je-
die kommenden Jahrzehnte zahlreiche taten» im Vordergrund. Dem muss man der von uns zu Herzen nehmen, wenn das
Herausforderungen für uns bereithalten: aber entgegenhalten, dass es in demokra- nächste Mal eine Abstimmung ansteht.
demografische Verschiebungen, eine um tischen Gesellschaften mit Millionen von Sören Platten
sich greifende Staatsverschuldung und Einwohnern zwangsläufig auch vonnöten
die sich daraus ableitenden Einschnitte ist, dass sich die Bürger auch mit den ab-

360° 44 prisma – April 2011


HSG eröffnet Niederlassung in
Deutschland
Um nicht ausschliesslich auf das äusserst zyklische Bildungs-
geschäft angewiesen zu sein, nimmt die HSG starke Diversifi-
kationen vor. Die Expansion ins Ausland ist dabei unabdingbar.
Fabian.Fechner@student.unisg.ch Michael.Pum@student.unisg.ch
Redaktor Redaktor

Ü blicherweise wird HSGlern eine


gewisse Realitätsferne und Abge-
hobenheit vorgeworfen, die sich durch
die relativ theorielastige Ausbildung
und die penetrante Indoktrination des
Uni-Marketing entwickelt. Doch ist die
HSG auch dafür bekannt, sich solcher
Kritik konstruktiv zu stellen, wie man
zum Beispiel am Umgang mit der HSG-
kritischen Theaterproduktion «Die Kon-
trakte des Kaufmanns» eindrücklich se-
hen konnte. Und so hat sich scheinbar
die Universität, damals noch unter der
Führung von Rektor Prof. Ernst Mohr,
dazu entschlossen, diesen Vorwürfen
glaubwürdig entgegenzutreten, indem
sie ein streng geheimes Praxisprojekt
startete: HSG goes Automotive… In die-
sem Fall speziell «Autolackierung».
Das Bürogebäude der DERLER Autolackierung GmbH in Rastatt.
Dafür wurde der Campus in den
grossen Nordkanton erweitert und ein Lackierpistole, zu beschwichtigen. Aber Verbindung von Theorie und Praxis an
schmuckes Ausbildungsgebäude in wir durchschauten das Täuschungsma- der HSG.
Rastatt, Baden-Württemberg, errichtet. növer und liessen uns nicht blenden: Ab
prisma hat diesen bisher unbekannten HS 2011 werden wohl die Pflichtkurse Wem diese Erklärung für die
Campus ausfindig gemacht und das Ge- «Autolackieren I und II» eingeführt. Ein offensichtliche Ähnlichkeit in Form
spräch gesucht: 2003, nach 10 Jahren aus unserer Sicht dringend nötiger und und Proportion der beiden Logos zu
Pacht, wurde dort nämlich das Unter- richtiger Schritt hin zu einer verstärkten weit hergeholt und zu fiktiv erscheint,
nehmen «Derler Autolackierung GmbH» kann natürlich auch davon ausgehen,
wieder vom Eigentümer übernommen dass die Autolackiererei
und mit einem altbekannten Logo neu- Derler tatsächlich «nur»
eröffnet. Die Autolackiererei Autos lackiert, und dem
verwendet das 2001 entwi- sympathischen Herrn Der-
ckelte Logo der Universität, ler demnächst mühsame
nur in blau und mit einigen Post der pikierten Rechts-
minimalen Abweichungen abteilung der Universität
(siehe Grafik). Dies kann und ins Haus flattert. Eine aus
muss klar als Indiz für die Sicht der Autoren absurde
oben erläuterte Theorie inter- Vorstellung, die dieser all-
pretiert werden. Herr Derler zu amüsanten Entdeckung
versuchte zwar die investiga- einen zu ernsten Beige-
tiven Nachfragen des prisma mit schmack verleihen würde.
der Erläuterung, er hätte das
Logo selbst entwickelt und
Das Logo der HSG und der DERLER Autolackierung GmbH
es zeige einen Menschen mit

April 2011 – prisma 45 360°


Maastricht ist nicht St. Gallen
Gute IA-Studenten und informierte Europäer wissen, dass
Maastricht quasi die Geburtsstadt der EU ist. Auch heute
sind die ansässige Uni und die Union eng verbunden. Als
einziger HSGler nahm ich am Student Forum Maastricht
2011 teil – als neuer Mensch kehrte ich zurück. Ein Rei-
sebericht.
Tristan.Swysen@student.unisg.ch
Ressortleiter Aktuell

E s hat für mich sehr unerquicklich


angefangen. Mein ansässiger Host
namens Chiel outete sich als geistloser
Grund das Nahverkehrsnetz leicht un-
terentwickelt ist). Als ich dann abends
abgekämpft vor seiner Haustür stand
Dilettant. Nicht nur, dass er zu meiner – einmal hatte ich mich auf der Strecke
geplanten Ankunftszeit am Montagmor- kurz verfahren und beim Wenden auf
gen leider nicht zu Hause sein konnte, dem Feldweg fast eine Katze überrollt –
da er länger bei seinen Eltern verweilen passierte nach mehrmaligem Klingeln
wollte. Der gute Junge hatte auch noch erstmal gar nichts. Dieser Chiel ist ein
sein Handy im Zug verloren und ich hat- richtiger Sparfuchs, dachte ich mir beim
te keine andere Kommunikationsmög- Betrachten der umliegenden Häuser. Ich
lichkeit, als meine Mails, die er ausge- klingelte erneut und plötzlich rumorte
sprochen sporadisch beantwortete. Der es im Haus. Es folgte eine Diskussion auf
nächste Schock kam, als ich feststellte, Niederländisch hinter verschlossenen sprochen hatte. Noch mal Glück gehabt,
dass er nicht nur jenseits der Maas, son- Türen. Dann schliesslich trat ein junger dachte ich mir. Doch es sollte nicht die
dern auch noch so richtig in der Pampa Mann in Jogginganzug vor die Tür. Nach letzte Nacht sein, in der ich ohne Bett da
wohnte. einer unherzlichen Vorstellungsrunde stand.
führte er mich irritiert vier Stockwerke
Mein Host und ich innerhalb der Wohnung nach oben vor Alles anders
Von ansässigen Studenten erntete eine verschlossene Tür, wo ich erfuhr, In einer Woche auf einem Studen-
ich, auf die Wohngegend angesprochen, dass der Gesuchte nicht zu Hause sei. tenforum in Maastricht kann man viel
nur einen halb amüsierten, halb mitlei- Ich sollte ihn doch mal anrufen. Schwie- erleben. Als St. Galler Student wusste
digen Blick und die Aussage: «Also in rig, wenn der Anzurufende kein Han- ich ja schon einiges von studentischen
der Gegend bin ich ja noch nie gewe- dy mehr besitzt. Ich wartete eine halbe Foren. Zwischen Grüner Bibel und LWA-
sen» In der Tat lag Chiels trautes Heim Stunde auf dem Flur und konnte mir in Kurs erfährt man spätestens in der er-
sechs Kilometer von der Uni entfernt dieser Zeit telefonisch ein Mitleidsbett sten Woche, dass wir hier sozusagen
(wobei es erwähnenswert ist, dass man für diese Nacht bei den Studenten orga- die Ur-Mutter aller Studentenkongresse
sich in Maastricht für gewöhnlich auf nisieren, die ich zuvor auf die Wohnge- beherbergen. Meine Erwartungen wa-
Fahrrädern fortbewegt und aus diesem gend meines eigentlichen Hosts ange- ren also vorgeprägt und ich rechnete mit
Die Teilnehmer des Forums in Maastricht
Janna Van Diepen

360° 46 prisma – April 2011


Janna Van Diepen
Forumsteilnehmer aus aller Welt in der Diskussion auf dem Campus.

einem Haufen an Leaders of Tomorrow Stadt und Universität kommen war und die Universität zur
in Designeranzügen und mit penibel Sehr ungewöhnlich habe ich die Stadt dazu gehört. Ein seltsam neues
frisierten Haaren, intensiver Präsenz di- enge Zusammenarbeit von der Stadt Gefühl für mich.
verser altbekannter Unternehmen und Maastricht und der Universität erlebt.
machte mich wohl oder übel bereit zum Bereits die Opening Ceremony fand in Leaders of Tomorrow in Jeans
gängigen Networking. Ich war bereit, einem altehrwürdigen Raum des Rat- und T-Shirt?
Rednern aus der Wirtschaft zu begeg- hauses statt und ein Abgeordneter der Ein zweites überraschendes Mo-
nen, die wenig zu sagen hatten und nur Stadt begrüsste uns persönlich. Nach di- ment bildeten die zahlreichen Teilneh-
für dezentes Headhunting und Sociali- versen Grussworten und Einführungen mer, die spätestens am zweiten Tag den
zing vorbei schauen wollten. Ich war in die Veranstaltung, sponserte die unbequemen Anzug zu Hause liessen
bereit für Sponsoren, denen die Grösse Stadt Maastricht dort noch ein reichhal- und sich vernünftig anzogen. Es war ein
und Platzierung ihres Logos wichtiger tiges Dinner. Ich war überrascht: In St. komisches Gefühl, plötzlich unter Stu-
ist, als die Art der Veranstaltung und der Gallen hatte ich in zwei Jahren genau in denten zu sein und nicht mehr unter
Nutzen für die Teilnehmer. Und ich war zwei Fällen Kontakt mit der Stadt. Näm- Möchtegern in spe. Überhaupt schaffte
ausserdem bereit für eine letztendlich lich nach einem Parken im Parkverbot es der Kongress, eine angenehme und
doch irgendwie interessante und berei- und beim Abholen meines Ausländer- vor allem konspirative Atmosphäre zu
chernde Veranstaltung. Was Letzteres Duldungsausweises. Auch im weiteren schaffen, in der einmal nicht «Wer bist
anbelangt: Ich bekam mehr als das. Was Verlauf liessen sowohl Veranstalter so- du und von welcher sagenhaften Elite-
den Rest anbelangt: Zum Glück kam al- wie ansässige Studenten als auch Ein- Uni kommst du?» gefragt wurde, son-
les anders. wohner erkennen, dass man stets will- dern stets das «Was kannst du, was weis-
Janna Van Diepen

April 2011 – prisma 47 360°


st du, was interessiert dich und was hast Kongresses möglich waren. Ich jeden- Nein, Maastricht ist tatsächlich
du zu sagen» im Vordergrund stand. Auf falls habe viel mitgenommen. Fachlich nicht St. Gallen. Und das ist auch gut so.
diese Weise kamen Diskussionen von über die Europäische Union, mensch- Merci Maastricht für eine tolle Woche, es
unerwarteter Tiefe zustande, die teils lich aufgrund der tollen Teilnehmer und war mir, wie man hierzulande zu sagen
noch lange in unserer Freizeit fortge- Organisatoren und grundsätzlich da- pflegt, «eine Freude und Ehre zugleich»!
setzt wurden. rüber, wie ein solcher Kongress effektiv
sein sollte. Und vielleicht, dass man sich
Es geht auch ohne nur als Host bewerben sollte, wenn man
Ein Blick in die Forums-Broschüre das auch wirklich will.
verriet es mir schnell: Offensichtlich kam
die gesamte Veranstaltung ohne Gelder Student Forum Maastricht
aus der Privatwirtschaft aus. Die daraus (SFM)
resultierende Unabhängigkeit spiegel-
te sich auch in der Auswahl der Redner Das SFM ist ein jährlich in
und der Qualität und dem Inhalt der Maastricht stattfindendes Forum
Vorträge wider. Statt inhaltsleerem Un- mit studentischen Teilnehmern
ternehmensplacement begegneten mir aus der ganzen Welt. Ziel der fünf-
sachverständige und veranstaltungsbe- tägigen Veranstaltung ist es, die
zogene Reden sowie mitreissende Pa- jüngsten Entwicklungen der EU
neldiskussionen jenseits des Versuchs, zu beleuchten, zu diskutieren und
die Achievements der Redner oder ein- Blickwinkel auszutauschen. Jedes
zelner Institutionen in den Vordergrund Jahr steht das SFM unter einem neu-
rücken zu wollen. en Thema. Das diesjährige lautete
«Eurocalypse now – how restistant is
Merci, Maastricht Europe?». Neben hochmotivierten
Die Zeit in Maastricht hat mir ein- Teilnehmern, auch aus exotischeren
mal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, auf Staaten wie Aserbaidschan oder
dem Boden zu bleiben und wie gefangen Armenien, kann die Veranstaltung
und schmalsichtig die Business-Welt mit qualifizierten Rednern, span-
manchmal in unserem Studentenalltag nenden Paneldiskussionen, einem
sein kann. Nicht zuletzt auch das inhalt- informativen Brüssel-Trip und se-

Janna Van Diepen


liche Vorankommen hat mich an diesem lektierten Workshops überzeugen.
Forum überzeugt und ich glaube, dass Das nächste SFM wird voraussicht-
die Tiefe neuer Ideen und Tendenzen lich in einem Jahr wieder Ende März
in der Europäischen Weiterentwicklung stattfinden.
nur mit dieser besagten Machart des

Stefan Aengenheyster

Willkommensveranstaltung in den historischen Räumen der Old City Hall.

360° 48 prisma – April 2011


M enschen
50 Umfrage: Was macht guten Stil für dich aus?
52 Profs privat: Monika Kritzmöller
55 Herausgepickt: Marius Geiker &
Kassian Pause
56 «Man sollte die Party verlassen,
wenn sie am schönsten ist»
58 Partypics: Semester Break Party

Foto: Universität St. Gallen (HSG), Hannes Thalmann


Umfrage
Was macht guten Stil für dich aus?
Stil ist keine messbare Grösse, sondern vielmehr Ausdruck der Persönlichkeit und Produkt der
Selbstreflexion. Was dabei entscheidend ist und guten Stil ausmacht, wollte prisma von euch
wissen.
Die Fragen stellte Julius Linnert, Fotos von Lisa Jaeggli

Maxence, Bachelor Christoph, Assessment


«Generell sollte man Leute nicht nur nach dem Äusseren be- «Natürlich spielt der erste Eindruck eine grosse Rolle, wenn
werten. Dabei entwickelt sich schnell ein Gefühl für fremde es um die Art und Weise geht, andere Menschen wahrzuneh-
Personen, eine Art Intuition, auf die ich mich selbst gern ver- men. Deren Vorstellung von Stil entwickelt sich sehr indivi-
lasse. Andererseits kann auch schon ein simpler Blickkontakt duell im Laufe ihrer Erziehung und ist davon geprägt, wie sie
viel sagend sein, weswegen ich gern Menschen in die Augen aufgewachsen sind. Und man sollte auch nie im Hemd an die
schaue. Eye contact – it’s on!» Uni kommen, das hat keinen Stil.»

Ronald, Master Igor, Bachelor


«I think style has not always to do with the way you are dressed. «Stil zu haben heisst, auch mal gegen den Strom zu schwim-
It’s the way you project yourself. You need to be current, have men und auf Individualität zu setzen. An unserer Uni setzt das
a large general knowledge, communicate well and eloquent. natürlich voraus, kein iPhone zu besitzen und kein BWL zu
Dressing-wise, stylish is when you are trendy. The Style has to studieren (lacht).»
fit the person. Some people try to get a style, which doesn’t suit
them. That has nothing to do with style. They are just making a
fool of themselves.»

Menschen 50 prisma – April 2011


Chantal, Master Fabrizio und Tobias, beide Assessment
«Mein erster Blick fällt immer zuerst auf die Schuhe: Stillose «Punkt eins ist, dass man Stil nicht kaufen kann. Stil hat man, oder
Schuhe sind zum Beispiel Lackschuhe, silberne oder glit- man hat ihn nicht. Es hat überhaupt nichts mit Markenklamotten
zernde Schuhe. Beim Charakter schaue ich eher auf die Inte- zu tun. Wichtig sind Ausstrahlung, Authentizität, Charisma, Auf-
ressen: Film, Musik, Bücher. Anspruchsvolle Interessen oder treten und Charme. Ohne dies fällt man auch im Anzug der neu-
Qualitätshobbys sind stilvoll. Stilvoll ist es ebenfalls, wenn je- sten Kollektion von Dolce & Gabbana nicht auf.»
mand interessiert, tolerant und offen ist.»

Michèle, Assessment Corinne, Master


«Wichtig ist mir bei anderen vor allen Dingen Freundlichkeit, «Stil bedeutet, nicht aufzufallen, aber in Erinnerung zu blei-
was durchaus auch von gutem Stil zeugen kann. Äusserlich ben.»
sollte schlicht alles zusammenpassen und gut kombiniert
sein. Dabei ist Individualität wichtig, zum Beispiel spezielle
Accessoires. Man muss sich dabei in seiner Haut wohlfühlen
und selbstsicher auftreten können, wobei die Körperhaltung
eine grosse Rolle spielt.»

April 2011 – prisma 51 Menschen


Profs privat: Monika Kritzmöller, Privatdozentin; Soziologie

«Jedes Aussehen ist eine


Entscheidung»

W ir besuchen Monika Kritzmöller


vormittags in einem Jugendstil-
Haus in der Nähe des Stadtparks. Sie
schaft, bald wird sie sich mit der Soziolo-
gie der Haptik genauer beschäftigen.

liebt ihre Wohnung: Der Fussboden im Mit ihrer Publikation «Lock-Stoffe


Eingangsbereich besteht aus schwarzem – St. Gallen als Textil- und Jugendstil-
Terrazzo mit weissen Rauten, ihr Wohn- Stadt» aus dem letzten Jahr präsentiert

Lisa Jaeggli
zimmer hinter einer Samttür gleicht sie uns ein persönliches Steckenpferd
einem zeitgemässen Salon. Von dort und gibt uns mit viel Begeisterung eine
hat man einen wunderbaren Ausblick Einführung in das ABC von Stickerei und
auf den gegenüberliegenden Hügel mit Spitze. Das erfolgreiche Buch zeigt Stoffe Zur Person
der Universität und leider auch auf das aus St. Gallen von der Jahrhundertwen-
sperrige Kantonsspital: «Das sieht man de im Jugendstil bis hin zu heutigen be- Monika Kritzmöller
zum Glück nicht mehr, sobald die Bäu- druckten und gestickten Experimental-
me wieder Laub tragen.» Mitten in der stoffen. Das Projekt war auch ein Beitrag Geboren:
Stube steht ein Druckstock, den sie gele- an die Kulturlandschaft St. Gallens, die 15.08.1968 in Kempten (Allgäu)
gentlich auch selbst zum Einsatz bringt: eine Erinnerung an den Ursprung des
Sie zeigt uns eine Radierung mit Gänse- Wohlstands dieser Stadt zu Gunsten der Hobbys:
motiv, welche sie als Weihnachtskarte Zukunft des Textilmuseums dringend Mode, Architektur, Alltagskultur
gedruckt und verschickt hat. Es ist der nötig hat.
erste von verschiedenen Gegenstän- Lieblingsfilm:
den, mit denen sie uns ihre stilvolle und In der Ausübung ihrer Tätigkeit ist Metropolis, Filme von Jacques Tati
schöne Alltags Welt näherbringt. sie sehr frei, geregelte Arbeitszeiten wä-
ren auch nichts für sie. Sie betont, dass Lieblingsmusik:
Im Auftrag des Stils ihr Leben ohnehin nicht klar in Beruf, Barockopern und «Je te veux» von
Ihr Leben ist stark von ihrer Leiden- Interessen und Freizeit abgegrenzt wer- Erik Satie
schaft für stilistische Formen und Eitel- den könne: So erzählt sie von ihrer Eröff-
keiten geprägt, und schnell stellt sich nungsrede zur Dessous-Ausstellung «Se- Lieblingsessen:
heraus, dass es unmöglich ist, die Mo- crets» im Textilmuseum, wonach sie am Klares Tomatengelee ihrer Mutter
dekennerin und Stilbegeisterte getrennt Ende des Abends diverse Einladungen
nach Beruf und Privatleben zu befragen: für Firmenbesichtigungen erhielt. «Ist es
Seit fünfzehn Jahren steht Frau Kritzmöl- Arbeit, wenn mir ein Textilunternehmen
ler in Kontakt mit der HSG, wo sie auch gezeigt und erklärt wird, ich in der De-
habilitierte. Daneben ist sie freiberuf- signabteilung stöbern darf und Bereiche
lich in der Unternehmenspraxis tätig. sehe, wo eine Privatperson nie rein-
Ihr Zuhause beschreibt sie lachend als darf?», fragt sie mit glänzenden Augen.
ein Beratungsinstitut und eine «One- Lock-Stoffe
Woman-Show»: Sie berät Unternehmen Mit Spekulation zum Führer-
in Positionierung und Aussenauftritt, schein Das Buch «Lock-Stoffe» von Monika
entwirft Kommunikationskonzepte und Wir möchten wissen, wie Frau Kritzmöller kann unter
begleitet deren Umsetzung. Daneben Kritzmöller zu ihrem in Augsburg absol- www.flabelli-verlag.de bestellt
arbeitet sie an verschiedenen Projekten vierten Wirtschaftsstudium gekommen werden.
mit der Zürcher Hochschule der Künste ist – und sich schliesslich wieder davon
oder wird bei Anlässen in der Textilbran- entfernt hat. Neben ihrem regen Inte-
che engagiert. Forschung betreibt sie resse für Mode und Architektur war sie
auch in Kooperation mit der Privatwirt- seit jeher auch «fasziniert vom ‚Gezocke’

Menschen 52 prisma – April 2011


Lisa Jaeggli
Lisa Jaeggli

Lisa Jaeggli
Frau Dr. Kritzmöller in ihrer Jugendstil-Wohnung südlich des Stadtparks.

auf dem Aktienmarkt», in dem es Ende Etwas Anderes als das Ausleben ihres absolut offensichtlich gewesen, dass er
der 80er-Jahre fast nur nach oben ging. Stils kam für sie auch als Studentin nie in den Anzug sonst niemals angezogen hät-
Nach eineinhalb Tagen Spekulation hat- Frage: In Augsburg bewohnte sie in einem te und «in dieser Rolle noch nicht verhaf-
te sie auf diese Weise ihren Führerschein «50er-Jahre-Häusle» die Hälfte des Dach- tet ist». Stilratgeber sollten ihrer Ansicht
finanziert – obwohl sie uns versichert, stocks. «Ich habe es möbliert mit dem, nach eher als Möglichkeit zur kritischen
dass das auch mit ein paar Zufallstref- was halt so da war. Aber so, dass es farblich Auseinandersetzung mit dem Äusseren,
fern zusammenhing. Sie hatte somit durchgestylt war: Ein cremefarbiger Tep- nicht als Identitätsoption verstanden
schon seit jeher zwei Stossrichtungen, pichboden, weiss-graue Möbel, dunkle werden. Wesentlich sei, dass man solche
von denen die eine sie brennend in- brombeerrote Samtvorhänge an den Fen- Schritte ganz bewusst mache und nicht
teressierte und die andere ein Garant stern sowie ein schwarzer, geschnitzter zum Mitläufer werde: «Wenn ich den
gegen Brotlosigkeit war. Rückblickend Holzstuhl. Ich achtete auch darauf, dass Firmendresscode befolge, aber mich in
beschreibt sie sich als zu feige für das ich immer irgendwelche dunkelroten Blu- den Klamotten nicht wohl fühle, fühle
Studium in Modedesign und landete so men hatte.» Das Argument, eine stilistisch ich mich auch im Unternehmen nicht
bei den Wirtschaftswissenschaften. Aber abgestimmte Wohnung scheitere bei den wohl. Dann ist es doch besser, die dis-
ihre Meinung darüber bleibt vehement: meisten Studenten am Geld, überzeugt qualifizieren mich gleich wegen meines
«Ich fand das Studium so schrecklich!» sie nicht: «Bei den meisten Menschen, Outfits. So bleibt mir auch der Rest er-
Ökonomische Psychologie war das ein- die ich während meiner Dissertation ge- spart.» Ihren wissenschaftlichen Blick
zige Fach, das ihr wirklich gefiel. Hier fragt habe, würde die Wohnung im Prin- auf Mode und Äusserlichkeiten setzt
stellte sie fest, dass es ihr Interesse für zip genau gleich aussehen, wenn sie mehr sie auch im Privaten praktisch um: So
die irrationale Alltags- und Objektkultur Geld hätten. Nur eben zehnmal teurer.» entwirft sie ihre Kleider selbst und lässt
tatsächlich als Forschungsfeld gibt. So sie nach ihrer Stoffauswahl im Couture-
fokussierte sie sich auf diesen Teil ihres Kleider machen keine Leute Lehratelier in St. Gallen schneidern.
Studiums, schrieb ihre Diplomarbeit Wir bitten Frau Kritzmöller um eine
über Edelsteine und promovierte in der Stellungnahme zur Behauptung, man Zum Schluss fragten wir Frau
Wirtschaftspsychologie über Wohnungs- werde häufig nur aufs Äussere reduziert. Kritzmöller, ob sie nicht auch einen Tipp
stile als Reflexionen ihrer Bewohner. Ihrer Ansicht nach ist dies so gar nicht für uns Studenten habe: «Vergesst das
möglich: Denn auch wer keinen Wert CV-Planning! Macht das, was euch inte-
Zunächst fand sie kein Stellenprofil, auf sein Erscheinungsbild läge, treffe ge- ressiert, wo euer Herz dahintersteht und
das zu ihrer fachlichen Richtung passte. nau damit auch eine Entscheidung und was euch Freude macht! Wenn man das
Dann wurde sie in St. Gallen bei Peter «sieht dann trotzdem irgendwie aus». mit Herzblut und Leidenschaft macht,
Gross fündig, der sie massgeblich in ihrer Vergnügt erzählt sie von einer Zugfahrt, hat man dabei auch Erfolg.» Sie selbst ist
Forschungsarbeit unterstützte. Seit 2004 auf welcher ihr ein junger Mann im An- wohl das beste Beispiel dafür.
ist sie an der Uni als Privatdozentin tätig zug und mit Wirtschaftsmagazin in der David Weimann &
und unterrichtet Soziologie. Vor einem Hand gegenübersass. Aus dem Gespräch Annegret Funke
Jahr verlegte sie schliesslich auch ihren mit ihm ergab sich, dass er unterwegs zu
Lebensmittelpunkt nach St. Gallen. einem Vorstellungsgespräch war. Es sei

April 2011 – prisma 53 Menschen


BLOG CAMPUS ONLINE

17.04.11 / Stil hat man,


oder nicht?
Zufälliger Verein
Von Raphael Güller
Wir teilen gemein-
sam die Leidenschaft
für guten Wein und
Leben: «The Story of geselliges Beisam-
mensein. Dazu tref-
Stuff» fen wir uns alle zwei
Wenn du dir etwas kaufst, Wochen zum Stamm
zahlst du dann wirklich den und degustieren unterschiedliche Weine
angemessen Preis für das aus allen europäischen Regionen. Dane-
Gut? Oder anders gefragt, ben begibt sich der Weinverein auch
jedes Semester auf eine Weinreise.
wieviel kostet unser Konsum
wirklich? Supporte deinen Verein auf
prisma-hsg.ch/campus/vereine

Party Pictures
Party besucht und keinen blassen Schim-
mer wie der Abend geendet hat? Oder
suchst du einfach nur eine Erinnerung
«Le style c’est l’homme» behauptet das französische Sprich- zum Einrahmen?
wort. Menschen gibt es vielerlei, Stile folgerichtig ebenso. prisma hat sie alle – Egal ob Semester
Jeder hat also einen Stil. Aber hat man auch Stil? Kultur: Aloe Blacc Begin, Tessiner-Party oder die legendäre
Live on Stage – prisma bietet Brause von dem Break.
Selbsternannte Stilpolizisten wie Jeroen van Rooijen von der auch nicht nur Trash, wir sind Alle Partybilder findest du auf
NZZ erklären was sich gehört und was tunlichst zu vermei- für einmal auch kulturell in prisma-hsg.ch/campus/partypics
den ist. Dabei ist der richtige Stil wohl immer eine Frage der
Referenzgruppe. Ist der korrekte Kleidungsstil an der HSG
Sachen Musik unterwegs. Neuste Bilder
Segelschuhe und Polo-Shirt? Ist klassische Musik stilvoller als
Volksmusik? Oder ist nicht doch beides absolut un-stylisch?

Die Werbeagentur Jung von Matt setzt sich bewusst mit den
unterschiedlichen Lebensstilen Ihrer Zielgruppen auseinan-
der. Das Wertesystem und das Umfeld des kreativen 25-jähri-
gen Werbers mag sich stark von demjenigen der 40-jährigen
Hausfrau mit Kindern unterscheiden.

Um diese Distanz zu überbrücken, hat die Agentur das häu-


figste Wohnzimmer der Schweiz kreiert. Es basiert auf umfas-
Trash: Legos an die
senden Recherchen über Einkaufs- und Lebensgewohnheiten Macht!
der Schweizer. Herausgekommen ist der Lebensraum von Bring für wenig Geld Farbe in
Claudia (42), Thomas (44) und Pascal (13) Müller. Die Familie das graue Sankt Gallen. Legos
fliegt einmal im Jahr in die Ferien (weiter...) raus und los!

Kommentiert: anonymous zu «Wie viel ist der HSG-Bachelor wert?»


So ein Blödsinn. Es werden zwei Masterprogramme zusätzlich beschränkt, wovon eins kaum Studenten aufweist. Zufällige Alben
Und wenn die HSG wirklich an einem guten Ruf langfristig interessiert ist, führt an einer Beschränkung nichts
vorbei und wenn man halt nicht soviel für die Uni gemacht hat, dann muss man halt Accounting and Finance stu- Fade-Out Party Break Party
dieren, ist eh fast das gleiche. Und ein BWL Bachelor an der HSG ist jetzt auch keine Kunst, das Assessmentjahr
überleben ja auch 2/3 das ist fast ne normale Abbrecherquote,wenn Leute rausfinden, dass die Uni, das Fach
doch nichts für einen ist.

54 prisma – April 2011


Marius Geiker & Kassian Pause

Herausgepickt
«Es gibt die Möglichkeiten – man muss
nur anpacken.»
Was passiert an der HSG am 4. Mai? Wie hat die offizielle Seite reagiert?
Kassian: Wir werden in Korporati- M: Nachdem ich die Stiftung kon-
on mit der Stiftung Blut-Stammzellen taktiert hatte, bin ich, da es für solche
eine Typisierungsaktion durchführen: Aktionen ja keine Standardformulare
Unser Ziel ist es, so viele Studenten wie gibt, einfach einmal ins Generalsekreta-
Annegret Funke

möglich dazu zu bewegen, sich als po- riat gegangen. Ich habe dann meine Idee
tenzielle Spender von Stammzellen für vorgestellt und nach dem Vorgehen ge-
Leukämiekranke registrieren zu lassen. fragt. Dann kam eine Sekretärin hinein,
Es ist dabei wichtig, dass sich jeder Ein- die nur das Stichwort Leukämie gehört
zelne typisieren lässt. Es gibt nicht wie haben konnte. Sie fragte mich dann
beim Blut nur vier Arten, sondern viele sinngemäss, ob ich denn wisse, dass wir
Marius Geiker & Millionen. hier eine Wirtschaftsuniversität seien…
Kassian Pause Marius: Je mehr Menschen in der Ich habe dann einen Antrag gestellt und
Datenbank sind, desto höher ist natür- es ist im Endeffekt auch alles genehmigt
Alter beide 19 lich die Wahrscheinlichkeit, einen ge- worden. Aber die anfängliche Verschlos-
eigneten Spender für jeden Kranken zu senheit, schon im Sekretariat, zeugte
Herkunft Düsseldorf/Mün- finden. Oftmals ist eine Stammzellen- von einer engstirnigen Einstellung.
chen spende nämlich die letzte Möglichkeit zu K: Wir haben bisher nur über Fa-
überleben. Es gibt Wattestäbchen-Tests, cebook Werbung gemacht und von den
Studium Assessment mit denen hier Speichelproben entnom- Studenten eine sehr positive Resonanz
men werden. Der analysierte Stamm- bekommen. Viele sind auf uns zugekom-
Lieblingsmusik Elektronische Mu- zellentyp wird dann anonymisiert in die men und haben gesagt, dass dies eine
sik/Kings of Conve- weltweite Datenbank eingespeist. tolle Aktion sei. Natürlich hoffen wir, dass
nience das mehr als nur ein Klick ist und die Stu-
Wie seid ihr auf die Idee einer Typisie- dierenden dann auch wirklich den Schritt
Hobbys Golf, Joggen und rungsaktion gekommen? in die Uni machen und ein bisschen Zeit
Squash M: In meiner Familie ist jemand an spenden. Zeit – und Speichel.
Leukämie gestorben. Ich habe im letz-
Lieblingsessen «Ein guter Döner ist ten Jahr an meinem Gymnasium eine Hat euch so ein soziales Engagement an
schon was Feines!»/ ähnliche Aktion gestartet, da haben der HSG gefehlt?
Pfannkuchen über 100 Schüler teilgenommen. In den M: Es ist ja nicht so, dass sich hier
ersten Wochen an der HSG habe ich mir niemand sozial engagiert. Ich kenne
dann überlegt, dass ich in diese Rich- viele, die das tun. Ich würde mich auch
tung hier noch mehr Leute animieren gar nicht als krass sozial bezeichnen
könnte. Schnell konnte ich auch Kassian und in meiner Schule wurde ich «der
für die Idee gewinnen. Wir haben uns Kapitalist» genannt, weil ich mich für
dann die Stiftung als Partner für eine Wirtschaft und Finanzen interessierte.
solche Aktion ausgesucht und das Gan- Aber ich habe Spass daran, zu organi-
ze organisiert. sieren und die Aktion liegt mir wirklich
K: In der Schweiz sind nur 0.03 % der am Herzen! Das Wichtigste ist, dass man
Bevölkerung typisiert und die jährlichen selber aktiv wird und sich zeitliche Frei-
Wachstumsraten sind ziemlich klein. räume zu eigen macht und nutzt.
HSG gegen Leukämie
Das Event an der HSG wird das grösste K: Wir wollen gern noch mehr Leute
sein, das diese Stiftung je mitorganisiert dazu animieren, selbst etwas durchzu-
4. Mai 2011, 10–16 Uhr hat. Wir wollen natürlich die Aufmerk- ziehen, was ihnen am Herzen liegt. Es
Foyer, 1. Stock B-Gebäude samkeit für Leukämie steigern und den gibt die Möglichkeiten – man muss sich
Studenten die Möglichkeit geben, sich dann nur einmal die Zeit nehmen und
mit den Krebskranken zu solidarisieren anpacken.
und zu helfen. Annegret Funke

April 2011 – prisma 55 Menschen


«Man sollte die Party verlassen,
wenn sie am schönsten ist»
Dr. Philip Schnedler doziert an der HSG
nebenberuflich IPL. Während seines
Studiums hier gründete er BrainsTo-
Venture, assistierte Josef Ackermann
und arbeitet heute bei Goldman Sachs
im Investmentbanking. prisma hat sich
mit ihm unterhalten.

A ufgewachsen ist Philip Schned-


ler in Bad Homburg, bevor er für
das Studium nach St. Gallen zog. Aus-
wortung, muss schnell Entscheidungen
treffen und ein gutes Gespür für Aktien-,
Bond- und Währungsmärkte haben. Dies
wollen. Auf der anderen Seite wird die
Lösung wichtiger, komplexer Fragen wie
beispielsweise die Eigenkapitalunterle-
tauschsemester führten ihn an seinen erfordert aber auch vollen Einsatz und
heutigen Arbeitsplatz, London, sowie an die Bereitschaft, sein Bestes zu geben.
die University of Chicago. Während sei- Dafür kann man sehr schnell Karriere
ner Zeit an der HSG gründete er mit drei machen, gerade wenn einem das Gebiet
Kommilitonen gemeinsam die Internet- liegt und man sich dort wohlfühlt. Der «Die Renditen im
plattform BrainsToVenture, die junge
Start-ups mit Business Angels zusam-
Wettbewerb ist zwar extrem hart, aber
das motiviert und spornt an.
Bankgewerbe werden
menführt. Die Risikofreudigkeit, welche zurückgehen.»
man für ein solches Unterfangen wie Was sind die Voraussetzungen, um in der
auch im Investmentbanking zweifels- Bankenwelt erfolgreich zu sein?
ohne braucht, sei ihm schon früh durch Ganz klar Integrität. Dazu kom-
seine Eltern vermittelt worden. Diese men starke analytische Fähigkeiten, lo-
waren beide selbständig und zeigten, gisches Denken und das richtige Gespür gung von Banken, oder die Ausgestal-
dass Risiko per se nichts Schlechtes ist, für Märkte. Gerade die Krise hat gezeigt, tung der Vergütungssysteme durch die
sondern notwendig, um etwas aufzu- dass die Tugenden des ehrbaren Kauf- öffentliche Diskussion nicht einfacher.
bauen und zu gewinnen. Heute hat er manns, insbesondere Bescheidenheit
in seinem Job bei Goldman Sachs mit und Bodenhaftung, extrem wichtig und Was erwarten Sie für die Entwicklung der
Börsengängen, Kapitalerhöhungen wertvoll sind. Finanzindustrie in den nächsten zehn
und Wachstumsfinanzierungen zu tun. Jahren?
Investmentbanker bleibt für ihn ein Welche Auswirkungen hat die Finanzkri- Aus meiner Sicht werden der Staat
Traumberuf – auch wenn diese Sparte se auf Ihre Arbeitsumgebung? und die Politik darauf hinwirken, dass
in der jüngsten Vergangenheit eher für Die Finanzindustrie steht aktuell Risiken im Bankensystem insgesamt
Verluste und Negativschlagzeilen be- deutlich stärker im Blickpunkt der Öf- verringert werden und das in erster Linie
kannt war. fentlichkeit und der Medien. Das hilft dadurch, dass die Eigenkapitalunterle-
dabei, den Dialog darüber zu führen, gung von Banken angehoben wird. Dies
Worin liegt die Faszination des Invest- was Banken in einer Marktwirtschaft wird ceteris paribus dazu führen, dass
mentbankings? leisten sollen und vor allem auch kön- die Renditen im Bankgewerbe etwas zu-
Man kann bereits in jungen Jahren nen und wie wir mit systemrelevanten rückgehen werden. Insgesamt sehe ich
sehr viel bewegen, erhält früh Verant- Risiken in unserer Wirtschaft umgehen die Zukunft der Finanzindustrie und des

Menschen 56 prisma – April 2011


Philip Schnedler
Investmentbankings allerdings positiv. Was haben Sie daraus gelernt und was profitiert gleichzeitig auch vom Dialog
Es wird immer Unternehmen geben, die würden Sie heute anders machen? mit den Studenten. Ich freue mich jedes
Kapital benötigen: Investoren, die Kapi- Wir würden wahrscheinlich noch Mal wieder, nach St. Gallen zu kommen,
tal anlegen möchten und Investment- früher auf die Profitabilität des Unter- auch wenn das bedeutet, morgens um 6
banken, die als «Market Maker» eine nehmens schauen und es damit unab- Uhr zu nehmen den Flieger.
effiziente Mittelallokation erleichtern. hängig von externen Finanzierungsge-
Durch die fortschreitende Globalisie- bern machen, um den Kreis externer Welches war der wichtigste Rat, den Sie
rung drängen zunehmend chinesische Aktionäre nicht zu schnell wachsen zu bekommen haben?
bzw. asiatische Unternehmen und In- lassen. Ich habe glücklicherweise einige
vestoren auf den globalen Finanz- und gute Ratschläge bekommen. Ein Rat-
Kapitalmarkt, was einen zusätzlichen schlag ist zurzeit aber besonders rele-
Wachstumsschub bringt. vant: Antizyklisch zu denken und zu
«Es freut mich, handeln, da es dem Menschen häufig
Wie kamen Sie und Ihre damaligen Mit-
streiter auf die Idee, sich mit BrainsTo-
Erfahrungen aus schwer fällt, in Diskontinuitäten zu den-
ken. Praktisch formuliert könnte man
Venture selbständig zu machen? meiner bisherigen sagen: «Man sollte die Party verlassen,
Während des Studiums war es schon wenn sie am schönsten ist.»
immer mein Wunsch, etwas Eigenes auf- Karriere weiter-
zubauen – und neben einer guten Idee
ist ein gutes Team fast noch wichtiger
zugeben.» Welche Träume und Pläne haben Sie für
die Zukunft?
für den Erfolg. Als mich damals meine Ich versuche, jeden neuen Tag ver-
Kommilitonen Florian Schweitzer, Jan nünftig und verantwortungsvoll zu nut-
Bomholt und Hermann Arnold zum Was motiviert Sie, an der Universität zu zen. Anstatt zu sehr auf die Zukunft zu
Ende meines Studiums gefragt haben, dozieren? fokussieren, versuche ich mich auf das
ob ich dabei sein möchte, habe ich di- Ich habe von der Ausbildung an der Heute zu konzentrieren. Opportunitäten
rekt zugesagt. Wir haben dann zusam- HSG sehr stark profitiert, und von daher und Chancen ergeben sich dann meist
men den Business Plan geschrieben, Ka- freut es mich, heute Erfahrungen aus automatisch.
pital von Venture Capital Lists akquiriert der Praxis und meiner bisherigen Karri- Nicolas Kube
und direkt losgelegt. Im Rückblick war ere an die Studierenden weiterzugeben.
dies eine der herausforderndsten und Die HSG ist eine exzellente Universität
intensivsten Zeiten, dafür aber umso mit hochtalentierten Studierenden, was
lohnender. einen als Dozenten fordert, aber man

April 2011 – prisma 57 Menschen


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58 prisma – April 2011


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Menschen
April 2011 – prisma 59 Menschen
Das Oster-Gewinnspiel

Finde heraus wie viele


Ostereier sich in dieser
prisma versteckt haben
und gewinne mit etwas
Glück eines von drei äus-
serst stilvollen be.ez La
robe sleeves für dein
MacBook. – In diesem
Sinne: Frohe Ostern!

Sende die korrekte Anzahl an Oster-Eiern an redaktion@prisma-hsg.ch oder


per SMS an 076 579 92 21.
Aber Achtung: Bei einigen hat sich der Osterhase beim verstecken wirklich
Mühe gegeben. Einsendeschluss ist der 25. April 2011.

prisma wünscht euch viel Glück!

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Auflösung Rätsel Heft 322


Herzliche Gratulation an die Gewinner des letzten Hefts:

Jennifer Billing
Adrian Lindenmann
Stefan Legge
haben je ein Kensington Laptop-Schloss gewonnen.

60 prisma – April 2011


Cartoon

April 2011 – prisma 61


Das Gerücht
Bla Absehbar war es ja eigentlich schon Unigelände machte der Firma zu schaf-
Bla Bla
Bla Bla Bla
länger. Seit die Universitätsleitung sich fen. Als der Hausdienst schliesslich vor
BlaBlaBlaBlaBla im Laufe des Herbstsemesters 2009, kurzem mit dem Segen der Unileitung
BlaB laBlaBlaBlaBlaBla
BlaBlBlaBlaBlaBlaBlaBlaBla noch vor dem berüchtigten Triplebot- zur offensiven Strategie überging, mit
BlaBlaBlaBlaBlaBlaBlaBla tomlinegate also, dazu durchgerungen dem K.*-Logo versehene Karten, die auf
BlaBlaBlaBlaBlaBlaBla
BlaBlaBlaBlaBla hat, kommerziell angebotene Lernhil- den Campus mitgenommen wurden, zu
BlaBlaBla fen zu verbieten, kämpft die Firma K.*, konfiszieren und zur Brandmarkung der
Bla
deren Kernkompetenz in Karteikarten- Lernhilfesünder im B-Foyer öffentlich
format gedruckte Vorlesungsfolien sind zu verbrennen, wurde die Situation laut

Hexenjagd (oder besser: gewesen sein werden) ums


Überleben.
dem K.*-CEO «insgesamt einfach un-
tragbar».

Wie die HSG ille- Zwar sorgte erst eine erhöhte Nach- Somit werden die HSG-Studieren-
frage – man munkelte von Hamsterkäu- den bereits in Kürze um eine Lernhilfe
galen Lernhilfen fen zwecks Weiterverkauf an zukünftige ärmer sein. Wer sich nun überlegt, auf

beikommt. Mitbewohner und fünfhundert Meter


langen Schlangen vor dem K.*-Laden-
andere Angebote wie zum Beispiel das
G.*-Repetitorium, das Gerüchten nach
lokal an der S.-J.-Strasse* in St. Gallen – ein illegales Dasein in irgendeinem St.
für traumhaft hohe Einnahmen, jedoch Galler WG-Keller* führt, umzusteigen,
wurde der Firmenleitung die Marktsi- der bedenke dies: Wo sie Karteikarten
tuation «zu anarchisch und zu unbe- verbrennen, verbrennen sie irgendwann
rechenbar». So sah sich die Firma in auch Menschen...
letzter Zeit vermehrt zivilen Klagen von Raffael Hirt
Studierenden gegenüber, die trotz was-
serdichtem Auswendiglernen der K.*- * Personen- und Firmennamen
Karten nicht wussten, was Triple Bottom sowie genaue Adressen
Line ist. Auch das Werbeverbot auf dem sind der Redaktion bekannt.

Finde die 9 Unterschiede...

62 prisma – April 2011


Zuckerbrot & Peitsche

Es gibt nur wenig, wofür es sich zu le- fast jeder Uhrzeit weibliche Leckerbis-

Zuckerbrot
ben lohnt. Das Studium an der HSG gehört sen, die einem das Wasser im Mund
nicht dazu. Mal ehrlich, wer interessiert zusammenlaufen lassen. Köstlich aus-
sich wirklich für Grenzkostenfunktionen sehend und anmutig duftend würden
und Substanzwertanalysen? Die Aussicht sie sogar den Uni-Pfarrer in Versuchung
Eine süsse Versu- auf Karriere macht die Vorlesungen zwar führen; der gottlose Geist eines gewöhn-
erträglicher, doch besonders als Mann lichen Studenten kann ihnen sowieso
chung ist das lange Warten auf Geld und Macht unmöglich widerstehen. Erste Annähe-
nicht leicht durchzustehen, denn der rungsversuche scheitern, doch gegen
Frauenanteil an unserer Uni liegt deutlich ein geringes Entgelt lassen die Damen
unter einem Drittel. Abzüglich der Ver- schliesslich von sich kosten. Eine sün-
heirateten, Verlobten, Liierten, Treuen, dige, aber lohnende Investition: Ins-
Lesben und Reizlosen bleiben dem HSG- besondere Miss Chocoholic – aussen
ler etwa gleich wenig willige Kommilito- dunkel und geheimnisvoll, innen zart
ninnen, wie es Mitglieder in der «Marxi- und schmelzend – verhilft der gebeu-
stischen Lerngruppe» gibt. telten Seele eines jeden HSGlers zu or-
gastischen Höhenflügen.
Doch seit der Eröffnung des «ad
hoc» hat die Aussichtslosigkeit des mas- Wenn dieses unfassbar feminine
kulinen Daseins auf dem Campus ab- Muffin nur lebendig wäre! Man(n) wür-
genommen. Nicht nur dank des halb- de sie auf der Stelle vernaschen.
wegs trinkbaren Whiskys. In der neuen Luc-Etienne Fauquex
Campus-Bar tummeln sich nämlich zu

Im Assessment wurden wir alle in Die Folgen sind Austauschstudenten


die Managementlehre eingeführt. Nein, mit verwirrten Gesichtern und amü-

Peitsche halt, nicht in die Managementlehre,


sondern in die «Mönötschmöntlehre».
In besagter Vorlesung lächelte man da-
siert grinsende Deutschsprachige,
wobei Letztere immerhin sowohl das
verschweizerdeutschte Englisch des
Denglisch: rüber vor sich hin; aber eigentlich ist es Dozenten als auch die in den «Rede-
bedenklich, wenn an einer Universität, fluss» gemischten schweizerdeutschen
Dozenten-Englisch deren Ziel unter anderem eine grössere Ausdrücke halbwegs entschlüsseln kön-
Internationalisierung sein soll, viele Do- nen. Dass Kurse in Englisch angeboten
zenten die grammatikalischen und pho- werden, ist im Grunde erfreulich: Die
netischen Regeln der englischen Spra- Internationalität der HSG wird gefördert
che offenbar als fakultativ betrachten und hervorragende Englischkenntnisse
oder diese eher «kreativ» anzuwenden sind bekanntlich eine Grundvoraus-
pflegen. setzung im späteren Berufsleben eines
jeden «Mönötschärs». Wenn jedoch die
Wenn in einer englischsprachigen tatsächliche Unterrichtssprache des Do-
Vorlesung zu einem wirtschaftsbezo- zenten so sehr von korrektem Englisch
genen Thema die Wörter «growth» und abweicht, dass Inhalte teilweise nicht
«gross» dermassen identisch ausge- oder falsch verstanden werden, bringt
sprochen werden, dass sie entweder dies niemandem was – auch den eigent-
das eine, das andere oder alternativ lich kompetenten Dozenten nicht.
auch etwas ganz anderes bedeuten Manuela Frey
könnten, läuft eindeutig etwas schief.

April 2011 – prisma 63


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