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Ein Seelensubstanzknäuel.

[GEJ 4.117.1] Darauf sagte Mathael: „Oho, was schwebt denn dort
von der Gegend der Stadt her für ein ungeheuer großer Knäuel?! Er
kommt näher und näher. Seht seht, wie es im selben
durcheinanderwoget und schlangenartig sich windet! Was sind denn
das alles für sonderbare Gestalten?! Ich bemerke, wohl
unterscheidbar, Ochsen, Kühe, Kälber, Schafe, Hühner, Tauben,
allerlei andere Vögel, Fliegen, Käfer aller Art und Gattung; Esel,
auch etliche Kamele, Katzen, Hunde, ein paar Löwen, Fische,
Nattern, Schlangen, Eidechsen, Grillen, Stroh, allerlei Holz, eine
Masse Getreidekörner, Kleider, Früchte, sogar allerlei Gerätschaften
und noch eine Menge von allerlei, das ich gar nicht kenne! Was soll
denn das vorstellen?! Sollen das etwa auch Seelen sein, die alle wie
in einen überaus großen und völlig durchsichtigen Sack eingenäht
erscheinen und im selben durcheinanderfahren wie lockere Spreu
im Wirbelwinde?!“

2] Sage Ich (Jesus): „Das sind Seelen oder respektive Geister


unterer Art, als eine sich noch eine Zeitlang zusammenhaltende
Unglückskompanie, die sich erst dann trennen wird, wenn sie in
dem ersichtlichen Nährsacke reifer geworden ist.

3] Alles, was auf der Welt nur irgendwo als was immer besteht, ist
Seelenstoff. Wird er durch was immer in seiner materiellen Kohäsion
(Zusammenhalt) zerstört und dadurch seelisch frei, so ergreift er
sich nach der Zerstörung in der früheren materiellen Form wieder
und besteht so noch eine Zeitlang fort. Hat sich mit der Weile diese
Form mehr ausgereift mit der Intelligenz, so fängt er dann nach und
nach an, die alte Form zu verlassen und in eine lebensfähigere
überzugehen.

4] Dieser Knäuel ist ein Aufnahmegefäß für alles; was nur immer bei
dem Feuer und durch das Feuer zerstört wurde, das findest du nun
in diesem Knäuel als Seelensubstanz, mit einiger Intelligenz
behaftet. Daß sie alle in diesem Sacke wie in einem Käfige
beisammen und untereinandergemengt erscheinen, daran ist die
Angst schuld.

5] Wenn zum Beispiel auf irgendeinem Punkte der Erde große


Elementarrevolutionen in sehr naher Aussicht stehen, was natürlich
von einer großen Bewegung der Naturerdgeister oder -seelen
herrührt, so werden auch alle Tierseelen von einer großen
Bangigkeit befallen. Da fangen alle Gattungen Tiere an, sich
gegenseitig ganz freundlich entgegenzukommen und bilden eine
ganz friedliche Gesellschaft. Die Natter kümmert sich nicht um ihr
Gift, die Schlange auch nicht; die reißenden Tiere vergreifen sich
nicht mehr an den friedlichen Lämmern; die Biene und die Wespe
haben ihren Stachel wie ein Krieger sein Schwert in die Scheide
gesteckt. Kurz, da ändert alles seine Natur; sogar die Pflanzenwelt
läßt ihre Häupter traurig hängen, und es erhebt keine Pflanze eher
ihr keusches Haupt, als bis die Kalamität vorüber ist.

6] Alles aber – mit Ausnahme der Menschen –, was bei einer solchen
Gelegenheit irdisch zerstört wurde, vereinigt sich nach der
Zerstörung in der noch fortbestehenden Angst auch als
Seelensubstanz und umhäutet sich zur Not. Wenn so ein lockerer
Seelenknäuel dann etwa ein Jahrhundert lang also
herumgeschwärmt hat, so haben sich die ursprünglich
verschiedenartigen Seelenelemente gegenseitig mehr angezogen,
fangen nach und nach an, sich zu vereinen, und machen sonach
dann eine oder auch mehrere recht kräftige Naturmenschenseelen
aus.

7] Dieser vor uns schwebende Knäuel faßt alles in sich, was durch
das Feuer von Cäsarea Philippi zerstört worden ist. Dieser Knäuel
wird zu der Vollentwicklung wohl über hundert Jahre benötigen;
aber es werden dann auch über hundert reife Naturmenschenseelen
die leichte Umhäutung durchbrechen und etwa wieder nach hundert
Jahren unsern Fleischesweg durchmachen.

8] Bei Feuersbrünsten, bei feuerspeienden Bergen, auch bei großen


Überschwemmungen bilden sich gleichfort solche Knäuel. Wo wenig
tierische Elemente dabei sind, dauert die Umwandlung länger; wo
aber tierische Elemente daruntergemengt sind, wie hier, dauert sie
gewöhnlich kürzer.

9] Auch ist eben nicht die Folge, daß aus den Knäueln, in denen kein
Tier sich befindet, dennoch Naturmenschenseelen sich entwickeln
sollen; es können daraus auch Naturtierseelen oder gar nur wieder
edlere Pflanzenseelen hervorgehen, welch letztere gewöhnlich aus
den Verwesungsdünsten oder aus allerleiartigen, sogenannten
vulkanischen Dämpfen und Rauchmassen sich entwickeln.

10] Kurz, wo bei den Dünsten nachgewiesen werden kann, daß sie
entweder aus der Verwesung grob-tierischer und ebenso grober
Pflanzenmaterie hervorgehen oder bloß mineralischen
Gärungsprozessen entstammen, da entwickeln sich nur allerlei
Pflanzenseelen und vereinen sich den gröbsten Teilen nach durch
die Wurzeln, den etwas edleren Teilen nach mit den Blättern und
den edelsten Teilen nach bei Gelegenheit der Blütenbegattung mit
einer aus einem Keime hervorbrechenden und tätig werdenden
Pflanzenseele und bilden somit die segenreiche Vervielfachung der
Samenkörner und ihrer Keime.

11] Die gröberen derartigen Pflanzenseelenspezifika bleiben in der


Materie sitzen, als im Stamme und im Holzfaserstoffe, die edleren
kommen in das zartere Blätterwerk, die noch edleren bestimmen
die Frucht selbst und was derselben vor- und nachgehet, und die
alleredelsten vereinen sich dann schon zu einem in sich
intelligenten Keimleben, das dann schon fähig ist, entweder sich
selbst zu einem gleichen Leben von neuem zu erwecken, um die
alte Tätigkeit von vorne herein zu beginnen oder durch den Genuß
von seiten eines Tieres oder eines Menschen sogleich in die Tier-
oder gar Menschenseele überzugehen.

12] Darum genießt der Mensch auch zumeist nur die Frucht der
Pflanzen, damit die Pflanzenkeimseelen sich sogleich mit seiner
Seele einen können, die schon gröberen Teile des Kerns und der
Frucht aber nur mit dem Blute und Fleische und mit den Knorpeln
und Knochen, was alles nach dem Abfalle als ein noch zu Unlauteres
wieder durchs Reich der Pflanzenwelt sich dann und wann noch
mehrere Male mit hindurchzureinigen hat, bis es zu einem
Keimgeiste und zur Aufnahme in eine neue Tier- oder gar
Menschenseele vollends reif wird. – Nun wisset ihr so beiläufig auch,
wie diese Knäuel entstehen und welchen Fortgang sie nehmen, und
was da ihr Endziel ist, und so könnet ihr nun eure Betrachtungen
schon weiter beginnen und sehen, ob nicht wieder eine Erscheinung
euch aufstoßen wird!

13] Das aber, was ihr hier nun schauet, ist die erklärte Jakobsleiter,
durch die er Himmel und Erde in einer Verbindung erschaute und
sah die Kräfte des Lebens und Gottes Gedanken auf- und
niedersteigen. Jakob sah das Bild wohl, aber weder er noch jemand
nach ihm bis auf diese Zeitstunde hat es verstanden. Vor euch aber
habe Ich es nun enthüllt; aber dazu mußtet auch ihr alle durch das
Licht jener Leuchtkugel zuvor in eine Art hellen Schlafes versetzt
werden, um die enthüllte Jakobsleiter zu schauen und sie endlich
durch Mein Wort auch zu verstehen, auf daß ihr wisset, wie da
Himmlisches und Irdisches zusammenhängt und auf derselben
Stufenleiter eines stets in das andere übergeht. – Sehet über das
Meer hin, das heißt nun mit eurer Geist- oder vielmehr Seelensehe,
und saget Mir, was ihr da sehet!“

GEJ 4.117.0 – 13

Durch das innere Wort des Geistes empfangen von Jakob


Lorber.

http://jakob-lorber.cc/index.php?s=GEJ4.117.0-13&l=de
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