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Internet und Buch

re:publica XI | Klappentexterin
Definition Literaturblogger.

•  Literaturblogger sind Exoten in der Blogosphäre. Sie schreiben oft


ausführliche, analytische Texte und nutzen außer Buchcovern kaum
Bilder. Das Buch rückt in den Mittelpunkt. Litblogger provozieren
seltener und bieten in der Regel kleine Oasen. Sie werden immer
beliebter. Das liegt vor allem an der Form der Rezension, weil sie
eine sehr persönliche Note tragen und den Lesern leicht zugänglich
sind. Es gibt keine sperrigen Fachbegriffe oder Besprechungen, die
ein wissenschaftliches Studium voraussetzen, so wie es Kritiken in
Zeitungen gerne fordern. Man stolpert nicht, man fällt eher weich
und sanft in den Lesesessel. Die Blogger schreiben authentisch und
so, wie sie es dem besten Freund erzählen würden. Es gibt kein von
oben herab, viel mehr ein Nebeneinander.
Profikritiker vs. Literaturblogger.

•  Kritische Stimmen sprechen jedoch auch von „Netzgebrabbel“, kurz:


buzz. So eine ist Sigrid Löffler. Im ZEIT Artikel: „Die Furien des
Verschwindens“ sprach sie über den Verfall des Kritikers. Sie zitierte
dabei Maurice Berger, der den Essayband „The Crisis of Criticsm“
herausgebracht hat. Auf den nächsten Folien folgen Zitate.

•  Iris Radisch ist ebenfalls kritisch. Auch darüber habe ich ein Zitat
hier im Anschluss.


„Wo sich jeder Laie als Kritiker fühlt,
wo Minister, Politiker, Präsidenten
öffentliche Kunsturteile fällen und
Teenager über Rockbands auf
deren Homepage delirieren, dort hat
der Berufskritiker seine Aura des
Respekts verloren“
Maurice Berger

„Längst haben sich die


Jungkonsumenten via Internet ihren
eigenen Kanon geschaffen: Das
Meinungsbild über neue
Kulturwaren wird dort durch buzz,
durch Netzgebrabbel, bestimmt. Es
entsteht demokratisch und kommt
gänzlich ohne Profikritiker aus.“

Sigrid Löffler

„Mir selber sind Internet-Kritiken
nicht fundiert genug. Ihnen fehlt die
professionelle Basis von Wissen


und Erfahrung, um Bücher in einen
kulturhistorischen oder aktuellen
Kontext stellen zu können. Solche
Internet-Kommentare sind bloße
Geschmacksurteile. Völlig subjektiv.
Mir würde das nicht reichen, aber
das letzte Wort hat der Nutzer.
Zurzeit gibt es keine Indizien, dass
Internet-Kritiken uns schaden
würden.“
Iris Radisch
Wer  wir  wirklich  sind...  

•  Sind wir also am Ende Bücherwürmer, die nur ins Netz brabbeln?
Sind wir Menschen, die keinen kulturhistorischen Background haben
und einfach drauf los schreiben, was uns zu den Büchern in den
Sinn kommt? Nein! Es gibt gerade unter den Litbloggern einige
Akademiker und Schreiber, die ein fundiertes Wissen mitbringen und
sich ernsthaft mit den Werken auseinandersetzen. Dennoch gibt es
Litblogger, die unser Bild etwas verbiegen, indem sie oberflächlich
Bücher abhandeln. Im Gros, das ich kennengelernt habe und in dem
ich mich täglich aufhalte, überwiegt eine Kritikform, die ernst zu
nehmen ist. Vor allem aber das Nebeneinander ist es, was den
eigentlichen Leser auf direktem Wege erreicht.
Blogger erheben ihre Stimme.  

•  Erst kürzlich gab es auf einem Blog – Ada Mitsou liest... – eine
große Diskussion über unsere Rolle. Auslöser war eben das Zitat
von Iris Radisch, das Ada Mitsou zum Nachdenken gebracht hat.
Verschiedene Kommentare gehen auf die Äußerungen der
Literaturkritikerin ein. Die Bloggerin berichtet davon, dass sie
durchaus auch Kritiken in Zeitungen liest, doch sie schreibt
außerdem folgendes... Zitat folgt.

„Das Lesen eines Buches, einer
fiktiven Geschichte ist für mich


untrennbar mit Emotionen
verbunden. Ein Roman besteht
nicht nur aus aneinandergereihten
Wörtern, Satzkonstruktionen und
guter Recherche. Diese Aspekte
sind für mich nur die Mittel, die dazu
dienen, das zu transportieren, was
einen Roman ausmacht: Den Inhalt
und dessen Wirkung auf den Leser.“
Ada Mitsou
Weitere Blogger-Stimmen.

•  Eben jene persönliche Wirkung taucht selten in professionellen


Kritiken auf. Die hingegen findet man bei uns. Rezensionen aus der
Zeitung und Internet lassen sich ihrer Meinung nach nicht
vergleichen. Dem stimme ich zu. Nur ist eine Internet-Besprechung
deshalb weniger bedeutend als eine Kritik in der Zeitung? Auf diese
Frage hagelte es zahlreiche Antworten. Die meisten befürworten
Kritiken in Zeitungen, sehen aber auch das Potential, das wir bieten
und schätzen das Persönliche.
•  Hierzu habe ich mir drei interessante Kommentare herausgesucht:

„es sind wirklich zwei paar schuhe,


die professionellen rezensionen und
die von bloggern, auch mit ganz
anderen zielrichtungen. während
der eine (wie schon gesagt wurde)
mehr in literaturwissenschaftlichen
aspekten denkt, sind bei uns
bloggern eher die persönlichen,
emotionalen gesichtspunkte
wichtig.“
Flattersatz

„In einem Feuilleton besprochen zu
werden ist für einen Jugend-


buchautor so gut wie nie der Fall.
Gerade für dieses Genre bietet die
Bloggerszene und Rezensionen im
Internet eine Möglichkeit, mit dem
Zielpublikum in Kontakt zu kommen,
bzw. von der Zielgruppe überhaupt
erst wahrgenommen zu werden.“
Gabriele Ggfrerer

„Was nützen mir wissenschaftlich
anspruchsvoll ausgearbeitete


Kritiken, wenn sie nicht das
Leseerlebnis vermitteln können?
Wenn ich eine Kritik lese, dann
möchte ich einfach wissen, wie das
Buch beim Durchschnittsleser und
zu denen zähle ich mich, ankommt.
Alles andere ist interessantes
Beiwerk, mehr nicht.“
sunlight
Kein Vergleich möglich.

•  Man kann beide Kritikformen nicht vergleichen. Die eine ist


professionell und die andere ist sehr subjektiv. Die eine ist durch
jahrelange Praxis entstanden, die andere hat sich aus einer Passion
entwickelt. Für die eine wird man bezahlt und für die andere nicht.
Die eine bespricht nur bestimmte Bücher und die andere jedes, was
passt und sich gut liest. Das eine entsteht aus einer Berufspflicht
und das andere durch eine Leidenschaft. Man sollte nicht beide
Formen gegeneinander antreten lassen, viel mehr gilt es sie so
akzeptieren, wie sie sind. Sie ergänzen sich. Literaturblogger sind
Orientierungspunkte für den heutigen Buchmarkt, der im Gegensatz
zu früher einem unübersichtlichen Dschungel gleicht. Jährlich
erscheinen tausende neue Bücher.
Ein Buch – zwei Rezensionen.
•  Um die Unterschiede zu verdeutlichen, habe ich einen
Ausschnitt aus der Rezension eines Profikritikers und
aus meiner eigenen genommen. Zitat folgt.
[ Buchgegenüberstellung „Die hellen Tage“ von Zsuzsa Bánk ]
„Sie lebt mit ihrer Tochter in einem „Schon auf den ersten Seiten ihres
einfachen Haus, das im Winter vor neuen Romans zieht uns Zsuzsa
Kälte erstarrt. Alles ist feucht und Bánk in einen verwunschenen
klamm, und doch finden an dem Ort Bezirk, in dessen Mitte das
alle Zuflucht. Es ist der besonderen windschiefe Hexenhäuschen von
Eigenwilligkeit Évis zu verdanken Ajas Mutter Évi steht. Es ist neben
und diese andere Welt, die sie Aja auch diese seltsam
verkörpert. Sie zieht alle magisch an zigeunerische, irgendwie exotische
und hat etwas von einem Frau, die Seri fasziniert und Tag für
paradiesischen Kleinod in dem das Tag über die Brücke am
Dunkle verblasst. Selbst als Leserin Klatschmohnfeld in den verwilderten
bin ich durch das Gartentor Garten lockt.“
geschlüpft und wollte nicht wieder Hartmut Wilmes
weg. „
Klappentexterin
Warum über Bücher bloggen?
•  Heutzutage existierten zahlreiche Blogs, die sich nur mit Büchern
auseinandersetzen. Es kommen immer mehr hinzu und ist ein
weites Feld geworden. Über fast jedes Buch wird gebloggt. Die
Formen und die Schreibe unterscheiden sich ebenso wie das
Niveau.
•  Woher kommt die Faszination? Lesen ist ein sehr persönliches
Empfinden. Geschichten packen die Menschen manchmal an
Stellen, die sie berühren. Sie werden von Gefühlen überrollt, die sie
nicht einfach zur Seite legen können. Das Buch vielleicht schon.
Plötzlich formt sich der Wunsch: Andere sollen das gleiche Glück
wie ich empfinden. Schon sitzt man am Rechner und versucht den
Knäuel an Gedanken zu entwirren. Gleichzeitig schreibt man sich
frei und verarbeitet das Gelesene. Vom Nichtverstehen oder
Einordnen können kann daher überhaupt keine Rede sein.
Eine besondere Gemeinschaft.
•  Mit dem Niederschreiben ist es dann nicht gewesen. Nach dem
Veröffentlichen geht es weiter. Es folgen Kommentare mit Äußerungen zum
Text. Hier wird sehr häufig die Form des Schreibens beurteilt, meist lobend
hervorgehoben. Oftmals gibt es persönliche Erlebnisse, die der Leser der
Rezension gesammelt hat oder eigene Buchtipps, die in eine ähnliche
Richtung tendieren. Wir sind eine besondere Gemeinschaft. Ich spreche
hier von meinen eigenen Erfahrungen. Es wird sich regelmäßig lesend
besucht, hier und da entstehen Verbindungen, die über eine nette
Bloggerbekanntschaft hinausgeht. Was ich besonders in der Lit-Blog-Welt
schätze, ist die Herzlichkeit untereinander. Ich meine hier nicht nur die
schönen, netten Kommentare, sondern auch die Verbindungen, die
entstehen. Man schickt sich kleine Literaturkärtchen, Büchergrüße zu
Weihnachten oder ich bin nun auch in den Genuss von selbst genähten
Bücherhüllen gekommen, die ich mit Büchern bezahlt habe. Bild folgt.
[ ]
Ein besonderes Buchprojekt:
Reading Murakami.
•  Die Liebe zu Büchern führt verschiedenste Menschen aus
Deutschland zusammen. Sie nehmen auch Teil am Leben des
anderen. Aus so einer Begegnung ist ein wunderbares Buchprojekt
entstanden: Reading Murakami. (http://murakami.japanliteratur.net/)
Gemeinsam mit drei anderen Murakami-Fans habe ich einen Blog
gegründet. Anlass war der neue Roman – „1Q84“ von Haruki
Murakami, der im vergangenen Jahr erschienen ist. Im Nu hatten wir
zahlreiche Leser auf unserer Seite, mit denen wir das Werk
gemeinsam gelesen haben. Das Buch wurde nicht nur zum Erlebnis.
Es führte auch eine Gemeinschaft zusammen.
Was für eine Macht haben
wir auf dem Buchmarkt?
•  Eine große. Informationen verbreiten sich bekanntlich rasend
schnell im Internet. Ein Klick hier, ein Klick da und schon fliegt die
Nachricht um die Erde. So kann es eine Buchempfehlung von Berlin
nach New York schaffen und umgekehrt. Viele Litblogger haben für
sich auch Facebook entdeckt und sind dort mit einer eigenen Seite
vertreten. Dort posten sie ihre Blog-Texte und erreichen damit auch
Leser, die keinen eigenen Blog betreiben. Uns ist allen bekannt, was
der Gefällt mir Button für eine magische Wirkung hat. Magisch im
Sinne vom Verstreuen von Informationen. Gleiches geschieht mit
Beiträgen aus der Literaturwelt. Im Nullkommanix fliegt ein Buch
durchs Netz, das vorher so kaum einer oder gar keiner
wahrgenommen hat. Eine Rezension aus der Tageszeitung passiert
das nicht so leicht. Auf diesem Wege kann es auch passieren, dass
ein Bestsellerleser an einen Titel gelangt, der ihn neugierig stimmt
und auf den er sich vielleicht so in der Buchhandlung nicht
eingelassen hätte.
Effektive und nachhaltige
Internet-Rezension.
•  Die Buchempfehlung im Internet ist effektiv und nachhaltig. Anders als im
Buchhandel kann der Interessent sich öfter informieren. Weiterhin
bekräftigen zustimmende Kommentare von anderen Lesern die Meinung
eines Beitrags. Im Laden ist der Kunde der Zeit ausgesetzt. Er muss sich
nun ganz bald entscheiden, was ihm der Buchhändler empfohlen hat. Im
Internet kann er sich zwischenzeitlich einen Kaffee aufbrühen oder
spazieren gehen und immer wieder an den Ort zurückkehren. Gesagtes
nimmt man anders auf als Geschriebenes. Nicht zu vergessen, ist auch die
Macht der Emotionen. Die Verkäufer haben dieses Instrument vor einigen
Jahren für sich entdeckt und hangeln sich daran fest. Es geht nicht darum,
was genau im Buch passiert. Wichtiger ist, was ich empfinde. Diese Punkte
flechten die Litblogger in ihre Besprechungen mit ein, indem sie ihre ganz
persönlichen Empfindungen mit dem Werk reflektieren. In Tageszeitungen
oder Wochenzeitungen sucht man vergebens nach Sätzen wie:

„zuckersüß, am Kitsch vorbei-
schrammend, einfach herrlich und
besser als Schokolade.“
http://leselustfrust.wordpress.com/

„Ich habe dieses Buch sehr gerne


gelesen und währenddessen eine
Fülle von mitreißenden Gefühlen
erlebt wie selten zuvor.“
http://adamitsou.wordpress.com/

„Doch trotz aller Unlogik habe ich


diesen Roman nicht weggelegt. Er
ließ sich locker runterlesen, der
Kommissar ist ein sympathischer
und interessanter Mann und der Fall
an sich auch schön verzwickt, nur
die Auflösung hätte einfach
eleganter erfolgen können - alles in
allem also ein Kriminalroman mit
Potential.“
http://leseturm.blog.de/
Klappentexterin als Beispiel für
einen Literaturblog.
•  Wie sieht so ein Literaturblog aus? Darüber möchte ich nun kurz
sprechen und meine Klappentexterin vorstellen. Ich habe vor einem
Jahr meinen Blog Klappentexterin gegründet. Wie ich dazu
gekommen bin? Ich schreibe sehr gerne, seit meinem 12.
Lebensjahr schon, mit 17 war ich freie Mitarbeiterin der Lokalzeitung
meiner Heimatstadt und mit 21 Volontärin bei der HAZ. Nach den
vielen Jahren, stellte ich fest, dass das schnelle und harte
Schreiben mir nicht zusagt. Doch so ganz aufgeben wollte ich es
nicht, dafür ist es zu sehr in mir verankert.
•  Ich lese genauso gerne wie ich schreibe, jedoch keine Einheitskost,
viel mehr besondere Bücher, die mich durch eine schöne Sprache
oder ungewöhnliche Geschichte begeistern. In der Bestsellerliste
finde ich kaum solche Werke. Ich fühle mich zu Büchern
hingezogen, die in kleinen Stapeln auf den Tischen liegen. Ich
möchte die Botschafterin solcher Werke sein.
[ ]
Auswahl der Bücher - Teil 1.
•  Wie ich vorgehe? Ich lese neues und älteres Buchgut. Mit älteren
Büchern meine ich Werke, die es schon länger auf dem Markt gibt
und Klassiker.
•  Letztere habe ich durch meine Klappentexterin wieder neu für mich
entdeckt. Ich möchte ihnen ein verlässliches Sprachrohr sein.
Anfangs dachte ich: Klassiker auf einem Blog? Nein, das kannst du
nicht bringen. Warum nicht? Weil sie lang, anspruchsvoll sind und
sehr fordern. Das hat etwas davon, als würde ich meinen iPod
gegen ein Walkman tauschen. Einen Zeitsprung zurück. Altes auf
Neues setzen. Einerseits. Andererseits wollte ich die alten Schinken
entstauben und wieder ins Tageslicht ziehen. Gerade Klassiker
haben es heute schwer und werden nur noch selten gelesen. Alles
muss schnell gehen, jeder will auf dem aktuellen Stand sein – oder
wie sagt man besser? Up to date.
Auswahl der Bücher - Teil 2.
•  Gerade deshalb haben sie es heute auch schwer. Man blicke einfach auf
den Buchmarkt, wie schnell ist ein Buch in unserem Zeitalter im Gespräch
und dann wieder vergessen? Genau darin sehe auch meinen Ansatz: Altes
wieder nach oben tragen.
•  Ich durchforste auch die Neuerscheinungen, dafür bin ich zu sehr
Buchhändlerin mit Leib und Seele. Eine kleine Buchsaugerin. Gleich zu
Beginn meiner Klappentexterin habe ich einen eindrucksvollen Buchhändler
kennengelernt, der mir erzählte, dass er gezielt keine Spitzentitel einkauft
und damit erfolgreich ist. Ich dachte erst: Der ist verrückt. Nein, er ist
überzeugt von dem was, er tut und das gibt er seinen Kunden weiter. Sie
danken es ihm. Genauso mache ich es. Ich wähle gezielt Novitäten heraus,
die keine Millionen Werbekontakte haben und die mich ansprechen. Durch
eine außergewöhnliche Geschichte oder eine beeindruckende Sprache,
dich in Leseproben lese. Okay, ich gebe es ja zu: Manchmal komme auch
ich nicht an einer Tana French oder einer Nele Neuhaus vorbei und lese sie.
Ein Buch muss nicht unbedingt schlechter sein nur weil es ein Bestseller ist.
Doch im Großen halte ich eher Abstand zu der Bestsellerliste.
Nicht nur Bücher.
•  Ich wollte nicht nur Buchbesprechungen, ich wollte mehr. Die Welt der
Bücher ist groß, so groß, dass man damit auch einen Blog füllen und
andere begeistern kann, das weiß ich nun. Mir kommt es vor allem auf eine
gute Mischung an. Glücklicherweise lebe ich in einer aufregenden und
vielfältigen Stadt, die viele bibliophile Orte und über 300 Buchhandlungen
hat. Während andere Innenstädte heutzutage von großen Einkaufzentren
platt gewälzt werden, gibt es in Berlin noch zahlreiche, einzigartige
Buchhandlungen. Viele haben sich spezialisiert. Eben solche Läden möchte
ich der großen, weiten Welt zeigen. Damit war eine weitere Rubrik geboren:
Der gute Laden. In diesen Läden treffe ich auf Buchhändler, die aus vollem
Herzen zu Recht an ihren Laden glauben und die ich unterstützen möchte,
denn ich stehe für das Gute. Das gute Buch und der gute Laden. In einer
Gesellschaft, die immer mehr in den Mainstream gedrückt wird, möchte ich
entschleunigen und erden. Schon verrückt, ich möchte im schnellen Internet
das Langsame zelebrieren. Und noch verrückter: Es klappt. Bilder:
autorenbuchhandlung berlin, Hundt Hammer Stein, Hammett-
Krimibuchhandlung (Buchhandlungen, die ich vorgestellt habe)
[ ]
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Inspiration!
•  Die Klappentexterin inspirierte mich. Ich wollte nicht nur
Rezensionen, sondern auch mal was anderes wagen. So
aufmerksam laufe ich durch das Leben. Da kann es schon mal
passieren, dass eine Fotoserie „Neulich in der Bibliothek...“ entsteht.
Eigentlich wollte ich nur meine Freundin in der Bib abholen, aber
weil sie noch etwas Zeit brauchte, bin ich durch die heiligen Hallen
des Jacob-Wilhelm-Grimm Zentrum gelaufen und habe jede Menge
Spannendes entdeckt. Das konnte ich doch nicht einfach so
liegenlassen und mich zurück schleichen. Ich schon, aber die
Klappentexterin pochte gegen meine Schläfen und schubste mich
an. Also schnell die Kamera aus der Tasche gefischt und Bilder
geschossen. Was und wie ich hinterher bauen würde, wusste ich
nur ansatzweise. Die Idee entwickelt sich meist, wenn ich die Bilder
vor mir habe.
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Noch mehr Inspiration!
•  Warum soll man sein Glück allein genießen? Eben. Deshalb lud ich
andere Büchermenschen ein, bei mir Bücher vorzustellen, die ihnen
gefallen haben. Bei „Ein Buch – drei Fragen“ kann jeder mitmachen.
Und das haben sie zahlreich...
•  Hatte ich schon gesagt, dass die Klappentexterin inspiriert? Stimmt
ja. Hier habe ich noch drei weitere Beispiele darüber, was die
Literaturwelt mit einem anstellen kann:
•  Klick. Bild Kühlschrank. Bild Frau am Tisch. Bild Buch/
Literaturkalender. Bild Junge Literatur.
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Zusammenarbeit mit Verlagen.
•  Ich arbeite mit einigen Verlagen zusammen, die mir auf Nachfrage
Leseexemplare zukommen lassen. Die Verlage agieren
unterschiedlich mit uns Bloggern. Einige erkennen hier klug eine
neue einflussreiche Form der Buchbesprechung und unterstützen
uns. So sagte mir ein Pressesprecher eines großen Verlages, sie
würden vor allem die ehrliche und persönliche Meinung unserer
Beiträge schätzen. Anders als ausführliche Rezensionen in
Tageszeitungen oder Magazinen reflektieren die meisten mit einer
einfachen und klaren Sprache, was an dem Buch gut war oder nicht.
Die Netzwelt in dem Bereich ist unendlich. Es sind freischaffende
Autoren dabei und auch Hobbyschreiber, Germanisten und
Buchhändler.
Last but not least.

•  Wir Blogger sind das Sprachrohr des 21. Jahrhunderts. Wir knüpfen
Netze wie die Spinnen, sind aber keine giftigen schwarzen
Taranteln, sondern die Meister der kleinen Nadelstiche in das
bequeme Polster der etablierten Welt. Die einen berichten über das
tägliche Leben, andere über die Armut im Lande und wieder andere
über Mode oder Stoffe. Und wieder andere über Bücher. So treffen
wir uns alle hier auf der re:publica. Danke fürs Zuhören.
Danke für die Aufmerksamkeit!

re:publica XI | Klappentexterin