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Rechnender Raum K.

Zuse, Bad Hersfeld


Mit 10 Bildern

-
Z U s a m m e n f a s s U n g : Der Verfasser unternimmt den Versuch. informations und automatentheoretisches Denken auf physi-
kalische Probleme anzuwenden. Neben einigen allgemeinen Betrachtungen wird im wesentlichen der Gedanke einer Digitali-
sierung dumlicher Beziehungen verfolgt, womit die Idee der Quantisierung der physikalischen Gr6ßen weiter verallgemeinert
wird.

S u m m a r y : In the following contribution the author nies to apply an information and automata t h e q approach to c e r t a g
Problems of physics. Besides some generalconsiderations, the main thought discussed is the idea of digitalizing spatial relat-
ions whereby the %concepdonof quanticization of the physical quantities is generalized.
< i.

._

Es ist UPS heute selbstverstandlich, daß numerische Rechen- sein. Das Ziel ist erreicht. wenn Uberhaupt eine Diskussion
verfahren erfolgreich eingesetzt werden kennen. um physi- zustande kanmt und sich duaus Anregungen ergeben, die
kalische ZusammenMnge zu durchleuchten, Insbesondere eines Tages zu Lbungen flthren, die auch den Physikern
der Einsa~rzmoderner Datenverarbeitungsanlagen hat die akzeptabel erscheinen.
Anwend* numerischer Methoden enorm befruchtet. Bis-
her ist dabei stets davon ausgegangen worden, daß die Ziel-
setzung einer numerischen IxIsung darin bestehen muß, das
Im folgenden soll eine kurze Zusammenfassung dieser Ge-
danken gegeben werden. die in einer aus'ftihrlicheren Arbei
nBher behandelt werden sollen.
i
o
v a n Physiker z. B. durch eine Differentialgleichung reprg-
sentierte Modell durch ein numerisches Modell (amlich Vergleicht man diedurch die mathematischen Ansätze reprä-
der numerischen Msung der Differentialgleichung) mag- sentierten Modelle der Physik und die zugehbigen-nume-
W u t exakt anzuntihern. Ein ruckwirkender Einfluß der rischen Modelle miteinander. so ergibt sich ein charakteri-
numuischen Wsungen auf die physikalische Theorie selbst stischer Unterschied: Die physikalischen Modelle sind z. B.
besteht lediglich indirekt in der bevorzugten Anwendung durch Differentialgleichungen in Dimensionen definiert,
solcher physikalischer Methoden, die der numerischen welche durch kontinuierliche GriWen dargestellrwerden.
Wung besonders leicht zu@nglich sind. welche keinerlei Bedchrxnkungen unterlieg,y. Hingegen
€m folgenden seien jedoch einige Ideen entwlckelt. die es arbeiten die numerischen Lasungen imbesondere bei ihrer.
berechtigt erscheinen lassen, die Frage nach einer direkten DurchfUhrung mit programmgesteuerten Rechenmaschinen
Einfldnahme neuer Ideen der Datenverarbeitungauf physi- mit Gr6ßen. die nur eine diskrete Zahl von Werten zulassen.
kalische Probleme zu stellen. Die Schwierigkeit besteht Es gibt Grenzwerte in Form von Minimal- und Maximalwer-
selbstveadndlich darin. daß verschiedene Wissensgebiete ten, und es liegt eine Stufung der Werte vor. die es nicht er-
5
miteinander in Beziehung gebracht werden mIlssen. Bereits laubt, zwischen zwei gegebene Werte beliebig viele Zwischen-
die heutige Physik selbst spaltet sich immer mehr in ein- werteeinzuschalten.Hinzukammenweitere Berchrlrnkungen ,
zelne Spezialgebiete auf I 11 . Allein die mathematischen dadurch,daß eine Differentialgleichung nur durch Differen-. ,

zengleichungen angeahert werden kann, was sich z. B. in


Methoden der modernen Physik sind nicht einmal jedem
Mathematiker geuufig und erfordern flir ihr Versandnis ein der endlichen Schrittweite bei Integrationen auswirkt. Wir 0
jahrelanges Spezialstudium. kUnnen zwar durch ErhOhung der Stellenkapazitat e h e r Rechen-
maschine und durch Verkleinerung der Schrittweite derartige
Aber auch die mit der Datenverarbeitung in Zusammenhang numerische Lbungen im Prinzip beliebig exakt an die gegebene
stehenden Theorien und Wissensgebiete spalten sich heute Differentialgleichung a m h e r n , jedoch ist dies praktischen '
bereits in verschiedene Spezialzweige auf. Erwähnt seien Grenzen unterworfen. Die Autmatentheorie lehrt dann auch.
die formale Logik, die Informationstheorie. die Automaten- daß die praktisch benutzten programmgesteuerten Rechen-
theorie und die Theorie der Formelsprachen. Der Gedanke, m a i n e n im allgemeinen unter die finiten Automaten fallen
diese Gebiete, soweit sie betroffen sind, unter dem Namen und somit nur eine endliche Zahlvon Zusdnden erlauben und
"Kybernetik' zusammenzufassen, hat sich noch nicht durch- also auch nur eine endliche Zahl-von diskreten Usungen fur
setzen kannen. Sehr fruchtbar ist jedoch unabhgngig von den ein gegebenes Problem.
verschiedenen Definitiorien des Begriffes im einzelnen die
Auffassung der Kybernetik als Brucke zwpchen den Wissen- Diese diskreten Lbungen haben jedoch einen vUllig anderen
schaften [ 21 . Charakter als diejenigen, die sich aus der Quantentheorie
ergeben. Am bekanntesten ist die Beziehung zwischen Fre-
Der Verfasser hat in diesem Sinne als Fachmann der Daten- quenz und Energie etwa eines Lichtquants, das der Formel
verarbeitung einige grundsatzliche Gedanken entwickelt, E = h . W unterliegt. wobei h eine universelle Naturkonstante
die er fUr wert hllt; zur Diskussion gestellt zu werden. ist. Man spricht hier zwar gern von der Quantisierung der
Einige dieser Gedanken m6gen in der vorliegenden noch Energie. jedoch kOnnen diese Quanten jeden beliebigen Wert
unreifen Farm nicht ohne weiteres mit bewzhrten Vor- E
stellungen der theoretischen Physik in Einklang zu bringen annehmen. lediglich der Quotient 5 ist durch einen diskreten

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Wert gekennzeichnet. Es ist dies etwas anderes, als wenn in analoge Charakter der gegenseitigen Beziehungen jedoch noch
einer digitalen Rechenmaschine die Energie aufgrund der be - erhalten bleibt. Die Quantenmechanik unterwirft weitere
grenzten Stellenzahl nur eine diskrete Zahl von Werten an- Graßen einer Quantelung, was darauf hinausuuft, daß gewisse
nehmen kann. Großen nur diskrete Werte annehmen konnen. Man könnte
also mit einer gewissen Berechtigung von einem hybriden
Die Annahmen der Quantentheorie haben weitgehendeKonse-
System sprechen.
quenzen in bezug auf die Quantisierung verschiedener physi-
kalischer Großen. Auch der Gedanke, daß die Feinstruktur aber voll digitale physikalische Modelle verfugen wir heute
des Raumes gewissen BeschrBnkungen unterliegt, ist eine noch nicht. Bei Mlliger Unvoreingenommenheit erscheint die
Konsequenz der Quantentheorie. In diesem Sinne Ußt sich Frage berechtigt, ob beliebig unterteilbare, also echt konti-
auch die Heisenberg'sche Unbestimmtheitsrettion auffassen, nuierliche Graßen in der Natur uberhaupt denkbar sind. W a s I

welche die gleichzeitige Bestimmung von Impuls und Ort waren z. B. die Konsequenzen, wenn wir zur restlosen Quante-
gewissen Grenzen unterwirft. Neben leicht meßbaren elemen- lung der gesamten Naturgesetze Ubergehen wwen und aMeh-
taren Großen, wie dem kleinsten elektrischen Quantum men wflrden, daß grundsrttzlich jede GrOße irgendeiner Quante-
(durch das Elektron repräsentiert) wird der Begriff der klein- lung unterliegt?
sten Länge (Ca 10-13 Cm)und der kleinsten Zeiteinheit
bereits diskutiert. Die Vorstellung des klassischen Kontinuums Dieser Gedanke sei im folgenden etwas weiter verfolgt. Zu-
wirdzwar verlassen, jedoch nicht, indem anstelle des Kon- Mchst seien einige absaakte Beispiele digitaler Modelle be-
tinuums etwa ein Gitter diskreter Werte tritt, sondern indem sprochen, die am Schreibtisch konstruiert sind. Sie haben nur
man zu grundsiitzlich anderen Ansätzen iibergeht, wie etwa sehr entfernte Ähnlichkeit mit physikalischen Vorglbgen, sind
hoherdimensionalen Konfigurationsraum. in dem Wahr- jedoch geeignet, das Denken in digitalen Modellen anzuregen.
einlichkeitsgrUßen definiert sind. (Z. B. Aufenthaltswahr- Da es sich fn diesem A n i k e l nur um eine kurze Zusammen-
einlichkeit eines Partikels.) Auch bei dieser Vorstellung fassung handelt, h n e n zum Teil nur einige char&teristische
wird nicht von der Vorstellung des Kontinuums als solchem Ergebnisse angeflthn werden. In dem angekllndigten Sonder-
abgegangen, denn die Diffeientialgleichungen der Quanten- heft soll dannausfflhrlich auf diese und andere Beispiele einge-
mechanik sind in bezug auf die FeldgrUßen selbst keinerlei gangen werden.
BeJchrPnkungen unterworfen. Benachten wir das klassische Modell der Thermodynamik. bei.
In diesem Zusammenhang erscheint es niitzlich, die bei dem das Vexhalten von Gasen durch im Raum frei bewegliche
Rechengeraten ubliche Unterscheidung zwischen analogen, .
aufeinandentoßende Gummibxlle dargestelltwird Wegen der
digitalen und hybriden Systemen zu betrachten. In einem gxoßen Teilchenzahl wM dieses Problem rechnerisch im all- ,
analogen Gerat werden die Werte durch physikalische GrMBen gemeinen statistisch behandelt. Stellt man sich jedoch die
wie Spannungen, Position von mechanischen Gliedern, Ge- Aufgabe, das Modell direktdurch Nachrechnung der Flug-
schwindigkeiten usw. dargestellt haben also im Prinzip einen bahnen der einzelnen Teilchen zu simulieren, so kommt man
kontinuierlichen Charakter. In bezug auf die digitalen Gerate abf folgende Ergebnisse:
wurde bereits festgestellt, daß diese nur diskrete, gestufte 'Bei beiden Modellen (dem physikalischen und dem rechne-
Werte zulassen. Die Beschrdnkung auf die GroßenOrdnung rischen) gehen im allgemeinen geordnete ZuatZlnde in unge-
(Minimal- und Maximalwerte) gilt zum Teil auch fUr analoge ordnete Uber (Zunahme der Entropie). Allerdings lassen sich
Gerate, zumindest fUr die Maximalwerte. Hybride Systeme Ausnahmefille kamuuieren. bei denen bestimmte Ordnungen '
stellen Kombinationen beider Systeme dar. Einmal konnen erhalten bleiben. Nehmen wir z. B. ein Gefaß mit genau
tale und analoge Geräte miteinander kombiniert werden, parallelen Wanden an und eine Serie von Teilchen, deren
ei an denSchnittstellen Wandler fUr die verschiedenen Bahnen genau senkrecht auf einer dieser Ebenen stehen, wobei
Darstellungsarten erforderlich sind. Zum anderen kannen aber die Bahnen genugend weit auseinander,liegen, um gegenseitige
auch die Werte selbst in hybrider Form dargestellt werden, Beeinflussung zu verhindern, so bleiben diese Bahnen im Sinne
indem etwa die Dichte diskreter Impulse ein Maß fiir den zu der klassischen Mechanik erhalten, Auch im Rechenmaschinen-
repräsentierenden Wert ergibt. modell ist dies der Fall, wenn das der Rechnung zugrunde
Diese fUr technische Geräte sinnvolle Unterscheidung läßt sich gelegte Koordinatensystem ebenfalls parallel bzw. orthogonal
auch auf physikalische Modelle iibertragen. Ist die Natur zu den Wanden gelegt wird. Sicher lassen sich auch noch inter -
analog, digital oder hybrid? Beziehungsweise: Eignet sich essante weitere Spezialftille konstruieren. bei denen Stoßvor-
.
zur Formulierung der physikalischen Gesetze besser ein ana; grtnge zwischen den Teilchenstattfinden und trotzdem eine be-
stimmte Ordnung erhalten bleibt (Bild 1).
loges, ein digitales oder ein hybrides Modell?
Das Modell der klassischen Mechanik ist zweifellos analog. Wir wissen nun, daß die moderne Physik dieses klassische Bild
Die auftretenden Großen (Koordinaten. Massen, Krafte) sind
aufgelost hat, .DieStoßvorgiinge der einzelnen Teilchenwer-
keinerlei Beschränkungen unterworfen. Auch die Relativiats- den im Sinne der modernen Physik nicht streng determiniert
theorie arbeitet lediglich mit einer oberen Grenze der Ge- angenommen. Es gelten lediglich Wahrscheinlichkeitsgesetze.
schwindigkeit (Lichtgeschwindigkeit), im iibrigen aber mit
die im statistischen Durchschnitt den Gesetzen der klassischen
kontinuierlichen Werten. Mechanik entsprechen. Durch diesen Effekt tritt eine Streu-
Durch die Einfiihrung der Körnigkeit der Materie durch ihre ung ein, welche bewirkt. daß auch in theoretisch ange-
Auflösung in Molekiile, Atome und Elementarteilchen er- nommenen SpezialfiIllen mit der Zeit eine Auflaung der
halten einige Größen einen diskreten Charakter, wobei der Ordnung eintritt und die Entropie des Systems steigt.

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Wie sieht in dieser Beziehung nun das rechnerische Modell aus? FUr die Untersuchung des Verhaltens mehrerer Quellen bietet
Solange wir diesen Streueffekt nicht besonders in umer Modell sich ein kartesisches Koadinatensystem an. Dadurch sind
neben der Stufung der Koordinaten zwei ausgesprochene Vor-
zugsrichtungen gegeben, die das Ausbreitungsbild beeinflussen.

Y /

q .-
X

Y
4
Bild 1
Beispiel einer stabilen Ordnung von 8 in einem Qudrat mit
zuruckwerfcndsn Kanten frei beweglichen Ullen. Ein analoges
Modell wme unendliche Genauigkeit erfordern. In einem di-
gitalen Modell h i b t die Stabiliaterhalten. Die Stabilitltt
\
gilt jedoch nur fur diskrete S e i t e a n g e n des Quadrats. Bild 2
Ausbreitung eines Impulses Y' = 256 nach dem GeJetz
K ( Y x - l . y + Yx+l,y + Y'x,y-1 + Yx,y+l)= PXY '

'einprogrammieren', ist bei den oben erwithnten s a g a l t i g


kcqstruierten Spezialf2lllen kein Streueffekt festzustellen. k= 1-4
Sobald aber durch eine geringfugige Streuung das System in Wegen Symmetrie brauchtnur ein Sektor von 45' gezeichnet
bezug auf die spezielleOrdnung außer Takt kommt, haben zu werden. Es sind die Werte der Frontlinie in den Zeitphasen
wir es mit ithnlichem Verhalten zu tun wie bei den Modellen
der modernen Mechanik. Es ist im allgemeinen nicht e r f a -
-
I V angegeben,

derlich, einen Streueffekt besonders zu bertlcksichtigen; die


mit der Rechnung verbundenen rechnerischen Ungenauigkeiten Bild 2 zeigt ein einfaches Beispiel; bei dem in jedem Zeit-
- -
haben von SonderfZllen abgesehen dieselbe Wirkung. Das takt der W e r t eines jeden Gitterpunktes sich auf die 4 benach-
klassische Modell verlangt absolute Rechengenauigkeit. daher barten verteilt. Wir haben eine nicht kreisfdrml e Ausbrei-
im rechnerischen Modell ein Rechnen mit unendlicher Stellen- tung des Impulsesmit vorweglaufenden Spitzen!. n den K m -
zahl, Da dies praktisch nicht durchfnhrbar ist, treten bei den dinatenachsen, Jedoch ist die Verteilung in der'-Frontlinie
einzelnen StoBvorgitngen rechnerische Ungenauigkeiten auf. nicht gleichmit6ig D i e vorweglaufenden Spitzen erreichen
-
die bewirken. daß ihnlich dem Modell der modernen bald den unteren Grenzwert und sterben ab Je gr6ßer das Ver-
-
Mechanik Abweichungen der Bahnen von den Theorien der hitltnis desWertes im QuellpunktzudiesemGrenzwert ist, 0
klassischen. Mechanik auftreten, Man kUnnte auch diese Ab- desto s p t e r aitt dieser Effekt ein, Die Ausbreftung konver-
weichungen durch ein statistisches Gesetz summarisch er- giert dann gegen eine rotationssymmetrische Ausbreitung.
fassen, jedoch besteht ein wesentlicher Unterschied: Im Dies entspricht der an sich bekannten Tatsache, daß die physi-
Modell der modernen Mechanik handeltes sich um echte kalischen Modelle nur dann durch numerische Methoden gut
Unbestimmtheit, bei dem rechnerischen Modell geht alles rngeniihert werden kdnnen, wenn mit feiner Gitterstruktur
streng determiniert zu. nur nicht im Sinne der klassischen .
und hohcx S tellenzahl bzw Genauigkeit gearbeitet wird. I
Mechanik, sondern im Sinne bestimmter rechnerischer An-
atze, die die klassische Mechanik nur a d h e r n . Beides be-
wirkt die Zunahme der Entropie, DemgegenUber kann man die umgekehrte Frage stellen: Wie
stark G e n sich die numerischen A a t z e vergrabern, SO daß
Als zweites Beispiel sei das Problem einer Quelle in einem
trotzdem noch etwas Sinnvolles herauskommt? Eine solche
zweidimensionalen Raum betrachtet. Das klassische Modell
Untersuchung Bßt sich im eindimensionalen Raum mnkhst
enthillt keinerlei Beschrilnkungen in bezug auf die auftreten-
leichter behandeln.
den Feldwerte und liefert somit eine rotationssymmetrische
Ausbreitung mit stetig abnehmender Intensiat, Ein digitales Als Beispiel sei die Fortpflanzung eines Druckimpulsesin
Modell muß notwendigerweise mit digitalen Koordinaten einer Rdyleitung behandelt. Das Problem spielt z. B. eine
arbeiten. An sich bieten sich polare Koordinaten an, welche große praktische Rolle bei der Untersuchung des Verhaltens
.ebenfalls eine rotationssymmetrische UIsung ergeben. Jedoch vcn Erddlleitungen. Die verschiedenen physikalischen Modelle,
erscheint die Wahl des Koadinatensystems mitder Quelle die hier zugrundegelegt werden. laufen auf die Lasung von
als Mittelpunkt zu sehr auf den speziellen Fallzugeschnitten. Differentialgleichungen hinaus. Zwecks numerischer Wung

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dieser Differentialgleichungenkann man zu Differenzen- Wir nehmen entsprechend Bild 4 ein orthogonales Gitternetz
gleichungen Ubergehen. Schrtinkt man die mbglichen Werte an und ordnen jedem Punkt Werte qr, qy zu. Der Einfachheit
der auftretenden Variablen, z, B. Druck und Geschwindigkeit, halber nehmen wir zWichst an, da%die q-Wexte die Werte
noch durch grobe Digitalisierung ein, so kommt man schließ- -, 0, + annehmen k6nnen. W i r k6nnen dann auch von
lich zu einfachen Impulsen, welche im Extrem nur die Werte q-Pfeilen oder kurz Pfeilen sprechen. Wir legen zunlchst
0 und 1annehmen kbnnen und sich mit konstanter Geschwin- fest, daß ein isolierter Pfeil, d.h. ein solcher, der nicht
digkeit schrittweise fortpflanzen. Es entspricht dies der Fort- zusammen mit einem senkrecht zu ihm verlaufenden Pfeil
pflanzung eines Impulses in einer Relaiskette. am gleichen Gitterpunkt auftritt, sich in seiner Richtung auf
den ntichsten Gitterpunkt Ubertrlgt. Sie k6nnen sich selbst-
" versandlich nur athogonal fortschalten.
Wir brauchen nun noch ein Gesetz fUr den Fall sich kreuzen-
der Pfeile. Dies ist in Bild 5 demonstriert. Im Punkt A sind
zur Zeitphase I zwei sich kreuzende Pfeile vorhanden. Nach
unserem bisherigen Gesetz wllrden diese sich unabhlngig in
ihren Richtungen fortschalten. Wir legen nun fest, daß in
diesem Fal1,die Pfeilezwar auch in ihren Richtungen nach
Bild 3
den Punkten B und C fortgeschaltet werden, ihre Richtungen
B.und C aber vertauscht werden. Wir erhalten dann ein sta-
biles Teilchen mit der Periode 2 A t , welches sich diagonal
Bild. 3 zeigt hierfUr ein einfaches Beispiel. Wir haben die
fortschaltet.
beiden Funktionswerte V und P, welche je die Werte +1, 0,
-l(Nullen werden der Einfachheit halber nicht geschrieben)
annehmen Mnnen. Der lineare Raum ist dabei in einzelne
-
Sektoren unterteilt. Es werden die Differenzwerte Avund
Bild 5
0 0 0 0 0 .
-d p gebildet. Aus diesenWerten werden in jedem Zeittakt .
Schaltgesetz ftb zwei sich
kreuzende Pfeile qx, qy ent-
neue Werte V und p errechnet nach der Formel:
sprechend Bild 4. 0 +nf 0 0
V -dp * V Punkt A Phase 1: Kreuzende
p - A v * ~ Pfeile on-0 0 0
Punkte B, C Phase Ik C
Die Übertragung dieses Verfahrens der groben Digitalisierung
Richtungen der Pfeile 0 0 0 0 0
auf mehrdimensionale RStume ftihrt ebenfalls zu interessanten
werden vertauscht.
Ergebnissen. Jedoch ist es nicht so einfach, hier stabile
S&kturen zu erhalten. Den einzelnen Impulsen in einer
Rohrleitung entsprechen Wellenfronten im Raum. Bei grober
Digitalisierung zeigt sich, daß bevorzugte Richtungen fUr die
Fortpflanzung solcherW ellenfronten bestehen.
Interessant ist jedoch die Frage nach solchen Strukturen, die
f
't 0 0

0
0

0
sich nicht im Raum als Wellenfront. sondern in Form von
dumlich begrenztenStrukturenfortpflanzen, die in eine . -
0 " - y = o 0
gewisse Analogie zu Elementarteilchen gesetzt werdenk6nnen. Bild 6
Wir wollen
solche
Gebilde
Digitalteilchen
nennen.
Diagonal
laufendes
Elementarteilchen
Wir verfugen jedoch iiber kein einfaches physikalisches Modell, entsprechend dem
welchesbeispielsweisedurch einen Satz von Differential- '
Gesetz von Bild 5 . ~
gleichungen die Fortpflanzung eines solchen stabilenTeil-
chens reprtisentiert. Das Modell des Wellenpaketes fuhrt zu
instabilen Gebilden, welche zerfließen. Es sei daher zunachst
davon abgesehen. solche Digitalteilchen in Anlehnung an
Wir haben nun Teilchen, die sich in 8 diskreten Richtungen
physikalische Modelle zu endckeln; sondern es sei eine
in der Ebene fortschalten k6nnen. Es Ußt sich eine Reihe
reine Konstruktion auf dem Papier vorweggenommen.
interessanter Beispiele fUr die Begegnungen solcher Teilchen
bilden. W i r bleiben dabei zunzchst bei der Festlegung. daß

Y I. Bild 4
Pfeile nur die Werte -, 0. + annehmen k6nnen. Am gleichen
Gitterpunkt heben sich zwei entgegengesetzte Pfeile auf, und
zwei gleichgerichtete wirken wie ein einzelner Pfeil. Bild 7
0 0 0 0 Zweidimensionaler zeigt ein Beispiel.
Digitalraum mit Es zeigt sich, daß der Verlauf der verschiedenenBegegnungen
oq+o 0 Werten qx, qy pro Punkt. zeitphasen- und abstandsphasenabhtingig ist. Die Teilchen
qv k6nnen durch einander durchlaufen oder sich vernichten oder
X
o o o o - - - - c neue Teilchen bilden.

339
Bei d a Begegnung kommt es sehr darauf an, ob der Schnitt-
punkt der Teilchenbahnen aufeinem definierten diskreten
Punkt des Koordinatensystemsliegt. In diesem Fall findet
eine Reabtion statt.

1
Bild 9
Teilchen entsprechend Gesetz von Bild 8. Pfeilverhlltnfs 5 : 2.
Die Bewegungsrichtung entspricht dem Pfeilverhllmis. Das
0 0 "-Y.=$ Bild 7 Teilchen
die
hat Periode 7 A t und durchlauft
periodisch 7
Zwei sich schneidende Phasen. Die Teilchenbahn geht'nur einmal pro Periode durch
Teilchen A, B ergeben einen definierten diskreten Punktdes Koordinatensystems.
...
ein neues Teilchen C. (Nullphasenpunkt Q). Zwischendurch "zerfließt" das Teilchen.
:

...,. Man kann Linien gleicher Phase konstruieren (Phasenlinien) . I-

. T0 f T6 .2'
.I

.:
.1

W i r Mnnen nun die Meglichkeiten dieses Systems erweitern,


indem wir Pfeile verschiedener absoluter Unge zulassen. F& Bild 10 zeigt ein Beispiel fU die Reaktion Zweier Digital-
Pfeile gleicher Richtung setzen wir einfach das Additions- teilchen A und B, welche. sich zu einem Teilchen C, ver-
p e t z ein. Schwieriger wird es, das Gesetz von Bild 5 auf einigen. Eine solche Reaktion findet jedochnur bei bestimm-
sich laeuzende Pfeile verschiedener Unge auszudehnen, Wir ten Phasenlagen s t a t t . In dem gewalten Beispiel schneiden
treffen folgende Festlegmg. sich die idealisierten Teilchenbahnen zu gleicher Zeit in
ihren Nullphasenpunkten. Man kann verschiedene Beispiele
Bei orthogonal zueinander stehenden Pfeilenwird d? Ungere
fur solche Begegnungen konstruieren. Ohne Kenntnfs der
in zwei Teile zerlegt. der Betrag des einen ist gleich dem
Feinstruktur des loglachenGesetzes. dem die Digitalteil-
Betrag des athogmal dazu laufenden Pfeiles und wirkt mit
chen gehwchen. sind nur Wahrscheinlichkeitsaussagen uber
diesem zusammen entsprechend Bild 5 . Der Rest wirkt wie ein
die R e a k t i o n solcher Teilchen m6glich.
isolierter Pfeil (Bild 8).

nehmen kennen, Dime kennen im Extremfall Ja-Nein-Werte


Wir kamen jetzt Teilchen verschiedener Fortpflanzungs-
(Bits) sein: jedoch sind auch mehrwenige Variable mit ent-
richtung koarrmieren. Die Zahl der verschiedenen meglichen
sprechender mehrwertiger Logik verwendbar. Eine besondere
Richtungen hangt von der Zahl der m6glichen Wertef& die
Rolle spielt vielleicht die dreiwertigeLogik, da mit den
Beatrge dler Pfeile ab.
Werten +1, 0, -1 besonders gttnsdg gearbeitet werden kann.
Bild 9 zeigt ein Beispiel mit dem PfeilverhUnis 5 : 2. Die Eine sehr wesentliche Frage ist die, ob eine Digitalisierung
Bewegungsrichtung entspricht dem Pfeilverhlltnis. D i e Teil- zwangsllufig mit einer Gitterstrukturdes Raumes verknupft
chendurchlaufenverschiedenePhasen. Das Teilchen-von ist. Diese hat weitgehendeKonsequenzen, die nichtohne
Bild 9 hat die P e r i d e 7 d t. Die Teilchen gehan pro Periode weiteres im Einklang mit den heutigen Vorstellungen der
durch einen diskretenKooldinatenpunktQ (Nullphasenpunkt). Physik stehen. z.B. der Isotropie des Raumes. Die Benutzung
Zwischendurch "zerfließen. die Teilchen: Man kannLinieneines rlumlichen und zeitlichen Gittersist zunlchst zweifels-
gleicher Phase(Phasenlinien ZO bis 26) konstruieren.ohne die bequemste LUsungfUr eine Digitalisierung.Aller-

340
dings stehen außer demdurch kartesische Koadinaten gege- von 10'13 Cm gewahlt werden mllssen; denn die GrOße 10'13
benen Gitter auch andere M6glichkeiten zurVerfUgung, z. B; c m liegt ja in der GrMenordnung derAusdehnung der Atom-
kann man die dichtesteKugelpackung Wahlen. .kerne bzw. deren einzelner Partikel. Die elektrostatische
Wechselwirkung steht zur Wechselwirkung infolge Gravita-
In allen diesen Fallen haben wir es mit Automatentypen zu
tfon im Verhil&is von etwa 1040 : 1. Damit ist& auch klar.
daß einfache Modelle zellularer Automaten nicht ausreichen
tun, die unter dem Namen "zellulare Automaten. in der
kdnnen. um zu brauchbaren Ergebnissen zu gelangen.
.
Literatur bereits behandelt worden sind [ 31 Es handelt sich
dabei um die Aufteilung eines im Prinzip unbegrenzten mehr- Digitalteilchen kann man auch als sich selbst reproduzierende
dimensionalen Feldes in periodisch sich wiederholendeZellen. Systeme auffassen. Man kann von einem "Normalzustand"
Jede Zelle kann ftir sich als isolierter Automat aufgefaßt wer- des Gitters der zellularen Automaten atwgehen, der durch ein
den. Er steht mit den Nachbarzellen durch Austausch von bestimmtes Muster gestartet wird. Dieses Muster ist wand-
Information in Verbindung. Die Eingangsvariablen stellen die lungsnhig und besteht zeitlich gesehen aus einer Folge von
von denNachbarzellenilbertragenenWertedar, wahrend die . Zuslnden. die sich periodisch wiederholen. Die Wieder-
Ergebniswerte gleich den an dieNachbarzellen abgegebenen holung ist dabei jedoch nicht Ortlich gebunden, sondern das
Werten sind. Da der zellulare Automat nur einen begrenzten Muster kann wandern und sich's0 gewissermaßen in einem
Umfang hat, hat er auch nur eine begrenzte Zahl von ZustSLn- Nachbargebiet wieder selbst reproduzieren.
den.
Dieses Fortschaltgesetz ftir Sttkungen des Normalzustandes ge-
Die Gr6ße einer solchen Zelle muß dabei so gewahlt werden. nugt jedoch noch nicht. Bei Annahme von Feldwerten muß die
daß das Verhalten des Gesamtsystems durch die Beschreibung Ausbreitung dieser Felder selbst und das Zusammenspiel der
des Verhaltens einer einzelnen Zelle vollsdndig erkurtist. Digitalfelder mit den Digitalteilchen durch das Schaltungsge-
Bei den besprochenen Beispielen bestehtdie Zelle aus einem setz zellularer Automaten gegeben sein. Dabei mUssen die
einzelnen Gitterpunkt (z.B.Bilder 4 bis 10). der in unmittel- einzelnen Vektoren, z.B. diejenigen der Maxwellschen
baren Beziehungen zu den Nachbarpunkten steht, FUr die Dar- Gleichungen, durch Digitalwerte innerhalb der zellularen
stellung komplizierter Gesetze kann man sich in jedem Gitter- Automaten reprasentiert werden. Dies bedingt, daß diese
punkt ein kleines Rechengerat vorstellen. Es ist leicht einzu- nicht nur gestuft sind, sondern auch Minimal- und Maximal-
sehen, daß die Fulle der M6glichkeiten hier außerordentlich werte aufweisen, Das bedeutet, daß FeldgrMen im digitalen
groß ist. Modell weder beliebig klein noch beliebig groß sein k6nnen.
Schwierig ist es, solche Zellen zu konstruieren, die einer- Wie bereits endhnt, stellt ein dumlich und zeitlich perio-
seits ein Ausbreiten von Feldern, andererseits die Existenz disches Gitter zWchst nur die mathematisch am einfachsten
beweglicher Schaltungsmuster (Digitalteilchen) zulassen. zu behandelnde m u n g dar. Abweichungen hiervon bedeuten
Dabei ist zu beachten, daß die Natur mit einer außerordent- Modulationen der Gesetze, die auf gewisse Inhomogenidten
lichen Feinheit sowohl in der Raumstruktur als auch in der hinauslaufen. Es gibt z.B. die Theorie der wachsenden Auto-
Gr6ßenordnung der Variablen arbeitet. Die Feinstruktur maten. Ferner kann mit Wahrscheinlichkeitswertengearbeitet
eines solchen Gitters wird sicher noch wesentlich feiner als werden. Dieses Problem durfte einer grbdlichen Untersuchung
die von den Physikern heute angenommene kleinste Lange von berufener Stelle wert sein.

341
Ein nicht isoucper durch Gitterstruktur repräsentierter Raum hat der Lichtgeschwindigkeit nahert, desto kritischer wird die digi-
selbstversttlndlich Vorzugsrichtungen in bezugauf die Aus- tale Simulation der Vorgänge. Bei energiereichen Teilchen
breitung von Strahlen. Dies widerspricht zuniichst unseren Er- mtlßte es zu Vorgängen kommen, die man gewissermaßen als
fahrungen. J 3 ist bis jetzt kein Experiment bekannt, d? auf ein "sich Verrechnen" des rechnenden Raumes bezeichnen
eine solche Richtungsdifferenzierung shlielben P B t . Aller- kann. Dadurch kannte grundsätzlich anderes Verhalten von
dings ist auch noch nicht systematisch danach gesuchtworden. Tei&hca sehr hoher Energie (hahere Geschwindigkeitbzw.
Im Bereich der normalen Optik dlirfte eine solche Suche wohl h&ere Freqoenz) e r U n werden.
auch vergeblich.sein. Selbst bei Rirntgenstrahlen sind die
WellenUngen noch sehr lang gegenUber der elementaren Durch diese verschiedenen Betrachtungenerhalt der Begriff
Lange von 10-13 Cm. der Information eine wesentliche Bedeutung. Die Informations -
theorie hat den Begriff des "Informationsgehaltes" in bezug auf
Wenn uberhaupt, so kannten solche Effekte wohl nur bei außer- Nachrichtenubertragugssysteme klar formuliert. Man neigt
ordentlich energiereichen Teilchen beobachtet werden. Nun daher dazu, die Informationstheorie als die Theorie der In-
beginnt unsere heutige Experimentalphysik aber geradeerst,
dieses Gebiet zu enchlieSen. Nur ein Physiker kann eine Ant-
formation und vielleicht auch Informationsverarbeitung Uber -
haupt zu halten. Das trifft jedoch nicht zu. Die leichtfertige
wort auf die Frage geben, ob derartige Experimente erfolgver- iibemagung der Begriffe der Informationstheurie auf Nachbar-
sprechend sein kannten. Wenn 2.B. die Richtungsdi:ferenzie- gebiete der Nachrichtenubertragung fUlm leider oft zu Unklar-
rung selbt-beienergiereichen Teilchen noch feiner ist als die heiten. Auch bei der vorliegenden Betrachtung mllssen wir
Aufl&ung beispielsweise von Nebelkammeraufnahmen, so kann uns klar werden, was unter Informationsgehalt usw. verstan-
sie nicht entdeckt werden. Außerdem wäre wegen der Erd- den werden soll. Bei den rein physikalischen Prozessen kann
drehung eine,zeitliche Sortierung und Ordnung der Aufnahmen man schlecht von Nachrichtentlbemagung sprechen. Dies
erforderlich.'
Die Frage der Isotropie desRaumes erfordert selbstverstbdlich
wäre an sich nur interessant, sobald wir den Menschen in die
Betrachtung einbeziehen. Bei Annahme einer unendlich feinen 0
auch eine Auseinandersetzungmit der Relativi,tXtstheorie.Die Ausbreitung unserer beispielsweise durch elektromagnetische
fUr die spezielle Relativit2ntheorie wesentlichen Lorenti- Wellen ausgesandten Nachrichten mUßten diese ewig erhalten
transformationen lassen sich selbstversandlich auch durch bleiben, sofern dem nicht die zeitlicheEndlichkeit des Welt-
numerische A d t z e beliebig an&ihern. Allerdings wird es alls Grenzen setzt. Im iiberuagenen Sinne kann man dann
schwer sein, das Modell der Relativiatstheorie fn der konse- auch davon sprechen, daß die Strahlen, die aus dem Weltall
quenten F& digital zu simulieren. Unsere physikalische
vcn anderen Sternen zu uns kommen. flir den Menschen Nach-
Erfahrung sigt zuniichst, daß kein ausgezeichnetes Koadina- richten bedeuten. wodurch die Frage nach dem Informations-
tensystem nachweisbar ist und daß wir in unseren Berechnungen gehalt dieser Nachrichten sinnvoll wird. Sieht man von dieser
Bedeutung der Information als Mittel der Nachrichtealiberna-
berechtigt sind, jedes Koordinatensystem als gleichberechtigt
dem andsren gegenliber anzunehmen. wobei die Lorentztrans-
gung ab. so kann man trotzdem auch bei nicht belebten
Systemen von einem Informationsgehalt sprechen, wenn man
formatiaren dieBeziehungen zwischen diesen Inenialsystemea
die Variaticnsbreite der maglichen Gestaltungen eines Gegen-
famulieren. Die strenge Auslegung derRelativittltstheaie '

zieht aberSchluß,daß es auchtatsächlichkeinausge- standes, Musters oder dergleichen betrachtet. So kann ein
Schlmsel aufgrund seiner Variabilittlt einen&stimmten Infor-
zeichnetes Koordinatensystem gibt und es zwecklos ist, durch
Experimente danach zu suchen, Bei der Auffassung des Kos- fnationsgehalt. in B i t gemeqen, enthalw. h diesem Sinne
mos als zellularen Automaten kommt man jedochan der An- kann man den oben besprochenenDigitalteilchen einen Infor-
,*-*
nahme von ausgezeichneten Bezugssystemen wohl kaum vor- matiaugehalt zuadnen. der der Zahl der m6glichen Varia-
bei. Man kann allerdings die Strukturen von zellularen Auto- timen dieser Teilchen entspricht. Bei den in den Beispielen
maten so konstruieren. daß es mehrere, aber endlich viele aus- von Bildern 8. 9, 16 gezeigten Digitalteilchen hiingt dieser
gezeichnete Koordinatensysteme gibt. Die Konstanz der Licht- Informatimgehalt von der maximalen Pfeilgraße (als ganze
geschwindigkeit in allen Inertialsystemen wiire durch die digi- poitive bzw. negative Zahl) ab.
tale Simulierung der Lorentztransformationenund die damit
zusammenhhgenden Verkuzungen von Kirrpern darstellbar. Der Gedanke, daß die Informatim bei physikalischen Be-
Allerdings muß sich in einem solchen Modell eine Beziehung trachtungen eine wichtige Rolle Ubernehmen kann, ist schon
zwischen der. Lichtgeschwindigkeit und der itbemagungsge- .
verschiedentlich ausgesprochen worden C21 Die von
schwindigkeit zwischenden einzelnen Zellen d& zellularen Z e m a n e k geäußerte Auffassung, daß die beiden elemen-
Automaten ergeben. Diese mtissen nicht notwendigerweise taren Dimensicnen naturwissenschaftlicher Betrachtungsweise,
identisch sein. Im Gegenteil ist anzunehmen, daß die iiber- nämlich Stoff und Energie, um die Elementardimension Infor-
tragungsgeschwindigkeitvon Zelle zu . Z e l l e Mer sein muß mation erweitert werden kanne, kann man allerdings etwas
als die erst durch diese Ubertragung zustandekommenden abwandeln: Eine grltndliche Bearbeitungdes Problems wird
Signalfortpflanzungen. Diese hahere Geschwindigkeit hat je- wohl eher zu dem Ergebnis fuhren, daß die bisher verwandten
doch nux lokale Bedeutung. Sie ist aufgrund der Anisotropie Elementardimensionen mit Hilfe der Begriffe. die mit der
des rechnenden Raumes auch verschieden in verschiedenen Information in Zusammenhang stehen, erkurt werden mUßten.
Richtungen. Allerdings ergibt das "digitale" Modell im Ver- Informatiomgehalt ist nur einer dieser Begriffe. Hinzu kommen
gleich zum "analogen" Modell der Relativitätstheorie einen elementare Informationsverarbeitungsprozesse und Begriffe
wesentlichen Unterschied: Je mehr sich die relative Geschwin- der Schaltalgebra. wie Schaltglied. Schaltvorgang. Schalt-
digkeit eines Inertialsystems im VerhlltniS zum Bezugssystem Z e i t und dergleichen. Auch die Erhaltungssätze der Physik

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kennten dann in entsprechenden Begriffen der Informations- kaum standhalten kannen. Es ist auch nicht anzunehmen. daß
theorie und Automatentheorie ihren Ausdruck finden. Am sie wirklich begrthdet werden kann. Das Denken in ganzen
nkhstliegenden ist die Frage, ob wir von einer Erhaltung Zahlen und diskreten Zusdnden erfordert ein Denken in un-
der Information im Kosmos sprechen kannen. Faßt man den stetigen uberglngen, bei denen das Kausalgesetz durch Algo-
Kosmos im Sinne des rechnendenRaumes als große Rechen- rithmen formuliert ist. Das Arbeiten mit diskreten Zusdnden
maschine auf, die von außen nicht beeinflußbar ist, so gilt und Quantisierungen als solches bedingt nicht iiotwendiger-
im Sinne der Informationstheorie, daß die Information dieses weise einen Verzicht auf eine kausale Betrachtungsweise.
Systems nicht vermehrt werden kann. Das gilt auch fUr
Systeme. in denen die Entropie im physikalischen Sinne zu- Wichtig ist die Frage, ob die Determination in beiden Zeit-
nimmt, selbst wenn die Informationstheorie lehrt. daß der richtungen gilt. Das klassische Modell der Mechanik erfullt
Informationsgehalt eines Nachrichtensystemsmit seiner diese Forderung nach zeitlicher Symmetrie bekanntlich in
Entropie steigt. idealer Weise. Die statistische Quantenmechanik fuhrt den
Bei digitaler Auffassung des Kosmos ist notwendigerweise der Begriff der Wahrscheinlichkeit ein und sieht in der Zunahme
Informationsgehalt in einem abgeschlwenen Raumbereich der Entropie ein Abweichen von der zeitlichen Symmetrie.
begrenzt, was einige Konsequenzen nach sich zieht. Ebenso Finite Automaten folgen im allgemeinen nur den in positiver
ist der Informationsgehalt eines Digitalteilchens begrenzt. Zeitrichtung determinierten Gesetzen. Der Algorithmus setzt
Allerdings zeigt ein Blick auf die Natur, daß dieser sehr hoch nur fest. welcher folgende Zustand sich aus dem gegebenen
sein muß. Betrachten wir ein Photon, so muß die Richtung ergibt, nicht umgekehrt. Es lassen sich zwar Automaten kon-
seiner Fortpflanzungund die W e l l e n h g e in dieser Information struieren. bei denen auch der vorhergehende Zustand durch
ihren Ausdruck finden. Beide GrlU3en mUßten jedoch bei digi- den folgenden bestimmt ist. was jedoch nicht notwendiger-
taler Auffassung so fein gestuft sein, daß eine solche Stufung weise Symmetrie der Gesetzein zeitlicher Richtung bedeutet.
bisher durch keinerlei Experiment entdecktwerden konnte. Ein Blick auf Rechenmaschinen m6ge dies veranschaulichen.
-
Eine Rechenmaschine ist einwandfreies Arbeiten vorausge-
Schwieriger wird die Frage nach dem Informationsgehaltvon
Teilchen, wenn man die Beeinflussung durch Felder betrach-
-
setzt in positiver Zeitrichtung determiniert. Im allgemei-
'nen sind Rechenvorgange nicht umkehrbar, was sich schon
tet. Die Beschleunigung eines Teilchens erfolgt dann auf- daraus ergibt, daß die logischen Grundoperationen, welchedie
grund einer Informationsverarbeitung. Ebenso ist die Frage elementaren Bausteine aller h6heren Rechenoperationendar-
nach der Informationsbilanz bei der Reaktion zwischen stellen, nicht umkehrbar sind @.B. a V b*c). Ein Zilhlwerk
Teilchen interessant. . stellt ein Beispiel einer Rechenmaschine dar, welche im
' -
Mit infamatians und automatentheoretischen Betrachtungen Effekt in beiden Richtungen determiniert ist, da es in der '

in engem Zusammenhang steht die Frage der Determination einen Zeitrichtung VOIW&IS und in der anderen rtlckwms
und Kausalidt. Die Automatentheorie arbeitet mit dem Be- a l t , sofern man nur die Zutandstabelle betrachtet und die
griff des Zustandes eines Automaten. Finite Automaten Vorginge im einzelnen nicht analysiert.
kennen eine begrenzte Anzahl von Zusdnden einnehmen.
Liegt kein Eingangssignal vor. so ergibt sich aufgrund des W i l l man das Modell der klassischen Mechanik durch Rechen-
dem Automaten zugrunde liegenden Algorithmusaus dem ge- gerHte symbolisieren, so sind die Meglichkeiten durch denbe-
gebenen Zustand der folgende. Das Gesetz eines Automaten grenzten Informationsgehalt der Gertite beschritnkt. Das Mo-
kann daher durch eine Zustandstabelle dargestellt werden. Da dell der klassischen Mechaniksetzt auch einen unendlichen
die Autmatentheorie mit abstrakten Begriffen arbeitet, er- Informationsgehalt nicht nur des Kosmos im Ganzen, sondern
folgt dieser Obergang von einem Zustand in den anderen in auch beliebig kleiner Raumteile voraus. Dieser Umstand
der Theorie ohne Zwischenstufen. Dabei fragtdie Automa- scheint bisher nichtgenugend in Betracht gezogen worden zu
tentheorie nicht danach, wie bei einem technisch tatsgchlich sein.
ausgeftlhrten Automaten ein solcher Übergang erfolgt. Es
interessiert lediglich, daß z. B. ein Flip-Flop innerhalb einer Die in den Beispielen angefuhrten Digitalteilchen unter-
gewissen Zeit, der Taktzeit, von einem stabilen Zustand in liegen, isoliert betrachtet, einem zeitlich symmetrischen
den anderen Ubergeht. Daß man diesen Vorgang des Um- Gesetz. Ein sich geradlinig fortschaltendes Teilchen kannin
schlagens selbstverstiindlich technologisch analysieren kann, beiden Zeitrichtungen determiniert verfolgt werden. Bei Re-
liegt außerhalb der Betrachtungsweise der Automatentheorie, aktionen von Teilchen untereinander liegt nur Determination
solange diese sich nicht ausdrucklich bemuht. solche Einzel- in positiver'zeiaichtung vor. Es wird sicher schwierig sein.
heiten mit zu erfassen. ein Gesetz fUr Digitalteilchen zu finden, das in beiden Zeit-
richtungen determinierte Beziehungen festlegt. Kritisch ist
Von Physikern wird mitunter die Ansicht vertreten, daß der dabei die Frage der A u h u n g der Aufspaltung eines Teil-
stufenlose Übergang eines Atoms von einem stabilen Zustand chens in zwei neue Teilchen. welche der Umkehrung der Ver-
in den.anderen mit dem Kausalgesetz schlecht in Einklang einigung Zweier Teilchen entspricht.
zubringen ist; z. B. Arthur M a r c h "Die physikalische
Erkenntnis und ihre Grenzen", Seite 19 [4] . Er versteht Die Frage der zeitlichen Symmetrie der physikalischen Ge-
dort den Begriff der Kausaliat so, daß der ubergang von setze wird neuerdings vielfach in Zusammenhang mit den
einem abgeschlossenen Systemzum Mchsten ein kontinuier- Spiegelungseigenschaften des Raumes diskutiert. Eine auto-
liches Geschehen voraussetzt. Diese Auffassung wird einer matentheoretische Betrachtungsweise kannte dieseDiskussion
automatentheaetischen Betrachtung physikalischerProzesse vielleicht wesentlich befruchten.

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Bildlich wlre der rechnende Raum als Relaiskamor deutbar, nattlrlich verschiedene Verhaltensweisen mtrglich. Man kaan
wobei wir uw allerdings vcn irgendwelchen k d e t e n Vor- sagen, die Idee des rechnenden Raumes stehe im WMerspntch
Stellungen bezuglich der Relaistechnik selbst velligfrei zu einigen heute anerkannten SPtzen derPhysik @.B. bonopie
machen rntben. Auch mußten die bereits angedeuteten M%- : des Raumes), infolgedessen k&me es ihn nicht geben. Diese
lichkeiten wachsender bzw.
variabler Automaten mit in Be- Auffassung wird heute vielfach von Physik- vertreten. ohne
tracht gezogen werden. . daB man sich wohl Uber die Konsequenzen ernsthaft Gedanken
gemacht hat. Man kann aber auch den Versuch machen, die
Wenn auch die vahergehendenBetrachtungen nochnicht zu
Gesetze des rechnendenRaumes so zu modulieren. daß diese
handgreiflichen Msungen fuhren. so durfte doch gezeigt sein,
WMersprUclie verschwinden. SchlieI3lich kann man auch die
daB d a volgochlagene W e g einige neue Perspektiven etaff-
durch die Idee des rechnenden Raumes in Frage gestellten V a -
net, welche wert sind, weiterverfolgt zu werden. Die Einbe-
Stellungen kritfschbetrachten und ihre Gultigkeit nach neuen
Z i e h u n g von Begriffen der Infamadons- und Automatentheorte
Gesichtspunkten untersuchen.
in phyrikalische Betrachtungenwird umso d r i n g l i c k werden,
je mehr q- ganzen Zahlen, diskreten Zustztnden und der- Im folgenpen sei noch eine Gegenubentellung der meglichen
gleichen g-beitet wird. Angesicho der Konsequenzensind Auffassungen versucht.

Klassische Physik Rechnender


Quantenphysik Raum

Puuktmecha&k . Wellenmechanik Automatentheaie


Schaltalgelxa
Korpuskel
?
Welle - Korpuskel Schaltzustand, Digitalteilchen

-rog ,
hybrid digital
Analysis Dffferentialglei&ungen Boole'sche Algebra

A l l e Gtasen kontinuierHch . Einige G r W n gequantelt A l l e GrU6en nehmen nur diskrete W e r t e an

Keine Grenzwerte Auser Lichtgeschwindigkeit . Minimal- und Maximalwerte imtlicher


keine Grenzwerte Gr6ßen
Unendw geiaa Unbestimmtheitsrelation Begrenzte Rechengenauigkeit
Kausalirrt in beideh Zeit- Nur statistische Kausalirat Kausallrat nur in positiver Zeitrichtung,
richtungen AuWung inWahrscheinlichkeit Einfuhrung von Wahrscheinlichkeitrtmen
maglich. aber nicht nedg
Klassische Mechanik wird Wahrscheinlichkeitsgesetze der Quanten -
statistisch angeahext Physik durch determinierte,RaumsPuktur .
erkurbar
r;
Urforme1 Urschaltung

Es sei noch betont; da6 die bisherigen Untersuchungen des


Verfassers rein auf dem Papier durchgefuhrtworden sind.
Weitere UntersuchungenmUßten unter Zuhilfenahme moder-
ner RechengerPte vorgenommenwerden. Literatur

Anhang
[1] C . 4.Frhr.von WeizsPcker, Hamburg. " Die Einheit
Die Idee des Gitterraumes wurde in letzter Zeit ih mehreren
.
Aufsatzen durch Fritz Bopp behandelt [ SI Diese Arbei-
der Physik", Physiker-Tagung 1966, Plenarvom2ige I
Verlag Teubner, Stuttgart.
ten und die Arbeit des Verfassers erfolgten Vallig unabhlngig
vmelnander. Bopp geht als Physiker von anderen Varstellungen
[ 21 H. Zemanek, Wien, " Die Kybernetik als interfakulta-
aus und wendet eine etwas andere Betrachtungsweise an. Es
tlve Formalwissenschaft-, Physiker-Tagung 1966.
ist jedoch zu hoffen, daß eine gegenseitige Befruchtung der
PlenarvorMge I, Verlag Teubner, Stuttgart.
beiden Standpuukte (des physikalischenund des automaten-
theoretischen) zu wertvollen Erkenntnissen fuhrt. Fltt den
physikalischen Laien ist es allerdings schwer versdndlich.
-
warum dem fiktiven Gravitationsudius (6.7 10* Cm)
eine solche Bedeutung beigelegt wird. Ein derartig feiaes
[ 41 Arthur March, Innsbruck, " Die physikalische Erkenntnis
Gitter wtJrde bedeuten, daß im Raum von der Greßenordnung
und @re Grenzen", Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig.
der Elementarunge von 10-13 cm noch einmal ein ganzer
Kosmos untergebracht werden kennte. was vom automaten-
[ 51 Fritz Bopp, Zeitschrift fUr Physik, Band 200, Heft 2.
theoretischen Standpunkt wenig plausibel erscheint.
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