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Novalis: Heinrich von Ofterdingen

Zwischen Praxis und Poesie


Novalis (bed.: der Neuland bestellende) Name geht auf alte Besitzung der Familie zurück:
Großenrode bzw. magna Novalis; Familie hieß im 12. Jh. noch de Novali dann
Namenswechsel zu de Hardenberg nach der Stammburg in der Nähe Göttingens

2.Mai 1772 Geburt Georg Philipp Friedrich von Hardenberg auf Familiengut Oberwiederstedt
bei Mansfeld
1785 Vater Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg Direktor der kursächsischen Salinen
Dürrenberg, Kösen undArtern, daher Umzug nach Weißenfels; erste Ausbildung bei
Hofmeistern und in der Lateinschule
1790 Gymnasium in Eisleben
23. Okt 1790 Immatrikulation Universität Jena zum Jurastudium
1791 Ausweitung des Studiums: philosophische und historische Vorlesungen bei Karl
Leonhard Reinhold und Friedrich Schiller, persönliche Beziehung zu Schiller
24. Okt. 1791 Immatrikulation an der Universität Leipzig
27. Mai 1793 Immatrikulation an der Universität Wittenberg
14. Juni 1794 juristisches Staatsexamen in Wittenberg
25. Okt. Umzug nach Tennstedt, in das Haus des Kreisamtmanns Just
8. Nov.1794 Aktuarius beim Kreisamt Tennstedt
17 Nov. Erste Begegnung mit Sophie von Kühn (1782-1797), im Marz 1795 Verlobung
1796 Feb. Beginn der Tätigkeit in Weißenfels, seit Juli: Sophies Zustand verschlechtert, trotz
Operationen
1797 1.-10. März letzter Besuch bei Sophie in Grüningen
19. März Sophie stirbt
12.april- 31. Mai Aufenthalt in Tennstedt um Grab nahe zu sein, erwägt der Geliebten
nachzusterben
Sommer Kritische Auseinandersetzung mit Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre
Sept. Wiederaufnahme der Arbeit in Salinenverwaltung, Entschluss an Bergakademie
Freiberg Studium aufzunehmen
Dezember Reise nach Freiberg, Studienbeginn
1798 Dez. Verlobung mit Juli von Charpentier (1776-1811)
1799 Mai Abschluss des Studiums, Rückkehr nach Weißenfels, zunächst als Protokollant des
Finanzrates v. Oppel
7. Dez. Ernennung zum Salinenassessor in Weißenfels
1800 10.April Bewerbung für Stelle eines Amtshauptmanns im Thüringischen Kreis
Okt. Gesundheitszustand verschlechtert sich
6. Dez. Ernennung zum Supernumerar-Amtshauptmann im Thüringischen Kreis
1801 Verlobte und Bruder Carl pflegen ihn
25. März Tod in Weißenfels

Werke
1788 erste Gedichte
1789 Sonette, Gedichte, Verserzählungen
1791 erste Veröffentlichung Gedicht: „Klagen eines Jünglings“
1795, Herbst: Beginn von philosophischen Studien zu Fichtes „Wissenschaftslehre“,
Studienhefte und gesellige Gedichte entstehen
1798, Januar: Gedicht „Der Fremdling“;
April: Erste Veröffentlichung unter dem selbst gewählten Pseudonym NOVALIS in
der Erstausgabe der Zeitschrift „Athenaeum“. Es erscheint eine Sammlung von Fragmenten
unter dem Titel „Blüthenstaub“. Arbeit an dem naturphilosophischen Romanfragment „Die
Lehrlinge zu Sais“. Die Gedichte „Blumen“ sowie „Glauben und Liebe oder Der König und
die Königin“ erscheinen in den Jahrbüchern der Preußischen Monarchie.; Sommer: Beginn
von Aufzeichnungen im „Allgemeinen Brouillon“ für eine Enzyklopädie aller Wissenschaften
1799: Entstehung der ersten „Geistlichen Lieder“; Oktober-November: Niederschrift von
„Die Christenheit oder Europa“; November: Beginn der Arbeiten am Roman „Heinrich von
Ofterdingen“
1800, Januar: Abschluss der „Hymnen an die Nacht“, erste Entwürfe zu Klingsohrs Märchen
(9. Kapitel); April: Abschluss der Arbeiten am ersten Teil des „Heinrich von Ofterdingen“,
Entstehung der „Salinenschriften“; Juli-September: Pläne zur Fortsetzung des 2. Teils des
„Heinrich von Ofterdingen“. Dazu entstehen Gedichte, darunter „Astralis“, das „Lied der
Toten“ und „Die Vermählung der Jahreszeiten“. In einem schlechten gesundheitlichen
Zustand letzte Fragment- und Tagebuchaufzeichnungen, hauptsächlich zum Verhältnis
zwischen Krankheit und Religion sowie zu Fragen der romantischen Poetik

Braunkohleabbau zu seiner Zeit / Bergakademie

Freiberg seit 12. Jh. Zentrum des dt. Bergbaus und seines Studiums
(seit 1168 Silberbergbaustadt. 9400 Einwohner, 1794: 219 Zechen mit 5043 Bergleuten)
15. Nov. 1765 Friedrich Anton von Heynitz, sächsischer Generalbergkommissar machte
gemeinsam mit dem Freiberger Oberberghauptmann Friedrich Wilhelm von Oppel dem in
Freiberg weilenden Prinzregenten Xaver den Vorschlag, einen aus Landesmitteln finanzierten
Geldfonds zur Einrichtung einer geometrischen Zeichenschule sowie einer metallurgischen
und chemischen Schule bereitzustellen
21. Nov. 1765 Gründung Freiberger Bergakademie, öko. und wiss. voller Erfolg
Erste Bergbau-Akademie der Welt, Technische Hochschule von Weltrang

Unterschied Engl- Dtl: Industrialisierung gegen Handwerk/Kunsthandwerk

Abraham Gottlob Werner (1749-1817)


Werner Begründer einer wissenschaftlichen Mineralogie und Geologie
Schuf eine wissenschaftl. Grundlage für die Bestimmung von Mineralien (weltweit anerkannt)
1786 Inspektor der Bergakademie, Mitglied des Freiberger Oberbergamtes
Sieht Notwendigkeit einer genauen Untersuchung der Erzgebirgischen Erz- und
Minerallagerstätten
1788Auftrag vom sächs. Kurfürsten nutzbare Kohleflöße im Lande zu erkundigen
1789 Erweiterung auf alle nutzbaren Mineralien
1791Gesamtleitung für allgemeine „geognostische“ Landesuntersuchung
1800 28.April Abschluss eines Berichts über die Braunkohlenlager im Bereich der
sächsischen Salinen von Hardenberg (gilt als eine der ausführlichsten zeitgenössischen
Beschreibungen zur Gewinnung und Veredlung der Braunkohlenlagerstätten im südl.
Mitteldeutschland)
Geplant war, bis 1817 Außenarbeiten der Landesaufnahme abzuschließen
Grundanliegen erst mit Erscheinen der „Geognostischen Spezialkarte des Königreiches
Sachsen“ (1836-1845) erfüllt
Beeinflusste Novalis zur „blauen Blume“ – sieht blau als vierte Hauptfarbe mit besonderer
Stellung innerhalb der Spektralfarben; blau besonders bei Fossilien selten und daher kostbar
Farbe mit Veilchen verglichen die „aufblühen wollen“ – blau als Inbegriff von Zartheit und
angedeutetem Aufbruch

 Novalis benutzt blau zur sensiblen Markierung von Gefühlen der Sehnsucht: „Die
Ferne schmückt sich mit allen Veränderungen von Blau“ auch der Liebe spricht er
eine blaue Aura zu

Novalis und der Bergbau

Er war in seinem Beruf sehr engagiert und gewissenhaft, bezeichnete seine Arbeit als Dichter
als „nebensächlich“
Novalis war einer der verantwortlichen Leiter der ersten wissenschaftlich fundierten
geologischen Landesuntersuchung Sachsens, die die kartographischen Grundlagen für die
spätere industrielle Förderung und Verwertung der Bodenschätze des Landes schuf

Vermessung der Tiefen der Erde für Novalis reale, sowie poetische Herausforderung

 Beginn eines Bergmannsliedes: „Der ist der Herr der Erde, Wer ihre Tiefen mißt“

Dichtung geprägt von hohem Sachwissen im Bereich der Montanwissenschaft und dessen
poetischer Verklärung ins Märchenhafte

Metaphorisierung des Gesteins durch Wissen aus Erlebnissen, Beobachtungen und Studien

Novalis versucht Wissenschaft in die Dichtung zu integrieren  „Jede Wissenschaft wird


Poesie – nachdem sie Philosophie geworden ist“

Verbindung von Bergbau und Tod: nicht nur Imagination und Lyrik sondern auch real
(Unfälle, geringe Lebenserwartung, Kinderarbeit usw.)

Er sieht die Arbeit unter der Erde als Nähe zum Tod (in Brief erwähnt: näher zu Sophie)